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Was schützt am besten vor Aids? U-Haft!

Eine bekannte Pop-Sängerin ist am Wochenende verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Sexualpartner beim ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV infiziert zu haben.

Man muss, um die Gefahr zu erkennen, die mit der Verhaftung und der Berichterstattung über den Fall verbunden ist, nur das Interview lesen, das „Bild“ mit dem ehemaligen Verfassungsrichter Winfried Hassemer geführt hat:

Welche Strafe droht, wenn ein HIV-Infizierter einen anderen Menschen ansteckt?

Sechs Monate bis zehn Jahre Haft (…).

(…) Was, wenn der Kranke selbst noch nichts von seiner Infektion wusste?

Dann ist es weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit — und wird nicht bestraft.

Es scheint sich also zu lohnen, keinen Test machen zu lassen.

Die Schweizer Organisation der Menschen mit HIV und Aids, LHIVE, warnt allgemein:

Die Strafbarkeit der HIV-Übertragung und damit die Kriminalisierung von Menschen mit HIV und AIDS ist sowohl unwirksam wie auch gefährlich.

Denn wie [das UNO-Programm] UNAIDS festhält, existieren keine Daten, die beweisen, dass das Strafgesetz die HIV-Übertragung verhindert. Die Kriminalisierung der HIV-Übertragung kann zudem dazu führen, dass Menschen es vorzie­hen, aus Angst vor Repressionen ihren HIV-Status zu ignorieren.

Tatsächlich warnt UNAIDS ausdrücklich davor, im Zusammenhang mit der Übertragung von HIV übermäßig auf das Strafrecht zu setzen.

Viele der Schlagzeilen von heute sind gleich doppelt perfide. Zum einen erwecken sie den Eindruck, Safer Sex sei nur etwas für HIV-Positive und nicht für alle. „Bild“ lässt ausführlich einen Mann zu Wort kommen, der angeblich Sex mit der Sängerin hatte und erklärte, warum beide auf Kondome verzichtet hätten:

„Ich dachte mir nichts dabei, hatte selbst gerade einen Aids-Test gemacht, der negativ war. Ich fühlte mich sicher. Später fragte ich […]: ‚Ist mit dir gesundheitlich alles in Ordnung?‘ Sie antwortete: ‚Ja, klar.‘ Ich habe es ihr geglaubt.“

Es ist kaum zu glauben, dass man so eine Banalität nach Jahrzehnten der HIV-Aufklärung immer noch hinschreiben muss: Zum einvernehmlichen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehören immer zwei. Der Kölner „Express“ überschreibt einen Artikel über Fälle, in denen HIV-infizierte Menschen verurteilt wurden, weil sie andere ansteckten:

Wenn Ahnungslose infiziert werden

Mit „ahnungslos“ meint das Blatt Menschen, die nicht wussten, dass ihr Sexualpartner HIV-positiv ist. Stellt sich nur die Frage, ob sie auch „ahnungslos“ waren, was HIV angeht und die Möglichkeit, eine Infektion zu vermeiden.

Wie verantwortungslos sich die Sängerin auch immer verhalten haben mag (oder nicht): Ihre Partner hatten die Möglichkeit, sich relativ zuverlässig vor einer Infektion zu schützen. Es ist beim Geschlechtsverkehr nicht wie im Straßenverkehr, wo man noch so vorsichtig fahren und trotzdem nicht verhindern kann, einem Raser zum Opfer zu fallen.

Und das ist die zweite Perfidie an vielen Schlagzeilen von heute: Dass sie den Eindruck erwecken, die Männer, die sich mit HIV infizierten, seien wehrlose Opfer einer skrupellosen Frau. „Bild“ fragt sensationslüstern, als handele es sich um eine Serienkillerin:

Aids-Angst. Wie viele Männer hat ...-Star ... angesteckt?

Und schlagzeilt auf der Titelseite:

U-Haft, um Männer vor Ansteckung zu schützen!

Die Logik ist, vorgegeben durch das erstaunliche Vorgehen der Staatsanwaltschaft und begierig verbreitet durch Medien wie „Bild“, eindeutig: Man muss sie wegsperren, damit sie nicht noch mehr Opfer fordert.

Damit ist diese Geschichte längst keine Geschichte mehr über eine prominente Sängerin, sondern eine über den Umgang mit HIV-Positiven in unserer Gesellschaft. Und es ist ein erstaunlich kleiner Schritt dazu, wenn man sie schon nicht alle wegsperren kann, sie vielleicht doch tätowieren zu lassen, damit man weiß, mit wem man beim Sex lästigerweise ein Kondom benutzen muss.

Nachtrag, 17:15 Uhr. Die Sängerin hat nach Angaben ihres Anwaltes eine einstweilige Verfügung gegen die „Bild“-Zeitung erwirkt. Das Landgericht Berlin habe dem Blatt untersagt, weiter über den Fall zu berichten, weil der Schutz der Privatsphäre der Frau das öffentliche Informationsinteresse überwiege.

Wir haben ihren Namen nachträglich unkenntlich gemacht.

Nachtrag, 18:30 Uhr. Die „Bild“-Zeitung will gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch einlegen. Chefredakteur Kai Diekmann erklärte, angesichts der Vorbildfunktion der Sängerin und der Schwere der strafrechtlichen Vorwürfe gegen sie sei „das öffentliche Interesse an der Berichterstattung nicht im Ansatz zu bestreiten“: „Ein Verbot, über die Verhaftung einer derart öffentlichen Person zu informieren, ist deshalb ein schwerer Angriff auf die Pressefreiheit“, sagte Diekmann.

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2.500 faule Eier

Was für eine sympathische Geschichte:

Neunkircher Rundschau : Ostereiersuchen beim Heimspiel gegen den 1.FC Saarbrücken. - P.Reichardt - Beim Heimspiel gegen den 1.FC Saarbrücken (Samstag 14.30 Uhr) haben die Verantwortlichen der Borussia für alle Anhänger der Blau-Schwarzen eine Osterüberaschung parat. Im gesamten Gästeblock werden bis Samstag knapp 2500 bunte Ostereier „versteckt“ werden, wie Marketingleiter Uli Glup heute morgen mittteilte. „Wir wollen uns damit bei den zahlreich zu erwartenden Zuschauern bedanken und auch ein Zeichen für ein friedliches Miteinander setzen. In anderen Stadien wurden die Fans des FCS bis dato zumeist zusätzlich zur Kasse gebeten, in Neunkirchen wollen wir ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie bei uns willkommene Gäste sind“. Bedenken, dass die bunten Leckereien als Wurfgeschosse missbraucht werden könnten, teilt der 1.Vorsitzende Kurt Heidrich nicht : „Die Saarbrücker Fans haben sich im bisherigen Saisonverlauf äußerst freundlich und fair verhalten, sie feiern vielmehr sich und ihre Mannschaft auf der Abschiedstour durch die Oberligastadien. Außerdem haben wir vor kurzem erst ihren „ärgsten Verfolger“ 3:0 besiegt, das haben die uns noch nicht vergessen“, fügt er lachend hinzu. Einlass ist am Samstag bereits um 12.30 Uhr. sic

So stand es am Donnerstag im Gästebuch von ludwigspark.de, einem Online-Portal für Fans des 1. FC Saarbrücken — und nur da, denn der User „The Edge“, der die Meldung veröffentlicht hatte, erklärte schon am Freitag, dass er sich damit einen kleinen Scherz erlaubt hatte:

@ all
das mit den Eiern war ein Easter-Gag von mir...
außer denen die ihr bei euch tragt, werdet ihr wohl keine finden morgen im Stadion.... :-))

Das allerdings hat offenbar der Mann übersehen, der für die „Bild“-Regionalausgabe schon an einem Artikel über das vermeintliche Oster-Geschenk saß. Und so kam es, dass man dort am heutigen Samstag folgende Schlagzeile lesen konnte:

2500 Eier für den Aufstieg

Sogar das angebliche Zitat des Marketingleiters von Borussia Neunkirchen hat „Bild“ (so ungefähr) übernommen:

Borussias Marketing-Boss Uli Glup; "Ein kleines Dankeschön an die zahlreichen Fans, die erwartet werden."

Dabei hätte man noch nicht mal mit den Verantwortlichen von Borussia Neunkirchen sprechen müssen — schon ein Blick in die „Neunkirchner Rundschau“, die im Gästebuch-Eintrag angeblich zitiert wird, hätte stutzig machen müssen: Dort steht nämlich — naheliegenderweise — nichts über die zu verteilenden Ostereier. Und ein „P. Reichardt“ scheint für die Zeitung bisher auch noch nie geschrieben zu haben.

Mehr dazu im Blog von ludwigspark.de

Mit Dank an Tobias H.

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Der ewige Diktator

Als „Diktator“ werden heute landläufig politische Herrscher bezeichnet, die mit unbeschränkter, absoluter Macht regieren. Das trifft auf Ahmadinedschad nicht zu. Der Iran ist zwar ein autoritärer Staat, hat aber republikanische und demokratische Elemente. Ahmadinedschad wurde 2005 vom Volk aus sieben zugelassenen Kandidaten gewählt. Seine Amtszeit dauert vier Jahre, er kann nur einmal wiedergewählt werden. Der Präsident ist nur der zweithöchste Vertreter seines Landes. Der ungleich mächtigere Oberste Rechtsgelehrte Ajatollah Chamenei ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, trifft wichtige außenpolitische Entscheidungen und hat überhaupt das letzte Wort.

(BILDblog vom 2. April 2007)

In den letzten zwei Jahren mag sich in der Welt vieles verändert haben, aber auf eines ist offenbar immer noch Verlass: Für „Bild“ ist Mahmud Ahmadinedschad, der am 12. Juni zur Wiederwahl antritt, immer noch ein „Diktator“ und der „Irre von Teheran“.

Uran-Fabrik eingeweiht: Was plant der Irre von Teheran? [...] Sein Land habe eine „neue Phase der Urananreicherung“ eingeläutet, so der Diktator.

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