Julian Reichelt im „Spiegel“-Bild

Außerhalb unserer werktäglichen Empfehlungen „6 vor 9“ hier ein Sonder-Lesetipp fürs Wochenende: Das „Spiegel“-Duo Isabell Hülsen und Alexander Kühn hat „Bild“-Chef Julian Reichelt begleitet, vergeblich an Hotelbars auf ihn gewartet, ihn im Axel-Springer-Hochhaus besucht, vergeblich in Hotel-Frühstücksräumen auf ihn gewartet, versucht ihn zu verstehen. In ihrem siebenseitigen Portrait, das ab morgen im gedruckten „Spiegel“ am Kiosk erhältlich sein wird und jetzt schon in der „Spiegel“-Digitalausgabe zu finden ist, schreiben Hülsen und Kühn über Reichelts Widersprüchlichkeit, sein Riesen-Ego, seine Krebs-Erkrankung, sein Boulevard-Talent. Und sie suchen Antworten auf die Fragen:

Deckt sich der wild gewordene Twitterer mit dem Menschen Reichelt? Wie viel ist Pose, wie viel Überzeugung? Und wie schafft es jemand wie er so weit nach oben?

Ausriss Spiegel-Doppelseite - Überschrift Im Stahlgewitter

In dem ausführlichen Stück gibt schöne Details aus Julian Reichelts Vita, etwa:

Mit 17 erfindet er seine eigene „Bild“. In der Schülerzeitung, die er am Gymnasium in Hamburg-Othmarschen gründet, gibt es große Fotos und knallige Überschriften. Die Redaktionskonferenzen finden im elterlichen Wohnzimmer statt. An eine Schlagzeile kann sich Reichelt noch erinnern. In der Nähe der Schule waren drei Autos aufgebrochen worden. Er titelte: „Welle der Gewalt“.

Außerdem Reichelts Selbstinszenierung als Sozialarbeiter, der jungen Menschen „helfen“ will, die er und seine Redaktion zuvor auf der „Bild“-Titelseite vorverurteilt haben:

Zur Hochform lief „Bild“ nach den Krawallen beim G-20-Gipfel in Hamburg auf. Da wurde die Zeitung zum Pranger umfunktioniert. Auf dem Titelblatt fahndete sie unter anderem nach dem 19-jährigen Kevin, der Steine in Richtung eines Wasserwerfers geschmissen hatte. Er stellte sich daraufhin der Polizei. Reichelt twitterte: „Meine Prognose: Das macht Kevin nicht noch mal.“ Er sei froh, sagt Reichelt heute, „dass unsere Berichterstattung Auswirkungen hatte“.

Aber weil Reichelt ja ein Guter ist, hat er den jungen Mann angerufen und ihm einen Job bei „Bild“ angeboten, wenn sein Gerichtsverfahren abgeschlossen ist — es soll ein Resozialisierungsangebot sein: „Man muss helfen, wenn man die Möglichkeit dazu hat.“

Und ebenfalls faszinierend: Die eigene Zündelei im Stile der AfD nicht sehen zu wollen und gleichzeitig einzuräumen:

Dass „Bild“ mitzündele, findet er nicht: „‚Bild‘ ist kein Brandstifter, sondern ein Ventil.“ Das Blatt trete für die Leser den Beweis an, dass der gern von der AfD bemühte Satz „Das darf man ja nicht mehr sagen“ nicht stimme — weil „Bild“ es doch sagt. Als wäre es weniger gefährlich, wenn „Bild“ Ängste schürt, bevor die AfD das tut.

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Polizeiliche Selbstgespräche, Doppelstandards, Kollegah auf Eis

1. In Görlitz interviewt der Polizeisprecher seinen Chef einfach selbst – und die Sächsische Zeitung veröffentlicht es
(buzzfeed.com, Marcus Engert)
In Görlitz hat der Polizeisprecher seinen Chef interviewt und das Gespräch als „Medieninformation“ veröffentlicht. Was seinen Weg in die „Sächsische Zeitung“ fand und dort wie redaktioneller Inhalt aussah. Marcus Engert ist dem Vorfall nachgegangen, stieß aber auf wenig Gesprächsbereitschaft: Die Polizei reagierte abwehrend, die „Sächsische Zeitung“ konnte keinen mit dem Vorgang vertrauten Gesprächspartner ermitteln. Mittlerweile hat die Zeitung den Artikel gelöscht und bedauert die Vorgehensweise via Twitter: „Nicht unser Standard“.

2. Von wegen europäische Standards für alle: Facebook ändert Vertragsbedingungen von 1,5 Milliarden Menschen
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Vor kurzem hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg noch vollmundig verkündet, man wolle sich in Sachen Datenschutz an der ab Ende Mai geltenden Datenschutz-Grundverordnung DSGVO orientieren. Nun sieht es eher so aus, als ob der Social-Media-Gigant die nicht-europäischen Mitglieder von den neu geltenden Standards explizit ausschließt.

3. Erfolgreiche Bezahl-Nachrichten aus Frankreich
(deutschlandfunk.de, Suzanne Krause, Audio, 5:01 Minuten)
Die französische Online-Zeitung „Mediapart“ sei der lebende Beweis, dass Leser bereit sind, für hochwertige Online-Nachrichten zu zahlen, so Suzanne Krause im Deutschlandfunk. Die für ihre hochwertigen Nachrichten und Enthüllungsgeschichten bekannte Online-Zeitung schreibe seit sieben Jahren schwarze Zahlen.

4. BGH: Sieg auf ganzer Linie für Adblock Plus
(heise.de, Torsten Kleinz)
Der BGH hat entschieden: Der Werbeblocker Adblock Plus der Firma Eyeo verstößt nicht gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Diesen Vorwurf hatte der Verlag Axel Springer erhoben und Schadensersatz für entgangene Werbeumsätze verlangt. Der unterlegene Springer-Konzern hält das Urteil für falsch und will Verfassungsbeschwerde einlegen.

5. Schweizer Zeitungsmarkt neu sortiert
(taz.de, Andreas Zumach)
Der Schweizer Medienmarkt ist in Bewegung: Der bisherige Eigentümer der „Basler Zeitung“ (BaZ), der Milliardär und Chefstratege der rechtspopulistischen SVP, Christoph Blocher, hat das Blatt an den Tamedia-Konzern verkauft. Im Gegenzug erhält Blocher von Tamedia eine 65-prozentige Beteiligung am „Tagblatt der Stadt Zürich“ sowie vier weitere Gratiszeitungen. Es steht jedoch noch die Genehmigung der eidgenössische Wettbewerbskommission aus.

6. Plattenfirma setzt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang aus
(spiegel.de)
Die Bertelsmann Music Group (BMG) hat angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Rappern Kollegah und Farid Bang zu pausieren. „Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen“, so der Vorstandschef in einem Gespräch mit der „FAZ“. 

Weiterer Lesetipp: Was sagt eigentlich Bertelsmann zum Kollegah-Skandal? (welt.de, Christian Meier) Dort taucht auch die in den sozialen Medien heftig kritisierte Stellungnahme eines BMG-Sprechers auf: „Zweifellos haben einige der Texte auf ,JBG3’ (das Album) viele Menschen tief verletzt. Auf der anderen Seite haben sich viele Menschen eindeutig nicht gekränkt gefühlt (…).“
Und für all diejenigen, die mehr über die Hintergründe und die strittigen Textstellen erfahren wollen, hat Christian Buß auf „Spiegel Online“ einen Tipp: „Die TV-Doku „Die dunkle Seite des deutschen Rap“ beleuchtet, wie tief der Antisemitismus bei Kollegah und Co. verankert ist. Hätten die Echo-Verantwortlichen doch diesen Film gesehen.“

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Mord auf Malta, Der MDR und das „N“-Wort, Tschüss Neon

1. Wie man die Amok­fahrt von Münster mit dem IS in Verbindung bringt
(uebermedien.de, Katharina Wecker)
Die Journalistin Katharina Wecker bekommt eine Anfrage von der zweitgrößte Boulevardzeitung Großbritanniens, der „Daily Mail“: Ob sie die Online-Kollegen als sogenannte „Fixerin“ bei der Recherche zum Geschehen in Münster unterstützen könne? Sie sagt zu und erlebt, wie das recherchierte Material verdreht und falsch interpretiert wird, um einen Aufreger mit Verschwörungseinschlag zu produzieren: „Es war meine erste Zusammenarbeit mit „Mail Online“ und meine erste Tätigkeit als „Fixerin“. Es wird wahrscheinlich auch meine letzte sein. Nachdem ich den veröffentlichten Artikel gelesen und festgestellt habe, wie weit sich der Text teilweise von der Recherche entfernt hat, habe ich mich dazu entschlossen, auf mein Honorar zu verzichten und diesen Text zu schreiben.“

2. MDR will „vorsichtiger“ mit dem „N-Wort“ umgehen
(deutschlandradio.de, Sebastian Wellendorf, Audio, 4:48 Minuten)
Der MDR Sachsen hatte die Frage gestellt: „Darf man heute noch „Neger“ sagen?“ und dafür einen Shitstorm kassiert. Der „Deutschlandfunk“ hat sich mit MDR-Radio-Sachsen-Chef Bernhard Holfeld über das Thema unterhalten. Das vierminütige Gespräch lohnt in zweierlei Hinsicht: Weil es einen Programmchef zeigt, der sich in alle Richtungen dreht und windet und nach Ausschlüpfen sucht, und mit Sebastian Wellendorf einen Journalisten, der ihm dies nicht durchgehen lässt.

3. Mord auf Malta
(projekte.sueddeutsche.de, Mauritius Much & Hannes Munzinger & Bastian Obermayer & Holger Stark & Fritz Zimmermann)
Im Oktober 2017 wurde die maltesische Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia durch ein Attentat mit einer Autobombe getötet. Nun arbeiten Reporter von 18 Medien wie der „New York Times“, des „Guardian“ oder „Le Monde“ zusammen daran, ihre Recherchen fortzusetzen und ihre Ermordung zu rekonstruieren. In Deutschland sind der Rechercheverbund aus „SZ“, „WDR“ und „NDR“ beteiligt die „Zeit“ (Wer hat sie umgebracht?). Der Text zeichnet Daphne Caruana Galizias Leben auf der Insel nach und stellt die Frage nach den Hintermännern ihrer Ermordung.
 Dazu ein TV-Tipp: Die „ARD“-Sendung Monitor widmet sich in ihrer heutigen Sendung dem Thema Mord auf Malta: Der Fall Caruana Galizia („Das Erste“, 19.04.2018, 21:45 Uhr)

4. Tschüss Neon!
(zeit.de, Dirk Peitz)
Vor 15 Jahren erschien die erste Ausgabe des Monatsmagazins „Neon“, ein Heft „für junge Leserinnen und Leser, die schon lange volljährig sind, aber ihre jugendliche Unbeschwertheit bewahren wollen“. Nun ist es Zeit Abschied zu nehmen, jedenfalls von der gedruckten Ausgabe. „Neon“ wird nur noch digital weiterleben, wie Print-Chefredakteurin Ruth Fend in einem Abschiedsbrief bekannt machte. Dirk Peitz blickt bei „Zeit Online“ auf die vergangenen Jahre zurück.

Auch der Rest der Branche kondoliert, zum Beispiel hier: Die Neon leuchtet nicht mehr (sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel) oder hier: Abschied vom Ich-Journalismus (spiegel.de, Eva Thöne)

5. Medienwächter: Bild macht Rundfunk!
(wuv.de, Petra Schwegler)
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht „ZAK“ hat drei „Bild“-Live-Streams mit TV-Sendern gleichgestellt. Die Folge: „Springer“ benötigt eine Sendelizenz! Dem widerspricht der Konzern: Es handele sich nicht um zulassungspflichtigen Rundfunk im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages. Amüsanter Nebenaspekt: Während die Verlage aufschreien, wenn Fernsehsender Textinhalte veröffentlichen und dies als Wildern in ihrem Revier beklagen, scheint dies umgekehrt nicht zu gelten. Jedenfalls nicht in diesem Fall.

6. Schöner Grüßen mit quoteSalute!
(dhd-blog.org, Stefan Dumontt & Frederike Neuber & Lou Klappenbach)
Ihnen sind die üblichen Grußformeln zu unpersönlich, primitiv und langweilig? Dann verabschieden Sie sich in der nächsten Mail doch einfach mal mit einem Textbaustein aus alten Zeiten. „quoteSalute“ hat Grußformeln aus verschiedenen frei verfügbaren historischen Briefeditionen zusammengetragen, die sich per Knopfdruck in die Zwischenablage kopieren lassen. In diesem Sinne empfehle ich mich mit der innigsten Ehrerbietung und Dankbarkeit als ihr gehorsamster Diener und 6-vor-9-Kurator Lorenz Meyer.

Der schöne Schein und die Ästhetisierung des Krieges

Als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff bombardierten die USA unter Beteiligung von Frankreich und des Vereinigten Königreichs am 14. April syrische Einrichtungen bei Damaskus und Homs. Zur Bebilderung der Meldung verwendeten zahlreiche Medien („Spiegel Online“, Berliner-Zeitung.de, Stern.de, Handelsblatt.com, taz.de, ksta.de, MDR.de, „Deutschlandfunk“ und viele weitere) ein und dasselbe Bild der amerikanischen Nachrichtenagentur „Associated Press“, die in Deutschland mit der „dpa“ zusammenarbeitet.

Screenshot Spiegel Online, der die Verwendung des Fotos zeigt - Foto-Beschreibung weiter hinten im Text
Screenshot Berliner-Zeitung.de, der die Verwendung des Fotos zeigt
Screenshot taz.de, der die Verwendung des Fotos zeigt

Kriegsmeldungen zu bebildern, ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe und vielleicht gab es auch nur wenig Auswahl. Dennoch tue ich mich mit diesem Bild schwer.

Das Foto zeigt ein nächtliches Stadtpanorama in warmen Farbtönen mit einem spektakulären Lichtschweif, der weite Teile des Himmels erhellt.

Je nachdem, welcher Ausschnitt von der jeweiligen Redaktion gewählt wurde, ergeben sich stimmungsvolle Kompositionen aus malerischer Stadtkulisse und einem leuchtendem Himmel, der dynamisch von der Diagonale des Leuchtstreifens zerteilt wird. Man könnte durchaus von einem ästhetischen Bild sprechen, das man sich gerne ansieht. Kein Wunder: Bilder von nächtlichen Stadtlandschaften, Skylines und Gewittern sind begehrte Postermotive und werden sogar auf Leinwand angeboten.

Was bei all der visuellen Schönheit in den Hintergrund zu geraten droht: Es handelt sich immer noch um eine Kriegsaktion, mit all den furchtbaren Folgen für die dort lebende Bevölkerung.

Während sich also in Damaskus und Homs die Menschen Sorgen um ihr Leben machen, schauen wir uns romantischen Kriegskitsch an. Fast wie zu Silvester, wo wir dank der jährlichen Überdosis Raclette oder Fondue um Mitternacht schwerfällig nach draußen schwanken und sagen: „Oh, ist das schön!“ Und uns danach wieder in das kuschelige Warm unserer sicheren Wohnung zurückziehen.

Nennt mich streng, nennt mich überkorrekt. Außerdem weiß ich, dass es natürlich — wie fast immer — Wichtigeres gibt. Aber mir ist unwohl bei dieser journalistischen Entscheidung, etwas schön zu bebildern, was nicht schön zu bebildern ist.

Dazu auch:

  • Das Töten von Menschen als medial inszenierte Rekordjagd: Mord ist Sport.

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Der „MDR“ und der grausige Tweet, Abgehefteter Hass, Bahnbabo

1. MDR-Sendung platzt nach rassistischem Tweet
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
„Darf man heute noch „Neger“ sagen? Warum Ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?“ So lautete die verstörende Ankündigung einer Radiodiskussion mit der früheren AfD-Chefin Frauke Petry, dem Moderator Peter Hahne, der sächsischen Linke-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz und dem Leipziger Politikwissenschaftler Robert Feustel. Nachdem es auf Twitter zu einem Shitstorm kam und zwei Diskussionspartner absagten, sagte der MDR die Sendung ab.

Für alles Weitere zum Ablauf des Geschehens samt unglücklicher MDR-Kommunikation siehe unseren Beitrag: MDR diskutiert mit Weißen über Rassismus gegenüber Schwarzen (bildblog.de, Moritz Tschermak).


2. Schreit es weg!
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
„National Enquirer“ heißt das Klatschblatt, das in ganz Amerika strategisch günstig neben der Supermarktkasse ausliegt. Sämtliche Promis müssen damit rechnen, irgendwann einmal ins Visier der Boulevardzeitung zu geraten. Nur einer scheint sicher: Donald Trump. Und das liegt an der engen Freundschaft von Trump und David J. Pecker, dem Verleger des Revolverblatts.

3. Virtueller Hass, säuberlich sortiert
(spiegel.de, Melanie Amann & Marcel Rosenbach)
Wer rechtswidrige Posts in sozialen Netzwerken entdeckt und vergeblich versucht hat, eine Löschung zu bewirken, kann sich an das Bundesamt für Justiz in Bonn wenden. Melanie Amann und Marcel Rosenbach vom „Spiegel“ haben die Behörde besucht, bei der die Beschwerden fein säuberlich in blauen Aktenmappen landen. Und mussten als externe Besucher zunächst die vorgeschriebene Sicherheitseinweisung für den Paternoster überstehen.

4. Der Mann, der kein Spion war: Wie sich das Leben des Baslers nach falschen Vorwürfen verändert hat
(bzbasel.ch, Annika Bangerter)
Der türkischstämmige Basler Y. S. soll als Polizeiassistent für Erdogan spioniert haben, doch die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Die öffentliche Wahrnehmung war jedoch eine andere, auch durch die Medienberichte. „bz Basel“ hat mit Y.S. darüber gesprochen, wie die falsche Spitzel-Geschichte sein Leben verändert hat: „Der Spion bleibt an mir haften, ich bin abgestempelt. Bis heute meide ich deshalb Örtlichkeiten, an denen sich viele Menschen aufhalten. Ich will nicht, dass sich jemand durch meine Anwesenheit provoziert fühlt oder gar das Gefühl hat, sich beweisen zu müssen. Im Sinne von: «Jetzt zeigen wir es dem Spion.» Eine solche Situation eskaliert schnell.“

5. Investigative Filmemacher und die Haftungsfrage
(ndr.de, Sabine Schaper)
Bei den in der ARD ausgestrahlten investigativen Dokumentationen, auf die der Sender so stolz ist, handelt es sich um Auftragsproduktionen, hinter denen freie Produzenten stecken. Als kleine Firmen legen sie sich oft mit den großen Playern aus Politik und Wirtschaft an und setzten sich einem erheblichen Risiko aus, verklagt und in den finanziellen Ruin getrieben zu werden. Was helfen könnte: Neue Verträge.

6. Alles gechillt beim Bahnbabo
(fr.de, Kathrin Rosendorff)
Peter Wirth (57) ist Straßenbahnfahrer, Social-Media-Star und eine Berühmtheit in Frankfurt: Er ist der durchtrainierte, muskelgestählte und von allen geliebte „Bahnbabo“.

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MDR  

MDR diskutiert mit Weißen über Rassismus gegenüber Schwarzen

Wie oft wurde die frühere AfD-Politikerin Frauke Petry in ihrem Leben wohl als „Negerin“ beschimpft?
Wie oft der ZDF-Moderator Peter Hahne?
Wie oft die Linke-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz?
Wie oft der Politikwissenschaftler Robert Feustel?

Das sind vier völlig blöde Fragen, schließlich haben Petry und Hahne und Köditz und Feustel alle eine sehr helle Hautfarbe, was sie vor einer solchen unsäglichen rassistischen Beleidigung schützt. Und doch hätte sich die Redaktion des MDR Sachsen diese Fragen mal stellen können, denn heute Abend um 20 Uhr will der Radiosender mit diesen vier Studiogästen die Frage klären, ob man „noch ‚Neger'“ sagen darf:

Um erstmal auf die Frage einzugehen: nein. Es handelt sich um eine Beleidigung (dass man sowas wirklich noch klarstellen muss). Selbst der Duden schreibt, dass die Bezeichnung „im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend“ gelte. Sie verletzt Menschen. Man kann das Wort benutzen, ja. Aber dann kann man sich nicht damit rausreden, dass man nicht wisse, was für eine üble rassistische Beleidigung man benutzt hat.

In der Sendung des MDR Sachsen soll es laut Ankündigung allgemein um die Frage „Politisch korrekt oder korrekt politisch?“ gehen. Es ist bemerkenswert, dass eine Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders in die dazugehörige Twitter-Ankündigung das N-Wort einbaut. Die Frage wirkt wie ein kalkulierter Tabu-Bruch: Längst Indiskutables zur Diskussion stellen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen — eine Strategie, die man ständig bei der Neuen Rechten beobachten kann. Allein das Stellen dieser Frage ist ein Rückschritt, schließlich lässt dies es so wirken, als könnte man ernstzunehmende unterschiedliche Positionen zu ihr einnehmen. Was könnte man denn noch so diskutieren? Darf man heute noch „Kümmeltürke“ sagen? Darf man heute noch „Judensau“ sagen? Darf man Schwule „Schwuchteln“ nennen? Darf man einen Menschen mit Trisomie 21 „Mongo“ nennen? Die Antworten wären übrigens: nein, nein, nein und nein.

Was viele Twitter-Nutzer stört ist nicht nur die Reproduktion einer rassistischen Beleidigung durch den MDR Sachsen, sondern auch die Zusammensetzung der Talk-Runde: Warum sitzt keine von Rassismus betroffene Person am Mikrofon, die sagen könnte, was sie von der Verwendung des Wortes hält? Etwa jemand, der „Zigeunerschnitzel“- und „Negerkuss“-Verteidiger Peter Hahne im Studio erklären könnte, wie kränkend das Wort ist. Warum diskutieren ausschließlich Weiße darüber, mit welchen Rassismen sie Schwarze versehen dürfen und mit welchen nicht?

Die Reaktion des MDR Sachsen auf diese Kritik ist gelinde gesagt eine Katastrophe:

Was für eine Bankrotterklärung einer Redaktion: Auf Anrufe von Betroffenen hoffen, weil man es (im besten Fall) verpennt hat oder (im schlimmeren Fall) für unnötig hielt, die Menschen ins Studio einzuladen, die die Beleidigung im Alltag betrifft.

Anderen Kritikerin entgegnet der MDR Sachsen, dass sie mal etwas sorgfältiger lesen sollen:

Das wäre ziemlich lustig, wenn es nicht so traurig wäre: Dass eine Redaktion, heischend nach Aufmerksamkeit, an den Anfang ihres Tweets eine rassistische Beleidigung stellt und bei Kritik daran sagt, dass man sich mal nicht von der rassistischen Beleidigung blenden lassen solle. Und vielleicht zeichnet eine gute Überschrift auch aus, dass sie die Leserschaft den Inhalt einer Sendung nicht falsch verstehen lässt.

Der MDR Sachsen hat nun auch etwas grundsätzlicher auf die Kritik reagiert:

Auch dazu könnte man einige Fragen stellen, etwa: Was an der „Einstiegsfrage“ soll eine „Überspitzung“ gewesen sein? Das war keine „Überspitzung“. Das war schlicht das Wiedergeben einer rassistischen Beleidigung.

Die zwei angekündigten Studiogäste Kerstin Köditz und Robert Feustel haben ihre Teilnahmen an der Diskussionsrunde inzwischen übrigens abgesagt:

Ein letzter Gedanke: Ja, auch wir haben hier nun diese Beleidigung mehrfach verwendet. Das lässt sich bei einer Kritik an manchen Stellen leider nicht vermeiden. Wir haben uns jedenfalls Mühe gegeben, das Wort so selten wie möglich zu verwenden.

Nachtrag, 17:38 Uhr: Laut „Tagesspiegel“ hat der MDR Sachsen nun die gesamte Sendung abgesagt.

Mit Dank an @jens_jans für den Hinweis!

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Weitere Echo-Echos, Unglücklicher Vorfall, Affen-Selfie mit Präzedenz

1. Nächster Künstler gibt Echo zurück
(spiegel.de)
Der Skandal um die Echo-Vergabe geht in die nächste Runde: Nach dem Notos-Quartett gibt nun auch Lebenswerk-Preisträger Klaus Voormann seinen Echo zurück. Voormann sieht sich von der veranstaltenden Musikindustrie hinters Licht geführt: „Meinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken und mich derart ins offene Messer laufen zu lassen, indem man uns beide und große Teile des Saalpublikums damit in Schockstarre versetzt hat — und das, obwohl wir nicht eine Textsilbe verstanden haben –, zeugt nicht für die Wertschätzung einer Lebenswerk-Auszeichnung“.

Wolfgang Niedecken äußert sich in einem längeren Facebook-Statement ähnlich empört: „Das Dilemma bleibt aber unbehandelt, denn es ist nur in einem völlig scheinheiligen Umfeld möglich, dass skrupellose Menschen nach der Devise „Any Promotion Is Good Promotion“ überhaupt in die Lage versetzt werden eine ECHO-Verleihung zu kapern und alle am Nasenring vorzuführen. Klaus und mich haben die Veranstalter ganz einfach ins Messer laufen lassen.“
Weiterer Lesetipp: Mit „Warum haben Sie sich Ihrer Verantwortung entzogen?“ wendet sich die Schweizer Sängerin Sophie Hunger an den Ethik-Beirat des Echo-Musikpreises: „Ihre Entscheidung war katastrophal“ (faz.net)

2. Russischer Investigativ-Journalist stirbt nach Sturz von Balkon
(faz.net)
Der russische Investigativjournalist Maxim Borodin ist vom Balkon seiner Wohnung gestürzt und gestorben. Borodin hatte zuvor über Moskaus „Schattenarmee“ in Syrien berichtet. Der OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien zeigt sich besorgt und fordert eine rasche und gründliche Untersuchung. Die russischen Behörden sehen dafür jedoch keinen Anlass und gehen von einem „unglücklichen Vorfall“ aus.

3. So viele Podcasts, so wenig Kritik
(inkladde.blog, Nicola Wessinghage)
Podcasts sind ein Erfolgsformat und werden mittlerweile sogar von etablierten Medien produziert. Der Hype endet jedoch bei der Podcast-Kritik: Mit dem Inhalt von Podcasts wird sich bei den Medien nur selten beschäftigt. Nicola Wessinghage hat über Anforderungen einer Podcastkritik nachgedacht und sich in der Medienlandschaft nach bestehenden Ansätzen umgeschaut.

4. New York Times für Weinstein-Enthüllungen mit Pulitzer-Preis ausgezeichnet
(sueddeutsche.de)
Die „New York Times“ und „The New Yorker“ haben für ihre Berichterstattung rund um den Fall Harvey Weinstein den renommierten Pulitzer-Preis bekommen. Die „New York Times“ bekam noch einen zweiten Preis. Sie wurde zusammen mit der „Washington Post“ für ihre Berichterstattung über mögliche Verbindungen zwischen dem Team von US-Präsident Donald Trump und der russischen Regierung ausgezeichnet.

5. Russische Behörden blockieren Messenger-Dienst
(deutschlandfunk.de, Thielko Grieß)
Die russische Telekommunikationskontrollbehörde lässt derzeit nach und nach den Zugang zum „Whatsapp“-Konkurrenten „Telegram“ sperren. Der Grund: Der in Russland überaus populäre Messenger erlaubt eine verschlüsselte Kommunikation.

6. Streit über Affen-Selfie geht weiter: Vergleich hinfällig, Urteil angekündigt
(heise.de, Tilman Wittenhorst)
Die Posse um das Affen-Selfie nimmt eine überraschende Wende: Eigentlich hatten sich die klagende Tierschutzorganisation und der Fotograf nach jahrelangem Rechtsstreit in einem Vergleich geeinigt. Das Gericht hat dies jedoch abgelehnt und ein Urteil angekündigt. Und hat dafür durchaus nachvollziehbare Gründe.

„Bild“ könnte sich laut „Bild“ mehrfach strafbar gemacht haben

Manchmal stehen in der „Bild“-Zeitung auch interessante Sätze. Zum Beispiel am vergangenen Samstag in der Leipzig-Ausgabe:

Wenn sich das so bestätigt, ist das ohne Frage eine widerliche Tat. Aber klar sollte auch sein: Wer private Fahndungsaufrufe verbreitet, kann sich strafbar machen.

Oder leicht abgewandelt ebenfalls am Samstag bei Bild.de:

Wenn sich das so bestätigt, ist das ohne Frage eine widerliche Tat. Allerdings: Wer private Fahndungsaufrufe verbreitet, kann sich möglicherweise strafbar machen.

Das, was sich „so bestätigen“ könnte, ist ein Vorfall vom vergangenen Dienstag im sächsischen Schkeuditz. Dort soll ein Mann beim örtlichen Reitverein eine Stute mit einem stockähnlichen Gegenstand missbraucht haben. Eine Überwachungskamera lieferte Fotos des Mannes, die eine Pferdewirtin auf Zettel druckte, die sie wiederum in der Region verteilte. Die FDP Nordsachsen verbreitete die Aufnahmen des Mannes, ebenfalls ohne Unkenntlichmachung, auf der eigenen Facebook-Seite und fragte dazu: „Wer kennt diesen Mann?“

Darüber berichteten dann auch „Bild“ und Bild.de:

Screenshot Bild.de - Polizei verärgert über Facebook-Post - FDP suchte nach mutmaßlichem Pferdeschänder
Ausriss Bild-Zeitung - Polizei verärgert über Facebook-Aufruf - Nordsachsen-FDP fahndet nach mutmaßlichem Pferdeschänder

Diese Fahndung sei nicht in Ordnung, sagt ein Polizeisprecher in „Bild“:

„Wir fangen erst an zu ermitteln und haben längst nicht alle Mittel ausgeschöpft. Eine Öffentlichkeitsfahndung ist dabei die letzte Maßnahme!“

Im Anschluss weisen die „Bild“-Medien in der bereits zitierten Passage darauf hin, dass man sich mit einem privaten Fahndungsaufruf strafbar machen könne.

Es ist gut und wichtig, dass die „Bild“-Redaktion mal so deutlich Position bezieht zu Fahndungsaufrufen, die nicht durch Gerichte angeordnet wurden. Denn als „Bild“-Leserin oder -Leser könnte man fast meinen, dass derartige Fahndungsaufrufe von Privatleuten oder Privatunternehmen das Geilste sind, wo gibt völlig in Ordnung sind.

Zur Erinnerung: So sah die „Bild“-Titelseite wenige Tage nach den Ausschreitungen rund um das G20-Treffen in Hamburg aus:

Ausriss Bild-Titelseite - Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

Die „Bild“-Redaktion veröffentlichte im vergangenen Juli diesen Fahndungsaufruf in Millionenauflage, Vorverurteilung inklusive. Eine Öffentlichkeitsfahndung der Polizei gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Wir zitieren an dieser Stelle gern die Leipziger „Bild“-Ausgabe vom vergangenen Samstag:

Wer private Fahndungsaufrufe verbreitet, kann sich strafbar machen.

Anderes Beispiel. Im vergangenen Oktober hat in Hamburg ein Mann seine eigene Tochter getötet und ist dann geflohen. Polizei und Staatsanwaltschaft verzichteten auf eine Öffentlichkeitsfahndung, weil man noch über erfolgsversprechende Ermittlungsansätze verfügte, die am Ende auch zur Festnahme des Mannes führten. Bild.de fragte bereits wenige Stunden, nachdem der Tod des Kindes bekannt geworden war, ungeduldig:

Warum fahndet die Polizei nicht öffentlich nach dem Killer?

Ein paar Tage später — es gab weiterhin keine Öffentlichkeitsfahndung durch die Polizei — reichte es den „Bild“-Medien. Sie veröffentlichten, ohne irgendeine Verpixelung, ein Foto des damals Tatverdächtigen:

Screenshot Bild.de - Dringend gesucht - Das erste Foto des Kinder-Killers

Noch einmal:

Wer private Fahndungsaufrufe verbreitet, kann sich strafbar machen.

Man muss aber nicht mal ins Archiv schauen, um auf die „Bild“-Bigotterie zu stoßen. Es reicht schon, in derselben Leipziger „Bild“-Ausgabe, aus der die Aussage zu privaten Fahndungsaufrufen stammt, vier Seiten zurückzublättern. Dann landet man im überregionalen Teil und bei dieser Geschichte:

Ausriss Bild-Zeitung - Ständig kriegt Marianne Fotos der Diebe - Diese Jungs haben mein Handy geklaut

Nicht nur Marianne „kriegt (…) Fotos der Diebe“ zu sehen, sondern auch die gesamte „Bild“- und Bild.de-Leserschaft. Sowohl online als auch in der Printausgabe zeigt die Redaktion ein unverpixeltes Foto der zwei Jungen, die die 70-Jährige beklaut haben und laut „Bild“ „etwa zehn Jahre alt“ sein sollen. Etwa zehn (!) Jahre alt.

Im Artikel sagt ein Polizeisprecher:

„Wir haben die Fotos der Jungen gesichert und fahnden jetzt nach ihnen.“

Es braucht also keine zusätzliche, mediale Fahndung nach zwei Kindern durch „Bild“ und Bild.de. Zumal man sich mit dieser „strafbar machen“ könnte. Das stand jedenfalls mal in „Bild“.

Mit Dank an Thomas, andreas und Alex F. für die Hinweise!

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Metcalfe’s Law, Echo auf den Echo, Goldener Zaunpfahl

1. Facebooks Macht steckt in dieser Formel
(zeit.de, Tilman Baumgärtel)
Bei der Diskussion um die Vormachtstellung Facebooks kommt gelegentlich das Argument auf, jeder könne ja ein neues Netzwerk gründen und damit die Alleinherrschaft des Social-Media-Giganten beenden. Doch dem steht unter anderem ein Theorem aus der Frühzeit des Internets entgegen, das Metcalfesche Gesetz: „Der Wert (V) eines Netzwerks ist proportional zur Zahl seiner Nutzer (n) im Quadrat. Weil alle Nutzer mit allen anderen kommunizieren können, ist ein Netzwerk mit zehn Nutzern nicht zehnmal so wertvoll wie eins mit nur einem Nutzer, sondern hundertmal so wertvoll (10²).“ Medienwissenschaftler Tilman Baumgärtel erklärt in lesbaren Worten, warum das Internet Monopole fördert.
Weiterer Lesetipp: Der Bericht vom Internationalen Journalismusfestival, bei dem zwischen Wein und Pizza über die Zukunft der Medien philosophiert wurde. Bezahlt unter anderem von Facebook und Google. Facebook und der Journalismus: Eine Geschichte voller Missverständnisse (netzpolitik.org, Alexander Fanta)

2. Deshalb nennen Radiosender jetzt so oft ihren Namen
(t-online.de, Marc Krüger)
Haben Sie sich auch schon mal gewundert, warum Radiosender zu bestimmten Zeiten des Jahres von nichts anderem als sich selbst zu sprechen scheinen? Ob über Gewinnspiele, Plakate oder penetrante Wiederholung des Sendernamens. Nun, das hat etwas mit dann stattfindenden Quotenmessung zu tun, die sich auf die zu erzielenden Werbeeinnahmen auswirkt. Marc Krüger erklärt die Zusammenhänge.

3. Die Sache mit den Rezensionen, die nicht geschrieben werden
(dunkle-zeiten.info, Catalina Cudd)
Die Buchautorin Catalina Cudd hat sich auf unterhaltsame Weise mit dem Rezensionswesen beschäftigt. Sie ermutigt die Leser, weiterhin ihre Meinung zu sagen, auch wenn die mal drastisch ausfallen sollte. Und den Autoren und Autorinnen rät sie zu mehr Gelassenheit: „Kritik tut immer weh, keine Frage. Aber es ist weitaus professioneller, in solchen Fällen in den Keller zu gehen und ein paar Pfeile auf eine Pappfigur zu werfen, die ein Schild mit der Aufschrift BLÖDER LESER um den Hals trägt. Dann setzt man sein Profilächeln auf, geht wieder nach oben und schreibt am nächsten Roman weiter.“

4. „Echo hat keine Berechtigung mehr“
(taz.de)
Der Echo-Musikpreis ist am Ende, findet der ARD-Koordinator für Unterhaltung, Thomas Schreiber. Es sei beschämend und schamlos, dass sich die deutsche Musikindustrie in einer Live-Übertragung im deutschen Fernsehen am Gedenktag der Opfer des Holocaust auf diese Weise feiere. Es habe gleich ein dreifaches Versagen beim Echo Pop 2018 gegeben, „die Nominierung der beiden Ekelrapper Kollegah und Farid Bang, der sinn- und geschmacksfreie Auftritt dieser beiden am Ende der Show, die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen“.

5. Vermutlich weiterer Deutscher in der Türkei festgenommen
(faz.net)
Von türkischer Seite gibt es keine Auskünfte, doch das Auswärtige Amt geht davon aus: Offenbar ist der deutsche Reporter Adil Demirci in Istanbul festgenommen worden. Nach Aussagen der Journalistin Mesale Tolu, die selbst über Monate in der Türkei inhaftiert war, gehört Demirci zu den drei Mitarbeitern der linken Agentur „Etha“ und habe sich nur zum Urlaub in der Türkei aufgehalten.

6. Diese Produkte sind so sexistisch, dass sie für einen Negativ-Preis nominiert sind
(ze.tt, Bianca Nawrath)
Am 18. April 2018 wird in Berlin der „Goldene Zaunpfahl“ verliehen, ein Negativpreis für Gender-Marketing. Nominiert sind unter anderem: ein Plüsch-Bohrmaschine für Jungs, eine Bibel für Frauen und der „Barbie Experimentierkasten“.

Religiöse Wäschung mit Bild.de

Das Team von Bild.de will nicht nur Fotos toter Menschen zeigen, die Ärmsten der Armen bloßstellen oder mit falschen Zahlen weiter Stimmung gegen Geflüchtete machen; es will seine Leserinnen und Leser auch bei ganz alltäglichen Fragen helfen, etwa:

Screenshot Bild.de - Handtuch, Schlüpfer, Bettlaken - Darf ich Wäsche auf ​dem Balkon trocknen?

Und was würde zu dieser Frage besser passen als dieses Foto?

Screenshot Bild.de - Foto, das viele bunte Stoffstücke auf zwei Leinen auf einem Balkon zeigt

In der Bildunterschrift schreibt die Redaktion:

Bei dieser Buntwäsche drückt der Vermieter wohl beide Augen zu

Vielleicht hat aber auch der Bild.de-Bildredakteur bei der Fotowahl beide Augen zugedrückt und einfach nur irgendetwas rausgesucht, das nach Wäsche auf einem Balkon aussieht. Denn man kann diese tibetische Gebetsfahne bestimmt in die Buntwäsche packen. Sie hängt dort aber sicher nicht zum Trocknen.

Mit Dank an Lothar Z. für den Hinweis!

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