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Verlierer unter sich

Kachelmann: Freispruch, aber ...Der sogenannte Kachelmann-Prozess ist vorbei und eigentlich gibt es nur Verlierer: Jörg Kachelmann (so die Prozessbeobachterin Alice Schwarzer), weil er auf den Freispruch im Zweifel für den Angeklagten „nicht stolz sein“ könne (mehr zum Rechtsgrundsatz „in dubio pro reo“ in diesem lesenswerten „FAZ“-Artikel), das mutmaßliche Opfer, dessen Leben nun „in Scherben“ liege (erneut Alice Schwarzer), das Gericht, weil es die Medien so seltsam unbefriedigt zurückließ, und – vor allem – die Medien selbst, die sich während des ganzen Prozesses nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hatten und dafür vom Vorsitzenden Richter auch noch mal die Leviten gelesen bekamen (BILDblog berichtete).

Jetzt ist der Prozess vorbei, aber ein paar Verlierer gilt es noch nachzutragen:

Bild.de musste gestern eine Gegendarstellung Kachelmanns zu einem Artikel von Anfang Mai veröffentlichen:

Gegendarstellung. In dem Internetportal www.bild.de wurde am 05.05.2011 ein Artikel mit der Überschrift „Das Kachelmann-Gutachten – Sein Sexleben war variantenreich“ veröffentlicht, der unrichtige Behauptungen enthält: a. Unwahr ist, dass ich grinste. b. Ferner ist unwahr, dass ich währenddessen meine Hände knetete. Wahr ist vielmehr, dass ich weder grinste, noch meine Hände knetete, während der Facharzt für Neurologie Hartmut Pleines am 05.05.2011 sein Gutachten vor dem Landgericht Mannheim erstattete. Köln, den 09.05.2011. Jörg Kachelmann

Ebenfalls gestern berichtete Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker per Pressemitteilung von einem Vergleich zwischen der „Bild“-Gerichtskolumnistin Alice Schwarzer und Kachelmanns früherem Strafverteidiger Reinhard Birkenstock: Schwarzer hatte wiederholt fälschlicherweise behauptet, Birkenstock habe das mutmaßliche Opfer als Stalkerin bezeichnet und erklärt, Kachelmann kenne die Frau gar nicht (BILDblog berichtete). Frau Schwarzer muss dafür jetzt 14.000 Euro zahlen.

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Da ist die Tür!

Mit dem Verständnis von juristischen Themen (Menschenrechts-Chartas, Gesetze, Strafprozessordnungen) haben sie’s bei „Bild“ nicht so. Was spätestens dann ein bisschen blöd wird, wenn die Zeitung über juristische Themen zu berichten versucht.

Heute sieht das Ergebnis so aus:

Kachelmann-Prozess: Richter wirft Alice Schwarzer aus dem Gerichtssaal.
Jörg Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn hatte bei der Zeugenaussage einen Sachverständigen gefragt, ob dessen Rechtsbeistand eine Empfehlung von Alice Schwarzer gewesen sei. Der Sachverständige hatte verneint und betont, keinen Kontakt mit der Feministin gehabt zu haben. Schwenn beantragte daraufhin die Vernehmung der „Bild“-Gerichtsreport-Praktikantin als Zeugin.

Oder, wie „Bild“ es heute formuliert:

Dann wendet Schwenn sich triumphierend der Journalistin zu: „Das bedeutet, dass es mit der Beobachterrolle der Zeugin Schwarzer ein Ende hat.“

Nur Sekunden später fordert Richter Michael Seidling die „Emma“-Herausgeberin zum Gehen auf: „Frau Schwarzer, ich darf Sie bitten, den Saal zu verlassen, weil Sie als Zeugin in Betracht kommen.“

DER RICHTER WIRFT ALICE SCHWARZER AUS DEM SAAL!

Laut Strafprozessordnung darf sie nicht mehr im Zuschauerraum sitzen – bis über den Antrag von Schwenn entschieden ist.

Der letzte Satz ist richtig — und lässt die Empörung im vorherigen Satz und der Überschrift um so alberner wirken. Nach ihrer möglichen Zeugenaussage (bei der sie als Journalisten noch dazu vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen dürfte), dürfte Schwarzer dann wieder ganz normal im Zuschauerraum Platz nehmen.

Alice Schwarzer lässt sich von „Bild“ mit den Worten zitieren, das Ziel von Kachelmanns Anwalt sei es, „alle Journalisten im Saal loswerden, die ihm nicht passen“.

Das mag sein. Aber dass man nicht unbedingt im Saal sein muss, um über den Prozess zu berichten, müsste Frau Schwarzer selbst doch am besten wissen.

Mit Dank an noir, spot, Robert W., Sebastian A. und Tim G.

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„Versprochen“ ist nicht gleich versprochen

Die „Bild“-Gerichtsreport-Praktikantin Alice Schwarzer hat Jörg Kachelmann Unrecht getan. Oder wie sie es selbst ausdrückt:

Ich habe Jörg Kachelmann unrecht getan. Und das gilt es nun wiedergutzumachen. Am 22. Dezember hatte ich geschrieben: „Der Mann ist wirklich nicht zu beneiden um sein absurd rastloses, verlogenes Leben. Dieses Leben mit mindestens sechs Frauen gleichzeitig, denen er allen die Ehe versprochen hatte.“

Das wollte der Vielbeschäftigte so nicht stehen lassen.

Mit meiner Behauptung würde ich ihn „in der Öffentlichkeit in ein schlechtes Bild rücken“; schlimmer noch, ihm unterstellen, „er sei ein Heiratsschwindler“.

Das ließ er seine Anwälte vortragen.

„Vortragen“ durften die Anwälte dies vor der Pressekammer des Kölner Landgerichts, das auch prompt einstweilige Verfügungen gegen Schwarzer, die Axel Springer AG als Verlag der gedruckten „Bild“ und die Bild digital GmbH & Co. KG als Betreiber von Bild.de erließ, wo Schwarzers Text ebenfalls veröffentlicht worden war.

Es ist nicht die erste juristische Niederlage, die Kachelmanns Anwälte der „Emma“-Herausgeberin persönlich beigebracht haben (BILDblog berichtete), aber das erste Mal, dass Schwarzer im Zuge ihrer Kachelmann-Berichterstattung eigene Fehler einräumt.

Der Originalartikel auf Bild.de wurde inzwischen – bis auf ein Textfragment – entfernt, aber in einem Interview bei „Focus Online“ findet sich noch folgende Passage:

Immerhin hatte das mutmaßliche Opfer gelogen. Die Frau ahnte schon länger, dass Kachelmann ihr nicht treu ist.

Die kleine Lüge hatte nichts mit der Tatnacht zu tun. Von Kachelmann aber war inzwischen öffentlich geworden, dass er sich mindestens sechs Frauen gleichzeitig hielt, denen er allen die Ehe und Kinder versprochen hatte. Das deutet natürlich auf pathologische Züge der Persönlichkeit hin. Und darum ist es auch richtig, dass das Gericht mehrere seiner Ex-Freundinnen vernimmt. Die fragliche Tat muss ja im Kontext der Persönlichkeit des Angeklagten gesehen werden.

So ganz geschlagen geben will sich die Frauenrechtlerin dann auch nicht und zählt heute in „Bild“ flugs sechs Frauen auf, mit denen Kachelmann angeblich ein gemeinsames Leben geplant haben soll.

Sie schließt mit den Worten:

Zusammenleben, Kinder bekommen, eine glückliche Beziehung für das ganze Leben führen … Ein Eheversprechen ist das alles nicht. Nur der Glaube an eine gemeinsame Zukunft. Und das ist schließlich etwas anderes. Für Juristen zumindest.

Für die auch, ja.

Schlechte Aussichten für die Schwarzer-Kasse

Am 16. Oktober erschien in „Bild“ diese Richtigstellung (BILDblog berichtete):

Berichtigung: Anders als in BILD am 15.10.2010 berichtet, hat Jörg Kachelmanns Verteidigung das mutmaßliche Opfer nicht als Stalkerin bezeichnet und auch nicht verlauten lassen, der Moderator kenne es gar nicht.

Diese Berichtigung erfolgte möglicherweise nicht ganz freiwillig: Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker hatte die Autorin des Artikels, die „Bild“-Praktikantin Alice Schwarzer, persönlich abgemahnt. Bild.de hat die beanstandete Stelle (freiwillig, wie Höcker betont) aus dem Artikel entfernt, Schwarzer gab eine Unterlassungserklärung ab, in der sie erklärt hatte, die Behauptung nicht weiter zu verbreiten.

Doch der Text blieb unverändert an zwei anderen Stellen stehen: in Schwarzers Blog und auf emma.de. Weil Schwarzer somit gegen die Unterlassungserklärung verstieß, wurde eine Vertragsstrafe fällig — 5.001 Euro, wie der „Spiegel“ berichtet.

Alice Schwarzer änderte die Formulierung von „Die Verteidigung behauptete …“ in „Zunächst hieß es …“ , doch das reichte nach Ansicht des Kölner Landgerichts nicht aus. ​Es ​erließ ​deshalb ​zwei ​weitere ​Einstweilige ​Verfügungen, ​diesmal ​gegen ​die ​EMMA-Frauenverlags ​GmbH ​und ​den damaligen ​Inhaber ​der ​Domains ​emma.de ​und ​aliceschwarzer.de, der auch heute noch die beiden Internetauftritte betreut. Zudem verlangte Kachelmanns Verteidigung von Schwarzer eine weitere Vertragsstrafe von 20.000 Euro, da die zuvor verhängten 5.001 Euro „wohl nicht abschreckend genug gewesen seien“.

Hinzu kam ein älterer Artikel, der die angegriffene Behauptung über Kachelmanns Verteidigung im Kern enthielt. Da Alice Schwarzer eine Unterlassungserklärung abgegeben hatte, hätte sie auch Sorge tragen müssen, dass sie diese Behauptung nirgendwo mehr verbreitet. Doch auch nach der Abgabe einer Abschlusserklärung blieb einer der Texte auf aliceschwarzer.de unverändert, weswegen Kachelmanns Verteidiger die Vertragsstrafenforderung „wegen besonders penetranter Uneinsichtigkeit“ am vergangenen Freitag noch einmal um 50.000 Euro auf insgesamt 75.001 Euro erhöhte. Hinzu kommen die Anwalts- und Gerichtskosten für die verlorenen Verfügungsverfahren.

Außerdem laufen vor dem Landgericht Köln noch zwei Ordnungsgeldverfahren gegen Schwarzer, da sie gegen die Einstweiligen Verfügungen des Gerichts verstoßen habe.

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In Sachen Schwarzer ./. Kachelmann

Berichtigung: Anders als in BILD am 15.10.2010 berichtet, hat Jörg Kachelmanns Verteidigung das mutmaßliche Opfer nicht als Stalkerin bezeichnet und auch nicht verlauten lassen, der Moderator kenne es gar nicht.

„Typisch ‘Bild'“, möchte man angesichts dieser Berichtigung heute sagen, aber das wäre ungerecht. „Typisch Alice Schwarzer“ träfe es vielleicht eher.

Die „Emma“-Herausgeberin berichtet bekanntlich für das Blatt über den Vergewaltigungsprozess. Manchmal müsse „man etwas selber erleben und darf sich nicht nur mit Informationen aus zweiter Hand begnügen“, erklärte sie ihr Engagement, bei dem sie sich manchmal mit Informationen aus zweiter Hand begnügt und dabei so tut, als hätte sie etwas selber erlebt.

Munter und frei von juristischem Sachverstand schreibt die Frau, die „Bild“ am vergangenen Mittwoch zum „Gewinner“ ernannt hatte, gegen Kachelmann und seine vermeintlichen Unterstützer in den Medien an. Freitag klagte sie über die „Spielchen“ und „taktischen Manöver“ der Verteidigung, weil die empört war, dass das angebliche Opfer als Zeugin nicht vom Gericht über sein Aussageverweigerungsrecht belehrt wurde: Nach Paragraph 55 der Strafprozessordnung hat ein Zeuge das Recht, die Aussage zu verweigern, wenn er sich damit selbst belasten könnte, und muss auf dieses Recht hingewiesen werden.

Der Anwalt Udo Vetter kommentiert in seinem Blog:

Der Nebenklägerin, die Kachelmann vergewaltigt haben soll, sind bereits unwahre Aussagen nachgewiesen worden (…). Darüber steht natürlich die weitaus größere Möglichkeit, dass die Nebenklägerin die Vergewaltigung insgesamt erfunden hat. (…)

Jedes Wort, das die Zeugen also sagt, kann für sie strafrechtlichen Ärger bedeuten. Um so wichtiger, dass ihr das Gericht vor der Aussage erklärt, wie sie diesen Ärger vermeiden kann. Um so unverständlicher, wieso das Landgericht Mannheim meint, ausgerechnet bei Kachelmanns Ex-Freundin bestehe für die Belehrung, die vielleicht mal anderthalb Minuten dauert, keine Notwendigkeit. (…)

Die Weigerung, die Zeugin korrekt zu belehren, wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Richter. Denn es gibt wenige andere Erklärungsansätze als jenen, dass sie offenbar schon jetzt meinen, die Nebenklägerin lüge keinesfalls.

Alice Schwarzer, die verwirrenderweise formuliert, die Zeugin solle „zusätzlich ‘nach § 55′ vereidigt“ werden, sieht in dem Bestehen auf einer rechtlichen Vorschrift aber bloß den Versuch, die Nebenklägerin als Lügnerin hinzustellen. Kachelmanns Verteidiger bezichtige sie „damit indirekt des Vortäuschens einer Straftat“.

Ihr Angriff auf Kachelmanns Verteidigung endet so:

Wir erinnern uns: Kurz nach der Verhaftung des Wetter-Moderators hieß es, Jörg Kachelmann kenne diese Frau gar nicht, sie sei eine Stalkerin. Dann hieß es, es sei „vor allem um Sex“ gegangen. Sodann erfuhren wir: Die beiden hatten elf Jahre eine Beziehung, er hatte ihr die Ehe versprochen und mit ihr auch schon das gemeinsame Heim im Schwarzwald besichtigt. Alles schien gut. Bis zu der Nacht vom 9. Februar 2010…

Der (falsche) Vorwurf des Stalkings hat aber eine andere Quelle. Er stammt ironischerweise aus der „Bild“-Zeitung. Die schrieb am 23. März:

Ein enger Geschäftspartner von Kachelmann erklärte gegenüber BILD, Kachelmann habe in Schwetzingen niemals eine langjährige Bekanntschaft gepflegt. Er sprach von „Stalking“.

Weder Bild.de noch Alice Schwarzer noch Emma.de haben Schwarzers Kolumne selbst korrigiert.

Mit Dank auch an Helmut O.

  • Die (juristische) Fortsetzung der Geschichte steht hier.
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Where the fuck is Alice?

Alice Schwarzer, Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“ und „Bild“-Gerichtsreportage-Praktikantin, werde den Prozess gegen Jörg Kachelmann „weiterhin aus der Nähe verfolgen“, so schreibt es ihre Redaktion.

In der heutigen „Bild“ liest sich das beispielsweise so:

In dieser vierten Verhandlungswoche im Landgericht Mannheim ist Schluss mit Spekulationen und Interpretationen.

Knallharte Fakten wurden da am Mittwoch auf den Tisch gelegt. Beziehungsweise Zeugenaussagen:

Richter Siegfried B. tritt in den Zeugenstand. Er hatte nach der Verhaftung die Fortdauer der Untersuchungshaft für Jörg Kachelmann angeordnet, weil er dessen Schilderung zum Ablauf des Abends „nicht einleuchtend“ fand.

Schwarzer erzählt von den „beiden erfahrenen Kriminalkommissarinnen“, die „da sind“ und „berichten, dass das mutmaßliche Opfer am Boden zerstört gewesen sei“. Sie weiß, dass Hauptkommissarin Angelika S. als Erste aussagt, der Richter „nachhakt“ und was die Polizisten darauf „erwidert“.

Auftritt der zweiten Kripobeamtin. Auch sie berichtet über das mutmaßliche Opfer: „Sie war fertig, völlig fertig.“ Und auf Nachfrage: Nein, von einem „Verfolgungseifer“ der Frau habe sie nichts bemerkt. Die habe nur gesagt: „Elf Jahre. Und jetzt ist alles aus.“

Schwarzer hat diese Gerichtsprosa gut verinnerlicht, sie beschreibt anschaulich, was da im Gerichtssaal vor sich ging. Auch der Angeklagte ist ihrem geschulten Auge nicht entgangen:

Und Jörg Kachelmann? Der schweigt, wie von seinem Verteidiger Birkenstock verordnet. Nur seine Gesten sprechen – aber welche Sprache? Mal cremt er sich die Lippen, mal fährt er sich durchs Haar, mal grinst er. Dabei gab es an diesem Tag wirklich nichts zu lachen für ihn.

Dem aufmerksamen „Bild“-Leser erzählt Alice Schwarzer damit nichts Neues, im Wesentlichen stand das gestern schon alles in der Zeitung.

Für Frau Schwarzer hingegen könnte es sich tatsächlich um Neuigkeiten gehandelt haben: Sie war nämlich am Mittwoch gar nicht im Mannheimer Landgericht, wie uns mehrere Leser berichteten, die selbst vor Ort waren.

Alice Schwarzers Büro erklärte uns auf Anfrage, Frau Schwarzer sei „zurzeit im Ausland und erst Anfang nächster Woche wieder erreichbar“.

Mit Dank auch an Boris K.

Nachtrag, 4. Oktober: Alice Schwarzer hat auf unsere Anfrage geantwortet:

Ich war in der vergangenen Woche nicht im Prozess zugegen – und habe das darum auch nicht suggeriert. Wenn Sie meine bisher sieben Bild-Beiträge genau lesen (oder auch das EMMA-Editorial und den Blog), wird deutlich bzw. schreibe ich explizit, wann ich dabei war und wann nicht.

Meine Quellen für den Verhandlungstag sind: ALLE Agenturen sowie ein minutiöses Protokoll. Es ist Ihnen sicherlich nicht entgangen, dass JournalistInnen manchmal auch über etwas schreiben, wo sie nicht daneben standen.

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Entweder, oder

Die satirische ZDF-Sendung „heute show“ nahm sich gestern des Themas an, dass die bekannte Journalistin Alice Schwarzer für die „Bild“-Zeitung über den Vergewaltigungs-Prozess gegen Jörg Kachelmann berichtet:

Alice Schwarzer: Alles ist möglich. Ich habe auch nichts gegen Herrn Kachelmann, ganz im Gegenteil: ich mochte den immer ganz gern leiden. Ich bin an der Wahrheit interessiert.

Oliver Welke: Hä? Das versteh ich jetzt nicht. Entweder ich bin an der Wahrheit interessiert. Oder ich schreib für die Bild-Zeitung. Beides zusammen geht ja wohl nicht.

Woran sich ein „Bild“-Chefredakteur aufgeilt

Kai Diekmann freut sich. Gerade mal eine Woche ist sein Blog (BILDblog berichtete) alt und hat schon große Erfolge vorzuweisen, wie Diekmann sich selbst im Interview erzählt:

Kai, Du bist jetzt seit fast einer Woche Blogger. Was ist Dein Fazit?

Dass selbst die kühnsten Hoffnungen übertroffen werden können. Seit Montag bin ich von Jony Eisenberg verklagt worden, Alice Schwarzer hat mich als Sexisten beschimpft, die taz konnte dank mir ihre Klickzahlen verbessern und ich habe ganz, ganz viele neue neue Freunde gewonnen. Mein Blog ist schon jetzt einer der erfolgreichsten Deutschlands, sagen mir meine Techniker. Ich muss sagen: Alles in allem also ein wirklich guter Start!

Nun würde man vielleicht denken, dass einer wie Diekmann von einer wie Schwarzer schon so oft als „Sexist“ bezeichnet worden wäre, dass das bei ihm keine Erektion mehr auslösen könnte. Aber Diekmann ist so aus dem Häuschen über das, äh, Lob?, dass er heute schon wieder auf den entsprechenden Tweet von @AliceSchwarzer verweist:

Alice Schwarzer: Die halbnackten Vorzimmer-"Miezen" des Sexisten Kai Diekmann. http://twitpic.com/ncfob

Bisschen blöd ist halt nur, wenn man beim Ego-Googlen nicht nach rechts und links guckt. Wenn Diekmann nicht nur in dem virtuellen Spiegel geschaut hätte, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass diese „Alice Schwarzer“ merkwürdige Sachen vor sich hintwittert.

Keine Überraschung also: Der Twitter-Account „AliceSchwarzer“ ist (mal wieder) ein Fake-Account, wie uns das Büro von Alice Schwarzer auf Anfrage bestätigte.

Und wir merken wieder einmal: Diese Rechercheschwäche, an der „Bild“ leidet, das scheint Chefsache zu sein.

(Dabei hätte Diekmann gewarnt sein können.)

ProSieben, Schwarzer, Stewart, Davies

1. „Winnenden: 100 Euro für eine Tränen-Aufnahme“
(wuv.de, Jochen Kalka)
„Schülern wurde gegen Cash diktiert, was sie vor laufender Kamera sagen sollten. Auch der Satz ‘Tim wurde von seinen Mitschülern gemobbt’, soll gekaufte Filmware gewesen sein. Andere Schüler wurden, ebenfalls gegen ein Entgeld von 20 bis 100 Euro, gebeten, Blumen oder Kerzen abzulegen und sich dann weinend zu umarmen.“

2. „Gibt es noch recherchierende Journalisten?“
(carta.info, Marvin Oppong)
Alice Schwarzer belegt ihre Thesen in der Welt und im Standard zu den Auswirkungen von Pornografie mit Untersuchungen von Henner Ertel vom G.R.P. Institut für Rationelle Psychologie. Dieses wurde aber 2008 von Jochen Paulus in der Zeit als unseriös enttarnt. Gegen Henner Ertel läuft ein Strafverfahren, ihm „wird vorgeworfen, die Grade ‘Doktor’ und ‘Professor’ zu Unrecht zu führen.“

3. Pro7 Newstime täuscht Nachrichten vor
(dwdl.de, Jochen Voß)
„Am Wochenende verstörte ProSieben seine Zuschauer mit Programmtrailern im Stil einer echten Nachrichtensendung.“ Auf YouTube zu sehen einmal das in Rekordzeit gealterte Baby, einmal der von Insekten angegriffene Mann.

Read On…

6 vor 9

Öffentlich-rechtliches Wunschkonzert
(faz.net, Daniel Bouhs und Peer Schader)
15 Vorschläge werden der Rundfunkkommission der Länder mit auf den Weg gegeben. Die trifft sich heute und berät über die Zukunft von ARD und ZDF.

Alice Schwarzer„Alphamädchen“ antworten Alice Schwarzer
(SZ, Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl)
Die „Wellness-Feministinnen“ schreiben: „In unserer Generation gilt es als gesetzt, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Findet sich eine Frau plötzlich trotzdem in einer Rolle wieder, die sie sich so nie gewünscht hatte, dann ist sie eben selbst schuld, hat sich nicht genügend angestrengt. Wer meckert, gibt sich als Versagerin zu erkennen in einer Gesellschaft, in der doch angeblich alles möglich ist.“

Zu groß geratene Sonnenbrillen
(taz, Martin Reichert)
Die Neon ist ein erstaunliches Phänomen, findet Martin Reichert in der taz. Sie wird „in München gemacht von Vertretern einer Generation, deren geistiges und ästhetisches Zentrum eher in Berlin liegt. … Die Generation Umhängetasche … nimmt das Leben nicht ernst, sondern setzt es stets in Anführungsstriche. Man lebt im Dauerprovisorium und liest – bis es endlich losgeht – Neon.“

Pssst, die Werbung
(The Guardian, Mark Sweney)
„The days of having to dive for the remote control to turn down noisy TV commercials look to be numbered, with new rules set to be introduced banning excessively loud ads.“

Let’s have more fun
(Poynter Online, Amy Graham)
Gegen die miesmachenden Denkverbote im Journalismus: „… right now is a time of immense opportunity for journalism and journalists to take on a broader and even more vital role in society.“

Alice Schwarzer

„The Queen of the New Age“ (Lesetipp)
(New York Times Magazine, Mark Oppenheimer)
Reich durch Lebensratgeber und Neugeist-Bewegung: Louise Hay ist eine der meistgelesen Autorinnen der Welt. Den Verlag dazu besitzt sie auch gleich. „The announcement of the National Book Award finalists means nothing at Hay House. The hundred-odd employees at Hay House headquarters in an office park in Carlsbad, Calif., are not the publishing girls and guys of New York. … But they are brilliant students of spiritual hunger, a symptom of modernity that, along with oil and war and sex, may be one of the best business models of all.“

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