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Fluch der Akribik

Im Februar war das Kreuzfahrtschiff „Carnival Triumph“ im Golf von Mexiko nach einem Brand navigierunfähig manövrierunfähig geworden und musste in einen US-Hafen geschleppt werden, während an Bord die Toiletten überliefen. Jetzt hat ein Sturm das Schiff im Hafen losgerissen und es wurde erneut beschädigt.

Und weil der Reederei Carnival auch die „Costa Concordia“ gehört, die im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio mit einem Felsen kollidiert war, fragt Bild.de jetzt:

LUXUSKREUZER "CARNIVAL TRIUMPH"-CRASH: Liegt ein Fluch über dieser Kreuzfahrtlinie?

Eine völlig nahe liegende Frage, angesichts der Fluch-Obsession der „Bild“-Redaktion.

Hier eine sicherlich unvollständige Zusammenstellung der letzten zwei Jahre:

11. März 2013:
HSV hämmert den Labbadia-Fluch weg

11. Februar 2013:
ROTFLUCH! Mainz-Bubi Parker fliegt im 7. Spiel zum zweiten Mal. KARNEVALS-FLUCH! Wenn es närrisch wird, kann Meier nicht gewinnen

8. Februar 2013:
Der Unfall-Fluch von Hoffenheim 2. Crash in fünf Monaten - Advincula mit rund 80 km/h gegen Baum

7. August 2012:

Fahnenträger-Fluch! 12 Jahre ohne Medaille

27. Juli 2012:

Als würde ein Fluch auf der Schauspielerfamilie [Lothar] liegen:

  • Susannes Vater Hanns Lothar wurde nur 37 Jahre alt. Er starb 1967 nach einer Nierenkolik. Lothar war ein Star der frühen TV-Jahre („Flug in Gefahr“, 1964).
  • Susannes Halbbruder Marcel Werner (entstammt einer Affäre ihres Vaters) nahm sich 1986 das Leben, nur 34 Jahre alt.
  • Schauspielerin Jenny Gröllmann, die zweite Frau von Susanne Lothars Ehemann Ulrich Mühe, kämpfte jahrelang gegen den Krebs. Mit 59 starb Gröllmann 2006 in Berlin.
  • Im Jahr darauf erlag auch Ulrich Mühe seinem Krebsleiden, nur 54 Jahre alt.

20. Juli 2012:
Vettel hat den Deutschland-Fluch!

18. Mai 2012:

Der Fluch der Kennedys hört nie auf! FRAU VON BOBBY JR. (52) - SELBSTMORD IN DER GARTENLAUBE

5. April 2011:

Hat der Onassis-Fluch wieder zugeschlagen? Athina Onassis (26), letzte überlebende Erbin des milliardenschweren Onassis-Clans, erhielt jüngst eine Schreckensnachricht: Die Ex-Freundin ihres Mannes Doda (38) hat sich umgebracht.

Und hier weitere Flüche im BILDblog-Archiv.

Bild  

Diese Tschernobyls

Wie verknüpft man den persönlichen Schicksalsschlag einer Schauspielerin am Besten mit aktuell flottierenden Themen?

„Bild“ macht es heute vor:

TV-Star Witta Pohl mit Blutkrebs auf der Intensiv-Station! Vor 11 Jahren war sie im Reaktor von Tschernobyl...

Die drei Punkte bedeuten laut „Bild“ dies:

Es gibt Fotos, die Witta Pohl vor elf Jahren im Unglücksreaktor von Tschernobyl zeigen. Sie steht dort im Kontrollraum des Kernkraftwerkes. Für ihr Hilfsprojekt „Verein Kinderluftbrücke e.V.“ war sie öfter in die Ukraine gereist.

Dass diese Aufenthalte etwas mit ihrer plötzlichen Erkrankung zu tun haben könnten, schließen die Ärzte aber „ausdrücklich“ aus.

„Ihre Reisen nach Tschernobyl im Rahmen ihrer Aktivitäten für die Kinderluftbrücke stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit ihrer Erkrankung“, heißt es aus Familienkreisen. Und: „Das Schlimme an Krankheitsbildern wie diesen ist, dass sie sich oft der Frage nach dem Warum entziehen.“

Diese Frage nach dem Warum lässt „Bild“ dennoch nicht los — und so hat die Zeitung eine schon beinahe traditionelle Erklärung gefunden:

Der Fluch der Drombuschs

Mit Dank an Christian und Alex A.

Aberglaube ist keine Hexerei!

Es war eine dieser Meldungen, die erschüttern: Viele Ehen, die in Las Vegas geschlossen werden, berichtete Bild.de in dieser Woche, halten nicht für immer.

Woran mag das liegen? Bild.de ist diese mögliche Erklärung eingefallen:

Liegt ein Fluch auf den Hochzeiten in Las Vegas?

Holla, darauf wären wir jetzt nicht gekommen. Aber dafür hat man ja Experten, dass sie einen warnen, vor Orten und Gegenständen, die verwunschen sind, von irgendeiner übersinnlichen Macht.

Und wir nutzen die Gelegenheit, als Service für unsere Leser die wichtigsten der potentiellen Flüche, über die „Bild“ in diesem Jahr berichtete, in einer Übersicht zusammenzufassen:

Verflucht Name und Art des Fluchs
Bär Bruno „Liegt ein Fluch über dieser Bärenfamilie?“ (zwei Jahre nach Bruno wurde auch sein Bruder erschossen)
Batman-Film „The Dark Knight“ „Der Fluch des Batman-Films“
(zwei Tote, eine Festnahme, ein Horror-Unfall)
Bayern München „HSV-Fluch“
(kein Sieg in der Arena gegen Hamburg)
Beatles „Die Beatles haben einen Fluch, sie werden nie glücklich werden.“
Deutsche Olympioniken 2008 „Olympia-Fluch“
(keine Goldmedaillen für Deutschland)
Dieter Degowski, Gladbeck-Geiselnehmer „Über seiner Familie scheint seit seiner Tat ein Fluch zu liegen.“
(Vater gestorben, Mutter Hirnschlag, Bruder Selbstmord, keine Freunde)
Dirk Zingler,
Präsident 1. FC Union
„Erfurt-Fluch“
(mehrere Niederlagen)
Dustin Heun,
Stürmer 1. FC Union
„Erfurt-Fluch“
(keine Tore)
Günther Beckstein, Erwin Huber „Als laste ein Fluch auf den beiden ‘Provinzpolitikern’ (Stoiber)“
(ihnen „will nichts gelingen“)
Hertha BSC „Flutlicht-Fluch“
(keine Siege, wenn es dunkel ist)
Die Kennedys „Der Fluch der Kennedys“
(„Tragödien und Skandale, Trauermärsche und Särge“, sogar alte Männer werden krank)
Klimbim-Familie „LIEGT ETWA EIN FLUCH ÜBER DER KLIMBIM-FAMILIE?“
(traurige Schicksale)
Luca Toni „Torlos-Fluch“
Manuel Neuer, Torwart Schalke 04* „Erbt Neuer den Fluch von Pannen-Olli?“
(„mal Held, mal Depp“)
Michael Ballack „Vize-Fluch“, „Endspiel-Fluch“, „Final-Fluch“
(gewinnt kein Endspiel)
Nürnberger Zoo „Es ist, als ob ein Fluch auf dem Tiergarten liegt.“
(im Lauf von 8 Jahren sterben 4 Bären, 1 Giraffen-Junges, 7 Delfin-Babys, 1 Elefantendame, 1 Gepardin, 2 Eisbär-Babys, 1 Besucherin)
Renft, Popgruppe „Der Fluch über der ‘Renft’-Combo hält an.“
(mehrere Mitglieder sterben an Krebs, einer bei einem Autounfall)
Roger Federer, Tennisspieler „Paris-Fluch“
(noch nie die French-Open gewonnen)
Schalke 04 „Start-Fluch“
(kein Tor, nur Niederlagen in den Auftaktspielen der Champions League)
Spanische Fußballnationalmannschaft „Elfer-Fluch“
(verliert immer am 22. Juni das Viertelfinale bei einem großen Turnier im Elfmeterschießen)
Tour de France 2008 „Auf dieser Tour liegt ein Fluch!“
(„nach den Doping-Fällen der letzten Tage … gab es einen bösen Sturz“)
Tutanchamun „Fluch des Pharao“
Volleyballer vom SC Charlottenburg „Pleiten-Fluch“
(scheitern in der Vorrunde der Play-Offs)

*) Korrektur, 23.20 Uhr (mit Dank an die vielen Hinweisgeber): Verflucht, da hatten wir den Schalker doch zunächst tatsächlich versehentlich zum Bayern-München-Torwart gemacht. Sorry.

Oder liegt nur ein Fluch auf der „Bild“-Zeitung?

Ein „FLUCH“ liegt auf dem Batman-Film, glaubt „Bild“, weil es — spätestens seit dem Autounfall des Schauspielers Morgan Freeman am vergangenen Sonntag — eine „unheimliche Häufung von Unglücksfällen in der Crew des neuen ‘Batman’-Films ‘The Dark Knight’“ gebe.

Begonnen hatte die Unglücksserie im September 2007. Bei einem Stunt wurde der Spezialeffekt-Experte Conway Wickliffe (+ 41) aus Versehen erschossen.

„Erschossen“? Wickliffe kam ums Leben, als er im September vergangenen Jahres am Set mit einem Auto in einen Baum fuhr.

Wie kommt „Bild“ dann darauf, dass er erschossen wurde? Der Bild.de-Artikel zum Thema gibt einen guten Hinweis. Dort ist ein „Sun“-Artikel verlinkt, in dem es heißt:

Last September special effects technician CONWAY WICKLIFFE, 41, was killed during shooting of a truck stunt near Chertsey, in Surrey.

So gesehen ist es ein Wunder, dass bei den ganzen Schießereien, zu denen es bei der Produktion von Filmen im Englischen regelmäßig kommt, nicht viel mehr passiert.

Mit Dank an Niklas V., Malte L., Jens K., Mutlu Y., Michael M., Jonas G., Robin D., Konstantin, Sven, Axel L., Eugen, Sebastian F. und Tobias R.!

Fluchzeuge im Bauch

Wenn ein 76-jähriger Mann einen Hirntumor hat, was würde Ihnen dazu einfallen?

Uns ist Elisabeth Volkmann eingefallen, „Bild“ etwas anderes. Doch dazu gleich. Als Volkmann jedenfalls vor zwei Jahren 70-jährig an akutem Herz- und Kreislaufversagen starb, schrieb „Bild“:

Liegt ein Fluch über der Klimbim-Familie?

Der Fluch bestand für „Bild“ damals in Selbstmord (Michael Pfleghar), Schlaganfall („Peer Augustinski“), „nie Glück mit den Männern“ (Ingrid Steeger) und Volkmanns Tod.

Aber das ist natürlich nix gegen, sagen wir, die Kennedys. Die können in der „Bild“-Schicksalsbilanz mit den Klimbims locker mithalten: 3x Flugzeugabsturz (Joseph Kennedy jr., Kathleen Kennedy, John F. Kennedy jr.), 2x Attentat (John f. Kennedy, Robert Kennedy) und 1x Lymphdrüsenkrebs (Jacky Kennedy Onassis) in 55 Jahren.

Und nun, neun Jahre nach dem letzten Schicksalsschlag, haben die Ärzte bei JFKs gerade mal 76-jährigen Bruder Ted „einen bösartigen Tumor in der linken Gehirnhälfte entdeckt“! Für „Bild“ ein klarer Fall:
"Schon wieder schlug das Schicksal zu: Der Fluch der Kennedys"
Um es mit Spießer Alfons zu sagen:

Wer hier wirklich zugeschlagen hat, war nicht das Schicksal, sondern der BILD-Autor.

Liegt ein Fluch über dem Sommer?

Es ist Sommer. Ein Sommer der Wiederwiederwiederholungen. Und heute fragt „Bild“ anlässlich Elisabeth Volkmanns Tod:

Liegt ein Fluch über der Klimbim-Familie?

Und wir zitieren auszugsweise:

„Sie machten die Menschen glücklich — und wurden selbst so unglücklich.“

„Regisseur Michael Pfleghar († 58) erschoß sich 1991 in der Badewanne seiner Düsseldorfer Wohnung – er war des Lebens überdrüssig.“

„Im November 2005 erlitt Peer Augustinski einen schweren Schlaganfall – 14 Tage Intensivstation, Schädel-Akupunktur. Seitdem ist er halbseitig gelähmt, kämpft sich mit harter Therapie zurück ins Leben.“

„Ingrid Steeger hatte nie Glück mit den Männern. Sie war mit Michael Pfleghar liiert, der sie ausnutzte – wie alle anderen auch. Heute lebt sie mit ihrem Dackel zurückgezogen in einer Zweizimmerwohnung in München.“

Und jetzt? Jetzt zitieren wir auszugsweise aus einem Artikel der „Bild am Sonntag“, erschienen vor fast genau zehn Wochen:

"Der Klimbim-Fluch"

„Muß man selber unglücklich werden, wenn man Millionen andere glücklich macht?“

„Am 23. Juni 1991 erschoß sich der lebensüberdrüssige Pfleghar in der Badewanne seiner Düsseldorfer Wohnung.“

„Peer Augustinski hat immer sehr gesund gelebt. (…) Im November vergangenen Jahres dann ein Schlaganfall, einer von der schweren Sorte. 14 Tage Intensivstation, linksseitige Lähmung, Schädel-Akupunktur. Augustinski kämpft sich durch. Beißt sich durch die Therapie:“

„Und dann ist da noch immer Ingrid Steeger, heute 59. (…) War mit dem genialischen Michael Pfleghar liiert – der hat sie ausgenutzt wie alle ihre anderen Männer auch. Lebt jetzt mit einer alten Dackelhündin in einer Münchner Zweizimmerwohnung, die sie kaum verläßt.“

Und nur zum Vergleich wiederholen wir nun noch ein paar „Bild“- und „BamS“-Aufregersätze der vergangenen zehn Jahre:

„Das ist der Gipfel aller TV-Unverschämtheiten! Erst im April wurden die Gebühren fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen (…) erhöht. Und jetzt bekommen wir von ARD und ZDF trotzdem einen TV-Sommer voller Wiederholungen.“
(„Bild“ vom 30.7.2005)

„Der TV-Sommer der Wiederwiederwiederholungen: TV-GÄHN! Egal, wohin man zappt – fast nur noch Wiederholungen. Gähnende TV-Langeweile. (…) Wofür zahlen wir eigentlich noch TV-Gebühren!“
(„Bild“ vom 16.7.2003)

„(…) jeden Sommer der gleiche Ärger über Wiederholungen im TV. (…) Deshalb fordert jetzt Hans-Joachim Otto, medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: Runter mit den TV-Gebühren während der Sommermonate!“
(„BamS“ vom 14.7.2002)

„Gähn-TV immer schlimmer: Das Sommer-Gähn-TV. Nur Wiederholungen, fast alle Show- und Talkmaster im Urlaub.“
(„Bild“ vom 3.8.2001)

„Wofür zahlen wir im Sommer eigentlich Gebühren? Politiker fordern weniger Gebühren wegen Gähn-TV“
(„Bild“ vom 28.7.2001)

„Noch nie sendete das Fernsehen so viele Wiederholungen wie im kommenden Sommer: Der trostlose TV-Sommer“
(„BamS“ vom 2.7.2000)

„Ab Juni fast nur noch Wiederholungen: Das Fernsehen fällt in den Sommerschlaf“
(„BamS“ vom 30.5.1999)

„Nur noch Wiederholungen: Frechheit: Fernsehen fällt drei Monate in Sommerschlaf“
(„BamS“ vom 1.6.1997)

Alles nur Zufall?

Da ist der Entdecker der sog. „Ötzi“-Mumie ausgerechnet bei einer Bergtour tödlich verunglückt. Und „Bild“ fragt:

„Ist der Mann, der Ötzi fand, jetzt einem Fluch der Eis-Mumie erlegen?“ Bzw.: „War es der unheimliche Fluch?“

Unheimlich, oder? Außerdem hatten drei inzwischen verstorbene Fußballer vor über zehn Jahren mal beim selben Verein gespielt. Ausgerechnet! Und „Bild“ fragt:

„Liegt ein Fluch auf dieser Mannschaft?“

Anders gesagt: Ausgerechnet seit Kai Diekmann Chefredakteur der „Bild“-Zeitung wurde, ist deren täglich verkaufte Auflage um ungefähr eine halbe Million gesunken. Und wir?

Haben keine weiteren Fragen, nur weitere Links

Mit Dank an Matthias A. für den Hinweis.