Klicks, N24, Paid Content

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Lass klicken, Baby!"
(jungle-world.com, Ivo Bozic)
Ivo Bozic beschäftigt sich mit den Klicks im Internet, die nach wie vor die Grundlage für Werbeeinnahmen sind: "Um Klicks zu erschleichen, scheint jeder Trick gerechtfertigt, so plump er auch sein mag. (…) Der Nachrichtenseite N24.de gelang es im Sommer, ihre Visits innerhalb von nur einem Monat um 328,7 Prozent zu steigern auf beacht­liche 19,4 Millionen. Einfach dadurch, dass der Traffic der viel stärker frequentierten, ebenfalls zur ProSieben-Sat.1 Media AG gehörende Seite Wer-weiß-was.de seit Juli mitgezählt wird. Ein ganz legaler Trick."

2. "Der Wert von Nachrichten bei N24"
(ndr.de, Anne Ruprecht, Video, 5:44 Minuten)
Das Medienmagazin "Zapp" zu den Sparplänen bei N24. Das Blog "Nachrichten sind wichtig" liefert Zahlen zum Thema und schreibt, dass N24 2008 einen Jahresüberschuss von 13.13 Millionen Euro machte. "Im Jahr 2008 waren alle deutschen Sender im operativen Geschäft rentabel."

3. Interview mit Matthias Eberl
(beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Ein Gespräch mit Matthias Eberl, der Audioslideshows macht und damit kürzlich den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Online gewann: "Bisher bin ich nur wie ein Getriebener einigen wirren Idee hinterhergelaufen, jetzt ist rückblickend das Gefühl da, etwas gemacht zu haben, was journalistische Relevanz hat. Und ich hoffe auch, dass sich das Ansehen der Audioslideshow geändert hat."

4. "Wer will Geld, wer nicht?"
(persoenlich.com)
Eine Umfrage unter Schweizer Medienmachern zu Paid Content. Kurt W. Zimmermann: "Geld für Content können nur Medien verlangen, die etwas bieten, was sonst niemand bietet."

5. "100 Jahre Zweisamkeit"
(ftd.de, Thomas Birkner)
Thomas Birkner glaubt, dass trotz der Paid-Content-Debatte "der Vertriebsweg keine Alternative zum Anzeigengeschäft" bieten kann. "Es ist erst die Mischfinanzierung aus Anzeigen– und Vertriebserlös von etwa 65 zu 35 Prozent, die es dem Journalismus 100 Jahre lang ermöglicht hat, sich als Kontrollorgan für den Staat zu etablieren."

6. "Die Recherchen amerikanischer Online-Medien"
(ndr.de, Mareike Fuchs, Video, 4:46 Minuten)
Und gleich noch ein "Zapp"-Beitrag aus New York über die Stiftung Pro Publica, die sich dem investigativen Journalismus verschrieben hat.

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Kister, Obama, Kohlenhändler

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Therapie der sexuellen Obsessionen"
(blogs.taz.de/blogwart)
"Die Wand des taz-Hauses, mit Blick auf’s BILD-Büro, ziert seit heute ein Relief des Künstlers Peter Lenk."

2. "Kurt Kisters gloriose Intestinade"
(saschalobo.com)
"Die zehn schmierigsten Originalzitate aus dem Artikel 'Guttenberg, selbstleuchtend' (einer 'Stilkritik' des Verteidigungsministers) vom stellvertrenden Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Kurt Kister."

3. "President Obama Admits That He’s Never Used Twitter"
(techcrunch.com, MG Siegler, englisch)
Über 2.6 Millionen Follower hat das Twitter-Konto von @barackobama. An einer Fragestunde in Shanghai sagte der vermeintlich eigenhändig twitternde US-Präsident: "I have never used Twitter but I’m an advocate of technology and not restricting internet access.”

4. "Schwulst.de zensiert. Meinungsfreiheit war gestern"
(blog.kangaroo.cmo.de)
Eine exemplarische und bis in die Kommentare des Beitrags fortgesetzte Auseinandersetzung zwischen einem Online-Leser und einem Online-Redakteur über an den Journalismus gestellte Erwartungen, Veröffentlichungsdruck und den richtigen Umgang mit Kommentaren.

5. "A Protocol of Mathias Döpfner’s and Arianna Huffington’s Debate on the Future of Journalism"
(achtmilliarden.wordpress.com, Oskar Piegsa, englisch)
Oskar Piegsa sammelt einige Aussagen einer Diskussion über die Zukunft des Journalismus (youtube.com, Video, 49:45 Minuten) zwischen Mathias Döpfner und Arianna Huffington.

6. "Mein Onkel der Kohlenhändler"
(off-the-record.de, Olaf Kolbrück)
"Ein Gleichnis für die Medienwelt."

Bild  

Outing leicht gemacht

Wir vermuten einfach mal, dass es eine eher rhetorische Frage ist, die "Bild" nach dem Auftritt von Dirk Bach bei Stefan Raab am vergangenen Dienstag gestellt hat:

Ui-jui-jui, was hat sich denn Dirk Bach (48) bei diesen Sätzen gedacht?

Die Sätze, die "Bild" meinte, drehten sich um eine Szene, die Bach für seine neue Sendung "Einfach Bach" gedreht hatte und in der ein Bruce-Darnell-Darsteller dem auf dem Weg zur Kreuzigung befindlichen Jesus zeigt, wie man so ein Kreuz richtig trägt. Bach beschrieb das in "TV Total" u.a. mit folgenden Worten:

Und dann kommt eben Bruce Darnell und ich guckte auf einmal so raus in den Park und sah zwei, drei völlig entsetzte Rentner, die unschuldig in diesem Park entlang spazierten und dachten, was geschieht ihnen jetzt? Jesus und ein homosexueller, schwarzer Mann — was ist jetzt geschehen?

Was "Bild" wiederum zu der, um im Bild zu bleiben, scheinheiligen Frage veranlasst:

bach_darnell2

Die Antwort darauf lautet — unbeschadet davon, ob das nun als ein "Outing" gemeint war oder nicht: Nein. Denn den Job haben andere schon präzise erledigt: :

Mark Medlock, Bruce Darnell — ich bin im Arbeitsleben umgeben von Schwulen, und wir ergänzen uns perfekt.

So ließ sich bereits am 17. März ein gewisser Dieter Bohlen zitieren. Und um bei den rhetorischen Fragen zu bleiben: Haben Sie eine Ahnung, von wem?

Mit Dank an Tom K. und Timo L.

Kronen Zeitung, MRR, Urheberrecht

Mittwochabend im Ersten: Schweighöfer als Marcel Reich-Ranicki (Keystone)

1. "Woodwards arme Erben"

(taz.de, Ben Schwan)

"Die US-Medienkrise hat längst Redaktionen erreicht, die bislang als unangreifbar galten. Zuletzt drohte die Geschäftsleitung der New York Times den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern ihrer Tochter Boston Globe, das Blatt ganz einfach von heute auf morgen einzustellen, sollten sie nicht zu Zugeständnissen bei Sparmaßnahmen bereit sein."

2. Interview mit Marcel Reich-Ranicki

(welt.de, Mathias Döpfner)

Der wohl bekannteste Literaturkritiker im deutschsprachigen Raum erzählt Springer-Chef Mathias Döpfner, dass er googlen lässt und dass ihm Günter Grass immer einzureden versuchte, der Computer verderbe den Stil. Zum Schreiben sagt er: "Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal ob Autor oder Kritiker – Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts. Thomas Mann war wahnsinnig eitel, Richard Wagner auch und Goethe und natürlich Schiller."

3. "Aushöhlung des Urheberrechts"

(perlentaucher.de, Anja Seeliger)

Anja Seeliger nimmt den FAZ-Artikel "Schutzlos ausgeliefert im Internet" von Honorarprofessor Jan Hegemann Punkt für Punkt auseinander und ergänzt eigene Erfahrungen: "Wie oft haben wir in deutschen Feuilletons Artikel von ausländischen Autoren gelesen und festgestellt, dass es sich um eine Übernahme beispielsweise aus dem Guardian oder der NYRB handelt, ohne dass die Zeitung einen Hinweis darauf geliefert hätte? (…) Das Nichtnennen von Quellen ist eine Spezialität der deutschen Feuilletons, nicht des Internets."

4. "Facebook bringt schlechte Schulnoten, oder auch nicht"

(andreasvongunten.com)

Facebook schadet dem Schulerfolg” meldet tagesanzeiger.ch. Andreas Von Gunten hat sich auf die Suche nach der Quelle gemacht und dort keine Bestätigung der reisserischen Schlagzeile gelesen: "Karpinski betont, dass die Resultate nicht notwendigerweise bedeuten, dass die Nutzung von Facebook zu tieferen Noten führe.”

5. "Ein Herz und eine 'Krone'"

(profil.at, Josef Barth, Gernot Bauer und Herbert Lackner)

Die österreichische Boulevardzeitung Kronen Zeitung wird 50, doch wer wird der Nachfolger des 88jährigen Hans Dichand? "Logischer Kandidat wäre Dichands zweitgeborener Sohn Christoph, 44, seit sechs Jahren Chefredakteur, ein gebildeter und sympathischer Mann. Zweifler verweisen allerdings auf den bedenkenswerten Umstand, dass sich selbst penible Beobachter nicht daran erinnern können, je eine Zeile aus der Feder des formellen Redaktionschefs der 'Krone' gelesen zu haben."

6. "Japanese bird cooking spaghetti"

(japanesebirdcookingspaghetti.com)

Ein japanischer Vogel kocht Teigwaren. Dazu braucht es natürlich eine eigene Website.

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1. Keine 68er ohne Medien?
(rundschau-online.de, Torsten Sülzer)
"Die Achtundsechziger — nichts als ein aufgeblasenes Medien-Ereignis? Der Philosoph Uwe C. Steiner sagt sogar, ohne Fernsehen hätte es die ganze Bewegung nicht gegeben."

2. "Verwirrung um TV-Beitrag von Kabel1"
(satundkabel.magnus.de, Pit Klein)
Kabel 1 interviewt für die Sendung "Abenteuer Leben – täglich Wissen" den PR-Manager eines Hotels, weist ihn aber ganz anders aus: "Darin kam unter anderem ein vermeintlich reicher Stammgast der Herberge namens Sergey Logvinov zu Wort, der mit dem Titel 'Geschäftsmann' in einer Bauchbinde versehen wurde."

3. "Newsnetz enttäuscht: Web 1.0 Auftritt"
(swiss-lupe.blogspot.com)
"was bitte soll daran innovativ sein, wenn sich drei zeitungen (Basler Zeitung, Berner Zeitung und Tagesanzeiger) zusammentun, die gleichen newsartikel, gleich aufbereitet, jeder in seinem eigenen online-auftritt veröffentlicht? eine reine demonstration der macht eines monopolisten."

4. "Privatfernsehen in der Schweiz: Und es funktioniert doch!"
(tagesanzeiger.ch, David Vonplon)
"Mit dem Format «Bauer, ledig, sucht…» hat der Privatsender 3+ erstmals quotenmässig das Schweizer Fernsehen überrundet. Nun plant Senderchef Dominik Kaiser einen Programmausbau."

5. "Al-Dschasiras schärfste Waffe"
(zeit.de, Julia Gerlach)
"Achmed Mansur ist der Starmoderator des arabischen Satellitensenders. Sein Credo: Reporter müssen parteiisch sein."

6. "Mark Medlock bei Neben-Mann-Hergehen erwischt"
(bildblog.de, Clarissa)
Gleich mehrere Medien machen Heteros zu Schwulen. Weil sie nebeneinander irgendwo hinlaufen.

Mark Medlock bei Neben-Mann-Hergehen erwischt

Paparazzerei ist ein schmieriges Geschäft. Websites wie TMZ.com können ein Video davon spielen, wie unschön das penetrante Behelligen und Beschleimen irgendwelcher Promis in der Öffentlichkeit mitanzusehen ist.

Aber auch die Schmalspur-Paparazzi der "HauptBruch GbR — Film– & Fernsehproduktion" zeigen uns das in einer Videosequenz (Der Sänger Mark Medlock und ein weiterer junger Mann verlassen wortlos eine Veranstaltung, gehen wortlos zum Parkplatz und steigen dort wortlos in ein Auto) ganz eindrucksvoll. O-Ton:

Wie hat's euch gefallen, darf ich fragen? Bleibt ihr noch lange auf Mallorca?

Magst du deinen Fans was sagen? Bitte, nur einmal… Du musst dein Schweigen doch mal brechen!

Bitte einmal noch umdrehen, dann lass ich euch in Ruhe! Ein Bild zusammen noch, ein schönes…

Aber natürlich betteln und hecheln Paparazzi nicht zum Spaß. Und wenn sich schon die Aufnahmen nicht lohnen, müssen sie sich wenigstens lohnen. Eine HauptBruch-Website etwa verkauft sie so:

Sprachloser Superstar
Mark Medlock Arm in Arm mit einem Mann!

(…) Aber irgendwie hatte der Sänger keine Lust gefilmt zu werden und legte lieber demonstrativ den Arm um seinen Begleiter! (…) Wir fragen, wie ihm der Abend gefallen hat – keine Antwort! Dafür gestikuliert der DSDS-Star: Mark zeigt ein Peace-Zeichen und züngelt lasziv in unsere Linse! Auch einen Gruß an seine Fans möchte er uns nicht in die Kamera sagen.
Immer wieder haken wir nach, (…).

Und es hat funktioniert. Gestern zeigte die kleine "Bild"-Schwester "B.Z." Fotos aus dem HauptBruch-Video — und schrieb:

Händchen haltend laufen Mark Medlock (30) und sein neuer Freund […] durch die Straßen von Mallorca

Und weil die "B.Z." auch gleich noch eine News dazu hatte, steht sie mitsamt dem HauptBruchschen Foto-Beweis seit gestern (samt Video) auch bei Bild.de:

Mark Medlock liebt jungen Unternehmer

(…) Der Sänger und sein Lover wurden Hand in Hand auf der Baleareninsel gesichtet.

Und mal mit mal ohne Bild.de als Quelle findet sich die "Hand in Hand"-Nachricht seither u.a. auch auf Gossip-Halden* wie 20min.ch und shortnews.de**.

Die Sache hat nur einen Haken. Nein, nicht den, dass der Medlock-"Lover" die Beziehung gestern auf Sat.1 irgendwie dementiert hat ("… als Kumpel … gute Freundschaft, mehr auch nicht … bin nicht schwul …"). Nein, der vermeintliche Foto-Beweis ist keiner:


Wer auf dem Video irgendein "Händchen halten" sieht, sollte Boulevardjournalist werden.

Mit Dank an Leon B. für den Hinweis.

*) Nachtrag, 8.8.2008: Laut Viva.tv wurden sie sogar "beim öffentlichen Turteln und Händchenhalten auf Malle entdeckt". Ach, echt?!

**) Nachtrag. 11.8.2008: Bei shortnews.de wurde die Übernahme der Bild.de-Meldung inzwischen entfernt. (Mehr dazu hier.)

Natascha Kampuschs Recht auf Privatsphäre

"Botschaft an die Medien: Das einzige, wovor die Presse mich verschonen soll, sind die ewigen Verleumdungen meiner selbst, die Fehlinterpretationen, die Besserwisserei und der mangelnde Respekt mir gegenüber."
(Natascha Kampusch im August 2006)

Wie schon im letzten Sommer hat die Wiener Gratiszeitung "heute" nun abermals ihren mangelnden Respekt gegenüber Natascha Kampusch öffentlich gemacht und auf fünf Seiten "bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente" veröffentlicht, die, um's bei einer Formulierung der Nachrichtenagentur APA zu belassen, "sehr persönliche Details aus der Zeit von Kampuschs Gefangenschaft" beinhalten.

Nach der Veröffentlichung hat Kampuschs Anwalt rechtliche Schritte gegen "heute" angekündigt; die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen "Verletzung des Amtsgeheimnisses"; und Kampusch selbst schreibt in einer Stellungnahme:

Ich bin entsetzt, dass diese vertraulichen Akten in die Öffentlichkeit gelangen konnten.

Der Satz stand gestern auch in "Bild" — nachdem "Bild" selbst ausführlichst aus den vertraulichen Akten zitiert und die "Akte Kampusch" sogar zur Titelschlagzeile gemacht hatte und nachdem "Bild" sich bereits tags zuvor nicht zu schade war für Fragen wie: "Wurde Natascha als Sex-Sklavin missbraucht?"

Aber auch das war ja schon im Sommer 2007 so — als Kampuschs Anwalt es für notwendig hielt, abermals darauf hinzuweisen, dass "auch Frau Kampusch (…) das Recht auf Privatsphäre" hat, in der "Medien wirklich nichts verloren" haben.

Die "Bild am Sonntag" hat sich heute übrigens für eine Kampusch-Doppelseite entschieden, aber zwischen psychologischen Ferndiagnosen, abwegigen Verdächtigungen, Überschriften wie "Wie freiwillig war der Sex mit ihrem Peiniger?" und "War Natascha schwanger?" für Kampuschs Empörung und ihr Recht auf Privatsphäre keinen Platz mehr gefunden.

"Bild" dokumentiert die eigene Skrupellosigkeit

Nochmal zum Mitschreiben:

  • Am Samstag berichtete "Bild" auf der Titelseite exklusiv, aber ohne Anlass, dass ein Kandidat der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) schwul und "mit einem Mann verheiratet" sei.
  • Am Sonntag berichtete "Bild am Sonntag", dass der Sänger aufgrund des "Bild"-Outings "um sein Leben bangen" müsse und Angst vor schwulenfeindlichen Übergriffen habe.

Und das muss man sich vorstellen: An demselben Sonntag, an dem die "BamS"-Kollegen ausführlich über die (durch das "Bild"-Outing verursachte) potentielle Lebensgefahr für den Sänger berichten, wird die "Bild"-Zeitung vom Montag gemacht. In der Redaktion sitzen Menschen und entscheiden, was wo und wie in der heutigen "Bild"-Ausgabe Millionen lesen werden. Und wofür entscheiden sie sich? Na, sehen Sie selbst:

"Superstar F. und sein Ehemann: Das ist die Heirats-Urkunde"

"Gespräch mit BILD"?

"In einem Gespräch mit BILD schwärmte der Ehemann des 'Superstar'-Sängers: 'F.* ist der liebenswerteste Mensch der Welt. Unsere Wohnung trägt fast nur seine Handschrift. F. ist Künstler, möchte sich immer nützlich machen, gestaltet deshalb unsere Einrichtung.'"
(Quelle: "Bild" vom 14.4.2008)

*) Anonymisierung von uns

Ohne irgendeinen Hinweis auf die Sorgen des DSDS-Kandidaten und/oder die möglicherweise bedrohliche Situation, in die "Bild" ihn gebracht hat, zugleich aber auch ohne irgendeinen erkennbaren Erkenntnisgewinn veröffentlicht die "Bild"-Zeitung "die Heiratsurkunde, die das Glück besiegelte" – mit weiteren identifizierbaren Details aus dem Privatleben des Sängers und seines mutmaßlichen Ehepartners, der in der heutigen "Bild" auch wörtlich zitiert wird (siehe Kasten). Nach unseren Informationen fand das "Gespräch mit BILD" jedoch schon vor längerer Zeit statt, und der Befragte hatte damals nicht als "Ehemann des 'Superstar'-Sängers" geantwortet. Und wie uns eine RTL-Sprecherin auf Anfrage mitteilt, haben sich "weder der betroffene Kandidat noch RTL jemals öffentlich dazu geäußert".

Aber es muss ja einen Grund dafür geben, dass "Bild" auch heute wieder das Privatleben des DSDS-Kandidaten gegen seinen Willen in die Öffentlichkeit zerrt. Und der naheliegende wäre, dass Daniel Cremer, Sven Kuschel und Uli Schüler, die als Autoren über dem "Bild"-Artikel stehen, sowie Florian von Heintze, der als Verantwortlicher der heutigen Ausgabe im "Bild"-Impressum steht, ganz besonders selbstgefällige und skrupellose… Menschen sind.

Teamwork

"Wer sein Privatleben privat lebt, bleibt privat."
(Kai Diekmann, "Bild"-Chefredakteur und
Herausgeber von "Bild" und "Bild am Sonntag")

Gestern machte die "Bild"-Zeitung ja öffentlich, dass F., Kandidat der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar", schwul und "mit einem Mann verheiratet" sei:

"Superstar F. verheiratet mit einem Mann"

Heute berichtet die "Bild am Sonntag" über die Folgen des Outings:

"Nach Homo-Outing: F. - Jetzt muss er um sein Leben bangen"

Und obwohl die "BamS" heute noch einmal referiert, was dafür verantwortlich ist, dass der Sänger "um sein Leben bangen" müsse*, verschweigt die "BamS", wer dafür verantwortlich ist – und schreibt stattdessen nur:

Am Samstag wurde bekannt (…)

*) Die "BamS" lässt übrigens keinen Zweifel daran, dass "Bild" den gebürtigen Libanesen ohne sein Einverständnis geoutet hat: "Gestern Nachmittag verweigerte F. jedes Gespräch über sein Schwulen-Outing. Einziges Statement: 'Diese Geschichte interessiert mich nicht. (…)'" Aber dass das "Bild"-Outing für F. lebensgefährlich sein könnte, hätte laut "Bild am Sonntag" auch "Bild" wissen können: "(…) im Gespräch mit BILD am SONNTAG hatte F. seine Angst vor Racheakten geäußert, falls radikale Libanesen von seiner Homosexualität erfahren sollten."

Hinweis, 14.4.2008: Während "Bild" heute abermals detailliert über das Privatleben des Sängers berichtet, haben wir uns nachträglich entschieden, seinen Namen unkenntlich zu machen und die Links zu den "Bild"-Artikeln zu entfernen.

Gene und die falschen Männer machen lesbisch

Christine Baumanns ist Autorin der Bücher "Massagen für Liebende" und "Träume von Leidenschaft und Lust" sowie Diplompsychologin, Sexualtherapeutin und Genussforscherin. "Bild" nennt sie heute "Dipl.-Psychologin" bzw. schlicht "Expertin".

Christine Baumanns hält Britney Spears für psychisch krank, wenn "Bild" sie danach fragt. Und Christine Baumanns hat nicht nur eine Antwort parat, wenn "Bild" von ihr wissen will, warum sich Sophia Loren "mit 71 noch so scharf fotografieren" lässt, "wie ehrlich" die Liebe von Gülcan Karahanci und Sebastian Kamps "wirklich" sei oder, ob es "noch normal" ist, wenn Meret Becker ihren Stiefvater auf den Mund küsst — nein, Christine Baumanns ist auch zur Stelle, wenn "Bild" im WM-Taumel bloß deliriert: "Wollen wir uns alle DUZEN?"

Und Baumanns' Antworten sind immer toll:

"Bild": Was macht den schmuddeligen Doherty bei Frauen bloß so attraktiv?
Christine Baumanns: Es ist die Faszination des Kaputten.

"Bild": Kann das Video [von Tokio Hotel] labile Jugendliche möglicherweise zum Selbstmord verführen?
Christine Baumanns: Ich denke nicht.

"Bild": Ist Tom Cruise etwa ein softes Mama-Söhnchen?
Christine Baumanns: Absolut nicht!

Zum Thema "Wie gut ist Ihre Ehe?" entwickelte Christine Baumanns "exklusiv für BILD" sogar den "großen BILD-Test" (Zitat: "Ihr(e) Partner(in) hat ziemlich an Gewicht zugelegt. Ihr Kommentar? a) "Schatz, ich mag dich, wie du bist." b) "Wie wäre es mit einer Diät? Mir ist dein Aussehen nicht egal." c) "Frust-Essen macht nicht gerade schön. Du könntest ein bisschen mehr auf dich achten." Zitat Ende.)

Und heute beantwortet Christine Baumanns aus aktuellem Anlass exklusiv in "Bild" die Frage:

"Was ist bei lesbischer Liebe anders?"

"Bild" fragt zum Beispiel:

Wie wird eine Frau lesbisch – ist das angeboren oder sind die Männer schuld?

Und Christine Baumanns antwortet:

Bei manchen Lesben ist das ganz klar genetisch festgelegt. Sie verlieben sich von Anfang an immer nur in Frauen. Viel häufiger ist aber eine große Enttäuschung mit einem Mann der Auslöser. Die Frau wendet sich bewusst von den Männern ab und findet erfüllende Liebe bei einer Frau.

Zu Baumanns "Expertin erklärt"-Interview haben wir deshalb mal Renate Rampf, Sprecherin des Lesben– und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD), befragt.

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