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Was von der Loveparade übrig blieb

Irgendwann sind die Journalisten auf die Idee gekommen, dass die Stimmung, die man als „Sprachlosigkeit“ bezeichnen könnte, am Besten abgebildet werden kann, indem man sie beschreibt, kommentiert und abfotografiert. Dass man dem stillen Entsetzen und der Trauer eine laute Mischung aus Information, Mutmaßung und Klickstrecken entgegensetzen sollte, weil man den nahezu unmöglichen Prozess des Verstehens so vielleicht erzwingen kann.

„Bild“ kann deshalb heute, rund einen Tag, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen begonnen haben, bereits das „Todes-Protokoll“ der Ereignisse von Duisburg vorlegen. Die Zeitung kann sichtlich verstörte Jugendliche befragen, die einen Freund verloren haben, und eine traumatisierte Überlebende berichten lassen:

"Auf meinen Beinen lagen zwei Leichen!"

Daneben die Fotos von fünf Verstorbenen (auf Bild.de sind es inzwischen mehr), die die Redaktion zumindest teilweise offensichtlich aus dem Internet übernommen hat. Auf einem anderen Foto ist exakt das zu sehen, was die Bildunterschrift verspricht:

Ein Mädchen und ein junger Mann beim gemeinsamen Versuch, eine leblose Person zu reanimieren.

Schon seit dem frühen Samstagabend hatte Bild.de in Bildergalerien notdürftig abgedeckte Tote gezeigt („Die Hand im Tode verkrampft. Auch dieser Mann wurde bei der Panik vermutlich zerquetscht.“, „Ein Foto, das Gänsehaut vermittelt – zwei Tode am Haupteingang.“, „Die Leiche eines jungen Ravers liegt abgedeckt im Müll.“, usw. usf.).

Doch Bild.de zeigte auch diese auf den ersten Blick harmlose Luftaufnahme:

Fotomontage vom Festival-Gelände.

Das Foto, das inzwischen entfernt wurde, zeigt fahrende Autos auf der gesperrten Autobahn 59, kahle Bäume im Hochsommer, Menschengruppen, die mehrfach im Bild sind und vieles mehr — mit anderen Worten: Es ist eine ziemlich schlecht gemachte Fotomontage. Und das, wo die Menschenmassen auf den Originalfotos vom Festivalgelände beeindruckend genug gewesen wären.

Auch wenn die mehr als einhundert Beschwerden, die allein bis zum heutigen Mittag beim Deutschen Presserat eingegangen sind, sich „bisher alle“ gegen die Berichterstattung von „Bild“ und Bild.de richteten, waren dies längst nicht die einzigen Medien, die Fotos von Opfern veröffentlichten. Bilder von Schwerverletzten, unter Schock stehenden Personen, Rettungsmaßnahmen und Leichentüchern, unter denen Gliedmaßen hervorschauen, gab (und gibt) es auch auf express.de, stern.de, derwesten.de zu sehen. „RP Online“ anonymisierte immerhin die meisten erkennbaren Gesichter, ebenso wie Bild.de bei den Fotos seiner „Leserreporter“.

Bemerkenswert auch das Titelbild der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ heute, auf dem die Arme eines toten Menschen zu sehen sind — und die Idee, die Ereignisse vom Wochenende ausgerechnet mit einer Karikatur zusammenfassen zu wollen.

Mit Dank an die vielen, vielen verschiedenen Hinweisgeber!

E.T. nach Hause twittern

An den Nachrichten aus dem „Mystery-Ressort“ von Bild.de, wo sich alles um Aliens, Ufos und Übersinnliches dreht, ist in der Regel nur eines mysteriös: Nämlich wie sie zustande kommen. Ein schönes Beispiel dafür ist diese bahnbrechende Behauptung:

Wissenschaftler behaupten: Aliens wollen über Twitter mit uns kommunizieren

Zugrunde liegt der ganzen Geschichte eine Studie des kalifornischen Wissenschaftlers James Benford, der die Theorie aufgestellt hat, die Art und Weise, in der derzeit nach außerirdischen Signalen gesucht wird, sei nicht effektiv.

Benford und seine Kollegen glauben, dass man bislang auf den falschen Frequenzen versucht hat, extraterrestrische Nachrichten zu empfangen. Ihrer Meinung nach würden Aliens aus ökonomischen Gründen eher dazu neigen, sehr kurze Nachrichten in möglichst viele Richtungen zu versenden.

Unglücklicherweise benutzt Benford, um die Kürze dieser Nachrichten anschaulicher zu machen, folgenden Vergleich:

„This approach is more like Twitter and less like ‘War and Peace,’ “ said James Benford, founder and president of Microwave Sciences Inc., in Lafayette, Calif.

Übersetzt bedeutet das:

„Man muss sich das eher wie Twitter(-nachrichten) vorstellen und weniger wie ‘Krieg und Frieden’„, sagte Dr. James Benford, Gründer und Präsident der Firma Microwave Sciences in Lafayette, Kalifornien.

Der Microbloggingdienst Twitter steht mit seinen maximal 140 Zeichen symbolisch für äußerst kurze Nachrichten, der umfangreiche vierteilige Roman von Leo Tolstoi für die langen Nachrichten, nach denen bislang gesucht wurde. Das kann man auch im Online-Auftritt der „Daily Mail“ nachlesen, auf den sich Bild.de beruft. Zwar sind die Überschrift („Is ET using Twitter?“) und die Einleitung etwas irreführend, der Rest des Artikels gibt jedoch die tatsächlichen Erkenntnisse wieder.

Nicht so bei Bild.de: In der Bildunterschrift zu einem mit Aliens verzierten Screenshot der Startseite von Twitter wird fröhlich verkündet:

Vorbei die Zeiten, als Aliens wie E.T. noch telefonieren wollten: Längst wird getwittert!

Und weiter:

#erde #homo_sapiens 367fgub dsf3 – so könnte eine Alien-Nachricht auf Twitter aussehen.

Im Text vermengen sich dann Fakten mit der blühenden Fantasie des Bild.de-Autoren:

Doch auch Außerirdische verhalten sich ökonomisch, würden daher Kurznachrichten mit nur 1 bis 10 Gigaherz vorziehen, wie sie auf der Erde über die Internet-Community „Twitter“ gezwitschert werden.

Benford empfahl zwar tatsächlich, man solle sich nicht nur wie bislang auf die Frequenzen zwischen einem und zwei Gigahertz konzentrieren, sondern auch solche bis 10 Gigahertz berücksichtigen. Gezwitschert wird jedoch – und das sollte sich inzwischen bis zu Bild.de herumgesprochen haben – immer noch im Internet und nicht auf irgendwelchen Frequenzen.

Für Außerirdische, die noch nicht auf der Erde sind, wäre Twitter somit völlig uninteressant, auch wenn Bild.de fantasiert:

Der Mikroblogging-Dienst wäre für Außerirdische also das ideale Kommunikationsmittel.

Und:

Dann sollten wir in Zukunft wohl besonders auf seltsame Kurznachrichten achten. Vielleicht kommen diese ja direkt aus dem All…

Vielleicht sollten wir in Zukunft seltsame Quatschnachrichten einfach ignorieren. Die kommen nämlich mit Sicherheit direkt von „Bild Mystery“.

Mit Dank an Berkan T.

Bild.de, Bravo  etc.

Jugend-Kondom in aller Munde

Das hat die Jugendzeitschrift „Bravo“ ja gefickt eingeschädelt: Legt der aktuellen Ausgabe einfach ein „Jugend-Kondom“ bei und alle schreiben sie drüber.

Die Bauer Media Group preist in einer Pressemitteilung die Vorzüge des Objekts:

BRAVO stellt gemeinsam mit dem Hersteller Coripa in der aktuellen Ausgabe 30/2010 (EVT: Mittwoch, 21. Juli) das erste Jugend-Kondom vor. Das beigelegte Kondom ist 49 mm breit – damit 3 mm schmaler als handelsübliche Standard-Kondome. Das Special erklärt die richtige Anwendung.

Das Magazincover verspricht gleich eine „Welt-Sensation!“, dabei handelt es sich nicht einmal um das erste Jugend-Kondom Deutschlands: Die Firma Amor Gummiwaren hat „schon einige Jahre“, wie man uns am Telefon sagte, das Produkt „Amor Young“ im Programm, das sich mit einem Durchmesser von 49 Millimetern extra an Jugendliche richtet.

In der Schweiz gab es im Frühjahr dieses Jahres große Diskussionen um ein von der Aids-Hilfe mitentwickeltes „Jugend-Kondom“, dessen Öffnung sogar nur 45 Millimeter misst.

Bild.de hält das „Teenie-Kondom“ der „Bravo“ für eine gute Idee:

Die kleinere Lümmeltüte gibt es als Beilage zur aktuellen Ausgabe, die am Mittwoch erschienen ist. Das Jugend-Kondom ist 49 Millimeter breit und damit um drei Millimeter schmaler als herkömmliche Ware. Auch die richtige Anwendung wird erklärt.

Die drei Millimeter Unterschied waren Bild.de vor zweieinhalb Jahren indes noch zu wenig:

Kleinere Verhüterlis gibt es zwar auf Bestellung in der Apotheke und bei Onlineshops. Sie sind aber gerade mal drei Millimeter schmaler als der Standard.

Mit Dank an Alexander M. und Julian M.

Nur ein toter Star ist ein guter Star

In der Welt von „Bild“ und Bild.de gibt es viele Stars: All die Leute, die Norbert Körzdörfer trifft, Lothar Matthäus oder den Filmproduzenten Arthur Cohn, der einzige Mensch, hinter dessen Namen „Bild“ in Klammern nicht sein Alter, sondern die Zahl seiner Oscars („sechs“) schreibt.

Und dann gibt es Menschen, die Teil des Medienbetriebs sind, aber nicht im Rampenlicht von „Bild“ und Bild.de stehen — es sei denn, in ihrem Leben passieren außergewöhnliche Dinge: Ein Schauspieler, der in verschiedenen kleineren und größeren Nebenrollen im Fernsehen zu sehen war, kann schnell zum „TV-Star“ werden, wenn er verdächtigt wird, zwei Frauen vergewaltigt zu haben.

Ein sicherer Weg, zum „Star“ zu werden, ist ein früher Tod: Der Name des Schauspielers Frank Giering hatte fast zehn Jahre nicht mehr in „Bild“ gestanden, als er Ende Juni im Alter von 38 Jahren starb.

Ganze sechs Autoren brauchte es, um Sätze wie diese zu schreiben:

Sein TV-Gesicht kennen Millionen, sein wahres Ich hielt er versteckt: Schauspieler Frank Giering („Der Kriminalist“) ist tot. Er starb im Alter von nur 38 Jahren.

ER WAR VERZWEIFELT UND ALKOHOLKRANK.

Die zunächst unklaren Todesumstände erlaubten es „Bild“, noch eine Reihe kleinerer Meldungen abzudrucken, die bei Bild.de riesig aufgeblasen wurden.

Die walisische Rockband Stereophonics war Bild.de in Ermangelung großer Eskapaden in den letzten Jahren gerade mal einen CD-Tipp wert, aber als ihr ehemaliger Schlagzeuger Stuart Cable im Juni im Alter von 40 Jahren starb, schaffte er es mit einem Foto auf die Startseite.

Gleich völlig unbekannt dürfte den meisten Bild.de-Lesern der Musiker Vic Chesnut gewesen sein, aber sein Tod mit 45 war eine Meldung wert.

Über den Schauspieler Heinrich Schmieder hatte Bild.de noch nie ein Wort verloren, doch sein plötzlicher Tod während eines Mountainbike-Etappenrennens machte ihn zum „TV-Star“ — wenn der Begriff auch einiger Erklärung bedurfte:

TV-Star* Heinrich Schmieder tot mit 40 nach Radrennen * "Tatort", "SOKO Köln"

Wenn in China ein Sack Dollar umfällt

Dass China nicht mehr dieses verschlossene, kommunistische Rätselreich am Ende der Welt, sondern eine veritable Wirtschaftsmacht ist, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Wie wirtschaftsmächtig China aber ist, darüber herrscht nun umso mehr Rätselraten — zumindest in der Bild.de-Redaktion.

Unter der Überschrift „Angst vor der Supermacht“ behauptet Bild.de zu erklären, wie abhängig Deutschland von China mittlerweile sein soll. Dabei bricht Bild.de nicht nur die Kennzahlen der Exportwirtschaft auf eine sehr konfuse und unnötig bedrohliche Formel herunter („Noch steigen die Zahlen. Die bange Frage: Wie lange noch?“), sondern beweist auch ein gerüttelt Maß an Inkompetenz und Ahnungslosigkeit.

Bild.de schreibt etwa:

China hat mittlerweile Währungsreserven in Höhe von 1,91 Billionen Euro angehäuft – ein gigantischer Euro-Schatz!

Fangen wir mit dem an, was stimmt: Ja, China hält Währungsreserven im Wert von 1900 Milliarden Euro, eine tatsächlich extrem große Summe.

Aber: Was China tatsächlich in den Händen hält sind weitgehend Dollar, nämlich mindestens 60 Prozent von diesen grob 1,9 Billionen Euro (wie man auch einer Pressemeldung der chinesischen Regierung aus dem Jahr 2008 entnehmen kann).

Selbst wenn man also davon ausgeht, dass China die restlichen 40 Prozent samt und sonders in Euro hält (was unwahrscheinlich ist), dann hätte sich Inga Frenser von Bild.de noch um satte 1000 Milliarden Euro verrechnet — aber um so ein Billiönchen kann man sich ja schon mal vertun, wenn man über Wirtschaftspolitik schreibt, klar.

Aber nicht nur die Mathematik von Frau Frenser ist wenig überzeugend, auch ihre Prognosen entbehren jeder Grundlage. In ihrem Beitrag für Bild.de schreibt sie nämlich über die vermuteten Euro-Reserven der Chinesen weiterhin:

Wenn sie den (den „gigantischen Euro-Schatz“, Anm. BILDblog) verkaufen, würde der Euro brutal abstürzen. Das wissen auch die Chinesen…

Sie haben einen gigantischen Faustpfand in der Hand, sollte es zum Streit mit den Europäern kommen. Oder gar zu einem Handelskrieg.

Das ist grundsätzlich natürlich richtig: Lösen die Chinesen ihre Reserven schlagartig auf, fallen die Kurse der betroffenen Währungen, also vor allem der Kurs des Dollars, aber auch der Kurs des Euro.

Aber welche Konsequenzen hätte das? Die chinesische Währung, Renminbi oder Yuan genannt, würde sofort deutlich an Wert zulegen, was chinesische Produkte für den Export unvergleichlich teurer machen würde. Die Nachfrage an chinesischen Produkten würden also nachlassen, es käme kein ausländisches Kapital mehr nach China und die fast vollständig auf Export ausgerichtete Wirtschaft Chinas würde ihrer Grundlage entzogen und zu Grunde gehen.

Das bedeutet alles nicht, dass man Chinas Wirtschaftspolitik nicht doch für bedrohlich halten kann — aber eben aus anderen Gründen. Wie hatte der chinesische Premierminister Wen Jiabao etwas früher im Text sehr richtig gesagt:

„Wir sitzen im gleichen Boot“, betonte Jiabao freundlich.

Mit Dank an Michael S. und Christoph G.!

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Zu den wichtigsten Handwerkszeugen im Onlinejournalismus zählt die Copy-and-paste-Funktion. Auch wir können gar nicht oft genug zitieren, was in der sogenannten „Hamburger Erklärung“ steht, die im Vergangenen Jahr von zahlreichen großen Verlagen, darunter die Axel Springer AG, verabschiedet wurde:

Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben.

Am Freitag veröffentlichte das Computer-Magazin mac-essentials.de eine Ankündigung zu einer überraschend anberaumten Pressekonferenz des Computer-Herstellers Apple.

Eine erstaunlich ähnliche Meldung erschien kurz darauf bei Bild.de:

Artikel auf bild.de
Artikel bei Mac Essentials
Heute Abend ab 19 Uhr MESZ läuft eine kurzfristig einberufene Apple-Pressekonferenz am Firmensitz im kalifornischen Cupertino. Erwartet wird eine Stellungnahme zu den Berichten über Signalverluste und Gesprächsabbrüche beim iPhone 4. Zum ersten Mal nimmt Apple zu einem Produktproblem Stellung. Heute abend um 19 Uhr beginnt die überraschend einberufene Apple-Pressekonferenz am Firmensitz in Cupertino. Erwartet wird eine Stellungnahme zu den anhaltenden Berichten über Signalverluste und Gesprächsabbrüche beim iPhone 4.
Ob und in welchem Umfang ein Rückruf der bereits verkauften Geräte stattfindet, ist bisher unklar. Das Wall Street Journal und die New York Times haben Informationen erhalten, nach denen es keinen Rückruf geben soll. Ursache der Probleme sei das Zusammenspiel aus Kommunikations-Software und Antenne, das mittels eines Software-Updates reparierbar sei. Ob und in welchem Umfang ein Rückruf der bereits verkauften Geräte stattfindet, ist völlig unklar. Sowohl Wall Street Journal als auch New York Times haben Informationen erhalten, nach denen es keinen Rückruf geben soll: Ursache der Probleme sei ein komplexes Zusammenspiel aus Kommunikations-Software und Antenne, das mittels eines Software-Updates reparierbar sei.
Ob sich Steve Jobs der Presse stellt, ist noch nicht sicher, angesichts der internationalen Aufmerksamkeit aber wahrscheinlich. […] Ob Steve Jobs sich der Presse stellt, ist ebenfalls nicht bekannt, angesichts der internationalen Aufmerksamkeit aber wahrscheinlich.
Die Wall Street scheint dagegen an einen „freiwilligen“ Rückruf zu glauben — iPhones mit nachweisbaren Defekten würden ausgetauscht, sofern der Besitzer ein neues Gerät haben will. Damit werde Apple sein Gesicht wahren und Geld sparen, so der Analyst Mike Abramsky von RBC Capital Markets. Die Wall Street scheint dagegen an einen »freiwilligen« Rückruf zu glauben – iPhones mit nachweisbaren Defekten würden dabei ausgetauscht, sofern der Besitzer ein neues Gerät will. Damit werde Apple sein Gesicht wahren und Geld sparen, meint z.B. Analyst Mike Abramsky von RBC Capital Markets:
Zwischen 130 und 525 Millionen Dollar könnte dieser „freiwillige Rückruf“ kosten — deutlich weniger als die von anderen Analysten geschätzten Kosten von 1,5 Milliarden Dollar für einen kompletten Rückruf. zwischen 131 und 525 Millionen Dollar würde dieser „freiwillige“ Rückruf kosten – deutlich weniger als die von anderen Analysten geschätzen Kosten von 1,5 Milliarden Dollar für einen kompletten Rückruf.

Der Text, der bei Bild.de als Anmoderation für den Liveticker von der Pressekonferenz diente, war schon bald darauf verschwunden (im Google Cache ist er noch vorhanden) — kurz nachdem Mac Essentials in seinem eigenen Liveticker auf den Content-Klau hingewiesen hatte.

Mehr zum Thema:

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Den Tag zur Nacht machen

Bild.de hat mal wieder ein Video im Internet geklaut gefunden:

Mann fällt vom Cabrio.

Ein Mann fällt hinten vom Cabrio und der Bild.de-Sprecher sagt in seiner unnachahmlich knödeligen Art:

Lustiger WM-Autokorso-Tollpatsch nach dem Deutschland-Sieg im Spiel um Platz 3.

Irre Rolle rückwärts beim Auto-Korso: Nach dem Sieg im Spiel um Platz 3 stand Deutschland kopf – manche mehr, als ihnen lieb war. Wie dieses Video vom Auto-Korso in Hamburg zeigt.Erstaunlich, dass es nach dem Spiel, das am vergangenen Samstag gegen 22.20 Uhr endete, in Hamburg noch taghell war, oder?

Nein. Denn das Video entstand – natürlich – nicht nach dem Spiel um Platz 3, sondern ein Woche zuvor nach dem deutschen Viertelfinal-Sieg gegen Argentinien, der bereits um kurz vor 18 Uhr in trockenen Tüchern war.

Und natürlich zeigt das „irre Video-Fundstück“ nicht erst „jetzt“, „was beim Auto-Korso im Siegesrausch so alles schief gehen kann“: Seit dem 8. Juli – zwei Tage vor dem Spiel um Platz 3 – kann man das Video bereits auf Facebook bewundern und kommentieren.

Nachtrag, 17. Juli: Bild.de hat den Off-Kommentar neu einsprechen lassen. Jetzt ist korrekt vom „Viertelfinal-Sieg gegen Argentinien“ die Rede.

„Schwein“ nicht länger tatverdächtig

Hat dieses Schwein den Mann an der A5 ermordet?

Unter dieser Überschrift berichtete „Bild“ vor zehn Tagen über einen Mann, der verdächtigt wurde, einen Mann auf einem Autobahnparkplatz erschossen zu haben. „Schwein“ nannte ihn die Zeitung, weil er sich mal bei einer öffentlichen Veranstaltung in einem Schweinchen-Kostüm hatte fotografieren lassen (BILDblog berichtete).

Gestern gab das Polizeipräsidium Südhessen bekannt, dass der Mann und ein weiterer Tatverdächtiger aus der Untersuchungshaft entlassen wurden. Der dringende Tatverdacht habe sich bei weiteren polizeilichen Ermittlungen nicht bestätigt. Und das, obwohl die Beweislage „laut Fahndern erdrückend“ gewesen sei, wie Bild.de damals berichtete.

Und obwohl Bild.de heute im dpa-Newsticker über die Freilassung der zwei nicht näher genannten Männer berichtet, wird diese Meldung nicht mit dem Ursprungsartikel in Zusammenhang gesetzt, der unverändert online ist. Zwar ist das Foto des Mannes dort – anders als in der gedruckten „Bild“ – verpixelt, aber dafür stehen dort so viele Informationen über den Mann (Beruf, Familienstand, Ehrenämter und Hobbies), dass es für sein Umfeld ein Leichtes sein dürfte, ihn zu identifizieren.

Mit Dank an spot.

F*** Me I’m Famous

Wenn etwas „der Mega-Hit bei YouTube“ ist, ist das für Bild.de ein willkommener Anlass, das Video über Umwege bei YouTube herunterzuladen und – ergänzt um ein paar langweilige Off-Kommentare – auf den eigenen Server zu stellen. Und mit der Werbung, die man davor schalten kann, verdient Bild.de mit den Inhalten anderer Leute auch noch Geld. (Wir erinnern uns: „Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen.“)

Jetzt also hat Bild.de den „DJ der guten Laune“ entdeckt, der seit ein paar Wochen die Internetnutzer begeistert:

Ein Hochzeitsgast filmte, wie er zum Sound des französischen Star-Musikers David Guetta begeistert mitgeht und vor Freude ausflippt. Der Clip landete bei YouTube. Seitdem haben ihn über eine Million Menschen weltweit gesehen.

Na ja, im Moment liegen die Zuschauerzahlen des Clips immer noch unter der halben Million:

484.492 Aufrufe

Und selbst wenn man die Zuschauerzahlen der ganzen Wieder-Uploads mitrechnet, übertreibt Bild.de immer noch — was offenbar auch auf die Leser abfärbt.

So kommentiert ein Leser über das Video, das am 14. Juni online ging:

kenn ich hscon seit monaten...der typ ist hammer!! wo kann man den buchen??

Mit Dank an Katharina Sch.

Im Kahn mit Günter Netzer

„Bild“ vermeldete vergangene Woche, es gebe „schon wieder Wirbel“ um Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn, die beim ZDF um Fußballspiele herumreden:

Nach Versprechern („Reichsparteitag“) und Ärger um Milch-Werbung für Müller-Hohenstein trifft es diesmal Kahn. Der Grund: Nach den WM-Spielen im ZDF befragt das Duo den „Fanexperten“ Dennis Wiese (26). Er präsentiert Umfrageergebnisse der Webseite „Fanorakel.de“.

Was keiner weiß: Diese Seite gehört einer GmbH, an der Kahn zu 20 Prozent beteiligt ist!

Dass niemand von der Verbindung von Kahn und „Fanorakel“ wisse, ist natürlich eine der „Bild“-üblichen Übertreibungen: Im April hatte das Branchenmagazin „Werben & Verkaufen“ darüber berichtet, die Meldung war auch auf sueddeutsche.de erschienen.

Aber die Frage ist durchaus berechtigt: Darf ein früherer Fußballprofi und heutiger Geschäftsmann bei Sportübertragungen als unabhängiger Experte auftreten, wenn er geschäftlich in das involviert ist, was er da so kommentiert? „Bild“ zitiert die ZDF-Fernsehrätin Doris Pack mit den Worten, man dürfe „solche Dinge“ nicht vermischen.

Wie steht es da etwa um den ehemaligen Bundesligastar und Nationalspieler Günter Netzer, der bis zum vergangenen Samstag 13 Jahre lang in der ARD als Experte auftrat? Netzer, im Nebenberuf auch noch „Bild“-Kolumnist, ist Executive Director der Sportrechte-Agentur Infront, die beispielsweise die Übertragungsrechte an der Fußball-WM 2006 vermarktet hat. Netzer kommentierte also Spiele, deren Rechte seine Firma der ARD (und den anderen übertragenden Sendern) zuvor verkauft hatte, und deren Bildregie vollständig in den Händen einer Tochterfirma lag.

Über diesen Interessenkonflikt hat „Bild“ bisher noch nie berichtet. Dafür präsentierte Bild.de in Kooperation mit Allianz Global Investors „DAS Tippspiel zur WM“, bei dem es tolle Preise zu gewinnen gab:

Ein Profi-Tischkicker, signierte Fußball von Allianz Global Investors-Experte Günter Netzer sowie die Netzer-Biografie (ebenfalls handsigniert).

Neben seinen diversen anderen Beschäftigungen fand Günter Netzer nämlich auch noch die Zeit, als Werbegesicht und WM-Kommentator eines Vermögensverwalters zu arbeiten.

Mit Dank an Daniel H.

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