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Alles für’n Arsch

So eine plötzliche Dauererektion kann ja verschiedene Gründe haben. Die Leute von „Bild“ zum Beispiel werden immer dann besonders schnell und langanhaltend rattig, wenn es um die versehentlich entblößten sekundären Geschlechtsmerkmale weiblicher Prominenter geht („Lindsay Lohan lüpft ihre Lustwarze“ / „Freche kleine Knospen“ / „Da wird’s uns ganz warm ums Herz“). Ruckzuck schießt ihnen dann das Blut in den Kopf zwischen die Beine, und es kann durchaus vorkommen, dass es mehrere Tage und Artikel lang dort bleibt und pulsiert und pulsiert.

Dieses Mal ist es so heftig wie nie zuvor. Seit über eine Woche kriegt die „Bild“-Zeitung die Hose nicht mehr zu. Vor allem online herrscht der blanke Wahnsinn, seit ein „Popo-Blitzer“-Foto von Herzogin Kate aufgetaucht ist.

Dass die Erregung diesmal so lange anhält, hat aber vermutlich weniger damit zu tun, dass die Leute von „Bild“ den Hintern von Kate angeblich so übertrieben gut finden („Er ist einfach nur SCHÖN. Nicht zu groß, nicht zu klein. Toll geformt. Trainiert, geradezu gestählt. Cellulite-frei. Ja, absolut perfekt“), sondern eher damit, dass die „Bild“-Medien die ersten und weitgehend einzigen waren, die das Foto unverpixelt gezeigt haben — und sich, seit der „Skandal“ die Runde macht, nicht mehr nur an dem Foto aufgeilen, sondern vor allem an sich selbst.

Vor zwei Jahren, als die französische „Closer“ die Oben-ohne-Fotos von Kate veröffentlicht hatte, hielt sich „Bild“ noch brav zurück, zensierte die Fotos und plädierte sogar dafür, den Royals mehr Respekt entgegenzubringen. Die Fotos waren damals allerdings auch auf einem Privatgrundstück aufgenommen worden, was gerade juristisch noch mal eine andere Qualität hat. Die aktuellen Fotos sind dagegen auf öffentlichem Gelände entstanden: Kate, die Herzogin von Cambridge, ist in Australien aus einem Hubschrauber ausgestiegen, dabei wurde ihr Kleid kurz hochgepustet, und man konnte einen Teil ihrer Pobacken sehen. Eine Fotografin hielt drauf, entdeckte später den Schnappschuss und bot ihn zum Verkauf. Und die Leute von „Bild“ witterten offenbar die Chance auf ihren ganz eigenen Kate-“Nackt“-“Skandal“ — und schlugen zu.

Der Windhauch des royalen Helikopters bei der Landung in den australischen Blue Mountains sorgte für diesen kurzen, aber magischen Moment.

Diesem „magischen Moment“ widmete die „Bild am Sonntag“ fast die ganze letzte Seite:

Dazu noch drei weitere Kate-zeigt-versehentlich-Haut-Fotos, denn „der Wind, das himmlische Kind“, meine es „ja traditionell gut mit Kate“, haha.

Noch am selben Tag, online, gleich der nächste Artikel. Kategorie: Service.

Wer wünscht sich nicht ein knackiges Hinterteil mit dem „sich Nüsse knacken“ lassen?! Wie sich jetzt durch einen kleinen Windhauch-Blitzer herausstelle, ist Herzogin Kate in der Körpermitte besonders gut ausgestattet. Kein Grund zum Popo-Neid, liebe Damen!

Denn Bild.de verriet den „lieben Damen“, wie „aus jedem Schwabbel-Popo“ bis zum Hochsommer „ein knackiger Hingucker werden“ kann (zusammengefasst: mit Sport und vernünftiger Ernährung, oha!), bot außerdem eine „Kleine Po-Typologie“, mit deren Hilfe der geneigte Leser endlich erfährt, wie sich eigentlich „Apfel-“ von „Birnen-“, „Kartoffel-“, „Nektarinen-“ und „Tomaten-Pos“ unterscheiden („Wer einen Nektarinen-Po hat, sollte dankbar sein!“) und welche besonderen Pflegemaßnahmen die Typen jeweils erfordern („Aufgrund der eher schlafferen Po-Struktur sollte der Tomaten-Po besonders durch intensive Übungen gefestigt werden“). Als Service für die lieben Herren gab es einen Link zum „Knackarsch-Quiz“ („Erkennen Sie die Promi-Popos?“).

Am Tag darauf erschien ein Artikel, der bei Bild.de anschließend tagelang zu den meistgeklickten gehörte, was aber auch nicht gerade verwundert:

Dann gab es die ersten Reaktionen. Bild.de verkündete:

Ein Knack-Popo sorgt für Wirbel!

[...] BILD zeigte das Foto, britische Medien berichteten darüber. Und sind ein bisschen verstimmt, weil wir IHRE Kate in POse setzen.

Und wenn andere, sogar internationale Medien über „Bild“ schreiben — egal, ob gut oder schlecht –, findet „Bild“ das natürlich noch geiler als jeden Promiarsch. Also ging es fleißig weiter.

Um die Aufmerksamkeit der Briten noch zu befeuern, richtete sich Bild.de gleich direkt an die „lieben Engländer“ und schrieb: „Hey, nicht aufregen – wir wollen euch Kate doch nicht wegnehmen. Denn: Auch hierzulande gibt’s tolle Kehrseiten. Und die zeigen wir euch jetzt!“

Und zur Sicherheit das Ganze auch auf Englisch:

Neben der „Von-hinten-mindestens-so-sexy-wie-von-vorne-Liste“ („the as-sexy-from-the-back-as-from-the-front list“) und den dazugehörigen Klickstrecken zeigte Bild.de auch ein 40-sekündiges Video, auf dem die Fotos von Kate als Diashow zu sehen sind, ohne den sonst üblichen Off-Kommentar, dafür aber mit loungig-pornöser Fahrstuhl-Musik unterlegt. Sechs Mal wird Kates Hintern in verschiedenen Zoom-Stufen präsentiert.

Das Video ist auch in fast allen Artikeln zu finden, die danach noch folgten, etwa in diesem hier:

Bei Kylie Minogue fliegt „das Röckchen in die Luft“, bei Allesandra Ambrosio gibt es „am schicken Malibu Beach plötzlich mehr als nur Wellen zu sehen“ und die Leute von „Bild“ schwärmen vom weltweiten Wirbel, den sie verursacht haben.

Erst wirbelte der Wind um Herzogin Kates Po, dann sorgte das entstandene Foto für Wirbel.

Sonntag tauchte ein Schnappschuss unserer Lieblings-Herzogin Kate (32) mit freiem Blick auf ihren schönen Po auf. BILD zeigte das Foto, die Briten waren not amused.

Aber: Ob in Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA oder natürlich bei unseren britischen Freunden – Kates Knackpo ist DIE Story!

Das musste gleich noch mit einem ganz eigenen Artikel gefeiert werden:

„Viele Medien und Twitterer rücken die BILD-Berichterstattung in den Mittelpunkt“, hieß es da, und noch mal:

Ob in Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA oder natürlich bei unseren britischen Freunden – Kates Knackpo ist DIE Story!

Darum zeigt BILD noch mal die ganze Fotoserie und erklärt, wie sie entstanden ist.

Plus: Einen Haufen Screenshots und Tweets, die belegen sollen, wie sehr die „Bild“-Berichterstattung doch um die Welt gegangen sei.

Und auch sonst gaben sich die Mitarbeiter größte Mühe, DIE Story weiter auszuschlachten. Etwa so:

Ein Hinterteil, auf das eine Frau stolz sein kann!

… meint „Bild“-Autorin Christiane Hoffmann (das ist übrigens auch die, die Kates Hintern „einfach nur SCHÖN“ und „absolut perfekt“ findet) in diesem bislang absurdesten Artikel der ganzen Serie. Sie fügt stolz hinzu:

Noch NIE hat ein toller Po für eine derartige Aufregung gesorgt. Rund 400 Quadratzentimeter Haut, noch nicht einmal nackt, sondern mit einem Hauch von Stöffchen bedeckt.
Dass BILD am Sonntag das Hinterteil von Herzogin Catherine (32), kurz Kate, zeigte, sorgt für Aufregung auf der ganzen Welt.

Interessanterweise meint Frau Hoffmann aber auch:

Ein Po geht um die Welt, dabei sollten wir den Hintern-sinnigen Aufruhr lieber am Po der Welt lassen…

Was ist denn schon passiert?

Eine der meistfotografierten Frauen der Welt, wunderschön und von einem ganzen Stab an Stylisten und Experten rundum in ihrem Auftreten beraten, wurde mal wieder fotografiert.

Tja, so what?!

Unterscheidet sich ihr Po von einem anderen VIP-Hinterteil? Nein, dieses royale Körperteil besteht aus den exakt gleichen Bestandteilen und Inhaltsstoffen wie ein bürgerlicher – aus Fleisch und Blut.

Ja, eben.

Aber?

ABER: Kates Popo-Moment ist eines jener Ereignisse, die schon vielen VIP-Frauen passierten. Magische Sekunden, die ein Bild manifestieren in unseren Köpfen. Ein magischer Marilyn-Monroe-Effekt!

Ach so.

Die Frage, die wir uns eher stellen sollten: Ist so ein Popo-Moment rein zufällig?

Das zu glauben, ist dumm. Das hieße, wir würden diesen Frauen mangelnde Intelligenz und schreckliche Naivität unterstellen und Selbstkontrolle absprechen. Jeder VIP, der die freie Wildbahn, einen Bürgersteig oder einen roten Teppich betritt, kalkuliert mögliche Risiken. Und wenn dies der Promi nicht selbst tut, dann gibt es jemanden, der es für ihn macht.

Das heißt: Kates „Popo-Moment“ war Absicht? Eine PR-Inszenierung?

Natürlich ist eine Wiese in Australien keine Oscar-Party. Und Kates Kleid nicht das weiße Röckchen von der Monroe.

Ja, eben. Aber?

Aber beim Verlassen eines Hubschraubers erzeugen Rotorblätter nun einmal einen starken Wind. Einen, der so stark sein könnte, dass alles im Umkreis von einigen Metern nicht da bleibt, wo es vielleicht sollte.

Kate wusste, dass sie mit einem Hubschrauber fliegen würde. Und dass Hubschrauber nicht ohne Rotorblätter fliegen können. Und dass Rotorblätter Wind erzeugen. Und dass sie ein leichtes Stöffchen trug an jenem Tag im April.

Dass natürlich die Hobby-Fotografin Diane Morel diesen magischen Po-Moment festhalten könnte – ja, damit hätte Kate nicht rechnen können.

Ach so.

Die „Bild“-Autorin kommt zu dem Schluss:

Ein winzig kleiner Zufall mit großer Wirkung: Er zeigt uns, dass diese wunderbare, sehr kontrollierte, einem strengen Hof-Protokoll unterworfene Frau mit Super-VIP-Status ein Wesen aus Fleisch und Blut ist. Und wir jetzt seit ein paar Tagen wissen – mit einem granatenhübschen Hinterteil!

Wenn wir das alles richtig verstehen, findet „Bild“-Frau Christiane Hoffmann also, dass wir alle (Kate eingeschlossen) „Bild“ dankbar sein müssten. Darauf muss man auch erstmal kommen.

Am Tag darauf der nächste Artikel:

Geboten wurden sechs Fotos aus der Kate-verlässt-den-Hubschrauber-Serie, arrangiert in einer „Popo-Love-Story“:

Gleich wird’s windig…
Da ist es passiert! Der Wind hat das Kleidchen gelüftet
Ist doch gar nichts passiert! Oder?
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – schnell ab ins Auto
Ob doch jemand was gesehen hat?
Gleich ist es geschafft
Bye-bye, Kate winkt

… plus Hintern-Video, plus zwei der schon am Anfang präsentierten Kate-zeigt-versehentlich-Haut-Fotos.

Einen Tag später erneut Christiane Hoffman. Diesmal in der gedruckten „Bild“ über die …

„Der Po ist nicht das Ende, sondern der Anfang aller Dinge.“ (afrikanisches Sprichwort)

Berlin – Der wunderschöne PO der wunderbaren Kate fasziniert die Welt. Rund, knackig, wogend …
Hach! Pure POesie.

Aber Hoffmann dichtet nicht nur, sie geht auch den grundlegenden Fragen des Lebens nach, etwa:

Warum begeistern sich die Menschen für dieses POpuläre Körperteil? Woher kommt diese Lust auf PO?

Irgendwann stellt sie fest:

Wir sind PO-verrückt!

Und das glauben wir ihr gerne.

„Bild“ hat noch einige „ARSCHGEILE SCHNAPPSCHÜSSE“ und die berühmtesten Hintern der Welt abgedruckt, außerdem die KLEINE POPOLOGIE“, „5 WEGE ZUM PERFEKTEN PO“ und natürlich Screenshots von der „EMPÖRUNG IM AUSLAND“. Voller Stolz hält auch die Print-“Bild“ noch mal fest:

Ein Po (-Foto) geht um die Welt! Und die EmPOrung ist riesig…

Die Welt fragt sich: Darf man das vom Winde verwehte Hinterteil von Catherine (32) zeigen? Ein Popo-Blitzer wird nun zum POlitikum …

„Bild“ erwähnt zur Sicherheit noch mal „Australien“ und die „Vereinigten Arabischen Emirate“ und ergänzt diesmal:

Doch keiner traut sich in Kates Heimatland, alles zu zeigen. Der Popo wird mit Krönchen abgedeckt oder verpixelt.

„Keiner traut sich“. Als wäre das alles, worum es geht — ob man „mutig“ genug ist, die Fotos zu zeigen.

Auch am nächsten Tag war Bild.de im „Popo-Fieber“ und schob noch mal ein Service-Stück ein:

Im Grunde ist es der gleiche Artikel wie schon zu Beginn („So bekommen auch Sie einen royalen Knack-Po“), nur dass die Po-Typologie diesmal bebildert ist. Ach — und diesmal muss man bezahlen, um den Artikel lesen zu können.

Anschließend (der Trip dauerte inzwischen schon eine Woche) wurden die „Bild“-Leserinnen aufgerufen, Fotos von ihrer „POPOladenseite“ in der „Bild“-App hochzuladen („Schicken Sie uns Ihren Knackarsch!“), was tatsächlich über 500 Menschen taten.

Derweil klopfte sich auch die „Bild am Sonntag“ noch mal kräftig auf die Schulter:

Gestern dann der nächste Schritt — Querverbindungen zur hiesigen C-Prominenz:

Denn Larissa (aus Topmodel, Dschungelcamp, Promi-Dinner und „Let’s Dance“) hat am Wochenende im Fernsehen getanzt — und plötzlich:

Bei einer schwungvollen Drehung fliegt das kurze weiße Kleid des Models hooooooch und entblößt einen Knackpo.

Gut geformt, frei von Dellen, ein Anblick zum Genießen! Genau so schön wie der Blick auf Herzogin Kates Kehrseite.

Deren freigelegter Hintern sorgt seit einer Woche für Aufruhr. Denn BILD zeigte das royale Prachtstück.

Auch in diesem Artikel: Foto und Video von Kates „Prachtstück“, außerdem Links zu den „POPOlärsten Geschichten“, die bislang erschienen sind.

Über ein Dutzend waren das bislang, das heißt, fast zwei Texte täglich haben die „Bild“-Leute aus dieser einen luftigen Millisekunde, dem „magischen Moment“ herausgeholt. Nicht zu vergessen die unzähligen Wortspiele und die Aufmerksamkeit der „Welt-Presse“. Und sehr wahrscheinlich werden wir auch in Zukunft, wenn es mal wieder irgendwo „Nippelalarm!“ gibt oder „Bild“ den nächsten „Po-Blitzer“ zelebriert, die Geschichte hören von damals, als die Helden von „Bild“ ihren ganzen Mut zusammennahmen und als erste und einzige die Hälfte von Kates Hintern abdruckten.

Wer tickt hier nicht richtig?

„Hoffentlich ist das kein böses Omen“, schreibt „Bild Hamburg“:Die Uhr tickt schon nicht mehr...

Gestern um 23.20 Uhr in der Imtech Arena: Die HSV-Uhr, die die Bundesliga-Zugehörigkeit des HSV anzeigt, wird plötzlich schwarz! Nichts geht mehr, der Strom ist weg – nach 50 Jahren, 264 Tagen, 7 Stunden und 20 Minuten! Und das ausgerechnet nach dem 0:0 gegen Fürth im Kampf gegen den ersten Bundesliga-Abstieg.

Und Bild.de fragt:

Ist es nur ein dummer Zufall? Oder gar ein böses Omen? Glaubt man in Hamburg nicht mehr an die Rettung?

Naja:

Mit Dank an Katharina C. und Anonym.

Bild.de hat einen Super-Vogel

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un hat sich ein neues Flugzeug zugelegt. Oder, wie Bild.de schreibt:Schau mal, Barack! - Das ist MEINE Air Force UN - Nordkoreas Doktator präsentiert seinen neuen Super-Vogel

Schau mal Barack, was Du kannst, kann ich schon lange…

Wir sehen Nordkoreas Diktator Kim Jong-un und seine Ehefrau Ri Sol-ju – sie steigen aus ihrer Air Force UN! Eine russische Maschine vom Typ IL62 – mit auffallender Ähnlichkeit zur Air Force One des US-Präsidenten Obama!

Auffallende Ähnlichkeit?

Das hier ist das Flugzeug von Kim Jong-un (Typ Iljuschin Il-62):Die AIR FORCE UN: Groß, weiß, mächtig - sie transportiert in Zukunft Nordkoreas Diktator Kim Jing-un [sic!]

Und das hier das Flugzeug von Barack Obama (Typ Boeing 747-200B):Das Original: Barack Obamas AIR FORCE ONE - hier Anfang Mai in Californien

Tatsächlich: Beide sind groß und haben Tragflächen. Verblüffend.

Mit Dank an max_m3000.

The Curious Case of John Doe

Mensch, dieser John Doe hat wirklich schon einiges erlebt.

Viele, viele Bücher hat er bereits geschrieben, ist in unzähligen Filmen und Serien aufgetreten, man hat Lieder über ihn komponiert und Kunstwerke nach ihm benannt.

Und jetzt auch noch das:

Der mittlerweile 25-jährige Brite John Doe verklagt [den Regisseur Bryan Singer und einen Produzenten] wegen sexuellen Missbrauchs. [...] Doe war damals 14!

Die besten Freunde von John Doe — das erwähnt Bild.de nicht — sind übrigens Alan Smithee und Max Mustermann.

Mit Dank an Meik.

Alles nur Fassade

Die Frau des Fußballers Robert Lewandowski, der zur kommenden Saison vom BVB zum FC Bayern wechselt, hat sich zum Abschied aus Dortmund etwas ganz Romantisches einfallen lassen:

LEWANDOWSKI - Kabinen-Kuss zum Abschied - Ab jetzt zählt nur noch Bayern

Bild.de schreibt:

Die Kabine ist sonst der heilige Ort der Fußballer. Jetzt nimmt uns Robert Lewandwoskis Frau Anna mit.

Für ein Knutsch-Foto!

Und das sieht so aus:

  Bei Instagram postete Lewandowskis Frau Anna dieses Knutsch-Foto aus der Kabine

Warum da immer noch das Trikot von Moritz Leitner hängt (obwohl er zurzeit gar nicht in Dortmund spielt), erklärt „Bild“ leider nicht. Und warum beim BVB die Türklinken in der Luft schweben, bleibt ebenfalls offen.

Könnte aber alles daran liegen, dass sich die beiden nicht in der Kabine geküsst haben, sondern vor einer Fototapete im VIP-Bereich des BVB.

Mit Dank an Christoph.

Nachtrag, 17.25 Uhr: Bild.de hat den Artikel korrigiert und unter dem Text einen Hinweis veröffentlicht:

*BILD hatte Tomaten auf den Augen

Zu der Geschichte „Kabinen-Kuss zum Abschied“ zeigten wir ein Foto von Dortmund-Stürmer Robert Lewandowski, der seine Frau Anna küsst. Den Kuss gab’s aber nicht in der BVB-Kabine, sondern vor einer Foto-Tapete. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Aus Ignoranz eine Kunst machen

Alle Welt berichtet über die neue Chefin der Wikimedia Foundation, die die Online-Enzyklopädie Wikipedia betreibt. Doch alleine Bild.de hat die Karriere von Lila Tretikov in ihrer ganzen Erstaunlichkeit gewürdigt.

WAS FÜR EINE KARRIERE<br />
Ex-Kellnerin wird neue Chefin von Wikipedia

Warum sind die anderen Medien nicht auf die erstaunliche Vergangenheit Tretikovs als Kellnerin gestoßen? Nun — offenbar hat Tretikov lediglich vor ihrem Studium gekellnert, das sie dann über verschiedene Posten nun an die Stiftung der Wikimedia Foundation brachte. Eine steile, aber keineswegs eine erstaunliche Karriere.

Doch dieser Werdegang war für die Überschrift aus einem besonderen Grund nicht geeignet, wie Autor Holger Karkheck offenherzig eingesteht:

An schließend studierte Lila laut Wikipedia an der Universität von Berkeley (Kalifornien) Informatik, arbeitete für verschiedene Softwarefirmen und ist Inhaberin mehrerer Patente. Um was es dabei geht? Ehrlich gesagt – wir haben’s bei Wikipedia nachgeschlagen und nicht verstanden. Irgendwas mit Computern.

„Schämt euch alle!“ (2)

Knapp 24 Stunden hat die schizophrene Show gedauert. Und so plötzlich er begonnen hatte, war er dann auch wieder vorbei, der Pseudo-Kampf der „Bild“-Zeitung gegen die Sensationsgier der Menschen.SCHÄMT EUCH ALLE! - In Hamburg stürzt ein Mädchen (5) in die Elbe, kämpft um sein Leben - und Hunderte stehen da und gaffen
Während sich „Bild“ am Dienstag noch lautstark über die Schaulustigen echauffiert hatte, verlor das Blatt im gestrigen Artikel kein Wort mehr über sie. Keine Empörung, keine Vorwürfe, nichts. Alle moralischen Einwände wie weggeblasen.

Vielleicht war ihnen der Spagat zwischen der Kritik am fremden und der Lust am eigenen Voyeurismus dann doch zu anstrengend. Vielleicht haben sie auch gemerkt, dass die plumpe Scheinheiligkeit selbst bei eingefleischten „Bild“-Lesern nicht allzu gut ankommt (die Kommentarfunktion hat Bild.de gar nicht erst aktiviert). Womöglich liegt es auch einfach daran, dass ihr Hauptvorwurf an die Passanten — dass alle nur geguckt und nicht geholfen hätten — gar nicht stimmt: Die Polizei teilte nämlich am Dienstag mit, dass der Vater des Mädchens und ein Passagier einer Fähre noch ins Wasser gesprungen waren, um das Kind zu retten.

Was auch immer es war, das die „Bild“-Zeitung letztlich dazu bewogen hat, jedenfalls lässt sie die ganze Moralnummer jetzt weg und konzentriert sich wieder ganz auf die Sensationsgeilheit der eigenen Leserschaft. Wenn man nicht gleichzeitig so tun muss, als hätte man ein Herz, gehen solche Sachen ohnehin viel leichter von der Hand:

Rettungskräfte versuchen, die kleine [E.] wiederzubeleben

„Bild“ zeigt dieses Foto (schon wieder) ohne jede Unkenntlichmachung, sowohl online als auch in der gedruckten Bundesausgabe als auch in der Hamburger Regionalausgabe.

Noch viel größer zeigt „Bild“ aber:[E.] (5) stürzte in die Elbe und liegt im Koma - Die Verzweiflung eines Vaters, der sein Kind retten wollte

In der Bundesausgabe hat „Bild“ das Gesicht des Vaters halbherzig anonymisiert, in der Hamburger Ausgabe (Ausriss) gar nicht.

Der Mann ist kurz zuvor aus dem Wasser gezogen worden, liegt jetzt völlig erschöpft auf einer Trage, seine Tochter wird gerade wiederbelebt, Hunderte Menschen glotzen ihn an.

Genau diesen Moment hat die „Bild“-Zeitung verewigt, hautnah und riesengroß. Ein Geschenk an die Gaffer dieser Welt.

Mit Dank auch an Börries, Michalis P. und Christian M.

„Schämt euch alle!“

Bild.de ist auf Hundertachtzig.

SCHÄMT EUCH ALLE!

… schimpfte das Portal gestern Abend in riesigen Buchstaben auf der Startseite und meinte damit die „neugierigen Gaffer“, die zuvor eine Rettungsaktion im Hamburger Hafen beobachtet hatten.

Bild.de schreibt:

Als wäre es ein Volksfest … Hunderte von Schaulustigen drängten sich am Montagnachmittag an den Landungsbrücken im Hamburger Hafen – um zu beobachten, wie Retter verzweifelt versuchten, ein Mädchen (6) wiederzubeleben. Sie war zuvor in die Elbe gestürzt.

Auch „Bild“-Mann Thomas Knoop war vor Ort. Aber nicht, um rumzustehen und zu beobachten, sondern um rumzustehen und zu fotografieren.

Darum kann Bild.de seinen schaulustigen Besuchern jetzt das zeigen, was die Schaulustigen im Hamburger Hafen unbedingt sehen wollten — und schafft sogar das Kunststück, die Sensationsgier der Gaffer in ein und demselben Artikel sowohl zu verurteilen als auch zu befriedigen:SCHÄMT EUCH ALLE! - In Hamburg stürzt ein Mädchen (5) in die Elbe, kämpft um sein Leben - und Hunderte stehen da und gaffen

(Unkenntlichmachung von uns.)

Der Artikel ist mit sechs Fotos bebildert, von denen vier die Rettungsaktion zeigen.

Wenige Stunden später, im nächsten Artikel, bringt Bild.de dann sechs weitere Fotos von Thomas Knoop. Diesmal ist sogar zu sehen, wie Polizisten und Feuerwehrleute das Mädchen aus dem Wasser ziehen und hektisch versuchen, es zu reanimieren. Der leblose Körper des Mädchens wurde auf den Fotos unkenntlich gemacht. Immerhin.

In der heutigen Print-Ausgabe hat sich „Bild“ diese Mühe aber gespart:
Mädchen (5) stürzt ins Hafenbecken - Hunderte Schaulustige stehen und gaffen, niemand hilft

Und die Hamburger Regionalausgabe zeigt die Widerbelebung gleich als ganze Foto-Serie:Mädchen (5) nach 30 Minuten aus Elbe gezogen

„Bild“-GafferReporter Thomas Knoop twitterte schon live während der Rettung fleißig Fotos — wer also gerade nicht in Hamburg war, konnte bequem von zu Hause aus mitgaffen. Als wäre es ein Volksfest.

Und wer doch mit dabei war und zufällig ein paar Fotos gemacht hat, der findet in den Artikeln bei Bild.de auch einen Hinweis darauf, wo er seine Beute loswerden kann:
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Mit Dank auch an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Im Wahlkampf geleimt

Wissen Sie, was Kleister-Klüngel ist? Wenn die SPD in Bremerhaven Langzeitarbeitslose durch Wahlplakat-Kleben ausbeutet.

Und wissen Sie, was üble Nachrede ist? Wenn solche Dinge behauptet werden, obwohl sie gar nicht stimmen.

Aber der Reihe nach.

Es geschah am hellichten Tag, mitten im beschaulichen Bremerhaven.

Langzeitarbeitslose vom Verein „Faden e.V.“ […] ziehen mit Eimern, Kleister und SPD-Wahlplakaten durch Bremerhaven. Anführer des Leim-Trupps: „Faden“-Chefin Sabine Markmann. Die vier Vereins-Mitglieder tragen nach BILD-Informationen leuchtende Warnwesten. Ein Passant, dem das komisch vorkommt, schießt ein schnelles Foto.

Beweisfoto: Die SPD-Frau mit Arbeitslosen an der Wurster Straße

Was ist daran anstößig? „Faden“-Chefin Markmann sitzt gleichzeitig im Bremerhavener SPD-Vorstand, ist die Lebensgefährtin von SPD-Vorstands-Urgestein und „grauer Eminenz“ Siggi Breuer. Die Erwerbslosen mussten die Plakate der Sozis auf Anweisung der SPD kleben. Nach BILD-Informationen als Gratis-Gefallen.

Auf der Vereins-Internetseite von „Faden e.V.“ ist dagegen die Rede von „gezielten Beschäftigungs- und Qualifizierungsangeboten“, um den Menschen ohne Job „zusätzliche Chancen auf Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu erschließen“.

Selbstverständlich hatte „Bild“ auch gleich einen empörten Politiker parat: Malte Grotheer von der (rechtspopulistischen) Wählervereinigung „Bürger in Wut“ ist „stinksauer“ und „will diesen Fall nicht auf sich beruhen lassen“:

„Es ist ein Rückfall in schlimme Sozi-Filz-Zeiten, dass mal eben durch Personalunion ein öffentlicher Verein Parteiarbeit leisten muss. Damit werden öffentliche Gelder vergeudet.“

Ein unscharfes Foto, die Vorwürfe einer ungenannten Quelle, ein polternder Politiker, schwupps!, fertig ist der „Bild“-Polit-Skandal.

Zwei Tage später allerdings erklärte Sybille Böschen von der SPD Bremerhaven, die Vorwürfe seien „unwahr und verleumderisch“:

„Wir haben deshalb eine Berliner Rechtsanwaltskanzlei gebeten, unsere Rechte gegenüber der BILD- Zeitung und gegenüber der Wählervereinigung ["Bürger in Wut"] wahrzunehmen.“

Zwar sei „der Wahlkampf eine Zeit verdichteter und zugespitzter Formulierungen“.

„Wir wollen und müssen aber alle miteinander bei der Wahrheit bleiben und können und dürfen es nicht zulassen, dass Menschen in Misskredit gebracht werden und Tatsachen verdreht werden.“

Am Tag darauf, in der Freitagsausgabe, musste „Bild Bremen“ die Tatsachen dann wieder zurechtdrehen:Richtigstellung - Langzeitarbeitslose klebten keine SPD-Plakate - In unserer Ausgabe vom 23. April berichteten wir, Langzeitarbeitslose vom Verein

Die Richtigstellung ist übrigens nicht mal ein Viertel so groß wie der ursprüngliche (falsche) Artikel.

Bild.de hat ebenfalls eine Korrektur veröffentlicht und den „Kleister-Küngel“-Artikel gelöscht.

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