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Unumstritten renommiert

„BILD bleibt die mit Abstand wichtigste deutsche Tageszeitung! Keine andere Tageszeitung wurde im dritten Quartal häufiger mit Exklusivmeldungen zitiert“,

meldet „Bild“ auf Seite 1 unter Berufung auf das „renommierte Bonner Medienforschungsinstitut Medien Tenor“.

Das ist erst einmal nicht weiter ungewöhnlich, weil auch andere Zeitungen gerne drucken, wie wichtig sie sind – wohl, um es selbst nicht zu vergessen.

Für den Hinweis, dass das stets renommierte Forschungsinstitut zuletzt gar nicht mehr so arg renommiert, sondern, ganz im Gegenteil, eher umstritten war, blieb in der knappen Meldung sicher einfach kein Platz mehr. Medien-Tenor-Beiratsmitglied Mathias Döpfner, nebenberuflich Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, hätte das sowieso nicht gefallen.

Insektensterben, Social-Media-Verifikation, Gladiatoren-Trash-TV

1. Insektenschwundleugner gegen Untergangspropheten
(riffreporter.de, Christian Schwägerl)
Am 18. Oktober veröffentlichte „Plos One“, die internationale Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science, eine Studie mit dem Titel „Mehr als 75 Prozent Rückgang der Biomasse von Fluginsekten in 27 Jahren in Schutzgebieten“. Dem zugrunde lagen Untersuchungen des Krefelder Entomologischen Vereins an insgesamt 63 Standorten, mehrheitlich in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Die Reaktionen in Politik und Medien fielen je nach Interessenlage und Weltsicht aus. Manche waren gar „postfaktisch“. Christian Schwägerl hat die irreführenden oder falschen Darstellungen zusammengestellt und eingeordnet.
Nachtrag: Das „RWI Essen“ hat das Thema Insektensterben bereits zweimal in seiner Rubrik „Unstatistik des Monats“ zum Thema gemacht und übt Kritik an der Berichterstattung der Medien: Teil 1, Teil 2.

2. Ein Plan zur Rettung des Journalismus
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
„Deutschlandfunk“-Kolumnistin Silke Burmester hat sich einen Plan zur Rettung des Journalismus ausgedacht: Wer den Beruf nicht ernst nehme oder nicht auf das Geld angewiesen ist, solle etwas anderes machen. Burmester denkt dabei an die zahlreichen Rentner, Hobby-Reporterinnen und Jungjournalisten, die das Dumpingsystem der Verlage indirekt unterstützen. Im Wegfall dieser Journalistengruppen sieht sie Vorteile auf allen Seiten: „Die Lokalredakteure verplempern ihre Zeit nicht länger mit den Grützentexten der Opa-Reporter, die Frauen finden mehr Zeit für ihr Erdbeerkuchen-Blog und die Jungjournalisten werfen nicht bereits mit dem Berufseinstieg ihre Selbstachtung über Bord.“

3. Die Lücke aus Medienverboten und Selbstzensur füllen
(sueddeutsche.de, Christiane Schlötzer)
Unmittelbar nach dem Putschversuch in der Türkei im vergangenen Jahr floh der Journalist Yavuz Baydar ins Exil. Von dort aus schrieb er für viele renommierte Medienhäuser. Seit neuestem ist der 61-Jährige wieder Chefredakteur, und zwar für ein neues dreisprachiges in London produziertes Online-Medium mit dem Namen „Ahval“. Die Website erscheint für ein internationales Publikum auf Englisch, auf Türkisch, um eine öffentliche Diskursplattform zu bieten, und auf Arabisch, weil es in der arabischen Welt ein ungebrochen großes Interesse an der Türkei gebe. Finanziell sei die Plattform mit der Verlegergruppe „Al Arab Publishing“ verbunden, man habe jedoch „völlige journalistische Freiheit“.

4. Quiz-Reihe: Social-Media-Inhalte verifizieren
(onlinejournalismus.de, Fiete Stegers)
Auf der Suche nach einem netten Zeitvertreib, der über die üblichen Themen wie Puzzle, Kreuzworträtsel, Sudoku oder dem Legen von Patiencen hinausgeht? Dann könnte die Verifikation von Social-Media-Inhalten das Richtige sein. Die Journalistin Julia Bayer („Deutsche Welle“) hat vor einigen Monaten damit angefangen, auf Twitter Foto-Aufgaben zu posten, mit denen Journalisten genau das trainieren können. Einige Kollegen haben sich dem Projekt angeschlossen: Mittlerweile sind mehr als 100 Quiz-Aufgaben zusammengekommen, die Fiete Stegers in einem Twitter-„Moment“ zusammengefasst hat.

5. So funktioniert der Newsroom von Kölner Stadt-Anzeiger und Express
(story.ksta.de)
Welche Aufgabe hat ein Site-Manager? Und was macht ein Blatt-Macher? Eine multimediale Story des „Kölner Stadt-Anzeigers“ zeigt, wo im Newsroom welche Entscheidungen getroffen werden. (Wer sich für den technischen Aspekt des Beitrags interessiert: Umgesetzt wurde die kleine Multimedia-Führung durch das Medienhaus mit dem Tool „StoryMap“ des amerikanischen „Northwestern University Knight Lab“.)

6. Vier Gründe, weshalb Bromans die Zukunft des Trash-TV sein könnte
(haz.de, Jan Heemann)
Der britische Sender „ITV2“ hat ein neues Trash-TV-Format auf den Markt gebracht: „Bromans“, eine Kombination aus „Bro“ (Bruder, Kumpel) und Romans (Römer). In einer Gladiatorenarena treten acht Paare in Disziplinen wie Ringen oder Zwillenschießen gegeneinander an. „Sie entblößen dabei nicht nur ihr seichtes Gemüt, sondern auch viel nackte Haut“, schreibt Jan Heemann, der dem Format trotzdem etwas abgewinnen kann: Die Sendung „könnte Trash-TV auf das nächste Level heben.“

Kachelmann-Freispruch-Verurteilung, Mafia-Buch, Veganer-Inszenierung

1. Jörg Kachelmann: Verurteilt trotz Freispruch
(Panorama, Robert Bongen & Fabienne Hurst, Video, 14:25 Minuten)
Der Fall Kachelmann ist ein großes Versagen von Justiz und Medien. Obwohl Deutschlands berühmtester und renommierter Wettermoderator unschuldig ist, verliert er seinen Job bei den Öffentlich-Rechtlichen, sein Geld, seine Reputation. Er bleibt bei vielen „verurteilt, trotz Freispruch“. „Panorama“ hat den Fall aufgegriffen und in einem Filmbeitrag kritisch aufgearbeitet.
Weiterer Lesetipp: Filmautorin Fabienne Hurst auf „Zeit Online“: Unschuldig und doch verurteilt.

2. „Gehörn S‘ jetzt zua Mafia oda ned?“
(taz.de, Lisa Ecke)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat entschieden: In Petra Reskis Mafia-Buch müssen Teile geschwärzt werden. Der EGMR gab einem italienischen Gastronomen recht, der sein Persönlichkeitsrecht verletzt sah, weil er darin mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht wurde. Die „taz“ hat mit der Autorin über die Auswirkungen des Urteils gesprochen: „Dieser widersinnige Umgang mit Verdachtsberichterstattung betrifft allerdings nicht nur mich, sondern praktisch jeden, der auf die unglückselige Idee kommt, über die Mafia in Deutschland zu berichten.“

3. Preisverfall in der Bildbranche – Die Untergrenze der Angemessenheit?
(message-online.com, Chantal Alexandra Pilsl)
Laut Marktbeobachtungen des „Bundesverbands professioneller Bildanbieter“ geht es mit den Bildhonoraren beständig abwärts. Chantal Alexandra Pilsl hat sich in der Branche umgehört, wie sich der Preisverfall auf Agenturen und Fotografen auswirkt und ob die Abwärtsspirale aufzuhalten ist. In mehrfacher Hinsicht lesenswert, denn es geht dabei auch um konkrete Zahlen.

4. Das Sexismus-Problem des „Spiegel“
(morgenpost.de, Kai-Hinrich Renner)
In seiner „Medienmacher“-Kolumne kritisiert Kai-Hinrich Renner den „Spiegel“. Das Nachrichtenmagazin thematisiere „Macht und Missbrauch“, eiere aber herum, wenn es um Übergriffe im eigenen Haus geht. Im Zuge des Weinstein-Skandals seien sexuelle Übergriffe und Sexismus in dieser Woche Titelthema beim „Spiegel“. Die Geschichte des eigenen Hauses hätte man jedoch schamhaft verschwiegen. Renner bezieht sich auch auf die Erinnerungen von Irma Nelles in ihrem Buch „Der Herausgeber“ über Rudolf Augstein, in dem sie von Übergriffen des Magazingründers berichtet hatte.

5. Zeitung will Journalisten mit Waffen ausstatten
(spiegel.de)
Gleichzeitig erschütternde und traurige Nachrichten aus Russland: Die russische Oppositionszeitung „Nowaja Gaseta“ sieht keinen anderen Weg, als in Zukunft ihre Mitarbeiter mit Waffen auszustatten. „Wenn der Staat nicht bereit ist, uns zu verteidigen, werden wir uns selbst verteidigen“, sagt der stellvertretende Chefredakteur Sergej Sokolow. Hintergrund ist die gestiegene Angst vor Attacken auf Journalisten im Land wie der jüngste Anschlag auf eine Journalistin des kremlkritischen Radiosenders „Echo Moskwy“.

6. Attila Hildmanns öffentliches Burger-Essen war das absurdeste Werbe-Event des Jahres
(vice.com, Tim Geyer)
Wie ein „BDSM-Sklave, der seiner Herrin auf der Venus den Absatz leckt“ fühlte sich Tim Geyer bei einem Presse-Event der etwas anderen Art: Attila Hildmann hatte in seinen veganen Imbiss geladen und etwa 30 Journalisten waren dieser Einladung gefolgt. Als Besucher der Veranstaltung wird der Reporter automatisch Teil der Dramaturgie. Burger werden an die Pressemeute verteilt und alle scheinen sich gegenseitig abzulichten: „Als ich reinbeiße, werde ich von ungefähr zehn Kameras auf Facebook gestreamt. Eine RTL-Journalistin hält mir ihr Mikrofon ins Mampfgesicht und fragt, wie es schmeckt, fast so, als interessiere sie das wirklich.“

Legale Köpfung, Völkisch radikalisiert, Affen-Selfie-Vergleich

1. Von der Faulheit der Staatsanwaltschaft
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Handelt es sich bei dem Satz „Man sollte dich köpfen“ um eine „zulässige Meinungsäußerung“? Wenn man nach der Staatsanwaltschaft Berlin geht: Ja! Im konkreten Fall ging es darum, dass ein Facebook-Nutzer die Grünen-Politikerin Renate Künast mit diesem Satz angegangen war, worauf diese den Nutzer angezeigt hatte. Heribert Prantl, in früheren Jahren selbst als Staatsanwalt tätig, ist gleichermaßen entsetzt und empört: „Eine Staatsanwaltschaft, die solche Tiraden zulässt, stellt nicht nur die Beleidiger straflos, sondern auch die Politiker rechtlos. Politiker sind nicht die Hausschweine der Demokratie, denen man jeden Dreck in den Kübel schütten kann.“

2. Immer auf die Kleinen
(taz.de, Jörg Wimalasena)
Die zweiteilige ARD-Reportage „Wahl 2017: Die kleinen Parteien“ wollte Kleinparteien vorstellen. Nach Ansicht von „taz“-Autor Jörg Wimalasena geschah dies jedoch auf eine herabsetzende Art: „Man muss kein Anhänger dieser Parteien sein, um ihre Anliegen respektvoll zu würdigen. Den ARD-Reportern scheint es aber vor allem darum zu gehen, die Aktivisten kleiner Parteien kamerawirksam durch den Kakao zu ziehen und deren Anliegen der Lächerlichkeit preiszugegeben.“

3. „Völkisch radikalisiert“
(correctiv.org, Sarina Balkhausen & Carla Reveland)
Der Sozialwissenschaftler Andreas Kemper befasst sich intensiv mit der AfD, teilweise mit spektakulären Ergebnissen. So will er herausgefunden haben, dass der Thüringer AfD-Frontmann Björn Höcke unter dem Namen Landolf Ladig in Publikationen der rechtsextremen NPD publiziert. Im Gespräch mit „correctiv“ geht es um rechtes Gedankengut, verräterische Sprache und die Debatte um eine E-Mail Alice Weidels.

4. „Man muss Menschen beibringen, dass so was nicht geht“
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Die Initiative gegen Hass im Netz „#ichbinhier“ hat viel mediale Aufmerksamkeit erfahren und wurde mit dem renommierten Grimme Online Award ausgezeichnet. In letzter Zeit sei es jedoch immer schwerer geworden, gegen den Hass anzuarbeiten, so der Gründer Hannes Ley: „Seit einigen Wochen nehmen wir einen deutlichen Zuwachs von Hassrede auf Facebook und in den sozialen Medien insgesamt wahr. Die Vorurteile und Beleidigungen sowie die zum Teil offene Fremdenfeindlichkeit und Hetze haben eine neue Intensität erreicht und die direkten Angriffe gegen unsere Gruppe und ihre Mitglieder sind besonders aggressiv und besorgniserregend.“

5. Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl
(reporter-ohne-grenzen.de)
Kurz vor der Bundestagswahl am 24. September hat „Reporter ohne Grenzen“ den Parteien sogenannte Wahlprüfsteine vorgelegt. Darin geht es unter anderem um den Schutz von Journalisten vor digitaler Überwachung, die Weiterentwicklung des Informationsfreiheitsgesetzes und den Umgang mit repressiven Regierungen. Mit Ausnahme der AfD haben alle angefragten Parteien geantwortet. Im Artikel findet man eine Zusammenfassung der verschiedenen Positionen. Die vollständigen Antworten der Parteien gibt es hier.

6. Streit um Affen-Selfie beendet
(zeit.de, Friedhelm Greis)
Ein bizarrer Rechtsstreit zwischen einem britischen Fotografen und der Tierrechtsorganisation „Peta“ wurde mit einem Vergleich beigelegt. „Peta“ ließ die Berufungsklage gegen den Fotografen fallen, der die Rechte an einem Affen-Selfie für sich reklamiert hatte. Im Gegenzug habe sich der Fotograf verpflichtet, 25 Prozent der künftigen Einnahmen aus einem Buch mit den Affenfotos für den Erhalt der Makaken-Lebensräume in Indonesien zu spenden.

Angebliche Rufmordkampagne, Wahlkampf-Youtuber, Altpapier

1. „Enthüllungsbuch“: Maschmeyer rehabilitiert?
(daserste.ndr.de, Kristopher Sell)
Ein ehemaliger AWD-Mitarbeiter behauptet, eine mediale Schmutzkampagne gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber betrieben zu haben. Vor einigen Jahren habe er zahlreiche Redaktionen mit Insider-Informationen aus dem AWD versorgt, darunter auch Journalisten von „Panorama – die Reporter“, „Stern“, „SZ“ und „Spiegel“. Im Gegenzug sei er von einem damaligen Konkurrenten des AWD mit mehreren tausend Euro monatlich honoriert worden. Ziel der Aktion sei es gewesen, AWD-Chef Carsten Maschmeyer zu schaden. Panorama-Autor Kristopher Sell kommentiert: „Offensichtlich soll der Eindruck erweckt werden, als hätten sich verschiedene Redaktionen, darunter auch Panorama, gegen Maschmeyer und dessen AWD instrumentalisieren lassen und ungerechtfertigte Beschuldigungen verbreitet. Dem kann und muss entschieden widersprochen werden.“ Außerdem lenkt er den Blick auf den Kern der AWD-Kritik: „Das Buch kann nicht von den noch immer real existierenden Opfern des Systems AWD ablenken: Tausenden Menschen, die von Carsten Maschmeyer und seinen Verkäufern um ihre Ersparnisse, teilweise um ihre Altersversorgung gebracht und damit ins Unglück gestürzt worden sind.“
Weiterer Hörtipp: Opfer einer Rufmordkampagne? Kristopher Sell im Gespräch mit Henning Hübert (Audio: 5 Minuten)
Weiterer Lesetipp: Gerhard Hensel über wirtschaftliche Rufmordkampagnen im digitalen Zeitalter: Fake-News im Unternehmens-Einsatz: Wenn es für Marken ganz plötzlich gefährlich wird.

2. Umfrage unter Branchen-Experten: Sollten Robotertexte gekennzeichnet werden? Ja, sagen die meisten Befragten.
(presseportal.de)
Wenn Verlage computergenerierte Texte verwenden, dann handelt es sich meist um Sportergebnisse, Börsendaten oder Wetternews. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass fortschreitende Technik auch computergenerierte Texte in anderen Feldern ermöglicht. Da stellt sich die Frage nach der Kennzeichnung: Sollen maschinell erstelle Beiträge auch als solche benannt werden? Das Medienmagazin „journalist“ hat sich in der Branche umgehört.

3. „Ich möchte mich ungern instrumentalisieren lassen“
(spiegel.de, Markus Böhm)
Erfolgreiche Youtuber haben das, was sich Politiker sehnlichst wünschen: Zugang zu jungen Menschen. Da liegt es nahe, dass sich die Kanzlerin in der Hochphase des Wahlkampfs gleich mit vier Webstars zum Interview trifft: Das Quartett kommt auf drei Millionen Youtube-Abonennten. „Spiegel“-Autor Markus Böhm hat bei verschiedenen Youtube-Stars nachgefragt, wie ihr Umgang mit der Bundestagswahl aussieht, darunter auch Deutschlands beliebtestem Macher von Gamingvideos „Gronkh“.

4. Programmieren als Königsdisziplin
(message-online.com, Louise Sprengelmeyer & Mira Taylor)
Sollten Journalisten auch programmieren können? Bei Datenjournalisten liegt dies auf der Hand, aber auch für klassische Onlineredakteure kann es sich lohnen. Fünf Journalisten und Programmierer berichten über die Erfahrungen aus einem Einsteigerworkshop im Coden.

5. Wie eine unsaubere Hundestory der „Krone“ weltweit viral ging
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
„Kobuk“ geht einer Titelgeschichte der österreichischen „Krone“ nach, die es zu weltweiter Verbreitung in islamfeindlichen Kreisen gebracht habe: Eine „somalischen Asylantin“ hätte eine Wienerin wegen ihrer „unreinen Hunde“ brutal angegriffen, so dass die Hundehalterin mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. „Kobuk“-Autor Kirchmeyr geht nach seinen Nachfragen bei der Landespolizei eher von einem anderer Geschehen aus: „Ein nicht angeleinter Hund ohne Beißkorb lief auf eine Frau zu, die ausgeprägte Angst vor Hunden hat (was übrigens auch an wilden Hunden in Somalia liegen kann). Die Hundehalterin lief dem Hund hinterher, um ihn zurückzuholen. In einer Panikreaktion dürfte sich die Frau so an diese geklammert haben, dass beide stürzten und sich die Hundehalterin am Knie schwer verletzte.“

6. Pro und contra und quo vadis
(evangelisch.de)
Beim renommierten Medien-Watchblog „Altpapier“ teilen sich vier Journalisten die Aufgabe, von Montag bis Freitag die gedruckte und digitale Medienlandschaft zu kommentieren. Doch die Zukunft des „Altpapiers“ ist ungewiss: Am Freitag ist leider vorerst Schluss. Wer per E-Mail informiert werden möchte, ob, wie und wann es weitergeht, kann bei den Machern seine Mail-Adresse hinterlegen. Wer den Autoren außerdem bei der Verbesserung ihrer Medienkolumne helfen möchte, kann an einer schnell beantwortbaren 15-Fragen-Umfrage teilnehmen. Der „Freitag“ diskutiert die Zukunft des „Altpapiers“ mit einem Pro und Contra-Artikel: Ist das „Altpapier“ noch wichtig? Wir vom BILDblog antworten: „Ja, natürlich!“ und wünschen den Kollegen alles Gute und uns allen ein baldiges Comeback.

NetzDG, Aufbauschblätter, Funkes Medienminister

1. NetzDG-Verabschiedung ein Schnellschuss
(reporter-ohne-grenzen.de)
Vor der Verabschiedung des Gesetzes gegen Hassbotschaften im Internet am heutigen Tag warnt „Reporter ohne Grenzen“ erneut vor den Gefahren für die Pressefreiheit. Zwar hätten die Regierungsfraktionen einige Kritikpunkte an dem geplanten Gesetz aufgenommen, doch die Kernkritik bleibe bestehen: „Durch kurze Löschfristen werden soziale Netzwerke aus Angst vor Bußgeldern zu viele Inhalte löschen. So besteht etwa die Gefahr, dass auch journalistische Artikel gelöscht werden, obwohl nicht abschließend geklärt ist, ob sie rechtswidrig sind oder nicht“.

2. „Aufgebauscht, bis es falsch wird“
(spiegel.de, Holger Dambeck)
Medizin-Nobelpreisträger Randy Schekman Kritiker betrachtet die renommierten Fachblätter „Nature“, „Science“ und „Cell“ als schädlich für die Wissenschaft: „Diese Magazine suchen Studien, die möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Das ist logisch, denn sie wollen Hefte verkaufen. Aber es verzerrt die wissenschaftliche Arbeit. Junge Forscher glauben, sie müssten auf Gebieten arbeiten, auf denen sie eine Sensation kreieren können. Zum Teil werden Themen aufgebauscht, bis es falsch wird.“

3. Fall Weißensberg: Wir halten uns zurück
(schwaebische.de, Dirk Augustin)
Im Landkreis Lindau ist vor einigen Tagen eine 22-jährige Frau umgebracht worden. Die Lokalredakteure der Lindauer Zeitung sehen sich in der Pflicht darüber zu berichten, wollen sich aber nicht an Spekulationen rund um die Tat beteiligen. Auch um die Aufklärung der Tat beziehungsweise die Festnahme des mutmaßlichen Täters nicht zu gefährden. „Deshalb drängen wir uns nicht Angehörigen oder Nachbarn auf, wir durchsuchen nicht das Internet nach privaten Bildern und veröffentlichen diese dann groß. Wir respektieren, dass einige Angehörige in ihrer Trauer nur noch Ruhe haben wollen und dass andere auf Facebook Sätze schreiben, die sie später wahrscheinlich bereuen. Das ist aber kein Grund für Berichterstattung. Wir sind uns sicher, dass unsere Leser diese Zurückhaltung als richtig empfinden.“

4. Funkes Medienminister: Alles nur Unterhaltung
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Nordrhein-Westfalens zukünftiger Medienminister ist nicht irgendjemand: CDU-Mitglied Stephan Holthoff-Pförtner ist Mitgesellschafter der Essener Funke-Mediengruppe, Deutschlands drittgrößten Zeitungsverlag. Dort erscheinen „WAZ“ und „Hamburger Abendblatt“ aber auch Titel wie „Die Aktuelle“, wo man gerne mal den Eindruck erweckt, jemand wie Caroline von Monaco liege im Sterben. Der zukünftige Medienminister hat damit keine Probleme. Das sei halt „Unterhaltung“… Mats Schönauer hat für „Übermedien“ einige Beispiele dieser „Unterhaltung“ zusammengestellt.

5. Trump bekommt Unterstützung im „Krieg gegen die Medien“
(sueddeutsche.de, Sacha Batthyany)
Donald Trump bekommt in seinem Kampf gegen die Medien Unterstützung von prominenter Seite: Die ehemalige Gouverneurin aus Alaska Sarah Palin, die bei der Präsidentschaftswahl 2008 als Anwärterin auf den Posten der Vizepräsidentin galt, will einen eigenen Fernsehsender gründen. Für eine monatliche Abo-Gebühr von 9,95 Dollar und natürlich ohne „Fake News“, wie die umstrittene Ultrakonservative betont.

6. Der Abgrund war noch nie so lustig
(zeit.de, Patrick Beuth)
Der britische Journalist Andy Kelly hat ein Faible für „Dark Stock Photos“. So bezeichnet er die mit Holzhammer-Symbolik inszenierten Bilder aus kommerziellen Fotodatenbanken, die sich mit Themen wie Tod, Drogen und Gewalt beschäftigen.

Claudius Seidl möchte nicht über die Homophobie in der „FAS“ diskutieren

Es ist schwierig, in Deutschland über Homophobie zu diskutieren, weil es Homophobie in Deutschland ja quasi gar nicht gibt. Äußert sich jemand homophob, dann hat er es nicht so gemeint. Und hat er es so gemeint, dann war es eben nicht homophob.

Homophobie-Debatten enden in Deutschland meist da, wo sie eigentlich anfangen müssten: Statt sich mit möglicherweise problematischen, weil möglicherweise homophoben Aussagen eines Menschen zu beschäftigen, wird der Mensch von seinen Aussagen getrennt. Der Mensch kann es ja gar nicht so gemeint haben, weil dies und weil das.

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum „Eurovision Song Contest“ gekommen. Den sogenannten „Waldschlösschen-Appell“ gegen Homophobie in Medien hat er initiiert. Sein „Nollendorfblog“ bekam eine Nominierung für den „Grimme Online Award“. Und mit „Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

So bleibt eine möglicherweise homophobe Aussage im Raum, die nicht als Problem diskutiert wird, weil der dahinterstehende Mensch als unproblematisch verteidigt werden konnte. Diese irrige Gleichung gilt auch umgekehrt: Gilt ein Mensch einmal als homophob, ist es auch alles, was er über Homosexuelle äußert. Der Homophobe wird so zum Outlaw.

Es ist schwierig, in Deutschland über Homophobie zu diskutieren: Nicht, weil man sich nicht damit beschäftigen müsste, sondern weil die, die es betrifft, ja nicht Teil eines vernünftigen Diskurses sind. Man muss, so scheint es, dumm sein, um homophob zu sein.

Doch das muss man nicht. So geben beispielsweise kluge Köpfe in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ immer wieder sehr monumentalen homophoben Mist von sich.

Es ist schwierig, in Deutschland über Homophobie zu diskutieren, auch weil homophobe Aussagen meist verdruckst daherkommen. Selten sind sie von so unbestechlicher Klarheit wie die, die 2014 auf der Facebook-Seite der georgischen Sopranistin Tamar Iveri anlässlich eines Gay Prides in ihrer Heimat gepostet wurde:

Ich war stolz darauf, wie die georgische Gesellschaft auf die Parade gespuckt hat … Bitte stoppt die Versuche, mit Propagandamitteln westliche „Fäkalmassen“ in die Mentalität der Menschen zu bringen.

Wenn das nicht homophob ist, dann gibt es wirklich keine Homophobie; das müsste — so möchte man meinen — doch selbst die „FAZ“ erkennen und benennen können.

Doch in der Sonntagsausgabe der Zeitung erklärte die Opernkritikerin Eleonore Büning im vergangenen September nicht dieses Zitat zum Problem, sondern diejenigen, die damit ein Problem haben. Zum Beispiel die Leitung der Oper in Sydney, die die Sopranistin aufgrund des Posts nicht mehr im Hause haben wollte:

Und ganz übel ist es, dass die Sopranistin Tamar Iveri die Desdemona am Opernhaus in Sydney nicht singen durfte, wegen einer angeblich homophoben Bemerkung, die auf ihrer Facebookseite gepostet wurde, und das nicht mal von ihr selbst.

„Angeblich homophobe Bemerkung“? Geht’s noch?

Es ist schwierig, über Homophobie zu diskutieren, auch weil sich dafür kein passendes Wort durchgesetzt hat. „Homophobie“ beschreibt eine Angst, also bestenfalls einen Aspekt des Phänomens.

Homophobie im Kulturjournalismus
Eine lesbische „Zeit“-Autorin verursacht einen Skandal, als sie über eine schwule Oper schreibt und der (vermutlich heterosexuelle) Chef des „Deutschen Bühnenverbandes“ ihr mit homophoben Argumentationsmustern Homophobie vorwirft. Dies ist nur eines der Ereignisse, aufgrund derer gerade in Berlin über Homophobie im Kulturbetrieb diskutiert wird. Ein anderes ist ein Artikel der Opernkritikern Eleonore Büning, die im vergangenen September in der „FAS“ eine Art schwule Opernverschwörung konstruiert hatte. Mittendrin in dieser Diskussion ist unser Kolumnist Johannes Kram. Hier schreibt er, warum über all das so schwer zu schreiben ist.

Dass sich der Begriff „Homophobie“ so wacker hält, um etwas zu beschreiben, was eigentlich „Homosexuellenfeindlichkeit“ heißen müsste, liegt auch daran, dass renommierte Zeitungen wie (nicht nur, aber auch) die „FAZ“ das Wort „Homosexuellenfeindlichkeit“ so gut wie nie verwenden. Eine Suche auf faz.net führt im Direktvergleich von „Homophobie“ und „Homosexuellenfeindlichkeit“ zu einem Ergebnis von 171 zu 6 Treffern. Man kann, ich finde sogar: man muss darüber streiten, ob „Homophobie“ das passende Wort ist.

Aber kann man wirklich darüber streiten, für was das Wort „Homophobie“ steht, auch wenn es gut wäre, wenn es dafür ein anderes gäbe?

Nach dem Erscheinen des Artikels von Eleonore Büning hatte ich Claudius Seidl, den Chef des „FAS“-Feuilletons, gefragt, ob er die Einschätzung von Frau Brüning teilt, dass die „Fäkalmassen“-Bemerkung nur „angeblich homophob“ sei?

Seidl beantwortete meine Mail-Anfrage nur wenige Minuten später, zur Frage selbst wollte er sich allerdings nicht äußern, denn:

Mit dem Wörtchen homophob kann ich nichts anfangen — eine Phobie ist ja, wenn ich mich nicht irre, eine krankhafte übersteigerte Angst, für die der Mensch, der sie hat, nichts kann. Wer hingegen homosexuellenfeindlich redet oder handelt, kann in den meisten Fällen etwas dafür.

Ich schrieb ihm zurück, dass auch ich lieber einen anderen Begriff benutzen würde, versuchte aber weiter, eine Antwort auf meine Frage zu bekommen:

Da aber in den allermeisten Medien (auch in Ihrem) und in den allermeisten Zusammenhängen (auch in dem, auf das Frau Büning Bezug nimmt) homophob sagt, was homosexuellenfeindlich meint, erlaube ich mir, noch einmal so zu fragen: Halten Sie diese Bemerkungen für homophob bzw. homosexuellenfeindlich?

An dieser Stelle beendete Claudius Seidl die Kommunikation.

Ein Wort, das in der eigenen Zeitung permanent verwendet wird, um einen bestimmten Sachverhalt zu beschreiben, wird ausgerechnet dann für ungeeignet erklärt, wenn dieser Sachverhalt das eigene Medium betrifft.

Es ist echt schwierig, in Deutschland über Homophobie zu diskutieren.

***

Der „FAS“-Artikel von Eleonore Büning ist einer der Anlässe für die Podiumsdiskussion „Die Verschwörung der Opernschwulen“ im Schwulen Museum* am 25. Mai in Berlin, bei der BILDblog-Kolumnist und Nollendorfblogger Johannes Kram, „Welt“-Opernkritiker Manuel Brug und „Zeit“-Opernkritikerin Christine Lemke-Matwey über Homophobie im Kulturbetrieb debattieren.

N24 Fake News, „Spiegel Daily“, Kurzes Geilomobil

1. Spiegel Daily: Nur 1 Minute Lesezeit!
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hat sich die Erstausgabe von „Spiegel Daily“ angeschaut. Das Angebot wirkt auf ihn bislang noch recht beliebig und zusammengestöpselt: „Alles in allem ist „Spiegel Daily“ in der Erstausgabe leider nicht sehr viel mehr als ein Sammelsurium aus Nachrichten, SPON-Versatzstücken und Dingen, von denen man beim Spiegel vermutlich glaubt, dass sie das Publikum im Netz cool findet (die drei populärsten Hashtags des Tages bei Twitter). Ich habe die ganze Zeit nur noch auf 1 Vong-Spiegel-her-gesehen-Joke gewartet. Macht man das nicht jetzt so in diesem Netz?“
Auch Thomas Knüwer zeigt sich wenig begeistert: Spiegel Daily: Niedrige Erwartungen noch untertroffen

2. Wie N24 Fake News produziert
(welchering.de)
Peter Welchering wurde von „N24“ um ein Statement zu Nordkoreas Cyberarmee gebeten. Sowohl mit der Redakteurin, als auch mit der Realisatorin vor Ort will er vereinbart haben, dass von den aufgezeichneten Statements keines verwendet werden darf ohne die Erwähnung, dass er die Indizien für nicht ausreichend hält. Natürlich kommt es, wie es kommen muss und der Sender bringt sein Statement ohne den Zusatz. Für Welchering ist die Sache damit besiegelt: „Wir haben es halt mal probiert, und ich musste erfahren, dass ihr eben doch keinen seriösen Journalismus könnt. Damit kann ich leben. Aber nehmt bitte auch zur Kenntnis, dass dieser Test auf seriöse Arbeit eben ein einmaliger Test war. Ihr haltet euch nicht an Absprachen und reisst Statements aus dem Zusammenhang, faked sie also, und das hat eine Konsequenz: Ihr bekommt von mir kein Statement mehr.“

3. Wie transparent ist die Transparenz von ARD/ZDF?
(wwwagner.tv, Jörg Wagner, Audio: 6:06 Minuten)
Jörg Langer erstellt für die Otto-Brenner-Stiftung eine Studie über die Transparenz in den öffentlich-rechtlichen Medien. Langer sieht trotz positiver Änderungen noch Verbesserungsbedarf: „Auf der einen Seite hat sich viel getan in den letzten Jahren, dass bestimmte Zahlen verständlich und auffindbar für die Bürgerinnen und Bürger aufbereitet werden. Wenn man dann aber ein Stückchen genauer reinsteigt und wissen will, was genau denn wofür aufgewendet wird, da stößt man recht schnell an die Grenze.“

4. Böhmermanns kleiner Mann und das Verschwörungsportal
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Als die Nachricht die Runde machte, dass Hans Meiser für ein obskures Verschwörungsportal arbeitet, glaubten nicht wenige an einen neuerlichen Sccop von Jan Böhmermann. Hans Meiser spielt in Böhmermanns „Neo Magazin Royal“ gelegentlich den für populistische Parolen anfälligen „kleinen Mann“. Da hätte es nahe gelegen, ihn bei einer entsprechenden Seite einzuschleusen. Nun hat sich aber Böhmermanns Produktionsfirma „Bildundtonfabrik“ zu Wort gemeldet und die Zusammenarbeit mit Meiser beendet. Und auch Meiser selbst hat sich geäußert.

5. Bilder, die Angst machen – Medienpsychologe Frank Schwab zur Wirkung von Krisenberichterstattung
(blmplus.de, Bettina Pregel, Video, 2:22 Min.)
Vor kurzem fand die 3. Fachtagung Jugendschutz und Nutzerkompetenz. Thema der Tagung: „Bilder, die Angst machen – Katastrophen und Krisen in den Medien.“ Im Video-Interview spricht Medienpsychologe Prof. Dr. Frank Schwab über Angst auslösende Katastrophenbilder und wie Eltern besser mit der Angst ihrer Kinder umgehen können.

6. Kurz und das Geilomobil: „Guardian“ fällt auf „Tagespresse“ herein
(derstandard.at)
Der renommierte britische „Guardian“ ist auf einen Beitrag der österreichischen Satireseite „Tagespresse“ über ÖVP-Chef und Außenminister Sebastian Kurz hereingefallen.

Klima-Demagogie, Trampelwerbung, Familienzusammenführung

1. Michael Miersch: Bild-schöne Klima-Demagogie
(klima-luegendetektor.de)
Einige kennen den Publizist Michael Miersch als einen der Mitgründer der „Achse des Guten“, der seit vielen Jahren hingebungsvoll Öko-Bashing betreibt. Vor mittlerweile knapp zwei Jahrzehnten erschien Mierschs „Lexikon der Öko-Irrtümer“, das er zusammen mit dem anderen Achse-des-Guten-Mitgründer Dirk Maxeiner verfasste. Ein Buch, über das die „Zeit“ seinerzeit schrieb, es entlarve „Öko-Irrtümer“, die gar keine seien. Nun hat Miersch „Bild“ ein Interview zur „Klima-Hysterie“ gegeben, wie er sie bezeichnet. Die Fachleute vom „Klima-Lügendetektor“ haben sich drei Passagen vorgenommen und auf ihre Wahrheit hin überprüft. Ohne spoilern zu wollen: All zu viel blieb nicht übrig …

2. Mädels, aufgepasst: Die „Brigitte“ will ALLES haben!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In fremdschämverdächtiger Tonlage bejubelt die „Brigitte“ Produkte aus dem „Aldi“- und „Tchibo“-Waren-Imperium. Stefan Niggemeier hat bei der „Brigitte“ nachgefragt, was die mal im Plauderton und mal hysterisch aufgeregt daherkommenden Werbetexte kosten würden. Die Pressestelle hat geantwortet und in geschraubten und salbungsvollen Worten erklärt, dass die penetrante TrampelSchleichwerbung Teil des redaktionellen Auftrags der „Brigitte“ und somit ein Dienst an den Leserinnen sei.

3. Hacker schmähen Deutschland und die Niederlande auf Twitter
(zeit.de)
Hacker haben sich Zugang zu zahlreichen prominenten Twitter-Profilen (Unicef, Amnesty International, ProSieben, Borussia Dortmund etc.) verschafft und in deren Namen politische Schmähungen gegen Deutschland und die Niederlande verbreitet. In den Tweets fanden sich die Hashtags #Nazialmanya und #Nazihollanda sowie Hakenkreuz-Symbole. Die Angriffe erfolgten über den Twitter-Analysedienst „TwitterCounter“, der den Vorgang untersuchen will und momentan nicht erreichbar ist.

4. Der Journalist, der Trumps Steuererklärung im Briefkasten hatte
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Einem amerikanischen Reporter wurde die Steuererklärung von Donald Trump aus dem Jahr 2005 zugespielt. Dank seines Auftritts bei „MSNBC“ wussten einen halben Tag später Millionen von Zuschauern über die grobe Einkommenslage des Präsidenten Bescheid. Donald Trump wütete auf Twitter von einem „Reporter, von dem noch nie irgendjemand gehört hat“. David Cay Johnston ist jedoch nicht der unbekannte Reporter, als den ihn Trump hinstellt, sondern ein renommierter Investigativjournalist. Kathleen Hildebrand stellt Johnston in einem Porträt vor und zeichnet seine Reporterkarriere nach.

5. 99 posen online, der 100. ermordet jemanden
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo beschäftigt sich mit den Verrohungstendenzen im Internet bzw. den als solche wahrgenommenen. Eines seiner Beispiele sind die Poserbilder von Gewalttätern: „Es handelt sich meiner Einschätzung nach um eine fehlgeleitete Form digitaler Männlichkeitsbeweise, eine Mischung aus Netzmutprobe, dem Kampf gegen die eigenen Minderwertigkeitskomplexe und einem Rollenspiel der Provokation. Bloß, dass nicht nur die Clique zuschaut, sondern potenziell die ganze Welt, was anstachelnd wirken kann.“ Der Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums zur Eindämmung von Hate Speech hält er für gut gemeint, aber dumm. Lobos Schlussworte: „Verrohung war immer, und wir führen einen immerwährenden, aber inzwischen nicht unerfolgreichen Kampf dagegen. Er heißt Zivilisierung. Davon brauchen wir jetzt die Digitalausgabe.“

6. When the Children Crashed Dad’s BBC Interview: The Family Speaks
(wsj.com, Alastair Gale, Video, 1:58 Minuten)
Vielleicht haben Sie in den letzten Tagen das BBC-Interview mit dem Asienexperten Robert Kelly gesehen. Mitten in die Liveschalte hinein platzten seine beiden kleinen Kleinkinder. Kelly hatte vergessen, das Arbeitszimmer abzuschließen. Das Video des Überraschungsbesuchs ging in der Folge viral. Nun hat das „Wall Street Journal“ die komplette Familie vor die Kamera geholt.

Hassliebe, Jammerverein, Showgipfel

1. Trump und die Medien: Sie lieben mich, sie lieben mich nicht
(sueddeutsche.de, Sacha Batthyany)
Der designierte US-Präsident lässt eine Aussprache mit der „New York Times“ platzen, sagt wenige Stunden später aber wieder zu. „SZ“-Autor Sacha Batthyany: „Trumps Lieblingsmedium ist nicht das Fernsehen und schon gar nicht die Zeitung. Er hält sich bevorzugt auf Twitter auf, wo er ungehindert seine Botschaften verkünden kann. Twitter stellt eben keine ungemütlichen Fragen.“

2. #FakeNews jetzt auch im Feuilleton?
(wolfgangmichal.de)
Glaubt man dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, stehen 20 bis 25 Prozent aller Verlage vor dem Ruin. Nicht digitaler Wandel und sich abwendende Leser sollen der Grund sein, sondern die Rückzahlungsverpflichtung von zu Unrecht erhaltenen VG-Wort-Geldern. Entsprechend gebe man nun alarmistische Meldungen heraus, die ungeprüft von Zeitungen und Rundfunksendern übernommen würden. Wolfgang Michal hat wenig Verständnis für die angeblichen Nöte der Verlage: „Es war den Verlagen also seit Jahren klar, dass das Geld, das sie bekommen haben, unter Rückforderungsvorbehalt stand. Es wäre vernünftig gewesen, dieses Geld nicht in die laufenden Geschäfte zu stecken; wer es dennoch tat, ging bewusst ein Risiko ein.“

3. Dann noch viel Spaß beim Rübenziehen mit Jörg Pilawa
(faz.net, Oliver Jungen)
In Köln haben sich Fernsehschaffende zum „Großen Showgipfel“ zusammengefunden, dem renommierten Branchentreff der Unterhaltungsbranche. Es wurde Tacheles geredet: Medienjournalisten und Medienschaffende seien sich einig gewesen, dass die derzeitige Fernsehunterhaltung ein Desaster sei, so „FAZ“-Autor Oliver Jungen. Der Wille etwas daran zu ändern, sei jedoch begrenzt: „Dass führende Fernsehmacher die eigenen Shows inzwischen als das perfekt inszenierte Nichts bezeichnen, darf aber nicht so verstanden werden, als würde sich hier bald etwas ändern. Dafür ist das System viel zu schwerfällig geworden. Und dafür sind die Quoten selbst der miesesten Unterhaltungssendungen noch viel zu gut.“

4. Er erfindet Lügen für Trump
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
In den USA sind zwei arbeitslose Restaurantangestellten quasi über Nacht zu Betreibern einer boomenden Nachrichtenfabrik geworden und streichen fette Gewinne ein. Die Geschäftsidee: Zusammenfantasierte Politstorys für die rechte Klientel. Constantin Seibt stellt im „Tagesanzeiger“ die beiden bekennenden Lügenbolde und ihr Geschäftsmodell vor. Als Vorlage dürfte ein deutlich längerer Artikel der „Washington Post“ (englisch) gedient haben.

5. Drei Herren in leeren Hallen
(taz.de, Anne Fromm)
Die Dumont Verlagsgruppe will Personal abbauen und führt daher die Redaktionen von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ zusammen. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung. Zurzeit sei unklar, was mit den Mitarbeitern passiert, die kein Übernahmeangebot bekommen. Viel Unruhe durch Gerüchte und ein hoher Krankenstand seien die Folge. Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiere die Informationspolitik von DuMont.

6. Update: Deutsche Podcast-Serien – gute Produktionen, schlechte Vermarktung
(marckrueger.tumblr.com)
Es muss nicht immer Netflix und Co. sein, es gibt auch spannende Hörspielproduktionen und Podcasts. „Rundfunkfritze“ Marc Krüger stellt einige gelungene Podcast-Serien vor. Samt Inhaltsangabe und Link zum Download.

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