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Papa Don’t Preach

Nanu, was ist denn da los? Bild.de zeigt sich seit gestern Abend von einer völlig neuen Seite:

Nackte Haut? Bild.de meint: „Schlampig“. Knappe Outfits? Ganz und gar „deplatziert“. Nippelblitzer? „Zum Fremdschämen.“ Ein hautfarbener String in Kombination mit Netzstrumpfhose? „Das Gegenteil von sexy.“

Der Grund für diese ungewohnten Töne aus der Redaktion ist Sängerin Madonna. Die zeigt sich auf ihrer aktuellen Tour nämlich äußerst freizügig – und Bild.de fragt:

Madonna mia - muss das wirklich sein?
Madonna (54) provoziert gern – das ist nichts Neues. Leider schießen ihre modischen Provokationen in letzter Zeit aber immer wieder übers Ziel und geben Grund zum Fremdschämen (…).

Die Queen of Pop hatte schon immer ein Problem damit, die Klamotten anzubehalten. Knapp und sexy soll es auf der Bühne sein, denn jeder weiß: Sex sells. Bei ihrem Konzert in Miami hätte ein bisschen mehr Stoff aber nicht geschadet.

Slip und die Netzstrumpfhose suchen sich ihren Weg – und ein Cameltoe lässt sogar hartgesottene Madonna-Fans zweifeln, ob die „Queen of Pop“ damit wirklich hot ist – auch ihre Kehrseite will in diesem Bühnenoutfit ganz und gar nicht sexy aussehen. In den 80er-Jahren waren solche Auftritte vielleicht noch frech und „shocking“, aber heute wirken sie eher schlampig und deplatziert.(…)

Und nur im BH bekleidet auf der Bühne zu stehen, ist auch keine Lösung.

So verklemmt haben wir die Redakteure von Bild.de wirklich selten erlebt. Aber so ganz kaufen wir ihnen die neue Spießigkeit nicht ab.

Grund 1: In der mitgelieferten Fotostrecke gibt es vier Fotos von Madonnas Hintern, zwei von ihr im BH, eins von ihrer nackten Brust, eins von ihr mit „Cameltoe“ und eins, auf dem sie ihr Kleid hochzieht und ihre Unterwäsche zeigt.

Grund 2: Die Fotos tragen Unterschriften wie „Wozu Klamotten? Manchmal reicht auf der Bühne auch nur ein BH“ oder „Madonna zeigt ihre knackige Kehrseite“ oder „Ups! Madonna lüftet ihren Rock“.

Grund 3: Das Foto mit der Beschriftung „Wenn das Höschen in der Ritze verschwindet, lädt das nicht gerade zum Hinschauen ein“ zeigt das Höschen, das in der Ritze verschwindet.

Grund 4: Das „Cameltoe“-Foto wird nicht nur in normaler Größe geliefert, sondern auch in groß und in megagroß.

Grund 5: Bisher fand Bild.de Madonna in ihren knappen Outfits eigentlich ganz geil:

1. Juni 2012:

Den begeisterten Zuschauern bot sie dann ein farbenfrohes Musikspektakel mit Videoeinlagen. Madonna schlüpfte in sexy Kostüme, sang im Schulmädchen- und Domina-Look, ließ Tänzer in Nonnen-Kostümen um sich herumwirbeln.

In der Fotostrecke: einmal Madonnas „Popo-Blitzer“, zweimal Madonna im BH.

11. Juni 2012:

Nur ein paar Minuten später tanzt Madonna mit schwarzem Spitzen-BH vor den 55 000 Fans!

Und schwupps – ist der Nippel draußen! Und die Popkönigin zeigt allen, was sie mit über 50 noch oberhalb der Gürtellinie so zu bieten hat.

In der Fotostrecke: einmal Hintern, zweimal BH, einmal nackte Brust.

Wenige Stunden später:

Auch im türkischen Istanbul staunten 50 000 Fans nicht schlecht, als die Queen of Pop während der Show ihre rechte Brust entblößte.

In der Fotostrecke: einmal Hintern, zweimal BH, zweimal Brust.

14. Juni 2012:

Madonnas Strip-Show: Erst Nippel, jetzt der Hintern

In der Fotostrecke: dreimal Hintern, zweimal BH, zweimal Brust.

21. Juni 2012:

Queen of Quetsch
Madonnamia! Beim Video-Dreh zu ihrer nächsten Single „Turn Up The Radio“ in Florenz zeigt Madonna (53) was sie (noch immer) hat: ein ganz schön pralles Dekolletee.

Sexy Ledermini, Netzstrumpfhosen und den Busen ordentlich hochgeschnallt – so kann man einen Song natürlich auch pushen!

In der Fotostrecke: Zweimal Hintern, zweimal BH, einmal Brust.

17. Juli 2012:

Sehen Sie hier Madonnas sexy-quetschy-Video
WOW – was für ein Wahnsinns-Dekolleté!

Madonna (53) lässt in ihrem neuen Video gaaanz tief blicken. „Turn Up The Radio“ ist die dritte Singleauskopplung vom ihrem aktuellen Album „MDNA“.

Gedreht wurde der sexy Clip zu dem poppigen Song vor wenigen Wochen in Florenz. BILD.de berichtete schon damals von der sexy quetschy Queen.

Auch mit ihren 53 Lenzen steht Madonnas Busen wie ’ne Eins – was allerdings an dem supereng geschnürtem Spitzen-BH liegen könnte. (…)

Überzeugen Sie sich selbst – sehen Sie hier die Premiere des heißen Italien-Videos!

In der Fotostrecke: dreimal Hintern („Hallöchen Popöchen!“), zweimal BH, einmal Brust.

Bei Bild.de geht so was: An einem Tag geilt man sich sabbernd an irgendeinem knappen Höschen auf, und am nächsten Tag findet man dasselbe knappe Höschen ganz schön schlampig. Aber egal, was man macht — Hauptsache man zeigt verdammt nochmal das knappe Höschen.

Zum Lachen ins Kabinett gehen

Nächstes Jahr ist Bundestagswahl und weil ja sonst im Moment in der Welt nicht viel los ist, hat Bild.de schon mal die Glaskugel vom Speicher geholt und schaut jetzt, wie das Kabinett aussehen könnte, falls Deutschland nach der Wahl von einer schwarz-grünen Koalition regiert würde.

Oder, noch unpräziser:

Sieht so das nächste Kabinett aus?

Dass die Grafiker von Bild.de zunächst erst mal die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt (mit „dt“) schwarz unterlegt hatten, als gehöre sie zur CDU/CSU, ist ihnen inzwischen aufgefallen und sieht jetzt nicht mehr so aus:

Aber im Kabinett gibt es neben vielen naheliegenden Ideen eine echte Überraschung:

Und zu guter Letzt: Es wird wieder einen Guttenberg im Kabinett geben.

Karl Theodor-Bruder Philipp Franz Maria Antonius Friedrich Wilhelm Emanuel Johannes Freiherr von und zu Guttenberg wird für die CSU neuer Landwirtschaftsminister. Er ist übrigens aktueller Träger des Ordens „Wider den tierischen Ernst“. Und somit künftig auch zuständig für die Kalauer im Kabinett.

Na ja, fast: Aktueller Träger des Ordens ist der Kabarettist Ottfried Fischer. Dessen Vorgänger war Karl-Theodor zu Guttenberg.

Der war zugegebenermaßen weder im vergangenen Jahr, als er den Orden erhielt, noch in diesem Jahr zum Festakt erschienen, als er die Laudatio auf Ottfried Fischer hätte halten sollen. Beide Male hatte ihn sein kleiner Bruder Philipp vertreten. Aber Ordensträger bleibt nun mal Karl-Theodor.

Eigentlich unvorstellbar, dass die Leute bei „Bild“ ihrem einstigen Liebling noch einen Titel abnehmen. So viele hat der ja nicht mehr.

Mit Dank an Marco G., Tobias U., Ferdinand D., Thomas P. und Andreas H.

Turbulenzen-Turbulenzen

Ein Flugzeug der italienischen Fluggesellschaft Neos ist auf dem Weg von Havanna nach Mailand in heftige Turbulenzen geraten und hat ordentlich an Höhe verloren.

Wie viel, ist nicht ganz klar: Die für gewöhnlich gut informierte Website „The Aviation Herald“ schreibt von „etwa 1.000 Fuß“, was rund 305 Metern entspräche. Die Nachrichtenagentur Associated Press hatte zunächst von „3.000 Metern (10.000 Fuß)“ geschrieben, war aber auf „1.000 Meter (3.300 Fuß)“ umgeschwenkt, nachdem der „Corriere della Serra“ einen Vertreter der Airline mit den Worten zitiert hatte, dass die Maschine erst 500 Meter in die Höhe gestiegen und dann auf 500 Meter unter der ursprünglichen Flughöhe abgesackt sei — die Maschine also insgesamt 1.000 Meter abgesackt sei.

Bild.de entschied sich ebenfalls für die 1.000-Meter-Variante, hat aber bei der Art des Flugzeugs völlig den Faden verloren: Zunächst schrieb die Seite, es habe sich um eine „Boeing 731“ gehandelt. Ein Maschine solchen Typs hat Boeing allerdings nie gebaut, die Flugnummer lautete „NO731″.

Bild.de hat sich also korrigiert und schreibt jetzt von einer ”Boeing 737*)“:

*)In einer früheren Version des Artikels war irrtümlicherweise eine Boeing 731 genannt. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen

Nur: Eine Boeing 737 kann maximal bis zu 215 Passagiere aufnehmen, an Bord waren aber 268, drei Piloten und sieben Besatzungsmitglieder.

Tatsächlich hat es sich laut „Aviation Herald“ und dpa um eine 767-300 gehandelt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 16.10 Uhr: Das ging schnell: Im Artikel ist jetzt von einer „Boeing 767-300*)“ die Rede, in den Bildunterschriften steht immer noch „Boeing 731 sackte 1000“.

Hinweis/Korrektur, 21. November: In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels hatten wir im zweiten Absatz geschrieben, dass 1.000 Fuß „rund 330 Metern entspräche“. Das war ein Denkfehler. Richtig sind 305 Meter, wie jetzt oben stehen.

Brust? Raus!

„Bild“ hätte Griechenland ja am liebsten aus der Euro-Zone raus. Das geht nicht spurlos an den Mitarbeitern vorbei: In der Bildunterschrift zum großen Brust-Artikel aus der „Bild am Sonntag“ gehört Griechenland jetzt nicht mal mehr zu Europa.

Insgesamt tragen zehn Millionen Frauen auf der Welt schönheitsoperierte Brüste. Weit vorn liegen dabei die USA, Europa und Griechenland. Je nach Art der Operation kostet eine Brust- OP zwischen 4500 und 7500 Euro *

Mit Dank an Tobias N.

Licht aus, Photoshop an!

Gestern Morgen kam es in München zum „schlimmsten Stromausfall seit 20 Jahren“.

Gestern Abend war dann Frankfurt dran:

Nach Mega-Stromausfall in München: Jetzt Frankfurt! 27 Minuten Licht aus!

Ganz so schlimm, wie es auf dem Startseitenteaser von Bild.de aussah, war der Stromausfall aber wohl doch nicht:

Mitten im Feierabend-Verkehr sind am Donnerstag in Frankfurt weite Teile der Straßenbeleuchtung ausgefallen! Zwischen 18 und 18.27 Uhr wurde es zappenduster.

Doch warum ist das Hochhaus auf dem Teaserbild dann so dunkel? Ist es ja gar nicht. Eigentlich:

Für 27 Minuten fiel in Frankfurt die Straßenbeleuchtung aus

Bild.de hat das Licht offensichtlich für die Startseite per Bildbearbeitung nachträglich heruntergedimmt.

Via frischmil.ch, mit Dank an Johannes H.

Nachtrag, 19. November: Unser Leser Moritz P. aus Frankfurt schreibt uns, dass die abgebildete Lampe immer noch dunkel sei, da sie „schon eine Weile kaputt“ sei. Die andere Straßenbeleuchtung drum herum funktioniere tadellos.

Diagnose: untervögelt

Heute werden wir mal ein bisschen intimer. Also, liebe Leser: Haben Sie eigentlich genug Sex?

Wir fragen deshalb, weil Bild.de neulich folgende Schreckensnachricht aufgedeckt hat:

Es kommt vor, dass man länger keinen Sex hat – und es einem gar nicht auffällt.

Ob Sie selbst zur Genug-Sex-Fraktion gehören oder ob Sie es doch „mal wieder so richtig nötig haben“ (Bild.de), können Sie im selben Artikel schnell mal überprüfen. Dort wurden nämlich (mit Unterstützung der „B.Z.“) „13 Anzeichen für einen akuten Sex-Mangel“ zusammengestellt.

Darunter finden sich dann so originelle Punkte wie:

Sie ordnen Ihre Pornosammlung nach cineastischen Gesichtspunkten.

Oder:

Sie fahren häufiger Fahrrad als sonst, weil sich das so schön anfühlt.

Nun ja.

Interessant ist jedoch, dass gerade die Leute von Bild.de von Zeit zu Zeit genau jene Symptome zeigen, die in dem Artikel beschrieben werden. Hier eine kleine Gegenüberstellung.

Sex-Mangel-Anzeichen Nr. 4: Sie finden sogar Zeichentrickfiguren erregend.

Bild.de vom 17. Dezember 2009:

Blauhaarige Beauty in sexy Dessous - Marge Simpson strippt für Playboy
Im Innenteil des Magazins sollen heiße Dessous-Bilder von der Hausfrau und dreifachen Mutter mit der blauen Turmfrisur befinden. Sicher ist: Die gelbhäutige Lady wird einfach nicht älter!

Bild.de vom 3. und 23. Dezember 2007:

Sexy Kalender 2008 - Superheldinnen im Nackteinsatz
Werfen Sie einen Blick unter die Kampfanzüge weiblicher Comic-Legenden wie Lara Croft oder Superwoman – ganz exklusiv, versteht sich. So verführerisch haben wir die Starlets noch nie gesehen.

Sex-Mangel-Anzeichen-Nr. 5: Sie kichern jedes Mal, wenn jemand Penis sagt.

Bild.de vom 8. November 2012:

Krasser Penis-Versprecher bei Anne Will
Der „köstliche Versprecher“ (O-Ton des Bild.de-Videos): In der Talkshow hatte ein Gast „Phallussieg“ statt „Pyrrhussieg“ gesagt. Hihi.

Sex-Mangel-Anzeichen-Nr. 1: Sie nennen Sex Geschlechtsverkehr oder sprechen vom Kopulieren.

Bild.de vom 18. Oktober 2011:

Anschließend kopulieren Gastgeber und Gäste mit den schönen Sammlerinnen, bis der Papst die ausdauerndsten Herren mit Ehrenpreisen belohnt.

Bild.de vom 3. Juni 2010 und 11. Mai 2011:

 Kopulieren setzt Endorphine frei, also Glückshormone.

Bild.de vom 16. November 2009:

Die Prostituierten suchen quasi im Konzertsaal ihre Freier, um dann in den oberen Etagen, wahrscheinlich weit weniger taktvoll, zu kopulieren.

Sex-Mangel-Anzeichen Nr. 7: Sie sehen im Supermarkt keine Gurken, sondern pflanzliche Sextoys.

Bild.de vom 4. März 2008:

Kennen Sie dieses Kribbeln an der Gemüsetheke? Diesen winzigen Moment der Verlegenheit beim Anblick von Stangen-Sellerie, Kürbis, Aubergine? So manches erinnert in seiner Form doch stark an das beste Stück des Mannes.

Bild.de vom 17. August 2010:
Schniedlwurzel - BILD-Leser Dirk Philippi (39, Saarwellingen) zog diese Karotte aus der Erde

Fragt sich also, wer es hier tatsächlich „mal wieder so richtig nötig“ hat.

Meldung explodiert

Preisfrage: Was ist passiert?

Schock für Emirates-Passagiere: Triebwerk von Airbus A380 explodiert – Notlandung

Den Unterschied zwischen einer Not- und Sicherheitslandung hatten wir vor einem Jahr schon mal erklärt und es gibt im konkreten Fall nichts, was auf eine Notlandung hindeutet — auch wenn die Nachrichtenagenturen dapd und dpa in ihren ersten Meldungen geschrieben hatten, der A380 von Emirates sei „notgelandet“, und Reuters dies auch am Nachmittag noch tut.

Vor allem aber – und damit sind wir wieder bei Bild.de – gab es offensichtlich keine „Explosion“.

Schon im eigenen Text taucht das Wort nicht mehr auf:

Panik an Bord eines Airbus 380 in Sydney (Australien)! Die Maschine war gerade im Steigflug, als Passagiere ein grelles Licht an einem der Triebwerke sahen und einen Knall hörten.

Eine gewisse Enttäuschung können die Autoren dabei nicht verhehlen:

Obwohl offenbar ein Triebwerk ausfiel, sprach die Fluggesellschaft Emirates nur von einem „Motorenschaden“. Auch von einem Feuer wollte Emirates nichts wissen: „Wir können bestätigen, dass es kein Feuer im Triebwerk gab, keine Flammen und keinen Rauch“, sagte ein Sprecher.

Bild.de beruft sich explizit auf einen Artikel des „Sydney Morning Herald“, der einen Reporter, der zufällig an Bord war, mit diesen Worten zitiert:

„Ich habe keine Flammen gesehen, aber der Blitz, den ich sah, würde einem explodierenden Triebwerk entsprechen“, sagte er.

„Es war ein helles orangenes Licht, ich habe es nicht länger als für Sekundenbruchteile gesehen, aber es war immer noch ein sehr erschreckender Anblick.“

(Übersetzung von uns.)

Auch sonst gibt sich Bild.de Mühe, alles ein wenig dramatischer aussehen zu lassen: Aus einem „fast fatalen Triebwerkschaden“, den ein Airbus A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas laut dpa vor „fast genau zwei Jahren“ erlitten hatte, wird bei Bild.de das hier:

Vor etwa zwei Jahren hatte ein Airbus A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas bei Singapur einen fatalen Triebwerkschaden.

Beim Schwesterblatt „B.Z.“ wird auch fleißig explodiert:

Triebwerk explodiert, Mega-Airbus kehrt um

Und bei „Spiegel Online“ war die Maschine ursprünglich zu ihrem Zielort weitergeflogen:

Airbus A380 der Fluglinie Emirates muss in Dubai notlanden ...

Mit Dank an Dustin und Wolfgang.

Nachtrag, 13. November: Die gedruckte „Bild“ berichtet heute ein klein wenig zurückhaltender:

Explosion in Triebwerk? A380 muss notlanden

Hip Journalists Don’t Use Google

Wenn Sie gestern die Sendung „The Voice of Germany“ verfolgt haben, wissen Sie es womöglich schon:

„Hip Teens Don’t Wear Blue Jeans“ war 2003 ihr Nummer-Eins-Hit. Für Tochter Amber (7) legte sie eine Karriere-Pause ein – gestern versuchte Sam Leigh-Brown (43) bei „The Voice“ (ProSieben, 20.15 Uhr, Donnerstag und Freitag) ihr Glück. Vergeblich… Im Battle gegen Jesper (25) verlor sie.

Wobei: Das mit dem Nummer-Eins-Hit hatten Sie nicht wissen können. Das weiß Bild.de nämlich einigermaßen exklusiv. „Hip Teens Don’t Wear Blue Jeans“ vom Frank Popp Ensemble hat es nämlich nur bis auf Platz 17 der deutschen Single-Charts geschafft.

Anders bei Bild.de:

Als „Hip Teens Don’t Wear Blue Jeans“ in den Charts auf Platz Eins stieg, wurde sie schwanger.

Mit Dank an Schulze.

Bild.de  etc.

Das hässliche Gesicht des Journalismus

Stellen Sie sich bitte folgendes vor:

Der Chinese Jian Feng und seine Frau sind glücklich verheiratet. Dann bringt die Frau ein „unglaublich hässliches“ Baby zur Welt, das weder ihr noch ihrem Gatten ähnlich sieht. Jian Feng wähnt sich hintergangen, doch ein DNA-Test ergibt, dass er eindeutig der Vater des Kindes ist. Schließlich gesteht ihm seine Frau, dass sie, bevor sie ihn kennenlernte, umfangreich schönheitsoperiert worden war. Jian Feng reicht die Scheidung ein, verklagt seine frischgebackene Ex-Frau und bekommt 100.000 Euro zugesprochen.

Diese unglaubwürdige „Fake!“ schreiende kuriose Geschichte erzählt Bild.de seit gestern:

Kuriose Geschichte aus Asien: Der Chinese Jian Feng hat seine Frau verklagt, weil sie ein „unglaublich hässliches“ Baby zur Welt gebracht hat.

Vor Gericht hat er jetzt sogar gewonnen! Dem Mann wurden knapp 100 000 Euro zugesprochen, berichtet die Zeitung „The Irish Times“.

Das behaupten viele Medien, nur: im Archiv der „Irish Times“ gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Zeitung oder deren Website jemals über den Fall geschrieben hätten.

Allerdings gibt es einen Artikel im „Irish Examiner“ vom 31. Oktober.

Und von dort aus geht die große Quellen-Odyssee erst richtig los:

Wie planetivy.com berichtet, hat sich der Mann aus dem Norden Chinas von seiner Frau scheiden lassen und sie anschließend, offenbar, verklagt, weil sie hässlich war — und er gewann.

(Übersetzung von uns.)

„Planet Ivy“, ein Webmagazin für bunte Meldungen, hatte am 24. Oktober über den Fall berichtet und sich dabei auf interaksyon.com als Quelle berufen.

Dort war in der Tat ein Artikel über den Fall erschienen — allerdings bereits am 15. Mai 2012, was „Planet Ivy“ irgendwie zu erwähnen vergessen hatte.

(Bei der „Huffington Post“ und dem britischen Boulevardblatt „Daily Mail“ gilt übrigens der Fernsehsender Fox31 aus Denver als Primärquelle, der die Geschichte zwei Tage nach „Planet Ivy“ aufgeschrieben hatte.)

Andererseits war die Meldung auch im Mai schon nicht mehr ganz frisch gewesen: interaksyon.com, das Online-Nachrichtenportal des philippinischen Senders TV5, berief sich auf eine Veröffentlichung der mazedonischen (!) Nachrichtenagentur MINA vom 28. Februar 2012.

In Wirklichkeit ist die Geschichte aber noch viel, viel älter: Die älteste von uns gefundene Fassung stammt von der Website der pakistanischen „Daily Times“ und datiert vom 26. Mai 2004. Jian Fengs Geschichte war schon damals kein Stück glaubwürdiger oder von Quellen untermauerter als sie es heute ist.

Aber wer ist dann die (stets namenlose) Frau auf den Vorher-Nachher-Bildern, die die Artikel bei Bild.de, dem „Irish Examiner“ und in diversen anderen Medien zieren?

Das sind zwei Fotos von einer Person: Fengs Frau vor (l.) und nach den Schönheitsoperationen

Die älteste Version, die wir finden konnten, stammt aus dem Mai dieses Jahres, als die Geschichte gerade ihre Spanien-Tour absolvierte.

Tatsächlich stammen die Bilder aber offenbar von der Website eines japanischen Schönheitschirurgen:

Mit Dank an den Hinweisgeber und mit großem Dank an die Leute bei Reddit.

Manhattan Transfer

Am Freitagabend unserer Zeit wurde der für Sonntag geplante New York Marathon abgesagt. Um 00.04 Uhr früh am Samstag berichtete Bild.de auf der Startseite darüber:

New-York-Marathon abgesagt

Das Foto ist, wie Bild.de schreibt, ein „Archivbild“ — allerdings keines vom letzten New York Marathon oder dem davor oder auch nur irgendeinem New York Marathon. Die Skyline im Hintergrund ist die von Frankfurt am Main, das Bild war eine Woche zuvor beim Frankfurt-Marathon entstanden und lag offenbar noch in der Redaktion rum.

Andererseits nennt man Frankfurt ja manchmal auch „Mainhattan“ und Bild.de hätte es insofern noch schlechter treffen können — zum Beispiel mit der Skyline des antiken Marathon in Griechenland.

Mit Dank an Freddy M., Marcus K. und Thomas W.

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