Archiv für 6 vor 9

Dortmund, Pöbler, Turing-Test

1. „Fortsetzung eines verkorksten Krisenmanagements“
(sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
Ralf Wiegand sammelt Reaktionen auf das Buch „Ganz oben, ganz unten“ von Christian Wulff. Siehe dazu auch „Wo Wulff Recht hat“ (zeit.de, Ludwig Greven).

2. „Offener Brief an WELT am SONNTAG, anlässlich des Beitrags ‘Was tun mit Extremisten im Stadtrat?’“
(marco-buelow.de)
SPD-Politiker Marco Bülow schreibt einen offenen Brief (PDF-Datei) an Jan-Eric Peters, in dem er sich über die Darstellung der „Vorfälle am Wahlabend des 25. Mai in Dortmund“, wie sie im Artikel „Was tun mit Extremisten im Stadtrat?“ in der „Welt am Sonntag“ beschrieben sind, beschwert: „Der ganze Ablauf ist nicht nur verzerrt sondern völlig falsch dargestellt worden! Einem Rechtsextremisten der friedlich ohne marodierende Schläger ins Rathaus gekommen wäre, hätte sich niemand in den Weg gestellt, auch wenn er natürlich nicht willkommen gewesen wäre.“

3. „Plöchinger: ‘Die Pöbler hart wegmoderieren’“
(derstandard.at, Oliver Mark)
Ein Interview mit Stefan Plöchinger, dem Chefredakteur von Sueddeutsche.de: „Bei uns beschweren sich inzwischen reihenweise Leser über Kommentare anderer Leser. Wir fragen uns: Senden wir die richtigen Signale an die Mehrheit unserer Leser, wenn immer wieder eine Minderheit von Trollen ansetzt, den Raum unter Artikeln für Rüpeleien zu kapern?“

4. „Ringel, Ringel, Reihe“
(freitag.de, Axel Brüggemann)
Axel Brüggemann macht sich Gedanken über Recherche-Kooperationen zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien.

5. „No, A ‘Supercomputer’ Did NOT Pass The Turing Test For The First Time And Everyone Should Know Better“
(techdirt.com, Mike Masnick, englisch)
Siehe dazu auch „Doch, Journalismus im Netz ist kaputt“ (netzwertig.com, Martin Weigert).

6. „Gedanken zum Tod von Frank Schirrmacher“
(plus.google.com, Wolfgang Blau)
Wolfgang Blau schreibt zum Tod von Frank Schirrmacher: „Ich erinnere mich an Zeiten, in denen er versuchte, mich als digitalen Neo-Liberalen zu brandmarken, doch ich habe ihn immer dafuer bewundert, mit welcher Wucht, aber auch Bescheidenheit er sich bemuehte, das Internet und dessen gesellschaftliche Auswirkungen zu verstehen und anderen zu erklaeren. Er lernte in aller Oeffentlichkeit.“

Hackfleischbrötchen, Hillsborough, Christian Wulff

1. „Wulff bleibt Wulff – wie’s singt und lacht“
(ndr.de, Video, 5:09 Minuten)
Boris Rosenkranz besucht die Pressekonferenz (youtube.com, Video, 53 Minuten) zum Buch „Ganz oben, ganz unten“ von Christian Wulff und stellt Fragen, unter anderem an „Bild“-Mitarbeiter Peter Thiede.

2. „Itzkovitchs Kanone“
(blog.tagesanzeiger.ch/deadline, Constantin Seibt)
Im Journalismus treffe die „Meritokratie des Handwerks“ (Journalisten) auf die „Meritokratie der Effizienz“ (Verlage): „Das heisst, dass einige der ehrgeizigsten Werke der Teppichetage – Synergien, Einsparungen, Kooperationen – von den Journalisten als Sabotage begriffen werden. Während die zentrale Schwäche der Journalisten ist, dass sie kein Geschäft machen wollen, sondern diesen Job.“

3. „Journalisten in der DDR: Der willige Propagandist?“
(freiepressevolontaere.wordpress.com, Jürgen Freitag)
Redakteure der „Freien Presse“ erinnern sich an ihre Zeit in der DDR. Viola Martin: „Ich musste mal jede Menge Stellungnahmen abgeben, nur weil ich geschrieben hatte, dass es abends in Limbach-Oberfrohna kein Brot mehr gab. Und das stimmte.“

4. „Uberflieger des Journalismus“
(gestern-nacht-im-taxi.de, Sash)
Sascha Bors liest Zeitungsberichte zu Taxi-Apps: „Als Fazit bleibt bei mir hängen, dass die Zeitungen wie immer schon die beiden Apps durcheinanderbringen und sich irgendwie auf ‘das Internet’ als Gegner eingeschossen haben. Ein bisschen komisch, wo die Fahrtvermittlung per App – sei es mit taxi.eu durch die traditionellen Zentralen oder mit z.B. MyTaxi als neuem Anbieter – längst einen großen Raum einnimmt. Aber ‘das Internet’ ist ja auch im Journalismus Schuld an allem Übel, wie sollte es beim Taxigewerbe anders sein?“ Siehe dazu auch „Was Taxifahrer und Journalisten verbindet“ (carta.info, Wolfgang Michal).

5. „Mit dem Zweiten wirbt man besser“
(kontextwochenzeitung.de, Jürgen Lessat)
Das ZDF zeigt „industrielle Hackfleischbrötchen“ im besten Licht: „Die Kamera wechselte zwischen saftigen Fleischfladen und hübschen Testerinnen, schnelle Schnitte führten von blitzenden Grillküchen auf grüne Kuhweiden, alles untermalt mit flotter Chart-Mucke, die nur abebbte, wenn Experte Müller oder eine verführerische Stimme aus dem Off die Ergebnisse in den sieben Testdisziplinen verkündete. Und damit auch der dümmste Zuschauer kapierte, um wessen Buletten es sich zur besten Sendezeit im Zweiten drehte, wurden die größten in Deutschland tätigen Fast-Food-Ketten der Fernsehnation heiß serviert. Während des 45-minütigen Burger-Duells tauchten die beiden Firmenlogos der Grillkonzerne Dutzende Male auf.“

6. „Hillsborough: Postal staff refuse to deliver free Sun copies“
(bbc.com,englisch)
Mitarbeiter der britischen Post weigern sich, eine Sonderbeilage der „Sun“ zur Fußball-Weltmeisterschaft auszuliefern, in Erinnerung an die Berichterstattung der Zeitung zur Hillsborough-Katastrophe 1989. „One Royal Mail worker in Skelmersdale said: ‘If they try to make us deliver The Sun on Thursday we will refuse and will be suspended and lose a day’s pay, but we think principles are more important than money.’“

Franz Josef Wagner, Monica Lierhaus, Jaron Lanier

1. „Franz Josef Wagner liebt, hasst, ist froh, hat Angst, weiß, weiß aber vor allem nicht und schämt sich“
(security-informatics.de, Joachim Scharloth)
Eine Auswertung des Gefühlshaushalts von Franz Josef Wagner auf der Grundlage von 1300 Briefen.

2. „Die Schlagzeilen-Souffleure“
(punktmagazin.ch, Florian Schaffner)
„Journalisten sind auf Leute wie Wigdorovits angewiesen“, schreibt Florian Schaffner zum Einfluss von Kommunikationsarbeitern auf Journalisten am Beispiel von PR-Berater Sacha Wigdorovits: „Laut Kevin Roose, Journalist beim New York Times Dealbook, kommen die grossen Stories, die Primeurs, nur zustande, weil ein Insider aus Eigeninteresse einem Reporter Insiderinfos zusteckt. Dass ein Journalist in Eigenregie etwas aufdeckt, passiere so gut wie nie.“

3. „Manipulierte Nachrichten im Ukrainekonflikt“
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Sonja Álvarez stellt die Website Stopfake.org vor: „Finanziert wird die Arbeit von Stopfake.org per Crowdfunding, mehr als 8000 US-Dollar seien bereits gespendet worden.“

4. „Zweite Halbzeit“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Gabriela Herpell)
Monica Lierhaus wird für Sky Hintergrundgespräche zur Fußball-Weltmeisterschaft führen. „In der ersten Zeit nach der Reha wechselten Leute, die sie erkannten, die Straßenseite, wenn sie Monica Lierhaus in Eppendorf begegneten. Sie konnten nicht damit umgehen, wie beeinträchtigt die Frau war, die sie aus dem Fernsehen kannten. Eines Abends sagte Monica Lierhaus zu Rolf Hellgardt, dass sie sich wie ein Monster fühle und nicht mehr rausgehen wolle. Da wusste Hellgardt, dass sich etwas ändern musste. Er kam auf die Idee, dass sie sich im Fernsehen zeigen sollte. Damit die Leute erfuhren, wie es um sie stand, und sich daran gewöhnen könnten.“

5. „Virtuelle Realität. Der Friedenspreis für Jaron Lanier – und die Missverständnisse, auf denen er beruht“
(merkur-blog.de, Florian Cramer)
Florian Cramer würdigt Jaron Lanier, den Gewinner des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2014: „Mit Jaron Lanier zeichnet der deutsche Buchhandel ironischerweise einen Computerentwickler aus, der Zeit seines Lebens versucht hat, Computer und digitale Medien von der Dominanz der geschriebenen Sprache zu befreien.“

6. „Die drei Fragezeichen: Wer? Was? Wo?“
(zdf.de, Video, 2:21 Minuten)
Wie Generalbundesanwalt Harald Range die „Freiheits- und Bürgerrechte“ verteidigt.

Katja Kipping, Bundestagswahlkampf, Trolle

1. „Missbrauchte Politik“
(bild-studie.de, Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz)
Der dritte und letzte Teil der „Bild“-Studie der Otto-Brenner-Stiftung widmet sich der Rolle von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ im Bundestagswahlkampf 2013 (otto-brenner-stiftung.de, PDF-Datei). „Die beiden Autoren machen deutlich: Egal welche Personen und Parteien die beiden Boulevardmedien favorisieren oder benachteiligen, ‘Bild’ und ‘BamS’ geht es in erster Linie immer um sich selbst. Sie benutzen ihre politischen Freunde kaum weniger als ihre politischen Gegner für den eigenen Erfolg, der sich in Auflage, Werbeeinnahmen und am Ende in der Jahresbilanz niederschlagen soll.“

2. „Eine Klarstellung“
(katja-kipping.de)
Katja Kipping schreibt zum „Spiegel“-Artikel „Katja, die Grobe“: „So sehr ich mich über den Spiegelartikel geärgert habe, so sehr kann ich sagen: Es lohnt sich wirklich diesen Artikel gründlich zu lesen und zu studieren. Er ist ein hervorragendes Studienobjekt für feministische Diskursanalyse. Was bei Männern in verantwortungsvollen Positionen als professionell und durchsetzungsstark gilt, wird bei Frauen schnell ins Anrüchige/ Intrigante/ Machtbesessene verschoben.“

3. „SRF wirbt für Salzgebers Beiz“
(schweizamsonntag.ch, Sacha Ercolani)
SRF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber eröffnet ein Restaurant. Und das SRF-People-Magazin „Glanz & Gloria“ strahlt „zur besten Sendezeit einen dreiminütigen Bericht über das neue Engagement des beliebten und gut bezahlten Sportmoderators aus“.

4. „ARD/ZDF-Mediatheken: Der Sieben-Tage-Skandal“
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff erinnert daran, dass ein großer Teil der öffentlich-rechtlichen Inhalte im Internet nach sieben Tagen wieder gelöscht werden muss: „Ich habe allerdings den Verdacht, dass dieses Versagen den öffentlich-rechtlichen Sendern gar nicht einmal so ungelegen kommt. Schließlich haben sich die Anstalten längst eingerichtet und gelernt, mit der Siebentagefrist zu leben.“

5. „Unser Jahr mit Edward Snowden“
(faz.net, Frank Rieger)
Frank Rieger bilanziert die bisherigen Auswirkungen der Snowden-Leaks: „Das große Verdienst des Edward Snowden ist es, uns die Augen über die dunkle Seite der Technologien, die unser Leben dominieren, geöffnet zu haben und darüber, wie die Geheimdienste sie benutzen, um ihre Vision der totalen Informationskontrolle umzusetzen. Vermutlich unbeabsichtigt hat er uns aber auch gezeigt, wie defekt und ungeeignet für die drängenden Fragen des Digitalzeitalters die derzeitigen politischen Prozesse sind.“ Siehe dazu auch „Ratlos, privatlos“ (golem.de, Peter Glaser).

6. „Wie erkenne ich einen Russland-Troll?“
(juergvollmer.ch)
Nach dem Vorbild von „How to spot a Russian Twitter troll“ (ukraineatwar.blogspot.de, P. Martin, englisch) erstellt Jürg Vollmer eine Liste von Trollen: „Gemäss Recherchen von regierungskritischen Medien in Russland sind diese Trolle bei staatlich gesteuerten ‘Agenturen’ angestellt, die in einem Netzwerk verknüpft sind.“

Lange Undercover, taz, Verschlüsselung

1. „Unsaubere Arbeit? Sat.1 distanziert sich von Meta Productions“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Vorwürfe gegen die Sat.1-Sendung „Lange Undercover“: „Ein vermeintlich journalistisches Format aus dem vermeintlich ehrenwerten Hause Meta Productions, seit 1998 übrigens Teil des internationalen TV-Produktionshauses Endemol, soll einzelne Szenen nachgedreht oder gar gänzlich gestellt haben. Aufsager von Reporter Daniel Lange, in denen er dem Zuschauer gegenüber den Eindruck erweckt, bei einer Recherche vor Ort zu sein, wurden in Berlin nachgedreht. Sogar das Engagieren von Protagonisten gegen Bezahlung wird vorgeworfen.“

2. „Gerichtsurteil: ‘taz’ diskriminiert Männer“
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Nach einem Urteil des Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg muss die „taz“ einem männlichen Bewerber eine Entschädigung wegen Diskriminierung zahlen: „Die ‘taz’ hatte eine ihrer freien Volontärsstellen ausschließlich für eine Frau mit Migrationshintergrund ausgeschrieben und lehnte die Bewerbung von Männern – unter ihnen die des Klägers – von vornherein ab. Die ‘taz’ hatte die Benachteiligung von Männern für gerechtfertigt gehalten. Sie sei erforderlich, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen im Journalismus zu erhöhen.“

3. „Ukraine: ‘Das Thema ist tot’“
(ostpol.de, Moritz Gathmann)
Moritz Gathmann schreibt aus Donezk: „Auf der Terrasse sitzen polnische Journalisten, Franzosen, Amerikaner und Spanier. Bemerkenswert abwesend sind die deutschen Journalisten: Neben mir sitzt dort Ende vergangener Woche nur noch Stefan Scholl, langjähriger Moskau-Korrespondent für deutsche Regionalzeitungen.“

4. „Sauberer Journalismus oder ‘wie eine Sensationsmeldung zustande kam…’“
(hsv-arena.net)
Fußball: Gerüchte über Nico-Jan Hoogma als neuer Sportchef des Hamburger SV.

5. „Europawahl 2014: Fehlerserie bei Ergebnis-Karten“
(kobuk.at, Saskia Etschmaier)
Auf Karten visualisierte Europawahl-Ergebnisse von Diepresse.com, Spiegel.de und „Österreich“.

6. „Snowden-Enthüllungen: Wir müssen dran bleiben und einen langen Atem haben“
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Verschlüsselung, zum Beispiel von E-Mails, sollte „Pflicht für alle Journalisten und alle politisch Aktiven“ sein, schreibt Markus Beckedahl in einer Bestandesaufnahme ein Jahr nach den Snowden-Leaks: „Auch ein Jahr nach Snowden ist es immer noch nicht möglich, mit jedem Journalisten auf einem verschlüsselten Weg zu kommunizieren.“

Eichhörnchen, Daniel Ellsberg, Literaturclub

1. „#Heftigstyle: Bitte hört auf mit der Prostitution!“
(tobiasgillen.de)
Tobias Gillen warnt journalistisch arbeitende Titel davor, dem Clickbaiting-Erfolg „wie ein Eichhörnchen auf Speed seinen Nüssen“ hinterherzurennen: „Qualitativ hochwertige Themen finden ihre Leser auch ohne solche Teaser. Und sie werden auch geteilt.“

2. „Der ‘Literaturclub’ und die ‘Besserwisser’“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Das Schweizer Fernsehens reagiert auf das von Elke Heidenreich erfundene Heidegger-Zitat mit dem Vorwurf an den (inzwischen von seiner Leitungsposition entbundenen) Moderator Stefan Zweifel, er habe sich „lehrerhaft und besserwisserisch“ verhalten. „Ist jemand besserwisserisch, wenn er auf ein falsches Zitat mit heiklem Inhalt aufmerksam machen will? Nein, er nimmt in einem solchen Fall bloss seine journalistische Pflicht wahr.“

3. „‘Snowden würde direkt ins Gefängnis wandern’“
(freitag.de, Daniel Ellsberg)
Whistleblower Daniel Ellsberg begründet, warum er glaubt, dass Whistleblower Edward Snowden in den USA keinen fairen Prozess erhalten würde.

4. „‘Was bei Google unauffindbar ist, existiert für viele nicht’“
(tagesanzeiger.ch, Reto Hunziker)
Für 90 Franken die Stunde sucht Alexander Wenger nach Menschen: „Ich musste zum Beispiel herausfinden, wo ein Mann 1975 gewohnt hat. Das elektronische Archiv des Einwohnermeldeamtes reichte allerdings nur bis ins Jahr 2002 zurück. Teilweise haben die Beamten selbst keine Ahnung, dass ältere Daten beispielsweise im Keller des Gemeindehauses aufbewahrt werden.“

5. „Vergewaltigungswitz der @Bild-Zeitung kein Fall für den Presserat. Ihr erinnert euch?“
(upgrademeblog.com)
Andreas Weck erhält Post vom Presserat. Ein von ihm beanstandeter Witz in „Bild“ sei kein Verstoß gegen den Pressekodex.

6. „Tankstelle überfallen: ‘Bild’-Sportreporter muss 13 Monate in JVA Landsberg einsitzen“
(der-postillon.com, Satire)

Viralplattformen, Stuttgart21, Glenn Greenwald

1. „Heftig.co & Urheberrecht – Ein erfolgreiches, aber riskantes Geschäftsmodell“
(rechtzweinull.de, Carsten Ulbricht)
Ein Blick auf das Geschäftsmodell von Viralplattformen aus urheberrechtlicher Sicht: „Die schlichte Übernahme fremder (übersetzter) Texte, Bilder und Videos stellt sich ohne entsprechende Zustimmung des Rechteinhabers nach deutschem Recht in aller Regel als Urheberrechtsverletzung dar. Der Rechteinhaber kann im Wege der Abmahnung oder Klage Unterlassungs-, Kostenerstattungs- und Schadenersatzansprüche gegen die Betreiberfirma (bzw. in vielen Fällen auch gegen die Geschäftsführer persönlich) geltend machen.“

2. „Die Klickdiebe“
(journalist.de, Jakob Schulz)
Auch Jakob Schulz widmet sich dem Erfolg von Boulevardportalen, die auf virale Inhalte setzen: „Die Macher setzen auf die Gelangweilten dieser Welt, die sich über leicht zu konsumierende Inhalte freuen.“

3. „Fakten, Fakten, Fakten und glatte Lügen“
(kontextwochenzeitung.de)
Focus.de behauptet in einer „Leserdebatte“ zu Stuttgart21 zunächst: „Die Gegner trieben die Kosten von 2,4 Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden Euro.“

4. „American Empire – Glenn Greenwald – Jung & Naiv: Episode 168″
(youtube.com, Video, 47:37 Minuten, englisch)
Tilo Jung befragt Glenn Greenwald am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Siehe dazu auch das Transkript der Folge (netzpolitik.org).

5. „Mit unserer Anleitung basteln Sie sich in fünf Minuten ein Drehbuch, das es mit jedem Sonntagabendfilm auf SRF aufnehmen kann“
(watson.ch, Simone Meier und Patrick Toggweiler)
Ein Plotgenerator für den Sonntagabendfilm im Schweizer Fernsehen.

6. „Erspart dir den Klick“
(twitter.com/Erspartdenklick)

Wladimir Putin, Tilo Jung, Saved You A Click

1. „Die Putin-Show“
(nzz.ch, Ulrich M. Schmid)
Die Dramaturgie der Ukraine-Krise habe das russische Fernsehen wie eine Fernsehserie inszeniert, schreibt Ulrich M. Schmid: „Die erste Staffel begann mit einem inszenierten Blick hinter die Kulissen der Macht: Putin liess sich vom Föderationsrat die Ermächtigung zum Einsatz der Armee ausserhalb von Russland geben. (…) Anschliessend wechselte das Genre vom Politdrama zur Science-Fiction. Aus dem Nichts tauchten ‘grüne Männchen’ auf der Krim auf. Wie bei Eindringlingen vom Mars wusste man zunächst nicht, ob sie gefährlich sind oder ob man ihnen vertrauen kann. Dieses sorgfältig aufgebaute Spannungsmoment wurde im Zeitraffer aufgelöst: Innerhalb von wenigen Tagen kam es in einer Serie von Paukenschlägen zum Referendum, zur Unabhängigkeitserklärung und zum Anschluss an Russland.“

2. „Kommentar zu ‘Macht Google jetzt das Internet kaputt?’“
(sistrix.de, Hanns Kronenberg)
Hanns Kronenberg befasst sich mit dem Artikel „Macht Google jetzt das Internet kaputt?“ auf Welt.de.

3. „Warum ich die Krautreporter unterstütze“
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel unterstützt Krautreporter.de: „Das offene Netz ist heute der einzige denkbare Ort einer breiten Öffentlichkeit. Hauptimpulse dafür sollten nicht von überkommenen Akteuren oder der Politik – sondern von den Bürgern selbst kommen.“

4. „Ein Typ zum Kuscheln“
(faz.net, Mareike Nieberding)
Mareike Nieberding porträtiert Tilo Jung, den Macher von „Jung & Naiv“: „Joiz bewirbt Jungs Format mit der Zeile, Jung stelle ‘die Fragen, die sich sonst keiner zu stellen traut’. Vielleicht stellt sie aber auch einfach kein anderer Journalist, weil Politikberichterstattung von Entwicklung lebt und nicht davon, immer wieder von vorne anzufangen. Und weil es im Journalismus nicht nur darum geht, komplexe Fragen zu erklären; sondern auch darum, die Intelligenz der Zuschauer nicht zu beleidigen.“

5. „Heftig.co-Gründer: ‘Wir klauen nicht’“
(wiwo.de, Michael Kroker und Peter Steinkirchner)
„Wir betreiben keinen Journalismus“, erklären Michael Glöß und Peter Schilling von Heftig.co. Zielgruppe des Portals seien „weibliche Nutzer eher jüngeren Alters, die bisher kaum Medien konsumieren“: „Das sind, salopp gesagt, Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, die eigentlich nicht medienaffin sind.“

6. „Saved You A Click“
(twitter.com/savedyouaclick, englisch)
„Don’t click on that. I already did.“

Shitstorm, Stalin, Livejournalismus

1. „Mein erster Shitstorm“
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Sebastian Leber wertet Reaktionen auf einen Artikel von ihm aus: „Der Sturm dauerte etwa 36 Stunden, und was ich nicht für möglich gehalten hätte: Er flaute genau so schnell ab, wie er gekommen war. Mir völlig unbekannte Menschen, die gestern noch geschworen hatten, mich fertig zu machen, bis ich nicht mehr Piep sagen könne, waren plötzlich verstummt.“

2. „‘Heute’ gibt Blondine die Schuld an Amoklauf“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr befasst sich mit der „Heute“-Schlagzeile „Amoklauf: Weil ihm diese Blondine das Herz brach?“.

3. „Geschichte für Trottel“
(faz.net, Jörg Baberowski)
Geschichtsprofessor Jörg Baberowski schaut eine TV-Doku über Josef Stalin: „Fast alles, was über Ereignisse und Personen in dieser Dokumentation gesagt wird, ist falsch. Aus Stalins Geheimdienstchef Nikolai Jeschow wird ‘Nikolai Leschow’, aus Generalfeldmarschall Paulus – General von Paulus, aus Stalins Sekretär Poskrjobyschew – Poskrebischew. Unablässig spricht der Kommentator von Russland und den Russen. Der Zweite Weltkrieg sei ein Krieg der Russen gewesen. Haben die Dokumentarfilmer jemals davon gehört, dass die Sowjetunion ein Vielvölkerreich, Stalin ein Georgier, Trotzki ein Jude und Mikojan ein Armenier war?“ Siehe dazu auch „Fernsehdokumentationen“ (schmalenstroer.net).

4. „Ein Plädoyer für den Livejournalismus und gegen die Beleidigungen der Krautreporter“
(christoph-herwartz.blogspot.de)
„Der Livejournalismus ist angemessen, er wird gebraucht“, findet Onlinejournalist Christoph Herwartz, der seine Arbeit vom Projekt Krautreporter.de „ins Lächerliche“ gezogen sieht: „Schnelligkeit ist anstrengend und hat ihren Preis. Jeder meiner Texte könnte besser sein, wenn ich die Zeit hätte, länger über die These nachzudenken und mehr Aspekte zu recherchieren. Dass ich schnell sein muss, hängt auch damit zusammen, dass wir mit wenigen Redakteuren viele Texte schreiben. Aber es liegt vor allem daran, dass die Aufmerksamkeit für aktuelle Themen exponentiell abfällt.“

5. „Das Recht auf private Suchmaschinenzensur am Beispiel von Bettina Wulff“
(blog.alvar-freude.de)
Alvar Freude schreibt über das vom EuGH zementierte Recht auf Vergessenwerden: „Wenn tatsächlich ein relevanter Anteil der Menschen in Deutschland Inhalte aus Suchmaschinen entfernt haben will, dann wird die Meinungs- und Informationsfreiheit deutlich eingeschränkt werden. Denn es geht ja explizit nicht um rechtswidrige Inhalte, die nicht mehr gefunden werden sollen, sondern um rechtmäßige, von denen aber die betroffene Person sich nicht richtig dargestellt sieht. Statt zu einem Ort der Meinungsfreiheit, der innerhalb des geltenden Rechts auch kritische und verrückteste Meinungen duldet, könnte das Internet im Extremfall ein Stückchen mehr zum unkritischen, lobhudelnden Konsummedium für das Klickvieh werden.“

6. „Woher die Leser der Nachrichten- und Click-Bait-Sites kommen“
(netzoekonom.de, Holger Schmidt)

Urheberrecht, Politpunks, Terrorgedanken

1. „Das ist heftig: Die Viralseiten-Macher und ihr Verhältnis zu Urheberrechten“
(http://www.rhein-zeitung.de, Lars Wienand)
„Die Wahrung der Urheberrechte hat bei uns Priorität“, behaupteten die Macher von heftig.co bei ihrem Gang an die Öffentlichkeit. Wienand fragt nach und bekommt im Detail eine ganz andere Antwort: „‘Beckmesserisch’ sei die Frage – also kleinlich und pedantisch. ‘Es ist doch für jedermann klar erkennbar, dass die meisten Inhalte bei Viralnova selbst von anderen Webseiten kopiert sind. Also verfügt Viranova offenbar selbst in der Regel gar nicht über die Rechte.’“

2. „Mehr Punk, weniger Hölle!“
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Die Bankenkrise spülte den Komiuker und Anarchisten Jon Gnarr in das Amt des Bürgermeisters von Reykjavik. Mit erstaunlichem Erfolg. „Jon ist wie eine gute Grossmutter: Er macht sehr viel aus sehr wenig. Wir zeigten, dass man viel Spass haben kann, auch ohne Geld. Das gilt auch für die Revolution: Jon und wir redeten grundsätzlich mit allen. Man kann auch das Klassensystem einreissen ohne Geld.“

3. „Der Terror und ich’“
(http://www.zeit.de/zeit-magazin/, Yassin Musharbash)
Der Journalist Yassin Musharbash reflektiert darüber, wie und wieso er die Geschichte der Anschläge vom 11. September 2001 ergründet: „Ich glaube, dass wir alle vorher mehr Grautöne akzeptiert haben. Ich glaube, dass 9/11 der Tag war, an dem das Graue starb. An dem wir uns, eher unwissentlich und kaum spürbar und manche eifriger als andere, zum Teil als Individuen, zum Teil als Staaten oder Gesellschaften, plötzlich ausgerichtet haben wie Eisenspäne unter dem Einfluss eines Magnetfeldes.“

4. „Vor dem Bildschirm lernen“
(sueddeutsche.de, Marion Neumann)
Die Süddeutsche Zeitung wirft einen Blick aufs Kinderprogramm im deutschen Fernsehen. „Doch auch, wenn genügend Angebot vorhanden ist – kommen Armins und Willis wirklich gegen Disney-Superhelden an? ‘Kinder müssen erst einmal erfahren, dass diese Art von Fernsehen attraktiv sein kann. Die Eltern müssen sie daran heranführen’, erklärt Götz.“

5. „Nö. Tschö.“
(lawblog.de, Udo Vetter)
Dass die Generalbundesanwaltschaft nicht in der NSA-Affäre ermitteln will, stößt bei Strafverteidiger Udo Vetter – gelinde gesagt – auf Unverständnis: „Aber wenn der Generalbundesanwalt sich lächerlich machen und – leider – das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Justiz weiter untergraben will, bitteschön. Möglicherweise haben wir ja ohnehin mit nichts anderem gerechnet.“

6. „Geheimwissen um Katzenbilder erreicht die Massenkultur“
(irights.info, Dirk von Gehlen)
Dirk von Gehlen sieht in dem Spiel mit Memen eine neue Art des Fernsehens, das von Moderatoren wie Jimmy Kimmel gepflegt wird. „Er hatte keine ahnungslosen Passanten in der Fußgängerzone in die Irre geführt, sondern mit den gängigen Mechanismen der Web-Öffentlichkeit gespielt. Das ist auch deshalb spannender, weil es das Risiko des Scheiterns in sich trägt.“

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