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Extrem links und unglaublich weit weg von den Fakten

Nach dem Sittenwächter-Entsetzen über den „Tatort“ im Pornomilieu und dem falschen Sadomaso-Unmut über die Serie „Babylon Berlin“ ging es gestern weiter mit der „Bild“-Kritikreihe an der ARD. Und wieder traf es den „Tatort“:

Ausriss Bild-Zeitung - Baader-Meinhof-Experte Stefan Aust klagt an - RAF-Propaganda im Tatort

Es sei „gefährlicher Unsinn“, was Sonntagabend ab 20:15 Uhr für anderthalb Stunden im „Ersten“ zu sehen war, sagt Stefan Aust im Interview mit „Bild“, weil bei den Zuschauern fälschlicherweise hängenbleiben werde, dass RAF-Mitglieder im Gefängnis Stammheim von einer geheimen Gruppe umgebracht worden seien.

Die Befürchtung kann man haben. Vielleicht bekommen die Zuschauer es aber auch hin, Fiktion als Fiktion zu erkennen.

Bei Bild.de legte gestern Mittag Redakteur Daniel Cremer mit einem Kommentar zum „Tatort“ nach:

Screenshot Bild.de - Kommentar von Bild-Redakteur Daniel Cremer - Was den RAF-Tatort unerträglich machte

Der „Verschwörungs-Unsinn“ in dem Fall aus Stuttgart sei schon „unsäglich“ gewesen, schreibt Cremer.

Unerträglich fand ich aber noch eine ganz andere Szene.

Richy Müller erzählt in der Rolle als Kommissar Lannert von seiner Zeit als Student in Hamburg. Er habe damals in einer WG mit RAF-Sympathisanten gelebt. Ja, er habe sogar ein RAF-Mitglied getroffen. Sein Partner schaut irritiert. Darauf sagt Müller er sei ja keiner „von denen gewesen“ — aber man war jung und wollte die Welt verändern. Ende der Szene.

„Die Verharmlosung von Terror und Gewalt“ habe Deutschland mittlerweile gelernt, solange sie linksextrem sei, so Cremer. Dennoch könne er sich „nur schwer erklären, wie eine solche Szene von allen Instanzen der ARD durchgewunken wird.“

Man stelle sich (vielleicht in zehn Jahren) einen „Tatort“ aus Leipzig vor. Der ältere Kommissar erzählt seinem jüngeren Kollegen, er habe als Student in einer WG mit PEDIGA- und NSU-Sympathisanten gelebt. Da habe er auch mal NSU-Mitglied Uwe Mundlos getroffen. Er sei aber keiner von denen gewesen. Er war nur jung und wollte die Welt verändern.

Man stelle sich vor, das würde gesendet. Und man stelle sich die Reaktionen darauf vor. Man braucht viel Vorstellungskraft. Denn (Gott sei Dank) würde niemand auf die Idee kommen, den Zuschauern so ein weichgespültes rechtsextremes Weltbild unterzujubeln.

Recht hat er, der Cremer.

Und doch liegt er, was die Fakten betrifft, ziemlich daneben. Denn in der Szene, die sich der „Bild“-Redakteur rausgesucht hat, gibt es recht deutliche Kritik an der RAF-Gewalt. Cremer verschweigt sie nur. Außerdem ist nichts an dem, was Richy Müller in seiner „Tatort“-Rolle sagt, linksextrem.

Hier das Transkript der entscheidenden Szene, in der die beiden Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz auf einem Parkplatz im Auto sitzen (in der ARD-Mediathek ab Minute 55:28):

Lannert: Ich kann seit Wochen nicht mehr wirklich schlafen. Der Doc meint, ab einem bestimmten Alter kommt alles zurück.

Bootz: Du warst beim Arzt?

Lannert: Drehst ja durch, so ohne Schlaf. Und jetzt auch noch plötzlich die RAF wieder. Damals wollten alle wissen, was wirklich in Stammheim passiert ist. War es Selbstmord oder Mord? Immerhin war es der Kampf der Kinder gegen ihre Väter.

Bootz: Du klingst ja wie der letzte Radikale von damals.

Lannert: Wir haben den Hunger in Afrika gesehen, Sebastian. Und uns war sofort klar: So darf die Welt nicht sein, so kann sie nicht sein. Diese Ungerechtigkeit. Und dann überall diese alten Nazi-Köppe, Lehrer, Politiker, vor allem in der Justiz. Worum uns aber die RAF gebracht hat, war die Neugier und die Sehnsucht, die damals herrschte. Politisch und gesellschaftlich. Die haben sie weggebombt, die Sehnsucht. Die war danach nicht mehr da.

Bootz: Die Sehnsucht?

Lannert: Ja, wir waren jung. Wir wollten nicht werden wie unsere Eltern. Ich bin mit 16 von zu Hause abgehauen. Lange Haare, Parka. Hab‘ in ’ner WG gewohnt in Hamburg. Da bin ich der Ensslin mal begegnet, ’72. Das war kurz vor ihrer Verhaftung. Saß sie aufm Flur, hat mich angelächelt. Nur dieser kurze Moment, und ich war elektrisiert. Fünf Jahre später dann kamen die Fotos aus Stammheim, aufgenommen mit einer reingeschmuggelten „Minox“. Sie sah brutal aus. Damals haben wir geglaubt, der Staat hat sie einfach umgebracht.

Bootz: Moment mal, was war das eben? Du hast in ’ner WG mit RAF-Sympathisanten gewohnt?

Lannert: Ja. Und dann wirst du Polizist. [Schaut in den Seitenspiegel] Ich glaub‘, uns hängt schon wieder jemand hinten dran.

Bootz: Echt? [Jetzt am Telefon] Ja, Bootz hier, Mordkommission. Ich hätt‘ ’ne Halterabfrage. Stuttgart-OS-2016. Ja? Ja, macht nichts, danke. [Legt auf, wieder zu Lannert] ‚Ne Nullauskunft, Halter gesperrt. Also Verfassungsschutz, Staatsschutz, sowas.

Lannert: Hab‘ ich dir ja gesagt.

Bootz: Wir müssen die irgendwie abschütteln.

Lannert: Gut. Hier, schau mich an. Ich war nicht dabei.

Bootz: Schon klar.

„Ende der Szene“, wie Daniel Cremer schreiben würde.

Kommissar Lannert spricht sich also gegen die Gewalt der RAF aus („Worum uns aber die RAF gebracht hat, war die Neugier und die Sehnsucht, die damals herrschte. Politisch und gesellschaftlich. Die haben sie weggebombt, die Sehnsucht. Die war danach nicht mehr da.“). Die Ideale, die „Sehnsucht“, die er referiert, mögen links sein. Eine bessere Welt, mehr Gerechtigkeit. Aber linksextrem oder weichgespült linksextrem? Dann müsste der Song „Ich werd‘ die Welt verändern“ von der Band „Revolverheld“ als linksextremes Kampflied gelten (Refrain: „Ich werd‘ die Welt verändern, werd‘ endlich alles besser machen“).

Durch die Milde des 16-jährigen Thorsten Lannert passt dann auch Daniel Cremers Parallele nicht mehr. Was würde Cremers fiktiver Bewohner einer NSU-Sympathisanten-WG mit seinem „weichgespülten rechtsextremen Weltbild“ fordern? „Ausländer raus aus Deutschland, aber ohne Gewalt“? Und das ist laut Cremer dann das rechte Äquivalent zu Lannerts besserer Welt und dessen gewaltfreier Forderung nach mehr Gerechtigkeit?

Natürlich kann man der Meinung sein, dass der „Tatort“ unerträglich war. Man kann sich wundern, was von „der ARD durchgewunken wird“. Und man kann das alles in einem Kommentar aufschreiben. Aber dann sollte man seinen Lesern keine Fakten vorenthalten, die nicht zur Kritik passen.

Lobschummelei bei Bild.de

Bei Bild.de platzen sie gerade fast vor Stolz:

Günter Wallraff hat dem „SZ Magazin“ für die aktuelle Ausgabe ein großes Interview gegeben (kostenpflichtig). Darin erzählt der Investigativjournalist nicht nur, dass er geplant hatte, sich für einen ehemaligen US-Soldaten als „IS“-Geisel eintauschen zu lassen, sondern auch über sein Verhältnis zur „Bild“-Zeitung.

Er habe neulich per Zufall „den Artikel eines jungen Kollegen entdeckt“, der ihm gefallen habe, sagt Wallraff im Laufe des Gesprächs. Es geht um einen Text von „Bild“-Reporter Daniel Cremer, der unter falschem Namen an einem sogenannten „Entschwulungskurs“ in den USA teilgenommen und darüber berichtet hat.

Wallraffs Aussage zitiert Bild.de so:

Jubel in der Redaktion:

Großes Lob von Günter Wallraff (73) — für BILD!

Das Problem dabei: Bild.de hat einen nicht ganz unwesentlichen Teil von Wallraffs Aussage weggelassen (von uns gefettet):

Der hätte eine reißerische Kolportage daraus machen können, aber seine Reportage war einfühlsam und überzeugend, und er hat die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen respektiert, was ansonsten ja nicht gerade Bild-typisch ist. Diese Selbsterfahrung hätte genauso in der Zeit oder der Süddeutschen erscheinen können. Ich bin immer wieder froh, wenn ich in meiner Grundhaltung irritiert werde.

Auch vor und nach dieser Stelle singt „Bild“-Kritiker Wallraff kein Loblied auf das Boulevardblatt. Mit freundlicher Genehmigung des „SZ Magazins“ zitieren wir hier (ganz ohne Kürzungen) die Passagen, in denen sich Günter Wallraff über die „Bild“-Zeitung äußerst:

Sie klingen andererseits immer wieder so versöhnlich. Gibt es jetzt bald Frieden mit dem Springer-Verlag?
Nachdem ich die Bild-Zeitung mit einem gemeingefährlichen Triebtäter verglichen hatte, rief mich deren Chefredakteur Kai Diekmann an und rechtfertigte sich, dass Bild nicht mehr so sei wie damals, als ich den Aufmacher veröffentlichte. Ich hatte den Eindruck, der will etwas ändern. Vielleicht ist aus dem Boulevard-Heroin inzwischen Methadon geworden. Früher war das Blatt ja mit Hetze gegen Ausländer, Linke und Minderheiten jeder Art durchtränkt. Seitdem gab es gab Wellenbewegungen, gelegentlich waren da Chefredakteure, die etwas weniger sensationsgierig, politisch etwas weniger rechts ausgerichtet waren. Dann produzierte Bild etwas weniger Hass, etwas weniger Frauenverachtung, etwas weniger Minderheitenhetze und dergleichen. Die Bild ist heute vorsichtiger geworden, das liegt sicher auch am Zeitgeist, der vulgären Sexismus oder dumpfen Rassismus nicht besonders mag.

Wie finden Sie die Berichterstattung der Bild-Zeitung über Griechenland?
Das war systematische Hetze mit Schlagzeilen wie: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen und die Akropolis gleich mit!“ Ich kaufe die Bild ja nicht, aber in Zügen oder Restaurants liegt sie manchmal rum. Da habe ich neulich zu meiner Überraschung den Artikel eines jungen Kollegen entdeckt. Der Autor bekennt sich als schwul und hat sich in den USA undercover in eine dieser obskuren Selbsthilfegruppen begeben, die Homosexualität „heilen“ wollen.

Jetzt beschäftigt sogar die Bild-Zeitung Wallraff-Schüler?
Der hätte eine reißerische Kolportage daraus machen können, aber seine Reportage war einfühlsam und überzeugend, und er hat die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen respektiert, was ansonsten ja nicht gerade Bild-typisch ist. Diese Selbsterfahrung hätte genauso in der Zeit oder der Süddeutschen erscheinen können. Ich bin immer wieder froh, wenn ich in meiner Grundhaltung irritiert werde. Ich brauche Irritationen.

Die Wandlungsfähigkeit des Bild-Chefs Kai Diekmann dürfte Ihnen doch gefallen. Der tritt mal mit, mal ohne Bart auf, mal im Anzug und mal im Kapuzenpulli.
Die Auflage von Bild ist den letzten Jahren gewaltig eingebrochen. Vielleicht ist seine äußerliche Verwandlung ja Ausdruck für den Versuch einer Neuorientierung. Ich habe Bild schon vor einiger Zeit zum Ansporn attestiert: Es gibt sehr wohl eine Sorte von Triebtätern, die noch therapierbar ist. Das müssen sie aber erst unter Beweis stellen.

Nachtrag, 20.23 Uhr: Bild.de gibt das Zitat jetzt doch vollständig wieder und schreibt unter dem Artikel:

*Das Zitat wurde nachträglich ergänzt, nachdem es in einer vorherigen Version nicht vollständig wiedergegeben war.

„Bild“-Reporter lässt Heidi Klum schreiend aus der Halle rennen

Sie werden es mitbekommen haben: Gestern wurde das Finale von „Germany’s Next Topmodel“ wegen einer Bombendrohung abgebrochen.

Für die „Bild“-Medien war Klatsch- und Quatschreporter Daniel Cremer vor Ort, der den ganzen Abend eifrig twitterte. Sein mit Abstand erfolgreichster Tweet war der hier:

Viele Medien übernahmen die Information oder bauten Cremers Tweet direkt in ihre Artikel ein:

Heidi Klum lief schreiend aus SAP Arena

(abendzeitung-muenchen.de)

Heidi Klum soll „schreiend“ aus der Halle gelaufen sein – noch bevor das Publikum diese verlassen durfte.

(tz.de)

„Schreiend“ soll Heidi Klum (41) die SAP-Arena in Mannheim nach der Bombendrohung verlassen haben.

(„InTouch“ online)

Heidi Klum (41) hätte allerdings angeblich „schreiend“ die Halle verlassen.

(promiflash.de)

Laut einem Bild-Reporter soll Heidi Klum die Halle schreiend verlassen haben.

(yahoo.com)

Die „Bild“-Zeitung selbst druckte die Info heute sogar auf die Titelseite. Über Nacht sind dann auch alle Restzweifel, die Anführungszeichen und das „soll“ verschwunden:

„Heidi Klum verließ mit Tochter Leni schreiend die Arena“.

Nunja. Pro7 teilte heute mit:

Das muss man den Leuten von Pro7 natürlich nicht glauben. Recht haben sie aber trotzdem, und lustigerweise kommt der Beleg dafür von „Bild“ selbst:

Auf dem Video ist zu sehen, wie Heidi Klum ganz ruhig ihre Tochter in Empfang nimmt und die Halle verlässt. Ohne ein einziges Mal zu schreien.

Diese Geschichte war auch nicht die einzige Meldung des „Bild“-Reporters, die heute dementiert wurde. Gestern Abend schrieb er:

Pro7 entgegnet heute:

Die Polizei hat inzwischen bestätigt, dass es keine Verletzten gab.

„Bild“-Mann Daniel Cremer war übrigens auch einer der ersten, die schon von einer Bombendrohung sprachen, während der Sender noch auf „technische Probleme“ verwies. Wie Sender-Sprecher Christoph Körfer später erklärte, wollte man so eine Panik verhindern:

(…) deswegen mussten wir auch zunächst von einem technischen Defekt sprechen, um eine Panik zu verhindern. Daran haben sich leider nicht alle Medien gehalten. [Manche] Medien haben relativ unreflektiert von einer Bombendrohung gesprochen und haben damit billigend in Kauf genommen, dass hier eine Panik in der Halle ausbricht.

„Bild“-Chef Kai Diekmann fällt zu all dem aber nur eins ein:

Mit Dank an Boris R., Benedikt S. und Johannes K.!

Eine ganz normale Woche bei Bild.de

Aus dem Ressort „Unterhaltung“:
Dschungelcamp 2014: Dschungel-Experte Daniel Cremer - 5 Gründe, warum Larissa die Krone holt

Larissa hat die Krone nicht geholt.

***

Aus dem Ressort „Sport“:
Der Aufreger bei der Hertha-pleite gegen Nürnberg - BILD erklärt: Darum lag Schiri Weiner richtig

Schiri Weiner lag nicht richtig.

***

Aus dem Ressort „Regionales“:
Mord auf Juist - Dieser Milchbubi brachte A[...] um [Auf dem Foto sind der mutmaßliche Täter [anonymisiert] und das angebliche Opfer [nicht anonymisiert] zu sehen.]

(Gelbe Unkenntlichmachung von uns.)

Das sind nicht A. und ihr mutmaßlicher Mörder, sondern der Täter und das Opfer eines ganz anderen Mordes. Von Ziffer 8 des Pressekodex fangen wir gar nicht erst an.

Mit Dank an Manuel L., Bene F., Martin, Felix S., Marcus und Alexander K.

Bild  

Falscher DSDS-Sieger gewählt

Gestern endete die achte Staffel der RTL-Castingsoap „Deutschland sucht den Superstar“ mit einem Sieg von Pietro Lombardi. Was insofern überraschend ist, als „Bild“ vor zwei Wochen behauptet hatte:

Ardian wird Superstar

Dass die prognostischen Qualitäten der „Bild“-Autoren Daniel Cremer und Dora Varro beschränkt sind, war schon eine Woche später klar, als es Ardian Bujupi nicht einmal ins Finale schaffte. Doch auch die Behauptung, „‚Bild‘ kennt die geheimen Anruferzahlen“ war falsch. Irgendjemand hatte die „Bild“-Leute nur halb richtig informiert — oder sie hatten etwas halb falsch verstanden. Jedenfalls schrieben sie damals:

30 Prozent stimmten bei der letzten Sendung für Pietro Lombardi, knapp dahinter liegt derzeit Ardian Bujupi mit 28 Prozent. Sarah Engels holte 22 Prozent.

Nach den offiziellen Zahlen, die RTL heute veröffentlichte, war es allerdings Sarah Engels, die mit 28,9 Prozent knapp hinter Lombardi lag. Ardian Bjujpi bekam nur 23 Prozent.

Tragisch: Schlecht recherchiert und im Größenwahn verspekuliert.

Deutschland sucht die Superheuchler

Heute erklärt „Bild“ auf der Titelseite, es gebe „Ärger um Schreyl“: Ärger um SchreylMarco Schreyl, Moderator von „Deutschland sucht den Superstar“, reiße „seit Wochen“ „eine schmuddelige Zote nach der anderen“ und habe in der Show vom vergangenen Samstag einen „neuen Tiefpunkt“ erreicht.

Schreyl hält die zwei Glückskugeln von Sarah Engels wie zwei Hoden in der Hand, sagt bewusst zweideutig: „Damit gehe ich immer besonders vorsichtig um.“

Zur Bestätigung des behaupteten „Ärgers“ reißt „Bild“ ein paar Sätze aus einem Artikel des Mediendienstes DWDL.de über Homosexuelle im deutschen Fernsehen aus dem Kontext, wodurch der Tenor des Artikels so klingt, als seien gar nicht Schreyls Sprüche das eigentliche Problem für Sven Kuschel und Daniel Cremer, sondern dessen sexuelle Orientierung.

„Bild“ nutzt sogar die Gelegenheit, endlich mal wieder Michelle Hunziker ins Gespräch zu bringen, für deren Rückkehr zu „DSDS“ die Zeitung seit mehr als fünf Jahren unermüdlich kämpft.

Was die „Bild“-Redaktion sonst so von schmuddeligen Zoten und bewussten Zweideutigkeiten hält, kann man dann heute bei Bild.de (anhand eines alten Fotos) bewundern:

Schräger Pokal: Seit diesem Kuss ist Golf-Star Cristie in aller Munde...

Mit Dank auch an Roman S., Arne M. und Marc.

Griff ins Persönlichkeitsrechtsverletzungsarchiv (2)


Das ist alles, was bei Bild.de von einem Artikel übrig geblieben ist, der am vergangenen Freitag auch in der „Bild“-Zeitung stand. „Bild“-Reporter Daniel Cremer hatte darin unter der Überschrift „Charlotte Roche – Das ist ihr Feuchtgebieter“ ohne aktuellen Anlass ein Paparazzi-Foto von Roche und ihrem Ehemann betextet, das „Bild“ (wie berichtet) vor fünf Jahren mal heimlich und gegen den Willen der beiden gemacht und nun veröffentlicht hatte (obwohl die „Bild“-Redaktion schon damals darauf hingewiesen worden war, dass das Foto nie veröffentlicht werden dürfe).

Doch inzwischen hat, wie uns der Anwalt von Roches Ehemann auf Anfrage sagt, nicht nur Bild.de, sondern auch „Bild“ eine Unterlassungserklärung abgeben müssen, das Foto, das sie ohnehin nicht hätten zeigen dürfen, zumindest in Zukunft nicht mehr zu zeigen.

P.S.: Nur auf unsere Frage, warum man bei „Bild“ überhaupt geglaubt hat, das Foto zeigen zu dürfen, bleibt „Bild“ weiterhin eine Antwort schuldig.

Griff ins Persönlichkeitsrechtsverletzungsarchiv

Charlotte Roche ist Bestsellerautorin. Außerdem ist sie alles andere als gut zu sprechen auf „Bild“, nachdem 2001 mehrere Familienmitglieder Roches bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen waren: „Bild“ hatte damals nicht nur über den Unfall berichtet; wenig später war Roche zudem von Menschen, die sich als „Bild“-Mitarbeiter ausgaben [so die quasi-offizielle Sprachregelung; mehr dazu hier, hier und hier] erpresst worden – erfolglos übrigens.

In Ruhe lassen jedoch mag die „Bild“-Zeitung Leute wie Roche offenbar nicht. Und so zeigen „Bild“ und Bild.de heute unter der Überschrift „Charlotte Roche — Das ist ihr Feuchtgebieter“ ein Foto von Roche und ihrem Ehemann.

Und die Frage unter der Überschrift („Wie ist es, wenn deine Frau den versautesten Roman des Jahres schreibt?“) beantwortet „Bild“-Autor Daniel Cremer am Ende des Artikels wie folgt:

Der Roche-Ehemann äußerte sich auf BILD-Anfrage nicht zum Roman seiner Frau.

Aber auch eine andere Frage beantwortet der „Bild“-Artikel nicht: Mit welchem Recht die Zeitung das Foto der beiden überhaupt zeigt. Es handelt sich dabei nicht um einen öffentlichen Auftritt o.ä., sondern um eine gewöhnliche Straßenszene – und bei Roches Ehemann eigentlich bloß um ihren Ehemann. Und wie uns Roche und ihr Ehemann auf Anfrage sagen, wurde das Foto ohne ihr Wissen gemacht und ohne ihr Einverständnis veröffentlicht. Und nicht nur das: Das Paparazzi-Foto, gegen dessen Veröffentlichung nun ihr Anwalt vorgeht, ist, anders als „Bild“ suggeriert, …

…schon fünf Jahre alt.

Und siehe da: Bereits damals, 2003, habe „Bild“ das Foto drucken wollen und bei Roche, die (nicht zuletzt aufgrund ihrer persönlichen, schmerzhaften Erfahrungen) nie einen Hehl aus ihrer Verachtung für „Bild“ gemacht hat, sogar angefragt, ob man nicht doch zusammenarbeiten wolle — „nach dem Motto: ‚Hier zeigt Charlotte Roche ihre neue Liebe'“, wie uns Roche sagt.

Doch daraus wurde damals nichts: Als Roche kein Interesse daran zeigte, ihr Privatleben in der „Bild“-Zeitung auszubreiten, sei ihr, so Roche, zwar angedroht worden, man würde das Foto trotzdem drucken. Doch nachdem anschließend ihr Anwalt „Bild“ darauf hingewiesen hatte, „dass das Foto nicht veröffentlicht werden darf“, kam’s dazu nicht — jedenfalls nicht bis heute.

Wir haben bei „Bild“ nachgefragt, warum man dort glaubt, das Foto nun doch abdrucken zu dürfen, bislang aber noch keine Antwort erhalten.

„Bild“ dokumentiert die eigene Skrupellosigkeit

Nochmal zum Mitschreiben:

  • Am Samstag berichtete „Bild“ auf der Titelseite exklusiv, aber ohne Anlass, dass ein Kandidat der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) schwul und „mit einem Mann verheiratet“ sei.
  • Am Sonntag berichtete „Bild am Sonntag“, dass der Sänger aufgrund des „Bild“-Outings „um sein Leben bangen“ müsse und Angst vor schwulenfeindlichen Übergriffen habe.

Und das muss man sich vorstellen: An demselben Sonntag, an dem die „BamS“-Kollegen ausführlich über die (durch das „Bild“-Outing verursachte) potentielle Lebensgefahr für den Sänger berichten, wird die „Bild“-Zeitung vom Montag gemacht. In der Redaktion sitzen Menschen und entscheiden, was wo und wie in der heutigen „Bild“-Ausgabe Millionen lesen werden. Und wofür entscheiden sie sich? Na, sehen Sie selbst:

"Superstar F. und sein Ehemann: Das ist die Heirats-Urkunde"

„Gespräch mit BILD“?

„In einem Gespräch mit BILD schwärmte der Ehemann des ‚Superstar‘-Sängers: ‚F.* ist der liebenswerteste Mensch der Welt. Unsere Wohnung trägt fast nur seine Handschrift. F. ist Künstler, möchte sich immer nützlich machen, gestaltet deshalb unsere Einrichtung.'“
(Quelle: „Bild“ vom 14.4.2008)

*) Anonymisierung von uns

Ohne irgendeinen Hinweis auf die Sorgen des DSDS-Kandidaten und/oder die möglicherweise bedrohliche Situation, in die „Bild“ ihn gebracht hat, zugleich aber auch ohne irgendeinen erkennbaren Erkenntnisgewinn veröffentlicht die „Bild“-Zeitung „die Heiratsurkunde, die das Glück besiegelte“ – mit weiteren identifizierbaren Details aus dem Privatleben des Sängers und seines mutmaßlichen Ehepartners, der in der heutigen „Bild“ auch wörtlich zitiert wird (siehe Kasten). Nach unseren Informationen fand das „Gespräch mit BILD“ jedoch schon vor längerer Zeit statt, und der Befragte hatte damals nicht als „Ehemann des ‚Superstar‘-Sängers“ geantwortet. Und wie uns eine RTL-Sprecherin auf Anfrage mitteilt, haben sich „weder der betroffene Kandidat noch RTL jemals öffentlich dazu geäußert“.

Aber es muss ja einen Grund dafür geben, dass „Bild“ auch heute wieder das Privatleben des DSDS-Kandidaten gegen seinen Willen in die Öffentlichkeit zerrt. Und der naheliegende wäre, dass Daniel Cremer, Sven Kuschel und Uli Schüler, die als Autoren über dem „Bild“-Artikel stehen, sowie Florian von Heintze, der als Verantwortlicher der heutigen Ausgabe im „Bild“-Impressum steht, ganz besonders selbstgefällige und skrupellose… Menschen sind.

Wie „Bild“ nicht über Carrells Krankheit berichtete

Apropos:

Als Rudi Carrell der „Bild“-Zeitung im vergangenen Dezember vorwarf, ihn mit ihrer Berichterstattung über seine Krebskrankheit „lebendig begraben“ zu wollen, reagierte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mit Unverständnis. Er antwortete dem Showmaster:

Wie Sie wissen, berichten — im Gegensatz zu BILD — zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften seit vielen Wochen über Ihre Erkrankung. Erst nachdem Sie selbst am 21. November in der niederländischen Illustrierten „Prive“ und anschließend mit BUNTE offen über ihre Krebskrankheit sprachen (…ich weiß, daß ich Krebs habe…), hat BILD entsprechend berichtet. Ihre Äußerungen ließen für uns den Schluß zu, daß Sie mit diesem sehr persönlichen Thema nun durchaus öffentlich umgehen wollen.

Kai Diekmann suggeriert also, „Bild“ habe vor dem 21. November 2005 nicht über Carrells Krebs berichtet.

Am 15. November 2005 titelte „Bild“:

Abgemagert — Haarausfall — Kaum noch Auftritte

Wie krank ist Rudi Carrell?

Die „Bild“-Autoren Daniel Cremer und Guido Brandenburg zitierten „enge Freunde“, dass es Carrell „sehr schlecht gehe, er ernsthaft erkankt sei“. Sie wiederholten die Sätze, die Carrells Schwiegermutter der Zeitschrift „das neue“ gesagt haben soll: „Daß er Krebs hat, ist definitiv. Eine Chemo hat er ja schon hinter sich. Rudi spricht nicht über seine Krankheit.“ Und sie stellten fest: „Fragen zu seiner Krankheit möchte Carrell nicht beantworten.“

Am 16. November 2005 berichtete „Bild“:

So tapfer kämpft er gegen seine Krankheit

(…) Entertainer Rudi Carrell (70) kämpft tapfer gegen seine schwere Krankheit an. Nach Auskunft seiner Ex-Schwiegermutter Erna Bobbert (92) ist Carrell an Krebs erkrankt, unterzog sich schon einer ersten Therapie. (…)

Am 18. November 2005 schrieb „Bild“ zu einem Foto:

Hier geht Rudi Carrell zur Arbeit — Trotz Krankheit!

Köln — Er hat viel Gewicht verloren. Seine Wangen sind eingefallen. Die einst so fröhlichen Augen haben ihren Glanz verloren. (…)

Diekmann will seinen Brief an Carrell bekanntlich als „Entschuldigung“ verstanden wissen.

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