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„Ich gehe davon aus, dass ihre Geschichte erfunden ist“

Morgen jährt sich zum zweiten Mal der Absturz des „Germanwings“-Flugs 4U9525. 150 Menschen sind damals in den französischen Alpen ums Leben gekommen, darunter auch Co-Pilot Andreas Lubitz, der die Maschine bewusst zum Absturz gebracht haben soll. Während viele der Hinterbliebenen sich treffen und gemeinsam trauern werden, werden Lubitz‘ Eltern in Berlin bei einer eigens organisierten Pressekonferenz sitzen. Sie wollen ein Gutachten präsentieren, in dem es um Zweifel an den offiziellen Ermittlungen zur Absturzursache gehen soll.

In der „Zeit“ von heute ist ein lesenswertes Stück von Petra Sorge zum Thema erschienen (hier eine Zusammenfassung von „Zeit Online“). Sie hat sich mit Günter Lubitz, dem Vater von Andreas, getroffen und mit ihm über verschiedene Gutachten, Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft, seine Motivation gesprochen:


Der Text handelt auch von der Berichterstattung rund um den „Germanwings“-Absturz. Es geht um ein brennendes Grab, um herumschleichende Reporter, um möglicherweise erfundene Interviewaussagen. Es geht vor allem um die „Springer“-Blätter „Bild“ und „Welt am Sonntag“.

***

Da ist zum Beispiel der „Bild“-Bericht über das Grab von Andreas Lubitz. In der Print-Ausgabe und online hatten die „Bild“-Redaktionen Ende Juni 2015 groß auf der Titel- beziehungsweise Startseite über die Beerdigung des „Germanwings“-Co-Piloten berichtet …


… und dabei auch dessen Grab, niedergelegte Kränze, letzte Grüße von Freunden gezeigt.

Petra Sorge schreibt in ihrem „Zeit“-Artikel:

Kurz nach der Beerdigung von Andreas Lubitz gelangte ein Reporter auf den Friedhof. Er fotografierte das Grab: Kränze, die letzte Widmung der Familie. Bild veröffentlichte das Foto. Kurze zeit später setzte jemand das Grab in Brand. Der Brandstifter wurde nie gefunden.

Wegen der Veröffentlichung des Fotos folgte ein Gerichtsverfahren, das noch immer nicht endgültig entschieden ist. Inzwischen liegt der Fall beim Bundesgerichtshof:

Das Kammergericht Berlin untersagte den Abdruck des Fotos schließlich, mit der Begründung, die Berichterstattung stelle „einen schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“ der Kläger dar. Der Springer-Verlag hat Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. Über die Frage von Pietät, Persönlichkeitsrecht und Grenzen der Pressefreiheit muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden.

Nun kann man über einen direkten Zusammenhang von Bericht und Feuer nur mutmaßen. Die Tatsache aber, dass „Bild“ und Bild.de trotz des Brandes und der möglichen Gefahr einer weiteren Brandstiftung im vergangenen August wieder mit großen Fotos über das Grab von Andreas Lubitz und den neuen Grabstein dort berichtet haben, wird vor diesem Hintergrund noch ekliger als es eh schon ist.

***

Direkt im Anschluss schreibt Petra Sorge:

Günter Lubitz hat lange überlegt, ob er mit der ZEIT sprechen soll. Mehrmals stand das Treffen auf der Kippe, besonders nachdem im Februar zwei Journalisten nahe dem Haus waren und danach behauptet hatten, die Familie habe sich erstmals öffentlich geäußert. Diese aus dem Zusammenhang gerissene „Äußerung“ stammte aus einem Antwortschreiben, mit dem Günter Lubitz schon im November 2016 auf die Bitte um ein Interview reagiert hatte.

Bei den „zwei Journalisten“ dürfte es sich um Mitarbeiter der „Welt am Sonntag“ handeln. Die Wochenzeitung hatte vor gut einem Monat, am 26. Februar, vier Seiten über den „Germanwings“-Absturz veröffentlicht. In dem langen Text findet sich auch diese Passage:

Erstmals überhaupt haben sich die Eltern nun zu Wort gemeldet. Auf Anfrage der „Welt am Sonntag“ schrieben sie: „Zum Absturz des Germanwings-Fluges 9525 ergeben sich auch für uns noch viele unbeantwortete Fragen, merkwürdige Sachverhalte und Zweifel am bisher kommunizierten Unfallhergang. Wir sind momentan selber noch am Recherchieren.“ Zu dem „völlig falsch gezeichneten Bild“ ihres Sohnes wollen sie sich momentan aber noch nicht äußern.

Ein „Unfallhergang“? Ein „völlig falsch gezeichnetes Bild“ ihres Sohnes?

Aus einer E-Mail-Absage auf eine Interview-Anfrage vom November 2016 macht die „Welt am Sonntag“ im Februar 2017 also die exklusive Nachricht, dass Lubitz‘ Eltern sich „erstmals überhaupt“ geäußert hätten.

„Bild“ und Bild.de griffen das Thema direkt auf:


Franz Josef Wagner schrieb einen Brief an die Eltern von Andreas Lubitz.

***

Der dritte Abschnitt im „Zeit“-Artikel zur Berichterstattung über die „Germanwings“-Katastrophe ist der brisanteste. Es geht um ein Interview von „Bild“-Reporter John Puthenpurackal aus dem März 2015:



Die Aussagen der angeblichen „Ex-Freundin“ über Lubitz‘ angebliche Ausraster und seine angeblichen Ankündigungen waren nur wenige Tage nach dem Unglück entscheidende Bausteine bei der medialen Konstruktion eines Psychogramms.

„Bild“ schreibt in dem Artikel:

Die Stewardess Maria W. (26) war eine zeitlang die Freundin von Todes-Pilot Andreas Lubitz (27).

Fünf Monate lang flogen sie im vergangenen Jahr zusammen durch Europa und übernachteten heimlich gemeinsam in Hotels.

BILD-Reporter John Puthenpurackal hat ihre Identität überprüft. Er ließ sich u.a. ein Foto zeigen, das die Stewardess und den Amok-Piloten bei einem Flug in derselben Crew zeigt.

Wir haben den Namen auf ihren Wunsch geändert, sie so fotografiert, dass sie nicht erkannt werden kann. In BILD spricht jetzt die Frau, die diesem Mann sehr, sehr nah war.

Trotz Identitätsprüfung durch Reporter Puthenpurackal und Foto-zeigen-lassen glaubt Staatsanwalt Christoph Kumpa laut „Zeit“ inzwischen, dass die Aussagen in dem „Bild“-Artikel erfunden seien. Petra Sorge schreibt:

Und dann ist da die Sache mit der angeblichen Ex-Freundin seines Sohnes, der Stewardess Maria W. Bild druckte im März 2015 ein Interview mit ihr, wonach Andreas Lubitz angekündigt haben soll: „Eines Tages werde ich etwas tun, was das ganze System verändern wird, und alle werden dann meinen Namen kennen und in Erinnerung behalten.“ Maria W. habe sich wegen seiner Probleme von ihm getrennt: „Er ist in Gesprächen plötzlich ausgerastet und schrie mich an. Ich hatte Angst. Er hat sich einmal sogar für längere Zeit im Badezimmer eingesperrt.“ Das Interview schien genau jenes Puzzleteilchen zu liefern, das noch fehlte zum Bild eines Wahnsinnigen. Als die Staatsanwaltschaft einen Zeugenaufruf startete, meldete sich aber keine Maria W. Staatsanwalt Kumpa erklärt jetzt auf ZEIT-Anfrage: „Ich gehe davon aus, dass ihre Geschichte erfunden ist.“

„Bild“ wehrt sich im „Zeit“-Artikel gegen diesen Vorwurf.

Darf man Sie beschimpfen?

Bild.de war mal wieder mutig. „BILD FRAGT FRAGEN, DIE SICH KEINER ZU STELLEN TRAUT“ steht seit gestern über einem Artikel, und damit ist nicht etwa die „Bild“-Witwenschüttler-Frage „Haben Sie ein Foto Ihres gerade verstorbenen Kindes für uns?“ gemeint.

Es geht um Fragen an einen Mann mit Trisomie 21, also dem dreifachen Vorhandensein des Chromosoms 21, häufig auch Down-Syndrom genannt. Zum gestrigen „Tag des Down-Syndroms“ hat Bild.de Sebastian Urbanski, einen Schauspieler mit Down-Syndrom, interviewt und ihm fragen gestellt, „die man sonst nicht zu stellen wagt“. Gleich zu Beginn zum Beispiel diese hier:

Darf man Mongo oder Downi sagen?

Urbanski: „Beides ist nicht okay. Mongo ist eine echte Beschimpfung. Auch Downi ist eine Beleidigung, obwohl manche Leute finden, das ist nett. Ich bin ein Mensch mit Down-Syndrom, so soll man es auch sagen.“

Unter der Voraussetzung, dass Urbanski vorher zugestimmt hat, dass in dem Interview alles und ohne Umschweife zum Thema angesprochen werden kann, finden wir die Frage zumindest in Ordnung, auch wenn sie das üble Schimpfwort „Mongo“ beinhaltet. Die Kombination aus Frage und Antwort hat immerhin einen aufklärerischen Ansatz.

Die — auch und gerade für Journalisten — sehr lesenswerte Seite Leidmedien.de klärt in ihrem Glossar „Begriffe über Behinderung von A bis Z“ ganz ähnlich über die Beleidigung „Mongo“ auf:

„Mongoloid“, „Mongo“

„Mongo“ ist die Kurzform von „mongoloid“, eine veraltete Bezeichnung für Trisomie 21 (früher auch Down-Syndrom genannt). „Mongo“ oder „mongoloid“ ist behindertenfeindlich und rassistisch zugleich: Die Bezeichnung ist eine Anspielung auf die angeblich „asiatische“ Augenform von Menschen mit Trisomie 21.

Nun mag die Frageform von Bild.de direkter und knalliger sein. Es handelt sich aber eben auch um Boulevardjournalismus.

Was wir hingegen völlig daneben finden, ist die Art, mit der die Redaktion den Artikel auf ihrer Startseite angeteasert hat:

Bild.de hat also im Interview von Sebastian Urbanski erfahren, dass „Mongo“ eine schlimme Beleidigung ist. Und zieht daraus nicht die Konsequenz, dass diese in der Überschrift nichts verloren hat? Wenn diese direkten Fragen, die sich sonst „keiner zu stellen traut“, einen Sinn haben sollen, dann doch nur, wenn man die Antworten auch zur Kenntnis nimmt — zum Beispiel beim Präsentieren des Artikels.

Die Bild.de-Redaktion aber reproduziert und verbreitet lediglich das Schimpfwort „Mongo“ auf ihrer Startseite, ohne irgendeinen Kontext zu bieten. Das ist nicht mehr mutig, sondern nur noch ein billiger Klickfänger ohne Anstand, und hat mit Aufklärung nichts zu tun.

Zum Vergleich ein anderer Fall: Natürlich ist es in Ordnung, wenn das Team von „Hyperbole“ in seiner Videoserie „Frag ein Klischee“ eine Afro-Deutsche fragt, was sie davon halte, wenn Leute das Wort „Neger“ benutzen. Schließlich gibt es immer noch reichlich Menschen, die die Verwendung des Begriffs ganz normal finden (gleiches gilt auch für das Wort „Mongo“). Diese Aufklärung ist wichtig. Es ist aber etwas völlig anderes, wenn man das Video irgendwo mit „Darf man Negerin zu Ihnen sagen?“ bewirbt, ohne die wichtige ablehnende Antwort dazu zu liefern.

Was im Fall von Bild.de dazukommt und besonders grässlich ist: Es handelt sich um einen kostenpflichtigen „Bild plus“-Artikel. Das Schimpfwort „Mongo“ sehen also Millionen Menschen, die täglich bei Bild.de vorbeischauen. Die Antwort, dass dessen Verwendung überhaupt nicht okay ist, erreicht nur die paar Hunderttausend, die „Bild plus“ abonniert haben.

Mit Dank an @WaywardKitten93, @SusannahWinter und Mark P. für die Hinweise!

Kalter Kaffee & paste

In der „Bild“-Zeitung von heute findet man eine ganze Seite über die Türkei und Präsident Recep Tayyip Erdogan:

Einer der sieben Artikel fragt „WER IST WER IM ERDOCLAN?“ und gibt ein paar kurze Informationen über Erdogans Ehefrau, seine Kinder und Vertraute. Bei Bild.de ist der Text in einer ausführlicheren Version erschienen. Auch dort die Frage:

Wer gehört zu seinem engsten Kreis? BILD erklärt den Erdogan-Clan

Ein Abschnitt befasst sich mit der ältesten Tochter des türkischen Präsidenten, Esra Erdogan, und ihrem Ehemann Berat Albayrak:

Esra Erdogan (35) und Berat Albayrak (39)

Ein enger Vertrauter Erdogans ist sein Schwiegersohn und gleichzeitig Energieminister.

Albayrak ist seit 2004 mit der ältesten Erdogan-Tochter Esra verheiratet, gilt als glühender Verehrer seines Schwiegervaters.

Esra Erdogan sitzt neben ihrem Bruder Necmettin Bilal Erdogan im Vorstand der dubiosen Türgev-Stiftung. Ihr Mann könnte nach dem Davutoglu-Rücktritt neuer türkischer Ministerpräsident werden.

Nun ist Ahmet Davutoglu schon längst als Ministerpräsident der Türkei zurückgetreten, seit dem 22. Mai 2016 ist er nicht mehr im Amt. Sein Nachfolger steht seit dem gleichen Tag fest: Binali Yildirim. Berat Albayrak, der Ehemann von Esra Erdogan, kann also gar nicht mehr „nach dem Davutoglu-Rücktritt neuer türkischer Ministerpräsident werden.“

Der Fehler von Bild.de ist ziemlich einfach zu erklären: Faulheit. Das Portal veröffentlichte am 7. Mai vergangenen Jahres bereits einen Artikel mit der Überschrift „Erdogans schillernder Clan“. Darin diese Passage über Esra Erdogan und Berat Albayrak:

Sie sitzt neben ihrem Bruder im Vorstand der dubiosen Türgev-Stiftung.

Ihr Mann könnte nach dem Davutoglu-Rücktritt neuer türkischer Ministerpräsident werden.

Die Bild.de-Kopierer haben ganze Absätze aus dem alten Artikel übernommen, sie teilweise neu zusammengesetzt, dabei aber nicht überprüft, ob die Informationen noch aktuell sind.

Mit Dank an Savas D. für den Hinweis!

Diese Recherche wurde inszeniert

Im US-Bundesstaat Pennsylvania ist vor wenigen Tagen ein kleines Mädchen bei einem Brand gestorben. Vermutlich hat sich ein Hoverboard beim Aufladen entzündet, die Wohnung der Familie ging daraufhin in Flammen auf, das Mädchen konnte nicht mehr gerettet werden.

Nun war das nicht der erste Vorfall, bei dem ein Hoverboard abbrannte und dadurch für eine gefährliche Situation sorgte. Immer wieder gibt es solche Meldungen. Deswegen brachte Bild.de gestern einen Artikel, der nicht nur von dem tragischen Unfall in den USA handelt, sondern auch von der allgemeinen Gefahr, die von Hoverboards ausgehen kann:

Am Ende des Textes schreibt das Portal:

Doch nicht nur schadhafte Akkus machen den Hoverboard-Spaß zur Gefahr: Auch während der Fahrt können sich Geräte automatisch nach 20 Minuten wegen Überhitzungsgefahr abschalten, die Räder blockieren — im Straßenverkehr kann das tödlich enden.

Was ohne diese Not-Abschaltung passiert, zeigen zahlreiche YouTube-Videos.

Von den „zahlreichen YouTube-Videos“ hat Bild.de exemplarisch dieses ausgewählt und in den Artikel eingebettet:

Die Aufnahmen stammen von dem YouTuber „Bule British“, dessen Videos in der Regel zwischen 2000 und 20.000 Aufrufe haben. Sein 5:31-Minuten-Clip mit dem Hoverboard wurde bisher 6,6 Millionen Mal aufgerufen.

Das Blöde für Bild.de: Auch wenn der Titel des Videos es in Großbuchstaben verspricht — es zeigt gar kein „FIRE EXPLODING HOVERBOARD“. Also, klar, es sind durchaus Flammen zu sehen und auch ein Hoverboard. Aber YouTuber „Bule British“ schreibt extra:

This Video was staged the hoverboard did not really explode. You can now stop with the comments about how it is not turned on or that i overcharged it. Thank You

Mit zwanzig Sekunden Recherche hätten die Mitarbeiter von Bild.de diesen Hinweis ebenfalls gefunden und ihren Leser nicht ein Fake-Video präsentiert.

Mit Dank an Wolf D. für den Hinweis!

Nix gemerkt

Norbert Körzdörfer hat neulich den Film „Moonlight“ gesehen, und der hat ihm wohl ziemlich gut gefallen. Für seine Kritik „Körzdörfers Kino-Abenteuer“ vom vergangenen Donnerstag wählte der „Bild“-Autor sogar den Supersuperlativ:

Und das bereits im März.

Am Ende seines Textes wirkt Körzdörfer ziemlich überrascht. Da sitzt man fast zwei Stunden im Kino, hat das Gefühl, einen richtig guten Film zu sehen. Und plötzlich fällt einem auf: Da spielen ja „nur schwarze Schauspieler“ mit! Körzdörfer schreibt in seiner Beurteilung:

Man merkt nicht, dass nur schwarze Schauspieler mitspielen.

Dass man das nicht merke, soll an einer „empfindsamen Seele“ liegen:

Eine empfindsame Seele ist farbenblind.

Die „empfindsame Seele“ Körzdörfer ist so „farbenblind“, dass er auf den etwas mehr als 40 Zeilen lediglich viermal erwähnt, dass die „Moonlight“-Schauspieler Schwarze sind:

Im Licht des Mondes („Moonlight“) wirken Schwarze am Meer blau.

Wir begleiten in diesem leisen, traurigen und gleichzeitig schönen Film. Ein schwarzes Ghetto-Kind mit drogensüchtiger Mutter (007-Star Naomie Harris, 40).

Im Kino wird man zum kleinen, schwarzen Jungen, der doch nur glücklich werden will.

Und eben das bereits zitierte Artikel-Ende mit der Erkenntnis, dass man gar nicht merke, dass in „Moonlight“ „nur schwarze Schauspieler mitspielen.“

Wahrscheinlich ist Körzdörfers Satz gar nicht so übel gemeint, wie man ihn verstehen kann. Aber er lässt eben sehr viel Raum für mindestens zwei Interpretationen: Die erste klingt nach dem alten weißen Mann, der ganz verblüfft ist, was die Schwarzen bei „Moonlight“ doch so alleine hinbekommen haben. Wie konnte es denn passieren, dass ein Film so gut wird, obwohl da „nur schwarze Schauspieler mitspielen“? Das merkt man gar nicht.

Interpretation Nummer zwei zielt nicht auf die Quantität schwarzer Schauspieler, sondern auf ihre Qualität: Ach, da sind ja bloß schwarze Schauspieler dabei.

Offenbar hat auch bei Bild.de irgendjemand gemerkt, dass Körzdörfers Aussage mindestens merkwürdig ist. In der Onlineversion hat sich seine Kinokritik inzwischen leicht verändert — aus „nur“ wurde „ausschließlich“:

Man merkt nicht, dass ausschließlich schwarze Schauspieler mitspielen.

Immerhin: Interpretation Nummer zwei ist damit nicht mehr möglich.

Mit Dank an Simone M. für den Hinweis!

Schoßhund im Ombudsmann-Pelz

Ernst Elitz hat geschrieben. Der „Bild“-Ombudsmann, den in den ersten Tagen seiner Tätigkeit knapp 100 Anfragen erreicht haben sollen, hat heute in der „Bild“-Zeitung und bei Bild.de seinen Premierentext in neuer Funktion veröffentlicht:

Drei Themen ist Elitz nachgegangen — der Berichterstattung über Vorkommnisse in Schweden, der Berichterstattung über Dieselautos, Kommentare im Allgemeinen. Das Ergebnis: Die „Bild“-Redaktion macht einen tollen Job! Mehr noch: „Bild“ ist besser als viele andere Zeitungen in Deutschland.

Punkt 1, die Berichterstattung über Vorkommnisse in Schweden. Elitz schreibt:

BILD-Leser Dietrich Eberle wirft uns nach Trumps Schweden-Rede „unterlassene Berichterstattung“ vor.

Das „uns“ ist schon mal ganz interessant. Und so klingt Elitz‘ Antwort auch wie eine Verteidigung der „Bild“-Redaktion:

Meine Antwort: BILD hat in der Zeitung und digital mit mehreren Artikeln ausführlich informiert und Fakten gecheckt. Ergebnis: Die Kriminalität in Schweden ist seit der Flüchtlingskrise nicht gestiegen. Trotzdem gibt es Gewalt. Deshalb berichtete eine Reporterin schon zwei Wochen vor Trumps Aussagen über „No-go-Zonen“ in Schweden, in denen viele Ausländer wohnen.

Also:

Mein Urteil: Die Berichterstattung war vielfältig und nicht zu beanstanden.

Klasse, „Bild“!

Punkt 2, die Berichterstattung über Dieselautos, ist dann noch harmloser. Elitz schreibt:

Leser und Dieselfahrer Frank Röhring forderte schnelle Aufklärung über die Folgen der Diesel-Fahrverbote und „Schutz für getätigte Investitionen“.

Die Antwort des Ombudsmanns:

BILD druckte gestern einen großen Report mit der Schlagzeile: „Wer Diesel fährt, ist bald der Depp.“ Wo andere nur von „alten Dieselschleudern“ reden, wird BILD weiter über die Probleme der Bürger berichten, deren Autos rapide an Wert verlieren und die von der Politik mit Recht einen Ausgleich fordern.

Extraklasse, „Bild“!

Und dann hat sich Ernst Elitz noch allgemein mit „Kommentaren und Formulierungen“ beschäftigt:

Manche Leser sind unzufrieden mit Kommentaren und Formulierungen, die ihrer eigenen politischen Sicht zuwiderlaufen.

Auch da kann Elitz alle „Bild“-Kritiker beruhigen:

Meine Empfehlung: Jeder muss die Meinung anderer aushalten, denn das ist Voraussetzung für einen fruchtbaren Dialog. Gerade zum Genre einer Boulevardzeitung wie BILD gehört auch die Zuspitzung und die darf und muss manchmal auch wehtun.

Joar, das war’s.

Natürlich haben wir von „Bild“ keine Selbstzerfleischung erwartet. Aber allein aus taktischen Gründen wäre es doch klug gewesen, zum Start der Ombudsmann-Reihe den Schein der Selbstkritik und der Unabhängigkeit von Ernst Elitz zu wahren, indem man einen Fall auswählt, über den man schreiben könnte: „Ja, gut, das ist nicht 1A gelaufen, aber da gibt es Gründe für, warum die Redaktion das so gemacht hat. Beim nächsten Mal sollte genauer berichtet werden.“ Wenigstens ein kleines Bisschen so tun, als wäre man an einer Verbesserung der eigenen Arbeit interessiert. Stattdessen gibt es Lob vom vermeintlichen Kritiker.

Und es gab ja Fälle zwischen Elitz‘ Ernennung zum Ombudsmann und heute, denen er hätte nachgehen können. Warum nicht mal beim zuständigen Autor anfragen, wie er darauf kommt, dass „30 Prozent aller arabischstämmigen Männer in der Hauptstadt zwei Frauen haben.“ Denn die Zahl entbehrt jeder Grundlage. Oder warum nicht noch mal detailliert aufklären, wie „Bild“ an die falsche (und auch völlig nichtige) Info gelangte, dass es in der Kantine des Umweltministeriums vor einer Woche keinen Fisch gab. Da hätte Elitz dann schreiben können: „Doof gelaufen. Aber immerhin hat ‚Bild‘ am nächsten Tag eine Korrektur veröffentlicht.“ Tut doch keinem weh. Stattdessen aber lobhudelt er wie eh und je.

Drei Gründe fallen uns ein, warum Ernst Elitz die Beispiele ausgewählt hat, die er ausgewählt hat: Entweder ist ihm nichts wirklich Problematisches in/an „Bild“ aufgefallen. Oder er hat kein Interesse an wirklicher Kritik. Oder er darf nicht über wirklich Kritisches schreiben. In allen drei Fällen ist seine neue Rolle ein Witz.

Mit Narrenfreiheit zur Knaller-Geschichte

Streit und Blut, eine hübsche Frau, Narren und ein lokaler Schlagerstar — klar, dass die Stuttgart-Redaktion der „Bild“-Zeitung diese Geschichte gestern mitnehmen musste:

Der schwäbische Schlagerstar Frank Cordes (46) ist von einem wütenden Faschingsnarren (20) in die Klinik geprügelt worden. Blutiger Streit um eine hübsche Närrin.

Bild.de berichtete ebenfalls, um den Text lesen zu können, braucht man allerdings das kostenpflichtige „Bild plus“-Abo.

Bei der Beschreibung, was am vergangenen Samstagabend bei einer Faschingsfeier im baden-württembergischen Geislingen geschehen war, bezieht sich „Bild“ vor allem auf „Schlagerstar Frank Cordes“:

Schlagersänger Frank zu BILD: „Ich war dort zu Besuch, trank mit meiner Cousine ein Bier. Da wurde ich angerempelt und trat einer jungen Dame versehentlich auf den Fuß.“

Zwei Sekunden später gingen ihm die Lichter aus!

Der Sänger: „Eine Faust traf mich voll am Auge. Ich ging bewusstlos zu Boden, wachte eine halbe Stunde später blutüberströmt auf.“

Es handele sich um einen „Gewalt-Ausbruch beim Fasching“, schreibt „Bild“. Und Grund dafür sei eben ein „Streit um eine hübsche Närrin“ gewesen.

Von allen möglichen Seiten gibt es Widerspruch zu dieser „Bild“-Geschichte. Augenzeugen sagen, die Darstellung des Boulevardblatts sei hanebüchener Unsinn. Mitarbeiter des „Rote Kreuzes“ sagen, sie hätten an dem Abend niemanden behandelt, der „blutüberströmt“ war. Und selbst Frank Cordes sagt, dass einiges, was in „Bild“ steht, nicht stimmt. Doch der Reihe nach.

Michael Würz hat den Fall für den „Zollern-Alb-Kurier“ nachrecherchiert. Inzwischen scheint klar zu sein, dass Frank Cordes bei der Fete in Geislingen tatsächlich einen Schlag abbekommen hat. Das zuständige Polizeipräsidium Tuttlingen hat Würz bestätigt, dass sich ein 27-Jähriger (und nicht 20-Jähriger, wie „Bild“ schreibt) gestellt habe. Aktuell steht Aussage gegen Aussage, wie es genau zu dem Streit gekommen ist. Frank Cordes behauptet, er sei einer Frau auf den Fuß getreten und habe dann den Schlag abbekommen. Zeugen behaupten laut „Zollern-Alb-Kurier“, dass die Aggressionen von Cordes ausgegangen seien:

Tatsächlich habe Frank Cordes beim Tanzen eine Frau angerempelt. „Sie hat ihn nur gebeten, mehr Abstand zu halten“, versichert der Zeuge.

Daraufhin habe sich eine Diskussion entwickelt, der Schlagersänger sei aggressiv und bedrohlich geworden. „Er wollte dann sogar auf die Frau und einen weiteren Mann losgehen“, behauptet der Zeuge. Dazu kam es nicht. Mit einem Faustschlag sei Cordes gestoppt worden.

Wer nun wirklich die Situation herbeigeführt und angeheizt hat, können wir auch nicht sagen. Dass es überhaupt dazu gekommen ist, scheint aber nicht an einem „Streit um eine hübsche Närrin“ gelegen zu haben, wie „Bild“ schreibt, sondern an einer simplen Rempelei.

Merkwürdig an der „Bild“-Geschichte ist auch Cordes‘ Aussage, dass er nach einer halben Stunde „blutüberströmt“ aufgewacht sei. Das Zelt, in dem die Faschingsfeier stattfand, war nicht sonderlich groß. Einen Mann, der bewusstlos am Boden liegt, dürfte man dort nicht übersehen können. „Zollern-Alb-Kurier“-Redakteur Michael Würz hat deswegen beim „Roten Kreuz“ nachgefragt:

Kann einer im Festzelt eine halbe Stunde bewusstlos auf dem Boden liegen, ohne dass es jemand mitbekommt? Helfer des Roten Kreuzes sind am Samstagabend im Auftrag der Stadt im Einsatz; einer, der das wissen müsste, ist Christian Schluck, Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins Geislingen. „Ich hatte an diesem Abend selber Dienst“, sagt er. Dass Frank Cordes bewusstlos geprügelt worden sein soll — davon müsste er wissen. Doch Schluck kennt den Fall nicht.

Frank Cordes meint, nie gesagt zu haben, dass er eine halbe Stunde bewusstlos auf dem Zeltboden gelegen habe. Die „Bild“-Redaktion habe ihm diese Aussage in den Mund gelegt:

Am Mittwochabend ruft Frank Cordes in der Redaktion des ZOLLERN-ALB-KURIER an. Und räumt ein: Nicht alles, was am Mittwoch in der Bild-Zeitung geschrieben steht und was die Menschen in Geislingen so sehr auf die Palme bringt, entspreche der Wahrheit. Und nein, sagt er, eine halbe Stunde habe er nicht auf dem Boden in dem Zelt gelegen. Die Bild-Zeitung habe ihm das in den Mund gelegt.

In einem Facebook-Video hat „Bild“-Oberchef Julian Reichelt vorgestern 30 Minuten lang erklärt, „mit welchen Maßnahmen BILD gegen Fake News und Fehler“ vorgehen will. Es sei ein Team gegründet worden, das „Geschichten auf ihre Stimmigkeit überprüfen soll.“ Das ist wohl der zentrale Part von Reichelts angekündigten Konsequenzen auf den falschen „Sex-Mob“, den sein Blatt durch die Frankfurter „Freßgass'“ hat toben lassen. Immer dann, wenn sensible Stichwörter in einem „Bild“-Artikel vorkommen, werde dieses Team benachrichtigt.

Ginge es aber womöglich nicht viel einfacher? Sowohl beim falschen „Sex-Mob“ in Frankfurt als auch bei den schlagenden Narren in Geislingen war eine zentrale Fehlerquelle die Gier einer Redaktion nach einer Geschichte, zu der in der Konferenz später alle nickend sagen können: „Knaller!“ Anstatt einfach aufzuschreiben „A sagt das, B sagt das. Jetzt warten wir mal die Ermittlungen der Polizei ab“, dichten „Bild“-Mitarbeiter Dinge dazu, die ihre Story stärker machen. Beim „Sex-Mob“ waren es „900 größtenteils betrunkene Flüchtlinge“, die „nach BILD-Informationen“ zur „Freßgass'“ gezogen seien, und der Begriff „Sex-Mob“ selbst, den die Redaktion als Teil der Überschrift gewählt hatte. Bei der Faschingsparty in Geislingen sind es das falsche Gerücht, dass es bei der Auseinandersetzung um eine Frau ging, und wahrscheinlich auch eine Aussage, die laut dem Aussagenden nicht von ihm stammt.

Seinem Team sagte Julian Reichelt im Facebook-Video noch: „Check your facts!“ Gut wäre auch: „Don’t be so sensationsgeil!“

Mit Dank an @radiomachen für den Hinweis!

Nach dem Geständnis verschwindet der Balken

Dienstagabend um 22:04 Uhr hatte Jan G. aus Sicht der Bild.de-Redakteure noch Anspruch auf etwas Anonymität:

Bis Mittwochvormittag um 11:48 Uhr wurde der schwarze Balken über seinen Augen zwar schon deutlich schmaler, aber es gab ihn immerhin noch:

28 Minuten später, um 12:16 Uhr, verkündete Bild.de das Geständnis des Mannes, der vorgestern erst seine Großmutter mit einem Messer tötete und anschließend, auf der Flucht, zwei Polizisten zu Tode fuhr. Diese schrecklichen Taten begann er offenbar unter starkem Einfluss von Drogen.

Um 15:32 Uhr am Mittwoch präsentierte Bild.de den Artikel von 12:16 Uhr weiterhin auf der Startseite, allerdings mit einem neue Teaserbild, das die Grafikabteilung extra neu zusammengebastelt hat. Das Portal zeigt Jan G. nun ohne Augenbalken (alle folgenden Verpixelungen stammen von uns):

Seitdem ist Jan G. bei Bild.de klar zu erkennen. Zum Beispiel in dieser Teaseroptik von gestern (20:57 Uhr) …

… oder in dieser von heute:


(Hier ist von „5 Menschen“ die Rede, weil Bild.de noch einen anderen Fall, der nichts mit Jan G. zu tun hat, zum „JUSTIZ-VERSAGEN“ hinzurechnet.)

Bei der „Bild“-Zeitung konnte man die gleiche Entwicklung verfolgen. Auf der Titelseite von gestern gönnte die Redaktion Jan G. noch einen Augenbalken:

Heute, auf Seite 3, gibt es den nicht mehr:

Warum zeigen die „Bild“-Medien Jan G. zuerst mit Augenbalken und dann ohne? Schließlich stand für sie ja bereits vor seinem Geständnis fest, dass er ein „Oma-Mörder“ ist und „POLIZISTEN TOTGERAST“ hat. Warum also nicht schon am Mittwochmorgen das komplette Gesicht des Mannes zeigen? Legt man im Gedankenkosmos der „Bild“-Mitarbeiter mit einem Geständnis automatisch auch seine Persönlichkeitsrechte ab? Und worin liegt der Vorteil für die Leserschaft, einen Täter erkennen zu können, der längst festgenommen ist — von dem also aktuell keine Gefahr mehr ausgeht?

Was ebenfalls eher für eine Anonymisierung von Jan G. spricht: Er scheint seit längerer Zeit unter einer psychischen Erkrankung zu leiden, was seine grausame Tat natürlich nicht entschuldigt. Von den psychischen Problemen wissen auch die „Bild“-Mitarbeiter. In ihrem Artikel „Die kaputte Welt des Oma-Killers“ schreiben sie darüber.

Mit Dank an Frelsi K., Till W. und Christoph H. für die Hinweise!

Nachtrag, 20:13 Uhr: Bei „RTL“ war Jan G. gestern Abend ebenfalls ohne Unkenntlichmachung zu sehen:


(Auch hier stammt die Verpixelung von uns.)

Mit Dank an Sam für den Hinweis!

Wer das Urteil hat, braucht für den Spott von Bild.de nicht zu sorgen

Ein ehemaliger Mitarbeiter der „Tafel“ in Herford wurde vergangene Woche zu neun Monaten Haft auf Bewährung und 150 Stunden Sozialarbeit verurteilt. In seiner Position als Kassenwart hatte er in 38 Fällen Gelder des Vereins veruntreut. Von den insgesamt knapp 3400 Euro hatte der 28-Jährige, der auch in der Lokalpolitik aktiv ist, weiblichen Internetbekanntschaften Geschenke gemacht: Anzüge aus Lackleder, Unterwäsche, Duftöle.

Bild.de berichtete gestern am späten Abend über die Verhandlung (auf einen Link verzichten wir bewusst). Und schon in die Überschrift gossen die Redakteure den ersten Eimer Spott, der im Axel-Springer-Hochhaus links neben dem Tisch eines jeden Mitarbeiters immer bereitsteht:


(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

Abgesehen davon, dass es in der Verhandlung um das Geld eines Vereins ging, der Menschen kostenlos mit Lebensmitteln versorgt, hat der Fall nichts mit Essen zu tun. Dass es sich bei dem Verurteilten um einen „dicken Politiker“ handelt, musste bei Bild.de offenbar trotzdem unbedingt mit rein.

Für den ersten Absatz seines Artikels hat sich der Autor dann den Eimer Spott seines Büronachbarn geliehen, damit er sich über den „Gutmenschen“ auf der Anklagebank lustig machen konnte:

Er wollte armen Menschen helfen, doch dann geriet der junge Politiker und Gutmensch im Internet in die Fänge der Lust. Der Trip ins Reich der Erotik brachte ihn um den Verstand und schließlich auf die Anklagebank.

In Absatz zwei kommt der Text noch einmal zurück aufs Aussehen des Mannes — der Autor schätzt dort dessen Gewicht.

Das alles ist deswegen besonders grässlich, weil Bild.de sich keine große Mühe gibt, den Verurteilten zu anonymisieren. Zwar kürzt das Portal den Nachnamen ab, dafür zeigt es aber sowohl auf der Startseite als auch im Artikel ein Foto von ihm ohne irgendeine Verpixelung. Die Bild.de-Mitarbeiter machen ihn bundesweit zum Gespött.

Natürlich kann man über die Verhandlung berichten. Die Richterin sagte auch völlig zu Recht, dass es „besonders verwerflich“ sei, „dass Sie Geld nahmen, das für bedürftige Menschen bestimmt war.“ Außerdem handelt es sich um eine Person, die in der Politik aktiv ist. Aber muss man diese Person nach einem Urteil, ob man es nun für gerecht hält oder nicht, noch derart mit einem Artikel vorführen?

Die regionalen Medien — „Westfalen-Blatt“, „Neue Osnabrücker Zeitung“, „Neue Westfälische“ — respektierten übrigens die Persönlichkeitsrechte des Mannes und zeigten entweder verpixelte oder gar keine Fotos von ihm.

Der schlechteste gute „Tatort“ aller Zeiten

Schauen Sie gerade den „Tatort“ aus Ludwigshafen mit dem Titel „Babbeldasch“ und Ulrike Folkerts als Lena Odenthal?

Wenn nein: gut so!
Wenn ja: unser Beileid!

Denn das muss ja wirklich ein schreckliches Stück Fernsehen sein — zumindest wenn man der „Bild“-Kritik von gestern glaubt. Schon auf der Titelseite schoss die Redaktion mit Superlativen um sich:

Der Fall „Babbeldasch“ (Plaudertasche) ist ein Tatort wie kein anderer — leider!

Im Innenteil gab es die „BILD-Einschaltwarnung“ obendrauf:

Und dazu deutliche Worte:

Wenn Sie den Sonntagabend lieben, mit einem spannenden Tatort, guten Schauspielern und auch noch den Inhalt verstehen wollen …

… dann schalten Sie morgen um 20.15 Uhr unter keinen Umständen das Ludwigshafener Machwerk um TV-Kommissarin Lena Odenthal ein!

Kawumm!

Falls es einen Preis für den schlechtesten Tatort aller Zeiten (noch schlechter als der Saarland-Tatort „Eine Handvoll Paradies“ von 2013) gibt, dann ist Favorit der Quatsch mit dem Titel „Babbeldasch“.

Boing!

Regisseur Axel Ranisch (33), offenbar ganz auf Selbstverwirklichungs-Trip

Peng!

Doch die einzigen Profis passen sich leider auch dem Rest der Laienspielschar an.

Krach!

Todschick finden es die TV-Kritiker, tödlich schlecht ist es für normale Krimi-Fans.

Rumms!

Krimi-Kunst? Kinderkram!

Und zum Abschluss noch einmal in aller Deutlichkeit:

Regisseur Axel Ranisch erzählt in der „Süddeutschen Zeitung“ von den lustigen Dreharbeiten: „Die allgemeine Stimmung war: Wir hauen jetzt mal auf die Kacke.“ Und die Ka … sollen wir uns Sonntagabend ansehen?

Nein! Nehmen Sie diese BILD-Warnung bitte ernst.

Im TV-Porgramm auf Seite 8 wird „Babbeldasch“ dann auch noch mal von „Bild“ bewertet, mit zwei von drei möglichen Sternen. „Der schlechteste Tatort aller Zeiten“ ist laut TV-Redaktion immer noch „gut“:

Mit Dank an Mirko G., Torsten G. @HauschkeJ und @WiewarderTatort für die Hinweise!

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