Archiv für 6 vor 9

Tom Bartels, Medienkriege, Geheimdienste

1. „Wie tickt Tom Bartels?“
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Ein Interview mit Tom Bartels, der das Finale der Fußball-WM kommentieren soll: „Jeder Reporter, auch ich, könnte einfach zehn Prozent mehr schweigen. (Man hört eine Frauenstimme im Hintergrund.) Meine Frau Tina, die gerade wiederkommt, ruft: 20 Prozent.“

2. „Pressefreiheit mitgelöscht“
(berliner-zeitung.de, Jonas Rest)
Vom Recht auf Vergessenwerden betroffene Zeitungen müssen „eine Möglichkeit des außergerichtlichen Widerspruchs haben“, findet Jonas Rest: „Ansonsten verkommt die Pressefreiheit zur funktionslosen Dekoration: Es werden viele kritische Texte auf den Servern von Nachrichtenportalen liegen, die aber nutzlos sind, da sie niemand findet, wenn er sie wirklich braucht.“ Siehe dazu auch „Google reverses decision to delete British newspaper links“ (reuters.com, englisch).

3. „Kiews Dilemma mit den russischen Medien“
(nzz.ch, Rudolf Hermann)
Die ukrainischen Behörden fragen sich, wie sie mit russischen Medien umgehen wollen, die „offen desinformieren“, berichtet Rudolf Hermann: „Nicht nur in Russland, sondern auch in weiten Teilen der russischsprachigen Ostukraine gehört russisches Fernsehen zu den wichtigsten Informationskanälen. Die Objektivität der Information wird dabei wenig hinterfragt.“

4. „Der Krieg der Phrase“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.ch)
Der „erste Medienkrieg“ der Geschichte.

5. „‘Spüre die Angst auch schon in Deutschland’“
(deutschlandradiokultur.de, Korbinian Frenzel)
Boris Reitschuster, Autor des Buchs „Putins Demokratur“, redet über seine Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst FSB: „Ich wurde einmal festgenommen, ich wurde einmal umgefahren von einem Auto, absichtlich, wo man sagte, ich stehe ich Weg. Man hat mich dann umgefahren. Ich wurde einmal verprügelt. Man wird richtig ängstlich, ich spüre diese Angst inzwischen auch schon in Deutschland, wenn ich jemand sehe mit einer Kunstlederjacke und mit einem bestimmen Haarschnitt, dann fange ich schon an nervös zu werden, obwohl es hier in Deutschland natürlich Fehlalarm ist.“

6. „Von der NSA als Extremist gebrandmarkt“
(tagesschau.de, Lena Kampf, Jacob Appelbaum und John Goetz)
Wer sich mit Software zum Schutz vor Überwachung im Internet beschäftigt, wird von der NSA als „Extremist“ markiert: „Extremisten? Das Gegenteil ist der Fall, wie die Recherchen zeigen. Die deutschen Opfer sind politisch keinesfalls am äußeren Rand zu finden. Extrem sind sie allein in einem Punkt: Sie sind besorgt um die Sicherheit ihrer Daten. Und genau das macht sie in den Augen des US-Geheimdienstes verdächtig.“

Stern.de, Digg, Eric Weber

1. „EU’s right to be forgotten: Guardian articles have been hidden by Google“
(theguardian.com, James Ball, englisch)
James Ball stellt sechs Guardian-Artikel vor, die aufgrund des Rechts auf Vergessenwerden vom Google-Suchindex verschwinden: „Publishers can and should do more to fight back. One route may be legal action. Others may be looking for search tools and engines outside the EU. Quicker than that is a direct innovation: how about any time a news outlet gets a notification, it tweets a link to the article that’s just been disappeared. Would you follow @GdnVanished?“ Siehe dazu auch „Why has Google cast me into oblivion?“ (bbc.com, Robert Peston).

2. „Wozu gibt es eigentlich STERN.de?“
(jensrehlaender.tumblr.com)
Wer Stern.de aufrufe, dem offenbare sich „in schonungsloser Härte, wie Reichweitenoptimierung eine Medienseite bis zur Unkenntlichkeit“ ruiniere, schreibt Jens Rehländer. „Liebe Leute von stern.de, ich bin sicher, ihr würdet euren Dienst anders machen, wenn man euch ließe. (…) Denn angesichts dieses Allerwelts-Klimbim frage mich ernsthaft, was fehlen würde, wenn es stern.de morgen nicht mehr gäbe?“

3. „Gegenentwurf zu Facebook: Wie Digg zur Startseite des Internets werden will“
(spiegel.de, Ole Reißmann)
Ole Reißmann schaut sich Digg an, wo man neu auf redaktionell ausgewählte Links setzt. „Was es auf Digg nicht gibt: Clickbait, reißerische Überschriften zu oft belanglosem Entertainment, wie es Seiten wie Heftig oder Upworthy vormachen.“

4. „Deutsche Talkshows sind Russland-lastig“
(ostpol.de, Sonja Volkmann-Schluck)
Fabian Burkhardt analysiert in der Arbeit „Die Ukraine-Krise in den deutschen Talkshows“ die Gäste von Talkshows zum Thema Russland und Ukraine.

5. „A leap forward in quarterly earnings stories“
(blog.ap.org, Paul Colford, englisch)
Die Nachrichtenagentur AP will neu in automatisierter Form Bericht erstatten: „The Associated Press announced in an advisory to customers today that the majority of U.S. corporate earnings stories for our business news report will eventually be produced using automation technology.“

6. „Eric Weber, der Bürgerschreck“
(bazonline.ch, Aaron Agnolazza)
Aaron Agnolazza stellt Eric Weber vor, Ex-“Bild“-Mitarbeiter und gewählter Parlamentarier im Kanton Basel-Stadt: „Mittlerweile deckt der Grossrat die Regierung beinahe täglich mit Interpellationen und schriftlichen Anfragen ein. ‘Ich schreibe so viele Anfragen, um den angestauten Frust abzubauen’, erklärt sich Weber. ‘Meine Anfragen kosten die Regierung pro Monat 20 000 Franken’, behauptet er beinahe triumphierend.“

Per Mertesacker, Mindestlohn, Erdbeben

1. „Haut ab mit eurem Wow-Effekt!“
(zeit.de, David Hugendick)
Ein ZDF-Interview mit Per Mertesacker (youtube.com, Video, 2:35 Minuten) im Anschluss an das Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Algerien: „Im Fernsehen, wo notorisch ‘magische Momente’ eingefordert werden, hat Negativität keinen Platz mehr. Man will lieber Wirklichkeit mit dem Emotionswert der Soap-Opera. Man will ‘echte Tränen’, ‘echte Freude’ und alles, was sonst noch unter dem Modewort ‘Authentizität’ firmiert, die nur gut ist, solange sie sich anpasst und irritationsfrei konsumierbar ist.“

2. „Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!“
(faz.net, Frank Lübberding)
Frank Lübberding gratuliert ZDF-Reporter Boris Büchler zu diesem Interview und regt an, sich mit dem Bundestrainer zu beschäftigen: „Stattdessen sieht man etwa im Fernsehen jene Szenen namens ‘Löw am Strand’ im WM-Quartier der Nationalmannschaft. Ein nachdenklicher Trainer auf dem Wege zu Ruhm, so ist diese Form des öffentlich-rechtlichen Propaganda-Fernsehens zu nennen. Offenkundig muss jeder Journalist für ein kritisches Wort befürchten, am Hofe des DFB in Ungnade zu fallen.“ Siehe dazu auch „In Interviewgewittern“ (begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig).

3. „LSR: Wiederholt sich die Geschichte?“
(vocer.org, Heidi Tworek und Christopher Buschow)
Heidi Tworek und Christopher Buschow erinnern an das Gesetzgebungsverfahren in den 1920er-Jahren, als mit der zunehmenden Verbreitung des Radios „die Forderung nach einem rechtlich geregelten Nachrichtenschutz“ aufkam.

4. „Schlechte Schlagzeilen (1): ‘Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen’“
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Die Schlagzeile „Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen“ auf Focus.de: „Die Gefahr durch geologische Aktivität ist heute nicht größer als sie es in der Vergangenheit war. Es ist nichts passiert, dass eine neue ‘Bedrohung’ durch Erdbeben verursacht hat. Wir wissen nun nur besser über die Statistik Bescheid als vorher.“

5. „Warum werden eigentlich ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn ausgenommen?“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Der angeblich flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro soll erst ab 2017 auch für Zeitungszusteller gelten. „Geht es nicht noch ein bisschen grotesker und dreister?“, fragt Jens Berger zur Behauptung, die Pressefreiheit sei dadurch in Gefahr: „Nach dieser Logik sind auch Hungerlöhne für Krankenpfleger gerechtfertigt, da ansonsten ja Krankenhäuser geschlossen werden müssten und die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Gefahr wäre. Nach dieser Logik ließen sich in so ziemlich in jeder Branche Hungerlöhne rechtfertigen.“

6. „Die gesammelten Bauer-Regeln zu Journalismus im Netz“
(davidbauer.ch)

Jung&Naiv, Volontariat, Netzfingerabdruck

1. „Der Traum vom Journalistenleben“
(mdr.de, Audio, 29:23 Minuten)
Zwanzig Jahre nach dem Besuch der Journalistenschule ruft Philip Meinhold ehemalige Mitschüler an und fragt sie, ob sie ihre Vorstellungen von Journalismus verwirklichen konnten.

2. „Bitte bewerben – ihr braucht dafür auch nur drei Tage“
(sara-weber.tumblr.com)
Noch bis zum 8. Juli kann man sich beim britischen „Spectator“ für ein ein- oder zweiwöchiges Praktikum bewerben. Sara Weber findet die Anforderungen dafür sehr hoch, das Bewerbungsverfahren „unverschämt“.

3. „Meine Laudatio für Jung&Naiv: Die konservative Konterrevolution hat Youtube erreicht“
(leitmedium.de, ccm)
„Jung & Naiv“ mit Tilo Jung revolutioniere nicht den Journalismus auf Youtube, sondern es sei „ein Intranetformat für Medienmacher und Politiker“, schreibt Caspar Clemens Mierau: „Jung bringt den am Zuschauer desinteressierten Journalisten auf die Videoplattform und erntet damit natürlich den Applaus einiger Journalisten-Kollegen, die auch lieber ohne Leser schreiben würden.“

4. „Stromnetz verrät Whistleblower“
(heute.de, Peter Welchering)
Eine Verzerrung der Stimme des Informanten ist kein wirkungsvoller Schutz, schreibt Peter Welchering: „Denn mit einer IT-forensischen Methode können die Einstreuungen der elektrischen Netzfrequenz in Tonaufnahmen herausgefiltert und zu einer Art Netzfingerabdruck verdichtet werden. Dieser Netzfingerabdruck wird dann mit Frequenzdatenbanken abgeglichen, um herauszubekommen, wann und wo die Aufnahme gedreht wurde.“

5. „Das Chaos der Anderen“
(neues-deutschland.de, Tobias Riegel)
Tobias Riegel malt sich in der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“ aus, wie es wäre, wenn ausländische Politiker und Medien deutsche Politiker kritisieren, die versuchen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen: „Wir können uns in Deutschland kaum vorstellen, wie das wäre, wenn sich der US-Außenminister regelmäßig tadelnd zu unserem Umgang mit Demonstranten äußern würde. Es ist aber zu vermuten: Sollte eine linke Bundesregierung einst den Austritt aus der NATO anstreben – wir würden das Gefühl der ständigen Ermahnung kennenlernen. Dann wären die Randalierer vom 1. Mai für die ‘Bild’-Zeitung plötzlich die ‘friedliche und demokratische’ Speerspitze gegen eine ‘autokratische’ und ganz allgemein ‘korrupte’ Bundesregierung – die schleunigst durch Technokraten ersetzt werden muss.“

6. „Keine Handyfotos auf der Pressetribüne erlaubt“
(twitter.com/LarsWallrodt)

Ikea, Juncker, Filmpool

1. „Eine Farce nähert sich ihrem Höhepunkt“
(zeit.de, Till Kreutzer)
Till Kreutzer schreibt zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger: „Schon die Einführung des LSR entbehrte jeglicher Begründung und Rechtfertigung. Der Versuch, zu dessen Durchsetzung auch noch das Kartellrecht ad absurdum zu führen, ist infam.“ Siehe dazu auch „‘Die Zeit ist reif für ein Leistungsschutzrecht’“ (voez.at).

2. „Marc-Uwe Kling sollte gut aufpassen, dass seine Känguru-Chroniken nicht in die Hände von ‘Bild’-Reporterin Birgit Begass fallen“
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Heiko Werning)
Ein „Bild“-Bericht über ein Gehege mit Wildtieren in Stolberg: „Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, sich auszumalen, was es für die Existenz eines Biologie-Lehrers und Fachjournalisten bedeuten könnte, plötzlich öffentlich als Tierquäler gebrandmarkt zu werden.“

3. „Beim Casting für Scripted-Reality-Formate“
(noz.de, David Sarkar)
David Sarkar besucht ein Casting der TV-Produktionsfirma Filmpool: „Bis zu 14 Stunden am Tag stehen die Darsteller vor der Kamera, pro Tag bekommen sie 60 Euro – ein Stundenlohn von rund 4,50 Euro.“

4. „Der Journalismus und das Juncker-Phänomen“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal versucht mittels der Lektüre journalistischer Berichte herauszufinden, um was es in der Diskussion um die Besetzung von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident inhaltlich geht: „In der Juncker-Sache wurde in einem Ausmaß undeutlich, nebulös und uneigentlich berichtet, dass es schon an Journalismusverweigerung grenzt.“

5. „Twittern für den Kreml“
(nzz.ch, Katharina Bracher)
Die NZZ reagiert auf die Flut von prorussischen Leserkommentaren mit einem „Propaganda-Paragraphen“ in der Netiquette.

6. „Taipeh schlägt Hamburg: Unser Ikea ist kleiner und zentraler!“
(intaiwan.de, Klaus Bardenhagen)
Angeblich wird in Hamburg-Altona die weltweit erste Innenstadt-Filiale von Ikea eröffnet: „Äh… nö. Zumindest hier in Taipeh gibt es das schon lange.“

Katrin Müller-Hohenstein, China, Ägypten

1. „Die falsche Debatte“
(frau-dingens.de, Mina)
Mina analysiert Feuilleton-Artikel zur Technik der Zukunft: „Das Bildungsbürgertum wehrt sich mit letzter Kraft gegen die digitale Durchdringung der Gesellschaft, die so viele Nachteile anderer Milieus ausgleichen kann, und somit den eigenen Status gefährdet.“

2. „Banal, belanglos, Müller-Hohenstein“
(berliner-zeitung.de, Anne Burgmer)
Katrin Müller-Hohenstein berichtet für das ZDF von der Fußball-Weltmeisterschaft: „Müller-Hohenstein berichtet, wo es nichts zu berichten gibt. Sie erklärt während der Live-Schalte in den Fernsehgarten, wann die Mannschaft gelandet ist, dass sie dann im Bus weiterfuhr und schließlich auf die Fähre wechselte. Und dann wieder in den Bus. Und dann Koffer auspackte.“

3. „Were Luis Suárez’s bite marks Photoshopped?“
(theguardian.com, Jonny Weeks, englisch)
Fußball: Die Debatte um ein Foto von Tony Gentile (Reuters), das eine Bisswunde an der Schulter von Giorgio Chiellini zeigt.

4. „Neue Maulkörbe für Chinas Journalisten“
(derstandard.at, Johnny Erling)
Medienfreiheit in China: „Unter dem Slogan ‘Kampf gegen Gerüchteverbreiter’ wurde eine Reihe sogenannter Blogger-Meinungsführer unter Straftatsvorwürfen festgenommen und mit Schuldeingeständnissen als reuevoll auftretende Sünder im TV vorgeführt. Einfachen Bloggern wird mit Strafverfolgung gedroht, falls von ihnen ins Netz gestellte (Falsch-)Nachrichten mehr als 500-mal weitergeleitet werden.“

5. „Wer ist das Volk?“
(sueddeutsche.de, Sonja Zekri)
Medienfreiheit in Ägypten: „Zehntausende politische Gefangene, Hunderte Todesurteile und sechs tote Journalisten seit vergangenem Jahr haben ein Klima geschaffen, in dem nach den Worten des Schriftstellers Alaa al-Aswani ‘nur eine Meinung erlaubt ist, ein Gedanke in den immer gleichen Worten.’“

6. „Klicks sind tot: Upworthy veröffentlicht Code, um Aufmerksamkeit zu messen“
(t3n.de, Kim Rixecker)
Kim Rixecker schreibt über den Blogbeitrag „Implementing Attention Minutes, Part 1″ (upworthy.github.io, Zane Shelby, englisch). „Mittels verschiedener Scripte soll genau gemessen werden, ob eine Seite derzeit aktiv ist und wie lange der Besucher sich beispielsweise ein Video auf der Seite anschaut.“

Forget.me, Echo-Medien, Norbert Lammert

1. „Staatsanwaltschaft geht mit Durchsuchungsbeschluss gegen Echo-Medien vor“
(echo-online.de)
Zum ersten Mal „in der fast siebzigjährigen Geschichte der Echo-Zeitungen überhaupt“ erhalten die ECHO-Medien in Darmstadt Besuch von der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei. Gefordert wird die Identität hinter einem inzwischen gelöschten Leserkommentar.

2. „Forget.me illustriert, wie nah Datenschutz und Zensur beieinander liegen“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt Forget.me vor. Die französische Website zeichne sich auch dadurch aus, „dass User nicht wie beim Google-’Löschservice’ manuell die zu entfernenden Website-URLs liefern müssen. Stattdessen zeigt Forget.me eine Live-Ergebnisliste zur Suche nach dem persönlichen Namen an. Neben jedem Eintrag befindet sich eine prominent platzierte Schaltfläche ‘Forget this’. Wer diese betätigt, muss auf der Folgeseite noch die passende juristische Rechtfertigung auswählen und den Scan eines Dokuments zur Identifizierung hochladen. Fertig.“

3. „Auf einmal“
(umblaetterer.de, Paco)
Paco fragt sich, weshalb der „Freitag“ den Jakob-Augstein-Text „Wir töten, was wir lieben“ über Frank Schirrmacher offline gestellt hat.

4. „Der digitale Kulturpessimismus des Feuilletons langweilt“
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
„Kulturpessimismus floriert im Feuilleton“, stellt Philippe Wampfler fest: „Über die Gründe kann ich nur spekulieren – es wundert mich immer wieder, warum aus all den Menschen, die zu digitalen Entwicklungen etwas sagen könnten, immer die mit den platten Angst-Thesen Platz erhalten.“

5. „Die scheinheilige Empörung über Schumachers gestohlene Krankenakte“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier reagiert auf die „Warnung vor Veröffentlichung“ der entwendeten Krankenakte von Michael Schumacher durch den DJV: „Die Veröffentlichung der Krankenakte wäre gerade deshalb auch so empörend, weil ihr Inhalt wahr wäre. Im Gegensatz zu all dem unzuverlässigen Geraune, mit dem die Medien ihre Schumacher-Berichterstattung füllen.“

6. „Lammerts Lebenshilfe: Überwachung mit Fassung tragen!“
(youtube.com, Video, 1:31 Minuten)
Siehe dazu auch „Arbeitserleichterung für die NSA: Deutscher Bundestag bezieht Internet von US-Anbieter Verizon“ (netzpolitik.org, Andre Meister).

Gabor Steingart, Crowdfunding, Übersetzungen

1. „Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart“
(sixtus.net)
Mario Sixtus befasst sich mit dem FAZ-Text „Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf“ von Gastautor Gabor Steingart: „Herr Steingart behauptet hier nichts anderes, als dass sämtliche deutschsprachigen Artikel, die Google indiziert hat – also wohl so ziemlich beinahe fast alle Texte im deutschen Internet -, ihren Ursprung in deutschen Zeitungsverlagshäusern haben. Alle. Deutschen Texte. Im Internet.“

2. „Rezensentische Fehlgriffe“
(titel-kulturmagazin.net, Pieke Biermann)
Übersetzerin Pieke Biermann geht sehr detailiert ein auf eine Kritik des NZZ-Feuilletons an der Übersetzung, die sie für das Buch „Behind the Beautiful Forevers“ von Katherine Boo angefertigt hat.

3. „Dinstinguiert, umschwärmt“
(journal21.ch, Heiner Hug)
Heiner Hug erinnert an Paul Spahn, Sprecher der Tagesschau des Schweizer Fernsehens von 1959 bis 1985.

4. „Wie wird Crowdfunding erfolgreich?“
(curcuma-medien.de, Anita Grasse)
Anita Grasse denkt darüber nach, wie man erfolgreiches Crowdfunding macht. „Klar, auch wer diese fünf Erfolgsgeheimnisse beherzigt, kann mit seinem Projekt gnadenlos scheitern. Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Plattform, falsche Leute.“

5. „‘ARD und ZDF verstehen sich als versteckte PR-Kompanie des DFB’“
(meedia.de, Alexander Becker)
Philipp Köster mit einer Zwischenbilanz zu den Leistungen von ARD und ZDF zur Fußball-Weltmeisterschaft: „Wenn man Mario Götze schon mal ausführlicher vors Mikrofon bekommt, wäre das doch eine feine Gelegenheit, ihn mal zu ein paar fußballerischen Dingen zu befragen. Stattdessen geht es dann um Frühstücksrituale und darum, ob er sich nicht der Schafkopfrunde der Kollegen anschließen möchte. Da schaltet man doch gerne schnell mal um.“

6. „BILD dir deine Doppelmoral“
(extra3.blog.ndr.de)
Siehe dazu auch „Warnung vor Veröffentlichung“ (djv.de).

Vice Media, Mindestlohn, Heftig

1. „‘Das Internet ist für die Verlage ein Segen’“
(medienpolitik.net)
Ein Interview mit dem Präsident des BDZV, Helmut Heinen, der gute Gründe sieht, gegen einen Mindestlohn von 8,50 Euro zu klagen. „Die Staatsrechtler Prof. Dr. Degenhardt, Universität Leipzig, und Prof. Dr. Dr. Di Fabio, Universität Bonn und ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, kommen in ihren Gutachten übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Einführung des Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Pressefreiheit, Art. 5 Grundgesetz, bedeuten würde.“

2. „Kommentare null: Das langsame Sterben des Spiegel-Blogs“
(meedia.de, Alexander Becker)
Das Spiegelblog ist „zur Abladestelle für Eigenwerbungstexte zum aktuellen Heft verkommen“.

3. „‘Vice’ liebt das Wilde und Waghalsige“
(nzz.ch, Martin Hitz)
Vice Media hat sich in den letzten Jahren zu „einem breit diversifizierten Imperium mit 1100 festen und 4000 freien Mitarbeitern entwickelt“, stellt Martin Hitz fest. „So ist Vice auch ein Musiklabel, ein Buchverlag, ein Event-Veranstalter, eine Filmproduktionsfirma, eine Werbeagentur und ein Werbenetzwerk; selbst ein Pub im Londoner East End nennt die Firma ihr eigen.“

4. „Emotionen für Millionen: Heftig.co und der Durchmarsch der Content-Katapulte“
(get.torial.com, Tobias Lenartz)
Tobias Lenartz beschäftigt sich mit der Website Heftig.co: „Dass die ‘Inhalte’ von Heftig nahezu alle aufgewärmt sind, stört die aktuell über 920.000 Facebook-Fans offenbar ebenso wenig wie der Umstand, dass die Videos und Storys nur bedingt mit den hochgejazzten Erwartungen mithalten können. Der Trick: Heftig wärmt fast ausschließlich Geschichten auf, die sich bereits viral bewährt haben.“

5. „‘Ich dachte zuerst, es ist ein Scherz’“
(sueddeutsche.de, Jonathan Fischer)
Ein Interview mit Schauspieler Marius Jung, dem Studentenvertreter Rassismus vorwerfen – er ist Autor des Buchs „Singen können die alle! Handbuch für Negerfreunde“: „Tabus führen doch nur zu noch mehr Ausgrenzung. Es hilft niemandem, wenn Menschen stammelnd vor mir stehen und nicht wissen, wie sie mich nennen sollen. Dann ist es besser, man spricht offen und angstfrei über Begriffe.“

6. „Die Stunde der Idioten“
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt nachts unterwegs in Zürich: „Die Stunde der Idioten ist uralt. Nur ihre Zeit variiert: ‘Vor 30 Jahren war die wildeste Zeit an der Langstrasse um sechs Uhr abends. Gruppen von Geschäftsherren zogen, schon stockbetrunken, von Striplokal zu Striplokal’, so ein erfahrener Clubbetreiber. ‘Später in den 80er-Jahren lagen die Schnapsleichen um 1 Uhr im Niederdorf. Die Nutzniesser waren die uralten Prostituierten, die wie Muränen aus ihren Löchern kamen und mit einem ‘Komm, Schatzi’ die Betrunkenen in den Hauseingang zogen.’“

Sport Bild, Spiegel Online, Social-Media-Redakteur

1. „Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen?“
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Frage, „was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht“, entgleite den Redaktionen zunehmend, stellt Stephan Dörner fest, weshalb es zunehmend auch gar keine „Blattmacher“ benötige. „Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.“

2. „Die substantiellen Probleme von Spiegel Online“
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat befasst sich mit der Online-Strategie von „Spiegel“ und „Spiegel Online“: „Die Zwei Klassen-Gesellschaft in der Spiegel Gruppe, also die Printredaktion mit ihren Gesellschafteranteilen (Mitarbeiter-KG) versus Online ohne Anteile am Verlag, bleiben das zentrale Problem.“

3. „Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Für die nicht wissen wie“
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
„Sport Bild“ lässt Kevin Großkreutz Fragebogen mit witzig gemeinten Antworten ausfüllen (BILDblog berichtete), um ihm diese später ernsthaft vorzuhalten.

4. „Er kann es einfach nicht“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch „Ganz oben ganz unten“ von Christian Wulff: „Ich habe inzwischen keinen Zweifel daran, dass Wulff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und narzisstischem Jagdtrieb einiger wildgewordener Egomanen einem eben auch qualitätsmedialen Blutrausch erlag, in dem sich zu Beginn mehrere Jäger gleichzeitig auf das gleiche Objekt konzentrierten. Zunächst begann ein Wettkampf (‘Bild’, ‘stern’, ‘Spiegel’). Als ‘Bild’ durch die Mailbox-Nachricht praktisch über Nacht ein Faustpfand in der Hand hatten, übernahm ‘Bild’ die Führungsrolle. Willig liessen sich nahezu alle selbsternannten Qualitätsmedien vor den Karren spannen.“

5. „The German war against the link“
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis kommentiert die Forderung deutscher Verleger an Suchmaschinen, „bis zu elf Prozent der Umsätze, die sie mit Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen erzielen, an die Zeitungen und Zeitschriften“ weiterzureichen: „They are trying to blackmail net companies in hopes of getting some payoff from them.“

6. „Fußballfloskeln wörtlich genommen“
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Die Sendung mit der Maus nimmt Fußballreporter mal wörtlich.

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