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Kevin Kuranyi in Nuss-Nougat-Skandal verwickelt

Neulich hat die “taz” ja bei der “Bild”-Zeitung nachgefragt, wie es eigentlich kommt, dass sie so oft auf die Produkte ihres guten Werbekunden Ferrero hinweist, über Dreharbeiten zu “Nutella”-Werbespots berichtet, Arne Friedrich “Nutella-Arne” nennt, Magdalena Brzeska für “Milchschnitte” werben und dafür als “Gewinnerin des Tages” hochleben lässt. Und die Axel Springer AG hat anstelle einer Antwort gesagt, es sei ja “absurd”, nicht den Namen des Produktes zu nennen, wenn zum Beispiel “eine sehr populäre Sportlerin einen großen Werbevertrag bekommt”.

Mit anderen Worten: An manchen Nachrichten und den damit verbundenen Markennamen kommt eine Zeitung wie “Bild” einfach nicht vorbei, so gerne sie es würde.

Und bestimmt hätte “Bild”-Autor Peter Heinlein seine heutige Medienkolumne auch lieber mit einer anderen Meldung aufgemacht — aber dann kamen ihm halt die Breaking News dazwischen, dass es einen neuen “Nutella”-Werbespot gibt, und dass nicht völlig auszuschließen ist, dass es wegen dem “Ärger” geben könnte. In dem Spot sieht man nämlich, wie Kevin Kuranyi (oder “Nutella-Kevin”, wie “Bild” ihn sicher bald nennen wird) ein Glas mit einer anderen Sorte Nuss-Nougat-Creme einfach hinter sich wirft. Ungegessen, jawohl! Peter Heinlein, der sich auskennt, schreibt:

Nicht nur Eltern reagieren entsetzt auf solche Details. Wo kommen wir denn dahin, wenn Jugendidole anfangen, Nahrung wegzuwerfen?

Ja, wo?

Heinlein verrät es uns nicht. Aber er zeigt auf Bild.de sicherheitshalber den neuen “Nutella”-Werbespot im Original. Alles andere wäre ja vermutlich auch “absurd”.

Mit Dank an Josef D.!

Gestern Freibier!

Nicht, dass jemand der “Bild”-Zeitung nachsagt, sie trenne nicht ordentlich zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten. Das hier zum Beispiel in der “Bild”-Zeitung von gestern war Werbung:

Und das hier war redaktioneller Inhalt:

Und die Unterscheidung ist ganz leicht. Werbung ist das, über dem “Anzeige” steht:

Und wenn Ihnen das ein bisschen inkonsequent erscheint, müssen wir antworten: Nein, das ist für “Bild” total konsequent.

Das Santenmännchen ist wieder da

Was bedeutet es eigentlich, wenn “RWI-Experte Manuel Frondel” in “Bild” sagt:

"Durch eine Verschiebung des Atomausstiegs um 20 Jahre könnten uns Kosten von 50 Milliarden Euro und mehr erspart bleiben."

Bedeutet das wirklich, dass mit einer “Milliarden-Ersparnis für Wirtschaft und Verbraucher” zu rechnen sei, wie “Bild” behauptet (und “Focus Online” weiterverbreitet)?

Nicht unbedingt. Wie der “Klima-Lügendetektor” berichtet, räume sogar “RWI-Experte” Frondel auf Nachfrage ein, dass “die Erzeugungskosten erstmal nichts mit dem Endpreis des Stroms zu tun” hätten. Die errechnete Ersparnis falle vielmehr bei den Stromkonzernen an und müsse von denen natürlich nicht an die Verbraucher weitergegeben werden – was Frondel “so auch nie gesagt” haben will, offenbar nicht mal zu “Bild”.

Die 7 “Bild”-Wahrheiten über unsere Kernkraft:

1. “Kernkraft ist sicher”

2. “Kernenergie gehört zum Energiemix der Zukunft”

3. “Kernkraft dämpft den Preisanstieg beim Strom”

4. “Der Ausstieg schadet dem Standort Deutschland”

5. “Kernkraft ist gut für den Klimaschutz”

6. “Das Problem mit dem Atomabfall ist ungelöst”

7. “Die Zustimmung zur Kernenergie wächst”

Der “Klima-Lügendetektor” schließt aber nicht mal aus, dass Frondel in seinem “Bild”-O-Ton mit “uns” ohnehin nicht “Wirtschaft und Verbraucher” (also uns) gemeint hat, sondern bloß seine unsere Energiewirtschaft.

Und die dürfte sich dann nicht nur über die via “Bild” in Aussicht gestellte “Milliarden-Ersparnis” freuen, sondern auch über den “Bild”-Artikel drumherum mit der Überschrift: “7 Wahrheiten über Kernkraft”. Immerhin sechs der sieben “Wahrheiten” fallen da für die Kernkraft überraschend positiv aus (siehe Kasten) – und achtens steht oben drüber als Autor: “Oliver Santen”.
 

Absolut schmerzfrei

Woll’n wir wetten?! Wetten, dass Bild.de in ein paar Wochen einen Artikel über eine 31-jährige Frau aus Amsterdam (Bild.de nennt sie “Marie Stein”) veröffentlichen wird, die sich gut acht Monate nach der Geburt ihrer Tochter ihre Vagina hat operativ verengen lassen – und ihre Vagina-“Verjüngung” supidupi und problemlos überstanden hat? Und jede Wette, dass die Frau die Frage nach ihrem Befinden in etwa so beantworten wird:

Gut, vielen Dank. Ich habe mich schnell erholt und bin froh, es gemacht zu haben. (…) Ich bin sehr zufrieden und absolut schmerzfrei. Mein Mann und ich haben jetzt endlich wieder ein erfülltes Sexualleben. Endlich bin ich wieder so wie früher – entspannt, selbstbewusst und glücklich.*

Oder so:

Ich finde meinen Körper wieder schön, kann mich beim Sex gehen lassen. Ich würde es wieder machen.**

Wer jetzt dagegenhalten will, sollte vorher vielleicht noch mal einen kurzen Blick auf einen bereits vor ein paar Tagen veröffentlichten Bild.de-Artikel zum Thema “Vaginaverjüngung” riskieren, in dem’s am Ende heißt:

Am 1. Juli wird sich Marie Stein in der Klinik Sensualmedics von Prof. Stefan Gress die Vagina verengen lassen. Der Münchener Chirurg hat sich auf Intim-Operationen spezialisiert. (…) Nach der OP wird BILD.de wieder mit der Mutter sprechen.

Wer danach immer noch mit uns wetten will, kann ja schnell mal das von Bild.de verlinkte Wörtchen “Sensualmedics” anklicken. Denn auf sensualmedics.com findet sich u.a. folgende Eigenanzeige:

"Für seröse [sic] TV- und Presseberichterstattung suchen wir Frauen, die eine Intimoperation wie z. B. Schamlippenkorrektur, Vaginalverengung oder G-Punkt-Intensivierung planen. Diskretion und absolute Seriosität wird zugesichert. (...) Attraktive Konditionen!"

Kurzum: Wir würden sogar wetten, dass das, was Sensualmedics “Presseberichterstattung” nennt, im Volksmund eher als “Schleichwerbung” bezeichnet würde. Nur auf die “absolute Seriosität”, die Sensualmedics ihren Testimonials für die “Presseberichterstattung” zusichert, würden wir (mit Blick auf Bild.de) keine müde Mark setzen.

*) Zitiert aus einem “Interview”, veröffentlicht auf Sensualmedics.com in der Rubrik “Pressetexte direkt zum Ausdrucken und Bearbeiten”.

**) Zitiert aus einem “Real-Report” des Springer-Magazins “Jolie” (3/2008), veröffentlicht auf Sensualmedics.com in der Rubrik “Wir in den Medien”.

Nachtrag, 6.7.2008: Inzwischen wurde die Suchanzeige auf der von Bild.de verlinkten Sensualmedics-Website entfernt.

“WM-Knaller” jetzt “Lidl-EM-Paket” mit Wurst

Da soll doch noch mal einer behaupten, die Sanktionen des Presserats wirkten nicht. Im Sommer 2007 hatte der Beschwerdeausschuss nach einigem hin und her dann doch einen “Hinweis” gegen die “Bild”-Zeitung ausgesprochen, weil sie ein Jahr zuvor mit ihrem “WM-Knaller von Lidl und BILD” (siehe Ausriss) gegen die Ziffern sechs und sieben des Pressekodex verstoßen hatte (wir berichteten).

In der Begründung führte der Presserat aus:

Nach Meinung des Gremiums gerät im vorliegenden Fall das Ansehen der Presse (Ziffer 6 des Pressekodex) in Gefahr, wenn eine werbliche Veröffentlichung, die redaktionell gestaltet ist, den redaktionellen Aufmacher auf der Titelseite ersetzt. Der Leser erwartet dort weder einen Eigenmarketingbeitrag noch Werbung.

Dadurch, dass an einer Stelle, an der sonst redaktionell berichtet wird, ein Eigenmarketingbeitrag veröffentlicht wurde, wird zudem die in Ziffer 7 des Pressekodex geforderte klare Trennung von Werbung und Redaktion aufgehoben.

"Lidl-EM-Paket exklusiv in BILD"Das hat man sich bei “Bild” offenbar zu Herzen genommen. Statt eines “WM-Knallers” präsentiert “Bild” heute exklusiv das “Lidl-EM-Paket” (siehe Ausriss). Wer sich am kommenden Montag die “Bild”-Zeitung kaufe, den darin abgedruckten Coupon ausschneide und damit “zu einer der 2600 Lidl-Filialen” gehe, bekomme für “nur einen Euro” sechs Flaschen “Grafenwalder Premium Pils” und ein Paket Grillwürstchen (“Dulano, 350 Gramm”). Das sei “der Party-Hammer”.

Beim “WM-Knaller” gab’s noch für 99 Cent sechs Flaschen “köstliches Grafenwalder Premium-Pils”, “eine große Tüte knackige Erdnuß-Flips”, eine Deutschland-Fahne und keine Wurst. Und der heutige “Eigenmarketingbeitrag” ist, anders als der “WM-Knaller”, auch nicht der “Aufmacher auf der Titelseite” – sondern eine Titelgeschichte.

Eine Kennzeichung als “Anzeige”, deren Fehlen der Presserat beim “WM-Knaller” moniert hatte, sucht man indes auch hier vergeblich.

Aber vermutlich wird dort auf der “Bild”-Titelseite sonst ohnehin nicht redaktionell berichtet. Und der Leser wäre total überrascht wenn doch oder so.

Mit Dank an Steffen H. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 16.6.2008: “Bild” hat es geschafft, in ihrer heutigen, ähm, Berichterstattung über “Bier und Grillen für 1 Euro”, also das “Super-EM-Paket von Lidl und BILD”, bzw. “Die größte EM-Aktion aller Zeiten”, das Wort “Anzeige” unterzubringen. Sogar zwei Mal.

Größenwahn

Zur aktuellen “Bild”-Werbekampagne (siehe hier) hätten wir noch Folgendes zu sagen:

Der wildewilde Westen fängt gleich Hinterindien an

In ihrer aktuellen Plakatkampagne (siehe Abb.) wirbt die “Bild”-Zeitung u.a. damit, dass sie Kolumbus mit ihren großen Buchstaben auf seinen großen Entdecker-Irrtum aufmerksam gemacht hätte, wenn… ja, wenn es die “Bild”-Zeitung damals schon gegeben hätte.

Von wegen!

Am 13.10.1492 hätte die “Bild”-Zeitung natürlich so ausgesehen:

Mit Dank ans Notizblog fürs “Bild”-Plakat.

Markenticktatuhr

"Großer Uhrenvergleich in Genf: Diese Promis ticken richtig"In Genf ist gerade Uhrenmesse. Und “Bild” ist in Person von “BILD-Chefreporterin” Annette Pawlu mit dabei. Kein Wunder, da sind ja auch die ganzen Prominenten und halten zum Beispiel ihre Uhren in die Kameras: Zinedine Zidane, Boris Becker, Oliver Bierhoff, Kevin Spacey, Jean Reno, Sebastian Koch oder Johann Lafer.

Uhrenhersteller sind natürlich auch vor Ort. Die “16 nobelsten Uhrenmarken der Welt”, stand gestern (siehe Ausriss) in “Bild” – und dass der Fußballer Zinedine Zidane sich eine Uhr “bei IWC”, einem Schaffhausener Uhrmacher, aussuchte. Heute erfahren wir, dass IWC “schon wieder” eine Party geschmissen hat.

"Hitzfeld (schmunzelt): „Ich werde mir eine schöne Uhr von IWC bestellen. Ich habe sie mir schon ausgesucht...“"Apropos IWC. “Meistertrainer” Ottmar Hitzfeld erzählte bereits vorgestern im “Bild”-Sportteil, dass er sich “eine schöne Uhr von IWC bestellen” werde: “Ich habe sie mir schon ausgesucht…”.

Ob sich Boris Becker, Oliver Bierhoff, Kevin Spacey, Jean Reno, Sebastian Koch oder Johann Lafer auch eine IWC aussuchen würden, steht nicht in “Bild”. Aber Boris Becker und Oliver Bierhoff sind “Botschafter” für IWC, ebenso wie Zinedine Zidane und Ottmar Hitzfeld “Botschafter” für IWC sind. Kevin Spacey hat schon auf der Uhrenmesse im vergangenen Jahr für IWC geworben. Schon damals wurde auch Jean Reno mit einer IWC gesichtet. Dass Sebastian Koch eine “schwarze IWC-Flieger-Uhr” trägt, berichtete Norbert Körzdörfer im Dezember 2007. Johann Lafer trägt Berichten von Uhrliebhabern zufolge öfter eine “Keramik Doppelchrono von IWC”. Und alle diese IWC-Promis tauchten im Zusammenhang mit IWC in den letzten drei “Bild”-Ausgaben auf.

Wie das Schweizerische Wirtschaftsmagazin “Bilanz” kürzlich schrieb, werben IWC-“Botschafter” für ihren Werbepartner übrigens “diskret und ohne Testimonials”.

Bleibt die Frage, welche eigentlich die anderen 15 “nobelsten Uhrenmarken der Welt” sind, die in Genf ausstellen. Darüber erfährt man nämlich gar nichts in “Bild”. Aber wahrscheinlich haben die keine so gerissene Werbestrategie schmeißen die einfach nicht so gute Partys.

Mit Dank an Christian H. für den sachdienlichen Hinweis.

Spot-Dernière

Man muss ja nicht immer gleich an Schleichwerbung denken, bloß weil Bild.de darüber berichtet, für welches Versandhaus Sylvie van der Vaart vom Katalog-Cover lächelt, für welche Firma Matthias Reim, Wayne Rooney, die Klitschkos, Roberto Blanco und Jürgen Drews in einem TV-Spot mitspielen — oder Michael Schumacher und Kimi Räikkönen.

Aber wenn es heute zu Schumi und Kimi bereits auf der Bild.de-Startseite heißt…

"Neue Schumi-Werbung -- Wussten Sie schon, dass Formel-1-Star Kimi Räikkönen deutsch spricht? Nein? Dann müssen Sie unbedingt den neuen TV-Spot von Fiat sehen"
… dann kommt man schon ins Grübeln. Vor allem, weil die “neue Schumi-Werbung”, die Bild.de redaktionell doch eher spärlich aufbereitet, seit immerhin fast zwei Monaten im deutschen Fernsehen läuft.

Mit Dank an Jens V. und Matthias K.

Noch 3 Wahrheiten über Mindestlohn

“Bild” lässt ja heute “Prof. H.-W. Sinn”, der gestern bereits auf der “Bild”-Titelseite vorm Mindestlohn warnen durfte, seine “7 Wahrheiten über Mindestlohn” aufzählen. (Die sind, wer hätt’s gedacht, nicht sonderlich erfreulich: Schließlich ist der Springer-Konzern mehrheitlich an der PIN AG beteiligt, die die Einführung eines Mindestlohns für Briefdienstleister unmittelbar betrifft. In “Bild” stand davon, wie gewohnt, kein Wort.) Aber gut, Herr Sinn, wir zählen mit:

    1. Vernichtet Jobs!
    2. Schlecht für Geringverdiener!
    3. Schadet dem Wettbewerb!
    4. Schützt den Monopolisten Post!
    5. Wiederholt Fehler der Vereinigung!
    6. Ist schlechter als Mindesteinkommen!
    7. Zeigt die Verlogenheit der Politik!

Weil aber erst 10 Wahrheiten über Mindestlohn eine runde Sache sind, hätten wir noch drei weitere:

    8. Nicht so schlimm, wie Prof. Sinn behauptet!
    “Zeit Online” nennt die heute von Sinn wiederholte Behauptung, ein bundesweiter Mindestlohn wie in der Post-Branche würde bis zu 1,9 Mio. Jobs kosten, kurz und knapp “die 1,9-Millionen-Saga” und referiert Zweifel am Sachgehalt der Schätzung.

    9. Gute Gelegenheit für Springer, Fehler zu vertuschen!
    Das ARD-Politmagazin “Report Mainz” zitierte gesternabend u.a. den ehemaligen Springer-Chef Jürgen Richter mit der Aussage, der Springer-Konzern versuche beim Thema Mindestlohn “Managementfehler, die in der Vergangenheit und in den letzten Jahren passiert sind, jetzt auf das Thema Politik abzuwälzen”.
    10. Dem Bundestag sind “Bild”-Wahrheiten schnurz!
    Trotz “Bild”-Kampagne hat der Bundestag heute mit großer Mehrheit einen Mindestlohn für Briefdienstleister beschlossen. (Von Ausnahmen abgesehen war nur die FDP dagegen.)

Und natürlich berichtete nach der Niederlage im Anschluss auch Bild.de. Aber nicht nur das. Nein, Bild.de veröffentlicht unkommentiert eine “Stellungnahme” der Axel Springer AG, die wortgleich auch auf der Springer-Website steht — uuuuund:

“BILD.de hat die Liste, wie die Abgeordneten abgestimmt haben” und “zeigt das komplette Ergebnis zum Download”!

Woher Bild.de die Liste mit dem kompletten Ergebnis “hat”, das man sich von der Bild.de-Website runterladen kann, verrät Bild.de nicht. Wir schon: Runtergeladen von der Bundestags-Website nämlich und zum Herunterladen hochgeladen.

Cool, oder? Das flasht… Oder doch nur großes Kino?

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