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Bauerntheater (Wiederholte Wiederholung)

Nachdem „Bild am Sonntag“ vor sechs und Bild.de vor zwei Wochen berichtet hatten, dass der „Bauer sucht Frau“-Kandidat Johannes noch verheiratet sei, zeigte sich „Bild“-Reporter John Puthenpurackal im gestrigen Interview mit Johannes ernstlich überrascht darüber, dass der „Bauer sucht Frau“-Kandidat noch verheiratet ist (BILDblog berichtete).

Das Erstaunen muss auf die Redaktion von Bild.de übergesprungen sein, die noch am gestrigen Abend Sensationelles zu berichten wusste:

Bauer Johannes ist sogar noch verheiratet!

Und auch die gedruckte „Bild“ von heute gibt sich wiederholt verblüfft:

RTL-Bauer Johannes (39) gestand gestern in BILD, warum er seine schwangere Ex-Freundin Bärbel (41) für „Bauer sucht Frau“-Anja (28) verließ, die ein Kind von einem anderen bekommt. Heiraten will er sie auch, sagt Johannes. Aber erst müsse er sich wieder von einer anderen scheiden lassen.

WIE BITTE?

Mit ein bisschen gutem Willen lässt sich das Thema sicher über die Weihnachtsfeiertage retten, vielleicht sogar noch ins neue Jahr.

Bauerntheater (Wiederholung)

Über Wochen haben „Bild“, „Bild am Sonntag“ und Bild.de die RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ mit ihrer Berichterstattung flankiert. „Bild“ verriet „Liebesgeheimnisse“ („Stina aus dem Ruhrgebiet und Lukas aus dem Sauerland werden ein echtes Paar.“), zeigte sich verwirrt („Was ist bloß mit Bäuerin Karina passiert?“) und zeigt sich milde enttäuscht empört („Die Macher hatten für die dralle Brünette auch eine Duschszene vorgesehen. Moni lehnte ab.“).

Ein Fall hatte es der Redaktion jedoch besonders angetan: der von Milchbauer Johannes.

Bereits im November (und damit lange vor der TV-Ausstrahlung) berichtete „Bild am Sonntag“, dass Johannes’ Auserwählte Anja von einem anderen Mann schwanger sei, eine andere Frau wiederum ein Kind von Johannes erwarte:

Mit dieser Marion hatte Johannes kurz vor Beginn der Dreharbeiten eine Affäre. Und diese Affäre hat Folgen.

Im März soll das Kind auf die Welt kommen, und ein Wunschkind sei es nicht, flüstern die Dorfbewohner.

Marions Eltern werden da schon etwas lauter. Ihre Tochter sei ja schon 41, erzählen sie BILD am SONNTAG, und sie habe bereits bessere Männer ziehen lassen.

Doch damit nicht genug:

Bauer Johannes hat nämlich noch eine Ehefrau. Sie heißt Simone*. Und die beiden leben zwar getrennt, geschieden sind sie aber noch nicht.

Am 8. Dezember enthüllte Bild.de „Die ganze Wahrheit über Bio-Bauer Johannes“ („er arbeitet hauptberuflich als angestellter Fensterbauer“, „Anja ist mittlerweile zu ihrem Johannes gezogen – vergangenen Sonntag brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt.“).

Darunter:

Apropos Nachwuchs: Im März wird Johannes selbst ein zweites Mal Vater – eine Frau, mit der der kernige Landwirt vor Beginn der Dreharbeiten eine Affäre hatte, erwartet von ihm ein Baby. Und ganz nebenbei ist Johannes auch noch verheiratet. „Aber die Scheidung ist bald durch; meine Frau und ich trennen uns einvernehmlich und ohne Streit.“

Gestern dann enthüllte „Bild“ (zum wiederholten Male), was RTL verschwiegen hatte:

Was das TV gestern verschwieg: RTL-Bauer lässt schwangere Freundin sitzen

Als wäre es irgendwie neu, berichtete John Puthenpurackal:

„Er hat mein Leben zerstört“, sagt Bärbel (41, Name geändert). Sie sitzt im Rinderstall in einem kleinen Dorf bei Heidelberg. „Johannes wünschte sich doch ein Kind von mir, ich wurde schwanger.“

UND DANN?

„Dann wollte Johannes unbedingt ins Fernsehen“, erzählt Bärbel. Er bewarb sich als angeblicher Single bei „Bauer sucht Frau“.

Noch etwas Neues hatte der Reporter herausgefunden:

Johannes ist in Wahrheit übrigens auch nicht Biobauer sondern Fensterbauer. Baut der denn nur Mist?

Und womöglich hat Puthenpurackal die gesamte bisherige Berichterstattung seines eigenen Auftraggebers tatsächlich nicht verfolgt — so überrascht, wie er heute im Interview wirkt:

BILD: Wollen Sie heiraten?
Johannes: „Ja, ich bin aber noch verheiratet …“
BILD: Wie bitte?
Johannes: „… aber die Scheidung läuft! Ideal ist das alles nicht.“

Mit Dank an Christian G.

Nachtrag, 23. Dezember: Es geht weiter.

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Frau zu Guttenberg hält wenig von Starkult

Es ist die Liebesgeschichte des Jahres: die „Bild“-Zeitung & Stephanie zu Guttenberg. Zum Weihnachtsfest schenken wir Ihnen, liebe Leser, die Chronologie einer Romanze, die in diesen kalten Tagen das Herz erwärmt.

Es begann schon im vorigen Jahr, und es begann mit Haaren, Blut und Beinen. Noch bevor die „Bild“-Zeitung die Ehefrau des damaligen Wirtschaftsministers Theodor zu Guttenberg „gutt“ fand, fand sie sie geil. Sie sortierte sie am 20. Mai 2009 auf Platz 30 ihrer Liste der „100 erotischsten Frauen Deutschlands“. Mit mehr als nur einem Hauch von Homoerotik schwärmte „Bild“-Mitarbeiterin Christiane Hoffmann:

Stephanie zu Guttenberg (32) Frau unseres Wirtschaftsministers, blondeste Versuchung, seit es Politikergattinen gibt. Blaues, wallendes Blut. Absolut großartige Beine! Wow!

14. August 2009. Damit Karl-Theodor zu Guttenberg nicht wieder, wie in Bayreuth, mit schiefer Fliege da sitzt, korrigierte „seine hinreißende Frau Stephanie (32) sein Erscheinungsbild fürsorglich auf dem Weg in die Oper“, notiert Adels-Experten-Adel Alexander von Schönburg und stellt fest: Sie „sorgt sich rührend um die makellose Erscheinung ihres Mannes, unseres Wirtschaftsministers“.

26. September 2009. „KT und Stephanie zu Guttenberg“ werden auf der Wiesn gesehen. „Bild“ sorgt sich: „Dürfen Franken denn Lederhose tragen?“

5. Oktober 2009. Weil sie „mit ihrer lässigen Schönheit“ „der heimliche Star bei ‘Wetten, dass..?’“ war, „erklärt BILD die schöne Frau von Wirtschafts-Minister Guttenberg“ – die erste Titelgeschichte. Erstaunliche Erkenntnis:

Stephanie zu Guttenberg hält wenig von Starkult. Sie sagt: „Die wichtigsten Dingen im Leben sind Demut und Dankbarkeit.“

31. Oktober 2009. „Bild“-Kolumnistin Evelyn Holst seufzt: „Ich wäre so gern eine richtig coole Technikmaus, so wie Stephanie zu Guttenberg, die mir kürzlich nach einem Interview zack, zack mein Navi im Leihwagen programmierte, an dem ich erfolglos herumgedrückt hatte.“

19. November 2009. Alexander von Schönburg beobachtet, wie sich Stepanie zu Guttenberg bei einer Filmpremiere von „Bild“-Filmgott Arthur Cohn „mit Nachos, Popcorn und Cola“ ausrüstet.

21. November 2009. Alexander von Schönburg berichtet, wie es bei Verdis „Requiem“ in der Berliner Philharmonie zu einem „Familientreffen der Guttenbergs“ kam. „Zum Konzert gebeten hatte Stephanie zu Guttenberg, die kluge und schöne Frau des Ministers“, um für ihre Organisation „Innocence in Danger“ zu sammeln.

27. November 2009. Bei der „Bambi“-Verleihung hat Stephanie zu Guttenberg den „bezauberndsten Auftritt“, als sie ihren Mann „in einer hinreißenden roten Robe“ vertritt.

7. Dezember 2009. Großes Interview: „So kämpfe ich gegen den Missbrauch von Kindern. Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg.“

12. Dezember 2009. Stephanie zu Guttenberg wird an der „Bild“-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ im ZDF teilnehmen.

14. Dezember 2009. In einer „bewegenden Rede“ hat Stephanie zu Guttenberg bei der „Ein Herz für Kinder“-Gala die Arbeit von Pater Max gewürdigt.

19. Januar 2010. Stephanie zu Guttenberg wird an der „Bild“-Spendengala für die Erdbebenopfer in Haiti teilnehmen:

„Ich finde es großartig, dass es BILD und dem ZDF gelungen ist, so schnell etwas auf die Beine zu stellen, womit den Menschen auf Haiti geholfen wird.“

22. Januar 2010. „Frau Guttenberg betet für unsere Soldaten“. „Bild“ zitiert sie mit den Worten:

„Mein Mann konnte wegen der Haushaltswoche nicht aus Berlin weg. Ich bin gekommen, weil es mir sehr viel bedeutet, dass wenigstens ein Mitglied unserer Familie bei diesem wichtigen Gottesdienst dabei ist.“

22. Februar 2010. Stephanie zu Guttenberg lässt Maria Riesch im Deutschen Haus bei den Olympischen Winterspielen einen Blick auf ihr iPhone werfen.

1. April 2010. Die ARD zeigt einen Film zum Thema Kindesmissbrauch. In einer Sondersendung von „Beckmann“ ist auch Stephanie zu Guttenberg zu Gast. Sie sagt: „Es wird eindeutig zu wenig für die Opfer getan!“

22. Mai 2010. Stephanie zu Guttenberg ist zu Gast beim Champions-League-Finale FC Bayern München gegen Inter Mailand.

27. Mai 2010. „Bild“ macht Stephanie zu Guttenberg zur „Gewinnerin“ des Tages, weil sie mit dem Deutschen Kinderpreis ausgezeichnet wurde.

Die Preisträgerin: „Ich werde weiter kämpfen wie ein Löwe.“

BILD meint: Gut gebrüllt, Jury!

5. Juli 2010. „Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (38, CSU) und Gattin Stephanie (33) verfolgten das Deutschland-Spiel gegen Argentinien im fränkischen Kulmbach, wo der Minister einst selber kickte.“

2. August 2010.„Der Preis für den schönsten Urlaubs-Schnappschuss geht heute an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (38) und seine entzückende Frau Stephanie (33). ‘Wir verbringen unsere wenigen freien Tage in der oberfränkischen Heimat’, schwärmt Stephanie, die als Halb-Schwedin im Dirndl eine erstaunlich gute Figur macht.“

11. September 2010. Stephanie zu Guttenberg erklärt in einem Ratgeber: „So schützen Sie Ihr Kind vor Missbrauch“. „Bild“ druckt ihre „wichtigsten Ratschläge“.

13. September 2010. „Es ist ein mahnender Appell aus Sorge um die Seelen unserer Kinder! Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau unseres Verteidigungsministers, beschreibt als Präsidentin des Vereins „Innocence in Danger“, wie gefährlich die Sexualisierung unserer Gesellschaft für die Jugend ist.“ In „Bild“.

14. September 2010. Zweiter Teil des Vorabdrucks aus Guttenbergs Buch: „Die Heidi-Klum-Show ist kein Vorbild für unsere Kinder / Stephanie zu Guttenberg kritisiert den Sex-Chic“.

16. September 2010. Stephanie zu Guttenberg stellt ihr Buch vor.

17. September 2010. „Bild“-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß nimmt Stephanie zu Guttenberg in seine „Top 10 der Woche“ auf:

6. Der heißeste Wunsch von Stephanie zu Guttenberg, Präsidentin des Vereins gegen Kindesmissbrauchs „Innocence in Danger“, lautet: „Wenn morgen in der BILD stünde: Telekomchef Obermann spendete 1 Million Euro“.

23. September 2010. Ein „Bild“-Leser hat Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Wiesn fotografiert. „Bild“ titelt: „Total verschossen auf der Wiesn!“ Und schreibt:

Das glamouröse Polit-Paar ganz verschossen! Am Schießstand, gleich neben dem Käfer-Zelt, hatten sich die beiden zuvor als Präzisionsschützen hervorgetan. Der Budenbesitzer: „Respekt! Die Frau zu Guttenberg schießt saugut. Er aber noch besser.“ Reingewinn: Eine rote Plastikrose für SIE. Eine Hutfeder für IHN.

27. September 2010. Auf der „Funk & Soul Night“ zugunsten von „Innocence in Danger“:

Ihre Haare fliegen ihr ins Gesicht, sie lacht, tanzt ausgelassen…

Hier rockt Deutschlands heimliche First Lady Stephanie zu Guttenberg (33)! (…)

Stephanie überzeugt. Souverän wie sonst ihr Mann steht sie am Rednerpult, mahnt eindringlich gegen sexuellen Missbrauch von Kindern. „KT“ streichelt ihr nach ihrer Rede stolz über die Wange…

Stephanie hat eine Wahnsinns-Ausstrahlung. Sie trinkt Weißwein, glitzert im schwarzen Paillettenkleid. „Ein bisschen funky, passend zum Abend“, sagt sie mir. JEDER Gast will mit ihr reden — und sie weicht niemandem aus.

Stephanie zu Guttenberg — elegant und lässig. Eine Frau, die was zu sagen hat — sich aber nicht in den Vordergrund spielt. Deutschlands heimliche First Lady!

29. September 2010. „Bild“-“Stilkritik“:

Sie rockte und glitzerte wundervoll. Stephanie zu Guttenberg (33), Gattin des Bundesverteidigungsministers, setzt DEN neuen Mode-Trend! Was trägt frau, wenn sie mal so richtig glänzen will? Schwarze Pailletten!

5. Oktober 2010. Die Wiesn geht zu Ende. Fazit von „Bild“: „Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg. Die Wiesn-Könige in puncto Stil- und Treffsicherheit“

7. Oktober 2010. Große „Bild“-Schlagzeile: „Stephanie zu Guttenberg jagt Kinderschänder im TV!“

Marion Horn kommentiert:

Respekt, Frau zu Guttenberg!

Viele Politiker-Frauen engagieren sich sozial, aber keine geht so weit wie Stephanie zu Guttenberg. Sie geht da hin, wo es weh tut. Mitten in die Abgründe perverser Täter, die sich an unseren Kindern vergreifen wollen. (…)

Stephanie zu Guttenberg zwingt Polizei, Justiz und Eltern, sich mit diesem widerlichen Thema auseinanderzusetzen. Zum Schutze unserer Kinder.

Respekt!

8. Oktober 2010. „Bild“-Kommentator Einar Koch fordert „mehr Härte gegen Kinderschänder“ und behauptet: „Tatort Internet: Stephanie zu Guttenberg stellt potenzielle Kinderschänder vor laufender Kamera bloß.“

„Bild“ zeigt, wie Stephanie zu Guttenberg zeigt, wie sie auf der „Bild“-Titelseite ist und zitiert sie: „Es sind diese Schlagzeilen, die wir brauchen – zum Schutz unserer Kinder!“

9. Oktober 2010. „Tatort Internet – die RTL-2-Sendung mit Stephanie zu Guttenberg erschüttert Deutschland.“

11. Oktober 2010. „Bild“-Reporter Hans-Jörg Vehlewald prangert an: „Nach mutiger TV-Doku: Kinderschänder beschimpfen Stephanie zu Guttenberg“. Mit den Kinderschändern im Bund sieht er die „Süddeutsche Zeitung“ und zitiert empört und verkürzt: „Die Ministergattin wecke einen ‘gefährlichen Volkszorn’ gegen erwachsene Männer, die mit 13-jährigen Kindern Sex haben wollen.“

16. Oktober 2010.
Erstes Sex-Ekel gefeuert Bravo, Stephanie zu Guttenberg!

18. Oktober 2010.

Stephanie zu Guttenberg entsetzt über Art der Debatte ... und Til Schweiger geht auf ihre Kritiker los Kampf gegen Kinderschänder im TVStephanie zu Guttenberg sagt zu „Bild“, sie sei empört, wie sich Medienexperten, Juristen und Journalisten so offensichtlich auf die Seite von Tätern stellen, statt die Opfer zu schützen. Ein vierfacher Vater namens Til Schweiger sagt zu „Bild“, er sei „erst sprachlos und dann vor allen Dingen wütend“, wie mit Frau zu Guttenberg umgegangen werde. Er stellt die Frage: „In was für einer Gesellschaft leben wir denn?“

19. Oktober 2010.

5. November 2010. Stephanie zu Guttenberg wird für ihr Engagement gegen Kindesmissbrauch mit der „Goldene Erbse“ des Deutschen Zentrums für Märchenkultur geehrt.

8. November 2010.

Diese Guttenbergs! Sie waren DAS Glamour-Paar beim Sportpresseball in der Alten Oper. Entwaffnend sympathisch, erfrischend ehrlich. So gesteht Stephanie zu Guttenberg (33) in ihrem nachtblauen Abendkleid: „Ich fühle mich eindeutig wohler in Jeans.“

10. November 2010. Stephanie zu Guttenberg ist erneut „Gewinnerin“ des Tages in „Bild“:

Seit die Ministergattin mit der Sendung „Tatort Internet“ gegen Kinderschänder kämpft, steigt die Zahl von Hinweisen auf Kinderpornografie bei der Beschwerdestelle der Internet-Wirtschaft rasant. Kindersex-Fotos und -Videos verschwinden schneller aus dem Netz.

15. November 2010. Stephanie zu Guttenberg wird an der Promi-Ausgabe von „Wer wird Millionär“ teilnehmen.

16. November 2010. Stephanie zu Guttenberg wird an der Promi-Ausgabe von „Wer wird Millionär“ teilnehmen. Sie sagt: „Ich bin schon nervös. Doch Nervosität muss ja nicht unbedingt schaden.“ Günther Jauch sagt: „Sie spricht fünf Sprachen und ist hochgebildet. Aber dennoch kann man bei einer Frage hängen bleiben (…).“

30. November 2010. Stephanie zu Guttenberg wird an der „Bild“-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ teilnehmen.

1. Dezember 2010. „Innocence in Danger“ stellt Strafanzeige gegen Redakteure der „Frankfurter Rundschau“, die die Arbeitsweise des Vereins kritisiert haben. „Bild“ berichtet auf Seite 1. Stephanie zu Guttenberg sagt: „Wir lassen uns die erfolgreiche Arbeit zum Schutz der Kinder nicht von der absurden Verleumdungskampagne des DuMont-Verlags kaputt machen.“

3. Dezember 2010. „Bild“ veröffentlicht eine 30-köpfige Liste: „Diese Deutschen wollen wir öfter im TV sehen!“ Auf Platz 1 landet überraschend Stephanie zu Guttenberg:

Sie ist definitiv schuld daran, wenn der Blondinenwitz ausstirbt! Klug, witzig, tough. Wer interessiert sich da noch für Ur-Ur-Opa Bismarck? Nicht mal der eigene Minister-Ehemann kann ihr die Show stehlen. Bleibt nur noch die Frage: Wie schafft die das bloß?

4. Dezember 2010. Stephanie zu Guttenberg wird an der „Bild“-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ teilnehmen.

8. Dezember 2010. „Bild“ präsentiert das Werk „Verletzungen – Verbindungen“ des Künstlers Günther Uecker. Unter den Gästen: Stephanie zu Guttenberg.

10. Dezember 2010. „Bild“-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß rühmt „den besten Beweis für tadelfreies Arbeiten“, den Stephanie zu Guttenberg für „Innocence in Danger“ von der deutschen UNESCO-Kommission erhalten habe, die erklärte, sie unterstütze „mit Nachdruck die Ziele des Vereins“.

Unterdessen erklären Stephanie zu Guttenberg und Maria Riesch in „Bild“: „Jetzt kämpfen wir gemeinsam gegen Kindes-Missbrauch!“

14. Dezember 2010. Stephanie zu Guttenberg begleitet ihren Mann zu einem Truppenbesuch in Afghanistan:

Die Ministergattin sucht das Gespräch mit Soldatinnen – in sandfarbenen Jeans, Karo-Bluse, Parker und „Ugg“-Boots -, lässt sich von Oberfeldwebel Stefanie ein „Yak“ erklären (gepanzertes Sanitätsfahrzeug), besichtigt die leere Intensivstation des Einsatzlazaretts: „Wenn in Krankenhäusern nichts los ist, ist es ja großartig …“

15. Dezember 2010. Ein Coming-Out:

„Bild“ zitiert Hauptfeldwebel Stefan B. (39), Kunduz: „Für uns war es schön, dass beide bei uns waren. Frau zu Guttenberg war sozusagen stellvertretend für unsere Freundinnen, Frauen und Mütter hier.“

„Bild“ fragt bei Moderator Johannes B. Kerner nach: „Gab es Reaktionen auf Frau zu Guttenberg?“ Kerner antwortet: „Frau zu Guttenberg war hauptsächlich in Kunduz und wir in Mazar-e-Sharif. Mir haben zwei Soldatinnen gesagt, dass sie es gut finden, dass die Ministergattin mitgekommen ist. Mehr habe ich nicht gehört.“

17. Dezember 2010. Stephanie zu Guttenberg erklärt, warum sie ein „Herz für Kinder“ hat: „Weil das Lächeln eines Kindes und in diesem Fall meiner eigenen Kinder mit nichts auf dieser Welt aufzuwiegen ist.“

18. Dezember 2010. Stephanie zu Guttenberg wird an der „Bild“-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ teilnehmen. Sie war als Projekt-Patin im Oktober in ein Waisenhaus nach Nepal gereist.

20. Dezember 2010. Stephanie zu Guttenberg hat an der „Bild“-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ teilgenommen.

SIE kämpfte für den guten Zweck, ER kam direkt aus dem Krieg dazu …

DIE GUTTENBERGS.

Millionen TV-Zuschauer sehen im ZDF eine Stephanie zu Guttenberg (34), die sich leidenschaftlich für verstoßene und missbrauchte Kinder in Nepal einsetzt. (…)

Nach ihrem bewegenden Auftritt fällt Stephanie zu Guttenberg dann auch ihrem Mann in die Arme. Sie küssen sich innig.

Kurz nach ein Uhr gehen die Guttenbergs — Hand in Hand.

Power-Paar: Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg. SIE in einem eleganten Kleid von Rena Lange. ER direkt vom Flughafen — noch im Afghanistan-Outfit.

(Übersicht möglicherweise unvollständig. Alle Artikel ausschließlich aus der gedruckten werktäglichen „Bild“-Zeitung. Auf Bild.de ist das Korpus natürlich größer.)

Soldatensender Powerplay


(„Bild“-Eigenwerbung aus dem Jahr 2006)

Wir unterbrechen unser Programm für eine wichtige Nachricht: Die ARD hat die Ausstrahlung ihres Programms über den Satelliten Hotbird/Eutelsat eingestellt. Am 8. Juni 2010.

Was sagen Sie? Das sei keine wichtige Nachricht — und vor allem keine aktuelle? Na, da kennen Sie aber „Bild“ und Bild.de schlecht.

So berichtet Bild.de seit gestern über die mehr als sechs Monate zurückliegende (und noch viel länger angekündigte) Abschaltung:

Truppe guckt in die Röhre: ARD sperrt TV-Empfang für Soldaten in Afghanistan. 20.12.2010 - 00:29 UHR Das nennt man eine "schöne Bescherung"!

Die ARD, der „Bild“ sonst bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Verschwendungssucht unterstellt, nennt finanzielle Erwägungen als Grund, doch die will Bild.de ausnahmsweise nicht gelten lassen:

Grund für das Aus der ARD: Angeblich ist die Übertragung über den Satelliten „Hot Bird“ zu teuer.

Merkwürdig nur: Die Bundeswehr hat der ARD sogar angeboten, einige Programmteile – Tagesschau und Regionalprogramme aus den Heimatregionen der Soldaten – über ihre eigene Satellitenverbindung nach Afghanistan zu übermitteln.

Das lehnten die ARD-Sender mit Hinweis auf rechtliche Gründe bisher ab.

Dass Bild.de – anders als der ARD – die Rechte am Material Dritter eher egal sind, hat die Seite schon oft genug bewiesen.

Klar, dass die Empörung nicht lange auf sich warten ließ:

Kein TV-Empfang für Afghanistan-Soldaten: BILD.de-Leser sauer auf die ARD. "Da setzen die Männer für uns und andere ihr Leben ein und werden auch noch mit gesperrtem TV bestraft."

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Bild.de nicht länger mit einseitiger Berichterstattung auf — jetzt wurde schlicht gelogen:

Keine Christvesper, keine Christmette und schon gar keine Tagesschau für die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan!

Denn: Die ARD stellt die Ausstrahlung ihres Programms am Hindukusch ein. Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten!

(Hervorhebung von uns.)

Noch am Nachmittag hatte sich die ARD bemüht, über Pressemitteilungen ihre Entscheidung zu verteidigen, und erklärt:

Die Berichterstattung über den Fernsehempfang für Soldaten in Afghanistan sorgte heute für einige Irritationen und erweckt in weiten Teilen einen falschen Eindruck.

Die Ausstrahlung von Das Erste über den Satelliten Hotbird/Eutelsat wurde bereits im Juni 2010 eingestellt, da die Nutzung dieses zusätzlichen Angebots in Deutschland kaum noch nachgefragt wird. Auch wirtschaftliche Gesichtspunkte waren angesichts der Sparbemühungen für diese Entscheidung ausschlaggebend. Für eine weitere Ausstrahlung über Hotbird/Eutelsat hätte die ARD einen Betrag von knapp einer Million Euro pro Jahr zahlen müssen.

Außerdem falle eine Versorgung außerhalb Deutschlands eh nicht in den Aufgabenbereich der ARD:

Für den Auslandsrundfunk hat der Bundesgesetzgeber eigens die Deutsche Welle geschaffen. Zudem können ARD-Angebote auch über das Internet genutzt werden, etwa über www.tagesschau.de oder die Mediatheken.

Den drei „Bild“-Reportern, die da bereits an einem großen Artikel arbeiteten, war diese Stellungnahme freilich egal: Rolf Kleine, Paul Ronzheimer und Guido Brandenburg veröffentlichten heute einen großen Seite-2-Artikel, der die selbst geschürte „Riesenwut auf die ARD“ aufgriff.

Riesenwut auf die ARD! 5,3 Mrd. Euro Gebühren – aber bei den Afghanistan-Soldaten wird gespart

Politiker wie der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier; der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP); der CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck; der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und der FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen dürfen sich lautstark über die Abschaltung empören und werden damit bewusst oder unbewusst zu Kronzeugen der „Bild“ Kampagne. Im Büro des Wehrbeauftragten Königshaus sagte man uns, man wisse natürlich seit Juli von der Abschaltung, freue sich aber über die Aufmerksamkeit, die bisher ausgeblieben sei.

Rolf Kleine, auch sonst nicht für ruhige Töne bekannt, erklärt in seinem Kommentar:

Kleine sieht seine Chance gekommen, eine direkte Brücke von den ARD-losen Soldaten hin zu den (laut „Bild“ ja eh schon immer viel zu hohen) Gebühren zu schlagen, und betätigt sich als Milchmädchen:

Was machen die ARD-Gewaltigen eigentlich mit den Gebühren-Milliarden, die wir ihnen Jahr für Jahr in die Kassen spülen – wenn am Ende nicht mal 300000 Euro für die Übertragung nach Afghanistan übrig sind? Denn die restlichen 700000 Euro zahlen die Soldaten mit ihren GEZ-Gebühren ohnehin selbst.

Nun zahlen die Soldaten ihre „GEZ-Gebühren“ natürlich primär für die Erstellung von Inhalten bei den Radio- und Fernsehprogrammen von ARD, ZDF und Deutschlandfunk und nicht ausschließlich, um damit die Übertragung des ARD-Fernsehprogramms zu finanzieren.

Kleine verkündet:

Aus Solidarität mit unseren Soldaten schmeißt BILD heute das ARD-TV-Programm raus! Wir sind sicher: Unsere Leser sind genauso empört über die ARD wie wir!

Dabei muss man sich jetzt nicht vorstellen, dass ein armer Praktikant die ARD aus den Redaktionsfernsehern bei „Bild“ löschen musste — „Bild“ war viel pragmatischer:

Warum die Solidarität von „Bild“ ein halbes Jahr auf sich warten ließ, wissen wir nicht. Vielleicht wollte die Zeitung ihrem Liebling Karl-Theodor zu Guttenberg mal wieder Gelegenheit bieten, sich zu profilieren — oder es handelt sich um die Rache für die brandneue iPhone-App der „Tagesschau“, die viele Verleger als „Wettbewerbsverzerrung“ empfinden.

Mit Dank an K.N., noir, Matthias B., Peter, Sebastian D., André H. und Alex F.

Nachtrag, 16.10 Uhr: Dafür wird sich „Bild“ morgen sicher noch gebührend feiern:

Afghanistan-Soldaten können ARD sehen. Stuttgart – Die Versorgung der Afghanistan-Soldaten mit ARD-Programm ist gesichert. Die ARD hat sich in einer Blitzaktion darum gekümmert, dass die Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan noch vor Weihnachten das bereits seit Juni 2010 nicht mehr über den Eutelsat-Satelliten abgestrahlte ARD-Programm wieder empfangen können. Dazu wurde eine Sondervereinbarung mit dem Satelliten-Betreiber SES-Astra in Luxemburg geschlossen, der bereits seit Jahren die Satellitenverbreitung für sämtliche ARD-Landesrundfunkanstalten gewährleistet. ARD-Vorsitzender Peter Boudgoust: "Wir hatten bereits geraume Zeit nach Lösungen für dieses komplexe juristische Problem gesucht und können nun gemeinsam mit SES Astra eine kostenneutrale Lösung präsentieren, die schnell und unbürokratisch das gewünschte Ergebnis bringt."

Geht ‘ne Journalistin zum Arzt …

Der Begriff „Symbiose“ bezeichnet die Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist. Zu einer Symbiose kann es nicht nur im Tier- und Pflanzenreich kommen (z.B. Clownfisch und Anemone), symbiotisch scheint auch das Verhältnis zwischen der Stuttgarter „Bild“-Reporterin Alexandra zu Castell-Rüdenhausen und dem Stuttgarter Arzt Dr. Bernd Kölmel zu sein, der aktuell Schlagzeilen mit seiner launigen Einstellung gegenüber älteren Patienten macht:

Arzt genervt von Alten: "Ich kann das Gejammer der Rentner nicht mehr hören"

Der Internist, der bereits 65 Jahre alt ist und damit selbst irgendwie zu den „Alten“ gehört, die ständig in der Arztpraxis sitzen, jammert als „erster Arzt“ über das Gejammer der Rentner:

Mir gehen die Alten oft auf den Keks. Morgens sitzen sie schon früh im Wartezimmer und führen sich auf, als wären sie beim Kaffeeklatsch. Viele von ihnen kommen aus Langeweile. Im Fernsehen läuft morgens noch nichts. Für den Tratsch auf der Straße ist es zu kalt.

Dieser Tonfall zieht sich durch den ganzen Artikel. Am Ende erklärt Kölmel noch:

Früher hatte ich noch den Lesezirkel abonniert. Da gab es zur Unterhaltung auch noch kostenlose Zeitschriften. Wie beim Friseur. Als ich die abbestellt hab, haben sich die Patienten tatsächlich beschwert …

Die Abrechnung mit alten Patienten, die auch noch einen Folgeartikel über die nun wegen Kölmel verärgerten Rentner und sogar einen Kommentar von Gesundheitsminister Philipp Rösler im „Deutschen Ärzteblatt“ nach sich zog, ist jedoch nicht das erste Beispiel der erfolgreichen Symbiose zwischen Journalistin mit Schlagzeilendruck und Arzt mit gesteigertem Mitteilungsbedürfnis. Alexandra zu Castell-Rüdenhausen und Dr. Bernd Kölmel sind schon seit Jahren ein eingespieltes Team.

Bereits im Mai 2007 mockierte sich Kölmel gegenüber zu Castell-Rüdenhausen nicht nur über Alte, sondern über unpünktliche, zahlungsunwillige, besserwisserische, faule und stinkende Patienten im Allgemeinen:

Ärzte schlagen zurück ++ Viele Patienten sind unpünktlich ++ Sie wissen alles besser ++ Manche müffeln nach Schweiß und alten Socken ++

Im März 2009 gestand Dr. Bernd Kölmel laut „Bild“ als „erster Arzt“, er nehme Vorkasse, bevor er bestimmte Patienten behandele:

Erster Arzt gesteht: Ich nehme Vorkasse

Im August 2009 verkündete Kölmel – selbstverständlich als „erster Arzt“ – gegenüber Frau zu Castell-Rüdenhausen, Stuttgart sei der Schweinegrippe nicht gewachsen:

Stuttgart ist der Seuche nicht gewachsen ...klagt dieser Arzt die Behörden an

Kölmel selbst stellte zur Sicherheit ein Schild auf mit den Worten: „Patienten, die eine Schweinegrippe bei sich für möglich halten, haben keinen Zutritt zur Praxis…“ Außerdem kritisierte er das baden-württembergische Gesundheitsministerium wie folgt:

Ich hole mir derzeit meine Infos aus der BILD. Vom zuständigen Ministerium kommt nichts. Das ist skandalös.

Das ist praktisch, denn zur Schweinegrippen-Panikberichterstattung von „Bild“ trug Kölmel fleißig selbst mit bei. Im September 2009 tauchte er in einem weiteren Artikel der Stuttgarter Regionalausgabe von „Bild“ – natürlich von Alexandra zu Castell-Rüdenhausen – auf:

Es kommt noch schlimmer! Internist Dr. Bernd Kölmel (62) warnt: „Eine große Erkrankungswelle steht unmittelbar bevor.“ Er erklärt, warum: „Die Ferien sind zu Ende, fast alle Verreisten aus dem Urlaub zurück.“ Viele davon könnten das Schweingerippe-Virus aus anderen Ländern (z.B. Spanien) mitgebracht haben. Außerdem, so der Arzt: „Das Wetter wird schlechter. Regen, kühler Wind. Damit steigt die Infektanfälligkeit.“ Und dann die Feste. Kölmel: „Weindorf und Cannstatter Volksfest sind guter Nährboden für die Viren. Überall, wo Menschenansammlungen sind, besteht sehr große Ansteckungsgefahr.“

Wann Dr. Kölmel endlich genug von lästigen Patienten hat und selbst in Rente geht und mit wem Frau zu Castell-Rüdenhausen (bekannt auch für Schlagzeilen wie „Darum ging mein Mann mit
meiner Mama in den Swinger-Club“
) dann eine neue Symbiose eingeht, werden wir sicher erfahren. In „Bild“ natürlich, wo sonst?

Mit großem Dank an Ralf M.

Nachtrag, 20. Dezember: Zahlreiche Leser haben uns auf Diskrepanzen bei Kölmels Alter hingewiesen. Der Fehler liegt bei „Bild“: Kölmel war 2007 62 Jahre alt und ist heute 65. 2009 hatte „Bild“ lediglich vergessen, Kölmels Alter anzupassen, weswegen er immer noch als 62-jähriger angeführt wurde.

Bild  

Winter-Einbruch bei Claus-Erich Boetzkes

Gleich drei BILDblog-Einträge zum Preis von einem hat sich die Hamburger Regionalausgabe von „Bild“ mit einem Artikel über einen Einbruch beim Nachrichtensprecher Claus-Erich Boetzkes verdient.

Da wäre zunächst die Kategorie „Der lustige Verschreiber“, verbunden mit der Frage, welche einstigen „Popstars“-Gewinner wohl inzwischen aus finanziellen Gründen auf Diebstähle angewiesen sind:

Diesen Advents-Nachmittag wird "Tagesschau"-Sprecher Claus-Erich Boetzkes (54) so schnell nicht vergessen! Eine Mädchenband brach seine Wohnung an der Oderfelder Straße auf, klaute wertvollen Erbschmuck seiner Frau!

Weniger lustig:

Nachbarn hatten gegen 16.30 Uhr drei junge Frauen (vermutlich Südländerinnen) gesehen, die aus der Wohnung des Ehepaars flüchteten.

Da steht „Bild“ mal wieder knietief in der Kategorie „Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex“, der bei Berichterstattungen über Straftaten dazu aufruft, die ethnische Zugehörigkeit der Verdächtigen nur dann zu erwähnen, wenn sie in einem Zusammenhang mit der Tat steht.

Und dann ist da noch der erstaunliche Umstand, dass Norbert „Das Markenlexikon“ Körzdörfer offenbar auch noch einen Satz für den Artikel beisteuern durfte:

Auch bei Nachbarn des "Tagesschau"-Sprechers wurde schon eingebrochen, in einer der Wohnungen wurden Schmuck, Louis- Vuitton-Taschen und Gucci-Schuhe geklaut.

Mit Dank an Christoph A. und Alex F.

Super-Schurke Wikileaks

Wikileaks bestimmt noch immer die Schlagzeilen. Doch heute bekommen die Enthüllungen auf der Plattform selbst kaum Raum, vielmehr konzentriert sich die redaktionelle Aufmerksamkeit ganz auf den „Hacker-Krieg“ um die Enthüllungsplattform. Die lose Gruppierung „Anonymous“ hat zu Attacken auf vermeintliche Wikileaks-Feinde aufgerufen — und tatsächlich waren einige Webseiten für kurze Zeit nicht erreichbar.

Grund genug für Bild.de, drängende Fragen zu stellen:

Kristinn Hrafnsson – die Nummer 2 bei Wikileaks - Steuert dieser Isländer den Cyberkrieg?

Die Antwort jedoch enthält Bild.de seinen Lesern vor. Dass beide Gruppierungen betonen, keine direkte Verbindungen untereinander zu haben und dass „Anonymous“ bereits zahlreiche andere Kampagnen durchgeführt hat, kommt weder in diesem, noch in den zwei anderen Artikeln zum Thema vor.

Stattdessen hat Bild.de ganz exklusiv erfahren wie teuer die Aktionen der „Wikileaks-Hacker“ sind:

"Die negativen Begleitfolgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind sehr ernst zu nehmen", so Fritsche. "Vertrauensverluste, Arbeitplatzverluste für Arbeitnehmer oder Wettbewerbsverzerrungen."  Den möglichen Schaden der Wikileaks-Angriffe würden Experten auf 20 bis 50 Milliarden Euro schätzen.

Die Zahl ist besonders beeindruckend, wenn man berücksichtigt, dass keine der bisher angegriffenen Organisationen ihren Sitz in Deutschland hatte. Die Schäden in den Ländern, die tatsächlich Ziel der Angriffe waren, müssen in die Trillionen gehen.

Oder auch nicht. Bei den Kollegen von „Welt Online“ klingt es nämlich ganz anders:

Aber auch ohne Wikileaks sind deutsche Unternehmen seit Jahren in höchstem Maße durch Computerspionage gefährdet. Grobe Schätzungen sprechen von Schäden in Höhe von 20 bis 50 Milliarden Euro jedes Jahr. Laut einer Statistik des Wirtschaftsberatungsunternehmens KPMG wurde jedes vierte deutsche Unternehmen in den letzten drei Jahren Opfer von Cybercrime.

Bild.de hat also mal eben alle digitalen Straftaten in Deutschland auf das publizistische Konto von Wikileaks geschrieben. Weitere Exklusiventhüllungen um den Super-Bösewicht „Dr. Leaks“ lassen damit bestimmt nicht lange auf sich warten.

Warum Assanges Aktivitäten so überaus verwerflich sind, erklärt Profi-Rechercheur ”Bild“-Kolumnist Ernst Elitz heute in einem Kommentar:

Journalismus wägt ab und gräbt tiefer, denn er weiß: Die Wahrheit liegt meist unter der Oberfläche. Der Journalist will die Welt erklären. Assange will nur bloßstellen und Vertrauen zwischen den Staaten zerstören. Damit erklärt er sich selber zum Staatsfeind.

Zum Staatsfeind wird man also, wenn man keinen ordentlichen Journalismus betreibt, die Wahrheit unter der Oberfläche ignoriert und nur bloßstellen will. Wenn es danach geht, müsste Elitz eigentlich in Kürze zum Einsatz der Bundeswehr gegen Bild.de aufrufen.

Mit Dank auch an Alex.

Kanak Sprak

Heute wurden die Ergebnisse einer neuen PISA-Studie vorgestellt, die sich vor allem mit der Lesekompetenz der Schüler beschäftigt. Grund genug für Bild.de, den Chef des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, zu dem Thema zu befragen.

Meidinger sagt, dass der relativ hohe Migranten-Anteil an unseren Schulen „mitverantwortlich“ für das schlechte Abschneiden der Deutschen sei. Er bemängelt „die gescheiterte Integrationspolitik in Deutschland, die über mehr als zwanzig Jahre lang versäumt hat, das Problem der Sprachkenntnisse bei Einwanderern zu thematisieren und systematisch anzugehen“, fordert eine flächendeckende Sprachförderung von Kleinkindern und hebt den Einfluss des Elternhauses hervor:

Doch in vielen Einwanderer-Familien sei „die Sprachkompetenz der Eltern noch schlechter als die ihrer Kinder“.

Das führt laut Meidinger im Ergebnis dazu, dass Kinder aus sozial schwachen, bildungsfernen Migranten-Familien deutlich schlechtere Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss haben als Kinder aus sozial bessergestellten, bildungsnahen Familien. „Dasselbe gilt natürlich auch für Kinder ohne Migrationshintergrund“, sagt der Bildungs-Experte weiter.

Also alles in allem durchaus differenzierte Antworten, die der „Bildungs-Experte“ da gegeben hat. Bild.de fasst seine Aussagen so zusammen:

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Philologen-Chef Heinz-Peter Meidinger: Migranten ziehen Pisa-Ergebnisse nach unten

In der gedruckten „Bild“ war für Ausdifferenzierungen dann gar kein Platz mehr:

Philologen-Chef: Migranten ziehen Pisa-Ergebnisse nach unten. Berlin - Die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie belegen, dass deutsche Schüler besonders bei der Lesekompetenz schlecht abschneiden. Der Chef des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger, sagte BILD.de: "Der relativ hohe Migranten-Anteil an unseren Schulen ist mitverantwortlich für das schlechte Ergebnis der Deutschen bei der Pisa-Studie." Für den Bildungs-Experten sind vor allem "ihre Sprachdefizite das Problem".

Mit Dank an Vincent und Christian S.

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