Hugo Müller-Vogg verprophezeit sich

Hey, der Mann traut sich was. Aufschreiben, was passiert ist, nachdem es passiert ist, kann ja jeder. Hugo Müller-Vogg sagt regelmäßig in „Bild“, was passiert, noch bevor es überhaupt passiert ist. Und er benutzt in seiner „Wochen-Vorschau“ nicht die Konjunktive, Möglichkeitsformen und Schwammigkeits-Floskeln der Hellseher, Wahrsager und Meteorologen, sondern den klaren, unmissverständlichen Indikativ. So auch vergangenen Montag:

Zum Jahresauftakt traurige Zahlen vom Arbeitsmarkt

(…) Dienstag. Allen Hoffnungen und guten Wünschen zum Trotz: Die Arbeitslosenzahlen, die die Bundesagentur für Arbeit bekanntgibt, können niemanden froh stimmen: rund 4,7 Millionen im Dezember.

Jetzt könnte man sich natürlich fragen, woher Müller-Vogg die Arbeitslosenzahlen schon kennt, bevor sie bekannt gegeben wurden, aber das muss man nicht, denn Müller-Vogg kennt die Arbeitslosenzahlen gar nicht. Es waren nämlich keineswegs „rund 4,7 Millionen“, sondern rund 4,6 Millionen, und diese 100.000 Unterschied reichten durchaus, um jemanden froh zu stimmen. Den Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, zum Beispiel, der sagte, die Zahl der Arbeitslosen sei im Dezember „weitaus weniger gestiegen“ als üblich, und saisonbereinigt habe es sogar einen „erfreulich starken Rückgang“ gegeben.

Gut, das kann man Müller-Vogg nicht vorwerfen, das konnte er am Sonntag, als er spätestens seine Kolumne schrieb, noch nicht wissen. Aber möglicherweise ist genau das der Grund, warum andere Zeitungen keine Mutmaßungen über die Zukunft als Tatsachen verkaufen.

Andererseits, um fair zu sein: Die Trefferquote bei Berichten über Dinge, die schon geschehen sind, ist in „Bild“ auch nicht viel höher.