Rechen-Skandal

"Renten-Skandal -- Minister-Pensionen steigen elfmal stärker als die Durchschnittsrente"

Und weil das Kleingedruckte unter der großen Überschrift der gestrigen „Bild am Sonntag“ so leicht übersehen werden kann, schreiben wir’s gerne noch einmal im Wortlaut:

„Minister-Pensionen steigen elfmal stärker als die Durchschnittsrente“

Denn es stimmt nicht. Und weitaus sinnvoller wäre deshalb das Wort „Rechen-Skandal“. Oder die Überschrift müsste lauten:

„Minister-Pensionen sind elfmal höher als der Rentenzuwachs eines Durchschnittsrenters“

Denn um auf ihre beeindruckenden Zahlen zu kommen, verglich die „BamS“ in dem dazugehörigen Artikel mehrfach auf geradezu böswillige Weise Äpfel mit Birnen, Blaukraut mit Brautkleid oder Wacholder mit Bambus. Ein Beispiel? In Anlehnung an die Überschrift behauptet „Bild“-Autor Dirk Hoeren in der „BamS“:

„Wer also 2005 zu Ministerehren gekommen ist und 15 Jahre im Amt bleibt, hätte 2019 einen Pensionsanspruch von 54 Prozent erreicht: rund 6922 Euro und damit elfmal soviel wie ein Durchschnittsverdiener.“

Das ist falsch. Im Jahr 2019 wäre der Pensionsanspruch eines Ministers nur knapp 4,9-mal höher als die sog. „Bruttostandardrente“ von monatlich 1414 Euro, die ein Durchschnittsverdiener bekäme. Und das liegt zum einen schlichtweg daran, dass der Minister (12.820 Euro/Monat) nun mal mehr verdient als der Durchschnittsverdiener (3452 Euro/Monat). Zudem ist sein Pensionsanspruch (54 Prozent) tatsächlich höher als die Rente eines Arbeiters oder Angestellten (46,3 Prozent). Allerdings nicht elf-, sondern 1,17mal.

Komplett ausgedacht hat sich die „BamS“ ihr „elfmal soviel“ und „elfmal stärker“ allerdings nicht: Laut aktuellem Rentenversicherungsbericht, auf den sich „Bild“ bezieht, soll es bis 2019 einen Anstieg der „Bruttostandardrente“ um 630 Euro geben. Und diese 630 Euro passen tatsächlich ohne Probleme „elfmal“ in die von der „BamS“ herbeizitierte Gesamtsumme von 6922 Euro Minister-Pension — was zwar völlig korrekt, aber ungefähr so aussagekräftig ist wie der Satz, ein Wachholderbaum sei bis zu elfmal höher, als Bambus in einem Jahr wachsen kann.

Es sieht so aus, als wäre Dirk Hoeren der „RentenLügner“ der „BamS“.