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Süddeutsche Zeitung, Recht auf Vergessenwerden, Til Schweiger

1. “‘Süddeutsche Zeitung’ wehrt sich gegen ‘SZ-Leaks’: Berichterstattung keine ‘Schleichwerbung für Steuerhinterziehung'”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Wolfgang Krach, stv. Chefredakteur der “Süddeutschen Zeitung”, nimmt Stellung zur Arbeitsweise der Sonderthemen-Redaktion, wie sie Sebastian Heiser aufgedeckt hat: “Warum entstehen Beilagen, warum veröffentlichen wir Sonderseiten? Es ist wie bei jeder anderen Zeitung in Deutschland, die Anzeigenabteilung kommt auf die Redaktion zu und schlägt ein Thema vor. Was wir dann journalistisch daraus machen, welche Themen in diesen Beilagen gesetzt werden, das entscheidet die Redaktion.” Siehe dazu auch “Gute Frage” (heisersstimme.wordpress.com).

2. “Habe ich ‘über angebliche Verstöße nicht informiert’?”
(heisersstimme.wordpress.com)
Weiter sagt Wolfgang Krach, Sebastian Heiser habe die Ressortleitung nicht informiert “über angebliche Verstöße gegen journalistische Grundsätze”. Heiser belegt mit Tondokumenten das Gegenteil.

3. “Diekmann twittert Adresse von Herbert Grönemeyer”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann twittert ein Foto eines Schreibens des Landgerichts Köln, auf dem die Privatadresse von Herbert Grönemeyer zu lesen ist. Thomas Lückerath schreibt: “Seine Behauptung, wonach der Beschluss des Landgerichts ja öffentlich sei und sein Tweet demnach also nur schlechter Stil, nicht aber unlauter gewesen sei, ist irreführend: Die Adressen der beteiligten Parteien werden vor Herausgabe von Beschlüssen von den Gerichten geschwärzt. Nach der eigenwilligen Logik des Kai Diekmann wären bei einer juristischen Auseinandersetzung Prominente sonst zwangsläufig zum Umzug gezwungen.”

4. “Vergessene Debatte ums Recht auf Vergessen”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler bemerkt, dass die Debatte um das Recht auf Vergessenwerden von den Medien kaum noch geführt wird: “Das Bedürfnis, die Privatsphäre zu schützen und sich den Augen des interessierten Publikums zu entziehen, ist jedenfalls riesig. Seit dem genannten Gerichtsurteil hat Google fast 218 000 Gesuche um die Löschung von Links zu 786 000 Webseiten erhalten.”

5. “‘Freiheit birgt auch Verantwortung'”
(taz.de, Cigdem Akyol)
Ein Interview mit Jana Sinram, der Autorin der Dissertation “Pressefreiheit oder Fremdenfeindlichkeit? Der Streit um die Mohammed-Karikaturen und die dänische Einwanderungspolitik”, die ohne den Abdruck der Mohammed-Karikaturen auskommt: “Ich habe lange darüber nachgedacht und mich letztlich dagegen entschieden. Jeder, der diese sehen will, kann sie problemlos im Netz finden. Die Karikaturen haben für so viel Hass auf beiden Seiten gesorgt, dass es schwierig ist, sie in einem wissenschaftlichen Buch neutral abzubilden.”

6. “Til Schweiger versus SPIEGEL ONLINE: ‘Irgendwelche Spackos'”
(spiegel.de, Christian Buß)
Christian Buß antwortet Til Schweiger, der auf Facebook fragt, wo die Qualität bleibe, wenn man versuche, “klicks dadurch zu generieren, indem man die gehässigsten twitter-kommentare von irgendwelchen internetnerds, die nix anderes zu tun haben, als zu lästern und zu haten”, publiziere.

Tex Rubinowitz, Titanic, Lizenzen

1. “Tex Rubinowitz, der Guttenberg des Feuilletons”
(umblaetterer.de, Paco)
Für den Artikel “Der Mozart unter den Texten” im “Süddeutsche Zeitung Magazin” bedient sich Tex Rubinowitz bei den 470 vom “Umblätterer” gesammelten “Vossianischen Antonomasien” – ohne diese zu erwähnen: “Rubinowitz gibt den lustigen Zitatearrangierer, sein Artikel besteht aber im Kern aus von uns über 5,5 Jahre kuratiertem Material. Unsere Sammlung macht quasi den halben Text aus.”

2. “Der Versuch, ein Bild zu lizenzieren”
(schmalenstroer.net)
Als Laie, “der nicht regelmäßig Bilder lizenziert”, versucht Michael Schmalenstroer, ein Foto zu lizenzieren – und scheitert: “Wenn man es aber so schwer macht, ist es aber kein Wunder, wenn die Leute Bilder einfach ohne Lizenz benutzen.”

3. “Satiremagazin Titanic veröffentlicht neue Mohammed-Karikatur”
(faz.net, Hans Riebsamen)
Hans Riebsamen berichtet über die neue Ausgabe der “Titanic”: “An die ‘sehr geehrten Islamisten’ richtet die ‘Titanic’ die inständige Bitte: ‘Schießt nicht auf uns!’. Nicht nur, weil sie alle in der Redaktion gerne noch eine Weile leben möchten. Noch wichtiger sei aber, dass, wer immer von ihnen überlebe, auf keinen Fall an der Seite von Angela Merkel einen Trauermarsch anführen und von einem tränenüberströmten Bundespräsidenten Gauck abgeknutscht werden wolle. ‘Diese Vorstellung’, so ihr Appell an die Terroristen, ‘müsste doch sogar für eure Verhältnisse zu brutal sein.'” Siehe dazu auch “Das Humor-Kalifat verteilt weiter seine Fatwas” (deutschlandfunk.de, Arno Orzessek).

4. “Von der Huffington Post, unterbezahlten Praktikanten, Glashäusern und Steinen”
(sara-weber.com)
Sebastian Matthes, Chefredakteur der “Huffington Post Deutschland”, empfiehlt per Tweet einen Text seines Mediums über schlecht bezahlte Praktikanten. Sara Weber erkundingt sich in der Folge, was Praktikanten bei der “Huffington Post Deutschland” verdienen.

5. “How to Leak to The Intercept”
(firstlook.org/theintercept, Micah Lee, englisch)
“The Intercept” zeigt auf, wie sich Whistleblower am Besten mit Leaks melden sollten: “Don’t contact us from work. Don’t email us, call us, or contact us on social media. Don’t tell anyone that you’re a source.”

6. “Man rechne!”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)

Jamba, Propaganda, Israel

1. “‘Propaganda’: Schlagwort des Jahres 2014”
(zdf.de, Video, 6:11 Minuten)
Ein Bericht über Propaganda im Fernsehen: “25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges müssen wir uns wieder klar machen, was Propaganda eigentlich ist.”

2. “Ken-Jebsen-Stammtisch im ZDF”
(fr-online.de, Katja Thorwarth)
Katja Thorwarth schaut sich die Satiresendung “Die Anstalt” mit Claus von Wagner und Max Uthoff an: “Schablonenhaftes Schwarz-Weiß-Denken ohne intellektuelle Differenzierung hätte es unter Priol nicht gegeben.”

3. “Die Israel-Story”
(welt.de, Matti Friedman)
Der Journalist Matti Friedman stellt seine Sicht von Journalisten in Israel dar. Es stört ihn insbesondere, dass internationale Organisationen in den Storys der Reporter kaum je auftauchen – obwohl sie aus seiner Sicht “zu den mächtigsten Akteuren” vor Ort gehören: “Sind sie aufgebläht, ineffektiv, korrupt? Sind sie Teil der Lösung oder des Problems? Wir wissen es nicht, denn Journalisten zitieren sie, statt über sie zu berichten.”

4. “Sprachlust: Auf Deutsch lässt sich viel behaupten”
(infosperber.ch, Daniel Goldstein)
Daniel Goldstein vermisst die klare Erkennbarkeit von Fakten im deutschsprachigen Journalismus: “Angelsächsischen Journalisten wird eingetrichtert, fein säuberlich zwischen Fakten und Äusserungen zu unterscheiden, und so wimmelt es in ihren Berichten von ‘he said’ und ‘she said’. Man könnte das auch auf Deutsch so halten, tut es aber selten. Das liegt nicht an der Sprache, sondern an der journalistischen Kultur: Wertende Kommentare werden zwar auch bei uns im Prinzip abgetrennt, Einordnungen aber baut man gern in die Berichte ein und nimmt dafür in Kauf, dass die reine Nachricht nicht mehr klar erkennbar ist.”

5. “Studie für extrem faule ‘Medienkritiker'”
(plus.google.com, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz hält die Studie “Synchronisation von Nachricht und Werbung” (siehe “6 vor 9” vom Freitag) für fragwürdig: “Ich bin absolut nicht in der Lage, Spiegel oder Focus freizusprechen. Aber ich kann die Autoren des Papiers davon freisprechen, irgendeinen Beitrag zu der von ihnen geforderten fundierten Forschung zum Thema geleistet zu haben.”

6. “Zum Zehnjährigen: Jamba Laya”
(spreeblick.com, Johnny Häusler)
Johnny Häusler macht sich Gedanken über seinen Artikel “Jamba Kurs” vom 12. Dezember 2004: “Speziell den letzten Satz hatte ich in den Monaten nach der Veröffentlichung immer wieder mal bereut, denn ich hatte den Eindruck, dass er als Einladung für die oben beschriebenen Aggressionen gelesen wurde. Für die Dramaturgie des Textes, dem schließlich auch eine Wut innewohnte, war der Satz jedoch wichtig, und so habe ich ihn bis heute nicht gelöscht.”

Bahnstreik, Behinderung, “Bild”-Girl

1. “Abweichende Realitäten: Die Lokführer, die Medien und die Leser”
(wibkeschmidt.com)
Wibke Schmidt blickt auf die Berichterstattung zum Bahnstreik, insbesondere auf das Verhalten von Stern.de: “Ich glaube aber, dass es jenseits von Bild, Focus.de und stern.de auch betriebswirtschaftlich unklug ist, vor allem die populistische Empörung zu bedienen. Viele Menschen sind gar nicht so unterkomplex strukturiert, dass sie ein Problem nicht über den privaten Horizont hinausdenken.”

2. “Wie eine 25-jährige Bambergerin das BILD-Girl abschaffen will”
(nordbayern.de, Björn Bischoff)
Das “Bild”-Girl stehe stellvertretend für “Bild”-Sexismus, findet Kristina Lunz: “Bislang ist der Tenor, dass Frauen nur dann wertgeschätzt werden, wenn sie ihre Brüste zeigen. Männer hingegen werden für ihre Leistungen in Politik und Sport geschätzt.”

3. “Verschlüsselte Zeitungsanzeigen, Teil 1: Das Internet des 19. Jahrhunderts”
(scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne, Klaus Schmeh)
Klaus Schmeh berichtet von verschlüsselten Zeitungsannoncen im 19. Jahrhundert: “Vor allem heimlich Verliebte nutzten diese Form des Kommunizierens. In der Times und anderen britischen Zeitungen fanden sich damals verschlüsselte Anzeigen zu Hunderten oder gar Tausenden.”

4. “‘Wo will der Rollstuhl denn raus?'”
(sueddeutsche.de, Sabrina Ebitsch)
Menschen mit Behinderung erzählen von alltäglichen Begegnungen mit Menschen ohne Behinderung und erteilen Auskunft, wie letztere “Situationen vermeiden, die für beide Seiten peinlich sind”.

5. “Warum uns der Nahe Osten egal sein sollte”
(cicero.de, Justin Logan)
Justin Logan fordert dazu auf, den Blick auf Wichtigeres zu richten als auf den Nahen Osten: “Drei Belange rückten diese kleine, arme und schwache Region in den Fokus der US-Außenpolitik: Erdöl, Israel und Terrorismus. Jedes dieser Anliegen verdient Beachtung, aber auch nicht annähernd so viel Beachtung, wie ihnen in den letzten Jahrzehnten zuteilwurde.”

6. “F.A.Z. Leserbrief”
(blog.beetlebum.de, Johannes Kretzschmar)

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Zwei, wie füreinander geschaffen

Der “Stern” schreibt in seiner aktuellen Ausgabe über die “gefährliche Nähe” zwischen Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer und Gerhard Schröder. Laut dem Artikel soll Maschmeyer dem Altkanzler zwei Millionen Euro für die Rechte an dessen Autobiographie gezahlt haben — doppelt so viel wie bisher bekannt.

“Privates wurde mit Geschäftlichem vermischt”, finden einige Journalisten; die “Stern”-Enthüllung geht seit gestern durch alle Medien. Oder durch fast alle. Denn “Bild” hat bislang kein einziges Wort darüber berichtet, weder in der Print-Ausgabe noch online.

Woran das wohl liegt? Ist der “stern” vielleicht nicht glaubwürdig genug für ein Sorgfaltsmedium wie “Bild”? Oder hat es womöglich etwas damit zu tun, dass Béla Anda, Politikchef von “Bild”, sowohl Schröders Regierungssprecher als auch später Maschmeyers Kommunikationschef war? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Auch Carsten Maschmeyer und die “Bild”-Zeitung stehen sich gefährlich nahe.

Seit Jahren sind die beiden dicke Kumpels, was praktisch ist für den Finanzmann, denn wenn mal wieder irgendwelche Vorwürfe gegen ihn laut werden, kann er sich gleich via „Bild“ vor Millionen Lesern verteidigen. Als sich etwa 2011 eine NDR-Doku kritisch mit Maschmeyer und der AWD beschäftigte, bot das Blatt ihm schon einen Tag nach der Sendung die Möglichkeit, den Vorwürfen in einem Pseudo-Verhör ausführlich zu widersprechen (BILDblog berichtete). Als “Bild” knapp ein Jahr später berichtete, dass Maschmeyer die Anzeigen für das Wulff-Buch bezahlt hatte, durfte er auch gleich seine Version der Geschichte loswerden. Als er 2013 von Günther Jauch in dessen Talkshow “attackiert” wurde, durfte er kurz darauf bei Bild.de zurückschlagen.

Die „Bild“-Zeitung gibt “Maschi”, wie sie ihn liebevoll nennt, eine Plattform, wenn er eine braucht, sie hofiert ihn über die roten Teppiche, feiert ihn als vielleicht etwas umstrittenen, aber eigentlich doch herzensguten Wohltäter, und als er Veronica Ferres heiratete („Zwei, wie füreinander geschaffen“), wünschte die „Bild am Sonntag“ natürlich „von Herzen: Alles Glück dieser Welt!“

Aber auch für „Bild“ hat die Freundschaft zu Maschmeyer so ihre Vorteile. Als Maschmeyer 2012 sein Buch veröffentlichte, war es die „Bild“-Zeitung, die vorab exklusive Auszüge daraus drucken durfte. „Bild“ erfuhr auch vor allen anderen Medien von den Morddrohungen gegen Maschmeyer, und freilich lassen er und Frau Ferres sich auch regelmäßig auf den „Bild“-Events blicken, worüber die Zeitung dann wieder ganz entzückt berichten kann.

Das hat schon fast was Symbiotisches: Maschmeyer profitiert von der Reichweite und Meinungsmacht der „Bild“-Zeitung, sie von seiner Berühmt- und Berüchtigtheit. Und von seinem Geld.

2008 spendete Maschmeyer eine Million Euro aus seinem Privatvermögen an die „Bild“-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“. Bei der Gala 2010 gab er 1,4 Million Euro, außerdem sponsorte die AWD im selben Jahr Bandenwerbung für „Ein Herz für Kinder“ im Wert von 500.000 Euro. Im vergangenen Jahr zahlte Maschmeyer erneut eine Million aus eigener Tasche an die „Bild“-Organisation. In gut drei Wochen findet die nächste Spendengala statt.

Kein Wunder, dass die „Bild“-Leute ihren Maschi lieber in Ruhe lassen.

Mit Dank an Sabine.

1. Nachtrag, 14. November: Tja, was sollen wir sagen? Heute berichtet “Bild” plötzlich doch über die Geschichte — und zwar so:

2. Nachtrag, 14. November: Béla Anda hat unseren Eintrag gelesen. Und nicht verstanden. In seinem “Bild”-Politik-Newsletter schreibt er (mit “Osnablogger” ist übrigens Stefan Niggemeier gemeint):

Neue Bild Zeitung, Wolfgang Kubicki, Peter Sloterdijk

1. “Skurril – Gegen-‘Bild’ der DDR”
(ndr.de, Video, 5:03 Minuten)
Ein Bericht über das in Berlin Mitte von 1957 bis mindestens 1963 produzierte DDR-Produkt “Neue Bild Zeitung”, deren Produzenten unbekannt blieben, jedoch klare Aufträge hatten: “Propagierung der DDR” beispielsweise oder “Enthüllung der Bonner Politik”. Siehe dazu auch ein Interview mit Stefan Wolle vom DDR-Museum Berlin (ndr.de, Video, 33:51 Minuten).

2. “Wolfgang Kubicki: ‘Bild ist keine Zeitung, die in die Tiefe geht'”
(vocer.org, Maren Christoffer)
Was FDP-Politiker Wolfgang Kubicki über “Bild” denkt: “Bild macht Meinung. Und zwar ganz bewusst und auch ganz nachdrücklich. Das kann man daran feststellen, dass man – ich auch – gelegentlich Anrufe bekommt und ein Redakteur sagt: ‘Wir haben Folgendes vor, können wir Sie damit zitieren?’ Es wird also nicht nach der Haltung zu einem Thema gefragt. Sie wollen etwas transportieren und brauchen dann einen Namen, den sie damit in Verbindung bringen können.”

3. “Zwischen gut gemeint und gut gemacht”
(ndr.de, Patrick Gensing und Andrej Reisin)
Patrick Gensing und Andrej Reisin machen sich Gedanken zur am Sonntag beginnenden ARD-Themenwoche “Toleranz”: “Dass Angehörige der stigmatisierten Gruppen eben nicht die Wahl haben, welches Maß an Ausgrenzung oder ‘Toleranz’ der Mehrheitsgesellschaft sie erdulden wollen – diese Erkenntnis scheint den Programmverantwortlichen der beworbenen Sendung noch nie gekommen zu sein.”

4. “Die Medienoffensive des Kreml”
(deutschlandfunk.de, Gesine Dornblüth)
Gesine Dornblüth berichtet von einer Medienoffensive von Russlands Führung: “Büros und Pressezentren in mehr als 130 Städten in 34 Ländern. Ein eigener Nachrichtendienst, Sputniknews, in vier Sprachen: Englisch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch. Radio und Multimediaangebote in 30 Sprachen, darunter auch auf Deutsch. All das ab 2015. Bisher funktioniert nur die englische Website.”

5. “Von der Torheit der Gratis-Kultur”
(horizont.at, Antje Plaikner)
Christoph Fasel hält es für “eine Torheit, die ­kostbare Ware Journalismus zu verschenken. Wenn ich mein Produkt verschenke, habe ich nichts mehr, worauf ich meinen Erwerb aufbauen kann. Und genauso ist das schon im Rahmen der ersten Internethysterie passiert.”

6. “‘Man denkt an mich, also bin ich'”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Sven Michaelsen)
Sven Michaelsen befragt Philosoph Peter Sloterdijk.

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Was von der Gratis-“Bild” übrig blieb

… landete zumindest in Frankfurt wieder da, wo es hergekommen war:

Dass die PARTEI von “Bild” wegen der Müll-Lieferung angezeigt wurde, wie sie am Wochenende behauptete, stimmt laut Frankfurter Polizeipräsidium übrigens nicht. Wäre auch zu schön gewesen.

Trotzdem wertet die “Titanic” die Umtauschaktion als “großen Erfolg”: Rund 10.000 Menschen hätten sich bundesweit an den Ständen versammelt; etwa 5.000 hatten “Bild”-Ausgaben dabei, die natürlich sofort unschädlich gemacht wurden:

Außerdem hatten mehr als 2.000 Haushalte der Zustellung zuvor per Mail widersprochen, mehrere Hundert wehrten sich zudem mit Anti-“Bild”-Aufklebern an ihren Briefkästen. Und viele Leser haben uns berichtet, dass in ihren Mehrfamilienhäusen (verdientsvollen Nachbarn/Postboten sei Dank) keine einzige Sonderausgabe gelandet sei.

Zwar dürfte sich die ganze Sache für den Axel-Springer-Verlag dennoch gelohnt haben (allein für die Anzeigen müsste er mehr als 30 Mio. Euro bekommen haben), aber immerhin: Aus dem Vorhaben, die Gratis-“Bild” in “jeden Haushalt in Deutschland” zu bringen, wie es der Verlag vollmundig angekündigt hatte, ist auch dieses Mal nichts geworden.

Mit Dank an alle, die mitgemacht haben!

DDR, Brainpool, Putin

1. “In der DDR gab es keinen echten Journalismus”
(thueringer-allgemeine.de, Hanno Müller)
Hanno Müller erinnert an den Journalismus in der DDR: “In der DDR gibt es 1989 zwei Fernsehprogramme, fünf Radiostationen und die zentral gelenkte Nachrichtenagentur ADN. Dazu eine überregionale und 15 regionale SED-Zeitungen sowie 18 Zeitungen der sogenannten Blockparteien. Unabhängige Medien – Fehlanzeige. Journalisten sind Teil des Systems.”

2. “Traktat über einen Mann, den es so gar nicht gibt”
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Die Berichterstattung über Wladimir Putin: “Er gebiert Meldungen, die dem Konsumenten ein Bild vermitteln, das nicht über wirkliche Geschehnisse aufklärt, sondern etwaige Vorurteile nur bestätigt. Der beschriebene Putin ist eine Konstruktion, die nicht mit Ergebnisoffenheit recherchiert wird, sondern nach verplanten Attributen. Er ist so voller einseitiger Boshaftgkeit, Durchtriebenheit und Heimtücke, dass er nur als Personifikation verstanden werden kann.”

3. “Unter Druck”
(zeit.de, Charlotte Parnack)
Peter Noßeks “Harburger Blatt”: “Noßek, 55 Jahre alt, ist Erfinder des Harburger Blatts und dessen Herausgeber. Er ist weiterhin: Chefredakteur, Chefreporter, Artdirector, Fotograf, Anzeigenleiter, Vertriebschef, Buchhalter, Sekretär, Zeitungsbote. (…) Alle zwei Wochen bringt er acht Seiten Lokalnachrichten heraus. Acht Seiten Print. Nur Print.”

4. “Wie TV TOTAL arglose Jugendliche vorführt”
(youtube.com, Video, 6:53 Minuten)
Welche Rechte sich die TV-Produktionsfirma Brainpool von Jugendlichen einräumen lässt, die gemäß einer einzelnen Aussage im Glauben gelassen wurden, sie nähmen an einem Casting teil.

5. “Schäuble: ‘Schnelligkeit vor Sorgfalt'”
(ndr.de, Video, 18:06 Minuten)
Finanzminister Wolfgang Schäuble spricht zum 20. Geburtstag von “Spiegel Online” über Journalisten, Politiker, Print und Online.

6. “‘Wir verschießen ständig Potenzial'”
(krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit einer 32-Jährigen, die während einigen Jahren als Prostituierte in Berlin gearbeitet hat.

Gratiseinwilligung, Strompreis, Terrorbilder

1. “Leistungsschutzrecht: Presseverlage erteilen Google überraschend Recht zur Gratisnutzung”
(heise.de)
In der Verwertungsgesellschaft VG Media organisierte Presseverlage wollen nun doch weiterhin in den Google-Suchergebnissen mit Vorschaubildern und kurzen Textanrissen zu finden sein. Doch “die widerrufliche ‘Gratiseinwilligung’ in die unentgeltliche Nutzung ihrer Presseerzeugnisse betrifft nicht alle ‘digitalen verlegerischen Angebote’, die von der VG Media vertreten werden. So erteilt der Verlag Axel Springer für seine Angebote welt.de, computerbild.de, sportbild.de sowie autobild.de weiterhin keine ‘Gratiseinwilligung’. Sie werden deshalb künftig bei Google nur noch mit Überschriften zu sehen sein. Von bild.de kann Google jedoch auch Textauszüge (Snippets) und Vorschaubilder vorläufig kostenfrei anzeigen.” Siehe dazu auch “Oh, those Germans” (buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch).

2. “Was passiert, wenn endlich die guten deutschen Serien kommen?”
(blogs.stern.de, Peer Schader)
Peer Schader versucht sich vorzustellen, wie aufwändig produzierte deutsche Serien mit hohem Qualitätsanspruch in das bisherige Programm reinpassen: “Dabei besteht die eigentliche Herausforderung darin, sich auf einen Anpassungsprozess einzulassen, der erstmal viel Geld, Geduld und Quote kosten und lange dauern wird, weil er mit alten Gewohnheiten des Publikums brechen muss und neue etablieren.”

3. “Bild erklärt die Kurve der Wut”
(sfv.de, Rüdiger Haude, 16. Oktober)
Ein Kommentar eines Solarenergie-Fördervereins zum “Bild”-Artikel “Warum zahlen wir so viel für Strom?”: “Eine Boulevardzeitung bzw. ihr Online-Portal könnte theoretisch die ‘Kurve der Wut’ auf jene preistreibenden und überdies mit Reaktorkatastrophen respektive mit der Klimakatastrophe verknüpften Technologien und deren Subventionierung lenken. Aber ein Boulevard-Medium, das auf der Seite der Vernunft und der Moral stünde, das müsste wohl erst noch erfunden werden.”

4. “The Laborers Who Keep Dick Pics and Beheadings Out of Your Facebook Feed”
(wired.com, Adrian Chen, englisch)
Philippinische Dienstleistungsfirmen säubern Soziale Medien von unerwünschten Inhalten: “Hemanshu Nigam, the former chief security officer of MySpace who now runs online safety consultancy SSP Blue, estimates that the number of content moderators scrubbing the world’s social media sites, mobile apps, and cloud storage services runs to ‘well over 100,000’—that is, about twice the total head count of Google and nearly 14 times that of Facebook.”

5. “Die Bilderfalle”
(jungle-world.com, Georg Seeßlen)
Georg Seeßlen macht sich Gedanken zu Terrorbildern: “Der Terror ist ein Geschehen, das auf das eine und konzentrierende Bild des Schreckens hinaus will. Im Terror nämlich, was ja nichts anderes als Schrecken bedeutet, sind Tat und Bild vollkommen miteinander verschmolzen, so wie in der Drohnen- und Bildschirmstrategie des neuen Soldaten Tat und Bild vollkommen unabhängig voneinander werden sollen.”

6. “There are more experts on CNN right now talking about Ebola in America than people with ebola in America”
(twitter.com/nickbilton)

Emergent, Eikonal, Islamischer Staat

1. “Gerüchte-Check: Emergent enthüllt falsche Informationen im Internet”
(t3n.de, Jörn Brien)
Jörn Brien stellt Emergent vor: “Die Website-Betreiber suchen nach aktuell hochgehandelten Gerüchten, sie tragen sie gemeinsam mit den verschiedenen Quellen in eine Datenbank ein. Dann wird unterschieden, welche Websites die Story als wahr beschreiben, welche das Gerücht als falsch entlarven und welche die Geschichte einfach übernommen haben.”

2. “Unnötiger Stress mit Google”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Mit Verwunderung registriert Rainer Stadler “die etatistischen Verrenkungen, mit denen Deutschland den globalen Vorstoss der digitalen Kapitalisten aus dem kalifornischen Silicon Valley parieren will”: “Die deutschen Verlage verdrehen ein Win-win-Geschäft in ein Lose-lose-Geschäft.”

3. “Im rechtsfreien Raum”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Thomas Stadler schreibt über Recherchen zum Projekt “Eikonal”: “Die Berichterstattung der SZ belegt also, dass beim BND ein organisierter und systematischer Rechtsbruch stattfindet und dies mit Genehmigung der Bundesregierung und teilweiser Billigung des Parlaments. Der BND bewegt sich faktisch im rechtsfreien Raum und schreckt auch vor einem offensichtlichen Rechts- und Verfassungsbruch nicht zurück.”

4. “Ratgeber: Behörden zur Auskunft zwingen”
(correctiv.org, Daniel Drepper)
Eine kostenlose Broschüre “mit den wichtigsten Tipps zu den Auskunftsrechten in Deutschland”.

5. “‘Ich glaub, das steht irgendwo im Koran'”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Frederik Obermaier und Marie Delhaes)
Ein Interview mit Erhan A. aus Kempten, einem Anhänger der Organisation Islamischer Staat: “Wir haben uns Nachrichten angeschaut, ARD und ZDF und so, aber uns war schnell klar: Da wird nur Scheiße berichtet. Da haben wir uns dann im Internet Videos angeguckt. (…) Ich würde sogar meine Familie töten, wenn sie sich gegen den Islamischen Staat stellt.”

6. “Kunstaktion stellt Schwule bloß”
(berliner-zeitung.de, Patrick Schirmer Sastre)
Ein Kunstprojekt eines Berliner Theaters zeigt über eine Dating-App geführte Gespräche auf einer LED-Wand. “Cornelius Puschke vom Projektteam des Veranstalters erklärte am Freitag, man habe mit heftigen Reaktionen gerechnet. ‘Wir haben gehofft, dass es niemanden verletzt, was wir auf der LED-Wand zeigen. Inzwischen haben wir festgestellt, dass es das doch tut.'”

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