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Der nette Rassist von nebenan

Heute erfahren wir aus „Bild“: Angela Merkel ist mit dem Preis für Verständigung und Toleranz ausgezeichnet worden. Die Türken haben Deutschlands Wirtschaft um Döner und Brautkleider bereichert.

Doch nicht überall ist es um Toleranz und Integration so gut bestellt:

Kommen Millialden Eulos von den Chinesen?

Wenn Zeitungen in anderen Ländern mit uralten Stereotypen arbeiten, nennt „Bild“ das übrigens „Hass“ und „Beleidigung“ …

Mit Dank an Henman.

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Der Leichnam aus einer anderen Welt

Es fällt schwer, das zuzugeben oder zu glauben, aber wenn in „Bild“ mal die Stimme der Vernunft spricht, dann tut sie es meist aus der Kolumne von Franz Josef Wagner.

Der schreibt heute ausnahmsweise mal nicht an, sondern über etwas:

Gaddafis Leiche,

sie liegt auf einer Matratze in einem Supermarkt-Kühlhaus aus. Schlangen davor, alle 10 Minuten neuer Einlass der Anstehenden.

Alle wollen den toten Gaddafi sehen. Es wird kein Eintrittsgeld verlangt im Museum des Krepierten.

Wagner gibt sich als Humanist zu erkennen:

In unserer Welt zieht man den Reißverschluss des Leichensacks zu. Wer immer auch tot ist, hat seine Würde. Wir alle wissen nicht, was der Tod ist. Egal, ob man ein Massenmörder ist oder ein Dichter – der Tod ist so ungeheuerlich.

Zwar erklärt Wagner nicht, was genau diese, seine, „unsere Welt“ ist, aber der Begriff scheint ihm wichtig zu sein:

Ich verstehe, dass die Rebellen Libyens den toten Diktator bespucken. Aber dies kann nicht unsere Welt sein. Tote sollten nicht bespuckt werden. Tote sind in einer anderen Welt der Gerechtigkeit.

In der Franz-Josef-Wagner-Welt werden Leichen also nicht bespuckt und nicht öffentlich vorgezeigt.

Währenddessen, zwölf Seiten weiter in der „Bild“-Welt:

Schlange stehen zum Gaddafi-Gaffen. Halb nackt, blutverschmiert: der Leichnam Gaddafis im Kühlhaus.

Mit Dank auch an MB.

Nachtrag, 18.20 Uhr: Zwölf Seiten, pah! In der Hamburger „Bild“-Ausgabe ist der tote Gaddafi gleich auf der selben Seite abgebildet wie Wagners Text:

Schlange stehen zum Gaddafi-Gaffen. Halb nackt, blutverschmiert: der Leichnam Gaddafis im Kühlhaus.

Mit Dank an Helga B.

Bild, Bild.de  etc.

Wo die wilden Kerle wohnen

Neben Euro-Rettung, Randalen in Griechenland, der Tochter von Nicolas Sarkozy und Carla Bruni und dem Tod von Muammar al-Gaddafi trieb „Bild“ und Bild.de diese Woche vor allem eine Frage um:

Kannibalen-Insel: Fraß dieser Jäger den deutschen Urlauber?

Der Fall des deutschen Abenteurers Stefan R., der in Französisch-Polynesien verschwunden war, inspirierte die Reporter dazu, jahrhundertealte Horrorgeschichten zu entstauben und neu aufzukochen.

Sebastian Brauns, freier Journalist aus Konstanz, hat sich die Geschichte und ihre Hintergründe für uns angesehen und einen Gastbeitrag verfasst:

Wir danken auch den vielen Lesern, die uns über die letzten Tage mit sachdienlichen Hinweisen zu dem Fall versorgt haben!

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It really does not work

Dass die „Gewinner/Verlierer“-Rubrik in „Bild“ nicht sehr faktenorientiert ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Das ist heute nicht anders:

Fiese Attacke auf CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl (67): Internet-Hacker knackten gestern die Homepage des Politikers, legten die Adresse "uhl-csu.​de" für Stunden lahm, löschten alle Daten und verhöhnten ihn noch. Denn wenn man die kaputte Seite anklickte, erschien der böse Spruch "it works" – es funktioniert.  BILD meint: Pechvogel!

Dass „it works“ – zu deutsch: „es funktioniert“ – ein „böser Spruch“ sein soll, hätte die Redakteure eigentlich misstrauisch machen müssen. Hätten sie dann noch auf Bild.de nachrecherchiert – ein Vorgehen, von dem wir sonst ausdrücklich abraten – hätten sie neben einem Screenshot der gehackten Homepage Uhls auch die Erklärung für die merkwürdige Kurzbotschaft gefunden:

Trotzdem ist auf der Webseite momentan nicht mehr zu sehen als der Satz "It Works" (engl. für "Es läuft").  Diesen Satz gibt ein Webserver nach der Neuinstallation aus, wenn alles funktioniert.

Mit Dank an Hanno B. und C.

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Wir sind der Meinung, das war spitze!

Wenn Sie in Berlin in der Nähe der Axel-Springer-Zentrale am Checkpoint Charlie wohnen und sich in den letzten Tagen über die merkwürdigen Plopp-Geräusche gewundert haben: Das waren nur die Champagnerkorken. Es gibt nämlich quasi jeden Tag was zu Feiern.

Gestern, zum Beispiel, als Claus Strunz, der ehemalige Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und des „Hamburger Abendblatts“, zum „Gewinner des Tages“ ernannt wurde:

Gewinner: Andere verlieren, er legt zu: TV-Talker Claus Strunz (45). Seine Sendung "Eins gegen Eins" (montags 23.30 Uhr, Sat.1) setzt ihren Erfolgskurs fort: 730000 Zuschauer schalteten diese Woche ein. Die Sendung hat ihren Marktanteil in der Zielgruppe damit von gut 4 Prozent im Frühjahr auf satte 7,5 Prozent gesteigert. BILD meint: Quotenkönig!

Nun liegen die 7,5 Prozent noch unter dem Senderschnitt von Sat.1, der im September bei „satten“ 10,9 Prozent lag. Auch hatte die zeitgleich auf RTL ausgestrahlte „Future Trend Reportage“ einen etwa doppelt so hohen Marktanteil wie „Eins gegen Eins“, aber das alles soll den Erfolg von „Quotenkönig“ Strunz natürlich nicht schmälern — auch nicht der Umstand, dass Bild.de im Vorfeld der montäglichen Sendung ordentlich die Werbetrommel gerührt hatte:

"Eins gegen Eins": Schamhaar-Eklat bei Politik-Talkshow. Skandal-Rapperin kam mit Nippel-Huren-Catsuit und Plüsch-Penis in TV-Sendung

Heute dann der nächste Triumph:

Gewinner: Große Ehre für BILD: Die erfolgreiche iPad-App ist beim Ranking des US-Consulting-Unternehmens McPheters & Company auf Platz 1 gelandet. "BILD HD" setzte sich unter 3500 News-Apps aus aller Welt durch. Die BILD-App überzeugte die Experten in puncto Design, Funktionalität und Mehrwert. BILD meint: APPsolute Weltspitze!

Die „große Ehre“ äußert sich darin, dass die in Branchenkreisen weitgehend unbekannte Firma McPheters & Company eine Pressemeldung herausgegeben hat, in der sie die „Top 10 Newspaper Apps“ auszeichnet.

Zum Vorgehen schreibt die Firma:

Die Liste basiert auf dem iMonitor Bewertungssystem das jede App nach ihrem Design, ihrer Funktionalität und ihrem Einsatz von Multimedia-Inhalten bewertet. Jede Variable wird auf einer Fünf-Punkte-Skale beurteilt und in einer einzelnen App-Bewertung mit einem maximal möglichen Wert von 15 Punkten zusammengefasst. Die höchste bisher erzielte Bewertung liegt bei 14,5 — eine Bewertung, die alle Veröffentlichungen auf dieser Liste gemeinsam haben, die wir in alphabetischer Reihenfolge angeordnet haben.

(Übersetzung und Hervorhebung von uns.)

Und … nun ja … „Bild“ fängt halt mit „B“ an:

BILD HD, Germany, Axel Springer AG

„Bild“ scheint übrigens das einzige Medium zu sein, das sich öffentlich über diese große Ehre freut.

Mit Dank auch Andreas Sch. und Martin D.

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Bubi ist bloß Bengel

Am 3. Oktober kürte „Bild“ einhundert junge Deutsche, denen „die Zukunft gehört“. Darunter: Ein 16-jähriger Jungunternehmer aus Sachsen-Anhalt. Der „gründete mit 15 seine eigene Firma, entwickelt Marketing- und Medienkonzepte“.

Keine zehn Tage später kam die Ernüchterung:

Er heißt (…), ist ein 16-jähriger Bubi aus Sachsen-Anhalt – und wurde vor einem halben Jahr mit angeblichen Millionenumsätzen seiner eigenen Firma zum Topstar der Wirtschaftsbranche.

Bejubelt in Fachmagazinen und im TV, auch in BILD gefeiert als einer von 100 Deutschen, denen die Zukunft gehört.

Alles nur heiße Luft? Ist der Bengel ein Hochstapler? Der Staatsanwalt ermittelt gegen den 16-Jährigen!

Die Enttäuschung wich schnell Geschäftigkeit, denn mit vermeintlichen Hochstaplern kennt sich die Zeitung natürlich aus.

Die Leipziger Regionalausgabe machte sich also an die Dekonstruktion der Überflieger-Geschichte:

Deutschlands jüngster Unternehmer. Zwei Jahre lang hielt er offenbar jeden zum Narren. Jetzt fällt sein Kartenhaus Stück für Stück zusammen.

Dabei erfuhren die Reporter so einiges:

Oma bezahlte die Büromiete. Der Schuldirektor bescheinigt (…) „mangelhafte Noten“ und „Versetzungsgefahr“. Selbst die Schwester des smarten Vorzeige-Unternehmers, die mal für ihn arbeitete, schimpft: „Lassen Sie mich bloß mit diesem Kerl in Ruhe…“

Eine „geprellte Mitschülerin“ („Langes dunkles Haar, feurige Augen und eine Model-Figur“) „packte aus“:

„Er wollte, dass ich ihn rumkutschiere, weil ich schon einen Führerschein hatte“, erzählt Camilla. Und fügt hinzu: „Er schikanierte mich die ganze Zeit. Ich musste seine Kameras und Taschen schleppen. Sollte an seiner Seite sein, damit er gut rüberkommt. Er träumte von einem eigenen Film.“

Vieles an der angeblichen Erfolgsgeschichte (74 Mitarbeiter, „6,93 Millionen Euro Gewinn bei rund 13 Millionen Euro Umsatz im deutschsprachigen Raum“) ist zweifelhaft: Es liegen keine Eintragungen in den zuständigen Handelsregistern vor und auf der Facebookseite des angeblichen Pressesprechers (neben besagtem Jungunternehmer weitere 20 Freunde) lächelt einen ein Foto aus einer Bilddatenbank an.

Auszüge aus dem Pressekodex:

Richtlinie 8.1 – Nennung von Namen/Abbildungen

(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (s. auch Ziffer 13 des Pressekodex) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. Mit Rücksicht auf ihre Zukunft genießen Kinder und Jugendliche einen besonderen Schutz. Immer ist zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abzuwägen. Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen.

Richtlinie 8.4 – Erkrankungen

Körperliche und psychische Erkrankungen oder Schäden fallen grundsätzlich in die Geheimsphäre des Betroffenen. Mit Rücksicht auf ihn und seine Angehörigen soll die Presse in solchen Fällen auf Namensnennung und Bild verzichten und abwertende Bezeichnungen der Krankheit oder der Krankenanstalt, auch wenn sie im Volksmund anzutreffen sind, vermeiden. Auch Personen der Zeitgeschichte genießen über den Tod hinaus den Schutz vor diskriminierenden Enthüllungen.

Aber auch wenn alle jetzt erhobenen Vorwürfe gegen den Jungunternehmer zutreffen sollten, dürfte „Bild“ nicht bei voller Namensnennung und Abbildung über ihn berichten — der Pressekodex sieht für jugendliche Verbrecher einen „besonderen Schutz“ vor (s. Kasten).

Doch die Berichterstattung wird noch schwerwiegender:

Vom gefeierten Jungstar der Wirtschaftswelt zum Fall für den Psychiater!

[…] (16) aus Zerbst hält seit zwei Jahren als Unternehmer jeden zum Narren. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Teenager. Nun soll ein Gerichtspsychiater den Gymnasiasten untersuchen, ob dieser vielleicht psychisch krank ist.

Sollte der junge Mann tatsächlich psychisch krank sein, hätte „Bild“ noch weniger Rechte, derart über seinen Fall zu berichten (s. Kasten).

Aber nicht nur das:

Wie tickt ein Mensch, der in einer Scheinwelt lebt? Psychologe Thomas Kasten (47) erklärt: „Das deutet auf eine multiple Persönlichkeitsstörung hin. Liegt hier auch ein krankhafter Hang zum Lügen vor, spricht man vom Münchhausen-Syndrom.“

Das Münchhausen-Syndrom ist, wie es Wikipedia formuliert, „eine psychische Störung, bei der die Betroffenen körperliche Beschwerden erfinden bzw. selbst hervorrufen und meist plausibel und dramatisch präsentieren.“ Aufmerksame Zuschauer der TV-Serie „Dr. House“ könnten das wissen, ein Psychologe sollte es tun.

Wir haben bei Thomas Kasten angefragt, ob „Bild“ ihn richtig zitiert hat, haben aber bislang keine Antwort erhalten.

Mit Dank an Ares, Frank und Björn.

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Auf einem Auge blind

Hans-Hermann Tiedje klang am Freitag empört:

Linker Terrorismus — Was denn sonst?Es existiert da bei manchen offenbar Nachsicht bei Motiven von links, weil: Eigentlich meinen die Täter es ja irgendwie doch gut.

Wenn jetzt Linksextremisten durch Brandanschläge bei der Bahn Hunderte von Menschenleben gefährden, dann wird schon wieder um Worte gerungen.

Es wird Tiedje, den früheren „Bild“-Chefredakteur, wurmen, dass nicht einmal der Chef des Bundeskriminalamts bereit ist, angesichts der Brandanschläge auf Strecken der Deutsche Bahn von „Terrorismus“ zu sprechen.

Tiedje selbst hingegen ist ein Freund klarer Worte, wie er schon zu Beginn seines Kommentars deutlich machte:

Wenn Neonazis Ausländer verprügeln, ist das dann schlicht nur Ausländerhass? Nein, es ist Terror, und zwar Terror gegen Menschen.

Hoyerswerda, Solingen, Oktoberfest 1980: alles Fälle von rechtem Terrorismus. Und jeder benennt es so, schon im Rückblick auf die Nazizeit.

Wenn wir den (bis heute nicht wirklich aufgeklärten) Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980 mal außen vor lassen: Es gibt wenig Hinweise darauf, dass im Zusammenhang mit den Ausschreitungen von Hoyerswerda und dem Mordanschlag von Solingen irgendjemand von „Terrorismus“ gesprochen hätte.

Im Gegenteil, wie diese AP-Meldung vom November 1991 zeigt:

Für Generalbundesanwalt Alexander von Stahl sind die Anschläge auf Ausländer kein Terrorismus. Zwar habe der Rechtsextremismus zugenommen, sagte er am Donnerstag abend in Hamburg vor dem Übersee-Club. Aber es lägen bisher keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, daß die mittlerweile über 300 Brandanschläge auf Unterkünfte von Asylbewerbern und andere Ausländern durch terroristische Vereinigungen gesteuert würden oder daß sich terroristische Strukturen gemäß der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes gebildet hätten. Der Rechtsterrorismus sei „keine aktuell erkennbare Gefährdung“.

Wenn Tiedje heute behauptet, „jeder“ spreche im Zusammenhang mit diesen Ereignissen von „rechtem Terrorismus“ („schon im Rückblick auf die Nazizeit“), dann ist diese Behauptung mindestens gewagt. Oder auch geschichtsklitternd.

Einige Beobachter haben übrigens die „Bild“-Zeitung für die aufgeheizte Stimmung gegenüber Asylanten und Ausländern in Deutschland mitverantwortlich gemacht. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hatte schon im September 1991 die Berichterstattung von „Bild“ scharf kritisiert. Im April 1992 titelte die Zeitung: „Die Flut steigt – wann sinkt das Boot? Fast jede Minute ein neuer Asylant“.

(Co-)Chefredakteur von „Bild“ war damals Hans-Hermann Tiedje.

Mit Dank auch an Robert W.

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Wir müssen leider draußen bleiben (2)

Am Montag begann am Landgericht Wiesbaden die Verhandlung in einem Fall, der bundesweit für Aufsehen sorgte. Drei Jugendliche werden des Raubmordes an einem Obdachlosen angeklagt. Interessant ist dabei, wie das Landgericht Wiesbaden mit den Journalisten umgeht.

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet:

Eigentlich ist die Öffentlichkeit von Verfahren gegen Minderjährige ausgeschlossen. Für sie gelten besondere Regeln, ihre Interessen sind besonders schützenswert – ganz gleich, wessen sie angeklagt sind. Doch die Vorsitzende Richterin Ingeborg Bäumer-Kurandt lässt Ausnahmen zu. Einige Pressevertreter dürfen im Zuschauerraum Platz nehmen. Doch das Gericht sortiert aus: Vor Sitzungsbeginn müssen die Journalisten Namen und Medium, für das sie arbeiten, aufschreiben. Nach 45 Minuten Beratung gibt die Kammer ihre Entscheidung bekannt: Die Journalisten dürfen hinein – bis auf einen. Dem Vertreter einer Boulevardzeitung wird der Zutritt ausdrücklich verwehrt. Mit harschen Worten hatte sich Staatsanwalt Jördens zuvor dagegen ausgesprochen, dass der Vertreter dieser Zeitung zuhören darf. Die Kammer lenkt ein: Früher habe jene Zeitung auch bei Verfahren in Wiesbaden „unzutreffend und unsachlich“ berichtet, so die Vorsitzende; das sei nun ebenfalls zu befürchten. Der Berichterstatter bleibt draußen. Die anderen dürfen sich die Anklageverlesung anhören. Danach müssen auch sie den Raum verlassen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Auf Anfrage bestätigte uns das Landgericht, „dass es sich bei dem nicht zu der Anklageverlesung zugelassenen Journalisten um einen Mitarbeiter der BILD-Zeitung handelt“. Laut Staatsanwaltschaft geht es dabei nicht um einen konkreten Fall, sondern um langjährige Erfahrung mit der Berichterstattung der Zeitung.

Das geht auch aus einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hervor:

Unter Auflagen zugelassen wurden namentlich benannte Vertreter der Medien mit Ausnahme des Journalisten der „Bild“. Staatsanwalt Jördens hatte den Ausschluss des Blatts gefordert mit der Begründung, deren „unsachliche und reißerische“ Berichterstattung beeinträchtige die Persönlichkeitsrechte in viel stärkerem Maß als die anderer Medien. Die Kammer folgte dieser Auffassung, der sich auch die Verteidiger angeschlossen hatten. In der Vergangenheit habe „Bild“ mehrfach unsachlich und unzutreffend über auch in Wiesbaden verhandelte Gerichtsverfahren berichtet, sagte die Vorsitzende Richterin Ingeborg Bäumer-Kurandt.

Mit Dank an spot.

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Das Grauen hat einen Namen

Franz Josef Wagner hat einen Liebesbrief geschrieben. Er geht an Joachim „Jogi“ Löw, den „eleganten Bundestrainer, der wunderbar aussieht“. Mit mehr als einer Prise Homoerotik erinnert sich Wagner „an Artikel, in denen es nur um Ihr strahlend weißes Hemd ging“:

Wie lässig es Ihren 50-jährigen Körper bedeckte, auf Taille geschneidert und zu allen Träumen veranlasste.

Dann war der Hype um Ihren blauen Pullover. Sie trugen ihn nackt auf Ihrer Haut.

Einmal in Fahrt, gibt es für Wagner kein Halten mehr:

Und zu Ihrer Schönheit kam das Haar, als hätte Gott jedes einzelne Haar in Ihren Kopf eingepflanzt. Dieses volle Haar. Sie sind 51 und Sie haben kein einziges graues Haar.

So gesehen dürfte Franz Josef Wagner ziemlich enttäuscht gewesen sein, als er den Sportteil jener Zeitung aufschlug, für die er arbeitet:

Keine Farbe mehr! Löw steht zu Grau. Deutschland siegt und siegt. Warum wird denn unser Bundestrainer grau und grauer? Wer Joachim Löw (51) am Fernseher genau beobachtete, sah graue Haare in der vollen Haarpracht und den Koteletten. Der Grund ist einfach: Löw färbt seine Haare schon länger nicht mehr. "Endlich fällt es den Leuten mal auf", sagt er lächelnd. Das dichte Haar hat er übrigens von seinem Vater geerbt.

Im vergangenen Jahr war „Bild“ übrigens selbst noch überzeugt davon, dass Löws Haarfarbe echt sei:

Die dichten schwarzen Haare sind nicht gefärbt. Hat er vom Vater (Beruf Ofensetzer) geerbt.

Mit Dank an Flo M.

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Ein Gruppensex-Quickie mit Polanski

Heute lernen wir, wie die Stars unter den Promi-Reportern an ihren spektakulären Stücke kommen.

Unsere Lehrerin ist keine geringere als Dora Varro, eine junge Frau, die sich „Teufelsreporterin“ nennen lässt und über die die österreichische Fachzeitschrift „Journalist“ schon vor Jahren schrieb: „Sie hat Geschichten, von denen länger im Geschäft befindliche Society-Journalisten nur träumen können.“

Diese erschien vor zwei Wochen in „Bild“:

Mein Treffen mit Roman Polanski war wie schlechter Sex

Man sieht, wie nahe sie dem Regisseur Roman Polanski gekommen ist, man ahnt, dass er sogar ihre Hand hält, während sie ihn auf das „heikle Thema“ seiner Verhaftung anspricht, was ihn zu einem kleinen Witz animiert.

Dies ist das Foto der Agentur Getty Images, das „Bild“ verwendet hat:

Die Frau, mit der Polanski hier spricht und deren Hand er hält, ist gar nicht „Bild“-Reporterin Dora Varro, sondern eine andere Dame. „Bild“ hat sie unfreundlicherweise nicht nur abgeschnitten, sondern auch noch ihre Nase wegretuschiert.

Nun könnte man glauben, dass Frau Varro gar nicht mit Polanski gesprochen hat. Das wäre aber falsch. Sie stand mit anderen Reportern und Schaulustigen am Roten Teppich und hat sich von dem Regisseur schnell ein Autogramm geben lassen.

Das ganze ist sogar in einem Video auf Bild.de zu sehen — allerdings ohne den Hinweis, dass wir hier die Teufelsreporterin bei ihrer Arbeit sehen. Dies sind die entscheidenden Sekunden:

Keine Frage: Als Sex ist das nicht gut.

Mit Dank an Thomas H.!

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