Posts Tagged ‘Jetzt’

Jetzt XX

Es ist mal wieder Zeit für unser beliebtes Spiel:

Kalkofe macht jetzt auf Glööckler

Huch, jetzt hat Harald Glööckler (47) auch noch seinen eigenen Klön!

Wir sehen zwei pompöös gleich aussehende Bartträger, doch wer ist wer?

Der mit dem Klunker am Finger ist das Original. Der andere ist im wahren Leben glatt rasiert und heißt Oliver Kalkofe (47).

Für seine Sendung „Kalkofes Mattscheibe“ (heute, 23.15 Uhr, Tele 5) parodiert er den Modemacher.

(Hervorhebungen von uns.)

Na, was glauben Sie, welche Bedeutung das Wort „jetzt“ diesmal hat?

Um es nicht unnötig spannend zu machen: „Jetzt“ entspricht in diesem Fall „seit mindestens siebeneinhalb Jahren“.

So lang ist es her, dass Oliver Kalkofe in seiner „Mattscheibe“ (damals auf ProSieben) erstmals Harald Glööckler parodiert hat.

Mit Dank an Volker K.

Jetzt XIX

Von einer „Spinnen-Invasion in der HafenCity“ in Hamburg berichtet „Bild“ heute: „Bei den Investoren läuten die Alarmglocken!“

Jetzt wollen sie den Ekel-Insekten mit wissenschaftlicher Hilfe an den Kragen.

„Jetzt“ diesmal im Sinne von: Exakt so, wie das „Hamburger Abendblatt“ am 4. Juli 2006 berichtete.

Mit Dank an Uwe S.!

Nachtrag, 20.50 Uhr. Und natürlich haben die vielen, vielen BILDblog-Leser recht, die darauf hinweisen, dass Spinnen keine Insekten sind.

Bild.de entdeckt Britneys dünnes Stimmchen

Die Meldung hat es sogar auf die Start-Seite von Bild.de geschafft:

(…) Jetzt tauchte ein Video von einem Britney-Spears-Konzert in Las Vegas auf, das demonstriert, wie groß die Diskrepanz zwischen der Live-Stimme und den Tönen, welche die Zuschauer hören, wirklich ist. (…)

Wo das Video „jetzt“ auftauchte, verrät Bild.de leider nicht. Macht aber nix: Wer will kann sich’s ja z.B. auf YouTube anschauen. Da taucht das Video nämlich schon seit November letzten Jahres auf.

Mit Dank an Martin L. für den Hinweis.

Jetzt XVIII

Auf die „Bild“-Zeitung ist Verlass:

So steht’s in einem Text über Dima Bilan, den Sieger des diesjährigen Eurovision Song Contest. Und wie so oft, wenn die „Bild“-Zeitung schreibt, „jetzt“ sei irgendwas irgendwo aufgetaucht, stimmt das (fast möchte man schreiben: natürlich) mal wieder nicht.

Die Bilder tauchen zurzeit allenfalls wieder vermehrt im Internet auf, "Fotos: INTERNET"so dass jetzt auch „Bild“ davon Wind bekommen hat und sie abdruckt – übrigens mit einer lustigen Quellenangabe (siehe Ausriss). Denn spätestens nachdem Dima Bilan im Jahr 2006 beim Grand Prix teilnahm (und Zweiter wurde)… naja, Sie wissen schon

Mit Dank an Stephan B. und Stefan F. für den Hinweis.

6 vor 9

Interview: Burda fordert klare Grenzen für ARD und ZDF
(FAZ, Michael Hanfeld)
Hubert Burda ist dagegen: Frauen-Boxen als Grundauftrag der Öffentlich-rechtlichen? Und das ganze noch im Internet? Zentrale Forderung: „dass die Angebote von ARD und ZDF nur für eine begrenzte Zeit – sieben Tage – verfügbar sind.“ Tagesschau-Chef Kai Gniffke bloggt zurück.

15 Jahre jetzt-Journalismus
(jetzt.de, Tobias Kniebe)
„In dieser Woche ist es 15 Jahre her, dass erstmals ein jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung beilag. Aus diesem Grund gibt es online auf jetzt.de in dieser Woche einen Blick ins Archiv: 15 Jahre jetzt-Journalismus, als gedrucktes Heft, als Online-Magazin und als jetzt-Kosmos …“

„Afrika ist kein Land“
(Neue Gegenwart, Frank Windeck)
„Welche Nachrichten erreichen uns vom schwarzen Nachbarn? (…) Immer mehr afrikanische Internetseiten gehen an den Start. Immer mehr Blogs werden geschrieben, immer mehr digitale Fotos oder auch Videos eingestellt. Für den proaktiven europäischen Mediennutzer ist dies eine Fundgrube an Informationen, die nicht überschätzt werden kann.

Interview: Die Langeweile Maxim Billers (PDF)
(Galore, Patrick Wildermann)
„Wie alle Heuchler neige ich zum Pathos, auch in der Liebe. Und am Ende werde ich dann doch wieder ganz kalt. – Ist Pathos ein negativer Begriff für Sie? – Pathos ist scheiße. Pathos ist immer Lüge. – Aber Pathos hat doch auch etwas Opernhaftes, es transportiert große Gefühle. – Sie müssen mich bitte irgendwas fragen, ich will jetzt nicht diskutieren.“

Sonderseite 700 Folgen „Tatort“
(FAZ.net)
Unter anderem „Einsame Wölfe und Gruppendynamiker, starke Frauen und sensible Männer, alte Hasen und junge Hüpfer und demnächst ein geschiedenes Ehepaar“ oder „Und Schimanski warf zwei rohe Eier ein“.

Wired erklärt die Formel 1 (Lesetipp)
(Wired, Mark Seal)
„Of all the copy shops in all of England, Trudy Coughlan had the rotten luck of walking into Document Image Processing. (…) Thus began the biggest scandal ever to rock the world of Formula One racing.“

Jetzt XVII

Manche Nachrichten müssen zur „Bild“-Meldung erst reifen.

Vor knapp einem Jahr, am 27. August 2006, berichtete die „Welt am Sonntag“, der Fotograf Mario Testino habe ein Haus in Berlin gekauft:

Star-Fotograf Mario Testino lebt für den Moment. Darum liebt er auch Berlin: "Die Narben, die Menschen, die Szenen auf der Straße". Nun hat sich der Peruaner, der in London lebt, seinen langen Traum von einem eigenen Haus in der Hauptstadt erfüllt: eine alte Villa, wie ein venezianischer Palast mit Riesenballsaal, um die 3000 Quadratmeter Wohnfläche, im Fischerinsel-Kiez, direkt an der Spree.

Am Tag darauf, dem 28. August 2006, freute sich die Boulevardzeitung „B.Z.“:

Testino jetzt Berliner — Willkommen in Berlin, Mario Testino (62)! Im Fischerinsel-Kiez hat sich der Star-Fotograf eine palast-ähnliche Villa gekauft (3000 Quadratmeter Wohnfläche direkt an der Spree).

Am 31. August 2006 schloss sich ein Blog des Schweizer Magazins „Cash“ an:

Die Deutsche Hauptstadt hat einen prominenten Neubürger: Starfotograf Mario Testino (…). Der gebürtige Peruaner kaufte sich eine alte Villa mit — man höre und staune und halte sich fest — 3000 Quadratmetern Wohnfläche und Spreeblick an der Fischerinsel. Sein Hauptwohnsitz bleibe aber London, bestätigte Testino, künftiger Besitzer eines Ballsaals im venezianischen Stil. Was Testino an Berlin reizt: „Die Narben und die Szenen auf der Strasse“.

Dann passierte lange, lange nichts. Außer, dass einige Medien in Nebensätzen erwähnten, dass Testino bekanntlich nun auch ein Haus in Berlin habe. Und dass unsichtbare „Bild“-Mitarbeiter im Hintergrund sicher immer wieder prüften, ob die Geschichte schon gut war für ihre Zeitung. Gestern, ein knappes Jahr später, war es endlich soweit:

Der letzte Fotograf von Lady Di wird Berliner. ... Jetzt hat der gebürtige Peruaner, der in London lebt, eine besondere Inspirationsquelle entdeckt: die deutsche Hauptstadt. Warum? "Die Narben, die Menschen, die Szenen auf der Straße", so Testino. Im Fischerinsel-Kiez direkt an der Spree hat er sich eine alte Villa gekauft. Vielmehr einen venezianischen Palast, rund 3000 Quadratmeter groß, mit riesigem Ballsaal

Der „Bild“-Artikel beginnt mit den Worten:

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass DER Starfotograf nach Berlin zieht (…).

Danke an Daniel B. für den Hinweis!

Jetzt XVI

Es gibt Signalwörter, die einen sofort an der Richtigkeit eines „Bild“-Artikels zweifeln lassen sollten. „Jetzt“ und „neu“ gehören dazu, „enthüllt“ und „Paul C. Martin“.

Bei diesem „Bild“-Artikel vom vergangenen Samstag kommen alle vier zusammen:

Historikerin enthüllt in einer neuen Biografie: ANNE FRANK VON EINER FRAU VERRATEN

Was „enthüllt“ das „neue“, „jetzt“ veröffentlichte Buch über Anne Frank laut „Bild“-Autor „Paul C. Martin“? Dass Anne Frank von der Frau eines Lagerarbeiters verraten wurde. Die soll anderen gegenüber gesagt haben: „Ich habe Angst um mich und meinen Mann, falls alles auffliegt.“

Das Buch „Das Mädchen Anne Frank“ von Melissa Müller ist allerdings nicht wirklich neu. Es kommt nur bald in einer erweiterten, überarbeiteten Neuauflage heraus. Die erste Auflage war 1998 erschienen. Damals schrieb zum Beispiel „Die Welt“ über das Buch:

Müller äußert nun den Verdacht, [der Leiter des Warenlagers] van Maaren habe seine Beobachtung, daß im Hinterhaus Juden versteckt seien, seinem Lagergehilfen Lammert Hartog weitererzählt, der wiederum seine Frau Lena einweihte. Diese habe dann wahrscheinlich aus Angst um ihren Mann, der den Aufruf zum Arbeitseinsatz ignoriert hatte und als Schwarzarbeiter tätig war, das Versteck verraten.

Jene Lena ist genau die Frau, die auch Paul C. Martin meint. Ihren Verdacht, dass sie die Verräterin war, deutete Müller schon in der Erstausgabe der Biographie 1998 an. Außer der „Welt“ berichteten damals u.a. „F.A.Z.“, „Hamburger Morgenpost“ und „Berliner Zeitung“ darüber. Seitdem ist die Enthüllung an vielen, oft naheliegenden Orten nachzulesen.

Und nun, neun Jahre später, noch einmal in „Bild“. Allerdings erstmals wieder neu.

Vielen Dank an Tina M. für den Hinweis!

Jetzt XV


Wenn irgendwo eine „Hure erschossen“ wird, ist das natürlich ein Thema – für „Bild“. Und so schreibt „Bild“ heute (in Teilen ihrer Ausgabe) über die am 25. März 2006 ermordete Anamaria Negoita, die in Hof als Prostituierte arbeitete:

„Womit der Killer nicht rechnete: Eine Überwachungskamera nahm ihn auf!

Jetzt wurden die Bilder erstmals von der ‘Soko Karina’ veröffentlicht.

Nun ja: Tatsächlich wurden die Bilder am vergangenen Freitag von der „Soko Karina“ veröffentlicht — allerdings nicht wirklich „erstmals“, wie „Bild“ behauptet. Erstmals veröffentlicht wurden die Bilder indes vor siebeneinhalb Monaten. Und seitdem sahen sie (abgesehen von den Lesern verschiedener Zeitungen) allein in Sendungen wie „Aktenzeichen XY ungelöst“ vom 4. Mai oder „Kripo Live“ vom 11. Juni über 4,5 Millionen Zuschauer.

Jetzt wurden die Bilder nur erstmals von der „Bild“-Zeitung veröffentlicht.

Mit Dank an farry2003 für den Hinweis und Wolfgang K. auch für den Scan.

„Bild“ entdeckt Honis Jesus-Latschen wieder

Honis Jesus-Latschen wiederentdeckt

Das, was „Bild“ lustig „Jesus-Latschen“ nennt, sind riesige Schuhe, mit denen man übers Wasser laufen kann. 1985 entwickelte sie der DDR-Betrieb „Wiking“ für das Ausland. Für den Verkauf im eigenen Land erschien den DDR-Oberen die Möglichkeit, damit flugs Elbe oder Ostsee überqueren zu können, ein bisschen riskant. Nicht verkaufte Exemplare mussten vernichtet werden. Oder, wie „Bild“ heute schreibt:

Sie blieben verboten und verschollen -- bis einige Exemplare jetzt in einer Scheune in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurden!

„Jetzt“? Aber nein! Der Bootsbauer Frank-Uwe Groth, der basierend auf der alten Idee ein neues Patent entwickelt hat, datiert den Fund in der Scheune auf das Jahr 2003.

Die Nachrichtenagentur dpa schrieb schon am 26. Juli 2005 ausführlich über Groth. Anlässlich der „Human-Powered-Boats-Weltmeisterschaft 2005″ widmete die Financial Times Deutschland der Erfindung am 19. August 2005 einen längeren Text. Und am 29. August 2005 berichtete bereits der MDR über das, was angeblich „jetzt“ erst geschah.

„Bild“ ist also nur ein bisschen spät dran und versucht dies (wie so oft) durch leichtes Drehen am Raum-Zeit-Kontinuum zu verschleiern. Und macht bei der Gelegenheit fälschlicherweise aus dem Mann, der die Schwimmschuhe tatsächlich jetzt in Dresden verleiht, gleich den Produzenten der Dinger.

Vielen Dank an Sascha E. für den sachdienlichen Hinweis!

Jetzt XIII

Schon mit einfachen technischen Mitteln ließe sich die journalistische Qualität von Bild.de erhöhen. Jedesmal, wenn ein Mitarbeiter das Wort „jetzt“ ins Redaktionssystem eingibt, müsste ein Warnton erklingen. Und jedesmal, wenn einer das Wort „enthüllt“ eintippt, müsste eine Warnlampe angehen. Dann hätte es bei dieser Zeile heute schon mächtig geblinkt und gehupt:

Nach 37 Jahren jetzt enthüllt

Und das wäre ein guter Anlass gewesen, kurz nachzuprüfen, ob das wirklich „jetzt“ „enthüllt“ wurde, was Bild.de da schreibt:

Schreibstift rettete Apollo-Astronauten

Gut, das steht zwar anlässlich einer TV-Dokumentation ähnlich auch in der britischen Boulevardzeitung „Daily Mirror“. Aber schon ein Blick ins Archiv der „Bild“-Zeitung hätte die Behauptung widerlegt: Dort stand die erstaunliche Geschichte von dem Stift, mit dem die Mondlandefähre der Apollo-11-Mission repariert wurde, schon vor fünf Jahren — unter Verweis auf einen Artikel in der Zeitschrift „P.M.“, die um die Stift-Geschichte allerdings gar nicht viel Wind machte.

Warum auch. Schon 1999 hatte sich das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum die Sache von Apollo-11-Raumfahrer Buzz Aldrin direkt erklären lassen (pdf). Und 1998 hatte Aldrin in einem Interview von Studenten darüber berichtet. Und laut Nasa steht die Episode, wie ein Stift die Apollo-11-Mission rettete, schon in Aldrins Buch „Men From Earth“, das er vor ziemlich genau 17 Jahren veröffentlichte.

Ach ja, und anders als Bild.de schreibt, landete Michael Collins nie mit Aldrin und Armstrong auf dem Mond, sondern blieb brav an Bord der Raumkapsel.

Danke an Steffen F. und Daniel S. für den Hinweis!

Nachtrag, 17.30 Uhr. Die Nachrichtenagentur AFP ist offenbar der Urheber der Geschichte — sie verbreitet sie unter der nicht ganz falschen, aber schwer irreführenden Überschrift „Astronaut berichtet nach 37 Jahren über Missgeschick“. Und außer Bild.de hat auch Spiegel Online die Agenturmeldung offenbar ohne jede Recherche zugespitzt: „Makaber und 37 Jahre lang geheim gehalten ist die Geschichte der ersten Rückkehrer vom Mond“, heißt es dort.

Nachtrag, 25.7.2006: Spiegel Online hat die Meldung inzwischen korrigiert und ergänzt.

Bild.de hingegen bleibt bislang bei seiner Darstellung.

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