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Der deutsche Boulevard zu Clooney: Ja, ja, deine Mudder

George Clooney sagt, er sei es gewohnt, dass die britische Zeitung „Daily Mail“ Geschichten über ihn erfindet und Lügen über ihn verbreitet. Aber diese eine wollte er nicht hinnehmen, ohne laut zu widersprechen. Die „Daily Mail“ hatte geschrieben, dass die Mutter seiner Verlobten Amal Alamuddin aus religiösen Gründen gegen ihre Heirat sei. Sie habe das schon „halb Beirut“ erzählt. Weil es keine Drusen-Hochzeit sei, riskiere Amal, dass sie aus der Gemeinschaft ausgestoßen werde, so die „Daily Mail“ — mehrere Bräute seien aus ähnlichen Gründen schon umgebracht worden.

Nichts davon sei wahr, sagt George Clooney. Amals Mutter sei keine Druse, ewig nicht in Beirut gewesen, nicht gegen die Hochzeit. Vor allem aber sei es verantwortungslos und gefährlich, in dieser Weise religiöse Differenzen auszubeuten, wo nicht einmal welche bestehen.

Die Meldung, dass Clooney sich so über die „Daily Mail“ beschwert, die ihre Geschichte inzwischen zurückgenommen hat, stand in vielen deutschen Medien. Was aber auch in vielen deutschen Medien stand und teilweise noch steht: Die Lügengeschichte der „Daily Mail“.

Der Kölner „Express“ brachte sie am vergangenen Mittwoch:

Clooney: Krach mit Amals Mama

Die „Bunte“ verbreitete sie online (inzwischen gelöscht), mit einer Fragezeichen in der Überschrift, aber ohne ernste Zweifel am Inhalt der von der „Daily Mail“ abgeschriebenen Geschichte:

Ist Amals Mutter gegen die Hochzeit?

So verriet ein Nahestehender der Familie der Familie Alamuddin dem britischen Blatt: „Man würde denken, dass Amal mit George Clooney den Jackpot geknackt hat, aber Baria ist nicht glücklich. Sie denkt, dass sie es besser hätte treffen können.“ Weiter habe Amals Mutter in Beirut herumerzählt, dass es schließlich 500.000 Drusen gäbe – warum nur könne ihre Tochter darunter niemanden finden, der gut genug für sie ist?

Die „Abendzeitung“ erzählt die Lügengeschichte immer noch:

Bekommt George Clooney ein Schwiegermonster?

Und „Focus Online“:

Mutter der Braut: George Clooney nicht gut genug?

Das „OK!“-Magazin witzelt:

Hören wir nicht richtig? Eigentlich dachten wir, es gäbe kein Mittel, mit dem FRAU dem Charme von Hollywood-Schauspieler George Clooney widerstehen könnte. Doch auch ein Clooney muss hin und wieder die seltene Erfahrung machen, dass er nicht jede um den Finger wickeln kann. 

Und N24 fragt online:

Mehrere deutsche Medien haben die Falschmeldung von der Boulevardagentur „Spot On News“ übernommen (Eigendarstellung: „Die Artikel von spot on news beschränken sich nicht auf das Ab- und Umschreiben von Internet-Content. (…) Exklusivität steht bei spot on news ganz weit oben“). Die hat nach den Unwahrheiten der „Daily Mail“ nun auch ungerührt die empörte Antwort von Clooney verbreitet — so gesehen profitiert sie doppelt von den Falschmeldungen der Auslandspresse, die sie abschreibt.

Der amerikanische Schauspieler hat über die „Daily Mail“ noch gesagt, sie habe — mehr als jede andere „Nachrichten“-Organisation — ein ums andere Mal beweisen, „dass Tatsachen für sie keine Bedeutung haben bei den Artikeln, die sie sich ausdenkt.“ Das wird die deutschen Medien auch bei den nächsten „Daily Mail“-Geschichten nicht davon abhalten, sie blind zu übernehmen.

Presserat beanstandet Eigen-Schleichwerbung für Diätprogramm

Manchmal passieren in deutschen Zeitungsredaktionen erstaunliche Fehler. Dass im Kölner „Express“ Anfang des Jahres eine große sechsteilige Serie von Artikeln erschien, in denen jeweils, ohne jede Kennzeichnung, ein Fitnessprogramm namens „fitmio“ beworben wurde …

… das ist der Ressortleitung bzw. Chefredaktion des Blattes leider erst nach Abschluss der Serie aufgefallen. Natürlich hätte man dem Leser kenntlich machen müssen, dass es sich um ein Programm handelte, das von einem Unternehmen des Verlages M. DuMont Schauberg vermarktet wurde, teilte die Rechtsabteilung dem Presserat mit. Dass dieser Hinweis ausgeblieben sei, betrachte man selbst als ärgerlichen und bedauerlichen Fehler.

Online seien die Berichte sofort nach Bekanntwerden entsprechend gekennzeichnet worden. Der Presserat fasst die Zerknirschtheit mit den Worten zusammen:

Der Fehler sei der Redaktion bewusst und intern mit allen Verantwortlichen erörtert worden. Man gehe davon aus, dass alle Beteiligten daraus gelernt hätten.

Der Presserat, bei dem wir uns beschwert hatten, sah in der Veröffentlichung einen Verstoß gegen das Gebot, Redaktion und Werbung klar zu trennen. Er verwies auf Ziffer 7 des Pressekodex, in der es heißt:

Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.

Auch im „Kölner Stadt-Anzeiger“, ebenfalls ein Schwesterblatt von „fitmio“, erschienen Anfang des Jahres mehrere scheinbar redaktionelle Beiträge zum Thema Fitness und Abnehmen, die für „fitmio“ warben. Die Rechtsabteilung des Verlages argumentierte hier aber anders: In der Beschreibung des Programms sei ausdrücklich erwähnt, dass es „in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule und dem Anti-Diät-Club angeboten“ werde. Und den „Anti-Diät-Club“ des „Kölner Stadt-Anzeigers“ gebe es schon seit 2005; er sei den Lesern bestens bekannt und mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ untrennbar verbunden. Durch die Erwähnung des „Anti-Diät-Clubs“ wüssten „Stadt-Anzeiger“-Leser, dass es sich bei „fitmio“ um ein Angebot der Zeitung handele.

Der Presserat fand das nicht überzeugend und sah auch hier einen Verstoß gegen Ziffer 7 des Pressekodex. „Um dem Leser klar zu verdeutlichen, dass ein Eigeninteresse des Verlages an den Veröffentlichungen vorliegt und somit die Beiträge einen kommerziellen Charakter haben, hätte es eines eindeutigen Hinweises bedurft.“ Dieser sei lediglich in einem Artikel vorhanden gewesen (Ausriss rechts), der deshalb auch nicht kritisiert wurde.

Der Presserat erteilte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen „Hinweis“; beim „Express“ sprach er eine „Missbilligung“ aus.

Die „Maßnahmen“ des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine „Missbilligung“ ist schlimmer als ein „Hinweis“, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die „Rüge“. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Tina Turner erleidet Schlagzeilenanfall

Es ist die goldene Regel des Onlinejournalismus: Wenn die Konkurrenz über irgendwas Spektakuläres berichtet — erst mal abschreiben. Überprüfen kann man das ja später noch. Irgendwann. Vielleicht. Hauptsache, man hat die Geschichte auch.

Die über Tina Turner zum Beispiel:

Ihre gigantische Rock-Karriere hat sie längst an den Nagel gehängt, lebt ruhig und skandalfrei am Zürichsee. Doch jetzt die Schock-Nachricht: Tina Turner (74) hatte einen Schlaganfall.

Ihr österreichischer Freund und Fahrer Albert B. (58) verriet der MOPO, dass Tina Turner ihren geplanten Urlaub am Wörthersee in Kärnten absagen musste. Regelmäßig macht sie dort eine Schönheitskur – normalerweise. Denn, so der Vertraute: „Sie hatte einen leichten Schlaganfall, ist aber wohl auf dem Weg der Besserung.“

Diese „Schock-Nachricht“ ist heute von den Schwesterblättern „Hamburger Morgenpost“ und „Express“ in die Welt gesetzt worden, und es dauerte nicht lange, bis sie auch bei Dutzenden anderen Medien zu lesen war:



So richtig überzeugt waren die Abschreiber vom Wahrheitsgehalt der Story zwar nicht, wie man an den vielen Fragezeichen und Konjunktiv-Konstruktionen und den Verweisen auf „Medienberichte“ erkennen kann. Aber egal. Denn wie gesagt: Das Wichtigste ist, dass man es auch hat. Die Recherche kommt dann später. Vielleicht.

Einige Journalisten aus der Schweiz waren dagegen weit weniger faul vorschnell und fragten lieber mal bei der Agentur Richterich und Partner nach, die für Teile von Turners PR-Arbeit zuständig ist. Und dort erfuhren sie: Tina Turner plane gar keinen „Urlaub am Wörthersee“, wie die deutschen Medien behauptet hatten. Es gebe auch keinen Fahrer namens Albert B. Und vor allem habe die Sängerin keinen Schlaganfall gehabt. „Fakt ist, dass sich Tina bester Gesundheit erfreut“, sagte der Sprecher dem Schweizer Portal 20min.ch.

Gegenüber BILDblog hat die Agentur bestätigt, dass an der Schlaganfall-Geschichte nichts dran sei. Wie es zu der Falschmeldung gekommen ist, könne man sich auch nicht erklären. Nachgefragt habe bei ihnen jedenfalls keiner der deutschen Journalisten.

Inzwischen haben viele Medien ihre Berichterstattung immerhin korrigiert. Manche drehen die Sache auch klickträchtig weiter und sprechen jetzt von einem „Wirbel“ um den Gesundheitszustand von Tina Turner. Andere — so wie mopo.de und express.de — haben ihre Artikel einfach gelöscht.

Nachtrag, 27. Mai: Die „Morgenpost“ schreibt heute in einer kleinen Meldung: „Tina geht es gut“. Eine Erklärung oder Entschuldigung für ihre ursprüngliche Berichterstattung sucht man allerdings vergebens.

Und dann ist da noch die „Welt“, die heute verkündet:

Tina Turner erleidet Schlaganfall

Ihre Fans sind in großer Sorge um Tina Turner. Die 74-Jährige hat offenbar einen Schlaganfall erlitten. [...]

Man könnte sich das selbst nicht ausmalen

Immer dann, wenn ein Mensch von einer Heuballen-Maschine zerschreddert wird oder sich beim Kitesurfen aus Versehen selbst erdrosselt, wenn jemand überfahren, ertränkt, vom Blitz erschlagen, erschossen, verbrannt, in Stücke gehackt oder auf eine andere brutale oder „bizarre“ Weise getötet, verletzt oder gedemütigt wird, immer dann ärgert sich die „Bild“-Zeitung, dass sie nicht mit dabei war.

Aber sie weiß sich zu helfen. Statt grausamer Fotos gibt’s dann eben so etwas:

Immerhin kann man den „Bild“-Zeichnern nicht vorwerfen, sie würden sich keine Mühe geben. Beim „Express“ dagegen, wo sie sich am Wochenende ebenfalls an einer Illustration versucht haben, wurden nicht nur die moralischen (sofern vorhanden), sondern gleich auch alle ästhetischen Ansprüche mit Schmackes über Bord geworfen:Ausriss:

Diätenerhöhung bei M. DuMont Schauberg

„Man kann Alfred Neven DuMont glauben, dass ihn der Wunsch nach gutem Journalismus antreibt.“

(„Der Spiegel“, 5/2014)

Der Jahresanfang ist die Zeit, in der die Menschen sich ganz besonders für Diäten interessieren, und deshalb ist es auch die Zeit, in der die Medien ganz besonders viel über Diäten berichten. Die Zeitungen der Mediengruppe M. DuMont Schauberg tun es in diesem Jahr mit ganz besonderem Eifer.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat eine Serie „Los geht’s“ gestartet. Darin überrascht er seine Leser unter anderem mit der These: „Wer abnehmen will, muss essen“, nennt Sport „Doping für die Zellen“, stellt spätberufene Extremsportler vor, interviewt Ingo Froböse, einen Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln — und empfiehlt jedesmal dessen kostenpflichtiges Abnehm-Programm „fitmio“.

Der Kölner „Express“ hat auch eine Serie im Angebot, eine „große Stoffwechsel-Fibel“ namens „Enorm in Form“, mit „Tipps vom Experten“, wie man sich schlankschläft und wie man den Jojo-Effekt vermeidet und der überraschenden These: „Wer abnehmen will, muss essen!“ Der Experte ist in jedem Fall Ingo Froböse, ein Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln — und empfiehlt jedesmal dessen kostenpflichtiges Abnehm-Programm „fitmio“.

Die Serie aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ findet sich mit demselben Experten und derselben Empfehlung auf den Online-Seiten von „Berliner Zeitung“ , „Frankfurter Rundschau“, „Mitteldeutscher Zeitung“ und „Kölnischer Rundschau“.

Und die Boulevard-Variante aus dem „Express“ steht mit demselben Experten und derselben Empfehlung auf den Online-Seiten von „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“.

In einer konzertierten Aktion werben die Medien von M. DuMont Schauburg in großen, scheinbar redaktionellen Serien für „fitmio“, das kostenpflichtige Abnehmprogramm von Professor Froböse, und verlinken praktischerweise auch direkt dorthin.

Das lässt sich leicht erklären, allerdings findet sich diese Erklärung nicht auf den Seiten dieser Zeitungen. Das kostenpflichtige Abnehmprogramm „fitmio“ mit Prof. Dr. Ingo Froböse, dem „Experten an Ihrer Seite“, ist ein Unternehmen der DuMont Net GmbH & Co. KG, einer hundertprozentigen Tochter der Mediengruppe M. DuMont Schauberg.

Der Verlag M. DuMont Schauberg ist also mit seiner Internet-Tochter Betreiber eines Abnehmprogramms mit Ernährungs- und Bewegungsplan inklusive Motivationsvideos von Prof. Dr. Froböse, das immerhin 79 Euro kostet. Und nutzt seine Zeitungen und deren Online-Seiten, dieses Angebot im redaktionellen Teil und ohne Hinweis auf die wirtschaftliche Verquickung zu bewerben. Er lässt eine Leserin sogar scheinbar unabhängig das Angebot testen. Die 47-jährige TV-Programmplanerin aus Bergisch Gladbach ist, Überraschung, sehr angetan.

Auf den „fitmio“-Seiten lacht übrigens treuherzig folgender Hinweis:

„Ich bin der Spiritus Rector der Redakteure“, sagt Alfred Neven DuMont, der Patriarch des Verlages, dem „Spiegel“, der ihn als positives Gegenbeispiel zu Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer darstellt. „Man muss doch Leidenschaften haben. Das Schlimmste für mich wäre, Bankier zu sein und nur noch an das Geld denken zu müssen.“

Neven DuMont sagt: „Ich glaube an die Zeitung.“ Zumindest weiß sein Verlag, wofür sie noch nützlich sein kann.

Mit Dank an Kai B.!

Nachtrag, 30. Januar. Aus dem Internetauftritt der „Frankfurter Rundschau“ sind die Artikel mit der „fitmio“-Werbung plötzlich verschwunden.

Die nächste Zarah Neander

Es ist eine Geschichte epischer Tragweite, daran ließ der „Spiegel“ in seiner Ausgabe vom 14. Januar gar keine Zweifel. Schon in der Ankündigung auf Seite 5 fährt das Nachrichtenmagazin die ganz großen Geschütze auf:

Ein Biologe spielt Gott — Seite 110

Mit Hilfe der synthetischen Biologie will George Church Neandertaler klonen und virusresistente Menschen schaffen. „Die Technik schreitet so rasant voran wie noch nie“, sagt der amerikanische Genforscher im SPIEGEL-Gespräch.

Das Gespräch beginnt dann auch direkt mit der spannenden Frage nach der Rückkehr der Neanderthaler:

SPIEGEL: Herr Church, Sie kündigen an, schon bald werde es möglich sein, Neandertaler zu erschaffen. Was heißt „bald“? Werden Sie es noch erleben, dass ein Neandertaler-Baby geboren wird?

Church: Das hängt von verdammt vielem ab, aber ich denke trotzdem, die Antwort lautet: „Ja“. Denn die Technik schreitet so rasant voran wie noch nie. Vor allem kostet das Lesen und Schreiben von DNA heute nur noch ein Millionstel dessen, was es noch vor sieben, acht Jahren gekostet hat. Allerdings müssten wir, um die Ausrottung des Neandertalers rückgängig zu machen, das Klonen von Menschen erproben. Technisch dürfte das möglich sein. Wir können lauter Säugetiere klonen, warum also nicht auch den Menschen?

Im Folgenden werden die Fragen verhandelt, ob es überhaupt wünschenswert sei, den Neandertaler wiederauferstehen zu lassen („Nur wenn sich ein gesellschaftlicher Konsens darüber herstellen lässt“), worin der Nutzen liegen könnte („Vielleicht denken die Neandertaler völlig anders als wir“) und ob die „Wiedergeburt von Neandertalern“ technisch überhaupt möglich sei (anscheinend schon).

Dann kommt die entscheidende Frage:

SPIEGEL: Und als Leihmutter suchen Sie sich einen „besonders abenteuerlustigen weiblichen Menschen“, wie Sie in Ihrem Buch schreiben?

Church: Ganz genau – vorausgesetzt natürlich, dass das Klonen von Menschen von der Gesellschaft akzeptiert würde.

Was diese dünnen Worte im Zeitalter von Castingshows in Journalistengehirnen anrichten können, zeigte sich alsbald: Die britische „Daily Mail“ schrieb am Sonntag, der Forscher „sucht eine Mutter für ein geklontes Höhlenmenschenbaby“ und führte aus:

Man hält sie normalerweise für eine brutale, primitive Spezies.

Welche Frau würde also ein Neanderthaler-Baby zur Welt bringen wollen?

Und dennoch ist dieses Szenario der Plan von einem der weltweit führenden Genetiker, der eine Freiwillige sucht, die ihm dabei hilft, diesen lange ausgestorbenen nahen Verwandten des Menschen wieder zum Leben zu erwecken.

Professor George Church von der Harvard Medical School glaubt, er könne die Neanderthaler-DNA rekonstruieren und die Spezies wiederauferstehen lassen, die vor 33.000 Jahren ausgestorben ist.

(Übersetzung von uns.)

Und weiter:

Er sagt: „Nun brauche ich einen abenteuerlustigen weiblichen Menschen.

Es hängt von verdammt vielen Dingen ab, aber ich denke, man kann das machen.“

(Übersetzung von uns.)

Damit war die Geschichte natürlich noch einmal bedeutend spannender, als sie im „Spiegel“ und in der Zusammenfassung bei „Spiegel Online“ gewesen war, wo sie – trotz der reißerischen und irreführenden Titelzeile „Genforscher George Church will Neandertaler klonen“ – von deutschen Boulevard-Journalisten noch ignoriert worden war.

Der „Berliner Kurier“ titelte gestern:

Leihmutter soll Neanderthaler gebären

Dem Kölner „Kurier“-Schwesterblatt „Express“ gelang es wie üblich, das Thema auf eine lokale Ebene herunterzubrechen:

Leihmutter für Neanderthaler-Baby gesucht! Harvard-Professor will Steinzeit-Rheinländer züchten

Beide Zeitungen berichten übereinstimmend, George Church glaube, „dass er Neandertaler wieder zum Leben erwecken kann“. Das hatten zwar die „Daily Mail“ und nach ihr viele andere Medien in aller Welt behauptet, Professor Church jedoch offensichtlich nie.

Der Wissenschaftler sah sich also genötigt, via „Boston Herald“ klarzustellen, dass er persönlich keinerlei Ambitionen hege, einen Neanderthaler zu klonen:

„Ich befürworte das sicherlich nicht“, sagte Church. „Ich sage nur, wenn es eines Tages technisch möglich ist, müssen wir heute anfangen, darüber zu reden.“

Church sagte, er sei nicht einmal an der Sequenzierung von Neanderthaler-DNA beteiligt — einem Projekt, von dem Wissenschaftler sagen, dass es geholfen habe, festzustellen, dass moderne Menschen tatsächlich Spuren ihrer entfernten, menschenähnlichen Vorfahren tragen.

[...]

Church sagte, er habe in mehr als 20 Jahren vermutlich 500 Interviews geführt und dies sei das erste, das derart aus dem Ruder gelaufen sei.

(Übersetzung von uns.)

Stunden, nachdem Professor Churchs Richtigstellung für Jedermann lesbar im Internet erschienen war, nahm sich endlich auch Bild.de des Themas an:

LEIHMUTTER FÜR IRRES EXPERIMENT GESUCHT: US-Genforscher will Neandertaler züchten!

Die Bild.de-Autoren zitieren zwar ausgiebig aus dem „Spiegel“-Interview, scheinen aber nicht bemerkt zu haben, dass Church dort gar nicht behauptet, er selbst wolle „einen Menschen erschaffen, der gegen alle bekannten Krankheiten immun ist – indem er einen Neandertaler klont!“

Der „Berliner Kurier“ hat für seine heutige Aufgabe indes sogar richtiggehend recherchiert und mehrere Wissenschaftler aufgetan, die Churchs „Pläne“ scharf kritisieren. Nur Churchs eigener Widerspruch bleibt unerwähnt.

Mit Dank an Erwin P., Christian P. und Basti.

Man schreibt „deutsch“

Manchmal berichten die Medien nicht nur über das, was los ist, sondern auch über das, was nicht los ist.

Kevin Costners Frau wird fälschlicherweise für Deutsche gehalten

Der amerikanische Filmschauspieler Kevin Costner hat also der deutschen Frauenzeitschrift „Freundin“ erzählt, dass er keine Ahnung habe, wo das Gerücht herkomme, seine Frau Christine Baumgartner Deutsche sei. Die Nachrichtenagentur dapd hat daraus eine Meldung gebaut und Medien wie Bild.de haben sie veröffentlicht.

Und tatsächlich scheint der Irrglaube, Frau Baumgartner sei Deutsche, weit verbreitet zu sein: Die Internetfilmdatenbank imdb.com behauptet dies, ebenso der englischsprachige und der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag zu Kevin Costner*, sowie sein Eintrag im renommierten Personen-Archiv Munzinger.

Es folgt also das Dokument einer wechselvollen Liebe zwischen einem Mann und einer nicht-deutschen Frau, wobei letztere zwischendurch ihren Namen, ihr Alter und ihren Beruf wechseln, heiraten, dann doch nicht heiraten und nebenbei auch noch die Zeitschrift „die aktuelle“ ehelichen wird:

„Bild“, 18. April 2001:

Hier klatscht Zurzeit im Urlaub London. Er kam, sah – und heiratete! Hollywood-Held Kevin Costner (46, „Der mit dem Wolf tanzt“) hat seine deutsche Verlobte Christine Baumgarten [sic!] (26) in Italien heimlich geehelicht. Ganz romantisch vor dem Altar einer kleinen Kapelle in der Toskana. Die Hochzeit nicht auf dem Reiseplan. Costner war mit Christine beruflich unterwegs, entschied sich in einem Anflug von Romantik, seiner Christine in dieser wunderschönen Gegend die ewige Treue zu schwören.

„Hamburger Morgenpost“, 18. April 2001:

Für so romantisch hält man Kevin Kostner eigentlich nicht. Doch während der Promotiontour zu seinem neuesten Film legte der 46-Jährige einen Stopp in der Toskana ein und heiratete kurz entschlossen seine deutsche Freundin Christine Baumgarten [sic!].

„Express“, 25. April 2001:

Hochzeit 3: Hollywood-Star Kevin Costner (46). „Gala“ berichtet, dass Costner seine schöne Freundin, das deutsche Model Christine Baumgarten [sic!] (23) doch noch nicht in der Toskana geheiratet hat. Aber im Mai solls so weit sein – im Mittelmeer auf der Luxusyacht „Lion Heart“.

„Express“, 5. Juni 2002:

Kevin Costner kann wieder der einsamen Wolf spielen. Zwei Jahre lang küsste der 46-Jährige das deutsche Model Christine Baumgartner (23), sprach sogar von Hochzeit. Aus, vorbei. Der Zeitschrift „Frau im Spiegel“ bestätigte er: „Wir sind nicht mehr zusammen.“

„Express“, 2. Oktober 2002:

Schlechte Nachricht für die Damenwelt: Hollywood-Schönling Kevin Costner hat das Herz seiner Ex Christine Baumgarten [sic!] zurückerobert. Das deutsche Model hatte ihm wegen seiner Untreue nach zwei Jahren Beziehung den Laufpass gegeben.

„Das Neue Blatt“, 2. Juli 2003:

Vor drei Jahren traf ihn Amors Pfeil mitten ins Herz. Seine Freundin Christine Baumgartner (30) ist Deutsche – sie hat den Frauenheld gezähmt.

„B.Z.“, 17. Januar 2004:

Hollywood-Star Kevin Costner, 48, und seine deutsche Freundin Christine Baumgartner, 29 (Foto), bummelten verliebt durch Rom. In diesem Jahr wollen sie heiraten.

„B.Z.“, 25. Januar 2004:

Ihre Freundin Christine ist eine Deutsche. Hat sich dadurch Ihr Bild von Deutschland verändert?

Ich habe kein anderes Bild von Deutschland als vorher, was daran liegt, dass meine Vorfahren auch Deutsche waren.

„Der Tagesspiegel“, 25. Januar 2004:

Kevin Costner (49), Schauspieler und Regisseur, will nach langem Zaudern im Herbst seine deutsche Verlobte Christine Baumgartner (29) heiraten.

„Berliner Kurier“, 29. Januar 2004:

Die deutsche Taschendesignerin Christine Baumgartner ist seit vielen Jahren ihre Freundin. Wollen Sie bald heiraten.

Oh, ja! Ich habe sie gefragt, ob sie mich heiraten würde, und sie hat Ja gesagt. Im September werden wir heiraten und Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich mich darauf freue.

„B.Z.“, 13. März 2004:

Frauenschwarm Kevin Costner, 49, traut sich wirklich ein zweites Mal: Der US-Schauspieler will seine deutsche Verlobte Christine Baumgartner, 29, (Foto) noch dieses Jahr heiraten.

„Berliner Kurier“, 23. September 2004:

Kevin Costner kommt unter die Haube: Der Schauspieler heiratet am Wochenende seine langjährige deutsche Freundin Christine Baumgartner.

„B.Z.“, 23. September 2004:

Die Hochzeitsglocken läuten für Kevin Costner, 49. Der Hollywood-Star soll seine deutsche Freundin Christine Baumgartner, 26, am Sonnabend auf seiner Ranch in Aspen, Colorado, das Ja-Wort geben.

„Express“, 24. September 2004:

Hollywoodstar Kevin Costner (49) traut sich doch. Am Samstag will er seine langjährige deutsche Freundin Christine Baumgartner heiraten.

„Bild“, 25. September 2004:

Kevin Costner (49) heiratet heute seine deutsche Freundin Christine Baumgartner (27).

„Bild am Sonntag“, 26. September 2004:

Für 2 Millionen Dollar! Kevin Costner heiratete deutsche Freundin

„Bild“, 27. September 2004:

Kevin Costner & seine deutsche Braut: Traumhochzeit! Hier paddelt Kevin Costner seine Braut ins Ehe-Glück

„B.Z.“, 28. September 2004:

Heiraten im Jogginganzug (wie Britney Spears) ist out. Kevin Costner und seine deutsche Frau zeigen den neuen Trend: Comeback der Romantik-Hochzeit

„Bild“, 6. Oktober 2004:

Sie spielen mit dem Schwung der Liebe. Hollywoodstar Kevin Costner (49) und seine frisch angetraute, deutsche Frau Christine (30) auf dem weltberühmten Golfplatz Old Course in St. Andrews (Schottland).

„Die Welt“/“Berliner Morgenpost“, 27. September 2006:

Ebenfalls am 1. Oktober präsentiert der Filmverleih Buena Vista International sein Rettungstaucher-Drama „Jede Sekunde zählt – The Guardian“ (Kinostart 19. Oktober) in Berlin. Dafür kommen die beiden Hauptdarsteller Kevin Costner (verheiratet mit der Deutschen Christine Baumgartner) und Ashton Kutcher, der Ehemann von Demi Moore, angeflogen.

„Süddeutsche Zeitung“, 14. Oktober 2006:

Seit 2004 ist er mit der deutschen Designerin Christine Baumgartner verheiratet.

„Express“, 29. Oktober 2006:

Und auch in Sachen Liebe fand Costner wieder sein Glück. Im September 2004 heiratete er die deutsche Handtaschendesignerin Christine Baumgartner.

„Hamburger Morgenpost“, 10. Februar 2007:

Hollywood-Star Kevin Costner (52, „Der mit dem Wolf tanzt“) wird wieder Papa. Ehefrau Christine erwartet das erste gemeinsame Kind. „Beide sind sehr aufgeregt und sehr glücklich“, so ein Sprecher. Costner hatte die Deutsche 2004 in Colorado geheiratet.

dpa, 25. Februar 2007:

Die Ehefrau von Hollywood-Star Kevin Costner hat verkündet, dass ihr erstes gemeinsames Kind ein Junge werde. Und sie weiß noch mehr: Die auf Ultraschallbildern erkennbaren Gesichtszüge zeigten eine deutliche Ähnlichkeit mit dem Schauspieler, sagte die 32-jährige deutsche Gattin der Zeitschrift „die aktuelle“.

„B.Z.“, 26. Februar 2007:

Kevin Costner und seine deutsche Frau Christine Baumgartner erwarten laut Ultraschall einen Jungen. Im Mai soll der Mini-Costner zur Welt kommen.

„B.Z.“, 8. Mai 2007:

Hollywood-Star Kevin Costner (52) und seine deutsche Ehefrau Christine Baumgartner (33) sind Eltern geworden.

„Berliner Morgenpost“, 8. Mai 2007:

Hollywood-Star Kevin Costner (52) und seine deutsche Ehefrau Christine Baumgartner (33) sind Eltern geworden.

„Bild“, 9. Mai 2007:

Hollywoodstar Kevin Costner (52) und seine deutsche Ehefrau Christine Baumgartner (33) sind Eltern geworden.

„Berliner Kurier“, 17. Oktober 2008:

Hollywood-Star Kevin Costner (53) und seine deutsche Ehefrau Christine (34) erwarten ihr zweites gemeinsames Kind.

„Berliner Morgenpost“, 17. Oktober 2008:

Auf Hollywood-Star Kevin Costner und seine deutsche Frau wartet neues Kinderglück: Ein Sprecher des Schauspielers bestätigte in Los Angeles die zweite Schwangerschaft der 34-jährigen Christine Baumgartner.

„Express“, 17. Oktober 2008:

Hollywood-Star Kevin Costner (53) und seine deutsche Ehefrau Christine Baumgartner (34) erwarten ihr zweites Kind. Dies bestätigte ein Sprecher des Paares der US-Zeitschrift „People“.

„Express“, 18. Oktober 2008:

Hollywood-Star Kevin Costner (53; „Der mit dem Wolf tanzt“) und seine deutsche Frau Christine Baumgartner (34) erwarten Baby Nummer zwei.

„Express“, 16. Juli 2009:

Im September 2004 heirateten Kevin Costner (54) und die gebürtige Hamburgerin Christine Baumgartner (34). Die schöne Blonde schenkte Costner dessen Kinder Nummer 5 und 6

„Berliner Kurier“, 16. Juli 2009:

Kevin Costner (54) verliebte sich in die deutsche Designerin Christine Baumgartner (33). 2004 heiratete das Paar ganz romantisch auf Costners Ranch in Aspen, Colorado. Beide haben zwei Söhne.

Bild.de, 16. Juli 2009:

Auch Kevin Costner (54) ist mit der deutschen Handtaschen-Designerin Christine Baumgartner (35) verheiratet.

„Express“, 14. Oktober 2009:

Seit fünf Jahren ist er mit der Deutschen Christine Baumgartner verheiratet, bedauerte: „Leider spreche ich eure Sprache nicht. Aber ich bin immer beeindruckt, wenn ich nach Europa komme und von allen verstanden werde.“

„B.Z.“, 17. Oktober 2009:

Ganz ohne seine deutsche Frau, Handtaschen-Designerin Christine Baumgartner (35) und die beiden Baby-Söhne will der Sechsfach-Papa mal so richtig rocken.

„Berliner Kurier“, 19. Oktober 2009:

Seine deutsche Frau Christine Baumgartner brachte ihn übrigens zur Musikkarriere. „Sie machte mir Mut, in der Öffentlichkeit aufzutreten.“

„Express“, 28. November 2009:

Aber natürlich habe ihn auch seine deutsche Ehefrau Christine Baumgartner immer wieder zu diesem Schritt angetrieben, verrät der Ausnahmeschauspieler.

„Hamburger Morgenpost“, 10. März 2010:

Mit seinem Kumpel John Coinman hatte er schon vor 20 Jahren eine eigene Band namens Roving Boy. Diesmal musste ihn erst seine deutsche Gattin Christine Baumgartner ermutigen, wieder mit der Musik anzufangen.

„Bild“, 10. März 2010:

Seit über 20 Jahren macht der Schauspieler auch Musik, seine deutsche Frau Christine Baumgartner (36) hat ihn ermutigt, wieder als Sänger auf der Bühne zu stehen.

„Hamburger Morgenpost“, 13. März 2010:

Seine zweite Frau Christine Baumgartner (36) heiratete er 2004. Hartnäckig hält sich das Gerücht, sie sei gebürtige Hamburgerin. Costner: „Nein, das stimmt nicht. Wir haben beide deutsche Vorfahren, aber das liegt lange zurück. Meine Frau ist ein kalifornisches Surfergirl. Sie ist einfach wunderschön und so lustig. Mit ihren blonden Haaren würde sie aber auch perfekt nach Deutschland passen.“

„Berliner Morgenpost“, 15. März 2010:

Der Musiker Kevin Costner griff in den Drehpausen seiner Filme immer wieder zur Gitarre und schrieb Songs. Seine deutsche Frau Christine Baumgartner überzeugte ihn vor fünf Jahren, wieder eine Band zu gründen.

„Bild“, 18. März 2010:

Hollywoodstar Kevin Costner (55, „Der mit dem Wolf tanzt“) wird zum 7. Mal Vater. Seine deutsche Frau Christine Baumgartner (42) erwartet das 3. gemeinsame Kind.

dpa, 4. Juni 2010:

Hollywood-Schauspieler Kevin Costner (55) ist zum siebten Mal Vater geworden. Seine deutsche Frau, Model und Designerin Christine Baumgartner, (36) brachte das Mädchen Grace Avery am Mittwoch zur Welt, wie Costners Sprecher dem US-Magazin „People“ am Donnerstag bestätigte.

„Bild“, 4. Juni 2010:

Kevin Costner (55, „Der mit dem Wolf tanzt“) hat mit seiner Kinderschar jetzt eine Handballmannschaft zusammen. Der Oscar-Preisträger und seine deutsche Frau Christine Baumgartner (36) verkündeten gestern die Geburt von Grace Avery.

„Hamburger Morgenpost“/“Berliner Kurier“, 8. Mai 2011:

Bei Weltstars wächst die Liebe zu „Germany“. Auch bei Kevin Costner (56) wuchs sie mit der Liebe zu seiner deutschen Ehefrau Christine (37).

„Ostsee-Zeitung“, 25. Mai 2011:

Costner ist seit 2004 mit der deutschen Modedesignerin Christine Baumgartner verheiratet.

Mit Dank an Janek W.

*) Nachtrag, 20.45 Uhr: Inzwischen behaupten die Wikipedia-Einträge nicht mehr, dass Kevin Costner mit einer Deutschen verheiratet sei.

Lucien Favre spricht

Zweck-Optimismus in Mönchengladbach:

Lucien Favre lächelt wieder, der Schock vom 0:1 gegen Lautern ist halbwegs verdaut. Vor den Endspiel-Wochen spricht der Trainer im EXPRESS.

Favre spricht im „Express“ unter anderem über „Borussias Minimal-Chance im Abstiegskampf“, „den nächsten Gegner Bayern München“ und „die Formkrise von Marco Reus“.

Dabei ist entscheidend, dass er im „Express“ spricht und nicht etwa mit ihm: Favres Statements hat der „Express“ nämlich aus einem Interview mit dem Mönchengladbacher Radio 90,1 von vergangener Woche herausdestilliert, das in schriftlicher Form auch auf einer Borussia-Fanseite erschienen war.

Der „Express“ selbst hat mit dem Trainer gar nicht gesprochen, wie uns der Verein auf Anfrage bestätigte.

Diese Art der O-Ton-Beschaffung scheint bei Boulevardzeitungen gerade voll im Trend zu liegen.

Mit Dank an Christian G.

Indizien-Express

Es ist immer das Gleiche: Eine Zeitung behauptet, ein Fußballspieler stehe vor einem Vereinswechsel, und der Spieler dementiert. Erst im Nachhinein lässt sich sagen, wer recht hatte — das Verhältnis dürfte etwa bei 50:50 liegen.

Insofern ist es mit Vorsicht zu genießen, wenn Marco Reus von Borussia Mönchengladbach heute auf der Vereins-Website beteuert, er habe keinerlei Wechsel-Ambitionen, die ihm der „Express“ für den Fall des Abstiegs aus der ersten Bundesliga unterstellt hatte.

Doch der „Express“ hatte noch mehr geschrieben:

Sein neuer Audi Q 5, mit dem er am Dienstag zum Gladbacher Training erschien, hat bereits ein Dortmunder Kennzeichen…

Der 21-jährige gebürtige Dortmunder hat dafür eine recht einleuchtende Erklärung:

Und zu der Sache mit dem Nummernschild: Meine Eltern leben in Dortmund, deshalb das Dortmunder Kennzeichen, und das nicht neuerdings, sondern schon lange.

Mit Dank an Marcus M. und Lukas K.

Der untote Fußball

Empört berichtete der Düsseldorfer „Express“ am Mittwoch über die Verurteilung des Jugendfußballers Enver Yilmaz zu 2.000 Euro Schmerzensgeld wegen eines Foulspiels.

2.000 € Schmerzensgeld: Urteil erschüttert die Fußballwelt

Als Enver Yilmaz noch für die Spvg Odenkirchen spielte, hatte er bei einem Pokalspiel gegen den 1. FC Mönchengladbach seinen Gegenspieler gefoult. Ein zweifacher Beinbruch war die Folge und eine Strafanzeige zwei Wochen später. Das Strafverfahren wurde vom Richter eingestellt, eine später eingereichte Zivilklage endete nun aber mit einem Schmerzensgeld von 2.000 Euro.

Der „Express“-Reporter ließ keinen Zweifel daran, was er vom Urteil hält: Er fragt „Kann man jetzt nur noch in anwaltlicher Begleitung kicken?“, nennt die Entscheidung der Richterin „unglaublich“ und zitiert den Geschäftsführer des Fußballkreises Düsseldorf, der das Urteil für den „Tod des Fußballs“ hält.

Denn dieses Urteil ist einmalig.

schreibt der „Express“ und legt so nahe, dass es so etwas in der Geschichte des Fußballs noch nicht gegeben habe. Doch in der Vergangenheit gab es schon häufiger Schmerzensgeldforderungen verletzter Spieler vor Gericht, so mancher Klage wurde stattgegeben.

So hat das Landgericht Münster im Jahr 2002 einen Fußballer zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 4.500 Euro und Schadensersatz verurteilt und allein im Fußballkreis Bochum gibt es mehre Fälle von erfolgreichen Schmerzensgeld- und Schadensersatzklagen, wie „Reviersport“ schon vor drei Jahren berichtete.

Auch international gab es schon vergleichbare Fälle: In Großbritannien wurde beispielsweise der australische Nationalspieler Kevin Muscat zu einem horrenden Schmerzensgeld verurteilt, nachdem er 1998 dem englischen Fußball-Profi Matty Holmes ein Bein gebrochen hatte.

Besonders spektakulär war allerdings der Fall Rachid Bouaouzan von Sparta Rotterdam, der zu einem Schmerzensgeld von 100.000 Euro und 6 Monaten Haft verurteilt wurde, weil er einen Gegenspieler gefoult hatte. Daran konnte auch ein Einspruch vor dem Obersten Gerichtshof nichts ändern.

Andere Medien fanden die „Express“-Story so spannend, dass sie sich davon inspirieren ließen. sport.t-online.de und fussball.de erklärten unisono:

Der Fall, der jetzt vor das Oberlandesgericht Frymuth geht, dürfte den DFB in Alarmbereitschaft setzen.

Dabei haben sie offenbar einen Punkt übersehen. Der „Express“ hatte nämlich geschrieben:

Der Fall geht jetzt vor das Oberlandesgericht. Frymuth: „Wenn nötig, unterstützen wir den Spieler dabei.“

Peter Frymuth ist Präsident von Fortuna Düsseldorf und Vorsitzender des DFB-Jugendausschusses. Die Artikel bei t-online.de und fussball.de sind inzwischen offline.

Mit großem Dank an Ralf M.

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