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Katastrophe von Ceuta, Social-Media-Verbot, Journalismus mit Lösung

1. Wie es zur Katastrophe von Ceuta kam
(belltower.news, Patrick Gensing)
Patrick Gensing argumentiert in einem Beitrag für “Belltower News”, dass die Katastrophe von Ceuta mit mindestens 88 Toten das tödliche Potenzial von Desinformation offenbart habe. Gezielte Falschmeldungen über ein spanisches Gerichtsurteil hätten die falsche Hoffnung geweckt, die Grenze sei offen. Dies habe zu lebensgefährlichen Handlungsanweisungen in Sozialen Netzwerken geführt. Gensing betont, dass Desinformation kein reines Wissens- oder Medienkompetenzproblem sei, sondern seine größte Sprengkraft dort entfalte, wo Armut herrscht.

2. Fünf erste Lehren aus dem Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine erste offizielle Evaluation des im Dezember 2025 gestarteten australischen Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren liefere laut netzpolitik.org keine Hinweise auf einen echten Erfolg der Maßnahme. Die meisten betroffenen Minderjährigen seien weiterhin auf Plattformen wie TikTok oder Instagram aktiv, da die Betreiber das Alter der Nutzerinnen und Nutzer nur punktuell überprüfen oder Kontrollen mit einfachen Mitteln wie falschen Altersangaben, VPNs oder der Hilfe von Eltern umgangen würden. Zudem würden viele Jugendliche auf Messenger oder Online-Games ausweichen.

3. Trump weist Berichte über Munitionsknappheit zurück
(taz.de)
US-Präsident Donald Trump habe Medienberichte über angebliche Engpässe bei Waffen und Munition infolge des Irankriegs scharf zurückgewiesen und den Urhebern vertraulicher Leaks mit langjährigen Haftstrafen gedroht. Wie die dpa unter Berufung auf Beiträge von CNN und der “Washington Post” berichtet, hätten Journalisten zuvor gemeldet, dass das US-Militär erhebliche Teile seiner Vorräte an Abfang- und Präzisionsraketen aufgebraucht habe.

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4. US-Gericht verdonnert Meta wegen Gefährdung von Kindern zu 567 Millionen US-Dollar Strafe
(spiegel.de)
Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico habe den Facebook-Mutterkonzern Meta zur Zahlung von 567 Millionen US-Dollar verurteilt. Meta gefährde die psychische Gesundheit von Jugendlichen und schütze sie nur unzureichend vor sexueller Ausbeutung, so das Gericht. Die Entscheidung folge der zweiten Phase eines richtungsweisenden Verfahrens. Bereits im März sei das Unternehmen zur Zahlung von 375 Millionen US-Dollar Schadensersatz verurteilt worden, womit sich der Gesamtbetrag auf 942 Millionen US-Dollar summiere.

5. “Bunte” muss Gegendarstellung von Karl-Theodor zu Guttenberg veröffentlichen
(sueddeutsche.de)
Das Landgericht Offenburg habe den Burda-Verlag dazu verurteilt, auf der Titelseite der Zeitschrift “Bunte” eine Gegendarstellung des ehemaligen Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg zu veröffentlichen. Anlass sei eine Schlagzeile aus dem Juli, in der fälschlicherweise über ein “Liebes-Aus” zwischen Guttenberg und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche berichtet worden sei. Die Kosten des Rechtsstreits trage der Burda-Verlag.

6. “Spiegel” will lösungsorientierten Journalismus stärken
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der “Spiegel” verstärke unter dem Label “Spiegel Solutions” seine Berichterstattung über lösungsorientierte Ansätze in Politik und Gesellschaft. Wie “DWDL” berichtet, soll die von Autorin Susanne Beyer vorangetriebene Initiative in allen Ressorts aufzeigen, wo gesellschaftliche Ansätze gelingen, ohne dabei den kritischen Blick auf Missstände aufzugeben. Als neues Format werde ein Streitgespräch in Form einer “Mediation” eingeführt, bei der gegensätzliche Diskutanten nach gemeinsamen Schnittmengen suchen. Den Auftakt bilde das Aufeinandertreffen von Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer und dem CDU-Politiker Sepp Müller (nur mit Abo lesbar).

Ceuta-Vorgeschichte, Interaktives Theater, Schlechter Lernfortschritt

1. Marokko sieht die Schuld bei Sozialen Medien
(tagesschau.de, Stefan Ehlert)
Nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta habe Marokkos Innenministerium Stellung bezogen und die Verantwortung vor allem auf gezielte Falschinformationen im digitalen Raum zurückgeführt. Wie ARD-Korrespondent Stefan Ehlert berichtet, seien den Ereignissen Aufrufe und Kampagnen auf TikTok, Facebook und Instagram über eine vermeintlich mühelose Einreise vorausgegangen.

2. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung wegen Arti­kel­serie über Helene Fischers Mut­ter­schaft
(lto.de, Xenia Piperidou)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass die Veröffentlichung einer sechsteiligen Artikelserie mit heimlich aufgenommenen Babyfotos von Helene Fischer in verschiedenen Magazinen desselben Verlags zwar rechtswidrig gewesen sei, der Sängerin jedoch kein Anspruch auf Geldentschädigung zustehe. Eine Entschädigung bei mehreren weniger schweren Eingriffen setze eine “wiederholte und hartnäckige” Verletzung des Persönlichkeitsrechts voraus. Da alle betroffenen Artikel erschienen seien, bevor dem Verlag die erste einstweilige Verfügung zugegangen sei, habe es an dieser Voraussetzung gefehlt, so das Gericht.

3. Frühes Social-Media-Konto = schlechtere Schulleistung?
(spiegel.de)
Eine im Fachblatt “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie der Universität Milano-Bicocca zeige, dass Jugendliche, die bereits ab der sechsten bis achten Klasse ein Social-Media-Konto besitzen, in standardisierten Leistungstests in Mathematik und der Muttersprache signifikant schlechter abschneiden als Mitschüler, die mindestens bis zur neunten Klasse (circa 14 bis 15 Jahre) damit warten. Dieser Leistungsunterschied entspreche laut Experten dem Lernfortschritt eines halben Schuljahres.

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4. Über Trauma sprechen: Interaktives Theater bereitet Journalismusstudierende vor
(de.ejo-online.eu, Glenda Cooper)
Die interaktive Methode des Forumtheaters lasse sich wirksam einsetzen, um Journalismusstudierende auf die emotionale und ethische Belastung von Trauma-Interviews vorzubereiten. Eine Begleitstudie zu mehrjährigen Workshops zeige, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Rollenspiele und einen Perspektivwechsel nicht nur vorgefasste Vorurteile hinterfragen, sondern auch praktische Empathie und Vertrauen aufbauen können. Der geschützte Raum helfe den Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, sensible Interviewtechniken zu entwickeln.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 259
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christina Elmer)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche schlägt einen Bogen von anstehenden Fachveranstaltungen bis hin zu medienpolitischen Entwicklungen. So stehe im September die 10. SciCAR-Konferenz in Dortmund an, die sich mit datenbasiertem Journalismus, KI-Anwendungen und der Kooperation zwischen Wissenschaft und Medien befasse. Zudem thematisiert der Newsletter aktuelle Stipendienprogramme für Lokal- und Klimarecherchen, Warnungen vor veränderten US-Visabestimmungen für ausländische Medienschaffende sowie neue Fortbildungs- und Unterstützungsangebote.

6. News-Charts: Wer Ikkimel vom TikTok-Thron verdrängte
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” hat Simon Pycha die aktuellen News-Charts auf TikTok zusammengestellt: Die “Tagesschau” habe sich in der Juli-Analyse der meistgesehenen journalistischen TikTok-Accounts den ersten Platz gesichert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen RTL West sowie “ZDFheute”. Neben dem Jugendwort des Jahres seien im Juli vor allem Blaulichtreportagen, Warnungen vor Vibrionen und Beiträge zu neuen Geldschein-Designs die reichweitenstärksten Themen gewesen.

Kanzleramt vs. Abgeordnetenwatch, Bahn kritisiert ZDF-Doku, Comedy

1. Wie das Kanzleramt gegen abgeordnetenwatch vorgeht
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Die Bundesregierung plane, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv einzuschränken. Doch bereits jetzt sei der Zugang zu Informationen oftmals erschwert. So erhebt die Organisation “Abgeordnetenwatch” in einem Text in eigener Sache schwere Vorwürfe gegen das Bundeskanzleramt: “Vor Gericht versucht das Kanzleramt schon jetzt, den Zugang zu Unterlagen zu erschweren – und behauptet: abgeordnetenwatch hat seinen eigenen IFG-Antrag gar nicht selbst gestellt.”

2. Deutsche Bahn kritisiert Hayali-Doku im ZDF als “unseriös”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Deutsche Bahn habe die am Dienstag ausgestrahlte ZDF-Dokumentation “Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?” von Dunja Hayali als “unseriös” und einseitig kritisiert. Der Film klammere Fortschritte aus, beruhe auf unzutreffenden Zahlen und stelle unfaire Vergleiche an. Das ZDF weise die Hauptkritik zurück und betone die journalistische Sorgfalt. Man habe jedoch online in der Streamingfassung nachträglich Korrekturen an Grafiken und Zahlenangaben vorgenommen.

3. Kulturstaatsminister Weimer will europäische Eigentümerstruktur für TikTok
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordere die Überführung der Social-Media-Plattform TikTok in eine europäische Eigentümerstruktur. Weimer sehe in einem “TikTok Europa” den effektivsten Weg, um europäisches Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzrecht gegenüber der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance durchzusetzen. Seine Kritik richte sich gegen den uneingeschränkten Zugriff chinesischer Behörden auf die Daten europäischer Nutzerinnen und Nutzer sowie gegen die Gratisnutzung journalistischer Inhalte.

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4. Erfolg für “New York Times” bei Streit mit Trump-Regierung
(taz.de)
Das US-Justizministerium habe nach juristischem Widerstand der “New York Times” (“NYT”) Vorladungen gegen mehrere Reporter zurückgezogen. Die Bundesstaatsanwaltschaft habe versucht, die Journalisten nach Enthüllungen über Sicherheitsmängel an der neuen Präsidentenmaschine von Donald Trump zur Aussage vor einer Grand Jury zu zwingen. Die “NYT” habe den Schritt als rechtswidrigen Einschüchterungsversuch kritisiert. Der zuständige Richter habe mit einer Nichtigkeitserklärung der Vorladungen gedroht, bevor die US-Regierung schließlich eingelenkt habe.

5. Das Comedy-Grundgesetz
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist formuliert in seinem Branchen-Newsletter “Setup/Punchline” 15 Thesen als “Comedy-Grundgesetz”. Er fordert darin, Stand-up-Comedy als eigenständige Handwerks- und Kunstform ernst zu nehmen. Sie müsse nach ihren formalen sowie strukturellen Kriterien und nicht bloß nach moralischen Aussagen oder bloßen Themen bewertet werden. Außerdem kritisiert Hiergeist das deutsche Feuilleton für dessen ahistorisches Verständnis und die reflexhaften Tucholsky-Zitate (“Satire darf alles”).
Weiterer Hörtipp: In Holger Kleins Podcast “Wrint” geht es fast zwei Stunden um “Geschichten aus dem Joke-Bergwerk” mit Bernhard Hiergeist (wrint.de, Audio: 1:44:48 Stunden).

6. Fame & Verlogen – Warum Influencer ständig lügen
(youtube.com, Sashka, Video: 19:52 Minuten)
Die Creatorin Sashka beschäftigt sich mit dem aktuellen Skandal um die Medfluencerin Alina Walbrunn, die auf einen Prank des YouTubers Marvin Wildhage reingefallen sei und für eine erfundene Krankheit (“postvirale nasale Hypersensibilität”) geworben habe. Sashka wertet Walbrunns bisherige Auffälligkeiten als Symptom eines strukturellen Problems in der Influencer-Blase.

Dobrindts Pläne, Burda fusioniert, Irritierendes Autokraten-Interview

1. Dobrindt will Transparenz-Plattformen aus dem Weg räumen
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Recherchen des MDR zufolge plane das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) eine weitgehende Beschneidung des Informationsfreiheitsgesetzes. Wie aus internen Vermerken hervorgehe, wolle das Ministerium Auskunftsrechte für Medien und Abgeordnete stark einschränken. Durch eine Ausweispflicht solle es Anbietern wie “FragDenStaat” unmöglich gemacht werden, Anträge für Bürgerinnen und Bürger zu stellen. Außerdem sei geplant, die Stelle beim Datenschutzbeauftragten, die Personen unterstützt, wenn Behörden Infos verschweigen, abzuschaffen.
Weiterer Lesetipp: Auch der Deutscher Journalisten-Verband (DJV) zeigt sich schockiert über die Pläne des Innenministeriums: “Das ist eine Liste der Grausamkeiten”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster, “die niemals Realität werden darf. Das wäre das faktische Ende der Informationsfreiheit.”

2. Warum Medien mehr Rechte haben als sie denken
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 38:42 Minuten)
Jost Müller-Neuhof ist “Tagesspiegel”-Redakteur und rechtspolitischer Korrespondent des Blatts. Er hat den Eindruck, dass sich Journalistinnen und Journalisten zu schnell von Behörden abwimmeln lassen. Doch was können Medienschaffende von Behörden erwarten? Und was können sie verlangen? Darüber spricht Müller-Neuhof mit Deutschlandfunk-Redakteurin Brigitte Baetz.

3. Burda fusioniert BurdaVerlag und BurdaForward – Stefan Ottlitz wird Digitalchef
(turi2.de)
Der Burda-Konzern baue seine Strukturen grundlegend um und lege den BurdaVerlag sowie die Digitalsparte BurdaForward zu einem integrierten Medienhaus zusammen. Damit löse das Unternehmen die bisherige Trennung zwischen Print und Online auf. Angebote wie der gedruckte “Focus” und “Focus Online” sollen zu gemeinsamen Marken verschmelzen, das Medienhaus soll in Sparten wie Lifestyle, Yellows und Screens gegliedert werden. Neuer Digitalchef und Markenverantwortlicher für “Focus” werde Medienmanager Stefan Ottlitz, der zuvor eine führende Position beim “Spiegel” bekleidet hatte.

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4. Schauspielerin Caro Cult verklagt Produktionsfirma nach Kündigung
(t-online.de)
Schauspielerin Caro Cult habe 2024 kurz vor Drehbeginn eine ARD-Hauptrolle verloren, nachdem sie der Produktionsfirma ihre Schwangerschaft mitgeteilt habe. Der Streit vor dem Arbeitsgericht Berlin sei mit einem Vergleich geendet, bei dem Cult die Hälfte der Gage zugesprochen worden sei. Die Produktion rechtfertige die Umbesetzung mit organisatorischen Hürden und Mutterschutzauflagen. Die Schauspielerin ordne das Vorgehen anders ein: Ihr sei unter anderem abgesprochen worden, als Schwangere den nötigen “Sex-Appeal” für die vorgesehene Rolle zu besitzen.

5. “Presse”-Redaktionsausschuss “irritiert” von CEO Nowaks Vučić-Interview
(derstandard.at, Oliver Mark)
Rainer Nowak, Geschäftsführer der “Presse” und Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen, habe zum Start seiner neuen Reihe “Rainer Nowaks Meisterklasse” den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić interviewt, dabei jedoch auf kritische Nachfragen zu dessen autoritärer Politik verzichtet. Der “Standard” hat Nowak dazu befragt: “Warum starten Sie die neue Reihe ausgerechnet mit einem Autokraten, der von vielen sogar als Diktator gesehen wird und der mit Gewalt gegen Proteste der Bevölkerung und der Opposition vorgeht?”

6. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung für Helene Fischer wegen Baby­fotos
(lto.de, Shayan Mirmoayedi)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, habe der Bundesgerichtshof (BGH) im Fall einer Klage von Sängerin Helene Fischer gegen den Sender RTL entschieden. Die Veröffentlichung von Paparazzi-Fotos, die Fischer beim Stadtbummel mit ihrem Neugeborenen zeigen, verletze zwar ihr Persönlichkeitsrecht, begründe jedoch keinen Anspruch auf Geldentschädigung. Für eine solche Entschädigung fehle es an der erforderlichen Schwere des Eingriffs, da die Aufnahmen keine intimen Momente zeigen würden, und RTL positiv berichtet habe. Zudem sehe der BGH die Beeinträchtigung durch eine vom Sender abgegebene strafbewehrte Unterlassungserklärung als ausreichend ausgeglichen an.

Frontalangriff auf Journalismus, DLF-Reform, Neue Kontaktstelle

1. Schwarz-Rot plant Frontalangriff auf Journalismus und Transparenz
(netzpolitik.org, Daniel Leisegang & Markus Reuter)
Die Spitzen der schwarz-roten Koalition aus Union und SPD hätten im Koalitionsausschuss massive Einschränkungen des Informationsfreiheitsgesetzes beschlossen, was in der Zivilgesellschaft auf blankes Entsetzen stoße. Das Vorhaben sehe unter anderem vor, dass Anfragen künftig nur noch bei Nachweis eines “berechtigten Interesses” möglich sein sollen. Außerdem solle der bisherige Gebührendeckel von 500 Euro wegfallen. Zudem solle das Antragsrecht für juristische Personen wie Verbände und NGOs gestrichen sowie Namen von Behördenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern grundsätzlich geschwärzt werden. Journalisten- und Transparenzvereinigungen wie “FragDenStaat”, der Deutsche Journalisten-Verband und das Netzwerk Recherche sprächen unisono von einem faktischen Aus für das Gesetz und einem schweren Angriff auf den investigativen Journalismus.
Weitere Lesetipps: Auch die Gewerkschaft dju in Verdi protestiert: Koalition greift die Pressefreiheit an (verdi.de). Auf seiner Seite kommentiert der Journalist Martin Kaul: “Die staatlichen Institutionen schotten sich ab – vor den Bürgerinnen und Bürgern, die sie bezahlen.” Die Organisation “LobbyControl” schreibt auf Bluesky: “Kommt das so, wäre das nicht nur ein Angriff auf Transparenz und öffentliche Kontrolle von Regierungshandeln, sondern auch ein Bruch des eigenen Koalitionsvereinbarung von Union und SPD.” Und auch Transparency International “kritisiert scharf geplante Aushöhlung der Informationsfreiheit auf Bundesebene”.

2. Deutschlandfunk plant umfangreiche Programmreform
(medien.epd.de)
Der Deutschlandfunk (DLF) plane zum 30. November eine tiefgreifende Reform seines Sendeschemas. Etablierte Fachsendungen wie “Forschung aktuell” oder “Büchermarkt” sollen abgeschafft und durch längere, allgemeinere Magazinsendungen ersetzt werden. Die Senderleitung betone, es handele sich um kein Sparprogramm, sondern um eine notwendige Digitalstrategie für das Erreichen jüngerer Zielgruppen. Doch von der Belegschaft und der Gewerkschaft Verdi komme scharfe Kritik. Man befürchte die “einschneidendsten Veränderungen” der Sendergeschichte und warne vor einer “Mainstreamisierung und Verflachung” des DLF-Programms.

3. Langsam (wird) ermittelt
(arminwolf.at)
Das österreichische Justizministerium habe die Staatsanwaltschaft Wien angewiesen, Ermittlungen gegen die irische Konzernmutter von X/Twitter aufzunehmen. ORF-Moderator Armin Wolf habe im Oktober 2025 Anzeige wegen Begünstigung erstattet, weil die Plattform die Daten eines anonymen Trolls nicht herausgebe und ihn so der Strafverfolgung entziehe. Ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen sei bereits nach Irland übermittelt worden.

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4. Google muss EU-Rekordstrafe zahlen
(tagesschau.de)
Der Europäische Gerichtshof habe die historisch höchste Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission gegen Google endgültig bestätigt. Die Alphabet-Tochter müsse demnach 4,1 Milliarden Euro zahlen, weil sie Herstellern von Android-Smartphones und Mobilfunkanbietern seit 2011 illegale Beschränkungen auferlegt habe. Um die Marktdominanz der eigenen Suchmaschine abzusichern, habe Google die Lizenzierung des Playstores an die Vorinstallation eines Pakets aus elf Apps gekoppelt, darunter der Chrome-Browser.

5. Neue Kontaktstelle zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten
(journalistin.at)
Das österreichische Medienministerium habe eine neue Kontaktstelle zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten initiiert. Die geplante Anlaufstelle solle Betroffenen von tätlichen oder digitalen Angriffen sowie Einschüchterungsklagen beratend und rechtlich zur Seite stehen. Zudem sei eine systematische, jährliche Erfassung von Bedrohungen gegen Medienschaffende vorgesehen. Für das Projekt sei eine Anschubfinanzierung von 100.000 Euro sowie eine jährliche Förderung in gleicher Höhe eingeplant. Als nächster Schritt solle zudem die EU-Anti-SLAPP-Richtlinie gegen missbräuchliche Klagen umgesetzt werden.

6. NewsKNAcker: Wie Social Media süchtig macht und warum vor allem Jugendliche stark gefährdet sind
(turi2.de, Esther Menhard)
Ein Geschworenengericht in Los Angeles habe in einem wegweisenden Urteil entschieden, dass Social-Media-Apps durch manipulatives Design Personenschäden wie Mediensucht verursachen können. Die 20-jährige Hauptklägerin habe Meta und Google vorgeworfen, sie durch Funktionen wie unendliches Scrollen, Autoplay und Likes vorsätzlich abhängig gemacht und psychisch geschädigt zu haben. Experten würden betonen, dass gerade Kinder und Jugendliche wegen der noch unvollständigen Fähigkeit zur Selbstregulierung gefährdet seien.

“Nuhr gedroht”, Reiche unter KI-Verdacht, Kanzleramt bedauert

1. Nuhr gedroht
(taz.de, Florian Bayer)
Der Kabarettist Dieter Nuhr habe der österreichischen Zeitung “Der Standard” mit einer Klage gedroht, nachdem diese seinen Witz über Frauenmorde in “Nuhr im Ersten” kritisiert hatte, und Löschung des Kommentars verlangt. Auf Nachfrage der “taz” habe Nuhrs Produktionsfirma dann aber erklärt, man gehe “weder anwaltlich noch gerichtlich” gegen das Blatt vor. Florian Bayer ordnet den Fall in eine Häufung von Einschüchterungsklagen gegen österreichische Redaktionen ein. Im Fall Nuhr habe gerade die Klagedrohung die Geschichte erst groß gemacht, ganz im Sinne des Streisand-Effekts.

2. Wenn Jour­na­lismus zu Liti­ga­tion-PR wird
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Bei “Legal Tribune Online” wirft Felix W. Zimmermann dem “Spiegel” vor, seine Teilniederlage im Fall Christian Ulmen vor dem Oberlandesgericht Hamburg im eigenen Prozessbericht kleinzureden: “Der Spiegel hat in einem zentralen Punkt der Verknüpfung eines Deepfake-Verdachts mit dem Fall Ulmen eine Niederlage erlitten, die die gesamte Artikelarchitektur in Schieflage bringt. Niemand muss vom Spiegel verlangen, all diese Überlegungen gegen sich selbst episch auszubreiten. Erwarten durfte man aber eine Berichterstattung in eigener Sache, die keinen Angriff suggeriert, der nie stattgefunden hat; den wichtigsten Entscheidungsgrund nicht verschweigt und auch sprachlich journalistische Distanz wahrt.”

3. RT DE scheitert vor Gericht mit Klage gegen Sendeverbot
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe die Klage der RT DE Productions GmbH gegen das 2022 verhängte Sendeverbot abgewiesen und das Vorgehen der Medienanstalt Berlin-Brandenburg bestätigt. Die Behörde habe dem Unternehmen untersagt, das Programm ohne die erforderliche Rundfunkzulassung in Deutschland zu veranstalten. Das Unternehmen habe argumentiert, lediglich einzelne Sendungen für die russische Muttergesellschaft TV Novosti zugeliefert zu haben. Dem sei das Gericht jedoch nicht gefolgt.

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4. Bericht: Zwei Gastbeiträge von Ministerin Reiche unter KI-Verdacht
(n-tv.de)
Der “Spiegel” äußere den Verdacht, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche habe mehrere Gastbeiträge in großen Zeitungen mithilfe von Künstlicher Intelligenz verfasst. Betroffen seien zwei am 10. April erschienene Texte. Bei einem Beitrag im “Handelsblatt” sei rund das erste Drittel mit hoher Wahrscheinlichkeit vollständig von einer KI formuliert, ein Beitrag in der “FAZ” stamme zu etwa 70 Prozent von einer KI. Das Wirtschaftsministerium habe ausweichend reagiert und erklärt, Künstliche Intelligenz sei in der Politik ein alltägliches Werkzeug. Für das “Redaktionsnetzwerk Deutschland” hatte Felix Huesmann bereits am 18. Juni auf das Thema aufmerksam gemacht (nur mit Abo lesbar).

5. Wie die NZZ versuchte mich und mein Buch Staatsräsonfunk zu diskreditieren
(youtube.com, Fabian Goldmann, Video: 6:31 Minuten)
Der Journalist Fabian Goldmann kündigt an, juristisch gegen einen “NZZ”-Beitrag über sich und sein Buch “Staatsräsonfunk – deutsche Medien und der Genozid in Gaza” vorzugehen. Der Text enthalte aus Goldmanns Sicht über 30 Falschbehauptungen, etwa ein sinnentstellend abgeschnittenes Zitat sowie erfundene Angaben über sein Privatleben. In seinem Blog hat er alle 30 Textstellen des von ihm kritisierten “NZZ”-Artikels aufgegriffen und kommentiert.

6. “Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf”: Kanzleramt bedauert Merz-Posting zum WM-Aus
(tagesspiegel.de, Christopher Ziedler)
Ein Posting von Bundeskanzler Friedrich Merz auf X/Twitter, in dem er den deutschen Nationalspielern nach dem Aus bei der Fußball-WM für deren Einsatz dankte und sich “stolz” zeigte, habe angesichts der enttäuschenden Leistung der Mannschaft Spott bis in die eigene Partei ausgelöst. Aus dem Kanzleramt heiße es nun, der erste Tweet sei ein Versehen gewesen: “Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf”. Im Bundespresseamt seien mehrere Varianten vorbereitet und in der Nacht die falsche veröffentlicht worden.

Haarspalterei, Stellenabbau, Lokaljournalismus in der Krise

1. Daniel Gün­ther war Par­tei­po­li­tiker, kein Minis­ter­prä­si­dent
(lto.de)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig-Holstein habe eine Beschwerde des Onlineportals “Nius” gegen Äußerungen von Daniel Günther in der ZDF-Sendung “Markus Lanz” zurückgewiesen. Günther habe dort “Nius” als Gegner und Feind von Demokratie bezeichnet sowie den Vorwurf erhoben, in “Nius”-Artikeln über ihn stimme in der Regel nichts. Wie schon das Verwaltungsgericht habe nun auch das OVG entschieden, dass Günther dabei nicht in seiner Funktion als Schleswig-Holsteins Ministerpräsident, sondern als Parteipolitiker aufgetreten sei. Deshalb seien seine Aussagen an der Meinungsfreiheit und nicht an den strengeren Maßstäben staatlicher Neutralität zu messen. “Nius”-Anwalt Joachim Steinhöfel habe angekündigt, Verfassungsbeschwerde einzulegen.

2. Presserechtliche Haarspalterei als letztes Mittel
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Der Strafverteidiger und Medienanwalt Johannes Eisenberg argumentiert in seinem Kommentar, dass Christian Ulmen versuche, sich im Streit um die “Spiegel”-Berichterstattung mit presserechtlichen Feinheiten gegen den Kern der Vorwürfe zu verteidigen. Entscheidend sei aus seiner Sicht nicht, ob es sich bei den verbreiteten Aufnahmen tatsächlich um Deepfakes oder um anderes Material gehandelt habe, sondern dass über Fake-Accounts der Eindruck erweckt worden sei, Collien Fernandes sei in pornografischen Darstellungen zu sehen. Eisenberg kritisiert, dass viele Medien Ulmens Einlassungen und die Unschuldsvermutung stark in den Vordergrund stellen und damit vom eigentlichen Vorwurf ablenken würden. Er wirft Ulmen vor, so Zweifel an der Darstellung von Fernandes säen zu wollen.

3. AfD gegen Correctiv: Ein Treffen, ein Aufschrei – und ein Streit über die Wahrheit
(abendblatt.de, Christian Unger)
Christian Unger zeichnet den anhaltenden Streit um die “Correctiv”-Recherche “Geheimplan gegen Deutschland” über das Potsdamer Treffen von AfD-Politikern, Unternehmern und Rechtsextremen nach. Auslöser der juristischen Auseinandersetzungen sei die Darstellung, bei dem Treffen sei über einen “Masterplan” zur “Ausweisung” auch deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gesprochen worden. Das Landgericht Berlin habe einzelne Aussagen von “Correctiv” als nicht ausreichend belegt eingestuft und untersagt. Zuvor habe das Landgericht Hamburg eine ähnliche Aussage von “Correctiv” für zulässig erklärt. Unstrittig bleibe jedoch, dass Martin Sellner in Potsdam sein “Remigrations”-Konzept vorgestellt habe und AfD-Vertreter anwesend gewesen seien.
Weiterer Lesehinweis: In einem Beitrag in eigener Sache ordnet die “Correctiv”-Redaktion die juristischen Auseinandersetzungen um die Recherche als weiterhin offen ein und betont, dass das Berliner Urteil nicht rechtskräftig sei.

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4. Wie selbstverschuldet ist die Krise?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 31:50 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um den Zustand des Lokaljournalismus sowie um dessen Aussichten. Es diskutieren DLF-Hörer Tom Schweers, Hans Onkelbach vom Düsseldorfer Lokalmedium “VierNull” und DLF-Landeskorrespondent Niklas Ottersbach.

5. NDR und “Tagesschau” starten Format auf YouTube und TikTok
(dwdl.de, Timo Niemeier)
NDR und “Tagesschau” hätten mit “Stabile Zeitenlage” ein neues Format für YouTube, TikTok und die ARD-Mediathek gestartet, das sich an ein junges Publikum richte. Ziel sei es, komplexe sicherheitspolitische Themen wie die NATO, Europas Sicherheit oder Künstliche Intelligenz im Krieg verständlich einzuordnen und auch Fragen aus der Community aufzugreifen. Die erste Ausgabe beschäftige sich mit dem Beginn des Iran-Krieges und der möglichen Rolle von KI.

6. Meta will etwa jeden zehnten Job kappen
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta plane einen erneuten großen Stellenabbau und wolle rund zehn Prozent seiner Belegschaft entlassen, was fast 8.000 Jobs betreffen dürfte. Zudem sollen etwa 6.000 offene Stellen nicht besetzt werden. Das Unternehmen begründe dies mit Effizienzsteigerungen und hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig sei bekannt geworden, dass Meta in den USA neue Tracking-Software auf Rechnern von Beschäftigten installiere, um Daten für KI-Systeme zu gewinnen. Der Schritt füge sich in eine breitere Strategie ein, mit KI Arbeitsprozesse umzubauen und Kosten zu senken.

Klage gestoppt, Angst liest sich gut, Umstrittene Mitgliedschaft

1. Trump-Klage gegen “Wall Street Journal” vorerst gestoppt
(taz.de)
Ein US-Bundesrichter habe Donald Trumps Verleumdungsklage gegen das “Wall Street Journal” (“WSJ”) vorerst gestoppt. Der US-Präsident habe nicht ausreichend belegt, dass die Redaktion böswillig falsche Behauptungen veröffentlicht habe. Hintergrund sei ein Bericht des “WSJ”, laut dem Trump 2003 Jeffrey Epstein einen anzüglichen Geburtstagsbrief geschrieben haben soll. Trump wolle nach Angaben seiner Anwälte weiter gegen die Berichterstattung vorgehen.

2. Bei der geplanten BR-Reform braut sich ein Streit zusammen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, plane Bayern eine weitreichende Reform des Bayerischen Rundfunkgesetzes. Vorgesehen seien unter anderem eine feste Informationsquote von 60 Prozent im BR-Fernsehen, strengere Regeln für Faktenchecks, mehr Kompetenzen für den Rundfunkrat sowie neue Transparenzvorgaben. Kritiker sähen darin mögliche Eingriffe in die Rundfunkfreiheit und in die Programmgestaltung. Vor allem der Bayerische Journalisten-Verband äußere deutliche Bedenken.

3. Angst liest sich gut – Wie österreichische Printzeitungen über Geflüchtete berichten
(kobuk.at, Emilija Ilić)
Eine Analyse von Artikeln der österreichischen Medien “Presse” und “Kronen Zeitung” zeige deutliche Unterschiede in der Darstellung von Geflüchteten je nach Herkunft. Ukrainische Geflüchtete würden meist im Zusammenhang mit Schutz, Arbeit und gelungener Integration erscheinen. Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan oder Tschetschenien würden dagegen deutlich häufiger mit Kriminalität, Überforderung und Integrationsproblemen verbunden. Emilija Ilićs Fazit: “So entsteht ein verzerrtes Bild. Nicht unbedingt, weil einzelne Artikel falsch wären oder Tatsachen verdreht werden, sondern weil sie immer wieder dasselbe erzählen. Und genau das beeinflusst, wem Zugehörigkeit und Würde selbstverständlich zugeschrieben werden.”

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4. BPK: Umstrittene Mitgliedschaft
(verdi.de, Matthias Meisner)
Die Bundespressekonferenz stehe wegen der Aufnahme von Vertretern sogenannter Parallelmedien in der Kritik. Inzwischen seien dort unter anderem Journalistinnen und Journalisten von “Nius”, “Kontrafunk”, “Epoch Times” und anderen umstrittenen Medien vertreten oder zugelassen. Kritiker sähen darin eine Normalisierung von Akteuren, die etablierten Journalismus gezielt diskreditieren und teils verschwörungsideologische oder rechtspopulistische Positionen verbreiten.

5. Tägliche Dosis: Was die Suchtdebatte für Soziale Medien bedeutet
(flurfunk-dresden.de, Christopher Brinkmann)
Christopher Brinkmann beschreibt in seinem Gastbeitrag, wie sich die Debatte über Soziale Medien verändere. Lange habe exzessive Nutzung als Ausdruck mangelnder Selbstkontrolle gegolten. Nun rücke das Design der Plattformen in den Fokus. Auslöser sei ein Urteil in den USA, das Meta und Google wegen suchtfördernder Mechanismen zu Zahlungen verurteilt habe. Gemeint seien etwa Endlos-Scrollen, automatische Wiedergaben und algorithmische Empfehlungen. Brinkmann spricht von einem möglichen “Big Tobacco Moment” für Soziale Medien.

6. Moneypenny
(freischreiber.de)
Im Newsletter der “Freischreiber” geht es ums liebe Geld: Freie Journalistinnen und Journalisten sollten Honorare konsequent verhandeln, weil die Bezahlung oft zu niedrig sei. Ein Beitrag der “Berliner Zeitung” bestätige aus Sicht der “Freischreiber”, dass schlechte Honorare Qualität gefährden und erfahrene Freie aus dem Journalismus drängen. Außerdem geht es in dem Newsletter um die umstrittene Aktivrente für Selbstständige, bessere Regeln beim Mutterschutz und die Frage, wie sich soziale Absicherung im Alter garantieren lässt.

Verdacht ist nicht Gleichsetzung, Klarnamenpflicht, Strafrechtsfalle

1. Verdacht ist nicht Gleichsetzung
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Der Medienanwalt Johannes Eisenberg verteidigt in seinem Beitrag die umfassende Berichterstattung im Fall von Collien Fernandes und Christian Ulmen. Er betont, dass sich dieser Fall deutlich von früheren Skandalen unterscheide, da hier handfeste Belege wie Zeugenaussagen, E-Mails und mutmaßliche Tonaufnahmen vorlägen, die den Verdacht massiv stützen würden. Andere Medien dürfen laut Eisenberg die Recherchen des “Spiegel” übernehmen, solange sie sachlich bleiben, nicht vorverurteilen und dem Beschuldigten stets selbst die Chance zu einer eigenen Stellungnahme geben.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Berichterstattung: “‘Es gilt die Unschuldsvermutung.’ Das sind die vier Wörter, die in den letzten Tagen in fast jedem Artikel über den Fall Fernandes/Ulmen stehen. Und dieser Satz sei ja nicht falsch, sagt Lorenz Meyer. Er sei das Fundament unseres Rechtsstaats. Aber er sei oft eingebettet in einen Text, der das genaue Gegenteil transportiere.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:48 Minuten)

2. Stefanie Hubig lehnt Klarnamenpflicht im Internet ab
(zeit.de)
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) erteile den im Zuge des Falls von Collien Fernandes laut gewordenen Forderungen nach einer gesetzlichen Klarnamenpflicht im Internet eine klare Absage. Sie betone, dass Anonymität im Netz aus vielen legitimen Gründen unerlässlich bleibe. Um Täter bei digitaler Gewalt dennoch konsequent zur Rechenschaft ziehen zu können, setze die Ministerin stattdessen auf eine nachträgliche Identifizierung durch die dreimonatige Speicherung von IP-Adressen. Parallel dazu wolle ihr Ministerium noch in dieser Woche einen neuen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen, der unter anderem die Erstellung sexualisierter Deepfakes gezielt unter Strafe stelle.

3. Deepfakes und die Strafrechtsfalle
(verfassungsblog.de, Aziz Epik)
Strafrechtsprofessor Aziz Epik warnt davor, das Problem sexualisierter Deepfakes ausschließlich durch schnelle Verschärfungen des Strafrechts lösen zu wollen. Zwar räumt er ein, dass es unbestreitbare rechtliche Schutzlücken gebe, doch hastig formulierte Gesetze seien fehleranfällig und würden der juristischen Komplexität des Themas nicht gerecht. Epik argumentiert, dass digitale Gewalt tief in strukturellen, patriarchalen Problemen verwurzelt sei, die sich nicht allein durch die strafrechtliche Verfolgung von Einzeltätern beheben lassen würden.

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4. Strapazierter Journalismus: Anfeindungen und strukturelle Belastungen von Journalist:innen in Deutschland
(ecpmf.eu, Patrick Peltz & Yann Rees)
Eine neue Studie des European Centre for Press and Media Freedom und der Universität Bielefeld befasst sich mit der Belastung von Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Die Ergebnisse würden zeigen, dass wiederkehrende Anfeindungen und Drohungen im Berufsalltag vermehrt zu redaktioneller Selbstzensur führen. Gleichzeitig würden Medienschaffende unter einem massiven strukturellen und ökonomischen Druck leiden. Die Folgen: Arbeitsverdichtung, Qualitätsverlust und Abwanderungsgedanken.

5. Terrorpropaganda und Gewaltvideos auf Knopfdruck – OpenAI macht Sora dicht
(ohje-internet.de, Karolin Schwarz)
Karolin Schwarz kommentiert die Entscheidung der ChatGPT-Mutter OpenAI, ein Tool zur Generierung von KI-Videos einzustellen: “Wer solche Inhalte erzeugen will, wird auch bei anderen Slop-Fabriken auf dem Markt fündig. Dass einer der Marktführer sein Tool nun einstellt, ist unter den beschriebenen Gesichtspunkten und insbesondere mit Blick auf die mangelhaften Moderationspraktiken allerdings kein Verlust.”

6. Meta und YouTube sollen einer Social-Media-Süchtigen drei Millionen Dollar zahlen
(spiegel.de)
In einem wegweisenden Prozess in den USA seien die Tech-Giganten Meta und Google zu Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. Die Konzerne hätten fahrlässig gehandelt und nicht ausreichend über das immense Suchtpotenzial ihrer Plattformen wie Instagram und YouTube aufgeklärt. Geklagt habe eine 20-jährige Frau, die ihre schweren Depressionen und Angstzustände auf die bewusst suchtsteigernde Gestaltung der Netzwerke, etwa durch endloses Scrollen, zurückführe.

Altbekannte Meckerei, Showdown um Warner, Streit über Zettel-Verkäufer

1. Altbekannte Meckerei
(taz.de, Michael Bartsch)
In seinem Kommentar wirft Michael Bartsch der neuen “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” vor, lediglich eine Mischung aus Ostalgie, Sowjetromantik und AfD-Nähe zu bedienen, anstatt den Leserinnen und Lesern wirklich neue Perspektiven zu bieten. Das Blatt von Verleger Holger Friedrich kultiviere in Bartschs Augen eine reaktionäre Opferhaltung und ein ständiges Beleidigtsein der Bürgerinnen und Bürger, ohne zur demokratischen Mitwirkung aufzurufen. Zudem sei es für ihn geradezu ironisch, dass in der Zeitung überwiegend Autorinnen und Autoren westdeutscher Herkunft schreiben würden.

2. Türkischen Botschafter einbestellen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Inhaftierung des Deutsche-Welle-Korrespondenten Alican Uludağ in der Türkei: “Das ist pure Schikane gegen einen kritischen und unabhängigen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt und sich nicht mundtot machen lässt”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Und es ist ein Frontalangriff auf den deutschen Auslandssender Deutsche Welle, der die Menschen journalistisch und nicht propagandistisch informiert.”

3. Showdown um Warner: Bringt Paramount den Netflix-Deal zu Fall?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In der Nacht zum heutigen Dienstag sei die Verhandlungsfrist für ein verbessertes Übernahmeangebot von Paramount für Warner Bros. Discovery ausgelaufen. Bislang favorisiere der Warner-Vorstand den bereits im Dezember beschlossenen Milliarden-Deal mit Netflix. Sollte der von der Familie Ellison gestützte Paramount-Konzern sein Gebot nun erhöhen, habe Netflix vier Tage Zeit, um finanziell gleichzuziehen. Ein direkter Vergleich der beiden Angebote sei jedoch kompliziert, schreibt Uwe Mantel bei “DWDL”.

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4. Streit über Schabowski-Zettel geht in nächste Runde
(spiegel.de)
Der Rechtsstreit um Günter Schabowskis historischen Sprechzettel zum Mauerfall gehe in die nächste Instanz. Ein “Bild”-Journalist poche auf seinen presserechtlichen Auskunftsanspruch. Der Reporter fordere vom Bonner Haus der Geschichte für eine Recherche die Offenlegung der Namen jener Personen, die dem Museum das Dokument für 25.000 Euro verkauft hätten. Zwei Vorinstanzen hätten der Klage des Journalisten bereits stattgegeben. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung sei jedoch die Revision zugelassen worden.

5. 18 Monate im Europäischen Observatorium für (Desinformations)narrative
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
In einem Rückblick auf die vergangenen anderthalb Jahre berichtet Projektleiter Martin Lestra, dass das europäische Pilotprojekt “PROMPT” in den zurückliegenden 18 Monaten erfolgreich zielgerichtete KI-Werkzeuge zur Erkennung und Bekämpfung von Desinformation entwickelt habe. Dabei habe sich gezeigt, dass Künstliche Intelligenz zwar große Datenmengen schnell verarbeite, menschliche Analysen für die Interpretation von Kontexten jedoch unersetzlich seien. Das Projekt habe zudem eine gemeinsame Terminologie für Desinformationstaktiken geschaffen und frei zugängliche Verifizierungs-Tools bereitgestellt.

6. Weimer will Tiktok nach US-Vorbild in europäische Hände legen
(n-tv.de)
Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer habe sich dafür ausgesprochen, bei TikTok und dessen Mutterkonzern Bytedance ähnlich wie die USA vorzugehen: “Bei Tiktok bin ich der Meinung, wir müssen dort auch die Eigentumsfrage stellen, wie die Amerikaner. Europa sollte eine Antwort darauf finden: Wem gehört Tiktok, ob wir das nicht in europäische Hände legen sollten, im Einvernehmen mit Bytedance.”

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