medienlese – der Wochenrückblick

Mohammed-Karikaturen, Schaffhausen-Lobbying, Weltwissen-Hauptquellen.

Mohammed-Karikaturen, Schaffhausen-Lobbying, Weltwissen-Hauptquellen.

Schäuble will mehr Mohammed-Karikaturen„, hiess es am 27.02.2008. Doch schon einige Stunden später, am 28.02.2008, lautete der Titel „Karikaturen-Streit: Schäuble ruft nicht zum Abdruck auf„. Der Grund dafür? Die Zeit informierte die anderen Medien in einer Vorabmeldung und riss, jedenfalls gemäss Ansicht von Schäubles Pressesprecher, einen Satz aus einem längeren Streitgespräch aus dem Zusammenhang. Er nannte die Vorabmeldung der Zeit „sehr verantwortungslos“, konnte aber immerhin zugeben, dass Schäuble „im Wesentlichen“ diesen Satz gesagt habe: „Eigentlich müssten jetzt alle europäischen Zeitungen diese Karikaturen abdrucken, und zwar mit der Erklärung: Wir finden sie auch miserabel, aber die Inanspruchnahme von Pressefreiheit ist kein Grund, Gewalt zu üben.“

Jörg Ziercke, Chef des deutschen Bundeskriminalamts BKA, freute sich, bald mit Online-Durchsuchungen loslegen zu können und überraschte mit Informationen über Mittel, die genutzt werden: „Einerseits arbeiten wir an eigenen Programmen. Andererseits gibt es kommerzielle Produkte, die genutzt werden könnten.“

Die pakistanische Regierung wies die Provider im Land an, „YouTube sofort zu blockieren, und zwar bis auf Weiteres„. Grund hier: die offenbar auf Youtube aufgetauchten dänischen Mohammed-Karikaturen.

Nicht um Mohammed-Karikaturen ging es Peter Hartmeier. Der Chefredaktor des Tages-Anzeigers kritisierte in einem Gastbeitrag für die Schaffhauser Nachrichten (in dem übrigens die Buchstabenfolge „Schaffhaus“ nicht weniger als zwanzig Mal vorkommt) den Regierungsrat von Schaffhausen, der sich erdreistet hat, eine Konzession Tele Top zuzuteilen und nicht der Programmgemeinschaft TeleZüri/Schaffhauser Fernsehen. Der provinzielle Einsatz brachte ihm Artikel ein mit den Titeln „Lobbying für TeleZüri“ oder „Die kleine Welt des Peter H.„.

Gerhard Hofmann, ein ehemaliger politischer Chefkorrespondent, der nun „Lobbyarbeit für die Solarwirtschaft“ verrichtet, wurde vom Tagesspiegel gefragt, was denn seine Kollegen über diesen Wechsel sagen. Sie seien „freundlich, neugierig, teils mitfühlend, weil ich aus der Meute herausgefallen bin, aber auch beglückwünschend – manch einer kann sich offenbar vorstellen, den Betrieb ebenfalls hinter sich zu lassen.“

Der scheidende Präsident der Schweizer Sozialdemokraten, Hans-Jürg Fehr, gewährte dem Satireblog Lupe ein Interview. Obwohl er selbst schon mehrere Beiträge für Blogs verfasst habe, suchte er noch nie ein anderes Blog gezielt auf. Er nutze das Internet hauptsächlich für den Mailverkehr, „im Schnitt mehrere Stunden pro Tag“. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf kündigte an, „der Bund werde seine finanziellen und personellen Ressourcen zur Überwachung des Internets bis spätestens 2010 erhöhen“. Der US-Blogger Joshua Marshall erhielt einen Journalistenpreis „für die Berichterstattung im Justizbereich“ im Politblog talkingpointsmemo.com.

Der Standard erklärte, „warum alle Welt ihre Meinung im Internet verkündet und doch niemand davon klüger wird„. Einen Überblick über das Werk vermittelt dieser Satz: „Blogs, jene vertrottelte Wortchimäre aus ‚Web‘ und ‚Log‘, sind zur Hauptquelle eines vermeintlichen Weltwissens geworden.“