Unverpixelte Propaganda

Nach der mutmaßlichen Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ haben sich die meisten deutschen Medien dazu entschlossen, das Video der Hinrichtung nicht zu zeigen, auch keine Ausschnitte davon.

Damit handeln sie so, wie es auch der Presserat empfiehlt, dessen Geschäftsführer Lutz Tillmanns im Gespräch mit der dpa zu einem respektvollen Umgang mit den Bildern aufgerufen hat:

Die Medien sollten zurückhaltend mit der Veröffentlichung von Fotos umgehen und sich nicht als Propagandainstrument der Terroristen missbrauchen lassen.

Und wenn sie die Bilder doch unbedingt zeigen wollen, etwa die Szenen kurz vor der Ermordung, dann sollte das Opfer dabei „auf jeden Fall unkenntlich gemacht werden“, sagt Tillmanns. „Wer Bilder veröffentlicht, auf denen der Journalist erkennbar wird, macht sich ethisch angreifbar“. Die Würde Foleys stehe im Mittelpunkt. Letztlich müsse sich aber jede Redaktion selber die Frage stellen, wie sie mit solchen Fotos konkret umgehen wolle.

„Spiegel Online“ beantwortete sie so: „Die Bilder zu zeigen, wäre reine Propaganda für den IS“ — darum zeige das Portal sie nicht. Weder Videoausschnitte noch Fotos. Ähnlich argumentieren auch die ARD, das ZDF, die „Süddeutsche Zeitung“, die „FAZ“, die „taz“, „Zeit Online“, RTL und die dpa. Selbst die Online-Portale von „Bild“ und „Berliner Kurier“ haben das Gesicht des Mannes verpixelt.

„Focus Online“ nicht.

„Focus Online“ haut mal wieder alles raus und zeigt in mehreren Artikeln sowohl Standbilder als auch Sequenzen des Videos vor der Enthauptung. Das Gesicht des Opfers ist in keinem Fall unkenntlich gemacht worden.

Dabei schreibt das Portal selbst:

Unterstützer riefen dazu auf, das Video nicht anzuschauen oder zu teilen

Der Satz steht, fettgedruckt, genau unter dem eingebetteten Video.

Mit Dank an Karsten B.

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FAZ, Sexismus, Twitter-Timeline

1. „Sehr geehrte Frau Lühmann von der FAZ“
(kraftfuttermischwerk.de, Ronny Kraak)
„Eigentlich hoffte ich ja, diesen Blödsinn niemals kommentieren zu müssen.“ Doch weil der Vergleich, den Hannah Lühmann zwischen der amerikanischen „Vice“ und angeblich trashigen deutschen Blogs gezogen hat, gestern in sozialen Medien (und Blogs wie diesem) herumgereicht wurde, antwortet Ronny Kraak: „Sie haben sich keine drei Stunden Zeit genommen, um in den Archiven zu stöbern, sich einzulesen, beklagen aber den ‘substanzlosen’ Umgang mit dem journalistischen Gut und konterkarieren dieses im selben Absatz durch Ihr Geschriebenes.“ Auch Martin Giesler und Matze Hielscher können mit Lühmanns „wertkonservativer“ These nicht viel anfangen und sehen in ihrer Arroganz einen Grund für die Erfolglosigkeit der FAZ bei jungen Lesern.

2. „Am falschen Ort“
(anousch.de, Anousch Mueller)
Im Literaturbetrieb würden Autorinnen benachteiligt, deshalb sei auch dort ein #Aufschrei fällig, so bilanzierte Dana Buchzik in der „Welt“. Anousch Mueller sieht das anders: „[Es mag] Sexismus und Männerbünde geben, aber in den Sozialen Netzwerken herrscht mitunter eine spezifische Missgunst, die mindestens genauso beschissen ist.“

3. „Kampf um den intimsten Ort im Netz“
(sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
Seit Twitter angekündigt hat, die Timeline künftig durch personalisierte Tweets zu erweitern (qz.com), auf deren Auswahl die Nutzer keinen direkten Einfluss haben, ist die Empörung groß (spiegel.de). Dirk von Gehlen nimmt das zum Anlass, über den von Michael Seemann geprägten Begriff der „Filtersouveränität“ nachzudenken und sieht in neuen Optionen zur Personalisierung sogar Vorteile. Auch Daniel Fiene versteht die Aufregung nicht: „Die Angst vor fremden Tweets in der eigenen Timeline ist mir unerklärlich. [...] Manchmal macht mir das Kleinbürgertum der Netzgemeinde Angst.“

4. „Foleys Tod ist ein Grund mehr für mich, in dieses Gebiet zu reisen“
(watson.ch, Kian Ramezani)
Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda (twitter.com) berichtet seit mehreren Jahren aus Syrien und will sich von der Hinrichtung James Foleys nicht abschrecken lassen: „Die Terroristen wollen uns Journalisten Angst einflössen, damit wir nicht mehr nach Syrien oder Irak gehen. [...] Ich aber weigere mich, mich von solchen Leuten terrorisieren zu lassen.“ Wie von Pelda und seinem Kollegen Daniel Etter (zeit.de) gefordert verzichten die meisten Medien (tagesschau.de) auf Bilder und Videos, um der IS-Propaganda keine Bühne zu geben.

5. „Warum ich den stern verlassen habe“
(erlerskibbetoensmann.com, Johannes Erler)
[Anmerkung: Johannes Erler hat den Blogpost inzwischen gelöscht, "aus freien Stücken", wie er betont.]

6. „Meet AdDetector — The New Plug-In That Labels Native Advertising“
(wsj.de, Steven Perlberg, englisch)
Ein paar Tage nach Martin Brinkmann (ghacks.net) stellt auch das „Wall Street Journal“ AdDetector vor und verhilft dem Browserplugin (Chrome und Firefox) hoffentlich zu größerer Aufmerksamkeit. Die Open-Source-Erweiterung erkennt Sponsored Content auf vielen großen Nachrichtenseiten und warnt mit einem roten Banner vor Native Advertising. Auf reddit kann man dem Autor Feedback geben, GitHub-Nutzer können Filterregeln für deutsche Medien ergänzen.

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Zum Killer gemacht

Vorgestern begann der Prozess gegen den mutmaßlichen „Manga-Killer“ („Bild“), der im Verdacht steht, ein 14-jähriges Mädchen erstochen zu haben (BILDblog berichtete).

Und so sieht der Verdächtige laut „Bild am Sonntag“ aus:

(Unkenntlichmachung von uns. Im Original liegt ein Alibi-Balken über seinen Augen.)

Das Foto hat die „BamS“ kurzerhand bei Facebook besorgt:

Allerdings: Sie hat sich im falschen Profil bedient. Das Foto zeigt gar nicht den Verdächtigen. Die beiden heißen nur gleich.

Auf Anfrage erklärte uns der Abgebildete, nennen wir ihn Paul, dass er am Sonntag von vielen Leuten darauf hingewiesen worden sei, dass die „BamS“ sein Foto zeige. Sofort teilte er bei Facebook mit, dass er nichts mit der Tat zu tun habe und ging zur Polizei.

Er habe sich nicht nur geärgert, sondern auch Angst bekommen, sagt Paul, allein wenn er daran denke, was in Emden passiert sei. Dort hatte sich vor zwei Jahren ein Mob versammelt, um sich an einem Verdächtigen zu rächen, den „Bild“ zuvor ebenfalls abgebildet und als (mutmaßlichen) Täter bezeichnet hatte. Später stellte er sich als unschuldig heraus (BILDblog berichtete).

Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich die Fotobeschaffer von „Bild“ im falschen Facebook-Profil bedienen: 2012 schrieb das Blatt über den Mord an Hanna K. — und druckte ein Foto von Hannah W., die quicklebendig war und nichts mit der Sache zu tun hatte (BILDblog berichtete auch hier).

Um wenigstens im Umkreis von Pauls Wohnorts klarzumachen, dass er nicht der „Manga-Killer“ ist, soll in der Lokalzeitung ein entsprechender Hinweis erscheinen. Gegen die „Bild am Sonntag“ (verfasst wurde der Artikel übrigens von den Pietäts-Experten Nils Mertens und Bastian Schlüter) hat Paul rechtliche Schritte eingeleitet.

Mit Dank an Kai L.

Nachtrag, 21. August: Heute Abend hat sich die „BamS“ per Facebook entschuldigt:

Danke an @vierzueinser für den Hinweis!

Ferguson, James Foley, „menschliche Katastrophen“

1. „Der Tag, an dem die US-Polizei mein Feind wurde“
(welt.de, Ansgar Graw)
Die Ereignisse überschlagen sich, etliche Journalisten wurden bedroht und festgenommen. In Gaza? In der Ukraine? In Russland? Nein, in den USA! (© Alf Frommer, @siegstyle). Neben „Welt“-Korrespondent Ansgar Graw ist Frank Herrmann in Ferguson verhaftet worden (schwaebische.de), zwischenzeitlich war auch „Bild“-Reporter Lukas Hermsmeier in Arrest (meedia.de). Laut CNN wurden damit insgesamt elf Journalisten festgenommen, Ryan Devereaux berichtet bei „The Intercept“ über seine Erfahrungen. Die Polizei Ein ehemaliger Polizist zeigt sich indes unbeeindruckt: „I’m a cop. If you don’t want to get hurt, don’t challenge me“ (washingtonpost.com).

2. „Virale Propaganda der Terroristen“
(sueddeutsche.de, Hakan Tanriverdi)
Vor laufender Kamera hat die IS-Miliz den amerikanischen Fotojournalisten James Foley enthauptet (tagesschau.de). Das Video haben die Terroristen auf YouTube veröffentlicht, nun kursiert es in den sozialen Netzwerken. Wegen mangelnder Filtermöglichkeiten hat insbesondere Twitter Probleme, solch grausame Propaganda sofort zu löschen. Nutzer rufen deshalb mit dem Hashtag #ISISMediablackout dazu auf, das Video nicht weiter zu verbreiten. Wer mehr über James Foley erfahren will: Die „Vanity Fair“ hat bereits im Mai 2014 ein ausführliches Portrait veröffentlicht.

3. „Schwache Argumente für eine Veröffentlichung“
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Schweizer Medien haben offensichtlich nicht allzu viel aus den Persönlichkeitsverletzungen bei der sensationsheischenden Berichterstattung (watson.ch) über die „Porno-Sekretärin“ gelernt. Zwei Wochen später skandalisiert die „Schweiz am Sonntag“ die „Nackt-Selfies“ des Nationalrats Geri Müller; sogar Chefredakteure wie Roger Köppel, sonst nicht unbedingt als vehementer Privatsphäre-Verfechter bekannt, wundern sich über die „unappetitliche Story“ (persoenlich.com).

4. „Die Ironie macht alle gleich“
(faz.net, Hannah Lühmann)
Deutsche Blogs wie Amy & Pink, Schlecky Silberstein oder Das Kraftfuttermischwerk orientieren sich angeblich am „Vice“-Magazin – eine schlechte Idee, findet zumindest Hannah Lühmann: „Der Versuch aber, schnoddrig und cool wie das Vorbild zu sein, lässt sie alle gleich werden, die Blogs, die über Musik, Partys und Mode informieren wollen. [...] Alles wird eingemeindet in eine fröhliche Welt der lässigen Redundanz, von Menschen, die sich selbst dabei wohl ziemlich lässig vorkommen.“

5. „Last Call - The end of the printed newspaper.“
(medium.com, Clay Shirky, englisch)
„Have a look at this chart. Do you see anything unclear about the trend line?“, fragt Clay Shirky angesichts der Entwicklung der Werbeerlöse US-amerikanischer Zeitungen. „If you are a journalist at a print publication, your job is in danger. Period. Time to do something about it.“

6. „Eine ‘menschliche’ Katastrophe?“
(udostiehl.wordpress.com)
Irak, Syrien, Gaza, Ukraine - die Nachrichten sind derzeit voll von Gewalt und Krieg. „In der Berichterstattung bahnt sich in solchen Fällen eine ‘menschliche Katastrophe’ an“, beschreibt Udo Stiehl die Praxis seiner Kollegen und warnt: „So ausgedrückt jedoch handelt es sich leider um eine ‘sprachliche Katastrophe’.“

B.Z., Bild  

Die düsteren Manga-Fantasien des Boulevards

Im November vergangenen Jahres wurde bei Berlin ein 14-jähriges Mädchen mit mehreren Messerstichen getötet. Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf festgenommen.

„Bild“ berichtete damals — wie gewohnt — ohne Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte des Opfers …

… oder die des Verdächtigen:

(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Die Fotos stammten offensichtlich von Facebook. Dem Verdächtigen spendierte „Bild“ zwar einen schwarzen Augenbalken, nannte aber gleichzeitig so viele persönliche Informationen, dass sich an der Identifizierbarkeit kaum etwas geändert haben dürfte.

Beim Durchstöbern des Facebook-Profils des jungen Mannes stießen die Reporter aber noch auf etwas anderes, woraufhin die Berichterstattung (auch in der „B.Z.“) plötzlich eine ganz neue Stoßrichtung bekam — sie fanden nämlich: Manga-Zeichnungen.


„Bild“ beschrieb den mutmaßlichen Täter fortan konsequent als „Manga-Killer“ oder „Manga-Freak“, als „dicklichen“ „Außenseiter“, als „Einzelgänger“ und „versponnenen Sonderling“, der in einer „Wahn-Welt“ lebe, wie man ja schon an den „brutalen Manga-Bildern“ erkennen könne.

Die Freunde, die [M.] (20) zu Hause in seinem Jugendzimmer besuchen, haben riesige Kulleraugen und Kindchen-Gesichter. Sie kämpfen mit Schwertern, es geht um Leidenschaft und Tod. [...]

In seiner Internet-Welt ist [M.] so wie seine Manga-Helden. Gut aussehend, groß, bewundert. Verlässt er das Haus seiner Eltern in einer Kleinstadt im [Kreis XY], schrumpft er wieder zum Außenseiter.

Und auf der anderen Seite das „bildschöne und intelligente“ Mädchen, das „Kulleraugen-Girl“, das ausgesehen habe, „wie aus der Fantasie-Welt“ des mutmaßlichen Täters entsprungen.

Vor allem auf diese angebliche „auffällige Ähnlichkeit“ zwischen den Zeichnungen und dem mutmaßlichen Täter bzw. dem Opfer wiesen die Boulevardmedien immer wieder hin:

Das passt natürlich hervorragend: Der „Manga-Killer“, der sein Opfer wenige Wochen vor der Tat als „düstere Comic-Figur“ zeichnet — mit Wunden, die später auch bei dem getöteten Mädchen gefunden werden.

Doch so sehr es sich die Medien auch wünschen: Es stimmt nicht. Die Bilder, die den Täter und das Opfer zeigen sollen, stammen aus dem Kunstportal „deviantArt“ und wurden von einer Frau gezeichnet, die mit der Tat nicht das Geringste zu tun hat. Die sogenannten Fan-Arts zeigen auch keine realen Personen, sondern Figuren aus den Mangas „Black Rock Shooter“ und „Naruto“.

Die Zeichnerin beschwerte sich schon im November darüber, dass ihre Bilder ohne Genehmigung abgedruckt und als „persönliche Mord-Motive“ missbraucht worden waren. Sie erstattete auch Strafanzeige gegen „Bild“ und „B.Z.“, doch die Staatsanwaltschaft Berlin stellte das Ermittlungsverfahren ein.

In ihrer Begründung verwies die Staasanwaltschaft auf §50 UrhG, wonach in der „Berichterstattung über Tagesereignisse“ auch die Vervielfältigung von Werken erlaubt ist, „die im Verlauf dieser Ereignisse wahrnehmbar werden“. Diese Vorschrift trage, so die Staatsanwaltschaft, dem Umstand Rechnung, dass „die rechtzeitige Einholung bei aktuellen Ereignissen kaum möglich“ sei und gestatte daher „ausnahmsweise eine zustimmungsfreie Nutzung“.

Eine seltsame Begründung. Denn die Zeichnungen wurden auch mehrere Tage nach dem Mord noch gedruckt; die Redaktionen hätten also durchaus Zeit gehabt, den Ursprung der Bilder zu klären und eine Zustimmung einzuholen. Dass sie später nicht mehr behaupteten, der Mann habe die Figuren selbst gezeichnet, sondern lediglich schrieben, er habe sie „auf sein Internet-Profil geladen“, deutet außerdem darauf hin, dass sie sich im Klaren darüber waren, dass er nicht der Urheber der Zeichnungen ist. Und: Die Staatsanwaltschaft schreibt selbst, dass mit „Berichterstattung“ die „sachliche Schilderung tatsächlicher Geschehnisse“ gemeint sei. Was an „Die schwarze Kunst des Mädchen-Killers“ sachlich sein soll, schreibt sie allerdings nicht.

Wie dem auch sei: Spätestens seit Ende November — damals wandte sich die Mutter der Zeichnerin mit einer Beschwerde direkt an „Bild“ und „B.Z.“ — wissen die Redaktionen, dass die Zeichnungen nicht vom mutmaßlichen Täter stammen. Sie wissen auch, dass die angeblichen Ähnlichkeiten höchstens Zufall sein können. Und dass die Zeichnerin nicht mit der Verwendung ihrer Bilder einverstanden ist.

Tatsächlich hat die „B.Z.“ die Zeichnungen mittlerweile aus ihren Online-Artikeln gelöscht, und auch als vor wenigen Tagen der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begann, verzichtete die „B.Z.“ auf den Abdruck der Manga-Bilder.

Die „Bild am Sonntag“ nicht.

Diese Zeichnung hat der Täter auf sein Internet-Profil geladen. Die Manga-Figur sieht [dem Opfer] ähnlich, zeigt ein zierliches Mädchen mit traurigem Blick. Auf seinem Bauch hat es zwei lange Narben

Darüber, dass die Zeichnung von jemand anderem stammt und die Figur — inklusive Narben — ein gängiges Motiv in der Manga-Szene ist, verliert die Redaktion mal wieder: kein Wort.

iPhone 6, Report Mainz, Profimeinungskommentare

1. „SPIEGEL Online und der Phantom-Konvoi – Hysterie, Lügen und Heuchelei“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Die „Spiegel-Online“-Schlagzeile „Ukrainische Truppen greifen russischen Konvoi an“ in der Analyse: „Man spekuliert munter drauf los, überprüft Nachrichten nicht auf deren Wahrheitsgehalt, verbreitet mutwillig Hysterie und schürt damit das Feuer, aus dem ein Krieg zwischen West und Ost entfachen könnte.“

2. „Angebliche Gerichtsaffäre wird zur Petitesse“
(mainpost.de, Manfred Schweidler)
Ein Blick zurück auf die Auswirkungen des Berichts „Verdacht auf Parteilichkeit und Vetternwirtschaft bei Bußgeldvergabe“ des ARD-Politmagazins „Report Mainz“: „Eine Reihe von Opfern blieb zurück – und nicht zuletzt ein Stück journalistischer Glaubwürdigkeit. Nur wenige Schlagzeilen-Formulierer kamen später zu der Einsicht: Der Richter hatte vielleicht ein wenig unbekümmert Bußgelder vergeben, was zu einem falschen Eindruck führen konnte. Aber von Mauschelei konnte nie die Rede sein.“

3. „BILD Plus und das Geschaeft mit ‘exklusiven Fotos’ eines Fakes des iPhone 6″
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Fotos hinter der „Bild-Plus“-Paywall, die angeblich ein Apple iPhone 6 zeigen: „Es handelt sich bei all diesen vermeintlichen Fotos des echten iPhone 6 um immer wieder die gleichen Modelle eines Fakes auf Android Basis, den man bereits seit Wochen auf Aliexpress.com bestellen kann.“

4. „Bomben auf Gaza: Ohne deutsche Medien – Jung & Naiv in Israel: Folge 192″
(youtube.com, Video, 40:17 Minuten)
Im Interview mit Tilo Jung fragt sich der freie Journalist Martin Lejeune, der die Bombardierungen des Gazastreifens durch die israelische Armee bei einer Familie dort erlebt hatte, warum öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland kaum mit ihm zusammenarbeiten wollen. Zur Sprache kommt auch die Frage nach seiner Unabhängigkeit.

5. „Krude, kruder, am krudesten“
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel gibt Tipps, wie man einen „Profimeinungskommentar“ verfasst.

6. „Was für ein Pech mit dem Wetter! Ein PR-Trip des FC Bayern München im Live-Ticker“
(funkkorrespondenz.kim-info.de)

Bullshit im Sekundentakt

FOCUS Online ist eines der erfolgreichsten Online-Nachrichtenmedien in Deutschland. Mit schnellen Nachrichten und präzisen Analysen ist das Portal eine feste Adresse für Qualitätsjournalismus im Netz. FOCUS Online steht für hervorragenden Nachrichtenjournalismus.

(Zitat der Tomorrow Focus AG.)

Mein persönlicher Rekord im Surfen auf „Focus Online“ liegt bei etwa zehn Minuten. Länger halte ich es da nicht aus.

„Focus Online“ ist der Ein-Euro-Laden des deutschen Journalismus. Die ramschige Resterampe, auf der man alles findet, was selbst Klickfängern wie Bild.de zu billig war. „Focus Online“ haut alles raus. Raus, raus, raus, irgendwer wird schon draufklicken.

Gerade bei medialen Großereignissen setzt „Focus Online“ — hartnäckig wie kaum ein Medium sonst — auf die So-viel-wie-geht-Taktik.

Anfang vergangenen Jahres, nach dem Amoklauf im US-amerikanischen Newtown, veröffentlichte „Focus Online“ in der ersten Woche nach der Tat 45 Artikel — nicht mal Bild.de hatte mehr zu bieten. Und dann diese Schlagzeilen: „Mutter des Amokläufers hatte Angst vor dem Weltuntergang“. „Schulkrankenschwester sah den Killer auf sich zukommen“. „Amokläufer nannte seine Mutter nur ‘Excuse Me’“. Solcher Quatsch, permanent.

Oder dieser unfassbare Live-Ticker zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher, in dem dann verkündet wurde, dass der Verkäufer des Krankenhauskiosks nichts dazu wisse. Niemand sonst blies so lange und so ambitioniert irgendwelche Schumacher-Gerüchtefetzen in die Welt wie „Focus Online“.

Oder auch jetzt, nach dem Tod von Robin Williams. Allein in den ersten vier Tagen hat das Portal über 70 (!) Artikel dazu veröffentlicht:

  • Robin Williams stirbt im Alter von 63 Jahren
  • Fans trauern in Hollywood
  • Tod von Robin Williams
  • Schock und Trauer in Hollywood
  • Die Welt trauert um einen ihrer größten Schauspieler: Robin Williams ist tot
  • Robin Williams ist tot
  • Hollywood-Star Robin Williams ist tot
  • Williams’ langer Kampf gegen Alkohol und Depressionen
  • So emotional nehmen Freunde und Kollegen Abschied von Robin Williams
  • „Wir haben dich geliebt“: So trauert Hollywood um Robin Williams
  • Islamisten verhöhnen toten Schauspieler Robin Williams
  • Seine Tochter Zelda schreibt den wohl berührendsten Tweet
  • Sein letzter Tweet galt seiner Tochter
  • Zelda Williams’ rührender Abschieds-Tweet an ihren Vater
  • Sah Robin Williams den Suizid als letzten Ausweg?
  • Oscar-Academy verabschiedet sich mit herzzerreißendem Tweet von Robin Williams
  • Zitate zum Tod von Robin Williams
  • Video: Hollywood trauert um Robin Williams
  • Robin Williams – „Erfolg schützt nicht vor Depressionen“
  • Fragen und Antworten: „Erfolg schützt nicht vor Depressionen“
  • Warum wollte Robin Williams nicht mehr leben?
  • Williams hinterließ vier unfertige Filmprojekte
  • Fernsehsender ändern zum Tod von Robin Williams ihr Programm
  • Mehrere Fernsehsender ändern ihr Programm
  • Der Clown, der uns zum Weinen brachte: Robin Williams
  • Hintergrund: Seine wichtigsten Rollen
  • Dieses Grimassen-Gesicht werden wir vermissen!
  • Auf Tischen stehend: So nimmt das Netz Abschied von Robin Williams
  • Robin Williams und seine Susan – Ende einer großen Liebe
  • Oscar-Preisträger Robin Williams ist tot
  • Robin Williams – sein großes Leben in Bildern
  • Internet-Verwechslung von Robin und Robbie Williams
  • Fans verwechseln Robin und Robbie Williams
  • Robin Williams hat [...]
  • Tod von Robin Williams erschüttert Hollywood
  • Tod von Robin Williams – Polizei schließt Fremdverschulden aus
  • Tod von Robin Williams: Polizei sieht kein Fremdverschulden
  • „Tagesthemen“ ehren Williams mit „Dichter“-Anmoderation
  • ‘Hannoversche Allgemeine Zeitung’ zu Robin Williams
  • So fand sein Assistent den toten Robin Williams
  • „Robin Williams hatte das Bedürfnis, alle in Schenkelklopf-Ekstase zu versetzen“
  • Jetzt sprechen Robin Williams’ Kinder
  • Matt Damon: „Ich werde Robin Williams nie vergessen“
  • „Auf meinem Grabstein wird 1951-2014 stehen“
  • So moderierte Miosga die „Tagesthemen“ für Williams auf dem Tisch
  • „O Captain! My Captain!“ wird zum Twitter-Trend
  • So sorgte Robin Williams für seine Kinder vor
  • Pharell Williams trauert um Robin Williams
  • Die ergreifende Trauer seiner Kinder
  • Antisemitische Posts zum Tod von Robin Williams: Verroht das Internet?
  • Weltweit Betroffenheit nach Tod von Robin Williams
  • Robin Williams wird in „World of Warcraft“ verewigt
  • „Was schuldet man einem derartigen Menschen? Alles!“
  • Robin Williams war kurz vor seinem Tod bei der Suchtberatung
  • Michael Mittermeier: „Wir machen mit einem Bruchteil seiner Möglichkeiten Comedy“
  • Abschied von Robin Williams: „Der Soldat hat die Waffen niedergelegt“
  • Wie Robin Williams’ Gorilla-Freundin trauert
  • Wurde Robin Williams am Set von „The Crazy Ones“ rückfällig?
  • Kurz vor seinem Tod war Williams bei der Suchtberatung
  • Was dann folgte, war einmalig in meiner Laufbahn…
  • Twitter will auf Belästigung von Williams’ Tochter reagieren
  • Das Netz diskutiert: Durfte Miosga auf den Tisch steigen?
  • Darum stieg Caren Miosga auf den „Tagesthemen“-Tisch
  • Video: Broadway knipst für Robin Williams Lichter aus
  • Robin Williams litt an Parkinson im Frühstadium
  • Ehefrau: Robin Williams litt an Parkinson
  • Ehefrau offenbart: Robin Williams hatte Parkinson
  • Robin Williams hatte Parkinson: Das emotionale Statement seiner Frau im Wortlaut
  • Warum zerbrechen so viele Stars am Ruhm?
  • Robin Williams litt an Parkinson
  • User zwingen Zelda Williams, Twitter-Account zu löschen
  • (Details zu den Begleitumständen haben wir rausgekürzt.)

    Vieles davon ist Agenturmaterial, oft zusammengeschwafelt von „Spot on“, der von der dapd gegründeten Promi-Klatsch-Agentur. Aber auch solche Artikel werden auf der Startseite von „Focus Online“ mitunter angeteasert wie eigene Beiträge:

    Jetzt mal ehrlich. Ein Gorilla, der den Schauspieler vor 13 Jahren mal getroffen … Als Nachricht? Auf der Startseite?

    Aber das ist das redaktionelle Konzept von „Focus Online“. Und es scheint zu funktionieren — die Williams-Artikel, egal wie bescheuert, zählten in den vergangenen Tagen immer zu den meistgelesenen auf „Focus Online“.

    Da juckt es dann auch niemanden, dass einige „News“ gleich doppelt und dreifach veröffentlicht werden. Etwa die, dass Williams an Parkinson gelitten haben soll: Dazu gab es bei „Focus Online“ einen Artikel von der dpa, einen von „Spot on“, einen eigenen Beitrag, noch einen von der dpa, ein Video sowie „das emotionale Statement“ von Williams’ Witwe im Wortlaut.

    Bei dieser Artikelflut verlieren selbst die, die sie verantworten, den Überblick. Da kann es dann auch mal passieren, dass es zuerst heißt, der Tweet von Williams’ Tochter sei der „wohl berührendste Tweet des Jahres“ — und nur drei Stunden später wird der Tweet der Oscar-Academy zum „emotionalsten“ und „wahrscheinlich herzzerreißensten“ Tweet hochstilisiert. Ein banales Beispiel zwar, aber bezeichnend dafür, wie „Focus Online“ mit der gedankenlosen Raushau-Taktik auch noch den Rest der eigenen Seriosität aufs Spiel setzt.

    Der Veröffentlichungswahn macht aber nicht nur anfällig für Widersprüche und Ungenauigkeiten. Gerade im aktuellen Fall widerspricht das Dauerfeuer der Berichterstattung eben genau dem, was Medienforscher bei Suiziden von Prominenten immer wieder fordern: Zurückhaltung.

    „Focus Online“ hält sich nicht zurück. „Focus Online“ arbeitet stattdessen, wie andere auch, eifrig daran, die Selbstmordrate in die Höhe zu treiben. Das Portal berichtet sehr prominent, sehr detailliert und sehr emotional über den Suizid und missachtet (nicht nur) damit die wichtigen Richtlinien zur Verhinderung von Nachahmungstaten.

    Dass „Focus Online“ und andere Medien die Berichte um Williams’ Tod ganz selbstverständlich mit Werbung zuballern, ist dabei noch das geringste Übel:

    „Focus Online“ setzt auf Masse. Auf Emotionalisierung, Skandalisierung und Buzzfeedisierung — und ähnelt immer mehr dem, was „Bild“ und andere Schundmedien in ihren Online-Portalen veranstalten. Nur dass die Leute von „Focus Online“ immer noch so tun, als gebe es bei ihnen „Qualitätsjournalismus im Sekundentakt“.

    Mit Dank auch an Karl-Heinz U.

Rügen, Thomas Helmer, Ignoranzallianz

1. „Jede vierte Rüge des Presserats betraf ‘Bild’“
(ndr.de, Fiete Stegers)
Fiete Stegers wertet Rügen des Deutschen Presserats aus: „Mit 157 Rügen seit 1986 liegen Deutschlands auflagenstärkste Zeitung und ihre Ableger unübersehbar vorn. (…) Im Auswertungszeitraum gab es nur 1989 und 1990 keine Rüge für einen ‘Bild’-Titel. In fast jedem anderen Jahr war ‘Bild’ dagegen negativer Spitzenreiter und kassierte manchmal mehr als 40 Prozent der insgesamt ausgesprochenen Rügen.“

2. „‘Jetzt kann ich die blöden Fragen selbst stellen, statt sie beantworten zu müssen’“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Thomas Helmer berichtet von seinen Erfahrungen mit „Bild“ und „Spiegel“: „Der Spiegel-Beitrag war leider die größte Fehleinschätzung, die ich je über mich lesen musste. Da wurden zum Beispiel Aussagen von mir verdreht und in falschen Kontexten zitiert, sodass sie nachteilhaft für mich waren. Und es wurden stilistische Mittel benutzt, um Thesen zu belegen, die nur der subjektiven Sicht des Journalisten entsprachen, ohne meine Sicht der Dinge ausgewogen einzubeziehen.“

3. „Stellungnahme der Redaktion“
(daserste.de)
Eine Stellungnahme zur vielfältigen Kritik („mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe“) an der Sendung „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ (daserste.de, Video, 43:20 Minuten).

4. „Die Presse echauffiert sich“
(opalkatze.wordpress.com, Vera Bunse)
Vera Bunse nennt die Reaktion auf die Vorwürfe an die deutsche Presse, sie sei „gleichgeschaltet“, „eine wahre Ignoranzallianz“: „Hinter scheinbar unsachlichem Meckern vermuten die Beleidigten nicht einmal begründete Kritik. Den ernsten Hintergrund nehmen sie nicht wahr.“

5. „Verletzte Gefühle“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas Steinschneider)
Wie steht es um den Vorwurf, „deutsche Journalisten beteiligten sich an einem Propagandafeldzug“? Thomas Steinschneider prüft „drei kleine Einzelfälle“: „Menschen, bei denen davon auszugehen ist, daß sie bei einem tragischen Versehen ums Leben gekommen sind, wurden laut Spiegel also ‘ermordet’. Menschen, bei denen davon auszugehen ist, daß sie ermordet wurden, sind laut Tagesschau ‘ums Leben gekommen’. Und eine ‘unstreitig demokratisch legitimierte’ Regierung ist in der Tagesschau auch mal ein ‘Regime’.“

6. „Wer beim Tagesspiegel die Befehle erteilt“
(tagesspiegel.de, Johannes Schneider)
Johannes Schneider skizziert „einen hyperrealistischen Tagesablauf“ der „Tagesspiegel“-Redaktion, „für alle Verschwörungsfans“.

Kriegsbilder, Stringer, Martin Lejeune

1. „Manipulierte Kriegsfotos: Bilder, die lügen“
(spiegel.de, Leon Scherfig und Philipp Löwe)
Gefälschte Kriegsbilder im Netz: „Drastische Bilder machen bei Twitter und Facebook die Runde. Aber dieser Krieg im Netz wird von beiden Seiten mit oft unsauberen Mitteln geführt – es wird gefälscht und gemogelt.“

2. „Können wir diese Bilder sehen – und nichts tun?“
(handelsblatt.com, Maike Freund)
Und echte Kriegsbilder im Netz: „Die Bilder sind echt, denn echte Menschen werden hingerichtet. Und sie sind trotzdem Propaganda, weil sie ein Ziel verfolgen, das des IS. Wie viel politische Macht in Bildern stecken kann, ist spätestens seit dem 11. September 2001 klar, der die Welt veränderte. Experte El Difraoui ist sich sicher, dass auch die Terrorbilder des Islamischen Staats diese politische Macht haben.“

3. „Gefährlicher Einsatz im Kriegsgebiet“
(ostpol.de, André Eichhofer)
Ein Bericht über Stringer in der Ostukraine, die Gefahr laufen, entführt zu werden. „Zeitungen und Agenturen zahlen rund 100 US-Dollar pro Tag, TV-Sender etwas mehr.“

4. „Was ist los in Gaza? – Jung & Naiv in Israel: Folge 187″
(youtube.com, Video, 68:15 Minuten)
Tilo Jung spricht mit Journalist Martin Lejeune, der während der Bombardierung des Gazastreifens durch die israelische Armee mehrere Wochen bei einer lokalen Familie verbracht hat.

5. „Sind wir Kriegstreiber?“
(cicero.de, Petra Sorge)
In einem Stück zur Glaubwürdigkeit der deutschen Presse berichtet Petra Sorge auch von einer Debatte über die Unabhängigkeit von Martin Lejeune: „Dass sich die Debatte um journalistische Unabhängigkeit an einem freien Journalisten Bahn bricht, der unter Einsatz seines Lebens von der Front berichtet, während auf der anderen Seite gut verdienende Festangestellte der Zeit gegen eine ZDF-Satire klagen, weil sie um ihren journalistischen Ruf fürchten, muss doch einige Medienkonsumenten zweifeln lassen.“

6. „Jeder Satz ein Seufzer“
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Die Zukunft der Zeitung: „Man kann ja versuchsweise mal die eigene Zeitung durchblättern und sich die Frage stellen, auf was man wirklich nicht verzichten möchte. Die Pressemitteilungen von Stadt und Polizei, die Nachrichten der Vereine, die Termine – um das zu veröffentlichen, braucht man keine Journalisten. Wirklich wichtig ist nur ein kleiner Teil. Und um den herzustellen, bräuchte man einen Computer und ein paar Leute. Tatsächlich aber sind riesengroße Organisationen damit beschäftigt, Nachrichten und PR-Text auf Papier zu drucken und in der Stadt zu verteilen.“ Siehe dazu auch „Wann wird die letzte Zeitung gedruckt?“ (watson.ch, Philipp Löpfe).

Quatsch-Umfragen, Drohnen, Propaganda

1. „Ranking-Schummelei in Dritten Programmen“
(ndr.de, Video, 6:20 Minuten)
Online-Umfragen zu Hitlisten-Sendungen wurden von Redaktionen im NDR, im WDR, im HR und im RBB nach Gutdünken verändert. Die NDR-Sendung „Zapp“ fasst die aktuelle Lage zusammen. Siehe dazu auch „Die Letzten werden die Ersten sein. Oder irgendwas dazwischen“ und „Ranking-Shows: Die traurigsten Klickzahlen des Nordens“ (stefan-niggemeier.de) sowie „Das Ranking der absurdesten Rankingshow-Manipulationen“ (meedia.de, Jens Schröder).

2. „Hauptsache billig: Wie egal ist euch euer Programm?“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei fragt zu den Ranking-Manipulationen: „Wie wurscht kann einem das eigene Programm sein, wenn trotzdem immer und immer wieder neue Quatsch-Umfragen zum Klicken freigegeben werden? Da passt es gut ins Bild, dass WDR und NDR selbst jetzt nicht an eine Einstellung ihrer Rankingshows denken, sondern allenfalls die Methode überarbeiten möchten.“

3. „Was darf ein Drohnenjournalist?“
(irights.info, Ramak Molavi)
„Die Nutzung von Drohnen ist bereits weitgehend reguliert“, schreibt Ramak Molavi zur journalistischen Nutzung von Drohnen in Deutschland: „Gewerbliche Nutzer – damit sind alle Nutzer gemeint, die keinen Aufstieg zu Sport- oder Freizeitzwecken planen – brauchen immer eine Aufstiegserlaubnis.“

4. „Medien: Plädoyer gegen die Propaganda-Universen“
(publixphere.de, Emil)
Emil wünscht sich von den Medien „nach allen Seiten schonungslose Recherche“, „die gute alte Richtigstellung“, eine „Trennung zwischen Nachrichten und Kommentaren“ sowie eine „Kenntlichmachung von möglichen Interessenkonflikten“.

5. „Die Offenbarungen des Krieges“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente stört sich an den unzureichenden Fakten, die der Journalismus zur Lage in Kriegsgebieten produziert: „Eine zufriedenstellende publizistische Lösung dieses Dilemmas wird es nicht geben. Im Krieg ist der Berichterstatter immer jemand, der etwas erzählen soll, wovon er nur randständig etwas wissen kann. So richtig im Geschehen ist er natürlich nicht. Niemand weiß in einem solchen Szenario ganz genau, was gerade vor sich geht.“

6. „Gaza inmitten von Parolen und Tränen“
(heute.de, Stephan Hallmann)
Stephan Hallmann denkt nach über Propaganda im Nahost-Konflikt: „Israelis wie Palästinenser haben keine andere Wahl, sie müssen lernen, über diesen jahrzehntelangen blutigen Schatten zu springen und sich gegenseitig zu akzeptieren: Die Existenz des Staates Israel ebenso wie das Existenzrecht des palästinensischen Volkes in einem eigenen, unabhängigen Staat.“

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