Kerner, Newsnetz, Amsterdam News

Peter Sloterdijk glaubt, die Ablenkung vom Wesentlichen sei längst Hauptfunktion der Presse. Eine Abrechnung mit der Kernerisierung. Und Untergangsstimmung beim ORF.

Peter Sloterdijk: Lenkt die Presse nur vom Wesentlichen ab? (Keystone)

1. Die Kernerisierung des Fernsehens

(cicero.de, Alexander Kissler)

„Kernerisierung meint: den Ersatz ressortspezifischer Kenntnisse durch die Bereitschaft zur guten Laune, den Ersatz von Information durch inszenierte Einfühlung, den Ersatz republikanischer Gesprächskultur durch autoritäre Kumpelei und den Ersatz des Gedankens durch den Affekt. Meister all dieser Surrogate ist Johannes B. Kerner.“

2. „Qualitätsjournalismus im Internet“

(drs.ch, Audio, 8:05 Minuten)

„Mit ’newsnetz.ch‘ will Tamedia den ’schnellsten Qualitätsjournalismus‘ im Internet bieten. Medienredaktor Klaus Bonanomi geht der Frage nach, ob es qualitativ hoch stehenden Journalismus, der schnell ist, überhaupt geben kann.“

3. „ORF lehnt seine Chefs ab“

(derstandard.at, Doris Priesching)

„Miese Werte für die Führung, schlechtes Image, mangelnde Mitbestimmung: Das macht ORF-Mitarbeiter krank, 30 Prozent sehen sich am Rande des Burn-outs.“

4. Journalistenumfrage zum Umgang mit PR-Material

(djd.de, pdf-File)

Eine Umfrage bei vorwiegend festangestellten Journalisten, in Kooperation mit dem Lehrstuhl Marketing der Universität Würzburg. Aus der Pressemitteilung dazu: „Fast 42 Prozent der befragten Journalisten verbringen bis zu zwei Stunden täglich mit der Sichtung und Verarbeitung von PR-Informationen. “

5. „New York: Harlems schwarze Zeitung“

(ardmediathek.de, Video, 6:14 Minuten)

„In New York, im schwarzen Harlem, trotzt ein Blatt der Krise: Bei Erscheinen der wöchentlichen Ausgabe stehen die Leser sogar Schlange vor dem Redaktionsgebäude. Die vor 100 Jahren gegründeten Amsterdam News sind eine ’schwarze‘ Zeitung – von Schwarzen für in erster Linie Schwarze gemacht.“

6. Interview mit Peter Sloterdijk

(faz.net, Julia Encke)

Peter Sloterdijk weiss gar nicht, „wie man der österreichischen Justiz dafür danken soll, dass sie es fertiggebracht hat, den Prozess in dreieinhalb Tagen mit einem lapidaren Urteil abzuschließen“ – gemeint damit ist die „Fritzl-Woche“. Denn sonst wäre es so gekommen: „Man hätte monatelang ein Fest der überflüssigen Nachrichten abgefeiert. Justiztheatralisch und skandaljournalistisch hätte man viel mehr herausgeholt und dabei die parasitäre Funktion der Presse voll ausgespielt: die Ablenkung vom Wesentlichen, die längst zur Hauptfunktion geworden ist.“