Archiv für Bild.de

Brennendes Papier ist geduldig — auch online

Heute machen wir mal ein Bilderrätsel: Was stimmt an folgendem Screenshot aus dem Düsseldorfer Regionalressort von Bild.de nicht? Sehen Sie ganz genau hin:

Feuer-Alarm: Großbrand in Neuss – Asche fliegt bis Düsseldorf!

Na? Wer hat’s bemerkt? Richtig: Die „Berge von Altpapier“, die uns Bild.de hier präsentiert, wären deutlich mickriger, wenn die Aufnahme nicht ungefähr ab der Mitte künstlich in die Länge gezogen worden wäre. Zu diesem Zweck wurde dieser schmale Bereich zwischen rotem Gabelstabler und Bildmitte mehrfach nach rechts gespiegelt:

Gespiegelter Ausschnitt

Ob der Brand dadurch imposanter wirken sollte oder ob aufgrund von Formatvorgaben manipuliert wurde, darüber lässt sich spekulieren. Besonders honorieren muss man jedoch die Energie, die in der Nachbearbeitung dieses Fotos steckt. Zugeben, das mit dem Spiegeln war nicht so geschickt, aber:

1. Auf der durch die Spiegelung entstandenen „Säule“ in der Mitte wurde das Feuer nicht einfach gespiegelt, sondern nachbearbeitet.

2. Auf der rechten „Säule“ wurde das Feuer gänzlich entfernt.

3. Die Kräne im Hintergrund wurden nur einmal gespiegelt und weiter rechts retuschiert.

4. Die „riesige gelb-graue Rauchwolke“ am Himmel müsste ebenfalls bearbeitet sein, da sich hier außer bei der ersten Spiegelung keine Muster wiederholen.

Hut ab! Hier wurde mit Liebe gefälscht.

Mit Dank an Thomas K.

Neues aus Glashaustralien

Big Blamage bei „Big Brother“!

Bei Bild.de singen sie mal wieder die Alliterationale und haben sich zum fröhlichen Steinewerfen versammelt. Der Grund: Zwei Kandidatinnen der RTL-2-Sendung „Big Brother“ haben sich bei einem Erdkunde-Quiz „blamiert“ — selbstverständlich „bis auf die Knochen“.

Immerhin: Bei Deutschland, Italien und Neuseeland lagen die Geografie-Leuchten richtig.<br />
Zwei korrekte Antworten brachten den Mädels angesichts der beeindruckenden Wissenslücken allerdings wenig.

Der Zahlenraum von eins bis drei — die terra incognita von Bild.de.

Mit Dank an Marco R.

Nachtrag, 5. Juli: Bild.de hat über Nacht noch mal nachgezählt und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sich um drei korrekte Antworten gehandelt hat.

Schlampenschlamperei mit Curry

Früher spielte man in Kindergärten ein Spiel, das sich „Stille Post“ nannte: Die Kinder saßen im Stuhlkreis, eines dachte sich ein Wort oder einen Satz aus und sagte dies seinem Nebenmann ins Ohr. Der sagte nun das, was er verstanden zu haben glaubte, seinem Nebenmann weiter und so ging es der Reihe nach, bis am Ende irgendwas mit „Scheiße“ oder „Arsch“ rauskam.

Dieses Spiel nennt man heute „Boulevardjournalismus“ und es funktioniert zum Beispiel so:

Das Model Adrianne Curry, Siegerin der ersten Staffel von „America’s Next Topmodel“, hat auf Twitter ein Foto veröffentlicht, das sie unbekleidet unter der Dusche zeigt.

Das Klatschblog „Promipranger“ berichtete zeigte das Foto, das Blogger „Pottschalk“ mit einer seiner üblichen sexistischen Ausführungen ergänzte:

Kann man mit sowas eigentlich Geld verdienen? Wovon bestreitet Adrianne Curry eigentlich ihren Lebensunterhalt? Vor kurzem hat sie ihre Playboy-Ausgabe mit persönlicher Widmung auf Ebay angeboten. Startpreis “49 Dollar!” Der Pottschalk glaubt kaum, dass jemand soviel Geld für etwas bezahlt, was sie uns fast täglich kostenlos auf die Nase bindet. Auf das Gekritzel von Frau Curry kann ich jedenfalls verzichten, wobei der Pottschalk fast mitgeboten hätte, aber nur damit sie ihm diese ganz spezielle Widmung schreibt:“ Adrianne Curry – From your favorite Slut on Twitter…“

Um den letzten Satz noch mal aufzudröseln: Der Blogger hätte sich die Widmung „Adrianne Curry – From your favorite Slut on Twitter…“ gewünscht.

Auftritt Boulevardjournalisten! Die Website der Schweizer Gratiszeitung „20 Minuten“ ließ sich zu folgender Zusammenfassung des Sachverhalts hinreißen:

Ein deutscher Blog machte uns letzthin auf ein eBay-Angebot aufmerksam: Eine „Playboy“-Ausgabe mit persönlicher Widmung; Startpreis 49 Dollar! Welchen Endpreis das Exemplar erzielte, wissen wir nicht. Der Wortlaut der Widmung kennen wir aber: „Adrianne Curry, von eurer Lieblings-Schlampe auf Twitter!“

Die Überschrift der Nicht-Meldung über das getwitterte Nacktfoto sah natürlich so aus:

Adrianne Curry: "Von eurer Lieblings-Twitter-Schlampe"

Und gerade als die Geschichte in Internet-Zeiteinheiten gerechnet eine halbe Ewigkeit her war, stolperte Bild.de darüber:

Lässt sich mit dieser Karriere Geld verdienen?

Das Schweizer Blatt „20min“ weiß von einer „Ebay“-Auktion zu berichten. Dort hatte die geschäftstüchtige Adrianne Curry einen signierten „Playboy“, in dem sie (schon wieder) nackt zu bestaunen ist, eingestellt. Startpreis: 49 US-Dollar (ca. 40 Euro).

Die Widmung lautete: „Adrianne Curry, euer Lieblings-Luder auf Twitter!“

Der Rest ist klar:

Adrianne Curry (27): Gestatten: Ich bin das größte "Twitter"-Luder!

Sie war "America

Mit „Scheiße“ und „Arsch“ war’s irgendwie lustiger.

Nachtrag, 4. Juli: 20minuten.ch hat den Artikel offline genommen — bei Bild.de ist noch alles wie gehabt.

Pelé verdrückt sich

Das sind doch mal gute Nachrichten für die deutsche Mannschaft:

Riesenlob für Jogis Jungs: Der große Pelé ist Deutschland-Fan

Andererseits:

„O Rei“ (der König), wie Pelé in Brasilien genannt wird, drückt also Deutschland am Freitag die Daumen!

Fraglich, ob das der deutschen Mannschaft bei ihrem Spiel am Samstag wirklich hilft.

Mit Dank an Tim H. und und Ernst.

Nachtrag, 14.30 Uhr: Jetzt drückt Pelé „am Samstag“ die Daumen.

Boateng trat, „Bild“ tritt nach

Mit seinem heftigen Foul an Michael Ballack am 15. Mai im Finale des englischen Fußball-Pokals machte sich Kevin-Prince Boateng nicht gerade beliebt in Deutschland. Immerhin verletzte er den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft dabei so schwer, dass er nicht an der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen konnte. Schnell war angesichts dieser Verletzung auch vergessen, dass Ballack selbst zuvor in der 32. Spielminute bereits wegen einer Tätlichkeit gegen Boateng mit Rot vom Platz hätte gehen müssen.

Und so verwundert es auch nicht, dass die „Bild“-Leute — und auch andere Medien (BILDblog berichtete) — in den folgenden Tagen nicht gerade zimperlich mit dem 23-jährigen Deutsch-Ghanaer umsprangen. Statt von Kevin-Prince war nur noch die Rede vom „Kaputt-Treter“, „Ballack-Treter“, „Brutalo-Treter“ oder „Übel-Treter“ Boateng. Folgende Worte geben die Stimmung treffend wieder:

ER ist seit acht Tagen der meistgehasste Mann im deutschen Fußball. Die Szene hat sich eingebrannt.

Eingebrannt hat sich diese Szene vor allem bei den Sportredakteuren von „Bild“. Denn während man die Wortwahl der ersten Meldungen vielleicht noch als Revanchefoul auffassen kann, hat die ständige Nachtreterei in der WM-Berichterstattung von „Bild“ und „Bild.de“ schon penetrante Züge angenommen — zumal Boateng auch in 345 WM-Minuten für die ghanaische Nationalmannschaft noch keine einzige gelbe Karte erhalten hat.

Nach dem Vorrundenspiel gegen Serbien hieß es:

Ausgerechnet Ballack-Treter Kevin-Prince Boateng (23) feierte seinen ersten WM-Sieg. Der Mann, der unseren Kapitän Michael Ballack im englischen Cup-Finale kaputtgetreten hatte, war einer der großen Sieger beim Duell unserer Gruppengegner. („Serbien – Ghana 0:1 – Ballack-Treter feiert ersten Sieg“)

Vor dem Spiel gegen Australien:

Mittelfeld-Stratege und Ballack-Treter Kevin-Prince Boateng kann mit Ghana die Tabellenführung in der Gruppe D übernehmen. („Ghana mit Treter Boateng auf Platz 1?“)

Vor dem Spiel gegen Deutschland:

Erst hat Kevin-Prince Boateng (23) mit einem üblen Foul Michael Ballack (33) um die WM gebracht, dann tönt er auch noch in Südafrika gegen Deutschland. („Boateng lacht Deutschland aus!“)

Selbst nachdem sich Boateng im Spiel gegen die USA selbst am Oberschenkel verletzt hat, konnte man sich bei „Bild“ nicht zurückhalten:

Jetzt droht dem Mann, der Michael Ballack (33) aus der WM getreten hat, das Aus fürs Viertelfinale gegen Uruguay. („Treter Boateng betet für seinen Oberschenkel“)

In einem weiteren Artikel über Boatengs Verletzung steht bezeichnenderweise:

Für die deutschen Fans wird er für immer der Spieler sein, der Michael Ballack (33) aus der WM getreten hat. („Ballack-Treter Boateng droht das WM-Aus“)

Und „Bild“ sorgt dafür, dass das auch so bleibt.

Mit Dank an Eric R.

Gute Stimmung

Wie egal den Leuten bei Bild.de das ist, was sie in ihren eigenen Bildergalerien zeigen, lässt sich vielleicht ganz gut an diesem kleinen Beispiel beobachten:

"R.I.P. Robert Enke" - Gute Stimmung bei den Bayer-Fans

Zur Erinnerung: Nationaltorwart Robert Enke hatte sich im vergangenen November das Leben genommen.

Mit Dank an Florian R.

Nachtrag, 13.15 Uhr: Bild.de hat das Foto aus der Galerie entfernt.

All The President’s Men

Laut BILD.de-Umfrage würden 73 Prozent der Deutschen den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler wählen, nur 27 Prozent würden sich für den eigentlichen Favoriten Christian Wulff (51, CDU), Ministerpräsident von Niedersachsen, entscheiden. Luc Jochimsen, Kandidatin der Linken, läuft chancenlos mit knapp zehn Prozent.

Für die Option „Weiß nicht / Mir egal“ haben sich unseren Berechnungen zufolge demnach Minus zehn Prozent entschieden.

Mit Dank an Benedikt R. und Stephan K.

Nachtrag, 13.05 Uhr: Bild.de hat den Satz über Luc Jochimsen ersatzlos gestrichen und auch den großflächigen Link zu der Umfrage entfernt, in der sie zur Wahl steht.

Es gibt nämlich zwei Umfragen bei Bild.de: Die eine lief schon, bevor Frau Jochimsen ihre Kandidatur verkündet hatte, und lässt den Lesern auch heute nur die Wahl zwischen Gauck (gerade bei 72%) und Wulff (28%). Die andere berücksichtigt auch Jochimsen (nicht aber Frank Rennicke) und sieht Gauck im Moment bei 62%, Wulff bei 31% und Jochimsen bei 7%.

Da haben wir die Salatschüssel

Der vom sportbegeisterten Milliardär Richard Branson (59, u.a. Besitzer des Formel-1-Teams Virgin Racing) gestiftete Pokal wirkt doch zu sehr wie eine in Metall gegossene Erektion.

So genau hatte man über die Anatomie der Mitarbeiter von Bild.de eigentlich nicht informiert werden wollen, aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Die Verleihung eines „Riesen-Ständers“ an den Tennisspieler John Isner nimmt Bild.de zum Anlass, in einer Bildergalerie die „hässlichsten Pokale der Welt“ vorzustellen.

Darunter:

Links die Salatschüssel, rechts die Zutaten: Golfer Yani Tseng (Taiwan) mit seinem Sieger-Pokal bei den LPGA Corning Classic. Für eine Berliner Weiße mit Schuss könnte die Geschmacklosigkeit auch herhalten...

Nun ja: „LPGA“ steht für „Ladies Professional Golf Association Tour“ — und Yani Tseng ist entsprechend eine Frau.

Mit Dank an Florian K.

Nachtrag, 17.15 Uhr: Bild.de hat Yani Tseng jetzt zur „Golferin“ ernannt.

Schöner filetieren

In unserer kleinen Serie „Die etwas unglücklich platzierte Werbeanzeige“ hat es mal wieder Bild.de erwischt:

Er brachte Mithäftling um, aß dessen Lunge: Frankreich: 30 Jahre Haft für Kannibalen [...] Bild Shop Küche: Kochen ist wieder Chefsache - Keramik-Messer-Set 49,99 Euro

Mit Dank an Tobias M.

Nachtrag, 19.20 Uhr: Bild.de hat die Anzeige für Messer durch eine für Navigationsgeräte ersetzt.

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