Archiv für 6 vor 9

„Burda“ muss zahlen, Roger-Waters-Konzert, Journalismus-Emojis

1. Kompa vs. Eumann
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
Die Direktorin der „Landeszentrale für Medien und Kommunikation“ in Rheinland-Pfalz, ein SPD-Mitglied, geht in den Ruhestand. Anstatt die mit 200.000 Euro dotierte Stelle anständig auszuschreiben, will man den Job offenbar einem SPD-Kollegen zuschanzen. Medienanwalt Markus Kompa hat dies keine Ruhe gelassen — er hat sich unter Protest gegen das fadenscheinige Verfahren initiativ beworben: „Für den Fall der Nichtberücksichtigung habe ich standesgemäß mit Klage gedroht.“

2. Wegen Schwangerschaftsspekulationen in der Neue Woche: Burda muss Helene Fischer 47.000 Euro überweisen
(meedia.de, Marvin Schade)
Das Landgericht Hamburg hat die zu „Burda“ gehörende „Neue Woche“ in drei Fällen zu insgesamt 47.000 Euro Geldentschädigung verurteilt, zu zahlen an Helene Fischer. Das Blatt hatte der Schlagersängerin eine mögliche Schwangerschaft angedichtet. Das Urteil übertrifft die von Fischers Anwälten geforderten 30.000 Euro, ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

3. Die Widersprüche des „Bild“-Chefs
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Branchenmagazin „kress pro“ hat über die Gehälter von Führungskräften in der Medienszene berichtet und Einkommen von Verlagsmanagern und Chefredakteuren geschätzt. Bei einer Person stieß dies auf wenig Gegenliebe, nämlich bei „Bild“-Chefchef Julian Reichelt, der darin ein Risiko finanziell motivierter Straftaten gegen seine Familie sieht. Das ist insofern ein wenig lustig, als dass „Bild“ nicht so zurückhaltend ist, wenn es um die Gehälter anderer Personen geht.
 Weiterer Lesetipp bei uns im BILDblog: Bringt Julian Reichelt die Familien anderer Menschen in Gefahr?

4. Hosen runter in Russland
(taz.de, Barbara Oertel)
Medien in Russland, die Geld aus dem Ausland bekommen, gelten neuerdings als Agenten, berichtet Barbara Oertel. In der Vergangenheit hätten bereits viele Nichtregierungsorganisationen, die mit dem Label „ausländischer Agent“ versehen wurden, ihre Tätigkeit eingestellt. Ähnliches könne sich jetzt im Bereich der Medien abspielen.

5. WDR, BR und SWR beenden umstrittene Konzert-Kooperation
(dwdl.de, Alexander Krei)
Ursprünglich sollten die Deutschland-Konzerte von „Pink Floyd“-Star Roger Waters vom Radiosender WDR 4 übertragen werden, doch WDR-Intendant Tom Buhrow sagte das Projekt wegen Antisemitismusvorwürfen gegen den Musiker ab. BR und SWR beendeten ebenfalls die Konzert-Kooperation. Es geht wohl um Vorwürfe, zu denen Roger Waters bereits im Jahr 2013 in einem offenen Brief auf Facebook Stellung bezogen hat.

6. Emojis im Journalismus: Wir sind soooo fresh und lustig!
(medienwoche.ch, Reto Hunziker)
Einige Schweizer Medien garnieren ihre Social-Media-Meldungen mit Emojis. Eine journalistische Bankrotterklärung, findet „Medienwoche“-Autor Reno Hunziker und schreibt an die Medien gerichtet: „Ihr bringt den Journalismus noch mehr in Verruf als er es eh schon ist. Denn was ihr tut, färbt auch auf andere Publikationen ab, die keine Smileys verwenden. Den Medien geht so noch mehr Glaubwürdigkeit flöten. Eltern, die mit ihren Kindern beste Freunde sein wollen, sind keine Autoritäten.“

Erfundener Sexmob, Influencer-Hype, Bullshit-Man-of-the-Year

1. Anklage gegen First-In-Betreiber wegen erfundenem Sexmob
(hessenschau.de, Heike Borufka)
Ein Frankfurter Gastwirt und eine weitere Beteiligte hatten Anfang 2017 gegenüber einem Journalisten der „Bild“-Zeitung behauptet, bis zu 50 arabischstämmige junge Männer hätten in der Silvesternacht in Frankfurt Frauen belästigt, Schlägereien angezettelt und Gäste beklaut. Daraufhin veröffentlichte „Bild“ einen Artikel mit der Überschrift: „Sex-Mob tobte in der Freßgass“. Rund 900 „größtenteils betrunkene Flüchtlinge“ seien es gewesen. Schnell war klar: Alles war erfunden. Nun kommen der Gastwirt und seine Komplizin vor Gericht.

2. Whistleblower sind keine Verräter
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Werden Whistleblower von Gesellschaft und Politik zutreffend wahrgenommen und angemessen behandelt? Heribert Prantl hat seine Zweifel: „Whistleblower sind keine Verräter, sie leiden aber oft am schlechten Ruf, den Denunzianten und Wichtigtuer haben. Whistleblower sind Leute, die in den Zeitungen oft als die Heldinnen und Helden des Alltags gefeiert werden. Aber wenn der Whistleblower der Hinweise wegen, die er öffentlich gemacht hat, von seinem Arbeitgeber entlassen oder sonst bedroht wird, braucht er Schutz — da genügen Elogen in der Zeitung nicht. Es sollte endlich ein Whistleblower-Gesetz geben, das solche Nachteile zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren hilft.“

3. Ärger gehabt mit #Spiegelonline?
(facebook.com/Freischreiber.de)
Vertreter des sich „Freischreiber“ nennenden Berufsverbands freier Journalistinnen und Journalisten haben sich mit dem Ombudsmann für freie Journalisten von „Spiegel Online“ getroffen. Es ging vornehmlich um die Einhaltung des Autorenvertrags. Die „Freischreiber“-Kritikpunkte an „Spiegel Online“ sind unter anderem reißerische Teaser, keine Möglichkeit eines „letzten Blicks“, verspätete Veröffentlichungen und — last but not least — das ihrer Ansicht nach zu geringe Honorar.

4. #werbung #lifestyle
(zeit.de, Anja Reiter)
Beim „Influencer Marketing“ machen Menschen ihren Alltag im Internet öffentlich, mischen jedoch Werbeinhalte unter, für die sie von Firmen teilweise üppig bezahlt werden. Diese geschäftstüchtigen Exhibitionisten gebe es mittlerweile in fast allen Branchen, sie würden über Mode, Tourismus oder Medizin, über Gastronomie, Autos oder Fitness schreiben. Doch wie lange hält der Hype noch an? Anja Reiter hat sich bei den digitalen Selbstdarstellern umgesehen. Weiterer Lesetipp: „Neue Liebe“ in der „SZ“. Im Beitrag geht es um Frauenmagazine, die die Influencer für sich entdeckt hätten und immer öfter zu Titelhelden machen würden.

5. Wie ich die Türkei verließ, um in Deutschland Journalist zu werden
(ze.tt, Isabel Schneider)
Isabel Schneider berichtet über einen türkischen Journalisten, der vielleicht gerade noch rechtzeitig nach Deutschland flüchten konnte und nun in Hamburg Journalistik studiert. Obwohl er vorerst in Sicherheit ist, geschieht dies nicht frei von Druck: Falls er nach Ablauf seines Studentenvisums keine Arbeit in Deutschland findet, müsse er in die Türkei zurückkehren.

6. „Time“-Redaktion nennt Trump-Behauptung „Bullshit“
(spiegel.de)
Der amerikanische Präsident Donald Trump schreibt auf Twitter, dass er eine angeblich mögliche Ehrung zur „Person des Jahres“ des „Time Magazine“ abgelehnt hätte („‚Time Magazine‘ rief an, um zu sagen, dass ich WAHRSCHEINLICH ‚Mann (Person) des Jahres‘ werde, wie vergangenes Jahr, aber ich müsste einem Interview und einem großen Fotoshooting zustimmen. Ich sagte, ‚wahrscheinlich‘ nützt mir nichts und hab abgelehnt. Danke trotzdem“). Ein Verantwortlicher des „Time Magazine“ antwortet: „Erstaunlich. Nicht ein Hauch von Wahrheit in der Geschichte“. Und ergänzte bekräftigend: „Totaler Bullshit.“

#scheisswerbung, Instagram-Marketing, Plenarsaal offline

1. Wie weit gehen für die Exklusivität?
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert, Audio, 5:33 Minuten)
Jüngst hat der WDR eine Doku über den ehemaligen Manager Thomas Middelhoff zurückgezogen, weil herauskam, dass man Middelhoff Mitspracherechte beim Drehbuch eingeräumt hatte. In Interview mit dem „Deutschlandfunk“ spricht sich der bekannte Dokumentarfilmer Stephan Lamby gegen derartige Einflussnahmen aus, da dadurch der Grundsatz der unabhängigen Berichterstattung gefährdet sei. Lamby hat einschlägige Erfahrungen mit der Thematik. Bei seinem viertägigen Interview mit Helmut Kohl sah er sich ebenfalls dem Wunsch auf Einflussnahme ausgesetzt: „Wir haben gesagt, das können wir nicht tun. Weil Kohl dann Regisseur des Film über sich selbst werden würde. Wenn das ruchbar würde, würden wir als Autoren für alle Ewigkeiten beschädigt sein und der Film wertlos.“

2. Funk und der Mist mit der #Scheisswerbung
(haz.de, Imre Grimm)
Bei „Funk“, dem gemeinsamen Jugendangebot von ARD und ZDF, wird unter dem Hashtag #scheisswerbung gerade kräftig gegen die werbefinanzierte Konkurrenz vom Leder gezogen. Das sei unfair und unfein, findet Imre Grimm in seinem Kommentar bei haz.de. Wer acht Milliarden Euro im Jahr sicher hat, könne leicht lästern, so sein Argument. Außerdem widerspreche es vollständig den angeblichen Bemühungen der ARD-Verantwortlichen um verbale Abrüstung.

3. Influencer-Marketing: Schein des Authentischen
(ndr.de, Sabine Schaper, Video, 5:55 Minuten)
Wer sich auf Instagram und Co. Tausende von Followern erarbeitet hat, gerät leicht ins Visier der Werbeindustrie, besonders wenn es um Themen wie Mode, Kosmetik oder Luxusartikel geht. Manche dieser „Influencer“ haben es zu Topverdienern gebracht, die mit jedem Instagrambildchen Hunderte, wenn nicht Tausende Euro verdienen. Sabine Schauer hat für „Zapp“ hinter die Kulissen dieser Werbe-Parallelwelt geschaut, bei der auch schon mal mit schmutzigen Tricks gearbeitet wird.

4. Liga für Legenden
(zeit.de, Eike Kühl)
In den USA will man Ligastrukturen aus traditionellen Sportarten wie Football (NFL) oder Basketball (NBA) auf den E-Sport übertragen. Dazu wurde nun die „North American League of Legends Championship Series“ (NA LCS) mit zehn Gamer-Teams vorgestellt. Es geht um Millionensummen für die Veranstalter. Aber auch die Spieler profitieren von der Professionalisierung: Das Mindestgehalt wurde auf 75.000 US-Dollar im Jahr angehoben. Es gibt aber auch Kritik, denn neue Teams müssen stolze 13 Millionen Dollar auf den Tisch legen, wenn sie mitspielen wollen.

5. Wir müssen diskutieren
(taz.de, Peter Weissenburger)
Demnächst verleiht das „Reporter-Forum“, ein sich für guten Journalismus einsetzender Verein, den „Deutschen Reporterpreis 2017“. In der Kategorie „Essay“ ist diesmal ein Text nominiert, der in der Augustausgabe des „Greenpeace Magazins“ erschien. Peter Weissenburger denkt in der „taz“ darüber nach, ob PR-Medien („Corporate Media“) für einen journalistischen Preis infrage kommen, und regt zumindest eine Diskussion darüber an.

6. Schäuble erklärt Abgeordneten: Twittern und Facebook im Plenarsaal unerwünscht
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat die 709 Bundestagsabgeordneten darauf hingewiesen, dass Mobiltelefone und Tablet-Computer „nur zurückhaltend und in einer Ihrer Teilnahme an einer Plenarsitzung angemessenen Weise“ genutzt werden dürfen. Das ist insofern ein klein wenig lustig, als dass Schäuble selbst schon beim Sudokuspielen auf der Regierungsbank erwischt wurde.

Schönheitssperre, Drohendes US-Meinungsmonopol, Middelhoff-Doku

1. Youtube sperrt Account des Zentrums für politische Schönheit (Update)
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Berliner Aktionskünstler des „Zentrums für politische Schönheit“ haben dem AfD-Politiker Björn „Bernd“ Höcke ein ganz persönliches Holocaust-Mahnmal errichtet: Direkt in seinem Heimatdorf auf dem Nachbargrundstück seines privaten Wohnhauses. In der Folge sperrte Youtube den Account des Künstlerkollektivs, hob die Sperre aber nach Hinweisen und Protesten wieder auf und kommentierte: „Mit 400 Stunden Videomaterial, das pro Minute auf YouTube hochgeladen wird, treffen wir manchmal die falsche Entscheidung. Sobald wir informiert werden, dass wir ein Video oder einen Kanal fälschlicherweise gesperrt haben, handeln wir schnell und schalten diesen wieder frei.“
Zum Hintergrund: „Das ist das neue Holocaust-Mahnmal — direkt bei Björn Höcke vor dem Haus“ bei „Metronaut“.

2. Läuft doch
(taz.de, Peter Weissenburger)
Eigentlich wacht in den USA die „Federal Communications Commission“ darüber, dass es bei den Lokalsendern kein Meinungsmonopol gibt. Doch nun überstimmten drei republikanischen Mitglieder des Gremiums die zwei Demokratinnen und machten den Weg frei für eine rechtslastige und Trump-freundliche Medienlandschaft. Dabei geht es vor allem um die ultrakonservative „Sinclair Broadcast Group“, der bereits mehr als 170 amerikanische Lokalsender gehören und die weitere 42 Sender kaufen will.

3. CORRECTIV: Wie alles begann
(correctiv.org, David Schraven)
Wie ist es zur Gründung des ersten gemeinnützigen Recherchezentrums in Deutschland gekommen? „Correctiv“-Mitgründer David Schraten erzählt von den Anfängen, den beteiligten Mitstreitern und wie es zum Namen der Organisation kam.

4. Recherchestrategien, Teil 1: Keine Angst vor heiklen Themen
(fachjournalist.de, Uwe Herzog)
Was tun, wenn man als recherchierender Journalist auf eine Mauer des Schweigens stößt? Anhand eines anschaulichen Praxisbeispiels zeigt Autor Uwe Herzog, wie man dennoch zum Ziel kommt. Vor allem Geduld und Hartnäckigkeit seien gefragt: „Es ist, als würde man einen nachtdunklen Raum nach und nach von allen Seiten beleuchten. Und was tun, wenn alle Beteiligten eisern mauern? Auch darauf kann es nur eine Antwort geben: dranbleiben!“

5. Freiwillig in die Abhängigkeit: Facebook und die Medien
(de.ejo-online.eu, Nicolas Becquet)
Was viele nicht wissen: Social-Media-Gigant Facebook zahlt Medien Geld dafür, dass sie ihre Inhalte bei Facebook einspeisen. Insgesamt 50 Millionen Dollar soll die Zuckerberg-Company in 140 Kooperationen mit verschiedenen Medienunternehmen und Promis investiert haben. Nicolas Becquet warnt: „Die finanzielle Notlage der Medien mag ein Grund für ihre freiwillige Versklavung sein, aber die Langzeitfolgen sind nur schwer abzuschätzen. Sind es notwendige Opfer, die auf dem Weg zur digitalen Transformation gebracht werden müssen? Vielleicht; dennoch ist Vorsicht geboten, denn die Abhängigkeit ist nicht nur finanzieller Art. Die Medien sind auch abhängig vom Zugang zu Produktions- und Verbreitungstools. Diese Abhängigkeit beeinflusst auch die Inhalte und führt zu einer Vereinheitlichung der Formate auf globalem Niveau.“

6. Programmänderung
(wdr.de)
Der WDR hat den für heute Abend geplanten Film „Thomas Middelhoff — Absturz eines Topmanagers“ aus dem Programm genommen. Anlass sei eine bestehende vertragliche Vereinbarung zwischen Middelhoff und dem Produzenten, deren konkreter Inhalt der Redaktion erst kurz vor der Ausstrahlung offengelegt worden sei. Die Vereinbarung räume dem ehemaligen Topmanager das Recht auf Mitsprache beim Drehbuch ein und darauf, den fertigen Film vor Ausstrahlung zu sehen. „Vereinbarungen wie diese widersprechen den journalistischen Grundregeln des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sind für den WDR nicht akzeptabel.“

Lichtermarkt-Hysterie, „Addendum“ mit Brause-Millionen, Kaffee ist alle

1. Wie sowas läuft: Die rechte Digital-Kampagne gegen Elmshorn.
(fearlessdemocracy.org, Gerald Hensel)
Gerald Hensel hat bei „Fearless Democracy“ die Social-Media-Kampagne gegen die Stadt Elmshorn und ihren Lichtermarkt analysiert, vom ersten Tweet bis hin zur hunderttausendfachen Verbreitung. Ein konstruierter Shitstorm, der jeden treffen kann, so Hensel: „Ein Tweet reicht, ein Event-Name, der ins Weltbild passt, und am Ende ein schwarzes Kind auf einem Plakat. Fertig ist die Kampagne. Und eine Stadt, deren Vorweihnachtszeit empfindlich gelitten haben dürfte.“

2. Addendum arbeitet grundsätzliche Themen mit großem Besteck auf
(get.torial.com, Bernd Oswald)
Für seine neue Medienplattform „Addendum“ hat der österreichische Multimilliardär und „Red Bull“-Brauer Dietrich Mateschitz etwas tiefer in die Brieftasche gelangt und gleich 40 Mitarbeiter angeheuert. Mateschitz haftet der Ruf an, rechts der Mitte zu stehen, entsprechend kritisch wurde und wird das Projekt von außen beäugt. Bernd Oswald kann der Seite in seiner Rezension durchaus Gutes abgewinnen. Außerdem fänden sich keine Ansatzpunkte dafür, in „Addendum“ ein populistisches Projekt oder die Schaffung einer „Gegenöffentlichkeit“ zu sehen. Er kritisiert jedoch das Fehlen von konkreten Lösungsvorschlägen.

3. Wenn zwei sich streiten
(deutschlandfunk.de, Thomas Wagner)
Vor 20 Jahren griff der „Südkurier“ aus Konstanz mit einer neuen Lokalausgabe die Konkurrenz der „Schwäbischen Zeitung“ auf deren Gebiet an. Die „Schwäbische Zeitung“ konterte kurze Zeit später mit drei neuen Lokalausgaben im Stammgebiet des „Südkuriers“. Der Wettbewerb findet nun ein Ende: Zum Jahresende will der „Südkurier“ seine Lokalausgabe dichtmachen. Die „Schwäbische Zeitung“ wiederum habe die Schließung ihrer drei Lokalredaktionen im „Südkurier“-Stammgebiet angekündigt. Kritiker bedauern das Schrumpfen der publizistischen Vielfalt.

4. „Townhall-Meetings“ als Nonplusultra der Wahlberichterstattung? Ein Einspruch von Journalismus-Professor Bernd Gäbler
(meedia.de, Bernd Gäbler)
Neuwahlen würden auch einen erneuten Wahlkampf bedeuten. Wie werden die Medien darüber berichten? Auf welche Formate werden sie setzen? Nachdem das letzte „TV-Duell“ eher kritisch gesehen wurde, könnten die Medien verstärkt auf sogenannte „Townhall-Meetings“ mit Bürgerbeteiligung setzen. Journalistik-Professor Bernd Gäbler kann dem Format nur wenig abgewinnen: „Wenn die Politik-Journalisten von sich aus beginnen, in die einseitigen Lobeshymnen dieser „Townhall“-Formate einzustimmen, die als gelegentliche Ergänzung in einem Wahlkampf ihre Berechtigung haben mögen, dann stimmen sie letztlich ein in den Abgesang auf ihre eigentliche Profession.“

5. Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger über Hass im Netz
(blmplus.de, Elena Lorscheid, Video, 3:59 Minuten)
Thomas-Gabriel Rüdiger ist Kriminologe am „Institut für Polizeiwissenschaft“ der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Die Schwerpunkte des Cyberkriminologen liegen unter anderem auf „digitalen Straftaten und Interaktionsrisiken sozialer Medien“. Auf den Augsburger Mediengesprächen 2017 fordert er beim Thema „Hass im Netz“ mehr Schutzmaßnahmen für Opfer und ein höheres Risiko für Täter.

6. Schleichwerbung beim SWR – Jugendradio DASDING handelt sich wegen Kaffeeaktion einstweilige Verfügung ein
(allgemeine-zeitung.de, Markus Lachmann & Mario Thurnes)
Dem Jugendsender des SWR wurde per einstweiliger Verfügung untersagt, im Rahmen der „DASDING Morningshow“ Werbung und/oder Sponsoring für Dritte zu betreiben. Bei der sogenannten „Hallo wach“-Aktion hatte man an verschiedenen Orten kostenlosen Kaffee ausgeschenkt. „Powered by McCafé“, wie es hieß. Dies hätte teilweise vor „McDonald’s“-Filialen stattgefunden. Zudem sei im Internet das „McDonald’s“- Logo abgebildet und auf die „McDonald’s“-Seite verlinkt worden.

„Sputnik“-Geilphone, „Wikipedia“-Uploadfilter, FDP-Sharepic

1. Sputnik-Moderatoren sollen iPhones seltener geil finden
(uebermedien.de, Yannick von Eisenhart Rothe)
Auf „Sputnik“, dem „Null Werbung“-Jugendradio des MDR gab es eine iPhone-Gewinnaktion mit geradezu penetrant werblichem Charakter: Die Moderatoren im Radio und im Facebook-Livestream überboten sich geradezu in Produktnennungen und im „Geil, iPhone“-Kreischen. Nach Beschwerden reagierte der Sender zunächst trotzig: „Unsere ModeratorInnen präsentieren die Aktion hervorragend und mit großem Engagement.“ Mittlerweile hat auch der Rundfunkrat die Aktion kritisiert und sieht darin Verstöße gegen die Werberichtlinien der ARD. „Übermedien“ hat beim MDR nochmal nachgefragt. Dort laviert man in einer Form, die einen an der Einsicht des Senders zweifeln lässt: Es bestehe, so die Aussage, ein Unterschied in einer werblichen Wirkung, ob Produkteigenschaften benannt werden, oder ob lediglich von einem „geilen Teil“ gesprochen werde.

2. Aufregung bei MDR-Sputnik-Heimattour: Journalistin ausgesperrt
(flurfunk-dresden.de, Rosalie Stephan)
Das Jugendradio des Mitteldeutschen Rundfunks, „MDR Sputnik“, veranstaltet die sogenannte „Heimattour“, eine Reihe von Partys. Man hat bei diesem Projekt offenbar mit zweifelhaften Partnern zusammengearbeitet. So war im Vorfeld der letzten Veranstaltung in Helbra (Sachsen-Anhalt) bekannt geworden, dass der Besitzer des Veranstaltungsortes der Reichsbürger-Bewegung zuzuordnen sei. Auch die „Mitteldeutsche Zeitung“ hatte darüber berichtet. Mit Folgen: Der Veranstalter warf bei der wenige Tage später stattfindenden „Heimattour“ die „MZ“-Journalistin Anja Förtsch raus und erteilte ihr ein Hausverbot. Der MDR hat sich mittlerweile von dem Vorgehen des Veranstalters distanziert und die Zusammenarbeit beendet.

3. Spiderman spinnt wohl
(sueddeutsche.de, Friederike Oertel)
Friederike Oertel berichtet bei Sueddeutsche.de über einen verstörenden Youtube-Trend: Dort hätte sich eine Szene etabliert, die sinnlose, brutale und teils gewaltverherrlichende Videos mit Helden aus Comic- und Animationsfilmen produziert. Die gefälschten Videos würden mit bunten Vorschaubildern locken, seien durch ihre originalgetreue Gestaltung zunächst nicht als Fake erkennbar und würden erst im Verlauf eine brutale Wendung nehmen. Noch sei unklar, wer hinter den Videos steckt.

4. #No(Upload)Filter – Bedrohen geplante Upload-Filter die Wikipedia?
(blog.wikimedia.de, Lilli Iliev)
„Wikipedia“ sieht große Schwierigkeiten auf sich zukommen, sollte die neue Urheberrechtsrichtlinie durchgesetzt werden, die „Uploadfilter“ vorschreibt: „Wir brauchen keine Uploadfilter, sondern für möglichst viele Online-Plattformen verantwortungsvolle, aktive Communitys, die den Kontext einer Nutzung bewerten, etwaigen Missbrauch einhegen und „schwarze Schafe“ aktiv bekämpfen können. Ein lebendiges Netzwerk sorgt selbst für fairen Umgang miteinander. Ein Zwang zu Uploadfiltern dagegen ist eine Gefahr nicht nur für ungehinderte Aushandlung und Verbreitung von Freiem Wissen, sondern beim Blick auf das Netz insgesamt für die Meinungsäußerungsfreiheit einer digital erschlossenen Gesellschaft.“

5. Investigativer Journalismus in Tschechien
(de.ejo-online.eu, Pavla Holcová)
Nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 fand in Tschechien ein Umbau der Medien statt: Viele westliche Medienunternehmen haben ihre Beteiligungen an den größten tschechischen Medienhäusern an tschechische und slowakische Großunternehmer verkauft. Nun befinden sich viele Medien in den Händen einiger weniger milliardenschwerer Besitzer. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung. So wurden in letzter Zeit einige kleinere unabhängige und investigativ arbeitende Medien gegründet.

6. Lieber falsch reagieren als gar nicht
(stefan-fries.com)
Nachdem die FDP die Sondierungsgespräche mit CDU, CSU und Grünen abgebrochen hatte, veröffentlichte sie eine Grafik mit dem Text: „Lieber nicht regieren als falsch.“ Computerkenner wiesen daraufhin, dass die Dateiinformationen/Metadaten nahelegen würden, dass die Grafik bereits vor einigen Tagen erstellt wurde. Für einige ein Indiz, dass die FDP den Abbruch der Sondierungsverhandlungen bereits vor Tagen beschlossen habe. So einfach ist die Sache jedoch nicht, wie Stefan Fries in seinem Blogbeitrag erklärt.

Homöopathie-PR, Followerschwund, Gelingensbedingung Lokaljournalismus

1. Der Fall Meditonsin: Wie verdeckte Homöopathie-PR in eine Tageszeitung kommt
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Die „Wilhelmshavener Zeitung“ hat einen nicht als Werbung oder PR gekennzeichneten Jubel-Text über ein homöopathisches Erkältungsmittel veröffentlicht. Der Lobgesang stammt von einer Agentur, die zu einem „Institut für Naturheilkunde und Kommunikation e.V.“ gehört. Der Text ist nicht nur inhaltlich kritikwürdig, es wurde fälschlicherweise auch angedeutet, er stamme von der „dpa“. Auf Nachfrage von „Meedia“ habe der Leiter der Lokalredaktion der „Wilhelmshavener Zeitung“ erklärt, dass er keine Veranlassung sehe, einen solchen Artikel als Werbung zu kennzeichnen. Der Text, so der Redaktionsleiter, stamme schließlich „von einer Agentur“, das sei ganz normal.

2. „Paradise Papers“-Daten publiziert
(tagesschau.de)
Das „Internationale Konsortium für Investigative Journalisten“ („ICIJ“) hat den ersten Schwung Daten aus den „Paradise Papers“ veröffentlicht. Es handelt sich um Informationen zu 25.000 Offshore-Konstrukten. In den nächsten Wochen sollen weitere Akten folgen. In der Offshore-Leak-Datenbank gibt es nun Dokumente der Projekte „Panama Papers“, „Offshore Leaks“ und „Bahamas Leaks“. Insgesamt handelt es sich um mehr als 520.000 Datensätze.

3. Facebook erklärt Skandal um mysteriösen Followerschwund für beendet
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Der Türkei-Kritiker Kerem Schamberger berichtete unlängst von einem rätselhaften Social-Media-Phänomen: Im September und Oktober habe er etwa 5000 seiner etwa 20.000 Follower und Freunde auf Facebook verloren. Anderen pro-kurdischen Accounts sei es ähnlich ergangen. Facebook sagt gegenüber netzpolitik.org, die interne Untersuchung des Falles sei abgeschlossen. Eine Überprüfung habe ergeben, dass nur ein sehr kleiner Teil dem Account Schambergers aus eigenen Stücken entfolgt sei. Die meisten seien wegen „Verstößen gegen die Geschäftsbedingungen“ stillgelegt worden. Doch die Angelegenheit bleibt weiterhin mysteriös, und es stellen sich neue Fragen.

4. Staat behält Schlüsselrolle in Medienlandschaft
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ hat den „Media Ownership Monitor“ für Marokko vorgestellt, nach Angaben der Organisation die erste umfassende Bestandsaufnahme des marokkanischen Medienmarkts einschließlich Hintergrundinformationen zu seinen Hauptakteuren und deren Interessen. Obwohl es vor zwölf Jahren eine Liberalisierung des marokkanischen Fernseh- und Radiomarkts gab, spielen Staat, Königsfamilie und einige Geschäftsleute immer noch Schlüsselrollen in der Medienlandschaft des nordafrikanischen Landes.

5. Arbeit unter Repressionen
(taz.de, Elisabeth Kimmerle)
Über die Türkei werde in den Medien derzeit viel berichtet, doch die Berichterstattung ist schwierig geworden. Stets schwinge die Angst vor Verhaftung mit. Außerdem gebe es unterschiedliche Einschränkungen und „Tabuthemen“ wie die Kurdenproblematik oder alles, was die Gülen-Bewegung betrifft. Kritische Journalisten würden von Erdogan als Spione und Agenten tituliert und landen am Medienpranger.

6. Eine für alle
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
„Abstrakt betrachtet, ist flächendeckender Journalismus schlicht eine Gelingensbedingung für freie und funktionierende Gesellschaften. Aus Branchensicht ist flächendeckender Journalismus aber vor allem etwas, das man sich auch leisten können und wollen muss.“ Cornelius Pollmer berichtet in der „SZ“ aus Schmallenberg im Sauerland, wo die 29-jährige Katrin Clemens die gesamte Lokalredaktion darstellt. Er war „unterwegs mit einer Einzelkämpferin.“

Gekränktes „Bild“-Ego, Untragbare Tragbar-Abstimmung, Söderbesuch

1. Kleine Geschichte am Rande
(facebook.com, Nora Hespers)
Die freie Journalistin Nora Hespers berichtet von einem bemerkenswerten Erlebnis im Zusammenhang mit dem Videodreh der Band „Erdmöbel“ mit Judith Holofernes in Köln. Holofernes, von der man spätestens seit ihrem offenen Brief „Ich glaub, es hackt“ weiß, wie sie zu „Bild“ steht, wollte — wenig überraschend — nicht mit einem „Bild“-Reporter sprechen. Daraus entwickelte sich eine seltsame Eigendynamik, die dazu führte, dass der „Bild“-Reporter bei der bereits anwesenden Polizei nachfragte, ob es stimme, dass keine Drehgenehmigung vorliege. Wahrscheinlich, um wenigstens mit einer Aufreger-Story in die Redaktion kommen zu können, so Nora Hespers. Sie fasst das Verhalten zusammen, dass sie symptomatisch für unsere Gesellschaft hält: „Erstens: Nicht kommunizieren und dafür grundsätzlich erst mal das Negativste vom Gegenüber annehmen, statt Fragen zu stellen oder sich zu informieren. Zweitens: Den Fokus auf das möglicherweise Negative an der Geschichte legen, statt sich eine differenzierte Betrachtung des Geschehens zur Aufgabe zu machen. Drittens: Es laufen zu viele beleidigte und gekränkte Egos durch die Gegend.“

2. Ist Schutzbach noch tragbar?
(franziskaschutzbach.wordpress.com)
Die an der Universität Basel lehrende Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach ist ins Visier der „Basler Zeitung“ geraten: Angeblich sei sie gegen die Meinungsfreiheit und wolle ihre politischen Gegner aus dem Alltag verdrängen. Der „BaZ“-Beitrag endet mit einer fragwürdigen Abstimmung, in der die Leser gefragt werden, ob Schutzbach für die Universität Basel noch „tragbar“ sei. In ihrem Blog wehrt sich Schutzbach gegen den Artikel. Nicht nur der „BaZ“-Text, sondern auch das Vorgehen der Zeitung sei ein Lehrstück für Kampagnen-Journalismus und unsaubere journalistische Arbeit.

3. Fleet Street verliert letzte Bastion des britischen Journalismus
(kontakter.de, Franz Scheele)
Einst galt die Londoner Fleet Street als das Zentrum der britischen Zeitungsbranche, doch das ist nun wohl für alle Zeiten vorbei: Nachdem die Zeitungsverlage längst abgewandert sind, schließt Ende des Jahres auch die Journalisten-Gewerkschaft „British Association of Journalists“ ihr Büro. Dennoch sei die Geschichte des britischen Zeitungsjournalismus in London auch heute noch erlebbar: Franz Scheele verweist in seinem Artikel auf einen Onlineführer, mit dessen Hilfe man alle wichtigen Örtlichkeiten auffinden könne. Dort soll es auch Empfehlungen für Pubs geben, die lange als Hauptumschlagplatz für Informationen (und ein gutes Bier) galten.

4. Kritisierte Kooperation – NDR, WDR und SZ
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Seit vier Jahren kooperieren NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“, wenn es um größere Recherche-Projekte geht. Die Mitbewerber aus der Medienbranche sehen die Zusammenarbeit der Konkurrenz kritisch. Von einem „Zitier-Kartell“ ist da die Rede, von Quersubventionierung und Bevorzugung in der „Tagesschau“. Daniel Bouhs hat ein Stimmungsbild eingeholt und auch die Kritiker des Rechercheverbunds zu Wort kommen lassen.

5. Ausverkauf: Die Süddeutsche Zeitung und ihre chinesischen Propagandaanzeigen
(savetibet.de, Kai Müller)
Der Geschäftsführer der Berliner Dependance der „International Campaign for Tibet“, Kai Müller, kritisiert die „Süddeutsche Zeitung“. Diese habe am 10. November mit ihrer Deutschlandausgabe eine Sonderbeilage des chinesischen Staats- und Parteiblatts „China Daily“ verbreitet. Kai Müller kommentiert die Beilage des „Pamphlets“, wie er es nennt: „Die Süddeutsche Zeitung, will sie wirklich ihrem Anspruch als Qualitätszeitung gerecht werden und will sie ihre Glaubwürdigkeit als unabhängiges Medium wahren, darf keine Propaganda autoritärer Staaten verbreiten, die sich schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben.“

6. Eine Facebook-Real-Satire: Wir haben drei Wochen auf dem Facebook-Profil von Söder verbracht, damit ihr es nicht tun müsst
(zuendfunk-netzteil.br.de, Sebastian Spallek)
Sebastian Spallek hat in einem Akt der Selbstaufopferung drei Wochen auf dem Facebookprofil des bayerischen Finanzministers Markus Söder verbracht, der als Anwärter auf die Seehofer-Nachfolge gehandelt wird. Dies blieb nicht ohne Folgen: „Der hat 1live! Und er ist viele. Zumindest im fränkischen Fasching ist er Punker! Drag Queen!!! Shrek und Mahatma Ghandi!!!! Edmund Stoiber!! Wowwww! Dr. Söder mag Fasching, trägt Trachtenjanker und hat ein uneheliches Kind. Herrgottsakra und ja mei, so modern ist halt die CSU.“

AfD-„FAZ“-Jargon, Umfrageunsinn, Politikberatungsjournalismus

1. „Staatliche Sender“ – auch #FAZ-Herausgeber macht sich jetzt #AfD-Jargon zu eigen. Bedenklich.
(twitter.com, Kai Küstner)
Der WDR/NDR-Korrespondent im ARD-Studio Brüssel, Kai Küstner, kritisiert eine Formulierung von „FAZ“-Herausgeber Holger Steltzner. Dieser hat in seinem „Konjunktur-Kommentar“ „Land der wirtschaftlichen Wunder“ statt von den Öffentlich-Rechtlichen von den „staatlichen Sendern“ gesprochen. Eine Wendung, die Küstner dem AfD-Jargon zurechnet und bedenklich findet.

2. Begeisterung für Umfragen über Jamaika-Koalition nimmt ab
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier ist genervt von den vielen sinnlosen Umfragen der Meinungsforscher zur sogenannten Jamaika-Koalition: „Die Leute sollen sagen, ob sie eine Koalition gut finden, von der zum Zeitpunkt der Frage kein einziges konkretes Vorhaben bekannt ist. Was ist das für ein Unsinn? Was für Rückschlüsse soll das auf irgendwas erlauben? Wäre nicht die einzige richtige Antwort, die man dem Mann von Infratest Dimap oder der Forschungsgruppe Wahlen geben könnte: Weiß noch nicht, rufen Sie mich nochmal an, wenn klar ist, welche Steuern die erhöhen, wie die mit Flüchtlingen umgehen, welcher Klima-Kompromiss da am Ende rauskommt?“

3. Politisches Rauchen
(taz.de, Raphael Piotrowski)
Am Dienstagabend pünktlich um 18 Uhr füllte sich der Bürgersteig vor dem „taz“-Gebäude in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin mit Protestrauchern, die damit an den ehemaligen „taz“- und heutigen „Welt“-Autoren und passionierten Raucher Deniz Yücel erinnern wollten. Und an seine fortdauernde Haft in der Türkei. Auch vor dem „Spiegel“-Redaktionsgebäude in Hamburg hätten Kollegen solidarisch für Deniz Yücel gequalmt.

4. „Österreich“ vervierfacht Cybermobbing-Opfer
(kobuk.at, Angelika Eva Kapeller)
Die Tageszeitung „Österreich“ behauptet, „64 Prozent sind Cybermobbing-Oper“, und beruft sich dabei auf eine Studie der „AK Steiermark“, der gesetzlichen Interessenvertretung aller ArbeitnehmerInnen des österreichischen Bundeslandes Steiermark. Warum die Aussage ziemlicher Quatsch ist, erklärt „Kobuk“-Autorin Angelika Eva Kapeller: In der Studie sei zwar von 64 Prozent die Rede, dabei handele es sich jedoch um die Schüler, die von Cybermobbing-Fällen in ihrem Umfeld wüssten. Außerdem seien die Angaben für Mobbingopfer und Cybermobbing-Opfer vermischt worden.

5. Politikberatungsjournalismus
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal nennt es eine „journalistische Übergriffigkeit“, wenn sich Journalisten zu Politikberatern aufschwingen: „Ist es die Aufgabe politischer Journalisten, ständig zu erklären, was jetzt zu tun ist? Müssen sie täglich hinausposaunen, was „wir“ jetzt am dringendsten brauchen? Wie Merkel die Krise noch meistern kann? Wie Jamaika zum Erfolg wird? Der politische Journalismus bietet heute ein solches Übermaß an Politikberatung, dass man bisweilen den Eindruck hat, die Redaktionen fungierten als Planungs- und Krisenstäbe des Kanzleramts und der Parteien.“

6. Montana Black: Wie PewDiePie, nur noch unreflektierter (Special)
(spieletipps.de)
In Youtube-Videos der Gamerszene herrscht schon mal ein rauer Ton, das mag man oder nicht. Bedenklich wird es jedoch, wenn sich rassistische Töne in die Videos einschleichen, wie es dem schwedischen Youtube-Star „PewDiePie“ vorgeworfen wird. In einem ähnlichen Fahrwasser scheint sich ein deutscher Youtuber bewegen zu wollen, der eine Spielefirma als „Zigeuner-Söhne“ bezeichnet, ein Spiel als „Drecks-Zigeuner-Spiel“ beschimpft. Die Macher der Seite „Spieletipps“ haben den Vorgang aufgegriffen und kommentieren: „Jemand, der ein Millionenpublikum erreichen kann, sollte sich überlegen, welche Wörter er benutzt — und vor allem auch, welche er nicht benutzen möchte. Denn so ein junges Publikum ist beeinflussbar. Es wird auch durch solche Videos sozialisiert. So entsteht eine Normalität, die nicht normal sein sollte.“

Selbstzensur, „Bild“-Strafanzeige, „Pro7Sat1“-Zuschauer fett und arm?

1. Deutscher Wissenschaftsverlag zensiert Angebot
(deutschlandfunk.de, Steffen Wurzel)
Der deutsche Wissenschaftsverlag „Springer Nature“ ist auch in China vertreten, dort aber nicht mit dem kompletten Angebot: Der Verlag habe bestätigt, dass er den Zugang zu bestimmten Artikeln in China blockiert habe. Diese Maßnahme sei nach Angaben des Verlags „zutiefst bedauerlich, wurde aber ergriffen, um wesentlich massivere Auswirkungen für unsere Kunden und Autoren zu vermeiden.“ Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kritisiert das Vorgehen und fordert den Verlag auf, seine Entscheidung zu überdenken und die Zusammenarbeit mit den chinesischen Zensurbehörden sofort zu stoppen. Eine besondere Brisanz bekommt der Vorgang dadurch, dass „Springer Nature“ eine Kooperation mit „Tencent“ vereinbart habe, einem der größten chinesischen Medien- und Onlinekonzerne — in zeitlicher Nähe zur kritisierten Selbstzensur, der wohl mehr als 1000 Beiträge zum Opfer gefallen sind.

2. Nach Strafanzeige von Herbert Grönemeyer: Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Bild-Verantwortliche
(meedia.de, Marvin Schade)
Nach Informationen des Branchendienstes „Meedia“ hat Herbert Grönemeyer Strafanzeige gegen mehrere Verantwortliche der „Bild“-Zeitung erstattet. Neben den Verantwortlichen in der „Bild“-Chefredaktion, also die Chefredakteure Julian Reichelt und Tanit Koch, könnte sich die Anzeige auch gegen Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Axel-Springer-Verlags richten. Vereinfacht gesagt, geht es um Paparazzi-Aufnahmen, gegen die Grönemeyer vorgegangen war, und die damit verbundene Berichterstattung. Doch die Angelegenheit hat noch einen zusätzlichen Twist: Ein Fotograf hatte behauptet, von Grönemeyer geschlagen und verletzt worden zu sein, und hatte versucht, dies mit manipuliertem Bildmaterial zu belegen.

3. „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache.“ Hanns Joachim Friedrichs (angeblich)
(falschzitate.blogspot.de, Gerald Krieghofer)
Gerald Krieghofer knöpft sich im neuesten Beitrag seines Falschzitate-Blogs die angebliche Äußerung von Journalistenlegende Hanns Joachim Friedrichs vor, nach der man einen guten Journalisten daran erkenne, dass er sich nicht gemein mache mit einer Sache: „Das ist ein Falschzitat, weil es eine Aussage des deutschen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs aus einem SPIEGEL-Gespräch über die notwendige emotionale Distanz eines Fernsehmoderators zu der Nachricht, die er präsentiert, ins Unsinnige verallgemeinert.“

4. ProSiebenSat.1-Chef Ebeling lästert über seine Zuschauer
(dwdl.de, Timo Niemeier & Thomas Lückerath)
In einer Telefonkonferenz mit Analysten und Börsen-Experten habe sich der Vorstandsvorsitzende von „ProSiebenSat.1“, Thomas Ebeling, abfällig über Zuschauer geäußert: „All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Homerun. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like. Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“ Ein Sprecher von „ProSiebenSat.1“ dementiert die Aussagen nicht und spricht davon, dass sie „womöglich missverstanden werden“ könnten.

5. Heil Heiler!
(taz.de, Matthias Kreienbrink)
Aus der deutschsprachigen Ausgabe des Computerspiels „Wolfenstein II“ wurden nicht nur Hakenkreuze oder SS-Runen entfernt, hier fehlt auch der nationalsozialistische Völkermord an den Juden. Das Problem: „Wolfenstein II“ ist kein Nazi-Game, sondern — ganz im Gegenteil — ein antifaschistisches Computerspiel. Matthias Kreienbrink ist in seinem Beitrag auf die Schwierigkeiten des Umgangs mit der Geschichte eingegangen und hat Experten befragt. Es sei Zeit für eine öffentliche Debatte: „Wann endlich trauen wir Videospielen mehr zu?“

6. Aufwachen #250: Claus Kleber ist zu Gast + Fortpflanzung, Lobbyismus (mit Hans Jessen)
(youtube.com, Tilo Jung & Stefan Schulz)
Der „Aufwachen“-Podcast mit Tilo Jung und Stefan Schulz feiert seine 250. Ausgabe mit zahlreichen Gratulanten und Special Guest Claus Kleber, der seit vielen Jahren das „heute journal“ im ZDF moderiert. Mit Kleber haben sich die Medien-Podcaster unter anderem über dessen neues Buch „Rettet die Wahrheit!“ unterhalten, das vom Verlag als „flammendes Plädoyer für die Unabhängigkeit der Medien und gegen die Kampagnen der Hetzer“ bezeichnet wird. Außerdem mit dabei in der mehr als vierstündigen Jubiläumssendung: „Jung & Naiv“-Coproduzent Alexander Theiler und der langjährige ARD-Hauptstadtkorrespondent Hans Jessen. BILDblog gratuliert und wünscht alles Gute für die nächsten 250 Folgen!

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