Archiv für 6 vor 9

Polarisierung, Framing, Crowdfunding

1. Polarisierte britische Presse
(nzz.ch)
In Spanien, Schweden, Italien und Grossbritannien berichten die großen Zeitungen recht unterschiedlich über die Flüchtlingswelle. Der Tenor werde aber kritischer, so die NZZ in ihrem Beitrag über Migration in den Medien. Als Belege für diese Aussage führt die Zeitung eine von der UNO in Auftrag gegebene Studie der „Cardiff School of Journalism“ und die vielbeachtete Analyse der „SZ“ an.

2. Die Tücken politischer Sprache
(de.ejo-online.eu, Stephan Russ-Mohl)
Ein Journalismus-Professor schreibt über ein Buch, das unter jedermanns Kopfkissen gehöre: „Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ von Elisabeth Wehling. „Je dreister die Machthaber dieser Welt ihre Propaganda-Trupps einsetzen und je kreativer und zahlreicher die Public Relations Experten werden – in den USA kommen derzeit bereits fünf auf einen Journalisten – , desto wichtiger wäre es, dass gerade Redaktionen bei der Wortwahl und bei Sprachregelungen aufpassen.“

3. Mehr PR-Kritik, bitte!
(medienwoche.ch, Ronnie Grob)
Ronnie Grob wünscht sich mehr PR-Kritik. Während Journalisten und Medien unter kritischer Beobachtung stünden, werde die Arbeit hochbezahlter Kommunikationsstellen und -büros kaum kritisiert. Dies müsse sich ändern. Gerade direkt und indirekt von Steuergeldern finanzierte PR-Leute benötigten mehr Kontrolle und Kritik durch die Öffentlichkeit. Vier von ihm geschilderte, aktuelle Fälle aus der Praxis machen klar, warum dies nötig ist.

4. Ein schmaler Grat: Native Advertising als Herausforderung für Journalisten und Werbemacher
(fachjournalist.de, Katharina Pencz)
Katharina Pencz berichtet über den derzeitigen Stand in Sachen „Native Advertising“ und sieht die Reputation der Verlage in Gefahr. Der Grat zwischen „Native Advertising“ und Schleichwerbung sei schmal: „Die Verlage stehen vor dem Problem, im digitalen Bereich ausreichende Gewinne erzielen zu müssen, denn nur so lässt sich guter Journalismus finanzieren. Dabei greifen sie zunehmend auf Werbeformate wie Native Advertising zurück, die jedoch, wenn sie nicht richtig angewendet werden, zu einem Vertrauensverlust in das Medium führen können.“

5. «Wir beschränken uns radikal auf Qualität»
(presseverein.ch, Janosch Tröhler )
Auf einer Crowdfunding-Plattform wollen drei Journalisten 50.000 Franken für ihr Projekt sammeln: Das „Coup Magazin“, das vor allem auf längere Texte setzt. Geplant sei eine Geschichte pro Monat. „Es ist das, was momentan realistisch ist. Es gibt eine große Konkurrenz an Content und wir möchten einmal im Monat das Beste rausholen.“ Etwa ein Drittel der angestrebten Summe ist zusammen. Die nächsten drei Wochen werden zeigen, ob sich noch mehr Leser für das journalistische Longreader-Projekt begeistern.

6. Journalisten festgesetzt:
Mazedonien verhindert gezielt Berichterstattung über Flüchtlingsmarsch

(metronaut.de, John F. Nebel)
Eine vierstellige Zahl von Flüchtlingen soll das griechische Lager Idomeni in Richtung Mazedonien verlassen haben. Der Exodus der verzweifelten Menschen wurde von zahlreichen Journalisten begleitet (Twitter-Hashtag: #marchofhope). Mazedonische Polizei und Militär haben offenbar gezielt Journalisten herausgegriffen und über viele Stunden festgesetzt. Ein Journalist berichtet von je 260 Euro verhängtem Bußgeld und einer eventuellen Einreisesperre.

Unter AfD-lern, unter Whistleblowern, unter Klatschern

1. Wie ich auszog, die AfD zu verstehen
(zeit.de, Malte Henk)
„Zeit“-Reporter Malte Henk ist linksliberal und hat nichts gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Mit AfD-Gerede von „Volksverrätern“ und „Tugendterror“ kann er nichts anfangen. Und er fragt sich, wer so denkt. Also hat er einen Selbstversuch unternommen, sich unter falschem Namen bei Facebook angemeldet und mit AfD-Anhängern befreundet. Langes und lesenswertes Dossier über ein Experiment, bei dem Henk nicht nur auf Rechtsextreme trifft, sondern auf viele Menschen, die ihm seltsam vertraut vorkommen.

2. Willkommen in der bunten Medienrepublik
(faz.net, Michael Hanfeld)
Von einer Posse aus Baden-Württemberg berichtet die „FAZ“. Vornehmlich Politiker der Grünen und der SPD hätten dort Einfluss auf die Vergabe einer regionalen Sendelizenz in Baden-Württemberg ausgeübt. Von eigens dafür ausgedachten, neuen Briefköpfen ist die Rede. Dem Sender RTL reiche das jetzt, er werde sich an die Präsidenten des Bundestages und des baden-württembergischen Landtages wenden.

3. Was vom Aufschrei übrig blieb
(sueddeutsche.de, Thorsten Schmitz)
Ende letzter Woche fand in Berlin das „Logan CIJ Symposium“ des „Centre for Investigative Journalism“ statt. Das Motto der Überwachungskonferenz: „Challenge Power! Building Alliances against Secrecy, Surveillance and Censorship“. Dort seien die bekannten Whistleblower wie Julian Assange und Edwar Snowden wie Popstars gefeiert worden. Der Beitrag erinnert an einen vergessenen Helden wie Thomas Drake, der vor elf Jahren der „Baltimore Sun“ Informationen zum NSA-Projekt „Trailblazer“ gab und zwischenzeitlich keine Anstellung fand und verarmte.

4. Sind Social Plugins rechtswidrig?
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Das Landgericht Düsseldorf hat in einem aktuellen Urteil (Urteil vom 09.03.2016, Az.: 12 O 151/15) einem Unternehmen untersagt, auf seiner Website das „Social Plugin „Gefällt mir“ von Facebook zu integrieren“, ohne die Nutzer vorab darüber zu informieren. Wenn sich die Rechtsprechung durchsetze, so IT-Rechtler Stadler, könne man den Like Button und das Page Plugin von Facebook in Deutschland wohl nicht mehr rechtskonform in die eigene Website einbauen. Zudem seien bestimmte Konstellationen von Gesetzesseite nicht eindeutig geregelt, hier müsse die Rechtsprechung für die notwendige Eindeutigkeit sorgen.

5. Et kütt, wie et klickt
(zeit.de, Jana Gioia Baurmann)
Multi-Channel-Netzwerke bringen YouTuber und Markenfirmen zusammen. Jana Gioia Baurmann erklärt, was es mit den ominösen Netzwerken auf sich hat und warum es eines der größten davon, die Disney-Tochter „Maker Studios“, nun nach Köln zieht.

6. Klatschvieh im TV: Put your Patschehändchen together
(dwdl.de, Hans Hoff)
Letzte Woche kam es bei „Anne Will“ zu einer blamablen Szene als sich der Pressesprecher von Bundesjustizminister Heiko Maas durch allzu lautes Klatschen outete. Kolumnist Hans Hoff beschäftigt sich mit dem Klatschverhalten von Zuschauern in Fernsehsendungen, das selten normal zu nennen sei. Und er bittet um mildernde Umstände für den Pressesprecher mit der ausdauernden Klatsche: „Hat man berücksichtigt, unter welchen Zwängen der Mann stand? Trug er vielleicht einen Elektroschocker am Bein, der ihm bei jeder Aussage seines Ministers einen aktivierenden Stromstoß versetzte? Oder klatschte er gar, um seinen Jahresbonus zu sichern?“

Begründeter Sachbezug, TV-Debatten, Streaming-Pauperismus

1. Kein Freibrief für Gedankenlosigkeit
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm von der „taz“ berichtet über die Entscheidung des Presserats, die Nationalität oder Religion von Straftätern weiterhin nur dann zu nennen, wenn ein „begründeter Sachbezug“ bestehe. Anders als „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch begrüßt Fromm die Entscheidung: „Jede Redaktion, auch der Boulevard, trägt eine publizistische Verantwortung – gerade in einer Zeit, in der Asylbewerberunterkünfte brennen. Diese zu erfüllen gehört zum journalistischen Handwerk. Das unterscheidet sie schließlich von Twitter und Facebook.“

2. Streaming: Warum kommt so wenig bei Musikern an?
(telemedicus.info, Fabian Rack)
Kann im Digitalzeitalter wirklich kaum jemand mehr von einem Musikalbum leben? Und zementieren Spotify und Apple Music diesen Zustand? Keine harten Zahlen, kaum Transparenz, viele Akteure im Spiel: Die Situation ist nicht einfach. Dennoch hat das juristische Internetprojekt „Telemedicus“ einige Informationen zum Musikstreaming, zu Geldflüssen und Plattenverträgen zusammengetragen.

3. Siri, bin ich süchtig?
(fluter.de, Philipp Brandstädter)
ARD und ZDF wollen in einer Onlinestudie festgestellt haben, dass wir im Durchschnitt drei Stunden täglich an unseren Smartphones hängen. Der Psychologe Dr. Bernd Sobottka hält dies noch nicht für problematisch. Bedenklich könne es jedoch werden, wenn die reale Kommunikation in den Hintergrund rücke und das Smartphone der Hauptinternetzugang sei. Im Interview über Digitalsucht spricht er über typisches Suchtverhalten und gibt Tipps zu Entwöhnung und Ausstieg.

4. Der Countdown läuft
(carta.info, Rubina Möhring )
Die Amtszeit der OSZE-Medienbeauftragten Dunja Mijatovic ist ausgelaufen und die Mitgliedsstaaten können sich nicht auf eine Nachfolge einigen. Das eh nicht üppige, operative Budget dieser OSZE–Institution sei rund um den Jahreswechsel dramatisch gekürzt worden, und für die Entscheidung werde Einstimmigkeit aller 57 Mitgliedsstaaten gefordert. Nun liege es an Deutschland und Frank-Walter Steinmeier eine Entscheidung herbeizuführen, fordert die Autorin und Präsidentin der „Reporter ohne Grenzen Österreich“, Frau Dr. Rubina Möhring.

5. Wer darf auf die große Bühne?
(faz.net, Christoph Bieber)
Zu Wahlzeiten sind Fernsehdebatten ein wichtiges Element, um sich zu informieren oder eine Wahlentscheidung herbeizuführen. Christoph Bieber plädiert für den Blick nach Amerika: Während bei uns vieles ungeordnet abliefe, überwache dort die „Commission on Presidential Debates“ den Zugang zu den prominenten Podien und lege die wichtigsten Regeln für die Gesprächsformate fest. Die Einrichtung einer ähnlicher Instanz in Deutschland sei überfällig.

6. Stellungnahme von Karlo Tobler
(facebook.com, Karlo Tobler)
Nachdem im sächsischen Clausnitz ein fremdenfeindlicher Mob die Ankunft eines Busses mit Flüchtlingen blockiert hatte und die Bilder deutschlandweit für Entsetzen gesorgt hatten, setzte sich Karlo Tobler tags darauf spontan ins Auto und fuhr zum Ort des Geschehens. Sein feinfühliger Facebookbericht über die Aktion wurde zehntausendfach geliket und geteilt und medial verwertet. Nun hat Tobler den Eintrag auf „privat“ gestellt. In einem öffentlichen Post berichtet er über die Gründe.

Ressentimentkodex, Feminismuskritik, Erikasourcing

1. Exkonvertit mit Salzgitterhintergrund
(zeit.de, Mely Kiyak)
Der Presserat diskutiert darüber, ob Medien die Herkunft von Straftätern grundsätzlich nennen sollen. Wem wäre damit geholfen, fragt „Zeit“-Kolumnistin Mely Kiyak. Eine ethnische Zuschreibung helfe nicht weiter, es sei denn, man wolle eine ganz bestimmte Aussage treffen. Die Kolumne endet mit den Worten: „Mal sehen, wie die Kollegen im Rat entscheiden werden. Ändern wird die Entscheidung gar nichts: Der Pressekodex ist nicht bindend. Zum Glück für Ressentimentmedien wie Bild, Focus.de und andere. Ohne die Nennung von Nationalitäten wäre die Grundlage so mancher Medien komplett im Eimer.“

2. Buzz-Report Feminismuskritik
(fraumeike.de, Meike Lobo)
Meike Lobo reflektiert die Reaktionen auf ihre (streitbare) Feminismus-Kritik auf „Zeit Online“ und denkt über Reaktions- und Diskussionsschemata bei Twitter nach.

3. Crowdsourcing nach dem Original-Bild aus dem Steinbach-Tweet
(onlinejournalismus.de, Fiete Stegers)
Der Journalist Fiete Stegers fahndet immer noch nach dem Urheber des Fotos, das ein blondes Kind und eine Gruppe indischer Kinder und Jugendlicher zeigt. Das Foto wird von vielen rechtsgerichteten Personen und Institutionen missbraucht, um Stimmung gegen eine angebliche „Überfremdung“ zu machen. Traurige Berühmtheit erlangte es jüngst durch einen Tweet von Erika Steinbach (CDU). Stegers berichtet vom Stand der Fahndung und den Schwierigkeiten bei der Ermittlung von Veröffentlichungsdatum und Urheber.

4. Nachholbedarf bei Afrika-Berichterstattung
(de.ejo-online.eu, David Freches)
Viele der Asylsuchenden stammen aus nordafrikanischen Ländern, doch wieviel wissen wir über diese Region beziehungsweise wie präsent ist die Berichterstattung über Subsahara-Afrika in deutschen Medien abseits der Flüchtlingsthematik? David Freches fasst die Untersuchungsergebnisse einer Forschungsgruppe zusammen, die im Rahmen der Konferenz „Media and Migration“ gewonnen wurden.

5. Kid Rock und die AfD — die Welt ist grau.
(medium.com, Christian Henne)
Christian Henne plädiert für mehr Gelassenheit im Social-Media-Umgang. So wenig wie die Welt in Gut und Böse einzuteilen sei, dürfe ein Like der AfD-Facebookseite zu reflexhaftem Entfreunden führen. „In meinen Augen hilft es enorm, Andersdenkende ernst zu nehmen, um sie dann argumentativ zu beeinflussen. Deshalb werde ich mich auch weiterhin mit Menschen unterhalten, die die AfD liken, wählen oder gewählt haben. Und zwar um alles dafür zu tun, dass sie dies kritisch überdenken.“

6. Square für Künstler
(arte.tv, Video, 27 Minuten)
Darf man ein Jahr nach den Attentaten auf Charlie Hebdo noch über alles Witze machen? Im Porträt des Karikaturisten Chapatte geht es um den Alltag und die Zukunftsperspektiven des in Los Angeles lebenden Zeichners. Und die Frage, ob es für ihn eine Karikatur vor und nach dem Anschlag in Paris gibt.

Huffbaiting-Post, Lügenpartei, Aufwachen

1. „FAZ Woche“: Jung und ohne Perspektive
(wuv.de, Manuela Pauker)
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat für den 22. April eine neue Publikation angekündigt: Die „FAZ Woche“. Das Magazin ist laut Verlag „auf die spezifischen Ansprüche der jungen Elite zugeschnitten, einer Zielgruppe die „always on“ ist“. Manuela Pauker, Ressortleiterin Medien bei „W&V“, räumt dem Vorhaben keine großen Chancen ein: „Ein ehrenwerter und ambitionierter Versuch. Nur: Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit schiefgehen. Denn wenn die letzten, sagen wir, zehn Jahre etwas gebracht haben, dann die Gewissheit, dass die nachwachsende Generation immer weniger Bock auf althergebrachte Darreichungsformen von Informationen hat“.

2. Das macht die „Huffington Post“ mit Einwanderern
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
„Die „Huffington Post“ betreibt Clickbaiting, das offenbar ganz gezielt rassistische Reflexe triggern soll – und triggert.“ Diesem Resümee kann man sich nur anschließen, wenn man die Beispiele sieht, die Boris Rosenkranz in seinem Beitrag zusammengestellt hat. Ob durch manipulative Überschriften, Bebilderung oder Teasertexte: Die scham- und rücksichtslose Jagd nach dem schnellen Klick hat Methode. Auch, wenn die klicksüchtigen Berufszyniker der „Huffington Post“ in einem allzu schäbigen Fall zurückrudern mussten.

3. Dreist: AfD fälscht Abendzeitungs-Überschrift
(abendzeitung-muenchen.de, Timo Lokoschat)
Die „Abendzeitung“ macht auf einen besonders dreisten Fall von Fälschung aufmerksam: Die AfD (Kreisverband Nürnberg) hat auf Facebook einen „Abendzeitung“-Artikel geteilt, diesen jedoch mit einer selbstgetexteten, tendenziösen Überschrift versehen. Besonders pikant bei einer Partei, die sich fortwährend über die „Lügenpresse“ beklagt und von der „Pinocchiopresse“ höhnt. (Update 08:05 Uhr: Die AfD Nürnberg hat nun kommentarlos gelöscht.)

4. “Dann schreib doch unter nem Männernamen!”
(herlandnews.com, Zoë Beck)
Zoë Beck, als Verlegerin, Autorin, Übersetzerin und Synchronregisseurin seit langer Zeit erfolgreich im Mediengeschäft, macht sich Gedanken, wie es wäre, wenn ein Männername ihre Buchcover zieren würde: „Natürlich reizt es mich entsprechend auch schon seit Jahren, diesen Test zu machen: Wie käme derselbe Text an, stünde ein Männername drauf? Das Experiment müsste aber noch weitergehen: Gäbe es andere Vorschüsse? Andere Werbemaßnahmen? Würde der Buchhandel anders vorbestellen? Sähen die Verkaufszahlen anders aus?“

5. Eine Frage der Ethik
(daniel-bouhs.de)
Daniel Bouhs berichtet von den aktuellen Diskussionen im Presserat, dem Selbstkontrollgremium der Medien. Streitgegenstand ist derzeit eine Richtlinie des Pressekodex zur Nennung von Abstammungen: „die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten [wird] nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“. Bouhs berichtet über das Pro und Contra und die Interessenlage der Medien.

6. A!096 – American Saleswoman
(aufwachen-podcast.de, Stefan Schulz & Tilo Jung)
Wer Podcasts mag und sich für Medien interessiert, kommt am „Aufwachen-Podcast“ nicht vorbei. Hier seziert ein, sich aufs Vorteilhafteste ergänzendes, Zweimann-Team regelmäßig die Nachrichten der Öffentlich-Rechtlichen: Auf der einen Seite der Soziologe und ehemalige FAZ-Journalist Stefan Schulz, auf der anderen Seite Tilo „Bundespressekonferenz“ Jung. Ein aktueller Anlass zum Einschalten ist die Berichterstattung über den amerikanischen Wahlkampf: Eine derart ausführliche Auseinandersetzung mit den derzeit stattfindenden Debatten der Präsidentschaftsbewerber wird man schwer finden.

Vergessene Themen, Rechtsextreme, Dominatoren-Orakel

1. Journalistinnen
(freitag.de, Katja Kullmann)
Passend zum heutigen Weltfrauentag stellt die stellvertretende Chefredakteurin des „Freitag“ einige berühmte Journalistinnen in einem „Kolleginnenlexikon“ vor. Die Liste reicht von historischen Figuren aus dem Beginn des Print-Zeitalters bis hin zu zeitgenössischen „Fernsehfrauen“ wie Anja Reschke und Dunja Hayali.

2. Blinde Flecken in der Berichterstattung
(de.ejo-online.eu, Susann Eberlein)
Die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ (INA) veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit zehn in den Medien vergessenen Themen. Susann Eberlein hat sich mit dem Geschäftsführer des Vereins über die Arbeit des Vereins, die Auswahl der Themen und den Einfluss der Liste auf die Medienberichterstattung unterhalten. Die ersten drei Plätze der vernachlässigten Nachrichten belegen übrigens die Finanzierung von Nuklearwaffen durch deutsche Finanzinstitute, das millionenschwere EURATOM-Abkommen zur Förderung der Atomkraft und die Tatsache, dass K.O.-Tropfen nahezu unkontrolliert über das Internet bestellbar sind.

3. „Die New York Times der Millennials“
(netzoekonom.de, Holger Schmidt)
Wenn man sich das Durchschnittsalter von Tagesschau-Zuschauern (63), CNN-Sehern (63) oder Fans der konservativen Fox-News anschauen würde, könnte man denken, dass junge Menschen nicht an Nachrichten interessiert seien. Dass dem nicht so ist, beweise u.a. die amerikanische Webseite „Mic“, die auch als „New York Times der Millennials“ bezeichnet werde. Um Geschichten „relevant“ zu machen, würden sie aus der Perspektive von jungen Menschen erzählt. Außerdem seien die Inhalte für Smartphones optimiert. Autor Holger Schmidt beschreibt die Vorgehensweise der erfolgreichen News-Seite und liefert einige interessante Daten über Nachrichtenmedien im Allgemeinen.

4. Einfach mal dreißig Minuten Zeit
(faz.net, Gina Thomas)
Gegen den Trend der Zeit ist in Großbritannien eine neue Tageszeitung erschienen. Das Blatt heißt „The New Day“, und es richtet sich an eine Zielgruppe im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Mit einem Team von 25 Redakteuren will man leichtverdauliche Nachrichtenkost anbieten. In großzügiger Aufmachung und in, was die wesentlichen Nachrichten anbelangt, flapsig formulierten Zehnzeilern.

5. Rechtspopulistische Gesprächsstrategien – Eine Übersicht
(netz-gegen-nazis.de, Simone Rafael)
Rechtsextreme bedienen sich in der Diskussion in sozialen Netzwerken oft rhetorischer Tricks und Kniffe. Wie man den Gesprächsstrategien von Rechtsaußen nicht auf den Leim geht, verrät die Übersicht mit den neun häufigsten Strategien der Gegenseite und Empfehlungen für argumentative Konter.

6. Jan Böhmermann macht die meisten Schlagzeilen / Kai Diekmann auf Platz 2
(horizont.net, Tim Theobald)
Die Medienplattform „Recherchescout“ hat 300 Journalisten orakeln lassen, welche Medienschaffende dieses Jahr die Schlagzeilen beherrschen werden und ein Top-10-Ranking der zukünftigen News-Dominatoren erstellt.

Empörungsmaschine, Terror, Meinung

1. Die Empörungsmaschinerie
(tagesspiegel.de, Maria Fiedler)
#BreakingBeck, Erika Steinbach und die angebliche Schweinefleischpflicht: Die vergangene Woche stehe für alles, was mit Politik im sozialen Netz schiefläuft. Maria Fiedler erklärt die Funktionsweise der Empörungsmaschine, die sich aus Verkürzung, Reflexen und Spott und Häme zusammensetzen würde. „Jeder, der sich in sozialen Netzwerken öffentlich äußert, sollte vor dem finalen Klick noch einmal innehalten und sich diese Mechanismen bewusst machen.“

2. Terror von rechts
(multimedia.swr.de, Marion Dilg & Sandra Kaupmann & Katja Beck, Thomas Reutter)
In der Dokumentation „Terror von Rechts. Die neue Bedrohung“ (Sendeterimine: 7.3.2016 um 22.45 Uhr im Ersten und 9.3.2016 um 23.30 Uhr im SWR Fernsehen) fragt Filmemacher Thomas Reutter, wie konsequent Politik und Justiz gegen rechtsradikale Täter vorgehen würden und ob der neue rechte Terror womöglich nicht ernst genug genommen wird. Der „SWR“ hat eine sehens-, hörens- und lesenswerte Webdoku zum Film veröffentlicht. Nicht nur informativ und lehrreich, sondern auch Beispiel dafür, wie neue, multimediale Erzählformen aussehen können.

3. Klare Worte beim EU-Türkei-Gipfel nötig
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ fordert anlässlich des bevorstehenden EU-Türkei-Gipfels klare Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Das dröhnende Schweigen der Bundesregierung zum Vorgehen der Türkei gegen kritische Medien ist unerträglich. Was muss eigentlich noch passieren, damit die Bundesregierung klare Worte zu den immer dreisteren Einschränkungen jeder freien Berichterstattung findet?“

4. Sie nennen Volker Beck einen Moralisten. Dabei wollen sie nur, dass er die Klappe hält. Dass wir die Klappe halten.
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Im Nollendorfblog beschäftigt sich Johannes Kram u.a. mit der öffentlichen Wahrnehmung von Schwulen in Medien. Anlässlich des Rückzugs von Volker Beck hätten einige Medien diesen abschätzig als „Moralapostel“ und „Moralist“ bezeichnet, doch das Gegenteil sei der Fall. Das, was dort Moralismus genannt würde, sei in Wahrheit Beständigkeit, Hartnäckigkeit, Prinzipienfestigkeit und die Bereitschaft, sich für die Sache auch unbeliebt zu machen. Ebenfalls zur Causa Beck äußert sich Kulturwissenschaftler Jan Schnorrenberg, der die Funktionsweise zweier ihm typisch erscheinender Erzählmuster erklärt: Die Erzählung vom selbstzerstörerischen Homosexuellen und die vom „hedonistischen, dekadenten und amoralischen Großstadtbewohner“.

5. Vom Aufschaukeln und Zweifeln
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier & Sascha Lobo)
Eine Stunde Denkanstöße der zwei wohl bekanntesten Medienkenner: Im Übermedien-Podcast reden Stefan Niggemeier und Sascha Lobo über Soziale Medien und wie sich ihre Wahrnehmung geändert hat. Machen sie Hass und Ressentiments in der Gesellschaft nur sichtbar oder verstärken sie sie? Ist ein ernsthafter Austausch von Argumenten, ein Überzeugen des Gegenübers überhaupt möglich? Auf welcher Grundlage kommen wir selbst zu unseren Überzeugungen, wie die Welt ist – und wie nicht?

6. Alf Frommer: Meinung schafft am Ende kein Vertrauen
(kress.de, Alf Frommer)
Alf Frommer hat eine Meinung zu Meinungsbeiträgen. Diese seien der beliebteste Content im Internet, seien schnell produziert, je provokanter desto populärer. Doch wer das Vertrauen seiner Leser gewinnen wolle, solle auf die gut recherchierte Nachricht setzen, nicht auf Meinung. „Dabei darf man nicht vergessen – jede Meinung ist eine Art Elfenbeinturm. Einer hat sie, der andere nicht. Bei einer Nachricht ist das anders, sie kann einem zwar auch gefallen (oder eben nicht), doch sie schließt niemanden aus.“

Unwillkommenskultur, Whistleblower, Hitler-Droge

1. Wie sich die deutsche Willkommenskultur in Ablehnung verwandelte
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Die „SZ“ hat die Medienberichte zur Flüchtlingsthematik der letzten neun Monate und die Social-Media-Reaktionen ausgewertet. Daraus ließe sich ablesen, wie sich die deutsche Willkommenskultur in Ablehnung verwandelte. Lege man die Zahl der Facebook-Interaktionen zugrunde, sei „Focus Online“ das mit Abstand erfolgreichste deutsche Nachrichtenportal. 97 Berichte zählten zwischen Juni und Februar zu den monatlichen Top 100. Davon hätten sich 50 mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt – und 48 hätten einen negativen Tonfall. Mit großem Abstand folgten die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ (14 negative Artikel), die „Welt“ (13 negative, zwei positive Artikel) und die rechtskonservative bis rechtsextreme „Junge Freiheit“ (zehn negative Artikel).

2. Vater aller Whistleblower
(freitag.de, Jacob Augstein)
Der 84-jährige „Vater aller Whistleblower“ Daniel Ellsberg hat den internationaler Friedenspreis „Dresdenpreis“ erhalten. Jacob Augstein dankt ihm in einer Laudatio. Ellsberg hätte dafür gesorgt, dass die „Pentagon Papers“ veröffentlicht wurden, die Unterlagen, die bewiesen haben, dass vier amerikanische Präsidenten hintereinander die Öffentlichkeit über Absichten und Aussichten des Vietnamkriegs belogen haben. Papiere, die dazu beigetragen haben, den Krieg zu beenden. Die in vielerlei Hinsicht lesenswerte Rede endet mit den Worten „Freiheit für Chelsea Manning! Freiheit für Julian Assange! Asyl für Edward Snowden!“

3. Der Mann, der den Toten vom Lageso erfand
(tagesspiegel.de, Julia Prosinger)
Im Januar verbreitete sich die Falschmeldung, das „Lageso“ (Landesamt für Gesundheit und Soziales) in Berlin habe einen Flüchtling auf dem Gewissen. Auslöser war eine Facebooknachricht des ehrenamtlichen Helfers Dirk V., die von einer Unterstützerorganisation zunächst ungeprüft übernommen wurde. Julia Prosinger vom „Tagesspiegel“ hat mit dem Mann und anderen Helfern gesprochen. Ein nachdenklich machendes Stück Journalismus, das mehr sagt als tausend Zahlen und das man der Politik mit „Fontsize=20“ ausgedruckt auf den Schreibtisch legen möchte.

4. tagesspiegel.de
(netzpiloten.de, Angela Phillips)
Im letzten Teil der Serie über Geschäftsmodelle für Nachrichtenmedien betrachtet Angela Phillips die Möglichkeit des Crowdfundings und wie es zukünftige Nachrichtenprojekte finanziell unterstützen könnte. Dabei stellt sie erfolgreiche Modelle aus anderen Ländern vor und streift Paywalls und Micropayment.

5. „Hitler-Droge!“: eine kurze Geschichte des Methamphetamin
(moritz-hoffmann.de)
Der Grünen-Politiker Volker Beck wurde mit einer Substanz erwischt, von der „Bild“ behauptet, es handele sich um Methamphetamin (Crystal Meth). Weil der Tageszeitung die Schlagzeile immer noch nicht reißerisch genug war, setzte man einen drauf und schrie hinaus: „Grüner mit Hitler-Droge erwischt!“. Diese Bezeichnung liege hauptsächlich an einem Buch aus dem letzten Jahr, das von Hitlers angeblicher Cracksucht berichtet hätte (damaliges Präparat: „Pervitin“). Der Historiker und Geschichtsblogger Moritz Hoffmann verrät, was von den knalligen Behauptungen zu halten ist.

6. War die Hitler-Überschrift ein Geniestreich der Bild-Redaktion?
(vice.com/de, Paul Garbulski)
An den letzten Beitrag anschließend die Kommentierung von „Vice“, die unter anderem auf die „Reductio ad Hitlerum“ verweist.

Muslime, Umfragewesen, Wiedergeburt

1. Total normal
(krautreporter.de, Irena Amina Rayan)
In den Medien seien Muslime Terroristen oder Verbrecher. Dabei wären sie in Wirklichkeit genauso durchschnittlich wie der Rest der deutschen Gesellschaft, stellt Irena Amina Rayan in ihrem Essay fest. Wer nach Ursachen für Integrations-Probleme suche, finde andere, komplexere Erklärungen.

2. Hier die «Bürger», dort die «Populisten»“
(medienwoche.ch, Fabian Baumann)
Dem Autor ist eine Diskrepanz in der Schweizer Politberichterstattung aufgefallen. Ausländische Rechtsparteien würden bevorzugt mit harten und härtesten Adjektiven tituliert, von „fremdenfeindlich“ bis „national-sozialistisch“. Die heimische SVP gelte indes seit Jahr und Tag als „bürgerlich“. Der Artikel geht der Frage nach, wie es dazu gekommen ist und warum man über treffendere Begriffe nachdenken sollte.

3. Über den Hass
(ploechinger.tumblr.com)
Der Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ Stefan Plöchinger über die uns umgebende Gesinnungs-Filterblase, Hass im Netz und die Schwierigkeit, damit umzugehen. Die Antwort darauf sei trivial, die Umsetzung jedoch weniger trivial: „Unser digitales Hochtempo-Reizthesen-Emotionsoptimierungs-Reichweitensystem bedingt, dass wir uns die ehernen Grundsätze unseres Berufs neu vergewärtigen.“ Etwas längerer Text mit klugen Gedanken, aus dem Blattmacher und Mensch sprechen.

4. Journalisten gegen „Lügenmedien“
(taz.de, Reinhard Wolff & Anne Fromm)
In Finnland haben sich 22 ChefredakteurInnen in einer gemeinsamen Erklärung gegen Hetze im Netz ausgesprochen. Man wolle sich als Teil der seriösen Medien offensiver mit Falschmeldungen und Hetzkampagnen im Internet auseinandersetzen. Für Deutschland können sich die „taz“-Autoren einen solchen Zusammenschluss nicht vorstellen: „Schließlich haben sie das in der Vergangenheit nicht einmal getan, wenn es um ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen ging: weder bei der Diskussion über das Leistungsschutzrecht noch bei der Frage nach Bezahlmodellen im Internet. Wieso sollten sie also jetzt?“

5. Die Stunde der Demoskopen
(deutschlandfunk.de, Ulrike Winkelmann)
Lesens- beziehungsweise hörenswerter Beitrag des Deutschlandfunks, der sich mit dem Umfragewesen und der damit verbundenen Datenindustrie beschäftigt. Es sind nur wenige Player im Spiel: Die Forschungsgruppe Wahlen versorgt das ZDF, infratest dimap die ARD und den Deutschlandfunk, Allensbach die „FAZ“. Emnid beliefert ProSieben/Sat1, Forsa RTL und den „Stern“ und INSA die „Bild“.

6. Das Leben nach dem Tod
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Vor zwei Jahren musste die Münchner „Abendzeitung“ Insolvenz anmelden. Was danach folgte, war das, was man wohl eine Gesundschrumpfung nennt. Claudia Tieschky hat das mittlerweile profitable Start-Up besucht und berichtet über „das Leben nach dem Tod“.

Auskommentiert, Ausgeschafft, Ausgemalt

1. Nahezu jede zweite Zeitungsredaktion schränkt Online-Kommentare ein
(journalist.de)
Viele Zeitungsredaktionen beklagen sich über den zunehmend aggressiver werdenden Ton der Kommentierer. Einige sehen sich angesichts des Moderationsaufwandes gezwungen, die Kommentarfunktion zu deaktivieren. Das Fachblatt „Journalist“ wollte es genauer wissen und hat im Februar 2016 alle Tageszeitungsvollredaktionen angeschrieben. Das erschreckende Ergebnis: Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben 27 von 66 befragten Zeitungsredaktionen die Kommentarfunktion auf ihren Websites eingeschränkt.

2. Social-Media-Entwicklungsland Deutschland: Niedrigste Nutzungsrate, höchste Alterskluft“
(blog.wiwo.de, Michael Kroker)
Michael Kroker von der „Wirtschaftswoche“ weist auf neue Zahlen zur Social-Media-Nutzung hin. Deutschland liege bei der allgemeinen Internet- und Smartphone-Verbreitung ungefähr auf demselben Niveau anderer Industriestaaten. Bei Social Media würden wir jedoch weiterhin eine auffällige Sonderrolle spielen: So rangiere Deutschland mit einer Quote von nur 50 Prozent Social-Media-Nutzer (gemessen an Internet-Usern) auf dem letzten Rang aller betrachteten Staaten – gemeinsam mit Pakistan.

3. Nach der Anti-DSI-Kampagne: Wie «neutral» soll politischer Journalismus sein?
(watson.ch, Peter Blunschi)
In der Schweiz hat die „Schweizerische Volkspartei“ (SVP) eine Volksinitiative „Zur Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländer (Durchsetzungsinitiative)“ in die Wege geleitet, die von Bundesrat und Parlament abgelehnt wurde und in der Abstimmung vom 28.02.2016 nicht die nötigen Stimmen erreichte. „Watson“-Redakteur Peter Blunschli geht auf die Rolle der Schweizer Medien bei der Kampagne gegen die Initiative ein und fragt, wie parteiisch Medien sein dürfen.

4. Kommentar: Respekt für einen toten Segler.
(segelnblogs.de, Hinnerk Weiler)
Eine Gemeinschaftsseite von bloggenden Seglern erreicht die Nachricht über ein führerloses deutsches Segelschiff in der Südsee; der Skipper sei verstorben. Man entschließt sich, die Privatsphäre des Manns zu respektieren und auf eine Berichterstattung zu verzichten. Auch mit Rücksicht auf die Angehörigen, was auch gleich zum Hauptkritikpunkt überleitet: „Heute morgen fanden diese Menschen auf der Webseite bei Bild-Online Fotos, die einen lieben Menschen, vielleicht Freund, Vater oder Bruder als Leiche zeigen. Nicht verpixelt, gestochen scharf. Betitelt mit Beschreibungen vom Grad der Verwesung in fetten Lettern. Hundertfach geteilt in Segelgruppen, bei Facebook, Twitter und in anderen Sozialen Netzwerken. Das hat uns das Frühstück im Halse stecken lassen und darin bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“

5. Trump will Klagen gegen Medien erleichtern
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ ist besorgt über die Ankündigung des republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump, Verleumdungsklagen gegen Medien zu erleichtern. Sie füge sich in ein beunruhigendes Muster von Restriktionen Trumps gegen Journalisten. Schon unter Präsident Barack Obama habe die Pressefreiheit in den USA Schaden genommen, in dessen Amtszeit die Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern stark genommen habe.

6. Malen nach dem Zahlen
(uebermedien.de, Peter Breuer)
Werbetexter Peter Breuer hat sich für „Übermedien“ eine Spezialausgabe der „Brigitte“ mit Malvorlagen angesehen und mit einer Handvoll Finelinern einen kühnen Selbstversuch unternommen. „Möglicherweise ist der Ausmal-Trend eine weitere Stufe der gesellschaftlichen Regression von Erwachsenen, die in einer immer komplizierter wirkenden Welt die bepulloverten Hände um eine schöne große Tasse Kakao schlingen wollen und sich in ein Bällebad wünschen.“

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