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Reddit-User erfindet Jürgen-Klopp-Zitat – und alle glauben es

Jürgen Klopp wird von vielen Leuten ja so sehr gemocht, weil er immer mal einen lockeren Spruch draufhat. So einen zu Beispiel:

Teammanager Jürgen Klopp vom FC Liverpool hat mit Humor auf die Gerüchte um einen Wechsel seines Mittelfeld-Stars Philippe Coutinho zum FC Barcelona reagiert.

„Morgen bietet Barcelona uns dann bestimmt ein Happy Meal an. Und wir bekommen auch ein Spielzeug dazu“, sagte Klopp nach dem 1:0-Sieg gegen Crystal Palace zu Journalisten, die sich nach dem aktuellen Stand im Transfer-Theater erkundigt hatten.

Doch, doch, das soll Klopp tatsächlich so salopp gesagt haben. Und deswegen hat sport1.de gestern daraus auch einen eigenen Artikel gemacht:

Screenshot von sport1.de - FC Liverpool Jürgen Klopp witzelt über Barca-Interesse an Coutinho - Klopp Happy Meal für Coutinho

Und auch die Sport-Nachrichtenseite des Pay-TV-Senders „Sky“, skysport.de, hat den Klopp’schen Witz in ihrem Transfer-Ticker aufgegriffen:

Screenshot skysport.de - Klopp Happy Meal mit Spielzeug - Jürgen Klopp nimmt die tagtäglichen Wechsel-Gerüchte um Philippe Coutinho mit Humor. Morgen bietet Barcelona uns dann bestimmt ein Happy Meal an. Und wir bekommen auch ein Spielzeug dazu, sagte der Coach des FC Liverpool nach dem Sieg gegen Crystal Palace. Englische Medienberichte über ein abgelehntes 130-Millionen-Angebot konnte der 50-Jährige aber nicht bestätigen.

Und nicht nur die zwei Portale berichteten. Die ganze Welt berichtete. In Großbritannien, in Portugal, in Spanien, in Brasilien, in Frankreich, in Polen, so gut wie überall.

Ist ja auch zu witzig, diese Sache mit dem „Happy Meal“. Stammt aber gar nicht von Jürgen Klopp, sondern von Reddit-Nutzer sarkie. Der fasste ein kurzes Interview von Jürgen Klopp mit einer brasilianischen Journalistin sehr, sehr frei zusammen, nachdem ein anderer Reddit-User geschrieben hatte „Video not available, can someone summarize it?“:

She says

„With the rumours of Barca paying £130m for Coutinho, will he leave?“

Klopp says

„They didn’t offer that, we said no, yet they offered, I think tomorrow they will offer a McDonald’s Happy Meal and we get the toy as well!?“

Big Grin

Turns to reporter

Fades to black

Eine derartige Passage kommt nicht ansatzweise in dem kurzen Video (nur aus Brasilien abrufbar) vor. Sie ist reine Fantasie.

Nachdem unter anderem das Team des „Liverpool Echo“ sich nicht mal die Mühe gemacht hat, kurz das Interview anzuschauen, und seinen Lesern das falsche Klopp-Zitat als echtes verkauft hat, twitterte sarkie:

Mit Dank an Dennis M. für den Hinweis!

„Bild“ will, dass Fußballprofi will, dass alle Ultras in den Knast sollen

Die „Bild“-Redaktion hat sich seit einigen Tagen auf Ultras eingeschossen, also auf jene Gruppen, die sich besonders stark mit ihrem jeweiligen Fußballverein identifizieren, teilweise auf recht fanatische Art und Weise. Am vergangenen Samstag setzte „Bild“-Sportchef Walter M. Straten alle Ultras mit all jenen im Stadion gleich, die sich nicht friedlich verhalten („Das nervt nicht nur Ultras, sondern auch friedliche Fans.“). Gestern legte Straten in einem Kommentar nach und schrieb, dass Ultras keine echten Fußballfans seien („In der Bundesliga drohen Ultras dem DFB mit Krieg — unter dem Vorwand, für ehrlicheren Fußball zu kämpfen. Wenn wir wollen, dass echte Fans und Familien ohne Angst ins Stadion gehen können, müssen auch hier Politik und Justiz eingreifen.“).

Und jetzt haben der „Bild“-Sportchef und sein Team vermeintlich auch noch prominente Unterstützung bei ihrem Engagement gegen Ultras bekommen. So sah ihre heutige Titelseite aus:

Ausriss Bild-Titelseite - Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Der „Fußball-Star“ ist der Däne Jannik Vestergaard vom Bundesliga-Klub Borussia Mönchengladbach. Und so viel schon mal jetzt: Derartiges hat er nie gefordert.

Am Sonntag, nachdem es bei einem Fußballspiel in Kopenhagen ziemlich heftige Ausschreitungen gab, twitterte Vestergaard:

Das Ganze heißt laut „Bild“ so viel wie:

„Großen Respekt vor den Ordnern und Polizisten, die sich in den Weg gestellt haben, als sich die Idioten so aufgeführt haben. Hoffentlich kommen diese Psychopathen hinter Schloss und Riegel!“

„Bild“ macht daraus also: „Fußball-Star fordert Knast für Ultras“. Und auch bei Bild.de steht:

Ausriss Bild.de - Krawalle in Kopenhagen - Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Andere Medien griffen Vestergaards angebliche Ultras-in-den-Knast-Forderung, die „Bild“ in die Welt gesetzt hat, auf. Nur: Jannik Vestergaard möchte rein gar nichts mit diesen Schlagzeilen zu tun haben.

Auf der Internetseite von Borussia Mönchengladbach ist heute ein Interview mit dem Abwehrspieler erschienen. Auf die Frage „Die BILD titelt: ‚Erster Fußballprofi fordert Knast für Ultras‘. Was sagst du dazu?“ antwortet er:

Diese Schlagzeile kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn ich habe in diesem Zusammenhang weder das Wort Ultras in den Mund genommen noch habe ich irgendwelche Fans oder Ultras pauschalisiert. Ich habe ausschließlich die Taten der Chaoten in Kopenhagen aufs Schärfste verurteilt — und zu diesen Worten stehe ich auch. Allerdings möchte ich ausdrücklich betonen, dass damit keinesfalls Ultras im Allgemeinen gemeint waren. Mit solchen Pauschalurteilen wird medial versucht, einen Keil zwischen Spieler und Fans zu treiben. Das tut dem Fußball nicht gut. Der Großteil der Ultras und der Fans unterstützen die Vereine im besonderen Maße und davor habe ich großen Respekt. Leider gibt es eine kleine Personengruppe, die den Ruf der Fans mit solchen Aktionen wie am Sonntag in Kopenhagen massiv beschädigt. Umso wichtiger ist, dass man diese Straftäter aus dem Verkehr zieht. Randale und Krawalle haben nichts im Fußballstadion verloren.

Da muss tatsächlich ein Fußballprofi kommen, um Sachlichkeit und Differenzierung in die Diskussion zu bringen und dem „Bild“-Sportchef zu erklären, wie man zwischen Fans, Ultras, Hooligans und Randalierern unterscheidet.

Mit Dank an @seit1948, @Pilzeintopf, @fohlenkanal, @Eisenfrass und @19Rhyno04 für die Hinweise!

Absage von Wagner

Gestern waren sich die Fußballexperten von Bild.de und „Sport1“ noch so sicher: David Wagner — ein guter Freund von Jürgen Klopp und aktuell beim englischen Zweitligisten Huddersfield Town angestellt — wird ganz bald als Trainer bei den Bundesligafußballern des VfL Wolfsburg auf der Bank sitzen:


Ja, gut, ein, zwei Details müssten vielleicht noch geklärt werden. Aber eigentlich sei alles fix — auch wenn der „Aufsichtsrat dementiert“. Was soll da schon noch anbrennen? Wagner kommt nach Wolfsburg!

Heute hat David Wagner klargestellt, dass er nicht wechseln wird:


(Bild.de)

(„Sport1“)

„Bild“ und die gefühlte Wahrheit über Mats Hummels

Der „Kicker“ hat heute ein großes Interview mit BVB-Fußballer Mats Hummels veröffentlicht. Darin findet sich auch folgende Passage:

Kicker: Sie sollen aus Ärger über interne Meinungsverschiedenheiten gesagt haben: „Ich bin mit der Borussia nicht verheiratet.“

Hummels: Das ist eine Geschichte, die mir wirklich am Herzen liegt! Diesen Satz habe ich im Leben noch NIE benutzt! Und ich habe ganz ehrlich ein Problem damit, dass so etwas einfach erfunden wird und jeder vom anderen abschreibt. Es ist traurig, dass das heute so funktioniert und zur gefühlten Wahrheit wird.

Und wer hat’s erfunden? Genau:

[Hummels‘] Verhältnis zu Trainer Thomas Tuchel (42) ist nicht (immer) das Beste. Nach dem Last-Minute-Ausgleich gegen Darmstadt (2:2/7. Spieltag) hatte Hummels gewütet: „Das ist keine Verteidigung.“

Danach musste er sich wegen seiner Kollegen-Schelte deutliche Worte von Tuchel anhören.

Hummels soll sich angeblich nicht gerade einsichtig gezeigt haben und gekontert haben: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet!“

Erschienen vor fünf Tagen auf Bild.de und in der Ruhrgebiets-Ausgabe der „Bild“-Zeitung – und von dort herumgereicht in der Fußballmedienwelt:

Hummels soll sich aber angeblich nicht gerade einsichtig gezeigt und laut Bild gekontert haben: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet!“

(fussballnews.de)

(…) soll der Nationalspieler demnach entgegnet haben: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet.

(transfermarkt.de)

„Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet“, soll Hummels geäußert haben.

(news.de)

Die BILD berichtet, dass eine Trennung möglich sei. Interpretieren tut sie das aus dem angeblichen Satz: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet“, den Hummels seinem Coach Tuchel gegenüber gesagt haben soll.

(spox.com)

Darauf solll [sic] dieser erwidert haben: „Ich bin nicht mit dem BVB verheiratet.“

(sport1.de)

Die „Bild“-Zeitung berichtet auf ihrer Online-Seite heute auch über das „Kicker“-Interview. Die Stelle mit dem erfundenen Satz erwähnt sie dabei natürlich nicht.

Alle Unbeteiligten blieben unverletzt

Man soll mit sowas ja keine Späße machen, aber stellen wir uns für einen Moment mal vor, der Fahrer von Angela Merkels Dienstwagen setzt das Automobil in den Straßengraben. Er war allein unterwegs, um die Kanzlerin abzuholen, und ihm ist nichts schlimmes passiert.

Würden die Zeitungen am nächsten Tag groß über diese, für Merkel gefährliche Situation berichten? Es ist nicht auszuschließen.

Die Yacht des Formel-1-Fahrers Felipe Massa ist bei einem Unfall vor der Küste von Sao Paulo völlig zerstört worden. Der Kapitän hatte bei der Anfahrt zum Hafen offenbar einen Anfall erlitten und die Kontrolle über das Schiff verloren, weswegen es mit einem Felsen kollidierte. Massa selbst und seine Familie waren nicht an Bord, sie hatten auf die Yacht gewartet und den Unfall am Telefon verfolgt.

Und so berichten deutsche Medien über das Geschehen:

Formel 1: Massa entgeht Katastrophe. Glück im Unglück hatte Felipe Massa. Der Brasilianer entging knapp einer Katastrophe.
(sport1.de)

Massa übersteht Yacht-Unfall. Glück im Unglück für Ferrari-Star Felipe Massa (29).
(Bild.de)

Mit Dank an Tommy K.

Aus einer Mücke einen Bayern-Trainer machen

Luca Toni, Mittelstürmer beim FC Bayern, hat in seiner italienischen Heimat ein Interview gegeben. Natürlich ging es dabei auch um die Situation beim FC Bayern und die Diskussion um dessen Trainer Jürgen Klinsmann. Also fragte der Interviewer den Fußballer, wie es denn weitergehe in München, dass es Gerüchte über potentielle Nachfolger gebe und dabei auch der Name eines italienischen Trainers gefallen sei — ob er denn dazu etwas sagen wolle.

So richtig wollte Toni anscheinend nicht, denn sein erster Satz in der Antwort lautet:

„Nein, ich weiß nicht, was passieren wird. Jetzt werden wir sehen, ob sie [die Bayern] mit Klinsmann weiter machen wollen.“

Danach sagt er etwas, was vermutlich sogar jeder Fußball-Laie unterschreiben würde:

„Ich denke, es wird viel vom Ende der Saison abhängen. Dann wird der Verein sehen.“

Und schließlich sagt er noch, so diplomatisch wie es eben geht, über den durchaus renommierten Trainer und Landsmann Mancini folgendes:

„Es ist klar, wenn ein italienischer Trainer kommen würde — so gut wie Mancini — ich denke, es kann dem Ganzen nur gut tun und auch den Bayern!“

Man würde also dem Interview nicht unrecht tun, wenn man es so zusammenfassste: Luca Toni weiß nicht, wie es in der Trainerfrage in München weitergeht. Und er hält Italiener im Allgemeinen und Mancini generell für gute Trainer (was keine sonderlich exotische Meinung ist).

Das liest sich indessen aktuell in vielen deutschen Medien ganz anders. „Bild“, dem Bayern-Trainer in herzlicher gegenseitiger Abneigung verbunden, titelt:

Luca Toni spricht schon über Klinsis Nachfolger

Konsequenterweise lässt Bild.de die User aktuell schon mal über den bevorzugten neuen Bayern-Trainer abstimmen. Die Möglichkeit, für Klinsmann zu votieren, ist dabei erst gar nicht vorgesehen.

Die ‚Bild“-Überinterpretation wird eifrig übernommen:: Bei T-Online behauptet man, Toni habe sich „bereits Gedanken über einen Nachfolger gemacht“ und „empfiehlt einen italienischen Landsmann“. Bei sport1.de geht man sogar soweit zu behaupten, Toni habe Mancini als „Ideallösung genannt“ (das behauptet nicht mal „Bild“). Und schließlich geriet Toni sogar „ins Schwärmen“, als er auf Mancini angesprochen wurde, zumindest dann, wenn man sport.de (rtl.de) glaubt.

Ziemlich untergegangen ist in der Toni-schwärmt-von-Mancini-Euphorie, dass sich auch noch ein anderer Spieler des FC Bayern zu Wort gemeldet hat. In der „Süddeutschen Zeitung“ steht heute:

„Klinsmann macht derzeit eine schwere Phase durch. Die ganzen Attacken treffen ihn persönlich, aber auch uns Spieler und den gesamten Verein (…) In den letzten sieben Partien werden wir uns für ihn zusammenreißen. Um deutscher Meister zu werden, müssen wir alle zusammenhalten.“

Der Spieler heißt übrigens Franck Ribéry.