Schlingensief, Lebrument, Sonntagszeitungen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. Interview mit Volker Heise
(cicero.de, Marc Etzold)
Die am Samstag ausgestrahlte Dokumentation „24 Stunden Berlin“ ist online. Projektleiter Volker Heise dazu: „Wir hoffen natürlich, dass die Menschen in 50 bis 100 Jahren was mit dem Filmmaterial anfangen können. Und vielleicht sehen sie ja etwas darin, was wir gar nicht gesehen haben.“

2. „Verblödung mit System“
(faz.net, Peter Körte, Claudius Seidl, Harald Staun)
Der „FAS“ sieht sich die „Vernetzungen und Verquickungen“ im Fall Doris Heinze an und kommt auf den gar nicht so absurden Gedanken, „dass es sich beim deutschen Fernsehfilm um das klassische Modell eines geschlossenen Systems handelt, das sich selbst reguliert und so autark ist, dass es ein Außen gar nicht mehr benötigt.“

3. „Schwach angefangen – stark nachgelassen“
(blog.persoenlich.com, Stefan Bühler)
Hanspeter Lebrument, Präsident des Schweizer Verlegerverbands und Inhaber fast aller Medien in der Südostschweiz, zieht eine Ehrverletzungsklage gegen Roger Schawinski und andere auf eigene Kosten zurück und hinterlässt damit die „Strafbeklagten als obsiegende Partei“. Die Meldung dazu wird in seinen Medien mit einer „Weisung an alle Redaktoren, nichts zu publizieren“ totgeschwiegen. „Auf Verfügung des publizistischen Direktors Andrea Masüger durfte nicht einmal die entsprechende Nachricht der SDA veröffentlicht werden.“

4. „Sind Zeitungen tot? Unsinn!“
(dasmagazin.ch, Sacha Batthyany, Martin Beglinger, Finn Canonica)
„Das Magazin“ setzt den Satz „Warum Print gewinnt“ auf den Titel und lässt sich von Martim Figueiredo von „Informação“ zur eigenen Zukunft beraten: „Der beste Weg, um Ihren Job zu behalten, ist es, mehr Optimismus zu verbreiten. Kein Mensch glaubt doch im Ernst daran, dass es mal keine Bücher mehr gibt. Warum sollen wir also an das Ende der Zeitung glauben?“. Für ihn ist klar: „Relevanz kann heute nach wie vor nur in Print erzeugt werden.“

5. „Wer hat geil Krebs?“
(freitag.de, Michael Angele)
Michael Angele diagnostiziert „Bekenntnisliteratur“ über Krebs. In den Kommentaren antwortet der krebskranke Theaterregisseur Christoph Schlingensief: „mein text entstand ohne literaturanspruch, ohne verleger im nacken ! ich habe nachts , wenn die angst kam, alles in dieses band gesprochen. dann die erste arbeit dazu im gorkitheater, zum glück ohne so freitags-boulevard-deppen wie sie, die leiden und sterben zum boulevard erklären… – ach lass doch, sagen meien freunde… nicht mal ignorieren würde ich dieses freitags-mini-blatt! nein, nein, sage ich ! ganz im gegenteil !“

6. „wams vs. fas“
(mywebwork.de, Daniel Fiene)
Fiene & Franziskript sitzen im Zug und lassen die Sonntagszeitungen „Welt am Sonntag“ und „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ gegeneinander antreten.