Archiv für 6 vor 9

NonstopNews, Seymour Hersh, Instant Articles

1. „Breaking News in Delmenhorst“
(ndr.de, Video, 29:17 Minuten)
Julian verbringt sieben Tage mit Blaulicht-Reportern der TV-Agentur NonstopNews aus Delmenhorst.

2. „‘Laut einem Medienbericht’ – wie Nonsense aus der ‘Bild’ die Roaming-Debatte bestimmt“
(blog.lehofer.at)
Hans Peter Lehofer beschäftigt sich mit einer von anderen Medien aufgegriffenen „Bild“-Story. „Wäre es wirklich zuviel verlangt, einmal kurz eine Suchmaschine zu bedienen, um die Behauptungen der ‘Bild’ zu überprüfen, vor allem wenn sie schon beim ersten Blick unglaubwürdig sind? Hätte nicht irgendjemand auf die Idee kommen können, sich das ‘Geheimpapier’ einmal anzuschauen?“

3. „The media’s reaction to Seymour Hersh’s bin Laden scoop has been disgraceful“
(cjr.org, Trevor Timm, englisch)
Wie Journalisten auf das Stück „The Killing of Osama bin Laden“ von Seymour Hersh in der „London Review of Books“ reagiert haben: „This is not to say all the assertions contained in Hersh’s story are accurate. Some may turn out not to be true; I simply don’t know. But neither do any of Hersh’s critics, because, unfortunately, the flippant blog posts dismissing Hersh out of hand outnumber follow-up reporting on his stories by about 50 to one.“ Siehe dazu auch „Podcast Extra: Seymour Hersh“ (onthemedia.org, Audio, 22 Minuten, englisch).

4. „Secrets of the Brussels media machine“
(thepressproject.net, Nikos Sverkos, englisch, 2. Mai)
Nikos Sverkos schreibt über die Medien in Brüssel: „In terms of collection and distribution of news, the main players in the system are the three major European-level media outlets: the agencies Reuters and Bloomberg, and the Financial Times newspaper. Whatever this group reports, all other media outlets in Europe rush to reproduce. Thus – intentionally or not – articles published by the group are spread widely.“

5. „Bitte benutzen Sie den Lieferanteneingang“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld kritisiert eine Kooperation von „Spiegel“ und „Bild“ mit Facebook, Instant Articles: „Facebook wird zum Verleger – mit den Inhalten anderer, die sich auch noch darüber freuen, dass sie ihre Werke kostenlos abgeben dürfen. Man muss sich das entsprechende Werbevideo von Facebook antun: Da sehen wir Journalisten mit Stockholm-Syndrom, die mit glänzenden Augen erzählen, wie schnell ihre Story bei Facebook aufpoppt. Als wäre das ein Gnadenerweis, als gäbe es außerhalb von Facebook kein Leben in der Online-Welt.“ Siehe dazu auch „könige, kaiser und lakaien“ (wirres.net, Felix Schwenzel) – in dem der Text von Hanfeld als „ein schneller, hingekotzter aufregertext“ beschrieben wird.

6. „Funkstille für Rundfunkjournalisten!“
(prinzessinnenreporter.de, Elke Wittich)
Printjournalistin Elke Wittich erzählt von Erfahrungen, die sie mit Hörfunkjournalisten gemacht hat: „Guten Tag, ich bin Frau Dingens vom wichtigen Rundfunksender Sowieso und ich habe mit großer Begeisterung Ihren Artikel gelesen. Ach so, nein, ich möchte Sie nicht interviewen, ich mache selber einen Beitrag zum Thema, könnten Sie so nett sein und mir die Kontaktdaten derjenigen geben, mit denen Sie gesprochen haben, danke. Nein, jetzt, können Sie nicht später Ihre Deadline einhalten/in Urlaub fahren/wasimmer, es ist wirklich dringend? Und super wäre es, wenn Sie mir eben sagen, welche Aspekte Sie für besonders wichtig halten, vielleicht so als kurze Gliederung.“

Thomas Schaaf, Wait But Why, Malawi

1. „Verifizieren – die journalistische Schlüsselqualifikation“
(get.torial.com, Bernd Oswald)
Bernd Oswald stellt Sessions vor, die sich an der re:publica mit dem Verifizieren von Inhalten befasst haben: „In Zeiten, wo die Gier nach schnellen Informationshäppchen und Aktualisierungen stetig steigt, ist eine saubere Verifizierung um so wichtiger.“

2. „Millionen Klicks – mit 3 Mitarbeitern und 100 Artikeln: Wie Wait But Why den Online-Journalismus neu erfindet“
(t3n.de, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt die Website „Wait But Why“ vor: „Tim Urban publiziert immer dann einen Artikel, wenn er einen fertig hat. Und da viele der Stücke viele tausend Worte umfassen (der Text über Elon Musk liegt bei rund 6.500), können mitunter mehrere Wochen vergehen, bis Leser einen neuen Beitrag bei WBW finden.“

3. „Frischer Wind von unten“
(journafrica.de, Deogracias Kalima)
Vier Journalisten in Malawi gründen eine private Nachrichtenagentur: „Chefredakteur Paul Akomenji schwört, dass LINA politische Einflussnahme als Folge finanzieller Zuwendungen nicht in Kauf nehmen werde – eine Andeutung dafür, dass es solche Zuwendungen sind, die freie und lebendige Medien vernichten. ‘Ehe wir uns von Politikern unterstützen lassen, schließen wir lieber’, sagt Akomenji nachdrücklich. Stattdessen wollen sie unabhängige Organisationen um Unterstützung zu bitten: Botschaften, internationale Organisationen und die Geschäftswelt zum Beispiel, nicht aber Politiker.“

4. „‘Wir brauchen eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine'“
(telemedicus.info, Fabian Rack)
NDR-Verwaltungsratsmitglied Dagmar Gräfin Kerssenbrock fordert eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine: „Eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine müsste eine vergleichbare Nutzenfunktion haben wie Google, jedoch bereinigt um den Einfluss verschiedenster Interessengruppen auf das Suchergebnis. (…) Wir brauchen eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine, die ausschließlich eine dienende Funktion für eine informierte Gesellschaft im wachsenden digitalen Datenberg hat, ohne wirtschaftliche Interessen verfolgen zu müssen.“

5. „Schluss mit muffig“
(11freunde.de, Dirk Gieselmann)
Die Medien werfen Thomas Schaaf vor, er habe Probleme, mit seiner Mannschaft zu kommunizieren: „Die Spekulationen haben Thomas Schaaf in eine Lage versetzt, aus der er sich naturgemäß kaum wird befreien können. Wir sehen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Schaafs Hang zur Einsilbigkeit wird zu seinen Ungunsten ausgelegt, und das soll er, der ja tatsächlich ungern mehr sagt als unbedingt nötig, nun bitteschön wortreich entkräften. (…) Er wird öffentlich einer Prüfung unterzogen, ob er als leitender Angestellter den Ansprüchen an eine modernen Unternehmenskommunikation genügt. Beherrscht er den Jargon angenehm sedierender Pressemitteilungen? Kann er professionell dementieren?“

6. „I had (the privilege) to give a couple of interviews to media journalists these last days and keep wondering“
(facebook.com, Wolfgang Blau, englisch)

Mohammed-Karikaturen, Sing-Treff, Corinna Schumacher

1. „Religion schlägt Meinungsfreiheit“
(zeit.de, Cigdem Akyol)
Ceyda Karan und Hikmet Cetinkaya drohen bis zu viereinhalb Jahre Haft, weil sie „zwei kleine Mohammed-Karikaturen in ihren Kolumnen zwischen ganz viel Text versteckten“: „Die Staatsanwaltschaft in Istanbul wirft ihnen vor, den öffentlichen Frieden gestört und die religiösen Werte der Menschen in der Türkei beleidigt zu haben.“

2. „Speed kills: Germanwings und die Medien“
(derstandard.at, Johanna Jung, Jennifer Woods und Josef Trappel)
Medienwissenschaftler greifen die Berichterstattung zum Germanwings-Flug 9525 auf: „Unzählige Falschmeldungen ohne Bestätigung, Expertenbefragungen ohne Antworten, Sondersendungen ohne Inhalt und Spekulationen ohne ausreichende Hinweise prägen den medialen Irrflug. Keine Frage: Ihre Informationspflicht haben die Medien mehr als erschöpfend erfüllt – zumindest in Sachen Schnelligkeit und Aktualität. Doch sind Speed und Quantität die neue Qualität?“

3. „Nein, die GEMA will kein Seniorensingkränzchen killen“
(medium.com/@jagermo)
Moritz Jaeger zweifelt die Story „Gema verlangt Gebühren fürs Volkslieder-Singen“ (siehe dazu auch „6 vor 9″ vom 11. Mai) an und fragt bei der Gema nach, die ihm ausführlich Auskunft erteilt: „Wir bedauern es sehr, dass sich Frau von Assel nach Erhalt der Rechnung nicht an uns, sondern direkt an die Presse gewendet hat. Erst aufgrund der jetzt veröffentlichten Berichterstattung in den Schleswiger Nachrichten haben wir jedoch erfahren, dass es sich bei dem ‘Sing-Treff im Café Fahrdorf’ um ein nicht-öffentlichen Sing-Treffen handelt. Diese Information lag uns bislang nicht vor. Daher werden wir die Rechnung gegenüber der Veranstalterin stornieren.“

4. „Schumacher vs. taz: Streit ums Foto endlich entschieden“
(blogs.taz.de/hausblog, Manuel Schubert)
Ein Gerichtsfall um ein in der „taz“ abgedrucktes Foto von Corinna Schumacher: „Das von uns verwendete Bildnis sei ‘kontextgerecht’, urteilten die Richter. Es illustriere und belege die Wortberichterstattung in besonderer Weise und hätte einen eigenen Informationswert. (…) Die Richter des Oberlandesgerichts Köln ließen keine Berufung zu ihrem Urteil zu.“

5. „Bilder zu Netzthemen: Überwachung? Kann ich nicht mehr sehen!“
(spiegel.de, Markus Böhm)
Markus Böhm macht sich Gedanken, wie man das Thema Überwachung bebildern könnte: „Man kann wohl mittlerweile noch so gute und wichtige NSA- oder BND-Enthüllungsgeschichten schreiben, noch so originelle Plädoyers für oder gegen die Vorratsdatenspeicherung: Ohne ein Foto, das in den Artikel zieht, ist die Chance gering, dass der Text überdurchschnittlich oft gelesen wird und nicht nur die übliche Zielgruppe erreicht.“ Siehe dazu auch „BND liefert NSA 1,3 Milliarden Metadaten – jeden Monat“ (zeit.de, Kai Biermann).

6. „Faces of doom: what reporters look like delivering horrific news – in pictures“
(theguardian.com)

Watson, Vapiano, Strassenfeger

1. „Hansi Voigt: Pimp my News“
(vocer.org, Roxana Wellbrock)
Roxana Wellbrock berichtet über das Projekt Watson.ch, das derzeit „viele hunderttausend Euro Verlust im Monat“ macht: „Tatsächlich sind es monatlich rund 400.000 Euro, wie Wanners Verlag AZ Medien einräumt. ‘Bis zum Break Even kann es noch zwei Jahre dauern'; ergänzt Wanner. ‘Das ist aber so geplant.'“

2. „Betrügereien mit Zeitungsseiten“
(prenzlauerberg-nachrichten.de, Anja Mia Neumann)
Anja Mia Neumann versucht, beim Chefredakteur Informationen zu den Verkäuferregeln des Straßenmagazins „Strassenfeger“ zu erhalten: „Antworten auf eine schriftliche Anfrage bleibt er schuldig, ans Telefon geht niemand.“

3. „Wie Vapiano unsere Recherchen begleitete“
(investigativ.welt.de, Anette Dowideit)
Die Restaurantkette Vapiano hält die „direkte Kontaktaufnahme“ mit Mitarbeitern seitens der „Welt“-Redaktion für fragwürdig. „Wir nennen es ganz einfach Recherche“, schreibt dagegen Anette Dowideit. In einer Stellungnahme von Vapiano (meedia.de) schreibt Gregor Gerlach: „Offenbar wird jetzt das Schreiben unserer Anwaltskanzlei missbraucht, um dem Artikel die Aufmerksamkeit zu bescheren, die er aus sich heraus nicht hervorgerufen hat.“

4. „Brief aus dem Berlin des Jahres 2096: Kickstarter-Kampagne zu ‘The Future Chronicles’ startet“
(basicthinking.de/blog, Tobias Gillen)
Tobias Gillen stellt die Magazinidee „The Future Chronicles“ vor.

5. „Gruppenbild mit Rissen“
(faz.net, Timo Frasch)
Der Prozess um den Tod von Tugce Albayrak. Über die „Berichterstattung unmittelbar nach dem Vorfall“ schreibt Timo Frasch: „Es wurde die Fiktion zweier gänzlich unterschiedlicher Gruppen geschaffen. Überspitzt gesagt: Hier die nichtintegrierten halbkriminellen Verlierer um Sanel M., dort die aufgeklärten altruistischen Akademiker um Tugce Albayrak. Wenn man den Prozess beobachtet und dabei auch das Publikum nicht außer Acht lässt, dann wird man dieses Bild zwar nicht völlig revidieren, aber doch etwas zurechtrücken müssen. “

6. „Schlusslicht“
(winnyswelt.de)

Werner D’Inka, Jan Leyk, Gema

1. „‘Der langsame Tod der Auslandskorrespondenten'“
(de.globalvoicesonline.org, Lova Rakotomalala)
Ein Interview mit Anaïs Renevier, die zuletzt im Libanon als Auslandkorrespondentin arbeitete und deren Blogbeitrag „La petite mort des correspondants“ (arenevier.wordpress.com, französisch) viel Aufmerksamkeit erhielt: „Ich kannte die finanziellen Probleme auf allen Ebenen: bei dem regionalen Fernsehsender, bei dem ich von 2011 bis 2012 arbeitete (auf Grund fehlender Mittel hatten wir lange Arbeitstage) und auch bei großen Medien (den folgenden Satz habe ich einige Male zu Hören bekommen: ‘Wir sind an dem Thema interessiert, aber wir haben nicht das Geld, um es zu unterstützen’). Ich hörte es sogar bei den neuen digitalen Medien, die versuchten, ein neues Modell des Journalismus zu erfinden.“

2. „Wenn Qualitätsjournalisten operieren“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig beschäftigt sich mit einem Beitrag von FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka: „Warum gibt es eigentlich bis heute keine Selbstverpflichtung von Journalisten, ihre Nebentätigkeiten und (politischen) Zugehörigkeiten offenzulegen? Sie selber fordern Transparenz aller Orten – für sich nehmen sie jedoch großzügig Ausnahmen in Anspruch. Es ist leicht einzugestehen, einen Zahlendreher oder eine Namensverwechslung begangen zu haben. Schwieriger scheint es zu sein, seine außerpublizistischen Aktivitäten darzulegen.“

3. „Warum das Internet gut ist für den Journalismus“
(rolandtichy.de)
Roland Tichy, der lange Jahre für Printmedien tätig war und nun selbst im Netz publiziert, preist das Internet: „Gibt es ein Gesetz, dass Papier Texte veredelt und Internet sich schlecht macht? Und wollte man die Medien an einen Lügendetektor anschließen – der würde bei vielen Internet-Portalen durch die Decke gehen. Aber auch bei vielen gedruckten Medien. Im Gegenteil – was Journalisten zu befürchten haben, ist nicht die Lüge per Internet. Eher, dass das Internet Schwachsinn aufdeckt.“

4. „Gema verlangt Gebühren fürs Volkslieder-Singen“
(shz.de, Hannes Harding und Tobias Fligge)
Post von der Gema: „Ende April teilte die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) der Betreiberin des kleinen Kulturcafés, in dem sich die Senioren treffen, mit, dass sie für das Musizieren zahlen müsse. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die zum Teil dementen Damen mit ihrem Gesang Urheberrechte verletzten.“

5. „MC Hetzer?“
(theeuropean.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz liest Facebook-Einträge von Jan Leyk: „Ist das ‘nur’ eine neue entfesselte Diskussionskultur im Internet oder ein Vorgeschmack darauf, wie es in Zukunft auf den Straßen zugeht? Leyk ist ja nicht alleine mit dieser Hassrhetorik, er ist nur der bekannteste Y-Promi (seine eigenen Worte), der so vom Leder zieht.“

6. „Im Schmerz geboren“
(walulissiehtfern.de)
Philipp Walulis zeigt auf, wie man „einen langen Printartikel als angesagte Multimedia-Reportage“ recyclet.

Hoax, Trash, Flattr

1. „Trash und Trash“
(sashs-blog.de)
Fragen zur Regenbogenpresse: „Wieso sollte man zur Unterhaltung unwahre Geschichten über echte Menschen lesen, die vorgeben, wahr zu sein? Wieso sollte man sich falsche Stories über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher reinziehen, anstatt entweder eine fiktive Geschichte über einen Menschen mit einem Schicksalsschlag oder eine tatsächlich recherchierte Doku über Michael Schumacher? Ich verstehe nicht einmal, wieso man sowas schreiben sollte.“

2. „Ausländische Banden und deutsche Einzeltäter“
(heise.de/tp, Wolfgang J. Koschnick)
Wolfgang J. Koschnick macht sich ausführlich Gedanken darüber, ob und wie individuelle Eigenschaften von Menschen in einer Story vorkommen sollten: „Alle Kodices stimmen darüber überein, dass die Zugehörigkeit zu einer Minderheit nur erwähnt werden soll, wenn sie im thematischen Zusammenhang relevant ist. In der journalistischen Alltagspraxis machen es sich jedoch die meisten Redakteure zu einfach: Sie verschweigen sie grundsätzlich und scheinen zu glauben, dadurch seien sie aus dem Schneider.“

3. „Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk“
(youtube.com, Video, 42:30 Minuten)
Deef Pirmasens und Christian Schiffer stellen verschiedene Hoaxes vor. Ab Minute 18:30 wird ein Beitrag von LeFloid analysiert.

4. „5 Jahre Flattr: Erinnerung an eine gescheiterte Revolution“
(get.torial.com, Stefan Mey)
Das Bezahlsystem Flattr hätte eine ökonomische Revolution sein können, glaubt Stefan Mey: „Die ökonomische Revolution im Netz ist heute klar gescheitert. Und das ist ein Verlust für alle, für Leser*innen, Blogger*innen und auch für Verlage, denen durch eigene Schuld seit fünf Jahren Einnahmen entgehen. Paid Content meint heute das vorsichtige Aussperren von Nutzern und gilt mit der Definition weitgehend als alternativlos. Mit dafür gesorgt hat eine Fehlentscheidung der Verlage. Und das war vielleicht deren größte kollektive Fehlentscheidung nach der Unterschätzung des Internets in seinen frühen Tagen.“

5. „Der ‘Bild’-Aufzug fährt wieder nach oben“
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber kommentiert die Nachricht, dass Christian und Bettina Wulff wieder ein Paar sind: „Die Versöhnung im Kleinen scheint mit einer Versöhnung im Großen einherzugehen, der Versöhnung eines zum Boulevard gewordenen Paares mit dem Boulevard.“

6. „Emily Surname’s immigration report“
(youtube.com, Video, 3:36 Minuten, englisch)
Ein TV-Bericht zur Zuwanderung von Emily Nachname.

Eritrea, Geo Epoche, Freizeit im Blick

1. „Freizeit im Blick, Realität aber nicht“
(topfvollgold.de, Moritz Tschermak)
„Wie schlimm steht es wirklich um ihn?“, fragt die Zeitschrift „Freizeit im Blick“ bezüglich dem Ende März verstorbenen Karl Moik.

2. „Letzter Platz: Pressefreiheit in Eritrea“
(ndr.de, Video, 6:28 Minuten)
David Isaak sitzt bereits 14 Jahre im Gefängnis. Als Journalist einer Wochenzeitung veröffentlichte er einen offenen Brief, in dem Reformen gefordert wurden.

3. „Friedemann Karig: Die Abschaffung der Wahrheit“
(youtube.com, Video, 51:54 Minuten)
Friedemann Karig beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien und ordnet sie auf einer Achse von heterodox bis orthodox.

4. „Frau Zschäpe und ich“
(journalist.de, Tom Sundermann)
Tom Sundermann ist einer von vier freien Journalisten, die einen Platz am NSU-Prozess zugelost erhielten: „Lange Erklärungsabsätze, in denen die Verbindung zwischen dem Zeugen X und dem NSU-Trio hergestellt wird, sind unvermeidlich. Andernfalls würde ich Berichte über den Prozess zur geschlossenen Veranstaltung machen. Die Diskussion in den Onlinekommentaren bestimmt ein fester Kern aus Lesern, die die Artikel zum Thema genauestens verfolgen – meist vor dem Hintergrund einer eindeutigen politischen Haltung.“

5. „‘Geo Epoche’ irritiert mit verzerrtem ‘Buback-Nachruf'“
(tagesspiegel.de, Eckhard Stengel)
Eckhard Stengel wirft „Geo Epoche“ vor, selektiv beziehungsweise nicht ausführlich genug zu zitieren: „226 Zeilen lang war der Text, doch die meisten Medien zitierten daraus immer wieder nur vier Zeilen: ‘Meine unmittelbare Reaktion, meine ‘Betroffenheit’ nach dem Abschuß von Buback ist schnell geschildert: ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen.'“

6. „Einfach mal das Mikrophon niedersinken lassen!“
(katzundgoldt.de)

Sexismus, ZDF-Lobbyradar, Urheberrecht

1. „‘Sie träumen nachts von mir?'“
(sueddeutsche.de, Christina Koormann)
Zu oft werden Politikjournalistinnen zu Sexismus-Opfern, schreiben französische Journalistinnen in einem Manifest (liberation.fr, französisch): „Die Journalistinnen beschreiben, wie hochrangige Politiker sie während eines gemeinsamen Fluges auf einer Geschäftsreise schlafend fotografierten, wie ‘politische Schwergewichte’ lieber mit ihnen in ein Hotelzimmer gehen wollten anstatt ein Interview fortzuführen, oder wie ein Abgeordneter sich wünschte, dass sie unter einer Arbeiterkluft während einer Fabrikbesichtigung ‘besser nichts anhätten’.“

2. „Warum wir ein neues Urheberrecht brauchen“
(faz.net, Andrea Diener)
Ein Interview mit Julia Reda zum Urheberrecht: „Wir haben das Problem, dass das Urheberrecht nicht mit der technischen Entwicklung schrittgehalten hat. 2001, als es zuletzt auf europäischer Ebene reformiert wurde, gab es noch kein Youtube, es gab kein Facebook, und auch Wikipedia fing gerade erst an. Damals hat man in Europa Mindeststandards für den Schutz von Rechteinhabern erstellt, aber keine Mindeststandards für den Schutz der Allgemeinheit. Die EU legt also fest, was mindestens verboten sein muss, aber nicht, was mindestens erlaubt sein sollte.“

3. „Verteilungskampf in der Bundesliga“
(deutschlandfunk.de, Daniel Theweleit)
Fußball: Bundesliga-Vereine wollen neue Kriterien bezüglich der Höhe von an die Clubs ausgeschütteten Fernsehgeldern besprechen: „Zum Beispiel die Einschaltquoten bei den Live-Spielen im Bezahlfernsehen. Oder die Auslastung des eigenen Stadions. Oder die Menge der Auswärtsfans, die einen Klub begleiten.“

4. „Warum das Lobbyradar so kaum zu gebrauchen ist“
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat bespricht das ZDF-Lobbyradar: „Das Lobbyradar ist in der jetzigen Form kaum zu gebrauchen. Es ist visuell zu überladen und hilft mit seiner einzigen Funktion, der Suche, nicht dabei, Lobbyismus transparenter zu machen.“

5. „Der Hochstapler“
(ndr.de, Video, 30:26 Minuten)
Geschädigte eines Hochstaplers, unter ihnen Journalisten des ZDF und von Zeit.de, erzählen. Siehe dazu auch „Richtig reingelegt“ (taz.de, René Martens).

6. „Astro TV sagt sich selbst schlechte Quoten voraus und stellt vorsorglich Sendebetrieb ein“
(der-postillon.com)

Veit Dengler, Oberursel, Junge Freiheit

1. „Pressefreiheit – Wann, wenn nicht jetzt?“
(alwacker.wordpress.com)
Alexander Wacker fordert ein Informationsfreiheitsgesetz in Österreich: „In Österreich hab ich nach mehreren Diskussionen und Gesprächen mit JournalistInnen nur leider den Eindruck, dass man die Schlussfolgerung ‘Wir haben kein Informationsfreiheitsgesetz, also ein Problem mit der Pressefreiheit’ nicht ziehen möchte oder sich einfach schwer tut, dass Problem beim Namen zu nennen. Ich habe noch nicht ganz durchschaut, woran das liegt. Empfindet man als etablierter Journalist vielleicht Kritik an der Situation als Kritik an der eigenen Berufsethik?“

2. „Er sieht die Brücken brennen“
(zeit.de, Margrit Sprecher)
Margrit Sprecher porträtiert Veit Dengler, den CEO der NZZ-Mediengruppe: „‘Ich mache weiter, bis ich gewinne.’ Das werde, schätzt er, 2017 sein.“

3. „Wir Journalisten sind im Internet nur Gäste“
(welt.de, Kritsanarat Khunkham)
„Wenn man die Social-Media-Kanäle betreut, muss man immer bedenken, mit wem man zeitgleich auftritt und konkurriert: Nachrichten von Freunden, Babyfotos der Kollegen, Urlaubsbilder und bestimmt auch das ein oder andere Haustier-Posting“, gibt Kritsanarat Khunkham zu bedenken: „Wir wollen der Partygast sein, den man immer wieder einlädt, weil er Interessantes zu erzählen hat. Der einen nicht noch mehr verwirrt, wenn es um etwas Wichtiges geht. Und manchmal auch weiß, wann er sich besser zurückhält.“

4. „Auflage der ‘Jungen Freiheit’ steigt“
(taz.de, Andreas Speit)
Andreas Speit liest die „Junge Freiheit“: „Kein Thema des rechten Wutbürgers läst die JF aus. Stein bemüht sich aber, die Grenze nach zu weit rechts nicht zu überschreiten. Vielleicht das Erfolgskonzept der JF.“

5. „Der ‘wohl im letzten Moment vereitelte Terroranschlag in Hessen'“
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Florian Rötzer stellt Fragen zur Festnahme eines Ehepaars in Oberursel: „Bei der Hausdurchsuchung fand man dann eine ‘augenscheinlich funktionsfähige Rohrbombe, ungefähr 100 Schuss Munition, verschiedene Materialien und Chemikalien, geeignet zum Bau weiterer Sprengsätze’. Das sind Verdachtsmomente, die eine Festnahme rechtfertigen, aber ob der Aufenthalt des Mannes an der Strecke des Radrennens damit zu tun hat, dass er einen Anschlag vorhatte, ist bislang, soweit man dies beurteilen kann, pure Vermutung.“

6. „Der Ton macht die Musik“
(brandeins.de, Christoph Koch)
Christoph Koch besucht das Musikhaus Thomann in Treppendorf, das 92 Prozent der 600 Millionen Euro Jahresumsatz online verkauft: „Hans Thomann hat aus dem kleinen Ladengeschäft seines Vaters einen globalen Player gemacht – und das Internet hat ihm dabei geholfen. (…) 60 Prozent des Umsatzes werden inzwischen mit Kunden im Ausland gemacht.“

Baltimore, Blendle, Bahnerth

1. „How Western media would cover Baltimore if it happened elsewhere“
(washingtonpost.com, Karen Attiah, englisch)
Karen Attiah malt sich aus, wie westliche Medien berichtet hätten, wären die Ausschreitungen im Baltimore nach dem Tod von Freddie Gray nicht in den USA passiert.

2. „NZZ-Digitalchefin: ‘Wir müssen im deutschsprachigen Raum zu den Besten zählen'“
(tageswoche.ch, Michaël Jarjour)
Ein Interview mit Anita Zielina, die bei der NZZ als „Chefredaktorin Neue Produkte“ startet: „Wir müssen mehr experimentieren. Das ist tatsächlich etwas, das in den USA deutlich weiter verbreitet ist als in den deutschsprachigen Ländern.“

3. „Stars und Journalisten – ein hinterfragenswürdiges Ökosystem“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Der Umgang mit Stars im Journalismus: „Interviews sind eng getaktet, oft genug wird der Themenkreis der erlaubten Fragen vorgegeben. Immerhin: Je hochrangiger das Medium, desto lockerer diese Regelung: ‘Spiegel’-Abgeordnete dürften in der Regel mehr Frage-Freiheit bekommen als die Abgesandten von ‘Prisma’ oder ‘Düsseldorfer Anzeiger’.“ Siehe dazu auch „Do stars and news need to go their separate ways?“ (theguardian.com, Krishnan Guru-Murthy, englisch).

4. „Fünf Dinge, die Redakteure wirklich nerven“
(pressesprecher.com, Stefan Brunn und Mathias Wolff)
Zwei ehemalige Tageszeitungsredakteure über die Sünden der Pressearbeit: „PR ist Zulieferindustrie. Basta. (…) Vorschriften wie ‘Bitte veröffentlichen Sie die angehängte Pressemitteilung in der Samstagsausgabe’, oder ‘Bitte stimmen Sie sämtliche Änderungen an der PM mit unserer Pressestelle ab’, sind der formvollendete Beweis eines peinlichen Rollenmissverständnisses.“

5. „Blendle: A radical experiment with micropayments in journalism, 365 days later“
(medium.com, Alexander Klöpping, englisch)
Alexander Klöpping resümiert ein Jahr Blendle: „Over the past 12 months we’ve proven in the Netherlands that there’s a new market for publishers, next to selling subscriptions, full issues and advertising. Without spending a single euro on marketing, we gathered over a quarter of a million users.“

6. „Mein Leben mit Michael Bahnerth“
(verlag.baz.ch, Guy Morin)
Politiker Guy Morin antwortet Journalist Michael Bahnerth, der ihm in einem Artikel vorgeworfen hatte, er würde für einen Regierungspräsidenten unwürdige Schuhe tragen.

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