Wogegen sich Kai Diekmann wehrt II

„Bild“-Chef Kai Diekmann, der ja bekanntlich eine gewisse Art von Gegendarstellungen „gerne“ drucke, „weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird“, hat mal wieder eine Gegendarstellung durchgesetzt. Diesmal gegenüber dem „Tagesspiegel“. Und das zu Recht, wie ihm auch die Redaktion des „Tagesspiegels“ bestätigt.

Schließlich hatte der „Tagesspiegel“ im Verlauf eines Interviews* mit dem „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann behauptet:

„Sie beschwerten sich im vergangenen Jahr, dass Bild-Reporter in Ihrem Privatleben recherchieren, nachdem Sie ‚Bild‘ wegen der Osthoff-Berichterstattung ‚Schweinefantasien‘ vorgeworfen hatten.“

In Diekmanns Gegendarstellung heißt es deshalb:

„Der behauptete kausale oder zeitliche Zusammenhang zwischen den Recherchen zur Person des Herrn Naumann und seiner Kritik an der Osthoff-Berichterstattung der BILD-Zeitung existiert nicht. Die Recherchen, auf die die Frage anspielt, haben Ende September/Anfang Oktober 2004 stattgefunden. Die von Herrn Naumann kritisierte Berichterstattung der BILD-Zeitung über die Entführung Susanne Osthoffs stammt aus dem November 2005.“

Und so gesehen, war die Behauptung des „Tagesspiegel“ nicht nur falsch, sondern auch dumm.

Denn natürlich existiert kein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Recherchen der „Bild“-Reporter in Naumanns Privatleben im Herbst 2004 und Naumanns Kritik an der „Bild“-Berichterstattung gut ein Jahr später – also auch kein kausaler, logo. Anders sieht’s allerdings mit einer anderen „Bild“-Kritik Naumanns aus. Sie war nämlich vier Monate vor den „Bild“-Recherchen erschienen – also durchaus in einem zeitlichen Zusammenhang.

Ganz so abwegig, wie es die Gegendarstellung Diekmanns suggerieren könnte, war die Behauptung im „Tagesspiegel“ deshalb nicht, sondern hatte sich offenbar (wie kurzzeitig auch wir) auf den falschen der beiden Naumann-Texte bezogen.

Korrekterweise hätte der „Tagesspiegel“ also schreiben können:

Sie beschwerten sich im vergangenen Jahr, dass „Bild“-Reporter in Ihrem Privatleben recherchierten, nachdem Sie „Bild“ in einem „Zeit“-Artikel als „das Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien“ bezeichnet hatten.
(Alternativvorschlag von uns.)

Aber gut, dass Diekmann das jetzt geklärt hat.
 
*) Online hat der „Tagespiegel“ den strittigen Satz im Naumann-Interview ersatz- und kommentarlos entfernt und nur die anschließende Frage „Wie ist Ihr Verhältnis zur ‚Bild‘ heute?“ stehengelassen.

PS: Nachdem der „Tagesspiegel“ (der wie die „Zeit“ zum Holtzbrinck-Konzern gehört) im Herbst 2004 einen kritischen Artikel über die Recherchemethoden bei „Bild“ veröffentlicht hatte, konnten die Axel Springer AG sowie die „Bild“-Redakteure Martin Heidemanns und Thomas Drechsler nach gerichtlichen Auseinandersetzungen insgesamt drei Gegendarstellungen im „Tagesspiegel“ durchsetzen, in denen verschiedenen Details des strittigen Artikels widersprochen wird.