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Polizei dementiert „Bild“-Meldung

Am 10. März gab die Kölner Polizei eine Pressemeldung heraus. Ein Unbekannter habe am Vortag bei einem Kioskangestellten zwei Stangen Zigaretten mit einem „600-Euro-Schein“ bezahlt, bei dem es sich um den Werbegag einer nicht jugendfreien Internetseite handelte.

Anschließend berichteten verschiedene Medien, u.a. auch die britische Internetseite Ananova.com. Dort, aber auch in anderen, z.T. internationalen Medien heißt es, der Geschädigte sei ein 33-jähriger Mann namens „Bernd Friedhelm“.

Das ist offenbar falsch. Wie uns ein Sprecher der Kölner Polizei sagt, wird der Kiosk von einer iranischen Familie betrieben. In der Polizeiakte sei zudem von einem 25-jährigen Geschädigten und einem 63 Jahre alten Mann (vermutlich der Kioskbesitzer) die Rede.

Und insofern (nur insofern) ist das, was Bild.de vier Tage später unter Berufung auf Ananova.com zu berichten wusste, zunächst „richtiger“: Dort steht nämlich was von einem „Kioskbesitzer (62)“. Und am 16. März wurde „Bild“ sogar noch genauer: „Deutschlands dümmster Kioskbesitzer“ hieß nun „Sorush E. (62, Iraner)“ und war sogar auf einem Foto abgebildet. Dass er gar nicht derjenige war, der das Falschgeld angenommen hatte, ließ „Bild“ zwar unerwähnt. Dafür hatte das Blatt andere Neuigkeiten. So wusste „Bild“ nun, dass der unbekannte Täter ein „17jähriger“ gewesen sei — und behauptete:

„Erst am nächsten Morgen fiel der Schwindel auf. Allerdings immer noch nicht Sorush E.. Der ging auf den Großmarkt Einkäufe machen. Bezahlen wollte er die dann natürlich auch — und zwar mit der Blüte! ‚Mein Kollege hat sich Lachen gekringelt‘, erzählt der Kioskbesitzer, der dann auch skeptisch wurde und die Polizei rief.

Die machte den Kunden schnell ausfindig. Reumütig gab er die Zigaretten und das Wechselgeld zurück. (…)“

Nach Angaben der Polizei ist das falsch. Wie uns ein Polizeisprecher sagt, sei der jugendliche Täter („Baujahr 1990“) im Kiosk von sich aus „mit seiner Mama vorstellig geworden“. Davon, dass ihn die Polizei, wie „Bild“ behauptet, „schnell ausfindig“ gemacht habe, ist der Polizei nichts bekannt.

Auch das hat sich „Bild“ offenbar einfach ausgedacht.

Mit Dank an Jörg B. für die Anregung.