Archiv für 6 vor 9

Journalisten in Haft, Mafia-Berichte, Projekt „Schmalbart“

1. Justiz muss führende Journalisten freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Seit über zwei Wochen sitzen die myanmarischen Journalisten Than Htut Aung und Wai Phyo in Untersuchungshaft. Sie hatten in einem Kommentar Korruptionsvorwürfe gegen einen Politiker der regierenden „Nationalen Liga für Demokratie“ angedeutet. Die „Reporter ohne Grenzen“ fordern ihre sofortige Freilassung und berichten in ihrem Appell über die aktuelle Situation der Pressefreiheit in Myanmar, das auf der „Rangliste der Pressefreiheit“ auf Platz 143 von 180 Staaten liegt.

2. Flüchtlinge — Presserat bietet „Checkliste“ für Berichterstattung
(derstandard.at)
Der Presserat in Österreich hat eine Checkliste zum „verantwortungsvollen Journalismus in der Flüchtlingsberichterstattung“ veröffentlicht. Zehn Fragen sollen dabei helfen, sachlich über das Thema zu berichten, das „in der Bevölkerung, aber auch in den Medien ‚emotional und kontrovers‘ diskutiert“ werde. Kostprobe: „Würde ich über ein Fehlverhalten auch dann berichten, wenn es nicht von einem Ausländer/Asylwerber/Migranten gesetzt worden wäre?“ oder „Bin ich mir im Klaren darüber, welche Absichten meine Hinweisgeber/ Recherchequellen verfolgen?“

3. „Ich gewinne leider nie“
(taz.de, Ambros Waibel)
Claudio Cordova hat vor vier Jahren die Webzeitung „il dispaccio“ gegründet, die über die Mafia und das Beziehungsgeflecht der Ndrangheta berichtet. Im Interview mit „taz“-Redakteur Ambros Waibel erzählt er von investigativer Arbeit im Umfeld der organisierten Kriminalität, einer Million Euro Schadenersatz und das Problem mit Werbekunden, die zur Mafia gehören könnten.

4. Staunen über eine Nachricht zur ARD-Struktur: Wenn „Bild“ medienpolitisch aktiv wird
(medienkorrespondenz.de, Dietrich Leder)
Vergangene Woche meldeten die „Bild“-Medien, es gebe einen Fusionsplan für die „ARD“: Statt den bisher neun Anstalten könnte es bald nur noch vier geben. Das Presseteam der „ARD“ sagte ziemlich schnell, dass das „blanker Unsinn“ sei. Dietrich Leder erkennt in der steten Diskussion „um etwaige oder reale Reformpläne des öffentlich-rechtlichen Systems“ Interessen der Zeitungsverlage: „Die Zeitungsverleger haben sich mit der Existenz dieses nicht-privatwirtschaftlichen Mediensystems bis heute nicht abfinden können und delegieren deshalb an dieses öffentlich-rechtliche System permanent die Ursachen ihres eigenen Versagens, etwa was ihre Situation im Internet betrifft.“

5. Wie geht das genau mit dem Gegenlesen?
(tagesanzeiger.ch, Philipp Loser)
„Nun sag, wie hast du’s mit dem Gegenlesen?“ Philipp Loser erklärt, wie der „Tages-Anzeiger“ es mit dem Autorisieren von Interviews, Zitaten und ganzen Texten hält. Er hofft auf mehr Politiker, Verwaltungsangestellte, Funktionäre, die souverän aufs Gegenlesen verzichten, auch im Sinne eins guten Journalismus: „Wer von Anfang weiss, dass der Politiker nicht mehr draufschauen wird, formuliert exakter, wortgetreuer.“

6. Projekt „Schmalbart“ — eine Einladung
(christophkappes.de)
Die Ankündigung von „Breitbart“, bald auch in Deutschland einen Ableger der „Alt-Right“-„Nachrichten“-Seite aufzubauen, führte bei einigen Leuten zur gleichen Reaktion: „Dagegen muss man doch was tun!“ Auch bei Christoph Kappes. Damit auch wirklich was dagegen getan wird, hat er ein schon ziemlich detailliertes Konzept entwickelt für das „Projekt ‚Schmalbart'“. Mitstreiter sind sehr willkommen.

Pistenbully-PR-Gag, Olympia im Privaten, Regenbogen-Klon

1. Pistenbully auf Abwegen war PR-Aktion
(ndr.de, Jörg Jacobsen)
Ein LKW-Fahrer mit einem Bully für Schneepisten auf der Ladefläche fährt nach Seefeld (Schleswig-Holstein) statt nach Seefeld (Tirol). Haha, hihi, große Freude auf den Panorama-Seiten von Zeitungen und Online-Portalen. Jetzt zeigt sich: War alles nur eine PR-Aktion, und viele Medien sind drauf reingefallen. Manchen Redaktionen kann man durchaus Vorwürfe machen, weil sie die Story zu leichtgläubig aufgeschrieben haben; anderen aber nicht: Sie haben recherchiert, bei den zuständigen Personen nachgefragt — und die blieben frech bei ihrer Mogelgeschichte. Auch die „dpa“ ist auf den PR-Gag reingefallen und nun selbstkritisch der Angelegenheit nachgegangen.

2. Die dunkle Seite der Macht
(spiegel.de, Jan Fleischhauer)
Die Geschichte zu dieser Geschichte geht zusammengefasst so: Nach der Wahl von Donald Trump lässt der Mediendienst „Meedia“ unter anderem „Weltwoche“-Boss und Rechtsaußen-Politiker Roger Köppel die Leistung deutscher Medien bewerten. Überschrift: „‚Am schlimmsten ist der Spiegel‘: Weltwoche-Chef Köppel rechnet mit deutscher Trump-Berichterstattung ab“. Gestern antwortete „Spiegel Online“-Kolumnist Jan Fleischhauer und schoss gegen Medienkritik im Allgemeinen und „Meedia“ im Speziellen: „Köppel zu Blättern wie dem SPIEGEL oder der ‚Süddeutschen‘ zu befragen, ist in etwa so, als ob man eine katholische Nonne bitten würde, Herrenmagazine zu rezensieren.“ Daraufhin meldete sich „Meedia“-Chef Georg Altrogge: „Leider gibt es zu ‚positiver Berichterstattung‘ über den Spiegel aktuell wenig Anlass, und genau das scheint der Grund zu sein, warum die Nerven in der Chefredaktion blank liegen.“ Das Popcorn steht bereit.

3. Was ARD und ZDF mit den gesparten Olympia-Ressourcen machen müssen
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Die Olympischen Sommer- und Winterspiele 2018 bis 2024 wird es nicht live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen geben. „Für ARD und ZDF sieht das Scheitern der Verhandlungen auf den ersten Blick natürlich aus wie eine Niederlage“, schreibt Hans Hoff, doch: „Richtig ist aber auch, dass ARD und ZDF weiter über Probleme hinter den Kulissen berichten können, berichten müssen. Das ist der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Und vielleicht gelingt die Erfüllung dieses Auftrags noch ein Stückchen besser, wenn man nicht abgelenkt ist, weil man nebenbei noch die Übertragung stemmen muss.“

4. Die Lügner sind immer die anderen
(deutschlandradiokultur.de, Nana Brink & Mark Heywinkel, Audio, 6:26 Minuten)
Mal poltern sie heftig gegen Hillary Clinton, mal geben sie Tipps, welche Waffen man am besten an Weihnachten verschenken kann: Die Website „Breitbart“ ist eines der großen Sprachrohre der sogenannten „Alt-Right“-Bewegung in den USA, „Breitbart“-Chef Steve Bannon inzwischen Chefstratege von Donald Trump. „Ze.tt“-Redakteur Mark Heywinkel hat eine Woche lang „Breitbart“ gelesen. Bei „Deutschlandradio Kultur“ erzählt er, was er dort entdeckt hat.

5. Bürgerjournalismus belebt das Mediensystem
(de.ejo-online.eu, Tobias Eberwein & Colin Porlezza)
Graswurzeljournalismus, Laienberichterstattung, Jekami-Journalismus („Jeder kann mitmachen“) — das war vor einigen Jahren ein großes Thema, verbunden mit einigen Hoffnungen für die Medienbranche. Tobias Eberwein und Colin Porlezza haben geschaut, wie es heute „in sechs europäischen Ländern“ beim digitalen Bürgerjournalismus ausschaut. Ihre Studie zeigt: Zur Medienvielfalt habe er zwar beigetragen, die einst prophezeite Revolution von unten sei allerdings weitgehend ausgeblieben.

6. Wunderheilung durch Wiederholungsdrama
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Die große Titelgeschichte des zweimonatlich erscheinenden Regenbogenblatts „Freizeit Total“ im Dezember/Januar: „Familien-Drama“. Im Februar/März: „Familien-Drama“. Im April/Mai: „Schock-Nachricht“. Im Juni/Juli: „Familien-Drama“. Im August/September: „Familien-Drama“. Im Oktober/November: „Familien-Drama“. Erkennen Sie ein Muster?

Steingart in „Stürmer-Manier“, Anti-Brexit-Boulevard, Liebe statt Hass

1. Mit Gabor Steingart in der Welt von Streichers „Stürmer“
(carta.info, Peter Ruhenstroth-Bauer)
„Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart schrieb am Freitag in seinem morgendlichen Newsletter dem SPD-Politiker Martin Schulz die Fähigkeiten als Kanzlerkandidat ab: kein Abitur, früher mal Trinker, jetzt grantelnder Abstinenzler.
Peter Ruhenstroth-Bauer sieht im Erledigen eines Menschen „in sechs Sätzen“ eine „Stürmer-Manier“: „Es läuft etwas schief bei uns, wenn der Herausgeber einer weithin nicht unbekannten Wirtschafts- und Finanzzeitung in sechs Sätzen einen Politiker so menschenverachtend beschreibt. Das, was da als journalistisch flotter morgendlicher Anreißer daherkommt, ist in Wahrheit eine ganz bewusste Grenzüberschreitung.“

2. Neun Tage für eine neue Zeitung
(nzz.ch, Viola Schenz)
Viola Schenz schreibt über den überraschenden Erfolg der britischen Wochenzeitung „The New European“, die sich an die Brexit-Gegner richtet: „Dabei ist sie nicht einmal hübsch: Mit der plumpen Typografie, den grossen, sehr bunten Fotos und Karikaturen gleicht sie einem aus der Zeit gefallenen Boulevardblatt. Aber um Ästhetik geht es bei dieser Schnellgeburt nicht, sondern um Inhalte und Symbolik. Jede Ausgabe ist 48 Seiten dick, entsprechend dem Prozentsatz der Brexit-Gegner, gefüllt mit meist klugen Essays über den Unsinn eines EU-Austritts und die Vorzüge gesamteuropäischer Lebensart, mit Karikaturen und britischem Humor (‚Warum wir Lego lieben und die Brex Pistols hassen‘).“

3. „Trump ist die Bewunderung der ‚New York Times‘ wichtig“
(zeit.de, Daniel-C. Schmidt)
Was Donald Trump von den meisten US-Medien und ihren Vertretern hält, ist inzwischen ziemlich klar: die Presse sei verlogen, Journalisten seien Abschaum, er entzog manchen Redaktionen die Akkreditierungen für seine Veranstaltungen. Bei vielen Publikationen ist inzwischen ähnlich klar, was sie vom künftigen US-Präsidenten halten: nicht viel. Aber, das zeigte sich schon früh im Wahlkampf, Trump bringt Quote. Daniel-C. Schmidt spricht mit Margaret Sullivan, Kolumnistin bei der „Washington Post“, über das komplizierte, ambivalente Verhältnis zwischen Trump und den Medien.

4. Last man standing
(taz.de, Markus Sehl)
Am Mittwoch wird die letzte Ausgabe der türkischen Zeitung „Zaman“ an Kiosken in Deutschland liegen. Dann ist Schluss, Ende, finito. Markus Sehl hat das Verlagsgebäude und die Druckerei in Offenbach besucht. Dort, wo früher mal 150 Menschen gearbeitet haben, sieht es jetzt aus wie in einem Geisterhaus.

5. VW-CEO Matthias Müller im Interview-Check-Up
(pressesprecher.com, Stefan Zuber)
Vorletzte Woche erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ein Interview mit VW-Chef Matthias Müller, das für einigen Wirbel sorgte — Müller setzte darin gleich zweimal zur Attacke in Richtung Kunden an. Stefan Zuber bewertet Schritt für Schritt „die Performance“ von Müller und des VW-Kommunikationsteams aus Sicht eines Pressesprechers („Aufgabe der Medienleute ist es, den Chef sorgsam vorzubereiten und gegebenenfalls durch eine behutsame Nachbearbeitung der Zitate Unschärfe zu bereinigen.“). Sein Fazit: lief nicht so gut für VW. Achtung, kann Spuren von PR-Sprache enthalten.

6. Liebe gegen Hasskommentare — ein Selbstversuch
(faz.net, Friederike Haupt)
Hass, Hass, Hass, wohin man im Internet nur schaut. Friederike Haupt wollte mal was Nettes dagegensetzen: „Ich wollte einen Tag lang nur Liebeskommentare schreiben: Komplimente, Dankeschöns, Besinnliches. Nichts davon sollte gelogen sein.“ Spoiler: Der Erfolg war mittelmäßig.

Neverpay, Geldentzug, Wetterdichtung

1. Aus für Spiegel Plus? Keiner kauft Nachrichten im Netz
(jensrehlaender.com)
Jens Rehländer greift einen „Horizont“-Beitrag heraus, in dem von Querelen um das wenig erfolgreiche Spiegel-Online-Bezahlmodell berichtet wird. Rehländer nimmt den „Spiegel“ in Schutz, um dann umso deutlicher zu werden: „Häme ist hier auch deshalb fehl am Platz, weil die Medien selbstverständlich nur durch Experimente herausfinden können, wie sie sich in Zukunft refinanzieren. Dass Experimente scheitern, liegt in der Natur der Sache und verdient keinen Tadel. Dass man aber Irrwege nochmal beschreitet, um genauso zu scheitern wie die anderen vorher – das verwundert dann doch.“

2. In Abwesenheit
(sueddeutsche.de, Paul-Anton Krüger)
Es ist schon makaber: Der ägyptische Fotograf Shwakan hat den „International Press Freedom Award“ bekommen, kann ihn aber nicht annehmen, weil er sich in U-Haft befindet. Sein „Vergehen“: Shwakan hatte im Auftrag der Fotoagentur „Demotix“ Bilder von einem der Protestcamps der islamistischen Muslimbruderschaft in Kairo gemacht. Seine Untersuchungshaft dauert nun schon drei Jahre an, obwohl sie selbst nach ägyptischem Recht auf zwei Jahre begrenzt ist. Dieses Jahr wurden zweifelhafte strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn erhoben, weswegen ihm nun die Todesstrafe droht.

3. Pop ist kein weißer, heterosexueller Mann
(geschichten.detektor.fm, Isabelle Klein, André Beyer)
Frauen haben es auch in der Musik nicht leicht. Bei großen Festivals wie „Rock am Ring“ hätte in diesem Jahr nur bei jedem zehnten Act eine Frau auf der Bühne gestanden, bei Indie-Festivals wie dem „Appletree Garden Festival“ bei jedem fünften. Isabelle Klein und André Beyer lassen in ihrem Longread über die männerdominierte Musikszene vor allem Frauen zu Wort kommen, so z.B. die „Spex“-Redakteurin Jennifer Beck: „Wenn über Künstlerinnen berichtet wird, dann häufig von älteren, weißen Männern.“

4. In Zeiten der Lügenpresse
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon hat Nachrichten aus dem Deutschlandfunk: Dank des gestiegenen Interesses für Medien strahlt der Sender von März kommenden Jahres an ein tägliches Medienmagazin aus. Der Kulturchef hätte das Vorhaben bestätigt: „Ausschlaggebend war der Erfolg unseres wöchentlichen Medienmagazins „Markt und Medien“, das bei den Hörern einen hohen Einschaltimpuls erzeugt. Das Thema verdient einfach mehr Sendezeit. Die Zeit schreit geradezu danach. Medien stehen wie nie zuvor im Fokus der Öffentlichkeit. Daher braucht es mehr Orte wie diesen, um zu reflektieren, wie Medien funktionieren, um transparent zu machen, wie wir Journalisten arbeiten.“

5. Kein Geld Für Rechts. Lasst uns rechtsradikalen Medien den Geldhahn zudrehen.“ berichten
(davaidavai.com, Gerald Hensel)
Gerald Hensel ist Strategy Director bei „Scholz & Friends“ und betreibt unter „davaidavai.com“ einen Blog, in dem er sich aktuell dafür stark macht, rechten Seiten die Geldquellen zu entziehen. Er appelliert dabei sowohl an Markeninhaber und Werbeagenturen als auch an die Verbraucher, ihren Einfluss zu nutzen.

6. Quatsch-Vorhersagen für alle! So machen Sie selbst schlecht Wetter
(uebermedien.de, Jörg Kachelmann)
Wetterexperte Jörg Kachelmann zeigt auf „Übermedien“ wie man mit wenig Sachkenntnis und einer großen Vorliebe für Stuss schmissige Wetterschlagzeilen dichtet.

Echo-Kammern, Konjunktive, 1 Life

1. Wie sich eine Lüge trotz Dementi rasant verbreitet
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Am Tag nach der amerikanischen Präsidentenwahl machte eine ungeheuerliche Meldung die Runde: Angeblich würden in Austin bezahlte Trump-Gegner für Proteste mit Bussen in die Innenstadt gekarrt. Urs P. Gasche beschreibt Entstehung und Verbreitung der Lügengeschichte: Vom Erst-Tweeter mit lediglich 40 Followern bis hin zum Tweet von Donald Trump höchstpersönlich. Das Erschreckende: Weder Dementi noch spätere Richtigstellung konnten die Verbreitung stoppen.

2. Ein Chefredakteur für Facebook? Auf keinen Fall!
(welt.de, Christian Meier)
Facebook hat dauerhafte Probleme mit dem Umgang mit Hasskommentaren und Falschnachrichten. Diese Woche forderte die Medienkolumnistin der „Washington Post“, Margaret Sullivan, das Netzwerk auf, einen mit Macht, Finanzmitteln und Personal ausgestatteten Chefredakteur anzuheuern.
„Welt“-Medienredakteur Christian Meier hält dies für den falschen Weg: „Was Facebook und alle seriösen Medien brauchen, ist kein Ober-Chefredakteur für die Plattform. Sondern eine intensive Arbeit an einem Netzwerk, das Presse- und Meinungsfreiheit als höchstes Gut behandelt, die redaktionelle Hoheit seiner Medienpartner achtet und dabei Desinformation und Ressentiments effektiv aussortiert.“

3. Justizberichterstattung: „Eine große Kiste Konjunktive“
(fachjournalist.de, Katharina Pencz)
Der langjährige Gerichtsreporter der „Berliner Morgenpost“ Michael Mielke spricht im Interview über ethische Grundsätze, den Journalisten als Übersetzer und jede Menge Konjunktive: „Man muss wirklich bei allen Sachen, bei denen es Zweifel gibt, wo etwas nicht sicher ist, den Konjunktiv benutzen. Wenn der Angeklagte aber ein umfassendes Geständnis ablegt, dann schreibe ich nicht mehr “er soll das getan haben”, auch wenn es noch nicht vom Gericht festgelegt wurde. Wenn er es vor Gericht selbst sagt, dann schreibe ich auch, dass er die Tat begangen hat.“

4. Der Kampf gegen Fakenews – und die Ideen, die es bisher gibt
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Konzerne wie Facebook ziehen sich gerne auf den Standpunkt zurück, sie seien reine Infrastrukturanbieter und wollen die Verantwortung für Inhalte gerne auf die Nutzer abwälzen. Bei Hasskommentaren sollen die Nutzer zum Beispiel von der Gegenrede Gebrauch machen. Für Facebook ist diese Empfehlung mehr als praktisch: Sie spart Arbeit und sorgt für weiteren gewinnbringenden Traffic. Was Fake-News anbelangt, gibt es jedoch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Dennis Horn liefert einen übersichtlichen Abriss der bisherigen Ideen.

5. Fuchs: Die AfD umgeht kritische Nachfragen
(ndr.de, Liane Koßmann, Audio, 5:32 Minuten)
„Lügenpresse“, „Systempresse“, „Pinocchiopresse“: Die AfD geht auf Distanz zu den etablierten Medien und setzt stattdessen auf eigene Verbreitungskanäle. Mit Erfolg: Auf Facebook hat sie mehr Fans als CDU und SPD zusammen. Der Politikberater Martin Fuchs analysiert auf „NDR Info“ die Abkapselungsstrategie: „Auf Facebook und in sozialen Netzwerken gibt es das Phänomen der sogenannten Echo-Kammern. Das bedeutet, wenn man Menschen jeden Tag mit denselben Nachrichten bespielt, teilweise auch Fake-Nachrichten, dann glauben die das irgendwann.“

6. Wir haben den Satz „Was ist das für 1 Life?“ mit Sprach-Experten untersucht
(vice.com, Lea Albring)
Lea Albring stellt ihrem sprachanalytischen und sprachkritischen Beitrag über die derzeit alles beherrschende Frage „Was ist das für 1 life?“ eine Warnung voran: „Wenn euch wegen der 1fältigen Schreibweise schon jetzt das Kotzen kommt: Aussteigen. Dieser Text wird den Scheiß—all1ne schon aus metareflexiven Gründen—richtig hart durchexerzieren!!!!eins11“

Hassliebe, Jammerverein, Showgipfel

1. Trump und die Medien: Sie lieben mich, sie lieben mich nicht
(sueddeutsche.de, Sacha Batthyany)
Der designierte US-Präsident lässt eine Aussprache mit der „New York Times“ platzen, sagt wenige Stunden später aber wieder zu. „SZ“-Autor Sacha Batthyany: „Trumps Lieblingsmedium ist nicht das Fernsehen und schon gar nicht die Zeitung. Er hält sich bevorzugt auf Twitter auf, wo er ungehindert seine Botschaften verkünden kann. Twitter stellt eben keine ungemütlichen Fragen.“

2. #FakeNews jetzt auch im Feuilleton?
(wolfgangmichal.de)
Glaubt man dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, stehen 20 bis 25 Prozent aller Verlage vor dem Ruin. Nicht digitaler Wandel und sich abwendende Leser sollen der Grund sein, sondern die Rückzahlungsverpflichtung von zu Unrecht erhaltenen VG-Wort-Geldern. Entsprechend gebe man nun alarmistische Meldungen heraus, die ungeprüft von Zeitungen und Rundfunksendern übernommen würden. Wolfgang Michal hat wenig Verständnis für die angeblichen Nöte der Verlage: „Es war den Verlagen also seit Jahren klar, dass das Geld, das sie bekommen haben, unter Rückforderungsvorbehalt stand. Es wäre vernünftig gewesen, dieses Geld nicht in die laufenden Geschäfte zu stecken; wer es dennoch tat, ging bewusst ein Risiko ein.“

3. Dann noch viel Spaß beim Rübenziehen mit Jörg Pilawa
(faz.net, Oliver Jungen)
In Köln haben sich Fernsehschaffende zum „Großen Showgipfel“ zusammengefunden, dem renommierten Branchentreff der Unterhaltungsbranche. Es wurde Tacheles geredet: Medienjournalisten und Medienschaffende seien sich einig gewesen, dass die derzeitige Fernsehunterhaltung ein Desaster sei, so „FAZ“-Autor Oliver Jungen. Der Wille etwas daran zu ändern, sei jedoch begrenzt: „Dass führende Fernsehmacher die eigenen Shows inzwischen als das perfekt inszenierte Nichts bezeichnen, darf aber nicht so verstanden werden, als würde sich hier bald etwas ändern. Dafür ist das System viel zu schwerfällig geworden. Und dafür sind die Quoten selbst der miesesten Unterhaltungssendungen noch viel zu gut.“

4. Er erfindet Lügen für Trump
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
In den USA sind zwei arbeitslose Restaurantangestellten quasi über Nacht zu Betreibern einer boomenden Nachrichtenfabrik geworden und streichen fette Gewinne ein. Die Geschäftsidee: Zusammenfantasierte Politstorys für die rechte Klientel. Constantin Seibt stellt im „Tagesanzeiger“ die beiden bekennenden Lügenbolde und ihr Geschäftsmodell vor. Als Vorlage dürfte ein deutlich längerer Artikel der „Washington Post“ (englisch) gedient haben.

5. Drei Herren in leeren Hallen
(taz.de, Anne Fromm)
Die Dumont Verlagsgruppe will Personal abbauen und führt daher die Redaktionen von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ zusammen. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung. Zurzeit sei unklar, was mit den Mitarbeitern passiert, die kein Übernahmeangebot bekommen. Viel Unruhe durch Gerüchte und ein hoher Krankenstand seien die Folge. Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiere die Informationspolitik von DuMont.

6. Update: Deutsche Podcast-Serien – gute Produktionen, schlechte Vermarktung
(marckrueger.tumblr.com)
Es muss nicht immer Netflix und Co. sein, es gibt auch spannende Hörspielproduktionen und Podcasts. „Rundfunkfritze“ Marc Krüger stellt einige gelungene Podcast-Serien vor. Samt Inhaltsangabe und Link zum Download.

Hassliste, Fake-News, Schwärzungen

1. 438 Gründe, warum Zuckerberg bald wegen Volksverhetzung angeklagt werden könnte
(motherboard.vice.com, Daniel Mützel, Max Hoppenstedt & Theresa Locker)
Nachdem der Würzburger Anwalt Chan-jo Jun eine Liste mit 438 Hasskommentaren auf Facebook vorgelegt hat, prüft nun die Staatsanwaltschaft, ob sie Mark Zuckerberg und andere führende Manager anklagt. „Motherboard“ hat die Liste in einer eigenen Tabelle aufgearbeitet, einer Liste voller Verrohung und Menschenhass. Im Artikel geht es auch um die mitunter schwierige Trennlinie zwischen legalen und illegalen Hassposts. Doch bei derartigen Fragen sei man auf Seiten der Staatsanwaltschaft noch lange nicht angekommen. Dort werde zunächst geprüft, ob man überhaupt örtlich zuständig sei.

2. Fake News: „Spiegel“-Klon wirbt bei Facebook
(ndr.de, Fiete Stegers & André Kroll)
Viele Online-Werbeseiten kopieren das Aussehen seriöser Medien, stehlen Fotos normaler Nutzer und werben mit irreführenden Anzeigen auf Facebook. Fiete Stegers und André Kroll haben sich für ihre Recherche in die Welt der dubiosen Promotionpages begeben. Ein großes Problem liege in der Restplatzvermarktung, über die viele der Anzeigen von Fake-Websites ausgespielt würden.

3. Im dritten Jahr: Wie geht es Krautreporter heute?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die „Krautreporter“ können trotz relativ kurzer Vergangenheit auf eine bewegte Zeit zurückblicken, in der es einiges an Unruhe gab. So sollen nach dem ersten Jahr zwei Drittel der Abonnenten abgesprungen sein. Die Krautreporter-Macher haben reagiert, die Firmenstruktur umgebaut und inhaltlich und operative Änderungen vorgenommen. Aus dem anfänglich losen Autorennetzwerk ist eine feste Kernredaktion geworden. Nicht-Mitgliedern werden nicht mehr alle Artikel in voller Länge angezeigt.
Nun wollen die Gründer eine neue Crowdfunding-Plattform zum Verkauf von Abos starten, die von Google im Rahmen der „Digital News Initiative“ mit 350.000 Euro unterstützt wird.

4. Ein offener Brief suchtkranker Menschen an die ‚Kronen Zeitung‘
(vice.com, Jasmin H., Raman L., Christian M., Barbara Gegenhuber)
Auf der Internetseite der österreichischen „Kronen Zeitung“ erschien ein hämischer Beitrag mit dem Titel „Gratisfrühstück für Wiens Drogensüchtige“. Gemeint war das Angebot einer Drogenberatungsstelle, drogenkranke Menschen mit Frühstück zu versorgen. Im Beitrag wurde daraus unter anderem: „Sie spritzen kein Opium? Nehmen kein LSD? Dann haben Sie, liebe Leser, leider keinen Anspruch auf ein vom Wiener Steuerzahler finanziertes Gratisfrühstück“. Nun haben sich Patientinnen und Patienten der Therapieeinrichtung in einem offenen Brief an die Redaktion der Kronen Zeitung gewendet.

5. Erst mal Mobile – dann alles andere
(blog.br24.de, Christian Jakubetz)
„Mobile first“ ist die Botschaft von Medienexperte Christian Jakubetz. Vielfach würde Mobile als eine Art Erweiterung des stationären Grundangebots gesehen, dabei sollte es genau umgekehrt sein. „Snapchat und Instagram beispielsweise, vermutlich die beiden heißesten Netzwerke der letzten beiden Jahre, setzen eindeutig darauf, mobil genutzt zu werden. Für Instagram gibt es zwar auch eine Webseite, aber die nutzt vermutlich so gut wie niemand. Und Snapchat? Auf einer Webseite? Absurde Idee.“

6. „Faktencheck ist bei uns journalistischer Alltag“
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
„Fehler können natürlich passieren.“, sagt Yvonne Bauer die Chefin des Bauer-Verlags („Freizeitwoche“, „Schöne Woche“, „Woche Heute“ usw.) und weiter: „Faktencheck ist bei uns, wie überall in der Branche, journalistischer Alltag.“ Der Regenbogenpresse-Experte Mats Schönauer hat sich angeschaut, was von diesen Aussagen zu halten ist. Ohne zu viel zu spoilern: Es ist eine Galerie voller Schwärzungen…
Schönauer über die Fehler, die „natürlich passieren können“: „Bei Bauer können sie aber nicht nur, sie sollen sogar. Sie sind wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells.“

Presserat, Breitbart Germany, Angezündet

1. Der Presserat nimmt Journalisten die Verantwortung nicht ab
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Der Presserat kümmert sich um die Einhaltung presseethischer Standards und ist Anlaufstelle für Leserbeschwerden. Nun feiert die freiwillige Instanz publizistischer Selbstkontrolle ihren 60. Geburtstag. Carolin Gasteiger nimmt dies zum Anlass über die Möglichkeiten und Grenzen der Institution nachzudenken und stellt die Frage, ob Twitter nicht das geeignetere Medium sei: „Viele Medien spüren, dass sich das Publikum entfernt. Wer hier den Dialog sucht, tut viel dafür, diese Lücke zu schließen. Journalisten müssen die Scheu davor verlieren, mit kritischen Lesern über ihre Entscheidungen zu diskutieren. Viele Journalisten tun das auf Twitter, weswegen manche in dem sozialen Netzwerk auch den geeigneteren Presserat sehen.“

2. 99 Gedanken zur Entwicklung von Social Media und Journalismus
(medium.com, Martin Giesler)
Martin Giesler ist Journalist und Fachmann für alles, was mit „Social Media“ zusammenhängt. In dieser Doppelfunktion hat er die Kristallkugel bemüht und in einer knackigen Liste von Diagnosen und Thesen notiert, wie und wohin sich Social Media und Journalismus seiner Einschätzung nach entwickeln werden.

3. „Die Grundrechte schützen auch Breitbart“
(rbb-online.de)
Die US-amerikanische Nachrichten-Website „Breitbart“ gilt als das Sprachrohr der sogenannten „alt-right“-Bewegung: der „alternativen Rechten“. Hetze und Verleumdungen sowie krude Verschwörungstheorien gehören zum Erscheinungsbild der vom rechtskonservativen Unternehmer Andrew Breitbart gegründeten Nachrichtenseite. Nun will „Breitbart“ offenbar nach Deutschland expandieren. Der aggressive Kampagnenjournalismus wäre in Deutschland oft justitiabel. Ist die Justiz dafür gewappnet? Medienrechtler Ansgar Koreng antwortet mit einem „Jein“.

4. „Ich bin nur ein Zeitungsleser“
(taz.de, Markus Sehl)
Der deutsche Ableger der türkischen Tageszeitung „Zaman“ galt als die auflagenstärkste türkische Tageszeitung in Deutschland. Nach dem Putschversuch in der Türkei wurde die Mutterredaktion geschlossen, in Kürze wird der deutsche Ableger eingestellt: Der Grund: Das Blatt steht der Bewegung des islamischen Predigers Fetullah Gülen nahe, der von der Türkei für den gescheiterten Putsch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Die „taz“ begleitet die Redaktion in ihren letzten Wochen mit verschiedenen Beiträgen. Aktuell hat man sich mit einem langjährigen Abonnent der Tageszeitung unterhalten.

5. «Trump im Titel gab Millionen Klicks»
(tagesanzeiger.ch, Sacha Batthyany)
Sacha Batthyany hat für den Schweizer „Tagesanzeiger“ mit dem amerikanischen Journalist, Blogger und Buchautor Jeff Jarvis über die Rolle der Medien während des US-Wahlkampfs gesprochen. Jarvis kritisiert die sogenannte horserace-Berichterstattung: „Das Pferderennen ist zu einem chronischen Problem im US-Journalismus geworden. Dieses Jahr aber geriet alles außer Kontrolle, was an Donald Trump lag. Die Medien waren überfordert. In den ersten Monaten seiner Kandidatur war er ein Clown, danach ein Schlagzeilengarant. Trump im Titel ergab millionenfache Klickzahlen, von Zürich über Tokio bis New York. Man hat ihn kritisiert, gleichzeitig aber von ihm profitiert — wie zynisch ist das? Der Fernsehdirektor von CBS sagte, Trump sei vielleicht schlecht für Amerika, aber gut fürs Geschäft. Das sagt alles.“

6. Boris wollte mich verbrennen
(cms.falter.at, Florian Klenk)
Florian Klenk erzählt auf sehr lesenswerte Weise von seinem Besuch bei dem Mann, der ihn anzünden wollte: „Kann den wer anzünden bitte?“, schrieb Boris auf einer FPÖ-Facebook-Seite. Er meinte mich. Ich fuhr zu ihm und lernte, wie heute Politik und Propaganda funktionieren.“

Putin-Tours, Breitbart, Postfaktisches

1. Einladung nach Moskau: Wie Putin versucht, Schweizer Journalisten zu beeinflussen
(aargauerzeitung.ch, Dennis Bühler und Antonio Fumagalli)
Die „Aargauer Zeitung“ aus der Schweiz beschäftigt sich gleich in drei Beiträgen mit Russlands Versuch, die Medien zu beeinflussen. Der erste Beitrag beginnt mit einem Anruf. Am Telefon ein Mitarbeiter der russischen Botschaft, der den Auftrag hat, zwei junge Schweizer Journalisten für einen viertägigen Workshop in Moskau zu rekrutieren. Zweieinhalb Wochen später starten die beiden Journalisten zu ihrer Propagandareise in die russische Hauptstadt. In „Russische Medien erzählen konsequent das Gegenteil von dem, was man im Westen hört“ ordnet der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow die vom russischen Staat organisierte Pressereise ein und verrät, welche Absichten dahinterstecken. Und in Propaganda-Trip: Das haben unsere ausländischen Kollegen in Moskau erlebt kommen die Mitreisenden zu Wort.

2. «Breitbart News» wird Trump-Pravda
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Der Erfolg von Donald Trump ist auch der Erfolg von Stephen Bannon, dem Chef der ultrarechten „Breitbart News“. Dieser hatte mit einer aggressiven Agenda den Nährboden für Trump geschaffen und wird nun einflussreicher Berater und Chefstratege des neuen Präsidenten. Adrian Lobe zeichnet für die „Medienwoche“ die Entwicklung der „Trump-Pravda“ nach, die nun auch nach Europa expandieren will.

3. „Wir weisen auch auf Missstände hin“
(www.taz.de, Wilfried Urbe)
Das Online-Medienmagazin „dwdl.de“ liefert mehrmals täglich aktualisierte Nachrichten aus Fernsehen, Print und Internet. Nun wird das Portal 15 Jahre alt. Während andere Seiten um ihre Existenz bangen müssen, erwirtschaftet „dwdl“ aktuell einen Jahresumsatz von 700.000 Euro. Die „taz“ hat sich mit Chefredakteur und Geschäftsführer Thomas Lückerath unter anderem über das Berufsbild von Journalisten, Einschaltquoten und die Zukunft des Fernsehens unterhalten.

4. Gespaltene Medienwelt: Wahlkampf gegen die Medien
(carta.info, Wolfgang Hagen & Hermann Rotermund)
Wie konnte es Trump gelingen, einen Wahlkampf gegen die Medien zu führen? Die „carta“-Autoren Hagen und Rotermund führen dafür im Wesentlichen vier Gründe an: „Eine nunmehr 30-jährige Tradition des überwiegend rechtskonservativen Talk Radios mit inzwischen über 3500 Stationen in den USA; eine inzwischen 20-jährige Tradition des auf Spaltung ausgerichteten, rechtskonservativen Nachrichtensenders “Fox-News”; die durchdringenden Wirkung der “scripted reality”-Formate, die in allen TV-Kanälen majoritär sind; und die verstärkenden Echokammern der abgeschotteten Teil-Öffentlichkeiten in den sozialen Medien des Internet.“

5. Gefühlte Wahrheiten
(zeit.de, Lenz Jacobsen)
Lenz Jacobsen beschäftigt sich in seiner neuen „Zeit“-Kolumne mit gefühlten Wahrheiten: „Menschen überschätzen Ungleichheit und Migration, aber unterschätzen die Zahl von Übergewichtigen und Politikerinnen.“ Überall dort, wo sich eine besonders große Lücke zwischen Statistik und Wahrnehmung auftue, biete sich dem Populismus ein Einfallstor, so Jacobsen. Besonders eindrucksvoll das von ihm zitierte Zahlenbeispiel, in dem es um die Zahl der jährlich getöteten Amerikaner geht. In der vom Europa-Direktor der Hilfsorganisation „Human Rights Watch“ verbreiteten Tabelle werden Todesursachen in den USA nach jährlicher Häufigkeit aufgelistet: zwei Tote pro Jahr durch eingewanderte, islamistische Terroristen. 21 Tote durch bewaffnete Kleinkinder, 31 durch Blitzeinschläge. 737 Amerikaner sterben jährlich, weil sie aus dem Bett fallen. Und 11.737 werden von anderen Amerikanern erschossen. Doch was sind die Konsequenzen und wie sollte Politik auf falsche Wahrnehmungen reagieren? Die Antworten darauf sind nicht einfach.
Nachtrag: Jacobsen hat auf Facebook noch ein paar Gedanken ergänzt

6. Gefahr für Geiseln – Tabus für Medien
(ndr.de, Sinje Stadtlich)
Letztes Jahr wurde eine deutsche Journalistin von einer islamistischen Gruppe entführt. Fast alle Medien hätten sich an das ungeschriebene Gesetz gehalten, über laufende Entführungsfälle nicht zu berichten, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden. Der „Focus“ war davon abgewichen, hatte den vollen Namen der Frau nebst Bild veröffentlicht, Details zu ihrem Verschwinden genannt und munter drauflos fabuliert. Nachdem die Reporterin wieder frei und wohlbehalten in Deutschland zurück ist, hat das Medienmagazin „Zapp“ den „Focus“ dazu befragt. Dort ist man sich keiner Schuld bewusst. Ganz im Gegensatz zu der Einschätzung der „Reporter ohne Grenzen“, die die „Focus“-Berichterstattung als „verantwortungslos“ bezeichnen.

AfD, Hasslawine, Game of Schund

1. Journalisten nicht willkommen
(djv.de, Eva Werner)
Journalisten nicht willkommen! Die AfD Baden-Württemberg will auf ihrem Landesparteitag keine Medien dabeihaben. Der Deutsche Journalisten-Verband wertet dies als Zeichen für ein massiv gestörtes Demokratieverständnis. DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall: „Geradezu lachhaft ist, dass die AfD Baden-Württemberg statt der Teilhabe am Landesparteitag Journalisten mit einer Pressekonferenz mit vorgefilterten Informationen abfrühstücken will.“

2. Warum „Programmatic Advertising“ der eigenen Marke schaden kann: Wenn Werbung Wunder verspricht, haben Medien ein Problem
(kress.de, Bülend Ürük)
Von den politisch motivierten Fake-Nachrichtenseiten war die letzten Tage oftmals die Rede. Doch es gibt noch andere Desinformationsseiten und mit denen wird viel Geld verdient. Dabei geht es um Themen wie Diätpillen, Nahrungsergänzungsmittel, Glücksspiel und Kosmetik. Daniel Brückner von „testbericht.de“ berichtet, dass die Werbung dieser Fakenachrichtenseiten auf 72 von 100 überprüften seriösen Nachrichtenseiten erscheint. Schuld daran sei unter anderem das „Programmatic Advertising“ das Brückner als „Hintertürchen für Fake-Nachrichten“ bezeichnet.

3. Obama sollte Manning die Reststrafe erlassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ appelliert an US-Präsident Barack Obama vor seinem Ausscheiden aus dem Amt, der inhaftierten Whistleblowerin Chelsea Manning den Rest ihrer Freiheitsstrafe zu erlassen: „Chelsea Manning sitzt schon jetzt länger im Gefängnis als jeder andere verurteilte Whistleblower in der US-Geschichte und hat während ihrer Haft grausam gelitten. Ihre unverhältnismäßige Strafe weiterhin zu vollstrecken, wäre eine unnötige Verlängerung ihrer Qualen. Schon jetzt zeichnen sich schwere Zeiten für die Pressefreiheit in den USA unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump ab. Gnade für Chelsea Manning und Jeffrey Sterling wäre eine späte Gelegenheit für Obama, sich nach seinem erbitterten Feldzug gegen Whistleblower mit einem positiven Signal aus dem Amt zu verabschieden.“

4. Totficken, Steinigen, Kreuzigen – Wir haben getestet, ob Facebook Hetze und Morddrohungen löscht
(vice.com, Stefan Lauer)
„Vice“-Autor Stefan Lauer hat eine Woche lang mehr oder weniger wahllos, wie er sagt, auf den Facebook-Seiten von NPD, diversen Pegida-Ablegern, anderen rechten Facebook-Seiten und öffentlich einsehbaren privaten Profilen Hasskommentare gemeldet und abgewartet, was passiert. Die Ergebnisse sind, nunja, ernüchternd: „Facebook scheint in einer braunen Hasslawine zu versinken und nicht zu wissen, wie damit umzugehen ist. Oder sie wollen sich gar nicht darum kümmern.“

5. Ein Urteil gegen Ankara
(taz.de, Reinhard Wolff)
Die Türkei hatte beim Satellitenbetreiber Eutelsat einen Ausstrahlungsstopp des kurdischen TV-Kanals „Newroz“ bewirkt. Dies hat ein Gericht nun kassiert: Der Sendestopp wurde für rechtswidrig erklärt, Eutelsat muss das Programm wieder ausstrahlen.

6. Was soll der Hype um „Game of Thrones“?
(sueddeutsche.de, Luise Checchin)
Luise Checchin metzelt für die „SZ“ die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie „Game of Thrones“ nieder: „Wäre Game of Thrones einfach nur platt und redundant, es wäre alles halb so schlimm. Aber da ist eben auch diese schmierige Grundstimmung, die ab der ersten Episode vorhanden ist und die nach und nach bei jedem einigermaßen kritisch denkenden Menschen einen fundamentalen Selbst- und Fremdekel auslösen müsste. Game of Thrones ist eine Aneinanderreihung von sexistischem und gewaltverherrlichendem Schund.“

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