Symbolfoto XXIII

Hinweis: Der folgende Eintrag wirft „Bild“ nichts vor. „Bild“ hat, soweit wir das erkennen können, alles richtig gemacht. Kein handwerklichen Fehler, keine falschen Behauptungen, nüscht!
 
Zur Zeit geht eine Meldung durch die Medien, dass ein 17 Monate alter Junge unter anderem mit Rotkohl so brutal gefüttert worden sei, dass er am vergangenen Mittwoch nach elftägigem Todeskampf an „Hirnversagen durch Sauerstoffmangel“ starb.

Und natürlich steht diese Meldung heute auch in „Bild“.

Anders als in anderen Medien hat „Bild“ die Meldung aber nicht nur mit einem RotkohlRotkohlFoto illustriert. Nein, „Bild“ zeigt — neben der Schlagzeile „Mit Rotkohl erstickt!“ — auch das Foto eines blonden Jungen. Daneben steht:

„Das Kind hatte unter anderem Schwellungen, Schürfwunden und eine Hirnschaden
Fotos: Getty Images, Stock Food

Das Foto selbst hat „Bild“ stark verfremdet, wie es Medien gelegentlich zur Anonymisierung von Tätern, Zeugen oder Opfern tun, um ihre Identität zu schützen: das Gesicht verpixelt, das Foto nur als Negativ abgedruckt (siehe Ausriss).

Grafisch bearbeitet sieht die Meldung übrigens ungefähr so aus:

Und dann kann man gut erkennen, dass es sich bei dem Foto nur um ein x-beliebiges, stark verfremdetes Kleinkindporträt aus einem Symbolfoto-Archiv handelt (siehe hier), wie heute ganz bestimmt jedem der über 11 Millionen „Bild“-Leser auf Anhieb klar gewesen sein dürfte, zumal „Bild“ ja auch nirgends ausdrücklich behauptet, dass es sich bei dem abgebildeten Kind in der Meldung um das Kind aus der Meldung handelt…

Mit Dank an Robert B. für den sachdienlichen Hinweis.