Rückblicke, Grosse-Bley, Journalistenpreise

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Wir erinnern uns zu Tode“
(perlentaucher.de/blog, Thierry Chervel)
Thierry Chervel, und der muss es wissen, denn er liest täglich ausführlich darin, über den aktuellen Zustand der Kulturteile: „Unsere Feuilletons – aber ist es im Fernsehen so viel anders? – bestehen aus Rückblicken. Der Jahrestag ist der cache-sexe der Ideenlosigkeit.“

2. „Memo an alle Blick-Ressortleiter“
(blog.persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski schreibt einen Brief, in dem er sich als Ralph Grosse-Bley ausgibt, der Anfang 2009 von „Bild“ zu „Blick“ geholt wurde und dort de facto als Chefredakteur waltet: „Bewegt eure Ärsche und beweist, dass dieses Land genauso verrottet, verdorben und kaputt wie das von Bild täglich präsentierte Deutschland ist, auch wenn wir hier noch ein klein wenig mehr nachhelfen müssen.“

3. „Wie virale Werbung in die Medien eindringt“
(nzz.ch, Tobias Feld)
„Das Internetvideo einer tanzenden Hochzeitsgesellschaft wurde im Sommer millionenfach angeklickt. Die Medien berichteten darüber. Dabei war das Video Teil einer Werbestrategie.“

4. „Das Holzbein einer Humpeldemokratie“
(unsereuni.at, Christian Eisner)
„‚Presse‘ und ‚Kronen Zeitung‘ nehmen tagtäglich Stellung zu den Studierendenprotesten. Die Art und Weise wie beide Medien das tun erinnert stark an deren Berichterstattung in den 60er Jahren. Im Vordergrund stehen Sach- und Personenschäden, die Einzelereignisse darstellen. Die gesamte Bewegung und ihre Botschaften werden hingegen wenig thematisiert. Es wird immer nur von utopischen Forderungen gesprochen.“

5. „Journalistenpreise in Deutschland“
(dradio.de, Ulrike Köppchen, Audio, 28:21 Minuten)
Eine Bestandesaufnahme der schätzungsweise 300 Journalistenpreise in Deutschland. Bei vielen sei zu vermuten, dass es „weniger um Förderung des Qualitätsjournalismus geht als um preiswerte PR für bestimmte Produkte und Anliegen“.

6. “Leitlinien des Sportjournalismus“
(jensweinreich.de)
Der Verband Deutscher Sportjournalisten VDS löst einen „Ehrenkodex“ von 1995 mit neuen “Leitlinien des Sportjournalismus“ ab und schreibt darüber in der Monatszeitschrift „Sportjournalist“. Jens Weinreich dazu: „Ich muss allerdings sagen, dass die hübschen Leitlinien im selben Heft konterkariert werden, u.a. auf Seite 26, wo die Aufnahme von Dirk Thärichen in den VDS verkündet wird.“