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Matthias Reims unheimliche Herz-OP

Fans des Schlagersänger Matthias Reim mussten sich bei der Lektüre der heutigen „Bild“-Zeitung Sorgen um ihr Idol machen:

Matthias Reim: Herz! Klinik! Heimliche Herz-OP

Die Zeitung schreibt:

Der Sänger brach mit Atemnot und Krämpfen zusammen, kam ins Krankenhaus. Das war nach Weihnachten. Danach sagte er Konzerte ab, zog sich über Wochen zurück. Die Fans machten sich große Sorgen. Er schwieg.

BILD erfuhr: Matthias Reim musste sich einem sechsstündigen Eingriff am Herzen unterziehen!

Und weiter:

Nach dem Zusammenbruch wurde Reim in eine Spezialklinik verlegt. Zu BILD sagt er jetzt: „Ich hatte schreckliche Angst.“

Im Herzzentrum Hamburg wurde Reim operiert. Er musste einen Druckverband tragen, war wochenlang außer Gefecht. (…) Bis Mitte März wird er noch pausieren, dann will er seine Konzerte nachholen.

Diese Berichterstattung muss einige Aufregung verursacht haben. Jedenfalls fühlte sich Reims Plattenfirma EMI bemüßigt, eine Stellungnahme zu veröffentlichen:

Ein BILD-Artikel mit der reißerischen Aufmachung „Matthias Reim – Heimliche Herz-OP“ hat heute für einige Unruhe gesorgt. Wir können aber die Freunde von Matthias Reim beruhigen: Dem Künstler geht es blendend. Er hat weder eine Herz-Operation hinter sich, noch wurde er zwischenzeitlich in eine Spezialklinik überführt, noch muss er bis Mitte März pausieren.

Reims Management hatte bereits Ende Dezemer eine Pressemitteilung herausgegeben, wonach Reim infolge von Überarbeitung und einer schweren Virusgrippe kurz nach Weihnachten zusammengebrochen sei. Die Ärzte hätten dem Musiker damals 14 Tage absolute Ruhe verordnet, weswegen er zwei ausverkaufte Konzerte absagen musste.

EMI schreibt dazu heute:

Einige Tage, nachdem diese Meldung veröffentlicht wurde, passierte dann das, was der Anlass für die jetzt veröffentlichte, „aktuelle“ BILD-Meldung wurde, die eine Reihe von Unrichtigkeiten enthält. Es gab in der Tat kurzzeitig den Verdacht auf einen Herzschaden – und um sicher zu gehen, flog Reim nachmittags zu einem Blitzbesuch in eine Hamburger Klinik. Dort wurde noch am gleichen Abend eine Herzkatheter-Untersuchung (also keine Herzoperation!) gemacht mit dem Ergebnis: „Grünes Licht – alles in Ordnung!“ Am nächsten Vormittag flog der Künstler zurück nach Hause – und zwar in seine Wohnung und nicht in eine „Spezialklinik“.

Eine Woche später schon gab er wieder sein erstes Konzert. Das Ganze ist – wohlgemerkt – nun schon acht Wochen her. Die damals aus Gesundheitsgründen verschobenen Konzerte sind schon lange nachgeholt und inzwischen gab Matthias Reim noch drei weitere Konzerte. Von einer „Pause bis Ende März“ war also nie die Rede.

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Er kann nach Hause gehn!

Das mit dem Rechtsstaat, das wird sich nicht durchsetzen. Zu abstrakt sind Begriffe wie „Unschuldsvermutung“ oder „Resozialisierung“ für durchschnittliche „Bild“-Leser und -Redakteure, zu kompliziert Konzepte wie „Bewährungsstrafe“ oder „Untersuchungshaft“.

Vater erschlägt Baby! Richter schickt ihn nach Hause!

In schönster Empörungsprosa berichtet Annett Conrad aus Magdeburg:

Als wäre nichts gewesen, spaziert ein Mann aus der Polizeiwache Magdeburg (Sachsen-Anhalt). Das Handy in der rechten Hand, eine Zigarette lässig in der linken.

Die Hände, mit denen der Mann (34) seine zwei Monate alte Tochter totgeprügelt hat. Das hat er sogar zugegeben! Trotzdem darf er einfach nach Hause gehen!

Das Wort „trotzdem“ ist perfide, denn damit versucht „Bild“, den falschen Eindruck zu erwecken, die Frage der Untersuchungshaft hänge mit der Schwere des Tatvorwurfs und/oder einem ersten Geständnis zusammen. Dabei sieht der deutsche Rechtsstaat vor, dass es gute Gründe braucht, jemanden ohne ein Urteil ins Gefängnis zu stecken. Ein Haftgrund ist neben der Wiederholungsgefahr die Fluchtgefahr.

Letztere ist im konkreten Fall offenbar nicht gegeben:

Es ist nicht zu fassen: Ein Richter erließ zwar Haftbefehl wegen „des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge“, doch in Untersuchungshaft muss der Totprügler nicht. Der Haftbefehl wurde „unter Auflagen außer Vollzug“ gesetzt, so die Polizei. Begründung: Es bestehe keine Fluchtgefahr!

Überraschend, dass das Wort „Begründung“ bei „Bild“ nicht in Anführungszeichen steht.

Gestern Vormittag das Geständnis. Der Vater gibt zu, den Säugling geschlagen zu haben. Die Mutter kommt wieder frei, ihr Freund muss zum Haftrichter – und darf trotz Haftbefehls aus der Polizeiwache spazieren.

Einzige Auflagen für den Mann, der sein Baby erschlug: Er muss aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen – und sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Das klingt, als sei die Sache für den Mann damit ausgestanden. In Wahrheit wird die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, es wird zum Prozess kommen; auf Körperverletzung mit Todesfolge stehen mindestens drei Jahre Haft. Aber das kann natürlich noch dauern — viel zu lang für „Bild“, die sofortige Genugtuung will.

Und das alles natürlich nicht zum ersten Mal.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

„Bild“ will keine Toten in anderen Medien sehen

Bild.de scheint ehrlich fassunglos:

Das Geschäft mit der toten Whitney Houston († 48) kennt keine Skrupel! Das US-Magazin „National Enquirer“ hat jetzt ein Foto der Sängerin im offenen Sarg veröffentlicht.

In Frieden ruhen… Das kann Whitney Houston wohl vorerst nicht!

Bild.de zitiert eine Twitter-Userin, die den Verkäufer des Fotos als „niederträchtigen, verdorbenen, skrupellosen Untermensch“ bezeichnet, und den Promi-Blogger Perez Hilton, der die Veröffentlichung „geschmacklos, unsensibel und morbide“ nennt.

Bild.de ist der Online-Ableger des Blattes, das am 27. Juni 2009 auf der Titelseite mit einem riesigen Foto aufgemacht hatte, auf dem Michael Jackson auf einer Trage liegend und an Beatmungsgeräte angeschlossen zu sehen war. Die Schlagzeile lautete: „Hier verliert er den Kampf um sein Leben“.

Bild.de selbst brachte wenig später ein computergeneriertes Bild eines entstellten Michael Jackson ohne Haare, unter dem stand: „so in etwa könnte Jackson bei der Obduktion ausgesehen haben“. Beide Veröffentlichungen wurden als „unangemessen sensationell“ vom Presserat gerügt.

Im Vergleich dazu ist das Foto von Whitney Houston im offenen Sarg harmlos — schon weil sie natürlich eigens dafür hergerichtet worden war, angesehen zu werden (wenn auch mutmaßlich nicht von der Weltöffentlichkeit). Wie Bild.de selbst schreibt, zeigt das Foto die Sängerin „mit sorgfältigem Make-up, hochgesteckten Haaren, in einem violetten Kleid und goldenen Schuhen“.

Skrupellos das Sterben eines Prominenten ausschlachten. Und anderen vorwerfen, skrupellos den Tod eines Prominenten auszuschlachten. Das ist die ganz spezielle doppelte Skrupellosigkeit von „Bild“.

Mit Dank an Simon.

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Hurra, hurra, die Fahne brennt!

Das Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen wurde von Szenen abseits des Fußballfeldes überschattet:

Wann hört dieser SCHWACHSINN endlich mal auf? Becherwurf gegen Marin + + + Banner mit Brandbeschleuniger geschmuggelt + + + Täter festgenommen + + + Jede Menge Böller beschlagnahmt + + + Bremer "Fans" verprügeln Ordner + + +

„Bild“ schreibt heute in ihrer Regionalausgabe:

Schlimmer noch: Chaoten hatte zwei in Brandbeschleuniger getränkte Banner in einer Tüte am Stadionzaun versteckt. Als die beiden Zuschauer die Tasche kurz vorm Anpfiff in die Arena bringen wollten, griffen Polizei und Ordnungsdienst zu. Festnahme!

Auch die Deutsche Presseagentur (dpa) hatte gestern Vormittag vermeldet:

Vor der Partie hatten schon zwei festgenommene Anhänger für Aufregung gesorgt. Die Polizei hatte sie bei dem Versuch erwischt, zwei mit Brandbeschleuniger getränkte Fahnen und Transparente in die Arena schmuggeln zu wollen.

Und im HSV-Blog des „Hamburger Abendblatts“ schrieb der Autor gestern Nachmittag vor sich hin:

Und dann sorgten zwei vor der Partie festgenommene HSV-Anhänger noch zusätzlich für Aufregung. Beide hatten schon Tage (oder einen Tag?) vorher zwei mit Brandbeschleuniger getränkte Fahnen und Transparente in die Arena geschmuggelt und bestens versteckt (glaubten sie jedenfalls), diese beiden Utensilien wurden aber zeitig vor dem Spiel entdeckt – und bewusst in ihrem Versteck liegen gelassen. Als diese beiden Fußball-Fans der besonderen Art dann kurz vor dem Anpfiff die (un-)sicher deponierten Sachen abholen wollten, griff die schon auf der Lauer liegende Polizei zu. Die Dummen sterben eben nie aus – Teil zwei. Das ist doch alles nur noch unterirdisch. Gehört wohl aber zum Fußballverständnis einiger Leute von heute dazu. Bin gespannt, was das für Strafen gibt . . .

Das ist alles insofern erstaunlich, als die Website der „Hamburger Morgenpost“ schon am Samstagabend vermeldet hatte, dass es sich um einen falschen Alarm gehandelt hatte:

Der Fahnen-Alarm: Vor dem Anpfiff entdeckten Polizisten zwei Tüten mit Transparenten und Konfetti, nahmen zwei HSV-Fans fest. Der Verdacht: Pappe und Papier seien in Brandbeschleuniger getränkt worden. Ein Fehlalarm. „Es hat sich herausgestellt, dass die Transparente frisch bemalt waren und deswegen verdächtig rochen“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Hamburger Polizei bestätigte uns heute auf Nachfrage die Version der „MoPo“: „Es roch nur ’n bisschen komisch“.

Mit Dank an karstinho.

Nachtrag, 22. Februar: Der Autor des HSV-Blogs des „Hamburger Abendblatts“ entschuldigt sich in seinem neuesten Eintrag für die Falschmeldung mit den in Benzin getränkten Fahnen.

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Man lebt nur zweimal

Möchten Sie „ein Mensch aus Herz und Schokolade“ sein? Über sich lesen, „Sie stammen vom Sonnensystem der Lächler ab“?

Markus Lanz muss mit diesen Attributen klarkommen. Sie stammen aus der Feder von Franz Josef Wagner, der dem „lieben Markus Lanz“, der womöglich „Wetten dass ..?“ übernehmen wird (von Bild.de mit der Schlagzeile „Lanz in Sicht“ gefeiert), heute seine „Post von Wagner“ widmet.

Und wie Wagner heute wagnert!

„Wetten, dass ..?“ darf nicht untergehen. „Wetten, dass ..?“ gehört zu uns wie die Bundesliga und die Oma zum Enkel.

Es kann doch nicht sein, dass „Wetten, dass ..?“ stirbt, weil Moderatoren zu feige, zu eitel sind, Gottschalks Nachfolger zu werden.

Das mit dem „sterben“ ist kein Zufall. Nach Gottschalks letzter Sendung im Dezember hatte Wagner etwa Folgendes zu Protokoll gegeben:

Lieber Thomas Gottschalk,

dies ist kein Nachruf auf Sie, die Trauerrede gilt „Wetten, dass ..?“. Für mich ist der „Wetten, dass ..?“-Laden geschlossen. Nicht vorübergehend, für immer.

Ein Laden macht dicht, wenn es keine Erben gibt. Geschäftsaufgabe. Die Schaufenster sind dunkel, die Regale leer. (…)

„Wetten, dass ..?“ ist Vergangenheit. Ein Sarg. Das ZDF zeigte noch einmal, wie Thomas Gottschalk war. Kurze Haare, lange Haare, sehr lange Haare, zum Glück noch Haare.

„Wetten, dass ..?“ ist tot, aber Gottschalk lebt. Das ist das Wichtigste.

Und auch im November, nach Gottschalks vorletzter Sendung („das beste ‚Wetten, dass ..?‘, das ich seit Langem sah), hatte sich Wagner in dunklen Todesmetaphern gewälzt:

„Wetten, dass ..?“ steht nun allein auf leerer, großer Bühne. Es ist niemand da.

Die Bühne ist leer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf dieser Bühne Pilawa, Lanz, Engelke, Kerner, Geissen stehen werden.
Für mich ist „Wetten, dass ..?“ gestorben.

Pilawa, Engelke, Kerner, Geissen werden nun nicht auf dieser Bühne stehen, aber höchstwahrscheinlich Lanz. Und an den schreibt Wagner heute mit der ihm eigenen Konsequenz:

Ich fände es großartig, wenn Sie „Wetten, dass ..?“ machen.

Mit Dank auch an Dirk R.

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Eine neue Lüge ist wie ein neues Leben

Seit Montag war „Bild“ da einer ganz großen Sache auf der Spur:

Die CO2-Lüge

Gut, das „renommierte Forscher-Team“ ist kein „renommiertes Forscher-Team“, wie „Spiegel Online“ kurz zusammenfasst:

Wissenschaft kann so einfach sein. Der RWE-Manager Fritz Vahrenholt und der ebenfalls bei dem Energiekonzern arbeitenden Geologe Sebastian Lüning haben ein Buch geschrieben, in dem sie die Klimakatastrophe absagen.

Und zur Person und Rolle Vahrenholts hatte die „Zeit“ schon vor zwei Wochen geschrieben:

So meint Hermann Albers, der Präsident des Bundesverbands Windenergie, dass der RWE-Manager „versucht, den Prozess der Energiewende deutlich abzubremsen, um so Marktanteile für den Monopolisten RWE zu erhalten“ – produziert der doch rund 56 Prozent seines Stroms mit dreckiger Kohle.

Aber als Debattenbeitrag könnte man das von „Bild“ beworbene Buch von Vahrenholt und Lüning ja trotzdem sehen, wenn sie halbwegs wissenschaftlich argumentieren und sich an die Fakten halten würden. Das tun sie aber nicht, schreibt das Team vom Klima-Lügendetektor:

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Rach- und Sach-Geschichten (2)

Wohl weil am Montag die 51. Folge von „Rach, der Restauranttester“ lief, bringen „Bild“ und Bild.de diese Woche mehrere große Artikel über den Koch Christian Rach und seine TV-Sendung.

Am Dienstag hatte „Bild“ angeblich „bei allen 50 Lokalen“ nachgefragt, die Rach für RTL „auf Vordermann bringen wollte“. Das Ergebnis dieser Recherche:

Von den 50 Lokalen, in denen er der Tabula rasa machte, sind 27 nie wieder auf die Beine gekommen oder wechselten den Besitzer (siehe Liste).

Zu diesen 27 Lokalen gehörte auch eines, dessen Betreiberin aus freien Stücken gegangen war, um einen Gasthof in ihrer Heimatgemeinde zu übernehmen (BILDblog berichtete).

Gestern dann erschien auf Bild.de ein weiterer Artikel zu Rach und seinen „Sorgenkindern“:

Jetzt spricht der Koch selbst auf BILD.de und erklärt, wie schwer es seine TV-Sorgenkinder wirklich haben.

Darin gab Rach mehrere Beispiele, darunter dieses:

„Brauerei zum Stadtpark“-Chef Jochen in Hockenheim (Baden-Württemberg) war laut Rach wie ein großer, ganz lieber Bär – aber nicht in der Lage, einen eigenen Laden zu führen! Das Erfolgsrezept: „Ich habe ihm eine neue Identität verschafft. Wir haben eigene Biere produziert, die großartig eingeschlagen sind.“

Das Ergebnis: nachhaltig! Nach Rachs Besuch kriselte es noch ein Mal kurz, seitdem geht es aber wieder stark aufwärts.

Das ist insofern interessant, als am Dienstag auf der „Bild“-Liste auch die „Brauerei zum Stadtpark“ aufgetaucht war:

BRAUEREI ZUM STADT-PARK (Hockenheim): Im April 2011 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Bei Bild.de ist die Tabelle wieder mal verschwunden, die Zahl von den 27 erfolglosen Lokalen hat es unterdessen in die „Westdeutsche Zeitung“ und in Rachs Wikipedia-Eintrag geschafft.

Mit Dank an Felix K. und Dominik M.

Nachtrag, 13.40 Uhr: Aus der Wikipedia ist die „Rach-Bilanz“ wieder verschwunden.

2. Nachtrag, 17.50 Uhr: Die Website der „Westdeutschen Zeitung“ hat die Zahl 27 aus ihrem Artikel entfernt und folgende Anmerkung gepostet:

Anmerkung der Redaktion: Die Bild hatte ursprünglich von 27 geschlossenen Lokalen berichtet, wir hatten diese Zahl in einer früheren Version dieses Textes übernommen. Laut bildblog.de ist aber zumindest fragwürdig, ob sie korrekt ist

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Rach- und Sach-Geschichten

Das klingt richtig nach Recherche:

BILD fragte bei allen 50 Lokalen nach, die der Super-Koch [Christian Rach] seit September 2005 für RTL testete und auf Vordermann bringen wollte.

Die „Rach-Bilanz von BILD“:

Von den 50 Lokalen, in denen er der Tabula rasa machte, sind 27 nie wieder auf die Beine gekommen oder wechselten den Besitzer (siehe Liste).

Der Blick auf diese Liste war für Barbara Ullrich eine böse Überraschung. Dort war auch das Parkhotel in Villingen-Schwenningen als Misserfolg aufgeführt, mit dem sie 2007 in einer Folge von „Rach, der Restauranttester“ zu sehen war.

Eigentlich, sagt eine Freundin von ihr, sei der Laden damals ohnehin gut gelaufen, und man hätte sich nur als „Stammtisch-Gag“ bei RTL beworben. Das RTL-Team hätte das auch gewusst, man habe halt vor der Kamera so getan, als würde es Probleme geben. Der Besuch von Rach hat jedenfalls nicht geschadet. Barbara Ullrich selbst sagt, er habe dem Team seine „Scheuklappen“ entfernt; man sei mit seinen Tipps „immer sehr gut gefahren“.

Im Februar 2011 nutzte Ullrich die Chance, in ihre Heimatgemeinde Mönchweiler zurückzugehen und dort den Gasthof Hirschen zu übernehmen. Deshalb wird das Parkhotel heute von anderen Leuten betrieben.

Das muss den eifrigen Rechercheuren von „Bild“ entgangen sein, und mit Frau Ullrich haben sie nach deren Auskunft gar nicht gesprochen. Jedenfalls liest es sich nun so, als wären die alten Betreiber des Parkhotels in Villingen gescheitert. Seit heute morgen wird Ullrich mit Anrufen überschüttet: Viele Gäste meinten, sie hätte ihnen eine Pleite verheimlicht. Und die Vermieterin des neuen Hotels machte sich plötzlich Sorgen über die Zuverlässigkeit ihrer Pächter.

Bild.de hat die Hotel-Liste heute Mittag unauffällig und ohne jeden Hinweis geändert. Nun steht dort zum Parkhotel immerhin:

Neuer Besitzer. Die Betreiber eröffneten in Mönchweiler ein neues Hotel („Zum Hirschen“).

Aber die Überschrift lautet natürlich weiterhin:

HIER KONNTE RACH NICHT HELFEN

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Das Weltall ist zu weit

„Bild“-Überschriften sind traditionell kreischig, laut und unsubtil und geben nur in Ausnahmefällen den Inhalt des Textes wieder, über dem sie thronen.

Insofern ist das heute eine sehr klassische „Bild“-Schlagzeile:

Mit Überschall-Geschwindigkeit: Irrer Ösi springt aus dem All auf die Erde

Da will also ein Mann „aus dem All auf die Erde“ springen. Oder genauer:

An einem riesigen Heliumballon (Durchmesser 80 Meter) steigt Baumgartner auf 37 Kilometer – das ist fast schon im All!

… womit die eigene Überschrift Lügen gestraft wäre. Der Weltraum fängt tatsächlich – je nach Definition – zwischen 80 und 100 Kilometer Höhe an.

Mit „Bild“-Reporter Herbert Bauernebel möchte man also auch nicht in Urlaub fahren, wenn er schon vor der Hälfte der Strecke verkündet, „fast schon“ da zu sein.

Mit Dank an Rainer S., Matthew L., Daniele und Maxl.

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Jürgen Klopp lässt ausrichten

Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund, ist als Freund deutlicher Worte bekannt, der auch nicht davor zurückschreckt, verantwortungslosen Journalisten im Allgemeinen und „Bild“-Reportern im Speziellen die Leviten zu lesen.

Mainz-Manager verrät: Barrios blieb nur wegen der Kohle

Heute musste Klopp erst mal selbst in „Bild“ lesen, dass Christian Heidel, Manager von Mainz 05, „ausgeplaudert“ haben soll, dass der geplante Wechsel von Lucas Barrios zum FC Fulham an den Gehaltsforderungen des BVB-Stürmers gescheitert sein soll.

Warum Heidel überhaupt solche Interna aus den Verhandlungen zwischen Dortmund und Fulham kennen sollte, erklärte „Bild“ folgendermaßen:

Heidel muss es wissen. So konnte er selbst nur Dortmunds Mohamed Zidan (30) verpflichten, weil Barrios weiter für Borussia stürmt.

Doch danach sah‘s lange nicht aus. Heidel: „Noch Dienstag um 15.30 Uhr hatte BVB-Boss Watzke den Zidan-Transfer telefonisch abgesagt. Weil sich Borussia und Fulham über den Barrios-Wechsel geeinigt hatten.“ Für 10 Mio Ablöse.

Zwei Stunden später war Zidan überraschend auf dem Weg nach Mainz. Heidel: „Dass die Gehalts-Gespräche von Barrios mit den Engländern noch scheitern würden, hatten wir echt nicht mehr erwartet.“

Laut englischer Medien soll Barrios ca 2,5 Mio pro Jahr verlangt haben.

Zu viel für Fulham…

Klopp nutzte die heutige Pressekonferenz vor dem für morgen angesetzten Pokalspiel gegen Holstein Kiel, um seine Sicht der Dinge offenzulegen. Als BVB-Pressesprecher Josef Schneck gerade die Pressekonferenz beenden wollte, meldete sich Klopp noch einmal zu Wort und sprach mit ruhiger Stimme, aber bestimmten Worten, über eine ganz besondere Art von Journalisten:

Dass man sich mit bestimmten Medien nicht anlegen sollte, ist spätestens seit Herrn Wulff bekannt, deswegen sag ich’s jetzt nicht direkt gegen die „Bild“-Zeitung, der der gute Mann nun angehört, aber was Herr Schuth heute in der „Bild“-Zeitung schreibt, entspricht nicht der Wahrheit. (…)

Es gibt nicht wenige Menschen, die sagen: „Ja, dafür bekommt Ihr ’nen Haufen Geld und das müsst Ihr alles akzeptieren!“ Das ist so ein bisschen schwierig, mit Lügen umzugehen, find ich, einfach so generell im Leben und wenn’s dann noch zu Papier gebracht wird. (…)

Ich möchte nur sagen: Das, was heute – ich möcht‘ nicht sagen, was immer drin steht – aber was heute drinsteht, ist definitiv die Unwahrheit im Bezug auf Lucas Barrios. Die Verhandlungen sind nicht an irgendwelchen Gehaltsforderungen gescheitert oder sonstiges. Und es wäre schön, bei den vielen Dingen, die in unserem Geschäft passieren, wenn man sich einfach an die Sachen hält, die tatsächlich passiert sind. Und nicht irgendwelche anderen Dinge zusammenspinnt.

Hätte ich Herrn Schuth heute zufällig getroffen, hätte ich es ihm selber gesagt, aber wie gesagt: ich werde ihn jetzt wahrscheinlich acht Wochen lang nicht sehen, in der Hoffnung, dass ich es bis dahin vergessen hab. (Deshalb) hab ich gedacht: ich lass es mal ausrichten. Dankeschön, das war’s!

Mit Dank an Denis F. und Michael.

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