Archiv für Bild

Bild  

Unsinn über irgendeinen Soli

Skepsis ist eigentlich immer dann angebracht, wenn „Bild“ behauptet, die Wahrheit über irgendwas zu verkünden. Heute beispielsweise steht auf der Titelseite:

Die Wahrheit über den Soli

Und als wäre das noch nicht genug, verspricht „Bild“ über dem eigentlichen Artikel auch noch:

Zehn harte Fakten

Dabei fangen die Probleme schon in der Überschrift an: Was genau meint „Bild“ mit dem „Soli“? Eigentlich steht Soli umgangssprachlich für den Solidaritätszuschlag und nicht für den Solidarpakt II, dessen Abschaffung kürzlich mehrere Bürgermeister aus Nordrhein-Westfalen gefordert hatten.

Zuschlag vs. Pakt Der Solidaritätszuschlag wurde eingeführt, um zu helfen, die Kosten der Wiedervereinigung zu decken. Allerdings ist er eine Steuer (die übrigens sowohl in West- als auch in Ostdeutschland erhoben wird), die allein dem Bund zusteht und nicht zweckgebunden eingesetzt werden muss. Der Solidarpakt II hingegen ist eine Vereinbarung, nach der der Bund sich verpflichtet, den neuen Bundesländern von 2005 bis 2019 im Zuge des Länderfinanzausgleichs insgesamt 156,5 Milliarden Euro zukommen zu lassen.

Obwohl der Solidaritätszuschlag also weder mit der aktuellen Debatte noch mit dem Solidarpakt zu tun hat, bezieht sich „Bild“ mehrfach darauf — etwa gleich im ersten der „zehn harten Fakten über den Soli“:

Seit wann gibt’s den Soli?

Eingeführt wurde er 1991 – damit die neuen Bundesländer auf die Beine kommen. 5,5 % der Einkommenssteuer – gezahlt von west- und ostdeutschen finanzieren den Solidarpakt (so der korrekte Name). Über den Länderfinanzausgleich erhalten die Ost-Länder bis 2012 zusätzliche 156 Mrd. Euro.

„Bild“ mixt hier zusammen, was nicht zusammen gehört: Der Solidaritätszuschlag ist in der Tat eine direkte Steuer des Bundes, die jeder Deutsche in Ost und West gleichermaßen berappen muss. Die Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag finanzieren jedoch nicht – wie von „Bild“ behauptet – den Solidarpakt, sondern fließen direkt in den Haushalt des Bundes, wo sie für alles mögliche verwendet werden. Der Solidarpakt wiederum, der eigentlich nicht als „Soli“ bezeichnet wird, wurde erstmals im Jahre 1993 beschlossen. Der Solidarpakt I trat 1995 in Kraft und lief Ende 2004 aus. Der Solidarpakt II läuft von 2005 bis 2019.

Die beiden folgenden „harten Fakten“ („Nicht jeder zahlt Soli!“, „Nicht der ganze Soli fließt in den Osten!“) beziehen sich ausschließlich auf den Solidaritätszuschlag, bevor es dann plötzlich heißt:

Die Kommunen im Westen werden von ihren Landesregierungen geschröpft!

Die Länder treiben das Geld, das sie für den Aufbau Ost zahlen müssen, bei ihren eigenen Städten und Gemeinden ein!

Merken Sie was? Nun geht es nicht mehr um den Solidaritätszuschlag, der von den Bürgern gezahlt wird, sondern um den Solidarpakt II, der ja das eigentliche Thema sein sollte.

„Harter Fakt“ Nummer 5 lautet folgendermaßen:

Die Ost-Länder hängen noch voll am Tropf!

2011, 21 Jahre nach der Wiedervereinigung, flossen aus dem Solidarpakt 12,2 Mrd. Euro Richtung Osten.

Tatsächlich flossen aus dem Solidarpakt im Jahr 2011 etwas mehr als acht Milliarden Euro in den Osten. Die 12,2 Milliarden Euro, die „Bild“ hier nennt, sind der Betrag, den der Bund über den Solidaritätszuschlag 2011 eingenommen hat. Sie „flossen“ nicht „Richtung Osten“, sondern Richtung Bundeshaushalt.

Im „harten Fakt“ Nummer 8 behauptet „Bild“:

Milliarden sind in Irrsinns-Projekte geflossen.

Beispiele: Chipfabrik Frankfurt/Oder: Für 1,3 Mrd. sollte es der Hightech-Standort der Halbleiterindustrie werden. Gescheitert. (…)

Allein: Die gescheiterte Chipfabrik Frankfurt/Oder wurde durch Privatinvestitionen und nicht von der vom Solidarpakt profitierenden Landesregierung finanziert. Das Projekt scheiterte schließlich daran, dass eine Bürgschaft des Bundes zur Besicherung des Fremdkapitals nicht zustande kam.

Vier Autoren haben die „zehn harten Fakten“ zusammengetragen und dabei zwei völlig verschiedene Konzepte zusammengeworfen. In der „Bild“-eigenen Arithmetik ist es da nur konsequent, dass die zehn Fakten in Wahrheit nur neun sind.

Eine übersichtlichere Zusammenfassung der Debatte, in der der Unterschied zwischen Solidaritätszuschlag und Solidarpakt ausführlich erklärt werden, findet sich auf sueddeutsche.de:

Mit Dank an Bjoern S. und Hendrik B.

Zu früh erstürmt

Die französische Polizei hat heute Vormittag die Wohnung des mutmaßlichen Attentäters gestürmt, der drei Soldaten und vier Personen vor einer jüdischen Schule erschossen haben soll. FAZ.net beschreibt die Ereignisse so:

Gegen 10.30 Uhr seien die Eliteeinheiten durch Fenster und Türen ins Haus eingedrungen und hätten mit Video-Robotern das Innere erforscht. Plötzlich sei dann der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen das Feuer auf die Beamten eröffnet. […]

Die Elitepolizisten hätten zurückgeschossen. Nach mehrminütigem Schusswechsel sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe dabei mit der Waffe in der Hand noch weiter gefeuert. „Er wurde tot auf dem Boden gefunden“, sagte [der französische Innenminister Claude] Guéant.

Für die Leser der „Bild“-Zeitung muss das eine echte Überraschung gewesen sein, hatten sie doch schon am Frühstückstisch lesen können, dass die Erstürmung längst gelaufen sei:

Nach 20 Stunden: Polizei stürmt Wohnung des Killers von Toulouse

Tatsächlich hatte die Nachrichtenagentur Reuters um 23.41 und 23.57 Uhr, also kurz vor Drucklegung von „Bild“, jeweils zwei kurze Eilmeldungen verschickt:

Polizei erstürmt Versteck des mutmaßlichen Attentäters
Toulouse, 21. Mrz (Reuters) – Die französische Polizei hat mit der Erstürmung des Verstecks des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse begonnen. Dies sagte ein Mitarbeiter der französischen Polizei der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend. Ein Reuters-Zeuge vernahm lautes Knallen.

Polizei erstürmt Versteck des mutmaßlichen Attentäters
Toulouse, 21. Mrz (Reuters) – Die französische Polizei hat nach eigenen Angaben mit der Erstürmung des Verstecks des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse begonnen. Kurz vor Mitternacht waren am Mittwoch vor Ort drei Explosionen zu hören. Wie ein Mitarbeiter der Polizei der Nachrichtenagentur Reuters sagte, wurde die Tür zu der Wohnung des Mannes aufgesprengt.
Die Polizei hatte nach dem Attentat auf eine jüdische Schule in Toulouse den mutmaßlichen Täter in einem Mehrfamilienhaus aufgespürt und sich mit dem Islamisten eine Schießerei geliefert. Danach wurde das Haus zunächst stundenlang belagert.

Doch Reuters war die einzige Nachrichtenagentur, die sich zu einer „Erstürmung“ hinreißen ließ, die anderen sprachen lieber von Explosionen in der Nähe seiner Wohnung.

Um 00.50 Uhr ruderte dann auch Reuters zurück:

Ministerium – Keine Erstürmung des Verdächtigen-Versteck
22. Mrz (Reuters) – Die Polizei in Toulouse hat nach Angaben des französischen Innenministeriums doch nicht mit der Erstürmung des Verstecks des mutmaßlichen Attentäters begonnen. Es habe zwar Explosionen in dem Wohnhaus gegeben, teilte das Ministerium am frühen Donnerstagmorgen mit. Diese seien aber dazu gedacht, den Verdächtigen einzuschüchtern. „Es gibt keine Erstürmung.“ Der Mann habe offensichtlich seine Meinung geändert und wolle nicht aufgeben, sagte Ministeriumssprecher Pierre-Henry Brandet der Nachrichtenagentur Reuters.

Zuvor hatte es in Polizeikreisen geheißen, die Erstürmung des Verstecks habe begonnen. Kurz vor Mitternacht waren vor Ort drei Explosionen zu hören. Ein Mitarbeiter der Polizei hatte der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die Tür zu der Wohnung des Mannes sei aufgesprengt worden.

Die heutige „Bild“ war da vermutlich gerade angedruckt.

Bild  

Strom-Wildwucher

Seit einigen Wochen ist „Bild“ von der Idee besessen, dass der Strompreis „bald so rasant wie der Benzinpreis“ steigen könnte. Schuld soll vor allem die Solarbranche sein, wofür „Bild“ gerne mal irgendwelche Studien missversteht.

Gestern hatte „Bild“ aber endlich eine seriöse Quelle aufgetan:

Strompreise noch höher. Kommt nach der Benzin-Abzocke nun der Strom-Wucher? Wegen höherer Netzentgelte zur Finanzierung der Energiewende drohen den Verbrauchern nun steigende Strompreise. Laut Bundesnetzagentur wird sich allein der Haushaltsstrom künftig um fünf bis sieben Prozent jährlich verteuern, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Nein, das hatte die „FAZ“ so nicht berichtet. Auf Seite 11 hieß es dort:

Höhere Netzentgelte zur Finanzierung neuer Stromautobahnen und Verteilerleitungen werden die Strompreise empfindlich nach oben treiben. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur wird sich Haushaltsstrom allein dadurch in den kommenden Jahren um 5 bis 7 Prozent verteuern.

(Hervorhebung von uns.)

Auch die Nachrichtenagenturen dapd, die die Vorabmeldung der „FAZ“ am Sonntag verbreitet hatte, hatte die Formulierung „in den kommenden Jahren“ gewählt. „Bild“ machte daraus „jährlich“.

Auf unsere Anfrage hin erklärte die Pressestelle der Netzagentur, die „5 bis 7 Prozent“ bezögen sich auf die nächsten zehn Jahre.

Um diesen kleinen sprachlichen Unterschied zu verdeutlichen, haben wir mal eine etwas grobe Grafik gebastelt:

(Ausgangswert: 100 Prozent, angenommene Preisentwicklung: 6 Prozent.)

Ein Unterschied zwischen 6 und 79 Prozent Preissteigerung.

Mit Dank an Johannes Sch. und Stephanie G.

Bild  

Wiederholungstäter

Es ist nur eine kleine Meldung auf Seite 2, wonach die „Griechen“ bzw. „griechische Politiker“ „wieder“ bzw. „erneut“ Reparationszahlungen von Deutschland fordern, für die Schäden, die Griechenland unter der deutschen Besatzung (1941-44) erlitten hat.

Etwas länger ist der Kommentar von Paul Ronzheimer, dem „Pleite-Griechen“-Beauftragten bei „Bild“, geworden:

Dreister Griechen-Wahlkampf

Wer soll diese griechischen Politiker noch verstehen?

Ihr Land steckt mitten in seiner schwersten Krise – und sie haben nichts Besseres zu tun, als von Deutschland mal wieder Reparationen zu verlangen.

Um eines ganz klar zu sagen: Über die Schrecken der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gibt es keinen Zweifel, das Nazi-Regime hat den Griechen schweres Leid angetan.

Aber Reparationszahlungen sind längst geleistet worden. Wenn jetzt griechische Politiker das Thema für ihren Wahlkampf missbrauchen, ist das verantwortungslos und unverschämt zu gleich. (…)

Da dachten wir uns: Wenn die Griechen ihre Reparationsforderungen wiederholen und „Bild“ ihre Behauptung, dass alle Reparationsforderungen beglichen seien, dann können wir auch einfach unseren Eintrag vom vergangenen Juli wiederholen, in dem wir das Thema schon einmal behandelt hatten:

Die Reparationsforderungen, die 18 Staaten (darunter Griechenland) im Pariser Reparationsabkommen von 1946 gestellt hatten, wurden mit dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 zurückgestellt. Die Reparationszahlungen sollten erst nach Abschluss eines Friedensvertrags mit Deutschland wieder eingefordert werden, doch den gibt es bis heute nicht: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den alliierten Siegermächten (USA, Großbritannien, Frankreich und UdSSR) auf der einen und der Bundesrepublik und der DDR auf der anderen Seite wurde ausdrücklich „anstatt eines Friedensvertrags“ geschlossen. Experten sind sich uneins, ob die Ansprüche früherer deutscher Kriegsgegner wie Griechenland auf Reparationszahlungen damit ebenfalls verfallen sind oder nicht.

„Geregelt“ ist im Fall Griechenlands also nichts und „beglichen“ schon gar nicht: Hagen Fleischer, Historiker an der Universität in Athen, hat in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur vom März 2010 erklärt, dass Griechenlands Forderungen nach der Wiedervereinigung „im Allgemeinen bereits vom Türsteher abgewiesen“ worden waren. Hinzu komme ein Zwangsdarlehen der griechischen Staatsbank an Nazi-Deutschland, das sich nach heutiger Kaufkraft auf über fünf Milliarden Euro beliefe („ohne einen Pfennig Zinsen“).

Der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl sagte im Juni in einem Interview mit „Spiegel Online“:

Die Griechen kennen die feindlichen Artikel aus deutschen Medien sehr gut. Wenn die Stimmung im Land umschlägt, alte Forderungen nach Reparationszahlungen laut und auch von anderen europäischen Staaten erhoben werden und Deutschland diese je einlösen muss, werden wir alle bis aufs Hemd ausgezogen.

Ebenfalls bei „Spiegel Online“ findet sich die stolze Zahl von 162 Milliarden Euro plus Zinsen, mit der der griechische Nationalheld Manolis Glezos die deutschen Schulden gegenüber Griechenland beziffert hat.

Mehr zu den Besatzungskrediten steht bei labournet.de.

Bloß keine Neid-Debatte!

Sie leben manchmal in einer sehr eigenen Welt bei der Axel Springer AG:

Die Diskussion um deutsche Gehälter ist in vollem Gange, entzündete sich an TV-Mann Jauch. Der wurde am Sonntagabend in seiner Talkshow in der ARD von den eigenen Gästen attackiert.

Seitdem hält die Debatte an.

„Attackiert“ wurde Günther Jauch ungefähr so stark, als wäre er mit einem einzelnen Wattebausch beworfen worden (BILDblog berichtete), die „Diskussion“ findet zum großen Teil bei „Bild“ und Bild.de statt und die „Debatte“ „hält an“, weil „Bild“ und Bild.de jeden Tag nachlegen, in der Hoffnung, dass der Funke doch noch überspringt.

Bild.de hat deshalb eine 20-teilige Klickstrecke veröffentlicht, in der aufgeführt ist, was die „Top-Manager“ im Jahr 2011 so verdient haben. (Einen Großteil dieser Zahlen hat etwa „Spiegel Online“ schon vorgestern veröffentlicht, ohne dass es zu spontanen Zusammenrottungen empörter Bürger gekommen wäre.)

Auf Platz 1 liegt Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, der laut Bild.de 16.596.206 Euro verdient hat. Es folgen Peter Löscher von Siemens (8.708.633 Euro) und Dieter Zetsche von Daimler (8.654.000 Euro), die Liste endet auf Platz 20 mit Thomas-Bernd Quaas, Vorstandsvorsitzender der Beiersdorf AG, der 1.421.000 Euro bekam.

Diese Aufzählung ist nicht ganz aussagekräftig, weil nicht alle Unternehmen die Bezüge ihrer Manager offenlegen (müssen). Die Axel Springer AG, bei der die „Bild“-Zeitung erscheint, hält sich etwa bedeckt, was das Einkommen ihres Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner angeht. Das „Manager Magazin“ schätzte dessen Jahresgehalt im Juni 2010 auf Elf Millionen Euro. Springer bezeichnete diese Angaben damals als „grob falsch“, doch die „Süddeutsche Zeitung“ taxierte Döpfners Einkünfte im April 2011 auf ähnlich hohe zehn Millionen.

Mit einer Zahl dieser Größenordnung hätte er sich in der Auflistung bei Bild.de den zweiten Platz verdient.

Sie leben manchmal in einer sehr eigenen Welt bei der Axel Springer AG.

Mit Dank an Oliver H.

Drei gegen Jauch

Nur weil „Bild“ und Bild.de regelmäßig gegen die Menschenwürde verstoßen, schockierende Fotos zeigen und Politiker oder andere Menschen in Artikeln hart angehen, sollte man nicht automatisch annehmen, dass dort knallharte Zyniker arbeiten. Manche Redakteure sind nämlich echte Mimosen: Sie halten einen kleinen Seitenhieb für „pöbeln“ und einen etwas verunglückten Witz für eine „Attacke“.

Wenn Sie am Sonntagabend den Polittalk „Günther Jauch“ in der ARD versäumt haben, haben Sie von den dortigen Attacken auf den Moderator womöglich nichts mitbekommen. Und wenn nicht, auch.

Bild.de hat sie deswegen gestern zusammengefasst:

• Attacke Nummer 1: Jauch fragt Henning Scherf, ob Wulff nach seiner kurzen Amtszeit einen Ehrensold von rund 199 000 Euro verdiene oder das Ganze nur eine Neid-Debatte sei. Dann zeigt Jauch einen kurzen Einspielfilm, der Wulffs Einkommen mit dem eines durchschnittlichen Arbeitnehmers vergleicht.

Henning Scherf protestiert: Im Vergleich mit der Wirtschaft würden Politiker „miserabel schlecht bezahlt“.

SCHERF KRITISIERT JAUCHS EINKOMMEN

Dann zeigt Scherf auf Jauch und nimmt dessen jährliche Millionen-Einnahmen als Produzent und TV-Star in den Blick: „Sie müssen auch mal selbstkritisch fragen, lieber Günther Jauch, was Sie so im Jahr verdienen. Sie verdienen das Vielfache von dem, was die Bundeskanzlerin verdient und halten das für gerecht!“

Jauch versucht zu kontern: „Das wissen Sie ja gar nicht.“

Doch Scherf lässt sich nicht beirren: „Das ist nicht gerecht! Unsere Gehälter sind ungerecht verteilt.“

Applaus im Studio. Scherf grinst zufrieden.

Zugegeben: Das klingt derart beschrieben nicht sonderlich spektakulär. Aber Sie sollten es selbst gesehen haben, um zu wissen, wie unspektakulär der Vorfall tatsächlich war:


 
Henning Scherf, Deutschlands freundlichster Kritiker, der sich sofort im Anschluss an seine Attacke auch noch höflich lächelnd dafür entschuldigt.

Doch die Sendung wurde für den armen Günther Jauch noch unangenehmer:

• Attacke Nummer 2: Jauch fragt „Taz“-Chefredakteurin Ines Pohl, ob sie sich nach der Wulff-Affäre ein politisches Engagement vorstellen könne oder ob es ihr mittlerweile vor der Politik grusele.

Nein, sie bleibe lieber Journalistin, antwortet Pohl. Politiker würden in der Öffentlichkeit zu sehr durchleuchtet.

Dann geht die Journalistin selber zum Angriff über – auf den Moderator: „Über Sie, Herr Jauch, – hört man – wird auch nicht immer nett berichtet!“

Jauch verwirrt: „Na, ich kann mich nicht beschweren.“

• Attacke Nummer 3: Der Thüringer Linken-Politiker Ramelow ergreift das Wort, assistiert Pohl als ob die beiden sich vorher abgesprochen hätten.

Ramelow zu Jauch: „Na, ich wollte Ihnen aus Erfurt einen Born-Senf mitbringen.“

Jauch stutzt, versteht nicht, was Ramelow sagen will. Born-Senf ist eine bekannte Erfurter Senfmarke. „Und wie soll der mir jetzt helfen?“, fragt Jauch.

„Na, vielleicht, weil Sie mal einen Partner Born hatten.“

Sind Sie noch wach?

Langsam dämmert Jauch, was Ramelow eigentlich will. Mitte der neunziger Jahre musste Jauch als Chefredakteur des TV-Magazins „Stern TV“ gefälschte Beiträge des Dokumentarfilmers Michael Born verantworten.

„Ach so, jetzt gehen Sie auf Stern TV, 17 Jahre zurück“, sagt Jauch.

Ramelow: „Es geht um die Frage: Was bleibt einem haften? Das hatten Sie Frau Pohl gerade gefragt.“

Die rettet die peinliche Situation. „Wir wollen jetzt weg vom Senf“, bestimmt Pohl und erzählt lieber davon, welche Sprüche sich Angela Merkel als Frau in der Politik gefallen lassen müsse.

Jauch aber hört gar nicht richtig zu. Mit zusammengebissenen Zähnen blickt er auf Ramelow, schüttelt den Kopf über dessen Live-Attacke.

Und hier die ganze Szene noch mal in all ihrer Dramatik:


 
Andererseits hatte Ines Pohl nicht unrecht: Auch über Günter Jauch wird nicht immer nett berichtet.

So sieht jedenfalls die „Bild“-Zeitung heute aus:

TV-Star in eigener Show attackiert: Verdient Jauch zu viel Geld?

Mit Dank auch an Laszlo J. und Tobias.

„Bild“ zeigt’s dem Suffraser

Das muss man auch erst einmal können: Sich auf die Straße hocken, wo gerade ein Unfall passiert ist und ein junger Mann tot auf dem Asphalt liegt, und ein Foto davon machen, wie der Vater sein Gesicht in der Hand des Jungen vergräbt und weint und um seinen Sohn trauert.

Das muss man auch erst einmal können. Das muss man auch erst einmal wollen.

Der Fotograf Tim Foltin kann das und will das. Auf seiner Internetseite steht:

ICH KANN WEIL ICH WILL WAS ICH MUSS

In seinem Portfolio zeigt er auch eindrucksvolle Fotos, die er von den Toten auf der Loveparade in Duisburg gemacht hat, wie sie im Müll liegen, ihre nackten Arme und Füße ragen unter den notdürftigen Abdeckungen heraus.

In der Nacht zum Samstag überfuhr ein alkoholisierter Autofahrer vor einer Discothek in Dinslaken zwei Fußgänger, die die Straße überquerten. Einer kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus, der andere verstarb noch am Unfallort. Hier machte Foltin das eingangs beschriebene Foto.

Foltin arbeitet für die „Bild“-Zeitung. Am nächsten Tag erschien die „Bild am Sonntag“:

Der Artikel liest sich, als zeige „Bild am Sonntag“ das Foto aus pädagogischen Gründen. Als diene die Veröffentlichung nicht, die Schaulust zu befriedigen, sondern als könne sie helfen, die Zahl der Opfer von alkoholisierten Autofahrern zu reduzieren. Der Text endet mit den Worten:

Vielleicht wird der Totraser irgendwann dieses Foto sehen. Und mit ihm jeder, der immer wieder betrunken Auto fährt und damit das Leben anderer aufs Spiel setzt.

Vielleicht wollte „Bild“ bloß ganz sicher gehen, dass der „Totraser und mit ihm jeder, der immer wieder betrunken Auto fährt“ das Foto sieht, und hat es deshalb am Montag noch einmal gebracht:

Diesmal soll das Foto — ergänzt u.a. um eine Aufnahme, wie die eingepackte Leiche weggetragen wird — offenbar nicht nur andere aufrütteln, sondern auch Teil der Strafe für den Verursacher des Unfalls sein:

Schau her, Suffraser, das hast DU angerichtet! Vielleicht sehen dieses Foto auch andere Fahrer, die gerne mal ein Gläschen trinken — und lassen das Auto jetzt lieber stehen!

Ist das eine realistische Annahme? Ist das ein legitimes Anliegen?

Das sind ernst gemeinte, keine rhetorische Fragen. Aber dazu kommt die folgende: Ist das eine glaubwürdige Rechtfertigung für die Veröffentlichung, wenn sie von einem Blatt kommt, das regelmäßig beweist, dass ihm die Befriedigung niederer menschlicher Instinkte im Zweifel wichtiger sind als die Möglichkeit, Positives zu bewirken?

Und noch eine Frage: Wäre nicht trotzdem die Einwilligung der Familie des getöteten Jungen notwendig, die Zustimmung des Vaters, bevor man ihn in diesem intimsten Moment zeigt?

Wir haben Tim Foltin, den Fotografen gefragt, ob er eine Genehmigung hatte und ob er sie für notwendig hält. Seine Antwort:

Eine Einwilligung des Vaters habe ich nicht.

Sowas macht im Prinzip aber niemand bei Unfällen.

Wie aber da die genaue Rechtslage aussieht, weiß ich leider nicht.

Gedruckt wurde das Foto ja und von daher wird das so auch OK sein.

Die „Bild“-Zeitung teilte uns mit, sie äußere sich grundsätzlich nicht zu „Redaktionsinterna“.

Nachtrag, 23:45 Uhr. Foltins Homepage ist nicht mehr zugänglich. Und Bild.de hat seinen Namen unter dem Foto entfernt.

Nachtrag, 20. März. Jetzt ist Foltins Homepage wieder da — anscheinend auch in ihrer ursprünglichen Form.

Bild  

Diss-Vorlage

Ich denke, der Chefredakteur von BILD ist verrückt.

Derart deutliche Worte über Kai Diekmann findet heute: Franz Josef Wagner.

Bild schafft Seite-1-Girl abDer Grund dafür: „Bild“ hat am gestrigen Weltfrauentag beschlossen, zukünftig auf die leicht bekleidete junge Dame, die wochentags die Titelseite ziert, zu verzichten. Also: auf der Titelseite.

Natürlich will BILD auch künftig sexy sein. Aber moderner, besser verpackt im Inneren des Blattes. So wie es viele Frauen – auch in den BILD-Leserbeiräten – sich immer gewünscht hatten.​

„Bild“ nutzt die Gelegenheit, noch einmal auf die jahrzehntelange Geschichte des „Seite-1-Girls“, „Bild-Girls“ bzw. der „Mieze“ zurückzublicken. Wie die britische „Sun“ mit ihren „Page 3 Girls“, so habe „Bild“ auch immer wieder Kritik hinnehmen müssen:

Und 2003 wollte dann auch Brüssel Schritte gegen Nackte in Zeitungen und TV einleiten: Die – welch Zufall – griechische EU-Kommissarin Anna Diamantopolou scheiterte jedoch am Einspruch ihrer Kollegen.

Welch Zufall! Diese Griechen: Sie sind nicht nur pleite und „wir“ müssen ihnen den Arsch retten — sie wollen auch noch verhindern, dass „Bild“ ganz andere Körperteile zeigt!

Dabei stimmt die Geschichte so noch nicht mal: In einem Interview mit der „Zeit“ sprach Diamantopoulou im Jahr 2003 von einem „Missverständnis“.

Mich stört es, wie Zeitungen da nackte Frauen und Sexdienste ausbeuten. Das verstößt gegen die Menschenwürde, wir sollten das nicht hinnehmen. Doch juristisch, etwa per EU-Richtlinie, kann man dagegen wenig tun. Deswegen habe ich ja von Anfang an klargemacht, dass hier ein großes Missverständnis vorliegt. Gesetzlich hatte die EU-Kommission da gar nichts geplant. Das hat aber die meisten Journalisten nicht weiter interessiert, nachdem die Financial Times die Geschichte einmal gedruckt hatte. So etwas verkauft sich gut: Die „Große Schwester“ aus Brüssel will in unserem Leben herumpfuschen!

Mit Dank auch an den Kölner.

Bild, dpa, KNA  etc.

Selbsterfüllende Moslem-Prophezeiung

Die Katholische Nachrichtenagentur KNA hatte es besonders eilig. Keine zehn Minuten, nachdem die „Bild“-Zeitung in ihrer Online-Ausgabe über eine ihr exklusiv vorliegende Studie des Bundeninnenministeriums berichtet hatte, verbreitete die KNA in einer eigenen Meldung die „Bild“-Behauptungen ungeprüft weiter.

Die Agentur verfügte zu diesem Zeitpunkt allem Anschein nach über keinerlei eigene Informationen, was die Studie „Lebenswelten junger Muslime“ herausgefunden hatte oder auch nur, was genau ihr Gegenstand war. Die KNA-Meldung beruht vollständig und ausschließlich aus dem, was die „Bild“-Zeitung behauptete, und macht es sich zu eigen, bis hin zur Überschrift: „Studie: Viele junge Muslime sind gegen Integration“

Dies ist die Geschichte, wie „Bild“ vorab die Studie über „Lebenswelten junger Muslime in Deutschland“ zugespielt wurde, wie das Blatt sie nutzte, um Stimmung gegen Muslime in Deutschland zu machen, und wie andere Medien dabei zu Komplizen wurden. Ein Lehrstück.

Wolfgang Frindte, einer der Autoren der Studie, formulierte im Nachhinein seine Fassungslosigkeit über die Rezeption der Untersuchung so:

Manche Journalisten suchen sich bei komplexen Dingen das heraus, was spannend ist und in die Philosophie des Mediums passt. In unserem Team hat es nach der Veröffentlichung in einer Boulevardzeitung große Entrüstung gegeben, sogar Verzweiflung. Da wurde ein Detail der Studie auf eine Weise in die Öffentlichkeit getragen, dass sich die von uns befragten Muslime missbraucht fühlen könnten — das ist traurig. Und wir haben uns in den vergangenen drei Tagen ziemlich alleingelassen gefühlt.

Der Psychologe Peter Holtz, ebenfalls einer der Autoren der Studie, schildert auf „Spiegel Online“, wie er drei Jahre lang Gespräche mit jungen Musliminnen und Muslimen führte, und wie skeptisch die ihm teilweise gegenüber traten.

Ein jüngerer Diskussionsteilnehmer sagte (…): „Egal was Ihr wollt und egal was Ihr macht, letztendlich heißt es doch wieder so und so viele Muslime sind radikal und wollen sich nicht integrieren.“ Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde es für mich auch zum Ziel, diesen Menschen, über die in Deutschland so viel geredet wird und mit denen so wenig geredet wird, durch meine Arbeit eine Stimme zu geben.

Er hat dieses Ziel nicht erreicht. Es kam die „Bild“-Zeitung dazwischen. Jemand hatte ihr die Studie schon vorab zugesteckt. Bild.de machte aus ihr eine „Schock-Studie“. Und „Bild“ am nächsten Tag die Schlagzeile:

Studie belegt: Jeder fünfte Muslim in Deutschland will sich nicht integrieren

„Bild“ behauptete:

Gut 20 Prozent aller Muslime in Deutschland lehnen eine Integration ab. Besonders radikal sind junge Muslime ohne deutschen Pass.

Das ergibt eine Studie des Bundesinnenministeriums, die BILD exklusiv vorliegt. Laut der Untersuchung lehnt jeder vierte nichtdeutsche Muslim Integration ab, ist tendenziell gewaltbereit und stellt westliche Werte in Frage.

In den nächsten Stunden übernahmen die Nachrichtenagenturen den verzerrten „Bild“-Blick auf die Studie.

dpa:

Jeder vierte nichtdeutsche Muslim lehnt Integration ab

dapd:

Studie: Ein Viertel aller junger Muslime nicht integrationswillig

AFP:

Ein Viertel aller jungen Muslime ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist einer Studie im Regierungsauftrag zufolge latent gewaltbereit und nicht an Integration in Deutschland interessiert.

Später am Abend war die Studie immer noch nicht öffentlich. Die „Schock-Studien“-Interpretation von „Bild“ bildete weiter die alleinige Grundlage für die Auseinandersetzung mit ihr. Die Agentur dpa verbreitete, dass der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt habe, die hohe Zahl nicht integrierter und auch nicht integrationswilliger Muslime sei „erschreckend“.

Die evangelische Agentur epd kam spät, war aber auch nicht schlauer, als sie am Donnerstagmorgen meldete:

Rund ein Fünftel der Muslime will sich offenbar nicht in Deutschland integrieren. Das geht laut „Bild“-Zeitung (Donnerstagsausgabe) aus einer noch unveröffentlichten Studie des Bundesinnenministeriums hervor.

Erst um 12:21 Uhr brachte sie eine längere Meldung, die sich erstmals von der „Bild“-Perspektive löst und differenziert über die Studienergebnisse berichtet:

Studie: Mehrheit deutscher Muslime für Integration – Teil junger Muslime hat jedoch radikale Einstellungen

In der Meldung findet sich auch der folgende Absatz, der angesichts der gerade demonstrierten medialen Reflexe besonders bemerkenswert ist:

Gemein ist den in Deutschland lebenden Generationen von Muslimen laut einer Auswertung von Interviews, dass sie eine Pauschalverurteilung der Muslime als Terroristen und eine vorschnelle Verknüpfung des Islam mit dem Terrorismus erleben. Eine stark negative Rolle wird demnach auch den Medien zugeschrieben, die aus Sicht der Befragten oft negativ und undifferenziert berichteten. Insgesamt fühlen Muslime sich in Deutschland wohl, auch wenn sie die deutsche Bevölkerung oft als distanziert und abweisend erlebten.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte inzwischen die Studie selbst vorgestellt, so dass sich die Gelegenheit zu einem differenzierteren, nicht von „Bild“ verzerrten Blick auf ihre Ergebnisse ergab. Genau umgekehrt stellte es dpa in einer Meldung vom Donnerstagnachmittag dar und behauptete:

Kaum ist die Studie des Bundesinnenministeriums über junge Muslime bekanntgeworden, sieht sich Ressortchef Friedrich veranlasst, sie zu relativieren: Kein Generalverdacht gegen junge Andersgläubige.

So ist das also für dpa: Das „Bild“-Zerrbild der Studie ist die Wahrheit, und der genaue Blick auf die Studie ist eine Relativierung ihrer Ergebnisse.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnte ebenfalls am Donnerstagnachmittag vor verkürzten Interpretationen:

„Ich warne davor, aus einer wissenschaftlichen Studie nur Schlagzeilen zu produzieren. (…) Wir sollten die Vorurteile der Vergangenheit und althergebrachte Reflexe endlich hinter uns lassen. Wir brauchen keine Debatte, die ein Zerrbild des Einwanderungslandes Deutschland vermittelt.“

„Bild“ fühlte sich — sicher nicht zu unrecht — gemeint und machte Leutheusser-Schnarrenberger dafür am Freitag zum „Verlierer des Tages“ (Ausriss rechts).

Am selben Tag zeigte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, was man überraschendes entdecken kann, wenn man die Studie tatsächlich liest. Auf Seite 399 betonen die Forscher den Zusammenhang: Wer sich als nichtintegrierbar wahrgenommen fühle, fühle sich auch nichtintegrierbar. Und auf Seite 277 steht folgender Warnhinweis:

Was für ein Schock: Die Zahlen der „Schock-Studie“ über junge Muslime sind nicht repräsentativ.

Aber noch einmal zurück zum Mittwochnachmittag, als Bild.de zum ersten Mal über die Untersuchung berichtete. Der Innenminister hatte der „Bild“-Zeitung für ihre Vorabveröffentlichung ein Zitat gegeben, das deren Interpretation als „Schock-Studie“ stützte und ergänzte:

„Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten.“

Am Donnerstagabend stellte sich Friedrich im „heute journal“ den Fragen von Marietta Slomka:

Friedrich: Die Studie hat 760 Seiten und sagt auf 760 Seiten, dass es um sehr viele komplexe Fragestellungen geht. Und es wäre sicher falsch, eine spezielle Randerscheinung rauszugreifen.

Slomka: Aber genau das ist jetzt natürlich geschehen, weil Sie oder Ihr Sprecher oder sonst jemand in Ihrem Ministerium diese Studie vorab, bevor sie veröffentlicht wurde, an die „Bild“-Zeitung weitergegeben hat. Daraus wurde dann prompt eine „Schock-Studie“.

Friedrich: Also, diese Studie ist nicht aus meinem Haus herausgegeben worden. Sie ist heute veröffentlicht worden. Sie ist heute auch ins Internet gestellt worden. Und kann von jedem eingesehen werden.

Slomka: Nachmittags. Die „Bild“-Zeitung hatte sie schon gestern.

Friedrich: Ja, das weiß ich nicht, müssen Sie die „Bild“-Zeitung fragen, woher sie sie hat. Von mir nicht. (…)

Slomka: Aber auch Sie haben sich in den Zitaten, die Sie abgegeben haben, gegenüber der „Bild“-Zeitung, sehr stark auf diese eine Untergruppe konzentriert, die nicht integrationswillligen Muslimen. Die werden dadurch in den Fokus gerückt. Was nicht gesagt wird, und worauf nicht die Betonung liegt, ist, dass die allermeisten Muslime zum Beispiel strikt gegen islamistischen Terrorismus sind und sich alle sehr unter Generalverdacht fühlen. Wird das nicht durch eine solche Veröffentlichung in der Form eher noch wieder verstärkt?

Man könnte das als rhetorische Frage betrachen.

PS (Nachtrag, 16:40): Auch Marietta Slomka wurde wegen ihrer Kritik von „Bild“ zum „Verlierer des Tages“ erklärt:

Blättern:  1 ... 47 48 49 ... 98