Lüönd, Twitter, Tages-Anzeiger

Gespräche mit Karl Lüönd, Evan Williams und Frank A. Meyer, die Schere zwischen Print und Online beim Tages-Anzeiger und leserfreundliches Blattmachen, das nichts mit Bauchgefühl zu tun hat. Die Presseschau.

1. Interview mit Karl Lüönd
(bernerzeitung.ch, Stefan von Bergen)
Der Publizist Karl Lüönd ist überzeugt, dass es noch auf vielen Redaktionen Fett gibt, das weggeschnitten werden kann. Er würde versuchen, Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln: „Wenn derzeit gespart wird, werden als erstes die Honorare für freie Journalisten gekürzt, weil es dagegen wenig Widerstand gibt. Entlässt eine Zeitung aber drei fest angestellte Journalisten, gilt das schon als Krise und kommt in die anderen Zeitungen.“

2. „Journalismus: Das Ende der Geschichte?“
(diepresse.com, Peter Krotky)
„Wenn man schon davon ausgehen will, dass Journalismus als Printmodell nicht zu retten ist und als digitales Modell wirtschaftlich – vielleicht – nicht funktionieren wird, wenn Journalismus aber trotzdem etwas ist, das eine Gesellschaft irgendwie braucht: Was bleibt dann? Für manche das, was man vom Kulturbetrieb her schon kennt: Spenden und Förderungen.“

3. „Mediengestaltung – Auf den ersten Blick“
(message-online.com, Sebastian Feuß)
„Leserfreundliches Blattmachen hat nichts mit Bauchgefühl oder dekorativer Aufhübschung zu tun. Gute Zeitungsgestaltung orientiert sich an den Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmung.“

4. Tages-Anzeiger vs. Tages-Anzeiger
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
Die Schere zwischen Print und Online beim Tages-Anzeiger öffnet sich offenbar. So ärgert sich Dario Venutti in einem gedruckten Artikel über die auf Online-Portalen durchs Dorf getriebene Sau einer Vaterschaftsklage zulasten des Fussballers Hakan Yakin. Sehr aktiv in der Berichterstattung, wenn nicht sogar federführend: Tages-Anzeiger Online.

5. Interview mit Evan Williams
(spiegel.de, Stefan Schultz)
„Narzissmus und Dummheit“, „belangloses Geschnatter von zweifelhaftem Erkenntniswert“, „Selbstinszenierung“. Stefan Schultz von Spiegel Online weiss eigentlich schon längst, was es mit Twitter auf sich hat. Zum Glück darf dazwischen auch „Twitter-Chef“ Evan Williams etwas sagen.

6. Interview mit Frank A. Meyer
(sonntagonline.ch, Patrik Müller)
Frank A. Meyer meint, es sei das Beste, die Zeitungskrise einfach zu leugnen: „Zeitungen hätten keine Zukunft, verkünden wir täglich. (…) Dieser Defätismus strahlt aus. Wie können wir da erwarten, dass die Leser in die Kioske strömen, um unsere Zeitungen zu kaufen?“