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RTL-Dschungel: Verarsche-Vorwurf Verarsche?

RTL verarscht die Dschungel-FansIn größter Aufmachung prangert „Bild“ heute vermeintliche Unregelmäßigkeiten beim freiwilligen Auszug einer Kandidatin aus dem RTL-Dschungelcamp an, die das Blatt aufgedeckt haben will. Als längst feststand, dass Sarah Knappik die Sendung „Ich bin ein Star — holt mich hier raus“ verlassen würde, habe der Sender noch so getan, als sei die Entscheidung offen, und die Zuschauer aufgerufen, kostenpflichtig für sie anzurufen.

Oder in den Worten von „Bild“:

GESCHUMMELT!

ABZOCKE!

VERARSCHE!

Dem Protokoll, das „Bild“ von den Abläufen veröffentlicht hat, widerspricht der Sender fast in jedem Punkt. Was den Kernvorwurf angeht:

Sarah entschied sich erst nach der Livesendung um 10.01 Uhr Ortszeit (1.01 Uhr nachts in Deutschland), das Camp zu verlassen. Die Möglichkeit, für Sarah zu voten, wurde daraufhin beendet. (…)

Überlegungen von Kandidaten, das Camp freiwillig zu verlassen, sind seit der ersten Staffel ein festes und immer wiederkehrendes Element der Show, welches auch die Zuschauer kennen. Würde RTL jeden Star, der diese Überlegung zum ersten Mal äußert, direkt aus dem Camp holen, (…) wäre das Camp schnell leer. (…) Es war RTL tatsächlich während der gesamten Liveshow am Dienstag und der nachfolgenden Sendung „Extra“ nicht klar, ob Sarah das Camp letztlich verlassen wird oder nicht.

Überprüfen können wir das nicht. Wer die Wahrheit sagt, Sarah oder Jay RTL oder „Bild“, wissen nur die Beteiligten selbst.

Der Sender sagt, er habe auf Anfrage von „Bild“ schon am Vortag den Vorwürfen klar und detailliert widersprochen. Von dem Dementi findet sich kein Wort in „Bild“.

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Wer „A“ sagt, muss auch „ver“ sagen

Kurz nachdem sich der Fußballer Robert Enke das Leben genommen hatte, ließ sich der stellvertretende Sportchef der „Bild“-Zeitung, Walter M. Straten, von der „Süddeutschen Zeitung“ wie folgt zitieren:

„Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein“, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, „ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht“.

Wie ernst seine Aussage zu nehmen war, zeigte sich schon nach fünf Wochen und danach immer wieder.

Aber wir dachten, man könnte ja trotzdem noch einmal an diese Worte erinnern …

Versetzung stark gefährdet: Das BILD-Zeugnis für die Werder-Versager

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Das beste Einhorn

Aus Kreisen der Bundeswehr werden zur Zeit so viele unschöne Vorfälle und Skandale bekannt, dass es bei anderen Verteidigungsministern für drei bis vier Rücktritte gereicht hätte. Doch der aktuelle heißt Karl-Theodor zu Guttenberg.

Über die aktuelle Allianz von „Bild“ und Guttenberg kann man längere Kommentare schreiben, aber womöglich lässt man doch besser die Guttenberg-Fanmagazine selbst zu Wort kommen:

In einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten Kommentar in der gestrigen „Bild am Sonntag“ erklärte Michael Backhaus den Minister kurzerhand zum „Einhorn der deutschen Politik“ und fabulierte:

Zu den Menschen hat das Einhorn schon deshalb ein schwieriges Verhältnis, weil sie es wegen seines wertvollen Horns jagen. So ergeht es derzeit auch dem Beliebtesten unter den Politikern. Nicht nur die Opposition, auch mancher aus den eigenen Reihen möchte die Gelegenheit nutzen, Guttenbergs Horn der Popularität zu kürzen.

„Für kurze Zeit“ sei Guttenbergs Ruf „als Aufklärer und Erneuerer“ in Gefahr gewesen, sei „der unschöne Eindruck entstanden, der Minister wisse nicht oder erfahre zu spät, was in seiner Truppe vor sich geht“.

Doch „Bild“ begleitete den Minister, informierte ihn vorab über den kritischen Artikel über die Zustände auf der „Gorch Fock“ und konnte anschließend verkünden, der Minister habe Konsequenzen gezogen.

Die Ordnung im Weltbild von „Bild“ war wiederhergestellt — oder wie es Backhaus formuliert:

Nun spricht man wieder über das Einhorn und weniger über seine Jäger.

Für so ein Einhorn gelten natürlich andere Maßstäbe als für Normalsterbliche — eine aktuelle Umfrage auf Bild.de lautet entsprechend:

"Gorch-Fock"-Skandal, Waffenspiele in Afghanistan, Feldpost-Affäre: Wie händelt Guttenberg die Krise? A: Gut, der Minister greift durch und forciert die Aufklärung. B: Weniger gut, da er zu zögerlich und halbherzig agiert. C: Kann ich nicht beurteilen.

Zur Zeit haben sich übrigens rund zwei Drittel der Leser für Antwort A entschieden.

Mit Dank an Steffen M. und Katrin Sch. und die vielen anderen Hinweisgeber!

Der Tod und die Titten

Carolin W. ist gestorben. Big-Brother-Fans und „Bild“-Leser kannten die 23-jährige Amateur-Pornodarstellerin wohl eher unter ihrem Künstlernamen „Sexy Cora“. Es ist nicht wichtig, ob sie letztendlich nach der fünften („Mopo“) oder sechsten („Bild“) Brust-OP gestorben ist, aber ein Blick auf den Umgang der Boulevardmedien mit operierten Frauen könnte sich lohnen:

2009 berichtete Bild.de erstmals über die wahlweise als „Porno Cora“, „Sexy Cora“ oder einfach nur „Cora (Oberweite 70F, Maße 96-59-89)“ betitelte Hamburgerin, weil sie an einem Tag gleich drei Mal in eine Polizeikontrolle geraten war.

Das nächste Mal rückte Cora in den Mittelpunkt, als sie im Januar 2010 in den „Big Brother“-Container zog. Die Sabberproduktion in der Redaktion, die jede Nacktduschszene bis ins kleinste Detail journalistisch begleitete, dürfte auf einem Allzeithoch gestanden haben. Es folgen einige Auszüge aus der Berichterstattung bei Bild.de:

14.1.2010:

Erotikdarstellerin sexy Cora (22) wird zum menschlichen Busenhalter! (…) Auf ihre Kurven scheint sie mächtig stolz (…)

28.1.2010:

Passt, wackelt und hat wenig Luft: Sexy Cora freut sich über ihre Busenbommel

29.1.2010:

Sexy Cora (22) duscht gleich mit drei Männern und strippt danach (…) als hätte noch niemand ihre Körbchengröße 75F ohne BH gesehen!

9.3.2010:

Sexy Cora (20) hat am Dienstag um 17.02 Uhr das „Big Brother“-Haus verlassen. NACKT-DUSCHEN, KURVEN GUCKEN, KUSCHELN – AUS UND VORBEI!

Die Frage, für wen sich Frauen wie „Sexy Cora“ eigentlich immer wieder unters Messer legen, scheint Bild.de nicht ernsthaft zu beschäftigen. Dabei ist es nicht auszuschließen, dass die positiven und sicher auch karrierefördernden Reaktionen der Boulevardmedien eine Rolle gespielt haben, als Cora sich zu einem weiteren Eingriff entschloss — übrigens obwohl ihr der Leiter der Klinik, in der die vorherigen Eingriffe durchgeführt wurden, im Vorfeld davon abgeraten hatte („es war anatomisch einfach das Maximum erreicht“). Wie wenig sich etwa „Bild“ und Bild.de um Ursache und Wirkung scheren, zeigt sich dann auch darin, dass die Berichte vom Koma über die Feststellung von Hirnschäden bis hin zum Tod konsequent weiter mit Tittenbildern und anderem Unfug garniert sind — als gäbe es nichts Geileres, als sich auf eine Komabraut mit Hirnschäden einen von der Palme zu wedeln:

13.1.2011:

‘Sexy

Bonusmaterial: Videos Sexy Cora auf Malle – BB-Blondine zieht am Ballermann blank, Nie mehr Big Brother! – Sexy Cora freut sich über ihre Freiheit (Nacktfußball), Ratgeber Bauch, Busen, Nase -Welche Beauty-OPs zahlt die Kasse?, Bild erklärt – Alles über die Brustvergrößerung, Das wussten Sie nicht! – 33 Pralle Fakten über Brüste

13.1.2011:

Jetzt spricht der Busen-Arzt von sexy Cora!

Bonusmaterial: Wie bei vorherigem Artikel + 14-teilige Titten-Klickstrecke „Big Brother machte sie bekannt – Sexy Cora in Bildern“

14.1.2011:

Staatsanwalt ermittelt gegen Busen-Arzt von sexy Cora

Bonusmaterial: Wie bei vorherigem Artikel, statt 14-teiliger Titten-Klickstrecke 16-teilige Titten-Klickstrecke „Big Brother machte sie bekannt – Sexy Cora in Bildern“

16.1.2011:

Wird sexy Cora heute aus dem Koma geholt?

Bonusmaterial: 66-teilige Titten-Klickstrecke „Big Brother machte sie bekannt – Sexy Cora in Bildern“

18.1.2011:

Coras Hirn nach Busen-OP für immer geschädigt

Bonusmaterial: 66-teilige Titten-Klickstrecke „Big Brother machte sie bekannt – Sexy Cora in Bildern“, Ratgeber Bauch, Busen, Nase -Welche Beauty-OPs zahlt die Kasse?, Bild erklärt – Alles über die Brustvergrößerung, Das wussten Sie nicht! – 33 Pralle Fakten über Brüste

20.1.2011:

"Big Brother"-Star Cora tot: Kurz vor der OP flüsterte sie ihrem Mann ins Ohr: "Ich will ein Kind von dir"

Bonusmaterial: Trauervideo, in dem „Sexy Cora“ unter anderem nackt beim Fußballspielen gezeigt wird, 4-teilige Titten-Klickstrecke „“Big Brother“-Star Cora in Bildern“, Ratgeber Bauch, Busen, Nase -Welche Beauty-OPs zahlt die Kasse?, Bild erklärt – Alles über die Brustvergrößerung, Das wussten Sie nicht! – 33 Pralle Fakten über Brüste. Dazu besteht natürlich jederzeit die Möglichkeit, den Hinterbliebenen in den Kommentaren sein Beileid auszudrücken.

Um in „Bild“ mit Würde zu sterben, muss man wohl der Hund von Kolumnist Norbert Körzdörfer sein:

Bild-Hund Ruby liegt im Sterben

PS: Coras Alter schwankt bei „Bild“ schon immer um zwei Jahre hin und her. Glaubt man ihrem Wikipedia-Eintrag, so war „Sexy Cora“ zum Zeitpunkt ihres Todes 23 Jahre alt.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber!

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Mord ohne Verwandtschaft

Nichts weniger als die „Wahrheit“ über ein Tötungsdelikt in Schwalmtal verspricht „Bild“ Düsseldorf:

Die Wahrheit über das Drama in Schwalmtal Enkel ermordete seine Oma wegen 65 Euro!

Tatsächlich wurde gegen zwei Festgenommene ein Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes ausgesprochen. Doch keiner von ihnen war mit dem Opfer verwandt. Die Nachrichtenagentur dpa schreibt:

Einer von ihnen war mit der Seniorin bekannt: Sein Opa lebte bis zu seinem Tod vor vier Jahren mit ihr zusammen.

„Bild“ weiß das eigentlich auch und erwähnt es darum auch zweimal im Artikel.

Mit Dank an Christina H.

Die mit edlen Uhren wedeln

19 verschiedene Uhrenmarken sind in diesen Tagen am Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH), der internationalen Uhrenmesse in Genf, vertreten.

Im Artikel auf Bild.de werden aber nur zwei erwähnt:

Blanchett (41) überraschte auf dem roten Teppich der Edel-Uhrenmarke "IWC", die ihre neue "Portofino"-Kollektion feierte, mit neuer Kurzhaarfrisur.

Gwyneth Paltrow schmückte die glanzvolle Garten-Party, zu der die Edeluhrenmarke "Baume Mercier" geladen hatte.

Schauspieler Jean Reno mit seiner Frau Zofia, Schauspieler Sebastian Koch, Box-Champ Vitali Klitschko, Weltfußballer Luis Figo mit Frau Helen, Oliver Bierhoff mit Frau Klara, Sänger Ronan Keating (trat auf), der als Schmuckstück neben einer IWC-Uhr auch einen Ohrring in Form eines Peace-Zeichens trug.

Baume & Mercier und IWC gehören beide zur Schweizer Richemont-Gruppe, einem Luxusgüterkonzern.

Die Marke IWC, die beinahe traditionell im redaktionellen Teil von „Bild“ auftaucht, bildet denn auch den Hintergrund der meisten der 15 Bilder in der Bildergalerie:

Bei der Edel-Uhrenmarke "IWC" stapelten sich die Promis auf dem roten Teppich: Boris Becker und Frau Lilly ...

... die Beckers mit "IWC"-CEO Georges Kern ...

Boris Becker ist ein Stammgast bei dem Event, was nicht verwundert, denn er ist, wie viele andere, Botschafter von IWC. Bild.de bezeichnete ihn 2006 als „Botschafter“, 2008 als „der sogenannte IWC-Botschafter“ — 2011 erschien diese Verbindung dann offenbar gar nicht mehr als erwähnenswert.

Und in der gedruckten „Bild“ war dann für andere Marken kein Platz mehr:

IWC-Party in Genf: Uhr-là, là! Sooo viele Stars auf einmal!

Mit Dank an Lothar Z., Thomas D., Giovanni, Dennis H. und Christian S.

Wir sind Schwuchtel-Skandal!

Außenstehende verbinden mit der Stadt Köln – neben Rhein und Klüngel – vor allem die katholische Kirche (Dom), kalendarisch verordneten Frohsinn (Karneval) und den Westdeutschen Rundfunk (WDR). Diese drei Zutaten reichen oft schon, um schöne Geschichten zu erzählen.

So wie diese hier: Die satirische Karnevalsveranstaltung „Stunksitzung“, die traditionell ein schlechtes Verhältnis zur katholischen Kirche pflegt, hat in diesem Jahr einen Sketch im Programm, in dem der Kabarettist Bruno Schmitz als Bischof Walter Mixa verkleidet zu einer Weinprobe lädt.

Was Schmitz/Mixa dabei erzählt, hat „Bild“-Reporter Michael Bischoff (hihi) so missfallen, dass er daraus ausgiebig zitieren musste:

Er bezeichnet Papst Benedikt als „das Frettchen des Herrn, dumm wie eine Rolle Oblaten, umgeben von servilen Höflingen.“

Und weiter: „Aber der Höhepunkt war der Weltjugendtag (2005/Anm.der Redaktion) hier in Köln: Benedikt und Joachim, der zum-Lachen-in-den-Keller-geht-Meisner, ließen sich wie zwei frischvermählte Schwuchteln über den Rhein schippern. Ich bin ja der letzte, der etwas gegen Homosexualität hat, aber doch nicht mit so alten Knochen. Da haben wir in der Katholischen Kirche ganz andere Möglichkeiten. Ich sag nur – Priesterseminar…“

Seitdem bemüht sich „Bild“, die Geschichte in Köln zum „Skandal“ zu machen — mit durchaus unangenehmen Folgen für die Kabarettisten, wie der „Express“ berichtet.

Heute nun meinte „Bild“, einen Erfolg vermelden zu können:

Nach BILD-Bericht: WDR schmeißt Schwuchtel-Stunker aus der Sendung

Die Zeitung schreibt sich auf die Fahnen, die „bitterböse Verunglimpfung des Heiligen Vaters und des Kardinals als Schwuchteln“, die inzwischen mehrere Tausend Zuschauer im Kölner E-Werk gesehen haben, „öffentlich gemacht“ zu haben, und berichtet:

Aber jetzt reagiert der WDR: Die Szene der Stunksitzung fliegt schon vor der Aufzeichnung aus dem Programm!

„Das geht bei uns so auf keinen Fall über den Sender!“, erklärte WDR-Sprecherin Kristina Bausch gestern. Den Schwuchtel-Stunk gibt’s also im TV weder in der 90-Minuten-Fassung am 3. März (22 Uhr), noch in der Langversion zwei Tage später (0.30 bis 3.30 Uhr). Auch nicht im Hörfunk auf WDR 5.

Auch das Kölner Domradio und die Katholische Nachrichten Agentur (kna), die der katholischen Kirche fast so nahe stehen wie „Bild“, vermeldeten, der WDR werde auf eine Ausstrahlung der „Papst-Verspottung“ verzichten.

Doch die Website koeln.de erklärte heute Mittag, was der WDR uns auf Anfrage noch einmal bestätigte: Eine Entscheidung über eine mögliche Nicht-Ausstrahlung der Szenen werde erst nach der Aufzeichnung am 11. und 12. Februar gefällt.

Zwar sei es sehr wahrscheinlich, dass der Sketch in seiner jetzigen Form nicht gesendet werde (deswegen die Aussage „Das geht bei uns so auf keinen Fall über den Sender!“), aber es sei ja möglich, wenn auch unwahrscheinlich, dass das Ensemble der Stunksitzung den Sketch selbst noch überarbeite.

Die kna ruderte am Nachmittag zurück und verkündete am Nachmittag in einer zweiten Meldung eine Selbstverständlichkeit:

Der WDR will eine umstrittene Passage aus der Kölner „Stunksitzung“, in der Papst Benedikt XVI. und Kardinal Joachim Meisner verunglimpft werden, vor Ausstrahlung im Fernsehen überprüfen.

Die WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff erklärte dazu:

Unsere Redakteurinnen und Redakteure schauen sich die Version der Stunker, die bei den Aufzeichnungsterminen am 11. und 12. Februar gespielt wird, ganz genau an. Erst danach entscheiden wir: Sollten Teile davon unseren Programmgrundsätzen widersprechen, werden wir sie
selbstverständlich nicht senden.

Der WDR legt außerdem Wert darauf, schon vor dem empörten Bericht der „Bild“-Zeitung (die die Verunglimpfung religiöser Gefühle in anderen Fällen auch schon mal „mutig“ findet), gewusst zu haben, was ihn bei der diesjährigen Stunksitzung erwartet: Redakteure seien bereits Anfang Januar bei einer Aufführung gewesen.

Mit Dank an Flo.

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Hier werden Schlagzeilen geboren

Die Fans jubeln: Dortmund feiert seine Meister schon

So berichtet „Bild“ heute groß in der Ruhrgebietsausgabe über ein Transparent auf dem Dortmunder Borsigplatz. Dass die Zeitung im ersten Satz behauptet, der BVB sei „souveräner Spitzenreiter mit 13 Punkten Vorsprung“, obwohl er nur 12 Punkte vor Hannover 96 liegt, ist dabei eher nebensächlich.

Denn es geht um das Banner selbst, über das „Bild“ schreibt:

Na, da schau hin! Dortmund feiert schon seine Meister.

Am Borsigplatz, der Geburtsstätte des Traditionsklubs, leuchtet inzwischen weithin sichtbar dieses riesige, schwarzgelbe Jubel-Banner: Borsigplatz – Hier werden Meister geboren.

„Inzwischen“ ist dabei eine gute Wortwahl, aber irgendwie fehlt da ein „wieder“. Mit dem Banner gratulierte der Gewerbeverein Borsiglatz dem BVB nämlich zum 100. Geburtstag, es hing schon im Herbst 2009 am Borsigplatz und war entsprechend auf die vergangenen Meisterschaften gemünzt. Im Sommer 2010 wurde das Transparent dann abgenommen und Anfang Dezember anlässlich der Herbstmeisterschaft „als Gag“ wieder aufgehängt, wie uns der Gewerbeverein erklärte, der seit der Veröffentlichung auf Bild.de mit Anfragen von Journalisten überhäuft wird.

„Bild“ hätte also schon vor sechs Wochen aufschreiben können, dass „in der Stadt die Euphorie“ wachse. Oder vor einem Jahr. Nur hätte es da nicht so schön gepasst.

Mit Dank an Daniel, Dirk, Nora T. und Stephan U.

Aldi macht Journalismus billig

Seit Montag ist es überall zu lesen: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat Discounter „ermuntert“ oder gleich „aufgefordert“, zukünftig auch Benzin zu verkaufen. Medien wie die „Süddeutsche Zeitung“, die „Stuttgarter Nachrichten“, „RP Online“ oder stern.de veröffentlichten Analysen und Kommentare über die Praxistauglichkeit von Brüderles Vorschlag, die „B.Z.“ fragte sogar bei den Unternehmen nach und bewies bei der Interpretation der Antwort besondere Kreativität:

Und wie reagierten die Unternehmen? Die Handelskette Lidl schließt zumindest mittelfristig den Einstieg ins Benzin-Geschäft nicht aus. Sprecherin Simone Hartmann zur B.Z.: „Als Unternehmen mit dem Kerngeschäft Lebensmitteleinzelhandel stellen wir derzeit keine konkreten Überlegungen an, Benzin anzubieten.“

All diese Medien und Journalisten haben ein entscheidendes Detail übersehen: Brüderles angebliche Forderung war bei „Bild“ und Bild.de erschienen (BILDblog berichtete):

Benzin-Abzocke: Brüderle will ALDI-Sprit! Vorschlag des Wirtschaftsministers

Nach unseren Informationen hat Brüderle nichts dergleichen gesagt. Er hat „Discounter wie ALDI und LIDL“ auch nicht „ermuntert, ins Tankstellen-Geschäft einzusteigen.“

„Bild“ hat den Zusammenhang um ein Zitat Brüderles gestrickt, das sehr grundsätzlich gehalten ist und in dem weder von Aldi konkret noch von Discountern allgemein die Rede ist:

Brüderle zu BILD.de: „Preise bilden sich am besten immer noch durch Wettbewerb. Wenn das Angebot steigt, sinkt der Preis. Ich freue mich deshalb über jeden zusätzlichen Wettbewerber und kann Unternehmen nur ermutigen, in den Benzinmarkt einzusteigen.“

Nicht minder interessant ist die wiederholte Forderung des saarländischen SPD-Chefs Heiko Maas nach staatlichen Höchstpreisen für Benzin, Öl und Gas „nach dem Vorbild Luxemburgs“. Die ist nämlich bei genauer Betrachtung Quatsch:

Die staatlichen Regelungen für Benzinpreise in Luxemburg limitieren nämlich nur den Aufschlag, den die Ölkonzerne gegenüber dem Einkaufspreis nehmen dürfen. Die Gewinnmarge der Ölkonzerne ist in Luxemburg dennoch höher als in Deutschland, der Nettopreis für Benzin ebenfalls: Nach einer Statistik des Energie-Informationsdienstes EID kostet ein Liter Superbenzin vor Steuern in Deutschland knapp 58 Cent, in Luxemburg etwas über 61 Cent (Stand: 3. Januar 2011).

Dass man an einer Luxemburger Tankstelle weniger zahlt als hierzulande, liegt nicht an den „staatlichen Höchstpreisen“, sondern an der niedrigeren Benzin- und Mehrwertsteuer in dem kleinen Land.

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