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Neues Bayern-Trikot mit fremden Federn

Was Gerüchte, Mutmaßungen und Rätselraten angeht, ist die Welt des Fußballs der Welt der Unterhaltung inzwischen weit voraus: geplatzte Vertragsverlängerungen, vermeintliche Wechsel und irgendwelche Zerwürfnisse — fast rund um die Uhr tratschen die Medien irgendetwas aus dem sogenannten Umfeld von Spielern, Funktionären und Vereinen weiter. Manches wird dementiert, mal zu recht, mal zu unrecht, wie man natürlich immer erst viel später weiß.

Gegen Ende einer Bundesligasaison kommt dann ein weiteres Thema dazu: Sportreporter und andere Fans spekulieren wild darüber, wie die Trikots einer Mannschaft in der kommenden Saison aussehen könnten.

So zeigte „Bild“ am Freitag die vermeintlichen neuen Trikots des FC Bayern München:

Das neue Bayern-Outfit: So zugeknöpft gibt sich der Meister nächste Saison! BILD zeigt das neue Trikot der Bayern für die Saison 2013/2014. Auffällig am weißen Auswärts-Dress: Der hohe Kragen und ein kleiner Knopf am Hals, die stark an ein typisch bayrisches Trachten-Hemd erinnern. Dazu soll nach BILD-Informationen auch eine braune Shorts in Lederhosen-Optik kommen.

Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, ob die Trikots tatsächlich so aussehen werden. Dabei ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass die Bilder ziemlich nah dran sind.

Und das hat mit den „BILD-Informationen“ zu tun: Im Fußballforum transfermarkt.de diskutieren die User seit Wochen über den möglichen neuen Look. Der Teilnehmer „djaytommy“ hatte die neuen Trikots angeblich schon gesehen, der User „jimsen“ veröffentlichte aufgrund dessen Beschreibungen eine Art „Phantombild“.

Und das sah am vergangenen Samstag so aus:

Transfermarkt.de gehört mehrheitlich zur Axel Springer AG, die auch „Bild“ herausgibt. Und die Zeitung kann sich womöglich auf diesen Passus in den Allgemeinen Nutzungsbedingungen bei transfermarkt.de berufen:

4.8. Mit der Übermittlung von Content räumen Sie Transfermarkt das unwiderrufliche, zeitlich und räumlich unbeschränkte und übertragbare Recht ein, den Content zu vervielfältigen, zu verbreiten, zu veröffentlichen, auszustellen, öffentlich zugänglich zu machen, zu verändern, zu übersetzen und zu speichern. Dies umfasst das Recht, den Content zu bearbeiten, zu gestalten, an die zur Nutzung erforderlichen Dateiformate anzupassen und die Darstellungsqualität zu ändern und/oder zu verbessern. Diese Nutzungseinräumung besteht über die Laufzeit dieses Vertrages hinaus fort, das heißt bei einer Beendigung des Vertrags sind wir nicht verpflichtet, Content, den Sie Transfermarkt übermittelt haben, zu löschen.

Sport1.de und spox.com berufen sich in ihren (unbebilderten) Artikeln nun auf „Informationen der ‚Bild‘-Zeitung“, während sich die Münchener „tz“ auf die Seite trikot.cc beruft, die die Grafik von „jimsen“ am Donnerstag veröffentlicht hatte.

Mit Dank an Olli und Jürgen P.

Bluthund auf dem Holzweg

Am Sonntag fragte Bild.de:

Zeigt Google hier einen blutigen Mord?

Die mysteriöse Spur hatte Bild.de auf der Startseite (und nur dort) rot eingefärbt, damit sie ein wenig besser zur Geschichte passte, wie das Blog picomol.de bemerkt hatte (s.a. „6 vor 9“ vom Dienstag).

Im Artikel selbst hatte Bild.de Diskussionen auf „Reddit“ zitiert, die darum kreisten, was auf der Google-Maps-Aufnahme eines Stegs im niederländischen Almere zu sehen sei.

Einige Kommentatoren spekulierten über einen „blutigen Mord“, andere waren da skeptischer:

Auch „Benny 1337“ ist skeptisch. Die dunkle Spur auf dem Holzsteg müsse nicht unbedingt Blut sein: „Sieht eher nach einem Hund aus, der aus dem Wasser gesprungen und sich im Laufen trocken geschüttelt hat.“ Und die Gestalt am Ende des Stegs? „Das ist der Hundebesitzer.“

Für Bild.de offenbar keine plausible Erklärung:

Ist am Ende also doch alles ganz harmlos? Nein, glaubt User „thefx37“: „Genau das würde der Mörder doch auch sagen.“

Heute dann die „überraschende“ Auflösung:

BILD.de weiß, wer diesen "Mord" begangen hat

Und das „weiß“ Bild.de:

Der „Täter“, der die Internet-Gemeinde von „Reddit“ beschäftigte, ist der holländische Hund Rama (5), ein Golden Retriever.

Er war nach einem Bad im See an Land geklettert, pitschnass über den Steg gefegt – und hatte sich trockengeschüttelt!

Sein Frauchen Jacquelina Koenen (52) erzählt: „Als ich das Bild sah, wurde mir klar: ‚Das ist mein Hund!‘ Er liebt Wasser.“ Dann fügt sie hinzu: „Es ist so lustig, das alle dachten, es ist ein Mord. Aber das ist super, Rama ist jetzt weltberühmt.“

Na ja, genau genommen wusste das alles eher die „Sun“, die das Rätsel schon vor Bild.de aufgelöst hatte und aus deren Artikel auch die Zitate der Hundehalterin und der Polizei stammen.

Bild.de erwähnt die britische Boulevardzeitung mit keinem Wort, weiß aber, wer es von Anfang an gewusst hatte:

„Reddit“-User „Benny 1337“ hatte jedoch schon vorher die Lösung des Rätsels!

Und Bild.de beinahe auch. Die Redakteure sind nur falsch abgebogen und haben sich ausgerechnet von der „Sun“ auf den richtigen Weg zurücklotsen lassen. Und jetzt sagen sie nicht mal „Danke“.

Mit Dank an Patrick K., Martin, Daniel, Marvin und U.

Hautnah an den Stars

Die Welt ist voller Fragen: „Woher kommen wir?“, „Wohin gehen wir?“, „Hab ich das Bügeleisen angelassen?“ und natürlich:

Warum trägt Robben eigentlich so enge Trikots?

Beim 6:1-Sieg der Bayern gegen Wolfsburg sei eines „wieder einmal“ aufgefallen, so Bild.de:

das hautenge Trikot des Niederländers.

Alljährlich dürfen die Spieler zwischen verschiedenen Trikot-Schnitten wählen, bei Robben fällt die Wahl regelmäßig auf die körperbetonte Variante – sehr zur Freude seiner weiblichen Fans. Die wissen natürlich schon lange um das Geheimnis der hautengen Teile.

Und was ist das „Geheimnis“? Offenbar, dass das „hautenge Teil“ besonders teuer ist, wie Bild.de detailliert erklärt:

Robbens kurzärmeliges Trikot, Modell „TechFit Limited Edition“, ist derzeit in Weiß für 149,95 Euro im Bayern-Fan-Shop erhältlich. Zum Vergleich: Ein normal geschnittenes Trikot kostet den Fan in Erwachsenen-Größe 79,95 Euro (kurzärmelig) bis 84,95 Euro (langärmelig).

Das dürfte neben den weiblichen Fans auch den Presserat interessieren, beantwortet aber immer noch nicht die Frage, warum Arjen Robben so enge Trikots trägt.

Aber keine Angst, das erklären die Servicejournalisten von Bild.de natürlich auch noch — auf ’ne Art. Jedenfalls lassen sie dabei jemanden zu Wort kommen, der es wissen muss:

Was ist so besonders am „TechFit“-Modell?

„Das Gewebe ist hauteng geschnitten und sorgt für eine bessere Durchblutung der Muskulatur“, erklärte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen „Bild am Sonntag“. Die enge Passform und die „TechFit mit Powerweb“-Technologie fördere durch Kompression die Körperwahrnehmung und erhöhe das Körperbewusstsein. Das bedeutet: Robbens Oberkörper bleibt nach dem Aufwärmen gut durchblutet, das Verletzungsrisiko sinkt. Dazu trägt er auf dem Platz körpernahe Funktionsunterwäsche. Die verstärkt den Effekt noch – den auf die Damen übrigens auch.

Und wenn die Damen das Dingen jetzt erwerben wollen, wissen sie auch, wo und zu welchem Preis.

Mit Dank an Pascal P., Christian G. und Mark G.

Amateure!

6:1 hat der FC Bayern München gestern gegen den VfL Wolfsburg im Halbfinale des DFB-Pokals gewonnen und damit fast das geschafft, worauf Bild.de im Vorfeld spekuliert hatte:

DAS WAREN DIE HÖCHSTEN POKALSIEGE ALLER ZEITEN: Knackt Bayern heute den Pokal-Tor-Rekord?

Na ja, fast:

Um den Torrekord im Pokal zu überbieten müssten die Bayern-Stürmer allerdings noch Mal eine Schippe drauflegen: Der liegt bei 17 Treffern – in einem Spiel! Die Stuttgarter Kickers trafen 1941 in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokal-Vorgängerwettbewerbs, dem Tschammer-Pokal, durchschnittlich alle fünf Minuten ins Tor des VfB Knielingen.

Die Antwort auf die Überschrift lautete also von Anfang an: „Vermutlich eher nicht.“

Aber dann vielleicht was anderes:

Oder knackt der FC Bayern den Rekord für das torreichste Bundesliga-Duell im Pokal?

Das fand im Viertelfinale 1987 statt: Borussia Mönchengladbach schlug den KFC Uerdingen 9:2 – das Ergebnis, mit dem die Bayern zuletzt den Hamburger SV in der Bundesliga überrollten.

Den höchsten Halbfinal-Sieg in der Geschichte des Pokal-Wettbewerbs feierten ausgerechnet die Stadtrivalen der Bayern: 1860 München gewann 1942 gegen TuS Lipine mit 6:0.

Möglich gewesen wären natürlich auch noch die Torrekorde für ein Spiel an einem Dienstagabend, der auf ein gerades Datum fällt, ein Spiel zwischen einer Mannschaft aus einer Stadt mit sieben Buchstaben gegen eine aus einer Stadt mit neun oder für ein Spiel, bei dem die Redaktion von Bild.de zuvor gefragt hatte, ob Bayern heute den Pokal-Tor-Rekord knacken werde.

Bild.de hatte jedenfalls mehrere Listen zu den „torreichsten Duellen im DFB-Pokal“ vorbereitet, unterteilt in die „höchsten Siege im DFB-Pokal“, die „höchsten Halbfinalsiege“ und die „meisten Tore in Bundesliga-Duellen“:

Sieht soweit nicht weiter verdächtig aus, enthält aber zwei Fehler:

Das 1:8 vom 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart war kein „Bundesliga-Duell“, weil es die Kölner Amateure waren, die da gegen Stuttgart verloren.

Und das 6:1 der Stuttgarter gegen Frankfurt wird noch beeindruckender, wenn man weiß, dass es die Amateurmannschaft des VfB war, die die Eintracht da bezwang — also auch kein „Bundesliga-Duell“.

Mit Dank an Thomas B.

Überall Blut

Früher konnten Eltern ihren Kindern noch die Augen zuhalten, wenn in der „Tagesschau“ Beiträge über den Bürgerkrieg in Jugoslawien, Anschläge der IRA oder ähnliche, mutmaßlich blutige Themen angesagt wurden. Heute surfen die Kinder im Internet rum und auch wenn die wenigsten von ihnen freiwillig auf Nachrichtenseiten gehen dürften, ist die Chance, auf verstörende (Bewegt-)Bilder zu stoßen, allgegenwärtig.

Nachdem es am Montag an der Ziellinie des Boston Marathons zu zwei Explosionen gekommen war, tauchten innerhalb kürzester Zeit im Internet Fotos und Videos auf, bei denen sich viele sicherlich die schützende Hand der Eltern zurückgewünscht haben — und das nicht nur bei Facebook, Twitter & Co. (vgl. „6 vor 9“ von heute), sondern auch auf mehr oder weniger seriösen Nachrichtenseiten.

Bild.de zeigte (natürlich) Bilder, die mit „Blutüberströmt wird diese verletzte Frau in einem Rollstuhl zum Krankenwagen gefahren“, „Eine junge Frau wird vor Ort am Boden verarztet“, „Ein verletzter Mann liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einer Trage“, „Auch dieser schwer verletzte Mann muss im Rollstuhl zum Krankenwagen gebracht werden“ und „Eine Frau mit einem verwundeten Bein wird auf eine Trage verlagert“ einigermaßen treffend umschrieben sind. „Focus Online“ präsentierte eine Bildergalerie unter der Überschrift „Terror auf der Ziellinie – Schreckens-Bilder aus Boston“, stern.de zeigte Fotos, auf denen „deutlich […] die Blutflecken zu erkennen“ waren, oder sich Menschen „schreiend auf der Erde wälzen“, und „RP Online“ betextete seine Bildergalerie durchaus treffend mit: „Diese Läuferin läuft weinend durch die Gegend“ und „Überall waren Blutlachen zu sehen“. Auf amerikanischen Nachrichtenseiten waren mitunter noch heftigere Fotos zu sehen, noch mehr Blut — teils ohne jede Vorwarnung direkt auf der Startseite.

Auf sueddeutsche.de erschien gestern ein Artikel über die „Macht der Bilder“, in dem es heißt:

Egal, wer für den Anschlag verantwortlich ist, die Täter haben ein erschreckendes Gespür für die Symbolik eines Terroranschlags gezeigt. Nirgendwo waren mehr Kameras, nirgendwo haben mehr Menschen das Ereignis verfolgt. Und an keiner anderen Stelle wäre die unmittelbare Aufmerksamkeit höher gewesen, als an der Ziellinie. Jede Sekunde des Anschlags ist in zahllosen Clips aus allen nur denkbaren Einstellungen zu sehen. Jedes kleinste Detail wurde mit Smartphones festgehalten und hat sich innerhalb weniger Minuten auf der ganzen Welt verbreitet. Ungefiltert, nahezu in Echtzeit. Wer will, kann das Grauen mit all seinen Facetten ansehen. Und genau das ist es, was die Terroristen bezwecken.

Das ist sicher richtig.

Insofern ist es konsequent und lobenswert, dass sueddeutsche.de diesem und anderen Artikeln einen Kommentar hinzugefügt hat:

Im Zuge der Berichterstattung über den Anschlag in Boston verzichtet Süddeutsche.de bewusst auf die Veröffentlichung von Fotostrecken und Videos mit blutigen Bildern der Opfer. Uns ist bewusst, dass andere News-Seiten, auf die wir – nach sorgfältiger Prüfung – in unseren Texten verlinken, derartige Fotos möglicherweise zeigen. Wir glauben jedoch, dass in diesen Fällen der Informationsgehalt der verlinkten Artikel so hoch ist, dass Verweise dennoch gerechtfertigt sind.

Der schöne Sheen

Bild.de ist kaum noch zu bremsen:Charlie Sheen: So gei ist seine neue Serie!

Der Super-Macho ist zurück!

(…) „Anger Management“ wurde dem Hollywoodstar auf den Leib geschrieben und legte einen Traumstart im amerikanischen Kabelfernsehen hin.

(…) „Two and a half Men“ mit Ashton Kutcher floppte, „Anger Management“ ist DER Hit!

Beim Fernsehmagazin „Quotenmeter.de“ und in der Wikipedia liest sich das allerdings ein bisschen anders. Dort heißt es, während der neunten Staffel von „Two and a Half Men“ (in der Kutcher sein Debüt gab), hätten pro Episode mindestens zehneinhalb Millionen Zuschauer eingeschaltet. In Staffel zehn sahen sogar bis zu 15 Millionen Menschen zu.

„Anger Management“ hingegen, die neue Serie mit Charlie Sheen, legte für die Verhältnisse des US-Senders zwar tatsächlich einen Traumstart hin (etwa fünf Millionen Zuschauer), seit Beginn der zweiten Staffel befinden sich die Zuschauerzahlen aber „im freien Fall“:

Den Tiefpunkt markierte die vorletzte Folge am 14. Februar 2013, wo gerade mal 0,93 Millionen Menschen eine weitere Ausgabe von „Anger Management“ einschalteten. Die neueste Episode der zweiten Staffel steigerte sich wieder leicht auf 1,04 Millionen Zuschauer. (…) Eine Million Zuschauer sind natürlich für die ambitionierte Sitcom desaströs.

Warum Bild.de die Serie trotzdem „so geil“ findet und schreibt, sie sei „DER Hit“, erklärt sich von selbst, wenn man die Dachzeile des Artikels liest:"ANGER MANAGEMENT" EXKLUSIV AUF BILD MOVIES

„Anger Management“ feiert Deutschlandpremiere – exklusiv auf BILD Movies in Kooperation mit Watchever.

(…) *BILD Movies ist ein Service der Watchever GmbH. Um diesen Service nutzen zu können, müssen Sie ein Abo abschliessen, wodurch Kosten von 8,99 EUR monatlich entstehen. Der Service ist die ersten 30 Tage kostenlos und monatlich kündbar.

Mit Dank an Tim.

„Spiegel“: Bild.de sieht doppelt

Beim „Spiegel“ stehen womöglich bald wichtige Personalentscheidungen an, wie Bild.de gestern Abend unter Berufung auf seriösere Quellen berichtet:

„Der Spiegel“ will sich von seinen beiden Chefredakteuren Georg Mascolo (48) und Mathias Müller von Blumencron (52) trennen. Das berichten übereinstimmend die WELT und das Hamburger Abendblatt .

Gleich zwei Quellen, so gründlich sind sie im Hause „Bild“ selten! Und es sind sogar beide verlinkt.

Der Text bei der „Welt“ (Axel Springer AG) ist von Kai-Hinrich Renner und beginnt so:

Dass es womöglich keine so fürchterlich gute Idee war, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron zu gleichberechtigten Chefredakteuren des „Spiegels“ zu machen, hätte der Geschäftsführung und den Gesellschaftern des Nachrichtenmagazins eigentlich schon im Februar 2011 auffallen können. Damals entschloss man sich, den beiden, die – vornehm ausgedrückt – nicht gerade beste Freunde sind, unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche zuzuteilen.

Der Text beim „Hamburger Abendblatt“ (Axel Springer AG) ist von Kai-Hinrich Renner und beginnt so:

Dass es womöglich keine so fürchterlich gute Idee war, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron zu gleichberechtigten Chefredakteuren des „Spiegels“ zu machen, hätte der Geschäftsführung und den Gesellschaftern des Nachrichtenmagazins eigentlich schon im Februar 2011 auffallen können. Damals entschloss man sich, den beiden, die – vornehm ausgedrückt – nicht gerade beste Freunde sind, unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche zuzuteilen.

Dass „Welt“ und „Abendblatt“ „übereinstimmend“ berichten, ist also keine wirkliche Überraschung. Es ist der gleiche Text.

Mit Dank an Franca.

Fluch der Akribik

Im Februar war das Kreuzfahrtschiff „Carnival Triumph“ im Golf von Mexiko nach einem Brand navigierunfähig manövrierunfähig geworden und musste in einen US-Hafen geschleppt werden, während an Bord die Toiletten überliefen. Jetzt hat ein Sturm das Schiff im Hafen losgerissen und es wurde erneut beschädigt.

Und weil der Reederei Carnival auch die „Costa Concordia“ gehört, die im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio mit einem Felsen kollidiert war, fragt Bild.de jetzt:

LUXUSKREUZER "CARNIVAL TRIUMPH"-CRASH: Liegt ein Fluch über dieser Kreuzfahrtlinie?

Eine völlig nahe liegende Frage, angesichts der Fluch-Obsession der „Bild“-Redaktion.

Hier eine sicherlich unvollständige Zusammenstellung der letzten zwei Jahre:

11. März 2013:
HSV hämmert den Labbadia-Fluch weg

11. Februar 2013:
ROTFLUCH! Mainz-Bubi Parker fliegt im 7. Spiel zum zweiten Mal. KARNEVALS-FLUCH! Wenn es närrisch wird, kann Meier nicht gewinnen

8. Februar 2013:
Der Unfall-Fluch von Hoffenheim 2. Crash in fünf Monaten - Advincula mit rund 80 km/h gegen Baum

7. August 2012:

Fahnenträger-Fluch! 12 Jahre ohne Medaille

27. Juli 2012:

Als würde ein Fluch auf der Schauspielerfamilie [Lothar] liegen:

  • Susannes Vater Hanns Lothar wurde nur 37 Jahre alt. Er starb 1967 nach einer Nierenkolik. Lothar war ein Star der frühen TV-Jahre („Flug in Gefahr“, 1964).
  • Susannes Halbbruder Marcel Werner (entstammt einer Affäre ihres Vaters) nahm sich 1986 das Leben, nur 34 Jahre alt.
  • Schauspielerin Jenny Gröllmann, die zweite Frau von Susanne Lothars Ehemann Ulrich Mühe, kämpfte jahrelang gegen den Krebs. Mit 59 starb Gröllmann 2006 in Berlin.
  • Im Jahr darauf erlag auch Ulrich Mühe seinem Krebsleiden, nur 54 Jahre alt.

20. Juli 2012:
Vettel hat den Deutschland-Fluch!

18. Mai 2012:

Der Fluch der Kennedys hört nie auf! FRAU VON BOBBY JR. (52) - SELBSTMORD IN DER GARTENLAUBE

5. April 2011:

Hat der Onassis-Fluch wieder zugeschlagen? Athina Onassis (26), letzte überlebende Erbin des milliardenschweren Onassis-Clans, erhielt jüngst eine Schreckensnachricht: Die Ex-Freundin ihres Mannes Doda (38) hat sich umgebracht.

Und hier weitere Flüche im BILDblog-Archiv.

„Bild“ lässt Merkel keine Privatsphäre

Am Mittag veröffentlichte die Deutsche Presse Agentur (dpa) eine Meldung, wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel „verärgert“ sei über Fotos von ihr und ihrer Familie, die während ihres Oster-Urlaubs in Italien entstanden seien:

Alle Fotos seien ohne ihr Wissen entstanden und ohne ihre Billigung veröffentlicht worden, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin. „Das sind alles Fotos, die aus irgendwelchen Verstecken heraus gemacht worden sind (…) Sie können sich vorstellen, dass es nicht immer entspannt ist, wenn man irgendwo Urlaub macht und das Gefühl hat, aus jeder Ecke lugt ein Objektiv hervor.“ Es sei bekannt, dass die Kanzlerin keine große Neigung zur Pose habe. Merkel war sowohl mit den Kindern und Enkelkindern ihres Mannes Joachim Sauer beim Wandern als auch im Badeanzug beim Schwimmen gezeigt worden.

Nachlesen können Sie das etwa bei „Spiegel Online“, „RP Online“, „Focus Online“, stern.de und im „Westen“ (wo die Redaktion die erstaunliche Transferleistung erbracht hat, die Meldung mit einem der besagten Paparazzi-Fotos zu bebildern).

Nicht nachlesen können werden Sie das vermutlich auf Bild.de und in der morgigen „Bild“. Was natürlich mit der heutigen „Bild“ zusammenhängen könnte:

Kanzlerin privat: Merkels geheimes Familien-Leben
(Kindergesichter im Original verpixelt, vollständige Anonymisierung von uns.)

Im Badeanzug zeigt „Bild“ die Kanzlerin zwar nicht, aber auf der Seite 2 sind weitere fünf Fotos von Angela Merkel, die „wir“ „so entspannt“ „noch nie gesehen“ haben:

SIE ist die meistfotografierte Frau Deutschlands.

Wenn SIE im Dienst ist. So gut wie nie gibt es dagegen Fotos, Berichte aus dem Privaten, aus Angela Merkels Familienleben.

Dabei hat sie eines. Sie zeigt es nur nicht gern her – wie ein gut gehütetes Geheimnis.

Wie gemein von ihr.

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