Küss mich, wo die Sonne nie scheint

Peking und andere chinesischen Metropolen leiden mal wieder unter extremer Luftverschmutzung. Aber Smog Not macht ja bekanntlich erfinderisch:

Peking versinkt im Smog - Jetzt scheint die Sonne von Bildschirmen! - Am späten Nachmittag lässt die Regierung den Sonnenuntergang auf Bildschirmen untergehen

Smogalarm in Peking: Die 12-Millionen-Metropole versinkt in Abgasen. Sogar die Sonne kommt kaum durch den dichten Dunst. Die chinesische Regierung lässt bereits auf öffentlichen Bildschirmen und Displays die Sonne auf und untergehen.

Auch der "Express" berichtet …

Auf den großen Bildschirmen, die sonst für touristische Sehenswürdigkeiten werben, werden jetzt virtuelle Sonnenaufgänge gezeigt.

… ebenso wie Blick.ch

Damit die Bürger nicht vergessen, wie schönes Wetter aussieht, hat man nun auf den Bildschirmen am Platz des himmlischen Friedens in Peking die Bilder angepasst.

… die "Berliner Morgenpost"

So installierte die Regierung am Tiananmen-Platz eine riesige LED-Wand, um Licht ins derzeitige Dunkel der 20-Millionen-Einwohner-Metropole zu bringen.

… und "Spiegel Online":

Ein gigantischer LED-Schirm auf dem Tiananmen-Platz in Peking zeigt einen virtuellen Sonnenaufgang. […] Die Menschen strömen mit Schutzmasken über Mund und Nase zu den großen Plätzen der Stadt, dorthin, wo große Bildschirme normalerweise touristische Sehenswürdigkeiten bewerben. Nur hier können die Chinesen in diesen Wochen einen Sonnenball erblicken.

Auch in internationalen Medien fand die kuriose Geschichte vom virtuellen Sonnenauf– bzw. –untergang (so ganz können sich die Journalisten da nicht einigen) reichlich Beachtung.

In die Welt gesetzt wurde die Meldung von der nicht gerade für ihre Zuverlässigkeit bekannte "Daily Mail", was aber niemanden der abschreibenden Journalisten gestört hat. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass der "Daily Mail"-Reporter gar nicht in Peking sitzt, sondern in New York. Oder dass die Bildschirme schon seit 2009 auf dem Platz stehen. Oder das Logo der Touristen-Behörde der Provinz Shandong, das man bei etwas näherer Betrachtung unten rechts auf dem Bildschirm erkennen kann — und das nicht ohne Grund dort zu finden ist.

Denn das Sonnen-Video hat in Wirklichkeit einen ganz anderen Hintergrund, wie ein Journalist aus Peking berichtet:

Die Wahrheit ist, dass der Sonnenaufgang sicher weniger als zehn Sekunden zu sehen ist — als Teil einer Tourismus-Werbung für die chinesische Provinz Shandong. Die Werbung wird jeden Tag gespielt, das ganze Jahr über; unabhängig davon, wie schlimm die Verschmutzung ist. Der Fotograf hat das Foto einfach in dem Moment geschossen, als der Sonnenaufgang erschien.

(Übersetzung von uns.)

Der Autor verweist auf ein ähnliches Werbe-Video auf der offiziellen Tourismus-Website von Shandong, in dem ebenfalls viele Sonnenaufgänge zu sehen sind — und fährt fort:

Schande über alle Medien, die diese Farce verbreitet haben. China hat durchaus seine Probleme, doch die Medien haben bewiesen, dass sie viel zu sehr darauf aus sind zu kritisieren, nur um über den Schock-Faktor Klicks zu generieren. Pekings Verschmutzung ist schon schlimm genug ohne diese unehrliche Sensationsgier.

Time.com, "CBS News" und andere internationale Medien haben sich inzwischen korrigiert. Die deutschsprachigen Medien nicht.

Mit Dank an Lars A.

Nachtrag, 23. Januar: "Spiegel Online" hat den Text transparent korrigiert.

Anzeige

Eine Legende kehrt zurück

Ach, vielleicht muss man das ja doch einfach noch einmal erzählen, wie das war damals, an jenem Samstagabend im Februar 1973, als Carmen Thomas als erste Frau zum zweiten Mal "Das aktuelle Sportstudio" im ZDF moderierte und dort, druckfrisch, die "Bild am Sonntag" des darauffolgenden Tages in die Kamera hielt, die unter der Überschrift "Charme allein genügt nicht, Frau Thomas!" bereits vor der Sendung einen Verriss gedruckt hatte, in dem der "BamS"-Autor behauptete, die Sendung, in der Thomas "irrsinnig nervös, unsicher vor der Kamera" gewesen sei, "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" gesehen zu haben.

Auf jeden Fall aber sollte man sich noch einmal daran erinnern, wie Carmen Thomas vier Sendungen bzw. fünf Monate später mal versehentlich (und von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt) den Fußballverein Schalke 04 "Schalke 05" genannt hatte, woraufhin die "Bild"-Zeitung zwei Wochen später auf der Titelseite behauptete, die Moderatorin sei "im ZDF-Sportstudio gescheitert", und um ihren "05"-Versprecher ein ziemliches Gewese gemacht wurde, das ihr Leben veränderte.

Doch warum schreiben wir das jetzt alles noch einmal auf?

Weil einem Moderator in der Schweiz neulich der gleiche Fehler passiert ist.TV-Patzer in der Schweiz - Moderator: "Schalke 05 gegen Real Madrid"

Und viele Medien behaupten jetzt:

Vor 40 Jahren hat in Deutschland eine Frau deswegen sogar den Job verloren.

(Blick.ch)

Einst kostete dieser Versprecher Carmen Thomas den Job als Moderatorin des "Aktuellen Sportstudios"

(Sport1.de)

Der Versprecher kostete Frau Thomas den Job. Ihr Ruf war ruiniert.

(Welt.de)

Ein Lapsus, der vor ziemlich genau 40 Jahren Carmen Thomas den Job als Moderatorin des Aktuellen Sportstudios kostete.

(Express.de und Mopo.de)

Oder in den Worten von Bild.de:

Am 21. Juli 1973 hatte Thomas beim ZDF-Sportstudio ebenso von Schalke 05 gesprochen. In der damaligen Zeit der Todesstoß für ihre Karriere in der Männerwelt des Sports.

Dabei hat Carmen Thomas erst vor ein paar Wochen in einem Interview mit "Focus Online" erklärt:

Ich habe das "Sportstudio" noch anderthalb Jahre weitermoderiert. Aber die Lüge hält sich bis heute, dass ich damals nach dem Versprecher raus gewesen wäre.

Und der dapd sagte sie Anfang des Jahres:

Tatsächlich folgten noch eineinhalb Jahre "Aktuelles Sportstudio" […]. Aber die Legende lebt und lebt.

Mit Dank an Marvin.

Bild  blick.ch  

Hände hoch, Story her

Wegen fehlender anderweitiger Kennzeichnung müssen wir davon ausgehen, dass es sich bei diesem Text aus der heutigen "Bild" um einen Artikel handelt:

Hände hoch, du Puppe! BANKRAUB FÜRS KINDERZIMMER Nürnberg - Cowboy und Indianer war gestern. Geht

Der "perfekte Bankraub für zu Hause", besser hätte es die Promo-Abteilung von Playmobil wohl auch nicht ausdrücken können. Nur, dass es als Anzeige in der Bundesausgabe mehr als 40.000 Euro gekostet hätte.

Wenn Sie jetzt sagen, es könne doch durchaus einen Nachrichtenwert haben, dass es diesen "Bankraub fürs Kinderzimmer" "ab sofort" zu kaufen gebe, müssen wir Sie enttäuschen: Beim Internetversandhändler Amazon können Sie die "Bank mit Geldautomat" (so der offizielle Name des Produkts) bereits seit dem 10. Februar 2012 bestellen. Und dieses einjährige Jubiläum kann ja auch kein Grund für eine Berichterstattung ("ab sofort") sein.

Es hätte da allerdings schon einen Grund für aktuelle Berichterstattung gegeben — tatsächlich gab es den auch in jenen britischen Boulevardmedien, von denen sich "Bild" so gerne inspirieren lässt: Der "Daily Mirror" berichtet seit Samstagabend auf seiner Internetseite, dass Aktivisten gegen Schusswaffengewalt das Spielzeugset als "abscheulich" bezeichnet hätten. (Ob wenigstens diese Aussagen aktuell sind, geht aus dem Artikel leider nicht hervor — in Großbritannien gibt es die "Bank with Safe" auch schon fast ein Jahr lang zu kaufen.)

Die "Daily Mail" griff die Geschichte auf, die "Sun", die "Huffington Post" aus den USA und schließlich auch "Bild". Nur, dass die Geschichte dort völlig fehlt.

Die "Bild"-"Berichterstattung" hat derweil blick.ch inspiriert, über das "Bankraub-Set" zu schreiben, das Playmobil "seit kurzem" für "die Kleinsten unter den Kriminellen im Sortiment" habe.

Man kann den Redakteuren dort nicht vorwerfen, gar keine eigenen Recherchen mehr angestellt zu haben. Nur das Ergebnis ist etwas überraschend:

Wem ein Banküberfall zu langweilig ist, kann seinen Kleinen das Set "Diebstahl im Museum" kaufen, mit drei Museumsdieben, die mit ihrer raffinierten Ausrüstung an den Film "Mission Impossible" erinnern.

Immerhin nennt blick.ch keine Preise.

Mit Dank an Big J, Timo W. und Jürgen.

Mit Hehlerei kennt Ralph Grosse-Bley sich aus

Heute auf Facebook: Ralph Grosse-Bley, Chefredakteur der Schweizer Boulevardzeitung "Blick", ist stolz:

Raufende Chinesen, die den Kapitän von Flug LX 196 Zürich–Peking zur Umkehr zwingen: Das BLICK-Exklusiv-Video, das den älteren der beiden Chinesen leicht verletzt und schwer betrunken an Bord des Airbus A340 zeigt, war gestern der absolute Renner auf Blick.ch (siehe hier: http://bit.ly/TeVxG9)

Die Mini-DV-Kassette mit den Filmaufnahmen hatten BLICK-Reporter im Rahmen unfangreicher Recherchen am Montag von einem Schweizer erhalten, der mit an Bord war.

Gut, "der absolute Renner" dürfte das Video gewesen sein, weil die Leser unter der Überschrift "Schlägerei im Swiss-Airbus: Was wirklich geschah — Passagier filmte Chinesen, Augenzeugin spricht" vermutlich ein Video von einer ordentlichen Schlägerei erwartet hatten und nicht eines von Menschen, die nach einer Schlägerei (oder wonach auch immer, das geht aus dem Video nicht hervor) irgendwo rumstehen.

Aber darum soll es hier nicht gehen.

Ralph Grosse-Bley ist nämlich auch empört:

Im Lauf des Dienstags tauchte das Video dann auch auf der Website von 20 Minuten auf – mit einem Quellenhinweis auf eine zweifelhafte britische Website.

Wie geht das? Diese Website funktioniert ähnlich wie Youtube: Jeder kann aufschalten, was er will, zum Beispiel auch, was er gerade irgendwo im Internet geklaut hat. Etwa das exklusive BLICK-Video aus dem Swiss-Airbus.

Die Macher von "20 minuten.ch" finden das geklaute Video rein zufällig auf der britischen Website – und schon ist es bei ihnen online, mit Hinweis auf die zweifelhafte Website. Natürlich wissen sie, woher das Video in Wahrheit stammt, aber das spielt keine Rolle in der Online-ist-allesgratis-Philosophie.

Es sind Hehler, keine Journalisten. Hehler machen Geschäfte mit geklauter Ware. Journalisten recherchieren selbst.

Ja, diese verdammte Online-ist-allesgratis-Philosophie. Da kann Ralph Grosse-Bley sicherlich so einiges drüber berichten.

Zum Beispiel die Geschichte von Charley, dem Küken:

Youtube-Hit: Küken Charley geht mit seinem Besitzer joggen. Das Enten-Küken Charley begleitet seinen Besitzer auf Schritt und Tritt. Sogar beim Joggen ist es dabei. Das Video ist vom April 2010, wurde aber erst jetzt zum Youtube-Hit.

Das Video wurde zum YouTube-Hit und die Journalisten von blick.ch haben es offensichtlich bei YouTube heruntergeladen, mit ihrem Logo versehen und auf dem eigenen Server hochgeladen.

Oder dieses Video von einem Torwart-Tor aus der 2. Schweizer Liga:

Sonntagsschuss in der 2. Liga: Das Goalie-Goal des Jahres kommt aus der Schweiz. Gelegentlich lohnt es sich, auch einen Sonntagsausflug in die unteren Fussball-Ligen der Schweiz zu machen.

Das ist ist "ein Hit" auf YouTube, "hat schon über 140'000 Klicks eingeheimst" — und läuft jetzt mit der Originalmusik und dem Logo von footmag.ch, nur ergänzt um das Logo von blick.ch auf blick.ch.

Oder der betrunkene russische Baggerfahrer:

Russland: Betrunkener Baggerfahrer rammt 7 Autos. Etwas zu tief ins Glas geschaut hat dieser Baggerfahrer in Russland. Und das wird ihn wohl teuer zu stehen kommen.

Montag auf YouTube, heute bei blick.ch.

Oder dieser Beinahe-Unfall, bei dem offenbar sogar egal ist, wo er stattfand:

Brilliantes Ausweichmanöver: Lastwagen verhindert Horror-Crash

Vorher schon im Internet zu sehen gewesen.

Oder, ganz aktuell, die Schülerin, die ihren Lehrer tritt:

Volltreffer: Schülerin wehrt sich gegen aggressiven Lehrer. Eine Schülerin wird vor versammelter Klasse von ihrem Lehrer beschimpft und beleidigt. Als er sie auch noch mit dem Finger stupst reicht es ihr. Sie tritt entschlossen zu - und trifft!

Das Video macht seit gestern auf LiveLeak und YouTube die Runde und ist heute schon bei blick.ch zu sehen.

Ja, dieses Internet. Jeder kann "aufschalten", was er will, zum Beispiel auch, was er gerade irgendwo im Internet geklaut hat.

Mit Dank an André H.

Dumm knipst gut

Man soll ja nie Vorsatz unterstellen, wo Dummheit als Begründung völlig ausreichend wäre — und dennoch stellt sich bei diesem ganz besonderen Jahresrückblick von blick.ch die Frage, ob die Verantwortlichen wirklich nur sagenhaft blöd oder nicht doch auch menschenverachtende Zyniker sind:

Die besten Nacktbilder: Wer 2011 alles enthüllt wurde

In einem kurzen Alibi-Artikel feixt der Autor (es muss sich einfach um einen Mann handeln):

Glitzer, Glamour, gutes Benehmen – wenn sich Stars in der Öffentlichkeit zeigen, dann meist von ihrer besten Seite.

Doch im wahren Leben haben es Scarlett Johansson (26), Rihanna (23) und Co. faustdick hinter den Ohren. Ob oben-ohne oder splitterfasernackt – die Hollywood-Stars haben sich in Situationen geknipst, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

Dumm deshalb, wenn raffinierte Hacker die Handys oder Computer dieser Stars knacken und das Bildmaterial online stellen. So passiert im letzten Monat bei Power-Blondine Scarlett Johansson. Ihre Nackt-Bilder waren eigentlich für Ryan Reynolds (35) bestimmt, mit dem Johansson bis Ende 2010 verheiratet war. Doch nun kennt die ganze Welt Scarletts Schokoladenseite aus dem Jahr 2008.

Ja, "dumm", wenn Hacker sich Zugang zu persönlichen Daten verschaffen und das dann online stellen. Oder schlicht: "kriminell".

Aber wenn die Bilder schon einmal in der Welt sind, kann man sie natürlich auch weiterzeigen — in einer 12-teiligen Bildergalerie mit den "besten Nacktbildern" des Jahres. (Wobei mindestens eines der Fotos schon im Jahr 2009 im Internet auftauchte.)

Mit Dank an O.S.

Nachtrag, 11.40 Uhr: Unser Leser M. hat uns darauf hingewiesen, dass das "Nacktfoto" von Lindsay Lohan in der Bildergalerie von Blick.ch ein Szenenbild aus dem Film "Machete" von 2010 ist.

Prince Charming

Prinz Harry, Dritter der britischen Thronfolge und von den Boulevard-Medien gern als arger Hallodri beschrieben, weilt ob seiner Pilotenausbildung derzeit im Städtchen Gila Bend in Arizona.

Die britische "Daily Mail", als Quelle für seriöse Berichterstattung in etwa so tauglich wie die gesammelten Grimm'schen Märchen, berichtete vergangene Woche, der Prinz sei dort etwas reserviert empfangen worden:

Ron Henry, Bürgermeister der 1.700-Seelen-Gemeinde, in der viele Einwohner streng gläubige Christen sind, sagt, Harry solle aufpassen, da ihm sein Ruf als Frauenheld vorauseilt.

"Hier gibt es bestimmt einige Väter, die zu extremen Mitteln greifen würden, um ihre Töchter zu beschützen", sagte Mr. Henry, 64. "Einige der Väter würden nicht zimperlich mit einem Prinz umspringen, der sich des Nachts vergnügt."

(Übersetzung von uns.)

Mal mit, mal ohne Nennung der Quelle "Daily Mail" hat sich diese Geschichte in den vergangenen Tagen auch in deutschsprachigen Medien verbreitet — zugegebenermaßen vor allem in solchen, die mit der Seriosität von Grimms Märchen nicht wirklich mithalten können: RTL.de, "Focus Online", blick.ch, mopo.de oder der "Berliner Kurier" hatten darüber berichtet.

Die Geschichte verliert allerdings ein wenig dadurch, dass die Stadtverwaltung von Gila Bend schon am Tag, als der Artikel in der "Daily Mail" erschienen war, die angeblichen Zitate des Bürgermeisters brüsk zurückgewiesen hatte:

Unglücklicherweise hat die "Daily Mail" am 7. November 2011 eine schäbige und erfundene Geschichte aufgeschrieben. Bürgermeister Henry erklärte: "Ich bin tief betrübt, dass die "Daily Mail" Bemerkungen nicht nur aus dem Zusammenhang gerissen, sondern auch vollständig erdichtet hat. Tatsächlich waren die negativen Bemerkungen die Worte des Reporters, der sich entschieden hat, eine Geschichte lieber aufzubauschen und zu erfinden, als die Wahrheit zu berichten. Ich würde niemals solche seltsamen Äußerungen machen. Wir haben enormen Respekt und Verehrung für Prinz Harry und die königliche Familie. Wir sind aufgeregt, stolz und geehrt, ihn in unserer Gemeinde zu haben, und wir werden alles dafür tun, dass sein Aufenthalt so angenehm wie möglich wird."

(Übersetzung von uns.)

Mit Dank an Konstantin K.

Slumdog Billionaire — Jetzt erst recht

Unter Journalisten scheint ein irrsinniger Wettbewerb ausgebrochen zu sein, wer das "teuerste Haus der Welt" in Mumbai am höchsten taxiert.

Vor fast einem Jahr lag der Preis für das Privathaus des indischen Milliardärs Mukesh Ambani bei rund einer Milliarde Dollar (damals rund 760 Millionen Euro), was schon ein sehr unrealistischer Preis war (BILDblog berichtete).

Vergangene Woche erhöhte heute.at auf eine Milliarde Euro, was nicht eben realistischer war (BILDblog berichtete auch da).

In nur wenigen Tagen muss es eine wahre Kostenexplosion gegeben haben.

Blick.ch ist heute jedenfalls bei umgerechnet 1,6 Milliarden Euro angekommen:

Ein indischer Milliardär baut sich einen Mega-Palast. Einen modernen Wolkenkratzer, 27 Stockwerke hoch. Für umgerechnet mehr als zwei Milliarden Franken!

Doch diese Zahl ist lächerlich im Vergleich zu dem, was taz.de schon gestern geboten hat:

Teuerstes Wohnhaus der Welt:<br />
Eine Luxus-Ruine in Mumbai. Mukesh Ambani will nicht mehr. Nachdem er zwei Milliarden Euro für sein neues Haus ausgegeben hat, zieht er nun doch nicht ein. Schuld soll sein Aberglaube sein.

Wenn die Entwicklung anhält, wird der Preis des Hauses noch vor Weihnachten das Staatsdefizit der USA übersteigen.

Mit Dank an Autoresponder, Dennis und Patrick P.

Niveau ist keine Hautcreme (3)

Der Beiersdorf-Konzern will in diesem Jahr weltweit eine Milliarde Euro in die Werbung für seine Top-Marke Nivea investieren.

So tickerte die Nachrichtenagentur dpa gestern.

Ob es am hohen Werbeetat liegt oder an den vielen "Markenbotschaftern", die für Nivea unterwegs sind, immer wieder (BILDblog berichtete) erscheinen vermeintliche redaktionelle Inhalte in verschiedenen Medien, denen der Hinweis "Anzeige" besser stehen würde.

Besonders krass ist dieser Beitrag im Onlineauftritt der Schweizer Boulevardzeitung "Blick":

Alles nur Nivea! Nadine Vinzens erkl�¤rt ihre Busenexplosion

Das Schweizer Model Nadine Vinzens war laut blick.ch zuvor "mit überraschend vollen Lippen und üppigem Décolleté" auf der Zürcher "Energy Fashion Night" erschienen, was die Journalistin Flavia Schlittler zu einer Art Interview veranlasste:

Was steckt dahinter – Silikon, Kollagen? Nadine winkt ab, erklärt ihren ganz neuen Look:

Die vollen Lippen: "Sie wirken so gross, weil ich den Volume Shine Wonder Full Lipgloss von Nivea benutze".

Die straffe braune Haut: "Ich nehme eine Bodylotion von Nivea. (…) Auch meine Hände pflege ich intensiv mit einer Handcreme von Nivea."

Die üppige Oberweite: "Ich trage einen speziellen Push-up (…). Würde Nivea BH machen, hätte ich bestimmt einen von ihnen", lacht die Schauspielerin.

Hahaha, und wenn man Nivea essen könnte, dann gäbe es keine Verstopfungen mehr. Aber einer geht noch:

Alles Nivea oder was? "Ja. Ich bin damit gross geworden und es tut mir einfach gut. An mir ist von Kopf bis Fuss alles echt", behauptet Nadine (…)

Es verwundert nicht, dass Nadine Vinzens in einem Interview mit der Zeitschrift "Schweizer Familie" vor einem Jahr sagte:

Ich benütze natürlich die Crèmes und Shampoos meiner Sponsoren Nivea und Rausch, aber das ist auch schon alles.

Nadine Vinzens ist Markenbotschafterin für Nivea und Flavia Schlittler ist Journalistin. Wenigstens eine der beiden hat ihren Job gut gemacht.

Mit Dank an Raphael S. und Michael H.

Frau vergiftet Schlange

Die Geschichte des Verhältnisses zwischen Frau und Schlange ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Diesmal begann alles damit, dass das israelische Model Orit Fox bei einem Fotoshooting mit einer (ungiftigen) Boa Constrictor posierte und von dem nicht eben begeisterten Reptil in die chirurgisch optimierte Oberweite gebissen wurde. Das dazugehörige Video lässt da übrigens noch keine Missverständnisse zu:

Der zweite Teil der Geschichte klingt jedoch noch spektakulärer: Angeblich soll die Schlange bald darauf an einer Silikonvergiftung gestorben sein.

Da einer alten Journalistenregel zufolge "Schlange vergiftet Frau" keine Nachricht ist, "Frau vergiftet Schlange" aber sehr wohl, rauschte die Nachricht vom Silikontod einmal quer durchs Internet und wurde von Online-Medien weltweit aufgegriffen. Da man sich dabei immer munter aufeinander berief, dürfte es kaum mehr möglich sein, herauszufinden, welche Zeitung die Nachricht zuerst adelte.

Im deutschsprachigen Raum etwa berichteten unter anderem Bild.de ("Gerüchten im Netz zufolge"), "Merkur Online", express.de, 20min.ch ("Wie die belgische Zeitung 'Gazet Van Antwerpen' berichtet") und blick.ch ("wie jetzt der spanische TV-Kanal 'Telecinco' […] berichtet") von diesem weltbewegende Ereignis.

Die vergiftete Schlange machte immer noch fleißig die Runde, als das amerikanische Blog "The Daily What" die Hintergründe der Geschichte genauer beleuchtete: Demnach nahm das Unheil am 3. März seinen Lauf, als die auf Celebrity-Gerüchte spezialisierte Webseite "Oh No They Didn't" das ursprüngliche YouTube-Video vom Schlangenbiss veröffentlichte und der Autor mit dem Nickname "nappyxheadedxho" neben einigen dürren Bemerkungen hinzufügte:

The snake later died from silicone poisoning.

Noch am selben Tag fragte ein Leser in den Kommentaren "Really? Poor thing.", worauf nappyxheadedxho antwortete:

lmao I was joking!

(Ich lach mich tot — das war nur ein Witz!)

Inzwischen sind die ersten ausländischen Medien, die von der vergifteten Schlange berichtet haben, eifrig dabei, ihre Artikel zu löschen oder zu berichtigen. Mal sehen, wie lange "unsere" dafür brauchen.

Mit Dank an miguel!

Nachtrag, 15:26 Uhr: "Merkur Online" hat sich inzwischen für die Löschvariante entschieden, während express.de den ursprünglichen Artikel transparent korrigiert hat.

Das Comeback der Eva Braun

Wenn Journalisten von "bisher unveröffentlichten Aufnahmen" sprechen, ist häufig Vorsicht geboten — besonders aber, wenn die "Bild"-Familie damit anfängt.

Was also könnte passiert sein, wenn Bild.de aufgeregt von "neuen" und "jetzt aufgetauchten Fotos" berichtet?

Spektakuläre Fotos aufgetaucht: Hitler-Geliebte Eva Braun als schwarzer Sänger

Es sind überraschende Bilder: Jetzt aufgetauchte Fotos zeigen Eva Braun, die Geliebte von Nazi-Tyrann Adolf Hitler, wie sie noch nie zuvor zu sehen war!

Die Fotos zeigen die Hitler-Geliebte unter anderem mit dunkler Farbe im Gesicht, in einem dunklen Anzug, mit weißem Hemd und weißer Fliege. Das Foto trägt den Titel "Ich als Al Jolson", wurde 1937 aufgenommen.

Nun ja: Ein Teil der Bilder, die das Magazin "Life" seit gestern auf seiner Website zeigt, scheint der Öffentlichkeit tatsächlich bisher verborgen geblieben zu sein. Doch ausgerechnet das Foto der verkleideten Eva Braun, das Bild.de, die "B.Z.", der "Berliner Kurier", blick.ch, orf.at, news.at und die "Daily Mail" zum Aufhänger für ihre Berichte gemacht haben, ist es nicht.

Das besagte Foto war bereits 1947, zwei Jahre nach Eva Brauns Tod, schon einmal in "Life" zu sehen gewesen:

Weder "Life" noch Getty Images, die das Foto jetzt vertreiben, behaupten, es sei "neu".

Mit Dank an Andreas.

Blättern: 1 2 3

Anzeige