Archiv für 6 vor 9

Bosbach-TV, Süßes Geheimnis, Abgespannt

1. #failoftheweek: Wolfgang Bosbach zu Gast bei Verschwörungstheoretikern
(blog.br.de, Christian Schiffer)
Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ist in den letzten Jahren zum Star der Talkshowszene geworden. Niemand saß öfter in Talkrunden als der altgediente Innenpolitiker. Nun hat Bosbach einem Verschwörungsportal ein Interview gegeben. Christian Schiffer findet: Dieses eine Mal hätte der CDU-Innenpolitiker nein sagen müssen.

2. „Ich vermisse Bo“
(zeit.de, Eike Kühl)
Pete Souza war seit 2008 Cheffotograf von Barack Obama, einige Zeit davor übte er diese Funktion für Ronald Reagan aus. Seit Donald Trumps Amtsübernahme ist er wieder Freiberufler und hat anscheinend wieder etwas mehr Zeit. Auf jeden Fall hat er Instagram für sich entdeckt – und scheint dort subtil Donald Trump zu trollen. Aufmerksamen Beobachtern sei nicht entgangen, dass einige der von Souza veröffentlichten Bilder auffällig nah an den aktuellen Entwicklungen im Weißen Haus seien. Eike Kühl stellt auf „Zeit Online“ einige Beispiele vor und kommentiert den inhaltlichen Hintergrund.

3. Oben ohne
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Willi Winkler schreibt in der „SZ“ über die Schwierigkeit der Humorbranche mit Trump. Der amerikanische Präsident sei schließlich sein eigener bester Parodist. Außerdem: „Die traurige Wahrheit aber ist, dass es den Comedians bei all dem Beifall, den sie mit ihren Trump-Travestien von den aufrechten Trump-Gegnern einheimsen, am wenigsten gelingt, Trump ernsthaft zuzusetzen. Sie verstärken nur die Marke Trump.“

4. Unbefriedigend
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband bedauert die Entscheidung des Landgerichts Hamburg, große Teile des Schmähgedichts von Jan Böhmermann weiterhin zu verbieten. Der DJV-Bundesvorsitzende kritisiert, dass „nur in Hamburg die Justiz Verständnis für die Ehrpusseligkeit des türkischen Präsidenten habe“, während andernorts erst gar keine Klage zugelassen worden sei.

5. Abspänne im TV: Zwischen Kundigen und Knalltüten
(dwdl.de, Hans Hoff)
Senta Berger trat vor kurzem vehement für längere Abspänne von Filmen im deutschen Fernsehen ein, aus Respekt vor den Beteiligten. Das ist eine löbliche Forderung, findet Hans Hoff und überträgt das Bergersche Verlangen auf andere Branchen: „Ich freue mich schon, wenn ich demnächst einen Cheeseburger bestelle, und der freundliche McDonald’s-Mitarbeiter reicht mir den Abspannzettel dazu: Am Grill: Heinz Piontke, Gurkenscheibchenaufleger: Petra Ludwig, Senfeinspritzer: Herbert Kasulske, Küchenreinigung: Ovo Malandrino.“

6. „Bunte“-Vize Tanja May: Da wölbt sich doch was!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz begegnet auf „Übermedien“ dem Boulevard mit den Mittel des Boulevards: „Ist sie oder ist sie nicht? Dieses Foto heizt die Gerüchteküche an. Hat die fesche Färbblondine aus der „Bunte“-Chefredaktion ein süßes Geheimnis?“

Kopfloser Kopfab-Titel, Hoaxmap-Jubiläum, Trump Today

1. Wird Satire kopflos?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Nach dem „Spiegel“ macht nun auch das Satireblatt „Charlie Hebdo“ mit einem Kopf-ab-Cover auf. Angeblich aus Solidarität. „Tagesspiegel“-Autor Joachim Huber findet, die Kopf-ab-Solidaritäts-Satire sollte keine Schule machen. Weil es die Satiriker schwach zeige und schwach mache. „Ein zwei Mal erzählter Witz ist einmal zu viel erzählt.“

2. Ein Abschied
(twitter.com, Ismail Küpeli)
Das neue türkische Exil-Medium „Özgürüz“ sieht sich als Plattform für ungefilterte Nachrichten und investigative Berichte aus der Türkei. Das Online-Magazin wurde vom im deutschen Exil lebenden Journalist Can Dündar zusammen mit dem Recherchezentrum „Correctiv“ gegründet und erscheint auf Türkisch und Deutsch. Nun hat einer der Mitstreiter, der Politikwissenschaftler & Journalist Ismail Küpeli in einem emotionalen Tweet seinen Rückzug von Twitter bekanntgegeben. Eine Kapitulation vor den Anhängern Erdogans, die ihm dort das Leben schwer machen würden.

3. Ein Jahr Hoaxmap
(blog.hoaxmap.org, Karolin Schwarz)
„Hoaxmap“, die Landkarte für Gerüchte und Fakenews über Asylsuchende feiert ihr einjähriges Jubiläum. Zu Beginn des Projekts versammelte die Karte 176 Gerüchte aus dem deutschsprachigen Raum samt ihren Widerlegungen, sortiert nach Themen, Datum, Ort und Land bzw. Bundesland. Am heutigen Tag sind es 455. Die Karte ist mittlerweile eine anerkannte Anlaufstelle für Interessierte, Wissbegierige und Medien geworden. BILDblog gratuliert!

4. Die Feier der „Journalisten des Jahres“
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Medienkolumnistin Ulrike Simon fand es schön auf der Feier der „Journalisten des Jahres“. Fast schon zu schön und vor allem zu harmonisch: „Mir lag an dem Abend zu viel Einsicht, Demut und Hinnahme in der Luft, dafür zu wenig Mut, Unnachgiebigkeit und Zorn. Ein paar von uns braucht es schon, die sagen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wer sich nur noch klein macht, wird übersehen, wer leise ist, überhört.“

5. Nicht mehr als Quelle zugelassen
(taz.de, Dinah Riese)
„taz“-Volontärin Dinah Riese berichtet über einen herben Schlag für die englische Boulevardzeitung „Daily Mail“: Die Community der englischsprachigen Wikipedia hat entschieden, die „Daily Mail“ nicht mehr als Quelle für Wikipedia-Artikel zuzulassen. Darüber hinaus sollen die mehreren tausend bereits existierenden Artikel mit „Daily-Mail“-Bezug überprüft und die Quellen durch verlässlichere Nachweise ersetzt werden.

6. „Extra 3“ präsentiert erstes Nachrichtenformat für #AlternativeFacts
(horizont.net, Marco Saal)
Die „Extra3“-Macher haben ein neues Fernsehformat vorgestellt: „Trump Today“.

Interview-Lehrstück, Vergessene Nachrichten, Helene Fischer

1. Wie sich Trumps Beraterin um Kopf und Kragen redet
(faz.net, Stefan Tomik)
Bekanntermaßen hat es Donald Trump nicht so mit dem amerikanischen Sender „CNN“, der bei ihm nur unter „Fakenews“ rangiert. Nun hat der Sender seine Beraterin Kellyanne Conway interviewt, die sich dabei um Kopf und Kragen redete: Ihr blieb im Verlauf des Gesprächs nichts anderes übrig, als Fehler einzugestehen, um Entschuldigung zu bitten und ihrem Chef zu widersprechen. Stefan Tomik hat das Interview in der „FAZ“ gründlich seziert und ausführlich kommentiert. „Dieses Interview ist nicht nur ein Lehrstück in Sachen Fernsehjournalismus. Es offenbart in kondensierter Form, wie wild das Weiße Haus mit Anschuldigungen gegen „die Medien“ um sich schlägt, diese teilweise zurücknimmt und dann wieder anders gemeint haben will. Jeder kann sehen, wie Trumps Beraterin den unangenehmen Fragen immer wieder auszuweichen versucht. Inhaltlich hat sie nichts anzubieten.“

2. Top Ten der vergessenen Nachrichten 2017
(derblindefleck.de)
Welches sind die zehn „Vergessenen Nachrichten 2017“? Welche Themen sind in den Medien untergegangen oder kamen gar nicht vor? Die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ gibt die Top Ten jedes Jahr heraus – zusammen mit der Nachrichtenredaktion des DLF. Auf der Webseite werden alle zehn Themen mitsamt Begründung präsentiert. Zumindest zu einem der Themen gibt es bereits ein Echo. Der Experte für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Thomas Wiegold hat sich auf seinem Blog geäußert: „Vergessene Nachrichten“ über Bundeswehr-Einsätze: Ein paar Fakten

3. Die AfD kneift…
(blog.wdr.de)
Der „WDR“ will mit allen zur Wahl antretenden Parteien sprechen. Doch die Interview-Vorbereitungen gestalten sich als nicht einfach. Für viele kleine Parteien ist es offenbar noch zu früh, sich verbindlich festzulegen. Immerhin hätten alle bislang erreichten Parteien ihr Interesse signalisiert und würden mitmachen. Bis auf die AfD, die unter Angabe reichlich seltsamer Gründe abgesagt hat.

4. Nur eine der 50 größten deutschen Digitalagenturen ist auf Snapchat aktiv
(horizont.net, Marco Saal)
In einer neuen Studie wurden die Social-Media-Aktivitäten der 50 größten deutschen Digitalagenturen untersucht, die viel Geld damit verdienen, Online- und Social-Media-Strategien für andere zu entwerfen. Wie sich herausstellt, bleiben die Spezialdienstleister, was ihre eigenen Auftritte im Social Web anbelangt …nunja… etwas unterhalb ihrer Möglichkeiten.

5. Warum wir #D17 starten
(blog.zeit.de, Jochen Wegner)
„Zeit Online“ startet mit „D17“ ein neues übergreifendes Ressort, für das die gesamte Redaktion arbeitet. Im Jahr der Bundestagswahl will man darin Deutschland Deutschland erklären. „Zeit-Online“-Chef Jochen Wegner: „Wir werden nicht auf Wahlprognosen starren, sondern uns da aufsuchen, wo wir nun einmal sind, in Bretten etwa, Calw, Oberscheld und Wismar. In mehreren Serien nähern wir uns Deutschland von seinen vielen Seiten und versuchen, es noch einmal ganz von vorne zu verstehen.“

6. Helene Fischer ist gar kein Star – sagt Chefredakteur, der gar kein Journalist ist
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Sven-Christian Güthlein, Chef des Klatschblatt-Verlages SCG, hat Helene Fischer einen „ganz persönlichen Brief“ geschrieben,in dem er ihr den Starstatus aberkennt. Und das ist ein wenig lustig wie der Spezialist für Regenbogenerzeugnisse Mats Schönauer findet.

Weißhaus-Quatsch, Flüchtlingsframing, Prügelknabe Maischberger

1. Unfug mit Absicht
(blog.zeit.de, Yassin Musharbash)
Das Weiße Haus hat eine Liste von 78 Terroranschlägen veröffentlicht, über die die Medien angeblich zu wenig berichtet haben. Das sei Quatsch und diene nur einem Zweck, findet Yassin Musharbash im Blog der „Zeit“. Trump ginge es um nichts weniger als Zersetzung.
Der für die „Welt“ arbeitende Kritsanarat Khunkham hat sich die Mühe gemacht und ist das Artikelarchiv der „Welt“ nach den 78 gelisteten Anschlägen durchgegangen. Das Ergebnis: Fast immer wurde berichtet: Wie die „Welt“ über Trumps „under-reported“ Terroranschläge berichtete Und auch Nikolaus Piper greift die Behauptung in seinem lesenswerten „SZ“-Beitrag Die „New York Times“, Donald Trumps Lügendetektor auf.

2. Willkommen oder kriminell? Framing von Einwanderern
(de.ejo-online.eu, Anna Carina Zappe)
In den Medien werden Einwanderer als willkommene Flüchtlinge bis hin zu gefährlichen Kriminellen dargestellt. Eine neue Studie hat 371 Artikel der Tageszeitungen „Welt“, „FAZ“, „Süddeutsche Zeitung“ und „taz“ aus dem Jahr 2014 untersucht. Politisch eher konservativ orientierte Zeitungen wie „FAZ“ und „Welt“ würden mehr negative „Frames“ verwenden, während Einwanderer in der „SZ“ und „taz“ eher mit positiven Begriffen „geframet“ würden.

3. Wir Prügelknaben
(zeit.de, Thomas Fischer)
Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und Urheber der erfolgreichen „Zeit“-Kolumne „Fischer im Recht“. Neulich war er Talkgast in der Sendung „Maischberger“. Die Sendung hatte das Thema „Polizisten: Prügelknaben der Nation?“ Fischer hat einen Erlebnisbericht über seinen Besuch in der Fernsehsendung verfasst. Wie immer lässt er es an Deutlichkeit nicht vermissen: „Mir schien: Redaktion und Moderatorin verfügten weder über ein Konzept, noch hatten sie einen Plan oder Grundkenntnisse des Themas Polizei und öffentliche Sicherheit. Der Regie-Einfall bestand darin, irgendwelche Leute zusammenzusetzen in der Hoffnung, dass die sich gegenseitig missverstehen, anschreien und beleidigen.“

4. Veracruz: Journalismus im Staat der Angst
(reporter-ohne-grenzen.de)
In Mexiko wurden in den vergangenen 16 Jahren mindestens 99 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet, so „Reporter ohne Grenzen“. Damit sei Mexiko bis auf das Jahr 2013 stets das gefährlichste Land für Journalisten in Lateinamerika gewesen. Donald Trumps Angriffe gegen die Medien und seine Abschottungspolitik würden nicht nur die Freiheit in den USA gefährden. Gefährlich seien seine Äußerungen auch für Journalisten in Mexiko, die aus Angst um ihr Leben oft in das nördliche Nachbarland fliehen. Gefangen zwischen einem repressiven Staat, gewalttätigen Drogenhändlern und einem korrupten Justizsystem, blieben sie vor allem in der ostmexikanischen Provinz Veracruz auf sich allein gestellt.

5. Alles kann, nichts muss
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
Cornelius Pollmer hat sich Springers neues Jugendportal „Noizz“ angeschaut. Große Begeisterung kommt bei ihm nicht auf. Die Internetseite „sediert Millennials mit Klebeband-Bikinis und Rucola-Burgern. Hauptsache, man leiert der Laufkundschaft Klicks aus dem Kreuz. Das politische Weltgeschehen ist der Seite egal, jeglichen Diskurs scheint sie regelrecht zu verachten.“

6. [Rückwärts] – [sträwkcüR]
(mdr.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser (treuen BILDblog-Lesern als langjähriger BILDblog-Autor und Chefredakteur bekannt) schaut in kurzen und unterhaltsamen Videoclips auf die Entstehung von Nachrichtenmeldungen in Print- und Onlinemedien. Wir habens gemocht, aber wir mögen ja auch den Lukas und sind deshalb vielleicht etwas befangen.

Keine rauchenden Colts, Merkelselfie, Linken-Fake-News

1. Keine „Smoking Gun“ aus Russland
(tagesschau.de, Georg Mascolo)
Die Kanzlerin persönlich hätte nach der Antwort auf die Frage verlangt, ob die russische Regierung versucht, die öffentliche Meinung in Deutschland zu manipulieren. Und so ermittelten BND und Verfassungsschutz fast ein Jahr bis sie nun einen Bericht vorlegten. Nach Informationen von „NDR“, „WDR“ und „Süddeutscher Zeitung“ hätten sich keine eindeutigen Beweise für eine russische Desinformationskampagne gefunden. Entwarnung gebe man jedoch nicht, so Georg Mascolo auf „tageschau.de“: „Das Kanzleramt ordnete an, die Sache weiter zu untersuchen. Denn aus der schwierigen Suche nach den Beweisen lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Entweder gibt es den vermuteten Angriff durch Russland nicht. Oder die russischen Dienste sind schlau genug, sich nicht erwischen zu lassen. Die deutschen Agenten neigen eindeutig zur zweiten Version.“

2. „Ein mieses Thema“
(sueddeutsche.de, Marc Hairapetian)
Harald Lesch ist Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im ZDF moderiert er die Sendereihe „Leschs Kosmos“ und bringt dort seit nun 100
Folgen Themen aus Medizin, Gesellschaft oder Ökologie an sein Publikum. Im Gespräch mit der „SZ“ verrät er, wie man Wissen im Fernsehen vermittelt. Eine „Rampensau“ müsse man sein: „Im Studio ist es gut, wenn der Typ, der da vorne steht, es gern macht und es auch den anderen Vergnügen bereitet, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

3. Digital ist besser: Jetzt fangen auch noch die Linken mit den Fake News an
(wired.de, Johnny Haeusler)
„Wired“-Kolumnist Johnny Haeusler war es bislang nur gewohnt, dass sich vornehmlich Rechte an der Verbreitung von Fake News beteiligen. Nun seien aber auch liberaler Denkende dabei und würden damit Geld in die Taschen der Produzenten spülen, denn, so Haeusler: „Die meisten Fake News sind weder News noch Meinung, sondern Werbeformate.“

4. Das Merkel-Selfie und die Wundermaschine
(spiegel.de, Fabian Reinhold)
Der 19 Jahre alte Syrer Anas Modamani erlangte eine gewisse Berühmtheit mit einem Selfie von sich und Bundeskanzlerin Merkel, das er in den ersten Wochen als Flüchtling in Deutschland aufgenommen hatte. Das Bild mit der positiven Message ging um die Welt, wird auf Facebook jedoch auch immer wieder für Hetze und Verleumdungen missbraucht. Dagegen will er nun mit Hilfe seines Anwalts vorgehen und bei Facebook eine Löschung der verleumderischen Fotomontagen bewirken. Kein leichtes Unterfangen, denn die Gegenseite hat Top-Anwälte und die Richter sind nicht auf Facebook…

5. Freiraum statt Formate
(taz.de, Paul Wrusch)
Beim Münchener Ausbildungsradio „M94.5“ haben über 2.500 junge Menschen ihr Handwerk gelernt, doch jetzt droht dem Sender der Entzug der UKW-Frequenz. Die „Bayerische Landesanstalt für neue Medien“ (BLM) will diese anscheinend gewinnbringend veräußern. Die „94.5“-Macher befürchten nun die Marginalisierung: sie wären dann nur noch digital oder übers Internet zu empfangen.

6. So natürlich: Dresden wie es singt und lacht
(uebermedien.de, Mats Schönauer, Boris Rosenkranz, Video 2:00 Minuten)
Der „MDR“ hat live vom Semperopernball in Dresden berichtet. „Übermedien“ hat die authentischsten Momente extrahiert, um vorzuführen wie natürliche Lebensfreude und ungezwungene Geselligkeit funktionieren …

Spiegels Trump-Cover, Politisches Framing, Yellow Fakes

1. Trump im SPIEGEL: Wozu ein Kopf-ab-Cover?
(schmalbart.de, Frank Zimmer & Christoph Kappes)
Das aktuelle „Spiegel“-Cover zeigt Donald Trump mit blutigem Schwert und dem abgeschlagenen Kopf von Miss Liberty. Das martialische Bild polarisiert in den sozialen Netzwerken wie selten. Auf „Schmalbart“ vertreten Frank Zimmer und Christoph Kappes jeweils die Pro- und Kontra-Position.

2. „Wir gehen Trump immer noch auf den Leim“
(tagesspiegel.de, Thomas Eckert & Joachim Huber)
Der „Tagesspiegel“ hat mit der Linguistin Elisabeth Wehling über „politisches Framing“ gesprochen. Die Wissenschaftlerin lehrt und forscht an der University of California in Berkeley und hat kürzlich ein Buch zum Thema „Framing“ vorgelegt. „Es gibt Gruppen, die tun unserer Gesellschaft nicht gut. Dazu gehören die Neo-Faschisten der AfD. Ich dekonstruiere Sprachbilder solcher Gruppen. Ich werbe dafür, nicht jeden sprachlichen Köder der AfD zu schlucken und breitzutreten. Wenn wir Ideen wiederholen, propagieren wir sie in den Köpfen der Menschen ­– ob wir es wollen oder nicht. Selbst wenn wir „dagegen“ sind. Das Negieren von Ideen stärkt sie – denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten!“

3. Warum wir unsere Kommentarspalte umbauen
(nzz.ch, Oliver Fuchs)
Bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ können künftig nicht mehr alle Artikel kommentiert werden. Die Gründe für den Wechsel erklärt der Social-Media-Redakteur der NZZ. „Wir glauben nicht, dass es weiterhin Sinn hat, wenn Leser alle Artikel kommentieren können. Gerade bei nachrichtlichen Meldungen entbrennt schnell ein Streit über die darin berichteten Fakten. So ist ein kurzer Agenturtext zu einer Demonstration in Ramallah aus unserer Sicht der falsche Ort, um die Geschichte Israels von Grund auf neu zu verhandeln. Zudem erreichen wir dank Google News, Twitter und Facebook zunehmend Leser, für welche NZZ.ch nicht zur Stammlektüre zählt. Diese treffen dann in der Kommentarspalte auf Leser, die uns seit Jahren kennen und lesen.“

4. Die wahre Heimat der Fake News
(faz.net, Jörg Thomann)
Jörg Thomann erinnert in seinem Kommentar in der „Faz“ daran, dass „Fake News“ nicht nur auf Facebook, sondern auch am Zeitungskiosk stattfinden. Woche für Woche bringt die Yellow Press seit Jahrzehnten erfundene Nachrichten über Schlagerstars und Königsclans unters Volk. Thomann warnt davor, das boulevardeske Treiben zu unterschätzen: „Man sollte sich aber nicht täuschen: Auch die Fake News der Yellow Press können Menschen verletzen und Ressentiments wecken, und zwar nicht nur gegen eine vermeintlich intrigante Herzogin Camilla.“

5. Überall Kontrollwahn
(taz.de, Johannes Kopp)
Der Zweitligaverein 1860 München gängelt die Medien: Schon drei Zeitungen wurde die Dauerakkreditierung entzogen. Dies sei nur die Spitze des gewöhnlichen Irrsinns im deutschen Profifußball, so Jörg Thomann in der „taz“ und habe mit der Verkaufslogik zu tun, nach der die Vereine verfahren würden. Wie bei einem Wirtschaftsunternehmen solle das eigene Markenprodukt vor den kleinsten Kratzern geschützt werden.

6. Die South-Park-Macher verzweifeln an Trump
(ze.tt, Till Eckert)
Die South-Park-Macher sind für ihren derben Humor bekannt und die Vehemenz, mit der sie durch Übertreibungen satirisch zuspitzen. Das Thema Trump hat sie jedoch überfordert, wie sie in einem Interview zugeben: „Wir haben wirklich versucht, irgendwas Witziges aus dem zu machen, was da gerade abgeht. Aber wir konnten einfach nicht Schritt halten.“

Spiegel Daily, Kristallkugel Demoskopie, Martenstoned

1. Erste Details zu „Spiegel Daily“
(horizont.net, Ulrike Simon)
Der „Spiegel“ will in den nächsten Monaten die digitale Tageszeitung „Spiegel Daily“ starten. Ulrike Simon liefert erste Einblicke in das redaktionelle Konzept, das mehrstufige Abomodell und das Zusammenspiel mit „Spiegel Online“. Die offizielle Pressemitteilung dazu gibt es hier. Projektbeteiligter Cordt Schnibben schildert auf seiner Facebookseite die Entstehungsgeschichte der Idee vom ersten Prototypen bis heute. Und kann sich einen Seitenhieb auf seinen ehemaligen Chefredakteur nicht verkneifen.

2. „Eine beeindruckende Gestalt“
(sueddeutsche.de, Evelyn Roll)
Der Publizist Jürgen Todenhöfer ist seit kurzem Herausgeber des „Freitag“. Chefredakteur Jakob Augstein erklärt, warum. Die Zuweisung „umstritten“ in der Eingangsfrage will er nicht so stehen lassen: „Sie sagen, er sei umstritten. Das ist doch interessant – dem arrivierten Medienbetrieb ist ausgerechnet ein Mann suspekt, der nicht vom Schreibtisch aus urteilt, sondern sich selbst ein Bild macht. Eine sonderbare Umkehrung. Die meisten von uns haben ihre Informationen aus dem Netz oder aus dem Fernsehen und verlassen sich blind darauf. Aber jemand, der es selber wissen will, der sich Mühen und Gefahren der Reise und der Recherche aussetzt, der ist uns verdächtig.“

3. Ist das zu viel des Trump? Nein.
(udostiehl.wordpress.com)
Muss wirklich jeder Schritt des neuen amerikanischen Präsidenten auseinandergenommen werden? Auf jeden Fall und mit aller Konsequenz, findet Udo Stiehl: „Es dauert vielleicht jetzt etwas länger, bis ein ausgewogener und verlässlicher Artikel geschrieben ist, oder ein entsprechender Fernseh- oder Hörfunkbeitrag. Das kostet Zeit und Kraft. Aber das dürfen unsere Zuschauer, Hörer und Leser wohl auch erwarten von uns.“

4. „Regierung ist nicht die Instanz“
(taz.de, René Martens)
Die Bundesregierung plant, gesetzlich gegen sogenannte Fake News vorzugehen. Im Gespräch ist auch ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“. Der Rechtswissenschaftler und emeritierter Professor für öffentliches Recht Karl-Heinz Ladeur warnt vor solchen staatlichen Maßnahmen und regt die Einrichtung privater Schiedsgerichte an.

5. Die Kristallkugel
(de.ejo-online.eu, Thomas Petersen)
Thomas Petersen ist Privatdozent an der TU Dresden und arbeitet als Projektleiter am „Institut für Demoskopie Allensbach“. In seinem Beitrag erklärt er, was Demoskopie leisten kann und was nicht. Umfrageforscher würden viel zu oft als Wahrsager wahrgenommen werden. Für ihn ist das nichts: „Wenn mir das nächste Mal wieder ein Journalist die Kristallkugel entgegenhält mit der Aufforderung, hineinzuschauen, sollte ich sie vielleicht gleich an ihn weiterreichen.“

6. Über Flüchtlinge, Autos, Wohlbefinden und Todesgefahren.
(herrfischer.net, Tin Fischer)
Tin Fischer hat die neueste Martenstein-Kolumne im Zeit-Magazin gelesen („Opferzahlen und Gewissensfragen“). Darin fragt Martenstein „Würden Sie Ihr Leben opfern, um 20 Flüchtlinge zu retten?“ Fischer kam ins Grübeln und hat sich in die offiziellen Zahlen eingearbeitet. Abgesehen davon, dass die Martenstein-Zahl angreifbar ist, kommt Fischer zu dem Schluss, dass die größte Bedrohung für sein Leben, die direkt von anderen Leuten ausgeht, laut „Todesursachen“-Rubrik des Statistischen Bundesamtes Autos und LKWs seien. Also dreht er die Argumentationsrichtung: „Ich will Harald Martenstein nicht unterstellen, dass er mit seinem Auto nur durch Berlin fährt, um an einer Kreuzung mal eben schnell rechts abzubiegen, wenn er mich mit meinem Fahrrad im Rückspiegel sieht. Aber sagen wir es so: er nimmt es zumindest ein klein wenig in Kauf, mich allenfalls umzubringen.“

Schumacher-Entschädigung, Flüchtlings-FAQ, Döpfner-Sorgen

1. „Was Wahrheit ist, definiert keine Regierung“
(welt.de, Antje Homburger & Esteban Engel)
Mathias Döpfner ist seit vielen Jahren Vorstandsvorsitzender bei „Axel Springer“ und seit Oktober 2016 auch Präsident des „Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger“ (BDZV). Im Gespräch mit der „Welt“ mahnt er die Medien zu mehr Glaubwürdigkeit – auch im Kampf gegen „Fake News“. Aufgabe der Medien sei es, zu recherchieren und wahrhaftig zu berichten. Falsch sei es jedoch, dass professionelle Medien jetzt sozialen Medien helfen sollen, Fake News zu identifizieren und Fakten zu checken: „Wenn soziale Medien nicht mehr Technologieplattformen, sondern Medienunternehmen betreiben wollen, dann müssen sie Redakteure einstellen, die Kosten einrechnen und sich mit einer anderen Regulierung auseinandersetzen. Denn wenn ein Technologiemonopol fast zwei Milliarden Leser erreicht und die Inhalteauswahl kontrolliert, ist das das genaue Gegenteil von Vielfalt.“
Döpfner sieht sich aber auch als Opfer weiterer angeblicher Zumutungen wie dem aus seiner Sicht überzogenen Mindestlohn: „Die Politik sollte überlegen, wie sie uns Knüppel, etwa Überregulierung, weltfremden Datenschutz oder einen überzogenen Mindestlohn im Vertrieb, erspart.“

2. Funke Mediengruppe muss an Corinna Schumacher zahlen
(faz.net, Michael Hanfeld)
Das Oberlandesgericht in Hamburg hat es nun endgültig entschieden: Die „Funke Mediengruppe“ muss an Corinna Schumacher eine Geldentschädigung von 60.000 Euro zahlen. Gegenstand der gerichtlichen Auseinandersetzung waren Bilder, die sie auf dem Weg ins Krankenhaus in Grenoble zeigen. Und die auch dann noch gedruckt worden seien, als bereits einstweilige Verfügungen und Unterlassungserklärungen vorlagen.

3. Flüchtlingsforschung gegen Mythen 5
(fluechtlingsforschung.net, Ulrike Krause)
Im fünften Teil der Serie „Flüchtlingsforschung gegen Mythen“ kommentieren Mitglieder des „Netzwerks Flüchtlingsforschung“ erneut typische Falschaussagen und Behauptungen aus der Flüchtlingsdebatte. Mit dabei ist auch die Antwort auf die Frauke-Petry-Forderung, das Asylrecht nach Artikel 16a abzuändern und in ein Gnadenrecht des Staates umzuwandeln. Kompetentes Factchecking von Experten (wie auch bei den bereits vorangegangenen Teile der Serie).

4. Wen verlinken die Bundestagsabgeordneten auf Twitter?
(bundestwitter.de)
Der „Bundestwitter“-Macher hat 2016 über einen Zeitraum von sechs Monaten alle Tweets und Retweets der Bundestagsabgeordneten aufgezeichnet und ausgewertet. Welche klassischen Medien werden am häufigsten verlinkt? Wie sieht die Verlinkung zu den sozialen Medien wie Twitter, Facebook und Co. aus? Im Beitrag werden die entscheidenden Informationen übersichtlich und gut lesbar aufbereitet.

5. Merkel muss öffentlich Stellung beziehen
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, bei ihrer heutigen Reise in die Türkei öffentlich Stellung zum Thema Pressefreiheit zu beziehen und die Freilassung von inhaftierten Journalisten zu fordern.

6. Und am Wochenende geht´s ins Frauenhaus!
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hat früher selbst mal bei einer Regionalzeitung gearbeitet und ist deshalb vielleicht besonders offen, als ihn eine freundliche Dame im Supermarkt zu einem zweiwöchigen Probeabo einer Regionalzeitung überredet. Nach einer Woche Lektüre zieht er nun ein Zwischenresumee. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Die Heimatzeitung sollte sich nicht allzu große Hoffnungen auf einen neuen Abonnenten machen.

Verkalkter Schwachsinn, Dümmste Zeitungsfusion, Rechts-Monitoring

1. Rein in die rechte Blase
(taz.de, Lalon Sander)
Die „taz“ startet eine monatliche Zusammenfassung der Diskussionen in rechten Medien, auch „damit unsere Leser*innen es nicht selbst tun müssen“. In der Januarausgabe widmet man sich ausführlich und mit zahlreichen Beispielen den Onlineauftritten von „PI-News“ und den Onlineausgaben von „Compact“ und „Junge Freiheit“. Am Ende des Beitrags gibt es quasi als Bonus eine Auswahl von drei Meldungen der untersuchten Medien, die sich als komplette Falschmeldungen erwiesen hätten.

2. Verkalkter Schwachsinn im „Zeit-Magazin“
(blog.gwup.net, Bernd Harder)
„Verkalkter Schwachsinn!“ Der Pressesprecher der Skeptikerorganisation „GWUP“ Bernd Harder findet deutliche Worte für einen Artikel des „Zeit-Magazins“. Gegenstand von Harders Kritik: Der lobpreisende Kolumnenbeitrag des „Zeit“-Creative-Directors Mirko Borsche über einen angeblichen Wunderapparat zur Wasserentkalkung für stolze 840 Euro. Borsche, der nach eigenem Bekunden Schwierigkeiten mit Chemie und Physik hat, ist anscheinend ein profundes Opfer des Placebo-Effekts geworden. Passend dazu sein trotziger Schlusssatz, der zusammen mit dem Totschlag-Zitat „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt“ als der goldene Satz von Esoterik, Parawissenschaften und sogenannter Alternativmedizin gelten könnte: „Egal – Hauptsache, es funktioniert!“

3. Fox News löscht Tweet nach Beschwerde Kanadas
(spiegel.de)
Der konservative US-TV-Sender „Fox News“ verbreitete auf Twitter die falsche Nachricht, der mutmaßliche Attentäter von Québec sei marokkanischer Herkunft. Beim Verdächtigen handelt es sich jedoch um einen Frankokanadier. Daraufhin hat sich das Büro des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau eingeschaltet und auf die „falsche und irreführende Sprache“ hingewiesen. Der Tweet verletzte die Ehre der Opfer, weil dieser Fehlinformationen verbreite, mit Identitätspolitik spiele, Angst erzeuge und die Spaltung von Gemeinden vorantreibe. Der Sender hat mittlerweile reagiert, sein Bedauern ausgedrückt und die Tweets gelöscht.

4. Laudatio zum Anglizismus des Jahres 2016: Fake News
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Linguist Anatol Stefanowitsch beschäftigt sich mit dem Anglizismus des Jahres 2016: „Fake News“. Er schlägt dabei einen Bogen vom ersten Auftauchen des Begriffs in der Zeitschrift „American Historical Register“ vom November 1894 bis zur Jetztzeit.

5. Die Erbsünde der Dummheit
(verlag.baz.ch, Kurt W. Zimmermann)
Der Chefredakteur des Magazins „Schweizer Journalist“, Kurt W. Zimmermann, wütet über die seiner Ansicht nach „dümmste Zeitungsfusion der Zeitungsgeschichte“. Der Ärger fängt für ihn in den Siebziger Jahren an, als die linksliberale „National-Zeitung“ mit den bürgerlich-konservativen „Basler Nachrichten“ fusionierten: „Man verschmolz den Lahmen mit dem Blinden“. Die neu entstandene „Basler Zeitung“ sei über lange Zeit ein “ lebensuntüchtigen Zwitter“, eine „Plattform der Unverbindlichkeit“ gewesen, ein „Wischiwaschi-Blatt“. Mittlerweile habe die „Basler Zeitung“ wieder eine (konservative) Linie gefunden. Doch es sei es ziemlich egal, wo die Basler Zeitung politisch stehe: „Sie wird niemals geliebt werden. Sie wird ihre Erbsünde nicht los. Die Erbsünde ist die dümmste Zeitungsfusion der Zeitungsgeschichte.“

6. Entsorgt (13): Cover-Chats — „Mal ne Frage wegen Titel“
(kioskforscher.wordpress.com, Markus Böhm)
Magazincover wollen auffallen. Das kann gut gehen und das kann … nunja … weniger gut ausgehen. „Kioskforscher“ Markus Böhm hat sich 16 Cover angeschaut, vom Fitnessheft für Schwangere bis zum Schwulen-Magazin. Und er lässt über fiktive Chat-Dialoge die beteiligten Redakteure und Grafiker mitteilen, was sie sich beim jeweiligen Cover gedacht haben.

AfD-Journalisten-Rauswurf, Funks Verlade, Undercover Boss

1. Mut zur Lücke: Medien-Reaktionen auf den Journalisten-Rauswurf
(flurfunk-dresden.de, Andreas Szabo)
Am vergangenen Samstag haben die Delegierten des AfD-Landesparteitages Sachsen einen Journalisten der „Sächsischen Zeitung“ rausgeschmissen. Der Vorwurf: Der Journalist sei angeblich für „Hetzartikel“ verantwortlich. Dies sorgte für viel Kritik an der Partei und ihrem Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit. Die „Morgenpost Sachsen“ reagierte mit einem Boykott der Berichterstattung und druckte eine leere Seite mit Infokasten ab. Andreas Szabo hat nun das Medienecho auf den Vorfall zusammengefasst.

2. Are you FUNKing kidding me?
(fettlogik.wordpress.com)
Man muss zweimal hinschauen, weil man es nicht glauben mag: „Funk“, das Online-Medienangebot der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene, hat mehreren jungen Frauen vorgegaukelt, sie hätten ein „Ernährungscoaching“ gewonnen und sie zum Videodreh in einen Supermarkt eingeladen. Statt sie zu beraten, hat eine falsche Ernährungsberaterin die Teilnehmer jedoch vor laufender Kamera bloßgestellt und wüst beschimpft („viel zu fett“) bis diese genug hatten oder weinend zusammenbrachen. Darauf erschien ein zuvor versteckter Flashmob-Chor, der den Opfern der fragwürdigen Aktion vorträllerte, dass sie toll seien und bloß bleiben sollen, wie sie sind. (Überschrift auf Facebook: „Lasst euch nicht verbiegen, Mädels! Kuss-Smiley #bleibdu“)
Nadja Hermann hat auseinandergedröselt, was alles an der Aktion misslungen ist. In den Kommentaren hat sich mittlerweile eine Teilnehmerin gemeldet, die von dem für sie furchtbaren Erlebnis berichtet. Und auch „Funk“ hat dort Stellung bezogen: Eine „grundpositive Botschaft“ habe man vermitteln wollen.

3. „Bloggen ist eine Kulturtechnik“
(goethe.de, Ula Brunner & Klaus Lüber)
Das Goethe-Institut hat sich an die seiner Ansicht nach wichtigsten deutschen Medienblogger gewandt: Inwiefern kann und will ein Medienblog erfolgreich eine Gegenöffentlichkeit etablieren, welche Ziele verfolgen die Macher?
Es gibt Kurzinterviews mit „Carta“, „Netzpolitik“, „Fit für Journalismus“, „Übermedien“, „iRights“, „Franziskript“, „Indiskretion Ehrensache“, „Inge Seibel“ und last not but least, dem „BILDblog“.

4. Deutsches Doku-TV „verkrustet in der Erzählweise“
(dwdl.de, Christian Fahrenbach)
Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen hat für „Watani: My Homeland“ über Jahre hinweg eine syrische Familie auf ihrem Weg aus Aleppo nach Deutschland begleitet. Nun ist der Film im Gespräch für einen Oscar. „DWDL“ hat mit dem Filmer über die Doku-TV-Branche, Journalisten mit Haltung und den schwer zu beeinflussenden Oscar-Zirkus gesprochen. Der Weg war steinig und schwer: Mettelsiefen hat den Film über drei Jahre selbst vorfinanziert und ist viele Risiken eingegangen.

5. Verdeckte Verbindungen
(taz.de, Felix Krebs)
Andreas Speit berichtet in der „taz“ über das neurechte „Institut für Staatspolitik“ (IfS) um Götz Kubitschek und Ellen Kositza. Trotz aller Bemühungen der Neuen Rechten um Distanz zur alten Rechten, gäbe es Hinweise auf Verbindungen zu einem NPD-Bundesvorstandsmitglied.

6. Die erfolgreichste Dauerwerbesendung im deutschen TV
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier hat sich die aktuelle Folge von RTLs oftmals quotenbringenden „Undercover Boss“ angesehen, bei der sich ein Kreuzfahrtchef angeblich undercover unter seine Belegschaft mischt. Das Ganze gleiche einer einstündigen Dauerwerbesendung: „Ungehemmt dürfen Geschäftspartner und Investoren erzählen, wie toll die Zusammenarbeit mit Nicko Cruises läuft. Die Insolvenz von vor zwei Jahren? Längst vergessen! Heute läuft alles bestens. Und auch die Frau des Firmenchefs darf in die Kamera trällern, wie toll der Undercover-Einsatz für ihren Mann sei. Das ist alles so berechenbar, dass sich die Zehennägel biegen.“

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