Archiv für taz.de

Mega Watt?

Hier stand ein Eintrag, in dem wir der Nachrichtenagentur dpa Unkenntnis der Einheit „Megawatt“ vorgeworfen haben — und leider dabei unser eigenes Unwissen demonstrierten. Es ging um die Meldung, dass Zypern in diesen Tagen nach einer Explosion bei einem großen Elektrizitätswerk Strom aus dem türkisch besetzten Nordteil der Insel erhält.

Die dpa beschrieb dies am Samstag so:

Nun sollen täglich zwischen 70 und 110 Megawatt vom Norden in den Süden geliefert werden, teilte die Regierung in der Inselhauptstadt Nikosia mit.

Das „täglich“ in diesem Satz ist irreführend, denn die Einheit Watt gibt eine Leistung an, keine Energie. Ähnlich sinnlos wäre es, zu sagen, ein Fön verbraucht täglich 2000 Watt. Der Energieverbrauch wird in Wattstunden (oder im Haushalt gebräuchlicher: Kilowattstunden) angegeben und hängt natürlich davon ab, wie lang der Fön läuft. Fönte man sich einen Tag ununterbrochen, käme man auf 48 Kilowattstunden (2000 Watt mal 24 Stunden geteilt durch 1000).

(Für alle, die das zu unanschaulich finden: Der Unterschied zwischen Leistung und Energie ist derselbe wie zwischen Geschwindigkeit und Entfernung. Ein Auto, das 100 km/h fährt, legt am Tag, wenn es ununterbrochen fährt, 2400 Kilometer zurück. Zu formulieren, es fahre „täglich 100 km/h“ ist mindestens rätselhaft.)

Die 70 bis 110 Megawatt sind also einfach die Leistung, die dem Süden vom Norden zur Verfügung gestellt werden soll. Die Agentur dpa hätte nur das „täglich“ weglassen müssen. Wir aber haben uns in der vermeintlichen Korrektur dieses kleinen Formulierungsfehlers völlig verheddert — und nebenbei auch noch die (komplizierten) politischen Verhältnisse Zyperns unzulässig verkürzt. Wir bitten um Entschuldigung.

taz.de  

Nochmal Schwein gehabt

Reiner Metzger hat auf taz.de seiner Wut auf die Informationspolitik der Atomlobby freien Lauf gelassen:

Dieses Vertuschen und Verzögern ist ein unfassbarer Skandal: Die Methoden der Atomlobby KOMMENTAR VON REINER METZGER

Verglichen mit einem japanischen Kernreaktor scheint sich das Gemüt eines stellvertretenden Chefredakteurs der „taz“ jedoch einigermaßen leicht abkühlen zu lassen. Denn wie man an der URL erkennen kann, war die Überschrift bei Veröffentlichung des Artikels noch deutlich deftiger:

die-dreckschweine-von-der-atomlobby

Es ist vielleicht ganz gut, dass die „taz“ den ursprünglichen Titel geändert hat, denn wer andere Menschen als „Dreckschweine“ bezeichnet, befindet sich in schlechter Gesellschaft.

Mit Dank auch an den Hinweisgeber.

taz, taz.de  

Killing me softly

Am vergangenen Donnerstag schrieb die „taz“ über einen 77-jährigen aus Sittensen, der einen jugendlichen Einbrecher mit einem Schuss in den Rücken tötete:

In dieser unübersichtlichen Situation ist es dem passionierten Jäger, der diverse Waffen besitzt, offensichtlich gelungen, eine Softair-Pistole zu ergreifen. Er schoss mehrmals und traf dabei den 16-jährigen Labinot S. aus einer Entfernung von zehn Metern in den Rücken. Das Geschoss bohrte sich ins Herz. Der 16-Jährige schleppte sich noch tödlich getroffen bis zur Terrasse, wo er zusammenbrach.

Seit Donnerstag laufen Leser in den Kommentaren auf taz.de vergeblich gegen diese Passage Sturm und beschweren sich, dass ein solcher Schuss mit einer Softair-Pistole völlig unmöglich sei. Und sie haben Recht: Verletzungen durch Softair-Waffen sind in der Regel nur oberflächlich.

Tatsächlich ist im Polizeibericht von einer ganz normalen Pistole die Rede:

Der Rentner, der als Jäger Schusswaffenbesitzer ist, konnte im weiteren Verlauf eine Pistole ergreifen, schoss und traf dabei einen der Täter tödlich.

Die „Welt“ berichtet von einer „Fangschusswaffe“ (meistens großkalibrige Pistole oder Revolver), wie sie bei der Jagd zum Einsatz kommt.

Eine Softair-Pistole war allerdings auch im Spiel. Doch sie war laut „Welt Online“ im Besitz der Einbrecher:

Vermutlich handelt es sich bei der Softairwaffe um die Waffe, mit der die Täter den 77-Jährigen Hausbesitzer bedroht hatten. Nach Angaben des Raubopfers hatten die Maskierten eine Waffe von hinten an seinen Kopf gehalten.

Mit Dank an Seb.

Nachtrag, 21. Dezember: Mehr als einen Tag später hat taz.de es jetzt endlich geschafft, den Artikel transparent zu korrigieren.

taz.de  

Kommt ’n Mann ums Leben

„Witze“ über
Robert Enke

Der Tod ist schon lange kein Tabuthema mehr. Über das vorzeitige Ableben eines Menschen unter tragischen Umständen kann man auch ganz locker Witze reißen, wie am Fall Robert Enke (s. Kasten) zu sehen.

Aber es muss ja nicht immer ein Fußball-Torwart sein, der sich das Leben genommen hat. Manchmal tut es auch ein früherer Politiker, der unter nicht ganz geklärten Umständen bei einem Fallschirmsprung ums Leben gekommen ist:

Wäre er jetzt der richtige Mann für die rechtspopulistische Wende der FDP? Jürgen Möllemann. Schon vor seiner Partei im freien Fall.

Mit Dank an XFame.

taz.de  

Kraut und Rüben

121.819 Mitzeichner sind für eine E-Petition des Deutschen Bundestags eine stolze Zahl. So viele Menschen haben die Petition gegen ein Verkaufsverbot von Heilpflanzen in der EU unterzeichnet, es ist damit die zweiterfolgreichste E-Petition in der Geschichte dieser Institution.

Doch die Mühe dieser 121.819 Menschen war umsonst: Ein solches „Verkaufsverbot“ war nie geplant. Die angesprochene EU-Richtlinie, die bereits vor fünf Jahren in deutsches Arzneimittelrecht umgesetzt wurde, regelt die Zulassung pflanzlicher Produkte als Arzneimittel. Ein Verkaufs- oder gar Anbauverbot von Pflanzen wie Pfefferminze oder Salbei, wie es manche heraufbeschworen hatten, stand nie zur Debatte.

Doch wie konnten 121.819 mündige Bürger derart fehlgeleitet werden? Die „taz“ hat eine Erklärung:

Die große Zahl der Unterstützer kam nur zustande, da in der Naturheilkunde- und Bioszene der Petitionsaufruf in Internetforen, Blogs und unzähligen E-Mails verbreitet wurde. „Weil das Gesetz ein typisches Beispiel dafür ist, wie in Brüssel die Pharmalobby gegen die Interessen der Bevölkerung arbeitet“, sagt eine der E-Mail-Weiterleiterinnen. Den Inhalt der Petition überprüft habe sie aber nicht.

„Internetforen, Blogs und unzählige E-Mails“, geht’s auch konkreter?

blogs.taz.de: Pharmalobby kämpft für Verbot von Heilpflanzen

Das „Drogerie“-Blog auf taz.de verbreitet die Mär vom Heilpflanzenverbot seit vergangener Woche und rief sogar zur Unterzeichnung der Petition auf. Obwohl in vereinzelten Kommentaren seit Tagen angeprangert wird, dass der Eintrag falsch sei, steht er unverändert online.

Mit Dank an Till G.

Nachtrag, 13. November: Hans Cousto vom „Drogerie“-Blog wehrt sich gegen die Bezeichnung der Petition als „grober Unfug“ und gibt Beispiele von Kräutern, die in Brandenburg nicht mehr verkauft werden dürfen.

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