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Lass die Finger von Vuvuzela (2)

„Bild“ machte gestern keinen Hehl daraus, was sie von den „Vuvuzela“ genannten Plastiktröten hält, die bei der Fußball-WM in Südafrika massiv zum Einsatz kommen:

Tröööööööt-Wahnsinn bei der WM! Fan-Trompeten nerven pausenlos. TV- und Radio-Reporter kaum zu verstehen. Löw übt schon Zeichensprache.

Das also ist der Sound der WM! Was für ein Tröt-Wahnsinn bei den Spielen Südafrika gegen Mexiko (1:1) und Uruguay gegen Frankreich (0:0). Der nervige Dauerton der Plastiktrompeten („Vuvuzelas“) erinnert an gewaltige Bienenschwärme.

Die Kommentatoren in TV und Radio sind kaum zu verstehen. Dröhnen uns jetzt vier Wochen lang die Ohren? BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

Diese Fragen finden sich auch auf Bild.de — und darüber hinaus auch die Antwort auf die gar nicht gestellte Frage „Und wo bekomme ich jetzt so ein Teil?“:

Deutschland Fan-Set: Fahne, Schminke und Vuvuzela für 9,99 Euro

Siehe auch:

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Kleine Gegendarstellungen unter Feinden

Das NDR-Eurovision-Blog fasst das Verhältnis zwischen Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut und „Bild“ recht plastisch zusammen:

Für ein Medium, das beansprucht, die Phantasien von Massen zu kennen und diese entsprechend zu bedienen, also für eine Zeitung wie die “Bild”, muss es ein GAU sein, in Sachen Lena und ihrer ESC-Performances dauerhaft draußen gestanden zu haben – vorher, währenddessen und auch jetzt.

Um den eigenen Lesern irgendwas über Lena erzählen zu können, tragen „Bild“ und Bild.de also seit Wochen Informationen aus Sekundär- und Tertiärquellen zusammen, die sich mal widersprechen und mal gar nichts aussagen.

Lena sagt Danke!Am 3. Juni, wenige Tage nach Lenas Sieg in Oslo, erklärte „Bild“ anhand der Danksagungen im Booklet ihrer fast vier Wochen zuvor erschienenen CD, wem Lena „jetzt“ Danke sagt. Auch Bild.de veröffentlichte einen umständlichen und etwas hilflosen Versuch einer Entschlüsselung.

Während manche der Dankeszuordnungen ziemlich unkonkret daherkommen („im Internet glauben viele …“), waren andere Namen wie „Stefan“ (Raab) und „Jörg“ (Grabosch, von der TV-Produktionsfirma Brainpool) leichter zuzuordnen.

Dummerweise ist Bild.de dabei ein kleiner Fehler unterlaufen, den nicht mal wir aufgeschrieben hätten. Aber das war für Stefan Raab offenbar kein Kriterium:

Gegendarstellung: Zu dem Artikel "So sagt Lena Danke" vom 3.6. BILD.de veröffentlichte am 03.06.2010 den Artikel "So sagt Lena Danke", in welchem Lena aus dem Booklet ihrer CD "My Cassette Player" wie folgt zitiert wurde: "Ich danke den Leuten in, um und um Brainpool herum, (...)" Klickte man auf "Brainpool", öffnete sich ein Fenster, in dem es erklärend hieß: "Es handelt sich um die 1994 u.a. von Stefan Raab gegründete "Brainpool TV GmbH (...)". Hierzu stelle ich fest, dass ich die Brainpool TV GmbH nicht 1994 mitbegründet habe. Stefan Raab, Köln, den 07.06.2010. Anmerkung der Redaktion: Stefan Raab hat recht.

Mit Dank an Tobi.

Nachtrag, 12. Juni: Heute erschien die Gegendarstellung auch in der gedruckten „Bild“.

Jeden Sommer das Gleiche …

Das Thermometer ist schon ein paar mal über 25 Grad geklettert, die Gastronomen haben ihre Tische draußen aufgestellt und manche Menschen in den Innenstädten haben fast so wenig an wie die Frauen auf Seite 1 von „Bild“ — mit anderen Worten: Es ist Sommer.

Und damit die Saison der Wiederholungen:

Nur die WM kann uns jetzt noch retten: Gähn-Programm im TV-Sommer

Gottschalk, Schmidt, Kerner – die beliebtesten TV-Gesichter lassen uns jetzt wochenlang allein. Ausgezappt durch die Sommerpause auf allen Sendern. Jetzt droht: Das große Gähn-Programm – Wiederholungen, Archiv-Zusammenschnitte, Herz-Schmerz-Filme in Dauerschleife. Einschlafdosis garantiert!

(Bild.de am 9.6.2010)

2009:

Wofür zahlen wir eigentlich TV-Gebühren? 1442 Minuten Wiederholungen am Wochenende

Haben SIE sich am Wochenende auch so vorm Fernseher gelangweilt?

Gegen hohe Gebühren liefern ARD und ZDF auch diesen Sommer wieder Gähn-TV in Einschlafdosis! Satte 492 Minuten Wiederholungen leistete sich die ARD am Samstag. (…) Gähn gegen Gebühren – müssen TV-Zuschauer sich das gefallen lassen?
(„Bild“ vom 20.7.2009)

2007:

Gebühren-Skandal: 865 Minuten Wiederholungen am Wochenende

Wie gut, dass die Meteorologen fürs Wochenende besseres Wetter vorausgesagt haben! Denn im Fernsehen erwartet uns nur Langeweile…

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF präsentieren den TV-Zuschauern von heute bis Sonntag in der Hauptsendezeit geschlagene 865 Minuten Wiederholungen!

Im Klartext: Mehr als 14 Stunden Gähn-TV! (…)
(„Bild“ vom 3.8.2007)

2005:

Das ist der Gipfel aller TV-Unverschämtheiten!

Dieses Wochenende über 44 Stunden Wiederholungen Und dafür zahlen wir auch noch TV-Gebühren! Erst im April wurden die Gebühren fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen um 88 Cent auf monatlich 17,03 Euro erhöht. Und jetzt bekommen wir von ARD und ZDF trotzdem einen TV-Sommer voller Wiederholungen. Allein an diesem Wochenende bringen es die beiden Anstalten fertig, an drei Tagen 2669 Minuten aus dem Altfilm-Lager zu füllen. Das sind 44 Stunden und 29 Minuten!
(„Bild“ vom 30.7.2005)

2004:

Schlimmste Fernseh-Woche… Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung…
(„Bild“ vom 23.6.2004)

Weniger Gebühren für Gähn-TV im Sommer
(„Bild“ vom 8.7.2004)

2003:

Zum Gähnen! Der TV-Sommer der Wiederwiederwiederholungen

TV-GÄHN! Egal, wohin man zappt — fast nur noch Wiederholungen. Gähnende TV-Langeweile. Bei dem Programm droht akute Einschlafgefahr! Falls Sie sich z. B. heute auf einen tollen Fernsehabend freuen, ein gutgemeinter Tipp: Verabreden Sie sich lieber zu einer Grillparty. Denn im TV verpassen Sie nichts! (…) Wofür zahlen wir eigentlich noch TV-Gebühren!
(„Bild“ vom 16.7.2003)

2002:

Wiederholungsterror im Fernsehen — Politiker fordert: TV-Gebühren im Sommer halbieren!

Jeden Sommer der gleiche Ärger über Wiederholungen im TV.
(„Bild am Sonntag“ vom 14.7.2002)

2001:

Gähn-TV: Wofür zahlen wir im Sommer eigentlich Gebühren? (…) Politiker fordern weniger Gebühren wegen Gähn-TV
(„Bild am Sonntag“ vom 28.7.2001)

Gähn-TV immer schlimmer: Das Sommer-Gähn-TV. Nur Wiederholungen, fast alle Show- und Talkmaster im Urlaub.
(„Bild am Sonntag“ vom 3.8.2001)

2000:

Der trostlose TV-Sommer — Noch nie sendete das Fernsehen so viele Wiederholungen wie in den kommenden Wochen

Auf die Gebührenzahler kommt ein trostloser TV-Sommer zu — noch nie griff das Fernsehen so tief in die Mottenkiste, wie es in den kommenden Wochen der Fall sein wird. (…) Gähn-TV! Sogar an den Talkshows und Comedy-Sendungen, die bei Gags und Gästen ja eigentlich von der Aktualität leben, geht der Sommerschlaf nicht vorbei. (…)
(„Bild am Sonntag“ vom 2.7.2000)

1999:

Das Fernsehen fällt in den Sommerschlaf

Ab Juni fast nur noch Wiederholungen. (…) Das Fernsehen macht Sommerpause, fällt vom Juni an für über drei Monate in den Tiefschlaf. Der Blick ins sogenannte Programm — ein Dauerärgernis. (…) Gähn-TV in den schönsten Monaten des Jahres. (…)
(„Bild am Sonntag“ vom 30.5.1999)

1997:

Fernsehen fällt drei Monate in Sommerschlaf

Nur noch Wiederholungen — Frechheit! Noch 21 Tage bis zum Sommeranfang! Doch das Fernsehen geht schon jetzt in Urlaub, fällt in einen dreimonatigen Tiefschlaf. Sommerzeit, Wiederholungszeit! Der Blick ins TV-Programm wird zum Ärgernis. Wohin man auch zappt — fast alles schon gesehen. (…)
(„Bild am Sonntag“ vom 1.6.1997)

PS: Zugegeben: Auch dieser Eintrag ist – natürlich – eine Wiederholung.

Lass die Finger von Vuvuzela

Wir unterbrechen unser Programm für eine wichtige Warnung im Bezug auf diese komischen Fußballtröten:

Der Hörgerätehersteller Phonak fand in einer Studie heraus, dass Vuvuzelas Hörschäden verursachen können. Die Tröte bringt es auf über 120 Dezibel und ist damit lauter als eine Kettensäge oder ein Schlagzeug.

Geräusche in dieser Lautstärke können neben dem akutem Hörversagen auch irreparable Schäden wie Tinnitus-Geräusche verursachen.

Soweit Bild.de.

Und damit zu etwas völlig Anderem:

Viele Fußballfans wollen trotz der Warnungen kräftig in die Vuvuzela blasen. Wenn Sie auch Spaß daran haben, dann machen Sie doch mit!

Zum Beispiel beim größten Vuvuzela-Flashmob der Welt: Fußball-Fans auf der ganzen Welt sollen vor dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko gleichzeitig in die Riesen-Tröte blasen. Am 11. Juni um 12 Uhr soll es weltweit losgehen. In Berlin ist der Treffpunkt der Pariser Platz am Brandenburger Tor. Mehr Infos unter www.thisissouthafrica.de, ein Online-Projekt der Axel Springer Akademie.

So Bild.de … im selben Artikel.

Mit Dank an Michael Sch.

Was schief gehen kann, geht schief

Also, das mit den Türmen ist so:

Im „Guinness World Records Buch“ findet sich unter der Überschrift „Schiefster Turm“ folgender Eintrag:

Laut Messung vom 17. Januar 2007 hat der Turm der protestantischen Kirche in Suurhusen (nördlich von Emden) eine Neigung von 5,1939°. Damit wurde der zuvor von dem berühmteren schiefen Turm von Pisa (I) gehaltene Rekord gebrochen – der Turm in Pisa hat nur eine Neigung von 5,08°.

Mutmaßlich ab der nächsten Ausgabe wird sich unter der Überschrift „Schiefster künstlicher Turm“ (oder so ähnlich) ein Eintrag finden, wonach der Capital Gate Tower in Abu Dhabi der höchste, absichtlich mit einer seitlichen Neigung gebaute Turm der Welt ist.

Der Turm von Suurhusen und der Capital Gate Tower sind also in ihrer jeweiligen Kategorie Rekordhalter, der Schiefe Turm von Pisa hat dafür (noch?) den Trost, der bekannteste schiefe Turm der Welt zu sein.

Oder, für Journalisten: Zwei Kategorien. Zwei Paar Stiefel. Ein anderes Fass.

So viel zur Theorie. Kommen wir nun zur Realität …

Bild.de hat es geschafft, die gestrige Falschinformation noch ein bisschen falscher zusammenzufassen:

Jetzt haben sich die Arabischen Emirate auch noch den Titel "schiefster Turm" geschnappt. Den hatte sich seit Jahrhunderten Pisa gepachtet.

Die „Rheinische Post“ war auf dem richtigen Weg, ist dann aber falsch abgebogen:

Schiefster Turm der Welt steht in Abu Dhabi. Der Capital Gate Tower in Abu Dhabi ist laut Guinness-Buch der Rekorde der schiefste Turm der Welt. Bisher stand der schiefste Turm offiziell in Suurhusen in Ostfriesland.

sueddeutsche.de verheddert sich in Titeln und Jahreszahlen:

Berühmt, weil er so schräg ist: Der Turm von Pisa begann noch während des Baus, in den morastigen Boden einzusinken. Dennoch wurde der Glockenturm nach hundert Jahren Bedenkzeit weiter aufgestockt und schließlich mit einer Neigung von 3,97 Grad zum berühmtesten Turm Italiens und der Welt. Doch der schiefste ist er längst nicht mehr. Diesen Titel verlor er im Jahr 2009 an ...

... die Kirche in Suurhusen: Deren Turm neigt sich sogar um 5,19 Grad, so dass der schiefste Turm der Welt nun in Ostfriesland zu finden war. Doch der Ruhm währte nur kurz: Der neue schiefste Turm, der von Menschenhand erbaut wurde, steht absichtlich so schräg in der Landschaft.

Der 160 Meter hohe Capital Gate Tower neigt sich in Abu Dhabi um 18 Grad - und damit viermal so stark wie der berühmte Turm in Pisa. Die Macher des Guinness-Buchs der Rekorde maßen nun nach Fertigstellung des Äußeren des 36-Stockwerke-Hochhauses akribisch nach - und reichten den Titel "Schiefster Turm der Welt" nach Abu Dhabi weiter. Wenn auch der Innenausbau Ende 2010 abgeschlossen ist, zieht unter anderem das Fünf-Sterne-Hotel Hyatt Capital Gate ein

„Spiegel Online“ hat es hingegen geschafft, nichts Falsches zu berichten: Zwar wird die Neigung des Capital Gate Towers dort mit der des Schiefen Turms von Pisa verglichen und der Eintrag ins Guinness-Buch verkündet, aber das ist für sich genommen alles richtig und deckt sich auch mit der Meldung auf guinnessworldrecords.com.

Falsch verstehen könnte man die Überschrift aber trotzdem:

Ganz schön schräg: Guinness-Buch kürt schiefstes Gebäude der Welt

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber und an Eric für den Scan.

Nachtrag, 11. Juni: Wie hatten wir Yahoo übersehen können?

Abu Dhabi verdrängt Pisa: Der schiefste Turm der Welt. Der schiefste Turm der Welt steht nicht mehr in Italien, sondern in Abu Dhabi.

Mit Dank an Oliver K.

Versagen bei der Pisa-Studie

Es muss ein schwerer Schlag für die Bewohner der italienischen Stadt Pisa gewesen sein, als sie heute auf Bild.de gingen:

Bye, bye Pisa! Abu Dhabi hat jetzt den schiefsten Turm

Was ist passiert?

Der Capital Gate Tower in Abu Dhabi ist jetzt laut Guinness-Buch der Rekorde der schiefste Turm der Welt.

Bisher assoziierte man mit „schiefer Turm“ nur einen Ort auf der Welt: Pisa.

Natürlich hat Abu Dhabi gar nicht Pisa verdrängt, werden sich die Einwohner einer ganz anderen Stadt gedacht haben — das weiß auch Bild.de:

Der schiefe Turm von Pisa ist zwar der bekannteste, allerdings stand der bisher schiefste Turm offiziell in Suurhusen in Ostfriesland mit einem Neigungswinkel von 5,1939 Grad.

Warum also „Bye, bye Pisa!“ und nicht „Bye, bye Suurhusen“?

Ach, letztlich wäre beides falsch: In der Kategorie „Schiefster Turm“ gibt es keine Veränderung, wie uns die Redaktion des Guinness-Buchs auf Anfrage mitteilte.

Ein absichtlich schiefer Neubau könne da nämlich gar nicht aufgenommen werden:

Grundsätzlich geht es bei dieser Rekordkategorie um die Gesamtneigung inklusive Fundament, bzw. Bodenplatte. Aus diesem Grund kann ohnehin kein Nachbau eines schiefen Turms anerkannt werden, da nach den Gesetzen der Statik dort mit einem horizontalen Fundament gearbeitet wird, auf das der (schiefe) Turm gesetzt wird.

Und wenn Bild.de die Pressemitteilung (PDF) des Capital Gate Tower aufmerksam gelesen hätte, wäre das auch aufgefallen: Der Name „Pisa“ fällt dort nur im Zusammenhang mit dem Neigungswinkel („mehr als vier mal so viel wie der berühmte Schiefe Turm von Pisa“).

Die Kategorie, in der der Turm von Abu Dhabi anerkannt wurde, ist eine ganz andere als die von Pisa und Suurhusen und heißt „World’s Furthest Leaning Manmade Tower“ — ungefähr „Der schiefste künstliche Turm“.

Mit Dank an Thomas M. Phillip S. und S.B.

Nachtrag, 10. Juni: Bild.de hat es tatsächlich geschafft, die Fakten für seinen Startseiten-Teaser noch ein bisschen stärker durcheinander zu werfen:

Jetzt haben sich die Arabischen Emirate auch noch den Titel "schiefster Turm" geschnappt. Den hatte sich seit Jahrhunderten Pisa gepachtet.

… musst Du die Tabelle dreh’n

Am Freitag startet die Fußball-WM und da darf man sich natürlich schon mal die Frage stellen, wer eigentlich für Deutschland stürmen soll.

Zur Auswahl steht unter anderem:

Als vierter Kandidat hofft Stefan Kießling (26) noch. Der erfolgreichste deutsche Bundesliga-Stürmer (nach Kevin Kuranyi) der abgelaufenen Saison, spielte zwar in den letzten beiden WM-Test nicht eine Minute, dennoch gibt er im Kampf um den Platz in der Startelf nicht auf.

Nun ist jemand, der „nach“ einem anderen in einer Rangliste steht, in der Regel schon nur der „zweiterfolgreichste“. In diesem Fall sind die Klammer und der Verweis auf Kuranyi aber völlig sinnlos — es sei denn, man verwendet „nach“ im sonst eher ungebräuchlichen Sinne von „vor“:

2. Kießling, Stefan; Bayer Leverkusen; 33 Spiele, 21 Tore; [...] 4. Kuranyi, Kevin; FC Schalke 04; 33 Spiele, 18 Tore

Mit Dank an Eric M.

Nachtrag, 16.28 Uhr: Bild.de hat „(nach Kevin Kuranyi)“ durch „(21 Tore)“ ersetzt.

And here are the results of the Bild.de-Jury

Nachdem Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest gewonnen hatte („wir“ also mutmaßlich Grand Prix „sind“), schrieb „Bild“-People-Experte Alexander von Schönburg am Montag:

Künftig wollen wir sie öfter auf unserer Seite sehen.

Das klang angesichts der Tatsache, dass die junge Sängerin nicht mit „Bild“ sprechen will, schon beinahe wie eine Drohung. Und tatsächlich sind Zeitung und Onlineauftritt seit Tagen voll von Lena — oder genauer: von irgendwas, was „Bild“ und Bild.de mit dem Wort „Lena“ versehen können.

Da wurde Bekanntes und Vermutetes zusammengetragen (BILDblog berichtete), Horst Köhlers Rücktrittsrede in „Lena-Sprech“ übersetzt und der Versuch einer Exegese der Danksagungen in Lenas vor fast vier Wochen erschienener CD zur Seite-1-Story („Den wichtigsten Menschen in ihrem Leben sagt sie jetzt Danke!“) verdreht.

Heute jetzt erklärt Bild.de:

Lena Meyer-Landrut: So wählten die Fans beim Grand Prix wirklich

Hätten NUR die Fans wählen dürfen, Lena Meyer-Landrut (19, „Satellite“) wäre NOCH weiter vorne gewesen …

Bild.de ist sich sicher:

Hätte es in diesem Jahr keine Jury-Entscheidung gegeben, die zu 50 Prozent zählte, wäre Lenas Sieg (246 Punkte) noch viel höher ausgefallen!

Wie genau die Fans „wirklich“ abgestimmt haben, weiß auch Bild.de nicht, aber anders als bei weiten Teilen der sonstigen Lena-Berichterstattung gibt es immerhin Belege:

So erhielt Lena zum Beispiel von der rumänischen Jury keinen Punkt. Die rumänischen Anrufer wählten sie jedoch unter die Top 5. Ergebnis: 3 Punkte aus Rumänien.

Das „Beispiel“ hat nur einen kleinen Haken: Rumänien scheint das bisher einzige von 39 Ländern zu sein, das seine Jury-Wertungen veröffentlicht hat. Die übrigen Ergebnisse werden irgendwann in den nächsten Tagen und Wochen bekannt gegeben.

Erst wenn alle 39 Jurywertungen bekannt sind, kann man also ausrechnen, wie groß die theoretischen Abweichungen gegenüber dem offiziellen Endergebnis tatsächlich wären.

PS: Und dann war da noch die Bild.de-Klickstrecke „So stimmte Europa für Lena“, die mit dieser geographischen Sensation aufwartete:

Georgien gab 0 Punkte: Nix für uns, 12 Punkte für Nachbar Weißrussland. Gemein!

Mit Dank an Bertha, Daniel P. und die vielen anderen Hinweisgeber.

Nachtrag, 28. Juni: Die European Broadcasting Union hat die Punktezahlen nach Jury- und Zuschauervotes getrennt veröffentlicht.

Das überraschende Ergebnis: Hätten nur die Fans wählen dürfen, hätte Lena Meyer-Landrut 243 Punkte bekommen (statt 246) und ihr Abstand zur zweitplatzierten Türkei hätte statt 76 Punkten nur noch 66 Punkte betragen.

Bild.de lag also voll daneben.

Zweierlei Anmaßung

Bei Bild.de sind sie entsetzt:

NACH DEM KÖHLER-RÜCKTRITT: Ösis verhöhnen Deutschland. "IN DEUTSCHLAND IST DAS RÜCKTRITTSVIRUS AUSGEBROCHEN" +++ HÄMISCHE KOMMENTARE IM AUSLAND +++ NUR DIE RUSSEN SCHONEN UNS

TV-DEBATTE ÜBER DEN RÜCKTRITT HORST KÖHLERS: Köhler-Mobbing bei Sandra Maischberger<br />
GÄSTE DRESCHEN BEI FERNSEH-SHOW AUF EX-BUNDESPRÄSIDENT EIN +++ WARUM FALLEN JETZT ALLE ÜBER HORST KÖHLER HER?

Das mit dem „verhöhnen“ muss man nicht ganz so ernst nehmen, das ist Bild.de-Sprache für „irgendetwas über irgendjemanden sagen“ (BILDblog berichtete). Aber was war denn da bei „Sandra Maischberger“ los?

Franz Solms-Laubach weiß es glaubt, es zu wissen:

Arnulf Baring nannte Köhlers Verhalten „kindlich“ – das könne man einem gestandenen Mann nicht durchgehen lassen! [...]

Friedmann warf Köhler vor, das Amt des Bundespräsidenten durch sein Verhalten beschädigt zu haben. Er sei seiner Verantwortung nicht gewachsen gewesen und habe mit seinem Rücktritt eine Bankrotterklärung „der demokratischen Streitkultur“ besiegelt.

Für Solms-Laubach sind die Aussagen von (durchaus streitbaren) Zeitgenossen wie Arnulf Baring und Michel Friedman (dessen Namen er konsequent falsch schreibt) ein „peinlicher Tiefpunkt“, ein „Mobbing-Talk“, ein „politisches Tribunal“.

Nur zu gern wüsste man da, welche Vokabeln ihm zur Arbeit seiner Kollegen einfallen — zum Artikel von Einar Koch unter der Überschrift „Der Absturz von ‘Super-Horst'“ oder dem Kommentar, den Nikolaus Blome, Leiter des „Bild“-Hauptstadtbüros, am Montagabend, wenige Stunden nach Köhlers Rücktritt, auf Bild.de veröffentlicht hatte:

Was ist das, was Horst Köhler da veranstaltet hat? Fahnenflucht? Nerven verloren? Verletzte Eitelkeit?

Der beispiellose Rücktritt des Bundespräsidenten ist eines der ganz seltenen Ereignisse, dessen Motiv man nicht vollständig kennen muss, um es beurteilen zu können:

Dieser Rücktritt hat keine Würde!

Er hat keinen politischen Stil. Er ist das Gegenteil von politischer Aufrichtigkeit.

Und so geht das Absatz um Absatz weiter. Blome erklärt, dass Politik „kein Wunschkonzert“ sei, er nennt Köhlers Amtsführung „billig und wohlfeil“ und endet schließlich mit etwas, was sein Kollege Solms-Laubach mindestens als „vernichtendes Urteil“ bezeichnen würde:

Doch mit seinem Rücktritt hat er niemandem Ehre gemacht. Am wenigsten sich selbst.

Aber so richtig konsistent ist die Berichterstattung über die aktuelle Präsidentensituation bei Bild.de sowieso nicht: Während Bild.de auf der Startseite groß verkündet, dass „die Deutschen“ die derzeitige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen als Präsidentin wollten („Das ergab eine onlinegestützte, repräsentative Umfrage des Kölner Instituts ‘YouGov’ im Auftrag von BILD.“), zeigt die eigene Abstimmung auf Bild.de, bei der man sich zwischen drei CDU-Kandidaten entscheiden muss, inzwischen ein etwas anderes Bild:

Wer soll Nachfolger von Horst Köhler für das Amt des Bundespräsidenten werden? 1. Norbert Lammert 45,73% 2. Ursula von der Leyen 40,85% 3. Wolfgang Schäuble 13,42%

Mit Dank an Bodo K. Patrick B. und Holger A.

Irgendwas über Lena

Das mit „Bild“ und Lena Meyer-Landrut ist so eine Sache: Nachdem die Zeitung die Castingshow „Unser Star für Oslo“ wochenlang ignoriert hatte (BILDblog berichtete), musste sie irgendwann erkennen, dass das Interesse an Lena zu groß war, um nicht darüber zu berichten.

Da Lena Meyer-Landrut aber nicht mit „Bild“ spricht, müssen sich Zeitung und Online-Ableger seit Wochen irgendwelche Geschichten aus Sekundärquellen zusammenklauben, um irgendwas bringen zu können.

Einen vorläufigen Höhepunkt hat diese Ratlosigkeit heute erreicht: Während „Bild“ auf Seite 1 groß verkündet, Lenas Welt „erklären“ zu wollen, gibt Bild.de unumwunden zu:

Unser Grand-Prix-Star: Lena bleibt ein Rätsel – auch nach dem Sieg!

Aber selbst die spärlichen Fakten, die „Bild“ und Bild.de zusammengetragen haben, wollen nicht so recht zusammenpassen:

Auf dem linken Oberarm trägt Lena eine Ritterlilie (siehe „Religion“). Ihre Mutter war gegen das Tattoo – deshalb musste Lena bis zu ihrem 18. Geburtstag warten.

(„Bild“)

Lena hat ein Tattoo! Sie trägt eine Lilie auf dem linken Arm. Natürlich mit Erlaubnis von Mama.

(Bild.de)

Mit Dank auch an Alex.

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