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Unumstritten renommiert

„BILD bleibt die mit Abstand wichtigste deutsche Tageszeitung! Keine andere Tageszeitung wurde im dritten Quartal häufiger mit Exklusivmeldungen zitiert“,

meldet „Bild“ auf Seite 1 unter Berufung auf das „renommierte Bonner Medienforschungsinstitut Medien Tenor“.

Das ist erst einmal nicht weiter ungewöhnlich, weil auch andere Zeitungen gerne drucken, wie wichtig sie sind – wohl, um es selbst nicht zu vergessen.

Für den Hinweis, dass das stets renommierte Forschungsinstitut zuletzt gar nicht mehr so arg renommiert, sondern, ganz im Gegenteil, eher umstritten war, blieb in der knappen Meldung sicher einfach kein Platz mehr. Medien-Tenor-Beiratsmitglied Mathias Döpfner, nebenberuflich Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, hätte das sowieso nicht gefallen.

„Bild“ am Rande des Merzinfarkts

Morgen wird darüber abgestimmt, wen die CDU als neuen Vorsitzenden oder neue Vorsitzende haben will. Wen die „Bild“-Zeitung als neuen CDU-Vorsitzenden haben will, steht längst fest.

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In den vergangenen Jahren war es bei „Bild“ ziemlich ruhig geworden um Friedrich Merz. Hin und wieder packte die Redaktion nochmal die Steuererklärung-auf-einem-Bierdeckel-Sache aus oder entdeckte Merz „schlank und braun gebrannt“ am Rande irgendeiner Veranstaltung, sonst aber trat der CDU-Mann in der „Bild“-Zeitung kaum in Erscheinung.

Bis vor ein paar Wochen. Am 29. Oktober, keine halbe Stunde nach den ersten Gerüchten zu Angela Merkels Rückzug als Parteichefin, meldete „Bild“ exklusiv:

„Bild“ hatte es — vor allen anderen — „aus dem Umfeld von Friedrich Merz“ erfahren.

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In der Print-Ausgabe stellte „Bild“ am nächsten Tag die Runde der potentiellen Nachfolger vor. An erster Stelle: Friedrich Merz.

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Am nächsten Tag: der Kandidaten-Check. Oder eher: die Verteilung der Labels. Jens Spahn? Der Homosexuelle. Annegret Kramp-Karrenbauer? Die mit dem Doppelnamen. Friedrich Merz? Der Millionär.

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Am nächsten Tag: Titelseite.

Und im Innenteil, nahezu James-Bond-haft:

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Am nächsten Tag:

Auf der gleichen Seite widmete die Redaktion dem Mozart-Messias noch zwei weitere Schlagzeilen (Jens Spahn bekam immerhin eine):

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Am nächsten Tag: noch ein Kandidaten-Check.

Fazit zu Kramp-Karrenbauer?

Konservatives Familienbild und hartes Durchgreifen, Recht und Ordnung bei Migranten. AKK will keine „Mini-Merkel“ sein!

Fazit zu Spahn?

Geförderte auch gefordert werden, Spahn will wirtschaftsliberale Politik, Leitkultur, Recht und Ordnung. Wie Merz ist Spahn der Anti-Merkel.

Fazit zu Merz?

Klare Kante, klare Worte, eigene Meinung! Merz war und ist DER Gegenentwurf zu Kanzlerin Angela Merkel.

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Am nächsten Tag:


Außerdem eine Umfrage. „Wen würden die Deutschen zum CDU-Chef wählen?“ Tada:

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Zwei Tage später:

Antwort: Doch, hätte es wohl, aber fragen kann man ja mal.

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In der nächsten „Bild am Sonntag“:

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Am nächsten Tag:

Selbst die Klatsch-Seite schenkte ihm ein paar Zeilen:

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Zwei Tage später:





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Und damit war sie entfacht, die …

Doch „Bild“ erklärte die Debatte kurzerhand zu einer „Neiddebatte“, und „Bild“-Kommentatoren forderten:

Wir sollten Friedrich Merz nicht daran messen, was er verdient, sondern daran, ob er die Sorgen und Nöte der Menschen hören und verstehen kann! Das ist es, was wirklich zählt.

Und damit war sie dann schon wieder beendet, die „große Debatte um Millionär Merz“.

Außerdem: So abgehoben ist der ja gar nicht!

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Und so stellte „Bild“ weiter die naheliegenden Fragen:

Ergebnis des Experten: „Den größten Respekt hätten die mächtigsten Machos der Welt vermutlich vor Friedrich Merz.“

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Wenig später sprachen die drei Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn auf einer Veranstaltung in Baden-Württemberg. Schlagzeile?

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Kurz darauf veröffentlichte „Bild am Sonntag“ eine große Übersicht, auf der aufgelistet wurde, für welchen Kandidaten die 1001 CDU-Delegierten stimmen wollen. Deutlicher Favorit der Befragten: Friedrich Merz.

Noch am selben Tag erklärten einige der Delegierten, sie hätten überhaupt nicht mit „Bild am Sonntag“ gesprochen.

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Doch die „Bild“-Medien sind in diesen Wochen nicht nur bemüht, die vermeintliche Popularität, die angeblichen Vorzüge und Stärken ihres Wunschkandidaten hervorzuheben, sondern auch seine möglichen Schwachpunkte zu entkräften.

Als Merz etwa mit einer Lobbyisten-Firma in Verbindung gebracht wurde, die für Saudi-Arabien arbeitet, veröffentlichte „Bild am Sonntag“ sogleich ein Statement, in dem Merz beteuerte, er habe „keinerlei Kontakte nach Saudi-Arabien“ und auch „keine Gespräche angebahnt oder anbahnen lassen.“

Auch was die Firma BlackRock angeht („Bild“: die „größte Investmentfirma der Welt!“), für die Merz als Aufsichtsratsvorsitzender und Lobbyist tätig ist, versicherte „Bild“ immer wieder, dass da natürlich alles mit rechten Dingen zugehe:

Der ehemalige Unions-Fraktionschef FRIEDRICH MERZ (62) arbeitet für eine renommierte Kanzlei und ist Cheflobbyist des deutschen Ablegers von „BlackRock“. Anders als oft behauptet, ist „BlackRock“ kein Unternehmen, das SPD-Legende Müntefering „Heuschrecke“ nennen würde. Sein klassisches Geschäftsmodel ist also nicht, Unternehmen zu kaufen, zu zerschlagen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Die größte Investmentfirma der Welt hält aber eine beträchtliche Anzahl von Aktien an Dax-Konzernen.

(„Bild“, 31.10.2018)

„BlackRock ist eine Vermögensverwaltung“

Merz weiß um das (falsche) Image seines bisherigen Arbeitgebers BlackRock als „Finanzhai“ und „Heuschrecke“. Menschen vertrauen dem größten Vermögensverwalter der Welt ihr Geld an; es ist kein aggressiver Fonds. Trotzdem: Diese Flanke wird noch öfter attackiert werden.

(„Bild“, 1.11.2018)

Und selbst wenn bei dem Unternehmen was verdächtig ist, heißt das ja nicht, dass auch bei Merz was verdächtig ist:


(„Bild“-Titelseite, 8.11.2018)

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Gestern dann, auf Seite 2 der Bundesausgabe:

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Und heute, einen Tag vor der Abstimmung beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg:

(Merz natürlich mit Heiligenschein, die anderen ohne.)

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Und was haben die „Bild“-Medien davon, dass sie sich so für Friedrich Merz ins Zeug legen?

Merz klickt sich gut, das beobachtet man in der Redaktion. Und wenn sich ein Thema gut klickt, dann wird nachgelegt.

schrieb die „taz“ vor ein paar Tagen. Doch für „Bild“ geht es nicht nur um Klicks oder um Auflage, es geht um viel mehr: Wenn Merz morgen gewinnt, steht er in der Schuld von „Bild“. Dann kann der Chef der „Bild“-Zeitung jederzeit zum Chef der CDU sagen: „Ohne uns wärst du nicht da, wo du bist. Wir haben was gut bei dir.“ Kein besonders beruhigender Gedanke.

Lösch Dich, Trecker auf der Überholspur, Christine Prayon

1. Schlechte Nachrichten. Zur dreifachen Krise des Journalismus
(arminwolf.at)
Seit 2005 verleiht die Otto-Brenner-Stiftung alljährlich die Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus. Dieses Jahr wurde die Festrede vom renommierten österreichischen Journalisten Armin Wolf gehalten, der sich zur Krise des Journalismus geäußert hat. (Wolfs Rede gibt es auch als Videomitschnitt auf Youtube.)

2. Lösch dich: Wie der Hass im Netz die Politik beeinflusst
(kooperative-berlin.de)
Der Youtuber Rayk Anders und der Journalist Patrick Stegemann haben für ihre Doku über Hater und Trolle („Lösch dich! So organisiert ist der Hass im Netz“) gerade den Otto-Brenner-Preis gewonnen. Im Interview spricht Stegemann über digitale Meinungsbildung, bürgerliches Engagement und die Tatsache, dass sich die Medienkritik zu selten mit Youtube-Inhalten beschäftigt.

3. Die Stasi spielte mit
(zeit.de, Denis Gießler)
Denis Gießler schreibt über das Thema „Videospiele in der DDR“, und das ist nicht nur kulturwissenschaftlich, geschichtlich und politisch interessant, sondern wurde auch äußerst liebevoll grafisch gestaltet.
Weiterer Tipp: „Neuland“ bei „Deutschlandfunk Kultur“. „Die sechsteilige Feature-Serie erzählt vor dem Hintergrund der Geschichte der ostdeutschen Mikroelektronik-Industrie ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit. Im Zusammenspiel vieler kleiner Geschichten und Beobachtungen ergibt sich ein Panorama der DDR kurz vor und nach der Wende.“ Hier gibt es alle Folgen auf einer Seite.

4. Über heilige Kühe und die Grenzen der Satire
(medienblog.hypotheses.org, Natalie Berner)
Die Kabarettistin Christine Prayon ist einem breiteren Publikum als „Birte Schneider“ aus der „heute show“ (ZDF) bekannt. Im Rahmen einer Uni-Veranstaltung hat Prayon 90 Minuten über ihren Werdegang, ihren Antrieb, ihre Arbeitsweise und Haltungsfragen gesprochen.
Video-Tipp des „6 vor 9“-Kurators, Comedy-Highlight und Satire-Evergreen: Christine Prayon liest aus „Nussloch“ von Mario Barth (youtube.com, Video, 4:21 Minuten).

5. Was wir so tun. Eine Woche unterwegs mit Fearless Democracy.
(fearlessdemocracy.org, Gerald Hensel)
Wenn die Macher von „Fearless Democracy“ keine Texte schreiben, sind sie höchstwahrscheinlich auf Achse, sitzen auf Podien oder referieren zum Beispiel über digitale Medien als Propaganda- und Mobbingtools. In einem Blogpost erzählen sie von den vergangenen Veranstaltungen.

6. Mit dem Trecker auf der Überholspur
(deutschlandfunk.de, Angelika Gördes-Giesen)
Für viele überraschend: Unter den fünf meistverkauften Fachzeitschriften in Deutschland beschäftigen sich gleich zwei mit dem Thema Landwirtschaft: das „Wochenblatt“ von Bauernverband, Genossenschaften und Landwirtschaftskammer sowie „Top Agrar“ mit über 90.000 Abonnenten. Es ist vor allem die Mischung aus Fachinformation und Unterhaltung, mit denen die Agrarmagazine punkten.

Repräsentativ daneben, Maaßens „Korrekturbitten“, „Bild“ zahlt

1. Repräsentativ daneben?
(taz.de, Michael Höfele)
Michael Höfele hat sich in der „taz“ mit den Umfragen von „Civey“ beschäftigt, die mittlerweile von fast allen großen Medienhäusern verwendet werden. Das Problem: Die „Civey“-Zahlen würden oft extrem von denen der „etablierten“ Institute abweichen. Was auch an der Methodik liege, die von der Konkurrenz als unzureichend und nicht-repräsentativ kritisiert wird. Anders sehe es nur bei der „Sonntagsfrage“ aus: Hier lägen die „Civey“-Zahlen zwar fast immer beim Durchschnitt der anderen Institute — aber dafür gebe es Indizien, dass „Civey“ bei den anderen Instituten abschreibe.

2. „Bild“ muss Kachelmann erneut Schmerzensgeld zahlen
(ndr.de, Robert Bongen)
Nach „Zapp“-Informationen muss der Axel-Springer-Konzern dem Wettermoderator Jörg Kachelmann wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten nun endgültig insgesamt 530.000 Euro zahlen. Der Bundesgerichtshof habe eine Beschwerde des Unternehmens zurückgewiesen, damit sei das Urteil nun rechtskräftig. Kachelmann kommentiert das Urteil mit der von ihm gewohnten Deutlichkeit: „Der Schmuddelverlag zahlt das zwar alles aus der Portokasse, dennoch ist das Urteil wichtig, weil deutlich wird, dass sich Bild entgegen deren Eigenwahrnehmung nicht außerhalb der Zuständigkeit der deutschen Justiz befindet.“

3. „Korrekturbitten“: Verfassungsschutz-Chef Maaßen hat sich bei diesen sieben Redaktionen beschwert
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
Auch nach Hans-Georg Maaßens Versetzung auf den Posten eines Seehofer-Sonderberaters bleiben Fragen offen, zum Beispiel nach dem Umgang des Geheimdienstchefs mit der Presse. Maaßen hatte mehrere Redaktionen per Anwalt mit „Korrekturschreiben“ überzogen. Der grüne Abgeordnete von Notz hat beim Innenministerium nach den Gründen gefragt.

4. Der BAMF-Skandal ist ein Presse-Skandal
(medium.com, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat beschäftigt sich mit dem sogenannten BAMF-Skandal, von dem nach genauerer Betrachtung wenig übrig blieb: „Heute wissen wir, dass es keinen BAMF-Skandal gab. Stattdessen haben wir es mit einem Presseskandal zu tun. Fahrlässig wurde Verdachtsberichterstattung betrieben. Der Skandal ist, dass es eine Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit den begangenen Fehlern und seinen Folgen nicht gibt. Unserem Metier mangelt es an Orten dafür.“

5. „Sensationsgeilheit“, „Gefährdung der Demokratie“: Journalismus-Professor rechnet mit Döpfners BDZV-Rede ab
(meedia.de, Klaus Meier)
Springer-Chef Mathias Döpfner hat als Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger auf dem BDZV-Kongress eine, nun ja, bemerkenswerte Rede gehalten: Zeitungen würden zu wenig und zu wenig prominent über die Straftaten von Asylbewerbern, Flüchtlingen und anderen Ausländern berichten. Dem widerspricht nun Journalismus-Professor Klaus Meier in einem offenen Brief an Döpfner: „Noch größer zu berichten, wie Sie es fordern, wäre Sensationsgeilheit und würde unser vertrauensvolles Zusammenleben und damit die Demokratie im Kern gefährden.“

6. Medien als Spielzeuge von Milliardären
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Es ist fast ein wenig lustig: Ausgerechnet die Milliardäre aus der Internet- und Technologie-Branche, die für die Print-Krise mitverantwortlich sind, betätigen sich als Mäzene und übernehmen traditionsreiche Zeitungen und Nachrichtenmagazine. Nach „Washington Post“, „Los Angeles Times“ und „South China Morning Post“ jüngst das renommierte „Time Magazine“. Adrian Lobe geht den Strategien und Interessen der neuen Verleger nach.

Facebook nachhaltig geströert, Rechter Rand, Onlineaktivismus

1. Wie der Werbegigant Ströer Millionen Facebook-Fans heimlich für Werbung benutzt — und dabei ihre Communities zerstört
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Anscheinend hat sich der Werbegigant Ströer trickreich ein ganzes Portfolio von Facebookseiten zugelegt, die er für seine Werbekunden mit Clickbait-Beiträgen überzieht. Karsten Schmehl hat ein Netzwerk von 61 Seiten identifiziert über die das Unternehmen insgesamt 20 Millionen Fans erreicht, darunter „Unnützes Wissen“ (800.000 Likes), „Wir Kinder der 90er“ (600.000 Likes) oder „Dinge, die eine Erzieherin nicht sagt“ (130.000 Likes). Manches deute darauf hin, dass Ströer zumindest einige der Facebookseiten von Privatpersonen gekauft haben könnte und jetzt als Link-Abwurfhalde für diverse renommierte Kunden nutzt. Abgesehen davon, dass dies gegen die Facebookregeln verstoßen würde, erscheint die Vorgehensweise wenig nachhaltig: Die derart genutzten Seiten haben teilweise katastrophal schlechte Interaktionsraten. Es hagelt Beschwerden aus den jeweiligen Communities, die sich verraten und missbraucht fühlen.

2. „Das ist ganz klar eine Kampagne“
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff & Michael Borgers, Audio, 6:38 Minuten)
Im „Deutschlandfunk“ hat sich Georg Restle, Redaktionsleiter des ARD-Politmagazins „Monitor“, zu der Debatte um den Begriff „Hetzjagd“ geäußert. Restle hatte in einem „Tagesthemen“-Kommentar Verfassungsschutzchef Maaßen aufgefordert, Beweise für seine Statements vorzulegen, und war dafür vom AfD-Politiker Jörg Meuten als „Hofschranze Merkels“, dem „das ein oder andere Tässchen fehlen könnte“, bezeichnet worden. Restle hält den Streit um Begriffe und die Echtheit eines Videos für eine „groteske Debatte“, die vom eigentlichen Thema ablenke: Deutschland erlebe eine „Mobilisierung des rechtesten Randes der Republik“.

3. „Einstellungen ändern sich nicht durch Hashtags“
(zeit.de, Jakob von Lindern)
Nach den fremdenfeindlichen Übergriffe in Chemnitz kam es zu Gegenprotesten: 65.000 Menschen versammelten sich zu einem Konzert, Tausende versahen auf Facebook und Twitter ihre Profile und Beiträge mit dem Hashtag #wirsindmehr. Doch erreicht diese Form des Protests etwas? Die Politikwissenschaftlerin Sigrid Baringhorst spricht im Interview mit „Zeit Online“ über die politische Wirkung von Onlineaktivismus und erklärt, warum die Präsenz auf der Straße so wichtig ist.

4. Zwischen Empörung und Framing — Impulse der Tutzinger Radiotage 2018
(danielfiene.com)
Derzeit finden die 14. Tutzinger Radiotage an der Akademie für Politische Bildung statt. Daniel Fiene ist vor Ort und notiert seine Gedanken und Erkenntnisse auf seinem Blog. Ein bisheriger Schwerpunkt: das wichtige Thema Framing.

5. Neue Recherche-Kooperation aus rbb/“T-Online“
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Nach dem Recherchezusammenschluss von NDR/WDR/“SZ“ tut sich eine weitere Kooperation von privatwirtschaftlichem und öffentlich-rechtlichem Medium auf: Das Onlineportal „T-Online“ recherchiert und publiziert nun gemeinsam mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Strategische Kooperationen von öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sind umstritten, auch wegen des Vorwurfs der Markenwerbung und Quersubventionierung.
Weiterer Lesehinweis: RBB lädt die ARD ins „Waldorf Astoria“: „Für den Rundfunk Berlin-Brandenburg ist es eine Art Sparmodell: die ARD-Hauptversammlung im Fünf-Sterne-Hotel“ (tagesspiegel.de, Joachim Huber).

6. Anja Reschkes Tipp für mehr Selbstvertrauen: „Denk an den Chef, der die größte Pfeife ist. So gut kriegst du das auch hin“
(editionf.com, Celia Parbey)
„Edition F“ hat am Rande des in Berlin stattfindenden „Female Future Force Day“ mit der Journalistin Anja Reschke („Panorama“, „Zapp“) gesprochen. Dabei geht es um die Fragen, wie man mit Hass im Netz umgeht, was geschehen muss, damit mehr Frauen es in Führungspositionen im Journalismus schaffen, und wie es um die Zukunft des investigativen Journalismus steht.

„Bild“-Wutschäumer, SR-Facebook-Kapitulation, Burdas Siegelgeschäft

1. Ein Jammer, aber echt
(spiegel.de, Andreas Borcholte)
Die „Bild“-Zeitung bezeichnet Mesut Özils Rückzug aus der deutschen Nationalmannschaft als „Jammer-Rücktritt“ und wirft ihm Selbstgerechtigkeit vor. Ignoranter geht es kaum, findet Andreas Borcholte: „… wie die „Bild“-Redakteure in ihrer sogenannten „Analyse“, beinahe jeden Satz, jede Aussage Özils diskreditieren, mit rhetorischem Schaum vor dem Mund immer wieder „kompletten Unfug“, „pures Selbstmitleid“ oder „Starrsinn pur“ einwerfen und dem Sportler ein Weltbild vorwerfen, das „gefährlich nah an Erdogan“ sei, das ist infam.“
Dazu auch: Die «Bild» erklärt den Özil-Rücktritt — ohne das eigene Blatt nochmals zu lesen ¯\_(ツ)_/¯ (watson.ch, Christoph Bernet)

2. Saarländischer Rundfunk kapituliert vor Facebook-Mob
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Als der Saarländische Rundfunk (SR) einen einminütigen Bericht über eine Demo zur Seenotrettung auf Facebook stellte, ergoss sich dort ein Schwall unschöner Kommentare. Der Sender wusste sich nicht anders zu helfen, als den Beitrag komplett zu löschen, und wird dafür nun vom Veranstalter der Demo kritisiert: „Eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt darf der kleinen lauten Gruppe digital organisierter Rechter nicht so nachgeben. Keine Debatte ist unmoderierbar.“

3. Eichstätter Aufruf zu Achtsamkeit, Respekt und Wahrhaftigkeit beim Thema Flucht und Migration
(netzwerk-medienethik.de, Theresa Wasserer)
Das „Netzwerk Medienethik“ macht auf den „Eichstätter Aufruf zu Achtsamkeit, Respekt und Wahrhaftigkeit beim Thema Flucht und Migration“ vom Anfang des Monats aufmerksam. Dort heißt es unter anderem: „Wir fordern daher alle gesellschaftlichen Mitglieder, insbesondere aber die Eliten in Politik, Wissenschaft, Medien und Journalismus auf, sich ihrer Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Gemeinwohl bewusst zu werden. Dazu ist Achtsamkeit in der Wahl der Worte ebenso notwendig wie Wahrhaftigkeit, also das wechselseitige Vertrauen in die Ehrlichkeit der Argumente.“

4. Nachrichtenchef Froben Homburger im Interview: Wie dpa Eilmeldungen vor Twitter-Fakes schützt
(kress.de, Bülend Ürük)
Der Nachrichtenchef der dpa Froben Homburger spricht im Interview über den Umgang der Agentur mit Tweets, die Breaking-News-Potenzial haben. Um nicht auf Fakes hereinzufallen, hat die dpa ihre internen Regeln überarbeitet. Das Dilemma: „Die Dynamik aufregender Newslagen hat immer das Potenzial, die Sorgfalt zu killen: Warum als einziger das Tempo-100-Limit beachten, wenn um mich herum alle ungestraft 220 fahren und beim Überholen auch noch triumphierend hupen?“

5. Ist der Guardian auf dem Weg zum Online-only-Titel?
(wuv.de, Franz Scheele)
Der renommierte britische Zeitungsklassiker „Guardian“ ist nun auf eine Auflage von 138.000 geschrumpft und verkauft damit weniger Exemplare als so manche Regionalzeitung in Deutschland.

6. Burda News gelingt Trendwende dank „Siegelgeschäft“
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die Verlagsgruppe Burda News („Focus“, „TV Spielfilm“, „Playboy“ etc.) gelingt gerade die Trendwende: Nach mehreren Verlustjahren, meldet der Konzern steigende Einnahmen. Das klassische Printgeschäft schrumpft zwar weiterhin, aber die Einnahmen aus anderen Erlösquellen wachsen. Hierzu zählt auch der Verkauf der teilweise umstrittenen Siegel, mit denen sich Unternehmen schmücken können.

Mit nicht existenten Mordaufrufen Stimmung machen. Oder soll man es lassen?

Ich ärgere mich gerade. Ich ärgere mich über Journalisten angesehener Medienhäuser, die von einem Mordaufruf gegen sie berichten, den es nicht gibt. Ich ärgere mich über Journalisten, die ihre Redlichkeit und das Vertrauen in ihre Verlage beschädigen und damit Kollegen beleidigen, die tatsächlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Die manipulative, weil Mitleid- und Solidarität-triggernde Empörungs-Tweets absetzen, welche den Verdacht nahelegen, dass sie mit dem Mittel der Täter-Opfer-Umkehr von eigenen Fehlern ablenken wollen. Und ich ärgere mich über Journalisten, die all das Mordaufruf-Gerede nachplappern, weil es ihnen in ihr Weltbild passt.

Doch der Reihe nach.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte vergangenen Donnerstag ein Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung von Geflüchteten. Massive Kritik gab es vor allem für die in der Überschrift formulierte Frage „Oder soll man es lassen?“, wohl auch, weil aus ihr nicht klar hervorging, dass mit „es“ nur die private Seenotrettung gemeint war und nicht die Seenotrettung im Allgemeinen:

Ausriss Die Zeit - Oder soll man es lassen?

In einem „SZ“-Kommentar kritisiert Heribert Prantl die „Zeit“. Man dürfe Menschen nicht als Sache betrachten und behandeln. So ein Pro & Contra sei vielleicht gut gemeint, aber nicht gut. Es relativiere die Menschenwürde:

Wer sich auf eine solche Denkweise einlässt, der landet bei der Folter und bei der Todesstrafe.

Auch die Publizistin Ingrid Brodnig beanstandet die Fragestellung. Diese sei ein Beispiel für „False Balance“ im Journalismus: Journalisten seien darauf gedrillt, „beide Seiten“ zu beleuchten. Dies führe im schlimmsten Fall dazu, dass menschenfeindliche Positionen denkbare Optionen werden:

Es ist ein Irrtum, dass ausgewogener Journalismus bedeutet, man gibt allen Meinungen Raum — egal wie menschenfeindlich oder faktenfern sie sind. Dieses Streben nach „alle Seiten müssen vorkommen“ kann im Journalismus dazu führen, dass wir plötzlich Menschenrechte infrage stellen.

Bei „Deutschlandfunk Kultur“ kritisiert Journalistik-Professor Klaus-Dieter Altmeppen die von der „Zeit“ gewählte Form des Beitrags:

Man kann diese Frage natürlich stellen, aber dann muss sich die „Zeit“ auch die Frage gefallen lassen, was das denn soll, diese Frage zu stellen.

Es sei ganz einfach eine Frage von Humanität und Menschenwürde, Leben zu retten. Und da gebe es kein Contra.


Doch hier soll es nicht vornehmlich um die inhaltliche Bewertung des „Zeit“-Artikels gehen, sondern um die Legende vom Mordaufruf gegen „Zeit“-Redakteure.

Der Versuch einer Chronologie - 12. Juli 2018, 12:04 Uhr

Auf Twitter reagiert „Titanic“-Chefredakteur Tim Wolff auf die vielerorts als unanständig und inhuman empfundene „Zeit“-Überschrift mit einer gespiegelten, ebenso unanständigen und inhumanen Gegenfrage samt Pro-Contra-Abstimmung:

Screenshot des Tweets von Tim Wolff - Zeit-Mitarbeiter auf offener Straße erschießen? Wahlmöglichkeiten: Pro und Contra

(Mittlerweile wurde der Tweet von Twitter gelöscht. Zunächst war Wolff mehrfach mitgeteilt worden, dass Beschwerden vorlägen, denen man jedoch nicht stattgegeben habe. Inzwischen hat Twitter offenbar seine Meinung geändert, den Tweet gelöscht und Wolff mit einer zwölfstündigen Sperre belegt.)

12. Juli 2018, 13:55 Uhr

Der renommierte Medienmanager und ehemalige Chefredakteur von „Zeit Online“ Wolfgang Blau kommentiert:

Screenshot des Tweets von Wolfgang Blau - Zwei Wochen nach dem Amoklauf bei der Capital Gazette schlägt der Chefredakteur des Magazin Titanic vor, Journalisten zu erschießen und einer Autorin das Gesicht mit heißem Wasser zu verbrühen. Und sagt, dann bestimmt das sei Satire. Nein, das ist Aufruf zum Mord.

Nun ist es aber recht offenkundig, dass der Wortlaut des Tweets von Tim Wolff einen derartigen Mordaufruf nicht hergibt. Nur zur Erinnerung: Der „Titanic“-Chefredakteur reagierte mit einer ungehörigen Gegenfrage auf eine aus der Sicht von vielen ungehörige Frage (die, was wir am 12. Juli noch nicht wissen, der verantwortliche Redakteur später selbst als Fehler bezeichnen wird).

Die gespiegelte Gegenfrage stellt vor allem ein rhetorisches Mittel dar. Sie ist ein Vergleich, der verdeutlichen soll, wie unverschämt die Denkweise ist, die einer solchen Frage zugrunde liegt. Vielleicht ist es daher noch nicht mal Satire, sondern nur sehr zugespitzte Gegenrede. Man kann Wolffs Gag gut finden oder auch nicht. Was er auf jeden Fall nicht ist: ein ernst gemeinter Mordaufruf. Und das ist jedem klar, der soweit alphabetisiert ist, dass er aus einem Zusammenhang sinnentnehmend lesen kann.

Das Märchen vom Mordaufruf macht unter Journalisten dennoch weiter die Runde.

12. Juli 2018, 15:05 Uhr

Nun lässt die Chefredakteurin der „Deutschen Welle“ ihrer Empörung freien Lauf:

Screenshot des Tweets von Ines Pohl - Was soll das? Schaut Euch mal um in der Welt, solche Aktionen sind weder lustig noch öffnen sie irgendwelche Perspektiven. Das ist schlicht Aufruf zum Mord. Pfui!

12. Juli 2018, 21:31 Uhr

Und „FAZ“-Redakteur Philip Plickert schreibt:

Screenshot des Tweets von Philip Plickert - Zeit-Redakteurin fragt, ob die private Seenotretter im Mittelmeer nicht auch Schlepperei ermuntern und ob dieses Retten von Migranten wirklich richtig ist. Dafür gibt es jetzt Tötungsaufrufe gegen Zeit-Mitarbeiter. Sagt viel über unsere Refugees-Welcome-Fanatiker.

Hier ließe sich einiges anmerken: Zum Setzen des Wortes Seenotretter in Anführungszeichen und der dadurch deutlich gemachten Unterstellung, es handele sich gar nicht um eine Rettung, oder zum diffamierenden Ausdruck „Refugees-Welcome-Fanatiker“. 
Doch bleiben wir bei der Legende von den „Tötungsaufrufen gegen „Zeit“-Mitarbeiter“.

12. Juli 2018, 21:38 Uhr

Nur wenige Minuten später twitterte der verantwortliche „Zeit“-Redakteur Bernd Ulrich:

Screenshot des ersten Tweets von Bernd Ulrich - Ich habe heute am eigenen Leib mitbekommen, wie es ist, wenn die flüchtlingsfreundliche Gemeinde ins Gefecht zieht. Arsch offen, Zeit-Redakteure töten? Zivilisationsbruch, die Zeit aus dem Diskurs raus, mit Kaffee verbrühen, maßlose Enttäuschung.
Screenshot des zweiten Tweets von Bernd Ulrich - ich kann besser erspüren, warum Leute aus Trotz weiter nach rechts gehen. Ich bin kein fragiles Gemüt, bei mir wird das nicht passieren. Aber man sollte schon mal überlegen, ob Humanismus mit nichthumanem Sprechen erreicht werden kann. Gute Nacht Freude

Auch hier könnte man einiges anmerken, zum Beispiel zum selbstmitleidigen und passiv-aggressiven Duktus und dem abschätzigen Gerede von der „flüchtlingsfreundlichen Gemeinde“, die gegen Ulrich und die „Zeit“ angeblich ins „Gefecht“ gezogen sei. Zur Wortwahl und Rechtschreibung, die wohl Emotionalität und Nachdenklichkeit signalisieren soll. Oder zu dem kühnen Vorwurf, dass derartige Kritik für den Rechtsruck in Deutschland verantwortlich sei. Hier soll es jedoch nur um die Bemerkung „Zeit-Redakteure töten?“ gehen, die sich auch bei Ulrich wiederfindet.

13. Juli 2018

Und die beim Deutschen Journalisten-Verband einzieht. Dort kommentiert Hendrik Zörner im hauseigenen Blog:



Geht’s noch? Da ersaufen im Mittelmeer täglich Menschen, die Armut und Unterdrückung in ihren Heimatländern entkommen wollen. Hierzulande entspinnt ein Blatt eine akademische Diskussion über das Für und Wider von Humanität. Und unter dem Deckmantel der Satire wird ein kaum verdeckter Mordaufruf in die Welt gesetzt.

Noch einmal: Beim Tweet des „Titanic“-Chefredakteurs handelte es sich eindeutig nicht um einen Mordaufruf. Tim Wolff erklärt seine Technik mit folgenden Worten:

Ich kenne keine andere Methode, so jemanden in dieser kalten Routine der Bestätigung der mörderischen Verhältnisse zu stören, als ihn kurz spüren zu lassen, wie es sich anfühlt, wenn die eigene körperliche Versehrtheit öffentlich lässig verhandelt wird.

Bleibt die Frage, ob es sich bei der viral gestreuten Mordaufruf-Legende um Vorsatz oder Fahrlässigkeit handelt. Echte Sorgen scheinen sich die Empör-Journalisten jedenfalls nicht gemacht zu haben: Von dem naheliegenden Gang zur Polizei und dem Stellen einer Anzeige ist nichts bekannt. Auch nicht bei der „Titanic“, bei der wir extra nochmal nachgefragt haben.

Weitere Echo-Echos, Unglücklicher Vorfall, Affen-Selfie mit Präzedenz

1. Nächster Künstler gibt Echo zurück
(spiegel.de)
Der Skandal um die Echo-Vergabe geht in die nächste Runde: Nach dem Notos-Quartett gibt nun auch Lebenswerk-Preisträger Klaus Voormann seinen Echo zurück. Voormann sieht sich von der veranstaltenden Musikindustrie hinters Licht geführt: „Meinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken und mich derart ins offene Messer laufen zu lassen, indem man uns beide und große Teile des Saalpublikums damit in Schockstarre versetzt hat — und das, obwohl wir nicht eine Textsilbe verstanden haben –, zeugt nicht für die Wertschätzung einer Lebenswerk-Auszeichnung“.

Wolfgang Niedecken äußert sich in einem längeren Facebook-Statement ähnlich empört: „Das Dilemma bleibt aber unbehandelt, denn es ist nur in einem völlig scheinheiligen Umfeld möglich, dass skrupellose Menschen nach der Devise „Any Promotion Is Good Promotion“ überhaupt in die Lage versetzt werden eine ECHO-Verleihung zu kapern und alle am Nasenring vorzuführen. Klaus und mich haben die Veranstalter ganz einfach ins Messer laufen lassen.“
Weiterer Lesetipp: Mit „Warum haben Sie sich Ihrer Verantwortung entzogen?“ wendet sich die Schweizer Sängerin Sophie Hunger an den Ethik-Beirat des Echo-Musikpreises: „Ihre Entscheidung war katastrophal“ (faz.net)

2. Russischer Investigativ-Journalist stirbt nach Sturz von Balkon
(faz.net)
Der russische Investigativjournalist Maxim Borodin ist vom Balkon seiner Wohnung gestürzt und gestorben. Borodin hatte zuvor über Moskaus „Schattenarmee“ in Syrien berichtet. Der OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien zeigt sich besorgt und fordert eine rasche und gründliche Untersuchung. Die russischen Behörden sehen dafür jedoch keinen Anlass und gehen von einem „unglücklichen Vorfall“ aus.

3. So viele Podcasts, so wenig Kritik
(inkladde.blog, Nicola Wessinghage)
Podcasts sind ein Erfolgsformat und werden mittlerweile sogar von etablierten Medien produziert. Der Hype endet jedoch bei der Podcast-Kritik: Mit dem Inhalt von Podcasts wird sich bei den Medien nur selten beschäftigt. Nicola Wessinghage hat über Anforderungen einer Podcastkritik nachgedacht und sich in der Medienlandschaft nach bestehenden Ansätzen umgeschaut.

4. New York Times für Weinstein-Enthüllungen mit Pulitzer-Preis ausgezeichnet
(sueddeutsche.de)
Die „New York Times“ und „The New Yorker“ haben für ihre Berichterstattung rund um den Fall Harvey Weinstein den renommierten Pulitzer-Preis bekommen. Die „New York Times“ bekam noch einen zweiten Preis. Sie wurde zusammen mit der „Washington Post“ für ihre Berichterstattung über mögliche Verbindungen zwischen dem Team von US-Präsident Donald Trump und der russischen Regierung ausgezeichnet.

5. Russische Behörden blockieren Messenger-Dienst
(deutschlandfunk.de, Thielko Grieß)
Die russische Telekommunikationskontrollbehörde lässt derzeit nach und nach den Zugang zum „Whatsapp“-Konkurrenten „Telegram“ sperren. Der Grund: Der in Russland überaus populäre Messenger erlaubt eine verschlüsselte Kommunikation.

6. Streit über Affen-Selfie geht weiter: Vergleich hinfällig, Urteil angekündigt
(heise.de, Tilman Wittenhorst)
Die Posse um das Affen-Selfie nimmt eine überraschende Wende: Eigentlich hatten sich die klagende Tierschutzorganisation und der Fotograf nach jahrelangem Rechtsstreit in einem Vergleich geeinigt. Das Gericht hat dies jedoch abgelehnt und ein Urteil angekündigt. Und hat dafür durchaus nachvollziehbare Gründe.

Ausgehetzt: Rönsch-Festnahme, Causa Facebook, Der Hass der Rapper

1. Deutsche Ermittler nehmen untergetauchten Rechtsextremen in Budapest fest
(sueddeutsche.de, M. Hoppenstedt & S. Hurtz & D. Mützel & S. Pittelkow & K. Riedel)
Deutsche Ermittler haben den untergetauchten Rechtsextremen Mario Rönsch in Budapest festgenommen. Rönsch soll die Hetzseiten „Anonymous.Kollektiv“ und Anonymousnews.ru betrieben haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, über den Online-Shop „Migrantenschreck“ hunderten Deutschen illegale Waffen verkauft zu haben.

2. Imageschaden und Werbeeinbußen
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster)
Mögliche Werbeverluste und drohende Milliardenstrafen: Der Datenskandal könnte für Facebook teuer werden. Der „Deutschlandfunk“ hat sich mit Dennis Horn über die wirtschaftlichen Folgen der Causa „Cambridge Analytica“ unterhalten.

Weiterer Lesetipp: Facebook-Großkunden drohen mit dem Exodus (sueddeutsche.de, Kathrin Werner)
Unterdessen hat Mozilla eine Browsererweiterung vorgestellt, mit der Facebook-Nutzer ihre Privatsphäre besser schützen können, den „Facebook Container“.

Und noch ein Lesetipp: Wie die „Zeit“ berichtet, wollen EU-Parlamentarier mit dem Facebook-Whistleblower Christopher Wylie über mögliche Einflussnahmen auf den Brexit sprechen.
Für iPhone-Besitzer interessant: iOS-Entwickler warnt: Fotofreigabe erlaubt Apps tiefe Einblicke (heise.de, Leo Becker). Ein iOS-Entwickler weist auf die Problematik hin, die dadurch entstehen könnte, wenn iPhone-Apps Facebooks „Software Development Kit“ verwenden. Dann ließen sich „tausend Fotos pro Minute“ direkt auf dem Gerät auswerten und Alter und Geschlecht der abgebildeten Personen sowie weitere Bildinhalte erfassen.

3. Jetzt also doch: Wir erhalten die Akkreditierung bei der EU
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Es bedurfte erst einigen öffentlichen Drucks, um eine Akkreditierung von Netzpolitik.org bei der EU-Kommission durchzusetzen. Die EU-Kommission hatte der Nachrichten-Website zu digitalen Freiheitsrechten und anderen netzpolitischen Themen zunächst den Zugang verwehrt. Mit einem merkwürdigen Grund: „netzpolitik.org“ sei keine Medienorganisation. Nun hat die Kommission eingelenkt, doch die Handhabung der Akkreditierung bleibt generell problematisch und wirft einige Fragen auf.

4. Eine Frau ist kein Hulk
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
„Spiegel“-Kolumnistin Margarete Stokowski beschäftigt sich mit einer seltsamen journalistischen Erkrankung:„Es ist eine Art Virus. Journalistinnen und Journalisten schreiben Texte über Frauen, die irgendwas auf die Reihe bekommen, und schaffen es traurig oft nicht, ihre Verwunderung darüber geheim zu halten, dass diese Frauen aussehen wie Frauen eben oft aussehen und nicht so, wie Leute sich eine durchgedopte ukrainische Kugelstoßerin vorstellen.“

5. «Facebook hat lange ein Auge zugedrückt»
(republik.ch, Adrienne Fichter)
Die Sozialwissenschaftlerin Zeynep Tufekci forscht zu den sozialen und politischen Auswirkungen von Plattformen wie Facebook. Die „Republik“ hat sich mit der renommierten Wissenschaftlerin über die derzeitige Situation unterhalten und weshalb auch die europäische Datenschutzverordnung einen Fall wie Cambridge Analytica in Zukunft nicht verhindern wird. Tufekci sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wir brauchen einfach eine dringende Debatte, warum welche Daten gespeichert werden, wann es Sinn macht, wann nicht. Diese kommerzielle Vorratsdatenspeicherung. Das sollten wir jetzt dringend angehen.“

6. „Fick die Cops“ – Wieso hassen Rapper die Polizei? | STRG_F
(youtube.com, Johannes Edelhoff, Video, 23:38 Minuten)
Woher kommt der Hass vieler Rapper auf die Polizei? Warum wird in den Texten etlicher Hip-Hop Songs gegen die „Cops“ gerappt? Johannes Edelhoff hat mit Rappern, Fans und Polizisten gesprochen.

Insektensterben, Social-Media-Verifikation, Gladiatoren-Trash-TV

1. Insektenschwundleugner gegen Untergangspropheten
(riffreporter.de, Christian Schwägerl)
Am 18. Oktober veröffentlichte „Plos One“, die internationale Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science, eine Studie mit dem Titel „Mehr als 75 Prozent Rückgang der Biomasse von Fluginsekten in 27 Jahren in Schutzgebieten“. Dem zugrunde lagen Untersuchungen des Krefelder Entomologischen Vereins an insgesamt 63 Standorten, mehrheitlich in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Die Reaktionen in Politik und Medien fielen je nach Interessenlage und Weltsicht aus. Manche waren gar „postfaktisch“. Christian Schwägerl hat die irreführenden oder falschen Darstellungen zusammengestellt und eingeordnet.
Nachtrag: Das „RWI Essen“ hat das Thema Insektensterben bereits zweimal in seiner Rubrik „Unstatistik des Monats“ zum Thema gemacht und übt Kritik an der Berichterstattung der Medien: Teil 1, Teil 2.

2. Ein Plan zur Rettung des Journalismus
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
„Deutschlandfunk“-Kolumnistin Silke Burmester hat sich einen Plan zur Rettung des Journalismus ausgedacht: Wer den Beruf nicht ernst nehme oder nicht auf das Geld angewiesen ist, solle etwas anderes machen. Burmester denkt dabei an die zahlreichen Rentner, Hobby-Reporterinnen und Jungjournalisten, die das Dumpingsystem der Verlage indirekt unterstützen. Im Wegfall dieser Journalistengruppen sieht sie Vorteile auf allen Seiten: „Die Lokalredakteure verplempern ihre Zeit nicht länger mit den Grützentexten der Opa-Reporter, die Frauen finden mehr Zeit für ihr Erdbeerkuchen-Blog und die Jungjournalisten werfen nicht bereits mit dem Berufseinstieg ihre Selbstachtung über Bord.“

3. Die Lücke aus Medienverboten und Selbstzensur füllen
(sueddeutsche.de, Christiane Schlötzer)
Unmittelbar nach dem Putschversuch in der Türkei im vergangenen Jahr floh der Journalist Yavuz Baydar ins Exil. Von dort aus schrieb er für viele renommierte Medienhäuser. Seit neuestem ist der 61-Jährige wieder Chefredakteur, und zwar für ein neues dreisprachiges in London produziertes Online-Medium mit dem Namen „Ahval“. Die Website erscheint für ein internationales Publikum auf Englisch, auf Türkisch, um eine öffentliche Diskursplattform zu bieten, und auf Arabisch, weil es in der arabischen Welt ein ungebrochen großes Interesse an der Türkei gebe. Finanziell sei die Plattform mit der Verlegergruppe „Al Arab Publishing“ verbunden, man habe jedoch „völlige journalistische Freiheit“.

4. Quiz-Reihe: Social-Media-Inhalte verifizieren
(onlinejournalismus.de, Fiete Stegers)
Auf der Suche nach einem netten Zeitvertreib, der über die üblichen Themen wie Puzzle, Kreuzworträtsel, Sudoku oder dem Legen von Patiencen hinausgeht? Dann könnte die Verifikation von Social-Media-Inhalten das Richtige sein. Die Journalistin Julia Bayer („Deutsche Welle“) hat vor einigen Monaten damit angefangen, auf Twitter Foto-Aufgaben zu posten, mit denen Journalisten genau das trainieren können. Einige Kollegen haben sich dem Projekt angeschlossen: Mittlerweile sind mehr als 100 Quiz-Aufgaben zusammengekommen, die Fiete Stegers in einem Twitter-„Moment“ zusammengefasst hat.

5. So funktioniert der Newsroom von Kölner Stadt-Anzeiger und Express
(story.ksta.de)
Welche Aufgabe hat ein Site-Manager? Und was macht ein Blatt-Macher? Eine multimediale Story des „Kölner Stadt-Anzeigers“ zeigt, wo im Newsroom welche Entscheidungen getroffen werden. (Wer sich für den technischen Aspekt des Beitrags interessiert: Umgesetzt wurde die kleine Multimedia-Führung durch das Medienhaus mit dem Tool „StoryMap“ des amerikanischen „Northwestern University Knight Lab“.)

6. Vier Gründe, weshalb Bromans die Zukunft des Trash-TV sein könnte
(haz.de, Jan Heemann)
Der britische Sender „ITV2“ hat ein neues Trash-TV-Format auf den Markt gebracht: „Bromans“, eine Kombination aus „Bro“ (Bruder, Kumpel) und Romans (Römer). In einer Gladiatorenarena treten acht Paare in Disziplinen wie Ringen oder Zwillenschießen gegeneinander an. „Sie entblößen dabei nicht nur ihr seichtes Gemüt, sondern auch viel nackte Haut“, schreibt Jan Heemann, der dem Format trotzdem etwas abgewinnen kann: Die Sendung „könnte Trash-TV auf das nächste Level heben.“

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