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Von der Dramatik überfordert

Am Samstag wurde das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 eine knappe Stunde vor Anpfiff abgesagt. In der ersten Eilmeldung, die dazu über die Ticker ging, schrieb der Sportinformationsdienst (sid):

„Der Schiedsrichter ist nicht eingetroffen“, sagte FC-Pressesprecher Tobias Schmidt: „In der Kürze der Zeit konnte kein Ersatzmann kommen. Wir können keine weiteren Angaben machen.“ Das Spiel sollte von Babak Rafati (Hannover) geleitet werden.

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz erklärte Kölns Sportdirektor Volker Finke, dass es „einen Unfall des Schiedsrichters“ gegeben habe. Doch zu diesem Zeitpunkt war schon eine andere Version in Umlauf, auf den Draht gegeben von der Deutschen Presseagentur (dpa):

Nach dpa-Informationen soll Rafati einen Selbsttötungsversuch unternommen haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Das sind Sätze, deren Dimension sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Wenn sich die „dpa-Informationen“ als falsch herausgestellt hätten, wäre es ein mittelgroßes Desaster für die dpa gewesen: Ein paar Leute hätten sich bei Rafati und ein paar anderen Leuten entschuldigen müssen. Aber dieses Szenario wäre womöglich weniger verheerend gewesen, als das, was dann passierte.

In ihrer Radio-Fußballübertragung gingen die ARD-Anstalten früh auf das Gerücht ein, das sich bald als Fakt bestätigte. Der WDR vermeldete stolz, herausgefunden zu haben, in welchem Hotel Rafati mutmaßlich seinen Selbstmordversuch unternommen habe, und die Onlinemedien drehten auf. Die Nachrichtenagentur dapd stimmte erstaunlich spät mit ein, aber vielleicht hatte dort einfach niemand mitbekommen, was los war.

Babak Rafati hat überlebt, aber ein Selbstmordversuch ist und bleibt ein versuchter bzw. nicht gelungener Suizid. Um Nachahmungstaten (den sogenannten „Werther-Effekt“) möglichst gering zu halten, empfehlen Psychologen den Medien, bei der Berichterstattung über Suizide Folgendes zu beachten:

  • Sie sollten jede Bewertung von Suiziden als heroisch, romantisch oder tragisch vermeiden, um möglichen Nachahmern keine post-mortalen Gratifikationen in Form von Anerkennung, Verehrung oder Mitleid in Aussicht zu stellen.
  • Sie sollten weder den Namen der Suizidenten noch sein Alter und sein Geschlecht angeben, um eine Zielgruppen-Identifizierung auszuschließen.
  • Sie sollten die Suizidmethode und – besonders bei spektakulären Fällen – den Ort des Suizides nicht erwähnen, um die konkrete Imitation unmöglich zu machen.
  • Sie sollten vor allem keine Informationen über die Motivation, die äußeren und inneren Ursachen des Suizides andeuten, um so jede Identifikations-Möglichkeit und Motivations-Brücke mit den entsprechenden Lebensumständen und Problemen des Suizidenten vermeiden.

Die Medien verzichten in aller Regel darauf, sich diese Empfehlungen zu Herzen zu nehmen.

Der sid jedenfalls eröffnete schon um 16.09 Uhr, keine Stunde, nachdem der erste Hinweis auf Rafatis Selbstmordversuch über den Ticker gegangen war, den munteren Spekulationsreigen: Die Reporter hatten jemanden gefunden, den sie mit den Worten zitieren konnten, „depressive Verhaltensverweisen“ von Rafati seien ihm nicht bekannt.

„Spiegel Online“ hatte zunächst so über Rafatis Ausfall für das Bundesligaspiel berichtet:

Unfall des Schiedsrichters:
Bundesliga-Spiel in Köln kurzfristig abgesagt. Spieler und Zuschauer in Köln warteten am Samstagnachmittag auf den Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Mainz. Doch daraus wurde nichts. Das Spiel musste ausfallen. Der vorgesehene Schiedsrichter Babak Rafati hatte einen Unfall erlitten.

Offenbar ein Versehen, denn eine halbe Stunde sah der gleiche Artikel so aus:

Suizidversuch des Schiedsrichters: Bundesliga-Spiel in Köln kurzfristig abgesagt. Spieler und Zuschauer in Köln warteten am Samstagnachmittag vergeblich auf den Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Mainz. Das Spiel musste ausfallen, da der vorgesehene Schiedsrichter Babak Rafati einen Selbsttötungsversuch unternommen hatte.

DFB-Präsident Theo Zwanziger gab noch am Samstagnachmittag in Köln eine Pressekonferenz, in der er es schaffte, an den Satz „Ich würde Sie bitten, mir Einzelheiten zu ersparen“ mit einer Kurzbeschreibung der Auffindesituation anzuschließen, die die Medien gerne weiter verbreiteten. Georg Fiedler, der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention kritisierte im Gespräch mit der dpa die Ausführungen Zwanzigers mit den Worten: „Ich glaube, man muss nicht sagen, wie es jemand gemacht hat“. Die dpa wiederum hielt es für eine gute Idee, Zwanziger in diesem Kontext noch mal zu zitieren.

„Spiegel TV“ und „Kicker TV“ bemängelten in einem gemeinsamen Videobeitrag „zweifelhafte Reaktionen“:

So gehören die Details der Situation, in der Rafati aufgefunden wurde, sicherlich zu seiner Privatsphäre, aber die Dramatik überforderte auch den DFB-Präsidenten.

So spricht der Off-Sprecher, dann spricht Theo Zwanziger und nennt die Details der Situation, in der Rafati aufgefunden wurde.

Der Totalausfall der Selbsterkenntnis geht weiter:

Ohne um die Motive oder Beweggründe Rafatis zu wissen, sind jede Menge Spekulationen im Umlauf — auch über die Rolle des Drucks auf Schiedsrichter, ohne dass jemand weiß, ob dieser Umstand im Fall Rafati zutrifft.

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention, die die Berichterstattung der Medien als „im Großen und Ganzen angemessen“ bezeichnet hatte, stellte angesichts der Spekulationen über Rafatis Beweggründe die Frage, „ob uns das überhaupt etwas angeht?“

Für Bild.de lautete die Antwort offenbar: Natürlich. Sie stellten einen Artikel aus der „Bild am Sonntag“ unter dieser Überschrift online:

Drama in Köln: Warum wollte der Schiri vor dem Spiel sterben?

Reporter von „Bild“ und „Berliner Kurier“ hatten unterdessen Rafatis Vater ausfindig gemacht und befragen den Mann, der am Samstag beinahe seinen Sohn verloren hätte, zu aktuellen Entwicklungen und möglichen Beweggründen.

Bild.de spekuliert heute munter drauf los:

Sportliche Gründe? Zum 1. Januar sollte er den Status als Fifa-Schiedsrichter verlieren (und damit internationale Einsätze). Auch in der Bundesliga kam er immer seltener zum Zuge (erst 4 Spiele in dieser Saison). Das bedeutet für ihn auch finanzielle Einbußen.

Rafati hätte am Samstag, dem 13. Spieltag, sein fünftes Saisonspiel pfeifen sollen. Hochgerechnet auf die Saison wäre Rafati auf etwa 13 Einsätze gekommen — in der vergangenen Saison waren es neun.

Auch express.de beteiligt sich an den Spekulationen:

Kam der 41-Jährige am Ende mit dem Druck nicht mehr zurecht? Fakt ist: Auf Facebook gibt es eine Anti Rafati-Seite. Dort werden meist tief unter der Gürtellinie seine Leistungen auf dem Platz beurteilt. Derzeit diskutieren die User allerdings, ob sie den Schiedsrichter gemobbt hätten. Und ob man diese Seite nicht besser löschen sollte. Das ist bisher noch nicht geschehen.

Die Popularität dieser Facebook-Seite könnte natürlich auch auf express.de zurückgehen, wo die Reporter vor zehn Monaten geschrieben hatten:

Vor einer Woche riefen Nürnberg-Fans die Facebook-Seite „Anti Babak Rafati“ ins Leben. Die hatte am Montag bereits über 1000 Anhänger – inzwischen auch viele aus Düsseldorf. Wer stoppt „Tomati“ endlich?

„Bild“ fragt heute „Wie krank macht die Bundesliga?“ und stellt fest:

Immer mehr Akteure scheinen mit dem Druck nicht fertig zu werden.

„Bild“ verweist in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf den Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke vor zwei Jahren und zitiert den Sportpsychologen Andreas Marlovits mit den Worten:

„Vor allem wenn es um negative Wertungen geht, also beispielsweise der schlechteste Schiedsrichter o. ä. gewählt wird und Personen ständig persönlich angegriffen werden, kann es gefährlich werden, weil es einen gewaltigen Druck erzeugt.“

In einer kurzen Phase der Selbstreflexion hatte sich Walter M. Straten, stellvertretender Sportchef von „Bild“, nach Enkes Tod mit den Worten zitieren lassen:

„Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein“, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, „ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht“.

Die Phase hatte damals fünf Wochen angehalten, seitdem knüppelt „Bild“ wieder wie gewohnt drauf.

In der gleichen Ausgabe, in der ein Psychologe vor dem „gewaltigen Druck“ warnt, der durch negative Wertungen entsteht, bewertete „Bild“ die Leistung der Spieler des SV Werder Bremen im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach heute so:

Alle Bremer Spieler: 6

Wie Journalisten dem öffentlichen Interesse nachkommen können, ohne alles noch schlimmer zu machen, beweist sueddeutsche.de mit der knappen Meldung, dass Babak Rafati inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen sei.

Fast so lang wie der Artikel selbst ist diese Anmerkung:

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbstmorde zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung im Fall Rafati gestalten wir deshalb bewusst zurückhaltend, wir verzichten weitgehend auf Details. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 22. November: Die Nachrichtenagentur dapd hat uns mitgeteilt, dass ihre Redakteure – entgegen unserer Spekulationen – durchaus mitbekommen hätten, dass sich offenbar Schlimmes zugetragen hatte. Die Redaktion habe sich aber erst ganz sicher sein wollen, bevor sie darüber berichtete.

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Wenn Sie Fan von Hertha BSC Berlin sind, kann man nur hoffen, dass Sie sich heute Abend nicht bei stern.de über den Ausgang des Europa-League-Qualifikationsspiels gegen Bröndby Kopenhagen informiert haben:

Holpriger Start in Bundesliga, tiefe Enttäuschung in der Europa League: Hertha BSC Berlin ist in der Qualifikation zur lukrativen Gruppenphase an Bröndby Kopenhagen gescheitert. Werder Bremen qualifizierte sich dagegen souverän.

Diese Nachricht hat stern.de nicht nur weltexklusiv, sie widerspricht sogar der Überschrift, die direkt darüber steht, und dem Text direkt darunter:

Europa League:  Hertha siegt im Schluss-Spurt, Werder weiter. Erfolg auf der ganzen Linie: Nachdem Werder Bremen sich souverän für die lukrative Gruppenphase der Europa League qualifiziert hat, zog am frühen Abend in einem dramatischen Spiel auch Hertha BSC Berlin nach.

Aber nun gut: 75 Minuten lang sah es schlecht aus für die Hertha. In der Zeit kann man so einen Vorspann natürlich schon mal fertig machen.

Mit Dank an Daniel L.

Nachtrag, 23:46 Uhr: stern.de hat den Vorspann durch einen neuen ersetzt:

Drei Teams, drei Erfolge: Werder Bremen, der Hamburger SV und Hertha BSC Berlin sind für die lukrative Gruppenphase der neuen Europa League qualifiziert. Nur Hertha machte es spannend – und kam nur dank eines fulminanten Endspurts eine Runde weiter.

Kurz korrigiert (473 – 477)

Manche lesen „Bild“ ja nur wegen der Sport-Berichterstattung. Wir würden abraten, denn…

  • … „Bild“ berichtet aus dem Trainingslager von Mainz 05 und macht dabei den Norweger Jörn Andersen zum Dänen. Außerdem lautet der Nachname von Elkin Soto immer „Soto“ – und nicht manchmal „Sotos“.
  • … im Artikel über die „Aftershow-VIP-Party“ nach dem Boxkampf von Wladimir Klitschko wird Tim Mälzer mit den Worten zitiert, er sei beim „Charity-Fußball-Cup von Christoph Metzelder“ von Metzelder „umgeruppt“worden. Das ist eher unwahrscheinlich, da das Benefizspiel von Per Mertesacker initiiert worden war (was man theoretisch auch bei „Bild“ wusste) – und Christoph Metzelder gar nicht mitgespielt hat.
  • … anders als Bild.de behauptet, hat Werder Bremen auch nicht gegen Oldesloe 5:0 gewonnen, sondern gegen den VfL Oldenburg.
  • … und dann ist da natürlich noch diese Meldung aus dem „News-Ticker“ von Bild.de:

    Der Italiener Leonardo Piepoli (36) vom spanischen Team Saunier Duval hat die erste Hochgebirgsankunft der 95. Frankreich-Rundfahrt für sich entschieden. Der Giro-Berg-König von 2007 setzte sich im Finale der 10. Etappe nach 156 km von Pau zur Ski-Arena Hautacam im Ziel auf dem 1520-m-Pass im Schlusspurt vor seinem spanischen Landsmann Juan Jose Cobo durch.
    (Hervorhebung von uns)

Mit Dank an Timo B., Tobias D., Benni K., Olaf K., Tanja K., Peter S. und Konni!

Moreno hält sich nicht an „Bild“-Wissen

Die „Bild“-Reporter Christoph Sonnenberg und Alexander Holzapfel haben gestern zwei Artikel über den bolivianischen Fußballstürmer Marcelo Moreno geschrieben. Der erste bekam die Überschrift:

Werder hat Moreno

Der zweite:

Moreno sagt bei Werder ab

Und wie zur Erklärung steht im zweiten der Satz:

Der Deal war so gut wie perfekt…

…aber eben nicht ganz!

Und nun kann man natürlich fragen, warum man bei „Bild“ diesen Unterschied nur dann kennt, wenn man — mal wieder — einen Deal als perfekt beschrieben hat, der noch gar nicht perfekt war. Aber vermutlich ist das einfach Kalkül: Hätten sich die voreiligen Tatsachenbehauptungen im Nachhinein als zutreffend herausgestellt, hätte „Bild“ sich wieder damit brüsten können, solche Nachrichten als erstes zu wissen.

Aber vielleicht hatten die „Bild“-Reporter Christoph Sonnenberg und Alexander Holzapfel in den vergangenen neun Tagen auch einfach ihr Kontingent an Spekulationen aufgebraucht, und es waren nur noch Tatsachenbehauptungen im Angebot.

Kurz korrigiert

Bild.de behauptete auch, Moreno werde nicht zum ebenfalls diskutierten Verein Tottenham wechseln, denn: „Tottenham spielt nicht international.“ In Wahrheit ist Tottenham für den UEFA-Cup qualifiziert.

Um 18.01 Uhr veröffentlichte Bild.de gestern (wie berichtet) die Meldung, dass der Wechsel von Moreno zu Werder Bremen so gut wie perfekt sei, aus der in der Überschrift und in den Teasern schon eine Tatsache wurde. Das war nicht nur falsch, sondern auch der ungefähr dümmstmögliche Zeitpunkt. Mindestens eine Stunde zuvor hatte nämlich Morenos aktueller Verein, Cruzeiro EC, auf seiner Homepage bestätigt, dass Moreno in die Ukraine wechselt. Und während „Bild“ noch halbblind auf Werder tippte, berichteten brasilianische Online-Medien längst das zutreffende Gegenteil.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

„Bild“ hat sich bei Werder-Trikots vertarnt

Der SV Werder Bremen hat gestern die neuen Trikots für die Bundesliga-Saison 2007/2008 vorgestellt, und „Bild“ berichtet heute:

"Werder ohne Neue -- Der Star ist das Trikot"

Im oliv-grünen Bundeswehr-Farbton wollen die Bremer die Super-Bayern im Titel-Kampf attackieren. Das Papagaien-Trikot (orange-grün) wurde aussortiert. Jetzt greift Werder in Tarnfarben an!

Das kann man mit viel gutem Willen so sehen. Allerdings hätte Werder dann in der letzten Saison im schwarzen Trikot angegriffen und in der Saison 2005/2006 im grau-roten. Bei dem oliv-grünen Trikot handelt es sich nämlich lediglich um das „Eventoutfit“. Normalerweise spielt Werder Bremen in der kommenden Saison jedoch in traditionellem Grün („Heimoutfit“) oder, statt in Orange-Grün, in Grün-Weiß („Auswärtsoutfit“). Komisch, dass man das bei „Bild“ nicht weiß. Was Trikots angeht, ist „Bild“ doch sonst immer so gut informiert.

Mit Dank an Matthias M. für den sachdienlichen Hinweis.

Kurz korrigiert (272)

Miroslav Klose ist im Champions-League-Spiel von Werder Bremen gegen Levski Sofia gestern in der 82. Minute ausgewechselt worden. Warum? „Bild“ weiß es:

Damit er sich für Bayern schonen kann, für sein erstes Saisontor…

Klose hat in dieser Bundesliga-Saison bereits zwei Tore erzielt: gegen Hannover 96 und Bayer Leverkusen.

Danke an Christian G., Christoph M., Wolfram M., Walter H. und Reinhard W.

  

Kurz korrigiert (137 – 236)

Wir werden nie erfahren, wie viele Fehler genau in der Datenbank steckten, mit der Bild.de scheinbar über die Mannschaften der Fußball-Bundesliga-Saison 2006/07 informieren wollte. Die folgenden 100 Fehler sind keine vollständige Liste. (Einige der Fehler hat Bild.de inzwischen korrigiert.)

Alemannia Aachen:

  • Der Verein wurde am 16.12.1900 gegründet, nicht am 1.12.
  • Der Präsident heißt nicht Horst Hinrichts, sondern Horst Heinrichs.
  • Der Verein hat nach eigenen Angaben nicht 4500 Mitglieder, sondern über 8000.
  • Sergio Pinto ist Mittelfeldspieler, nicht im Angriff.
  • Jan Schlaudraff spielt im Angriff, nicht im Mittelfeld.
  • Yunus Balaban ist seit 2000 im Verein, nicht seit 2006.
  • Mittelfeldspieler Fiel heißt vorne Cristian, ohne „h“.

Hertha BSC

  • Der Verein hat nicht 12.000 sondern 13.549 Mitglieder.
  • Die Personalkosten betragen nicht 23 Mio. Euro, sondern rund 26 Mio. Euro.
  • Amadeus Wallschläger ist nicht seit dem 1.7.2006 im Verein, sondern seit dem 1.7.2001.
  • Wallschläger ist nicht am 12.11.1986 geboren, sondern am 1.9.1985.
  • Dennis Cagara ist auch nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.1.2004.
  • Robert Müller ist ebenfalls nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.7.2000.
  • Pál Dárdai ist nicht seit dem 3.12.1996 dabei, sondern seit dem 1.7.1997.
  • Marcelinho heißt nicht mit Nachnamen so, sondern mit vollem Namen Marcelo dos Santos.
  • Kevin-Prince Boateng ist nicht seit dem 1.7.1996 bei Hertha, sondern seit dem 1.7.1994.
  • Chinedu Ede ist nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.7.1999.
  • Solomon Okoronkwo ist nicht am 1.7.2005 zu Hertha BSC gekommen, sondern am 1.7.2004.
  • Im Mittelfeld fehlt Andreas Schmidt.
  • Und im Tor fehlt Nico Pellatz.
  • Sofian Chahed spielt nicht in der Abwehr, sondern im Mittelfeld.
  • Robert Müller hat die Rückennummer 18 …
  • … Patrick Ebert die 21 …
  • … Chinedu Ede die 11 …
  • … und Amadeus Wallschläger die 15.

DSC Arminia Bielefeld:

  • Der Verein hat nicht 3100 Mitglieder, sondern nach eigenen Angaben mehr als doppelt so viele.
  • Westfalenmeister war Bielefeld nicht nur „1922-1927“, sondern 1912, 1921-1927, 1933, 1962 und 1990.
  • Mathias Hain ist nicht seit 2001, sondern seit 2000 im Verein.
  • Pascal Formann hat die Trikotnummer 28, nicht 26.
  • Tobias Rau spielt im Mittelfeld, nicht in der Abwehr.
  • Tim Danneberg hat die Trikotnummer 13, nicht 15.
  • Jonas Kamper fehlt ganz.
  • Ioannis Masmanidis hat die Trikotnummer 21, nicht 17.
  • Radim Kucera spielt bei Arminia im Mittelfeld, nicht in der Abwehr.
  • Radomir Dalovic ist nicht mehr bei der Arminia.

VfL Bochum:

  • Andreas Luthe ist nicht in der ersten Mannschaft.
  • Polat Keser auch nicht.
  • „Edu“ heißt eigentlich Eduardo Goncalves de Oliveira …
  • … ist seit dem 1.9.2003 bei Bochum, nicht seit dem 05.08.2005 …
  • … und ist nicht am 10.01.1979, sondern am 30.11.1981 geboren.

Werder Bremen

  • Kasper Jensen ist nicht seit dem 1.7.2005 beim Verein, sondern seit dem 1.2.2005.
  • Naldo heißt nicht mit Nachnamen Naldo, sondern mit vollem Namen Ronaldo Aparecido Rodrigues.
  • Naldo ist nicht seit dem 29.7.2005 beim Verein, sondern seit dem 28.7.2005.
  • Clemens Fritz spielt bei Werder nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.
  • Leon Andreasen wurde nicht am 23.4.1982, sondern am 23.4.1983 geboren.
  • Christian Schulz ist nicht seit dem 1.7.1993, sondern seit dem 1.7.1995 bei Werder.
  • Mohamed Zidan ist seit dem 7.1.2005 beim Verein, nicht seit dem 1.7.2006.

Energie Cottbus:

  • Das Stadion liegt nicht am Elisapark, sondern am Eliaspark.
  • Das Wappen ist eigentlich viel größer und nicht rechteckig.
  • Präsident ist nicht Ulrich Lepsch, sondern Michael Stein.
  • Stiven Rivic ist Stürmer, nicht Mittelfeld-Spieler.
  • Markus Dworrak fehlt im Kader.

Borussia Dortmund:

  • Das Stadion heißt nicht mehr „Westfalenstadion“, sondern „Signal Iduna Park“.

Hamburger SV:

  • Vincent Kompany hat die Rückennummer 10 und nicht 27…
  • … er kam nicht am 05.08.2005 zum HSV, sondern gerade erst …
  • … und spielt deshalb logischerweise nicht mehr für Anderlecht.
  • Raphael Wickys Verein ist nicht die Schweiz …
  • … aber er ist Schweizer, kein Deutscher.

Hannover 96

  • Das gezeigte Logo ist nicht mehr aktuell.

Eintracht Frankfurt:

  • Der Verein gibt seine Mitgliederzahl mit 9600 an — statt 6000.
  • Christoph Spycher spielt nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.

Borussia Mönchengladbach:

  • Kasey Keller trägt als Rückennummer weder die 26 (wie in der Vereinsübersicht stand) …
  • … noch die 18 (wie in der Spielerübersicht stand), sondern die 1 …
  • … und ist nicht Deutscher, sondern US-Amerikaner …
  • … und nicht seit dem August 2005, sondern dem Januar 2005 beim Verein.

Bayer 04 Leverkusen:

  • Ahmed Madouni wurde nicht am 4.10., sondern am 1.10.1980 geboren.
  • Pierre de Wit ist schon seit 1999 im Verein, nicht erst seit 2006.
  • Marco Babic spielt seit 1999 für Leverkusen, nicht seit 2000.
  • Andrej Voronin hat die Trikotnummer 12, nicht 10 …
  • … ist seit 2004 im Verein, nicht seit 2006 …
  • … und ist kein Deutscher, sondern Ukrainer.

1. FSV Mainz 05:

  • Der Verein ist nicht 1990 in die Bundesliga aufgestiegen, sondern 2004.
  • Fatmir Pupalovic fehlt.

Bayern München:

  • Christian Lell hat die Trikotnummer 30.
  • Owen Hargreaves ist seit dem 1.7.1997 im Verein, nicht seit dem 5.8.2005 …
  • … und er ist kein Deutscher, sondern ist in Kanada geboren und hat einen britischen Pass.
  • Stephan Fürstner spielt schon seit 2005 im Verein, nicht erst seit 2006.
  • Roy Makaay ist erst seit dem 4. August 2003 beim Verein, nicht seit dem 1. Juli.
  • Lukas Podolski hat die Trikotnummer 11.
  • Jan Schlösser ist, anders als bei Bild.de angegeben, nicht mehr im Kader.
  • Dafür fehlt Bernd Dreher.
  • Martin Demichelis ist kein Abwehr-, sondern Mittelfeldspieler.

1. FC Nürnberg:

  • Das Stadion heißt nicht mehr „Frankenstadion“, sondern „easyCredit-Stadion“
  • Alexander Stephan hat die Trikotnummer 30 …
  • … und ist schon seit 1996 im Verein, nicht erst seit 2006. (Seit 2006 ist er in der ersten Mannschaft.)
  • Michael Beauchamp hat die Trikotnummer 3.
  • Dean Heffernan hat die Trikotnummer 16.
  • Javier Horacio Pinola, nicht Horacia Javier Pinola.
  • Tomas Galasek hat die Trikotnummer 6.
  • Marco Engelhardt hat die Trikotnummer 22.
  • Sebastian Huber fehlt.
  • Christoph Weber spielt nicht im Mittelfeld, sondern im Angriff.
  • Weber trägt die Trikotnummer 26.
  • Weber ist nicht erst seit 2006, sondern schon seit 1998 im Verein (allerdings erst jetzt in der Bundesliga-Mannschaft).
  • Joshua Kennedy hat die Trikotnummer 20.
  • Leon Benko hat die Trikotnummer 32.

VfB Stuttgart:

  • Das Gottlieb-Daimler-Stadion ist wirklich nicht mehr im Umbau.
  • Der mexikanische Neuzugang heißt Ricardo Osorio, nicht Osoria.

VfL Wolfsburg:

  • Hans Sarpei ist kein Deutscher, sondern Ghanaer.
  • „Alex“ (eigentlich Domingos Alexandre Martins da Costa) trägt nicht die Rückennummer 4, sondern 22.
  • Das gezeigte Logo ist nicht mehr aktuell.

Einen wichtigen Punkt vergessen

Fans, Spieler, Mitarbeiter des SV Werder Bremen müssen momentan aber auch wirklich einiges einstecken. Aus im DFB-Pokal gegen einen Drittligisten, in der Bundesliga ohne Punkt aus drei Spielen und ein Torverhältnis von 2:12. Die Bremer sind Letzter, ihren bisherigen Trainer Viktor Skripnik haben sie am Sonntag rausgeworfen. Und gestern machte sie die „Bild“-Zeitung auf der Titelseite auch noch zum „VERLIERER“ des Tages:

Andere Medien berichten ebenfalls vom Klettern der Dortmunder in der ewigen Bundesliga-Tabelle — und damit automatisch auch vom Abstieg des SV Werder Bremen. „Focus Online“ zum Beispiel:

Oder abendzeitung-muenchen.de:

Oder ovb-online.de:

Oder „Sky“:

Oder echo24.de:

Der Ursprung der meisten dieser Schlagzeilen ist eine Meldung der Sport-Nachrichtenagentur „sid“. Und auch Borussia Dortmund selbst verkündet stolz:

Macht man sich die Mühe, die Zahlen mal etwas genauer zu betrachten, und schreibt nicht einfach ab, kommt man ins Grübeln: Warum sollte der SV Werder Bremen mit seinen 748 Siegen und 440 Unentschieden aus insgesamt 1767 Spielen hinter den Dortmundern stehen, die in ihrer Bundesligahistorie weniger Siege (730) und weniger Unentschieden (427) als die Bremer geholt haben (allerdings haben sie auch 102 Spiele weniger als Werder Bremen absolviert; Stand: vor dem aktuell laufenden Bundesligaspieltag)?

Der Haken an der Sache ist der Unterschied zwischen Zwei- und Drei-Punkte-Regel. Früher bekamen Mannschaften für einen Sieg zwei Punkte und für ein Unentschieden keinen einen Punkt. Ab der Saison 1995/96, als die Drei-Punkte-Regel eingeführt wurde, gab es drei Punkte für einen Sieg und einen Punkt für ein Unentschieden.

Die ewige Bundesligatabelle, die Borussia Dortmund seit dem vergangenen Wochenende auf Platz zwei sieht, wirft diese beiden Regeln durcheinander. Teams, die erst seit der Regelumstellung richtig erfolgreich sind, werden bevorzugt. Werder Bremen, mit vielen Siegen auch schon während der Zeit der Zwei-Punkte-Regel, wird benachteiligt.

Wie bedeutend der Unterschied zwischen Zwei- und Drei-Punkte-Regel im Einzelfall sein kann, zeigen verschiedene Rechenbeispiele: Bayer Leverkusen ist in der Saison 1999/2000 Zweiter hinter Bayern München geworden. Hätte damals noch die Zwei-Punkte-Regel gezählt, wäre Leverkusen Meister geworden. Gleiches gilt für den FC Schalke in der Saison 2000/01. Der 1. FC Nürnberg wäre in der Saison 1998/99 nicht abgestiegen. Und der HSV hätte in den vergangenen Jahren mehrfach als Absteiger festgestanden.

Es gibt übrigens einige Seiten, die die Siege, Unentschieden und Niederlagen von früher aufs Drei-Punkte-System umgerechnet haben (merkwürdigerweise gehört die offizielle Bundesliga-Website, auf die sich auch Borussia Dortmund im Tweet bezieht, nicht dazu). Und dort steht der SV Werder Bremen nach wie vor auf Platz zwei. Bleibt den Fans, Spielern und Mitarbeitern immerhin dieser Trost.

Mit Dank an Lennart für den Hinweis!

Nachtrag, 15:35 Uhr: Auf der Vereinswebsite stellt Borussia Dortmund ebenfalls klar, dass es verschiedene Versionen der ewigen Bundesliga-Tabelle gibt und dass der Klub dort auf unterschiedlichen Plätzen zu finden ist:

In der von der DFL offiziell geführten „Ewigen Tabelle“ ist Borussia Dortmund mit 2236 Punkten aus 1665 Spielen Zweiter vor Werder Bremen (2235 aus 1767). Diese Tabelle berücksichtigt die seit 1963 tatsächlich vergebenen Punkte. Bis 1995 gab es für einen Sieg zwei Zähler. In der Tabelle des kicker Sportmagazins sind alle Spiele auf die Drei-Punkte-Regel umgelegt. Hier ist der BVB Vierter hinter Bayern München, Werder Bremen und dem Hamburger SV.

Mit Dank an Julian H. für den Hinweis!

„Bild am Sonntag“ schwingt die „Deppen“-Keule

Ein Punkt lag den drei „Bild am Sonntag“-Autoren Markus Balczuweit, Kurt Hofmann und Daniel Peters offenbar besonders am Herzen, als sie ihren Bericht über das Bundesligaspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen verfassten:

Werders Schießbude hat den Deppen-Rekord!

Nach dem Deppen-Rekord von Galvez brach das Team von Trainer Viktor Skripnik (46) völlig auseinander.

Immerhin gab’s den Deppen-Rekord.

In der Tat hat Werders Innenverteidiger Alejandro Gálvez am vergangenen Wochenende mit seinem Eigentor zum 0:1 nicht nur die deutliche 0:6-Niederlage eingeleitet, sondern seinem Verein auch einen Negativrekord beschert: Werder Bremen ist jetzt der Klub mit den meisten Eigentoren der Bundesligageschichte. Das ist für „Bild am Sonntag“ und Bild.de der „Deppen-Rekord“.

Betrachtet man die Zahlen, um die es geht, mal etwas genauer, sieht das alles aber schon deutlich weniger dramatisch aus. Gálvez‘ Eigentor war das 54. eines Werderaners in der obersten deutschen Fußballliga. Werder Bremen war allerdings auch 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga und hat seitdem lediglich eine Saison in der zweiten Liga gespielt. Hinter dem HSV sind die Bremer daher der Verein mit den zweitmeisten Bundesligaspielen, aktuell 1743. Im Schnitt schießen die Spieler von Werder Bremen also alle 32 Spiele mal ein Eigentor. Davon ist in den „Bild“-Medien natürlich nicht die Rede.

Auf Platz zwei der „Bild am Sonntag“-„Deppen-Rekord“-Rangliste liegt übrigens Eintracht Frankfurt mit 53 Eigentoren. Die Frankfurter haben allerdings auch deutlich weniger Bundesligaspiele als Werder Bremen, derzeit 1573. Somit schießt die Eintracht durchschnittlich alle 30 Spiele ein Eigentor. Immer noch sehr selten, aber im Schnitt häufiger als die Bremer „Deppen-Rekord“halter.

Immer wenn „Bild“ diese „Deppen“-Keule rausholt, müssen wir an die Worte von „Bild“-Sportchef Walter M. Straten denken, mit denen die „Süddeutschte Zeitung“ ihn nach dem Suizid von Robert Enke zitierte:

Aber auch das Boulevardblatt ist nach dem Enke-Tod nicht einfach so zur Tagesordnung übergegangen. Über vieles sei diskutiert worden, auch über Noten, und man sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, bei der Benotung so weiter zu machen wie bisher, sagt Straten. Auch in seiner Redaktion soll es zu einem etwas sensibleren Umgang mit den Zensuren kommen: „Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein“, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, „ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht“.

Das Vorhaben war schnell über Bord geworfen. Und heute reicht ein Eigentor, um zum „Deppen“ gemacht zu werden.

Dass Alejandro Gálvez sich seinen Fauxpas offenbar ziemlich zu Herzen genommen hat, konnte man am Montag in der Bremen-Ausgabe der „Bild“-Zeitung lesen:

Doch was juckt das schon die Haudraufreporter bei „Bild“? Eine Seite weiter vorne titeln sie Gálvez und seine Teamkollegen zu „Versagern“:

Mit Dank an Dustin!

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