Archiv für Bild

Bild, dapd  

Wer wird denn weinen

Es war eine traurige Nachricht für Fans des Entertainers Peter Kraus, ein bisschen unauffällig versteckt in der „Bild“ vom letzten Samstag:

Peter Kraus macht Schluss: Zwischen diesen Fotos liegen 70 Jahre

Sogar auf Scherze wie „Aus der Kraus“ hatte „Teufelsreporterin“ Dora Varro verzichtet, obwohl sie sonst nicht um irrlichternde Überschriften verlegen ist.

Nur die spröde Dachzeile „Peter Kraus macht Schluss“ und der Hinweis, dass sein Konzert Donnerstagnacht in Hannover „einer seiner letzten Auftritte“ gewesen sei, läuteten Kraus‘ Abgang ein:

„Das ist meine Abschieds-Tournee. Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist“, verrät er BILD.

Am 27. Mai fällt der Vorhang in Düren. Dann noch ein Gastauftritt im August.

Danach tritt er ab – nach 57 Bühnenjahren.

Und so soll das Karriereende von Peter Kraus (73, „Sugar Sugar Baby“) aussehen?

Ja, sagen „Bild“ und die Nachrichtenagentur dapd, die „Bild“ offenbar für eine ähnlich fehlerfreie Quelle hält wie sich selbst.

Nein, sagt Peter Kraus.

Der ließ heute über seine Konzertagentur folgende Erklärung verbreiten:

‚Wann Schluss ist, bestimme immer noch ich!‘
Peter Kraus denkt nicht ans Aufhören

Peter Kraus der ewig junge Rock ’n Roll Star, der sich zurzeit auf einer 60 Konzerte Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz befindet, ist erstaunt über die BILD Zeitungsnachricht vom 05.05.2012, dass er Abschied von der Bühne nimmt. Peter Kraus legt in diesem Zusammenhang folgende Stellungnahme ab:

„Wann Schluss ist, bestimme immer noch ich!“

„BILD ist stolz darauf in ihrer Berichterstattung die schnellste Zeitung Deutschlands zu sein. Sicher mit Recht.

In meinem Fall war sie sogar noch schneller, denn sie verkündete bereits das Ergebnis meiner derzeitigen Überlegungen, wie und wann ich mich von meinen Fans verabschiede.

Ein Ergebnis, das ich selbst noch nicht kenne.

Im Interview habe ich lediglich gesagt: „Eine so lange und große Revuetournee mit großem Ensemble tue ich mir bestimmt nicht mehr an.“

Diese Aussage wurde stark eingekürzt – wahrscheinlich aus Platzmangel – für Bilder. BILD Zeitung eben!“

Peter Kraus

dapd vermeldete auch diese neuerliche Entwicklung gerne und zitiert „Bild“ dabei mit der Aussage, das Blatt bleibe bei seiner Berichterstattung

Mit Dank an Petra O.

Löw hält sich nicht an „Bild“-Wissen

Heute hat der DFB den vorläufigen Kader für die Fußball-EM in Polen und der Ukraine bekanntgegeben.

„Bild“ war sich vorher sicher:

EM-Kader: Jogi holt den Tony

Nun: Am Mittag wurde der Kader vorgestellt und Tony Jantschke ist ebenso wenig dabei wie Patrick Helmes, den „Bild am Sonntag“ gestern „fast sicher“ nominiert wähnte.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 20.20 Uhr: Zahlreiche Leser haben uns darauf hingewiesen, dass in dem „Bild“-Artikel oben noch ein Fehler steckt: Die Nominierungsfrist für den finalen Kader endet am 29. Mai, nicht – wie von „Bild“ behauptet – am 25.

2. Nachtrag, 8. Mai: Das ist lustig: Auf Bild.de steht jetzt „Den endgültigen 23er-Kader muss er am 29. Mai der Uefa melden“.

Hauptsache Hure

Griechische Behörden haben Namen und Fotos von elf Prostituierten veröffentlicht, die HIV-positiv sein sollen und im Verdacht stehen, Freier mit dem HI-Virus infiziert zu haben.

„Bild“, die es auch schon mal legitim fand, die HIV-Infektion einer Popsängerin öffentlich zu machen, findet die Aktion in diesem Fall nicht gut und empört sich auf der Titelseite:

Widerlich! Griechen-Minister stellt HIV-Huren an den Pranger

Bei Bild.de ist der Artikel, den Paul Ronzheimer, „Pleite-Griechen“-Beauftragter von „Bild“, aus Athen geschickt hat, ein wenig länger.

Auch die Überschrift ist etwas anders:

Widerlich! Griechen-Minister stellt AIDS-Huren an den Pranger

Aids und HIV — das ist für „Bild“ auch im Jahr 2012 immer noch das Gleiche.

Mit Dank auch an Peter H. und Jens D.

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Schon wieder falscher DSDS-Sieger gewählt

Gestern endete (quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit) die neunte Staffel der RTL-Castingsoap „Deutschland sucht den Superstar“ mit einem Sieg von Luca Hänni. Was insofern überraschend ist, als erstens RTL unter der Woche im Internet schon versehentlich den „Sieg“ von Gegenkandidat Daniele Negroni „verkündet“ und zweitens „Bild“ gestern getitelt hatte:

Wetten, dass Daniele gewinnt?

Andererseits ist das mit „Bild“ auch gar nicht überraschend, sondern offenbar Teil einer neuen Tradition.

Anders als im letzten Jahr hatte sich „Bild“ diesmal immerhin alle Türen offen gehalten:

DSDS-Finale - Die große Bild-Prognose* Wetten, dass Daniele heute seine Mama reich macht? * ... falls wir uns irren, gilt das für Lucas Mutter

Mit Dank an Steffen S.

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Heißen alle gleich

Axel Springer, Gründer des nach ihm benannten Verlags, würde nächste Woche 100 Jahre alt. „Bild“ ehrt den Mann, der – obwohl 1985 verstorben – im Impressum noch immer als Verleger geführt wird, derzeit unter anderem mit einer Fotoserie.

Mehr noch:

Zu seinem 100. Geburtstag am 2. Mai versucht BILD in einer Serie mit ungewöhnlichen Fotos aus seinem Leben den Verleger und Visionär zu erklären.

Heute ist in dieser Fotosammlung, die fast eine ganze Seite einnimmt, unter anderem dieses Bild zu sehen:

1972 - Als würde er tanzen:
Springer (damals 60) auf Patmos/ Griechenland. Bei einem Segeltörn durch die Ägäis hatte er die Insel für sich entdeckt und dort drei Jahre später ein Haus gebaut. Auf Patmos empfing Johannes der Täufer einst die Offenbarung und schrieb das letzte Buch des Neuen Testaments.

Das wäre dem „Verleger und Visionär“, der seinen Verlag als „Zeitungshaus, das sich christlichen Werten verpflichtet fühlt“ beschrieb, sicher sauer aufgestoßen.

Zwar schrieb ein Mann namens Johannes die Offenbarung laut Selbstaussage auf Patmos, aber dieser war nicht als „der Täufer“ bekannt: Johannes der Täufer wurde noch zu Lebzeiten Christi (oder kurz danach) geköpft, die Offenbarung wurde einige Zeit später von einem anderen Johannes verfasst.

Mit Dank an Christoph V. und Der Stein.

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Verschleppungstaktik

Auf ihrer Seite 2 muss „Bild“ heute diese Gegendarstellung des Filmproduzenten David Groenewold drucken:

In BILD vom 8. Februar 2012 verbreiten Sie auf S. 2 über mich unter der Überschrift „Neuer Wirbel um Wulff-Urlaub“ im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über einen gemeinsamen Sylt-Aufenthalt mit dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff im Jahr 2007 Folgendes:

1. „Am Morgen des 20. Januar fordert er Mitarbeiter des Hotels auf, relevante Rechnungen und Belege aus dem gemeinsamen Kurzurlaub mit dem Ehepaar Wulff aus dem Jahr 2007 auszuhändigen. Ein Hotel-Manager übergibt Groenewold Anreiselisten, Meldescheine und Verzehrquittungen.“

Hierzu stelle ich fest:
Ich habe das Hotel lediglich um die Anfertigung von Kopien der Rechnungsbelege gebeten. Mir wurden auch weder Anreiselisten, Meldescheine noch Verzehrquittungen übergeben.

2. Weiter schreiben Sie:
„In bar will Wulff ( ) die von Groenewold übernommenen Hotelkosten auch bei einem ,Oktoberfest-Besuch‘ im Jahr 2008 erstattet haben.“

Hierzu stelle ich fest:
Herr Wulff hat mir lediglich die von mir übernommenen Kosten für die Babysitterin in bar erstattet. Darüber hinaus habe ich lediglich den Aufpreis für ein größeres Zimmer während des gemeinsamen Oktoberfest-Besuchs übernommen, ohne dies Herrn Wulff mitzuteilen. Er hat den Betrag auch nicht in bar erstattet, sondern mir vor rund 3 Wochen überwiesen, nachdem er erstmals hiervon über die Medien erfahren hatte.

Berlin, 8.2.2012
Rechtsanwalt Christian-Oliver Moser für David Groenewold

Es bedurfte zweieinhalb Monate und einiger Gerichtsentscheidungen, damit „Bild“ diese Gegendarstellung druckt. Die Zeitung mag das auch nicht unkommentiert stehen lassen und fügt hinzu:

Anmerkung der Redaktion:
Zum Abdruck dieser Gegendarstellung sind wir unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt gesetzlich verpflichtet. Wegen der Behauptung von Herrn Groenewold in dieser Gegendarstellung, er habe lediglich den Aufpreis für ein größeres Hotelzimmer während des gemeinsamen Oktoberfest-Besuches für Herrn Wulff übernommen, ohne dies Herrn Wulff mitzuteilen, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Herrn Groenewold wegen des Verdachts der Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung.

Überhaupt wird die (immerhin sechsspaltige) Gegendarstellung heute ein bisschen konterkariert von einer etwas größeren Meldung:

Falsche eidesstattliche Versicherung? Staatsanwalt weitet Ermittlungen gegen Wulff-Freund David Groenewold aus

Doch nicht nur mit dem Abdruck der Gegendarstellung hat sich „Bild“ denkbar viel Zeit gelassen, auch die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft „jetzt“ die Ermittlungen gegen „Wulff-Freund Groenewold“ ausgeweitet hat, war der Redaktion offenbar schon länger bekannt.

Bereits vor fast vier Wochen, am 29. März, hatte „Bild“-Reporter Nikolaus Harbusch eine E-Mail mit mehreren Fragen an Groenewolds Anwalt Christian-Oliver Moser geschickt. Darunter auch diese:

Ist Ihnen bekannt, dass die Staatsanwaltschaft nach Auswertung der Unterlagen und Aussagen das Ermittlungsverfahren gegen David Groenewold auf den Verdacht einer weiteren Straftat ausgedehnt hat?

Nachdem Moser erklärt hatte, im Hinblick auf das laufende Ermittlungsverfahren keine Stellungnahme abgeben zu können, passierte lange Zeit nichts, bis Harbusch die gleichen Fragen gestern noch einmal an den Anwalt schickte — und „Bild“ heute groß verkündete, die Ermittlungen seien „jetzt“ ausgeweitet worden.

„Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich sagte der dpa, die Staatsanwaltschaft Hannover habe die Ermittlungen erst zu Wochenanfang ausgeweitet. Von der Staatsanwaltschaft selbst bekam die Agentur die Auskunft, die Ausweitung der Ermittlungen sei der Zeitung am Montag bestätigt worden. Wann genau das Verfahren tatsächlich ausgeweitet wurde, konnte die Sprecherin nicht sagen.

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Innenminister verschwieg „Bild“-Verbindung

Anfang März schaffte es die „Bild“-Zeitung, die Ergebnisse einer differenzierten Untersuchung über Einstellungen von Muslimen in Deutschland so zu verfälschen, dass sich mit ihnen Panik, Schlagzeilen und Agenturmeldungen generieren ließen. „Bild“ hatte die Studie offenbar vorab bekommen — die Frage war nur, von wem.

Marietta Slomka fragte im ZDF-„heute journal“ bei einem naheliegenden Verdächtigen nach, Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU):

Slomka: … weil Sie oder Ihr Sprecher oder sonst jemand in Ihrem Ministerium diese Studie vorab, bevor sie veröffentlicht wurde, an die „Bild“-Zeitung weitergegeben hat. Daraus wurde dann prompt eine „Schock-Studie“.

Friedrich: Also, diese Studie ist nicht aus meinem Haus herausgegeben worden. Sie ist heute veröffentlicht worden. Sie ist heute auch ins Internet gestellt worden. Und kann von jedem eingesehen werden.

Slomka: Nachmittags. Die „Bild“-Zeitung hatte sie schon gestern.

Friedrich: Ja, das weiß ich nicht, müssen Sie die „Bild“-Zeitung fragen, woher sie sie hat. Von mir nicht. (…)

(Slomka wurde für ihre Fragen von der „Bild“-Zeitung zur „Verliererin“ des Tages gemacht, siehe Ausrisse rechts.)

Auch im Bundestag dementierte das Innenministerium, die Studie an „Bild“ lanciert zu haben. Innenstaatssekretär Christoph Bergner sagte dem Parlament: „Es hat keine öffentliche oder wie auch immer geartete Übergabe dieser Studie durch das Bundesinnenministerium an die Medien gegeben.“

Das stimmt nicht.

Auf eine Anfrage der Links-Partei musste das Ministerium jetzt einräumen, dass die „Bild“-Zeitung von der Pressestelle vorab ein Vorabexemplar der Studie erhielt, angeblich zur Vorbereitung eines Interviews mit dem Minister.

Klingelingeling, hier kommt die Riemann

Es gibt schon irre Zufälle:

KLINGELING! VORSICHT LILLY, DA KOMMT EIN KINO-STAR. Berlin -Gemütlich schlendert Lilly Becker (35), Frau von Boris Becker (44), gestern mit Söhnchen Amadeus (2) und Kindermädchen durch Berlin. Leider auf dem Radweg! Irrer Zufall: Ausgerechnet Kino-Star Katja Riemann (48) düste auf ihrem Drahtesel haarscharf an ihnen vorbei! Klingeling! "AUS DEM WEEEG!" Da hat sich Lilly erst mal ordentlich erschreckt. Lilly Becker, Söhnchen Amadeus und Nanny gehen spazieren, als Katja Riemann vorbeibraust

Da fotografiert irgendsoein Paparazzo Boris Beckers Ehefrau und Sohn, als Katja Riemann vorbeikommt!

In ihrer Berliner Ausgabe (der Ausriss oben stammt aus der Bundesausgabe) führte „Bild“ gestern aus:

Achtung, hier komm ich! Schauspielerin Katja Riemann (48, „Die Apothekerin“) ist mit dem Rad unterwegs. Offenbar in Eile. Und trifft dabei prompt auf Lilly Becker (35).

Dass sich die Promis so in die Quere kommen, gibt es nur in Berlin. […]

Lilly zu BILD: „Wir stiegen gerade aus dem Taxi.“ Lilly und Nanny haben den Kleinen an der Hand. Da brüllt von hinten eine Stimme: „AUS DEM WEG! RADWEG, MANN!!!“

Lilly: „Ich habe sie nicht gesehen, aber gehört.“ Die beiden Frauen weichen mit dem Kind zur Seite aus, die Riemann kurvt mit grimmigem Blick links vorbei. Weiß Lilly eigentlich, wer da an ihr vorbeigerauscht ist? „Ich habe von ihr gehört. Mein Mann mag ihre Darstellungs-Kunst sehr.“

Die „Berliner Morgenpost“ konnte mit zahlreichen, wenn auch wenig sachdienlichen Hintergrundinformationen aufwarten:

Lilly Becker (34) ist mit Ehemann Boris Becker (44) angereist, um bei der European Poker Tour im Grand Hyatt, wo vor zwei Jahren der spektakuläre Raub stattfand, teilzunehmen. Während der Ex-Tennisprofi pokerte, ging Lilly mit Söhnchen Amadeus (2) und Nanny ins „Sea Life“-Aquarium. Kaum dem Taxi entstiegen, spazierte das Touristen-Trio auf dem Fahrradstreifen, ohne an den Verkehr auf zwei Rädern zu denken, der in Form von Katja Riemann naht. Die Schauspielerin strampelte mit blauer Mütze und Schal heran und verscheucht das prominente Hindernis. Gerade noch rechtzeitig wird der Nachwuchs zur Seite gehoben und somit eine Promi-Kollision abseits des roten Teppichs verhindert.

Und der „Berliner Kurier“ fabulierte:

Riemann wie ein Radrambo unterwegs

Mitte – Spandauer Straße am Vormittag: Lilly Becker (l.), Frau von unserem Tennis-Hero Boris, ist mit Nanny und Söhnchen Amadeus (2) auf dem Weg zum Sea Life. Dabei vergessen sie alles um sich rum, sind in Gedanken, genießen einfach das herrliche Wetter. Sie bemerken dabei auch nicht, dass sie über den Radweg schlendern. Darauf aufmerksam macht sie dann aber ganz schnell eine leicht genervte Katja Riemann. Die Schauspielerin kam nämlich plötzlich mit ihrem Drahtesel angerauscht und fand keinen Platz. Augenzeugen berichten, dass die Riemann gebrüllt habe: „Aus dem Weg. Das ist ein Radweg.“ Erschrocken zuckten die drei „Berlin-Touristen“ zusammen, machten Platz und Riemann konnte weiterfahren. Lilly, Nanny und Amadeus schauten aber nur kurz irritiert und dann ging’s weiter ins Sea Life. Hier schalteten sie ganz schnell ab und konnten Berlins Rad-Rambos vergessen. Boris war nicht dabei. Der Hobby-Kartenspieler tummelt sich dieser Tage beim Poker-Turnier im Hyatt.

O-Ton RTL

„Als Boris Becker am Morgen gut gelaunt lächelnd in Berlin-Tegel landet, ahnt er noch gar nicht, in welcher Gefahr nur wenige Stunden später seine Frau Lilly schwebt, während sie mit Sohn Amadeus und der Nanny spazieren geht. Mitten auf dem Bürgersteig passiert es. Eine rabiate Radfahrerin klingelt die Becker-Familie aggressiv zur Seite. Und diese Verkehrsteilnehmerin ist, schauen Sie mal ganz genau hin, das ist tatsächlich Schauspielerin Katja Riemann. Fotograf Andreas Meyer hat die gemeine Rad-Attacke hautnah miterlebt. (…)

Prominente Berlin-Ur-Einwohnerin nietet Promi-Touristin um. Ja, wo sind wir denn hier? Boris Becker bekommt davon gar nichts mit. Er mischt seit heute morgen bei einem lukrativen Poker-Spiel mit. (…) Und während Boris die Haushaltskasse auffüllt, machen sich Lilly und Amadeus einen fröhlichen Nachmittag. (…)
Vor einer Stunde haben wir Lilly noch erwischt. Hat sie gemerkt, wer die dreiste Radfahrerin war? — „Nein, ich hab das gar nicht gemerkt. Aber zum Glück ist ja nichts passiert.“ —

Na, dann hoffen wir ja, dass Boris mindestens genau so viel Glück beim Pokern hat wie Lilly und Amadeus heute Mittag während ihrer Sight-Seeing-Tour.

Bereits am Dienstag war der Zwischenfall dem RTL-Boulevardmagazin „Exclusiv“ einen zweiminütigen Beitrag wert gewesen (siehe Kasten rechts). Lilly Becker sei „auf offener Straße“ „von einem Filmstar beschimpft“ worden, erklärte Moderatorin Frauke Ludowig bedeutungsschwer, bevor immer wieder die gleichen Fotos der Begegnung gezeigt wurden (verwirrenderweise unterlegt mit lustigen Hupgeräuschen). Sogar der Fotograf und Lilly Becker selbst kamen zu Wort.

Und gala.de hatte tagesaktuell berichtet:

Dieser Ausflug begann mit einem Schreck: Lilly Becker und Söhnchen Amadeus wollten sich am Dienstag (17. April) im Berliner „Sealife“-Aquarium Meerestiere anschauen. Auf dem Weg dorthin blockierten sie allerdings kurz den Radweg und störten damit keine Geringere als die Schauspielerin Katja Riemann, die gerade auf ihrem Fahrrad heranrauschte.

Statt anzuhalten, brüllte Riemann die menschlichen Hindernisse aus dem Weg – Lilly Becker und ihre Cousine zogen Klein-Amadeus schnell an den Armen aus der Gefahrenzone. Wahrscheinlich hat Boris Beckers Ehefrau gar nicht erkannt, wer sich da auf dem Herrenrad hinter Brille und unter blaugrauer Mütze versteckt hat. […]

Das ist insofern lustig, als auch gala.de, der „Berliner Kurier“, die „Berliner Morgenpost“, „Bild“ und die verbreitenden Fotoagenturen gar nicht erkannt haben, wer sich da auf dem Herrenrad hinter Brille und unter blaugrauer Mütze versteckt hat — Katja Riemann zumindest war es nicht, wie sie über ihren Anwalt mitteilen ließ.

Und so schreibt „Bild“ heute in der Berliner Regionalausgabe:

Katja Riemann stellt klar „Ich bin nicht die Frau auf dem Foto“

Mitte – Das Foto, das BILD gestern druckte, sorgte für Verwirrung: Eine Radfahrerin, die wir für Katja Riemann hielten, überholt Boris-Ehefrau Lilly Becker mit Söhnchen Amadeus und Kindermädchen auf dem Weg ins Sea Life. Jetzt hat sich Film-Star Katja Riemann zu Wort gemeldet. Die Schauspielerin legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht die Frau auf dem Fahrrad ist.

Das hält „Bild“ allerdings nicht davon ab, noch einmal ein Foto der nunmehr nicht-prominenten Radfahrerin zu drucken.

Der „Berliner Kurier“ geht bei seiner Richtigstellung (die er nicht so nennt) noch einen Schritt weiter:

Lilly Becker & der Fahrrad-Rambo: Die Riemann war

Er schreibt neben das Foto der Frau:

Aber wer war dann die erzürnte Ruferin, die die Berlin-Touristin Lilly Becker und ihren Anhang so erschreckte? Irgendwo in dieser großen Stadt muss es eine Frau geben, die der Schauspielerin Katja Riemann zum Verwechseln ähnlich sieht.

Blaue Augen, Lachfältchen, unter der Mütze blonde Ringellocken – die unheimliche Doppelgängerin radelt durch Berlin und klingelt genervt, wenn ihr Passanten vors Rad trotten. Melden Sie sich beim KURIER, wenn Sie wissen, wer die Riemann-Doppelgängerin ist. Und gehen Sie besser vom Radweg runter.

Mit Dank an Petra O.

Bild  

Wie „Bild“ Politik und Politiker macht

Ihre Millionenauflage macht „Bild“ stark. Aber sie hat nur soviel Macht, wie Politiker ihr einräumen.

Das ist das Fazit einer Dokumentation, die die ARD über die „Bild“-Zeitung gedreht hat. Die Autoren Christiane Meier und Autor Sascha Adamek haben unter anderem mit Politikern wie Claudia Roth und Gregor Gysi gesprochen, die sich erfolgreich gegen Lügen der „Bild“-Zeitung gewehrt haben; mit dem Lobbyisten Hans-Olaf Henkel, einem ehemaligen „Bild“-Freund, den das Blatt, nachdem er in Ungnade gefallen war, publizistisch vernichten wollte; mit Bela Anda, dem ehemaligen „Bild“-Redakteur und Regierungssprecher unter Gerhard Schröder; mit Edmund Stoiber, der „Bild“ als „eine Art direkte Demokratie“ bezeichnet, und mit Lukas Heinser, dem Chef des „renommierten, kritischen BILDblogs im Internet„.

Es ist eine unaufgeregte, unspektakuläre, aber erhellende Dokumentation geworden — über die Art wie „Bild“ Politik und Politiker macht.

Nachtrag, 23.35 Uhr:

Bild  

Alle gegen Bild

Im Juni wird „Bild“ 60. Die Axel Springer AG will das feiern, indem sie am 23. Juni eine einmalige Sonderausgabe veröffentlicht, die kostenlos an alle Haushalte verteilt werden soll.

Die Branchenzeitschrift „Kontakter“ berichtete vor zwei Wochen, dass das ganze Projekt „auf der Kippe“ zu stehen scheint:

Offenbar bekommt das Mammutprojekt im Anzeigenmarkt weniger Zuspruch als erwartet. Zudem ist immer noch nicht klar, mit welchem Vertriebspartner die Haushalte beliefert werden sollen.

Kritik an der Aktion gab es von Anfang an auf Facebook und anderen Webseiten. Viele Menschen wollten keine „Bild“ in ihrem Briefkasten — nicht mal geschenkt.

Gestern ist deshalb die Kampagne „Alle gegen Bild“ gestartet. Unter dem Motto „Wer austeilt, muss auch einstecken können!“ kann man via Internet ganz einfach Widerspruch gegen die Verteil-Aktion einlegen und der Axel Springer AG untersagen, die Sonderausgabe (oder irgendeine andere „Bild“-Ausgabe) in den eigenen Briefkasten zuzustellen.

Alle gegen Bild (Logo).

Mitmachen kann man auf alle-gegen-bild.de und bei campact.de.

Letztere sind gleichzeitig so freundlich, Spenden für uns zu sammeln. Selbstverständlich können Sie uns aber auch weiterhin wie gewohnt direkt unterstützen.

Hinweis: Offenbar wegen des großen Andrangs ist alle-gegen-bild.de zur Zeit nicht zu erreichen. Der Link zu Campact sollte aber funktionieren.

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