Archiv für focus.de

Im Trüben fischen

Am Ende kann die Onlineredaktion der „Hamburger Morgenpost“ sagen: „Na also, lagen wir doch richtig.“ Und schon wirkt es gar nicht mehr so schlimm, wie die „Mopo“-Mitarbeiter vor zwei Tagen über den möglichen Tod eines Menschen spekuliert haben.

Donnerstagmorgen entdeckte der Schiffsführer einer Fähre im Hamburger Hafen einen leblosen Körper. Die Polizei barg die Wasserleiche, untersuchte ihr Gebiss und stellte fest, dass es sich um den seit elf Wochen vermissten Timo K. handelt. Gestern präsentierten die Beamten die Obduktionsergebnisse, es gab Gewissheit. Überregional hatten Medien seit Januar über K.s Verschwinden und die Suche nach ihm berichtet, nicht nur, aber auch weil er beim Fußballverein HSV arbeitete.

Bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden des Leichenfunds begann bei mopo.de die Spekulation, ob es sich um Timo K. handeln könnte. Die Redaktion schlagzeilte am Donnerstagvormittag:


(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Artikel durch uns.)

Zu diesem Zeitpunkt stand noch nichts fest. Es gab Vermutungen, schließlich wurde K. ganz in der Nähe zum letzten Mal gesehen. Doch es gab auch Informationen, die gegen diese Vermutungen sprachen. „MOPO-Informationen“:

Nach ersten MOPO-Informationen sei allerdings unwahrscheinlich, dass es sich bei der Wasserleiche um K[.] handle. Kleidung und Erscheinungsbild würden laut Feuerwehrsprecher nicht zu dem Vermissten passen.

Diese Passage stammt aus demselben Artikel, der in der Überschrift noch rätselt, ob „der Tote der verschwundene HSV-Manager“ ist. Die Redaktion widersprach sich selbst.

Gut anderthalb Stunden später berichtete auch „Focus Online“ über den Fund im Hamburger Hafen. Dort wussten die Mitarbeiter zwar genauso wenig wie ihre „Mopo“-Kollegen, wählten für die Optik aber ein Foto von K. und brachten so seinen möglichen Tod ins Spiel:

Nach ersten Untersuchungen hatte die Polizei dann doch Hinweise gefunden, dass es sich bei der Wasserleiche um K. handeln könnte, dessen Personalausweis zum Beispiel. Bei mopo.de gab es nach Mutmaßüberschrift und Widerlegung im Text die nächste Wendung:

Die Onlineredaktion des „Hamburger Abendblatts“ schrieb zwar, dass sich die Polizei nur „nahezu sicher“ sei — für die Tatsachenbehauptung, dass man die „Leiche von Timo K[.] gefunden“ habe, reichte das aber offenbar:

Inzwischen ist sich die Polizei also komplett sicher, dass es sich bei der Wasserleiche um Timo K. handelt. Die Medien lagen mit ihren Anfangsspekulationen richtig, ohne dass sie dafür eindeutige Anhaltspunkte hatten. Bei ihren redaktionellen Entscheidungen, ob sie eine vermisste Person mit dem Fund einer Wasserleiche in Verbindung bringen, obwohl noch nichts feststeht, scheint die mögliche Wirkung auf die Familie des Vermissten, auf dessen Freunde und Kollegen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Hauptsache eine gut klickende Titelzeile.

Vor einigen Wochen gab es bei Bild.de diese Schlagzeile:

Am Ende stellte sich raus: Es stand nicht mal fest, ob das gesichtete Objekt überhaupt eine Wasserleiche war.

Mit Dank an Matthias H., Günther T. und @dermobby für die Hinweise!

„Focus Online“ macht die AfD größer als sie ist

Schauen Sie sich mal dieses Balkendiagramm und diesen Teaser an:

Die Redaktion von „Focus Online“ hat das gestern bei Facebook gepostet. Und es scheint doch so, als hätte die AfD „im Vergleich zur Vorwoche“ so sehr „an Boden“ gewonnen, dass sie jetzt mit der SPD gleich aufliegt.

Wobei — wenn man ganz genau hinschaut, zeigt das Diagramm sogar: Die AfD ist nach der CDU/CSU sogar knapp die zweitstärkste politische Kraft in Deutschland. Wir haben mal eine rote Linie in das Bild eingefügt:

Das ist natürlich Quatsch. Und „Focus Online“ behauptet das auch gar nicht in dem bei Facebook verlinkten Artikel. Dort nennt das Portal die Zahlen, die das Meinungsforschungsinstitut „INSA“ (mit dem man im Zusammenhang mit der AfD auch so seine Probleme haben kann) im Auftrag von „Bild“ vor wenigen Tagen erhoben hat:

  • CDU/CSU — 32,5 Prozent
  • SPD — 21 Prozent
  • AfD — 14,5 Prozent
  • Linke — 11 Prozent
  • Grüne — 8,5 Prozent
  • FDP — 7,5 Prozent

Aber solange die Leute noch nicht auf den Artikel geklickt haben, gibt es bei „Focus Online“ eben auch noch nicht die richtigen Fakten.

Mit Dank an @ennolenze für den Hinweis!

Nachtrag, 18:46 Uhr: Überprüft man — ausgehend von den Zahlen der CDU/CSU — auch die Balkenhöhen der anderen Parteien, zeigt sich: Bei der SPD stimmt die Höhe, bei allen anderen Parteien ist sie falsch:

Mit Dank an @TimothyMcAll und @HotTee168 für die Hinweise und großem Dank an Jan fürs Überprüfen!

Sigmar Gabriel hält sich nicht an die von „Bild“ vorgegebene Kandidatur

Es kommt nicht häufig vor, dass die „Bild“-Medien so transparent mit einem Fehler umgehen:

Seit heute steht fest, dass Sigmar Gabriel nicht als SPD-Kanzlerkandidat in den anstehenden Bundestagswahlkampf ziehen wird. Der „Stern“ und „Die Zeit“ berichteten als Erste darüber — ein schöner Scoop.

Bild.de hatte — wie im Screenshot oben steht — am 9. Januar unter Berufung auf interne Parteikreise geeilmeldet und getitelt:


Einen Tag später gab es in „Bild“ dann noch das volle Programm obendrauf: Riesenschlagzeile auf Seite zwei …

… und einen Brief von Franz Josef Wagner, der Sigmar Gabriel seine Bewunderung ausspricht, dass dieser sich tapfer „als Kanzlerkandidat der SPD“ zur Verfügung stellt:

Andere Nachrichtenseiten zogen nach und beriefen sich dabei — mehr oder weniger deutlich — auf die „Bild“-Medien. Die „Huffngton Post“ beispielsweise:

Oder „RP Online“:

Oder „Focus Online“:

Oder die „B.Z.“:

Und selbst das Team von stern.de, das sich aktuell zusammen mit den Print-Kollegen völlig zurecht für die Enthüllung des Gabriel-Rückzugs feiern lässt, übernahm vor zwei Wochen noch die „Bild“-Geschichte:

Auch die Nachrichtenagenturen berichteten, und so fand man den „Bild“-Fehler fast überall. Am 7. Januar, also zwei Tage vor der falschen Gabriel-Geschichte, feierte „Bild“ übrigens auf der Titelseite einen „Riesenerfolg für BILD“:

Die Spitzenposition im „ZITATE-RANKING!“ kommt nicht nur, aber auch daher, dass andere Medien Quatsch von „Bild“ immer wieder ungeprüft übernehmen.

Dass Bild.de und Chefredakteur Julian Reichelt sich jetzt entschuldigen ist gut und verdient Respekt. Ad hoc fallen uns nur zwei Situationen ein, in der Reichelt ähnlich transparent reagiert hat: Als Bild.de mal bei einem „Tagesanzeiger“-Autoren ganze Passagen geklaut hatte, bat der Bild.de-Chef per Twitter um Entschuldigung; als Bild.de mal bei einem Zitat von Günter Wallraff eine nicht ganz unwesentliche kritische Stelle einfach weggelassen hatte, räumte Reichelt per Twitter einen Fehler ein. Gut möglich, dass es noch ein paar weitere Situationen geben mag. Wahnsinnig viele dürften es allerdings nicht sein.

Bei einer ganz ähnlichen Geschichte wie jetzt bei Sigmar Gabriel gab es zum Beispiele keine ähnliche Reaktion: „Bild“ und Bild.de behaupteten Anfang Oktober vergangenen Jahres, dass Frank-Walter Steinmeier auf keinen Fall für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren werde:

Wenn heute Mittag die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Kanzleramt zum Koalitionsgipfel zusammenkommen, wird es KEINE Einigung auf einen gemeinsamen Vorschlag geben. Vielmehr werden die zwei prominentesten Kandidaten aus dem Rennen genommen.

Der in fast allen Umfragen beliebteste Anwärter, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (60, SPD), wird nicht aufgestellt, weil Kanzlerin Angela Merkel (62, CDU) klar sagt: DER NICHT!

Als dann rauskam, dass SPD und CDU Steinmeier doch als Kandidaten nominieren, gab es keine Korrektur der „Bild“-Medien, keine Entschuldigung von Julian Reichelt. Der falsche Artikel ist unverändert online.

Doch zurück zur Kanzlerkandidatur bei der SPD. Inzwischen steht fest, dass Martin Schulz für seine Partei als Spitzenkandidat bei der kommenden Bundestagswahl antreten wird.

Der „Spiegel“ und „Spiegel Online“ berichteten noch vor wenigen Wochen, Ende 2016, dass Schulz es nicht werden wird. Der „Spiegel“ titelte etwas zurückhaltender:

„Spiegel Online“ etwas deutlicher:

Und Bild.de übernahm die Geschichte und titelte ganz sicher:

Auch auf diese falsche Schlagzeile reagieren „Bild“ und Bild.de nicht mit einer Richtigstellung. Dafür ist aber am frühen Abend die von Julian Reichelt angekündigte Aufarbeitung des Bild.de-Fehlers im Gabriel-Fall erschienen:

Warum? Ganz einfach: Sigmar Gabriel und seine Sprunghaftigkeit sind schuld:

Tatsächlich begleiten Gabriel seit jeher Vorwürfe, er sei politisch sprunghaft und persönlich nicht immer berechenbar. Dass er sich in der für die SPD so lebenswichtigen Frage der Kanzlerkandidatur auch kurzfristig noch einmal umentscheiden würde — vielleicht hätte auch BILD das ahnen können oder gar müssen.

Bei Personalien rund um Kanzlerkandidaturen hat „Bild“ wirklich immer wieder doofes Pech.

Bild.de wärmt einen Grusel-Clown in altem Frittenfett auf

Wir müssen noch einmal auf die Horror-Clowns zurückkommen. Vor vier Tagen veröffentlichte Bild.de diesen Artikel:

So eine seltene Sichtung verkaufen Julian Reichelt und sein Team natürlich direkt als kostenpflichtigen Inhalt, das entscheidende Video kann man aber auch ohne „Bild plus“-Zugang bei Youtube sehen.

Zu einer sich viermal wiederholenden Videosequenz sagt der Sprecher:

Horror-Clown-Alarm bei McDonald’s in Bocholt. Am Freitagabend gegen 21 Uhr stürmt ein Mann mit Maske und Motorsäge das Schnellrestaurant. Oli H. zückt sein Smartphone und filmt alles mit. Die Mitarbeiter verstecken sich hinter dem Tresen, etwa 15 Leute laufen in Panik aus dem Laden. Die ganze Zeit hört man das irre Lachen des Clowns. Und so schnell, wie er kam, ist er dann auch wieder verschwunden. Die Hintergründe des irren Auftritts bleiben völlig unklar.

Im dazugehörigen Artikel gibt es noch ein paar Aussagen vom filmenden Augenzeugen Oli H., der dort allerdings Markus H. heißt:

Freitagabend gegen 21 Uhr, Markus H. (22) sitzt mit einigen Freunden in einem McDonald’s-Restaurant in Bocholt: „Es war schon dunkel draußen. Wir hatten gerade unser Essen bekommen.“

Markus H. zu BILD: „Ich war im ersten Moment extrem geschockt. Wir dachten alle, das ist ein schlechter Scherz.“

Zu „Focus Online“ und selbst bis nach Österreich zu oe24.at hat es diese Horror-Clown-Geschichte geschafft:

Was weder Bild.de noch „Focus Online“ noch oe24.at den Lesern verrät: Die Aufnahmen sind bereits zwei Jahre alt. Und statt der 15 Leute, die „in Panik aus dem Laden“ laufen, sieht man in dem 51-Sekunden-Video vor allem zwei Mädchen, die sich vor Lachen kaum noch einkriegen. Und es sind auch keine Mitarbeiter zu sehen, die sich hinter dem Tresen verstecken, sondern ein Filialleiter, der mit dem Mann im Clown-Kostüm spricht.

Außerdem bleiben „die Hintergründe des irren Auftritts“ nicht völlig unklar, wie Bild.de behauptet. Das „Bocholter-Borkener Volksblatt“ hat nämlich mal nachgeforscht (Text hinter Bezahlschranke):

Im Teaser heißt es:

Panik bei McDonald’s in Bocholt, meldet eine Boulevardzeitung: Ein Gruselclown mit „offenbar echter Motorsäge“ habe die Gäste in Angst und Schrecken versetzt. Doch Entwarnung: Was sich da „Freitag gegen 21 Uhr“ ereignet haben soll, ist ein zwei Jahre alter Auftritt zu Halloween gewesen.

Die Lokalredaktion hat auch mit dem Grusel-Clown gesprochen. Der sagt heute:

„Ich hatte die Clownsmaske auf und die anderen haben das gefilmt. Das war damals ein echter Spaß für uns“, sagte der Bocholter Markus P. (Name geändert) dem BBV. […] Nun habe sich die Boulevardzeitung gemeldet und das Video gekauft.

Und:

Gruselclown Markus P. indes hat seinen zwei Jahre alten Auftritt ganz anders in Erinnerung: „Da ist niemand rausgerannt. Ich hab‘ mich am Anfang des Videos ruhig mit dem Geschäftsführer unterhalten.“

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder hat sich Bild.de bei dieser Geschichte von Oli/Markus H. so richtig über den Fast-Food-Tisch ziehen lassen. Oder die Redaktion hat sich all den Quatsch mit der Panik einfach ausgedacht. So oder so — für ein zwei Jahre altes Video zahlt man doch gerne ein „Bild plus“-Abo.

Mit Dank an @im_fo, Sisi T. und Ralf H. für die Hinweise!

„Focus Online“ fällt auf Simpsons-Wiesn-Witz mit Schwarzenegger rein

Ein Mitarbeiter des Münchner Ausbildungsradiosenders „afk M94.5“ hat bei seinem Streifzug übers Münchner Oktoberfest gestern Arnold Schwarzenegger entdeckt. Er machte ein Foto des früheren US-Gouverneurs, packte eine Sprechblase drauf und postete es bei Facebook:

Der Witz dahinter: Das Zitat, das „afk M94.5“ Schwarzenegger in den Mund gelegt hat, ist eine Anspielung auf „Die Simpsons – Der Film“. In seiner Gastrolle als US-Präsident sagt der gezeichnete Arnold Schwarzenegger dort:

Die haben mich gewählt, um zu lenken, nicht, um zu denken.

Im englischen Original heißt es:

I was elected to lead, not to read.

Und daraus machte das Team von „afk M94.5“ dann eben Schwarzeneggers fiktives Wiesn-Zitat „I’m not here to think, I’m here to drink!“

Auf den Facebook-Post wurden ein paar andere Redaktionen aufmerksam und fragten bei „afk M94.5“ nach, was es mit dem Schwarzenegger-Zitat auf sich habe. Man sagte den Anrufern, dass es sich um einen Witz handele — Sache gegessen. „Focus Online“ hat hingegen nicht bei „afk M94.5“ angerufen. Und so tauchte im Oktoberfest-News-Ticker der Seite (ja, doch, den gibt es bei „Focus Online“ tatsächlich) diese Meldung auf:

Arnold Schwarzenegger schaltet auf der Wiesn den Kopf aus

16.02 Uhr: Der Mann, der der „Terminator“ war und den „Predator“ getötet hat, hat dem Oktoberfest einen Besuch abgestattet: Arnold Schwarzenegger. Begleitet wurde er von seiner Freundin Heather Milligan und mehreren breitschultrigen Leibwächtern.

„I’m not here to think, I’m here to drink“, sagte der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien laut Radio M94.5. Frei übersetzt: Schwarzeneggers Oberstübchen hat während des Wiesn-Besuchs Sendepause, Trinken und Feiern stehen im Vordergrund.

Nun hat „Focus Online“ ja sowieso immer mal wieder Schwierigkeiten beim Dechiffrieren von Witzen. Und so machte „afk M94.5“ die Mitarbeiter des Portals vorhin bei Facebook darauf aufmerksam, dass sie was falsch verstanden haben:

„Focus Online“ hat inzwischen reagiert und die Passage mit dem ausgedachten Zitat gestrichen. Dass Arnold Schwarzenegger „auf der Wiesen den Kopf“ ausschalte, steht aber weiterhin in der Überschrift.

Mit Dank an Florian für den Hinweis!

„Wir helfen“ – beim rechten Verwirrspiel

Anfang des Monats, am 5. September, feierten die „Bild“-Redaktionen ein Jubiläum: „Ein Jahr ‚Wir helfen'“. Was als Reaktion auf die positive Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den ankommenden Geflüchteten im Spätsommer 2015 begann und schnell zur „Bild“Werbekampagne mit prominenter Unterstützung aus Showbusiness, Politik und Fußballbundesliga wurde, fand nach einigen Monaten überhaupt nicht mehr statt. Die „Wir helfen“-Badges verschwanden aus den Twitter-Profilbildern der „Bild“-Mitarbeiter, der Ton in der Berichterstattung über Geflüchtete und Asylbewerber und Migranten wurde wieder rauer.

Heute kann man gut sehen, dass „Bild“ zu alten Mustern zurückgekehrt ist. Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe steht es riesengroß:

Der Artikel von Zahlenverdreher Dirk Hoeren und Franz Solms-Laubach basiert auf Daten der Bundesregierung, die damit auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion geantwortet hatte. Zusammengefasst sagt der Artikel: In Deutschland leben — Stand Ende Juni 2016 — 549.209 abgelehnte Asylbewerber. 406.065 davon sind seit mehr als sechs Jahren hier. Von den knapp 549.209 abgelehnten Asylbewerbern haben 46,6 Prozent ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. Von diesen Zahlen unabhängig leben 168.212 Ausländer mit einer Duldung in Deutschland. Die Gründe dafür, dass sie nicht abgeschoben werden, sind sehr unterschiedlich: Manche haben keinen Pass (37.020), bei anderen ist die Situation im Heimatland zu unsicher (10.620), wieder andere können nicht ausreisen, weil hier gegen sie aktuell ein Strafverfahren läuft (440).

Schaut man sich die 60-seitige Antwort der Bundesregierung (PDF) mal genauer an, wird einem recht schnell klar, dass eine differenzierte Betrachtung der Zahlen zwingend nötig ist, um dem Thema gerecht zu werden. Denn hinter den 549.209 abgelehnten Asylbewerbern stecken Hunderttausende persönliche Schicksale und Geschichten, die völlig unterschiedlich sind. Das schafft der „Bild“-Artikel in weiten Teilen nicht.

Ein Beispiel: Zu den 549.209 abgelehnten Asylbewerbern zählt die Statistik auch 12.727 Polen. Die haben ihre Asylanträge natürlich nicht vor ein paar Monaten gestellt, sondern zu einer Zeit, in der Polen noch kein Mitglied der Europäischen Union war. Heute können diese 12.727 Menschen als EU-Bürger völlig legal hier leben. Ihr abgelehnter Asylantrag von damals hat heute keine Relevanz mehr, an eine Abschiebung ist nicht zu denken. Über diese Fälle verliert der „Bild“-Artikel kein Wort.

Ein anderes Beispiel: Ein großer Teil der 549.209 abgelehnten Asylbewerber lebt nicht nur seit „mehr als 6 Jahren“ in Deutschland, wie „Bild“ schreibt, sondern teilweise seit Jahrzehnten. Ihre Asylanträge stammen mitunter aus den 1980er-Jahren (4150). 170.166 von ihnen haben ihren Asylantrag noch im vergangenen Jahrtausend gestellt. Sie leben also schon über 16 Jahre in Deutschland. Auch darauf gehen die „Bild“-Autoren nicht detailliert ein.

Der „Bild“-Text erwähnt zwar die 46,6 Prozent abgelehnter Asylbewerber, die ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen. Was er aber nicht erwähnt: Daneben gibt es auch noch 34,8 Prozent mit einem befristeten Aufenthaltsrecht. Das heißt: 81,4 Prozent beziehungsweise 447.056 der 549.209 in Deutschland lebenden abgelehnten Asylbewerber haben ein Bleiberecht. Sie halten sich völlig legal in Deutschland auf und können rein rechtlich nicht abgeschoben werden. Unter den restlichen 102.153 abgelehnten Asylbewerbern (18,6 Prozent) gibt es einige mit einer Duldung, weil sie sich mitten in einer Ausbildung befinden oder krank sind oder einen Angehörigen pflegen und so weiter. Auch sie können aufgrund ihrer derzeitigen Situation nicht abgeschoben werden. Und so bleiben nicht mehr viele abgelehnte Asylbewerber übrig, die derzeit als „ausreisepflichtig“ gelten. In der Statistik der Bundesregierung ist von 52.870 „ausreisepflichtigen Personen ohne Duldung“ die Rede, allerdings müssen nicht alle von ihnen abgelehnte Asylbewerber sein. Trotz dieser vergleichsweise geringen Zahl schreibt „Bild“ vom „Neuen Irrsinn bei der Abschiebung“.

Was an dem „Irrsinn“ so richtig „neu“ sein soll, ist ebenfalls nicht ganz klar. Die Linksfraktion stellt ihre Kleine Anfrage jedes Jahr aufs Neue an die Bundesregierung. Vergangenes Jahr — Stand Ende Juni 2015, also vor der großen Zuwanderung durch Geflüchtete — lebten 538.057 abgelehnte Asylbewerber in Deutschland (PDF). Das sind gerade mal 11.152 weniger als 2016.

Dass die Abschiebungen aus Deutschland in den vergangenen Jahren stetig angestiegen sind, erwähnen Dirk Hoeren und Franz Solms-Laubach nicht. 2012 waren es knapp 8000 Menschen, die abgeschoben wurden, 2013 knapp 10.000, 2014 knapp 11.000, 2015 knapp 21.000. „Bild“ nennt lediglich die Zahl aus diesem Jahr — ohne Vergleichswerte, dafür im Zusammenhang mit den abgelehnten Asylbewerbern:

Exakt 13 134 Ausländer haben die deutschten Behörden von Januar bis Ende Juli abgeschoben. Aber Hunderttausende abgelehnte Asylbewerber leben weiterhin in Deutschland!

Die „Bild“-Titelgeschichte drehte heute eine ordentliche Runde in der deutschen Medienlandschaft. Eine ganze Reihe von Redaktionen griffen die Geschichte auf …


(faz.net)

(„Focus Online“)

(„RP Online“)

… wohl auch, weil die „dpa“ und andere Agenturen früh morgens eine Meldung dazu herausgaben. Inzwischen hat die „dpa“ zwei deutlich differenziertere Stücke veröffentlicht. Die meisten Redaktionen haben die erste kurze Meldung durch einen der längeren Texte ersetzt.

Und auch von Politikern und Polizeigewerkschaftern gab es Reaktionen. Zum Abschluss des „Bild“-Artikels durfte sich Redaktionsliebling Rainer Wendt, Chef der „Deutschen Polizeigewerkschaft“, äußern („Es gibt eine regelrechte Abschiebeverhinderungsindustrie. Das muss sich dringend ändern.“). Und auch CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich durfte was sagen („Wer zulässt, dass abgelehnte Asylbewerber dem Staat derart auf der Nase herumtanzen, zerstört das Vertrauen der Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates.“).

Im Büro der Linken-Politikerin Ulla Jelpke hat die „Bild“-Zeitung natürlich kein Statement für ihren Artikel eingeholt. Dabei ist die Bundestagsabgeordnete federführend bei der jährlichen Kleinen Anfrage der Linksfraktion, auf die sich „Bild“ stützt. Dirk Hoeren und Franz Solms-Laubach hätten Jelpke zum Beispiel hiermit zitieren können:

Seit Jahren ist aufgrund regelmäßiger Anfragen der Linksfraktion bekannt, wie viele Geflüchtete in Deutschland mit welchem Status leben. Dass auch viele abgelehnte Asylsuchende gute Gründe für einen Verbleib in Deutschland haben können und später eine befristete oder unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, ist deshalb nichts Neues. Zum Beispiel können humanitäre oder medizinische Abschiebungshindernisse vorliegen. Unter den Abgelehnten sind auch Geflüchtete aus Ländern wie Afghanistan, Syrien oder den Irak, die aus guten Gründen nicht abgeschoben werden. Nicht wenige Ablehnungen werden durch Verwaltungsgerichte aufgehoben. Das zu skandalisieren zeigt, wie verroht und vergiftet die Asyldebatte mittlerweile geführt wird.

Wie gefährlich der unsaubere Umgang mit Zahlen in der Flüchtlings-, Asyl- und Abschiebungsdebatte durch „Bild“ sein kann, zeigt die Reaktion der AfD. Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski schrieb mit Bezug auf den Artikel in einer Presseerklärung:

Mehr als eine halbe Million abgelehnte Asylbewerber leben weiterhin unrechtmäßig in Deutschland, die große Mehrheit davon schon seit über sechs Jahren. Viele besitzen noch nicht einmal einen Pass.

Dass das „unrechtmäßig“ inhaltlich völlig falsch ist, dringt wohl kaum bis zu den johlenden AfD-Anhängern durch. „Wir helfen“, „Bild“? Ja, den Rechtspopulisten bei ihrem Verwirrspiel.

Im Innern der Zeitung titelt „Bild“ übrigens:

Noch einen „fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen“ dazu gedacht — und schon ist man gefährlich nah am Populismus eines Andreas Scheuer.

Einen wichtigen Punkt vergessen

Fans, Spieler, Mitarbeiter des SV Werder Bremen müssen momentan aber auch wirklich einiges einstecken. Aus im DFB-Pokal gegen einen Drittligisten, in der Bundesliga ohne Punkt aus drei Spielen und ein Torverhältnis von 2:12. Die Bremer sind Letzter, ihren bisherigen Trainer Viktor Skripnik haben sie am Sonntag rausgeworfen. Und gestern machte sie die „Bild“-Zeitung auf der Titelseite auch noch zum „VERLIERER“ des Tages:

Andere Medien berichten ebenfalls vom Klettern der Dortmunder in der ewigen Bundesliga-Tabelle — und damit automatisch auch vom Abstieg des SV Werder Bremen. „Focus Online“ zum Beispiel:

Oder abendzeitung-muenchen.de:

Oder ovb-online.de:

Oder „Sky“:

Oder echo24.de:

Der Ursprung der meisten dieser Schlagzeilen ist eine Meldung der Sport-Nachrichtenagentur „sid“. Und auch Borussia Dortmund selbst verkündet stolz:

Macht man sich die Mühe, die Zahlen mal etwas genauer zu betrachten, und schreibt nicht einfach ab, kommt man ins Grübeln: Warum sollte der SV Werder Bremen mit seinen 748 Siegen und 440 Unentschieden aus insgesamt 1767 Spielen hinter den Dortmundern stehen, die in ihrer Bundesligahistorie weniger Siege (730) und weniger Unentschieden (427) als die Bremer geholt haben (allerdings haben sie auch 102 Spiele weniger als Werder Bremen absolviert; Stand: vor dem aktuell laufenden Bundesligaspieltag)?

Der Haken an der Sache ist der Unterschied zwischen Zwei- und Drei-Punkte-Regel. Früher bekamen Mannschaften für einen Sieg zwei Punkte und für ein Unentschieden keinen einen Punkt. Ab der Saison 1995/96, als die Drei-Punkte-Regel eingeführt wurde, gab es drei Punkte für einen Sieg und einen Punkt für ein Unentschieden.

Die ewige Bundesligatabelle, die Borussia Dortmund seit dem vergangenen Wochenende auf Platz zwei sieht, wirft diese beiden Regeln durcheinander. Teams, die erst seit der Regelumstellung richtig erfolgreich sind, werden bevorzugt. Werder Bremen, mit vielen Siegen auch schon während der Zeit der Zwei-Punkte-Regel, wird benachteiligt.

Wie bedeutend der Unterschied zwischen Zwei- und Drei-Punkte-Regel im Einzelfall sein kann, zeigen verschiedene Rechenbeispiele: Bayer Leverkusen ist in der Saison 1999/2000 Zweiter hinter Bayern München geworden. Hätte damals noch die Zwei-Punkte-Regel gezählt, wäre Leverkusen Meister geworden. Gleiches gilt für den FC Schalke in der Saison 2000/01. Der 1. FC Nürnberg wäre in der Saison 1998/99 nicht abgestiegen. Und der HSV hätte in den vergangenen Jahren mehrfach als Absteiger festgestanden.

Es gibt übrigens einige Seiten, die die Siege, Unentschieden und Niederlagen von früher aufs Drei-Punkte-System umgerechnet haben (merkwürdigerweise gehört die offizielle Bundesliga-Website, auf die sich auch Borussia Dortmund im Tweet bezieht, nicht dazu). Und dort steht der SV Werder Bremen nach wie vor auf Platz zwei. Bleibt den Fans, Spielern und Mitarbeitern immerhin dieser Trost.

Mit Dank an Lennart für den Hinweis!

Nachtrag, 15:35 Uhr: Auf der Vereinswebsite stellt Borussia Dortmund ebenfalls klar, dass es verschiedene Versionen der ewigen Bundesliga-Tabelle gibt und dass der Klub dort auf unterschiedlichen Plätzen zu finden ist:

In der von der DFL offiziell geführten „Ewigen Tabelle“ ist Borussia Dortmund mit 2236 Punkten aus 1665 Spielen Zweiter vor Werder Bremen (2235 aus 1767). Diese Tabelle berücksichtigt die seit 1963 tatsächlich vergebenen Punkte. Bis 1995 gab es für einen Sieg zwei Zähler. In der Tabelle des kicker Sportmagazins sind alle Spiele auf die Drei-Punkte-Regel umgelegt. Hier ist der BVB Vierter hinter Bayern München, Werder Bremen und dem Hamburger SV.

Mit Dank an Julian H. für den Hinweis!

Für Sie geklickt (9)

Die BILDblogAntiClickbait-Taskforce ist wieder für Sie losgezogen, um zu schauen, was hinter den vollmundigen Versprechen in Überschriften und Teasern wirklich steckt. Durch unseren Einsatz können Sie kostbare Lebenszeit und wichtige Gehirnzellen sparen.

Heute: das vergangene Wochenende auf der Facebookseite von „Focus Online“.

***


Torwart.

***


Wegen der hohen Getränkepreise.

***


Im Alter regeneriert sich der Körper langsamer.

***


„Aldi“ macht eine Fernsehwerbung.

***


Sind dann doch ein paar mehr als vier: Personalausweis und Reisepass, Geburts- und Heiratsurkunden, gegebenenfalls Scheidungsurkunde, eine Gehaltsabrechnung und Nachweise über Kranken- und Rentenversicherung.

***


Mit diesen fünf Rhetorik-Tricks:
1. Die Streitfrage verändern.
2. Mit Fragen verwirren.
3. Falsche Schlussfolgern ziehen.
4. Den Gegner provozieren.
5. Persönliche Angriffe.

***


Alle drei Frauen — die Polizistin und die zwei Autofahrerinnen — hatten an dem Tag Geburtstag.

***


Quinoa, Brokkoli, Haferflocken, Eier, Magerquark.

***


Er befreit sich aus den Handschellen und flieht, wird später aber wieder geschnappt.

***


Goldschmuck.

***


1. Die Tageszeit.
2. Eine Pause vor der Prüfung.

***


Man soll Halluzinationen bekommen.

***


LED-Blitze.

***


Schlechte Infrastruktur, kaum Arbeit.

***


Drogen: Weil sie ihren Geist erweitern wollen.
Wach bleiben: Weil es gegen die Norm ist.

***


Alles mit Kohlenhydraten.

***


Sie bremsen Schweiß ab, schützen vor Sonnenlicht von oben und helfen, Emotionen durch Mimik zu äußern.

***


Auf welcher Seite sich die Tankklappe befindet.

***


1. Sie gelten als sexy, höflich und süß.
2. Sie neigen eher zu Alkoholmissbrauch.
3. Sie wirken oft kühl.
4. Sie gelten als verführerisch.
5. Sie sind verlässlich.
6. Sie werden um ihre Augenfarbe beneidet.
7. Sie haben ein geringeres Schmerzempfinden.
8. Sie stehen gern im Mittelpunkt.
9. Ihre Augen kommen durch Rosé oder Braun zur Geltung.
10. Sie sind sehr lichtempfindlich.
11. Ihre Babys haben oft braune Augen.

***


Cola.

***


Eine Granate aus dem Ersten Weltkrieg.

***


50.

***


Nein.

Bitte. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (7)

Unsere Clickbait-Taskforce ist wieder für Sie losgezogen, um zu schauen, was hinter den vollmundigen Versprechen in Titel und Teasern wirklich steckt. So sparen Sie kostbare Zeit, Lebensfreude und Gehirnzellen.

Heute: das vergangene Wochenende auf der Facebookseite von „Focus Online“.

***


Er kriegt eins übergebraten.

***


Föhnen. Abziehen. Reste entfernen. Fertig.

***


Den Rest einer kleinen Dentalbürste, die zur Reinigung des Zahnzwischenraums genutzt wird.

***


Sie können Störgeräusche im Bordfunk verursachen.

***


Schottland.

***


Sie hat sie wieder ausgespuckt.

***


Eine Videokamera.

***


Sie arbeitet viel im Haushalt.

***


Schaden: Statt des richtigen Mindesthaltbarkeitsdatums ließ er „Mother Fucker Day“ auf 200.000 Bierdosen drucken. Die Firma musste die Dosen zurückrufen. Reaktion: Er wurde zum „Mitarbeiter des Monats“ ernannt, weil die Sache den Kunden super gefallen hat.

***


Glasflaschenverbot.

***


1. Es hilft bei Verdauungsproblemen.
2. Es hat einen hohen Salzgehalt.
3. Es kann Akne und andere Hautprobleme bekämpfen.
4. Es kann als Ersatz für eine Haarspülung eingesetzt werden.
5. Es kann die Körpertemperatur regeln.

***


Grillkohle, weil gutes Wetter.

***


Sie besitzt Uterus und Vagina doppelt.

***


Vielleicht ja, vielleicht nein.

***


Er war zu betrunken, um zu pusten. Die Polizisten haben dann eine Blutentnahme angeordnet.

***


Die sogenannte Reibeisenhaut entsteht, wenn die Haarfollikel durch Keratin-Ablagerungen verstopft werden. Okay.

***


Mit einer Diät und Fitnesstraining.

***


Nein.

Bitte. Keine Ursache.

Es war nicht ihr Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strandburkini

Die Fotos der vier französischen Polizisten, die am Strand von Nizza um eine am Boden sitzende Frau herumstehen, machten heute die Runde. Auf den Bildern ist zu sehen, wie sie die Frau auffordern, sich auszuziehen, weil sie gegen das inzwischen geltende Burkini-Verbot verstoße.

Die Szene ist so bizarr und grotesk und falsch, dass in den Sozialen Netzwerken direkt hitzige Debatten entstanden. Und auch viele Onlinemedien berichteten.

Unter anderem Bild.de

Gleich vier Polizisten umringten die junge Frau am Strand. Forderten sie auf, sich an Ort und Stelle umzuziehen. Denn: Die Strandbesucherin trug einen muslimischen Ganzkörperbadeanzug — und der ist in diesem Sommer in vielen französischen Urlaubsorten verboten!

… oder „Focus Online“

Bewaffnete Polizisten haben eine muslimische Frau in der südfranzösischen Stadt Nizza gezwungen, ihren Burkini auszuziehen.

… oder die „Deutsche Welle“

Zu erkennen sind demnach mindestens vier bewaffnete Polizisten, die an Nizzas berühmter „Promenade des Anglais“ eine am Strand liegende Frau auf ihren Burkini ansprechen.

… oder die „Hamburger Morgenpost“:

In 15 französischen Städten sind inzwischen Burkas verboten — und dazu zählt auch die Schwimmversion, der Burkini. Das musste jetzt eine Muslima am eigenen Leib erfahren. Sie hatte eine unangenehme Begegnung mit Polizisten am Strand von Nizza.

Die „Mopo“ hat extra auch noch ein Symbolfoto rausgekramt:

Das Problem an all diesen Berichten — und was die Szene noch bizarrer und grotesker und falscher macht: Die Frau trägt gar keinen Burkini. Und erst recht keine Burka oder einen Niqab oder sonst eine Vollverschleierung, die gegen irgendwas verstoßen soll. Sie trug nach eigener Aussage eine Leggins, eine Tunika und ein Kopftuch.

Dass es kein Ding der Unmöglichkeit war, das herauszufinden, beweist ein Artikel von sueddeutsche.de:

Die Frau liegt alleine inmitten leicht bekleideter Menschen auf dem steinigen Strand. Sie trägt schwarze Leggins, ein hellblaues Oberteil und ein Kopftuch. Die Schuhe hat sie ausgezogen, die Knie angezogen. Vielleicht schläft die Frau, vielleicht döst sie, vielleicht genießt sie einfach die Sonne an der französischen Mittelmeerküste, als sich vier Polizisten nähern, alles Männer.

Das hat irgendwann auch „Focus Online“ verstanden und einen zweiten Beitrag zum Thema veröffentlicht:

Sie hat Leggings und ein langes türkisfarbenes Oberteil an. Um den Kopf hat sie ein Tuch gewickelt – einen Burkini trägt sie nicht.

Natürlich ist das mit den „neuen Details“ Quatsch. Die Fotos hätte man sich auch vorher schon ordentlich anschauen und erkennen können, dass die Frau keinen Burkini trägt.

Mit Dank an @Alyama1!

Blättern: 1 2 3 4 ... 11