Computerspiele und andere Verbrechen

Marco W. hat gestanden, im vergangenen Sommer in Erfurt eine Ärztin mit ihrem Auto entführt und dann getötet zu haben. Und er hat nach Aussagen eines Freundes gerne stundenlang das Computerspiel „GTA Vice City“ gespielt.

Mord mit Videospiel geübtNach Ansicht der „Bild“-Zeitung hat das eine unmittelbar mit dem anderen zu tun (siehe Ausriss). Dabei sollte der Gedanke selbst für eine „Bild“-Überschrift zu abwegig sein, dass jemand dafür „übt“, ein Opfer zu erdrosseln, indem er ein Spiel spielt, in dem Auto gefahren und geschossen wird.

Aber halt, natürlich ist nichts zu abwegig für eine „Bild“-Überschrift. Zur Diskussion um das neue Computer-Spiel „Getting Up„, in dem man einen Sprayer in der fiktiven Millionenmetropole New Radius spielt, der (auch mit Gewalt) gegen Konkurrenten, Polizisten und Aufseher kämpft, stand am Montag in „Bild“ die Zeile: „Videospiel ruft auf zum Töten von Putzfrauen“. Mit der gleichen Logik könnte man titeln, dass die Lara-Croft-Spiele dazu „aufrufen“, unangemessen spärlich bekleidet frühgeschichtliche Funde zusammenzutragen und dabei auch nicht vor dem Abschlachten mythologischer Pferdemenschen zurückzuschrecken.

Danke an Fabian S., Michael H., Sven S., Paul K. — und spielkultur.net für den Scan!