Die Mühen mit dem Muhen der Kühe

Die „Süddeutsche Zeitung“ zählt heute auf ihrer Wissen-Seite „Zehn Dinge, die Sie noch nicht wissen über Kühe“ auf. Ding eins lautet:

Das stimmt so nicht. Und den Phonetiker und Blogger John C. Wells würde es echt freuen, wenn das die Medien nun endlich mal einsehen würden. Schon im Oktober 2006 hoffte er darauf, sein Auftritt in der Sendung „Stern-TV“ sei „the absolutely last gasp of the cow dialect story“, der „wirklich letzte Atemzug der Kuh-Dialekt-Geschichte“.

Das Unglück nahm seinen Lauf, als Wells auf Anfrage einer PR-Firma, die im Auftrag eines Käseherstellers tätig war, erzählte, es gebe seriöse wissenschaftliche Untersuchungen, dass Vögel regionale Gesangsunterschiede zeigen — Ähnliches sei „für Kühe auch nicht vollständig auszuschließen“. Der daraus entstandene Artikel wurde ohne Rücksprache publiziert und bald von der „BBC“ aufgegriffen.

Wells musste darauf „14 Radio- und drei Fernsehinterviews geben“, wie „spektrum direkt“, der Online-Ableger der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“, schrieb, der die Sache schon vor über zwei Jahren aufklärte. Ein Blogeintrag vom August 2006 zitiert eine E-Mail von John Wells, in der er ausführlich zu erklären versucht, wie es zum sich weltweit verbreitenden Unsinn kommen konnte.

Sein Wunsch nach Ruhe wird aber wohl nicht erfüllt. Solange die Geschichten über die in Dialekt muhenden Kühe bei welt.de, taz.de, abendblatt.de, bild.de und orf.at unkorrigiert vor sich hingammeln, muss man davon ausgehen, dass sie bald wieder jemand aufgreift. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ hat vermutlich nur auf ihren eigenen Archiv-Artikel mit dem Titel „Die Kuh muht mit Dialekt“ vom 24. August 2006 zurückgegriffen (was der Überschrift „Zehn Dinge, die Sie noch nicht wissen…“ eine doppelte Ironie gibt).

Und im kommenden Frühjahr erscheint dann ein Buch mit dem Titel „Warum Kühe im Dialekt muhen“ und der Ankündigung „Kein Witz – alles wirklich wahr!“. Und der Autor ist ausgerechnet Richard Zinken, der Chefredakteur von „spektrum direkt“*.

*) Zinken erklärt uns auf Nachfrage, dass es sich bei dem (ausgerechnet) am 1. April 2010 erscheinenden Buch um „eine Sammlung von Sommerloch-Beiträgen handelt, die skurrile, aber meist korrekte wissenschaftliche Erkenntnisse auf’s Korn nehmen“, was im Vorwort des Buchs dann auch dargelegt werde.

Mit Dank an Treets!