Archiv für 6 vor 9

Teaser, Webtracking, Abbas Schirmohammadi

1. „Das Ende des klassischen Teasers“
(sueddeutsche.de, Niklas Hofmann)
Ist ein vom bezahlpflichten Artikel abgetrennter und frei verfügbarer Teaser presserechtlich etwas Eigenständiges? Niklas Hofmann schreibt zu einem konkreten Rechtsstreit mit Bild.de: „Falls beide aber tatsächlich getrennt zu behandeln sind, dann wären in Zukunft auch Konstellationen denkbar, in denen ein Artikel als solcher nicht zu beanstanden, ein Anreißer mangels Differenzierung aber sehr wohl verbotsfähig wäre.“

2. „‘Wer die Ausnahmestellung von Bild nicht anerkennt, geht unter'“
(vocer.org, Christian Wulff)
Ein Auszug aus dem Buch „Ganz oben, ganz unten“ von Christian Wulff: „Im Dezember 2007 suchte Bettina ihre Gynäkologin auf, sie war im fünften Monat schwanger. Ihr Mutterpass lag auf dem Tresen. Ein Mann, der im Wartezimmer saß und sie erkannte, unterrichtete die Bild-Zeitung. Meinem Pressesprecher blieb nichts anderes übrig, als die Information zu bestätigen. Die wichtigste Frage, die Bild und andere jetzt beschäftigte: Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Das ging wochenlang hin und her, und am 23. März 2008 ‘enthüllte’ Bild, Bettina erwarte ein Mädchen. Als am 12. Mai unser Sohn Linus auf die Welt kam, war Bild blamiert.“

3. „Ehe, Gewicht, Promis: Wie man Experte für Allesmögliche bei ‘bunte.de’ wird“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz befragt Abbas Schirmohammadi, der Bunte.de regelmäßig „Einschätzungen mit psychologischem Hintergrund“ liefert: „Ach, ja: Ich habe Herrn Schirmohammadi übrigens seine Zitate zugeschickt. Wünschte er so. Und dann hat er einiges duchaus Interessantes gestrichen. Auf die Frage, ob er das bei bunte.de auch so mache, antwortet er, dass er den Redaktionen, die anfragen, seine Einschätzungen schriftlich zukommen lasse. Was sie daraus verwenden würden, obliege den Redaktionen. Darauf habe er keinen Einfluss.“

4. „Gläserner User: Wie Verlage ihre Leser ausspähen“
(ndr.de, Video, 5:52 Minuten)
Während Zeitungen Google und andere Dienste in langen Artikeln als „Datenkraken“ bezeichnen, lassen sie selbst die Nutzer ihrer Websites per Webtracking ausspähen.

5. „Die Spur der 40.000″
(deutschlandradiokultur.de, Janosch Delcker)
Janosch Delcker geht der Frage nach, wie sich das Gerücht verbreiten konnte, dass während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 „40.000 ausländische Prostituierte“ („Zeit“) / „40.000 Huren aus Osteuropa“ („Spiegel“) in Deutschland erwartet werden. „Eine Zahl steht im Raum. Ein Journalist der dpa schreibt sie auf. Er verweist auf eine prominente Frauenbeauftragte, die sich wiederum auf eine Behörde beruft. Diese dementiert, dass die Zahl von ihr kommt. Aussage gegen Aussage. Hier endet die Spurensuche nach dem Ursprung dieses Gerüchts.“

6. „The state of the music industry“
(theoatmeal.com, englisch)

Storyful, Kool Savas, Eilmeldungen

1. „‘Bei Naturkatastrophen finden wir besonders viele Fakes'“
(journalist.de, Catalina Schröder)
Ein Interview mit Mark Little von Storyful, das Medienhäuser mit verifizierten Inhalten aus Sozialen Medien beliefert. „Vor ein paar Jahren haben Reporter Sätze gesagt wie ‘Worte reichen nicht aus, um zu beschreiben, was ich gerade sehe’. Heute hat jeder Zugang zu Fotos und Videos von Augenzeugen. Soziale Netzwerke machen es auch für Politiker viel schwieriger, Dinge zu ignorieren. Sie können nicht mehr sagen, dass sie von einem Thema nichts wussten. Es gibt für alles Augenzeugenberichte, die überall für jeden verfügbar sind.“

2. „Wir haben nicht zugehört“
(taz.de, Karim El-Gawhary)
„In einer Zeit, in der die Medien den Krieg in Syrien fast vergessen und andere Konflikte auf die Tagesordnung des wandernden Krisenzirkus gesetzt hatten“, haben James Foley und Steven Sotloff aus Syrien berichtet, und wir hätten nicht zugehört, schreibt Karim El-Gawhary: „Westliches Wegsehen und auch ein Stück Arroganz und arabische Verzweiflung sind die Grundstoffe, die den IS zu dem gemacht haben, was er heute ist: eine Organisation, auf deren Gräueltaten wir nun angstvoll blicken.“

3. „Kool Savas: Kein Pantoffelheld“
(woz.ch)
Die WOZ erhält ein Schreiben einer Anwaltskanzlei, die Kool Savas vertritt: „Staiger hatte Kool Savas im Text eine homophobe Geisteshaltung, Highlander-Romantik und völkischen Heroismus vorgeworfen. Das allerdings war nicht Gegenstand der Beschwerde: ‘Unserem Mandanten wird unterstellt, (…) ein ‘Pantoffelheld’ zu sein’, schreibt die Kanzlei. Der Begriff ‘Pantoffelheld’ findet sich allerdings nicht im besagten WOZ-Text. Er ist eine Kreation von Höcker Marken & Medienrecht. Weil es sich aber tatsächlich nicht zweifelsfrei belegen lässt, dass es sich beim Berliner Gangstarapper in Wirklichkeit um einen, wie seine Anwälte es interpretieren, ‘Pantoffelhelden’ handelt, ist die WOZ bereit, die entsprechenden zwei Sätze in der Online-Version zu schwärzen.“

4. „Political Correctness. Geschichte einer Konstruktion“
(bzw-weiterdenken.de, Franziska Schutzbach)
Franziska Schutzbach schreibt über Politische Korrektheit: „Der Vorwurf des Tugendterrors spiegelt letztlich eine autoritäre Geisteshaltung, die weder verstehen will, noch an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen interessiert ist, sondern vor allem eines im Sinn hat: Zu verbieten und über falsch und richtig zu urteilen.“

5. „Das ist keine Eilmeldung!“
(dasistkeineeilmeldung.tumblr.com)

6. „Internet-User über jedes einzelne der geleakten Promi-Nacktbilder empört“
(der-postillon.com)

Spiegel, Kriegsfotografinnen, Werbung

1. „Die Zwei-Klassen-Gesellschaft beim ‘Spiegel'“
(wiwo.de, Bettina Röhl)
Bettina Röhl beleuchtet das „sozialistische Experiment“ der Mitarbeiterbeteiligung beim „Spiegel“: „Links schreiben, rechts leben ist kein unbekanntes Phänomen. Tatsächlich wurden die Redakteure schnell zu saturierten Kapitalisten, die ihre Pfründe unter keinen Umständen und zu keinem Zeitpunkt mit irgendjemand wieder teilen wollten. Und da ist man schnell bei dem aktuellen Geschehen im Spiegel. Eigentlich könnte die Mitarbeiter-KG selbstherrlich durchregieren. Doch dazu ist sie aufgrund innerer Befindlichkeit offenkundig nicht in der Lage, obwohl sie in einer sehr komfortablen Lage ist.“

2. „‘Print und Online! Macht endlich gemeinsame Sache!'“
(jensrehlaender.tumblr.com)
Jens Rehländer hat Ideen, wie die „Spiegel“-Print-Redaktion aktiviert werden könnte: „Vielleicht ist der Kulturkampf zwischen Print- und Online ja auch bloß wieder eine Frage des Geldes. Auch beim SPIEGEL. Denn offenbar gibt es eine enge Relation zwischen festem Monatseinkommen und persönlicher Innovationsfähigkeit. So lange das Konto zu jedem Ersten verlässlich gefüllt ist, lahmt der Wille zum Wandel. Ist das Geld aber gefährdet ist man plötzlich zu vielem fähig. Vielleicht ja auch zur Kooperation mit jenen, die man vorher noch als Gegner betrachtet hat?“

3. „‘Gaza ist eigentlich ein hübscher Ort'“
(freitag.de, Tracy McVeigh und Joëlle Weil)
Tracy McVeigh und Joëlle Weil sprechen mit vier Kriegsfotografinnen: Loulou d‘Aki, Lynsey Addario, Alixandra Fazzina und Maggie Steber.

4. „‘RP Online’ hat das Rätsel gelöst: So wird der Journalismus im Netz finanziert!“
(tobiasgillen.de)
„Konsequentes Leservergraulen, maximale Ausschlachtung der Werbeplätze, minimale Aufmerksamkeit für die eigenen Inhalte“, so funktioniere die Finanzierung von Journalismus online, stellt Tobias Gillen fest, der eigentlich nur einen Artikel lesen wollte: „Statt einen Text über ‘Funkschalter und Funkempfänger’ zu lesen, sah ich VW-, Aldi- und Hemden-Werbung, die dann aber von einem fahrenden Auto-Duo inklusive Banner und Stadtpanorama überdeckt wurde.“

5. „Werbespot vor der Hinrichtung“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
In einem von Werbung unterbrochenen Beitrag kritisiert Rainer Stadler Werbung vor einem Reuters-Video „mit der minutenlangen, erzwungenen Deklaration“ des Journalisten James Foley „kurz vor seiner Ermordung“.

6. „‘Glaubst du, dass du mir helfen kannst?'“
(tagesspiegel.de, Alexandra Rojkov)

Spiegel, Chefredakteur, Klicks

1. „Analyse der Spiegelcover im Laufe der Zeit“
(achim-tack.org)
Achim Tack analysiert „Spiegel“-Titelbilder von 1947 bis 2014.

2. „Propagandatricks – oder schlichte Versehen“
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Zur Bildunterzeile „Russische Kampfpanzer fahren am 19.08.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine“ zeigt Wdr5.de ein Foto, das mutmasslich aus dem Jahr 2009 stammt: „Tatsächlich stammte das Bild offenbar aus dem Jahre 2009 und zeigte das russische Manöver ‘Kaukasus 2009′. In diesem Kontext jedenfalls wurde es vor fünf Jahren auf der Internetseite des Fernsehsenders n-tv verwendet.“

3. „Nachruf auf den Chefredakteur“
(welt.de, Peter Praschl)
Peter Praschl stellt den heutigen Chefredakteur dar als einer, der es „jeden Tag allen, allen, allen recht machen muss: Den alten Lesern, die er nicht verlieren darf, den Jungen, die er gewinnen muss; seinen Mitarbeitern, und zwar sowohl den Onlinern als auch den Printern; den Anzeigenkunden, die sehr viel divenhafter geworden sind; den Controllern und Managern, für die er den Laden schmeißt, dem sie ihre Renditen entnehmen, und die ihn dennoch ohne Erbarmen feuern werden, wenn das von ihnen angelegte prognostische Lineal eine Linie nach rechts unten zeigt.“

4. „Wie sich der Journalismus durch Klicks und Traffic verändern wird“
(onlinemarketing.de, Roger Taiber)
Journalisten, die ihr Einkommen mit hohen Besucherzahlen aufbessern: „Viele Zeitungen in den USA arbeiten bereits mit dem neuen Provisionsmodell. Der Journalist erhält ein Grundgehalt und erwirtschaftet den Rest seines Gehalts mit Traffic im Internet.“

5. „When it comes to chasing clicks, journalists say one thing but feel pressure to do another“
(niemanlab.org, Angèle Christin, englisch)
Angèle Christin verbringt über 400 Stunden in verschiedenen Newsrooms und befragt rund 100 Journalisten: „In other words, all media sites now rely on web analytics to make editorial decisions. But this does not mean that they all use and interpret metrics in similar ways. In fact, each editorial department makes sense of traffic numbers differently. There is not one but several ‘cultures of the click.'“

6. „Meine Wohnung wird immer sauberer“
(faz.net, Joachim Lottmann)
Joachim Lottmann berichtet von seinen Erfahrungen mit Airbnb.

Blick, Netflix, Erklärbär

1. „Dumme Nüsse“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Nach einer schlechten Haselnuss-Ernte in der Türkei rufen Medien die Nutella-Krise aus, denn Nutella besteht zu 13 Prozent aus Haselnüssen.

2. „Wie der Blick Stimmung macht gegen Sozialhilfebezüger“
(agossweiler.wordpress.com)
Andreas Gossweiler analysiert eine „Blick“-Grafik mit dem Untertitel „Die Kosten für Sozialhilfe explodieren“: „Nüchtern analysiert, sind die Zahlen weit weniger dramatisch. Von 1,77 Milliarden Franken (2006) stiegen die Ausgaben auf 2,37 Milliarden (2012).“

3. „Stadion-Einsprecher zeigt die Boulevardzeitung an“
(persoenlich.com)
„Dieser Mann verhindert das neue Stadion“ und „BLICK hat den Querulanten aufgespürt“ schrieb „Blick“ über einen Mann, der Einsprache gegen den Bau eines neuen Stadions für den FC Aarau erhoben hatte. „‘Ich akzeptiere nicht, das ich für die Ausübung eines Bürgerrechts als Verbrecher hingestellt werde’, sagt der Mann gegenüber der SoZ. Die Polizei sieht den Anfangsverdacht für Ehrverletzungsdelikte als gegeben.“

4. „Medien-PR oder auch: Wann muss ich wegsehen“
(grabbelkiste.org, Tante Jay)
Tante Jay gibt Tipps zum Teilen von Bildern im Internet: „Verbrechen geschehen. Kriegsverbrechen geschehen. Das ist nicht zynisch, das ist eine Tatsache. Man kann sie nicht ändern, weil man furchtbare Bilder weiterverbreitet.“

5. „Hinter den Kulissen von Netflix“
(heise.de/ct, Nico Jurran)
Nico Jurran besucht die Netflix-Zentrale in Los Gatos, Kalifornien: „Zu den großen Schwachstellen, die Netflix bei den etablierten deutschen Diensten ausgemacht haben will, gehört der Umgang mit englischsprachigen Produktionen, die nicht immer in der Originalfassung abrufbar sind – und praktisch nie mit Untertiteln. (…) Hinweis: Netflix hat für Nico Jurran die Reise nach Los Gatos bezahlt.“

6. „Warum die Banane krumm ist“
(heise.de/tp, Marcus Hammerschmitt)
Marcus Hammerschmidt sieht den deutschen Journalismus als Erklärbär: „Man kann sich also Vieles wünschen, aber was man bekommen wird, sind die zehn wichtigsten Fakten über Helene Fischer, alles, was man über Fußball wissen muss, oder über das nächste Betriebssystem von XYZ, und neue Antworten auf die Frage, warum die Banane krumm ist.“

Frontal21, AMSgate, Kriegsreporter

1. „Die Frontal21-Show: Das Munkel-Geschäft der Lerchenberg-Lords“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer kritisiert die „Frontal21″-Dokumentation „Die große Samwer-Show: Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys“ (zdf.de, Video, 43:30 Minuten) in aller Ausführlichkeit. „Und nur, um es noch einmal zu schreiben: Die Samwers sind nicht die guten. Doch trieft aus diesem Stück Fernsehen eine Voreingenommenheit und Wirtschaftsfeindlichkeit, die stellvertretend ist für vieles, was ich bei ARD und ZDF sehe. Selbst dubioseste Personen werden dazu Helden aufgebaut, nur weil es in die These passt.“

2. „Ein dubioses Hörproblem“
(taz.de, Sebastian Heiser)
Hat SPD-Politiker Raed Saleh besondere Mühe mit der Grammatik der deutschen Sprache, wie mehrere Medienberichte behaupten? Sebastian Heiser macht einen Vergleichstest.

3. „#AMSgate – eine Chronik“
(e-auto.tv)
Nutzer bezweifeln einen Elektroauto-Test in der Zeitschrift „auto motor und sport”.

4. „An der Front ist der Teufel los“
(tagesanzeiger.ch, Tomas Avenarius)
Tomas Avenarius widmet sich dem Kriegsreporter: „Nüchtern betrachtet hält sich die Notwendigkeit eines Frontbesuchs in Grenzen. Die Aussagen der meisten Kämpfer ähneln denen von Fussballern: Es wird hart, wir geben unser Bestes, sind bereit zu sterben. (…) Was die Krisenritter selten erzählen: Ohne einen fähigen Fixer ist fast jeder verloren, da kann er die Landessprache noch so gut sprechen.“

5. „Wie ich auf einen Hamas-Versteher hereinfiel“
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge schreibt, sie habe den freien Journalisten Martin Lejeune „zu Unrecht“ verteidigt: „Ich hätte früher auf meine Kritiker hören sollen.“

6. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“
(juliane-wiedemeier.de)
Nach der Kündigung ihres „Time“-Abos erhält Juliane Wiedemeier einen „Express Letter“ mit dem Aufdruck „Urgent response required to avoid interruption in service“.

Entführungen, Pimmel, Robbie Williams

1. „Entführung: Journalisten als lukrative Opfer“
(ndr.de, Video, 5:38 Minuten)
Während sich die USA und Großbritannien weigern, Lösegelder für entführte Journalisten an Terrororganisationen zu zahlen, überweisen europäische Regierungen Gelder in Millionenhöhe.

2. „Robbie Williams ‘sick and violated’ after claims paparazzi stalked family to take pictures of daughter on holiday“
(independent.co.uk, Jenn Selby, englisch)
Robbie Williams empört sich auf Twitter über Ausschnitte aus deutschen Zeitungen. „The former Take That star said he felt ‘sick and violated’ after finding that German newspapers had published images of himself, his wife Ayda Field and his 18-month-old daughter Teddy in swimwear.“

3. „In 8 Schritten zur viralen Überschrift“
(journalist.de, Roy Peter Clark)
Roy Peter Clark gibt Tipps zum Verfassen von Schlagzeilen mit viraler Durchschlagskraft: „1. Empören Sie sich über Ungerechtigkeiten, 2. Seien Sie überrascht oder begeistert, 3. Benutzen Sie einen Motor, 4. Verwenden Sie Zahlen, 5. Sex, Promis, Wunderheilungen: Keine Angst vor klassischen Reizen, 6. Spielen mit der Sprache, 7. Stellen Sie abwegige und interessante Dinge nebeneinander, 8. Erzählen Sie die Geschichte in der Überschrift.“

4. „Das Ende des Journalismus“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler schreibt über den Artikel „Hier gibts die grössten Pimmel!“ (blickamabend.ch): „Es folgt eine 13-teilige Fotoreihe, geordnet nach der durchschnittlichen Grösse der Penisse in den verschiedenen Ländern. (…) Versehen sind die Zahlenwerte mit den Bildern prominenter Personen aus den jeweiligen Staaten, die gerade eine Gestik machen, die in der Bildlegende als Andeuten der Grösse eines Penis umgewertet wird.“

5. „Unter Druck“
(zeit.de, Klaus Raab)
Klaus Raab betrachtet deutsche Wochentitel: „Auch Printmedien folgen einem Quotenprinzip, das gilt nun nicht nur für Focus, Spiegel und Stern. Die verkaufte Auflage ist eine der Währungen, in denen Qualität gemessen wird, weil es keine rein publizistische Währung gibt. Und das hat ähnliche Folgen wie bei den Öffentlich-Rechtlichen. Der schnelle Quotenerfolg wird überbewertet, die längerfristige Entwicklung einer eigenen Identität wird unterschätzt.“

6. „Deutsche! Wehrt Euch!“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de)
Wie „Focus Online“ mit Bußgeldern für zu schnelles Fahren umgeht.

Doppelpass, Gerigate, Stinkefinger

1. „Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder“
(arte.tv, Video, 89:37 Minuten)
Eine Dokumentation über die Zukunft der Zeitung: „Wie müssen sich Zeitungen verändern, um zu überleben? Oder ist es schon zu spät?“

2. „Exekution durch Hamas: ‘Sehr sozial abgelaufen'“
(ruhrbarone.de, Martin Niewendick)
Martin Niewendick befasst sich mit einem Blogbeitrag von Journalist Martin Lejeune: „Die Frage, die Lejeune hier elegant umschifft, lautet aber: Wie legal ist die Justiz einer Gruppierung, die als Terrororganisation eingestuft wird (und sich entsprechend verhält); die Menschen an Motorräder bindet und bis zum Tod durch die Straßen schleift; die die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht? Fragen über Fragen, und Martin Lejeune stellt keine einzige davon.“ Siehe dazu auch „Distanz als Lernprozess“ (anlasslos.de, Tilo Jung) und „Stellungnahme zum taz-Vorwurf“ (ruhrbarone.de).

3. „Da platzt das Phrasenschwein“
(zeit.de, Christian Spiller)
Christian Spiller würdigt die Fußball-Talkshow „Doppelpass“: „Das ist die Qualität am Doppelpass: Man wird verschont von den großen Problemen der Fußballwelt, die das Ganze vielleicht mal zum Implodieren bringen könnten. Stattdessen lieber fünf Superzeitlupen von Jürgen Klopps Torjubel plus Interpretation allerseits. Leider ist Udo Lattek nicht mehr dabei.“

4. „‘Gerigate’ – Märchen für Erwachsene“
(suedostschweiz.ch, Dennis Bühler)
Dennis Bühler blickt zurück auf die ersten zehn Tage der „Nacktselfie-Affäre“ um den Schweizer Nationalrat Geri Müller: „In vielem ist der Fall Müller ein Paradebeispiel eines Medienskandals – denn erst durch die Berichterstattung der ‘Schweiz am Sonntag’ wurden die Nacktselfies von Geri Müller zum Skandal, erst die Veröffentlichung und die darauf folgenden Recherchen und aufgedeckten politischen Verstrickungen schufen eine (Schein-)Relevanz.“

5. „Potsdams Linke-Chef zeigt Reporter den Stinkefinger“
(tagesspiegel.de, Henri Kramer)
Sascha Krämer, Kreisvorsitzender der Partei „Die Linke“ in Potsdam, zeigt „einem Reporter der Boulevardzeitungen ‘Bild’ und ‘BZ'“ den Stinkefinger: „Linke-Politiker und die Parteizentrale sahen sich genötigt, auf Distanz zu Krämer zu gehen, der in Potsdam als Direktkandidat zur Wahl antritt.“

6. „Is this the new iPhone 6?“
(youtube.com, Video, 2:20 Minuten, englisch)

Hinrichtungsbilder, Syrien, Klicks

1. „Wie Bilder inszeniert werden“
(deutschlandradiokultur.de, Stefan Maas)
Fernsehbilder als Kompromiss zwischen Politikern und Journalisten.

2. „Bitte nicht wieder Exekutionsbilder!“
(journal21.ch, Peter Studer)
Peter Studer erinnert sich, wie er im Schweizer Fernsehen Hinrichtungsbilder veröffentlicht hatte, und zu was das geführt hatte: „Man sah, wenn ich mich recht erinnere, das Stammesgericht über einen angeblichen Ehebrecher, dem zuguterletzt der Hals aufgeschlitzt wurde. Zwei, drei Sekunden davon samt Blutstrahl zeigte unser Sender. Kurz darauf gab es eine wahre Flut von Hinrichtungsbildern der Dschihad-Kämpfer im arabischen Raum: Kniendes Opfer, zum Beispiel eine britische Sozialarbeiterin oder ein gefangener amerikanischer Soldat, Exekution mit dem Schwert, am Boden rollender Kopf. Immer dieselbe Quelle: Der Jihad selber. Er wollte damit ein Allmachtgefühl seines Zugriffs, Schrecken bei den Gegnern erzeugen.“

3. „Journalisten in Syrien leben gefährlich, aber wir brauchen sie!“
(blog.amnesty.de, Geoffrey Mock)
Viele Nachrichtenagenturen und Medieneinrichtungen ziehen ihre Reporter aus Syrien zurück, „und diejenigen, die bleiben, sind auf ihren Reisen extrem vorsichtig“, berichtet Geoffrey Mock: „Wenn Reporter wie James Foley ihre Arbeit nicht machen können, verbreiten sich schnell wieder stereotype Einstellungen und Vorurteile über Gesellschaften, über die wir nichts wissen. Die Kommentare und Analysen bleiben dann denjenigen überlassen, die die Situation nur aus zweiter Hand kennen.“

4. „The New Editors of the Internet“
(theatlantic.com, Dan Gillmor, englisch)
Dan Gillmor fragt, nach welchen Grundsätzen Medienplattformen Inhalte entfernen: „What actual policies are at work? Are the policies being applied consistently? If it’s appropriate to take down these videos and pictures, why not the images of so many others who’ve been the victims of ISIS and other criminals?“

5. „News Feed FYI: Click-baiting“
(newsroom.fb.com, Khalid El-Arini und Joyce Tang, englisch)
Facebook reagiert mit zwei Updates auf klick-ködernde Schlagzeilen: „If people click on an article and spend time reading it, it suggests they clicked through to something valuable. If they click through to a link and then come straight back to Facebook, it suggests that they didn’t find something that they wanted. With this update we will start taking into account whether people tend to spend time away from Facebook after clicking a link, or whether they tend to come straight back to News Feed when we rank stories with links in them.“

6. „Der Wolfgang-Büchner-Preis 2014 geht an den Branchendienst meedia.de“
(blog.borrowfield.de, twschneider)

VG Media, Weltspiegel, Verschwörungstheorien

1. „Weshalb das Kartellamt die Google-Beschwerde der VG Media ablehnt“
(irights.info, Till Kreutzer)
Das Bundeskartellamt weist eine Beschwerde der VG Media gegen Google ab: „Die Entscheidung des Kartellamts ist ein deutlicher Rückschlag für die in der VG Media organisierten Presseverlage. Auch deshalb, weil das Bundeskartellamt sich im Schreiben nun seinerseits vorbehält, den Zusammenschluss der Verlage in der VG Media im Hinblick auf den EU-Binnenmarkt zu untersuchen.“

2. „Beckmann kann’s, der Weltspiegel nicht“
(tagesspiegel.de, Richard Weber)
Richard Weber schaut „Weltspiegel extra“ zum Thema „IS-Terror“: „Der Beitrag dauert 15 Minuten. Dennoch gelingt ihm das Mirakel, alles, was wissenswert wäre – die Besonderheit des Jesidentums, der tödliche Hass zwischen Sunniten und Schiiten, die Finanzierung der Terrorgruppe – völlig unerklärt zu lassen. Nicht einmal die unterschiedlichen Bezeichnungen IS für ‘Islamischer Staat’ und ISIS für ‘Islamischer Staat im Irak und in Syrien’ werden aufgedröselt.“

3. „Ferguson: Die medialen Brandbeschleuniger“
(diepresse.com, Oliver Grimm)
Oliver Grimm berichtet über das Verhalten einiger Journalisten in Ferguson.

4. „Twitter: from free speech champion to selective censor?“
(theguardian.com, James Ball, englisch)
Was ist Twitter, Verleger oder Plattform? „Like many other major companies, Twitter has long insisted it is not a publisher but a platform. The distinction is an important one: publishers, such as the Guardian, bear a far greater degree of responsibility for what appears on their sites. By remaining a platform, Twitter is absolved of legal responsibility for most of the content of tweets. But by making what is in essence an editorial decision not to host a certain type of content, Twitter is rapidly blurring that line.“

5. „Muddis Pudding“
(wolfgangmichal.de)
„Traditionsunternehmen wie der Spiegel, der Suhrkamp Verlag oder die SPD“ seien keine normalen Betriebe, glaubt Wolfgang Michal: „Sie fungieren als parteiische Anwälte, ja als treibende Kräfte des kulturellen und politischen Modernisierungswandels.“

6. „Was ist eine Verschwörungstheorie?“
(youtube.com, Video, 7:37 Minuten)

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