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… braucht für den Spot nicht zu sorgen

Vor inzwischen fünf Jahren hat die „taz“ diesen Kinospot produzieren lassen, in dem „Bild“ eine „unlautere vergleichende Werbung“ sah. Die Axel Springer AG ging gerichtlich dagegen vor und bekam vor dem Land- und dem Oberlandesgericht Hamburg Recht. Im vergangenen Herbst hob der Bundesgerichtshof die Hamburger Urteile auf und entschied, dass der Spot gezeigt werden darf (BILDblog berichtete).

Genau wegen dieses Spots trafen sich die Prozessbeteiligten kürzlich vor Gericht wieder: Die „taz“ hatte einen Zivilprozess gegen Springer angestrengt, um Entschädigung zu bekommen. Entschädigung für den Ausfall, der dadurch entstanden war, dass der aufwendig produzierte Spot wegen des Vorgehens von „Bild“ sehr viel kürzer in den Kinos zu sehen war, als ursprünglich geplant.

Das Landgericht Berlin entschied jetzt, dass Springer den anteiligen Ausfall ersetzen muss: Laut „taz“ 21.414,90 Euro zzgl. Zinsen, insgesamt 28.149,40 Euro. Der Verlag kann noch in Revision gehen, wonach es nach Aussage der „taz“ im Moment aber nicht aussieht.

[via taz-Hausblog]

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Heiko Herrlich abgehakt

Vielleicht kam dieser dumpfe Knall, den man am Donnerstagmittag in Teilen des Ruhrgebiets hören konnte, von den Sektflaschen, die sie in der lokalen „Bild“-Sportredaktion entkorkt haben.

Denn der abstiegsbedrohte Fußballbundesligist VfL Bochum hatte sich von Trainer Heiko Herrlich getrennt (eine Nachricht, die Bild.de kurzzeitig und wohl eher versehentlich mit „Bochum feiert Heiko Herrlich“ überschrieb) — „endlich“, wie man bei „Bild“ gedacht haben wird, denn der Aufwand war hoch gewesen:

Über Wochen hatte sich „Bild“ mit teils berechtigter Kritik, teils persönlichen Angriffen auf Heiko Herrlich eingeschossen. Und nachdem der sich dann letzte Woche auf einer Pressekonferenz gegen „Bild“ gestellt hatte (BILDblog berichtete), waren bei der Zeitung alle Dämme gebrochen.

Michael Makus, NRW-Sportchef bei „Bild“, schrieb letzten Montag:

Die Frage nach der Bochumer Bundesliga-Tauglichkeit beantwortet Herrlich mit Schweigen. Seine eigene Erstligareife ist mehr als zweifelhaft.

Das ist nur teilrichtig, denn Herrlich hatte dem längeren Schweigen auf Makus’ Frage noch etwas hinzuzufügen, wie das Blog Fantastic Supporters dokumentiert:

Wissen Sie, bei Ihrer Zeitung wissen wir auch, dass Sie nicht unbedingt Interesse daran haben, den VfL Bochum in der Bundesliga zu haben. Es reicht, das wissen wir ja von Ihrem Chef, dass Schalke 04 und Borussia Dortmund für Auflagen sorgen. Und deswegen brauche ich Ihnen die Frage überhaupt nicht zu beantworten, weil ihr sowieso schreibt was ihr wollt.

Ebenfalls für die Montagsausgabe fand „Bild“-Mann Joachim Droll, der letzte Woche Herrlichs Zorn zu spüren bekommen hatte, ein paar Ex-Bochumer, die Herrlich explizit oder impliziert kritisierten und ihm so das gewünschte Fazit ermöglichten:

Bochums Legenden fassungslos. Und niemand zieht die Notbremse…

Am Dienstag präsentierte „Bild“ dann die „10 größten Herrlich-Fehler“ (von denen einzelne auch objektiv nachvollziehbar sind) und illustrierte den Artikel mit Plakaten enttäuschter Fans:

Enttäuschte Fans: Mit Plakaten am Trainingsplatz zeigen die VfL-Anhänger den Profis ihre Unzufriedenheit.

Außen vor blieb in „Bild“ (natürlich) ein Plakat, das in der letzten Woche mindestens einmal beim Training zu sehen war. Darauf stand: „Die Bild-Zeitung lügt“.

Oder wie Heiko Herrlich es am Freitag zuvor formuliert hatte:

Das haben schon einige mehr jetzt festgestellt, auch die Fans und deshalb muss vielleicht auch ein Reporter von Ihnen mal schneller vom Trainingsgelände weg, weil die Fans schon gemerkt haben, wie der Hase hier läuft. Was in den letzten Wochen hier los war, was hier an Unwahrheiten passiert ist, das ist eine Frechheit.

Zu den „Unwahrheiten“ zählen laut VfL-Pressestelle zahlreiche Informationen, die „Bild“ in den vergangenen Wochen über das Innenleben der Mannschaft verbreitet habe. So seien die Berichte, nach denen Herrlich Stars systematisch „rasiert“ und „demontiert“ habe, schlicht falsch. Und tatsächlich hat Philipp Bönig, den „Bild“ vor zwei Wochen „auf dem Absprung“ sah, noch kurz vor Herrlichs Rauswurf einen Vertrag für weitere zwei Jahre unterschrieben.

Die Pressestelle des VfL Bochum hatte uns am Mittwoch auf Anfrage erklärt, man plane keinen „Bild“-Boykott, aber man werde die Arbeit der Zeitung durchaus kritisch beobachten und kooperativ sein, ohne sich zu verbiegen. Die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit sei aber kaum noch vorhanden.

Am Donnerstag, wenige Stunden vor Herrlichs Entlassung, wusste „Bild“ dann mit zahlreichen angeblichen Interna aufzuwarten, die „mehrere Spieler und VfL-Insider unabhängig voneinander gegenüber BILD“ bestätigt hätten. Bei seinem letzten „Gaga-Auftritt“ vor der Mannschaft habe sich „Heiko Selbstherrlich“ gar mit Louis van Gaal verglichen — weil er sich „genauso mutig mit den Medien“ anlege wie der Bayern-Trainer.

Der Vortrags-Nutzen für die Mannschaft? Gleich NULL.

Kaum war Herrlich weg, der einen Grund der „Bild“-Angriffe gegen sich darin sah, dass er der Zeitung einmal kein Interview geben wollte, druckte „Bild“ am Freitag etwas, was auf den ersten Blick wie ein Interview mit Interimstrainer Dariusz Wosz aussieht, in Wahrheit aber vielmehr ein Remix seiner Antworten bei der Pressekonferenz des Vortages ist:

Wosz: "Dürfen keinen Köttel in der Hose haben!"

Die Rolle von „Bild“ beim Trainer-Rauswurf wurde diskutiert, zum Beispiel im Forum von transfermarkt.de — bis die Diskussion auf der mehrheitlich zur Axel Springer AG gehörenden Website erst geschlossen und dann ganz gelöscht wurde.

Herrlichs Haltung gegenüber „Bild“ hat ihm nicht nur Sympathien und Respekt eingebracht. Michael Krumm offenbarte etwa ein irritierendes Verständnis von Demokratie und Presse, als er im VfL-Blog auf reviersport.de schrieb:

Jedem Kind dürfte es bekannt sein, dass man sich in Deutschland nicht mit der Zeitung mit den vier großen Buchstaben anlegt, erst Recht nicht dann, wenn sich Erfolglosigkeit eingestellt hat.

Wenn sich diese Einstellung und der Glaube, Herrlich sei tatsächlich nur auf Druck von „Bild“ entlassen worden, durchsetzen sollten, war der Donnerstag tatsächlich ein großer Tag für die „Zeitung mit den vier Buchstaben“.

Mit Dank auch an Jens L., Stephan U., Daniel H., Stefan B., Basti, Christian M., Annika Sch., Martin Sch. und Fabian.

Leitfaden: Wie hetze ich gegen ein Land auf?

Sie wollten schon immer einmal gegen ein fremdes Volk aufwiegeln, wissen aber nicht, wie’s geht? BILDblog präsentiert seinen Lesern den ultimativen Leitfaden in 13 Schritten und veranschaulicht diese anhand einiger ausgesuchter „Bild“-Artikel über den drohenden griechischen Staatsbankrott.

Zunächst gilt es, sich mit den Grundregeln vertraut zu machen. Diese gehören bei jedem Artikel über Griechenland zum Standardrepertoire und werden bereits seit fast zwei Monaten fleißig angewandt (BILDblog berichtete):

1.

Werfen Sie Schamgefühl und Respekt über Bord. Sie müssen niederste Ressentiments bedienen. Die Quintessenz all dessen, was Sie schreiben, muss lauten: Griechen sind uns Deutschen unterlegen, sie sind faul und sie wollen an unser Geld.

2.

Bilden Sie abwertende Begrifflichkeiten wie „Pleite-Griechen“, „Pleite-Premier“ oder „Griechenland-Wut“.

3.

Erwecken Sie immer den Eindruck, die Meinung von „Bild“ würde die aller Deutschen widerspiegeln. Verwenden Sie zu diesem Zweck möglichst häufig die Begriffe „wir“, „Deutschland“, „wir Deutsche“. Lassen Sie gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass einzelne Griechen auch immer alle Griechen repräsentieren.

4.

Lassen Sie ausschließlich Gegner von Staatshilfen zu Wort kommen, selbst wenn es ernst zu nehmende Experten gibt, die die Bereitstellung von Krediten für Griechenland für unumgänglich halten.

5.

Setzen Sie unter alle Artikel zur Griechenlandkrise Umfragen, bei denen aufgrund des antigriechischen Tenors des Artikels ein antigriechisches Ergebnis zu erwarten ist. Beziehen Sie sich in späteren Artikeln auf dieses Ergebnis. Ungefähr so: „Wutwelle im Internet gegen Griechenland“ (…) „Das Verhalten der Griechen provoziert, die Deutschen sind sauer. 86 Prozent der BILD.de-Leser sagen: Die EU soll Griechenland gar nicht helfen, denn sie sind für ihre Staatsfinanzen selbst verantwortlich.“ Unterstreichen Sie dies mit wütenden Zitaten einzelner Bild.de-Kommentatoren.

Haben Sie das verinnerlicht? Dann kann das eigentliche Hetzen beginnen. Achten Sie dabei auf die hohe Schlagzahl: Sämtliche Beispiele stammen aus den letzten drei Tagen.

"Bild" hetzt weiter gegen Griechen

6.

Schreiben Sie so, als hätte Deutschland bereits Geld an Griechenland bezahlt:  „Griechen-Pleite immer schlimmer – Wieviel Kohle sollen wir noch ins Land stecken?“ (26.4.2010). Stellen Sie dabei bedeutungsschwangere Fragen wie „Was verschweigen die Griechen uns noch?“ oder „Griechen raus aus dem Euro?“ und lassen Sie keine Zweifel daran, dass Deutschland sein Geld nie wieder sieht: „Klar ist nur, zahlen wird das auch der deutsche Steuerzahler“

7.

Diskreditieren Sie den gesamten griechischen Staat als dynastisch und korrupt: „Klüngel, Korruption, Familienbande – So funktioniert das System Griechenland“ (26.4.2010)

8.

Werfen Sie dem griechischen Ministerpräsidenten den Ort vor, an dem er andere Länder um Hilfe anruft: „Papandreou auf Kastelorozio – Schuldenhilferuf vor Traum-Kulisse“ (27.4.2010). Ziehen Sie ihn dabei unbedingt ins Lächerliche: „Griechenland kurz vor dem Bankrott – und der Regierungschef tingelt über fast verlassene, weit entfernte Inseln!“

9.

Greifen Sie einzelne „Negativbeispiele“ heraus und wenden Sie sie auf die Gesamtheit aller Griechen an: „Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxusrenten – So gut haben es Rentner in Griechenland“ (27.4.2010).

10.

Erscheinen Sie persönlich vor Ort und betreiben Sie peinliche und beleidigende Symbolpolitik, deren einzig mögliche Übersetzung vom Deutschen ins Griechische „Griechen raus aus dem Euro!“ bedeutet. „Tschüs, Euro! – Bild gibt den Pleitegriechen die Drachmen zurück“ (27.4.2010):

Das fast bankrotte Griechenland soll raus aus dem Euro, fordern Experten und Politiker. BILD macht schon mal ernst, gibt den Griechen ihre alte Drachme (von 1831 bis 2001) zurück. Und das Irre: Viele jubeln und reißen sich darum…

11.

Zeigen Sie noch einmal, dass die Griechen aus Ihrer Sicht nichts aus ihrer Misere gelernt haben: „Die Griechen – Sparen? Wieso? Sie streiken lieber!“ (27.4.2010). Betonen Sie diesen Umstand mehrfach, damit es auch der letzte kapiert: „Die Griechen wollen und wollen einfach nicht sparen…!“ (…) „Haben die Griechen denn gar nichts kapiert?“ (…) „Dreister geht’s nicht“

12.

Vergessen Sie nicht, Ihre Kampagne von Zeit zu Zeit mit Kommentaren, in denen Griechenland als nicht vertrauenswürdig eingestuft wird, zu unterstützen:  „Einar Koch: Wer soll den Griechen noch glauben?“ (27.4.2010)

13.

Stellen Sie beleidigende Fragen und behaupten Sie, wenn Sie als „Bild“-Reporter aus verständlichen Gründen (siehe auch 11.) unerwünscht sind „Aufgeheizte Stimmung bei Protesten in Athen – Pleite-Griechen bepöbeln Deutsche!“ (28.4.2010, inzwischen geändert in „Streik in Athen: Wir wollen nicht sparen!“):

Athen – nichts geht mehr! (…) WEIL GRIECHENLAND (mal wieder) STREIKT… (…) Doch die Griechen haben den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht begriffen! (…) BILD sprach mit den Demonstranten, fragte: Habt ihr aus der Krise nichts gelernt? Viele sind sauer auf die Deutschen, blaffen den BILD-Reporter an. Einer droht mit der Faust, brüllt: „Verschwindet hier!“ Ein anderer: „Ihr Deutschen wollt uns doch am Abgrund sehen…“ Michalis P. (38), Busfahrer: „Ich kann nicht verstehen, dass sich die Deutschen über uns aufregen. Wir verdienen doch schon jetzt viel weniger als sie.“ Tassos Kammas (35), Anwalt: „Deutschland muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass die Krise nur in Griechenland ist. Dass viele Griechen jetzt streiken, ist doch völlig normal.“

Viel Erfolg! Ihre Leser werden die bemitleidenswerten Opfer Ihrer Kampagne hassen.

Der Kreuz-Zug ist abgefahren

Kurz vor ihrer Ernennung zur niedersächsischen Sozialministerin hat die CDU-Politikerin Aygül Özkan dem „Focus“ ein Interview gegeben, in dem auch diese zwei Fragen und Antworten vorkamen:

Würde es Sie stören, wenn er in der Schule von Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichtet würde?

Kopftücher haben im Klassenzimmer nichts zu suchen. Die Schule sollte ein neutraler Ort sein. Selbst in der Türkei gilt ein Verbot von Kopftüchern, das sogar noch weiter geht und alle öffentlichen Einrichtungen betrifft. Ein Kind muss selbst entscheiden können, wie es sich religiös orientiert. Darum bin ich dagegen, derartige Symbole an Schulen zuzulassen.

Gilt das auch für Kruzifixe?

Ja. Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen. Für Schulen in kirchlicher Trägerschaft gilt das nicht.

Das Interview sorgte für viel Aufregung in den Medien. Genauer: Eine der beiden oben zitierten Antworten.

Designierte CDU-Ministerin gegen Kruzifixe an Schulen: Das Kreuz beschäftigt die Union

Neue türkischstämmige Ministerin: Özkan löst Kruzifix-Streit in der Union aus

Aygül Özkan: Niedersachsens neue Sozialministerin gegen Kruzifixe

Politik kompakt: Özkan für Kruzifix-Verbot

Religion und Staat: Aygül Özkan löst neue Kruzifix-Debatte aus

Die meisten Medien schafften es trotz der knalligen Überschriften, wenigstens im Artikel klar zu stellen, dass nach Frau Özkans Meinung alle Arten religiöser Symbole an staatlichen Schulen nichts zu suchen hätten.

Dieses kleine Detail unterschlug Bild.de überraschenderweise:

Aygül Özkan will keine Kreuze in Schulen: Neue CDU-Ministerin legt sich mit CSU an

Und deshalb gibt es natürlich gleich Morddrohungen gegen die „schöne Ministerin“, wie Bild.de unter Berufung auf die „Bild am Sonntag“ schreibt — nur scheinen die (laut „Bild am Sonntag“) nur bedingt mit dem „Kruzifix-Zoff“ in Zusammenhang zu stehen:

Seit Mittwochabend wird Aygül Özkan Tag und Nacht von zwei Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) bewacht.

Seit ihre Ernennung zur Ministerin bekannt wurde, bekommt sie von rechtsradikalen Deutschen konkrete Morddrohungen.

Seit gestern bekommt Frau Özkan darüber hinaus gute Ratschläge von „Bild“-Kommentatoren: Hugo Müller-Vogg behauptete zunächst ungerührt, sie wolle „‘christliche Symbole’ aus den Schulen entfernen“ (eine Behauptung, die er heute noch einmal wiederholte), und erklärt:

Eines hat die erste türkischstämmige Ministerin offenbar nicht verstanden: Dass es bei uns so tolerant zugeht, das ist das Erbe unserer christlich-abendländischen Tradition.

Aygül Özkan und all die anderen Mitbürger muslimischen Glaubens zählen für Müller-Vogg offenbar nicht zu diesem „uns“, das bei „Bild“ traditionell schwammig zwischen „Redaktion“ und „ganz Deutschland“ oszilliert.

Dabei sollten die doch so dankbar sein („uns“, vermutlich):

Von dieser Toleranz profitieren nicht zuletzt Zuwanderer mit anderen Religionen und Werten. Deshalb dürfen türkische Schülerinnen auch ein Kopftuch tragen, was die Noch-nicht-Ministerin ebenfalls verbieten möchte.

… was freilich nur eine mögliche Interpretation dessen ist, was Özkan geantwortet hatte, als sie vom „Focus“ explizit auf Lehrerinnen mit Kopftuch angesprochen worden war.

Aber einmal in Fahrt erklärt Müller-Vogg das christliche Symbol Kruzifix gleich zum christlichen Wert:

Aber die „C“-Partei kann keine Abstriche an ihren christlichen Werten hinnehmen.

Darum geht’s also: Um die Muslima, die heimlich die CDU von innen auflösen will.

Und nachdem Frau Özkan schon wieder zurückgerudert war, machte Franz Josef Wagner heute deutlich, dass er überhaupt nichts begriffen hatte:

Was sollen wir anstelle des Kreuzes ­aufhängen? Ribéry, Beckenbauer, Bushido, Bohlen, Buddha, Günter Grass, Köhler, Frau Merkel, Uwe Seeler, Gerd Müller.

(Hervorhebung von uns)

Mit Dank auch an EagleRN.

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Heiko Herrlichs stolze Kinder

Es ist keine leichte Situation für Heiko Herrlich, den Trainer des VfL Bochum: Nach einer Phase relativen Erfolgs zu Beginn des Jahres steht es sportlich nicht zum Besten; die Spieler kommen nach Kriterien zum Einsatz, die für Außenstehende häufig eher an Willkür denn an ein System erinnern, und Herrlichs Reaktionen auf die Leistungen der Mannschaft wirken in der Regel phrasenhaft und unkritisch.

BILD fragt Trainer Herrlich: Sind Sie noch der Richtige für Bochum?Diese Ausgangslage ermöglicht es der „Bild“-Zeitung, die Herrlich seit Wochen auf dem Kieker hat, seinen Rücktritt immer unverhohlener zu fordern.

Am Mittwoch war Pressekonferenz beim VfL Bochum: Heiko Herrlich stärkte seiner Mannschaft den Rücken und kritisierte die Kritiker von außerhalb. Als Joachim Droll, „Bild“-Abgesandter für den VfL, dann von Herrlich wissen wollte, ob ihm nicht langsam Selbstzweifel kämen, wurde der Trainer plötzlich grundsätzlich und referierte mit ruhiger Stimme (im Video ab Minute 7:48):

Wissen Sie, Herr Droll: Ich hab schon viele schwierige Phasen in meinem Leben durchgemacht, auch sportlich, glauben Sie mir das. Und das hier, die Situation treibt mir auf keinen Fall den Puls hoch — auch wenn Sie das morgen wieder ganz anders schreiben. Das mach ihr sowieso, wie ihr wollt: Ich weiß noch in Phasen, wo es sehr gut lief, wo ihr ein Interview mit mir machen wolltet und ich das abgelehnt hab, weil ich gesagt hab, die Mannschaft muss im Vordergrund jetzt stehen.

Und ich weiß auch, dass es da vielleicht ‘nen Bumerang gibt, ne? Weil ihr das halt nicht gewohnt seid, dass euch jemand die Stirn bietet und sagt: „Nö, ich möcht’ nicht bei euch in der Zeitung stehen.“ Aber das ist für mich kein Problem, ich werd’ meinen Weg weiter gehen und werd’ aufrichtig bleiben.

(lange Pause)

Auch ohne euch. Können Sie einem Ihrer Chefredakteure sagen!

Man könnte Herrlichs Aussagen „überraschend“ nennen, „aufrichtig“ oder „selbstbewusst“. Einem „Bild“-Mitarbeiter fallen da jedoch ganz andere Adjektive ein, wie Droll sogleich bewies, als er zu Herrlich sagte: „Jetzt das wirkt schon ein bisschen dünnhäutig, sag ich Dir schon ganz ehrlich …“

Woraufhin Herrlich sich in seiner Bewertung der „Bild“-Zeitung zu immer weiteren Höhen aufschwang:

Nein! Das interpretieren Sie so! Überhaupt nicht! Ich weiß nur, was die letzten Wochen … die Art und Weise, wie ihr recherchiert habt. Wir unterhalten uns intern auch schon mit den Spielern. Und Günter Wallraff hat das schon vor langer, langer Zeit festgestellt: Da hat sich leider nicht viel geändert.

(lange Pause)

Und drücken Sie auf Aufnahme, dass ich’s meinen Kindern irgendwann zeigen kann: Euch gegenüber, Ihnen gegenüber bleib’ ich aufrichtig. Die werden stolz sein auf mich, irgendwann.

In Drolls Bericht über die Pressekonferenz kommt von all dem erwartungsgemäß nichts vor. Dort ist von einem „peinlichen Rundumschlag“ die Rede.

Aber auch anderen Medienvertretern war Herrlichs Angriff auf „Bild“ keine Zeile wert: Sie zitierten ihn lieber ohne Zusammenhang. Nur der „Südkurier“ spricht von einer „Wutrede“ gegen eine „nicht näher benannte Zeitung“.

Mit Dank an Jens M., Jörg L., Fabian F., Dominik M. und Stefan B.

Nachtrag, 14.55 Uhr: Die „Stuttgarter Nachrichten“ wussten sogar, welche Zeitung Herrlich meint.

Das Fenster zu Kachelmanns Hof

Um zu illustrieren, was sich in einer Gefängniszelle abgespielt haben könnte, braucht „Bild“ Grafiker.

Um zu illustrieren, was sich (Unspektakuläres) auf einem Gefängnishof abspielt, braucht „Bild“ nur einen Fotografen, der einen günstig gelegenen Ort in der Nachbarschaft findet. So geschehen in der Nachbarschaft der JVA Mannheim, in der zur Zeit der TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann in Untersuchungshaft sitzt: Mehrfach waren bei „Bild“ und Bild.de Fotos zu sehen, die Kachelmann beim Hofgang zeigen.

Hofgang im Knast - Jörg Kachelmann genießt die Sonne im Gefängnishof

Das Landgericht Köln hat am Freitag die Veröffentlichung dieser Paparazzi-Fotos untersagt, weil sie eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild von Jörg Kachelmann darstellen, wie Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker auf seiner Website mitteilt. Laut Höcker habe sich der Fotograf in eine unbewohnte Wohnung in der Nachbarschaft „geschlichen“ und von dort aus über die Gefängnismauern hinweg den Hof der JVA fotografiert.

Diese Einstweilige Verfügung ist nicht die erste, die Jörg Kachelmann gegen „Bild“ und Bild.de erwirkt hat: Vor etwa zehn Tagen hatte das Landgericht Köln die Veröffentlichung von Details aus den Ermittlungsakten und von SMS-Nachrichten untersagt, die Kachelmann an eine Sängerin geschickt haben soll (BILDblog berichtete).

Prinz Harry & die Champagne Supernova

Natürlich könnten sich die deutschen Medien einfach selbst aufregende Geschichten aus dem englischen Königshaus ausdenken. Aber warum sollten sie sich die Mühe machen, wenn sie einfach fertige Geschichten aus der erfindungsreichen britischen Boulevardzeitung „The Sun“ abschreiben können?

Am Montag zum Beispiel machte die mit der Meldung auf, Prinz Harry habe in einem Club in London so richtig einen draufgemacht: Wildfremden Menschen habe er 200 Pfund teure Flaschen Champagner spendiert, insgesamt soll er in vier Stunden 10.000 Pfund für das gute Zeug ausgegeben haben.

Deutsche Medien übernahmen die Geschichte begeistert — und machten sie teilweise noch spektakulärer, indem sie suggeriertern, Prinz Harry habe das viele Geld alleine versoffen:

Als das am Dienstag in „Bild“, „B.Z.“, „Berliner Kurier“ und „Rheinischer Post“ stand, war die ursprüngliche Meldung auf der Homepage der „Sun“ allerdings schon nicht mehr abrufbar, und in der Zeitung stand ein merkwürdiger Artikel, den man mit viel gutem Willen als verstecktes Eingeständnis lesen konnte, dass die Geschichte von dem Champagner-Exzess möglicherweise nicht stimmte. Der Palast hatte die Darstellung der „Sun“ unmissverständlich dementiert: Prinz Harry habe ein Glas Champagner und eine Flasche Bier getrunken und niemanden eingeladen. Am Mittwoch schließlich veröffentlichte die „Sun“ einen kompletten Widerruf ihrer ursprünglichen Behauptungen unter der Überschrift: „SORRY, HARRY“.

Kein Wort davon in den deutschen Medien. Nur auf Bild.de ist die Ente inzwischen gelöscht — womöglich aber nur, um Platz zu machen für die die nächste aufregende Geschichte aus dem Vereinigten Königreich, die man aus der „Sun“ übernimmt.

Mit Dank an Tabloid Watch!

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Deutschland, Deine Sex-Zellen

Nicht alle Katastrophen, Unglücksfälle und Verbrechen finden vor laufenden TV-Kameras statt wie die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Genau genommen ist es eine extreme Seltenheit, dass es überhaupt Bilder von so einem Ereignis gibt: Meistens sind die Kameras ja erst hinterher vor Ort — und kommen dann nicht mal nah genug ran, weil sich Polizisten oder andere Spielverderber in den Weg stellen.

„Bild“ löst dieses Problem der nicht vorhandenen Bilder seit einiger Zeit kreativ und lässt Katastrophen, Unglücksfälle und Verbrechen von Grafikern nachempfinden. Der Amoklauf von Winnenden (dessen „unangemessen sensationelle Darstellung“ gegen den Pressekodex verstieß), der Absturz einer Air-France-Maschine, ein verhungertes Kleinkind — es scheint, dass sich die „Bild“-Zeichner alles vorstellen können, was man gemeinhin als „unvorstellbar“ bezeichnet, um ihre oftmals blutigen Visionen dann dem Leser am Frühstückstisch aufzudrängen.

Als nun am Wochenende ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Remscheid seine Lebensgefährtin tötete, war das für „Bild“ besonders blöd: Die Tat fand in einem (von anderen Medien als „Liebeszelle“, von „Bild“ als „Sex-Zelle“ bezeichneten) Langzeit-Besuchsraum statt, „ohne jede Kontrolle“, wie „Bild“ selbst bemerkt.

Vom Täter lag der Zeitung nur ein unscharfes Foto von 1991 vor und Außenaufnahmen der JVA Remscheid gibt es schon überall sonst zu sehen.

Aber es gibt ja immer noch die „Bild“-Zeichnerin:

In der Sex-Zelle ermordete der Knacki seine Freundin.

Beeindruckend, wie die Zeichnerin nicht nur die (notdürftige) Bekleidung von Täter und Opfer nachempfunden hat, sondern vor allem, wie detailliert sie die „Sex-Zelle“ in der JVA Remscheid eingerichtet hat.

Oder auch eben nicht, denn den Raum hatte Bild.de schon gestern gezeigt. Da allerdings noch mit einer erläuternden Bildunterschrift:

Ein Raum für Langzeitbesuche in der Justizvollzugsanstalt Geldern. So ähnlich könnte auch die Liebes-Zelle der JVA Remscheid aussehen, die zum Tatort eines schlimmen Verbrechens wurde.

Nachtrag, 14. April: Noch einen Schritt weiter ging der Schweizer „Blick am Abend“, der die Gelderner Zelle in seiner gestrigen Ausgabe kurzerhand zum Tatort erklärte:

Tat hinter Gittern: In dieser Zelle erschlug Insasse Klaus-Dieter H. seine Freundin Marion.

Mit Dank an Thomas.

Indiras Heiße-SMS-Ausschlachtung gestoppt

Gestern hatten wir noch berichtetet, dass der TV-Moderator Jörg Kachelmann vor dem Kölner Landgericht gegen weitere Medien vorgehen wollte, heute wissen wir, wen es diesmal erwischt hat:

Eine einstweilige Verfügung erging gestern gegen Bild.de, das unter Berufung auf den „Focus“ (dem diese Art der Berichterstattung schon vor zehn Tagen verboten worden war) Details aus den Ermittlungsakten wiedergegeben und auf Basis von Aussagen der Frau, die Kachelmann der Vergewaltigung beschuldigt, über das mögliche Strafmaß für den Wetterexperten spekuliert hatte.

Eine weitere einstweilige Verfügung erging gegen die gedruckte „Bild“ und ihre gestrige Titelgeschichte:

50 heiße Flirt-SMS: So baggerte Jörg Kachelmann Popstar Indira an

Die Sängerin Indira Weis, die seit längerem ihr Privat- und Berufsleben in „Bild“ ausbreitet, erklärte in einem halbseitigen Artikel und einem Video auf Bild.de, sie könne sich nicht vorstellen, „dass so ein charmanter und liebevoller Mann wie Jörg Kachelmann eine Frau vergewaltigt haben soll.“

Und wie charmant und liebevoll Jörg Kachelmann ihrer Ansicht nach ist, meinte die vor sieben Jahren aus der Castingband Bro’Sis ausgestiegene Sängerin mit einigen ihrer angeblich „50 heißen Flirt-SMS von Kachelmann“ im Wortlaut belegen zu können bzw. müssen.

Die Pressekammer des Landgerichts Köln entschied gestern auf Antrag Kachelmanns, dass es „Bild“ und Bild.de verboten ist, derart private SMS weiter zu verbreiten. SMS, „die zudem in keinerlei Zusammenhang mit den strafrechtlichen Vorwürfen gegen Herrn Kachelmann stehen“, wie Kachelmanns Anwalt Prof. Ralf Höcker betont.

Das Rechtsmittel der einstweiligen Verfügung kommt zum Einsatz, weil Bild.de bzw. die Axel Springer AG auf eine vorherige Abmahnungen hin keine Unterlassungserklärung abgegeben hatten. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung droht ihnen nun ein Ordnungsgeld von bis zu* 250.000 Euro. Zur Zeit sind die beanstandeten Artikel noch online.

*) Nachtrag / Korrektur, 12. April: Ein mögliches Ordnungsgeld muss nicht automatisch 250.000 Euro betragen. Dies ist vielmehr die festgelegte Obergrenze.
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