Archiv für 6 vor 9

Erlaubte Fragen, Ode an die Ignoranz, Stecker gezogen bei „Britain First“

1. Offene Fragen sind noch keine fal­schen Behaup­tungen
(lto.de)
„Günther Jauch – Sterbedrama um seinen besten Freund – Hätte er ihn damals retten können?“ titelte die „Woche der Frau“. Der Fernsehmoderator setzte sich dagegen zunächst erfolgreich mit einer Gegendarstellung zur Wehr, unterlag nun aber vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Argumentation des Gerichts, stark verkürzt: Es müsse erlaubt sein, Fragen zu stellen. Fragen, die offen für verschiedene Antworten seien, könnten keinen Gegendarstellungsanspruch auslösen.

2. Klartext: Ode an die Ignoranz
(heise.de, Clemens Gleich)
Clemens Gleich plädiert in seiner unterhaltsamen „Ode an die Ignoranz“ für mediale Abschottung und den Griff zum Ausschalter: „Unser Problem liegt längst nicht mehr darin, dass wir Wichtiges verpassen, im Gegenteil: Wir können das Unwichtige nicht lassen. (…) Bis wir die Technik und unsere angeborenen Verhaltensweisen wieder in eine brauchbare Balance gebracht haben, hilft uns nur die Axt der Abschottung.“

3. Facebook sperrt Britain First
(zeit.de)
Die Chefs der rechtsextremen und islamfeindlichen britischen Organisation „Britain First“ sitzen seit vergangener Woche wegen Hassverbrechen in Haft. Nun hat auch Facebook die Seite von „Britain First“ gesperrt. Sie hatte zuletzt zwei Millionen Likes.

4. Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen
(antjeschrupp.com)
Antje Schrupp fragt sich, warum sich unsere Kultur so vehement gegen eine Veränderung von Sprache wehrt, die Frauen sichtbar macht. „Während Frauen aufgrund des generischen Maskulinums von klein auf üben (müssen), zu unterscheiden, ob sie gemeint sind oder nicht, werden Männer daran gewöhnt, dass sie immer gemeint sind, dass es prinzipiell immer um sie geht, es sei denn, es ist ausdrücklich von Frauen die Rede.“

5. Eine Gesellschaft braucht Fiktion
(taz.de, Stefan Stuckmann)
Sollen öffentlich-rechtliche Sender auch Fiktion und Unterhaltung produzieren oder sich auf Information und Nachrichten beschränken? Drehbuchautor Stefan Stuckmann ist ein unbedingter Anhänger des Fiktionalen. Oftmals würden Serien Diskurse stärker prägen als nicht­fiktionale Stücke: „Serien wie „Girls“ oder „Sex and the City“ haben mehr getan für das sexuelle Selbstbewusstsein junger Frauen als jede Doku über Frauenrechte. In den USA war es kein Essay, kein Leitartikel, sondern das Musical „Hamilton“, dem die populäre Neudefinition des amerikanischen Gründungsmythos als Immigrantengeschichte gelang. Und die Serie „Black Mirror“ macht die Schattenseiten der Digitalisierung besser erfahrbar als jedes Erklärstück über russische Twitterbots.“

6. Die Drecksarbeit wird an Freiwillige outgesourct
(spiegel.de, Patrick Beuth)
YouTube will verschwörungstheoretischen Videos „Wikipedia“-Links beifügen, quasi als inhaltliches Gegengewicht. Patrick Beuth hält dies für „einen Versuch, die Drecksarbeit auszulagern. In diesem Fall an die freiwilligen Wikipedia-Autoren, die ganz sicher nicht darum gebeten haben, als unbezahltes Korrektiv für eine Plattform herzuhalten, die mit extremen Inhalten extrem viel Geld verdient.“

10.000-Euro-Lüge, Raus aus der Opferrolle, Kein Diskussionsbedarf

1. Vizekanzler Strache entschuldigt sich bei Armin Wolf für „Lügen“-Posting
(diepresse.com)
Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat jüngst eine Facebook-Bildertafel veröffentlicht, auf der er den ORF-Moderator Armin Wolf und den ORF selbst hart anging. („Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake-News zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook-Profil von Armin Wolf.“) Nachdem Wolf juristische Schritte angekündigt hatte, kam es nun zu einer gütlichen Einigung: Strache entschuldigt sich bei Wolf, dieser zieht im Gegenzug seine Klage wegen Kreditschädigung, Ehrenbeleidigung und übler Nachrede zurück. Außerdem übernimmt Strache sämtliche Kosten des bisherigen Verfahrens und zahlt eine Entschädigung in Höhe von 10.000 Euro (die Armin Wolf dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes spendet).

2. Warum ich in Talk Shows nicht über Esoterik diskutiere
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Der Wissenschaftsjournalist und Sachbuchautor Florian Freistetter wird immer mal wieder in Talk Shows eingeladen, in denen es um Themen wie Astrologie, Homöopathie oder Esoterik geht. Die ihm zugedachte Rolle: die des aufklärenden Wissenschaftlers. Freistetter sagt bei ihm eingehende Talk-Anfragen ab, weil er prinzipiell etwas gegen derartige Sendungen hat: „Es gibt Themen, bei denen man problemlos eindeutige Aussagen treffen kann. Und wenn das so ist, dann sollten diese Themen auch so präsentiert werden. Dann sollte man nicht künstlich den Eindruck erzeugen, dass es hier noch Diskussionsbedarf gibt. Genau das tun aber solche Talk Shows und genau deswegen will ich kein Teil davon sein.“

3. Tellkamp-Debatte: Raus aus der Opferrolle!
(vorwaerts.de, Christian Wolff)
Der Schriftsteller Uwe Tellkamp sieht sich nach seinen Äußerungen zur Flüchtlingsthematik („Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“) als Opfer einer angeblichen „Gesinnungsdiktatur“. Diesen Opfermythos gelt es zu entlarven, so Christian Wolff: (…) weder ein Thilo Sarrazin noch ein Uwe Tellkamp werden in Deutschland daran gehindert, ihre Ideen oder politischen Überzeugungen zu publizieren und öffentlich zur Diskussion zu stellen. Nur müssen sie damit rechnen, dass sie als Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auch nach ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gefragt und auch mit den Folgen ihrer Überzeugungen konfrontiert werden.“ 

Weiterer Lesetipp: Jemandem auf die Nase hauen und dann Aua rufen (spiegel.de, Georg Diez).

4. Den Schreihälsen den Spielplatz nehmen
(zeit.de, Eike Kühl)
„Reddit“ ist eine Webseite, auf der registrierte Benutzer Inhalte einstellen, die von anderen Nutzern als positiv oder negativ beurteilt werden. Diese Bewertungen entscheiden über das Ranking des Beitrags: ob er irgendwo im Nirwana oder gar auf der Startseite landet. Naturgemäß findet man bei „Reddit“ viel Seichtes, Unterhaltendes und Virales, aber auch Verschwörungstheorien, Hass und Propaganda. Eike Kühl berichtet auf „Zeit Online“ von den Anstrengungen des Reddit-Chefs, die Plattform nicht den Hatern und Verschwörungstheoretikern zu überlassen. Es ist eine Mischung aus Abwägen, Kommunizieren und Gegentrollen.

5. „Killerspiele“: Wieso Politiker Videospiele immer wieder als Sündenbock verwenden
(derstandard.at, Sarah Elmer)
In Zusammenhang mit Schießereien oder Amokläufen wird immer wieder von einem angeblichen Einfluss durch Ballerspiele gesprochen. Der österreichische „Standard“ untersuchte dieses wiederkehrende Argument und sprach mit dem Historiker Eugen Pfister über das Massenmedium Computerspiele.

6. Verzeihung, Sie klauen da Daten!
(taz.de, Peter Weissenburger)
Der Verband Deutscher Zeitungsverleger kritisiert die Datenschutzpläne der EU und vergisst dabei selbst den Datenschutz. 

Weiterer Gucktipp: Der kurze Clip aus der Jahrespressekonferenz des „Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger“, der das Kunststück fertig bringt, einen gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen zu bringen: Deutsche Zeitschriften: Gibt auch Gegenbeispiele (uebermedien.de, Mats Schönauer & Boris Rosenkranz).

„Bild“s gekränkte Frauen, DAB+, Klaas Heufer-Umlauf geböhmibombt

1. Es geht nicht um verletzte Gefühle
(taz.de, Peter Weissenburger)
„Bild“ schmeißt die selbstproduzierten Nacktbilder aus dem Blatt. Man habe das Gefühl gehabt, „dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen“. Peter Weissenburger kritisiert dieser Art von Begründung: „Es ist natürlich prima, wenn sich Mitarbeiterinnen und Leserinnen melden und ihren Unmut über die „Miezen“ kundtun. Nicht so prima ist, dass die Bild all die Jahre gewartet hat, um dann so zu tun, als handelten sie auf Wunsch einiger „gekränkter“ Wesen.“
Weiterer Lesetipp: Wenn Redaktionen Frauen hassen: Von „Die Frauen sind selbst schuld“ zu angezogenen Bild-Girls (genderequalitymedia.org).

2. Mord an Ján Kuciak: Slowakische Behörden tragen vermutlich Mitschuld
(netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Offenbar tragen slowakische Behörden eine Mitschuld am Mord des Journalisten Ján Kuciak und dessen Lebensgefährtin. Nach Angaben des Recherchenetzwerks „OCCRP“, sollen die Behörden Daten von Kuciak an diejenigen weitergegeben haben, über die Kuciak recherchierte.

3. Sag dem Radio leise Servus
(faz.net, Wolfgang Tunze)
Der digitale Hörfunk „DAB+“ kommt nach langer und zäher Entwicklung in Schwung: Immer mehr Geräte werden verkauft, während der Markt für UKW-Radios schrumpft. Wolfgang Tunze erklärt die Entwicklung der letzten Jahre, die Vorzüge der neuen Technik und warum sich Automobilhersteller lächerlich machen, wenn sie die digitale Hörfunktechnik als Sonderausstattung für mehrere hundert Euro verkaufen.

4. Nur Superhelden kennen keine Angst
(sueddeutsche.de, Luise Checchin)
Canan Coşkun (30) arbeitet seit sechs Jahren als Gerichtsreporterin der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“. Im Gespräch mit der „SZ“ erzählt sie, wie sich ihr Alltag seit dem Putschversuch 2016 verändert hat und warum sie trotzdem weiter macht. Von Deutschland und der EU erwartet sie mehr Unterstützung: „Ich denke, gegen das Unrecht in der Türkei hilft es wenig, wenn man nur Floskeln abgibt, nach dem Motto „dies und das sollte getan werden“. Wer untätig zusieht, wie woanders Böses geschieht, macht sich an diesem Bösen mitschuldig.“
Weiterer Lesetipp: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir unter Beobachtung sind“ (deutschlandfunk.de, Karin Senz im Gespräch mit Henning Hübert).

5. „Fake News“ – die EU-Kommission fragt Experten
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Die EU-Kommission hat 39 Experten zum Phänomen „Fake News“ befragt. Einer davon: „ARD“-Nachrichtenchef Kai Gniffke. In einem kurzen Blogbeitrag berichtet Gniffke von der zehnwöchigen Arbeit in der auch von Lobbyisten durchsetzten Expertengruppe.

6. „Late Night Berlin“-Premiere: Nanu, wer stört denn da?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Klaas Heufer-Umlauf feierte am Montagabend die Premiere seiner ersten „Late Night Berlin“, doch in den Medien wird über Jan Böhmermann geredet — und das hat mit einer Werbeunterbrechung zu tun.

Methode Spitzer, Bauer Willis Frust, „taz“-Innovationslücken

1. Die Methode Spitzer
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Bücher von Manfred Spitzer tragen gerne besorgniserregende, wenn nicht alarmistische Titel, ob „Cyberkrank!“, „Vorsicht Bildschirm!“ oder, sein wohl bekanntestes Werk, „Digitale Demenz“. Nun sorgt Psychiater und Hirnforscher Spitzer mit „Einsamkeit“ und den angeblichen Einsamkeitsauslösern Internet und Digitales erneut für Diskussionen. „Spiegel“-Kolumnist Christian Stöcker kritisiert die „Methode Spitzer“, bei der oftmals selektiv zitiert werde und Korrelation mit Kausalzusammenhang verwechselt werden würde. „(…)es wäre doch schön, wenn wir die wirklich dringend notwendige Debatte über das, was die Digitalisierung mit uns macht, und das, was wir mit ihr anstellen, auf einer anderen, konstruktiveren Basis führen könnten als unter dem Mantra: „Selektiv ausgewählte und tendenziös interpretierte Studien zeigen, dass früher alles besser war.“

2. „Der Wahnsinn mit…
(bauerwilli.com, Alois Wohlfahrt)
Das ZDF hat eine Reportage produziert, die sich mit dem Export von Weizen nach Afrika befasst („Der Wahnsinn mit dem Weizen“) und hat dazu auch „Bauer Willi“ besucht. Der Landwirt hat sich für das Filmteam viel Zeit genommen, doch nun, da die Sendung ausgestrahlt wurde, sieht er sich getäuscht und als „nützlicher Idiot“ missbraucht: „Von den guten und offenen Gesprächen bei mir auf dem Hof war nichts übrig geblieben. Statt dessen wurden Zusammenhänge konstruiert, die ich schon vorher kommentiert hatte und die ich auch heute noch für falsch halte.“

3. Der grösste Internet-Hetzer der Schweiz wohnt in einer Villa in Riehen
(tageswoche.ch, Renato Beck & Gabriel Brönnimann)
Die Schweizer „TagesWoche“ hat versucht, mit dem „härtesten rechtsradikalen Troll“ Kontakt aufzunehmen. Als es endlich gelang, kniff er jedoch: „(…) der Mann, der seit Jahren ungestraft im Netz verleumdet, erniedrigt und hetzt, blockt ab, wenn man ihn auf sein Treiben anspricht. Der grösste Internethetzer der Schweiz ist kleinlaut, wenn man ihn konfrontiert. Er ist einer der härtesten Kerle, wenn er hinter seinem Bildschirm sitzt und Menschen öffentlich diffamiert. Zu seinem Tun stehen kann er nicht.“

4. Neue Welten
(sueddeutsche.de, Anna von Garmissen)
Die Zukunft von Regionalzeitungen in der digitalisierten Welt ist ungewiss. Viele Zeitungen kämpfen mit Auflagenrückgängen und schwindenden Werbeerlösen. Die „Ibbenbürener Volkszeitung“ stemmt sich dem Trend mit einem neuen Verkaufsmodell entgegen: Die Leser können sich ihr Wunsch-Abo aus Themenwelten zusammenstellen. Wer alle beziehen will, erhält für vergleichsweise bescheidene 15 Euro den kompletten Zugang. Anna von Garmissen hat sich das Ibbenbührener Experiment näher angeschaut und mit den Ressortleitern und Ressortleiterinnen gesprochen, die dort Kapitäne genannt werden.

5. Die Lücke im Innovationsreport der taz
(medium.com, Lorenz Matzat)
Die „taz“ hat in einem lesenswerten und schonungslos offenen Report die eigenen Schwachstellen aufgedeckt. Dabei geht es u.a. um die inhaltliche Weichenstellung für die Zukunft, um gerechte Löhne für die Journalisten und verpasste Chancen bei der Digitalisierung. Datenjournalist Lorenz Matzat hat den Abschnitt über die Neugründung der „taz“ im Netz besonders aufmerksam gelesen und fragt: „Woher soll die Fähigkeit kommen, “Innovation” umzusetzen? Und ist das alles ohne intensiven Geldeinsatz, personellen Wechsel und grundlegenden Wandel möglich?“

6. „Tatort“ ohne Ton: Keine Überraschungen an der Krimi-Front
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat das Experiment gewagt und sich den neuesten „Tatort“ ohne Ton angeschaut. Die Überraschung: das wenig Überraschende.

Verdachtsberichterstattung, Lügen lohnen, Kampagnen-„Bild“?

1. Dürfen die das?
(deutschlandfunk.de, Philip Banse)
Am Beispiel des Falls Dieter Wedel beschäftigt sich Philip Banse im „Deutschlandfunk“ mit dem Thema Verdachtsberichterstattung. Wann dürfen Journalisten was berichten? Banse hat mehrere Experten dazu befragt.
Zusätzlicher Gucktipp: Georg Mascolo über Verdachtsberichterstattung (facebook.com, Video, 2:55 Minuten).

2. „Es geht wirklich um etwas“
(horizont.net, Ulrike Simon)
Als ehemalige SRG-Mitarbeiterin kennt die MDR-Programmchefin Nathalie Wappler-Hagen die Rundfunksysteme und Mentalitäten in der Schweiz und Deutschland. Im Gespräch mit Ulrike Simon vergleicht sie die Lage in den beiden Ländern: „Den Schweizern ist bewusst geworden, dass durch Sparmaßnahmen und Medienkonzentration einiges an Vielfalt verloren gegangen ist und dass das nicht zum gesellschaftlichen Klima beigetragen hat. In Deutschland geht es dagegen immer nur darum, was die Verleger wollen, was die KEF sagt oder wer auf welche Sendung verzichten könnte. Das überlagert die viel wichtigere Frage, wo öffentliche Meinungsbildung stattfindet und inwiefern Medien eher ein wirtschaftliches oder eben ein kulturelles Gut sind.“

3. S. Fischer vs. Project Gutenberg: Die Sperre des E-Book-Portals kennt nur Verlierer
(irights.info, Johannes Haupt)
Die Betreiber der amerikanischen Gemeinfrei-Bibliothek „Project Gutenberg“ wurden von einem deutschen Gericht dazu verpflichtet, 18 Romane von 18 auf Gutenberg.org verfügbare Romane von Heinrich Mann, Thomas Mann und Alfred Döblin aus ihrem Bestand zu entfernen. Statt die Bücher auszulisten, blockiert die Seite nun alle deutschen Nutzer. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme; man habe allen Grund zur Annahme, der Verlag werde „mit Hilfe deutscher Gerichte“ weitere Titel beanstanden.
Bei dem Streit gibt es nur Verlierer, kommentiert Johannes Haupt: „Der S. Fischer Verlag hat einen sicherlich längerfristigen Reputationsschaden erlitten, ohne wirklich etwas gewonnen zu haben. Die Umsatzverluste durch die Gratis-Verfügbarkeit der 18 betroffenen Titel dürften nahe Null gelegen haben. Auf Gutenberg.org kommen juristische Kosten zu, die die sicherlich nicht allzu prall gefüllten Kassen weiter belasten und anderswo besser investiert wären.“

4. Lügen wird belohnt
(spiegel.de, Eva Wolfangel)
MIT-Forscher haben mehr als 4,5 Millionen Tweets der vergangenen zwölf Jahre ausgewertet. Ziel der Untersuchung: Herauszufinden, wie sich Falschmeldungen und Gerüchte über Twitter verbreiten. Der Erfolg von Falschmeldungen ist vor allem auf die Vorliebe der Menschen für Überraschendes und auf Belohnungsmechanismen zurückzuführen. Die sozialen Netzwerke sind im Zwiespalt: Einerseits schaden derartige Nachrichten ihrer Reputation, andererseits generieren sie geldwerte Klicks.

5. Verbotene Liebe
(sueddeutsche.de, Dunja Ramadan)
Eine große saudische Sendergruppe hat alle Seifenopern aus der Türkei aus ihrem Programm verbannt, obwohl diese eigentlich sehr beliebt sind. Offiziell soll es sich um den Versuch handeln, die türkischen Dramen durch arabische Produktionen von hoher Qualität zu ersetzen. Dunja Ramadan vermutet hinter dem Schritt allerdings politische Motive.

6. Kampagnenjournalismus bei BILD?
(daniel-bouhs.de)
Matthias Döpfner ist Vorstandsvorsitzender von Axel Springer SE und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger. Und er sagt manchmal Dinge, bei denen man nicht weiß, ob man betrübt schluchzen oder lauthals loslachen soll.

Presserat-Bilanz, Crowd-Beschwerde, Skrupellose „Bild“

1. Ein Drittel aller Rügen wegen Schleichwerbung
(deutschlandfunk.de, Silke Ballweg, Audio, 5:00 Minuten)
Der Presserat hat seine Jahresbilanz vorgelegt: In den Beschwerden beim Kontrollorgan der deutschen Printmedien sei es im vergangenen Jahr besonders oft um Schleichwerbung gegangen. Aber auch die Herkunftnennung von Tätern und die Berichterstattung über den G20-Gipfel hätten zu vielen Beschwerden und Rügen geführt.

2. Der beste Rundfunkbeitrag aller Zeiten!
(kanzleikompa.de)
Die Bestimmung von Ex-Staatssekretär Eumann zum gutbezahlten Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt verlief auf eine demokratisch recht zweifelhafte Art: Eigentlich als „Wahl“ deklariert, handelte es sich eher um eine Kungelei, bei der es nur einen einzigen Kandidaten gab. Medienrechtler Markus Kompa wollte sich damit nicht abfinden und bewarb sich in einer subversiven Protestaktion selbst um das Amt. Das Verwaltungsgericht ließ ihn abblitzen. Kompa sammelt nun per Crowdfundingaktion Geld, um beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz Beschwerde einlegen zu können.

3. «Die Zeit»: zweimal minus, einmal plus
(infosperber.ch, Christian Müller)
„Infosperber“-Autor Christian Müller ist genervt von Maxim Billers „Zeit“-Beiträgen: „Ja, natürlich, Maxim Biller darf schreiben, was er will. Er darf mir auch einen Brief schreiben, ich gebe ihm gerne meine postalische Adresse. Aber soll ich für ein Blatt – ich bin seit Jahrzehnten Abonnent der «Zeit» – noch Geld ausgeben, wenn diese Zeitung einen Brief an mich abdruckt, in dem ich persönlich «Heuchler» genannt und des «Provinzialismus» beschuldigt werde? Muss ich mich wirklich von der «Zeit» unter die Arschlöcher einreihen lassen?“

4. Faktencheck: Nein – Flüchtlinge überweisen nicht 4,2 Milliarden Euro deutscher Steuergelder in die Heimat
(correctiv.org, Caroline Schmüser)
Schickten Flüchtlinge 4,2 Milliarden Euro deutscher Steuergelder in ihre Herkunftsländer, wie von der Seite „Halle Leaks“ kolportiert? Caroline Schmüser ist der Sache für „Correctiv“ nachgegangen: Weder handelte es sich um deutsche Steuergelder, noch geht es dabei um Flüchtlinge.

5. „Lasst mehr Frauen unsere Filme machen!“
(deine-korrespondentin.de, Helen Hecker)
Frauen spielen im Filmbusiness immer noch eine untergeordnete Rolle: Bei den 100 erfolgreichsten Hollywood-Produktionen des letzten Jahres führten zu 92 Prozent Männer die Regie, die Drehbücher wurden zu neunzig Prozent von Männern verfasst. Die Zahlen in Deutschland sind ähnlich schlecht: Im Bereich Kamera kommen Frauen auf einen Anteil von 15 Prozent, beim Filmton auf gerade mal neun Prozent. Eine neue Initiative fordert mehr Gleichberechtigung im Filmgeschäft und eine 50-Prozent-Quote.

6. Ohne Skrupel: „Bild Plus“ ködert mit Gewalt
(ndr.de, Sabine Schaper & Sophia Stritzel, Video, 4:16 Minuten)
Aus traurigem Anlass war BILDblogger Moritz Tschermak beim Medienmagazin „Zapp“ virtuell zu Gast: Bild.de hatte ein Video verbreitet, in dem ein Mädchen nach einer Messerattacke um ihr Leben fleht, und das Video sogar als Abo-Köder verwendet.

Alphonso-Aus, Abschiebe-Romantik, akkurates Banker-Drama

1. #ausFAZwirdTAZ
(taz.de, Heide Oestreich)
„DDR 4.0“, „Gleichschaltung“, „linke totalitäre Diskursregeln“ — seit gestern schlägt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ viel Wut entgegen. Der Grund: Die Redaktion hat bekanntgegeben, dass sie einige hauseigene Blogs einstelle, darunter auch das von Rainer Meyer alias „Don Alphonso“. Heide Oestreich über das „FAZ“-Ende Meyers, der „die Marktlücke eines elitären Rechtspopulismus für sich“ entdeckte: „Die treue Leserschaft (18.000 Follower auf Twitter) sieht da sofort die linke Erziehungsdiktatur am Werk: #AusFAZwirdTAZ hieß der flugs erfundene Hashtag, der sich alsbald mit Abo-Kündigungsdrohungen füllte“. Kurt Sagatz schreibt beim „Tagesspiegel“, dass weder inhaltliche Gründe noch schlechte Abrufzahlen zur Trennung von „Don Alphonso“ geführt hätten.

2. Mass shootings covered LIVE
(abc.net.au, Paul Barry, englisch, Video, 5:15 Minuten)
Beim Amoklauf vor drei Wochen an einer Schule im US-Bundesstaat Florida konnte man sie wieder beobachten: Journalisten, die Schüler via Social Media fragen, ob sie mal eben anrufen könnten, noch während diese Schüler sich im Klassenzimmer vor dem Schützen versteckten. Das Medienmagazin „Media Watch“ des australischen Senders ABC ist der Frage nachgegangen: „Are reporters putting victims in danger as they chase the story over social media?“

3. Vier Minister? Wie sich die „Süddeutsche“ von der CSU blenden ließ
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
„EIL : CSU schickt vier Minister nach Berlin“, twitterte die Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“ vorgestern. „Das schien ein ziemlicher Coup zu sein für die CSU — und ein ziemlicher Scoop für die ‚Süddeutsche Zeitung'“, schreibt Stefan Niggemeier. Bloß: Es stimmt gar nicht stimmt. Tatsächlich sind es drei CSU-Minister (Horst Seehofer für Inneres, Andreas Scheuer für das Ressort Verkehr und Gerd Müller als Entwicklungshilfeminister). Dazu kommt Dorothee Bär, die Staatssekretärin im Bundeskanzleramt wird. Weiterer Lesetipp zu Bär: der frühere Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, über „Dorothee Bärs eigenartiges Datenschutzverständnis“.

4. Abschiebung: Was wirklich passiert — Teil 1
(bmi.gv.at, Reinhard Leprich)
Ein Lese-Tipp, aber sicher keine Empfehlung: Das österreichische Innenministerium, FPÖ-geführt, will sich offenbar nicht mehr auf Journalisten verlassen und schreibt nun selbst Reportagen. Reinhard Leprich aus der Kommunikationsabteilung hat „eine Luftabschiebung in den Kosovo und nach Moldawien“ begleitet. Und festgestellt: Das gefällt allen voll super, jeder ist happy, eine tolle Sache, so eine Abschiebung. Laut Innenminister Herbert Kickl handelt es sich um „eine spannende Reportage“. Wir finden eher: erstaunlich erschreckende Abschiebe-Romantik.

5. Not Heidis Girl: Wie Youtube eine Kampagne gegen Sexismus ausbremste
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Alexander Fanta)
Die Organisation „Pinkstinks“ startet ihre Anti-Germany’s-next-Topmodel-Kampagne „Not Heidis Girl“, zu der auch ein Youtube-Video gehört. RTL zeigt einen Ausschnitt dieses Videos in einer Sendung. Youtubes Filtersystem „Content ID“ gleicht ab, schreibt RTL das geistige Eigentum zu und sperrt das Originalvideo. „Pinkstinks“ ist verständlicherweise stinkig und vermutet starke Reichweitenverluste. netzpolitik.org über einen „neuen Fall von algorithmischem Overblocking“.

6. Wir haben „Bad Banks“ mit einem Banker geguckt
(vice.com, Lisa Ludwig)
Die Serie „Bad Banks“ (aktuell in den Mediatheken von ZDF und „Arte“ zu finden) ist ein großer Erfolg: viele Zuschauer, lobende Kritiker, beschlossene Fortsetzung. „Doch wie realistisch ist das Banker-Drama? Arbeiten im Frankfurter Bankenviertel wirklich lauter Soziopathen mit Kokainproblem?“, fragt Lisa Ludwig. Sie hat sich „Bad Banks“ mit einem Experten aus dem Finanzsektor angeschaut. Und der urteilt: „‚Die Serie ist erstaunlich akkurat'“. (Unser Tipp wegen Spoilergefahr: erst die Serie gucken, dann den Text lesen.)

Influencer in Uniform, Altbrunnen WDR, Facebook-Ausstieg

1. Influencer in Uniform: Wenn die Exekutive viral geht
(netzpolitik.org, M. Reuter & A. Fanta & M. Bröckling & L. Hammer)
Kaum zu glauben, aber in Deutschland sind mittlerweile mehr als 100 Polizeien rund um die Uhr auf Twitter aktiv. netzpolitik.org hat sich genauer angeschaut, wie sich die Polizei in dem sozialen Netzwerk eine neue Form der Öffentlichkeit schafft. Mit dem Datenjournalisten und Medienwissenschaftler Luca Hammer zusammen wurden 97 verifizierte Twitter-Accounts von deutschen Länderpolizeien und der Bundespolizei ausgewertet. Das Fazit der umfangreichen Datenanalyse: Die Polizei werde zum Influencer mit all den damit verbundenen Gefahren: „Tweets landen häufig ungeprüft in den Artikeln der Journalisten. Das ist eine problematische Gratwanderung, denn die Polizei wird auf Twitter damit selbst zum politischen Player. Und Twitter zu ihrem Machtverstärker.“
Weiterer Lesetipp: Der elektrische Türknauf und die Molotowcocktails: Falschmeldungen der Polizei auf Twitter (netzpolitik.org, Markus Reuter)
. Und: Kriminologe: „Sichtbarkeit der Polizei in sozialen Medien bedeutet, dass das Gewaltmonopol greift“ (netzpolitik.org, Alexander Fanta).

2. Warum ARD und ZDF sich weiter Sorgen machen müssen
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm kann dem Schweizer Votum für die Rundfunkgebühr Gutes abgewinnen, sieht aber im Hinblick auf das öffentlich-rechtliche System Deutschlands auch Gefahren: „Die Schweizer Rundfunkkollegen haben echte, umfassende Reformen angekündigt. ARD und ZDF bleiben bisher bei kosmetischen Anpassungen und mehr technischer Kooperation – und wollen ab 2021 mehr Gebühren. Das ist nicht der richtige Weg, um die angeknackste Glaubwürdigkeit auch bei ihren Gegnern wiederherzustellen. Man wolle auf keinen Fall an die Programme heran, heißt es unisono bei allen Sendern. Eine Frage: Warum nicht?“
Weiterer Lesetipp: Schweizer Fingerzeig für ARD und ZDF (taz.de, Jürn Kruse).

3. Wie läuft es mit der Verjüngung des WDR, Herr Schönenborn?
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Vor zweieinhalb Jahren hatte der WDR unter dem Motto „#WDRmachtan“ Innovationswochen ausgerufen, um sich zu verjüngen. Beim Durchschnittsalter des Publikums hat sich allerdings nichts geändert: 2014 war der durchschnittliche WDR-Zuschauer 63 Jahre alt. 2017 ebenso. Thomas Lückerath hat sich mit WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn über lange Wege bei der Verjüngungskur, erste Etappen und Hochwasser am Niederrhein unterhalten.

4. Gemeinsam stark gegen die Geräteindustrie?
(vginfo.org)
Ist eine gemeinsame Verwertungsgesellschaft von Autoren und Verlegern durchsetzungsstärker gegenüber Internetplattformen und der Geräteindustrie? Ist eine einzelne Verwertungsgesellschaft effizienter und wirtschaftlicher als zwei getrennte? Die „VG-Info“-Autoren erklären, was dran ist an den Argumenten der Befürworter eines solchen Verbunds.

5. Dorothee Bär wird Staatsministerin für Digitales
(horizont.net, David Hein)
Dorothee Bär (CSU), ehemals Staatssekretärin im Verkehrsministerium, wird Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt. Digitalverbände begrüßen die Schaffung des Ministerpostens, FDP-Chef Lindner spricht von einem Trostpflaster.

6. „Folha de Sao Paulo“ steigt aus
(deutschlandfunk.de, Grit Eggerichs, Audio, 4:45 Minuten)
Die größte Zeitung Brasiliens „Folha de Sao Paulo“ hat auf Facebook fast sechs Millionen Follower und will sich trotzdem aus dem Netzwerk verabschieden. Der Grund: Facebooks neuer Newsfeed, der Beiträge von Freunden und Verwandten zum Nachteil von Medieninhalten bevorzugt. Von den knapp sechs Millionen Followern hätten zum Schluss nur 180.000 die redaktionellen Inhalte in ihrer Timeline zu sehen bekommen.

Medienschweiz, Frühstücksgestrunze, Gutenbergs Rache

1. Drei Männer in der Medienschweiz
(infosperber.ch, Robert Ruoff)
Die Schweizer haben sich mehrheitlich gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühren ausgesprochen. Nun müsse eine Mediendiskussion einsetzen, so Robert Ruoff, denn im Schatten der No-Billag-Debatte habe eine Machtverschiebung stattgefunden in der Schweizer Medienlandschaft: „Bei der Presse hat sich eine geballte Konzentration vollzogen, mit drei grossen Zeitungsgruppen neben dem Blocherschen «Basler Zeitung»-Konglomerat und der NZZ. Im Mittelland zeichnet sich mit dem Joint Venture von NZZ-Regionalmedien und AZ Medien eine Multimedia-Gruppe ab, die sich zur (sprach-)nationalen Konkurrenz der SRG entwickeln könnte. Dieser Prozess wird weitergehen, mit weiteren Rationalisierungen und Stellenabbau.“ Obwohl noch vor Bekanntgabe des No-Billag-Ergebnisses geschrieben, ein lesenswerter Beitrag über den Schweizer Medienmarkt.

2. Brandstiftung erster Güte
(tagesspiegel.de)
Als „Brandstiftung erster Güte“ und reinen Populismus bezeichnet der Chefredakteur der PR-Agentur „fischerAppelt“ Dirk Benninghoff die Ausführungen des selbsternannten „Klartext“-Redners Claus Strunz im „Sat.1“-Frühstücksfernsehen: „Angela Merkel „Bürgerverachtung“ vorzuwerfen, nur weil die die Essener Tafel für ihre Entscheidung kritisiert hatte, keine Flüchtlinge mehr neu aufzunehmen: Da muss man sich über Pegida-Galgenbauer nicht wundern.“ Doch es gibt auch Dinge, über die sich Benninghof freuen konnte.

Weiterer Lesetipp: Im hausinternen Blog von „fischer Appellt“ hat Benninghof nochmal deutliche Worte für die Causa Strunz gefunden: Der Hassprediger.

3. Protestbrief an den Intendanten
(taz.de, Daniel Bouhs)
Die Wissenschaftsautoren des „Deutschlandfunks“ wehren sich mit einem Protestbrief gegen die geplanten Kürzungen bei der Wissenschafts­berichterstattung. Der Hintergrund: In Zukunft soll es unter anderem mehr günstige Reportagen statt aufwändige Features geben. Außerdem würden der Redaktion neue Aufgaben aufgebürdet. Daniel Bouhs erklärt die Standpunkte von Intendant und Betroffenen.

4. Krankenkasse untersucht, ob Social Media Teenager süchtig macht – und alle drehen durch
(motherboard.vice.com, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage der Krankenkasse DAK zur Social-Media-Nutzung von Teenagern hätte Anlass zur Entspannung geben können: Nur 2,6 Prozent der Teenager zwischen 12 und 17 Jahren hätten laut DAK „einen problematischen Gebrauch sozialer Medien“ gezeigt. In den Medien las sich das jedoch teilweise recht anders, dort war von hunderttausenden süchtigen Jugendlichen die Rede. Sebastian Meineck hat die Zahlen nachgerechnet und eingeordnet.

5. Wie es ist, als Journalist in der gefährlichsten Stadt der Welt zu arbeiten
(vice.com, Amelia Abraham)
Honduras ist für Medienschaffende ein gefährliches Pflaster: Seit dem Militärputsch vor knapp zehn Jahren wurden in dem zentralamerikanischen Land mehr als 30 Journalisten getötet. Die andere Seite sind die unheilvollen Allianzen zwischen Presse und Polizei. „Vice“ hat mit dem Reporter Alberto Arce gesprochen, der über seine Zeit in Honduras ein Buch geschrieben hat: „In Honduras haben Polizei und Lokalreporter einen teuflischen Pakt geschlossen. Sie teilen Informationen untereinander. Gangmitglieder sind ihre Trophäen. Es ist krank: Polizisten, Journalisten, Kameramänner – sie alle spielen dieses Spiel, bei dem sie untereinander Fotos von Leichen teilen.“

6. Urheberrecht: E-Book-Portal Gutenberg.org sperrt deutsche Nutzer aus
(heise.de, Martin Holland)
Das US-amerikanische „Project Gutenberg“ (nicht zu verwechseln mit dem bei „Spiegel Online“ gehosteten „Projekt Gutenberg-de“) hat einen Urheberrechtsstreit um 18 E-Books verloren. Dabei ging es um digitalisierte Werke von Heinrich Mann, Thomas Mann und Alfred Döblin, die beim S. Fischer Verlag erscheinen. Als Reaktion habe „Gutenberg.org“ nicht etwa die beanstandeten Werke offline genommen, sondern ausnahmslos alle Seiten und Unterseiten für Nutzer mit einer deutschen IP gesperrt.

Pranger-Prozess, Upload-Filter, Medienkritik-Kritik

1. „Bild“ unterliegt im Pranger-Rechtsstreit
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Die „Bild“-Zeitung hat 2015 Namen und Fotos von Facebook-Nutzern veröffentlicht, die gegen Flüchtlinge hetzten. Dazu druckte die Zeitung den Aufruf: „Bild reicht es jetzt: Wir stellen die Hetzer an den Pranger! Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie!“ Der Ruf nach der Justiz wurde gewissermaßen erhört, denn das Oberlandesgericht München hat diese Form des Online-Prangers für unzulässig erklärt.

2. Offener Brief: Zivilgesellschaft fordert Nein zu Upload-Filtern
(digitalegesellschaft.de)
„Nein zu Upload-Filtern!“, fordert ein Bündnis aus Wirtschaftsverbänden, Bürgerrechtsorganisationen und digitaler Zivilgesellschaft. In einem offenen Brief an verschiedene Bundesministerien und Mitglieder des Europäischen Parlaments rufen die Unterzeichner dazu auf, die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen verpflichtenden Upload-Filter für Host-Provider zu verhindern: „Upload-Filter schaden mehr als sie nützen. Sie gefährden die Meinungs- und Informationsfreiheit im Netz. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeuten Upload-Filter eine automatisierte Überwachung aller hochgeladenen Inhalte. Anders als von den Befürwortern erhofft, tragen Upload-Filter jedoch nicht zu einer gerechten Entlohnung von Urheberinnen und Urhebern bei.“

3. Medienkritik – bitte recht «freundlich»
(infosperber.ch, Hanspeter Guggenbühl )
Das Schweizer Medienmagazin „Edito“ hat vier Fachleute um eine „kurze und freundliche“ Kritik der Online-Zeitung „Republik“ gebeten. Hanspeter Guggenbühl empfindet die Bitte um die kollegiale Lobhudelei in zweifacher Hinsicht als außergewöhnlich: Wegen der Bitte als solcher und wegen der Bereitschaft der Fachleute, diese zu erfüllen.

4. Journalisten sind keine Therapeuten
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Journalisten müssen sich im Netz allerhand anhören, doch müssen sie sich mit Lesern, Hörern und Zuschauern auseinandersetzen, die unverschämt bis irre sind? Nein, findet Silke Burmester und findet eine Parallele zu Lehrern, deren Aufgabe mittlerweile auch darin bestehe, die Defizite der Elternhäuser auszugleichen: „Den Kindern fehlt es an Einfachstem. Benimm, Höflichkeit und Regeln des Miteinanders. Was zuhause versäumt wird, sollen die Lehrer vermitteln. So geht es uns Journalisten auch. Weil gesellschaftliche Konflikte seit Neuestem auch von Seiten des Rezipienten in der medialen Öffentlichkeit ausgetragen werden, sind wir auf einmal zuständig. Irre, Verwirrte, Rechte, Wendeverlierer – wir Journalisten sollen geraderücken, was an anderer Stelle verbockt wurde.“

5. Neues Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft: Das gilt ab dem 1. März
(irights.info)
Seit dem 1. März 2018 gelten neue Regeln des Urheberrechts für Schulen, Universitäten, Bibliotheken und andere Bildungseinrichtungen. „irights.info“ stellt die wichtigsten Änderungen des „Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz“ (UrhWissG) vor.

6. Der Hype um Vero ist nur ein geschickter psychologischer Trick
(wired.de, Michael Förtsch)
Das soziale Netzwerk „Vero“ will vieles anders machen als die anderen und verspricht eine chronologische Timeline, Werbefreiheit und keine Datenschnüffeleien. Die Begeisterung für die Plattform wurde jedoch mit einem geschickten psychologischen Trick erzeugt, erklärt „Wired“-Autor Michael Förtsch.
Weiterer Lesetipp: In „Veros schlüpfriges Geheimnis: Sorgten leichtbekleidete Influencer für den Durchbruch“ analysiert Marketingspezialist Roland Eisenbrand den plötzlichen Erfolg. Es ist eine spannende und unterhaltsame Detektivgeschichte geworden.

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