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Kremls treue Helfer, Unbelegtes Kantholz, „Bild“ kassiert Niederlage

1. Des Kremls treue Helfer
(rbb-online.de, Video: 7:46 Minuten)
Russische Auslands- und Staatsmedien spannen geschickt deutsche Politiker für sich ein, und die lassen sich einspannen: So treten dort immer wieder Politiker von AfD und Linke als zweifelhafte Experten und Interviewpartner auf. „Kontraste“ zeigt in einem Videobeitrag, wie das Netzwerk der Helfer der russischen Propaganda funktioniert.
Weiterer Lesehinweis: Ex-MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich als Lobbyist für RT: RT Deutsch auf allen Rundfunkwegen (tagesspiegel.de, Joachim Huber).

2. „Lügenpresse“ verbreitet AfD-Version der Attacke auf Bremer AfD-Chef
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Viele Medien übernahmen ungeprüft die nicht zutreffende Darstellung der AfD von einem Überfall auf den Bremer AfD-Vorsitzenden Frank Magnitz mit einem angeblichen Kantholz. Stefan Niggemeier analysiert den Fall und kommentiert: „Eine schnelle konkrete Schilderung mit griffigen Details wie dem „Kantholz“ ist als Material für Journalisten verführerisch — Konjunktiv-Formulierungen mit Quellenangabe hingegen sind lästig. Diese Ungenauigkeiten und Fehler sind ärgerlich. Und es macht sie nicht weniger ärgerlich, dass sie im Eifer des Gefechts immer wieder passieren. Aber sie müssen nicht in irgendeiner Weise politisch motiviert sein. Nicht, um der AfD zu schaden, wie ihre Anhänger sonst immer wieder unterstellen. Und nicht, wie in diesem Fall, um den ohnehin schlimmen Angriff auf den AfD-Politiker bewusst noch schlimmer erscheinen zu lassen. Es geht hier nicht um die viel diskutierte journalistische „Haltung“. Es geht um journalistisches Handwerk, um Genauigkeit.“

3. Axel Springer schei­tert auch in Straßburg
(lto.de, Tim Korkala)
Der Springer-Verlag hat im juristischen Streit mit dem Wettermoderator Jörg Kachelmann eine weitere Niederlage erlitten. 2011 hatte das Landgericht Köln „Bild“ untersagt, ein während Kachelmanns Gefängnisaufenthalt heimlich aufgenommenes Foto zu verbreiten. Dagegen war „Bild“ vorgegangen und hat alle Instanzen ausgeschöpft, bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Dieser beschied nun, dass die deutschen Gerichte zu Recht davon ausgegangen seien, dass das Foto „keinerlei Mehrwert zur Berichterstattung“ bot und es sich um einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre gehandelt habe.

4. Ältere und Konservative teilen öfter Fake News
(faktenfinder.tagesschau.de)
Eine amerikanische Forschungsstudie zu Fragen der Medienkompetenz kommt zu dem Schluss, dass Nutzer sozialer Medien ab 65 Jahren fast siebenmal häufiger Falschmeldungen teilen als jüngere Personen. Die Autoren der Studie begründeten das Ergebnis mit der mangelnden digitalen Medienkompetenz älterer Menschen sowie mit einem schlechteren Erinnerungsvermögen.

5. Nach Relotius: Reporter hinterfragen sich
(ndr.de, Tim Kukral & Inga Mathwig)
Immer wieder erwarten Redaktionen von ihren Reportern hollywoodreife Geschichten. Nach einem Twitter-Aufruf meldeten sich freie Journalisten, die Erschreckendes berichteten: In ihre Texte seien nicht getätigte Interview-Aussagen hineinredigiert worden, oder es wurden ihnen unzulässige Zuspitzungen abverlangt. „Zapp“ hat mit Fabian Goldmann gesprochen, der den Twitter-Aufruf gestartet hat, und weitere Journalisten dazu angehört.

6. Ein Gruß aus der Küche
(taz.de, Leonie Gubela)
Ein Nachrichtenformat auf der Selbstdarstellung-Plattform Instagram? Noch dazu von einem öffentlich-rechtlichen Sender wie dem BR entwickelt? Leonie Gubela berichtet über die „News-WG“ und darüber, wie es zu dem digitalen News-Format für junge Leute kam.

Zeitstempel-Gelbwesten, Maskupedia, Eine Vergewaltigung ist kein Sex!

1. Verschwörungstheorien wegen eines Tweets
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing & Sabine Wachs)
Nach dem Anschlag in Straßburg zirkuliert in Kreisen der protestierenden „Gelbwesten“ die Verschwörungstheorie, der französische Staat stecke dahinter. Als angeblicher Beleg dient unter anderem ein Tweet einer Polizeipräfektur mit einem scheinbar entlarvenden Zeitstempel. Die Gründe dafür sind jedoch technischen Ursprungs. Patrick Gensing und Sabine Wachs erklären das Phänomen, das auf Twitter in ähnlicher Form immer wieder für Verwirrung sorgt.

2. It’s a man’s world: Wie weibliche Editorinnen von der Wikipedia verdrängt werden
(netzpolitik.org, Carolina Schwarz)
Carolina Schwarz hat für das Gesellschaftsmagazin „ROM“ aufgeschrieben, wie schwer es Frauen bei Wikipedia haben. „Oh, Hasilein, lösch dich von Wikipedia und kümmer dich lieber um das, was du wirklich gut kannst: shoppen, putzen und deinen Mann umgarnen.“ Solche Sätze musste sich beispielsweise die Wikipedia-Editorin „Sophia“ (Pseudonym) anhören. Anderen Frauen sei es ähnlich ergangen. Der Verein Wikimedia kenne das Problem und versuche gegenzusteuern. Wie es gelöst werden kann, bleibe jedoch offen.

3. Kritiker über Facebook verfolgt
(reporter-ohne-grenzen.de)
Dass man kritische Stimmen auch im Ausland unterdrücken kann, beweisen die böswilligen Facebook-Angriffe auf den in Deutschland im Exil lebenden Journalisten Trung Khoa Le aus Vietnam. Unbekannte hätten ausgenutzt, dass es auf Facebook bis vor Kurzem möglich war, eine andere Person unwissentlich zum Administrator einer Seite zu machen, auf der in grober Weise gegen die „Community Standards“ vorstoßen wird. Das Resultat in derartigen Fällen: Der unfreiwillige Administrator wurde für die Verstöße verantwortlich gemacht und mit einer Sperre belegt. Christian Mihr, Geschäftsführer der „Reporter ohne Grenzen“: „Facebook eröffnet vielen Journalisten die Chance auf eine freie Berichterstattung, doch offensichtlich kann das Unternehmen solch zensurähnlichen Missbrauch nicht verhindern. Es braucht endlich eine demokratische Kontrolle des Konzerns, um die Rechte der Nutzer wirksam zu stärken.“

4. Die Dinge beim Namen nennen – Warum eine Vergewaltigung kein Sex ist
(genderequalitymedia.org, Vic Schulte)
Es ist eigentlich so einfach: Eine Vergewaltigung ist kein Sex! Dennoch schreiben Medien Vergewaltigungsfälle gerne zu klicksteigernden Sex-Stories um. Vic Schulte zählt einige unschöne Beispiele auf und fasst am Ende zusammen: „Wenn bei Sexualstraftaten statt von Belästigung und Vergewaltigung von „Sex“ die Rede ist, sieht das auf der Titelseite zwar aufregend und ein bisschen skandalös aus und hilft möglicherweise, Verkaufs- oder Klickzahlen in die Höhe zu treiben. Aber durch die Vermischung der Begriffe wird zugunsten der Unterhaltsamkeit ein Gewaltverbrechen trivialisiert und verharmlost.“

5. Erfolgsfaktor Natur – das Genre „Nature Writing“
(fachjournalist.de, Torsten Schäfer)
Journalismusprofessor Torsten Schäfer ist als langgedienter Wissenschafts- und Umweltjournalist Experte für grüne, sprich naturnahe Themen. In einem Beitrag für den „Fachjournalist“ beschäftigt er sich mit dem angloamerikanischen „Nature Writing“. Dieses Literaturgenre erobere den deutschen Buchmarkt und die Feuilletons, werde aber im Journalismus selbst kaum diskutiert — obwohl es viele Chancen für die Lokal- und Umweltberichterstattung biete.

6. Kleinvieh-Strategie: Endemol Shine erstmals an der Spitze
(dwdl.de, Torsten Zarges)
„DWDL“ hat ein Ranking der TV-Produzenten für das Jahr 2018 erstellt. Spitzenreiter ist die Firma Endemol Shine, die mit zehn verschiedenen Formaten unter den 100 meistgesehenen Sendungen des Jahres vertreten ist. Wer sich für das TV-Geschäft interessiert, findet in dem Artikel viele Zahlen und Informationen über das milliardenschwere Geschäft mit der Fernsehunterhaltung.

Urteil gegen Türkei, falsche Hartz-Rechnung in „FAZ“, Manipulation

1. Bit­terer Erfolg in Straßburg
(lto.de, Markus Sehl)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Türkei für die Inhaftierung der beiden Journalisten Sahin Alpay und Mehmet Altan verurteilt: Ihre Untersuchungshaft verstoße gegen das Recht auf Freiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung, so die Richter in Straßburg. Markus Sehl schreibt, dass das EGMR-Urteil, das lediglich die Untersuchungshaft betrifft, zumindest für Altan zu spät kommen könnte: Er wurde inzwischen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

2. Bringt Hartz IV mehr Geld als Arbeit? FAZ verbreitet falsche Zahlen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Überschrift in der „FAZ“ war eindeutig: „Hartz IV lohnt sich oft mehr als Arbeit“. Mit Hilfe des Vereins „Bund der Steuerzahler“ wollte die Redaktion zeigen, dass man in bestimmten Familienkonstellationen deutlich über Mindestlohn verdienen müsste, um netto ähnlich viel zur Verfügung zu haben wie Hartz-IV-Empfänger in derselben Familienkonstellation. Das Problem bei den Zahlen, die die „FAZ“ nutzt: Der „Bund der Steuerzahler“ hat einfach das Kindergeld aus der Rechnung gelassen, zu Ungunsten der vermeintlich üppigen Hartz-IV-Bezieher. Stefan Niggemeier schreibt: „Dass ausgerechnet der für ihre Wirtschaftskompetenz gerühmten FAZ ein solch gravierender Fehler unterläuft, ist peinlich. Aber er blieb nicht auf die FAZ begrenzt.“

3. Malta: Informantin von ermordeter Journalistin stellte sich
(orf.at)
Eine Informantin der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia hat sich der Polizei in Griechenland gestellt. Die frühere Bankangestellte, die per Haftbefehl gesucht wurde, soll entscheidende Unterlagen geliefert haben für die Anschuldigung, dass die Ehefrau des maltesischen Regierungschefs Bestechungsgelder aus Aserbaidschan erhalten habe.

4. Zur Jagd freigegeben?
(journalist-magazin.de, Michael Kraske)
Wer als Reporter von Demonstrationen und Kundgebungen berichtet, bekommt oft zu spüren, wie medienfeindlich die Stimmung vor Ort ist. „Es wird beleidigt, bedroht und nach Kameras geschlagen. Gefahrenzonen sind längst nicht mehr nur Aufmärsche erkennbar extremistischer Organisationen“, schreibt Michael Kraske. Er hat ausführlich mit Journalisten und Polizisten gesprochen, um herauszufinden, welche Maßnahmen die Situation verbessern könnten.

5. Presserat: Lügenpresse-Rufer nehmen Polizei als „Kronzeugen“ gegen Journalisten
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Die deutsche Polizei hat sich in Sozialen Netzwerken eine beachtliche Reichweite aufgebaut. Wie sie diese nutzt, ist mitunter diskussionswürdig, beispielsweise wenn sie die Herkunft von Straftätern nennt. Alexander Fanta schreibt: „Mit immer stärkerem Selbstbewusstsein nutzt die Exekutive ihre amtliche Informationshoheit dazu, selbst ins Rampenlicht zu treten. Dabei zeigt die Exekutive wenig Rücksicht auf die ethische Frage, die durch ihr neues Sendungsbewusstsein aufgeworfen wird. Denn die Polizei entscheidet in der Auswahl der Straftaten, die sie an die Öffentlichkeit trägt, und auch in den Detailinformationen, die sie preisgibt, viel über die öffentliche Wahrnehmung der Fälle mit. Mit der Nennung von Herkunftsländern von Tatverdächtigen macht die Polizei Politik.“

6. Wir haben die Kontrolle über unser Gesicht und unsere Stimme verloren
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Dass sich mit Photoshop Bilder manipulieren lassen, dürfte sich inzwischen rumgesprochen und Menschen beim Betrachten von Fotos vielleicht etwas misstrauischer gemacht haben. Adrian Lobe berichtet nun vom nächsten Schritt: dem Manipulieren von Video- und Audiomaterial. Er befürchtet weitreichende Folgen, sollte dadurch die „Integrität der Information“ nachhaltig korrumpiert werden: „An der Integrität der Information hängt auch die Integrität einer funktionierenden Öffentlichkeit. Ist Journalismus unter den Bedingungen der totalen Manipulation überhaupt noch möglich?“

Julian Reichelts Fehler zwischen Anspruch und Wirklichkeit

„Es fällt mir grundsätzlich leicht, mich zu entschuldigen, wenn wir Fehler gemacht haben. Es ist aber nicht so, dass ich mich über Entschuldigungen freue, gar nicht. Ich glaube aber, dass sie ein wichtiger Teil der journalistischen Aufrichtigkeit und Ausdruck unserer proaktiven Kommunikation sind.“

Julian Reichelt hat am Donnerstag eine neue Imagekampagne gestartet, für sich, für „Bild“. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ sprach der Leiter von Bild.de, der seit Anfang Februar auch Vorsitzender aller „Bild“-Chefredaktionen ist, übers Fehlermachen und übers Entschuldigen. Das falle ihm eben „grundsätzlich leicht“, so wie im Januar, als „Bild“ und Bild.de behaupteten, Sigmar Gabriel werde SPD-Kanzlerkandidat. Als dann rauskam, dass es Martin Schulz wird, entschuldigten sich die „Bild“-Medien und Julian Reichelt für ihren Fehler. Genauso vor vier Tagen, nachdem klar war, dass es den „Sex-Mob“ mit lauter Flüchtlingen, der laut „Bild“ an Silvester durch Frankfurt „tobte“, nie gab.

Ein möglicher Claim für Reichelts Imagekampagne steht ebenfalls im Interview mit dem „Tagesspiegel“:

„Ehrlichstes Medium: Das ist kein Versprechen, das ist der Anspruch an mich.“

Jeder, der daran zweifelt, dass die „Bild“-Redaktionen vorzügliche Arbeit abliefern, könne laut Reichelt seit 40 Jahren nicht mehr überprüft haben, ob das überhaupt stimmt:

Na ja, „Bild“ galt und gilt jetzt nicht in allen Bereichen und bei allen Geschichten als das ehrlichste Medium Deutschlands.

Der überwiegende, der überragende Teil dieser Vorbehalte ist über 40 Jahre alt. Viele, die diese Vorbehalte vor sich hertragen und aktiv verbreiten, haben ihr Weltbild vor 40 Jahren das letzte Mal bei „Bild“ überprüft und geschaut, mit welchem Aufwand wir unsere Inhalte recherchieren.

Hier beim BILDblog überprüfen wir unsere Vorbehalte jeden Tag aufs Neue. Und andauernd finden wir bei „Bild“ und Bild.de Artikel, die faktisch falsch sind, in denen Persönlichkeits- oder Urheberrechte oder beides verletzt werden, in denen „Bild“ auf die Menschenwürde pfeift, in denen das Blatt gegen einzelne Gruppen hetzt oder Material für Hetze liefert.

Uns geht es dabei nicht darum, dass irgendjemand um Entschuldigung bitten soll. Es würde schon längst genügen, wenn ein grundlegendes Interesse darin bestünde, Fehler transparent zu korrigieren — gern ohne großes Pardon.

Ob bei „Bild“ und Bild.de dieses Interesse besteht? Ob das Reagieren auf Fehler so „grundsätzlich leicht“ fällt, wie Julian Reichelt einen gern glauben machen möchte? Und vor allem auch dann, wenn es nicht die spektakulären Fehler sind wie ein falscher Kanzlerkandidat oder ein herbei fantasierter „Sex-Mob“? Da haben wir größere Zweifel.

Wir haben mal unser Archiv durchwühlt und geschaut, ob die „Bild“-Redaktionen im vergangenen Jahr reagiert haben, wenn wir auf Fehler in ihrer Berichterstattung hingewiesen haben. All die Fälle, in denen wir beispielsweise kritisiert haben, dass „Bild“ Persönlichkeitsrechte verletzt, haben wir ausgeklammert. Es ging uns nur um klare Fehler.

Hier eine Auswahl, in chronologischer Reihenfolge:


Die Ruhrgebiet-Ausgabe der „Bild“-Zeitung und Bild.de berichteten am 8. März 2016, dass dem „Wendler-Gitarristen“ bei einem Unfall drei Finger abgerissen wurden. Noch am selben Tag schrieb der „Wendler-Gitarrist“ auf seiner Facebook-Seite, dass das nicht stimmt.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Bild.de berichtete am 16. April 2016, dass ein „Schädlingsbekämpfer“ aus London „Super-Ratten“ gefangen habe, „rund 60 Zentimeter lang, etwa so groß wie Katzen.“ Dazu seien sie möglicherweise noch Kannibalen. Das Foto, das der „Schädlingsbekämpfer“ auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte, stammte allerdings gar nicht von ihm, sondern von „National Geographic“. Und es zeigte auch keine „Super-Ratten“ aus London, sondern Nutrias aus den USA. Und das Foto war bereits drei Jahre alt, als die Bild.de-Redaktion ihre Geschichte veröffentlichte.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Bild.de berichtete am 26. Juli 2016 über eine Studie des „GfK Vereins“, bei der das Ergebnis unter anderem sein soll, dass die „Angst vor Zuwanderung“ gewachsen sei. Das stimmt allerdings gar nicht: Schaut man sich die „GfK“-Umfrage mal genauer an, sieht man, dass nicht nach der „Angst“ gefragt wurde, sondern neutral danach, was die „am dringendsten zu lösenden Aufgaben im Land“ ist. Außerdem bringt Bild.de das Ergebnis auf falsche Weise mit damals aktuellen Terroranschlägen in Verbindung.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Ebenfalls am 26. Juli 2016 behaupteten „Bild“ und Bild.de, dass das Regierungspräsidium Stuttgart „ein Navi-Verbot“ für die Autobahn 8 bei Leonberg verhängt habe. Dabei handelte es sich lediglich um ein Hinweisschild, das die Autofahrer sensibilisieren sollte.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Am 24. August 2016 berichtete Bild.de über eine „Burkini-Razzia am Strand von Nizza“ und zeigte dabei ein Foto mit mehreren Polizisten, die eine Frau auffordern, ihre Klamotten auszuziehen. Die Frau trug nach eigener Aussage aber gar keinen Burkini, sondern eine Leggins, eine Tunika und ein Kopftuch.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite, das Foto ist kommentarlos verschwunden.

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In einem Artikel vom 12. September behauptet Bild.de, dass die Asche des verstorbenen David Bowie bei einer Zeremonie beim Festival „Burning Man“ verstreut worden sei. David Bowies Sohn, die offizielle David-Bowie-Facebookseite und ein Sprecher der Verwaltung des David-Bowie-Nachlasses sagten nach der internationalen Berichterstattung über die angebliche Ascheverstreuung, dass das alles Blödsinn sei.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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„Bild“ und Bild.de verkündeten am 6. Oktober 2016, dass Frank-Walter Steinmeier nicht als Kandidat bei der Bundespräsidentenwahl aufgestellt werde. Steinmeier ist am vergangenem Sonntag zum Bundespräsidenten gewählt worden. Außerdem steht in dem Artikel der „Bild“-Medien: „In der SPD heißt es zudem: Wenn Merkel ‚eine einigermaßen akzeptable Frau‘ als überhaupt erste Anwärterin fürs Schloss Bellevue präsentiere, könnten zumindest die GenossINNEN kaum Nein sagen.“ Dabei gab es mit Luc Jochimsen und Gesine Schwan, Dagmar Schipanski und Uta Ranke-Heinemann, Hildegard Hamm-Brücher und Luise Rinser sowie Annemarie Renger bereits zahlreiche Frauen, die bei der Wahl angetreten sind. Dazu kommt noch Marie-Elisabeth Lüders, die zwar nie offiziell angetreten war, bei der Bundespräsidentenwahl 1954 allerdings eine Stimme bekam.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Gabor Steingart veröffentlichte am 10. Oktober 2016 Passagen aus seinem neuen Buch in „Bild“ und bei Bild.de. Er schimpft darin über das „Europa der Selbstbediener“, was man angeblich auch an einem Supermarkt sehen könne: „Den EU-Parlamentariern in Straßburg steht im Inneren des Parlamentskomplexes ein nur für sie und ihre Mitarbeiter zugänglicher Supermarkt zur Verfügung“. Bloß: Diesen Supermarkt gibt es nicht.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Am 26. Oktober 2016, als der „Horror-Clown“-Hype in vollem Gange war, berichtete Bild.de über einen aktuellen „Horror-Clown“-Auftritt in einer „McDonald’s“-Filiale in Bocholt: „Die Mitarbeiter verstecken sich hinter dem Tresen, etwa 15 Leute laufen in Panik aus dem Laden.“ Das Video, auf dem der Artikel beruht, war schon damals zwei Jahre alt. Und weder zeigt es 15 Leute, die „in Panik aus dem Laden“ laufen, noch sind Mitarbeiter zu sehen, die „sich hinter dem Tresen“ verstecken. Stattdessen hört man ziemlich viel Gekicher und Gelächter.

Der Artikel ist ohne jeglichen Hinweis von der Seite verschwunden.

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Die „Bild“-Medien schrieben am 23. November 2016, dass die Botschaft der Volksrepublik China „chinesische Frauen vor dem Sex-Täter von Bochum“ warne, und dass das chinesische Generalkonsulat in Düsseldorf eine „Reisewarnung“ ausgesprochen habe. Hintergrund ist eine Vergewaltigung einer chinesischen Studentin nahe des Uni-Geländes in Bochum. Es stimmt zwar, dass es einen „konsularischen Hinweis“ gegeben hat, dieser sei allerdings nicht mit einer Reisewarnung zu vergleichen, so eine Sprecherin der chinesischen Botschaft.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Das ungarische Model Barbara Palvin hat für ein Magazin die berühmte Bein-Überschlag-Szene von Sharon Stone im Film „Basic Instinct“ nachgestellt. Und das, so Bild.de am 10. Dezember 2016, „stilecht ohne Höschen“. Auf ihrem Instagram-Account hat Palvin allerdings extra geschrieben: „FYI i am wearing underwear 😉“.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

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Weil an einer türkisch-deutschen Schule in Istanbul zeitweise ein „Weihnachtsverbot“ galt, schaute „Bild“ am 19. Dezember 2016, wo in Deutschland „aus Rücksicht auf Muslime die christlichen Wurzeln des Weihnachtsfestes unterschlagen“ würden. Die Redaktion präsentierte sieben Beispiele. Sechs davon waren falsch.

Wir haben keine Korrektur dieser Fehler in „Bild“ gefunden.

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Bild.de schrieb am 29. Januar 2017, dass der britische Leichtathlet Mo Farah in einem Facebook-Post Donald Trump angegriffen und dabei geschrieben habe, dass der US-Präsident ihn „zu einem Alien gemacht“ habe. Tatsächlich reagierte Farah mit einem Beitrag in dem Sozialen Netzwerk auf Trumps Einreiseverbot für Muslime. Farah wurde in Somalia geboren (später stellte sich allerdings raus, dass das Einreiseverbot für ihn nicht galt). In seinem Facebook-Post schrieb er: „On 27th January, President Donald Trump seems to have made me an alien.“ Dieses „alien“ heißt im Englischen in der Regel so viel wie „Ausländer“ oder „Fremder“ oder „Fremdling“. Und nicht „Alien“.

Der Artikel steht bei Bild.de unverändert auf der Seite.

(Noch einmal: All diese Beispiele stammen nicht von 1977, sondern nur aus den vergangenen zwölf Monaten (wobei wir im Sommer eine zweimonatige Pause beim BILDblog eingelegt hatten). Daneben wird es in dieser Zeit noch zahlreiche weitere Fehler in „Bild“ und bei Bild.de gegebene haben. Wir können hier allerdings nur über jene schreiben, die wir selber mitbekommen, oder auf die uns unsere Leser hinweisen.

Stefan Niggemeier hat drüben bei „Übermedien“ weitere „Bild“-Beispiele „für grob irreführende Berichterstattung“ aus den vergangenen Jahren gesammelt.)

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Ganz am Ende seines Interviews mit dem „Tagesspiegel“ sagt Julian Reichelt noch:

Werden Sie Ihre Entschuldigungen auf eine pro Tag oder eine pro Monat deckeln? Es geht ja streng Richtung Ehrentitel „Chef-Entschuldiger des Axel-Springer-Verlags“.

Den Titel will ich ganz sicher nicht. Ich will nicht die Entschuldigungen deckeln, sondern die Fehler. Aber wo Entschuldigungen notwendig sind, werden wir sie aussprechen.

Das liest sich erstmal wie ein Versprechen für die Zukunft. Sollte es auch schon im vergangenen Jahr gegolten haben, hat Julian Reichelt sich nicht dran gehalten.

Gabor Steingart und „Bild“ pöbeln im Geistersupermarkt gegen die EU

Gabor Steingart, der frühere Chefredakteur des „Handelsblatt“, hat ein neues Buch geschrieben. „Weltbeben — Leben im Zeitalter der Überforderung“ heißt es, und die „Bild“-Medien veröffentlichen seit Montag exklusiv Auszüge daraus. Im heutigen Teil der Serie geht es um die Gier der Manager. Gestern ging es um die Gier der Banken. Und am Montag schrieb Steingart in „Bild“ über die Gier der EU-Beamten:

Bild.de versuchte mit einem „Bild plus“-Artikel auch noch, ein paar Euro damit zu verdienen:

Der Untertitel verrät es schon: Gabor Steingart glaubt nicht, dass die EU viel mit Demokratie zu tun hat („Demokratie ist in der EU daher nicht viel mehr als eine dekorative Zutat, die man nicht aus Überzeugung, sondern als Zugeständnis an den Publikumsgeschmack bei den Planungen berücksichtigt hat“). Sein erster Vorwurf: Die EU-Kommission unterstehe keiner parlamentarischen Instanz:

Die EU-Kommission ist mächtiger als jedes Ministerium, was man schon daran erkennt, dass man die 28 Kommissare weder wählen noch abwählen kann.

Nun zählen die Kommissare ja zur Exekutive der Europäischen Union, entsprechen also in etwa einer Regierung. Und Regierungen werden nur selten gewählt. Keine Ministerin und kein Minister ist je in Deutschland gewählt worden, zumindest nicht direkt vom Volk. Gewählt sind die Parlamente, und tatsächlich hat auch das EU-Parlament ein bisschen mitzureden bei der Auswahl und der Abberufung der Kommissare. Es kann zum Beispiel einzelne Kommissare ablehnen, so geschehen bei Alenka Bratušek aus Slowenien. Das EU-Parlament kann auch einen Misstrauensantrag stellen. Wird er angenommen — was bisher freilich noch nie geschehen ist –, muss die Kommission geschlossen zurücktreten. Außerdem wählt das EU-Parlament den Kommissionspräsidenten. Es mag nicht so mächtig sein wie ein nationales Parlament, aber man kann durchaus davon sprechen, dass das Parlament der Europäischen Union die Kommissare kontrolliert.

Der nächste Vorwurf Steingarts: Die vielen Privilegien, die sich die ganzen EU-Beamten gönnen:

Die höchste Besoldungsstufe in Deutschland ist B11 mit 13 430 Euro, im Vergleich zur höchsten Besoldungsstufe AD16 innerhalb der EU mit einer Besoldung von rund 16 000 Euro.

Man könnte an dieser Stelle natürlich erwähnen, dass es nicht bei allen 32.966 Menschen, die bei der Kommission beschäftigt sind (PDF), um Beamte handelt und dass sie nicht alle Besoldungsstufe AD16 genießen. Tatsächlich gibt es beim Grundgehalt eine große Bandbreite, es beginnt bei 2300 Euro für einen neu eingestellten Assistenten. Ob wirklich „Tausende von Mitarbeitern“ mehr als die nationalen Minister verdienen, wie Steingart schreibt, müsste man sich für jedes Land einzeln anschauen. Für Deutschland dürfte das jedenfalls nicht stimmen — nur die dienstältesten AD16-Beamten der Kommission verdienen mehr als deutsche Bundesminister.

Für solche Genauigkeiten haben Gabor Steingart und die „Bild“-Medien aber keine Zeit. Sie sind bereits beim nächsten Punkt:

Die soziale Absicherung im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter ist europaweit ohne Beispiel.

Was Steingart nicht sagt: Als Beamter der Kommission (was eben nicht jeder Beschäftigte dort ist) muss man bei den meisten Behandlungen 20 Prozent der Kosten selbst tragen. Außerdem gibt es „bestimmte Höchstgrenzen“ bei der Kostenerstattung.

Und dann ist da noch ein EU-Privileg, das Gabor Steingart stört:

Den EU-Parlamentariern in Straßburg steht im Inneren des Parlamentskomplexes ein nur für sie und ihre Mitarbeiter zugänglicher Supermarkt zur Verfügung

Nur: Es gibt diesen Supermarkt nicht. Ein Pressesprecher des Europäischen Parlaments teilte uns auf Anfrage mit:

Das ist Unsinn. Es gibt in Straßburg in den Gebäuden des Europäischen Parlaments keinen Supermarkt. In Brüssel und in Luxemburg gibt es jeweils einen kleinen, aber dort können alle einkaufen, die Zugang zum Parlament haben. Und zwar zu normalen Preisen inklusive Mehrwertsteuer.

Eine Kleinigkeit, natürlich. Aber gerade „im Zeitalter der Überforderung“ sollte man beim EU-Bashing nicht schon beim Abbilden solcher Kleinigkeiten überfordert sein.

Mit Dank an Moritz D. für den Hinweis!

Nachtrag, 13. Oktober: Gabor Steingart hat gestern Abend noch auf unseren Blogpost reagiert.

Es fing damit an, dass der Branchendienst „turi2“ eine kurze Zusammenfassung unseres Blogposts veröffentlicht hat. Steignart antwortete bei Twitter:

„Bild“-Chefin Tanit Koch retweetete und likete fleißig. In einem weiteren Tweet fasste Gabor Steingart dann die „EU-Bestätigung“ zusammen:

Im „Bild“-Artikel mit den exklusiven Auszügen aus Steingarts Buch war allerdings gar nicht von Luxemburg die Rede, sondern von Straßburg. Und daran orientierte sich eben unsere Kritik an dieser Passage:

Sendeschluss, Medien-Honorare, Bundesliga

1. Das war’s dann
(taz.de, Jürgen Gottschlich)
Ein Besuch bei der letzten Mitarbeiterversammlung des türkischen Senders „IMC TV“ brachte die traurige Gewissheit: Der unabhängige, linke Fernsehsender muss dicht machen, die mehr als 100 Mitarbeiter sind arbeitslos. Nun bleibt nur noch der Gang nach Straßburg zum Gerichtshof für Menschenrechte. Doch das kann Jahre dauern und der bisherige Finanzier befürchtet eine Enteignung, sollte er den Sender finanziell unterstützen. Damit seien im türkischen Fernsehen jetzt praktisch nur noch regierungsnahe Kanäle zu sehen.

2. „Tichys Einblick“ – die konservative Alternative
(sueddeutsche.de, Johannes Boie)
Johannes Boie hat sich das Monatsmagazin „Tichys Einblick“ angeschaut, hinter dem der Ex-Chef der „Wirtschaftswoche“ Roland Tichy steckt. „Tichy kann es“, befindet der Autor. Das neue Heft habe eine Auflage von 70 000, erste Abos seien verkauft, Immobilienmaklern und Banken würden Inserate schalten. Unter den Autoren würden sich bekannte Konservative, aber auch „Internetkrawallos“ befinden. „Tichy positioniert sich seriös, profitiert aber selbstverständlich vom Pegida-Narrativ der „Lücken- und Lügenpresse“. Es klingt nur vornehmer bei ihm: Sein Blatt, so schreibt er, sei „für Menschen, die die Nase voll haben vom bevormundenden Mainstream-Journalismus, die selber denken, die die Wahrheit vertragen“. Das stimmt. Jedenfalls solange die eigene Wahrheit ist, dass Merkel dringend abgewählt werden muss.“

3. Medien-Honorare: David gegen Goliath
(carta.info, Laurent Joachim)
Laurent Joachim fragt sich, warum Deutschlands Journalisten in fremden Angelegenheiten so mutig seien, aber innerhalb ihrer Verlage so verzagt. In kaum einer anderen Branche seien die Stundenlöhne so schlecht wie in den Medien. Und kaum irgendwo sonst würden sich die Betroffenen so selten dagegen wehren. Joachims trauriges Fazit: „Inzwischen ist Lohndumping überall so verbreitet, dass keine Krähe einer anderen ein Auge aushacken kann, ohne sich selbst in Verlegenheit zu bringen. Eigentlich ein perfektes Machtsystem samt Schweigekartell.“

4. Erdogan geht gegen Einstellung des Böhmermann-Verfahrens vor
(zeit.de)
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wehrt sich gegen die Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann. Die Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz muss nun über die Beschwerde Erdoğans entscheiden.

5. Seniorbook heißt jetzt Wize.life
(horizont.net, Katrin Ansorge)
Das Netzwerk „Seniorbook“ weicht einem Rechtsstreit mit Facebook aus und benennt sich „freiwillig“ um in „wize.life“. Laut IVW hätte „Wize.life“ im September dieses Jahres 5,9 Millionen Visits verzeichnen können, bei 320.000 registrierten Nutzern.

6. Wie sich das Facebook-Wachstum der Bundesliga-Klubs ins Ausland verschiebt
(andreasrickmann.de)
Der FC Bayern hat 39 Millionen Fans auf Facebook. Doch nicht einmal mehr 10 Prozent kommen aus Deutschland. Ein Trend, der auch bei anderen Bundesligisten zu sehen ist und die Vereine vor neue Herausforderungen stellt, findet Andreas Rickmann. So habe der FC Bayern seine Teamvorstellung im August via Facebook Live auf Englisch gestreamt. Dies sei im Sinne von über 90 Prozent der Facebook-Fans und konsequent am (Facebook) Publikum ausgerichtet gewesen, hätte aber für Unmut bei den heimischen Fans gesorgt. Rickmann spricht von einem Spagat, vor dem gerade Traditionsklubs im Bereich der Internationalisierung stehen würden: „Die Emotionen und Identität der wichtigen deutschen Fans respektieren, die Werte und die Seele des Klubs wahren und zugleich neue Zielgruppen erschließen.“

Panoramafreiheit, Hoax, Bixit

1. „Die Panoramafreiheit ist bedroht“
(zeit.de, Torsten Kleinz)
Eine Urheberrechtsreform auf europäischer Ebene bedroht die Panoramafreiheit: „Wer Bilder im öffentlichen Raum macht, soll vor Veröffentlichung abklären, ob im Foto geschützte Werke wie Skulpturen, Fassaden oder Kunstwerke zu sehen sind und deren Urheber um Genehmigung bitten. Für Deutschland, Großbritannien und viele andere europäische Länder wäre dies ein erheblicher Rückschritt: Wer sich auf öffentlichem Grund befindet, hat hierzulande relativ freie Wahl, was er fotografiert und kann diese Bilder – auch gewerblich – publizieren.“

2. „‚Panoramafreiheit‘: zum Abschuss freigegeben“
(zeitgeisterjagd.de, Matthias Heitmann)
Auch Matthias Heitmann kommentiert die geplante Neuregelung: „Bei ‚Harmonisierungen‘, die Fragen individueller Freiheiten oder Rechte berühren, kann daher fast mit Gewissheit davon ausgegangen werden, dass der Kompromiss, dem die angestrebte ‚Vereinheitlichung‘ zugrunde liegt, sich am restriktivsten existierenden nationalen Regulierungsniveau orientiert, um die Nationenvertreter nicht vor den Kopf zu stoßen und um wütende nationale Debatten zu vermeiden. Lieber passt man sich in Brüssel und Straßburg an diese niedrigen Standards an und versucht, dies möglichst unbemerkt zu tun.“

3. „Teenager veräppelt ‚New York Times'“
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Eine Falschauskunft eines Teenagers an die „New York Times“: „Bei der Zeitung reagierte man prompt, entfernte die Passage und fügte einen Hinweis über den Fehler hinzu.“

4. „Alles falsch – Kleine textile Hoaxsammlung“
(textilegeschichten.net, Suschna)
Suschna stellt den Kontext einiger historischer Fotos klar: „Seiten, denen man gar nicht folgen sollte, so viel Falschinfos werden verbreitet (ganz abgesehen von Copyrightmissachtungen): Alle die irgendwie HistPic, SciencePorn, GlobalPic, BestofSpace, WOWAnimals oder so heißen. In der Regel haben diese Konten Hundertausende Follower und werden immer wieder umbenannt. Sie sind kommerziell sehr erfolgreich. Daher ist es ihnen völlig egal, ob die Bilder, die sie herumschicken, echt sind oder ob die Bildüberschriften stimmen.“

5. „Vor 30 Jahren: Grosser Auftritt im Fernsehen“
(blog.jacomet.ch)
Andi Jacomet blickt zurück auf einen Film, der 1985 im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde: „TV DRS hatte keine Freude an der Qualität unseres Videobandes (jeder Schnitt- und somit Kopiervorgang verschlechterte die Qualität, werte verwöhnte Digitalkids von heute!). Die Fernsehleute verlangten also die Originalaufnahmen und versprachen, sie gemäss unseres Schnittes aneinander zu reihen. Leider missriet da einiges – und die Story wurde noch unverständlicher als sie eh schon war. Das war für mich die erste Lebenserfahrung des Typs ‚gib nie ein Projekt aus der Hand, das dir extrem wichtig ist‘.“

6. „‚Bixit‘: Ökonomen fordern Ausschluss von Bild-Zeitung aus Eurozone, damit Krise in Ruhe gelöst werden kann“
(der-postillon.com)

Ihr EUmel! (6)

Vielleicht müssen wir das anders angehen.

Also, liebe Journalisten: Nein!

Nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
nein,
und nochmals nein!

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist kein „EU-Gericht“!

Und jetzt alle zusammen:

Er ist kein „EU-Gericht“!
Er ist kein „EU-Gericht“!
Er ist kein

Okay, wir geben’s auf. Sie werden es nie lernen.

Verbockt hat es in diesem Fall anscheinend übrigens nicht die AFP (die Überschrift lautet im Original: „Menschenrechtsgericht verurteilt Polen wegen Haft in CIA-Gefängnis“), sondern die Redaktion von Stern.de. Auch die „Süddeutsche“ hatte online aus dem „Menschenrechtsgericht“ zunächst ein „EU-Gericht“ gemacht, bemerkte den Fehler aber selbst.

Der mit Abstand, sagen wir: kreativste Beitrag kommt diesmal aber von der Online-Redaktion von Heute.de.


Im Text ist konsequent vom „EuGH“ die Rede. Das ist aber die Abkürzung des Europäischen Gerichtshofs. Der wäre dann auch, wie es – natürlich – in der Überschrift heißt: ein „EU-Gericht“. Er sitzt allerdings nicht, wie unter dem Bild behauptet, in Straßburg, sondern in Luxemburg. In Straßburg sitzt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (um den es ja auch tatsächlich geht), der wird aber eigentlich mit „EGMR“ abgekürzt. Und den

gibt es überhaupt nicht. Das ist in etwa so, als würde man vom „Bundesverfassungsgerichtshof“ sprechen.

Aber hey: Am Foto gibt’s nichts auszusetzen! Ist ja schon mal ein Anfang.

Mit Dank an levu.

Nachtrag, 30. Juli: Heute.de hat den Artikel unauffällig korrigiert. Stern.de nicht.

Remix, Netzgemeinde, Netzgemüse

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Feldherr im digitalen Krieg“
zeit.de, Kilian Trotier
Kilian Trotier portraitiert den kanadischen Autor, Blogger und Aktivisten Cory Doctorow. Doctorow sei ein klassischer Aktivist, „aber gleichzeitig einer, der einen neuen Typus des Engagierten im öffentlichen Raum“ verkörpere. Doctorow sei „einer der großen Digitalen“ unserer Zeit. Der Habitus der Großen der analogen Welt aber sei ihm völlig fremd. Und tatsächlich ordnet Doctorow seine Aktivitäten selbst eher in einen eher spielerischen Kontext ein, als einen kriegerischen, wie es die Überschrift suggeriert. Doctorow: „Wir sind im ersten Level eines sehr langen und sehr komplexen Spiels. Der Endgegner ist noch lange nicht in Sicht.“

2. „Everything is a Remix Part 4“
everythingisaremix.info, Kirby Ferguson, englisch
Im vierten und letzten Teil seiner Serie „Everything is a Remix“ wird Kirby Ferguson grundsätzlich und behauptet das Urheberrechtssystem in der westlichen Welt seinen ursprünglichen, dem Gemeinwohl dienenden Zweck aus den Augen verloren habe und nun statt des Gemeinwohls zum Selbstzweck und systemzerstörenden Geschäftsmodel geworden sei: „The belief in intellectual property has grown so dominant it’s pushed the original intent of copyrights and patents out of the public consciousness. But that original purpose is still right there in plain sight. The copyright act of 1790 is entitled ‚an Act for the encouragement of learning‘. The Patent Act is ‚to promote the progress of useful Arts.'“

Ein Transcript des Films liegt hier.

3. „How Much Is Enough? We’ve Passed 15 ‚Anti-Piracy‘ Laws In The Last 30 Years“
techdirt.com, Mike Masnick, englisch
Mike Masnik listet die 15 Gesetze zum Schutz von „geistigem Eigentum“ auf, die auf Initiative der Unterhaltungsindustrie in den letzten 30 Jahren in den USA verabschiedet wurden. Offenbar ist der Spruch vom rechtsfreien Raum Internet auch in den USA bei Politikern und Lobbyisten sehr beliebt: „But apparently we’re told that the internet is a ‚lawless wild west‘ when it comes to copyright issues? I think not. All we’ve seen is expansion after expansion after expansion, always using questionable claims of rampant infringement that is supposedly destroying industries.“

4. „Welches Chaos?“
spreeblick.com, Johnny Haeusler
Johnny Haeusler bemängelt, dass die FAZ über die jüngsten Proteste in Griechenland schrob „Athen versank im Chaos“ und der Berliner Tagesspiegel die in Griechenland protestierenden „Chaoten“ nannte, ohne den Blick auf das grosse Ganze zu richten und nach den Auslösern zu fragen. Haeuslers Fazit: „Das Chaos wütet nicht nur auf den Straßen von Athen, sondern auch in den Sälen von Straßburg, Brüssel, Paris, Berlin.“

Den Eindruck, dass Ahnungslosigkeit, blinder Aktionsismus und Chaos grosse Teile der Politik antreiben drängt sich zumindest auf, wenn man Konrad Lischkas Kommentar zu den vorgeschlagenen Massnahmen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung gegen Onlinesucht liest oder Sven Dietrichs Kommentar zur „EU Cookie Richtlinie“.

5. „Das Ende der Netzgemeinde“
indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer
Thomas Knüwer prophezeit das Ende der „Netzgemeinde“, meint damit aber das Ende einer unpassenden Bezeichnung für einen sehr grossen Teil der Gesellschaft. In Deutschland verändere sich laut Knüwer die Haltung gegenüber digitalen Werkzeugen weg von „der German Facebook Angst hin zu mehr Offenheit ohne unkritisch zu sein.“ Knüwer glaubt, dass das auch auch den Abschied vom Begriff der „Netzgemeinde“ bedeute: „Mit jenem wolkigen Begriff versuchen noch immer Politiker und Journalisten den Mythos aufrechtzuerhalten, digitale Themen seien nur etwas, das eine kleine, verschworene Minderheit interessiere, einen Wan Lan Klan in Kapuzzenpullis und mit Irokesenhaarschnitt.“

Wenn es dann bald keine „Netzgemeinde“ mehr gibt, gibt es künftig immerhin noch „Netzgemüse„.

6. „Die Medien als Richter?“
vocer.org, Volker Boehme-Neßler
Der Rechtswissenschaftler und Politologe Volker Boehme-Neßler fordert, dass die Unabhängigkeit der Richter künftig auch durch eine „ausgeprägte Mediensouveränität“ der Richter sichergestellt wird: „Richter müssen sich bewusst werden, dass sie nolens volens durch Medien beeinflusst werden. Die Unabhängigkeit eines Richters wächst in dem Maße, wie er sich seiner Abhängigkeit bewusst wird. Nur wer seine Abhängigkeiten kennt, kann ihnen entgegenwirken. Die in Justizkreisen weit verbreitete Ansicht, Richter seien per se resistent gegen Mediendruck, ist nicht nur sachlich falsch. Sie behindert auch den wirklich souveränen Umgang mit den Versuchungen, Drohungen und Einflüssen der Medien.“

Ihr EUmel! (2)

Als wir hörten, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) heute im Fall einer gekündigten Berliner Altenpflegerin entscheiden wird, wussten wir, es würde heute Arbeit geben. Denn: Zu viele Journalisten glauben immer noch, der EGMR hätte irgendetwas mit der Europäischen Union zu tun, was bekanntlich nicht der Fall ist.

Vorgelegt hatte bereits die „Berliner Morgenpost“, die in ihrer heutigen Ausgabe vor dem Urteil schreibt:

Auf EU-Ebene wird im Fall Heinisch entschieden, ob die Entlassung nicht doch ein Verstoß gegen das Recht auf Meinungsfreiheit ist.

Auf morgenpost.de ist dann auch noch die Überschrift falsch:

Pflegenotstand bei Vivantes: EU entscheidet über Entlassung von Altenpflegerin

Und nach dem Urteil ging es weiter:

Kritik an Vivantes: EU - Kündigung einer Altenpflegerin nicht rechtens

Ahnungslosigkeit auch mal wieder bei „Welt online“:

Gerichtsurteil - Schutz für "Whistleblower": Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern laut EU-Urteil nicht kündigen, wenn sie auf Missstände aufmerksam machen.

Mit Dank an Mark K., Philipp W. und Matthias B.

Nachtrag, 21.20 Uhr: „Welt online“ hat sich unauffällig korrigiert. morgenpost.de hat den eigenen Artikel korrigiert, den übernommenen Print-Artikel aber unangetastet gelassen.

Unterdessen gibt es zwei Neuzugänge im Wettbewerb „Deutschlands begriffsstutzigste Journalisten“zu vermelden.

Den „Westen“:

Urteil: EU-Gerichtshof stärkt Arbeitnehmer bei der Offenlegung von Missständen

Und den in dieser Sache traditionell ahnungslosen „Berliner Kurier“:

15.000 Euro Entschädigung erstritt Heinisch vorm EU-Gericht für Menschenrechte in Straßburg, erreichte für Arbeitnehmer ein wichtiges Urteil. Wer Missstände bei seinem Arbeitgeber öffentlich anprangert, darf nicht fristlos gefeuert werden. Das war in ihrem Fall passiert.

2. Nachtrag, 22. Juli: Und so berichtet die „B.Z.“ heute über den Fall:

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