medienlese – der Wochenrückblick

Pfeifenbläser, Telefonabspielgeräte, Kolumnenbeamte, kleine böse Brüder.

Pfeifenbläser, Telefonabspielgeräte, Kolumnenbeamte, kleine böse Brüder.

Wallpaper-Erfinder und Monocle-Herausgeber Tyler Brûlé kritisierte das Blabla, dass Printmedien verschwinden würden, das zeuge von Faulheit und Kurzsichtigkeit. Der Schaden wurde vor langer Zeit angerichtet und man könne nicht das Internet dafür verantwortlich machen: „Viele Fehlentwicklungen hat es gegeben, weil die falschen Leute an der Spitze von Medienunternehmen sitzen. Vor etwa 15 Jahren haben nämlich Geschäftsleute die Redaktionen übernommen. Ich sage: Wenn man ein guter Journalist ist, kann man auch ein guter Geschäftsmann sein, denn gute journalistische Arbeit macht das Medium attraktiv für Werbekunden.“

Schon 11 Leute haben eine Petition gegen die Heute-Kolumne „Zora Off“ unterschrieben. Sie wendet sich gegen ihre wiederholte unbedachte Wortwahl. Es sei „nicht sonderlich klug, wenn sich eine Kolumnistin als Kifferin outet und öfters von anderen Drogen wie bspw. Heroin spricht. Jungen Lesern könnte damit der Eindruck erweckt werden, dass Kiffen oder das Konsumieren von Drogen etwas Tolles sei.“

Der Kleinreport beschwerte sich, weil Christof Kaufmann „auf ‚Persönlich'“ ein Interview organisierte, „während die Konkurrenz erst einen Tag später ein Communiqué erhielt“. Das sei „ein ziemlich läppischer Anfängerfehler“, aber so sei es halt, wenn „‚führende Experten'“ „ihre Hausaufgaben nicht machen“. Vielleicht sollte man sich zuerst mal an die eigenen Hausaufgaben machen. Oder gibt es jemanden, der die iPhone-Umschreibung „Musik- und Telefonabspielgerät mit Telefoniermöglichkeit“ gelungen findet?

Der Ringier-Verlag richtete ein System ein für Pfeifenbläser (Whistleblower): „Das Verfahren beruht auf einem Voice-Mail-System und macht es Mitarbeitern nun gruppenweit möglich, auf Missstände sowie unethisches Verhalten anonym aufmerksam zu machen.“

Umstellungen auch im Magazin. Der preisgekrönte Reporter Erwin Koch ist nicht mehr auf Basis eines hohen Fixums angestellt, sondern als freier Mitarbeiter. Kolumnist Max Küng musste diese Woche über sich lesen, er sei „zum schlimmsten Kolumnenbeamten abgesackt„, nachdem er letzte Woche schon letzte Woche lesen musste, er würde immer dicker und sei in einer Midlife Crisis.

Christian Meier las für die NZZ den Web-2.0-Kritiker Andrew Keen und kam auf folgenden Schluss: „Tatsächlich hat Keen im Stile eines Agitators alle nur denkbaren Vorurteile und negativen Seiten des Internets in Buchform gebracht, die man sich denken kann. Auch wenn der Journalist betont, dass er das Internet an sich gutheisse – dessen Innovationskraft, Lebendigkeit und Respektlosigkeit –, bleibt am Ende der Eindruck: Das Internet ist wie unser kleiner böser Bruder, der Unwahrheiten verbreitet, Süssigkeiten klaut und Mädchen unter die Röcke schaut.“

Fischmarkt.de berichtete, dass sich eine „massive Umschichtung der Mediabudgets von den klassischen Medien in Richtung Internet“ abzeichne: „50 bis 60 Prozent der Budgets könnten demnach schon in den nächsten Jahren ins Internet wandern.“

Peter Walt brachte die Sonntagszeitung mit einer Abo-Kündigungsdrohung zu einer Antwort und Matthias Zehnder erklärte, „warum PR-Texte so leer sind: Sie erfinden keine eigene Realität, sondern versuchen, eine kommerzielle Realität so glänzend wie möglich abzubilden.“

Die spanische Zeitung „El País“ stellte ihr Archiv ab 1976 kostenfrei zur Verfügung und der SonntagsBlick regt zusammen mit Bild und Österreich an, am Samstag, 8.12.2007, um 20 Uhr, das Licht für 5 Minuten auszuschalten. Warum auch nicht, dann ist die Sportschau ja vorbei.