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Flaschenverbot im Moschner Pit

Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wo gekocht wird, da fallen Produktnamen — zumindest, wenn es sich um Koch-Videos bei Bild.de handelt.

Andreas Studer schafft es immer wieder, die Produkte eines ostwestfälischen Haushaltswarenherstellers vertragsgemäß ins Bild zu rücken (BILDblog berichtete), Steffen Henssler darf im Auftrag des World Wildlife Fund „Fischtipps“ geben und TV-Moderatorin Ruth Moschner soll „den Getränkekarton weiterhin positiv im öffentlichen Bewusstsein zu verankern“, wie die Firma Tetra Pak im Mai erklärte.

Seit letzter Woche darf Frau Moschner bei Bild.de auch backen:

Irre, was? Die Herstellerlogos auf der Flasche und dem … äh: Tetra Pak sind übermalt. Klar, denn entscheidend ist hier nicht der Inhalt, sondern die Verpackung.

Was man auch sehr schön an dem Getränk sieht, das Gast-Köchin Manon Straché hier verarbeitet:

Frau Moschner schüttet derweil etwas Milch „aus dem Tetra Pak“ und entdeckt dabei „dieses FSC-Siegel“, das jetzt „immer öfter“ „auftaucht“. Dankenswerter Weise erklären sowohl sie selbst, als auch eine Einblendung, was es damit so auf sich hat:

Das FSC-Siegel steht für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung.

Während sich Moschner und Straché gegenseitig in Inge-Meysel-Imitationen zu überbieten versuchen (ja, wirklich!), rutscht etwas unvermittelt dieses Standbild ins Bild:

Um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, schlägt Frau Straché, die in dieser Inszenierung zunehmend indigniert wirkt, Sahne, und Frau Moschner gewährt Einblicke in ihr privates Umfeld: „Sehr praktisch: Wenn spontan Gäste kommen, nimmt man ‚ne Tetra-Pak-Sahne. Hab ich immer zuhause.“

Geschmack und Vitamine bleiben im Tetra Pak-Getränkekarton optimal geschützt.

Beim Auftritt von „Deutschlands bestem Kaffeesommelier“ (womöglich auch Deutschlands einzigem) Michael Gliss droht das Ganze kurz ins Psychedelische umzuschlagen:

Gliss empfiehlt „die Bio- und die faire Milch aus dem Tetra Pak“ („gut zu verschließen, gut aufzubewahren, für uns immer sehr, sehr praktisch“), wobei nicht ganz klar wird, aus welchem der rund ein Dutzend Tetra Paks genau:

Doch für all die Zuschauer, an denen die subtilen Botschaften der vergangenen sechs Minuten vorbeigezogen sind, winkt Bild.de zum Abschluss noch mal kurz mit dem Zaun:

Zutaten für 8 Waffeln: (...) ca. 200 ml Milch aus dem Tetra Pak (...)500 g Sahne aus dem Tetra Pak

Zutaten für 4 Personen: (...) 100 ml Rotwein aus dem Tetra Pak (...) 100 ml Apfelsaft aus dem Tetra Pak

Das Wort „Anzeige“ oder ein Hinweis auf die Tetra-Pak-Kampagne fehlen übrigens traditionsgemäß.

Dafür hat Bild.de diese Pointe im Angebot:

Ausstattung: Villeroy & Boch

Wenn Frau Moschner gerade nicht für Tetra Pak kocht, dann tut sie es übrigens für andere.

Mit Dank an Olli.

Brandenburger Eigentor

Finden Sie es nicht auch unverschämt, dass das Brandenburger Tor ausgerechnet an dem Tag, an dem 20 Jahre Wiedervereinigung gefeiert wurden, so unglaublich klein war?

Zumindest muss man das annehmen, wenn man sich das Foto zu einem Artikel über die Feierlichkeiten auf Bild.de genauer anguckt:

Zehntausende Menschen kam zum Einheitsfest nach Berlin

Es mag stimmen, dass „Zehntausende Menschen zum Einheitsfest nach Berlin“ kamen, mit dem Foto hat das jedoch nichts zu tun.

Die Aufnahme stammt von der „Ländermeile“ in Bremen – oder wie es die „Kreiszeitung“ elegant ausdrückt:

Das Brandenburger Tor, es steht jetzt in Bremen. In der Überseestadt. Im Regen. Es wirkt sonderbar klein, rundherum stehen weiße Pagodenzelte. (…) Aber so ist das eben auf der „Ländermeile“, die zu jedem Bürgerfest jeder zentralen Einheitsfeier gehört.

Mit Dank an chris und Michael H.

Nachtrag, 12.30 Uhr: Bild.de hat die Bildunterschrift inzwischen korrigiert. Jetzt steht da:

Zehntausende Menschen kam (sic) zum Einheitsfest nach Bremen – hier am Nachbau des Brandenburger Tores

Dichter und Wahrheit

Es war die Art zu allen Zeiten,
Durch Drei und Eins, und Eins und Drei
Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.
So schwätzt und lehrt man ungestört;
Wer will sich mit den Narr’n befassen?

(Johann Wolfgang Goethe: Faust – Der Tragödie erster Teil, Mephistopheles)

Es gibt mittlerweile nichts mehr, was sich nicht auch als Quiz oder Straßenumfrage inszenieren ließe. Und weil der „Bild“-Familie mittlerweile die Ideen auszugehen drohten, wie man den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung noch begehen könnte (sogar ein Denkmal hatte die Axel Springer AG dieses Jahr schon gebaut), hieß es jetzt „Raus auf die Straße“:

20 Jahre Deutsche Einheit: Die DDR ist Geschichte, Ost und West sind seit zwei Jahrzehnten ein Land. Aber wie gut wissen die Deutschen mittlerweile übereinander Bescheid? Bild.de macht den Einheitstest.

Und los geht’s:

Wo wurde Goethe geboren?

Und noch bevor man sich fragen kann, was denn eigentlich Johann Wolfgang von Goethe, der starb, bevor das Deutsche Reich gegründet wurde, mit BRD und DDR am Hut haben soll, dürfen „die Deutschen“ antworten:

„Frankfurt“, sagt ein Mann leicht fragend und aus dem Off ertönt ein Signal, das „Falsche Antwort“ ausdrücken soll. Der Mann ist überrascht: „Nein?!“, ruft er aus, ehe er sich selbst eine „schwache Leistung“ diagnostiziert.

Zwei junge Frauen rätseln länger (so lange, dass aus dem Hintergrund ein lustiges Uhrenticken erklingt): „Weimar? – „Nee.“ – „Geboren? Hmmm.“

Ein junger Mann verwechselt Goethe offenbar mit Beethoven und schlägt „Bonn“ vor.

Dann dürfen zwei weitere junge Frauen ran, von denen eine mit einiger Bestimmtheit „in Weimar“ sagt und mit einem „Pling“ belohnt wird: Richtige Antwort, die Frau freut sich.

Blöd nur, dass Goethe gar nicht in Weimar geboren wurde, sondern dort nur gestorben ist.

Aber das lassen wir ihn am Besten selbst erklären:

Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt.

Sein dortiges Geburtshaus kann man übrigens auch heute noch besichtigen.

Mit Dank an Björn B.

Nachtrag, 23.15 Uhr: Bild.de hat das Video offline genommen.

Bei Ronald Schill ist wer im Busch

Wenn Sie mal schauen wollen: Hier sehen wir den Ex-Politiker Ronald Schill, wie er mit drei Personen durch Hamburg läuft, in der lokalen „Bild“-Ausgabe vom 28. September:

Schill feiert sich durch die Nacht

Dann aber muss jemand in der Redaktion die blonde Frau auf dem Foto wiedererkannt haben: Jessica Stockmann, Ex-Frau des Ex-Tennisspielers Michael Stich. Das ist natürlich eine sehr viel spannendere Geschichte, als wenn Schill „zwei Herren, eine Dame“ trifft oder „zwei hübsche Frauen (eine blond, die andere brünett)“ — und damit ein Fall für die Bundesausgabe und für Bild.de:

Was macht die Ex von Stich mit Richter Gnadenlos?

Diese Kombination wirft natürlich ganz neue Fragen auf:

 Reine Zufallsbegegnung? Ronald Barnabas Schill und Jessica Stockmann in Hamburg

Oder auch: Wie hat sich der Mann am rechten Bildrand innerhalb weniger Augenblicke in einen Busch verwandeln können?

Mit Dank an Carsten Z. und Thomas C.

Britische Studien sind ja so 2009

Bei Bild.de gehört es offensichtlich zum Standardprogramm, die britischen Boulevard-Zeitungen „Daily Mail“ und „The Sun“ regelmäßig nach neuen Artikeln über unsinnige Studien – im Idealfall aus den Bereichen Sex, IQ oder einer Mischung aus Sex und IQ – zu durchforsten.

Sobald man fündig geworden ist, werden die erstaunlichen Erkenntnisse mehr oder weniger unfallfrei ins Deutsche übersetzt, wobei Bild.de die Tatsache großzügig ignoriert, dass sich britische Verhältnisse nicht 1:1 auf deutsche übertragen lassen. Das Ergebnis wird mit einer knackigen Überschrift versehen und dann veröffentlicht.

Beispiele gefällig? Bitteschön:

Kluge Männer haben mehr Sex

Narben machen Männer sexy

Studie: Reiche Männer sexen besser

Guter Sex erhöht Fruchtbarkeit

Teenager sollen Sex üben

Bikini-Mädchen-Gucken macht schlau

Handys machen Schüler dumm

Cabrios können taub machen

Linkshänder werden schneller wütend

Manchmal werden aus einer einzigen Studie sogar zwei Artikel. Besonders dann, wenn Bild.de einmal selbst darüber schreibt und sich dann noch von den Kollegen von der „B.Z.“ beliefern lässt:

 Intelligente Mä¤nner sind treu

Fremdgeher haben einen niedrigeren IQ!

Apropos „B.Z.“: Ein ganz besonders schönes Beispiel, wie die Verwertungskette bei Bild.de funktioniert, versteckt sich hinter diesem Artikel von Mittwoch:

Drei Viertel aller Paare betrinken sich vor dem Sex: Sind Sie auch ein "Promille-Popper"?

Dort heißt es:

Eine Studie aus Großbritannien ergab jetzt: 75 Prozent aller Paare trinken Alkohol bevor sie Sex haben. Nüchtern betrachtet läuft also ohne Wein, Bier, Sekt oder Schnaps einfach nichts in unseren Betten.

Dumm nur, dass die Studie nicht „jetzt“ erschienen ist, sondern vor über einem Jahr, wie man auf „Mail Online“ seit dem 23. September 2009 nachlesen kann. Schon am 24. September 2009 berichtete die Onlineausgabe der „B.Z.“ darüber: „Drei Viertel aller Paare betrinkt sich vor dem Sex. Sie auch?“

Bild.de übernahm den Artikel und veröffentlichte ihn ebenfalls am 24.9.2009 unter der etwas direkteren Überschrift „Sind Sie auch ein Promille-Popper?“.

Das, was Bild.de seinen Lesern am Mittwoch als aktuell verkaufte, ist derselbe alte Artikel — nur etwa ein Jahr später unter neuem Datum.

Das ist aber noch nicht alles: Abgesehen davon, dass fraglich ist, inwiefern britische Gewohnheiten Rückschlüsse auf „unsere Betten“ zulassen, ist das, was seit einem Jahr auf bz-berlin.de, auf Bild.de und jetzt wieder auf Bild.de behauptet wird, auch einfach falsch.

Auf „Mail Online“ steht nämlich folgendes zum Sexualverhalten geschlechtsreifer Briten zur Paarungszeit:

Vier von zehn Frauen gaben an, „immer“ leicht angetrunken gewesen zu sein, wenn sie zum ersten Mal mit einem Partner geschlafen haben. Erstaunliche 48,5 Prozent sagten sogar, sie zögen Sex im alkoholisierten Zustand vor. Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent der befragten Frauen es mögen würden, etwas zu trinken, bevor sie mit ihrem Mann oder Freund ins Bett gehen.
(Übersetzung von uns.)

Wir halten fest: 75 Prozent der befragten Frauen mögen es laut Studie, etwas vor dem Sex zu trinken bzw. 48,5 Prozent finden, sie hätten alkoholisiert mehr Spaß bei der Sache. Dass sich deshalb 75 Prozent „aller Paare“ vor dem Sex betrinken, lässt sich aus solchen Angaben beim besten Willen nicht ableiten.

Man darf gespannt sein, mit welchen faszinierenden Erkenntnissen britische Forscher uns demnächst überraschen. Und dank Bild.de müssen wir auch keine Angst haben, etwas zu verpassen — spätestens in einem Jahr wird’s ja wiederholt.

Mauerschützenfest der Ahnungslosen

„Bild“ traut dem Urteilsvermögen der eigenen Leser nur bedingt. Deswegen schrieb die Zeitung gestern beispielsweise schon mal über einen Artikel, was von dessen Inhalt zu halten sei:

Widerwärtig!

Dabei würde wohl sowieso kaum jemand gut finden, was „Bild“ da beschreibt:

Ein Student der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe hat ein Computerspiel entwickelt – ausgerechnet zum Todesstreifen an der DDR-Grenze (872 Tote).

Unfassbar: Man kann dort als Grenzsoldat zu den Klängen der DDR-Nationalhymne Flüchtlinge erschießen! Und bekommt dafür auch noch Orden und Punkte!

Ein Computerspiel, in dem man auf Republikflüchtlinge schießt und dafür Punkte bekommt, das ist wirklich geschmacklos — dieser Eindruck musste zumindest bei Leuten entstehen, die sich nur in „Bild“ über das Spiel „1378 (km)“ informierten.

Widerwärtig! DDR-Todesstreifen als Ballerspiel

Bild.de findet das Spiel auch „widerwärtig“, hat aber immerhin ein paar zusätzliche Informationen zur Hand:

Die Grenzsoldaten sollen die Flüchtlinge stoppen – mit oder ohne Waffengewalt.

Wer zu viele Flüchtlinge abschießt, wird zuerst mit einem Orden ausgezeichnet, findet sich dann aber im Jahr 2000 auf der Anklagebank eines Mauerschützenprozesses wieder.

Das mit den Mauerschützenprozessen ist natürlich ein nicht ganz unwichtiges Detail, wie man auch erahnen kann, wenn Bild.de den Entwickler Jens M. Stober selbst zu Wort kommen lässt:

Über die virtuelle Verhaftung nach drei Abschüssen sagt Stober gegenüber BILD: „Da soll es beim Spieler Klick machen, dass er sich der geschichtlichen Besonderheit des Spiels bewusst wird.“

Stober ausführlicher zu dpa:

„In dem Spiel kann man sich selbst hinterfragen: Wie verhalte ich mich?“, erklärt Spielentwickler Stober. „Man kann zu dem Schluss kommen: Ich schieße nicht auf meine eigenen Landsleute.“ Der 23- Jährige hat zahlreiche Denkanstöße in das Spiel eingebaut. Wahlloses Herumballern ist nicht vorgesehen. Entscheidet sich der Grenzsoldat zum tödlichen Schuss, wird er zwar vom DDR-Regime mit einem Orden ausgezeichnet, gleich darauf jedoch ins Jahr 2000 teleportiert: Dort wird ihm ein Mauerschützenprozess gemacht. Der Spieler ist zwischen 30 und 60 Sekunden aus dem Spiel genommen – und hat Zeit zum Nachdenken.

Selbst gespielt scheint der Bild.de-Reporter das Spiel übrigens nicht zu haben:

„1378 (km)“ basiert auf einer Modifikation der Software des sogenannten Ego-Shooter-Spiels „Half-Life 2″, soll aber den Angaben nach kein typisches Ballerspiel sein.

Angeblich soll so auf neue Art und Weise das Interesse der jungen Generation „zur Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte“ geweckt werden, sagte Stober. „Über ein Computerspiel kann man Jugendliche besser erreichen.“

Damit ist der Reporter allerdings nicht allein: Auch der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, die Politiker Markus Meckel (SPD), Norbert Geis (CSU) und Gesine Lötzsch (Die Linke), der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, und ein ehemaliger DDR-Bürger, die sich bei dpa und „Spiegel Online“ in höchster Erregung über das „Killerspiel“ empören dürfen, haben das Spiel bisher nicht zu Gesicht bekommen (und würden das Angebot, sich selbst ein Bild zu machen, womöglich brüsk zurückweisen).

Um „zur Versachlichung der Diskussion beizutragen“ hat die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der Jens M. Stober das Spiel als Seminararbeit konzipiert hat, die für Sonntag geplante öffentliche Präsentation von „1378 (km)“ bereits am Dienstag abgesagt, die Veröffentlichung des Spiels verschoben.

Mit Dank an Patrick, Hannes K., Oliver S., Manniac, Lars und Steven L.

Das Glashaus im Harz

In der beliebten Rubrik „Fehler finden bei Anderen“ ist Bild.de mal wieder bei den Nachrichten der ARD fündig geworden:

Mini-TV-Panne bei den "Tagesthemen": Wo war denn beim Hartz-IV-Bericht das T?

Und weil die „Tagesthemen“ in der Vergangenheit womöglich wichtigeres zu tun hatten, als über die entsprechenden „Mini-Pannen“ in „Bild zu berichten, holen wir das kurz nach:

Wegen Harz IV – Jetzt zoffen sich Berlins Politiker

(„Bild“, 26. Juli 2004)

Richard Schröder: „Die PDS hat sich gegen Harz IV festgelegt und will sogar eine Bundesratsinitiative starten, wenn sie in Regierungsverantwortung kommt – da ist keinerlei Konsens mit Matthias Platzeck, der ja Hartz IV zu recht verteidigt, drin. (…) „

(„Bild“, 23. September 2004)

Edyta F(…) (25) und Tochter Sara (3) aus Kreuzberg: „Ich bekomme Harz IV und hole gerade mein Abitur nach, will Gerichtsmedizinerin werden. (…)“

(„Bild“, 1. Juni 2005)

Wirtschaftsinformatiker Stefan M(…) (25) wurde vor einer Woche mit seinem Studium fertig. „Wollte nur Harz IV beantragen. Als Student habe ich 500 Euro Bafög bekommen. Jetzt wird es wohl auch nicht mehr“

(„Bild“, 2. Juni 2005)

Im sonnigen Florida lebt Gregor P. (59) aus Hannover von unserem Geld. Er kassiert Harz IV plus Wohngeld.

(„Bild“, 28. März 2006)

Die Kosten für Unterkunft und Heizung bei Harz-IV-Empfängern belasten die Kommunen in Brandenburg.

(„Bild“, 11. Dezember 2006)

Doch der Harz-IV-Empfänger verschaffte sich noch am selben Tag um 20.30 Uhr Zutritt zu ihrer Wohnung.

(„Bild“, 22. März 2007)

Er verlor den Job als Fleischer, den Führerschein. Alkohol am Steuer. Er wollte seinen Schmerz betäuben. Heute lebt er von Harz IV.

(„Bild“, 20. September 2007)

Franz Josef Jung: Er wird Minister für Arbeit und Soziales, Harz IV und Hoffnung

(Bild.de, 25. Oktober 2009)

Mit Dank an Diamandis V., Tobias T. und besonders an Thomas H.

Goldwaagentotalausfall

Die Great Plains werden ja gerne als „Kornkammer der USA“ bezeichnet, die Walachische Tiefebene als „Kornkammer Europas“.

Wie übersetzt Bild.de es also, wenn Russland im Englischen als „gas vault“ bezeichnet wird?

Gaskammer

Oh.

Mit Dank an Clemens H.

Nachtrag, 20.57 Uhr: Bild.de hat die Übersetzung in „Gas-Vorratskammer“ geändert.

Bild.de, dapd  etc.

Trittin mit objektähnlichem Ding beworfen

Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, ist gestern bei einer öffentlichen Veranstaltung vor zahlreichen Zuschauern in Hannover angegriffen worden.

Doch womit?

Farb-Anschlag auf Jürgen Trittin in Hannover

(dapd, 22. September, 20.10 Uhr)

Attacke auf Fraktionsvorsitzenden: Jürgen Trittin in Hannover mit Joghurt überkippt

(haz.de, 22. September, 20.35 Uhr)

Maskierter greift Grünen-Fraktionschef an: Farb-Anschlag auf Jürgen Trittin
Schock für Grünen-Bundesfraktions-Chef Jürgen Trittin (56)! In Hannover wurde er von einem Maskierten mit weißer Farbe beworfen – offenbar versteckt in einer Torten-Attrappe!

(Bild.de, 22. September, 20.50 Uhr)

Während der Veranstaltung sprang ein maskierter Unbekannter auf die Bühne und warf einen tortenähnlichen – offenbar mit heller Farbe gefüllten – Gegenstand auf den Politiker.

(Pressemitteilung der Polizei Hannover, 22. September, 21.20 Uhr)

Trittin bei Theaterprojekt mit Torte beworfen

(dpa, 22. September, 21.21 Uhr)

Anti-Atom-Bewegung: Trittin mit Farbe oder Torte attackiert
Grünen-Politiker Jürgen Trittin ist bei einer Podiumsdiskussion mit Farbe übergossen worden. In anderen Berichten ist von einem Tortenwurf die Rede.

(„Focus Online“, 22. September, 22.22 Uhr)

Trittin war (…) von einem maskierten Unbekannten mit einer mit heller Farbe gefüllten Torte beworfen worden.

(dapd, 22. September, 22.28 Uhr)

Angriff mit Farb-Torte auf Trittin

(„Berliner Kurier“, 23. September)

Ein mit weißem Einweganzug gekleideter Mann (ca. 20), der sein Gesicht hinter einer Maske versteckt haben soll, sprang auf den Politiker zu und warf einen tortenähnlichen Gegenstand, der mit heller Farbe gefüllt war, auf Trittin.

(„B.Z.“, 23. September)

Farb-Anschlag auf Trittin: Hannover - Bei einer Podiumsdiskussion auf dem Ballhofplatz in Hannover kippte ein Maskierter weiße Farbe über Jürgen Trittin (56, Die Grünen). Der Täter flüchtete. Trittin wurde nicht verletzt, verließ die Diskussion.

(„Bild“, 23. September)

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin ist bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in Hannover mit einer Farbtorte beworfen worden.

(taz.de, 23. September)

Auch ob der tortenähnliche Gegenstand mit heller Farbe oder Joghurt gefüllt war, sei derzeit noch unklar, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag auf dapd-Anfrage.

(dapd, 23. September, 9.20 Uhr)

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin ist bei einem Theaterprojekt zur Anti-Atom-Bewegung gestern Abend in Hannover mit einer Torte beworfen worden. Die Polizei geht davon aus, dass sie mit Joghurt gefüllt war.

(dpa, 23. September, 11.00 Uhr)

Doch kurz nach Diskussionsbeginn sprang gegen 19.20 Uhr plötzlich ein Maskierter auf die Bühne, warf eine mit heller Farbe gefüllte Torte auf den Grünen-Politiker und rannte davon.

(dapd, 23. September, 11.40 Uhr)

Attacke in Hannover - der Video-Beweis: Hier wird Trittin mit einer Farb-Torte beworfen
Von hinten kommt ein weiß gekleideter Mann angeschossen, wirft dem Grünen-Politiker einen Gegenstand, der aussieht wie eine Torte, ins Gesicht. Der weiße Brei tropft Trittin über Gesicht und Schulter, es soll sich um Farbe oder Joghurt handeln, die Polizei ermittelt.

(Bild.de, 23. September, 12.04 Uhr)

Ersten Ermittlungen zufolge war der tortenähnliche Gegenstand mit Joghurt gefüllt.

(dapd, 23. September, 12.09 Uhr)

Trittin mit Torte und Carstensen mit Eiern beworfen.

(dapd, 23. September, 13.30 Uhr)

Bei einem Theaterprojekt zur Anti-Atom-Bewegung war Trittin mit Joghurt beworfen worden (…)

(dpa, 23. September, 14.22 Uhr)

Der Chef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, hat die Attacke mit einer Torte am Mittwochabend in Hannover unverletzt überstanden.

(dapd, 23. September, 14.24 Uhr)

Augenzeugenberichten zufolge handelte es sich bei seinem Wurfobjekt um eine „joghurtähnliche Torte“.

(AFP, 23. September, 14.25 Uhr)

Tortenattacke: Trittin vs. Poddig: Joghurtangriff auf Trittin überschattet Diskussion "Ideale vs. Realpolitik"
(abendblatt.de, 23. September, 15.44 Uhr)

Ein Sprecher der Hannoveraner Polizei erklärte uns um 15.50 Uhr, sie gehe derzeit davon aus, dass es sich um eine „Torte aus Joghurt“ bzw. eine „Torte, wo Joghurt drin war“ („vergleichbar einer Käsetorte, nur eben mit Joghurt statt Frischkäse“) gehandelt habe. Die Überreste des Objekts seien beim Eintreffen der Beamten bereits entfernt worden, es gebe aber keine Hinweise, die für Farbe sprächen.

Mit Dank an Christian B., Christian G., Tobias S. und ich.

Aus trüben Quellen fischen verboten

Das Landgericht [Berlin] untersagte der Printausgabe von BILD mit Hinweis auf die Privatsphäre des Ministers, über den Fall zu berichten.

So steht es – surprise, surprise! – auf Bild.de und das ist natürlich ganz praktisch für so einen Verlag: Wenn der Printausgabe verboten wird, über das Privatleben eines Politikers zu berichten, kann die Onlineausgabe einfach weitermachen.

Allerdings hatte Bild.de bei der angeblichen Enthüllung am Montag noch von „Dokumenten, die BILD.de vorliegen“ gesprochen und so ist es kein Wunder, dass der Ursprungsartikel nach einer weiteren Einstweiligen Verfügung auch aus dem Online-Auftritt verschwunden ist. Ein neuerer Artikel ist aber noch online.

Doch worum ging es eigentlich? Am Montag berichteten „Bild“ und Bild.de von Vorwürfen gegen den Brandenburgischen Innenminister Rainer Speer, der in den 1990er Jahren an einem Sozialbetrug beteiligt gewesen sein soll. Die beiden Medien brachten dazu einige angebliche Details aus dem angeblichen Privatleben des Politikers und beriefen sich dabei auf angebliche E-Mails, die ihnen „vorliegen“. „Bild“ verstieß damit gegen eine Einstweilige Verfügung, die Speers Anwalt Johnny Eisenberg nach eigenen Angaben vorsorglich erwirkt hatte, und die der Axel Springer AG untersagte, die Geschichte zu verbreiten. Da die BILD digital GmbH & CO. KG als Herausgeberin von Bild.de von dieser ersten Verfügung nicht betroffen war, erwirkte Eisenberg gestern eine weitere, so dass auch Bild.de jetzt nicht mehr über den Fall berichten darf.

Ob diese E-Mails überhaupt echt sind, ist nicht ganz klar, aber auch zur Herkunft konnte der Anwalt der Axel Springer AG bei der gestrigen Verhandlung vor dem Berliner Landgericht nichts sagen — er selbst bezeichnete die Quellen als „trübe“. Andererseits war Rainer Speers Laptop vor rund einem Jahr gestohlen worden, wie die „Märkische Allgemeine“ berichtet:

Ermittlungen der Polizei, die den Laptop sogar orten wollten, führten ins Leere. Zuletzt soll das Gerät bei Motorradrockern gelandet sein, als für das Datenmaterial nach Abnehmern bei der Presse gesucht wurde.

Offenbar wurde man bei der Bild-Zeitung fündig, weshalb es gestern vor der Pressekammer des Landgerichts Berlin zu einer Verhandlung kam.

Mit Dank auch an ms.

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