Suchergebnisse für ‘kurz korrigiert’

Kurz korrigiert (537)

Die besondere Art von Sorgfalt, die die „Bild“-Redaktion bei ihrer Berichterstattung an den Tag legt, hat etwas sehr Praktisches: Braucht sie noch ein Foto zu einer Meldung aus Italiens Hauptstadt, muss sie nur einen Fotografen zum Berliner Bebelplatz schicken, und der macht dann eine Aufnahme vom Hotel de Rome. Fertig. Gibt es Neuigkeiten von der griechischen Insel Lesbos, reicht zur Bebilderung ein Screenshot der Speisekarte der Taverne Ägäis in Hamburg-Altona. Und taucht im Corona-News-Ticker bei Bild.de eine Meldung aus dem Fürstentum Monaco auf, dann können die „Bild“-Leute auch dieses Foto nehmen:

Screenshot Bild.de - Wegen Corona: Fürstenhaus Monaco muss sparen - Wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise wird auch das Fürstenhaus Monaco den Gürtel enger schnallen. Der Ernst der Lage erfordert ein rigoroses Finanzmanagement und eine allgemeine Reduzierung der Staatsausgaben, heißt es in einer Mitteilung des Palastes. Der royale Haushalt wird demnach seine Lebenshaltungskosten um 40 Prozent von 13,2 Millionen auf acht Millionen Euro zurückfahren. Die Wirtschaft des kleinen Fürstentums leidet unter der Absage mehrerer Großveranstaltungen wie dem Großen Preis von Monaco der Formel 1. Da zudem in den Luxusboutiquen und Casinos die Touristen ausbleiben, gehen die Steuereinnahmen zurück. - dazu ist ein Foto zu sehen der Modemarke Club Monaco, im Hintergrund sieht man einen für Monaco eher ungewöhnliches Wolkenkratzer und ein Straßenschild mit der Aufschrift one way

Corona-Folgen? Luxusboutiquen? Monaco? Was könnte da passender sein als eine Außenaufnahme eines verrammelten Geschäfts der einst kanadischen und inzwischen US-amerikanischen Modemarke Club Monaco an der 5th Avenue in New York, auf dessen Holzverkleidung groß „BE HOPEFUL NYC“ gemalt wurde?

Mit Dank an Jonas F. für den Hinweis!

Kurz korrigiert (536)

Bei Bild.de meinen sie, das Erfolgsgeheimnis von Fußballtrainer Jürgen Klopp und dem FC Liverpool entschlüsselt zu haben:

Screenshot Bild.de - Basketball als Vorbild - Klopp kopiert Fitness-Taktik von LeBron James

Und das funktioniere so:

Stark dank Basketball-Taktik!

Premier-League-Spitzenreiter FC Liverpool hat Einblicke in sein Erfolgsrezept gegeben. Der (sic) derzeit wohl beste Fußball-Team der Welt orientiert sich dabei an Basketball-Legende LeBron James (35).

Es gehe vor allem „darum, wie es möglich ist, über 90 Minuten den Power-Fußball von Trainer Jürgen Klopp (52) umzusetzen.“ Die Antwort sei simpel: „mehr Pausen“ — eben so, wie es Basketballer LeBron James mache:

So steht LeBron James im Herbst seiner Karriere zwar mehr Minuten auf dem Parkett als jemals zuvor. Aber der Superstar leistet sich mehr Pausen, das heißt, er jagt nicht mehr jedem Ball im Vollsprint hinterher, sondern nutzt seine Kraft clever. Er steht zwar länger auf dem Feld, bewegt sich aber weniger.

Und das klingt ja wirklich „clever“, ist aber völlig falsch: In der laufenden NBA-Saison steht LeBron James nicht „länger auf dem Feld“ und „mehr Minuten auf dem Parkett als jemals zuvor“, sondern mit aktuell 34,9 Minuten pro Spiel so wenig wie nie zuvor.

Mit Dank an @moejevski für den Hinweis!

Nachtrag, 12:33 Uhr: Das nur der Vollständigkeit halber: Knapp 35 Minuten pro Spiel sind immer noch eine ganze Menge Spielzeit für einen Basketballer und mehr als bei vielen anderen, teils deutlich jüngeren Spielern. Aber es sind eben so wenige Minuten wie in keiner Saison zuvor für LeBron James.

Mit Dank an Christian M. für den Hinweis!

Nachtrag, 14:24 Uhr: Bild.de hat den Absatz mittlerweile so halb korrigiert. Dort steht nun:

So ist LeBron James im Herbst seiner Karriere immer noch einer der NBA-Stars mit der meisten Spielzeit. Sein Trick: Der Superstar leistet sich mehr Pausen, das heißt, er jagt nicht mehr jedem Ball im Vollsprint hinterher, sondern nutzt seine Kraft clever. Er steht zwar länger auf dem Feld, bewegt sich aber weniger.

Sollte die Redaktion mit „Er steht zwar länger auf dem Feld“ meinen, dass LeBron James mehr Einsatzzeiten hat als zuvor, bleibt dieser Halbsatz weiterhin Unsinn.

Auf einen Hinweis zu der vorgenommenen Korrektur hat die Redaktion verzichtet.

Kurz korrigiert (535)

Nachdem es am Samstag eine Demonstration gegen das Verbot der Internetplattform „linksunten.indymedia“ gab, berichtete auch Bild.de und nannte dabei eine etwas überraschende Demoroute:

Am späten Nachmittag hatten sich mehr als 1300 Demonstranten vor dem Bundesverfassungsgericht eingefunden, um in Richtung des Leipziger linken Szeneviertels Connewitz zu ziehen.

Vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe sind es bis nach Leipzig-Connewitz rund 435 Kilometer. Vermutlich meinte die Bild.de-Redaktion nicht das Bundesverfassungsgericht, sondern das Bundesverwaltungsgericht — vier fünf von sieben Silben waren immerhin richtig. Das Bundesverwaltungsgericht befindet sich in Leipzig. Und dort geht es seit heute auch um das Verbot von „linksunten.indymedia“.

Korrektur, 12:52 Uhr: Wir müssen uns auch noch mal kurz korrigieren: Beim Zählen der richtigen Silben haben wir das „ver“ vergessen — fünf und nicht vier vor sieben Silben waren bei Bild.de richtig.

Mit Dank an Stefan S. für den Hinweis!

Nachtrag, 15:45 Uhr: Inzwischen ist auch bei Bild.de vom „Bundesverwaltungsgericht“ die Rede. Einen Hinweis auf die nachträgliche Korrektur gibt es nicht.

Kurz korrigiert (533)

Man würde doch meinen, dass eine Berliner Redaktion, die sich viel mit dem Berliner Sport, dem Berliner Fußball und dem Berliner Stadtderby zwischen den Berliner Bundesligaklubs Union Berlin und Hertha BSC beschäftigt, die Fans der beiden Vereine auseinanderhalten kann. Denn es gibt ja gewisse Merkmale, an denen diese Redaktion beispielsweise die Anhänger von Union Berlin erkennen kann: Wenn Personen auf einem Foto etwa Schals hochhalten, auf denen „Wuhlesyndikat“ steht (der Name der Union-Ultras) oder „Szene Köpenick“ (der dazugehörige Förderkreis) oder auch ganz direkt „Union“, dann ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass es sich um Union-Fans handelt.

Na, dann mal los, „B.Z.“:

Screenshot bz-berlin.de - Foto eines Fanblocks, auf denen Personen mit den oben beschriebenen Schals zu sehen sind. Dazu die Bildunterschrift durch die Redaktion: Kurz nach Wiederanpfiff brannte es im Hertha-Block lichterloh

Fast richtig.

Mit Dank an Felix für den Hinweis!

Kurz korrigiert (532)

Mit dem Impeachment eines US-Präsidenten und der daraus möglicherweise resultierenden Amtsenthebung ist das aber auch nicht ganz einfach: Was entscheidet das Repräsentantenhaus? Was der Senat? Wo braucht man welche Mehrheiten? Und fliegt ein Präsident, der impeached ist, schon aus dem Weißen Haus? Es gibt inzwischen einige erhellende Erklärtexte und –videos zu dem Thema.

Bei Bild.de scheitert’s aber schon sechs bis sieben Stufen weiter unten: Heiko Roloff, laut Eigenbeschreibung bei Twitter immerhin „US-Correspondent for Germany’s most popular News outlet“, bekommt es nicht hin, Republikaner und Demokraten auseinanderzuhalten.

In einem Artikel über schlechte Umfragewerte für US-Präsident Donald Trump schreibt Roloff:

Screenshot Bild.de - Sogar Nixon hatte weniger Gegner - Mehrheit der Amis will Trumps Impeachment

Die Stimmung der Wähler ist bei einem Impeachment von großer Bedeutung. Denn am Ende ist es kein juristischer Prozess, in dem es um Schuld oder Unschuld geht, sondern ein politischer. Dass heißt, die Republikaner entscheiden, was für sie besser ist: ihren Präsidenten wie 1973 fallen zu lassen oder sich wie 1998 hinter ihn zu stellen.

Das ist gleich mehrfach falsch: Mit „wie 1998“ meint Roloff Bill Clinton. Der Demokrat, der 1998 impeached wurde, war für die Republikaner aus parteipolitischer Sicht ganz bestimmt nicht „ihr Präsident“. Und selbst wenn es so gemeint sein sollte, dass die Republikaner als us-amerikanische Staatsbürger Clinton als „ihren Präsidenten“ sehen konnten, ist es immer noch falsch, was Roloff schreibt: Sie standen nicht hinter ihm. Beim Impeachment durch das House of Representatives stimmten die Republikaner mehrheitlich gegen Bill Clinton. Beim Senate trial stimmten sie mehrheitlich gegen Bill Clinton. Es reichte im Senat aber nicht für die nötige Zweidrittelmehrheit, um den Präsidenten aus dem Amt zu entfernen.

Mit Dank an Clemens für den Hinweis!

Kurz korrigiert (531)

Seit der gestrigen Landtagswahl in Brandenburg gibt sich „Bild“ große Mühe, das „historisch schlechteste Ergebnis“ der SPD in möglichst drastischen Worten zu umschreiben.

So schlecht war die Brandenburg-SPD noch nie!

Rekord-Klatsche für SPD und CDU bei der Landtagswahl in Brandenburg!

In Brandenburg ist von den knapp 40 Prozent der SPD der letzten Landtagswahl nur noch die Hälfte übrig.

Das letzte Zitat stammt aus einem Artikel vom Samstag, und es ist Quatsch. Denn bei der letzten Landtagswahl holte die SPD nicht „knapp 40 Prozent“, sondern 31,9 Prozent. Somit ist auch nicht „nur noch die Hälfte übrig“, sondern deutlich mehr. Das alles hätte auch die „Bild“-Autorin wissen können, wenn sie mal ihren eigenen Artikel richtig gelesen hätte:

Screenshot BILD.de: Balkendiagramm der Wahlergebnisse in Brandenburg 2019 im Vergleich mit den Wahlergebnissen von 2014. Für 2014 SPD-Wert: 31,9 Prozent

Mit Dank an Tobias W. und Faktenfreund!

Kurz korrigiert (529)

In Stuttgart ist am Sonntag ein Balkon mit einem Pool darauf eingebrochen. Auch die „Bild“-Medien berichten über den Unfall und schildern das alles so:

Ausriss Bild-Zeitung - Weil das Planschbecken zu schwer war - Familie stürzt mit Balkon in die Tiefe

Frank (54) und Maria Josefa R. (53) stellten ein drei Quadratmeter großes Planschbecken auf den Balkon über dem familieneigenen Zimmereibetrieb in Stuttgart. Mit ihren Töchtern Anna-Maria (22) und Brigitte (21) sowie deren Freunden Eric R. (27) und Gianluca P. (25) hielten sich die Eltern gegen 18 Uhr auf dem Balkon auf.

DANN KRACHTE ES!

Der Balkon, eine Holzkonstruktion, stürzte auf einer Seite ab, wurde aber von einem darunter parkenden Transporter abgefangen. Sechs Personen wurden laut Polizei leicht verletzt, eine musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Zur „wahrscheinlichen Ursache des Unfalls“ schreiben „Bild“ und Bild.de:

Der Balkon war überlastet! Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart: „Der Balkon muss 400 Kilonewton pro Quadratmeter als Last aushalten. Laut Berechnung des Baurechtsamts wiegt Wasser mit 70 Zentimetern Höhe im Pool fast doppelt so viel wie zulässig.“

Da passt rechnerisch überhaupt nichts zusammen.

Erstmal zu dem Zitat des Sprechers der Stadt Stuttgart: Für 400 Kilonewton wäre ein Gewicht von über 40 Tonnen notwendig. Das wäre sehr viel. Wir haben bei Sven Matis nachgefragt, ob er den „Bild“-Autorinnen Anna Schmatz und Alexandra zu Castell-Rüdenhausen dieses Zitat so gegeben hat. Ja, habe er. Der Fehler liege bei ihm. Tatsächlich müsste es vier Kilonewton pro Quadratmeter heißen, so Matis.

Aber selbst mit dem richtigen Zitat wären die „Bild“-Angaben noch falsch: Der Pool war nicht „drei Quadratmeter groß“; er hatte einen Durchmesser von „etwa drei Metern“, wie die Polizei schreibt. Daraus ergibt sich eine Fläche von etwa sieben Quadratmetern. Und bei einer Höhe von 70 Zentimetern ein Volumen von 4900 Litern (statt 2100 Litern bei den „Bild“-Angaben). Das daraus resultierende Gewicht von 4900 Kilogramm waren für den Balkon offenbar zu viel.

Mit Dank an Vincenzo M. und Jonas H. für die Hinweise!

Nachtrag, 5. Juli: Mehrere Leserinnen und Leser weisen uns darauf hin, dass zum Gewicht des Pools und des Wassers im Pool noch das Gewicht der (mindestens) sechs Personen auf dem Balkon beziehungsweise im Pool kam. Das sollte man in der Rechnung nicht unterschlagen.

Mit Dank an die Hinweisgeber!

Kurz korrigiert (528)

In Nordrhein-Westfalen sucht das Landeskriminalamt (LKA) nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern:

Screenshot Bild.de - Schon 150 Bewerbungen eingegangen - LKA stellt Zivilisten zur Sichtung von Kinderpornos ein

Das LKA braucht die Unterstützung dringend, erklärt der Leiter der Zentralen Auswertungs- und Sammelstelle Kinderpornografie Sven Schneider bei Bild.de:

„Die Datenleitungen und Speichermedien werden immer größer, Cloud-Systeme können allerorts genutzt werden. Und somit existieren auch immer mehr Datenmengen im kinderpornografischen Bereich. Wir reden allein in diesem Phänomenbereich von Mengen im Petabyte-Bereich“, so Schneider weiter.

Nun wissen die meisten Menschen, die sich eher im Mega-, Giga- oder vielleicht noch Terabyte-Bereich bewegen, vermutlich nicht, wie viel genau ein Petabyte ist. Also, Bild.de?

Ein Petabyte sind unfassbare 125 000 Gigabyte

Ja, „unfassbar“, aber nee.

Ein Petabyte sind, je nachdem, ob man Dezimalpräfix oder Binärpräfix anwendet, 1.000.000 Gigabyte oder 1.048.576 Gibibyte (wobei es sich dann auch nicht um ein Petabyte handelt, sondern um ein Pebibyte).

Dass Bild.de bei etwas Unglaublichem mal untertreibt, kommt auch nicht häufig vor.

Mit Dank an L. für den Hinweis!

Nachtrag, 23:56 Uhr: Bei Bild.de steht jetzt an der entscheidenden Stelle:

Ein Petabyte sind unfassbare 1000 000 Gigabyte

Einen Hinweis darauf, dass da mal etwas anderes stand, gibt es nicht.

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