Archiv für Vermischtes

Die Schwarz/Gelb-Blindheit des Hugo Müller-Vogg

Am vergangenen Montag, nach der hessischen Landtagswahl, schrieb Polit-Kolumnist Hugo Müller-Vogg in „Bild“:

In Wiesbaden geht jetzt nichts mehr ohne die Liberalen und in Berlin nicht viel. Denn die schwarz-gelb regierten Länder haben nunmehr im Bundesrat die Mehrheit.

Was Quatsch ist, weil die schwarz-gelb regierten Länder auch bei einer CDU/FDP-Koalition in Hessen im Bundesrat gar keine Mehrheit haben.

Und gestern schrieb Müller-Vogg quasi zum selben Thema:

Da sich aber die rot-grünen Kabinette in Bremen und Hamburg auf die Seite von Schwarz-Rot geschlagen haben, werden die Liberalen in Berlin zum „Mitregieren“ nicht gebraucht.

Was insofern Quatsch ist, als es in Hamburg gar kein rot-grünes Kabinett gibt.

Was wohl Müller-Voggs politische Analysen taugen, wenn er nicht mal die politischen Fakten richtig aufschreiben kann?

Mit Dank an Christoph für die Hinweise.

Axel Springer unterliegt Eva Herman

Die „Bild“-Zeitung darf Eva Herman nicht mehr als „dumme Kuh“ bezeichnen. Die frühere Fernsehmoderatorin hatte gegen die Axel Springer AG und die Online-Tochter von „Bild“ geklagt. Das Kölner Landgericht verurteilte den Verlag dazu, Herman für die Beleidigung ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro zu zahlen. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte gegenüber BILDblog eine entsprechende Meldung der evangelikalen Nachrichtenagentur idea.

„Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner hatte nach der legendären „Johannes B. Kerner“-Sendung mit Eva Herman geschrieben:

Eva Herman hätte ich nicht vor die Tür gesetzt. Was hat die dumme Kuh denn gemacht vor laufender Kamera? Zum Mord aufgerufen, obszöne Handlungen an sich oder an Ihnen vollzogen, der Kinderporno-Mafia das Wort geredet? Nein. Sie hat sich nur immer tiefer in den Sumpf hineingeplappert, in den sie sich verlaufen hat. Eva Herman ist ganz sicher keine Nazi-Hexe, die mit einem Besenstiel über Auschwitz reitet. Eva Herman ist, ich sagte es schon, eine dumme Kuh.

Die von „Bild“ in der Überschrift über einem anderen Artikel geäußerte Frage „Ist Eva Herman braun oder nur doof?“ ist nach Ansicht des Gerichtes hingegen als Meinungsäußerung zulässig.

Auch in einem zweiten Prozess gab das Kölner Gericht Eva Herman Recht. Es geht dabei um die Formulierung, die den Skandal um Herman auslöste. Das „Hamburger Abendblatt“ hatte am 7. September 2007 über eine Buchvorstellung Hermans berichtet:

In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat. Kurz danach war diese Buchvorstellung Gott sei Dank zu Ende.

Was Eva Herman sagte
„Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles, das alles [abgeschafft], was wir an Werten hatten. Es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.“

Die Formulierung „Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“ gab nach Ansicht der Richter die tatsächlichen Äußerungen Hermans (siehe Kasten) nicht korrekt wieder. Das Gericht untersagte die Formulierungen und verurteilte den Verlag und die Autorin des Artikels, Barbara Möller, in dieser Sache ebenfalls zu insgesamt 10.000 Euro Schadensersatz.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, Springer kann Berufung einlegen.

Mit Dank an Andreas.

Kurz korrigiert (491 & 492)

Bei der wörtlichen Übernahme einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP im hauseigenen „News-Ticker“ hat sich Bild.de für folgende Überschrift entschieden:

"EuGH verklagt Russland"

Anders gesagt: Drei Wörter, zwei davon falsch.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) sitzt in Luxemburg und wäre für das Nicht-EU-Land Russland gar nicht zuständig, wohingegen der zuständige Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Russland nicht „verklagt“, sondern verurteilt hat.

Und woher wissen wir das? Na, aus der Meldung selbst natürlich.

Mit Dank an Katharina.

„Bild“-Leser Broder trifft „Bild“-Macher Diekmann

Kai Diekmann hat da schon ein Glas Wein getrunken, mit ehemaligen Außenministern geplaudert, mit Guido Westerwelle geschäkert und mit „Spiegel“-Chef Mathias Müller von Blumencron getuschelt. Kann sein, dass es daran liegt, aber anschließend sagt er:

„Ich behaupte, dass ich als ‚Bild‘-Chefredakteur einer der beliebtesten Journalisten Deutschlands bin, oder?“

Diekmanns Gesprächspartner, der Kolumnist Henryk M. Broder, überhört das kleine Fragezeichen und antwortet: „Solange die Leute die Zeitung nicht lesen.“ Diekmann lacht freundlich mit.

Die knapp einstündige Dokumentation, die Arte heute abend um 23.40 Uhr zeigt, heißt:

Durch die Nacht mit… Kai Diekmann und Henryk M. Broder

Aber eigentlich sehen wir: Henryk M. Broder durch die Nacht mit Kai Diekmann.



Diekmann lässt sich von Broder in der „Bild“-Redaktion abholen, lässt ihn dort aber zunächst in seinem Büro warten, führt ihn anschließend durch die Redaktion (Broder: „Wo werden hier die Sklaven ausgepeitscht?“), zeigt Broder ein ehemaliges Lieblingsrestaurant, das Atelier eines mittellosen Malers und die „Bild“-Druckerei. Im Gegenzug lässt er sich von Broder auf einen Polit-Promi-Empfang, in ein InternetCafé, zum Asia-Imbiss, in die U-Bahn mitnehmen. Die Nacht mit Broder nennt er „ein Experiment“, auf das er sich eingelassen habe.

Arte nennt die jüngste Folge der Doku-Reihe „Durch die Nacht mit…“:

Ein Treffen zwei der streitbarsten und meinungsfreudigsten Männer des Landes.

Doch während man von dem einen, Broder, erfährt, was man eh schon weiß, weil er sich häufig in Szene setzt, erfährt man über den anderen, Diekmann, den Talkshow-Verweigerer, nichts: immer im Dienst, verlegen und verlegen um Antworten (zumindest solange ihm ein Mikro am Hemd klemmt und die Kamera läuft).

Okay, Diekmann sagt „Doppelstandard“, wenn er „Doppelmoral“ meint; er ist besorgt, ob er nicht vielleicht doch eine Krawatte tragen soll. Zuhause in Potsdam werde der Müll getrennt – und während Broder sich den Abend freigenommen hat und irgendwann von seiner Tochter („Ah, die Tochter!“) angerufen wird, greift Diekmann wieder und wieder selbst zum roten „Bild“-Handy, um bei „Bild“ anzurufen. Und die zurechtgelegt wirkenden Koketterien Broders über „Bild“ lässt er ebenso über sich ergehen wie dessen Erörterungs- und Verbrüderungsversuche. „Was Broder für den ‚Spiegel‘ ist, ist Franz Josef Wagner für uns‘, sagt er.

Es ist also, wie es kommen musste: Kolumnist trifft Chefredakteur, Selbstdarsteller trifft Macher. Und „Durch die Nacht…“-Autor Hasko Baumann filmt dankenswerterweise mit:

Broder: Ich finde übrigens die ganze RAF-Debatte unerträglich.
Diekmann: Ja.

Broder: Wissen Sie, was toll ist an Berlin? Man kann hier nicht auffallen.
Diekmann: Ja.



Diekmann nickt, wenn Broder in der U-Bahn seine Sicht auf den Antisemitismus in Deutschland ausbreitet. Wenn Broder lang und breit von einer Reise in die Geburtsstadt seiner Mutter erzählt, fragt Beckmann Diekmann in einer Sprechpause: „Wie war das emotional?“

Sagt aber Diekmann dann doch mal einfach so, er finde Claudia Roth „in Ordnung“ („Irgendwie hat die was.“), dann witzelt Broder („Ja, Übergewicht.“) und redet weiter, irgendwas.

Es gibt zahllose solcher Miniaturen in der Doku, aufwändig und schlau und unaufgeregt mitgedreht, immer nur dabei mit der Kamera. Das muss reichen. Und immer ein wenig zu nah dran an den Gesichtern dieser beiden Journalisten, die sich – das merkt man – nur im Grad ihrer Beliebtheit ähneln. Eine Männerfreundschaft wird das jedenfalls, auch wenn Arte Gegenteiliges behauptet, nicht.

Am Anfang der Doku sehen wir Broder in einer schwarzen Limousine zum Berliner Springer-Hochhaus fahren („Vor 30, 40 Jahren wollte ich Springer noch enteignen, jetzt finde ich aber so eine Fahrt in der Luxuslimousine doch ganz angenehm.“). Am Ende fährt Diekmann mit der schwarzen Limousine in die Nacht („So. Ham‘ wir’s.“). Broder bleibt zurück. Abspann.

  • heute, 23.40 Uhr, Arte

Siehe auch „taz“, „Süddeutsche Zeitung“, „Westfälische Rundschau“, „Berliner Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“ und „Spreeblick“.

Nachtrag, 23.1.2009: Eine Woche lang kann man die Doku in voller länge und kostenlos auch auf arte.tv anschauen.

Beihilfe zur Anzeige

Annett S. ist offenbar unzufrieden mit der deutschen Justiz. Da ist sie bekanntlich nicht die einzige. Auch die „Bild“-Zeitung findet im Allgemeinen, dass Richter und Staatsanwälte viel zu gnädig mit Straftätern oder Angeklagten sind.

Insofern ist es nicht überraschend, dass „Bild“ Annett S. heute ordentlich Platz im Blatt einräumt. Denn:

Endlich eine Mutter, die sich gegen die lasche Justiz wehrt!

Annett S. hat nämlich einen Staatsanwalt angezeigt, der „keinen neuen Haftbefehl“ gegen einen Angeklagten beantragt hatte. Der Mann wurde laut „Bild“ im Jahr 2006 wegen sexuellen Missbrauchs der Tochter von Annett S. zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er ging in Berufung. Und weil der Staatsanwalt davon ausging, dass keine Fluchtgefahr bestehe, wie er Annett S. laut „Bild“ schrieb, beantragte er keinen Haftbefehl.

Nun ist der Mann aber möglicherweise doch geflohen. Jedenfalls „konnte er in der Türkei untertauchen“, wie „Bild“ schreibt.

Laut „Bild“ sagte die „wütende Mutter“ über den Staatsanwalt:

„Er ist verantwortlich, dass meine Tochter seit drei Jahren leidet. Ich zeige ihn wegen Beihilfe zur Flucht und Behinderung polizeilicher Ermittlungen an.“

Dass es „Beihilfe zur Flucht“ und „Behinderung polizeilicher Ermittlungen“ im deutschen Strafgesetzbuch nicht gibt, hat offenbar niemand bei „Bild“ der Mutter erzählt.

Aber es ist im Grunde auch egal, was die Mutter glaubt, weshalb sie den Staatsanwalt angezeigt hat. Ein anderer Staatsanwalt wird prüfen müssen, ob der Angezeigte möglicherweise einen Straftatbestand erfüllt haben könnte. Strafvereitelung im Amt etwa.

Indes hätte er dafür, so steht es im Gesetz, „absichtlich oder wissentlich ganz oder zum Teil vereitelt“ haben müssen, dass der Angeklagte „wegen einer rechtswidrigen Tat bestraft“ wird. Laienhaft ausgedrückt, hätte der Staatsanwalt also mindestens wissen müssen, dass der Mann plant, sich in die Türkei abzusetzen. Das ist selbst nach Lektüre des „Bild“-Artikels unwahrscheinlich. Denn „Bild“ liefert keine Anhaltspunkte für einen solch unerhörten Verdacht. Im Gegenteil. „Bild“ schreibt über die Einschätzung des Staatsanwalts zur Fluchtgefahr:

EIN IRRTUM!

Insofern hätte man sich bei „Bild“ vielleicht mal die Frage stellen sollen, ob es eigentlich sinnvoll ist, einer nachvollziehbarerweise wütenden Frau eine Plattform zu geben, nur weil sie dieselben dumpfen Vorurteile gegen die Justiz hegt wie „Bild“ – und damit womöglich andere Menschen dazu zu animieren, die Justiz mit offenbar unsinnigen Anzeigen zu beschäftigen, weil sich jemand geirrt hat.

Ganz zu schweigen davon, was es für „Bild“ bedeuten würde, wenn Irren strafbar wäre.

Mit Dank an Sebastian C. für den sachdienlichen Hinweis.

Neulich am Grab des Prometheus

Der „Goldene Prometheus“ ist auch kein schöner Preis. Er zeichnet seit einigen Jahren Journalisten Menschen aus, die von der „Prometheus“-Jury zu „Journalisten des Jahres“ erklärt werden. Anders gesagt: Der „Prometheus“ bzw. die „Verleihungszeremonie“ („eingebettet in ein Drei-Gänge-Menü, unterbrochen von musikalischen Darbietungen und inhaltlich gewürzt mit interessanten Laudatoren, unterhaltsamen MAZ-Einspielern und eindrucksvollen Gastrednern und Überraschungsgästen“ nebst anschließender „Medienparty“, „die in ausgelassener Atmosphäre neue Möglichkeiten des Community-Building erschließt“) hat den Ruf, „ein wenig korrupt zu sein“ und wird „diesem Ruf, so darf sagen, wer dabei war, […] voll gerecht“ (Quelle: Claudius Seidl auf FAZ.net).

Wer nicht dabei war*, durfte bereits gestern lauter interessante Dinge über Lobbying, „Prometheus“-Chefjuror Hajo Schumacher und BILD über die Verleihung des V.I.S.D.P.- bzw. VISDP-Preises "Prometheus" an zwei BILD-Redakteureseinen „fragwürdigen Schaulauf der Eitelkeiten“ (Quelle: Tom Schimmek in der „Süddeutschen Zeitung“) lesen bzw. in der „Bild“-Zeitung auf Seite 1 und heute abermals erfahren, dass unter den Preisträgern auch zwei „Bild“-Redakteure sind – ausgezeichnet als „Zeitungsjournalisten des Jahres“. Denn:

Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise [haben] die verantwortlichen Redakteure Thomas Drechsler und Oliver Santen […] sachlich und vor allem verständlich berichtet.

So steht es in der Begründung der „Prometheus“-Jury. Wir hingegen würden ja das, was die beiden „Bild“-Redakteure offenbar zu „Zeitungsjournalisten des Jahres“ macht, kurz als journalistische Selbstverständlichkeiten zusammenfassen. Aber geschenkt, zumal „Bild“ in Wirtschaftsdingen sowieso gern zu devoten Gesten neigt.

Prometheische Freude:

„BILD wird gern wegen angeblicher Fehler wahrgenommen. Wenn wir heute ausgezeichnet werden, weil wir etwas richtig gemacht haben, erfüllt mich das mit besonderer Genugtuung.“

(„Bild“-Politikchef Thomas Drechsler)

Die Laudatio auf Drechsler und Santen hielt übrigens Ex-Commerzbank-Chef Klaus Peter Müller, der „Bild“ tatsächlich dafür loben zu müssen glaubte, „der Versuchung reißerischer Schlagzeilen widerstanden“ zu haben. Doch schwergefallen sein dürfte Müller das Lob der „Bild“-Finanzberichterstattung ohnehin nicht – nicht nur, weil Müller von Berufs wegen davon profitiert, sondern auch, weil er sogar selbst sein Teil dazu beitragen durfte.

Lesen Sie daher in unserer allseits beliebten Reihe „Meilensteine des Zeitungsjournalismus“ aus aktuellem Anlass: Der ehemalige Pressesprecher Oliver Santen, Ressortleiter Wirtschaft bei der „Bild“-Zeitung und „Zeitungsjournalist des Jahres“, im Gespräch mit dem Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken und Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank, Klaus Peter Müller.

BILD: Haben Banker komplett versagt?
Müller: Keine Frage, wir haben Fehler gemacht, das gestehe ich freimütig ein. Aber von Pauschalverurteilungen halte ich gar nichts. Die große Mehrheit der Banker macht gute Arbeit und hat sich nichts vorzuwerfen.
BILD: Stichwort US-Immobilienkrise, IKB-Skandal, KfW-Desaster: Sind viele Banker gewissenlose Zocker?
Müller: Auch das ist ein Pauschalurteil, das nicht einfach so stehen bleiben sollte. Es gibt überall schwarze Schafe. Aber wenn Einzelne Fehler machen, darf man nicht einen ganzen Berufsstand in Misskredit bringen.
BILD: Haben Sie keinen Grund zur Selbstkritik?
Müller: Doch natürlich. Wie schon gesagt, es wurden Fehler gemacht. Wir hätten nicht zulassen dürfen, dass Finanzprodukte so kompliziert werden, dass der Kunde sie nicht mehr versteht. Und: In der Immobilienkrise in den USA wurde vieles nicht richtig geprüft und bewertet. Wir haben uns zu sehr auf das Urteil der Rating-Agenturen verlassen.
BILD: Können Sie verstehen, dass viele Kunden den Banken nicht mehr trauen?
Müller: Diese Erfahrung machen wir bei der Commerzbank mit unseren Millionen Kunden nicht. Es ist vielmehr so, dass … usw. usf.

*) Hinweis: BILDblog war 2005 selbst (kurzzeitig) für den „Goldenen Prometheus“ nominiert.

Kurz korrigiert (490)

Zunächst zu „Spiegel Online“:

Aufregung über einen Polizeieinsatz in Duisburg: Ein Student wollte Solidarität mit Israel zeigen, hängte während einer Demo gegen den Gaza-Krieg [Israel-]Fahnen vor die Wohnung – da traten Beamte seine Tür ein und entfernten die Flaggen. Jetzt bittet der Polizeichef um Entschuldigung, die Empörung ist groß.

Das ist der Anfang eines Artikels von gestern über eine Demonstration vom vergangenen Samstag in Duisburg. Das ist das Ende des Artikels:

Anmerkung der Redaktion: Durch einen Bearbeitungsfehler war in einer früheren Version dieses Artikels im Teaser von einer Palästinenser-Demonstration die Rede. Veranstalter war aber die deutsch-türkische Organisation Milli Görüs.*

Und das hier steht heute auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung:

"Polizei-Skandal um Israel-Flagge" "Während einer Palästinenser-Kundgebung mit 10.000 Teilnehmern am Samstag (...)"

Bei Bild.de sieht das in einem Artikel von gestern sogar so aus:

"Bei Palästinenser-Demo: Polizei-Skandal um Israel-Flagge" "Es waren beängstigende Szenen! Ein aufgebrachter Mob palästinensischer Demonstranten (...)"

Ein Korrektur-Hinweis wie bei „Spiegel Online“ fehlt hier bislang.

Mit Dank an Bene F. für den sachdienlichen Hinweis.

*) Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Affe mit Bart

Nur selten verzichtet die „Bild“-Zeitung auf ihre „nackten Mädels auf der Titelseite“ (Kai Diekmann): wenn sie Papst ist – oder wenn „Bild“ es wichtiger findet, auf Seite 1 ein paar verkohlte Leichen zu zeigen. Dass die sog. Seite-1-Mieze auch im Zusammenhang mit Paparazzi-Fotos von ehemaligen RAF-Terroristen für die „Bild“-Zeitung „eine nicht zu entschuldigende Geschmacklosigkeit“ (Kai Diekmann) sein könnte, hätten wir nicht gedacht.

Aber wie sonst* soll man sich erklären, dass dort, wo „Bild“ so gerne (halb-)nackte Frauen zeigt, am vergangenen Samstag eine weiße Taube zu sehen war, an die sich ein Makaken-Äffchen schmiegt?

Dass „Bild“ es für unaufschiebbar hielt, ihren Lesern am Samstag die anrührende Geschichte von diesem jungen Äffchen in China zu erzählen, das „jeden Lebensmut verloren“ hatte, dann aber eine „weiße Taubendame (…) kennenlernte und ins Herz schloss“, kann als vollkommen unwahrscheinlich gelten.

Das Äffchen ist nämlich, anders als „Bild“ vorgestern behauptet, nicht „12 Wochen“ alt, sondern 82. Anders gesagt: Foto und Geschichte, die „Bild“ ihren Leser da am vergangenen Samstag auf der Titelseite präsentierte, sorgten eigentlich im September 2007 für Schlagzeilen.

*) Nein, damit, dass „Bild“-Chef Kai Diekmann vor Jahren mal behauptet hatte, dass es in der „Bild“-Zeitung „am Samstag keine nackten Mädels auf der Titelseite geben“ werde, hat das alles nichts zu tun.

„Brauner Spuk“

Genau: Illustriert mit einem großen Hitler-Foto berichtet „Bild“ heute über eine „spektakuläre Ausstellung“* in Peenemünde auf Usedom. Die Ausstellung wolle (wie es zwar nicht in der Überschrift, aber im Kleinergedruckten heißt) „mit dem Mythos aufräumen, die Nazis hätten ein Weltraumflugzeug – die Reichsflugscheibe – konstruiert“. Dazu zitiert „Bild“ den Peenemünder Museums-Direktor mit den Worten:

„Auf obskuren Internetseiten wird dieser Mythos mit gefälschten Fotos gepflegt. Für uns ist das brauner Spuk.“

Und neben der Abbildung eines solchen gefälschten Fotos wird „Bild“ noch deutlicher:

"Solche Fotomontagen nähren im Internet den Mythos der Nazi-Ufos (Reichsflugscheiben)"

Stimmt, „solche Fotomontagen“… und „Bild“ (wir berichteten):

*) Bei der „spektakulären Ausstellung“ in Peenemünde handelt es sich eigentlich nur um das Projekt „Haunebu“ des polnischen Konzeptkünstlers Hubert Czerepok, das die Verschwörungstheorie um die „Nazi-Ufos“ rekonstruiert – und bereits im Sommer 2008 (von „Bild“ unbeachtet) zweieinhalb Monate lang in einer Galerie in Berlin zu sehen war (siehe Ausstellungskatalog [pdf]). Die „Berliner Zeitung“ berichtete damals deutlich angemessener und schrieb, der Künstler setze sich „mit der Frage auseinander, wie Wirklichkeit, Medien und unsere persönlichen Wahrheiten sich gegenseitig beeinflussen“.

Kurz korrigiert (489)

Okay, okay: Bei der Nachrichtenagentur AFP hat es 12 Stunden und 22 Minuten gedauert, bis sie ihren Fehler bemerkt hatte. Dann aber, heute um 14.55 Uhr, verteilte AFP an ihre Kunden eine Korrektur:

BERICHTIGUNG
Achtung Redaktionen
Bitte berichtigen Sie in unserer Meldung „CNN: Fernseh-Doktor soll Obamas Gesundheitsminister werden“ von 02.33 Uhr durchgehend in Überschrift und Text die Amtsbezeichnung: Der CNN-Moderator Sanjay Gupta soll dem Bericht zufolge Leiter der staatlichen Gesundheitsämter in den USA werden (nicht: Gesundheitsminister). Sie erhalten im Anschluss eine berichtigte Fassung.

Und wie lange dauert es, bis Bild.de der AFP-Bitte entspricht und nicht mehr behauptet, Gupta solle „Gesundheitsminister“ werden? Mindestens 3 Stunden und 36 Minuten:

"Obamas Kabinett -- Fernseharzt als Gesundheits-Minister -- Personal-Karussell dreht sich weiter: Fernseharzt Sanjay Gupta soll Gesundheitsminister im Kabinett von Barack Obama werden."

Mit Dank an Mathias.

Nachtrag, 19.38 Uhr: Plötzlich hat’s doch geklappt mit der Korrektur – im Artikel („Fernseh-Doktor soll Obamas Gesundheitsämter leiten“), im Teaser („Fernseharzt Sanjay Gupta soll unter Obama Leiter der staatlichen Gesundheitsämter werden“), nur in der Teaser-Überschrift („Fernseharzt als Gesundheits-Minister“) nicht. Aber auch das ist wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit.

Nachtrag, 8.1.2009: Oder auch nicht.

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