Verstörung, Ernüchterung, Aufheiterung

1. Die schrecklich-nette Homophobie der „Zeit“
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
In der „Zeit“ konnte man letzte Woche einen auch im Kontext verstörenden Satz lesen: „Homophobie ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die enormen Emanzipationsgewinne der Schwulen und Lesben.“ Nollendorfblogger Johannes Kram ordnet das Geschriebene ein („Dieser Satz ist ein Hammer.“) und führt aus, warum ihm die seit Jahren weiterschreitende Martensteinisierung der „Zeit“ nicht gefällt.

2. Ernüchterung bei lokalen Online-Zeitungen
(ndr.de, Charlotte Horn)
In den letzten Jahren haben freie Journalisten und Blogger eigene Stadtteilzeitschriften und Regionalmagazine fürs Netz entwickelt. Viel Geld, Zeit und Liebe wurde verwendet, doch nun macht sich Ernüchterung breit: Der Zuspruch ist groß, aber es fehlt schlicht an Einnahmen.

3. Frankfurter Allgemeine bringt das Premiummagazin „Frankfurter Allgemeine Quarterly“ an den Kiosk
(verlag.faz.net)
Die „FAZ“ kündigt in einer Pressemitteilung ein neues Magazin an, das den „analytischen Scharfsinn und den intellektuellen Anspruch der F.A.Z. mit Opulenz, Sinnlichkeit und Eleganz verbindet“. Das Magazin „richtet sich an kluge, vielseitig interessierte und einkommensstarke Leserinnen und Leser, die auf hohem Niveau informiert und unterhalten werden möchten.“ Nun ja, zumindest „einkommensstark“ kann man bislang bestätigen: Das Heft soll 12 Euro kosten.

4. Von mächtigen Politikern und Vaterlandsverrätern: Pressefreiheit in Nordeuropa
(de.ejo-online.eu, Clemens Bomsdorf)
Island belegt auf dem Demokratieindex der Zeitschrift „The Economist“ den dritten Platz. Seit einiger Zeit nimmt die Politik aber immer mehr Einfluss auf die Medien, berichtet Clemens Bomsdorf. Aktuellstes Beispiel sei der Vorstoß des Premiers Gunnlaugsson, die Ausstrahlung eines Interviews, in der er auf seine Panama-Konten angesprochen wurde, zu verhindern. Doch der Vorstoß missglückte und das Interview hätte Gunnlaugsson letztlich zum Rücktritt gezwungen. Am 25. Juni werde in Island nun ein neuer Präsident gewählt. Der Artikel berichtet, wie es derzeit um die isländische Medienlandschaft bestellt ist.

5. Justizminister wollen Whistleblower schützen
(journalist.de, Monika Lungmus)
Die Justizminister der Bundesländer apellierten auf ihrer Konferenz an die Bundesregierung, das Thema „Whistleblower“ wie angekündigt noch in dieser Legislaturperiode aufzugreifen und entsprechende Schutzregeln einzuführen. Angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung von frühzeitigen Hinweisen auf Missstände in Unternehmen, Behörden und Organisationen und im Hinblick auf internationale Vorgaben solle die Bundesregierung prüfen, „ob der Schutz von Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern einer gesetzlichen Regelung bedarf“. Das Land Brandenburg habe darauf hingewiesen, dass es für Whistleblower wegen der derzeit fehlenden gesetzlichen Regelung keine Rechtssicherheit gäbe. Sie könnten nur im Nachhinein durch Arbeitsgerichte feststellen lassen, ob ihr Handeln rechtmäßig war.

6. Komik in der Depression
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
Auf der Suche nach einem neuen Podcast? Vielleicht geben Sie dem englischsprachigen „Trumpcast“ eine Chance, in dem jede Woche über die neuesten Wunderlichkeiten von Präsidentschaftsbewerber Donald Trump berichtet wird. Ohne dass es bislang zu Racheaktionen des Geschmähten gekommen sei, wie „SZ“-Autor Matthias Kolb anmerkt.

Satzverlust, Autorengewinn, Orakelbilanz

1. Beitrag Steinmeiers erscheint in Russland ohne Ukraine-Bezug
(faz.net, Majid Sattar & Reinhard Veser)
Die „FAZ“ berichtet von einem merkwürdigen Satzverlust: Zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion hätte Bundesaußenminister Steinmeier einen Gastbeitrag geschrieben, in dem er auch die Ukraine-Politik Putins kritisiert hätte. („Die völkerrechtswidrige einseitige Veränderung von Grenzen und die Nichtachtung der territorialen Integrität von Nachbarstaaten – all das führt uns in überwunden geglaubte Zeiten zurück, die sich niemand wünschen kann.“) In den auf Russisch veröffentlichten Versionen des Beitrags in der ukrainischen Zeitung „Serkalo Nedeli“ und der weißrussischen Zeitung „Sowjetskaja Belorussija“ sei der Satz enthalten. Die russische Zeitung „Kommersant“ hätte nach Informationen der „FAZ“ von der deutschen Botschaft in Moskau jedoch eine Übersetzung erhalten, in der dieser Passus fehlte. Das Auswärtige Amt bedauere den Vorgang und spreche von der Weitergabe einer „nicht autorisierten Fassung“.

2. Darf Lünstroth wieder?
(seemoz.de, H. Reile)
Beim „Südkurier“ in Konstanz wurde ein langjähriger Journalist abgemahnt und in die Schreibtisch-Verbannung geschickt. Über die exakten Gründe wurde und wird fleißig spekuliert, vielen erscheint es als Strafe für allzu kritische und offene Berichterstattung. Einen ausführlichen Bericht zur Causa Südkurier kann man bei der „Kontext Wochenzeitung“ lesen, die den von unterschiedlichsten Interessenlagen geprägten Konflikt zusammengefasst hat. Nun wurde der seit rund einem Monat mit Schreibverbot belegte Südkurier-Redakteur wieder auf der Pressebank einer Kulturausschuss-Sitzung gesichtet.

3. 10 (ideale) Tugenden und Werte für junge Journalisten von Morgen
(vocer.org, Marcus Nicolini)
Marcus Nicolini ist Leiter der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer-Stiftung und bildet seit 16 Jahren Journalisten aus. In zehn Thesen stellt er vor, was seiner Meinung nach an persönlichen Kompetenzen, Werten und Tugenden erforderlich sei, um in den Journalismus zu starten. Einiges davon können sich auch erfahrene Kollegen in Erinnerung rufen.

4. Rekordausschüttung für Autoren
(journalist.de, Monika Lungmus)
Warmer Geldregen für Autoren: Die VG-Wort konnte ihre Einnahmen nahezu verdoppeln, da die Geräteindustrie nachträglich gut 155 Millionen Euro als Reprografie-Abgabe an die Verwertungsgesellschaft abführt. Verantwortlich für diesen außergewöhnlichen Zuwachs sei eine Vergleichsvereinbarung, die die VG Wort mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) abschließen konnte. Darin ging es um strittige Druckervergütungen für den Zeitraum von 2001 bis 2007, die nun pauschal abgegolten wurden. Hinzu kämen noch etwaige Nachzahlungen, die sich aus dem jüngsten BGH-Urteil ergäben.

5. Werner Reinke: „Das Radio begeht gerade Selbstmord“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Medienmagazin „dwdl“ hat mit dem Hörfunkmoderator Werner Reinke gesprochen, der vielen als Radiolegende gilt. Reinke sieht die Zukunft des Radios düster, aber nicht ausweglos: „Das Medium Radio begeht gerade Selbstmord. Einen sehr schleichenden zwar, aber es begeht Selbstmord. Wir Radioleute müssen viel schneller reagieren auf die neuen Anforderungen und Konsumgewohnheiten, sind viel zu träge in dem, was wir machen. Neue Konkurrenz wie Spotify und Last.fm nehmen wir viel zu wenig wahr. Wir müssten jetzt endlich anfangen, intelligente Inhalte zu liefern, um ein Einschaltradio zu machen. Die Playlists, die hier Land auf, Land ab laufen, kann Ihnen Spotify zu jeder Zeit bieten, nicht aber den Mehrwert, der entsteht, wenn wir konsequent auf gute Inhalte setzen würden.“

6. EM 2016: Orakeltiere suchen ein Zuhause
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video, 3:11)
„Wir wissen, wer Europameister wird! Exklusiv! Naja, nicht ganz. Alle wissen, wer Europameister wird. Und alle wissen etwas anderes. Im Fernsehen haben sie Gockel befragt. Und Stachelschweine. Und Glaskugeln. Echt wahr!“

Aufsatz, Einsatz, Umsatz

1. 8 Themen, über die Medienethiker jetzt nachdenken müssen
(journalist.de)
Der Mediensoziologe und Professor für Journalismus und Digitale Kommunikation Stephan Weichert hat einen Essay über ethische Grundsätze in der digitalen Medienwelt verfasst. Es gäbe zwar den Pressekodex, Ethikregeln müssten jedoch im Praxistest ständig neu angepasst werden. „journalist.de“ veröffentlicht online eine Kurzfassung seines Aufsatzes, in dem es um acht medienethische Konfliktfelder geht: von Video-Livestreaming, dem Einsatz von Drohnen und Roboterjournalismus bis hin zu Big Data und „Info-Snacking“.

2. Erdogan verliert Rechtsstreit gegen Springer-Chef
(faz.net)
Der klagefreudige türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine weitere juristische Niederlage in Deutschland erlitten: Das Oberlandesgericht Köln wies seine Beschwerde gegen eine frühere Entscheidung des Landgerichts Köln zurück. Es ging um die Aussagen des Axel-Springer-Chefs Mathias Döpfner, der sich in der Causa Erdogan-Gedicht mit Jan Böhmermann solidarisiert hatte. Revision ist nicht mehr möglich. Erdogan könnte jedoch Verfassungsbeschwerde einlegen.

3. Jenseits von Kriegen, Krisen und Klischees – wie die Plattform JournAfrica das Afrikabild deutscher Medien verändern will
(get.torial.com, Tobias Lenartz)
Bericht über das erste deutschsprachige Nachrichtenportal für Journalismus aus Afrika „JournAfrica!“. Die Idee dahinter: Afrika hätte 54 Länder, 1 Milliarde Bewohner, hunderte Ethnien und tausende Sprachen. Der Kontinent und damit der Bedarf an Informationen werde immer wichtiger. Die Zahl deutscher Afrikakorrespondenten ließe sich jeodch an zwei Händen abzählen. Außerdem werde das Netz seit Jahren dünner, würden Korrespondentenstellen abgebaut. Mit dem relativ jungen Journalismusnetzwerk und Medienportal will man dem entgegenwirken und bietet über ein Korrespondentennetzwerk Analysen, Reportagen und Hintergrundberichten an.

4. 10 Dinge, die wir in drei Jahren Crowdspondent gelernt haben
(vocer.org, Lisa Altmeier & Steffi Fetz)
Lisa Altmeier und Steffi Fetz recherchieren in aller Welt. Finanziert wird das ganze per Crowdfunding. Ihr Projekt „Crowdspondent“ wird nun drei Jahre alt. Die beiden Journalistinnen erzählen, was sie in dieser Zeit gelernt haben.

5. Facebook Instant Articles: Unser t3n-Fazit nach 30 Tagen Testlauf
(t3n.de, Andreas Weck)
Die von Haus aus digitalaffine Webseite „t3n“ hat Facebooks „Instant Articles“ ausprobiert und berichtet nach einem Monat über ihre Erfahrungen. „Was haben wir nach 30 Tagen Instant Articles gelernt? Vor allem, dass Facebook der Werbebranche und den Vermarktern gehörig Beine machen wird, was Mobile Ads angeht.“ Interessanter Praxisbericht, der auch Einblick in sonst meist unter Verschluss gehaltene Zahlen gewährt.

6. Vom Mythos des Verlegers
(bilanz.de, Bernd Ziesemer)
Kolumnist Bernd Ziesemer war selbst langjähriger Handelsblatt-Chefredakteur. Nun zieht sich der Verleger und geschäftsführender Gesellschafter des Handelsblatts, Dieter von Holtzbrinck aus dem Geschäft zurück. Anlass für Ziesemer, über den „Mythos des Verlegers“ zu schreiben. Ziesemers Bilanz: „Innovationen blieben über Jahrzehnte ein Fremdwort in deutschen Zeitungshäusern. Stattdessen gefielen sich die Verleger in der Rolle des kleinen Königs, der sich am Sitz seiner Redaktionen hofieren ließ wie ein Duodezfürst. Am Schluss hielten sie sich selbst für große Unternehmer – bis die erste Krise kam im Jahr 2000. Seitdem ist das Bild des Verlegers hinlänglich beschädigt. Außer Leute zu entlassen und Kosten zu drücken fiel den meisten Verlegern nicht viel ein. Oft sogar gar nichts.“

Selbstversuch, Selbsterklärend, Selbstverliebt

1. Verhaftung von ROG-Korrespondent
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Türkei hat den langjährigen Korrespondenten von „Reporter ohne Grenzen“ Erol Önderoglu verhaftet. Gestern verurteilte ein Gericht in Istanbul den Journalisten und Menschenrechtsaktivisten wegen angeblicher Terrorpropaganda. Önderoglus Vergehen: Er hatte, zusammen mit anderen nun ebenfalls angeklagten Journalisten, eine pro-kurdische Zeitung unterstützt. „Reporter ohne Grenzen“ fordert die sofortige Freilassung ihres Korrespondenten und aller anderen in der Türkei inhaftierten Journalisten.

2. Hier ist Facebook mit der Tagesschau…
(universal-code.de, Christian Jakubetz)
Medienkenner Christian Jakubetz hat sich den „Digital News Report“ von Reuters angeschaut. Während sich Fernsehen und Netz als News-Quellen über die letzten drei Jahre stabil gehalten hätten, würden die Nutzungswerte für Print steil in den Keller rauschen. Die guten TV-Werte seien jedoch trügerisch, da hier altersbedingt mit Verlusten zu rechnen sei. Und auch im Netz selbst vollziehe sich ein Medienwandel: Zu Lasten der normalen Webangebote und zu Gunsten der sozialen Netzwerke. (Weitere Zahlen aus der Reuters-Studie siehe auch Michael Kroker im Blog der Wirtschaftswoche)

3. Eine Woche News per Snapchat: Ein journalistisches Experiment
(netzpiloten.de, Bill Adair)
Der amerikanische Journalismus-Prof Bill Adair hat einen Selbstversuch gestartet: Obwohl bereits mittleren Alters und damit außerhalb der demografischen Zielgruppe, hat er eine Woche nur auf Snapchat verbracht. Weg von „New York Times“, „Washington Post“ und „Politico Playbook“ und hin zu den „leichteren Snacks“, wie er die Snapchat-Angebote von „CNN“, „Wall Street Journal“, „ESPN“ und Co. nennt. Er lobt die Werbeclips („erstaunlich cool“), moniert die zu seltene Aktualisierung der Inhalte und wünscht sich keine weitere Niveauabsenkung.

4. Mehr Mut zum Alter im Fernsehen
(handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar)
Das Wiedersehen mit der 73 Jahren alten Dagmar Berghoff in den ARD-„Tagesthemen“ werfe Fragen auf: Warum werden Nachrichtensprecherinnen früher ausrangiert als ihre männlichen Kollegen? Hans-Peter Siebenhaar plädiert in seiner Medienkommissar-Kolumne für weniger Altersdiskriminierung und mehr Fairness.

5. Black Box: Wie man ein Erklärformat entwickelt
(vocer.org, Gerret von Nordheim )
Diplom-Journalist Gerret von Nordheim hat mit „Blackbox.wiki“ eine Plattform geschaffen, auf der aktuelle wirtschaftspolitische Themen kontextualisiert werden sollen. Im Gespräch mit „Vocer“ erklärt er, was hinter der Idee steckt und warum seine Entwicklung herkömmlichen Erklärvideos überlegen sei.

6. Photo: The most millennial post-game victory celebration ever
(qz.com, Selina Cheng)
Ein Instagram-Foto aus der Umkleide der argentinischen Fußballer (nach ihrem Sieg gegen Venezuela, der den Weg fürs Halbfinale des Copa America freimachte). „When you know you can swoop up 134,000 likes on Instagram and 354,000 on Facebook with your post-victory shot, what else could possibly be more important than getting back to your locker and smartphone?“

Experimentierfeld, Textfeld, Fussballfeld

1. Was ein Reporter erlebt, der das Gespräch mit den „Lügenpresse“-Kritikern sucht
(Christian Fuchs, blog.zeit.de)
Im Blog der „Zeit“ schreibt Christian Fuchs von den vergeblichen Bemühungen, mit den Machern des Magazins „Compact“ ins Gespräch zu kommen. Dahinter stand der Wunsch, ein Porträt über den überraschenden und seltenen Auflagenerfolg des neuen politischen Magazins anzufertigen. Doch die Sache gestaltet sich schwieriger als erwartet. Zwar habe man mit über 60 Personen aus dem Umfeld der Zeitschrift, mit Weggefährten des Chefredakteurs und mit Experten im In- und Ausland gesprochen, die Magazinmacher hätten sich jedoch bis zum Schluss beharrlich verweigert.

2. Zeitung wird zum Buchstabenkino
(faz.net, Adrian Lobe)
Spleen oder kluges Investment? Immer mehr Milliardäre legen sich renommierte Zeitungen zu. Nun hat der Biotech-Unternehmer Patrick Soon-Shiong die bekannten, amerikanischen Blätter „Los Angeles Times“ und „Chicago Tribune“ gekauft. Soon-Shion wolle „experimentieren“ und die Blätter zu einem „Technologie-Hub“ voller künstlicher Intelligenz umbauen, berichtet Adrian Lobe in der „FAZ“. Es stelle sich die Frage, ob der Unternehmer den Journalismus wirklich revolutionieren oder Zeitungen nur als Experimentierfeld für seine Biotech-Unternehmungen nutzen wolle.

3. Silent News
(heise.de, Hans-Jürgen Krug)
Angeblich sollen 80 Prozent aller Facebook-Nutzer Videos im Silent-Modus, also mit abgeschaltetem Ton, nutzen. Die Medien haben darauf reagiert und statten ihre Nachrichtenclips mit Untertiteln aus. Doch um geklickt zu werden, bedarf es mehr. Und deshalb würden in den Filmschnipseln, wie beim Beispiel „heute plus“, zunehmend große grelle Textbanner mit Fragen eingeblendet. „“Facebook first“ verändert nicht nur die – zeitliche – Platzierung von Neuigkeiten. Es prägt auch zutiefst ihre Machart. Silent Audioplay macht Nachrichten zu Worthäppchen. Gelbe Kästchen erzählen eigene Geschichten.“

4. „Planwirtschaftliches Fernsehen“
(taz.de, Klaus Raab)
Die „taz“ hat mit dem Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister über die Gegenwart der deutschen Talkshow gesprochen. Hachmeister auf die Frage, warum es derart viele Talkshows gäbe: „Weil es planwirtschaftliches Fernsehen ist. Man kann ungefähr die Quote absehen. Es ist im Vergleich zu anstrengenden Recherchen billig. Und es schafft eine strukturelle Regelmäßigkeit, die den Programmmanagern gefällt. Risikovermeidung ist das Lebenselexier technokratischer Programmplanung.“

5. Absurder Streit um Syrien-Berichterstattung
(Petra Sorge, cicero.de)
Vor einigen Tagen hat der Presserat eine sogenannte Missbilligung gegen die Syrien-Berichterstattung von „bild.de“ ausgesprochen. „Bild Online“-Chef Julian Reichelt veröffentlichte daraufhin einen offenen Brief und bezeichnete den Presserat als „Handlanger des Kreml“. Petra Sorge vom „Cicero“ erklärt, warum für sie bei dem Konflikt beide Seiten kein gutes Bild abgeben würden.

6. Gauland
(facebook.com, Maxim Biller)
„Nachdem der stellvertretende Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland, in einem „Kicker“-Interview über Omri Bunsenstein, den Mittelfeldregisseur von Makkabi Wedding, gesagt hatte, die Leute fänden ihn zwar als Fußballspieler gut, wollten ihn aber nicht als Nachbarn haben, erklärte der Trainer von Makkabi Wedding, niemand fände Bunsenstein als Fußballspieler gut, schon gar nicht er selbst, aber er müsse ihn trotzdem immer aufstellen, weil ohne die Spenden von Bunsensteins Vater Makkabi Wedding längst pleite wäre.“

Bildungsurlaub für die Redaktion


Danke an Dominik G.

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Danke an Christoph H.

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Danke an Katja A.

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Danke an Justus M.

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Danke an Dirk B.

Flüchtlingszitat, #keinZwerg, ARD-Idiotien

1. Vergleichsweise kriminell: Das Flüchtlingszitat des Innenministeriums
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in der vergangenen Woche erstmals bundesweit erhobene Daten zu Straftaten von Zuwanderern veröffentlicht. In dem Zusammenhang fiel die Äußerung: „Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche.“, was jedoch nicht aus den Zahlen des BKA-Berichtes abgeleitet werden könne, so Medienjournalist Stefan Niggemeier auf „Übermedien“. Vermutlich sei die Aussage nicht einmal richtig, werde aber ungeprüft von vielen Medien verbreitet. Niggemeier rätselt über die Motive und fragt sich und die Leser: „Ist das die Nachrichtenroutine, in der ein korrektes Zitat erst einmal ein korrektes Zitat ist, auch wenn es inhaltlich nicht korrekt ist? Oder spielt dabei ein Wunsch der Journalisten eine Rolle, solche eine positive Nachricht zu verbreiten?“

2. Matthias Matussek und andere Leidensgenossen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon beschäftigt sich mit den Meldungen eines Branchendienstes, der jüngst bei Springer unrühmlich ausgeschiedene Matthias Matussek und sein umstrittener Anwalt Joachim Steinhöfel könnten eine Videokolumne bekommen: ausgerechnet bei einer zum Springer-Kosmos gehörenden Webseite. Eine etwas voreilige Meldung, denn dort ist man mittlerweile zurückgerudert. Ulrike Simon schreibt: „Matussek bleibt vorerst die „Weltwoche“, bei der ihn Roger Köppel als regelmäßiger Autor engagiert hat, und Steinhöfel lässt sich entweder auf der illustren Seite „Achse des Guten“ oder gleich im eigenen Blog aus, wo er mal dem „Welt“-Vize Ulf Poschardt unterstellt, geistige Miniaturen zu verfassen oder einen anders als er denkenden Redakteur der „Süddeutschen“ einen „gemütsverrotteten Spitzbuben“ nennt. Es ist also jeder da, wohin er gehört.“

3. Kleiner Mann – und nun? #KeinZwerg
(leidmedien.de, Lilian Masuhr)
Anlässlich des Todes des Schauspielers Michu Meszaros, der im Kostüm des TV-Außerirdischen „Alf“ steckte, hat die „SZ“ eine betextete Bilderstrecke über „Kleinwüchsige in der Showbranche“ veröffentlicht. Einige der Formulierungen des „Lobs auf die menschliche Verschiedenheit“ sorgten sowohl bei Betroffenen als auch Nicht-Betroffenen für Kritik. „Leidmedien“ schreibt, was genau an den Sätzen als störend empfunden wird. Mittlerweile hätte sich auch der Autor des Ursprungsartikels mit einer Leserbriefantwort gemeldet. Wie viel von der Eigenbeschreibung „Lernt viel und gern und von jedem immer was dazu.“ zutreffend ist, muss dabei jeder selbst entscheiden.

4. Will they stay or will they go? Brexit und die Medien
(carta.info, Fridtjof Küchemann)
Nina Trentmann arbeitet als Korrespondentin in London und verfolgt mit besonderem Interesse die Medienberichterstattung über das Referendum, den sogenannten „Brexit“. Was sie immer wieder wundere: Die klar erkennbare Parteinahme führender britischer Blätter und Sender. Dies sei in Wahlzeiten so, wo die führenden Blätter sogar Wahlempfehlungen abgegeben hätten und wiederhole sich nun beim Brexit. Einer Studie des „Reuters Institute for the Study of Journalism“ zufolge herrsche bei den führenden Medien des Landes eine Präferenz für den Brexit.

5. „Österreich“ hat eine kriminelle Dauerexplosion
(kobuk.at, Martin Straudi & Gabriele Scherndl)
Das Medienwatchblog „Kobuk“ kritisiert die Panikmache des Gratisblatts „Österreich“. Obwohl die Kriminalstatistik das Gegenteil belege, werde Österreich in „Österreich“ immer gefährlicher. In einer Chronologie der Kriminalberichterstattung zeigt man einige Beispiele für die reißerische Berichterstattung des Blatts.

6. „Beckmanns Sportschule“: Wie viele Idiotien soll diese Welt noch aushalten?
(spiegel.de, Jürgen Roth)
Die ARD-Sendung „Beckmanns Sportschule“ sorgt allerorten für Entsetzen und Verstörung. Auch Schriftsteller Jürgen Roth hat entsprechende Erfahrungen gemacht und schreibt auf „Spiegel Online“: „Der peinliche, das Laienschauspiel im läppisch-jovialen Zwinkerzwinkertonfall krönende Plauderoheim Reinhold Beckmann tapert mit seinen Gästen durch Gänge und Treppenhäuser, und irgendwann krault Horst Hrubesch auf der Couch im „Bernsteinzimmer des deutschen Fußballs“ den zehnjährigen (ja, das erfahren wir) Hund des Moderators, der gestern ausgiebig übers pittoreske Gelände strolchen durfte. Das haben sie sich beim Sat.1-Frühstücksfernsehen abgeguckt, allwo jahrelang ein Mops herumhoppelte. Hier, in dieser „etwas wahnsinnigen Männer-WG“ ist nichts mehr zu retten.“

Zwangsweise, Sprechweise, Schätzungsweise

1. Der Mann, der gegen alles kämpft, was links ist
(welt.de, Kathrin Spoerr)
Einige Journalisten kennen seinen Namen. Als „Der Kampfschlesier“ bombardiert er sie mit wütenden Mails. „Journalistenpack“ nennt er sie, „Linksgrün versifft“, „verlogen“, „widerlich“, „dreckig“… Auch „Welt“-Redakteurin Kathrin Spoerr ist ins Visier des Leserbriefschreibers geraten. Statt die Mails zu löschen, hat sie Kontakt aufgenommen und ihn bei sich zu Hause besucht. Herausgekommen ist der Versuch einer Näherung und ein wohltuend leises und zartes Stück Journalismus.

2. Wie Menschen, nur anders
(zeit.de, Mely Kiyak)
„Wir wollten Arbeitskräfte und Menschen kamen.“ Haben Sie auch gedacht, dieses Zitat käme vom ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm? Fehlanzeige! „Zeit“-Kolumnistin Mely Kiyak rückt die Sache gerade und ordnet das Zitat der richtigen Person zu: Max Frisch. Dazu hat sie sich nochmal in die Originallektüre vertieft: „Bei jeder Zeile liest man und denkt, ja ja, genau so ist das, das sollte der Gauland mal lesen! Aber dann besinnt man sich und denkt: Oh Gott, die sind alle so blöd, dass sie wirklich denken, dass Norbert Blüm von selbst zu einer so poetischen und präzisen Aussage gekommen sei, na ja, jedenfalls – und nur darum sollte es heute gehen: Es war der Frisch und nicht die Lärsche von Rüüselshaaaim.“

3. Nachrichtennutzung der 18- bis 24-Jährigen geht zurück
(hans-bredow-institut.de)
Das Hans-Bredow-Institut für Mediennutzung an der Uni Hamburg hat die deutschen Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2016“ veröffentlicht. Demnach ist die Nachrichtennutzung in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr in allen Gattungen zurückgegangen, ob Fernsehen, Radio, Print oder Online. Erstaunlich: Die Hälfte der befragten Internetnutzer über 18 Jahren nennen weiterhin das Fernsehen als die wichtigste Nachrichtenquelle, für etwa ein Viertel ist es das Internet. Damit spiele das Internet für die Deutschen im internationalen Vergleich in Sachen Nachrichten die geringste Rolle.

4. Die Berichterstattung zu dem Orlando-Attentat
(radioeins.de, Stefan Niggemeier, Audio 4:54)
Das Attentat von Orlando war ein Hassverbrechen gegen Schwule und Lesben. Dies ist von vielen ausländischen Politikern und Medien auch von Beginn an so benannt worden, nur die deutsche Regierung blieb in ihrer Stellungnahme im Allgemeinen. „radioeins“ hat mit dem Medienjournalisten und „Übermedien“-Macher Stefan Niggemeier gesprochen und gefragt: „Musste die Kanzlerin wirklich ausdrücklich betonen, dass es um eine Homosexuellen-Bar in Orlando ging?“

5. Hunderte, Tausende, Zehntausende – eine kleine Demozahlenlehre
(metronaut.de, John F. Nebel)
Teilnehmerzahlen von Demonstrationen sind ein Politikum und jeder geht anders mit ihnen um, ob Veranstalter, Medien oder Polizei. John F. Nebel beschreibt in seinem Artikel die Problematik und arbeitet einige Zahlen auf. Außerdem beschreibt er die Fallen, in die man als Veranstalter bei der Nennung von Zahlen tappen kann. Journalisten gibt er den Tipp, nicht die ersten Agenturzahlen oder die reinen Polizeizahlen zu übernehmen, sondern immer auch die Zahl des Veranstalters kommunizieren und gegebenenfalls eine eigene Einschätzung zu liefern.

6. Walulis‘ Medientypen: Der Sportreporter
(ndr.de, Video, 2:44)
„Glanz und Elend eines Sportreporters – oder: Wollen Sie etwa für immer einen 19-Jährigen danach fragen, wie er den Ball reingemacht hat?“

Faktenzoom, News-Traumata, Medien-Trump

1. Faktenzoom
(faktenzoom.de)
Zwölf angehende Journalistinnen und Journalisten der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft haben ein tolles journalistisches Projekt auf die Beine gestellt: „Faktenzoom“. Der Journalistennachwuchs hat dazu über mehrere Wochen die beliebtesten Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen geschaut und die Aussagen der teilnehmenden Politiker auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Aus Transparenzgründen haben die Projektmacher eine Google-Tabelle mit allen Aussagen aller Politiker und der jeweiligen Bewertung verlinkt. Die Rangliste im negativen Sinn führt übrigens Frauke Petry (AfD) an: Nahezu ein Drittel ihrer Behauptungen mussten die Faktenzoomer beanstanden, gut 15 Prozent seien komplett falsch gewesen.

2. Journalismus: Seriöse Stimme in Social Media
(kurier.at, Marco Weise & Georg Leyrer)
„GEN Summit 2016“ nennt sich die große, internationale Medienkonferenz, die vom 15. bis zum 17. Juni in Wien stattfindet. Im Vorfeld hat sich der österreichische „Kurier“ mit einem der Teilnehmer unterhalten: Jim Roberts, dem ehemaligen Journalist der New York Times und Chefredakteur von Mashable. Natürlich ging es um die Zukunft des Journalismus und der findet nach Roberts auf dem Handy statt. „Qualitätsjournalismus muss sich mehr an die technischen Gegebenheiten, an die Geräte anpassen, auf denen die Menschen Nachrichten konsumieren. Denn wenige werden bereit sein, einen Artikel mit 3000 Wörtern auf dem Smartphone zu lesen.“

3. ARD und ZDF suchen einen Prügelknaben
(faz.net, Michael Hanfeld)
Bei der Euro 2016 kommen die von den Fernsehsendern gezeigten Livebilder direkt vom Veranstalter, dem europäischen Fußballverband Uefa. Und der will nur die schönen Seiten zeigen und lässt alles weg, was stören könnte wie z.B. prügelnde Hooligans. Nun haben ARD und ZDF bei der Uefa Beschwerde gegen diese Praxis eingelegt. Die Klage sei scheinheilig, so Michael Hanfeld von der „Faz“: Mit einem Riesentross angereist, sollten die Sender sich selbst zu helfen wissen.

4. Neue psychische und ethische Anforderungen an Nachrichtenjournalisten
(de.ejo-online.eu, Stefan Frerichs)
Dr. Stefan Frerichs (Online- und Social-Media-Redakteur bei „ARD.de“) berichtet von den Anforderungen an Nachrichtenredaktionen und Redakteuren bei ungewöhnlichen Ereignislagen wie Anschlägen oder Katastrophen. Diese lägen nicht nur in der quantitativen, sondern auch in der qualitativen Mehrbelastung. Außerdem könne der direkte, ungefilterte Zufluss von schockierenden Fotos und Videos für Nachrichtenjournalisten eine psychische Belastung bedeuten, auf die sie nicht ausreichend vorbereitet seien. Frerichs legt eine Liste zur Trauma-Vorbeugung vor und führt die entscheidenden Fragen zum Thema „Bildethik“ auf.

5. Klickt extrem gut? Die Medien und die Populisten
(krautreporter.de, Christian Fahrenbach)
Der in New York arbeitende Christian Fahrenbach beobachtet einen veränderten Umgang der amerikanischen Medien mit Donald Trump. Dieser hätte in der Vergangenheit wie kein Zweiter die Anforderungen des modernen Medienbetriebs bedient. („Er ist zugänglich und verfügbar, bietet eine Underdog-Geschichte und hat jahrelang extrem viel über das System gelernt. Der Mann tut zwar, als könnte er die Medien nicht leiden, aber er ist dauerverfügbar und gibt morgens bereits ein halbes Dutzend Telefoninterviews für die Morgenshows im Fernsehen – für Journalisten ist das extrem bequem.“) Bislang habe zwischen ihm und den Medien ein „Ausgewogenheits-Nichtangriffspakt“ bestanden, doch seit ein paar Wochen sei alles anders und Medien würden zunehmend kritisch berichten und hinterfragen.

6. Was machen Journalisten, die kuratieren?
(journalist.de, Svenja Siegert)
Der „journalist“ beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe mit dem Kuratieren von Nachrichten und stellt einige bestehende Angebote, aber auch neue journalistische Startups vor. In der Onlineausgabe kann man lesen, was drei Kuratoren über ihre Arbeit sagen: der „Managing Editor“ bei Blendle Deutschland, der „Head of Editorial“ bei Springers News-App Upday und der „Head of Curation“ beim Start-up Niuws. (Interner Hinweis an meine BILDblog-Vorgesetzten: Ich will auch so einen schicken Titel!!! Vielleicht „Chief Media Curating Officer“? Oder ist was mit „Director“ drin?)

US-Wahlen, Platzverweis, Remote Gold

1. Die Hybris der Journalisten
(welt.de, Susanne Gaschke)
Susanne Gaschke kennt die Medien von verschiedenen Seiten. Als Journalistin arbeitete sie u.a. für die „Zeit“, als politisch engagierte Frau war sie sogar einige Zeit Oberbürgermeisterin von Kiel. In einem Aufsatz in der „Welt“ konstatiert sie, dass Medien in der Bevölkerung mittlerweile ebenso unbeliebt seien wie viele Politiker und der Journalismus sich teilweise als vierte Gewalt aufspiele. Gaschke geht der Frage nach, wie es zu diesem fatalen Zerwürfnis kommen konnte.

2. Interview: Amerikas Mitte ist nüchterner als der überhitzte Medienbetrieb
(carta.info, Tobias Endler)
Tobias Endler spricht auf „Carta“ mit dem langjährigen Fernsehjournalist und Buchautor Klaus Scherer über den US-Wahlkampf, die immer dichtere Taktung der News-Zyklen, das Phänomen Donald Trump und die Polarisierung der US-Medien. Problematisch sei vor allem eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten: „Der Supreme Court hat zuletzt die Schleusen im Wahlkampf geöffnet, seither können Unsummen einfließen, ohne dass sich ein Konzern oder Privatmensch dazu bekennen muss. Auch Firmen gelten als Privatpersonen. Selbst viele Republikaner haben in Gesprächen beklagt, dass man da den Eindruck haben muss, das Weiße Haus sei zu kaufen.“

3. Großes Mediengesetz verschoben
(reporter-ohne-grenzen.de)
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen ist Polen in diesem Jahr um 29 Plätze auf Rang 47 von 180 Staaten abgestürzt. Es kann vermutet werden, dass Polen weiter nach unten fallen würde, wäre das sogenannte „Große Mediengesetz“ in Kraft getreten. Jüngsten Äußerungen der polnischen Regierung zufolge soll es nun aufgespalten und vertagt werden. Reporter ohne Grenzen ruft die Regierung in Warschau auf, das Gesetz zu überdenken und zentrale Posten nicht länger nach politischen Kriterien zu vergeben.

4. Die Polizei, Helfer der Rechten?
(taz.de, Konrad Litschko)
Ende Mai veranstaltete die NPD auf einem öffentlichen Sportplatz im thüringischen Leinefelde-Worbis ihren jährlichen „Eichsfeldtag“, ein Rechtsrockkonzert und Kinderfest. Journalisten wollten darüber berichten und fotografierten das braune Event. Daraufhin kassierten sie Platzverweise der vom Veranstalter hinzugerufenen thüringischen Polizei. Die Journalisten reichten nun Klage vor dem Verwaltungsgericht Weimar ein.

5. Remote gold
(epa-photos.com, Shawn Thew)
Im Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen die Ukraine kam es zu einer kuriosen Rettungsaktion von Jerome Boateng, der mit einem artistischen Sprung ins Tor das 1:1 verhinderte. Mindestens ebenso kurios ist die Entstehungsgeschichte des vielleicht jetzt schon berühmtesten Sportfotos des Jahres, das seine artistische Einlage dokumentiert. Pressefotograf Shawn Thew schreibt über den denkwürdigen Abend und die von ihm per Fußpedal ferngesteuerte Kamera. In der Halbzeitpause kontrollierte er den Apparat und war zunächst enttäuscht: Die Kamera war umgekippt und hatte etwa 100 Aufnahmen des Stadiondachs gemacht. Doch dann stieß er auf das, was er „Remote Gold“ nennt…

6. Look where „Spiegel“ gets its cover ideas… Ours came out on 27 April.
(www.facebook.com/BusinessSpotlight)
Eine Idee, zwei Cover…

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