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Hauptsache Nazi!

Es ist eine Geschichte, wie sie sich Hollywood-Drehbuchautoren kaum besser ausdenken könnten:

Jude tarnt sich als Neonazi und überführt SS-Mörder

Warum „Bild“ die Geschichte des Amerikaners Mark Gould, der den Mörder seiner Familie, SS-Obersturmbannführer Bernhard Frank, aufgespürt haben will, ausgerechnet gestern brachte, ist nicht ganz klar: Gould hatte seine Dokumentation bereits im Dezember 2010 auf einer Pressekonferenz in New York vorgestellt.

Die Weltpresse reagierte damals skeptisch: Der Historiker Guy Walters bezweifelte, dass Bernhard Frank bei der Unterzeichnung einer Anordnung zur Erschießung weißrussischer Juden eine so große Rolle gespielt habe, wie Mark Gould der Öffentlichkeit weismachen wollte. Der „Guardian“-Kommentator Efraim Zuroff schrieb gar, Franks Aufgabe sei es gewesen, die Wortwahl des Dokuments auf ihre Übereinstimmung mit der Nazi-Ideologie zu überprüfen. Zuroff zweifelte auch an den Motiven von Gould und wirft ihm vor, gefährlich lange gewartet zu haben, bis er mit den Vorwürfen gegen den inzwischen 97-jährigen Deutschen an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Es wirft Fragen auf, dass Bernhard Frank jahrzehntelang unbehelligt unter seinem richtigen Namen in Deutschland leben, in Fernsehsendungen über das Dritte Reich auftreten und sogar seine Memoiren veröffentlichen konnte, ohne dass die Behörden auf den angeblichen Kriegsverbrecher aufmerksam wurden.

Die „New York Times“, die ebenfalls schon im Dezember über den Fall berichtet hatte, zitierte Kurt Schrimm, Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen dahingehend, dass Franks Name zwar in den Archiven auftauche, aber nie in Verbindung mit Kriegsverbrechen.

Andere Nazi-Experten sagten auch, dass Herr Frank nicht mit Kriegsverbrechen in Verbindung steht.

(Übersetzung von uns.)

Auch wenn es keinen Zweifel an Bernhard Franks SS-Mitgliedschaft geben kann (er beschreibt sie selbst ausführlich in seinem Buch), so bleiben Mark Gould und „Bild“ doch brauchbare Belege für die Darstellung als „SS-Mörder“ schuldig.

Vor allem aber ist die schöne „Bild“-Überschrift, die mal mehr, mal weniger frei von anderen Medien aufgegriffen wurde, eine Ente: Mark Gould hatte der „New York Times“ erzählt, dass er eine „weit verzweigte jüdische Familie“ habe, weil seine Mutter einen jüdischen Mann geheiratet habe, der ihn adoptiert habe. Er selbst ist aber gar kein Jude.

Mit Dank an Thomas T., David P., Torsten S. und Marco.

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Dr. Albern

Am gestrigen Samstag erklärte „Bild“ erstaunlich offen, wie sie die Entscheidung des Bundesverteidigungsministers findet, im Amt bleiben zu wollen:

Gut! Guttenberg bleibt!

Es ist nicht das erste Mal, dass „Bild“ die Rechtmäßigkeit erworbener Doktortitel auf der Titelseite thematisiert:

25. August 2007:

Verlierer

Der CDU-Kandidat für die OB-Wahl in Landau (Rheinland-Pfalz) soll aus der Partei ausgeschlossen werden! Gegen Kai Schürholt (35) ermittelt die Staatsanwaltschaft. Er soll sich seinen Doktortitel in Theologie erschlichen haben. Die CDU kann keinen Ersatzkandidaten mehr für die Wahl (2. September) aufstellen.

BILD meint: Dr. Lüg!

19. Februar 2009:

Verlierer

Wer hat da wohl wen beschummelt? Der Kölner Kulturpolitiker „Dr. rer. pol.“ Hans-Georg Bögner (54, SPD) verzichtet ab sofort darauf, seinen Doktortitel der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu führen. Er habe erfahren, „dass mit meiner Promotion etwas nicht in Ordnung ist“. Genauer wollte sich Bögner nicht äußern.

BILD meint: Dr. Seltsam!

24. Juli 2009:

Verlierer

Er ist jung, er ist ehrgeizig – und er hat ein Problem: Niels Neu (35), Vizechef der CDU in Nordhausen (Thüringen), musste seinen Personalausweis bei der Stadt abgeben, weil er verdächtigt wird, einen falschen Doktortitel zu führen. Recherchen hätten ergeben, dass er nicht wie behauptet an der Universität von Warschau promoviert hat.

BILD meint: Dr. Schummel?

6. Februar 2010:

Verlierer

Als Dr. Dieter Jasper (47) zog er bei der Bundestagswahl im September aus Steinfurt (NRW) ins Parlament ein. Jetzt kommt heraus: Der CDU-Abgeordnete darf in Deutschland gar keinen Doktortitel führen, er hatte ihn an einer umstrittenen Uni in der Schweiz erworben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die SPD will eine Wahl-Anfechtung.

BILD meint: Dr. Schwindel!

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Der Tod steht ihr gut

„Bild“ verblüfft immer wieder. Gefühlte 100 Artikel über den Tod von „Sexy Cora“ (BILDblog berichtete) und ein ausführlicher Bericht über die Premiere des St.-Pauli-Films „Gegengerade“ am Mittwoch konnten nicht verhindern, dass heute in der Hamburger „Bild“ folgende Unglaublichkeit steht:

Punker, Kiez-Größen und Pauli-Fans drängten sich (auch ohne roten  Teppich). Aßen rustikal Döner, tranken schon mal Korn aus der Flasche.  Mittendrin: Filmlegende Mario Adorf, Porno-Sternchen Sexy Cora sowie  Claude-Oliver Rudolph (im Leo-Mantel), die beide im Film mitspielen.

Auf Bild.de, wo „Porno-Sternchen Sexy Cora“ auch noch mit einem Link versehen war, der höchstwahrscheinlich auf Nachrichten über ihren Tod führte, wurde diese Stelle inzwischen unauffällig korrigiert.

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 18. Februar: Heute in der Hamburger „Bild“:

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Dr. Wagner and Mr. Guttenberg

Es sieht nicht gut aus für den Mann mit der titanischen Beliebtheit im Polit-Barometer, die Lichtgestalt, den potentiellen Ministerpräsidenten von Bayern und Kanzler von Deutschland — also für den Liebling der „Bild“-Zeitung, Karl-Theodor zu Guttenberg: In seiner Doktorarbeit finden sich immer mehr Stellen, die ohne Hinweis aus anderen Quellen übernommen wurden.

Doch Hilfe naht in Gestalt von Franz Josef Wagner, der einen „Sumpf der Eifersucht“ wittert und von einer „Jagd auf Guttenberg“ spricht. Er schreibt dem „lieben Dr. Guttenberg“:

Die Plagiatsvorwürfe sollen Sie zu einem Taugenichts reduzieren, einem Abschreiber, einem Betrüger. (…)

Ich habe keine Ahnung von Doktorarbeiten. Ich flog durchs Abitur und habe nie eine Universität von innen gesehen. Also, ich kann von außen sagen: Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.

Das ist bemerkenswert, denn vor ziemlich genau anderthalb Jahren hatte Wagner noch recht exakte Ansichten zu Doktortiteln. Damals wurde gegen rund 100 Professoren wegen des Verdachts ermittelt, Doktortitel gegen Geldzahlungen vergeben zu haben, und Wagner erklärte den „Uni-Luschen“:

Sich einen falschen Busen oder falsche Haare auf die Glatze einpflanzen zu lassen, ist nicht unmoralisch. Sich ein falsches Gehirn einpflanzen zu lassen, muss per Gesetz bestraft werden. Ein Doktortitel ist kein Busen, kein Facelifting und keine Straffung des Popos.

Der Doktortitel war einmal das Edelste der forschenden Studierenden. Wenn der Doktortitel heute verramscht wird, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Nobelpreise andere kriegen. Der Doktortitel war früher ein Juwel, er ist heute Blech. Er ist für Geld zu kaufen.

Wann genau Wagner seine Ansichten geändert hat, ist auch diesmal nicht bekannt.

Mit Dank an Ralf M. und die vielen anderen Hinweisgeber.

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Die verlorene Ehre des Abu A.

Am Samstag berichtete die Münchner Ausgabe von „Bild“ über die Freilassung eines Imams nach 80 Tagen U-Haft:

Nach den schweren Prügel-Vorwürfen Münchner Imam ist wieder frei!

Er war über zwei Monate in U-Haft. Wurde von einer seiner drei Frauen schwer belastet. Doch jetzt hat Shaza H. (31) überraschend ihre Aussage widerrufen! Und Imam Abu A. (40) ist wieder ein freier Mann. Kuriose Wendung einer von Beginn an rätselhaften Geschichte…

Die Formulierung „kuriose Wendung einer von Beginn an rätselhaften Geschichte“ ist vielleicht der klägliche Versuch einer Erklärung, warum „Bild“ bei der Berichterstattung über diesen Fall in den letzten Monaten die Unschuldsvermutung, die gelten muss, solange die Schuld eines mutmaßlichen Täters nicht bewiesen ist, nicht nur missachtet, sondern mit Füßen getreten hat.

Alles begann am 2. Dezember 2010, als „Bild“ titelte: „Islamischer Friedens-Prediger bricht seiner Dritt-Frau die Knochen – Mitten in Deutschland!“. Auf Bild.de sah das so aus:

Ehefrau verprügelt Imam bricht seiner Dritt-Frau die Knochen Islamischer Friedens-Prediger als böser Knochenbrecher in U-Haft

Da Islam-Bashing zu der Zeit im Zuge der Sarrazin-Nachwehen ohnehin noch besonders en vogue war, las sich der dazugehörige Artikel so:

„Die Frauen, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.“
(Koran, 4. Sure, Vers 34)

München – Tiefe dunkle Augen, langer Bart, Kopfbedeckung, weites Gewand. Der Münchner Imam Abu A. (40) sieht aus wie Massenmörder Osama bin Laden. Doch Abu A. gilt als „schillernde, friedliebende Figur“ und gern gesehener Gast bei Integrationsrunden.

JETZT SITZT DER VORZEIGE-IMAM IM KNAST! VERHAFTET ALS MUTMASSLICHER FRAUENSCHLÄGER!

Von diesem Zeitpunkt an war Abu A. bei „Bild“ nur noch der „Prügel-Prediger“. Und dann waren da ja auch noch die alles andere als klassischen Familienverhältnisse des Imams: Am 3. Dezember berichtete „Bild“ München, als wäre es in Deutschland verboten, zehn Kinder zu haben und dafür Kindergeld zu beziehen:

10 Nachkommen! Abu A. (40) hat Anspruch auf 1900 Euro Kindergeld Die Akte des Prügel-Predigers

Abu A. lebt mit seinen drei Frauen und zehn Kindern zusammen, für sie kassiert er fast 1900 Euro monatlich.

Am 4. Dezember war Abu A. nicht mehr nur „Prügel-Imam“, sondern sogar der „Prügel-Imam!“ mit Ausrufezeichen:

Prügel-Imam! Zoff mit Frau um die Kinder Die Eltern stritten sich um das Sorgerecht

Das mutmaßliche Opfer hingegen war bei „Bild“ einfach nur „sein Opfer“:

Sein Opfer ist mit den beiden Kindern an einem geheimen Ort abgetaucht.

Nach einem weiteren Artikel vom 15. Dezember mit dem Titel „Prügel-Imam: Abu A. muss weiter in Haft bleiben“ holte „Bild“ kurz vor Jahresende noch einmal zum Schlag aus:

Jetzt fordert er Freilassung aus dem Gefängnis: Opfer des Prügel-Imam flüchtet aus München! München - Seine Brutalität und Gewalt gegenüber einer seiner drei Frauen brachten Imam Abu A. (40) vor einem Monat in die JVA Stadelheim.

Damit es sich die Gomolkas, Arbingers, Kiewels, Kürthys, Wittmanns und wie sie bei „Bild“ alle heißen, ein für allemal hinter die Ohren schreiben können, hier noch einmal Ziffer 13, Pressekodex:

Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.

Und die Richtlinie 13.1:

(…) Die Presse darf eine Person als Täter bezeichnen, wenn sie ein Geständnis abgelegt hat und zudem Beweise gegen sie vorliegen oder wenn sie die Tat unter den Augen der Öffentlichkeit begangen hat. (…) Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines „Medien-Prangers“ sein. Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld ist in der Sprache der Berichterstattung deutlich zu unterscheiden.

Das Ermittlungsverfahren gegen Abu A. läuft noch, doch ein dringender Tatverdacht besteht nicht mehr. Egal, wie es juristisch noch weitergeht: „Bild“ hat gegen den Pressekodex verstoßen und billigend in Kauf genommen, den Ruf eines Unschuldigen zu zerstören.

Es wäre nicht das erste Mal.

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Wagners Beste

Seit der Verleihung der „Goldenen Kamera“ am Samstagabend scheint es im deutschen Medienbetrieb nur noch ein Thema zu geben: Das Comeback der TV-Moderatorin Monica Lierhaus nach einer schweren Krankheit.

Auch Franz Josef Wagner nahm sich ihrer Geschichte an und schrieb an die „liebe Monica Lierhaus“:

Sie waren die beste Sportreporterin, cool, frech. (…)

Ich denke, dass Sie heute die noch bessere Monica Lierhaus sind. Die wahre. Die coole. Die Fighterin.

Zu dieser Einschätzung muss Wagner in den letzten Jahren gekommen sein — im Juni 2006 hatte er anlässlich der Fußball-WM nämlich noch eine ganz andere Meinung über Frau Lierhaus’ Qualitäten als Sportreporterin:

Liebe Monica Lierhaus,

in dem Drama „22 Männer und ein Ball“ sind Sie, offen ins Gesicht gesagt, eine Fehlbesetzung. In Serien wie „Die Augenchirurgin“ oder „Die Gletscherforscherin“ wären Sie wunderbar. Auch als Expertin für die Bauchspeicheldrüse würden Sie eine gute Figur abgeben. Ihr Fußballgeplapper dagegen ist unterirdisch.

Für mich haben Sie die Stimme einer Sparkassenangestellten. Ich denke nicht, daß Ihnen ein Spieler erzählt, wie verzweifelt er ist. Ich denke, daß man einer strengen Frau wie Ihnen überhaupt nichts erzählt.

Wagner schloss damals mit den Worten „Man sagt, Frauen können alles. Auch Fußball?“. Seit wann genau er diese Frage mit „Ja“ beantwortet, ist nicht überliefert.

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Da ist die Tür!

Mit dem Verständnis von juristischen Themen (Menschenrechts-Chartas, Gesetze, Strafprozessordnungen) haben sie’s bei „Bild“ nicht so. Was spätestens dann ein bisschen blöd wird, wenn die Zeitung über juristische Themen zu berichten versucht.

Heute sieht das Ergebnis so aus:

Kachelmann-Prozess: Richter wirft Alice Schwarzer aus dem Gerichtssaal.
Jörg Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn hatte bei der Zeugenaussage einen Sachverständigen gefragt, ob dessen Rechtsbeistand eine Empfehlung von Alice Schwarzer gewesen sei. Der Sachverständige hatte verneint und betont, keinen Kontakt mit der Feministin gehabt zu haben. Schwenn beantragte daraufhin die Vernehmung der „Bild“-Gerichtsreport-Praktikantin als Zeugin.

Oder, wie „Bild“ es heute formuliert:

Dann wendet Schwenn sich triumphierend der Journalistin zu: „Das bedeutet, dass es mit der Beobachterrolle der Zeugin Schwarzer ein Ende hat.“

Nur Sekunden später fordert Richter Michael Seidling die „Emma“-Herausgeberin zum Gehen auf: „Frau Schwarzer, ich darf Sie bitten, den Saal zu verlassen, weil Sie als Zeugin in Betracht kommen.“

DER RICHTER WIRFT ALICE SCHWARZER AUS DEM SAAL!

Laut Strafprozessordnung darf sie nicht mehr im Zuschauerraum sitzen – bis über den Antrag von Schwenn entschieden ist.

Der letzte Satz ist richtig — und lässt die Empörung im vorherigen Satz und der Überschrift um so alberner wirken. Nach ihrer möglichen Zeugenaussage (bei der sie als Journalisten noch dazu vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen dürfte), dürfte Schwarzer dann wieder ganz normal im Zuschauerraum Platz nehmen.

Alice Schwarzer lässt sich von „Bild“ mit den Worten zitieren, das Ziel von Kachelmanns Anwalt sei es, „alle Journalisten im Saal loswerden, die ihm nicht passen“.

Das mag sein. Aber dass man nicht unbedingt im Saal sein muss, um über den Prozess zu berichten, müsste Frau Schwarzer selbst doch am besten wissen.

Mit Dank an noir, spot, Robert W., Sebastian A. und Tim G.

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Leserreporter im Staatsdienst

Eine häufig gestellte Frage im Bezug auf exklusive (also: tatsächlich exklusive, nicht „exklusive“) Veröffentlichungen von „Bild“ lautet: Wie kommen die immer an so was dran?


Beim Foto des mutmaßlichen Mörders eines zehnjährigen Grefrathers, das „Bild“ heute fast lebensgroß wie eine Jagdtrophäe zeigt, hat die Polizei Mönchengladbach die Frage am Nachmittag beantwortet:

Bei dem in der heutigen Ausgabe einer Boulevard-Zeitung veröffentlichten Foto des ermittelten Tatverdächtigen Olaf H. handelt es sich um ein Polizeifoto.

Offensichtlich wurde das Foto von einem Polizeibeamten widerrechtlich an die Redaktion weitergereicht.

Eine Überprüfung habe ergeben, dass das Foto „zweifelsfrei“ aus einer erkennungsdienstlichen Behandlung des Tatverdächtigen stamme und in einer polizeiinternen Datenbank abgespeichert war. Nun werde intern wegen Geheimnisverrats ermittelt.

„Bild“ schreibt, der „Killer“ habe Todesangst und sitze daher noch in einer Einzelzelle im Polizeipräsidium Mönchengladbach. Egal, wohin er demnächst verlegt wird: Seine Mithäftlinge werden dank „Bild“ wissen, wen sie vor sich haben.

Bei Bild.de ist das Foto inzwischen verschwunden. Dafür hat es die Meldung über die internen Ermittlungen der Polizei via dpa-Ticker auf die Seite geschafft:

Fall Mirco: Polizei ermittelt in eigenen Reihen

Mit Dank an Dieter und Tobias W.

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„Sie werden bild.de bald nicht vermissen“

Lassen Sie uns kurz erläutern, warum wir Ihnen auf dem iPad BILD künftig nur noch als kostenpflichtige App anbieten.

Das ist ein vielversprechender Anfang. Man bekommt diesen Satz zur Antwort, wenn man bei Bild.de nachfragt, warum man von einem iPad aus — anders als zum Beispiel mit einem PC — die kostenlosen Inhalte von Bild.de nicht aufrufen kann. Die mutmaßliche Standardantwort geht so weiter:

Mit BILD HD ermöglichen wir Ihnen eine neue Art des Nachrichtenlesens, denn wir haben sämtliche Möglichkeiten des iPads ausgenutzt, um Ihnen unsere Inhalte auf komplett neuartige, innovative und unterhaltsame Art erlebbar zu machen. Für ein Premiumprodukt wie das iPad haben wir uns aufgrund der technischen Darstellungsmöglichkeiten klar für die Form einer kostenpflichtigen App entschieden und schränken den Zugriff auf eine kostenlosen Browservariante mit frei zugänglichen journalistischen Inhalten bewusst ein.

Allein im Internet herrscht nach wie vor eine gewisse Erwartungshaltung, dass sämtliche Informationen kostenlos zur Verfügung stehen müssen. Diese angenommene Selbstverständlichkeit ist aus unserer Sicht falsch und ein Irrweg. Attraktive Premiuminhalte sind weder in der analogen Printwelt noch in der digitalen Welt kostenlos verfügbar. Die Erstellung aktueller, exklusiver Inhalte kostet Geld und kann langfristig nur weiter gewährleistet werden, wenn Nutzer bereit sind, für diesen Mehrwert zu bezahlen.

Sie können BILD in vielen verschiedenen Formen lesen, als Zeitung, im Internet, auf Handys und Smartphones, auf Fernsehgeräten und jetzt auch erstmals auf einem Tablet-PC. Auf jeder Plattform und für jede Situation möchten wir Ihnen als Leser die möglichst beste Form bieten, unsere Geschichten zu erleben. Wir sind davon überzeugt, dass sie diese speziell für dieses Gerät entwickelte und aufbereitete Form von BILD schätzen und die normale Browserversion von bild.de schon bald nicht vermissen werden.

Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere neue BILD App testen und sich überzeugen lassen.

Man könnte daraus schließen, dass es sich auch aus Sicht der Axel Springer AG bei Bild.de nicht um ein „attraktives Premiumangebot“ handelt (jedenfalls dann nicht, wenn man es von einem PC aus aufruft), und wer würde dem widersprechen?

Der iPad-Nutzer, der sich bei Bild.de beschwert hatte, fragte noch nach:

Keineswegs habe ich die Erwartung, dass alle Inhalte im Netz frei sein müssten. Ganz im Gegenteil. Ich bin gerne bereit für gut recherchierte Geschichten auch Geld zu bezahlen. Das mache ich auch bei Musik, Filmen und anderem digitalen Content.

Was ich fordere ist nur Gleichberechtigung. Der selbe Content, den sie für den Normalo-Surfer FREI ins Netz stellen, ist für iPad User NICHT FREI verfügbar im Netz. Nur darum geht es.

Eine Antwort bekam er nicht mehr.

Mit Dank an Tobias N.

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