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Unumstritten renommiert

„BILD bleibt die mit Abstand wichtigste deutsche Tageszeitung! Keine andere Tageszeitung wurde im dritten Quartal häufiger mit Exklusivmeldungen zitiert“,

meldet „Bild“ auf Seite 1 unter Berufung auf das „renommierte Bonner Medienforschungsinstitut Medien Tenor“.

Das ist erst einmal nicht weiter ungewöhnlich, weil auch andere Zeitungen gerne drucken, wie wichtig sie sind – wohl, um es selbst nicht zu vergessen.

Für den Hinweis, dass das stets renommierte Forschungsinstitut zuletzt gar nicht mehr so arg renommiert, sondern, ganz im Gegenteil, eher umstritten war, blieb in der knappen Meldung sicher einfach kein Platz mehr. Medien-Tenor-Beiratsmitglied Mathias Döpfner, nebenberuflich Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, hätte das sowieso nicht gefallen.

Experimentierfeld, Textfeld, Fussballfeld

1. Was ein Reporter erlebt, der das Gespräch mit den „Lügenpresse“-Kritikern sucht
(Christian Fuchs, blog.zeit.de)
Im Blog der „Zeit“ schreibt Christian Fuchs von den vergeblichen Bemühungen, mit den Machern des Magazins „Compact“ ins Gespräch zu kommen. Dahinter stand der Wunsch, ein Porträt über den überraschenden und seltenen Auflagenerfolg des neuen politischen Magazins anzufertigen. Doch die Sache gestaltet sich schwieriger als erwartet. Zwar habe man mit über 60 Personen aus dem Umfeld der Zeitschrift, mit Weggefährten des Chefredakteurs und mit Experten im In- und Ausland gesprochen, die Magazinmacher hätten sich jedoch bis zum Schluss beharrlich verweigert.

2. Zeitung wird zum Buchstabenkino
(faz.net, Adrian Lobe)
Spleen oder kluges Investment? Immer mehr Milliardäre legen sich renommierte Zeitungen zu. Nun hat der Biotech-Unternehmer Patrick Soon-Shiong die bekannten, amerikanischen Blätter „Los Angeles Times“ und „Chicago Tribune“ gekauft. Soon-Shion wolle „experimentieren“ und die Blätter zu einem „Technologie-Hub“ voller künstlicher Intelligenz umbauen, berichtet Adrian Lobe in der „FAZ“. Es stelle sich die Frage, ob der Unternehmer den Journalismus wirklich revolutionieren oder Zeitungen nur als Experimentierfeld für seine Biotech-Unternehmungen nutzen wolle.

3. Silent News
(heise.de, Hans-Jürgen Krug)
Angeblich sollen 80 Prozent aller Facebook-Nutzer Videos im Silent-Modus, also mit abgeschaltetem Ton, nutzen. Die Medien haben darauf reagiert und statten ihre Nachrichtenclips mit Untertiteln aus. Doch um geklickt zu werden, bedarf es mehr. Und deshalb würden in den Filmschnipseln, wie beim Beispiel „heute plus“, zunehmend große grelle Textbanner mit Fragen eingeblendet. „“Facebook first“ verändert nicht nur die – zeitliche – Platzierung von Neuigkeiten. Es prägt auch zutiefst ihre Machart. Silent Audioplay macht Nachrichten zu Worthäppchen. Gelbe Kästchen erzählen eigene Geschichten.“

4. „Planwirtschaftliches Fernsehen“
(taz.de, Klaus Raab)
Die „taz“ hat mit dem Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister über die Gegenwart der deutschen Talkshow gesprochen. Hachmeister auf die Frage, warum es derart viele Talkshows gäbe: „Weil es planwirtschaftliches Fernsehen ist. Man kann ungefähr die Quote absehen. Es ist im Vergleich zu anstrengenden Recherchen billig. Und es schafft eine strukturelle Regelmäßigkeit, die den Programmmanagern gefällt. Risikovermeidung ist das Lebenselexier technokratischer Programmplanung.“

5. Absurder Streit um Syrien-Berichterstattung
(Petra Sorge, cicero.de)
Vor einigen Tagen hat der Presserat eine sogenannte Missbilligung gegen die Syrien-Berichterstattung von „bild.de“ ausgesprochen. „Bild Online“-Chef Julian Reichelt veröffentlichte daraufhin einen offenen Brief und bezeichnete den Presserat als „Handlanger des Kreml“. Petra Sorge vom „Cicero“ erklärt, warum für sie bei dem Konflikt beide Seiten kein gutes Bild abgeben würden.

6. Gauland
(facebook.com, Maxim Biller)
„Nachdem der stellvertretende Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland, in einem „Kicker“-Interview über Omri Bunsenstein, den Mittelfeldregisseur von Makkabi Wedding, gesagt hatte, die Leute fänden ihn zwar als Fußballspieler gut, wollten ihn aber nicht als Nachbarn haben, erklärte der Trainer von Makkabi Wedding, niemand fände Bunsenstein als Fußballspieler gut, schon gar nicht er selbst, aber er müsse ihn trotzdem immer aufstellen, weil ohne die Spenden von Bunsensteins Vater Makkabi Wedding längst pleite wäre.“

Netzneutralität, neurechte Whistleblower, Sensor-Live-Reportage

1. Die EU entscheidet am Dienstag über die Netzneutralität: Was können wir gegen eine schlechte Entscheidung tun?
(netzpolitik.org, Barbara van Schewick, Übersetzung von Fabian Warislohner)
Heute werden die Abgeordneten des Europaparlaments aller Voraussicht nach neue Regeln zur Netzneutralität beschließen. Die renommierte Jura-Professorin Barbara van Schewick erklärt in vier Punkten, warum der Kompromissvorschlag eine Gefahr für das freie Web darstellt. Eine gute Zusammenfassung des Gesetzentwurfs gibt Patrick Beuth bei „Zeit Online“, die „Süddeutsche Zeitung“ beantwortet einige grundlegende Fragen zur anstehenden Abstimmung.

2. Alles Lüge oder was? Wenn Nachrichten zur Waffe werden
(daserste.de, Klaus Scherer)
Noch nie war es für Journalisten so einfach, vom Schreibtisch aus an Videos und Fotos aus aller Welt zu kommen — und noch nie war die Gefahr so groß, dabei einer Manipulation aufzusitzen. Die „Story im Ersten“ beschäftigt sich mit diesen „Fake News“, die dank Sozialer Medien und Video-Portalen wie „Youtube“ mitunter Millionen Zuschauer erreichen. Die ARD stellt die komplette Dokumentation leider nicht in die Mediathek Inzwischen ist die komplette Dokumentation in der Mediathek zu finden, allerdings immer erst ab 20 Uhr abrufbar. Hier gibt es rund um die Uhr einen ausführlichen Hintergrundbericht des Autors Klaus Scherer mit Filmausschnitten und Interview-Manuskripten.

3. Neurechte betreiben eigene „Whistleblower-Seite“, um gegen Flüchtlinge zu hetzen
(vice.com, Theresa Locker)
Auf der Facebook-Seite „Halle-Leaks“ behaupten selbsternannte besorgte Bürger, dass „Flüchtlinge die Klos von Reisebussen zerstören, Bundeswehrsoldaten aus ihren Kasernen verdrängen, deutsche Frauen vergewaltigen und möglicherweise sogar die Krätze an deutsche Schulen bringen.“ Die „Vice“ hat sich angeschaut, wie solche Gerüchte in die Welt gesetzt werden — und wer dafür verantwortlich ist.

4. Interview: Unterstützte YPS unwissentlich den Ku-Klux-Klan?
(lesenmitlinks.de, Jan Drees)
Jan Drees spricht mit Jacob Vicari über sein Roboterjournalismusexperiment, also diese „aktuelle Sau, die durchs journalistische Dorf getrieben wird. Alle Journalisten zittern“, wie Vicari sagt. Dabei will er vor allem die großen Datenmengen mithilfe von Computern in eine lesbare Form bringen. Mehr zur „Sensor-Live-Reportage“ auch beim „Elektrischen Reporter“.

5. Der Fakten-Checker: Wie reagiert die „Superillu“ auf Pegida?
(tagesspiegel.de, Frank Bachner)
Der „Tagesspiegel“ porträtiert die „Superillu“ in Zeiten von „Pegida“. Die Zeitschrift spüre die Seele der Menschen zwischen Ostsee und Thüringer Wald, ihre Sehnsüchte, ihr Gefühl von Heimat. „Wir schreiben für Menschen, die ihrer Region verbunden sind“, sagt ihr Politikchef Gerald Praschl. Er erklärt auch, wie er „Pegida“ thematisiert und warum er Akif Pirinçci ignoriert.

6. Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (31)
(prinzessinnenreporter.de, Robert Kisch)
Bei ihrer Mission, „den Online-Journalismus zu retten“, holen sich die „Prinzessinnenreporter“ Hilfe von Kollegen und lassen sie den „royalen Journalistenfragebogen“ ausfüllen. Dieses Mal ist Robert Kisch (Achtung, nur ein Pseudonym) dran.

Medien als Flüchtlingshelfer, Rauswurf, Greenpeace

1. Flüchtlinge und Journalisten: Nähe oder Distanz?
(ostpol.de, Sonja Volkmann-Schluck und Joanna Itzek)
Fünf Journalisten berichten über ihre Arbeit in Ungarn. Cathrin Kahlweit von der „SZ“ empfindet die Berichterstattung über Flüchtlinge etwa als „widersprüchlich, atemlos und ein wenig planlos“, ARD-Hörfunkkorrespondent Stefan Ozsvath fand den Tipp eines Kollegen, wie Flüchtlinge zu Schleusern kommen, „grenzwertig“. Auch kress.de beschäftigt sich mit der Rolle der Medien als „Flüchtlingshelfer“ und stellt Beispiele vor von „Bild“ bis „Huffington Post“.

2. Per sofort kein Zutritt mehr zum Bundeshaus für Nachbern.ch
(nachbern.ch, Ronnie Grob)
Nicht einmal eine Woche ist rum, seit Ronnie Grob sein Schweizer-Wahlkampf-Projekt „Nachbern.ch“ gestartet hat, da ist bereits die Akkreditierung fürs Bundeshaus futsch: Der Bereichsleiter Information der Parlamentsdienste habe ihm mitgeteilt, dass er „die Verhaltensregeln für Medienschaffende im Gebäude“ „in grober Art missachtet“ habe. Konkret geht es um zwei Fotos, die Grob nicht hätte aufnehmen und ohne Bewilligung veröffentlichen dürfen, und um Beschreibungen des Arbeitspultes eines Ratsmitglieds. „Persönlich empfinde ich den sofortigen Entzug meiner Akkreditierung als eine gar harte Massnahme“, so Grob. Laut watson.ch gilt sein Rauswurf „unter Bundeshausjournalisten“ als „einer ‚unter eher fadenscheinigen Begründungen‘.“

3. Greenpeace hires team of investigative journalists
(theguardian.com, Jasper Jackson, englisch)
Immer mehr Konzerne interessieren sich für Journalismus. Doch während Tech-Firmen wie Snapchat und Twitter Journalisten anwerben, um noch mehr Geld zu verdienen, dürfte bei Greenpeace ein anderes Interesse dahinter stecken. Die Umweltschutzorganisation hat mehrere renommierte investigative Reporter angestellt, darunter ehemalige Mitarbeiter von BBC und „New York Times“. Ziel sei es, mit den Recherche Druck auf Wirtschaft und Politik auszuüben. Hauptthemengebiete werden der Klimawandel, die Überfischung der Ozeane und das Abholzen der Wälder sein.

4. Zensur: Saudi-Arabien verbietet „National Geographic“ mit Papst-Cover
(spiegel.de)
„Möglicherweise war schon die bloße Abbildung des Papstes für Saudi-Arabiens Sittenwächter eine Provokation, schließlich sind Bibeln und Kruzifixe verboten und die etwas mehr als eine Million christlichen Gastarbeiter dürfen ihren Glauben nur im Verborgenen leben.“

5. Tagesschau ignoriert Hinweise auf Hasskommentar bei Facebook
(blogmedien.de, Horst Müller)
Die hetzende Facebook-Seite „Berlin wehrt sich“ wurde gelöscht, doch ihre Inhalte leben weiter — bei der „Tagesschau“. In einem Facebook-Post, der auf einen eigenen Artikel zu dem Thema verweist, ist als Teaserbild ein Hasskommentar von „Berlin wehrt sich“ mit einem Foto des toten Aylan Kurdi abgebildet. Horst Müller glaubt, „[d]ass die zuständigen Redakteure mit dieser unverantwortlichen Vorgehensweise nicht zusätzliche Authentizität schaffen, sondern eher Ausländerhass schüren“. Update: Die „Tagesschau“ hat reagiert und das Teaserbild gelöscht. Dazu veöffentlichte die Redaktion eine kurze Stellungnahme.

6. BILD erschien heute ohne Text – keiner hat’s gemerkt
(eine-zeitung.net)

Empörungsjournalismus, Denkfabriken, Wissenschaftslügen

1. „Die Produktion von Angst“
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt schreibt über Empörungsjournalismus: „Das politische Resultat von Empörungsjournalismus ist primär Angst: die Angst, einen Fehler zu machen. Und zu deren Abwehr mehr Bürokratie. Journalismus wird zu einer teuren Sache.“

2. „Springer oder nichts“
(taz.de, Marco Wedig)
Zeitschriftenhändler, die „Bild“ nicht mehr verkaufen möchten, werden von Vertriebsfirmen unter Druck gesetzt.

3. „Die Denkfabriken der BILD Zeitung“
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Experten, die von „Bild“ zitiert werden: „Wenn BILD ‚renommierte Experten‘ von einer ‚renommierten Denkfabrik‘ zu Wort kommen lässt, bedient sie sich stillschweigend des sogenannten Autoritätsarguments, um ihre eigene politische Sicht durch den Mund eines Experten verkünden zu lassen. Das Autoritätsargument geht von devoter Obrigkeitshörigkeit des Lesers gegenüber einem Experten aus: ‚wenn ein Experte das behauptet, wird das wohl schon richtig sein‘. Ein weiterer Vorteil von Expertenmeinungen ist, dass die Verantwortung über die Richtigkeit der Aussagen alleine beim Experten liegen. Die ohnehin verrufene BILD muss sich in diesem Fall nicht dem Vorwurf aussetzen, wieder einmal falsche Behauptungen in die Welt gestreut zu haben.“

4. „Eine süße Lüge“
(sueddeutsche.de, Lars Langenau)
Ein Ausblick auf die am 5. Juni zu sehende Dokumentation „Schlank durch Schokolade – Eine Wissenschaftslüge geht um die Welt“ (future.arte.tv): „‚Journalisten-Kollegen spielen bei dem Wissenschaftsmüll eine fragwürdige Rolle‘, sagt Onneken. Erst durch die Publikation in einem ‚Fachblatt‘ wurde ihre Studie zur Wahrheit – und die Veröffentlichung könne man sich etwa im angeblich renommierten International Archives of Medicine kaufen. Keiner prüfte die Echtheit des Instituts, keiner die dünne Auswahl an Probanden, ‚man vertraute einfach der Pressemitteilung, in der wir ein Märchen erzählt haben‘, sagt Onneken.“

5. „Es kann ein wenig lauter werden: Über das Diskutieren im Netz“
(kleinerdrei.org, Lucie)
Lucie denkt nach über Filterblasen und fragt sich, „wer denn hier eigentlich wessen Meinung ‚aushalten‘ soll“: „Sollen etwa Marginalisierte und Diskriminierte die Meinungen derer aushalten, die sie marginalisieren und diskriminieren? Ab wann halte ich eine Meinung aus? Wenn ich sie nicht mehr kritisiere?“

6. „Webmaster sammelt auf örtlicher CSU-Seite weiter Journalismus-Zitate“
(merkur.de, Daniel Krehl)
Siehe dazu auch „CSU schaltet neue Homepage frei“ (merkur.de, Stephen Hank, 19. April), „Pegida-Programm auf CSU-Homepage gepostet“ (merkur.de, Kathrin Brack, 16. April) und „Medienschelte auf Homepage der Kreis-CSU“ (merkur.de, Stephen Hank, 14. April).

Schreibblockade, Formulierungshilfe, Google

1. „Sprechen wir übers Geschäft: Die Bilanz“
(journalist.de, Benjamin O’Daniel)
Freie Journalisten in Deutschland: „Das Einkommen wird offenbar auf zwei unterschiedliche Arten gedrückt. Bei der regionalen Tagespresse gibt es schlicht unterirdische Zeilenhonorare. Bei renommierten Magazinen gibt es zwar bessere Pauschalen. Das Honorar wird dort allerdings über den Qualitätsanspruch gedrückt. Hier einen Absatz umschreiben, dort nachrecherchieren – und am Ende wird die Geschichte auf zwei Seiten eingedampft, weil etwas anderes wichtiger war.“

2. „Was tun gegen Schreibblockade?“
(scienceblogs.de, Florian Freistetter)
Schreibblockade? Man könne auch schreiben, wenn man keine Lust dazu habe, glaubt Florian Freistetter: „Schreiben ist zum überwiegenden Teil Handwerk und es fällt um so leichter, je mehr man übt.“

3. „Ehrenmord oder Familientragödie? Wie die Neuen Deutschen Medienmacher die Suche nach den richtigen Worten sabotieren.“
(ruhrbarone.de, Julius Hagen)
Julius Hagen befasst sich mit dem „Glossar der Neuen deutschen Medienmacher: Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ (neuemedienmacher.de, PDF-Datei): „Die manierierten Sprachcodes der Neuen Deutschen Medienmacher entfremden den Journalismus dabei zunehmend von seinen Lesern, Zuhörern und Zuschauern. (…) Der Leser nimmt die Sprachcodes oft als impliziten Vorwurf wahr: Die Neuen Deutschen Medienmacher konstatieren mit ihrem Glossar die Betreuungsbedürftigkeit einer zur Mündigkeit unfähigen Öffentlichkeit und geraten unter Manipulationsverdacht. Auf jede Wortneuschöpfung folgt routinierter Verweis auf George Orwells Roman ‚1984‘. Wenn sich die Sprache der Medienmacher von der Sprache der Leser zu weit entfernt, ist der öffentliche Diskurs gestört. Schlimmstenfalls wandern die Leser dorthin ab, wo ‚Klartext‘ geredet wird.“

4. „High Heels statt Enthüllung“
(berliner-zeitung.de, Jonas Rest)
Die ARD-Doku „Die geheime Macht von Google“ (ardmediathek.de, Video, 44:02 Minuten) hat es verpasst, zu fragen, was wirklich mit den von Google gesammelten Daten geschieht, kritisiert Jonas Rest: „Stattdessen fokussiert sich der Film auf die Klage von Internetfirmen, die sich in der Darstellung der Google-Suchergebnisse benachteiligt fühlen.“

5. „Der Wert von Papier im digitalen News-Zeitalter“
(netzpiloten.de, Jakob Steinschaden)
Jakob Steinschaden hat sich entschieden, wieder Print zu abonnieren, denn: „Nie ist eine Story fertig erzählt, das nächste Update wartet schon an der nächsten Ecke, die Personalisierung ließ mich in Details verlieren.“ Und: „In der digitalen Welt ist die Verlockung fast immer zu groß, sich schnell mal etwas anderem zu widmen, seine Aufmerksamkeit jemandem oder etwas anderen zu schenken.“

6. „Haste mal ’ne PIN?“
(freitag.de, Helen Russell)
Obdachlose in Schweden mit Kreditkarten-Lesegeräten.

RT, Syrien, Media Markt

1. „Die große Syrien-Schlamperei“
(taz.de, Idrees Ahmad)
Die Berichterstattung aus Syrien: „Von Anfang an hat Damaskus versucht, die Kontrolle über die Berichterstattung zu behalten, indem es die Arbeit für ausländische Journalisten lebensgefährlich machte – außer sie waren ‚eingebettet‘. Einige wenige gefährdeten dennoch ihr Leben, andere nutzten Skype, Youtube oder Twitter, um Material für Berichte zu sammeln. Wieder andere ignorierten die besonderen Umstände und hielten sich an orts- und zeitunabhängige Ideologien. Je weniger Journalisten nach Syrien reisten, desto stärker dominierten die Klischees die westliche Berichterstattung.“ Siehe dazu auch „Kurt Pelda erhält Menschenrechtspreis und kritisiert die Medien“ (srf.ch).

2. „Nenn mich nicht Mob – Der Umgang von Journalisten mit Inhalten aus sozialen Netzwerken“
(socialmediawatchblog.org, Eve)
Eve sieht die Haltung, „dass was öffentlich gepostet wurde, auch bedenkenlos weiterveröffentlicht werden kann“, kritisch: „Ein Tweet, der im Kontext einer Timeline als spontane Äußerung an eine bestimmte Zielgruppe gepostet wird, von der ein gewisses Vorwissen und oft auch ein Konsens erwartet werden kann, wird durch unbedachte Veröffentlichung im völlig anderen Kontext eines Nachrichtenmediums plötzlich zur fixierten kontroversen Position.“

3. „‚Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt'“
(heise.de/tp, Harald Neuber)
Harald Neuber spricht mit dem Chefredakteur von „RT deutsch“, Iwan Rodionow: „Diejenigen, die sich informieren möchten, wie die Medien in Russland geknebelt, gesteuert und unterdrückt werden, die können sich durchaus bei der BILD, bei der Tagesschau, beim Spiegel oder bei der FAZ bedienen. Vielleicht wären sie etwas enttäuscht, wenn sie auf RT Deutsch klickten und dort auch auf solch plumpe Behauptungen träfen.“

4. „Informiert oder propagandiert?“
(weblog.medienwissenschaft.de, s2mmhoff)
Ein Resümee einiger zum Start von „RT deutsch“ publizierter Artikel: „Es ist also festzuhalten, dass RT Deutsch durchaus berechtigt ist, Kritik am Westen auszuüben, aber nach genauerer Betrachtung zeigt sich, dass RT Deutsch nicht objektiv arbeitet. Renommierte Journalisten belegen dies. Es kommt nicht zur Abwägung. Gegenpositionen kommen nicht zum Zug oder werden vollkommen verdreht. In ihren Methoden lassen sich klar propagandistische Absichten erkennen.“

5. „Native Advertising der Extraklasse: ‚Der dreiste Lügen-Opa‘ von Media-Markt“
(wuv.de, Markus Weber)
Media Markt wirbt in „Bild“ im „Bild“-Artikel-Format: „Obwohl sie korrekt als ‚Anzeige‘ gekennzeichnet ist, muss man dreimal hinschauen, um zu erkennen, dass hier die Elektronikfachmarktkette wirbt.“

6. „Unsichtbar: Vom Leben auf der Straße“
(unsichtbar.morgenpost.de)

Krim, Kevin Spacey, Getty Images

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Ukraine-Konflikt: Wir sind die Guten“
(novo-argumente.com, Stefan Korinth)
Stefan Korinth hat bei der Auslandsberichterstattung deutscher Medien den Eindruck von einem Einheitsbrei: „Afghanistan, Irak, Georgien, Libyen, Ägypten, Syrien – bei ausländischen Konflikten blieben die journalistischen Deutungsmuster oft symmetrisch, ja geradezu austauschbar. Das Vokabular ist das Gleiche, egal ob bei phoenix oder RTL. Die Schlussfolgerungen sind dieselben, egal ob in der taz oder F.A.Z.: Der Westen muss helfen, Russland blockiert, Krieg ist die Ultima Ratio, Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen.“

2. „Medienkritik: Der Krimkonflikt als News-Häppchen“
(ostpol.de, Boris Reitschuster)
Im Konflikt um die Krim würden es „Online-Portale und Nachrichtenagenturen vermeiden, Dinge beim Namen zu nennen, und oft Propaganda des Kreml wiedergeben“, glaubt Boris Reitschuster. Bedauerlich sei auch, „wie wenig in Deutschland über die Kriegstrommelei und den Hurra-Patriotismus der russischen Medien zu lesen ist.“

3. „Mein Kampf für die Russen“
(taz.de, Wladimir Kaminer)
Wladimir Kaminer schreibt auf, was er hört, wenn er sich bei seinen Freunden in Russland nach der Meinungsäußerungsfreiheit erkundigt. Sein ursprünglicher Beitrag bei Facebook hier.

4. „‚Ich habe niemandem weh getan'“
(11freunde.de, Benjamin Kuhlhoff)
Der 17-jährige Schüler Samuel Gardiner erfindet auf Twitter Transfermeldungen – und wird von den Medien als seriöse Quelle wahrgenommen. „Ich orientierte mich am Stil von renommierten Sportjournalisten, mixte bestätigte Meldungen, meine eigene Meinung und bestehende Gerüchte. Dann streute ich meine ausgedachten Meldungen ein. Und einige davon wurden tatsächlich wahr.“

5. „Getty Images makes 35 million images free in fight against copyright infringement“
(bjp-online.com, Olivier Laurent, englisch)
Getty Images gibt 35 Millionen Bilder frei, die kostenlos in Beiträge eingebettet werden können, solange ein „editorial context“ besteht. Siehe dazu auch die Beiträge „10 facts about Getty Images’ embed feature“ und „Getty’s move is cynical but inevitable, says British Press Photographers’ Association“.

6. „Kevin Spacey Answers Questions that Female Celebrities Get Asked“
(youtube.com, Video, 52 Sekunden, englisch)

Ein Traum von einem Sozialdemokraten

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist seit dieser Woche nicht mehr Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan (CDU), weil ihr die Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf den Doktorgrad entzogen hat.* In der Dissertation von Frau Schavan seien „in bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte zu finden“, begründete die Universität ihre Entscheidung.

Für Tilman Krause, Leitender Literaturredakteur bei der „Welt“, ist der Fall Schavan kein Einzelfall, sondern Symptom einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung. Er schreibt:

Der Fall Schavan erinnert noch einmal an einen Umstand, der dem Vergessen anheimzufallen droht, aber zum Verständnis unserer Gegenwartsnöte unabdingbar ist: Der Ausverkauf von Bildung, der naive Glaube, jeder könne ein Intellektueller sein und der Aufstieg ins Bildungsbürgertum lasse sich in zwei, drei Jahren bewältigen – all diese törichten Illusionen sind auf sozialdemokratischem Mist gewachsen.

Krause fragt, was man von einer Frau halten solle, die, „aus einfachen Verhältnissen kommend, promovieren will um jeden Preis, hauptsächlich aber ohne vernünftig studiert zu haben“ und die – „mit anderen Worten“ – „Bildung missverstand wie Honecker den Sozialismus“.**

Nimmt man dazu noch die Tatsache, dass Annette Schavan ihre Fahrt ins akademische Glück im Fach Erziehungswissenschaften angestrebt hat und sich dafür an der Universität Düsseldorf immatrikulierte, dann hat man ein so lupenreines sozialdemokratisches Aufstiegsmuster beisammen, dass man schon fast wieder an der Daseinsberechtigung der CDU zweifeln möchte, wenn solche Lebensläufe sich jetzt dort finden statt in der SPD, wo sie hingehören.

Krause liefert dann eine „kleine Erinnerung an die universitäre Landschaft, wie sie sich im Jahr von Annette Schavans Dissertationsanstrengung, also 1980, darbot“. Erziehungswissenschaften seien damals in etwa das gewesen, was heute „Kulturmanagement“ oder „Journalistik“ seien: „ein Non-Fach, eine intellektuelle Simulation“.

Im Falle von Annette Schavan kam es aber laut Tilman Krause noch schlimmer:

Und nun Düsseldorf. Wer aus Nordrhein-Westfalen stammte und auf sich hielt, schickte seine Kinder doch nicht nach Düsseldorf! Bonn, Münster, Köln waren die renommierten Ausbildungsstätten, Bochum galt als interessante Reformuniversität, aber Düsseldorf, 1965 gegründet, stand nun wirklich für gar nichts – außer für den sozialdemokratischen Traum von der Hochschulreife für alle.

Die Uni Düsseldorf ist für Krause also quasi der betongewordene „sozialdemokratischen Traum von der Hochschulreife für alle“.

Und tatsächlich hatte die Landesregierung NRW 1965 die Umwandlung der bisherigen Medizinischen Akademie in eine „Universität Düsseldorf“ beschlossen.

Der „Spiegel“ schrieb damals:

Nordrhein-Westfalen, den anderen Bundesländern bislang nur in den Einnahmen und Einwohnern weit voraus, entwickelt sich nun zum hochschulreichsten Land der Bundesrepublik. Treibende Kraft ist Kultusminister Professor Paul Mikat, Geburtshelfer von fünf Universitäten (Bochum, Dortmund, Ostwestfalen, Aachen, Düsseldorf).

Paul Mikat war Mitglied der CDU. So, wie überhaupt die ganze Landesregierung unter Ministerpräsident Franz Meyers (CDU) damals aus CDU und FDP bestand.

Mit Dank an Ralf B.

*) Nachtrag/Hinweis, 19.30 Uhr: Streng genommen ist es wohl so, dass Frau Schavan ihren Doktorgrad zumindest solange behält, bis das Verwaltungsgericht Düsseldorf über ihre Klage gegen die Aberkennung entschieden hat.

**) Nachtrag/Hinweis, 9. Februar: In der Onlineversion steht nun „die mit anderen Worten Bildung missverstand wie Ulbricht den Sozialismus“. Zuvor hatte dort – wie in der Printversion – „Honecker“ gestanden. Die Universität Düsseldorf steht aber immer noch für den „sozialdemokratischen Traum“.

Der Mann, der zu wenig wusste

In Bremen steht ein Mann vor Gericht, der in einem Parkhaus in der Innenstadt einen anderen Mann erschossen hat.

„Bild“ gibt seine Aussage vor Gericht so wieder:

Da packt der Angeklagte aus: „Ich kannte den Mann gar nicht. Er bog mit seinem Mercedes in die Knochenhauerstraße ein, wo ich als Fußgänger rüber wollte. Ich ging ihm zu langsam. Er stieg aus, beschimpfte mich: ‚Hurensohn! Ich f… deine Mutter.‘ Seit dem dachte ich an nichts anderes mehr.“

„Bild“ behauptet, vor Gericht werde der Mord „immer spektakulärer“. Ganz so spektakulär, wie die Zeitung ihn zu Beginn dank der Vermutungen des „renommierten“ Kriminologen Prof. Dr. Christian Pfeiffer gehalten hatte, war der Mord dann aber vielleicht doch nicht.

Der war sich damals laut „Bild“ nämlich „sicher“, dass der Mord einen ganz anderen Hintergrund hätte — woran Bild.de bei der aktuellen Berichterstattung auch gerne noch mal erinnert:

Kriminologe sicher: Ein Auftragskiller! Der spektakuläre Mord im Parkhaus Bremen: "Es liegt auf der Hand, dass es ein Auftragsmord war" ist sich der renommierte Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer sicher.

Mit Dank an Dustin.

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