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Eine Zeitung über Sex

Bücher sind für „Bild“ nur dann interessant, wenn man ein „Skandal-“ oder „Schmuddel-“ davor setzen kann. Wenn man völlig scheinheilig „Auszüge aus dem Buch gefällig?“ fragen und die ekligsten geilsten beim Durchblättern ins Auge gefallenen Stellen zitieren kann. Wenn Sprache möglichst „scharf“ und die Autorin möglichst jung ist.

Auf der Suche nach weiteren „Sex-Romanen“ interessiert sich „Bild“ vor allem für den ersten Teil des Wortes und weniger für die Romane und ihre Autoren selbst:

Endersbach: Teenie (16) schreibt Buch über Sex

„Flotte Charlotte! Mit 16 schreibt sie Sexromane … dabei hatte sie selbst noch nie einen Freund“, titelte die Bildzeitung am Mittwoch, 24. Februar.

„Als ich die Überschrift sah, musste ich erst einmal lachen, weil das so komisch und unwirklich wirkte und ja überhaupt nicht zu dem Buch passt“, erinnert sich Nathalie Ulbrich. Doch dann liest sie weiter und bekommt Angst um ihre Tochter: „… nicht so eklig und vulgär wie bei Charlotte Roche (31/Feuchtgebiete). Und auch angeblich nicht bei anderen Autoren abgeschrieben, wie Kritiker es Helene Hegemann (18/Axolotl Roadkill) unterstellten.“

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Margot Käßmann: Einmal grün und zurück

Vielleicht haben Sie sich auch schon mal gefragt, wie eigentlich der ganze Quatsch, der mitunter so in der Zeitung steht, überhaupt in die Zeitung kommt.

Oder wer all das fordert, was in „Bild“ gefordert wird, wenn „Bild“ nicht gerade selber fordert?

Also, sagen wir mal so etwas:

Grüne wollen Käßmann in die Politik holen. Berlin - Jetzt wirbt die erste Grünen-Politikerin um Bischöfin Margot Käßmann. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Agnes Krumwiede, will Käßmann in die Politik und zu den Grünen holen. Krumwiede zu BILD: "Frau Käßmann wäre ein Gewinn für uns Grüne, obwohl es wichtig ist, dass Kirche und Politik unabhängige Instanzen bleiben." Käßmann hatte am Mittwoch wegen einer Alkoholfahrt alle Kirchen-Ämter niederlegt.

Auf ihrer Website distanzierte sich Agnes Krumwiede sodann von der „Bild“-Berichterstattung und erklärt:

Dass ich Frau Käßmann zu „den Grünen holen will“ ist eine reine Erfindung der BILD-Zeitung.
Ebenso die Behauptung, dass Frau Käßmann von „den Grünen umworben wird“.

Frau Krumwiede schildert ausführlich, wie sie von „Bild“ um eine Stellungnahme gebeten wurde, „ob Bischöfin Käßmann in die Politik wechseln sollte“, und was „Bild“ dann letztlich daraus gemacht hat.

Die Grünen-Politikerin war dabei offenbar nicht das einzige Mitglied des Bundestags, das von „Bild“ kontaktiert wurde — der Bonner SPD-Abgeordnete Ulrich Kelber twitterte nämlich kurz nach Erscheinen der „Bild“-Meldung am Samstag:

BILD: "Grüne wollen Käsmann in Politik holen." So macht BILD Schlagzeilen. Zuvor war ich gefragt worden, ob ich das für SPD fordern will

Auf unsere Anfrage berichtet Kelber, er sei von einem „Bild“-Mitarbeiter (bzw. einem Mann, der sich als „Bild“-Mitarbeiter ausgegeben hatte) angerufen worden, der ihn fragte, „ob ich nicht etwas zu der Forderung erzählen wolle, Frau Käßmann in die Politik, in die SPD zu holen.“ Als Kelber den Anrufer gefragt habe, wer diese Forderung denn erhoben habe, habe er zur Antwort erhalten: „Bisher noch niemand.“ Nachdem Kelber abgelehnt hatte, diese Forderung zu erheben, habe er sie kurz darauf wortgleich als Vorschlag der Grünen in „Bild“ gelesen.

Die Langfassung der Meldung, die Bild.de bereits am Freitagabend veröffentlicht hatte, deutet ihre eigene Entstehungsgeschichte an einer Stelle sogar an:

Agnes Krumwiede (33), kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, kann sich eine Zukunft der Theologin in der Politik vorstellen und würde sie gerne in ihre Partei holen.

„Vorstellen“ können sich wohl die Vertreter aller Parteien so Einiges.

Ulrich Kelber war übrigens nach eigenen Angaben überrascht, dass sich „Bild“ mal wieder bei ihm gemeldet hat: Nachdem er vor einiger Zeit eine ähnliche Anfrage der Zeitung mit der Gegenfrage gekontert hatte, ob er die vorformulierte „Forderung“ noch ein wenig umformulieren dürfe, habe ihn „Bild“ eine Zeit lang nicht mehr angerufen. Er wisse aber von Kollegen, dass derartige Anfragen fast an der Tagesordnung seien.

Nachtrag, 2. März: Die von uns zitierte und verlinkte Pressemitteilung von Agnes Krumwiede, in der sie die „Bild“-Berichterstattung kritisiert, ist seit gestern Nachmittag von der Internetseite der Politikerin verschwunden. Unsere Anfrage, warum der Text offline genommen wurde, blieb bisher unbeantwortet.

2. Nachtrag, 5. März: „Bild“ veröffentlichte heute folgende Gegendarstellung:

Gegendarstellung. zu "Grüne wollen Käßmann in die Politik holen" am 27.02.2010, S. 2: Sie schreiben: "Jetzt wirbt die erste Grünen-Politikerin um Bischöfin Margot Käßmann. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Agnes Krumwiede, will Käßmann in die Politik und zu den Grünen holen. Krumwiede zu BILD: "Frau Käßmann wäre ein Gewinn für uns Grüne, obwohl es wichtig ist, dass Kirche und Politik unabhängige Instanzen bleiben."<br />
Dazu stelle ich fest: Ich werbe nicht um Frau Käßmann und will sie nicht in die Politik holen. Tatsächlich habe ich folgende Veröffentlichung mit Ihnen abgestimmt: "Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Agnes Krumwiede, kann sich eine Zukunft in der Politik für Bischöfin Margot Käßmann vorstellen. Krumwiede zu BILD: "Frau Käßmann wäre sicher ein Gewinn für uns Grüne, obwohl ich es wichtig finde, dass Kirche und Politik unabhängige Instanzen bleiben." Berlin, den 01.03.2010. RA Johannes Eisenberg für Agnes Krumwiede, Mitglied des Deutschen Bundestages. Hinweis der Redaktion: Frau Krumwiede hat recht.

Der ausführlichere Artikel zum gleichen Thema bei Bild.de wurde entfernt.

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Fakten schaffen mit Don Quijote

Nirgendwo auf der Welt weiß man mit größerer Gewissheit zu verkünden, dass der Iran an einer Atombombe arbeitet, als im Axel-Springer-Haus zu Berlin. Insbesondere Julian Reichelt, Chefreporter der „Bild“-Zeitung, scheint über ganz besondere Quellen zu verfügen — anders sind die steilen Thesen in seinem „Bild“-Kommentar vergangene Woche nicht zu erklären. In diesem Beitrag fordert Reichelt nämlich:

Frieden schaffen mit Atomwaffen!

Zunächst schreibt Reichelt da:

Sogar die Internationale Atomenergiebehörde geht jetzt davon aus, dass der Iran an einem Sprengkopf baut.

Was selbst dem aufmerksamen „Bild“-Leser nicht sofort unbedingt auffällt: Das wichtigste Wort in diesem Satz ist das kleine „sogar“. In den letzten Wochen sind in Sachen Iran nämlich exakt zwei Neuigkeiten zu vermelden gewesen: Der Iran hat den Anteil des Isotopes U235 seines Urans [Nachtrag d. Verf.] auf 20 Prozent angereichert (wobei es 80 prozentigem Urans für eine Atomwaffe bedarf). Und es wurde bekannt, dass bereits vor 2003 mit Hilfe eines russischen Ingenieurs Träger für Raketen  gebaut worden waren, auf denen möglicherweise auch Atomsprengköpfe angebracht werden können.

Und so ist man bei der IAEA ob der Vorgänge im Iran zwar auch äußerst besorgt, aber doch deutlich weniger panisch als Julian Reichelt. Die IAEA schreibt in einem aktuellen Dokument zum Iran unter Punkt 41 auf den Seiten 8 und 9 nämlich lediglich, dass die aktuelle Informationslage Fragen zu einer möglichen Entwicklung von Atomsprengköpfen im Iran aufwerfe.

Es wird im IAEA-Report sogar ausführlich erwähnt, dass diese Entwicklung von Atomsprengköpfen nicht unbedingt aktuell sein müsse, sondern auch in der Vergangenheit habe stattfinden können — im Übrigen ein Umstand, der in sämtlichen Medien und auch in der „Bild“-Zeitung selbst vor einigen Tagen bereits vermeldet worden war (Bildblog berichtete).

Während Reichelt suggeriert, der IAEA-Bericht enthalte neue, schockierende Erkenntnisse, verhält es sich eher so, dass die Pressemeldungen der vergangenen Wochen nun auch von offizieller Seite bestätigt werden.

Von dieser konstruierten Neuigkeit kommt Julian Reichelt alsbald zu einer ähnlich fadenscheinigen Schlussfolgerung:

Lieber 8000 amerikanische Bomben als eine einzige iranische.

Der hier suggerierte Gegensatz beruht, nun ja, im besten Falle auf Unwissen. Tatsächlich steht die Welt nämlich in keiner Weise vor der Wahl zwischen US-amerikanischen und iranischen Atomwaffen. Einer gerade vom US-amerikanischen Think Tank „Carnegie Endowment“ veröffentlichten Weltkarte der Atomsprengköpfe hätte der Bild-Reporter zum Beispiel entnehmen können, dass insgesamt acht Staaten weltweit über Atomwaffen verfügen.

Neben Russland (14.000 Atomsprengköpfe) und China (mehr als 125 Atomsprengköpfe) verfügen beispielsweise auch Israel (80 Sprengköpfe), das beunruhigend instabile Pakistan (60 Sprengköpfe) und Indien (50 Sprengköpfe) über Atomwaffen — allesamt Staaten in der Nachbarschaft des Irans.

Überhaupt: Über die für den Iran besonders wichtige Regionalpolitik zwischen den notorischen instabilen Ländern Irak,  Afghanistan und Pakistan verliert Reichelt in der „Bild“ eben kein Wort. Ebenso wenig Erwähnung findet auch die Tatsache, dass die in Israel und den USA, aber auch in „Bild“ lauter werdende Forderung, den Iran anzugreifen, die Kriegsgefahr tendenziell eher steigert denn senkt.

Aber nicht allein Reichelts Faktenwissen ist ungenügend. Auch sein Wutausbruch gegen die von ihm „Abrüstungs-Groupies“ genannten Gegner atomarer Aufrüstung ist allein schon deshalb irritierend, weil Reichelt wie ein neorealistischer Don Quijote Positionen bekämpft, die überhaupt niemand vertritt. Gleich zu Beginn seines Kommentars entwirft er ein reichlich abwegiges Schreckensbild:

Es gibt nur ein Szenario, das furchterregender ist als eine Welt, in der es 25 000 Atomsprengköpfe gibt. Eine Welt, in der es nur noch eine Bombe gibt. Eine Bombe, auf der steht: „Mit Grüßen aus Teheran.“

Dass niemand ernsthaft fordert, allein die USA oder gar alle acht Atommächte mit einsamer Ausnahme des Iran mögen ihre Atomwaffen abschaffen (was im Falle Nordkoreas eine besonders abstruse Vorstellung ist), stört Reichelt wenig. Er keilt weiter gegen seine selbst ausgedachten Kontrahenten:

Gern jammern Abrüstungs-Groupies, man könne die Welt mehrere Hundert Male mit den vorhandenen Atomwaffen zerstören. Absurde Mathematik: Denn nach dem ersten Mal wäre es eh egal.

Und als wäre das des Unsinns nicht genug, löst Reichelt auch einen zentralen Widerspruch seines Kommentar nicht auf: Wenn Atomwaffen, wie Reichelt unterstellt, denn nun Frieden schaffen – was ist dann eigentlich das Problem mit dem vermuteten Atomwaffenprogramm des Irans?

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Verwirbelte Verantwortung

Eine Woche vor dem Traditions-Derby des FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund bemüht sich „Bild“ weiterhin redlich, die Stimmung auf ein ungesundes Niveau anzuheizen. Nachdem „Sportbild“ dem Dortmunder Profi (und erklärtem BVB-Fan) Kevin Großkreutz in einem Fragebogen einen Seitenhieb auf den Gelsenkirchener Konkurrenten untergejubelt hatte und sich daraus eine Schlagzeile zurechtbog (BILDblog berichtete), kann „Bild“ heute in der Ruhrgebietsausgabe folgendes berichten:

KLOPP SCHÜTZT GROSSKREUTZ: "Ich habe schallend darüber gelacht"

Wirbel um den Kinderheim-Spruch von Kevin Großkreutz. Gestern schaltete sich sogar BVB-Trainer Jürgen Klopp (42) ein…

Das ist natürlich auch eine Art von Journalismus: Erst Windmaschinen aufstellen und dann den „Wirbel“ beschreiben — fast so wie Feuerwehrmänner, die selber Brände legen.

„Eingeschaltet“ hat sich Klopp übrigens gestern, als er auf einer Pressekonferenz auf den „Fall Großkreutz“ angesprochen wurde. Und sich alsbald die Pressevertreter selbst vornahm:

… und die Freunde hier schaffen es tatsächlich, heute so’n Ding draus zu machen, um anschließend uns alle dazu aufzufordern, Ruhe zu bewahren, damit die Zuschauer sich nicht gegenseitig rund um so’n Spiel auf den Kopf hauen. (…)

Dann schafft Ihr’s jetzt tatsächlich, da so’n Thema draus zu machen — find ich beeindruckend, weil wir müssen anschließend dafür sorgen: „Ja, so war’s doch gar nicht gemeint …“ (…) Bin ich gespannt, wie wir das hinkriegen.

„Bild“ tut unterdessen so, als falle der Veröffentlichungstermin eines „Sportbild“-Fragebogens in den Zuständigkeitsbereich des Spielers:

Jetzt der dritte Großkreutz-Akt – nur eine Woche vorm nächsten Revier-Derby.

So richtig erfolgreich scheint „Bild“ beim Anheizen aber nicht zu sein: Den Satz

Was für Klopp ein Scherz ist, empfinden viele Schalke-Fans als erneute Provokation von Großkreutz

untermauert „Bild“ mit keinem einzigen Beispiel — dabei hätte sich in Schalker Fan-Foren sicherlich der ein oder andere böse Kommentar über Großkreutz gefunden.

Allerdings auch Einschränkungen wie diese:

Wobei man hier mal wieder sehr schön die perfide Stimmungsmache der BLÖD sehen kann: Sie titeln „Peinlicher Spruch von Großkreutz… der BxB-Profi heizt die Stimmung an, hat er denn nix gelernt?“ , obwohl es sich um eine VORFORMULIERTE ANTWORTMÖGLICHKEIT in einem Sportblöd-Fragebogen handelt! Erst locken sie erwiesene geistige Tiefflieger auf derlei Aussagen und dann zündeln sie, um dann hinterher „unschuldig“ auf Großk*** zu verweisen… Wahrscheinlich hoffen sie insgeheim auf „richtig schöne“ Derbyausschreitungen, die sie dann genüßlich ausschlachten können.

Bei derlei Methoden kann ich gar nicht so viel essen, wie ich k**zen möchte! Und weder Schalker noch Dortmunder Fans sollten darauf reinfallen.

Offenbar wollte man nicht mal beim FC Schalke selbst auf den Zug aufspringen, den „Bild“ so schön ins Rollen zu bringen versucht:

Die Königsblauen schütteln ob des neuen Vorfalls nur mit dem Kopf. Neuer: „Dazu sage ich nichts mehr…“

Das stand jedenfalls so ähnlich auch schon gestern in der Zeitung:

Nun der provozierende Heim-Spruch. Und Neuer? Der gibt sich cool: „Dazu sage ich nichts mehr.“

Drei Mal bezeichnet „Bild“ im Artikel die von Kevin Großkreutz angekreuzte Antwortmöglichkeit im „Sportbild“-Fragebogen als „Kinderheim-Spruch“. So auch im letzten Satz des Artikels:

Großkreutz und der Kinderheim-Spruch – gestern hat Klopp ihm ein striktes Interview-Verbot erteilt. Bis zum Derby…

Und was das für ein Interview-Verbot war, erklärt Klopp vielleicht am Besten selbst im Wortlaut auf der Pressekonferenz:

Ich werde [Kevin] raten, einfach mit niemandem mehr über dieses Spiel zu sprechen. Sollten irgendwelche Interviews abgemacht sein, sind die in diesem Moment abgesagt, zum Thema Schalke. Weil er anscheinend machen kann, was er will, es wird anschließend ‘ne Riesengeschichte draus gemacht, weil er nun mal ‘n Dortmunder ist. Und deswegen wird’s keine Geschichte geben. Und ich bin am Überlegen, ob wir meine Termine, die in diesem Bereich abgeschlossen wurden, ob wir die nicht auch absagen. Es ist einfach zu gefährlich: Man kann nicht oft genug drüberlesen, um nicht anschließend ‘ne Geschichte zu machen, die man vier Tage wieder glattbügeln muss.

Und ich finde es so wichtig, dass es in diesem Spiel nur um Fußball geht und um nichts anderes; dass jeder dafür in der Verantwortung steht. Und ich werde meine Spieler darauf hinweisen, dass sie dieser Verantwortung gerecht werden. Ich werde ihr gerecht werden — und dann gibt’s Menschen, die wir nicht beeinflussen können, die müssen ihr aber auch gerecht werden. Und das ist anscheinend nicht so leicht.

Offensichtlich steht dem verantwortungsbewussten Verhalten von „Bild“ vor allem eines im Wege: das Fehlen von Verantwortungsbewusstsein.

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Kurz korrigiert (499 & 500)

Kein Schwein will Spiele von Hertha BSC sehen, erklärt „Bild“ heute in der Berliner Ausgabe:

Das letzte Liga-Heimspiel gegen Mainz (1:1) wollten nur noch 3715 Fans sehen. Saison-Minusrekord.

Nun weiß man nicht, wie viele Zuschauer beim Spiel gegen Mainz auch Fans waren, aber selbst davon dürften es mehr als 3.715 gewesen sein. Im Stadion waren jedenfalls 36.715 Menschen, wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten.

* * *

Jetzt wurden Liebesbriefe von John F. Kennedy († 38) an eine schwedische Geliebte veröffentlicht.

Anders als „Bild“ heute behauptet, ist John F. Kennedy nicht im Alter von 38 Jahren gestorben, sondern mit 46. Da muss wohl jemand den US-Präsidenten beim Googeln mit seinem Sohn John F. Kennedy, Jr. verwechselt haben, der 1999 mit 38 tödlich verunglückt ist.

Mit Dank an Horst, Basti, Martin K., und H.

Nachtrag, 19. Februar: Bild.de hat beide Fehler korrigiert.

Jeder nur ein Großkreutz

Sie sind Sportjournalist, es sind nur noch zehn Tage bis zum Derby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund und es liegt noch nicht genug Spannung in der Luft? Nichts, worüber Sie berichten könnten?

Kein Problem, bauen Sie sich einfach Ihre Schlagzeile selbst — „Sportbild“, „Bild“ und Bild.de zeigen in einer konzertierten Aktion, wie es geht:

  • Gehen Sie zu dem Dortmunder Spieler, von dem überliefert ist, dass er „Schalke wie die Pest hasst“ und der schon beim letzten Derby für Diskussionen gesorgt hatte.
  • Legen Sie ihm einen Fragebogen vor, dessen Antwortmöglichkeiten möglichst großes Konfliktpotential bieten, und hoffen Sie auf das Beste:
    2. Wenn mein Sohn Schalke-Fan wird ... dann kommt er ins Heim
  • Übergeben Sie das Thema an Deutschlands meistgeklicktes „Nachrichten-Portal“ und drehen Sie richtig auf:

    BVB-Star Großkreutz in einem Fragebogen: Wenn mein Sohn Schalke-Fan wird, kommt er ins Heim. KEVIN GROSSKREUTZ: Dortmund-Profi ledert wieder gegen Schalke. Dortmunds Kevin Großkreutz ist schon länger das Hass-Objekt aller Schalke-Fans. 10 Tage vor dem Revier-Derby gießt der Jung-Profi erneut Öl ins Feuer.  mehr ...

    Peinlicher Spruch von BVB-Star Kevin Großkreutz (21)!

    10 Tage vor dem Derby Schalke gegen Dortmund macht sich Großkreutz bei den königsblauen Anhängern richtig unbeliebt.

    Verzichten Sie nicht auf selbsterfüllende Prophezeihungen:

    Großkreutz heizt die Stimmung an. Hat er denn nichts gelernt?

    Im letzten Sommer machte sich der Dortmunder schon zum Hass-Objekt aller Schalke-Fans.

    Für den Fall, dass der Artikel komplett gelesen wird, können Sie gegen Ende auch noch Ihre Hände in Unschuld waschen:

    Jetzt die nächste überflüssige Provokation in Richtung Schalke. Übrigens: Mit „Stimme ich ihn um“ und „Gibt es keinen Fußball-Gott“ gab es zwei viel harmlosere Alternativen.

  • Am nächsten Tag übernimmt dann einfach die regionale Print-Ausgabe:

    Großkreutz spottet: Wenn mein Sohn Schalke-Fan wird, dann kommt er ins Heim!

    Erinnern Sie die Leser auch noch mal daran, um wen es da eigentlich geht:

    Die nächste Anti-Königsblau-Aktion von Großkreutz (stand vor seiner Karriere als Fan auf der Dortmunder Südtribüne), der sich offen zu seiner Schalke-Allergie bekennt: „Die sind mein Feindbild Nr. 1. Ich hasse Schalke wie die Pest!“

  • Wenn die ersten anderen Trash-Portale auf das Thema anspringen (und dabei dankenswerterweise die Information unterschlagen, dass „kommt er ins Heim“ eine vorgegebene Antwortmöglichkeit war), können Sie sich entspannt zurücklehnen und bis zum Derby über die „angeheizte Stimmung“ schreiben.

Mit Dank an Marcus H.

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Entsetzliche Bilder, exakt so dargestellt

Am 6. April 2008 veröffentlichten „Bild am Sonntag“ und Bild.de das Foto einer nackten Kinderleiche auf einem Obduktionstisch: Es zeigte die fünfjährige Lea-Sophie, die ihre Eltern verhungern ließen. Die Redaktion, die behauptete, lange über das Für und Wider der Veröffentlichung diskutiert zu haben, hatte ihre Entscheidung damals mit dem Satz begründet: „Denn wir wollen, dass so etwas nie wieder in Deutschland passiert!“ (BILDblog berichtete).

Genützt hat der selbstlose Einsatz nichts: Am 11. März 2009 fanden Notärzte und Polizisten in einer Hamburger Wohnung die Leiche der neun Monate alten Lara-Mia — „jämmerlich verhungert“, wie „Bild“ am Samstag in der Hamburger Regionalausgabe kommentierte.

Der Text von Christian Kersting beginnt mit den Worten:

Die Bilder sind entsetzlich, brennen sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein.

Und weil „Bild“ die Gedächtnisse von Notärzten, Polizisten und anderen mit dem Fall betrauten Personen offenbar nicht ausreichten, hat man sich dazu entschieden, das Bild („Der kleine Körper ist völlig abgemagert“) auch noch in die Gedächtnisse der Leser am Frühstückstisch einzubrennen.

Dabei war „Bild“ natürlich nicht so blöd, noch einmal Fotos unbekannten Ursprungs zu verwenden und damit eine weitere – hilf- wie folgenlose – „Missbilligung“ des Deutschen Presserats wegen Verletzung der Würde des Opfers zu riskieren — Nein!

Man gab einfach eine fast fotorealistische Zeichnung in Auftrag, die die Fotos brutalst möglich detailreich wiedergibt, großflächig in der Zeitung und auf der Startseite von Bild.de:

Wie viel Schuld tragen die Behörden am Tod der kleinen Lara-Mia?

Neben der Zeichnung steht:

BILD-Zeichnerin Nora Nowatzky hat die Situation exakt so dargestellt, wie sie auf den Fotos in den Akten zu sehen ist. Der kleine Körper ist völlig abgemagert. So fanden Notärzte und Polizisten das Mädchen.

Wie „Bild“ an diese Fotos gekommen ist, konnten Polizei und Staatsanwaltschaft auf unsere Anfrage nicht erklären — nur, dass sie nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen seien.

Mit Dank an Daniel K., Eagle und Sarah H.

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Rhetorische Fragen

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