Die Renten-Lügen von „Bild“

Wenn die „Bild“-Zeitung von Renten-Lügen redet, weiß sie, wovon sie spricht.

Am 18. Januar war Ilka Hillig auf der ersten Seite der „Bild“-Zeitung. Unter der Überschrift „SCHRUMPF-RENTE – Wovon sollen wir im Alter leben?“ stand ihr Foto und das Zitat: „Ich habe Angst, im Alter zu verarmen!“ Das ARD-Magazin „Monitor“ hat die Frau besucht und gefragt, ob sie Angst habe, im Alter zu verarmen. Ilka Hillig antwortete, sie habe keine Angst, im Alter zu verarmen. Und warum hat „Bild“ das dann geschrieben?

„Das weiß ich nicht, warum die das geschrieben haben, das habe ich auf jeden Fall nicht gesagt.“

Am Tag zuvor hatte „Bild“ (wie berichtet) ebenfalls auf Seite 1 eine große Tabelle veröffentlicht: „Schrumpf-Rente! So wenig ist sie künftig nur noch wert“. Als Quelle gab „Bild“ das „Deutsche Institut für Altersvorsorge“ an, einer Lobby-Organisation der privaten Finanz- und Versicherungsbranche (was „Bild“ verschwieg). Doch selbst die distanziert sich von den Daten, die sie „Bild“ angeblich geliefert hatte. Bernd Katzenstein, Sprecher des DIA, sagte gegenüber „Monitor“ auf die Frage, ob er die Zahlen für seriös halte:

„Nein, sie sind eine unnötige Panikmache. Denn es wird nicht so sein, dass wir auf Jahrzehnte überhaupt keine Rentenerhöhung haben und dann noch eine Inflation, die mit zwei Prozent gerechnet wird. Das ist zu pessimistisch.“

Noch einen Tag vorher hatte „Bild“ auf Seite 1 getitelt: „Finanzexperte fürchtet: Nur noch Renten-Nullrunden!“ Der Finanzexperte war Bernd Raffelhüschen, ebenfalls ein Lobbyist der privaten Altersvorsorge. Und auch er distanzierte sich gegenüber „Monitor“ von der Schlagzeile: Wenn man, wie „Bild“ es getan hat, die Bedingung für diese Aussage weglasse — dass es nämlich nur dann Nullrunden geben werde, wenn die Bruttolöhne nicht signifikant steigen sollten — dann sei es „eine schlichte Falschmeldung“ und insofern „keine wirkliche Meldung und richtige Meldung.“