Archiv für 6 vor 9

Zwangsweise, Sprechweise, Schätzungsweise

1. Der Mann, der gegen alles kämpft, was links ist
(welt.de, Kathrin Spoerr)
Einige Journalisten kennen seinen Namen. Als „Der Kampfschlesier“ bombardiert er sie mit wütenden Mails. „Journalistenpack“ nennt er sie, „Linksgrün versifft“, „verlogen“, „widerlich“, „dreckig“… Auch „Welt“-Redakteurin Kathrin Spoerr ist ins Visier des Leserbriefschreibers geraten. Statt die Mails zu löschen, hat sie Kontakt aufgenommen und ihn bei sich zu Hause besucht. Herausgekommen ist der Versuch einer Näherung und ein wohltuend leises und zartes Stück Journalismus.

2. Wie Menschen, nur anders
(zeit.de, Mely Kiyak)
„Wir wollten Arbeitskräfte und Menschen kamen.“ Haben Sie auch gedacht, dieses Zitat käme vom ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm? Fehlanzeige! „Zeit“-Kolumnistin Mely Kiyak rückt die Sache gerade und ordnet das Zitat der richtigen Person zu: Max Frisch. Dazu hat sie sich nochmal in die Originallektüre vertieft: „Bei jeder Zeile liest man und denkt, ja ja, genau so ist das, das sollte der Gauland mal lesen! Aber dann besinnt man sich und denkt: Oh Gott, die sind alle so blöd, dass sie wirklich denken, dass Norbert Blüm von selbst zu einer so poetischen und präzisen Aussage gekommen sei, na ja, jedenfalls – und nur darum sollte es heute gehen: Es war der Frisch und nicht die Lärsche von Rüüselshaaaim.“

3. Nachrichtennutzung der 18- bis 24-Jährigen geht zurück
(hans-bredow-institut.de)
Das Hans-Bredow-Institut für Mediennutzung an der Uni Hamburg hat die deutschen Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2016“ veröffentlicht. Demnach ist die Nachrichtennutzung in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr in allen Gattungen zurückgegangen, ob Fernsehen, Radio, Print oder Online. Erstaunlich: Die Hälfte der befragten Internetnutzer über 18 Jahren nennen weiterhin das Fernsehen als die wichtigste Nachrichtenquelle, für etwa ein Viertel ist es das Internet. Damit spiele das Internet für die Deutschen im internationalen Vergleich in Sachen Nachrichten die geringste Rolle.

4. Die Berichterstattung zu dem Orlando-Attentat
(radioeins.de, Stefan Niggemeier, Audio 4:54)
Das Attentat von Orlando war ein Hassverbrechen gegen Schwule und Lesben. Dies ist von vielen ausländischen Politikern und Medien auch von Beginn an so benannt worden, nur die deutsche Regierung blieb in ihrer Stellungnahme im Allgemeinen. „radioeins“ hat mit dem Medienjournalisten und „Übermedien“-Macher Stefan Niggemeier gesprochen und gefragt: „Musste die Kanzlerin wirklich ausdrücklich betonen, dass es um eine Homosexuellen-Bar in Orlando ging?“

5. Hunderte, Tausende, Zehntausende – eine kleine Demozahlenlehre
(metronaut.de, John F. Nebel)
Teilnehmerzahlen von Demonstrationen sind ein Politikum und jeder geht anders mit ihnen um, ob Veranstalter, Medien oder Polizei. John F. Nebel beschreibt in seinem Artikel die Problematik und arbeitet einige Zahlen auf. Außerdem beschreibt er die Fallen, in die man als Veranstalter bei der Nennung von Zahlen tappen kann. Journalisten gibt er den Tipp, nicht die ersten Agenturzahlen oder die reinen Polizeizahlen zu übernehmen, sondern immer auch die Zahl des Veranstalters kommunizieren und gegebenenfalls eine eigene Einschätzung zu liefern.

6. Walulis‘ Medientypen: Der Sportreporter
(ndr.de, Video, 2:44)
„Glanz und Elend eines Sportreporters – oder: Wollen Sie etwa für immer einen 19-Jährigen danach fragen, wie er den Ball reingemacht hat?“

Faktenzoom, News-Traumata, Medien-Trump

1. Faktenzoom
(faktenzoom.de)
Zwölf angehende Journalistinnen und Journalisten der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft haben ein tolles journalistisches Projekt auf die Beine gestellt: „Faktenzoom“. Der Journalistennachwuchs hat dazu über mehrere Wochen die beliebtesten Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen geschaut und die Aussagen der teilnehmenden Politiker auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Aus Transparenzgründen haben die Projektmacher eine Google-Tabelle mit allen Aussagen aller Politiker und der jeweiligen Bewertung verlinkt. Die Rangliste im negativen Sinn führt übrigens Frauke Petry (AfD) an: Nahezu ein Drittel ihrer Behauptungen mussten die Faktenzoomer beanstanden, gut 15 Prozent seien komplett falsch gewesen.

2. Journalismus: Seriöse Stimme in Social Media
(kurier.at, Marco Weise & Georg Leyrer)
„GEN Summit 2016“ nennt sich die große, internationale Medienkonferenz, die vom 15. bis zum 17. Juni in Wien stattfindet. Im Vorfeld hat sich der österreichische „Kurier“ mit einem der Teilnehmer unterhalten: Jim Roberts, dem ehemaligen Journalist der New York Times und Chefredakteur von Mashable. Natürlich ging es um die Zukunft des Journalismus und der findet nach Roberts auf dem Handy statt. „Qualitätsjournalismus muss sich mehr an die technischen Gegebenheiten, an die Geräte anpassen, auf denen die Menschen Nachrichten konsumieren. Denn wenige werden bereit sein, einen Artikel mit 3000 Wörtern auf dem Smartphone zu lesen.“

3. ARD und ZDF suchen einen Prügelknaben
(faz.net, Michael Hanfeld)
Bei der Euro 2016 kommen die von den Fernsehsendern gezeigten Livebilder direkt vom Veranstalter, dem europäischen Fußballverband Uefa. Und der will nur die schönen Seiten zeigen und lässt alles weg, was stören könnte wie z.B. prügelnde Hooligans. Nun haben ARD und ZDF bei der Uefa Beschwerde gegen diese Praxis eingelegt. Die Klage sei scheinheilig, so Michael Hanfeld von der „Faz“: Mit einem Riesentross angereist, sollten die Sender sich selbst zu helfen wissen.

4. Neue psychische und ethische Anforderungen an Nachrichtenjournalisten
(de.ejo-online.eu, Stefan Frerichs)
Dr. Stefan Frerichs (Online- und Social-Media-Redakteur bei „ARD.de“) berichtet von den Anforderungen an Nachrichtenredaktionen und Redakteuren bei ungewöhnlichen Ereignislagen wie Anschlägen oder Katastrophen. Diese lägen nicht nur in der quantitativen, sondern auch in der qualitativen Mehrbelastung. Außerdem könne der direkte, ungefilterte Zufluss von schockierenden Fotos und Videos für Nachrichtenjournalisten eine psychische Belastung bedeuten, auf die sie nicht ausreichend vorbereitet seien. Frerichs legt eine Liste zur Trauma-Vorbeugung vor und führt die entscheidenden Fragen zum Thema „Bildethik“ auf.

5. Klickt extrem gut? Die Medien und die Populisten
(krautreporter.de, Christian Fahrenbach)
Der in New York arbeitende Christian Fahrenbach beobachtet einen veränderten Umgang der amerikanischen Medien mit Donald Trump. Dieser hätte in der Vergangenheit wie kein Zweiter die Anforderungen des modernen Medienbetriebs bedient. („Er ist zugänglich und verfügbar, bietet eine Underdog-Geschichte und hat jahrelang extrem viel über das System gelernt. Der Mann tut zwar, als könnte er die Medien nicht leiden, aber er ist dauerverfügbar und gibt morgens bereits ein halbes Dutzend Telefoninterviews für die Morgenshows im Fernsehen – für Journalisten ist das extrem bequem.“) Bislang habe zwischen ihm und den Medien ein „Ausgewogenheits-Nichtangriffspakt“ bestanden, doch seit ein paar Wochen sei alles anders und Medien würden zunehmend kritisch berichten und hinterfragen.

6. Was machen Journalisten, die kuratieren?
(journalist.de, Svenja Siegert)
Der „journalist“ beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe mit dem Kuratieren von Nachrichten und stellt einige bestehende Angebote, aber auch neue journalistische Startups vor. In der Onlineausgabe kann man lesen, was drei Kuratoren über ihre Arbeit sagen: der „Managing Editor“ bei Blendle Deutschland, der „Head of Editorial“ bei Springers News-App Upday und der „Head of Curation“ beim Start-up Niuws. (Interner Hinweis an meine BILDblog-Vorgesetzten: Ich will auch so einen schicken Titel!!! Vielleicht „Chief Media Curating Officer“? Oder ist was mit „Director“ drin?)

US-Wahlen, Platzverweis, Remote Gold

1. Die Hybris der Journalisten
(welt.de, Susanne Gaschke)
Susanne Gaschke kennt die Medien von verschiedenen Seiten. Als Journalistin arbeitete sie u.a. für die „Zeit“, als politisch engagierte Frau war sie sogar einige Zeit Oberbürgermeisterin von Kiel. In einem Aufsatz in der „Welt“ konstatiert sie, dass Medien in der Bevölkerung mittlerweile ebenso unbeliebt seien wie viele Politiker und der Journalismus sich teilweise als vierte Gewalt aufspiele. Gaschke geht der Frage nach, wie es zu diesem fatalen Zerwürfnis kommen konnte.

2. Interview: Amerikas Mitte ist nüchterner als der überhitzte Medienbetrieb
(carta.info, Tobias Endler)
Tobias Endler spricht auf „Carta“ mit dem langjährigen Fernsehjournalist und Buchautor Klaus Scherer über den US-Wahlkampf, die immer dichtere Taktung der News-Zyklen, das Phänomen Donald Trump und die Polarisierung der US-Medien. Problematisch sei vor allem eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten: „Der Supreme Court hat zuletzt die Schleusen im Wahlkampf geöffnet, seither können Unsummen einfließen, ohne dass sich ein Konzern oder Privatmensch dazu bekennen muss. Auch Firmen gelten als Privatpersonen. Selbst viele Republikaner haben in Gesprächen beklagt, dass man da den Eindruck haben muss, das Weiße Haus sei zu kaufen.“

3. Großes Mediengesetz verschoben
(reporter-ohne-grenzen.de)
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen ist Polen in diesem Jahr um 29 Plätze auf Rang 47 von 180 Staaten abgestürzt. Es kann vermutet werden, dass Polen weiter nach unten fallen würde, wäre das sogenannte „Große Mediengesetz“ in Kraft getreten. Jüngsten Äußerungen der polnischen Regierung zufolge soll es nun aufgespalten und vertagt werden. Reporter ohne Grenzen ruft die Regierung in Warschau auf, das Gesetz zu überdenken und zentrale Posten nicht länger nach politischen Kriterien zu vergeben.

4. Die Polizei, Helfer der Rechten?
(taz.de, Konrad Litschko)
Ende Mai veranstaltete die NPD auf einem öffentlichen Sportplatz im thüringischen Leinefelde-Worbis ihren jährlichen „Eichsfeldtag“, ein Rechtsrockkonzert und Kinderfest. Journalisten wollten darüber berichten und fotografierten das braune Event. Daraufhin kassierten sie Platzverweise der vom Veranstalter hinzugerufenen thüringischen Polizei. Die Journalisten reichten nun Klage vor dem Verwaltungsgericht Weimar ein.

5. Remote gold
(epa-photos.com, Shawn Thew)
Im Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen die Ukraine kam es zu einer kuriosen Rettungsaktion von Jerome Boateng, der mit einem artistischen Sprung ins Tor das 1:1 verhinderte. Mindestens ebenso kurios ist die Entstehungsgeschichte des vielleicht jetzt schon berühmtesten Sportfotos des Jahres, das seine artistische Einlage dokumentiert. Pressefotograf Shawn Thew schreibt über den denkwürdigen Abend und die von ihm per Fußpedal ferngesteuerte Kamera. In der Halbzeitpause kontrollierte er den Apparat und war zunächst enttäuscht: Die Kamera war umgekippt und hatte etwa 100 Aufnahmen des Stadiondachs gemacht. Doch dann stieß er auf das, was er „Remote Gold“ nennt…

6. Look where „Spiegel“ gets its cover ideas… Ours came out on 27 April.
(www.facebook.com/BusinessSpotlight)
Eine Idee, zwei Cover…

Gemartensteint, UEFA-Weichspüler, ForestFakeNews

1. Martenstein übernimmt den „Tagesspiegel“
(carta.info, Franz Sommerfeld)
„Carta“-Kolumnist Franz Sommerfeld sieht den „Tagesspiegel“ durch ihren Kolumnisten Martenstein bedroht. Dieser wechsle zusehends ins Genre des politischen Leitartikels und gebe dem Blatt eine neue Farbe, die besonders AFD-Anhänger anspreche. Als Beispiel dient Martensteins jüngster Beitrag: „In seinem Leitartikel über die Flüchtlingsbewegung finden Krieg und Bombardements als Fluchtursache kaum noch statt, sondern die Fluchtursachen reduzieren sich auf die Sehnsucht, in unserem Wohlstand leben zu dürfen und uns damit, so Martenstein, „Armut und Bürgerkrieg“ zu bescheren.“

2. Nicht sauber, sondern rein
(taz.de, Jürn Kruse)
Szenen randalierender Fußball-Fans im Stadion blendet die Uefa einfach aus. Dadurch verkauft der Veranstalter die Zuschauer für dumm, findet „taz“-Reporter Jürn Kruse. „Auf den internationalen Fernsehbildern sind die Arenen immer voll, die Zuschauer immer jung und attraktiv und meistens weiblich. Das klinisch reine Fußballvergnügen. Wer diese Art der Präsentation mag, mag auch: Sagrotan Wäsche-Hygienespüler, 1,5 l, EUR 3,99 sowie 2er-Set Autofahne Deutschland Flagge, EUR 4,99.“ Martin Schneider von der „SZ“ sieht die Sache ähnlich und prognostiziert: „Es ist gut möglich, dass die Kommentatoren von ARD und ZDF bei der EM 2016 noch häufiger zum Radioreporter werden müssen.“

3. Die Zukunft des Radios wird gerade entschieden – und das klassische Radio hat kaum noch etwas damit zu tun
(marckrueger.tumblr.com, Marc Krüger)
„Rundfunkfritze“ Marc Krüger hat vor kurzem aufgeschrieben, warum sich das Radio endlich auf den Weg in die Zukunft machen muss. Nun seien drei Dinge passiert, die zeigen würden, in welche Richtung die Reise ginge: Der Wechsel von Olli Schulz und Jan Böhmermann zu Spotify, der „Call-for-Papers“-Aufruf der Amazon-Tochter Audible und die Audio-Rechtevergabe der Fußball-Bundesliga-Spiele via Web/Mobile an Amazon. Krüger erklärt die Vorgänge und beschreibt die Auswirkungen auf die deutsche Radiolandschaft.

4. Nachgefragt: So will das Social-Media-Team von Bild.de das Internet für sich gewinnen
(t3n.de, Andreas Weck)
„Bild“ setzt stark auf Social Media, das ist bekannt. Andreas Weck von „t3n“ hat das Social-Media-Team in Berlin besucht und sich nach Projekten und Arbeitsweise erkundigt. Im Axel-Springer-Hochhaus würde ein Team von acht festen und bis zu sechs freien Social-Media-Redakteuren werkeln, zuzüglich einiger Studenten im Community-Management. Interessant: Die Inhalte werden nicht nur auf den Hauptkanälen veröffentlicht, sondern zusätzlich auf sage und schreibe 61 Facebook-Fanseiten verteilt. Außerdem teste man ständig die Verbreitung über neue Kanäle wie Whatsapp oder den Facebook-Messenger.

5. Stell dir vor, das russische Staatsfernsehen kommt
(faz.net, Friedrich Schmidt & Michael Hanfeld)
Hans-Joachim „Hajo“ Seppelt ist ein deutscher Journalist und Autor und gilt als Experte für die Dopingproblematik im deutschen und internationalen Sport. Nach seinem jüngsten Beitrag über systematisches und staatlich geschütztes Doping in Russland könnten sogar die russischen Athleten von den nächsten Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen werden. Seppelt hat dem russischen Staatsfernsehen ein Interview gegeben, das eskaliert ist und nun von russischen Medien gegen ihn verwendet wird.

6. Europameisterschaft wegen Gewaltausbrüchen abgesagt – oder die seltsame Geschichte um @ForestEchoNews
(joca.me, Jörgen Camrath)
Am Wochenende wurden auf Twitter unzählige Nachrichten über Gewaltexzesse beim Fußball verbreitet, die sich als Falschmeldungen erwiesen. Jörgen Camrath hat sich die Quelle angeschaut, die „ForestEchoNews“, ein (mittlerweile gelöschter) Fake-Account. „Es gibt kein „ForestEchoNews“. Es gibt keine Journalisten, die für solch eine Organisation arbeiten. Und auch die Vorfälle, die über die diversen damit assoziierten Twitter-Accounts verbreitet wurden, sind so nicht passiert. Und trotzdem wurden sie geteilt. Und vielleicht haben sie sogar dafür gesorgt, dass noch mehr Öl ins Feuer gegossen wurde. Denn es ist durchaus denkbar, dass einige der Idioten, die am Samstag und in der Nacht zu Sonntag in Marseille für Tumulte sorgten, sie für bare Münze genommen haben. So ist das heute.“

Diversität, Popularität, Kriminalität

1. Alle zusammen gegen die Einfalt: Über Teilhabe in den Redaktionen
(vocer.org, Marianna Deinyan & Christian Fahrenbach)
In einem Dossier über die Zukunft der Journalistenausbildung geht es über Teilhabe in Redaktionen. Journalismus habe ein „Diversity-Problem“: zu mittelschicht, zu deutsch, zu blass. Die deutsche Gesellschaft finde kein Abbild mehr in den Redaktionen. Einige Initiativen würden zeigen, wie es ginge. Um weiter das gesamte Publikum zu erreichen, müsse jedoch mehr passieren. Von Quoten halten die Autoren nichts und fordern allgemein: „Geben wir einer anderen Art Nachwuchs eine Chance: Ohne Germanistik-Studium, aus dem Ausland oder aus einer ärmeren Familie. Sicher ist das anfangs aufwendiger in der Betreuung. Dafür gibt es plötzlich neue Themen, einen frischeren Blick und den Draht in bisher kaum in den Redaktionen vertretene Communities.“

2. Sieben Tage und Schluss? Mediatheken aufnehmen und Sendungen speichern
(irights.info)
Das Phänomen ist bekannt. Man will sich eine Sendung eines öffentlich-rechtlichen Senders im Internet anschauen, aber, zu spät, der Beitrag ist bereits gelöscht bzw. „depubliziert“. Die Urheberrechtsplattform „irights.info“ stellt einige Angebote und Werkzeuge vor, die dabei helfen, Sendungen auch später sehen zu können.

3. Causa Lovoo: Was bisher geschah – und was den Verantwortlichen droht
(heise.de, Holger Bleich, Ronald Eikenberg)
Gegen die Dating-Plattform „Lovoo“ wird ermittelt: Das LKA Sachsen durchsuchte bei einer Razzia insgesamt 16 Objekte, darunter die Lovoo-Geschäftsräume in Dresden, Berlin und Privatwohnungen. Gegen drei Personen hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehle erwirkt. Auslöser der Ermittlungen soll ein „c’t“-Artikel aus dem Jahr 2015 gewesen sein. Der Redaktion war ein 50 Gbyte großes Datenpaket mit belastendem Material zugespielt worden. „Heise.de“ berichtet vom neuesten Stand der Causa Lovoo.

4. Das Analysesystem von Die Welt deutet die Klicks um
(netzpiloten.de, Shan Wang)
Die „NiemanLab“-Redakteurin Shan Wang schreibt über das interne Bewertungssystem der „Welt“, das jedem veröffentlichten Artikel auf Basis von fünf Komponenten einen Wert zuweist. Bewertungskriterien seien Seitenaufrufe, Verweildauer auf der Seite, Video-Aufrufe, Social-Media-Traffic und Bounce Rate. Neben diesen technischen Aspekten erfährt man aber auch wie die „Welt“ vorgeht, um ihre Talkshow-Zusammenfassungen klicktechnisch anzuschieben: Da es rechtliche Einschränkungen den Autoren schwermache, relevante Videos zu verlinken, produziere man kurze Video-Zusammenfassungen der Gäste und der diskutierten Themen. Was in einem Fall zu einem zweiten Platz bei den Artikelaufrufen geführt habe.

5. RBB Abendschau: viel Werbung für Aufstockung – und keine einzige kritische Stimme
(gleditschstrasse.de)
In Berlin Schöneberg wird ein Wohnkomplex modernisiert und Gebäude aufgestockt. Für die dort lebenden Mieter ist das mit viel Lärm, Dreck und Ärger, aber auch mit teureren Mieten verbunden. Nun hat die „RBB Abendschau“ in einem Zweiminüter über das Aufstockungsprojekt berichtet. Die Mietergemeinschaft wirft dem Sender vor, ein einseitiges und eher werbendes Filmchen produziert zu haben, in dem ihre Kritik keine Berücksichtigung findet.

6. Online-Assistent Doliio: Zu klug, um wahr zu sein
(spiegel.de, Sebastian Meineck)
In den letzten Wochen machte die App „Doliio“ von sich reden, die dank ausgeklügelter KI im Namen des Nutzers Kontakte pflegen, Geburtstagswünsche ausrichten und sogar Dates klarmachen sollte. Sebastian Meineck ist der Sache nachgegangen und hat nur einsilbige Antworten auf seine Nachfragen bekommen. Beim Lesen des Artikels ahnt man warum.

Deformationsthesen, Abgehoben, Feuer und Flamme

1. Aufklärung oder Animationsarbeit? Zur Deformation des Journalismus
(carta.info, Hans-Jürgen Arlt & Wolfgang Storz)
Das Geschäftsmodell vieler Medienhäuser basiere längst nicht mehr auf dem Verkauf von Information, sondern auf dem Verkauf von Aufmerksamkeit, so lautet die Botschaft des Thesenpapiers zur „Deformation des Journalismus“. Dies würde jedoch nicht offen zugegeben. Desorientierung des Publikums und Ansehensverluste seien die Folge. Die Publizistik- und Kommunikationsexperten Arlt und Stolz haben neun Thesen über eine „Industrie am Scheideweg“ entwickelt.

2. Redaktionen für Reklame
(sueddeutsche.de, René Martens)
Zahlreiche Unternehmen setzen auf „Content Marketing“ und sprechen ihre Zielgruppe mit Informations- oder Unterhaltungsangeboten an, die auf das eigene Produkt oder Unternehmen abstrahlen sollen. Die Otto-Brenner-Stiftung hat untersuchen lassen, wie diese Kommunikationsform wirkt und welche Folgen sie für die Medienbranche hat. René Martens von der „SZ“ pickt einige interessante Ergebnisse heraus und lässt den Studienleiter zu Wort kommen.

3. Number26 antwortet so nicht
(handelsblatt.com, Martin Dowideit & Yasmin Osman)
Die Smartphone-Bank „Number26“ hat sich von zahlreichen ihrer Kunden getrennt. Anlass vieler Kündigungen sollen Bargeldabhebungen gewesen sein, die für die Kunden kostenlos waren, das Unternehmen jedoch nach eigenen Angaben 1,50 bis 2,00 Euro je Abhebung kostete. Da das Unternehmen selbst damit wirbt, weltweit kostenlos Geld abheben zu können, verursachte die Kündigungsaktion in den sozialen Medien einigen Wirbel. Nachdem sich das Handelsblatt auf Twitter einen Rüffel des Firmengründers eingefangen hatte, bot es ein Interview an, zu dem es nach anfänglicher Zusage jedoch nicht kommen sollte.

4. Das ist Spitze!
(taz.de, Anne Fromm)
Immer wieder taucht der Vorwurf auf, die AfD genieße in den Medien eine zu hohe Aufmerksamkeit und Vertreter der Partei säßen zu häufig in Talkshows. Die „taz“ hat nachgezählt und kommt zum Ergebnis: Das hängt vom Thema ab. Gauland und Petry würden sich jedoch in Richtung Gästelistenspitze bewegen.

5. Wieso bei Brexit-Fans die EU-Flagge so schlecht brennt
(morgenpost.de, Lars Wienand)
In der politischen Auseinandersetzung kommt dem Verbrennen von Flaggen eine besondere Symbolkraft zu. Heute vielleicht mehr denn je, denn die Entflammungsfilmchen lassen sich öffentlichkeitswirksam auf sozialen Netzwerken verbreiten. Im Zuge der bevorstehenden Brexit-Abstimmung taucht nun erneut das Video auf, das einen Mann beim (misslungenen) Verbrennen einer EU-Flagge zeigt. Schuld daran soll eine EU-Verordnung zur Entflammbarkeit von Flaggen sein, so die englischen Nationalisten und EU-Hasser. Die Pointe: Das Gegenteil ist der Fall, in Großbritannien gelten bei Textilien höhere Anforderungen an den Brandschutz…

6. Tagesschau bietet Kurzvideos für soziale Netzwerke an
(horizont.net)
Die „Tagesschau“ bietet in einem Versuchsprojekt GIFs zur Einbindung auf Facebook und Co. an. Stoße das Projekt auf das Interesse der User, wolle man das Angebot (derzeit sind es neun Kurzfilmchen aus verschiedenen Jahrzehnten „Tagesschau“) ausbauen. Man hat dafür einen eigenen Kanal eingerichtet.

#AfDfrei, Ulfkottismus, Fußballmilliarden

1. Ulrich Wickert: „Journalisten betreiben Selbstzensur“
(kress.de, Frank Hauke-Steller )
Ulrich Wickert kann auf eine lange Karriere als Journalist zurückblicken, zunächst als Korrespondent in den USA und Frankreich, danach lange Jahre als Anchorman der Tagesthemen. Jüngst hat er den Essayband „Medien, Macht, Verantwortung“ herausgebracht, in dem er eine Rückbesinnung auf die eigentliche Aufgabe des kritischen Journalismus fordert: Aufklärung. Im Interview mit „kress.de“ erklärt Wickert, warum es um den Journalismus derzeit schlechter stehe als vor 30 bis 40 Jahren und welche politische Einflussnahme er für einen „Skandal“ hält.

2. Kurs in Kapitalismus
(de.ejo-online.eu, Kurt W. Zimmermann)
Kolumnist Kurt W. Zimmermann hat sich die Bilanzen der fünf großen Schweizer Verlage angesehen und kommt zum Ergebnis: „Das einzige Medienunternehmen, das kapitalistischen Kriterien genügt, ist Tamedia. Hier macht das Bodenpersonal für die Besitzer wirklich Cash. Das Schlussfeld bewegt sich in Richtung unternehmerischen Hobbywesens. Warum beschäftigt man so viele Mitarbeiter, wenn die keine Kohle bringen? Das hat schon etwas leicht Resignatives.“

3. Inhaftierte Journalisten freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des Deutschland-Besuchs von Präsident Ilcham Alijew fordert „Reporter ohne Grenzen“ Aserbaidschan auf, alle inhaftierten Journalisten freizulassen. „So sehr sich Aserbaidschan auch als modernes, weltoffenes Land präsentieren will: Hinter der schönen Fassade unterdrückt das Regime von Präsident Alijew jede kritische Regung“, so der ROG-Geschäftsführer. Derzeit säßen in der Kaukasus-Republik mindestens drei professionelle Journalisten und vier Blogger wegen ihrer Tätigkeit im Gefängnis.

4. Medien und die AfD: Zeit für eine Pause?
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Mathias Meisner fragt im „Tagesspiegel“, ob die AfD in den Medien zu oft zu Wort kommen würde. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hat die Frage mit einem „Weniger ist manchmal mehr“ beantwortet: „Journalisten haben einen Informationsauftrag, der selbstverständlich die AfD mit einschließt. Journalisten haben aber auch die Aufgabe, Nachrichten auf ihren Informationswert hin abzuklopfen.“ Für sich hat Meisner gestern auf Twitter einen #AfDfrei-en Tag ausgerufen und erhielt viele positive Reaktionen darauf.

5. Udo Ulfkotte & die Mutter, die ihren Sohn essen musste
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Udo Ulfkotte macht in vielerlei Hinsicht von sich reden, ob als Autor eines umstrittenen Bestsellers zum Thema Journalismus bei einem irrlichternden Verlag oder mit Artikeln auf der Webseite eben dieses Verlags. Stefan Niggemeier von „Übermedien“ hat sich die jüngste „Enthüllung“ Ulfkottes angeschaut: Eine unbelegte Geschichte, die als Klassiker der Schauermärchen in vielerlei Variationen existiere, von Shakespeare bis South Park.

6. Britisches Modell
(sueddeutsche.de, Raphael Honigstein)
Wer in England das Runde auf dem eckigen Bildschirm sehen will, zahlt viel und bekommt recht wenig, berichtet Raphael Honigstein in der „Süddeutschen Zeitung“. Sagenhafte 2,17 Milliarden Euro im Jahr habe Premier-League-Chef Richard Scudamore in der kommenden Saison allein aus den nationalen Rechten herausgeholt. (Wer jetzt denkt, davon seien wir Deutschen weit entfernt: Die „FAZ“ berichtet aktuell vom Poker um die Bundesligaübertragung, bei dem es ebenfalls um astronomische Beträge geht.)

Zeitversetzt, Ortsversetzt, Schlafversetzt

1. Live ist live? Nicht beim WDR!
(fair-radio.net, Sandra Müller)
„Fair Radio“ berichtet über eine neue Praxis bei Radionachrichten: Seit dem 4. Juni strahle der WDR die Nachrichten in seinen Programmen 2, 3, 4 und 5 nicht live, sondern zeitversetzt (neudeutsch: Time Shift) aus, erwecke jedoch nach wie vor den Eindruck, man sende live. „Fair Radio“ ahnt die Beweggründe, das Vorgehen des WDRs bleibe jedoch rätselhaft und problematisch: Nirgendwo könne man seine Glaubwürdigkeit schneller verspielen als bei den Nachrichten.

2. Wird spreadpress die eierlegende Wollmilchsau für Journalisten?
(get.torial.com, Lars Sobiraj)
Das Startup „spreadpress“ will sich von JournalistInnen kostenlos Beiträge anliefern lassen bzw. berechnet für die Mitgliedschaft als „Premium Publisher“ sogar Geld. Geld, das in umgekehrter Richtung erst fließen soll, wenn genügend Klicks generiert werden und Werbeeinnahmen entstehen. Das Journalistennetzwerk „torial“ hat sich mit dem Unternehmensgründer unterhalten und u.a. gefragt, wie man ohne Redaktionsleiter die Qualität sicherstellen wolle.

3. Das Ende der Leidenschaft
(kameramann.de, Stefan Nowak)
Nach 20 Jahren als Kameramann kehrt Stefan Nowak der Branche den Rücken zu. Ehrlich und schonungslos berichtet er von Werdegang und Arbeitsbedingungen und kommt zum Schluss: „So billig wie in Deutschland wird sonst nirgendwo produziert; Fernsehteams in Frankreich und Großbritannien bekommen doppelt, in Skandinavien dreimal soviel für ihre Arbeit; deutsche Teams arbeiten in Polen, weil sie billiger sind als die polnischen Kollegen. Das tut mir immer noch leid für die anständigen Kollegen – aber ich hab’s jetzt hinter mir, ich bin zufrieden und ohne Bitterkeit ‚raus aus dem Rat-Race. Und das tut gut.“

4. WWM“-Promispecial: Wo Scheitern unerwünscht ist
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wenn Promis bei „Wer wird Millionär?“ antreten, hielte sich das Risiko einer Blamage für sie in argen Grenzen, so Alexander Krei. Der Verdacht liege nahe, dass frühe falsche Antworten von Sender und Moderator nicht gewollt seien und daher auf verschiedene Weise nachgeholfen werde. „Nun will ich mich gewiss nicht in Verschwörungstheorien verstricken und zwangsläufig in jeder Ausgabe einen oder gar mehrere Promis scheitern sehen. Und gerade weil für einen guten Zweck gespielt wird, ist es natürlich richtig, RTL so gut es geht zu schröpfen. Das geht jedoch nach all den Jahren leider zunehmend auf Kosten der Spannung.“

5. Der Fabrikant
(taz.de, Christian Jakob)
Im indischen Delhi werkeln 400 Grafiker, Layouter und Texter im Dreischichtbetrieb an europäischen, asiatischen, amerikanischen und australischen Druckerzeugnissen. Und das sind nicht nur Kataloge oder Werbeflyer, wie „taz“-Reporter Christian Jakob berichtet. Nein, hier werden nahezu in Echtzeit komplette Tageszeitungen zu Dumpingpreisen produziert. Ein spannender Ausflug ins ferne Indien, das für seine Medienkunden dank Glasfaseranschluss nur um die Ecke liegt.

6. Hypnotisiert von RTL
(uebermedien.de, Video, 0,39 Minuten)
„Übermedien“ hat am Wochenende bei RTL „Schau mir in die Augen – Promis unter Hypnose“ geschaut und ist dabei… Ach, sehen Sie selbst. Ich bin zu müde, um weiterzuschreiben.

Auf der Spur des Keyloggers, Erklärjournalismus, Fake-Event

1. Dateiname LOG.TXT
(taz.de, Martin Kaul & Sebastian Erb)
Ein unglaublicher journalistischer Kriminalfall und der Versuch einer Aufarbeitung: Ein für seine investigativen Reportagen bekannter „taz“-Redakteur späht über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr 23 Kollegen (mehrheitlich Frauen) mittels „Keylogger“ aus und schneidet alle Tastatureingaben (inkl. Passwörtern) mit. Durch einen Zufall fliegt die Sache auf, doch über die Hintergründe und Motivlage kann nur spekuliert werden: Der Reporter verweigert alle Auskünfte und verschwindet spurlos. Die taz-Journalisten Martin Kaul und Sebastian Erb haben ihren Kollegen in Asien aufgespürt und den Fall aufgeschrieben. Eine selbstkritische und transparente Betrachtung des Vorgangs, die angenehm unaufgeregt und feinfühlig daherkommt.

2. Webvideopreis 2016: Das Internet wird erwachsen
(dwdl.de, Miguel Robitzky)
Miguel Robitzky berichtet von der mittlerweile sechsten Verleihung des Deutschen Webvideopreises. „Auch, wenn für viele Zuschauer die Anmoderationen geklungen haben mögen wie „Kennichnicht und Keineahnungwerdasist übergeben jetzt einen Preis an Werzurhölle“ sollte man die Gewinner und Nominierten nicht einfach leichtfertig aus reiner Arroganz ignorieren. (Außer es wird der Preis für ein so genanntes „Lebenswerk“ an Y-Titty verliehen).“

3. So einfach wie möglich, aber nicht einfacher
(medium.com, Oliver Trenkamp)
Der „Spiegel Online“-Redakteur Oliver Trenkamp erklärt wie guter Erklärjournalismus funktioniert und zeigt wie ein typischer „Explainer“ aufgebaut ist. Der Artikel wendet sich an Journalisten, ist aber auch für den Normalleser interessant, der wissen will, wie Onlinejournalisten bei der Aufbereitung von Nachrichten vorgehen.

4. Wie zwei Studenten mit einem Fake-Event einen Medienhype auslösen
(persoenlich.com, Sonja Gambon)
Sonja Gambon berichtet auf „persoenlich.com, dem Onlineportal der Schweizer Kommunikationswirtschaft“ davon wie zwei Studenten mit einem Fake-Event einen veritablen Medienhype auslösten: „Eine GoKart-Crew machte in den letzten Wochen Zürich unsicher und wollte nun ein öffentliches Rennen veranstalten. Doch der Event, über den «20 Minuten», «Watson», «TeleZüri» oder «Stern» berichteten, hat so nie stattgefunden: WD40 war das Bachelorarbeitprojekt von zwei ZHdK-Studenten.“

5. Was wir in drei Monaten Japan-Recherche gelernt haben
(crowdspondent.de, Lisa Altmeier & Steffi Fetz)
Lisa Altmeier und Steffi Fetz sind zwei junge Journalistinnen auf Welterkundungsfahrt. Zurzeit sind sie in Japan unterwegs. Ergebnis ihres dreimonatigen Japan-Aufenthalts: „Leute, die sich darum sorgen, dass wir im Gefängnis landen. Anti-AKW-Demonstranten, die Angela Merkel feiern. Journalisten, die sich nur im Geheimen mit uns treffen. Und viele, viele Fettnäpfchen.“

6. Gottschalks große Ego-Show
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Die berühmteste Ich-AG des deutschen Fernsehens sei wieder auf Sendung und rede über sich, sich, sich. Das nehme Loriot-hafte Züge an, so Kolumnist Hans Hoff in seiner Fernsehkritik von Gottschalks TV-Comeback.

Volontariat, Panama, Wendy

1. Redaktionskonferenz bei Wikipedia: Leitlinien, Quellenkritik und Stilvorgaben
(get.torial.com, Stefan Mey)
Stefan Mey hat sich die Arbeitsweise des Mitmachlexikons Wikipedia angeschaut. Dass hinter Wikipedia keine klassisch-professionelle Redaktion mit bezahlten Stellen und penibel geregelten Prozessen stehe, sei bekannt. Weniger bekannt sei, dass es dann aber doch in Teilen vergleichbare Strukturen gebe. Mey stellt drei ehrenamtliche Wikipedia-Redaktionen vor: Was machen sie, wer ist dort aktiv, und was motiviert die Beteiligten?

2. Alles Gute beginnt im Lokalen
(vocer.org, Swantje Dake)
Swantje Dake leitet seit November 2015 die Digital Unit der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und ist auch für Volontäre zuständig. „Ist ein Volontariat noch zeitgemäß? Auf jeden Fall! Sollte man seine journalistische Karriere in einer Lokalredaktion starten? Unbedingt!“, so ihr Credo. Ein reines Print-Volontariat sei jedoch realitätsfern: „das Lokale braucht das Digitale“.

3. „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand im Editorial: Warum die Eigner der „SZ“ die Panama Papers eigentlich ablehnen
(kress.de, Markus Wiegand)
„kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand weist auf Widersprüche in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der „Panama Papers“ hin. Während die „Süddeutsche Zeitung“ seit Wochen die geleakten Papiere journalistisch aufbereiten und veröffentlichen würden, verhielten sich die Eigentümer des Blattes in eigener Sache ähnlich transparent wie eine Briefkastenfirma.

4. Einigung zwischen „Bild“ und Ottfried Fischer
(faz.net, Niklas Záboji)
Wie die „FAZ“ berichtet hat der mehrjährige Prozessmarathon um ein Sex-Video mit dem Schauspieler und Kabarettisten Ottfried Fischer ein Ende gefunden: Der angeklagte Journalist der „Bild“ müsse 3500 Euro an eine Organisation für Parkinson-Patienten zahlen, damit sei das Verfahren eingestellt. 2010 war der „Bild“-Reporter noch zu einer fünfstelligen Geldstrafe verurteilt worden, was eine Kette von juristischen Auseinandersetzungen zur Folge hatte und viele Gerichte bzw. Kammern beschäftigte.

5. Ex-Buzzfeed-Chefin Leopold berät tagesschau.de
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die Ex-BuzzFeed-Chefredakteurin Juliane Leopold soll die Tagesschau aufmotzen. Oder wie es „DWDL“ ausdrückt: „Ab sofort soll sie nun als Beraterin die strategische Entwicklung von tagesschau.de vorantreiben, Web-Inhalte erstellen sowie Fernseh- und Hörfunkbeiträge fürs Netz aufbereiten. Zugleich unterstützt sie die Chefredaktion beispielsweise bei den Themen Audience Development, Bewegtbild im Netz sowie Distribution von Inhalten auf Web-Plattformen jenseits der Homepage.“

6. Das ultimative Kuscheltier
(taz.de, Saskia Hödl)
Das Pferdemagazin „Wendy“ wird 30. Saskia Hödl von der „taz“ überlegt, warum das Pferdemagazin immer noch so gut bei den jungen Leserinnen und Lesern ankommt.

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