Archiv für 6 vor 9

Florida-Rolf, Selbstinszenierung, Smoothies gegen Wagner

1. „Die ‘zweite Erde‘ die schon wieder mal keine zweite Erde ist!“
(scienceblogs.de, Florian Freistetter)
Die Nasa gab gestern die Entdeckung des „first near-Earth-size“ Planeten Kepler-452b bekannt. Es handele sich dabei „um eine sogenannte Supererde und keinen erdähnlichen Planeten“, schreibt Florian Freistetter, auch wenn Webseiten wie „Focus Online“ anderes berichten. Freistetter, der seit Jahren auf scienceblog.de Fälle von angeblichen Erd-Entdeckungen dokumentiert, sagt, dass die heutigen Teleskope noch nicht so weit seien:

Wir werden die zweite Erde schon noch finden. Wenn die Erde kein Einzelfall ist und dort draußen noch andere Himmelskörper mit entsprechenden Umweltbedingungen vorhanden sind, dann werden wir sie in den nächsten 20 Jahren entdecken. Aber jetzt geht das eben noch nicht.

2. „Ich will nicht immer alles als Risiko sehen“
(horizont.net, Roland Pimpl)
Soziale Netzwerke wie Facebook, aber auch Google, Apple oder Online-Kioske wie „Blendle“ besetzten weiter klassische Verlagsaufgaben. Stefan Plöchinger, Digital-Chef der „Süddeutschen Zeitung“, sieht in der Zusammenarbeit mit den neuen Vertrieblern journalistischer Inhalte „größere Chancen“. Doch die relevanteste Frage bleibt für ihn, „wie der Journalismus (…) – unabhängig, investigativ, tief und kenntnisreich – den digitalen Medienbruch überleben kann“.

3. „Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet“
(sebastian-doerfler.de, Sebastian, Audio, 58:29 Minuten)
„Florida-Rolf“, „Fetti“ oder „Assi“ – in einem „BR“-Radiofeature gehen Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche der Frage nach, woher die Bilder vom „faulen Arbeitslosen“ und „faulen Griechen“ kommen. „Es ist eine kleine Ideologiekritik zum laufenden Sozialstaatsabbau geworden, mit allerhand Beispielen aus Funk, Fernsehen und Politik“, schreibt Dörfler in seinem Blog.

4. „Datenschutz? Ist mir doch egal!“
(eaid-berlin.de, Peter Schaar)
Peter Schaar, ehemaliger Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, mahnt: „Die meisten datengetriebenen Geschäftsmodelle gleichen einem venezianischen Spiegel, der nur einseitig durchsichtig ist.“ Mit Blick auf die Nachlässigkeit beim Datenschutz sei zu befürchten, „dass wir unsere Ignoranz teuer bezahlen müssen.“

5. „Es ist in Ordnung, dass wir uns online selbst inszenieren“
(blog.neon.de, Angela Gruber)
„Auch mit einem Beme-Video wollen Nutzer Aufmerksamkeit und Zuspruch von anderen“, schreibt Angela Gruber. Die neue Video-App sei im Kern eine weitere Möglichkeit der Selbstdarstellung. Und das Internet brauche egozentrische User, die den Anspruch hätten, ihre online geteilten Inhalte zu inszenieren.

6. „Mit Smoothies gegen Franz Josef Wagner“
(meedia.de)
„Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner meint zu wissen, warum „wir“ jedes Jahr „um 200 000 Menschen ärmer“ werden. Schuld seien Smoothie-trinkende Frauen. „Meedia“ sammelt Reaktionen dazu aus dem Netz. Siehe auch: „11 Beweise, dass berufstätige Frauen Deutschland ruinieren“ (buzzfeed.com, Juliane Leopold).

Steuertipps, queerer Blätterwald, Til Schweiger

1. „Geheime Straftäter“
(3sat.de, Video, 6:51 Minuten)
Der Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat wegen „des Verdachts des Verrates von Staatsgeheimnissen“ Strafanzeige gegen netzpolitik.org Unbekannt gestellt, netzpolitik.org hatte im letzten Jahr unter anderem zwei Haushaltspläne des Verfassungsschutzes veröffentlicht. „Kulturzeit“ spricht mit den Netzaktivisten Markus Beckedahl und Anke Domscheit-Berg.

2. „Das Internet, das wir bewahren müssen“
(zeit.de, Hossein Derakhshan)
Für Dinge, die er in seinem Blog schrieb, musste Irans „Blogfather“ Hossein Derakhshan sechs Jahren in ein Teheraner Gefängnis. „Im Jahr 2008, als ich verhaftet wurde, waren Blogs pures Gold und Blogger waren Rockstars“, schreibt Derakhshan. Er äußert Bedauern darüber, dass der Einfluss von Blogs beschnitten und durch Soziale Medien ersetzt worden sei.

3. „Zwischen Leichtigkeit und Seichtigkeit“
(freitag.de, Luisa Hommerich) 
Mit „Straight“ gibt es ein neues Magazin auf dem Printmarkt. Die porträtierten Paare hätten das gleiche Geschlecht, ansonsten dekliniere die erste „Straight“-Ausgabe bekannte Frauenmagazin-Schemata durch, schreibt Luisa Hommerich. Ein „Lifestyle-Sprachrohr lesbischer Bürgerinnen“ brauche es trotzdem: „Straight macht den queeren Blätterwald bunter – und Lesben womöglich ein Stück sichtbarer.“

4. „Buchhaltung steuern – praktische Tipps für freiberufliche Fachjournalisten“
(fachjournalist.de, Birgit Groschwitz-Fiebig)
Wie steht es um Verpflegungspauschalen, Abschreibungen, Umsatzsteuer und Urheberrecht? Volkswirtin Birgit Groschwitz-Fiebig gibt Steuertipps für Freie.

5. „Warum wundert sich Til Schweiger über seine Fans?“
(siegstyle.de, Alf Frommer)
Nachdem Schauspieler Til Schweiger am vergangenen Samstag bei Facebook einen Aufruf zur Hilfe für Flüchtlinge des „Hamburger Abendblatts“ geteilt hatte, hagelte es von einigen seiner Fans üble Kommentare. Blogger Alf Frommer fragt, warum sich „der derzeitige Gott des Mainstreams“ darüber wundert.

6. „Die Premium-Community von stern.de“
(stefan-niggemeier.de)

FIFA, Insel-Märchen, Robo-Reporter

1. „Das Märchen von der Buffett-Insel“ 
(capital.de, Christian Kirchner)
Am Wochenende machte eine Falschmeldung die Runde: Der Milliardär Warren Buffett soll eine griechische Insel für 15 Millionen Euro erworben haben. Der angebliche Kauf löste internationale Empörung aus. Diese Meldung wurde unter anderem von Bild.de, „Spiegel Online“ (Klarstellung) und manager-magazin.de (Klarstellung) verbreitet. Christian Kirchner mahnt deshalb:

Der Fall zeigt aber, dass eine verbale Abrüstung Not tut, weil derartige Meldungen wie der Kauf einer Insel durch einen US-Großinvestor Ressentiments schüren und entscheidend zur Meinungsbildung in Sachen Griechenlandkrise beitragen. Das erfordert entsprechende Vorsicht (…).

2. „Die Schreib-Maschinen“
(brandeins.de, Lars Jensen)
Lars Jensen besucht die Agentur „Associated Press“ und die Erfinder des Schreibroboters „Wordsmith“. Beide Unternehmen zeigen sich zufrieden mit der Arbeit, die die „Robo-Reporter“ leisten, auch wenn Autor Lars Jensen anmerkt, die Meldungen läsen sich, „als hätte sie ein leicht gelangweilter Redakteur geschrieben“. Angst müssten Journalisten aber keine haben, sagt Robbie Allen, Gründer von „Wordsmith“, denn: „Eine Filmkritik oder einen Kommentar zu Obamacare kann kein Algorithmus schreiben.“

3. „Wir müssen lernen, den Shitstorm zu lesen”
(meedia.de, Christoph Driessen)
„In einem kollektiven Empörungssturm können sich große gesellschaftliche Fragen zeigen“, sagt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im Interview. Er schlägt vor, einen Shitstorm als gesellschaftliche Komponente und nicht als Kampfbegriff zu betrachten. Es ließen sich daraus gar Wertkonzepte aufzeigen.

4. „That FIFA Movie Really Was As Much Of A Bomb As You Heard“
(fivethirtyeight.com, David Goldenberg, englisch)
David Goldenberg entlarvt den 27 Millionen Dollar teuren FIFA-Film „United Passions“ als großen Flop in den USA. Bis in die deutschen Kinos schaffte es der Streifen nicht. Hauptdarsteller Tim Roth, der den FIFA-Boss Joseph Blatter spielt, schäme sich heute für den Film.

5. „Warum machst du es dir so schwer?“
(girlsguidetoblogging.de, Sandra)
Sandra Konrad gibt drei Tipps, die den Einstieg ins Blogger-Dasein erleichtern und sich zum Teil auch Journalisten zu Herzen nehmen können: „Du wirst es nie allen recht machen können. Das ist einfach so. Punkt! Das Gute daran: Du musst es auch nicht.“

6. „Was ich sehe, wenn ich versehentlich auf der Startseite vom FOCUS lande“
(torbenfriedrich.de)

WikiLeaks, Blogfabrik, peinliche Stille

1. „To All of Edit at Gawker Media“
(nick.kinja.com, Nick Denton, englisch)
Nick Denton, der Gründer von „Gawker Media“, löschte einen umstrittenen Artikel über das Privatleben des Chief-Financial-Officer von Condé Nast, dem dort nachgesagt wurde, einen Escort-Service genutzt zu haben. Daraufhin verließen der Chefredakteur und Online-Chef von „Gawker“ das Unternehmen. Auf seinem Blog hinterlässt Denton ein Memo an die Gawker-Redaktuere und -Autoren:

This is the company I built. I was ashamed to have my name and Gawker’s associated with a story on the private life of a closeted gay man who some felt had done nothing to warrant the attention.

2. „Die Liminski-Connection“
(taz.de, Ambros Waibel)
Ambros Waibel empört die Publikation „Familienbunt“ des Familienbundes der Katholiken im Bistum Augsburg. Sie soll „homophobe Positionen“ vertreten, beispielsweise in ihren „10 Thesen gegen die Homoehe“. Das „reaktionär-katholische Potenzial“ werde nach Waibel vom Bayerischen Staatsministerium gefördert.

3. „’We Are Drowning in Material’“
(spiegel.de, Michael Sontheimer, englisch)
WikiLeaks-Gründer Julian Assange spricht im Interview mit Michael Sontheimer unter anderem über die Masse an Dokumenten, die die Enthüllungsplattform noch immer erreicht.

4. „Der Coworking Space Blogfabrik bastelt am Verlagsmodell der Zukunft“
(wired.de, Elisabeth Rank)
Das Projekt „Blogfabrik“ beherbergt 30 Freelancer aus der Berliner Kreativszene unter seinem Dach und gliedert sich in Coworking Space, Magazin und Agentur. Neu am Modell ist, dass die Miete nicht per Überweisung bezahlt wird, sondern mit Beiträgen für das „Blogfabrik“-Magazin „Daily Bread“. Große Youtuber, die momentan die größten Online-Reichweiten hätten, gäbe es dort zwar nicht, „trotzdem ist die Blogfabrik ein neues Modell für eine sich verändernde Arbeitswelt“, schreibt Elisabeth Rank.

5. „Ad tech is killing the online experience“
(theguardian.com, Felix Salmon, englisch)
Der Wirtschaftsjournalist Felix Salmon prophezeit, dass durch die Werbeflut auf mobilen News-Webseiten Leser langfristig auf „Apple News“ oder „Facebook Apps“ umsteigen könnten. „But it won’t be Facebook and Apple who killed the news brands. It’ll be ad tech“, resümiert Salmon.

6. „Peinliche Stille am Familientisch, als Bernd Lucke schon wieder eine neue Partei nach Hause bringt“
(der-postillon.com)

Fotojournalismus, Karte der Schande, Hitlergruß

1. „Fotojournalismus: Zwischen Fakten und Empörung“
(rolandtichy.de, Heike Rost)
Heike Rost zeigt anhand von bekannten Beispielen der letzten Jahre, wie eindrücklich Fotojournalismus wirken kann: schockieren, Gefühle von Abscheu bis Tränen hervorrufen. „Es ist ein Ausschnitt der Realität, nicht die Realität. Aber sie [die Bilder] werden zum wirkmächtigen Symbol“, deshalb sei es wichtig, die Geschichte dahinter zu erzählen.

2. „Zornige junge Männer“
(nzz.ch, Urs Hafner)
Was für Typen waren die ersten Redakteure der „Neuen Zürcher Zeitung“? Urs Hafner macht eine Zeitreise zu seinen Vorgängern ins 18. Jahrhundert.

3. „Zukunft des Journalismus: Was Leser wollen und was sie sollen“
(derstandard.at, Michael Freund)
Der Sammelband „Die Idee des Mediums“ führt Reden deutscher Journalisten wie Hans Leyendecker und Cordt Schnibben zur Zunkunft ihrer Branche zusammen. Eine schlüssige Antwort darauf, wie diese aussehen mag, gebe das Buch nicht; es stecke aber „zumindest das Feld ab“, rezensiert Michael Freund.

4. „Bang Bang“
(taz.de, Cigdem Akyol)
In der Türkei wurde eine 28-jährige Frau festgenommen, die ihren „offenbar übergriffigen Ehemann“ erschossen haben soll. Im Netz bekomme sie unter dem Hashtag #cilemdogan Zustimmung, schreibt die „taz“-Autorin Cigdem Akyol. Bereits im Februar habe es einen Aufschrei in der Türkei und im Netz gegeben, als eine Studentin von einem Minibus-Fahrer ermordet wurde.

5. „The Royal family could not possibly have known the true wickedness of Hitler“
(telegraph.co.uk, Tim Stanley, englisch)
Tim Stanley, Historiker und Journalist, widmet sich der „The Sun“-Veröffentlichung eines Videos Films aus den 1930ern, das die heutige Queen als kleines Mädchen beim Hitlergruß zeigt. „We should not judge“, schreibt Stanley, denn historische Ereignisse müsse man immer im Kontext betrachten. Die Folgen der Machtergreifung habe man damals nicht absehen können. Dazu auch: „Die peinliche Vergangenheit der britischen Königsfamilie“ (berliner-zeitung.de, Sebastian Borger).

6. „Karte der Schande: Straftaten gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte“
(trueten.de, Thomas Trueten)

Revolutionen im Journalismus, eigene Waffen, PR-Unfall

1. „Ein Nachruf, ein Sorgenbrief und ein Glückwunsch“
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Falk Heunemann schaut sich drei Projekte genauer an, die vor einem Jahr den „Journalismus revolutionieren wollten“: „Correctiv“, „Krautreporter“ und das digitale Wissenschaftsmagazin „Substanz“. Heunemann untersucht die Konzepte anhand ihres Erfolgs und weist darauf hin:

Die meisten Leser und Nutzer sind dann eben doch Gewohnheitstiere: Sie bleiben doch lieber beim Alten, auch wenn sie sagen, sie seien für Neues offen – erst recht wenn das Neue Geld kostet.

2. „Abgeschrieben? Nicht so schlimm…“
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Nick Lüthi sieht den Plagiatsfall der „Weltwoche“ als folgenlos: „Das Plagiat hat seinen Schrecken verloren. Es gehört längst zur Normalität des Journalismus.“

3. „Mächtiges Signal?“
(freitag.de, Juliane Löffler)
Juliane Löffler kommentiert die Frauenquote im Journalismus kritisch: „Keinem der zehn großen Leitmedien, welche Pro Quote angibt, steht derzeit eine Frau vor.“ Posten auch mit Frauen zu besetzen, sei möglich, wie es zum Beispiel der „Guardian“ beweist. Die „taz“ habe durch die neue männliche Führungsspitze „ihren Machtquotienten gerade kräftig nach unten korrigiert.“

4. „Mit den eigenen Waffen“
(wienerzeitung.at, Adrian Lobe)
Die „New York Times“ lässt durch das Start-up „Keywee“ (techcrunch.com, englisch) die Leserschaft ihrer „Instant Article“ analysieren. Sie nutzt die Erkenntnisse, um diesen Lesern dann passgenaue Artikel präsentieren zu können — und das mit einer Strategie, die sich finanziell auszahle, so Adrian Lobe.

5. „How Ida B. Wells became a trailblazing journalist“
(vox.com, Phil Edwards, englisch)
Anlässlich ihres 153. Geburtstags porträtiert Phil Edwards die amerikanische Journalistin und Bürgerrechtlerin Ida Bell Wells. „‘Tell the world the facts‘“ war ihre Motivation, um zu schreiben. Wells berichtete vor allem über Lynchmorde an der afroamerikanischen Bevölkerung.

6. „PR-Unfall behoben“
(titanic-magazin.de) 

Recht auf Vergessenwerden, verärgerte Griechen, Vertrauen

1. „Chatting in secret while we’re all being watched“
(firstlook.org/theintercept, Micah Lee, englisch)
Blogger und Aktivist Micah Lee gibt eine Anleitung, wie mit „Jabber“ und „Tor“ Edward Snowden-like private Kommunikation geschützt werden kann.

2. „Vergiss mich, Google!“
(correctiv.org, Sylvia Tippmann)
Das Recherchebüro „Correctiv“ wirft gemeinsam mit dem „Guardian“ (Artikel auf Englisch) einen Blick auf die Zahlen hinter das Recht auf Vergessen „Recht auf Vergessenwerden“. Google äußere sich zu den Löschanfragen bisher sehr eingeschränkt und mit „drastischen Beispielen“, die „kontroverse Anfragen, von Kriminellen bis hin zu fragwürdig agierenden Politikern“ bebildern. Der Großteil der Anfragen würde sich aber auf „Privates und Persönliches“ beziehen.

3. „Griechen ärgern sich über deutsche Medien“
(srf.ch, Camilla Alabor)

4. „Deutschland muss für eine Prise Sex und Perversion herhalten“
(meedia.de, Alexander Becker)
Nach dem Motto „Wir zeigen die Welt, wie sie wirklich ist“ plaudert Benjamin Ruth, Herausgeber der deutschen „Vice“, im Interview. Anlass ist das zehnjährige Bestehen des Ablegers hierzulande. Dazu auch: „10 unfassbar geile und gute Geschichten, für die wir Vice dankbar sind“ (editionf.com, Nora-Vanessa Wohlert).

5. „Der fragwürdige Erfolg von Restaurant-Coach Rosin“
(ndr.de/zapp, Gita Datta, Video, 7:36 Minuten)
Für „Zapp“ hinterfragt Gita Datta das „Kabel eins“-Coaching-Format „Rosins Restaurants“: „Zahlreiche ehemalige Teilnehmer beklagen sich gegenüber Zapp über fragwürdige Methoden bei den Dreharbeiten, über erfundene Geschichten und gestellte Situationen.“

6. Trau, schau, wem!
(punktmagazin.ch, Ronnie Grob, David Fehr, Boris Gassmann)
Die goldenen 1980er und 1990er des Journalismus sind passé. In einer umfassenden Analyse gehen die Autoren der Frage nach: „Wem kann man noch trauen?“

Auch wenn ein Unternehmen die Rechnung bezahlt: Unabhängiger oder zumindest teilweise unabhängiger Journalismus ist durchaus möglich. Es kommt ganz darauf an, wie viel Freiheit den Journalisten zugestanden wird.

Grexit-Umfrage, Wutschreiber, #NetzFragtPutin

1. „Kritik der Kritik zum LeFloid-Merkel-Interview: Mehr Arroganz geht nicht“
(basicthinking.de, Tobias Gillen)
„Haben Sie schon mal etwas Informatives aus einem Sommerinterview von ARD und ZDF mitgenommen?“, fragt Tobias Gillen. Er zeigt Unverständnis für die harte Kritik am Merkel-Interview von Youtuber LeFloid: „Er verdient Anerkennung, für das, was er erreicht hat.“ LeFloid habe keinen journalistischen Anspruch und sei deswegen kein geschlachteter Hase. Alf Frommer weiß hingegen, wie es weitergeht: #NetzFragtPutin“ (siegstyle.de).

2. „So fällst Du Mädchen auf: Eine satirische Antwort“
(derkeineunterschied.de)
Auf der Webseite von „Bravo“ erschien ein Listicle „So fällst du Jungs auf: 100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung“ (Artikel wurde gelöscht, Archiv-Link der Artikelversion von 2012). Die Aufzählung bestand größtenteils aus Beautytipps. Die Bloggerinnen von „der keine Unterschied“ fühlten sich daraufhin zu ihrem eigenen Listicle inspiriert. Siehe dazu auch: „Das passive Mädchen oder #flirtennachbravo“ (fraumeike.de, Meike Lobo).

3. „Wer gegen den ‘Grexit‘  ist, muss für Merkel sein: Wie der ‘Stern‘ und Forsa Stimmung für die Union machen“
(stefan-niggemeier.de)
Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ gab es ein überraschendes Ergebnis: Besonders die Anhänger der Grünen seien zufrieden mit Angela Merkels Griechenland-Verhandlungen.

Das scheint erstaunlich. Aber nur, wenn man nicht die besondere Art kennt, wie das Institut Forsa im Auftrag von „Stern“ und RTL die Frage gestellt hat. Forsa fragte nämlich nicht, wie man annehmen könnte, ob man mit Merkels Vorgehen in Sachen Griechenland ganz / ein bisschen / kaum / gar nicht zufrieden ist. Forsa bot als Antwort, dass man entweder Merkels Griechenland-Politik gut findet. Oder meint, dass sie Griechenland aus dem Euro hätte zwingen sollen.

4. „Die Wutschreiber“
(taz.de, Aram Lintzel)
„Die Waffen des Wutschreibers drohen stumpf zu werden, bevor die Zukunft begonnen hat.“ Aram Lintzel wendet sich Georg Diez zu, dem „Drama-King des deutschen Journalismus“. Lintzel beschreibt ihn als „ein Symptom, mit dem man sich als Autor solidarisch erklären sollte“.

5. „Killerzeilen – Wie Angelmagazine ihre Leser ködern“
(kioskforscher.wordpress.com, Markus Böhm)
Kioskforscher Markus Böhm analysiert die aufregend absurde Welt der Angelmagazine: „Den Glauben, Angeln sei ein entspannendes Hobby, habe ich am Bahnhofskiosk verloren.“

6. „Hans Entertainment tobt – und droht dem Reifenhändler“
(fudder.de, Daniel Laufer)
Ein Reifenhändler versucht sich die Namen von Facebook-Star „Hans Entertainment“ und Youtuberin „Dagi Bee“ als Marken eintragen zu lassen, um daran zu verdienen.

Weiteres Plagiat, Doppelmoral, Merkel und LeFloid

1. „‘Weltwoche‘-Redaktor schrieb auch bei deutscher Zeitung ab“
(tagesanzeiger.ch, Iwan Städler)
Das „The Telegraph“-Plagiat von Urs Gehriger war kein Einzelfall. Iwan Städler deckt auf, dass die „Weltwoche“ auch bei „faz.net“ abgeschrieben hat. Dieses Mal geht es um zehn weltweit verstreute Mauerwerke: „Kein einziger Wall wird beschrieben, ohne dass sich die ‚Weltwoche‘ ausgiebig bei der ‚FAZ‘ bedient hätte.“

2. „Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist tot, es weiß es nur noch nicht“
(juliareda.eu, Mathias Schindler)
„Es ist ein politisches Problem, das größer ist als das Leistungsschutzrecht, wenn Gesetze nicht ordentlich zustandekommen“, schreibt Mathias Schindler, Mitarbeiter der Piratin Julia Reda. Schindler schildert in sechs Kapiteln „den gesetzgeberischen Totalschaden Presseverlegerleistungsschutzrecht“ – ein „inhaltliches Komplettversagen des Gesetzes in den letzten Monaten im Zusammenspiel mit Verwertungsgesellschaften, Suchmaschinenbetreibern und Verlegern“.

3. „Schaum vor dem Mund?“
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Die Staatsanwaltschaft Stralsund fühlte sich von „Nordkurier“-Chefredakteur Lutz Schumacher durch eine Passage seines Kommentars zum „Rabauken-Jäger“-Verfahren beleidigt. Schumacher beschrieb den Staatsanwalt „mit Schaum vor dem Mund“. Nun wurde er freigesprochen Nun sieht die Staatsanwaltschaft von weiteren Ermittlungen ab:

Dass die Staatsanwaltschaft von ehrenrührigen Äußerungen spreche, zeige, „dass auch in Deutschland die Meinungsfreiheit leider keine Selbstverständlichkeit ist und immer wieder neu erkämpft werden muss“

4. „Fachwissen, Herzblut und Emotionen“
(medienwoche.ch, Nik Niethammer)
Nik Niethammer nervt die Doppelmoral von TV-Kommentatoren im Radsport, die „beinahe zwanghaft“ die Zuschauer „bei jeder Gelegenheit auf das Thema Doping“ hinwiesen: „Sie fühlen sich offensichtlich genötigt, immerzu Bedenken zu formulieren. Einem Sport gegenüber, den sie zwar übertragen, dem sie aber zutiefst misstrauen.“

5. „Was wurde eigentlich aus StudiVZ?“
(spiegel.de, Sebastian Meineck)
Nach Betreiberangaben seien eine Million Nutzer, vor allem Menschen zwischen 25 und 45 Jahren, auf den VZ-Netzwerken noch aktiv. „Flirten und Kennenlernen gehörten zu den Dingen, die vielen Nutzern von StudiVZ und MeinVZ heute offenbar besonders wichtig sind“, analysiert Sebastian Meineck.

6. „Das Interview mit Angela Merkel – #NetzFragtMerkel“
(youtube.com, LeFloid)
Von „PR-Geschichte“ bis „er hat gezeigt, dass er mehr kann, als hektisch geschnittene News-Videos mit Sprüchen versehen“ scheiden sich die Meinungen über das gestern veröffentlichte Interview des 27-jährigen Psychologiestudenten und Youtubers LeFloid mit der Bundeskanzlerin.

In Luft aufgelöste Griechen, Plagiat, öffentliche Selfies

1. „Griechen, in Luft aufgelöst“
(sueddeutsche.de, Ralf Scharnitzky)
Auf Spurensuche: Ralf Scharnitzky folgt einer „Spiegel Online“-Meldung und sucht vergeblich nach in Bayern gestrandeten griechischen Lkw-Fahrern.

2. „Kritische Selbstreflexion“
(carta-info, Karola Wille)
Karola Wille, Intendantin des „Mitteldeutschen Rundfunks“, spricht sich für mehr Transparenz bei den Öffentlich-Rechtlichen aus:

Gerade in Zeiten, in denen Sinn und Zweck des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer digitalen Medienwelt hinterfragt werden, ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk gut beraten, nicht nur die gesetzlichen Mindestvorgaben hinsichtlich der Transparenz seines Handelns umzusetzen, sondern selbst freiwillig die Transparenz auf den unterschiedlichen relevanten Feldern zu stärken.

3. „Plagiat bei der ‘Weltwoche‘“
(nzz.ch, Patrick Imhasly, Pascal Hollenstein)
„‘Ich habe einen Fehler gemacht und wurde von der Chefredaktion gerügt‘“, erklärt sich der Schweizer Auslandskorrespondent Urs Gehriger, nachdem bekannt geworden ist, dass er Teile eines Artikels des britischen Kollegen Keith Lowe von „The Telegraph“ übernommen hat.

4. „Roleup!: auf Tuchfühlung mit Role-Models“
(vocer.org, Nina Pressentin)
Gegen den Mangel weiblicher Vorbilder in Führungspositionen haben die Hamburger Journalistinnen und Filmemacherinnen Susanne Harnisch und Frauke Vogel ein Webvideo-Format gestartet. Nina Pressentin stellt „roleUP!“ vor.

5. „Die Piratin Julia Reda rettet unser Recht auf öffentliche Selfies“
(wired.de, Liat Clark)
Im Europäischen Parlament wurde beschlossen, Fotos von öffentlichen Plätzen nicht urheberrechtlich einzuschränken. „Die Tatsache, dass der Angriff auf die Panoramafreiheit über lange Zeit solch eine Unterstützung bei einer Mehrheit im Parlament hatte, zeigt, dass viele Mitglieder die kulturellen Umwälzungen des Internets und deren Auswirkungen auf unser Urheberrecht noch immer nicht verstanden haben“, sagt die EU-Parlamentarierin und Piratin Julia Reda gegenüber „Wired“.

6. „Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf samplen ‚Bild‘, ‚Spiegel‘, ‚Faz’“
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Das Video „Unsere schönen deutschen Euros“ von Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf bringe „das Niveau vieler ‚Grexit‘-Diskussionen auf einen traurigen Punkt“, schreibt Sonja Álvarez. 

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