Wie „Bild“ sich selbst korrigiert

Naja, so ein paar Links am Anfang können natürlich nie schaden. Ebensowenig wie die Information, dass Joachim Huber beim Berliner „Tagesspiegel“ Redakteur der Medienseite ist, auf der in der Vergangenheit öfters mal „Bild“-kritische Artikel erschienen sind. Aber es geht auch ohne.

Schließlich ist dies nicht die Geschichte, wie Joachim Huber einmal dafür sorgte, dass die „Bild“-Zeitung auf ihr Seite-1-Girl verzichtet und stattdessen lieber das Foto einer verschleierten Frau gezeigt hatte. Nein, es ist nicht einmal eine Geschichte darüber, wie ein „Tagesspiegel“-Kollege Hubers Susanne Osthoff für den renommierten Grimme-Preis vorgeschlagen hatte und Huber daraus eine Nachricht bastelte, die ihm einigen Ärger einbrachte, zumal Huber selbst in die Grimme-Preis-Jury berufen worden war (siehe Links am Anfang), die am kommenden Samstag erstmals tagt. Und dass „Bild“ Hubers Osthoff-Nachricht tags drauf auf der Titelseite brachte (siehe Ausriss), auf den „Tagesspiegel“ als Quelle verzichtete und stattdessen lieber sinnentstellend zugespitzt behauptete, für ihre Auftritte „soll sie nun den bedeutenden Grimme-Medienpreis bekommen“ – geschenkt. Wer erwartet schon, dass „Bild“ sich mit den Regularien der Grimme-Preis-Vergabe vertraut macht, bevor sie darüber berichtet, anstatt zu verschleiern, dass Osthoff ja, wie gesagt, mitnichten nominiert, sondern lediglich vorgeschlagen worden war, was wenig bedeutet, weil über die Nominierungen eine Nominierungskommission entscheidet, und anschließend eine Preis-Jury über die Preisträger?

Nein, dies ist die Geschichte, wie „Bild“ eine Falschmeldung korrigiert. Denn am Montag hatte „Bild“ berichtet, Huber bleibe trotz seiner umstrittenen Meldung Grimme-Juror (siehe Ausriss links). Genauer gesagt hatte „Bild“ ungeprüft eine kleine Meldung aus dem „Focus“ übernommen – und anschließend sogar bei diversen Jury-Kollegen Hubers nachgefragt, was die denn eigentlich so davon halten. Das Ergebnis der Umfrage allerdings ist nie erschienen, was unter anderem daran gelegen haben könnte, dass die Meldung von Hubers Jury-Mitgliedschaft bereits überholt war, als der „Focus“ erschien – und umso überholter, als „Bild“ sie nachdruckte…

… wobei das jetzt eben nicht heißen soll, dass „Bild“ die „Focus“-Ente nicht umgehend korrigiert hätte. Im Gegenteil: Bereits am Dienstag stand die Richtigstellung (also dass Huber bereits am Freitag vergangener Woche freiwillig auf seinen Platz in der Jury verzichtet hatte) sogar auf der „Bild“-Titelseite und originellerweise in der „Verlierer“-des-Tages-Rubrik. Dort hieß es:

„Joachim Huber (47), Redakteur des Berliner ‚Tagesspiegel‘, zieht sich aus der Jury des Grimme-Preises zurück. Der Journalist hatte ‚exklusiv‘ über die angebliche Nominierung von Irak-Geisel Osthoff für den begehrten Medienpreis berichtet – obwohl der Vorschlag von einem ‚Tagesspiegel‘-Redaktionskollegen stammte und Huber selbst Mitglied der Grimme-Jury ist. (…)“

PS: Dass Huber über den Osthoff-Vorschlag berichten konnte, hat nichts mit seiner Jury-Mitgliedschaft zu tun. Und dass Huber, anders als „Bild“, niemals fälschlicherweise „über die angebliche Nominierung“ Osthoffs berichtet hatte, sondern faktisch korrekt über den tatsächlichen Vorschlag, blieb in „Bild“ bis heute unberichtigt.