Offenbarungseid, Südsudan, Latzhosen

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Unverzichtbare Lichtgestalten"
(carta.info, Vera Bunse)
Vera Bunse über die Neigung der Medien zur Personalisierung im Politikjournalismus. Selbst wenn sich neue Kräfte wie die Piratenpartei explizit dagegen wehren, versuchen die Medien, sie in die bestehenden Verhältnisse zu pressen: "Journalisten hätten auf die Neulinge mit neugierigen und interessanten Fragen reagieren können. (…) Stattdessen gab es aufgeregtes Geschnatter über Latzhosen und Palitücher, die Unkenntnis der Höhe der Verschuldung des Landes Berlin und die Tatsache, dass dank der lustigen Rampensau Christopher Lauer tatsächlich in einer Talkshow gelacht wurde."

2. "Keine Angst: wir sprechen Deutsch!"
(publikative.org, Sheila Mysorekar)
"Jeder fünfte Mensch in diesem Land hat Migrationshintergrund, aber nur jeder 50. Journalist", stellt Sheila Mysorekar fest. "Und Ausländer sprechen halt kein Deutsch, das weiß ja jeder. Im Laufe meines Lebens ist mir buchstäblich schon Tausende Male gesagt worden: 'Sie sprechen aber gut Deutsch!' Darauf antworte ich gerne: 'Ich wünschte, ich könnte das auch von Ihnen behaupten!'"

3. "Die Doppelmoral der Medien in der Wulff-Affäre"
(danielflorian.de, Ulrich Hottelet)
Ulrich Hottelet erinnert daran, dass Anfang Januar im Südsudan mehr als 3000 Menschen getötet wurden. "Ein derart hoher Verlust von Menschenleben verursachte in den Medien und in der Öffentlichkeit nicht einmal den Bruchteil des Furors, den die Umstände eines Hauskaufs in Niedersachsen hervorgerufen haben. Da ist die Frage nach den Maßstäben, die in der Bewertung angelegt werden, überfällig."

4. "Verdrehte Welt"
(freitag.de)
Sieben Kulturschaffende leisten Offenbarungseide. Nicht nur die Politik werde vom Geld regiert, auch der Kulturbetrieb sei "natürlich verführbar".

5. "The Washington Post tries a new weapon to fight the trolls: humans"
(niemanlab.org, Andrew Phelps, englisch)
Journalisten, die sich einbringen in den Kommentarspalten der eigenen Artikel: "By getting involved, reporters can also help fend off rumors, speculation, and flame wars."

6. "Interview with a hoaxster: How I fooled the Daily Mail with fake pic"
(poynter.org, Craig Silverman, englisch)
Craig Silverman befragt Jody Kirton, der zu einer Falschmeldung beigetragen hat: "I don’t have any regrets in doing this, I feel it has proved how a joke between friends can make national news almost!"

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ESM, Superhirn, Sexualstraftäter

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1. "Ex-Sicherungsverwahrte: von den Medien gehetzt?"
(ndr.de, Video, 6:25 Minuten)
Boulevardzeitungen jagen den entlassenen und neu in Hamburg-Jenfeld wohnhaften Sexualstraftäter Hans-Peter W.: "Ein perfides Wechselspiel zwischen Anwohnerangst und Medienberichten."

2. "Falsches Tortenstückchen"
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Die ARD-Tagesschau stellt die Beteiligung Deutsch­lands am Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM in einer Grafik falsch dar.

3. "Rangliste der Pressefreiheit 2011"
(reporter-ohne-grenzen.de)
Den ersten Platz teilen sich Finnland und Norwegen, Österreich ist auf Platz 5, die Schweiz auf Platz 8, Deutschland gemeinsam mit Jamaika und Zypern auf Platz 16. Am wenigsten Pressefreiheit können Menschen in China, Iran, Syrien, Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea für sich beanspruchen (Pressemitteilung).

4. "Tricks beim Superhirn (ZDF)"
(youtube.com, Video, 7:45 Minuten, 16. Januar 2012)
Was auf Fernsehkritik.tv schon am 10. Januar zu erfahren war, berichtet nun auch "Spiegel Online". In der ZDF-Sendung "Deutschlands Superhirn" behauptete ein Lehrer, erkennen zu können, welche aus einem Orchester herausgenommenen Musiker fehlten. "Warum verschweigt uns Jörg Pilawa, dass neben der Herausnahme der Musiker sich die Noten der anderen Spieler ändern?"

5. "Wulff schickte Weihnachtspost"
(taz.de, Felix Dachsel)
Die Pressestelle des Axel-Springer-Verlags schickt der taz-Redaktion haufenweise Informationen zur Causa Wulff. Felix Dachsel fragt: "Ist das nun ein Beitrag zur Transparenz in der Mailbox-Affäre oder eher Stoff für das legendäre 'Handbuch des nutzlosen Wissens'?"

6. "Der Tag, an dem nichts wirklich passiert ist"
(marinaslied.de)
Marina Weisband kommentiert die Reaktion von Medien auf ihre Ankündigung, "aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für eine zweite Amtsperiode als Bundesvorstand der Piratenpartei zu kandidieren".

Emma, Ungarn, Kim Jong-il

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1. "EMMA berichtet über das Thema Frauen in der Piratenpartei"
(cymaphore.net)
Cymaphore nimmt einen Artikel der Zeitschrift "Emma" über Frauen in der Piratenpartei (Kurzfassung) auseinander. "Wie kann eine Zeitschrift, die selbst den Anspruch stellt die Speerspitze des deutschen Feminismus zu sein, einen (meiner Meinung nach) derartigen Müll veröffentlichen?"

2. "Ungarns manipuliertes Fernsehen"
(tagesschau.de, Video, 2:32 Minuten)
Journalisten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Ungarn treten wegen manipulierten Beiträgen in den Hungerstreik.

3. "Den hat der Teufel geholt"
(freitag.de, Lutz Herden)
Lutz Herden ist beeindruckt von der "hellseherischen Urteilskraft" einiger deutscher Medien nach dem Tod von Kim Jong-il ("man weiß nichts, kann aber trotzdem vorhersagen"). "Es werden Zukunftsvisionen halluziniert, die jeder seriösen Analyse entbehren."

4. "Unsere Leser hassten uns, jetzt lieben sie uns"
(derstandard.at, Oliver Mark)
Anette Novak von der schwedischen Regionalzeitung "Norran" erklärt, wie ihre Redaktion das Wissen ihrer Leser nutzt. "(…) je mehr Leute involviert sind, desto fruchtbarer ist das für die Qualität. Wir Journalisten haben uns lange für die besseren Kommunikatoren gehalten, aber die Masse weiß es immer genauer."

5. "Früher war nicht alles besser"
(michaelheim.com)
Michael Heim vergleicht eine aktuelle Ausgabe der "Basler Zeitung" mit der Ausgabe vom 18. August 1978.

6. "Capital" vs. "Handelsblatt"
(facebook.com)
Auf der Facebook-Seite des Wirtschaftsmagazins "Capital" erinnert man sich nach der "Handelsblatt"-Lektüre an ein eigenes Interview von 2010. "Sogar die eingestreuten Kursiv-Absätze haben die Handelsblatt-Kollegen als Format übernommen. Wir werten das mal als Anerkennung unserer guten (Vor-) Arbeit… Danke nach Düsseldorf!"

Bild.de  dapd  Etc.

Heiteres Zahlenpiraten (2)

Am Wochenende hat die Piratenpartei in Offenbach ihren neunten Bundesparteitag abgehalten.

Oder in den Worten der Nachrichtenagentur dapd:

Nach ihrem sensationellen Wahlerfolg von Berlin kommen die Piraten am Wochenende erstmals zu einem Bundesparteitag zusammen.

(Freitag, 10.36 Uhr)

Piraten kommen zum ersten Bundesparteitag zusammen

Offenbach (dapd). Nach ihrem sensationellen Wahlerfolg von Berlin kommen die Piraten heute erstmals zu einem Bundesparteitag zusammen.

(Samstag, 00.15 Uhr)

Piraten kommen zum ersten Bundesparteitag zusammen

Offenbach – Nach ihrem sensationellen Wahlerfolg von Berlin kommen die Piraten heute erstmals zu einem Bundesparteitag zusammen.

(Samstag, 04.15 Uhr)

Diesen Irrtum hatte am Freitag bereits Bild.de begangen (BILDblog berichtete), was die Redakteure von Bild.de am Samstag nicht davon abhielt, so über den Parteitag zu berichten:

BILD.de berichtet vom ersten Bundesparteitag der Piraten in Offenbach

Die falsche dapd-Formulierung wurde bei den Online-Medien nur von "RP Online" übernommen, nach Angaben unserer Leser haben aber unter anderem die "Heute"-Nachrichten im ZDF, das "Morgenmagazin" der ARD und die "Newstime" auf ProSieben vom "ersten" Bundesparteitag der Piraten berichtet.

Mit Dank an Matthias M. und Stefan M.

Nachtrag, 6. Dezember: "RP Online" hat seine Einleitung unauffällig geändert. Sie lautet jetzt:

Nach ihrem sensationellen Wahlerfolg von Berlin kommen die Piraten am Wochenende erstmals wieder zu einem Bundesparteitag zusammen.

Bild.de  

Heiteres Zahlenpiraten

Am Wochenende findet in Offenbach der Bundesparteitag der Piratenpartei statt.

Oder, wie Bild.de es formuliert:

Am Wochenende findet in Offenbach der erste Bundesparteitag der Piratenpartei statt.

Dieser Satz wäre dann richtig, wenn es die Bundesparteitage 2008 in Hannover und Bielefeld, den Bundesparteitag 2009 in Hamburg, die Bundesparteitage 2010 in Bingen und Chemnitz und den ersten Bundesparteitag 2011 in Heidenheim nie gegeben hätte.

Insofern ist auch die Eröffnung des Interviews mit dem Piratenpartei-Vorsitzenden Sebastian Nerz mindestens unglücklich:

BILD.de: Die Piraten chatten normalerweise im Netz über ihre politischen Ziele. Jetzt findet ihr Parteitag in der Stadthalle Offenbach statt. Ist das nicht altmodisch?​

Gerade noch richtig wäre der Satz von Bild.de vielleicht, wenn er so lautete:

Am Wochenende findet der erste Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbach statt.

Mit Dank an Andre S.

Nachtrag, 18.00 Uhr: Bild.de hat sich für diese kreative Neufassung entschieden:

Am Wochenende findet in Offenbach der erste Bundesparteitag der Piratenpartei statt – seit dem sensationellen Erfolg bei der Berlin-Wahl.

Bild  Bild.de  

Auf dem Boulevard wird schon Salz gestreut

So lag "Bild" gestern in Berlin am Kiosk:

So zeigt sich ein Berliner Abgeordneter im Internet

Im Inneren erklärte die Zeitung dann, wer der Abgeordnete ist (Simon Weiß von der Piratenpartei) und was er da auf dem Foto macht:

Ein junger Mann beugt sich über eine Linie weißes Pulver. An seine Nase hält er eine Papierrolle. Und deutet an, die weiße Substanz hochzuziehen als wäre es Kokain. Daneben steht ein Salzstreuer. Das Foto zeigt Pirat Simon Weiß (26), der im Abgeordnetenhaus sitzt. Er hat es über den Internetdienst Twitter veröffentlicht.

Bei Bild.de ging die Geschichte erst nach einer Drehung an der Meta-Schraube online und klang dann so:

Seine Idee: ein bisschen Drogen-Provokation. Wie originell!

Auf seinem Twitter-Account hat er ein neues Profilfoto eingestellt. Zu sehen: Simon Weiß, wie er seinen Kopf über eine Tischplatte beugt, mit der linken Hand hält er sich das linke Nasenloch zu, an das rechte Nasenloch drückt er eine Papierrolle, deutet an, eine helle Substanz hochzuziehen als wäre es Kokain. Links im Bild: ein Salzstreuer. Ha-ha!

Die Salz-Schnupf-Experten von Bild.de finden das offenbar nicht lustig:

Lustig hin, lustig her, Fakt ist: Der Landespolitiker täuscht eine Straftat vor.

Denn der Konsum von harten Drogen ist in Deutschland verboten!

Das stimmt so nicht: Der reine Konsum von Kokain ist in Deutschland nicht verboten, wohl aber der Besitz, die Herstellung oder der Handel (der Konsum ohne vorherigen Besitz ist natürlich ein wenig knifflig). Und unter "Vortäuschen einer Straftat" versteht man die Anzeige einer nicht begangenen Straftat wider besseres Wissen.

Simon Weiß zeigte sich angesichts der großen "Bild"-Geschichte über seine Person auf Twitter recht entspannt und wollte die Aktion als "privat betriebene Satire" verstanden wissen. Dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, der bei Bild.de erklärt hatte, dass seines Erachtens "durch das Foto der Konsum von harten Drogen verharmlost wird", warf Weiß vor, den "Stichwortgeber" für das "Hetzblatt" "Bild" zu "spielen". Abschließend verwies er auf die Fotografin des Salzbildes, die "Bild" nach eigenen Angaben darauf hingewiesen hatte, dass die Zeitung das Foto nicht ohne weiteres hätte abdrucken dürfen.

Mit Dank an Brainfucker, Markus M. und Sebastian C.

Hypo Real Estate, Mely Kiyak, Schäferhund

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1. "Wen kümmern 50 Milliarden Euro?"
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
Hans-Martin Tillack liefert Hintergründe, wie über Geldbeträge der verstaatlichten Bank Hypo Real Estate informiert wird und wie Journalisten diese Informationen aufnehmen und verarbeiten. Siehe dazu auch "Verrechnet – Milliarden und die HRE" (ndr.de, Video, 5:30 Minuten).

2. "Ui, Mely Kiyak!"
(titanic-magazin.de)
"Titanic" antwortet auf eine Kolumne von Mely Kiyak in der "Frankfurter Rundschau", in der sie Mitglieder der Piratenpartei als "eine Ansammlung von zotteligen Typen" beschreibt. Sie schrieb damals: "Schwammige Figuren, ungesunder Teint, hässlich, mein Gott, da ist ja nix dabei! Man roch die vermieften T-Shirts regelrecht. Kein Wunder, dass keine Mädchen bei denen mitmachen. Ich verstehe jetzt auch, warum die Piraten keinen Wahlkampf mit Fotos veranstalteten – das Auge wählt schließlich mit."

3. "Polizistenmord: Wie der Bayerische Rundfunk auf den Hund kam"
(augsburger-allgemeine.de, sbo)
Br.de illustriert eine Nachricht mit einem bearbeiteten dpa-Bild. Nebel wurde "durch ein diffuses Sonnenlicht ersetzt", ein Schäferhund mitten in eine Gruppe von Bereitschaftspolizisten montiert. "Der Bayerische Rundfunk erklärt den Vorfall mir gegenüber mit einer internen Panne. Bei der Bildmontage handle es sich um eine Titelgrafik aus der Rundschau-Sendung im BR-Fernsehen."

4. "Niveaulosigkeit"
(nullsummenspiel.tumblr.com, Pascal Paukner)
Pascal Paukner ärgert sich, wie Chris Köver in der Zeitschrift "Zeit Campus" über Jürgen Habermas beschreibt.

5. "Wir waren beim Fußball – und haben es überlebt"
(schwatzgelb.de, Sascha und Arne)
"Wer den Fußball komplett befrieden will, muss ihn seine Brisanz berauben – und damit auch all dem, was seine Faszination begründet", schreiben Sascha und Arne in einem langen Artikel über Fußball und Gewalt. "Wenn sich Fangruppierungen auch abseits der Spiele bekriegen und jungen Fans auf dem Schulweg oder am Bahnhof aufgelauert wird, und wenn Täter in der Gruppe den unterlegenen Opfern die Fanutensilien rauben, dann ist das zweifelsohne bedenklich – seltsamerweise interessieren sich aber weder Polizei, noch Vereine, noch Medienvertreter für diese Ereignisse. Vielleicht sind sie einfach nicht spektakulär und medienwirksam genug?"

6. "Eine Frage des Geschmacks"
(karolinakuszyk.blogspot.com)
Karolina Kuszyk fragt ihre Freundinnen: "Was für Weisheiten haben euch eure Mütter mit auf den Weg gegeben?"

Piratenpartei, Beißreflexe, Säbel

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1. "Stille Post sie spielen"
(scilogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Wie "Spiegel Online" eine dpa-Meldung über eine neue Studie umschreibt, "ohne die Studie zu kennen und verstanden zu haben".

2. "Piratenpartei: Humor ist, wenn man trotzdem lacht"
(panorama.blog.ndr.de, Andrej Reisin)
Andrej Reisin reagiert auf wütende Reaktionen von Mitgliedern und Sympathisanten der Piratenpartei, die sich von einem NDR-Beitrag "verhöhnt" fühlen. "Über Inhalt und Qualität des Films lässt sich selbstverständlich streiten – und der NDR bietet dafür mit seiner Kommentarfunktion ja auch breiten Raum. In den Reaktionen kommt allerdings auch etwas anderes zum Vorschein, nämlich ein Gestus, der sich jedwede Kritik oder Satire schlicht und ergreifend verbitten will."

3. "Genies nach Maßgabe des deutschen Journalismus"
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
"Deutschland hat wirklich einige Geistesgrößen zu bieten. Gescheite, unglaublich belesene Leute, die aus ihrem enormen Wissensschatz unter Anwendung der Gesetze der Logik (und machmal auch unter Umgehung derselben) zu brillanten Schlüssen kommen. Die 'Zeit'- und 'Spiegel'-Redakteure könnten vermutlich lebenslänglich suchen, sie würden diese echten 'Genies' nicht finden."

4. "Das Scheißleben der Feuilletonisten"
(spiegel.de, Georg Diez)
Das Ich und das Wir im deutschen Feuilleton. "Was hier von unterschiedlicher Seite versucht wird, ist eine Umdeutung der Gegenwart mit den Mitteln der Literaturkritik."

5. "Alte Beißreflexe"
(faz.net, Johannes Warda)
Es bestehe kein Zweifel, "dass sich die Bürgerbewegung von G8- und Bildungsprotest über den arabischen Frühling bis zu 'Occupy Wall Street' großer Medienaufmerksamkeit" erfreue, findet Johannes Warda. "So mancher Vorwurf an die sogenannten Mainstream-Medien erinnert da an alte Beißreflexe: ein anachronistisches Verhaltensmuster aus der Zeit der Blockkonfrontation, das gerade die Indie-Medien und die Netzkultur überwunden zu haben glaubten."

6. "Symbolträchtiger Mongolismus und eine Wiener Leiche auf Abwegen"
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Aus welchem Bild ein von express.de, mopo.de und berliner-kurier.de eingesetztes Symbolfoto eines Säbels ausgeschnitten wurde.

Piratenpartei, Commentarist, Volltext

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1. "Was Chefs in den Zeitungen zu lesen wünschen"
(nzz.ch, Sergio Aiolfi)
Firmenvertreter bringen Journalisten immer leichter dazu, das zu schreiben, was sie "am nächsten Tag gerne in der Zeitung lesen würden".

2. "Ein Lehrstück"
(haekelschwein.de)
"Der NDR verhöhnte heute in 'Menschen und Schlagzeilen' die Piratenpartei mit einer ganz einfachen Methode, die sonst vornehmlich gegen extremistische Parteien und Sekten angewendet wird, worüber wir dann gerne lachen, die aber prinzipiell gegen jeden eingesetzt werden kann."

3. "Orientierung im Dschungel der Fakten"
(taz.de, Jakob Schulz)
Ein Interview mit Eric Hauch, Gründer von Commentarist.de: "Für den Leser unterscheiden sich inzwischen die verschiedenen faktenorientierten Angebote immer weniger voneinander. Die Meinung kompetenter Journalisten gibt Medien die Möglichkeit, sich klar von der Konkurrenz zu differenzieren. Ich denke, dass die Nutzer zukünftig wesentlich stärker nach Einordnung und Einschätzung verlangen."

4. "Nummernzauber: Autoren ohne Namen"
(umblaetterer.de, Luisa)
In der Printausgabe der Literaturzeitschrift "Volltext" werden die Verfasser der Artikel als Nummern angegeben. Auf volltext.net kann man nachsehen, um wen es sich handelt.

5. "Haltet den Dieb!"
(welt.de, Günther Lachmann)
Hans-Peter Buschheuer, Chefredakteur der Boulevardzeitung "Berliner Kurier", sucht den potenziellen Dieb seiner Brieftasche im Netz.

6. "Entwurf eines P2P Social Networks"
(schockwellenreiter.de, Jörg Kantel)
Jörg Kantel fragt sich, wie ein soziales Netzwerk aussehen müsste, "in dem der Nutzer immer und zu jedem Zeitpunkt Herr seiner Daten bleibt, das Kommentare und Like-Buttons ermöglicht und das notfalls sogar auf minimalem Webspace mit statischen Seiten funktioniert".

Das Totenkopffähnchen im Wind

"Wie soll ich Dich empfangen?" heißt es in einem alten Kirchenlied und diese Frage treibt dieser Tage auch die "Bild"-Familie um — natürlich nicht im Hinblick auf den Papst, da ist der Empfang klar, aber im Bezug auf die Piratenpartei.

Die "Bild am Sonntag" verkündete gestern stolz:

Unser Reporter Adrian Pickshaus besuchte die Kultpartei ohne Scheu- und Augenklappe.

Gut, dieser Kalauer ist jetzt vielleicht ein bisschen bemüht. Oder wie es Bild.de vor ein paar Tagen ausgedrückt hat:

Peinlich: Anne Will eröffnet ihre Sendung mit altbackenen Piraten-Witzen, fragt Christopher Lauer zuerst: "Wo ist denn Ihre Augenklappe?"

Doch wofür stehen die Piraten, die "Polit-Sensation des Jahres", eigentlich? Adrian Pickshaus erklärt es den "BamS"-Lesern:

Im Berliner Wahlkampf machten die Piraten vor allem mit drei Forderungen Welle: straffreies Kiffen, fahrscheinloses Bahnfahren und ein bedingungsloses Grundeinkommen, weit über dem Hartz-IV-Regelsatz.

Nimmt man die Forderungen unter die Lupe, stellt man fest: Vieles ist nicht verrückt, sondern gut durchdacht. Beispiel Bahnfahren: Nach Piraten-Willen soll jeder Berliner eine Jahres-Pauschale für den öffentlichen Nahverkehr bezahlen. Eine Bus-und-Bahn-Maut sozusagen. Touristen würden über eine Hotel-Abgabe zur Kasse gebeten.

Eine Woche zuvor, als die Piraten überraschend mit 8,9 Prozent der Wählerstimmen ins Berliner Abgeordnetenhaus einzogen, waren die Leute bei Bild.de noch skeptischer, was den Erfolg der Piraten anging — und deutlich kritischer:

Das Wahl-Programm könnte von der Hacker-Vereinigung "Chaos Computer Club" stammen – ein seltsames Sammelsurium ziemlich abstruser Forderungen:

- Nahverkehr in Bus und Bahn zum Nulltarif

- keine Verfolgung von Schwarzfahrern mehr

- „Rauschkunde“-Unterricht in der Schule

- die Einführung von Mindestlohn und Grundeinkommen

Mit Dank an Nico S.

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