medienlese – der Wochenrückblick

Uneinigkeit über Amy Winehouse, Loriot, Blocher im Internet.

Uneinigkeit über Amy Winehouse, Loriot, Blocher im Internet.

Früher wunderte man sich, wenn man an einem Konzert war und darauf in zwei Zeitungen zwei komplett gegensätzliche Kritiken las. War es nun sehenswert das Konzert oder nicht? Naja, dachte man sich – so ist es nun mal, wenn es dem einen gefällt, dem anderen nicht. Mit guten Begründungen gespickt könnten sogar beide Texte lesenswert sein.

Heute aber ist es anders: Da spielt Amy Winehouse in Zürich und 20 Minuten schreibt in der Bildergalerie zuerst „Am 25. Oktober 2007 begeisterte die britische Soul-Sängerin Amy Winehouse im Zürcher Volkshaus“ und aktualisiert dann in „Ihr gestriges Konzert war ein einziges Debakel“. Genauso unentschlossen ist der Blick. Die Printausgabe: „Amy in Bestform! Die Britin bestätigt bravourös: Ihre Stimme wird in die Geschichte eingehen!“. Online aber: „Nach knapp einer Stunde Horror-Show mussten die armen Musiker dann sogar die Zugabe ohne ihre Amy über die Bühne bringen – so kaputt war das Sorgenkind?“. Zusammengetragen hat diesen durchaus bedenklichen Fall benkoe.ch. Boulevard-Journalismus ist ja ganz nett, aber ohne Koordination und Hintergrund einfach peinlich.

Loriot bemitleidete heutige Fernsehmacher. Während er vier Sendungen im Jahr gemacht habe, müssen die „die armen Kerle“ heute „25 Sendungen machen“.

Die NZZ, nun offenbar auch mit Gedanken über die Lancierung einer Gratiszeitung beschäftigt, analysierte zu den Schweizer Parlamentswahlen 2007 nachträglich: „Der Internet-Journalismus befindet sich weiterhin im Entwicklungsstadium“. Die „Tatsache, dass SF an Wahlsonntagen zur quasioffiziellen Plattform der politischen Schweiz mutiert“, machte ras. an der „privilegierten Stellung“ des Schweizer Fernsehens fest. Der Direktor der dahinterstehenden SRG, Armin Walpen, machte in einem SonntagsBlick-Interview, das online nicht verfügbar ist, klar, dass sowas nicht nur schön ist: „Wir wirken offenbar arrogant, gross und mächtig“ sagte er, und: „Man hat den Eindruck, wir hätten sehr viel Geld und seien nicht kritikfähig.“

Roger Köppel von der Weltwoche kritisierte die Korrespondenten in der Schweiz: „Das Pathetisch-Populistische, das schlecht informierte Auslandkorrespondenten unter gütiger Mithilfe hiesiger SVP-Gegner der Schweiz andichteten, ist eine polemische Erfindung.“ SVP-Bundesrat Christoph Blocher führte derweil seine wöchentlichen Videos weiter und thematisierte den Widerstand gegen diese Videos. Auf die Frage: „Wir wissen seit gestern, dass unsere Sendung legal ist. Ist das für sie eine Befriedigung?“ antwortete er: „(…) Ich wunderte mich, dass die Leute in der Schweiz so reagieren. Achtung, ganz gefährlich, ein Bundesrat redet 15 Minuten, übers Internet! Das muss man verbieten! Im Land der direkten Demokratie, der Freiheit. Und zwar reagieren nicht nur die linken Politiker so, sondern auch Medienleute. Herr Haldimann vom Monopolfernsehen, Herr Studer, Chef vom Presserat, also der Journalistenvertreter. Ich dachte, er liesse vor Freude eine Rakete los: ‚Schaut mal hier, wie wunderbar, ein neuer Kanal, auf dem einer 15 Minuten pro Woche eine Show macht, das haben wir gern‘. Doch nein, das ist ganz gefährlich… Das zeigt etwas die Befindlichkeit in diesem Land. Die Wahlen führen vielleicht auch dazu, dass das aufgebrochen wird. Dieses moralistische, leicht säuerliche Gehabe, das moralisch achtet, dass in diesem Land ja nichts passiert, was einem nicht passt, das bricht auf. Erfreulicherweise bricht es auf. Und unten bricht es auf. (…)“

Michael Naumann, der hinter verschlossenen Türen ein Streitgespräch mit Kai Diekmann über dessen neues Buch führte, warf der Bild-Zeitung (deren Chefredakteur Diekmann ist) vor, „seine Kampagne zur Wahl als Hamburger Bürgermeister zu verschweigen“.