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„Bild“ verwickelt Olympiasieger in erfundenen „Suff-Unfall“

Wir müssen nochmal auf die Sache mit Christoph Harting zurückkommen.

Als der Diskus-Olympiasieger vor gut zwei Monaten mit seiner Frau spätabends im Auto unterwegs war, hatte er auf dem Weg nach Hause einen Unfall. Dabei kam es, wie er später in einem Interview erzählte, „zu einer leichten seitlichen Berührung von einem anderen Fahrzeug und meinem“:

Hierbei handelt es sich aber lediglich um einen Bagatellschaden. Danach habe ich angehalten und die Polizei gerufen, um den Sachverhalt aufnehmen zu lassen. Anschließend bin ich in mein Auto gestiegen und nach Hause gefahren.

Kein großes Drama also. Blechschaden, Polizei hinzugezogen, nach Hause gefahren, alles gut.

Bis die „Bild“-Zeitung kam.

OLYMPIA-HELD CHRISTOPH HARTING - SUFF! CRASH! AUSRASTER!

So stand es eineinhalb Wochen später riesengroß im Blatt. Auch auf der Titelseite verkündete „Bild“:

Olympia-Held Christoph Harting - SUFF-UNFALL - Ärger für Olympia-Held Christoph Harting (27). Der Diskus-Star - im Hauptberuf Bundespolizist - verlor nach einem Suff-Unfall seinen Führerschein.

„Nach BILD-Recherchen“, hieß es im Artikel, „hat der Olympia-Held unter offenbar erheblichem Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht“.

„Völlig aufgebracht“ sei er danach auf den Fahrer des anderen Autos losgegangen, schrieb „Bild“ unter Berufung auf „Zeugenaussagen“. Selbst die hinzugerufenen Polizisten hätten ihn „nur schwer bändigen können“.

Weil Harting — im Hauptberuf Bundespolizist — sich außerdem gegenüber den Polizeibeamten aggressiv verhalten haben soll, brachten ihn seine Kollegen auf die Wache. Dort wurde eine Blutentnahme angeordnet und der Führerschein erst einmal einbehalten.

Verfasst wurde der Artikel von Chefreporter Peter Rossberg und Guido Brandenburg, dem Leiter des „Bild“-Ressorts für Investigative Recherche.

Und obwohl Christoph Harting die Geschichte noch am selben Tag gegenüber einer Nachrichtenagentur als „erlogene Falschdarstellung“ zurückwies, wurde sie auch von vielen anderen Medien verbreitet. Zwar meist mit dem Zusatz, dass Harting die Vorwürfe dementiert habe, aber hey, könnte ja auch sein, dass er lügt und die „Bild“-Zeitung doch recht hat.

Hatte sie nicht.

Nachdem Harting juristisch gegen die Berichterstattung vorgegangen war, musste „Bild“ eine Gegendarstellung abdrucken und zugeben, dass die Geschichte falsch war.

Da war sie allerdings schon fast zwei Monate in der Welt. Und Christoph Harting permanent unter Rechtfertigungszwang. „Man muss sich das einfach mal vorstellen“, sagte er Ende August in einem Fernsehinterview:

Da veröffentlicht ein Medium (…) erlogene Tatsachen, und das zieht so einen elenden Rattenschwanz mit sich: Man rechtfertigt sich an Stellen, die einen einfach nur unterstützen sollten, das heißt, sei es die Bundespolizei als mein Arbeitgeber, seien es meine Sponsoren oder der Deutsche Leichtathletikverband – man erklärt sich, erklärt die Situation, erklärt, dass an dieser ganzen Story nichts dran ist, dass man rechtliche Schritte ergriffen hat, und trotz allem: Das Vertrauen, das dabei verloren geht, das kann man einfach nicht wieder gutmachen.

Damit aber noch nicht genug, es gibt auch im privaten Bereich — ich bin Familienvater, habe eine zehnjährige Tochter, und das Letzte, was ich machen würde, wäre das, was man mir da vorgehalten hat, das muss man einfach mal ganz klar sagen — und man wird dann auch im privaten Bereich in eine Rechtfertigungsschiene gedrückt, die einfach nur unangenehm ist.

Unklar bleibt, wie es zu der falschen Darstellung kommen konnte. Nach Ansicht von Christoph Harting handelt es sich um eine absichtliche Lüge, eine „bewusste Diffamierung“.

Und was sagt die „Bild“-Zeitung?

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu redaktionellen Abläufen grundsätzlich nicht äußern.

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Gebührend falsch

Seit Wochen versucht „Bild“, einen Volksaufstand gegen den neuen Rundfunkbeitrag herbeizuschreiben. Fast jeden Tag wartet das Blatt mit einem neuen Artikel auf, der einen Skandal im neuen System anprangert. Die vermeintlichen Enthüllungen werden von anderen Medien begeistert ungeprüft übernommen.

Wie macht die „Bild“ das?

Stellen wir uns für einen Moment vor, wir redeten nicht von ARD und ZDF, sondern vom Taschengeld des kleinen Timmy.

Der hat bislang jeden Monat 60 Euro bekommen: je zehn von Vater und Mutter und 40 von Tante Ursula. Nach dem Ärger am zweiten Weihnachtstag haben die Verwandten beschlossen, das Geld anders aufzuteilen. Vater und Mutter zahlen jetzt je 15 Euro, Tante Ursula auch, und dafür beteiligt sich Onkel Franz ebenfalls mit 15 Euro.

Timmys Schwester Tanja findet es doof, dass Timmy überhaupt soviel Taschengeld bekommt, und macht nun Theater: Das sei total ungerecht, dass der Timmy nun viel mehr Geld bekommt als früher. Ich krieg doch gar nicht mehr Geld als früher, sagt Timmy. Wohl, sagt Tanja: Die Eltern zahlen jetzt jeden Monat zehn Euro mehr! Und der Onkel Franz zahlt jetzt plötzlich auch! Überhaupt müssen mehr Leute dein Taschengeld bezahlen! Also ist klar, dass du voll eine Taschengelderhöhung bekommen hast.

Tanja will später mal zur „Bild“-Zeitung gehen.

Dirk Hoeren, Guido Brandenburg und Nikolaus Harbusch sind heute die Tanjas von „Bild“. Ihre Kampagne gegen ARD und ZDF basiert zum großen Teil auf zwei einfachen Taschenspielertricks: Bekannte und öffentlich zugängliche Dokumente werden wie neue und geheime Fundsachen behandelt. Und jede potentielle Mehreinnahme für ARD und ZDF durch das neue System wird erwähnt; jede potentielle Mindereinnahme wird verschwiegen.

Am 22. Dezember gab Hoeren vor, „die wichtigsten Fragen“ zum neuen Rundfunkbeitrag zu „beantworten“. Darunter diese:

Steigen die Einnahmen der Sender durch den neuen Beitrag?

Die Sender rechnen mit 840.000 neuen Gebührenzahlern. Die Gebührenkommission KEF kalkuliert mit 581 Mio. Euro Mehreinnahmen.

Tatsächlich findet sich die Zahl 581 Mio. an prominenter Stelle (Seite 15) im Bericht der KEF. Er bedeutet allerdings nicht das, was „Bild“ behauptet.

Es handelt sich bloß um Einnahmen, die höher ausfallen als ursprünglich angenommen. Mit dem neuen Beitrag hat das erst einmal gar nichts zu tun, was sich schon daraus ergibt, dass sich diese Einnahmen auch auf die Jahre 2011 und 2012 beziehen, also die Zeit vor der Umstellung. Die Summe enthält zum Beispiel auch Werbeeinnahmen: Die KEF geht nämlich aufgrund der guten Entwicklung von Werbeeinnahmen in der ganzen Branche davon aus, dass zum Beispiel die ARD mehr Geld in diesem Bereich einnehmen könnte als bisher geplant.

Um aber auf die „Bild“-Frage zurückzukommen, ob die Einnahmen der Sender durch den neuen Betrag steigen: Nein. Jedenfalls geht die KEF nicht davon aus.

Sie rechnet in der aktuellen Gebührenperiode (2013 bis 2016) mit Einnahmen aus „Teilnehmerbeiträgen“ in Höhe vom 29,3 Milliarden Euro. In der vergangenen Gebührenperiode (2009 bis 2012) waren es ebenfalls 29,3 Milliarden Euro.

Im Klartext: Die KEF rechnet damit, dass durch die Umstellung des Systems insgesamt ungefähr genau so viel Rundfunkgebühren eingenommen werden wie bisher. Einerseits müssen in Zukunft zum Beispiel auch Leute zahlen, die gar kein Empfangsgerät haben. Andererseits müssen zum Beispiel Wohngemeinschaften nur noch einen gemeinsamen Beitrag zahlen. Eine genaue Prognose, wie die einzelnen Faktoren ausfallen, ist nach Angaben der KEF wegen vieler Unwägbarkeiten und fehlender Daten nicht möglich, aber es könnte ungefähr bei plusminus Null rauskommen.

Das entspräche auch dem Ziel des Gesetzgebers: Die Ministerpräsidenten wollten die Reform des Finanzierungssystems so gestalten, dass sie „aufkommensneutral“ ausfällt. Und selbst wenn mehr Geld als geplant hereinkäme, dürften ARD und ZDF es nicht behalten. Es würde mit zukünftigen Gebühren verrechnet.

Das sind Informationen, die so wesentlich für das Verständnis des ganzen Verfahrens ist, dass „Bild“ sie lieber nicht erwähnt.

Am 2. Januar schaffte es das Thema bei ihr auf den Titel:

ARD & ZDF Jagd auf 4 Millionen Haushalte. Rasterfahndung, Pfändung, Offenbarungseid So will die 'GEZ' Gebühren eintreiben

Im Text hieß es:

Seit Neujahr ist aus der GEZ der „Beitragsservice“ geworden. Das klingt besser – und wird trotzdem schlimmer.

Denn die in Köln sitzende Behörde wird ähnlich unpopulär sein: Mit der seit 1. Januar gültigen „Haushaltsabgabe“, einer „TV-Zwangssteuer“, macht sie im Auftrag von ARD und ZDF ab sofort Jagd auf mindestens 4 Millionen deutsche Haushalte.

Wer […] nicht zahlen will, muss Zwangsmaßnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender fürchten. In ihrem Geschäftsbericht 2011 kündigt die „GEZ“ an: „Für die Vollstreckung rückständiger Rundfunkgebühren nutzt die GEZ alle zur Verfügung stehenden Vollstreckungsmaßnahmen.“ Dazu zählen die Inkasso-Jäger von ARD und ZDF Pfändungen von Forderungen, Sachpfändungen und Anträge auf Abnahme der „Eidesstattlichen Versicherung“ (früher Offenbarungseid).

Nur „kündigt“ die GEZ das gar nicht „an“, sondern tut es längst, und die entsprechende Formulierung findet sich seit Jahren in ihren Geschäftsberichten. Auch das hat nichts mit dem neuen Rundfunkbeitrag zu tun.

Am 3. Januar triumphierte „Bild“:

Also doch! Die neue TV-„Zwangssteuer“ soll vor allem dazu dienen, die Einnahmen von ARD und ZDF zu steigern. Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten dies bislang stets bestritten.

In einem BILD vorliegenden Protokoll des NRW-Medienausschusses teilte der ehemalige Chef des ARD/ZDF-Inkassodienstes GEZ, Hans Buchholz, mit, dies sei eine Vorgabe der Politik. Wörtlich sagte er in der Sitzung am 7. April 2011: „Wir haben die Aufforderung, das Beitragsaufkommen um ein Prozent zu steigern. Das ist in den Reformberechnungen der Ministerpräsidenten berücksichtigt.“

Das Protokoll, das „Bild“ vorliegt, steht für jeden zugänglich auf den Seiten des nordrhein-westfälischen Landtages. Buchholz‘ Äußerungen sind sicherlich missverständlich. Es geht aber auch in diesem Fall nicht um eine Steigerung der Gesamteinnahmen, sondern nur eines Postens — um Mindereinnahmen an anderer Stelle auszugleichen.

Nachdem die ARD der „Bild“-Darstellung widersprach und sie als „grob falsch und irreführend“ bezeichnete, fragte „Bild“:

Warum bestreitet die ARD, dass sie jetzt mehr Geld einnimmt?

Sie gab die ARD-Position wieder, dass es vermutlich nicht mehr Geld für die öffentlich-rechtlichen Sender geben werde, und fügte dann hinzu:

Mit dieser Meinung steht die ARD allerdings eher allein auf weiter Front. Der „Stern“ geht in seiner aktuellen Ausgabe von Mehreinnahmen von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr aus. Die FAZ schreibt von 800 Mio. Euro. Der FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen sagt ein Plus zwischen 1,2 und 1,6 Milliarden Euro voraus.

Irgendetwas ist in der Tat grob falsch und irreführend …

Diese Meinung teilt die ARD, wie gesagt, mit dem für genau solche Berechnungen maßgeblichen Gremium, der KEF.

Der „Stern“ hat für seine 1,5 Milliarden Euro keine Erklärung oder Quelle. Und der bei der FDP anstelle eines Experten für Medien zuständige Bundestagsabgeordnete Müller-Sönksen hat die Zahl selbst vor zweieinhalb Jahren der „Bild“-Zeitung geschenkt und weigert sich, sie zu erklären. Auf Nachfrage heute von BILDblog wollte er nicht sagen, ob er an dieser Summe festhält oder inzwischen eine neue ausgedacht errechnet hat.

Soldatensender Powerplay


(„Bild“-Eigenwerbung aus dem Jahr 2006)

Wir unterbrechen unser Programm für eine wichtige Nachricht: Die ARD hat die Ausstrahlung ihres Programms über den Satelliten Hotbird/Eutelsat eingestellt. Am 8. Juni 2010.

Was sagen Sie? Das sei keine wichtige Nachricht — und vor allem keine aktuelle? Na, da kennen Sie aber „Bild“ und Bild.de schlecht.

So berichtet Bild.de seit gestern über die mehr als sechs Monate zurückliegende (und noch viel länger angekündigte) Abschaltung:

Truppe guckt in die Röhre: ARD sperrt TV-Empfang für Soldaten in Afghanistan. 20.12.2010 - 00:29 UHR Das nennt man eine "schöne Bescherung"!

Die ARD, der „Bild“ sonst bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Verschwendungssucht unterstellt, nennt finanzielle Erwägungen als Grund, doch die will Bild.de ausnahmsweise nicht gelten lassen:

Grund für das Aus der ARD: Angeblich ist die Übertragung über den Satelliten „Hot Bird“ zu teuer.

Merkwürdig nur: Die Bundeswehr hat der ARD sogar angeboten, einige Programmteile – Tagesschau und Regionalprogramme aus den Heimatregionen der Soldaten – über ihre eigene Satellitenverbindung nach Afghanistan zu übermitteln.

Das lehnten die ARD-Sender mit Hinweis auf rechtliche Gründe bisher ab.

Dass Bild.de – anders als der ARD – die Rechte am Material Dritter eher egal sind, hat die Seite schon oft genug bewiesen.

Klar, dass die Empörung nicht lange auf sich warten ließ:

Kein TV-Empfang für Afghanistan-Soldaten: BILD.de-Leser sauer auf die ARD. "Da setzen die Männer für uns und andere ihr Leben ein und werden auch noch mit gesperrtem TV bestraft."

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Bild.de nicht länger mit einseitiger Berichterstattung auf — jetzt wurde schlicht gelogen:

Keine Christvesper, keine Christmette und schon gar keine Tagesschau für die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan!

Denn: Die ARD stellt die Ausstrahlung ihres Programms am Hindukusch ein. Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten!

(Hervorhebung von uns.)

Noch am Nachmittag hatte sich die ARD bemüht, über Pressemitteilungen ihre Entscheidung zu verteidigen, und erklärt:

Die Berichterstattung über den Fernsehempfang für Soldaten in Afghanistan sorgte heute für einige Irritationen und erweckt in weiten Teilen einen falschen Eindruck.

Die Ausstrahlung von Das Erste über den Satelliten Hotbird/Eutelsat wurde bereits im Juni 2010 eingestellt, da die Nutzung dieses zusätzlichen Angebots in Deutschland kaum noch nachgefragt wird. Auch wirtschaftliche Gesichtspunkte waren angesichts der Sparbemühungen für diese Entscheidung ausschlaggebend. Für eine weitere Ausstrahlung über Hotbird/Eutelsat hätte die ARD einen Betrag von knapp einer Million Euro pro Jahr zahlen müssen.

Außerdem falle eine Versorgung außerhalb Deutschlands eh nicht in den Aufgabenbereich der ARD:

Für den Auslandsrundfunk hat der Bundesgesetzgeber eigens die Deutsche Welle geschaffen. Zudem können ARD-Angebote auch über das Internet genutzt werden, etwa über www.tagesschau.de oder die Mediatheken.

Den drei „Bild“-Reportern, die da bereits an einem großen Artikel arbeiteten, war diese Stellungnahme freilich egal: Rolf Kleine, Paul Ronzheimer und Guido Brandenburg veröffentlichten heute einen großen Seite-2-Artikel, der die selbst geschürte „Riesenwut auf die ARD“ aufgriff.

Riesenwut auf die ARD! 5,3 Mrd. Euro Gebühren – aber bei den Afghanistan-Soldaten wird gespart

Politiker wie der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier; der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP); der CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck; der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und der FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen dürfen sich lautstark über die Abschaltung empören und werden damit bewusst oder unbewusst zu Kronzeugen der „Bild“ Kampagne. Im Büro des Wehrbeauftragten Königshaus sagte man uns, man wisse natürlich seit Juli von der Abschaltung, freue sich aber über die Aufmerksamkeit, die bisher ausgeblieben sei.

Rolf Kleine, auch sonst nicht für ruhige Töne bekannt, erklärt in seinem Kommentar:

Kleine sieht seine Chance gekommen, eine direkte Brücke von den ARD-losen Soldaten hin zu den (laut „Bild“ ja eh schon immer viel zu hohen) Gebühren zu schlagen, und betätigt sich als Milchmädchen:

Was machen die ARD-Gewaltigen eigentlich mit den Gebühren-Milliarden, die wir ihnen Jahr für Jahr in die Kassen spülen – wenn am Ende nicht mal 300000 Euro für die Übertragung nach Afghanistan übrig sind? Denn die restlichen 700000 Euro zahlen die Soldaten mit ihren GEZ-Gebühren ohnehin selbst.

Nun zahlen die Soldaten ihre „GEZ-Gebühren“ natürlich primär für die Erstellung von Inhalten bei den Radio- und Fernsehprogrammen von ARD, ZDF und Deutschlandfunk und nicht ausschließlich, um damit die Übertragung des ARD-Fernsehprogramms zu finanzieren.

Kleine verkündet:

Aus Solidarität mit unseren Soldaten schmeißt BILD heute das ARD-TV-Programm raus! Wir sind sicher: Unsere Leser sind genauso empört über die ARD wie wir!

Dabei muss man sich jetzt nicht vorstellen, dass ein armer Praktikant die ARD aus den Redaktionsfernsehern bei „Bild“ löschen musste — „Bild“ war viel pragmatischer:

Warum die Solidarität von „Bild“ ein halbes Jahr auf sich warten ließ, wissen wir nicht. Vielleicht wollte die Zeitung ihrem Liebling Karl-Theodor zu Guttenberg mal wieder Gelegenheit bieten, sich zu profilieren — oder es handelt sich um die Rache für die brandneue iPhone-App der „Tagesschau“, die viele Verleger als „Wettbewerbsverzerrung“ empfinden.

Mit Dank an K.N., noir, Matthias B., Peter, Sebastian D., André H. und Alex F.

Nachtrag, 16.10 Uhr: Dafür wird sich „Bild“ morgen sicher noch gebührend feiern:

Afghanistan-Soldaten können ARD sehen. Stuttgart – Die Versorgung der Afghanistan-Soldaten mit ARD-Programm ist gesichert. Die ARD hat sich in einer Blitzaktion darum gekümmert, dass die Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan noch vor Weihnachten das bereits seit Juni 2010 nicht mehr über den Eutelsat-Satelliten abgestrahlte ARD-Programm wieder empfangen können. Dazu wurde eine Sondervereinbarung mit dem Satelliten-Betreiber SES-Astra in Luxemburg geschlossen, der bereits seit Jahren die Satellitenverbreitung für sämtliche ARD-Landesrundfunkanstalten gewährleistet. ARD-Vorsitzender Peter Boudgoust: "Wir hatten bereits geraume Zeit nach Lösungen für dieses komplexe juristische Problem gesucht und können nun gemeinsam mit SES Astra eine kostenneutrale Lösung präsentieren, die schnell und unbürokratisch das gewünschte Ergebnis bringt."

„Spiegel“: „BamS“-Reporter angeklagt

Zwei Jahre nachdem die „Bild am Sonntag“ unter der Schlagzeile „So reich ist Günther Jauch“ über dessen privates Immobilienvermögen berichtet hatte, ermittelt* nun offenbar die Staatsanwaltschaft Potsdam gegen den Reporter, der die Geschichte damals für die „BamS“ recherchierte. In einer „Spiegel“-Vorabmeldung heißt es dazu:

Der Vorwurf ist gravierend: Es geht um Verleumdung. (…) Dem Reporter wird vorgeworfen, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Einsicht in die Grundbücher der Stadt Potsdam erschlichen zu haben, um Auskünfte über Jauchs Immobilienbesitz zu bekommen.

Dem Magazin zufolge habe der „BamS“-Reporter im Gespräch mit der Amtsgerichtspräsidentin „ehrenrührige Behauptungen über Jauch“ gemacht — was der Reporter bestreite.

*) Nachtrag, 25.9.2006: Anders als von uns behauptet, hatte die Staatsanwaltschaft offenbar ermittelt und hat (laut „Spiegel“) Anklage erhoben.

Nachtrag, 29.9.2006:
Mehr dazu beim NDR-Medienmagazin „Zapp“.

Nachtrag, 22.3.2007: Der „BamS“-Reporter Guido Brandenburg wurde heute vom Vorwurf der Verleumdung freigesprochen. Zwar hatte sich in einem Schriftsatz des Amtsgerichts Potsdam aus dem Jahr 2005 die explizite Behauptung gefunden, der Reporter hätte bei einer Recherche von dem Verdacht der Vorteilsgewährung im Zusammenhang mit Grundstücksgeschäften Jauchs gesprochen — woraufhin Jauchs Anwalt Anzeige gegen den Reporter erstattet hatte. Die heutige Hauptverhandlung ergab jedoch, dass diese Behauptung offenbar nicht zutraf.

Wie „Bild“ nicht über Carrells Krankheit berichtete

Apropos:

Als Rudi Carrell der „Bild“-Zeitung im vergangenen Dezember vorwarf, ihn mit ihrer Berichterstattung über seine Krebskrankheit „lebendig begraben“ zu wollen, reagierte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mit Unverständnis. Er antwortete dem Showmaster:

Wie Sie wissen, berichten — im Gegensatz zu BILD — zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften seit vielen Wochen über Ihre Erkrankung. Erst nachdem Sie selbst am 21. November in der niederländischen Illustrierten „Prive“ und anschließend mit BUNTE offen über ihre Krebskrankheit sprachen (…ich weiß, daß ich Krebs habe…), hat BILD entsprechend berichtet. Ihre Äußerungen ließen für uns den Schluß zu, daß Sie mit diesem sehr persönlichen Thema nun durchaus öffentlich umgehen wollen.

Kai Diekmann suggeriert also, „Bild“ habe vor dem 21. November 2005 nicht über Carrells Krebs berichtet.

Am 15. November 2005 titelte „Bild“:

Abgemagert — Haarausfall — Kaum noch Auftritte

Wie krank ist Rudi Carrell?

Die „Bild“-Autoren Daniel Cremer und Guido Brandenburg zitierten „enge Freunde“, dass es Carrell „sehr schlecht gehe, er ernsthaft erkankt sei“. Sie wiederholten die Sätze, die Carrells Schwiegermutter der Zeitschrift „das neue“ gesagt haben soll: „Daß er Krebs hat, ist definitiv. Eine Chemo hat er ja schon hinter sich. Rudi spricht nicht über seine Krankheit.“ Und sie stellten fest: „Fragen zu seiner Krankheit möchte Carrell nicht beantworten.“

Am 16. November 2005 berichtete „Bild“:

So tapfer kämpft er gegen seine Krankheit

(…) Entertainer Rudi Carrell (70) kämpft tapfer gegen seine schwere Krankheit an. Nach Auskunft seiner Ex-Schwiegermutter Erna Bobbert (92) ist Carrell an Krebs erkrankt, unterzog sich schon einer ersten Therapie. (…)

Am 18. November 2005 schrieb „Bild“ zu einem Foto:

Hier geht Rudi Carrell zur Arbeit — Trotz Krankheit!

Köln — Er hat viel Gewicht verloren. Seine Wangen sind eingefallen. Die einst so fröhlichen Augen haben ihren Glanz verloren. (…)

Diekmann will seinen Brief an Carrell bekanntlich als „Entschuldigung“ verstanden wissen.