Kriminalität der Nationen, Hetze bei Facebook, Werbung auf Hetz-Seite

1. „Nationalität spielt bei Kriminalität keine Rolle“
(wdr.de, Dominik Reinle)
Die wichtigste Aussage diese Interviews steht schon in der Überschrift. Der Kriminologe Christian Pfeiffer stellt die aufgeregte Diskussion um vermeintlich überdurchschnittlich kriminelle Migranten vom Kopf auf die Füße. Nahezu jeder Satz eignet sich als Punchline für einen Tweet. Drei Vorschläge:
1. „Richtigerweise müsste gefragt werden: Wie sind die Merkmale von Männern, die Frauen vergewaltigen? Dann merken Sie, dass Nationalität bei Kriminalität keine Rolle spielt.“
2. „Die Kriminalität in Deutschland geht im Gewaltbereich um 15 Prozent nach unten, gleichzeitig haben wir ein starkes Anwachsen des Anteils der ‚Fremden‘. Die Schnellschuss-Antwort, die Ausländer sind die Bösen und verantwortlich für die Kriminalität, ist einfach falsch.“
3. „Wenn Max von Moritz verprügelt wird, ist die Anzeigebereitschaft 19 Prozent, wird Max von Mehmet verprügelt, ist sie über 31 Prozent.“

2. „Die ganzen Verschwörungstheoretiker irren“
(br.de, Florian Schairer)
Hannes Grassegger und Mikael Krogerus haben etwas geschafft, das vor einer Woche undenkbar schien: Hunderttausende teilen einen Text über Big Data und Psychometrie — beides bislang nicht unbedingt als besonders populäre Themen bekannt. Sogar der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar schaltete sich ein und warnte vor „der Manipulation demokratischer Wahlverfahren durch Massendatenauswertung“. Auf die gewaltige Aufmerksamkeit folgte binnen weniger Tage eine mindestens genauso gewaltige Welle der Kritik, teilweise aggressiv und polemisch, nicht immer fair. Hannes Grassegger scheint aber ganz gut damit umgehen zu können: „Wir begrüßen wirklich jede Form des Weiterdenkens — und dazu gehört natürlich auch Kritik.“ Außerdem sind gestern die wohl drei besten und differenziertesten Auseinandersetzungen mit dem Thema erschienen: von Daniel Mützel bei „Motherboard“, von Patrick Beuth bei „Zeit Online“ und von Matthias Kolb bei süddeutsche.de, der den Text vor allem aus US-amerikanischer Perspektive beleuchtet und erklärt, welche politischen Faktoren zum Sieg von Donald Trump geführt haben.

3. Ein Thema, das keins sein sollte
(taz.de, Anne Fromm)
Halb Mediendeutschland streitet sich über eine Nachricht, die gar keine war — zumindest nicht in der „Tagesschau“ am Samstag, was wiederum viele haupt- und nebenberufliche Medienkritiker für ein Problem halten. Oder, wie es Anne Fromm ausdrückt: „Freiburg ist das neue Köln.“ Das mag eine recht steile These sein, der aktuellen Diskussion fügt ihr Text aber einen interessanten Aspekt hinzu: „Dass nun aber Politiker bewerten, wann, was und wie Journalisten über den Mord in Freiburg hätten berichten sollen, ist fatal. Es spielt denen in die Hände, die der Meinung sind, Journalisten seien von oben gelenkt.“

4. Wie Facebook bei Hetze gegen Künast mit Fake-Zitat zuschaut
(morgenpost.de, Lars Wienand)
Am Sonntag teilte der Schweizer Rechtspopulist Ignaz Bearth auf seiner Facebook-Seite ein erfundenes Zitat von Renate Künast, als Quelle gab er die „Süddeutsche Zeitung“ an. Der Bild-Post ging viral, Facebook tat — nichts. Stefan Plöchinger, Chefredakteur von süddeutsche.de, schrieb wiederum auf seiner Facebook-Seite: „Ein paar Stunden lang nicht wissen, was man mit so einem demokratiezersetzenden Dreck machen soll — das kann man sich als Multimilliardenmedienkonzern schon mal erlauben, gell?“. Mittlerweile hat Facebook reagiert und das Posting gesperrt, das Grundproblem aber bleibt: Wie schnell muss das Unternehmen reagieren, wenn sich auf der Plattform strafbare Inhalte (ein erfundenes Zitat erfüllt den Straftatbestand der Verleumdung) verbreiten, die den Opfern (in diesem Fall Renate Künast) schaden können?

5. Empörung über deutsche Werbung auf rechter Hetz-Seite
(spiegel.de, Ann-Kathrin Nezik)
Ein bekanntes (wenn auch umstrittenes) Bonmot aus der Werbebranche lautet: „There is no such thing as bad publicity.“ Insofern könnte es durchaus eine gute Idee sein, Anzeigen auf der rechten Nachrichtenseite „Breitbart“ zu schalten. In den vergangenen Tagen taten das etliche bekannte deutsche Unternehmen, darunter die „Telekom“, „Vapiano“, „Lieferheld“ oder der Elektronikmarkt „Conrad“ — meist, ohne es überhaupt zu merken. Während etwa „Lieferheld“ sagt, man sei „nicht von der Gesinnungspolizei“, wollen andere Firmen die fragwürdige Platzierung ihrer Werbung zumindest prüfen, „BMW“ und „Braun“ haben „Breitbart“ sogar auf eine Blacklist gesetzt.

6. Wie wahr ist wahrscheinlich?
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Die Wahrscheinlichkeit, dass MH17 von pro-russischen Militärs abgeschossen wurde? Exakt 95,3 Prozent. Und wer hat das Giftgas in Syrien eingesetzt? Zu 92,4 Prozent waren es Rebellen, nicht Assad. Das behauptet jedenfalls das israelische Start-up „rootclaim“. Richard Gutjahr hat mit den beiden Gründern der Plattform gesprochen, die mit Hilfe von Algorithmen Fakten checken wollen.

Die Fotobeschaffer von Hameln

Eigentlich wollten wir hier im BILDblog schon vor knapp zwei Wochen über den Fall berichten. Es geht um die erschreckende Tat eines Mannes, der erst auf seine Frau einstach, ihr dann ein Seil um den Hals band und sie anschließend an seinem Auto hinter sich herzog.

Damals, am 23. November, veröffentlichte „Bild“ diesen großen Artikel:


(Unkenntlichmachungen durch uns.)

Und auch Bild.de berichtete (auf einen Link verzichten wir ganz bewusst) mit einem kostenpflichtigen „Bild plus“-Artikel:

In den Tagen zuvor hatten die „Bild“-Medien das Geschehen im niedersächsischen Hameln schon intensiv begleitet. Sie hatten unverpixelte Fotos des Opfers gezeigt (vermutlich mit Zustimmung der Familie), sie hatten unverpixelte Fotos des geständigen Täters gedruckt, sie hatten Fotos von Blutspuren veröffentlicht. Das volle Programm.

Am 23. November sind sie noch einen Schritt weiter gegangen: „Bild“ und Bild.de (bereits einen Tag zuvor) verbreiteten eine Aufnahme des Opfers Kader K. aus dem Krankenbett auf der Intensivstation, riesengroß, wie man oben erahnen kann. Zu dieser Zeit lag sie in der Universitätsklinik in Hannover im Koma, hilflos, angeschlossen an viele Schläuche. Die „Bild“-Mitarbeiter verzichteten auf jegliche Unkenntlichmachung.

Dass die Veröffentlichung dieses Fotos eines lebensgefährlich verletzten Opfers auf Kritik stoßen könnte, dürften auch „Bild“ und Bild.de geahnt haben. Jedenfalls stellten sie bereits in der Unterzeile klar, dass „der Bruder von Kader K.“ „in BILD“ spreche, und ihren Artikel begannen die Autoren direkt so:

„WIR WOLLEN DER WELT ZEIGEN, WAS DIESER HUND KADER ANGETAN HAT.“

Das sagt Maruf K. (35), der Bruder von Verbrechensopfer Kader K. (28).

Ein paar Absätze später schreiben sie:

Ihr Bruder fotografierte sie auf der Intensivstation, gab BILD das Foto — weil die Familie dokumentieren will, was geschehen ist.

Deswegen hatten wir das Thema erstmal nicht aufgegriffen: Wenn eine Familie sich dazu entscheidet, das Foto eines Angehörigen an „Bild“ zu geben, kann die Zeitung es auch drucken. Natürlich hätte sich die Redaktion dazu entschließen können, aus Pietät auf den Abdruck zu verzichten oder das Opfer zumindest zu anonymisieren. Aber bei einer solchen Entscheidung geht es um Anstand. Und es geht um „Bild“ und Bild.de.

Heute ist in der „Süddeutschen Zeitung“ ein Artikel zu der „Gewalttat in Hameln“ erschienen. Tim Neshitov hat die Familie von Kader K. besucht und mit ihr über den tragischen Fall gesprochen. Neshitov zitiert in seinem Text auch den Bruder, der „Bild“ das Foto seiner Schwester im Krankenbett gegeben hatte:

Die Bild-Zeitung hat ihr obligatorisches Opferfoto abgedruckt, sogar mit Beatmungsschläuchen, wofür Kaders älterer Bruder auf der Intensivstation sein Handy zücken musste („Ich war verwirrt, wie im Nebel, und die sagten noch, so ein Foto würde Kader nützen“).

Der Bruder von Kader K. bereue es inzwischen, bei dieser „Bild“-Geschichte mitgemacht zu haben, sagte uns Tim Neshitov auf Nachfrage.

Wir werden ab und zu gefragt, warum wir „Bild“ und Bild.de immer noch beobachten und regelmäßig kritisieren. Dazu kommt oft der Satz: „Die Leute von ‚Bild‘ sind doch gar nicht mehr so schlimm wie früher.“ Vielleicht nicht alle. Einige aber schon.

Mit Dank an Rosemarie H., Thomas S., Fab und @HoechDominik für die Hinweise!

Sexualmord in Freiburg, Lynchfantasien, Fake-Fake-News

1. Krankes Geschäftsmodell
(spiegel.de, Nina Weber & Jörg Römer)
Es gibt da einen netten Begriff: „Empfehlungsmarketing“. Nina Weber und Jörg Römer fänden in vielen Fällen allerdings das Wort „Schleichwerbung“ deutlich passender. Sie haben jeweils fünf Ausgaben von 13 verschiedenen Frauenzeitschriften analysiert und dort zahlreiche Erwähnungen von rezeptfreien Medikamenten entdeckt. Oft entdeckten sie nicht nur diese Nennungen im redaktionellen Teil, sondern auch Anzeigen für dasselbe Produkt. Das alles riecht stark nach einer Vermischung von journalistischer Arbeit und Werbung. Zusätzlich hat Nina Weber überprüft, ob die Gesundheitstipps denn wenigstens „medizinisch sinnvoll sind oder gar gesundheitlich bedenklich“: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht Ihre Frauenzeitschrift“.

2. Warum die Lügenpresse-Vorwürfe gegen die „Tagesschau“ falsch sind
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die „ARD“ musste sich in den vergangenen Tagen einiges an Kritik anhören, auch von anderen Medien. Die zentrale Frage: Warum hat die „Tagesschau“ nicht über die Festnahme eines Verdächtigen in einem Mordfall in Freiburg berichtet? Der zentrale Vorwurf: Weil es sich um einen Flüchtling aus Afghanistan handele. Stefan Niggemeier kommentiert, die „Tagesschau“ habe eigentlich so wie immer entschieden, wenn es um Mord geht: „Es ist nicht so, dass die ‚Tagesschau‘ eine Ausnahme von ihrer sonstigen Regel gemacht hat. Sondern der ‚Stern‘ und all die anderen Empörten fordern, dass sie im Fall von Flüchtlingen eine Ausnahme machen soll.“ Dazu auch Alexander Krei bei „DWDL“: „Morde in der ‚Tagesschau‘: Eine Frage der Relevanz“.

3. Fall Maria L.: Ein Blick in die Abgründe von Facebook
(badische-zeitung.de)
Noch einmal zum Sexualmord in Freiburg: Seit Bekanntwerden der Nationalität des mutmaßlichen Täters ist auf der Facebookseite der „Badischen Zeitung“ die Hölle los: Lynchfantasien, Mordaufrufe, purer Hass. Die Redaktion dokumentiert einige der von ihr gelöschten Kommentare.

4. Football Leaks — der „Fall“ Özil und ein kurzer Blick auf die Rolle des Spielervermittlers
(sportsandlaw.de, Robert Golz)
„Der Spiegel“ macht aktuell mit einer großen Geschichte zu den Finanztricks von Fußballstars auf. Robert Golz, der sich als Anwalt mit Urheber-, Persönlichkeits- und Presserecht im Fußball beschäftigt, hat sich die Recherche mal angeguckt. Sein Urteil: „Was als große Enthüllungsstory beginnt und mit dem reißerischen Titel ‚Das sieht richtig übel aus‘ überschrieben ist, fällt im Verlauf des Studiums des Beitrags ziemlich schnell in sich zusammen und läuft letztlich darauf hinaus, dass es erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten zwischen der deutschen und der spanischen Steuerberatungskanzlei von Mesut Özil gegeben haben muss“.

5. Trump telefoniert mit Tsai — Medien machen Panik
(intaiwan.de, Klaus Bardenhagen)
Ein Telefonat mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen — und schon habe Donald Trump laut Medienberichten beinahe die erste diplomatische Krise ausgelöst. Klaus Bardenhagen findet, dass die Redaktionen mit ihren Beiträgen Chinas Propaganda gleich mit erledigt hätten: „Für die Machthaber in Peking muss es ein Fest gewesen sein, diese Reaktionen zu beobachten. Bevor sie überhaupt eine Chance hatten, sich zu äußern (Zeitverschiebung), hatten Journalisten und Trump-kritische Experten ihnen schon die Entscheidung abgenommen, wie sie sich zu verhalten haben.“

6. Der Mosel Kurier — eine Fake Fake News Seite für mehr Medienkompetenz
(schleckysilberstein.com, Christian Brandes)
Das Team von „Schlecky Silberstein“ hat eine eigene Onlinezeitung gegründet: den „Mosel Kurier“. Also zumindest fast. Der „Mosel Kurier“ verbreitet vor allem Fake-Nachrichten à la „Grünen-Politiker setzt Kinderheim in Brand“ oder „Bei Kreisliga-Spiel: Großfamilie bedroht Schiedsrichter mit Säbel“ — alles ausgedacht. Der Trick dabei: Teilen Leute nun diese wahnwitzigen Geschichten bei Facebook, und folgt ein „bestätigungswütiger Wutbürger“ dem Link, bekommt dieser nur einen Warnhinweis angezeigt: „REINGEFALLEN!!!!!!“

„Bild“ bietet Rainer Wendt Plattform für Generalverdacht

Rainer Wendt durfte bei „Bild“ und Bild.de mal wieder was sagen. Der Bundesvorsitzende der „Deutschen Polizeigewerkschaft“ ist immer schnell zur Stelle/immer schnell angerufen, wenn irgendwo etwas passiert, das mit den Themen Sicherheit und/oder Polizei zu tun hat. Erst im August, als sein Buch „Deutschland in Gefahr“ erschien, machten die „Bild“-Medien groß Werbung für Wendts Werk.

Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass die Polizei den mutmaßlichen Vergewaltiger und Mörder einer 19-jährigen Studentin aus Freiburg gefasst hat und dass dieser Tatverdächtige ein 17-jähriger Junge ist, der vor einem Jahr als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, fragt „Bild“ heute:

Mit Ausnahme von einigen wenigen Feststellungen (etwa: „Es ist ein grausames Verbrechen. Und es birgt enorme politische Brisanz.“ oder: „Fakt ist: Unter Gewaltkriminellen sind sie [unbegleitete minderjährige Flüchtlinge] keine besonders auffällige Gruppe.“ oder: „Fakt ist aber auch: Wäre der mutmaßliche Täter 2015 nicht nach Deutschland gekommen, hätte er hier nicht töten können.“) bezieht die Redaktion gar nicht selbst groß Stellung, sondern lässt andere Leute „MIT DIESER WAHRHEIT“ umgehen. Bild.de hat die Aussagen ebenfalls veröffentlicht:

So sagt zum Beispiel Wolfgang Huber, der frühere Ratsvorsitzende der „Evangelischen Kirche in Deutschland“, zu dem Fall:

„Menschengruppen pauschal zu verdächtigen, hilft dagegen nicht weiter.“

Oder Julia Klöckner, die stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU:

„Solche Grausamkeiten werden leider von In- wie Ausländern begangen, das ist leider kein neues Phänomen.“

Oder der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel:

„Auch deshalb dürfen wir es nicht zulassen, dass diese abscheuliche Tat jetzt für Hetze und Verschwörungspropaganda missbraucht wird.“

Oder der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer:

„Ich habe vollstes Verständnis für die Empörung und Entrüstung der Bürger. Dennoch wäre es grundlegend falsch, alle Migranten und Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen.“

(Dies sind nur Auszüge aus den Stellungnahmen. In den beiden Artikeln von „Bild“ und Bild.de sind die jeweiligen Aussagen länger.)

Alles recht besonnene Aussagen bei einem Thema, das für hitzige Debatten sorgt. Der gemeinsame Tenor: Ruhe bewahren, nicht verallgemeinern, kein Generalverdacht gegen Geflüchtete.

In den Artikeln von „Bild“ und Bild.de gibt es dann aber noch die bereits erwähnte Aussage von Polizeigewerkschafter Rainer Wendt:

„Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind. Und während Angehörige trauern und Opfer unsägliches Leid erfahren, schweigen die Vertreter der ‚Willkommenskultur‘. Kein Wort des Mitgefühls, nirgends Selbstzweifel, nur arrogantes Beharren auf der eigenen edlen Gesinnung. Die grausame Seite dieser Politik wird abgewälzt auf die Opfer und auf eine seit Jahren kaputt gesparte Polizei und Justiz. Und so wachsen die Gefahren für unser Land beständig.“

(In „Bild“ ist Wendts Aussage etwas kürzer.)

Wendt macht genau das, wovor Huber, Klöckner, Gabriel und Mayer warnen: Er verknüpft den tragischen Tod der 19-jährigen Studentin mit der „massenhaften Zuwanderung“. Er konstruiert aus einem Einzelfall einen Generalverdacht. Er spielt Zuwanderer und „viele andere Opfer“ gegeneinander aus. Er beschwört wachsende „Gefahren für unser Land“ herauf. Er schürt Ängste. Er macht Stimmung.

All das kann Rainer Wendt bei „Bild“ und Bild.de ohne Einordnung, ohne redaktionellen Widerspruch tun. Die „Bild“-Medien bieten ihm eine Plattform.

Dass Wendts Aussagen nicht unproblematisch sind, haben die Leute bei Bild.de offenbar auch gemerkt. Inzwischen haben sie nach dem langen Zitat des Polizeigewerkschafters diese zwei Tweets des stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Ralf Stegner zitiert:

Da es in diesem Beitrag um grässliche Verallgemeinerungen geht, hier noch ein wichtiger Punkt: Rainer Wendt spricht als Bundesvorsitzender der „Deutschen Polizeigewerkschaft“ nicht für alle Polizisten. Er spricht nicht einmal für alle gewerkschaftlich organisierten Polizisten. Es gibt neben der „DPolG“ nämlich noch einige weitere Polizeigewerkschaften. Zum Beispiel die deutlich größere „Gewerkschaft der Polizei“. Deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow hat Wendts Aussagen bereits kritisiert:

Psychometrik-Dystopie, Political Correctness, Mario-Barth-Analyse

1. Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt
(dasmagazin.ch, Mikael Krogerus & Hannes Grassegger)
Ein Artikel, der sich wie eine Mischung aus dystopischem Roman, Krimi und Medienkritik liest und für viel Gesprächsstoff sorgt: Der Psychologe Michal Kosinski ist ein führender Experte für Psychometrik, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minutiös zu analysieren. Diese Methode soll maßgeblich dazu beigetragen haben, Trumps Onlinewahlkampf und die Brexit-Kampagne zu befeuern bzw. die Entscheidung herbeizuführen. Dies ging jedoch nicht von Forscher Kosinski aus, sondern wurde für viel Geld von einer geheimnisvollen Big-Data-Firma namens „Cambridge Analytica“ gesteuert.
Die Geschichte ruft an vielen Stellen allerdings Kritik hervor. Jens Scholz fragt: Hat ein Big Data Psychogramm Trump wirklich den Sieg gebracht? Dennis Horn hat eine ganz ähnliche Frage: Hat wirklich der große Big-Data-Zauber Trump zum Präsidenten gemacht? Auch Scienceblogger Lars Fischer ist (bereits 2013) skeptisch: Persönlichkeitseigenschaften mit Facebook-Likes vorhersagen? Echt jetzt? Und Mathias Richel kommentiert dazu: Nach Cambridge Analytica: Vom kleinen Big Data deutscher Parteien.

2. Wieder die Political Correctness!
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ Lukas Heinser schreibt über die sogenannte „Political Correctness“, die heutzutage angeblich an so vielem schuld sein soll. Für die zunehmende Verrohung bietet Heinser eine interessante Erklärung: „Ich vertrete schon länger die Theorie, dass Simon Cowell, Juror und Produzent bei ‚American Idol‘, ‚X Factor‘ und ‚Britain’s Got Talent‘, und sein deutsches Pendant Dieter Bohlen einen Stein ins Rollen gebracht haben, der am Ende Donald Trump mit einem Erdrutsch (hier stimmt die Formulierung ausnahmsweise mal, wenn man darunter eine Bewegung großer Gesteinsmassen in Folge von Niederschlägen versteht, die mit sehr viel Schmutz und Dreck einhergeht) ins Weiße Haus gebracht hat: Da saßen im Fernsehen (und Trumps Popularität begann ja erst so richtig mit ‚The Apprentice‘) diese weißen Männer in den besten Jahren, die Dinge sagten, die andere weiße Männer in den besten Jahren sich nicht (‚mehr‘) zu sagen trauten. Roger Willemsen, Dieter Bohlen — so hat jeder seine Role Models.“

3. Eurosport muss die Distanz zum Sport wahren
(sueddeutsche.de, Holger Gertz)
Die Öffentlich-Rechtlichen haben den Kampf um die Olympia-Rechte verloren: Ab 2018 überträgt im Fernsehen, im Netz und auf den mobilen Endgeräten der private Spartensender „Eurosport“, eine Tochter des US-Broadcasters „Discovery“. Holger Gertz ist skeptisch: „Dass Sportkenner dort arbeiten, bezweifelt niemand, aber um ein komplexes Phänomen wie Olympia zu verstehen, um den Sport also ernst zu nehmen, braucht man Kenntnisse in Juristerei und Medizin, inzwischen auch in der Wirkkraft von Propaganda, und in politischen Zusammenhängen sowieso.“

4. Was Schauspieler verdienen: Viel Ehre, aber wenig Lohn
(abendblatt.de, Peter Wenig)
Eine Studie der Uni Münster mit dem Titel „Viel Ehre, aber kaum Verdienst“ hat Ernüchterndes zu Tage gefördert: Zwei Drittel der Schauspieler in Deutschland verdienen weniger als 30.000 Euro im Jahr. Viele arbeiten nur wenige Monate sozialversicherungspflichtig und müssen für die Zeiten ohne Engagement auf andere Einnahmequellen oder Hartz IV zurückgreifen. Peter Wenig hat hinter die Kulissen des Schauspielerberufs geschaut und einen lesenswerten Beitrag verfasst, in dem die verschiedenen Seiten zu Wort kommen.

5. Hier lacht das Volk
(zeit.de, David Hugendick)
„Zeit“-Redakteur David Hugendick hat sich eine Show von Mario Barth angesehen und Comedian nebst Publikum analysiert. Der Beitrag lebt von vielen guten Beobachtungen: „Bei Mario Barth lacht man mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand. Man lacht sich in die kollektive Regression: Es ist das Gelächter der Erleichterung darüber, dass Geschlechterbeziehungen vielleicht doch gar nicht so kompliziert sind, wie es Frauenbeauftragte und Universitätsprofessoren (die ja auch „sogar studiert“ haben) andauernd herumerzählen. Und die Welt ist plötzlich wieder so handlich klein, dass sie sogar auf einem Hemd von Camp David Platz hätte.“

6. Schluss mit lustig: Lasst Sarah und Pietro in Ruhe
(dwdl.de, Hans Hoff)
„Lasst Sarah und Pietro in Ruhe“, sagt Hans Hoff und wendet sich mit seiner Kritik nicht nur an den Boulevard, sondern auch an TV-Witzbold Böhmermann: „Wieso ist es so lustig, immer noch Witze über Sarah und Pietro zu machen? Wieso nimmt Jan Böhmermann sie immer dann hoch, wenn ihm sonst nichts mehr einzufallen scheint? Ist das nicht genau der Jan Böhmermann, der sich kürzlich erst darüber echauffierte, dass RTL bei ‚Schwiegertochter gesucht‘ Menschen zur Schau stellt und schamlos ihr Wollen ausbeutet? Wie passt das zusammen? Man kann doch nicht ernsthaft das eine verurteilen und dann in einem ähnlich gelagerten Fall Witz saugen aus der offensichtlichen Unfähigkeit von Personen, die Tragweite ihres Tuns zu überblicken. Witze über Sarah und Pietro sind nicht mehr lustig. Vor allem nicht, wenn sie gehäuft vorkommen. Sie funktionieren nur noch als billige Selbstvergewisserung der eigenen Überheblichkeit.“

Schrödingers Meldung


Danke an Moritz P.

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Danke an @Wortfuchs.

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Danke an Michael H., nobswolf und Achim.

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Danke an Mark F.

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Danke an Esta K.

Im Westen leider viel Neues

Bei „Der Westen“ ist alles ganz, ganz neu:

Wenn du das erste Mal hier bist — hereinspaziert! Wenn du früher schon hier warst — nicht erschrecken, hier ist alles neu.

Ja, zum Beispiel das mit dem Duzen. Gab’s früher nicht. Jetzt aber schon, denn „Der Westen“ scheint eine neue Zielgruppe ansprechen zu wollen. Die öden Nachrichten für die Alten hat die zuständige „Funke Mediengruppe“ wieder zurückverfrachtet auf die Webseiten ihrer Zeitungen wie „WAZ“, „NRZ“ oder „Westfalenpost“. Dort wird auch weiter gesiezt. derwesten.de richtet sich aber an coole Leute einer „coolen Region“, schreibt Chefredakteur Alexander Boecker in seinem Begrüßungstext:

Wir sind mittendrin, denn wir leben hier im Revier — genau wie du. Weil es eine coole Region ist. Nicht geleckt wie München, nicht verhipstert wie Berlin. Vielleicht nicht überall postkartenreif, aber mit Charme. Mit Herz. Mit Ehrlichkeit.

Diese herzliche Ehrlichkeit haben wir uns jetzt mal die vergangenen Tage angeschaut und den Eindruck bekommen, dass es beim neuen „Der Westen“ vor allem um eins geht: Clicks, Clicks, Clicks. Nicht das Informieren scheint im Vordergrund zu stehen, sondern das Optimieren der Zugriffszahlen. Viele Artikel tragen Überschriften, die gerade so viel verraten, dass das Clickvieh die Leserschaft angefüttert wird, aber nicht ausreichend verraten, um die Neugierde zu stillen. Clickbait eben.

Eine kleine Auswahl:


























Als hätte jemand eine Parodie auf clickgeile Portale wie Heftig.co entworfen. Nur leider ist das alles ernst gemeint. An jeder Artikelvorschau baumelt ein Knopf, der zum „TEILEN“ auffordert. Das sieht dann so aus:

Verstehen wir das richtig, dass die Leser die Artikel schon teilen sollen, bevor sie sie überhaupt gelesen haben?

Am Ende seines Begrüßungstextes schreibt Chefredakteur Boecker noch:

Du merkst schon, was wir auf derwesten.de wollen, geht niemals ohne dich. Deshalb hilf uns, damit wir für dich arbeiten können. (…)

Dafür brauchen wir deine Meinung: Was machen wir gut, wo nerven wir dich? Wir wollen’s wirklich wissen. Offen, ehrlich, direkt, wie man im Revier redet.

Unsere Meinung, „offen, ehrlich, direkt, wie man im Revier redet“? Na gut, wir versuchen es mal: Getz macht ma nich so’n Scheiß, ihr Panneköppe. Wenn dat so weitergeht, gehn wa ma schön bei euch bei mit die Taskforce vonne Clickbait-Abteilung und dann gibtet richtig Hallas!

Mit Dank an Stefan K., Daniel und @19Rhyno04 für die Hinweise!

Charlie Hebdo, Mario Barth, Vera Lengsfeld

1. Bienvenue, Charlie!
(zeit.de, Wenke Husmann)
Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat den Sprung nach Deutschland gewagt und liegt nun in einer Auflage von 200.000 Stück an den Kiosken. Rezensentin Wenke Husmann ist besonders von der großen Deutschland-Reportage und dem Leitartikel angetan. Insgesamt wünscht sie sich jedoch mehr Provokation: „Charlie Hebdo wird wohl auch in Deutschland nicht so leicht verdaulich bleiben wie in dieser ersten Ausgabe. Hoffentlich nicht. Denn Meinungsfreiheit bedeutet schließlich nicht, dass Inhalte verbreitet werden dürfen, die uns passen, sondern eben auch und vor allem, dass Meinungen verbreitet werden können, die uns gewaltig gegen den Strich gehen. Bienvenue, Charlie!“

2. Ganz tief nach unten getreten
(taz.de, Peter Weissenburger)
Peter Weissenburger greift in einem Kommentar den „Almanach“ des Bundespresseballs mit dem satirisch gemeinten Stück über Schwimmkurse für Flüchtlinge auf und begründet, warum es sich bei dem Stück aus seiner Sicht um wenig Satire und viel schlechten Geschmack handelt.

3. Mario Barth mit versteckter Kamera im Opernhaus
(haz.de, Stefan Arndt)
TV-Comedian Mario Barth deckt in seiner RTL-Show angeblich „die krassesten und absurdesten Fälle von Steuerverschwendung“ auf. Nun ist ihm und seinem Autorenteam aufgefallen, dass es Geld kostet, Theater und Opernhäuser zu betreiben: Am Beispiel der Staatsoper Hannover prangerte er in der jüngsten Sendung die Kulturförderung an. Samt Holzhammer-Ironie, Populismus-Keule und Barthscher Kennste-Kennste-Attitüde.
Nachtrag: Von einigen Lesern kam die Rückmeldung, dass sich der Artikel hinter einer Paywall versteckt, andere können den Text ohne Probleme lesen. Die Ursache fürs Erscheinen der Bezahlschranke könnten nicht zugelassene Cookies sein oder aber der Unterschied zwischen Verlinkungen in Social-Media-Kanälen und Verlinkungen auf Websites, den haz.de macht.

4. Deutsches Fernsehen Die TV-Show ist tot, es lebe ding ding dong!
(berliner-zeitung.de, Marcus Bäcker)
In der Fernsehstadt Köln haben sich jüngst einige TV-Macher getroffen, um beim „Großen Ufa-Show-Gipfel“ über die Zukunft der Unterhaltung zu sprechen. Marcus Bäcker war für die „Berliner Zeitung“ dabei und berichtet über die Pläne der Bewegtbild-Branche. Es wird viel über Änderungen und neue Plänen geredet, doch mit der Umsetzung könnte es schwierig werden. Auch wegen der festgefahrenen Strukturen: „Spätestens, als die Diskussionsrunde an die zumindest theoretische Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender von Quoten und Marktanteile erinnerte, fühlte man sich tatsächlich um folgenlos verstrichene Jahre zurückversetzt. Das ARD-Adventsfest wird es wohl noch lange geben.“

5. Die ARD vs. Das Erste
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Sollen aus neun ARD-Anstalten in Zukunft tatsächlich vier werden, wie es bei „Bild“ und anderen Medien zu lesen war? Nein, bei dieser Meldung handele es sich um „blanken Unsinn“ wie Kolumnistin Ulrike Simon den ARD-Sprecher zitiert. „Freilich knallt ein schlichtes „Aus-neun-mach-vier“ besser als der ernsthafte Versuch zu analysieren, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk Geld sparen könnte ohne die regionale Identität und programmliche Vielfalt aufs Spiel zu setzen.“, schreibt Simon weiter und verlinkt auf ein ihr zugespieltes Projektpapier.

6. Die Unwahrheiten der Vera Lengsfeld
(stern.de)
Bei „Maischberger“ (ARD) wurde gefragt: „Vorwurf ‚Lügenpresse‘ – Kann man Journalisten noch trauen?“ Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld war als Medienkritikerin eingeladen. Sie griff besonders den „Stern“ an und nannte dafür drei Beispiele. Dabei handele es sich um nachweislich unwahre Behauptungen, so der „Stern“. Darauf habe man die Maischberger-Redaktion bereits während der Live-Sendung per Telefon und Twitter hingewiesen. Eine Reaktion sei jedoch nicht erfolgt. Nun prüfe man rechtliche Schritte gegen Vera Lengsfeld.

BILDblog dankt

Es ist Zeit, dass wir mal wieder „Danke“ sagen! Denn auch im November haben uns viele Leute finanziell unterstützt und damit dazu beigetragen, dass es das BILDblog überhaupt geben kann. Wir können leider nicht bei jedem Einzelnen von Ihnen zu Hause vorbeikommen und uns persönlich bedanken. Daher gibt es hier auf der Seite jeden Monat einen Sammel-Dank.

Sollte Ihr Name noch nicht in der Liste unten auftauchen, obwohl Sie große Lust hätten, mal einen Dank vom BILDblog zu bekommen — kleiner Tipp: Es ist ganz einfach, uns zu unterstützen. Und Leuten, die einen Dauerauftrag einrichten, danke wir auch jeden Monat aufs Neue.

Ein herzliches Dankeschön für die tolle Unterstützung im November an:

Achim K., Aileen W., Alexander G., Alexander H., Andreas B., Andreas F., Andreas H., Andreas K., Andreas K., Andreas N., Andreas P., Andreas R., Andreas W., Angela Z., Anja C., Anna S., Anna S., Arne L., Arne R., Benedict K., Benedikt S., Benjamin B., Benjamin M., Berenike L., Carsten S., Christian B., Christoph M., Christoph Z., Claudia H., Daniel B., Daniel H., Daniel S., Dario S., David R., Dennis H., Dietmar N., Dirk A., Ekkart K., Fabian U., Florian J., Florian J., Frank B., Frank S., Frank W., Friedhelm K., Gregor K., Guido S., Hannes S., Hans O., Heiko K., Helmut B., Henning R., Holger B., Ingrid B., Jacob D., Jakob H., Jan K., Jan P., Jan S., Jens B., Jens D., Jochen Z., Johannes L., Johannes P., Jonas S., Jörn L., Julia T., Jürgen E., Jurgen H., Katrin U., Klaus W., Leonard B., Ludger I., Manuel O., Marc S., Marcel B., Marco S., Marco W., Marco W., Marco Z., Marcus H., Marcus K., Marcus S., Margit G., Mario U., Marion E., Markus K., Markus V., Martin M., Martin R., Martin W., Matthias M., Matthias S., Maxim L., Maximilian W., Micha S., Michael F., Michael H., Michael K., Michael R., Michael S., Michael W., Michael W., Minh S., Moritz B., Moritz D., Moritz K., Moritz K., Moritz V., Nicole P., Nils P., Oliver F., Oliver M., Patrick D., Patrick G., Peter J., Philipp G., Philipp H., Philipp S., Pia K., Raimond P., Robert K., Robert K., Rüdiger R., Samuel W., Sandra K., Sascha S., Sascha S., Sebastian F., Sebastian H., Sebastian K., Sebastian P., Silke S., Stefan B., Stefan L., Stefan R., Sven F., Sven S., Thekla H., Thomas E., Thomas H., Thomas L., Thomas M., Thomas R., Thomas S., Tilman H., Tobias W., Ute S., Uwe F., Uwe K., Volkmar D., Wiebke S., Wilfried L., Yannick B., Yvonne T.

Sollten Sie Ihren Namen hier vergeblich suchen, obwohl Sie uns bereits unterstützen, nicht wundern: Doppel- und Firmennamen haben wir im Sinne der Anonymität gestrichen.

B.Z., Bild  

Herbert Grönemeyer wurde immer noch nicht auf „La Fabrique“ getraut

Vor gut drei Monaten hatten wir darüber berichtet, dass „Bild“ zwei Gegendarstellungen von Herbert Grönemeyer abdrucken musste. Eine auf der Titelseite …

… und eine auf Seite 4:

Beide bezogen sich auf „Bild“-Berichte zur Hochzeit von Grönemeyer. In der zweiten Gegendarstellung hieß es:

Gegendarstellung
In der „Bild“-Zeitung vom 12. Mai 2016 schreiben Sie auf Seite 4 in einem Artikel mit der Überschrift „Männer heiraten heimlich“:
„Am vergangenen Wochenende sollen der Sänger und seine Lebensgefährtin (…) Gäste zur Trauung auf das Anwesen ‚La Fabrique‘ (…) im südfranzösischen Ort Saint-Rémy-de-Provence eingeladen haben.“
Hierzu stelle ich fest: Es hat keine Trauung zwischen mir und meiner Lebensgefährtin auf dem Anwesen ‚La Fabrique‘ stattgefunden.
Berlin, den 12. Mai 2016
Rechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz für Herbert Grönemeyer

Am vergangenen Samstag entdeckten wir bei unserer täglichen „Bild“-Studie auf Seite 4 eine Gegendarstellung von Herbert Grönemeyer:

Ist doch dieselbe wie vom 27. August? Inhaltlich schon. Optisch aber nicht. Und deswegen musste „Bild“ die Gegendarstellung ein zweites Mal drucken.

Gerichte machen ziemlich genaue Vorgaben, wo und in welcher Form Gegendarstellungen erscheinen müssen — die sogenannten drucktechnischen Anordnungen. Da „Bild“ einen Teil der Überschrift des ursprünglichen Grönemeyer-Artikels vom Mai in Großbuchstaben veröffentlichte, hätte die Redaktion schon beim ersten Abdruck das Wort „Gegendarstellung“ ebenfalls in Großbuchstaben setzen müssen. Hinzu kommt die Vorgabe des Gerichts, wie das Wort „Gegendarstellung“ farblich gestaltet sein muss: weiße Buchstaben, auf anthrazitfarbenem Hintergrund. Auch das hatte „Bild“ beim ersten Mal missachtet. Damit die Gegendarstellung auch ordentlich lesbar ist, hatten die Richter Leerzeilen zwischen den Absätzen vorgeschrieben. Auch die finden sich erst in der zweiten Version.

Die „B.Z.“ hatte im Mai übrigens genauso falsch über die Hochzeit von Herbert Grönemeyer berichtet wie „Bild“. Sie musste im Juni eine Gegendarstellung drucken:

Und auch die „B.Z.“ hat es nicht hinbekommen, sie so zu veröffentlichen, dass sie den Anweisungen des Gerichts entspricht. Es fehlten zum Beispiel vorgeschriebene Fettungen. Außerdem hatte die „B.Z.“ den Namen „Herbert Grönemeyer“ am Ende des Textes zu vergessen. Also, im September der erneute Abdruck:

Nun zwar mit Fettungen und Namen. Allerdings immer noch ohne die vorgeschriebene optische Hervorhebung des Wortes „Gegendarstellung“. Am vergangenen Samstag, nach zwei Fehlversuchen, hat es die Redaktion dann tatsächlich geschafft, die Gegendarstellung von Herbert Grönemeyer wie gefordert zu veröffentlichen:

Und so mussten zwei Springer-Blätter zwei Gegendarstellungen in den vergangenen sechs Monaten fünfmal abdrucken. Vermutlich ein einzigartiger Vorgang.

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