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Donald Trump will weiter einen Einreisestopp für Muslime

In völliger Verzweiflung klammern sich Menschen ja auch mal an Sprichwörter. Aktuell und mit Bezug auf den Wahlsieg von Donald Trump zum Beispiel: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Soll heißen: Trumps wildeste Ankündigungen im Wahlkampf — Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze, genereller Einreisestopp für Muslime und so weiter — waren eben nur wilde Ankündigungen im Wahlkampf und keine ernsthaften politischen Vorhaben.

Da passte eine Neuigkeit in den „Tagesthemen“ (ab Minute 4:50) gestern Abend ganz gut ins Beruhigungsprogramm:

Doch die meisten seiner Pläne sind bisher nicht viel mehr als Gedankenspiele und Worthülsen. Zwei seiner umstrittensten Forderungen sind inzwischen von der Homepage verschwunden: der Einreisestopp für Muslime und die Kündigung des Klimapaktes.

Und nicht nur im „Ersten“ wurde über das Verschwinden der Trump-Forderungen berichtet. „Zeit Online“ hatte ebenfalls eine Meldung dazu auf der Seite:

Von der Wahlkampfseite des künftigen Präsidenten sind einige brisante Punkte verschwunden. Dazu zählt das von Trump geforderte Einreiseverbot für Muslime.

Genauso n-tv.de:

Einige der umstrittensten Forderungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump sind von dessen Wahlkampf-Website entfernt worden. Dazu zählt der Aufruf, Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten und sein Versprechen, das Pariser Klimaabkommen zu kippen. Auch eine Liste mit potenziellen Richtern für den Obersten Gerichtshof sowie diverse Details seiner Wirtschafts-, Verteidigungs- und Regulierungsvorhaben finden sich nicht mehr auf der Seite.

Die Quelle für diese Artikel ist eine „Reuters“-Meldung. Durch die Agentur ist die Info, dass das Team von Donald Trump einige ausgewählte Ankündigungen und Pressemitteilungen gelöscht haben soll, auf vielen Nachrichtenseiten in die Ticker zur US-Wahl gerutscht.

Schauen wir uns mal die Sache mit dem Einreisestopp für Muslime genauer an. Anders als von „Tagesthemen“, „Zeit Online“, n-tv.de und allen anderen behauptet, kann man Trumps „Statement On Preventing Muslim Immigration“ vom 7. Dezember 2015 aktuell auf seiner Wahlkampf-Website abrufen. Es war allerdings tatsächlich mal für eine Weile nicht abrufbar — das zeigt ein Test mit der „Wayback Machine“, bei der man ältere Versionen einer Webseite abrufen kann.

Es zeigt sich: Am 8. November um 8:52 Uhr ist das Statement noch abrufbar. Am gleichen Tag um 23:43 Uhr erscheint eine sogenannte „HTTP 302 response“ und man wird automatisch zu donaldjtrump.com weitergeleitet. So bleibt es den gesamten Wahltag über, und erst gestern um 19:40 Uhr ist Trumps Statement zu den Muslimen wieder abrufbar.

Also: Die umstrittene Ankündigung von Donald Trump war zwischenzeitlich tatsächlich nicht abrufbar, allerdings nicht erst nach der erfolgreichen Wahl, sondern schon vor und am Wahltag.

Manche Medien haben erkannt, dass Trumps Aussage inzwischen wieder online einzusehen ist. Handelsblatt.com zum Beispiel. Erst hieß es dort:

Und nun:

Dazu schreibt die Redaktion:

Die meisten Kernforderungen Trumps fanden sich durchweg auf der Website, etwa sein Versprechen, eine unüberwindbare Mauer an der Grenze zu Mexiko hochzuziehen, für deren Bau das Nachbarland zahlen solle.

Dieser Aspekt stammt ebenfalls aus der „Reuters“-Meldung. Und er dürfte nicht stimmen. Die „Washington Post“ hat einen Kampagnensprecher zu dem Thema befragt:

„The website was temporarily redirecting all specific press release pages to the homepage. It is currently being addressed and will be fixed shortly,“ the campaign told The Post in a statement.

Da die „Wayback Machine“ nicht für alle Statements von Donald Trump hinreichend viele Vorgänger-Versionen abgespeichert hat, ist es nicht möglich, diese Aussage komplett zu überprüfen. Es gibt aber Hinweise, dass nicht nur die kontroversesten Pressemitteilungen für eine gewisse Zeitspanne nicht abrufbar waren, sondern deutlich mehr, vielleicht sogar alle.

Nehmen wir mal die drei aktuellsten Trump-Statements:

Die Ursache dafür, dass die Forderung nach einem Einreisestopp für Muslime zwischenzeitlich nicht auf der Trump-Website zu finden war, dürfte also tatsächlich technischer Natur gewesen sein. Oder anders gesagt: Donald Trump hat sich keineswegs von seinen radikalen Forderungen verabschiedet.

Mit Dank an Stefan N. für den Hinweis!

Erschreckend: Nur jeder 50. Journalist erledigt seinen Job

Eine neue Schreckensmeldung treibt die besorgten Redaktionen des Landes um:

Auch in der Print-Ausgabe schnaubt „Bild“:

Die Flüchtlingskrise bringt dem Arbeitsmarkt bis 2017 rund 376 000 Arbeitslose zusätzlich. Das erwartet das Kieler Institut für Weltwirtschaft in seiner aktuellen Konjunkturprognose, die heute vorgestellt wird.

Damit rechnen die Forscher: Bis 2017 kommen 470 000 Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt! Nur jeder Fünfzigste (2%/Monat) findet tatsächlich einen Job!

Nur jeder Fünfzigste!

(„Welt“)

(„Focus Online“)


(„Huffington Post“)


(„n-tv“)

So schreiben es auch die Agentur „Reuters“, Web.de, News.de, „Österreich“, die „Kronen Zeitung“ und natürlich die Flüchtlingshasserblogs und Anti-Islam-Portale.

Aber Moment. Was genau schreibt „Bild“?

Damit rechnen die Forscher: Bis 2017 kommen 470 000 Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt!

Ja, stimmt. In der Prognose (die jeder einsehen kann, PDF) heißt es:

Das Erwerbspersonenpotenzial ist in der Folge im Jahrdurchschnitt 2017 um insgesamt 470 000 Personen höher als ohne die Flüchtlingsmigration.

Und weiter, „Bild“?

Die Flüchtlingskrise bringt dem Arbeitsmarkt bis 2017 rund 376 000 Arbeitslose zusätzlich.

Stimmt auch. Das Institut schreibt:

Die Zahl der Erwerbspersonen ohne Arbeit nimmt hingegen deutlich stärker zu; der kumulierte Effekt in 2017 beträgt 376 000 Personen.

Heißt also: 94.000 (470.000 minus 376.000) finden einen Job.

Das sind aber nicht zwei Prozent, sondern 20. Nicht jeder fünfzigste der (erwerbsfähigen) Flüchtlinge, die bis 2017 nach Deutschland kommen, findet Arbeit, sondern jeder fünfte. Das hat uns auch das Institut auf Nachfrage bestätigt.

Wie kommt es also, dass sich die Medien ums Zehnfache vertun? Weil sie sich offenbar nicht die Prognose selbst angeguckt haben, sondern den irreführenden Formulierungen von „Bild“ gefolgt sind. Das Blatt schreibt:

Nur jeder Fünfzigste (2%/Monat) findet tatsächlich einen Job!

Ja, „2%/Monat“. Das Institut schreibt:

Um den Effekt auf die Erwerbstätigkeit und die Arbeitslosigkeit abzuleiten, unterstellen wir, dass monatlich 2 Prozent der Erwerbspersonen bei der Arbeitssuche erfolgreich sind und eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Das heißt aber nicht zwei Prozent von allen 470.000.

Kleines Beispiel: Wenn diesen Monat 100 erwerbsfähige Flüchtlinge kommen und zwei Prozent einen Job finden, sind 98 Flüchtlinge arbeitslos. Nächsten Monat kommen noch mal 100 erwerbsfähige Flüchtlinge hinzu. Von den nun insgesamt 198 arbeitslosen Flüchtlingen finden wieder zwei Prozent eine Arbeit, also gerundet 4. Wären nach zwei Monaten sechs von 200 Flüchtlingen in Arbeit — also bereits drei Prozent. Oder anders gesagt: Pro Monat hat jeder fünfzigste, insgesamt aber schon jeder dreiunddreißigste Flüchtling Arbeit gefunden.

So kommt das Institut also auf 94.000 arbeitende von 470.000 erwerbsfähigen Flüchtlingen im Jahr 2017. Und das sind 20 Prozent.

In der (ausführlicheren) Online-Version schreibt „Bild“ noch:

„Eine Abgangsrate von 2 Prozent steht mit den bisherigen Erfahrungen in Deutschland zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern aus den Hauptasylzugangsländern in Einklang“, schreibt Groll da zu in der ifw-Prognose.

Den Satz, den Groll im Anschluss schreibt, verschweigt Bild.de. Im Original heißt es:

Eine Abgangsrate von 2 Prozent steht mit den bisherigen Erfahrungen in Deutschland zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern aus den Hauptasylzugangsländern in Einklang. Danach erhöht sich die Beschäftigungsquote (bezogen auf die Erwerbspersonen) in den ersten vier Jahren nach Zuzug von rund 10 Prozent auf 60 Prozent.

60 Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge finden in den ersten vier Jahren Arbeit! Das wäre doch mal eine Schlagzeile. Kommt man allerdings schwer drauf, wenn man sich nur blind auf „Bild“ verlässt.

Mit großem Dank an Martin S.!

Unbekanntes Flugobjekt löst Eilmeldungen aus







Und so sieht er aus, der „Kampfjet“:

Mittlerweile haben die meisten Medien ihre Berichte korrigiert und schreiben jetzt von einer Drohne. Beispielsweise FAZ.net:

Das türkische Militär hat am Freitag nach eigenen Angaben eine Drohne über der Türkei nahe der Grenze zu Syrien abgeschossen. Zunächst hatte es Meldungen gegeben, es habe sich um ein Flugzeug gehandelt.

Und:

Bisher sei nicht bekannt, zu welchem Land das im türkischen Luftraum abgeschossene Objekt gehört habe, teilte der türkische Generalstab auf seiner Internetseite mit.

Bild.de weiß es aber natürlich schon:

Mit Dank an Dawud.

Ich trink‘ Ouzo, und welche Steuererhöhung erfindest du so?

Bei komplexen Themen greifen Redaktionen gern auf knackige Beispiele zurück, das soll einem Bericht wohl was Griffiges geben. Aus den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP entstand so etwa die breite Chlorhühnchen-Debatte, die einige viel diskussionswürdigere Aspekte aus den Schlagzeilen und Artikeln verdrängt haben dürfte.

Als am Montag in Griechenland die vom Parlament beschlossenen Mehrwertsteuererhöhungen in Kraft traten, gab es wieder ein mediales Massenherunterbrechen. Und was picken sich die Journalisten da am liebsten raus? Klar, Sirtaki, Tzatziki oder:

Im welt.de-Text kommt auch ein griechischer Kellner zu Wort:

„Unser Ouzo und Moussaka werden ab Montag leider teurer“, sagte Kostas Sarafis, ein Kellner in der Taverne „Zorbas“ unterhalb der Akropolis von Athen.

Das Zitat stammt aus einer dpa-Meldung. Bloß: Entweder hat der Kellner nicht die Wahrheit gesagt, oder der Reporter hat was durcheinandergebracht. Denn für Moussaka mag die Aussage stimmen, weil die Mehrwertsteuer für Restaurantrechnungen am Montag von 13 auf 23 Prozent gestiegen ist. Für den Ouzo stimmt sie aber nicht. Alkohol unterliegt in Griechenland laut einer Liste der Europäischen Kommission (PDF, Griechenland = „EL“) schon seit Jahren der höchsten Mehrwertsteuer. Und dabei ist es egal, ob der Kunde ihn im Supermarkt, am Kiosk oder in der Taverne kauft:


Niedrigere Mehrwertsteuersätze für Alkohol (wie für alles andere auch) gab es bis Sonntagnacht lediglich auf den griechischen Inseln, nicht aber in der Athener Taverne „Zorbas“.

Nun passte den Redaktionen die dpa-Passage vom teureren Ouzo aber so gut ins Griechenland-Klischee, dass sie sie massig verbreiteten. Manche dachten sich noch flotte Überschriften und Dachzeilen aus …


(fr-online.de)


(n-tv.de)


(nordkurier.de)

… andere übernahmen einfach den dpa-Text und mit ihm das Zitat des griechischen Kellners.

Daneben gab es aber auch einige Medien, die nicht einmal die Agentur-Vorlage brauchten, um den OuzoUnsinn aufzuschreiben.

Mit Dank an Jörg B. und Michalis P.

Bild.de, n-tv.de  etc.

Medien lassen John Rambo gegen „IS“-Terroristen kämpfen

Die Comic-Con in San Diego ist für Journalisten immer ein zuverlässiger Lieferant aufregender Schlagzeilen. Auch nach der diesjährigen Messe gibt es wieder heiße Neuigkeiten, diesmal zur geplanten „Rambo“-Fortsetzung.

n-tv.de fragt:

Und Bild.de weiß:

Das könnte die Kino-Sensation des Jahres werden!

John J. Rambo wird gegen die Terrormiliz ISIS kämpfen. Arbeitstitel des fünften Teils der Kult-Filmreihe: „Rambo. Last Blood.“

Das verriet Sylvester Stallone (68) bei einer Fragerunde auf der Comic-Messe in San Diego. Dass er ein letztes Mal als Vietnam-Veteran John Rambo auf die Leinwand zurückkehren würde, war schon im vergangenen Jahr bekannt geworden. Die Produktion sei jetzt in vollem Gange und sein Team würde zurzeit Drehorte im Irak und in Syrien auswählen, erklärte Stallone laut „Washington Times“.

„Wir arbeiten mit der Bevölkerung vor Ort um das intensivste und realistischste Rambo-Film-Erlebnis überhaupt zu schaffen“, sagte Stallone.

Gut, vielleicht ist die „Washington Times“ nicht gerade die glaubwürdigste Quelle, aber es gibt laut n-tv.de ja noch eine andere:

Während einer Frage-und-Antwort-Runde [auf der Comic-Con] habe ein Fan wissen wollen, ob es eine Fortsetzung zum „Rambo“-Film von 2008 geben werde, schreibt die Zeitung „Washington Post“. „Wir arbeiten tatsächlich gerade daran“, antwortete demnach Stallone. „Wir haben Teams, die sich im Irak umgucken und in Teilen von Syrien, wo der Islamische Staat seine Hochburgen hat.“

Wobei … ob „Washington Times“ oder „Washington Post“ ist im Grunde dann doch ziemlich egal, denn es gibt an dieser Geschichte einen eher generellen Haken: Sylvester Stallone war in diesem Jahr gar nicht auf der Comic-Con.

Sylvester Stallone did not attend Comic-Con 2015, and consequently there was no official remark from him regarding Rambo made there at the event. This is not an accurate report.

… sagte vorgestern ein Sprecher Stallones dem „Rolling Stone“.

Wie sind Bild.de, ntv.de und all die anderen Medien also auf die Story gekommen?

Nun, einige der Journalisten waren so freundlich, ihre Quelle gleich zu verlinken. Bild.de und die „Daily Mail“ zum Beispiel verweisen auf diesen Artikel der „Washington Times“:

… der interessanterweise fast genauso aussieht wie der Artikel der „Washington Post“:

Um zu erkennen, dass es sich hier weder um die echte „Washington Post“ noch um die echte „Washington Times“ handelt, muss man nicht einmal deren tatsächliche Seiten kennen. Man muss sich bloß diese billige Aufmachung und die URL anschauen (washingtonpost.com.co), um stutzig zu werden, und wenn man dann noch ins einen Klick entfernte Impressum schaut, wo steht:

This website is in no way affiliated with http://washingtonpost.com

… dann dürfte zumindest klar sein, dass hier irgendwas gehörig faul ist.

Klar, die Journalisten hätten auch bis zum Ende des Artikels scrollen …

… und auf den Link zu „National Report“ klicken können, und wenn sie dort ins Impressum geschaut hätten, hätten sie gelesen:

National Report is a news and political satire web publication, which may or may not use real names, often in semi-real or mostly fictitious ways. All news articles contained within National Report are fiction, and presumably fake news. Any resemblance to the truth is purely coincidental.

Aber irgendwann ist auch mal gut, sonst müssten die Journalisten ja das tun, was Journalisten tun müssten.

Immerhin: n-tv.de hat den Fehler (nach dem Hinweis einer BILDblog-Leserin) inzwischen bemerkt, in einer Anmerkung das Dementi des Stallone-Sprechers ergänzt — und die Stelle „schreibt die Zeitung ‚Washington Post’“ unauffällig in „hieß es in einem Medienbericht“ geändert.

Bei Bild.de glauben und verkünden sie derweil immer noch, John Rambo werde schon bald „gegen die Terrormiliz ISIS kämpfen“.

Mit Dank an Katharina S.

Die Ente mit der pinken Katze

Katzencontent geht natürlich immer, und wenn es sich dann noch um ein armes, pinkes, grausam verendetes Kätzchen handelt, ist das deutschsprachigen „News“-Portalen auch schnell mal einen prominenten Platz auf der Startseite wert.

Bild.de:

Auf einer russischen „Pretty-in-pink-Party“ musste jeder geladene Gast in Pink erscheinen, auch das Kätzchen von Lena Lenia! Jetzt starb die Katze an ihrer Fellfarbe. Durch das Lecken am pinken Fell hat das Kätzchen toxische Gifte aufgenommen. Laut Tierarzt soll dies zu einer Vergiftung geführt haben.

Rtl.de berichtet gleich mehrfach:

News.de:

Oe24.at:

N-tv.de:

N24.de:

Die Geschichte kommt ursprünglich vom britischen Knallportal „Mail Online“ und sorgt seither europaweit für Empörung, angeblich haben sogar 30.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die eine Gefängnisstrafe für die Katzenbesitzerin fordert. Für viele deutsche Kommentarschreiber ist das noch zu wenig, sie fordern:

Diese Frau gehört erschossen!

diese Scheißbande sofort in Säure schmeißen…… aber vorher die Haut mit stumpfen Klingen ritzen

Deppate drecksnutte gehört verbrennt die sau!

Und was sagt die Beschuldigte? Laut N24.de ist sie sich …

keiner Schuld bewusst: Auf ihrem Blog rechtfertigt sie die Aktion.

Folgt man dem Link und liest, was dort steht (was leider weder N24 noch sonst irgendeiner der abschreibenden Journalisten getan hat), erfährt man ein nicht ganz unwesentliches Detail dieser Geschichte: Die Katze ist gar nicht tot. Sie lebt putzmunter (und schon deutlich weniger pink) bei einer neuen Besitzerin:

Im Text erzählt die neue Besitzerin, dass kein einziger Journalist sie kontaktiert habe, um zu überprüfen, ob die Geschichte überhaupt stimmt.

„Es ist sehr traurig, dass die Menschen alles glauben, was in den Boulevardmedien steht, die nicht mal die Fakten checken.“

Elena Lenina, die die Katze gefärbt hatte und der nun Hunderte Menschen öffentlich den Tod wünschen, will juristisch gegen die Falschmeldungen vorgehen.

Mit Dank an Katharina K.

Nachtrag, 20.25 Uhr: N24 hat sich für den Fehler entschuldigt und den Artikel gelöscht.

Kurz korrigiert (503)

In einem Artikel über den Milliardär Carl Icahn schreibt n-tv.de:

Was für einen gewaltigen Einfluss Icahn hat, demonstrierte er eindrucksvoll Mitte der Woche. Er kündigte auf Twitter lediglich an, dass er einen interessanten Brief an Cook schreiben werde. Sofort stieg die Aktie um mehr als zwei Prozent. Icahn ist an Apple mit 0,9 Prozent beteiligt. Sein Aktienpaket von etwa 53 Millionen Dollar war somit rund 100 Millionen Dollar wertvoller als zuvor.

Logisch! Denn wenn 0,9 Prozent 53 Millionen Dollar wert sind und das Ding um zwei Prozent steigt, macht das insgesamt also … drei im Sinn … 153 Millionen!

Nein?

Nein.

Aber bevor Sie jetzt groß rumrechnen: Mit den Zahlen hat der Fehler (vermutlich) gar nichts zu tun.

Das Aktienpaket von Icahn umfasst nämlich nicht 53 Millionen Dollar, sondern 53 Millionen Aktien — mit einem Gesamtwert von etwa 5,3 Milliarden Dollar. Und zwei Prozent von 5,3 Milliarden sind tatsächlich rund 100 Millionen. Kurzum: Wenn man im zitierten Absatz das erste „Dollar“ durch „Aktien“ ersetzt, dann stimmt’s. Anscheinend hat sich n-tv.de also nicht verrechnet, sondern verschrieben. Macht die Sache zwar nicht richtiger, aber zumindest weniger peinlich.

Mit Dank an Yannick.

Nachtrag, 11. Oktober: n-tv.de hat den Fehler transparent korrigiert.

dpa, n-tv.de  etc.

Die Nichtzahlen nichtzahlender Piraten

Die größten Schlagzeilen sind Nachrichten, die sehr unwahrscheinlich sind. Das Problem ist nur, dass Nachrichten, die sehr unwahrscheinlich sind, oft auch gar nicht stimmen.

Die Nachricht, die die Agentur dpa am heutigen Sonntagmorgen über die Ticker schickte, klang sehr unwahrscheinlich: In Niedersachsen gebe es in der Piratenpartei nur noch zwei Menschen, die ihren Mitgliedsbeitrag zahlen. In Bayern und Baden-Württemberg sei der Anteil der zahlenden Mitglieder innerhalb eines guten Jahres „dramatisch“ gefallen: von über 50 Prozent auf sechs bis sieben Prozent.

Inbesondere die Angaben über Niedersachsen wären ein guter Anlass gewesen, die dpa-Zahlen zu bezweifeln, denn bei den Piraten sind nur zahlende Mitglieder stimmberechtigt, und in Niedersachsen hat gerade erst vor vierzehn Tagen ein Parteitag stattgefunden — mit offenkundig mehr als zwei Stimmberechtigten.

Quelle für die dpa-Meldung war eine Aufstellung der Piraten im Internet, aus der sich auch scheinbar ergab, dass in Bremen kein einziger Pirat seine Mitgliedsbeiträge zahlte.

Allerdings stand über der Tabelle auch ein etwas kryptischer Hinweis, der der Agentur und den Medien vielleicht eine Warnung hätte sein sollen:

Diese Zahlen beruhen auf (noch nicht bearbeiteten) Anträgen und den schon eingepflegten Mitgliedsanträgen der Landesverbände.

Inzwischen hat die Partei den Hinweis deutlich erweitert. Jetzt lautet er:

Diese Zahlen beruhen auf (noch nicht bearbeiteten) Anträgen und den schon eingepflegten Mitgliedsanträgen der Landesverbände. An jedem 01.01. eines Jahres setzen wir den Stand der stimmberechtigten Mitglieder wieder auf „0“ weil dann ein neues Jahr beginnt und damit laut Satzung die Stimmberechtigung für Mitglieder vorerst nicht gegeben ist.

Die Mitglieder zahlen in der Regel ab Dezember und im ersten Quartal regelmäßig ihren Beitrag auf unsere Konten ein. Sobald die Schatzmeister diesen Eingang in unserer zentralen Buchhaltung buchen, sehen wir intern den aktuellen Stand unserer stimmberechtigten Mitglieder. Unsere Schatzmeister arbeiten ehrenamtlich, in der Regel sind sie im Frühjahr noch damit beschäftigt, das Vorjahr ordnungsgemäß zu buchen. Diese Buchungen sind für unsere Schatzmeister aktuell vorrangig, bevor sie die Mitgliedsbeiträge im laufenden Jahr buchen, damit der Abschluss des Vorjahres fertiggestellt werden kann.

„Spiegel Online“ hatte am Morgen die falsche dpa-Meldung übernommen, aber nach Hinweisen auf Twitter schnell selbst recherchiert und transparent korrigiert. Aus der Überschrift „Schlechte Zahlungsmoral: Mehrheit der Piraten zahlt Mitgliedsbeitrag nicht“ wurde „Fehlende Jahresbeiträge: Verwirrung um Zahlungsmoral der Piraten“.

Die Bundesschatzmeisterin Swanhild Goetze veröffentlichte noch am Vormittag eine Erklärung.

Die Agentur dpa verabschiedete sich nur zögernd von ihrer Berichterstattung. Um 11:23 Uhr warnte sie ihre Kunden:

Der Bundesverband der Piratenpartei hat in Medienberichten angegeben, dass die im Internet verbreitete Aufstellung über die Zahl der Mitglieder nicht aktuell ist. Diese Angaben waren Ausgangspunkt der dpa-Umfrage „Piraten leiden unter dramatischem Schwund zahlender Mitglieder“. dpa bietet schnellstmöglich eine klärende Berichterstattung an.

Erst um 12:59 Uhr rief sie ihre Meldung zurück. In einer Neufassung um 14:42 Uhr heißt es nun:

Bei Piraten zeichnet sich sinkende Zahlungsmoral ab

Berlin (dpa) – In mehreren Landesverbänden der Piratenpartei zeichnet sich ein Schwund zahlender Mitglieder ab. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter den Verbänden schlagen sich die Querelen in der Bundesspitze teilweise auch auf die Zahlungsmoral der stimmberechtigten Mitglieder nieder. „Die Tendenz ist klar“, hieß es am Sonntag aus Kreisen der süddeutschen Landesverbände. (…)

Die Bundespartei bestritt am Sonntag, dass sich aus den ins Internet gestellten Mitgliederzahlen ein Trend zum Rückgang ablesen lasse. Nach dieser Statistik wäre die Zahl der zahlenden Mitglieder von 60 Prozent Ende 2011 auf etwa ein Drittel Anfang 2013 gefallen. Es handele sich jedoch nur um Arbeitsstände der Landesverbände, aus denen sich nicht schließen lasse, wieviele Mitglieder aktuell ihre Beiträge bezahlt hätten und damit stimmberechtigt seien, sagte Bundesschatzmeisterin Swanhild Goetze der dpa.

Doch nicht alle Medien, die die dpa-Meldung übernommen hatten, wollten sich wieder von den aufregenden Zahlen verabschieden. So referiert n-tv.de erst das Dementi der Piraten, behauptet dann aber unberirrt:

Der größte Landesverband in Bayern hat 6835 Mitglieder – 2500 mehr als Ende 2011. Davon zahlten aber nur noch 470 Beiträge. Das sind noch 7 Prozent der Mitglieder. (…)

Düstere Zahlen verzeichnen auch die Piraten in Baden-Württemberg. Gerade mal 6 Prozent der Mitglieder zahlen noch ihren Beitrag. (…)

In Niedersachsen ist es in Sachen Finanzen noch schlimmer: Von den 782 Zahlern 2011 sind noch ganz 2 übrig geblieben.

Dass das nicht stimmt, ist für n-tv.de kein Grund, es nicht mehr zu behaupten.

Mit Dank an Christian N.

Nachtrag. n-tv.de hat den Artikel überarbeitet und um den Text ergänzt:

An dieser Stelle wurde ursprünglich gemeldet, dass der Anteil der zahlenden Mitglieder von 60 Prozent (Ende 2011) auf etwa ein Drittel (Anfang 2013) gefallen sei. Diese Information ist falsch. Sie beruhte auf einem Missverständnis der im Internet aufgeführten Mitgliederstatistik.

Sportlich, sportlich (5)

Der FC Bayern München gibt sich derzeit viel Mühe, den Kampf um die Deutsche Meisterschaft schon am 8. Spieltag als langweilig und „gelaufen“ erscheinen zu lassen.

Oder, in den Worten von n-tv.de:

Wer sieht, wie der FC Bayern durch die Fußball-Bundesliga stürmt, der fragt sich schon, wer diese Münchner noch stoppen kann.

Der Verein hat eine ganze Menge Rekorde und Serien zu feiern:

Die Bayern haben ihre Partien allesamt gewonnen, so viele wie nie zuvor eine Mannschaft zum Start in eine Saison. […] In diesen acht Spielen haben die Münchner 24 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Auch das gab es noch nie. Was soll da noch passieren?

Wie man es dreht und wendet: Die Behauptung, das habe es „noch nie“ gegeben, dass ein Verein am achten Spieltag „ganze zwei Gegentreffer kassiert“ habe, ist falsch.

In der Saison 2001/2002 hatten die Bayern nämlich exakt zwei Gegentore. Und es geht sogar noch besser: Vor einem Jahr hatten sie nur ein Gegentor auf dem Konto, in der Saison 2003/2004 hatte der VfB Stuttgart gar noch kein einziges.

Mit Dank an Joachim.

Nachtrag, 15.10 Uhr: Bayern hat aktuell übrigens 26 Tore geschossen, nicht 24, wie n-tv.de behauptet.

Mit Dank an Ansgar.

2. Nachtrag, 15.55 Uhr: n-tv.de hat die Stelle unauffällig überarbeitet:

In diesen acht Spielen haben die Münchner 26 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Was soll da noch passieren?

Ihr EUmel! (3)

Den Unterschied zwischen Europäischer Union (EU) und Europarat haben wir schon ein paar Mal zu erklären versucht, wenn es um den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ging, der ein Organ des Europarats ist und kein „EU-Gericht“.

Die Staatengruppe des Europarats gegen Korruption (GRECO) hat gestern einen Bericht veröffentlicht, in dem sie bemängelt, dass die deutschen Regeln bei der Korruptionsbekämpfung und den Parteifinanzen noch weit von den europäischen Vorgaben entfernt sind.

Die Deutsche Presseagentur (dpa, wir werden diese ganzen Abkürzungen irgendwann abfragen) hat dazu gestern eine kleine Meldung veröffentlicht, die sie einigermaßen klar mit „Europarat kritisiert Berlin wegen Korruption und Parteifinanzen“ überschrieb.

n-tv.de hat diese Meldung gestern beinahe unbearbeitet übernommen. Die Redakteure haben zwei Wörter geändert, einmal „Geco“ statt „GRECO“ geschrieben und sich eine eigene Überschrift und einen Vorspann ausgedacht:

Mögliche Bestechung und Spenden: EU moniert Korruption in Berlin. 20 Empfehlungen gibt es vom Europarat zur Bekämpfung von Korruption. Deutschland ignoriert bislang mehr als drei Viertel davon, sagen die EU-Experten. Bestechlichkeit von Abgeordneten sei nur eingeschränkt strafbar, auch die Regelungen zur Parteienfinanzierung über Spenden seien "unzureichend".

Mit Dank an Alex B.

Nachtrag, 4. April: n-tv.de hat den Artikel überarbeitet.

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