Allgemein  

„Inmitten toter Schwäne“

"Vogelgrippe - 1. Katze tot!"Wenn das so weitergeht, gibt’s demnächst wenigstens viel billiges Benzin, haha. Aber Spaß beiseite:

„Der grauweiß gefleckte Hauskater (4,8 Kilo) lag tot zwischen den Schwänen.“

Mit diesem Satz leitet „Bild“ einen Bericht über die vermutlich erste auf Rügen an Vogelgrippe gestorbene Katze ein. Und auch wenn er schön dramatisch klingt, der Satz ist falsch, geradezu gelogen. Genau wie die Fortsetzung:

„Der Besitzer des Katers ist bisher unbekannt. Das Tier trug weder Hals- noch Flohband, lag inmitten toter Schwäne auf Rügen.“

Dabei müsste „Bild“ es besser wissen, denn „Bild“ weiß ja auch, dass das Tier „4,8 Kilo“ wog. Und diese Zahl stammt vom mecklenburgischen Agrarminister Till Backhaus (46!) und wurde von verschiedenen Nachrichtenagenturen am Dienstagabend gegen 19.45 Uhr zum ersten Mal gemeldet. Zusammen übrigens mit diesen Informationen:

„Die mit dem Vogelgrippe-Erreger infizierte Katze auf der Insel Rügen ist nach Angaben des Agrarministers von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, auf dem Hof des Besitzers an der Seuche verendet. Der Halter nahe der Wittower Fähre habe Verhaltensauffälligkeiten bei dem Kater beobachtet und ihn weggesperrt, sagte Backhaus am Dienstag in Schwerin. Am nächsten Tag habe er das Tier tot aufgefunden und das Ordnungsamt verständigt.“

Darüber hinaus wurden beim Einsammeln verendeter Vögel auf Rügen tatsächlich auch zwei tote Katzen gefunden, vielleicht sogar „inmitten toter Schwäne“. Man fand zudem zwei Füchse, zwei Wildschweine, einen Marderhund, einen Marder und einen Nerz. Keines dieser freilaufenden Tiere jedoch trug das Virus H5N1 in sich.

Wie „Bild“ behaupten kann, der Kater sei „grauweiß“, wissen wir nicht. Wie uns der Krisenstab in Mecklenburg-Vorpommern auf Anfrage mitteilte, war er „grauschwarz“.

Womöglich hat „Bild“ sich das ja wirklich nur ausgedacht — wie auch die Titelschlagzeile „1. Katze tot“ oder den folgenden Satz:

„In asiatischen Zoos hatten sich zwar schon Tiger über infiziertes Futter angesteckt, aber noch nie Katzen.“

Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) jedenfalls, den offenbar auch „Bild“ befragt hat, erklärt dazu: „Dass Katzen sich mit dem Virus infizieren können, wenn sie infizierte Vögel fressen, ist seit längerem aus Asien bekannt.“ An anderer Stelle heißt es beim FLI, „dass die dort verstorbenen Katzen Kontakt mit infiziertem Geflügelfleisch oder Geflügelprodukten hatten und sich wahrscheinlich über diesen Infektionsweg ansteckten.“

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber und an Fabian P.