Archiv für 6 vor 9

Trumps Mann fürs Grobe, Springer vs. Burda, Pufpaffs treue TV-Hasser

1. Trump-Berater über US-Medien: Ihr seid die Opposition
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
Donald Trump hat bekanntermaßen den früheren Breitbart-Chef und Rechtsausleger der Republikaner Steve Bannon zum „Counselor to the President“ ernannt. Bannon ist damit der ranghöchste Berater im Weißen Haus. Nun holzt er entsprechend los, behauptet, dass die Medien „zu 100 Prozent“ falsch berichtet hätten und nennt dabei ausdrücklich die „Washington Post“ und die „New York Times“. Matthias Kolb erklärt die Hintergründe und weist am Ende auf eine pikante Meldung der „Washington Post“ hin, nach der Bannon sowie vier andere Mitglieder des engsten Trump-Zirkels in zwei Bundesstaaten in den Wählerlisten auftauchen: „Dies ist genau jener angebliche „Wahlbetrug“, über den sich Trump beschwert und den er – ohne jegliche Grundlage – als Erklärung ausführt, wieso Hillary Clinton knapp drei Millionen mehr Stimmen erhielt.“

2. Ein schmaler Grat: Springer gegen Burda
(irights.info, Till Kreutzer)
Schon seit einiger Zeit wirft der Springer Verlag den Leuten von „Focus Online“ vor, sich systematisch beim Bezahlangebot „Bildplus“ zu bedienen, sprich Meldungen zu übernehmen. Juristisch ist das Ganze nicht einfach wie iRights-Anwalt Till Kreutzer schreibt. In dem Fall ginge es weniger um Fragen des Urheberrechts als um solche des Wettbewerbsrechts. Dem gegenüber stünde die Freiheit von Informationen. Egal wie die Klage Springers gegen Burda ausginge, sei es jedoch eine Frage von (Doppel)Moral: „Solange es nicht verboten ist, können Verlage oder ihre Redaktionen das vielleicht so machen. Aber die andere Frage ist: Sollte man es machen? Insbesondere, wenn man zu einem Verlag wie dem Burda-Verlag gehört, der für sich reklamiert, Qualitätsmedien herzustellen.“

3. Konstruktive Glückwünsche
(taz.de)
„Emma“ wird 40 und die „taz“ lässt zu diesem Anlass sieben Frauen zu Wort kommen, die mit der Zeitschrift groß geworden sind. Neben den zu erwartenden Geburtstagsglückwünschen gibt es auch einiges an Kritik. Und apropos Kritik: Für „turi2“ hat Tatjana Kerschbaumer die aktuelle Jubiläumsausgabe der Emma einer Blattkritik unterzogen.
Und Kommunikationswissenschaftlerin Martina Thiele spricht in der „taz“ unter anderem über die Gefahr, dass die „Emma“ vor lauter Antiseximus rassistisch werden könnte: „Auf dem rechten Auge blind“

4. War on Facts
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Adrian Lobe schreibt über die Gefahren von Trumps Politik als Reality-Show: „Trumps Krieg gegen die Wirklichkeit besteht darin, dass er seine Politik der Logik der Reality TV unterwirft, in der etablierte und bewährte Spielregeln des politischen Betriebs (Verfassungstreue, Respektierung der Grundrechte, Achtung von Minderheiten) nicht mehr gelten und Medien nur noch Zuschauer sind. Die Folge ist, dass die Lüge gar nicht mehr sanktioniert wird, weil sie als akzeptiertes Stilmittel und Schmiermittel seiner Show-Politik quasi mit dazugehört.“

5. Türkei sperrt neues Onlinemedium „Özgürüz“
(spiegel.de)
Die Türkei hat das kritische Onlinemedium „Özgürüz“ gesperrt. Und zwar bereits bevor es richtig losgehen sollte, wie „Correctiv“-Verantwortlicher und „Özgürüz“-Herausgeber Markus Grill auf Twitter meldete.

6. Die treuesten Zuschauer sind oft die, die einen hassen.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Sebastian Pufpaff ist ein deutscher Kabarettist, Moderator und Entertainer. In der „Heute-Show“ bekommt er meist die „Arschloch-Rolle“, während er in „Pufpaffs Happy Hour“ als gut gelaunter Gastgeber Comedy- und Kabarett-Kollegen auf die Bühne holt. Im Interview spricht Sebastian Pufpaff über seine Anfänge im Shopping-TV, Sendeplätze für Satire, empfindliche Zuschauer und seine „Schleimfrisur“.

Ablauf mit Gabriel, Antisemitismus im Schulbuch, UFO-Theorien bei „N24“

1. Erster!
(sueddeutschte.de, David Denk)
Wie lief das jetzt eigentlich genau mit der Gabriel-Geschichte? Wessen Scoop war das? Und wer hat wann zuerst berichtet? David Denk rekonstruiert: Eigentlich habe es eine Sperrfrist (Dienstagabend) gegeben, damit Sigmar Gabriel vorher die SPD-Gremien unterrichten könne. Dann aber platzte der Branchendienst „Meedia“ dazwischen, der wohl aus „Grossistenkreisen“ von der „Stern“-Story erfahren hatte. Und dann war die Geschichte in der Welt. Bei faz.net erzählt „Stern“-Chefredakteur Christian Krug im Interview, wie es zum Gabriel-Interview kam.

2. Live bei Cobra-Einsatz: „Krone“-Lecks mit Tradition
(derstandard.at)
Vergangenen Freitag in Wien: Um 18:03 Uhr wird ein möglicher Attentäter festgenommen. Um 18:09 Uhr twittert die Redaktion der „Kronen Zeitung“ über die Festnahme des möglichen Attentäters. „Da stellen sich Fragen wie: Wenn die Bedrohung tatsächlich so dramatisch war, wie sie insbesondere die ‚Krone‘ beschrieb — könnte eine so frühe Veröffentlichung nicht etwa mögliche Mittäter zum Losschlagen motivieren?“ derStandard.at über die „lange Geschichte von „Festnahmen mit ‚Krone‘-Begleitung“.

3. Harald Martenstein macht „Lügenpresse“-Vorwürfe salonfähig
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In seiner (inzwischen vergangenen) Kolumne im „Zeit Magazin“ schreibt Harald Martenstein „über Einwanderung und Abschiebungen“ und einen Hindu aus Afghanistan, von dessen Fall er im „ZDF“ erfahren habe. Weil Martenstein „ARD“ und „ZDF“ misstraut („Tagesschau“, „heute“ und „Tagesthemen“ erinnerten ihn „wegen ihrer Regierungsnähe zunehmend ans DDR-Fernsehen“), recherchiert er den Fall selber nach. Und es zeigt sich: Es ist alles so gewesen, wie das „heute journal“ berichtet hat. Stefan Niggemeier kann das nicht so richtig fassen: „Das ist also der Anlass für Martenstein, ausführlich im ‚Zeit Magazin‘ darzulegen, dass er ARD und ZDF für DDR-fernsehhaft hält und erstmal davon ausgeht, dass sie die Unwahrheit sagen: Dass er erleben musste, dass ein ZDF-Bericht einer Überprüfung standhält.“ Im zweiten Teil der Martenstein-Kolumne geht es um die deutsche Flüchtlingspolitik. Und auch da wird’s nicht besser.

4. Kein Anfangsverdacht gegen Anne Will
(faz.net, Michael Hanfeld)
Nachdem im November vergangenen Jahres im „Ersten“ die Konvertitin Nora Illi zu sehen und zu hören war, gingen bei der Staatsanwaltschaft Hamburg sieben Strafanzeigen gegen „ARD“-Moderatorin Anne Will sowie gegen Verantwortliche der „ARD“ ein. Illi hatte sich unter anderem relativierend zu den Verbrechen der Terrormiliz „IS“ geäußert. Vier ihrer Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft nun beendet, schreibt Michael Hanfeld, es fehle ein begründeter Anfangsverdacht: „Für die Moderatorin sieht es gut aus.“

5. Wie es eine antisemitische Karikatur in deutsche Schulbücher geschafft hat
(vice.com, Philipp Frohn)
Ein Schulbuch des „Klett“-Verlags zeigt in einer Illustration ein riesiges gelbes Wesen, das gerade dabei ist, Europa zu verschlingen. Im Hintergrund kann man den Schriftzug „ROTHSCHILDBANK“ lesen. Philipp Frohn schreibt dazu: „Eine solche Zeichnung hätte in einem deutschen Schulbuch des 21. Jahrhundert niemals auftauchen dürfen. Denn die Vorstellung, dass die jüdische Bankiersfamilie der Rothschilds im Verborgenen die Geschicke der Welt (zum Nachtteil der Mehrheit) beeinflusst, ist eine klassische antisemitische Verschwörungstheorie, die sich schon die Nazis zunutze gemacht haben.“

6. UFO-Sichtungen in Nachrichtensendern
(ndr.de, Caroline Ebner, Video, 4:15 Minuten)
Schon mal nachts aus Versehen bei „N24“ reingeraten? Zwei Möglichkeiten gibt es dann: Entweder läuft irgendwas über Hitler. Oder irgendwas über UFOs (manchmal auch irgendwas über UFOs im Dritten Reich). Seit Herbst vergangenen Jahres gibt es zusätzlich den Spartenkanal „N24 Doku“, wo man noch mehr UFO-Filme mit Suggestivfragen und starken Verschwörungstendenzen („Soll hier etwas vertuscht werden?“) findet. Caroline Ebner hat bei „N24“ nachgefragt — dort sehe man „die Glaubwürdigkeit als Nachrichtensender“ nicht in Gefahr.

Talkshow-Terror, Höcke-Trick, Widersprüche bei Facebook-Prüfern

1. Talkshow-Terror mit Trump-Effekt
(deutschlandradiokultur.de, Bodo Morshäuser)
Die Themen der Polit-Talkshow im Fernsehen klingen so: „Bürger verunsichert — wie umgehen mit kriminellen Zuwanderern?“ oder „Neues Deutschland: Bringt Härte gegen Zuwanderer mehr Sicherheit?“ oder „Terror mit Ansage — was tun mit den Gefährdern?“. Bodo Morshäuser kommentiert, dass zu besten Sendezeiten nicht über Politik gesprochen, sondern das Sprechen über Politik simuliert werde. Und, mindestens genauso schlimm: „Unablässig wird von Angst geredet, und sie verbreitet sich desto schneller, je mehr von ihr geredet wird. Ob Maybrit Illner, Anne Will oder Frank Plasberg — alle haben an dieser Eskalation geschraubt.“

2. Herr Höcke und das Holocaust-Mahnmal
(zeit.de, Thomas Fischer)
Bundesrichter Thomas Fischer gewohnt wortreich und meinungsstark, dieses Mal zu „AfD“-Höcke und dessen „Mahnmal“-Rede in Dresden: „Wenn Herr Höcke zum Beispiel schriee: Das deutsche Volk muss aufstehen gegen die Vergiftung durch arabische Kichererbsen, so würde sich das auf keinen Fall gegen Arabien oder gegen die Kichererbse richten, sondern einzig und allein gegen die Lebensmittelvergiftung. Auf diesem intellektuellen Trick-Niveau, liebe Leser, ist die von Höcke angekündigte Weltrevolution leider angesiedelt.“

3. Facebook-„Wahrheitsprüfer“ Correctiv verstrickt sich in Widersprüche
(heise.de, Paul Schreyer)
Es hat sich inzwischen rumgesprochen, dass Facebook etwas gegen „Fake News“ unternehmen will. Eine Kennzeichnung soll her — in Deutschland soll „Correctiv“ dieses Kennzeichnen übernehmen. Paul Schreyer kritisiert, dass sich „Correctiv“-Geschäftsführer David Schraven „schon vor Beginn seiner Arbeit für Facebook in Widersprüche“ verstricke und nichts Handfestes liefern könne: „Correctiv hat noch keinerlei konkrete Kriterien für die hochsensible Arbeit entwickelt. Doch ohne diese wird es nicht gehen. Die zuständigen Mitarbeiter brauchen schriftlich fixierte Anleitungen, wie sie beim Kennzeichnen von „Fake News“ vorgehen sollen. Entscheidend ist, wie diese Kriterien dann aussehen und — wohl am wichtigsten — ob sie transparent für die Öffentlichkeit sein werden.“ (Nachtrag, 12:20 Uhr: Unabhängig von dem hier verlinkten Text kann und muss man Paul Schreyer, dessen Rolle und seine Veröffentlichungen sehr kritisch sehen. Danke für die Hinweise! Nachtrag, 26. Januar: Paul Schreyer hat bei sich auf der Seite über den ersten Nachtrag hier geschrieben. Wir wollten ihn nicht verleumden oder denunzieren und möchten ihn um Entschuldigung bitten, sollte dieser Eindruck entstanden sein.)

4. Geld könnte zum Problem werden
(taz.de)
Vor einigen Tagen startete das türkisch-deutsche Medienprojekt „taz.gazete“ (siehe Punkt 4 unserer „6 vor 9“ vom Montag), seit Montagabend gibt es nun auch das türkisch-deutsche Medienprojekt „Özgürüz“. Mit dem türkischen Journalisten und früheren „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar hat es einen prominenten Leiter. Dündar sagt, „Özgürüz“ solle „‚ein Exilmedium mit Basis in Berlin'“ sein.

5. Keine Ermittlungen gegen Elmar Hörig
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der frühere „SWR“-Radiomoderator Elmar Hörig hatte ekliges Zeug auf seiner öffentlichen Facebook-Seite gepostet, unter anderem eine Anspielung auf einen Ku-Klux-Klan-Mord. Eine Landtagsabgeordnete der rheinland-pfälzischen SPD hatte daraufhin Strafanzeige gestellt. Jetzt hat die zuständige Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass man keinen Anfangsverdacht sehe und es demzufolge keine Ermittlungen geben werde.

6. Beispiel DR: Konstruktiver Ansatz, bessere Quoten
(ndr.de, Carsten Schmiester)
Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten? Nicht überall gilt dieser Grundsatz — immer häufiger arbeiten Medien nach dem Prinzip des „konstruktiven Journalismus“. Dabei geht es unter anderem darum, nicht nur auf Probleme hinzuweisen, sondern Lösungsansätze mitzuliefern. Carsten Schmiester schreibt über Vor- und Nachteile der „constructive news“ und über Ulrik Haagerup, Nachrichtenchef des „Dänischen Rundfunk“ und Verfechter dieser Idee. Schmiesters Text ist Teil eines „NDR“-Dossiers zum Thema „konstruktiver Journalismus“.

„Einzelfall-Map“, tägliches Hitlerbild, Schweizer China-Propaganda

1. Kartenlegen mit kriminellen Ausländern
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Um zu zeigen, wie hoch die Ausländerkriminalität in Deutschland wirklich ist, verweisen rechte Politiker und Publizisten gerne auf die „Einzelfall-Map“. Mats Schönauer hat sich diese „beeindruckend gefüllte Karte bei Google-Maps, auf der Fälle von ‚Migranten-/Flüchtlingskriminalität‘ gesammelt werden“, angeschaut und mehr als 600 zufällig ausgewählte Fälle überprüft: „Um es zusammenzufassen: Die ‚Einzelfall-Map‘ bietet keinen objektiven Überblick über Ausländerkriminalität, sondern eine tendenziös kuratierte, unsauber recherchierte und auf bloße Masse abzielende Sammlung von Verdächtigungen gegen Menschen, die nicht aussehen wie Holger Badstuber.“ Der Text steht schon etwas länger online, ist aber erst seit gestern für Nicht-„Übermedien“-Abonnenten komplett lesbar.

2. Reklame für Rechte
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Der Kampf um politische Deutungshoheit werde auch mit finanziellen Mitteln ausgetragen, schreibt Simon Hurtz und meint damit konkret: über Werbegelder. Momentan gibt es verschiedene Versuche, konservative und rechte Internetseiten zu schwächen, indem Firmen dazu angehalten werden, nicht bei ihnen zu werben. Ob das der richtige Weg ist? Ob er überhaupt zulässig ist? Zwei Juristen, mit denen Hurtz für seinen Text gesprochen hat, kommen zu zwei gänzlich unterschiedlichen Beurteilungen.

3. Und täglich grüßt das Hitlerbild: Zum Facebook-Nazi in 13 Tagen
(shz.de, Mira Nagar)
Knapp zwei Wochen hat Mira Nagar sich als „Christian M.“ bei Facebook an „den rechten Rand des Netzwerks“ getastet, um der Frage nachzugehen: „Kann Facebook radikalisieren helfen?“ Der fiktive Christian schaute sich bei „Neumünster wehrt sich“ um, freundete sich mit „Kameradinnen und Kameraden“ an und fand „ein paar brüchige, widersprüchliche Personen“.

4. Bis zum letzten Tropfen Tinte
(taz.de, Nicola Glass)
Heute soll in Malaysia der Prozess gegen den Karikaturisten „Zunar“ beginnen. Er ist wegen „Aufwiegelung“ angeklagt, nachdem er mit seinen Zeichnungen ein Gerichtsurteil gegen einen malaysischen Oppositionsführer kommentiert hatte. Bei einer Verurteilung drohen „Zunar“ bis zu 43 Jahre Gefängnis. Nicola Glass berichtet über seinen Fall und über die Lage der Pressefreiheit in Malaysia im Allgemeinen.

5. Wir haben die falschen Behauptungen des „Krone“-Kolumnisten korrigiert
(vice.com, Christoph Schattleitner)
Mit „Die Falschmeldungen“ ist die aktuelle Kolumne von „Krone“-Autor und Rechtsanwalt Tassilo Wallentin überschrieben, in der er behauptet, die österreichische Regierung schöne Asylstatistiken und verheimliche den Bürgern die Wahrheit. Falsch sei aber vor allem das, was Wallentin da selber schreibt, so „Vice“-Redakteur Christoph Schattleitner: „Ausgerechnet er, der anderen Falschmeldungen vorwirft, macht in diesem Text so viele Fehler, dass es kaum auszuhalten ist.“ Anhand von acht Korrekturpunkten zeigt Schattleitner, was bei Wallentins Text alles schiefgelaufen ist.

6. Martinas langer Marsch
(srf.ch, Pascal Nufer, Video, 22:01 Minuten)
Für die Schweizer Fernseh-Journalistin Martina Fuchs öffnen sich in China Türen, die für europäische Korrespondenten normalerweise verschlossen bleiben. Fuchs arbeitet aber auch nicht für einen Sender aus Europa, sondern für CCTV, das chinesische Staats- und Propaganda-TV. Pascal Nufer hat sie bei ihrer Arbeit begleitet und immer wieder den Satz gehört: „Ich arbeite für ein Wirtschaftsprogramm und habe mit Politik nichts am Hut.“ Wer gerade keine 22 Minuten Zeit hat, um sich den interessanten Videobeitrag anzuschauen: Hier gibt es einen kurzen Artikel über Martina Fuchs und ihre Arbeit für Chinas Propagandaapparat.

Unerwünschte Rechtsfragen, „Mein Kampf“, Interviewverbot für Gründer

1. Angeben, attackieren, ablenken
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
Tag eins des neuen US-Präsidenten Donald Trump: Bei einem Auftritt im CIA-Hauptquartier sagt er, dass die Medien lügen; ein Sprecher verkündet später, dass man die Medien zur Rechenschaft ziehen werde. Matthias Kolb sieht darin einen „Vorgeschmack auf die kommenden Wochen.“ Ezra Klein schreibt bei Vox.com ebenfalls über Donald Trumps Verhältnis zu den Medien (englisch): „Trump’s real war isn’t with the media. It’s with facts.“ Stefan Niggemeier hat sich für die „FAS“ die Amtseinführung Trumps angeschaut: „Die neue Norm“. Und Marvin Milatz und Oliver Fuchs haben „alle NZZ-Facebook-Beiträge, -Kommentare und -‚Shares‘ zur US-Präsidentschaftswahl analysiert“: „Boten wir Trump eine zu grosse Plattform?“

2. Im „Europa der Freiheit“ sind Fragen unerwünscht
(maz-online.de, Jörg Köpke)
Jörg Köpke wollte eigentlich nur etwas für einen Journalisten ganz Normales tun: Fragen stellen. Doch kurz nachdem er das Gespräch mit einem Besucher des Kongresses von „Europa der Nationen und der Freiheit“ — unter anderem organisiert vom „AfD“-Europaabgeordneten Marcus Pretzell — begonnen hatte, wurde er auch schon rausgeschmissen: „Sofort sind mehrere wütende Ordner auf dem Weg zu mir, um den Reporter des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) vor die Tür zu begleiten.“ Bereits im Vorfeld des Treffens der europäischen Rechtspopulisten am vergangenen Samstag in Koblenz gab es einigen Ärger über die eingeschränkte Berichterstattung: Vielen Medien wurde der Zutritt verwehrt. Über das Hin und Her bei der Akkreditierung berichtet Michael Borgers vom „Deutschlandfunk“: „Doch kein Zutritt“.

3. Dresden: Ein Anhang
(moritz-hoffmann.de)
Der Historiker Moritz Hoffmann hatte vergangene Woche mit seinen Korrekturen zu einer Rede des „AfD“-Rechten Björn Höcke einen Twitter-Hit gelandet (siehe auch Punkt 3 der „6 vor 9“ vom vergangenen Freitag). „In den meinem Tweet folgenden Debatten wurde ich […] vor allem mit Forderungen nach Belegen konfrontiert.“ Die — und eine „etwas weiträumigere Erläuterung dessen, was ich gemeint habe“ — liefert Hoffmann jetzt bei sich auf der Seite nach.

4. Exil auf neuen Seiten
(zeit.de, Canan Topçu)
Canan Topçu hat sich das neue Portal „taz.gazete“ angeschaut. Seit dem 19. Januar veröffentlichen dort türkische Journalistinnen und Journalisten Artikel, viele davon kritisieren die Regierung der Türkei. Die Texte werden auch ins Deutsche übersetzt. Topçu findet das Projekt wichtig, fragt sich aber: „Ob Texte, die von deutschen Redaktionen veröffentlicht werden, die Menschen erreichen, die es zu erreichen gilt? Also gerade diejenigen, die von den Hauspostillen der [türkischen] Regierung eingelullt worden sind?“

5. „Hier testet jemand Grenzen aus“
(taz.de, Eva Thöne)
Ein Verlag aus Leipzig hat einen unveränderten Nachdruck von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ auf den Markt gebracht. Hinter dem Verlag steckt der Rechtsextreme Adrian Preißinger. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Eva Thöne stellt Juraprofessor Christian Bickenbach dazu drei Fragen, darunter: Ob der Verlag mit der Aktion durchkommt? Bickenbachs Antwort zusammengefasst: eher nicht.

6. Ich wollte zum DHDL-Casting — aber weit kam ich nicht
(gruenderszene.de, Kim Richters)
Kim Richters wollte zum Casting der „Vox“-Sendung „Die Höhle der Löwen“, dort mit ein paar Gründern sprechen, die sich bewerben, und darüber bei „Gründerszene“ berichten. Zum Casting hat sie es geschafft, mit Leuten reden durfte sie aber nicht. Trotzdem berichtet sie — über einen ärgerlichen Besuch in Düsseldorf und merkwürdige Ansichten eines TV-Producers.

TV-Bühne für Populisten, Faktencheck mit AfD-Höcke, AutismusFAQ

1. Kasperletheater im Weißen Haus
(zeit.de, Daniel-C. Schmidt)
Heute ist es dann also soweit: Donald Trump wird 45. Präsident der USA. Erst kürzlich gab es bei einer Pressekonferenz wieder einen Vorgeschmack darauf, wie er mit Medien umgeht — ruppig und respektlos. Daniel-C. Schmidt fragt daher in Richtung US-Journalisten: „Sind sie also vorbereitet auf den nächsten US-Präsidenten, der in den vergangenen Monaten so keinerlei Hehl daraus gemacht hat, wie sehr er Journalisten verabscheut?“ Er schaut, wie sich Mitarbeiter von „Washington Post“, „New York Times“ und „Chicago Tribune“ auf Trump einstellen. Ebenfalls zum Thema: Ein offener Brief im Namen der US-Presse von Kyle Pope, Chefredakteur der „Columbia Journalism Review“, der durchaus als Kampfansage verstanden werden kann (englisch) sowie die Forderung der „Reporter ohne Grenzen“ an Donald Trump, die Feindseligkeiten gegen Journalisten zu beenden.

2. Talkshows: Bühne frei für Populisten
(wdr.de, Georg Restle, Naima El Moussaoui & Andreas Maus, Video, 8:08 Minuten)
Bieten TV-Talkshows rechten Provokateuren zu oft eine zu große Bühne? Georg Restle, Naima El Moussaoui und Andreas Maus haben alle 141 Sendungen der ARD- und ZDF-Talkformate aus dem vergangenen Jahr ausgewertet und sich dabei unter anderem gefragt: „Schüren Talkshows Ängste? Verstärken sie Hysterie?“ Um ein ganz ähnliches Thema geht es im „Tagesanzeiger“-Interview mit dem Publizistikwissenschaftler Uwe Krüger: „Rechte machen eine Talkshow spannend“. Für Krüger ist das Quotendenken der TV-Redaktionen der Grund für die vielen Einladungen an „AfD“-Politiker.

3. Herr Höcke und die Fakten
(br.de, Matthias Hacker)
Eigentlich hat Moritz Hoffmann etwas ganz simples gemacht: Der Historiker hat sich mehrere Aussagen angeschaut und überprüft, ob sie stimmen. In seinem Fall waren es die Aussagen des „AfD“-Rechten Björn Höcke aus dessen Rede in Dresden vor einigen Tagen. Viele stimmten nicht, Hoffmann korrigierte sie und veröffentlichte seine Korrekturen bei Twitter. Der Post ging durch die Decke. Im Gespräch mit Matthias Hacker erzählt Moritz Hoffmann von den Reaktionen auf seine Aktion und der Möglichkeit, auf diese Weise mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die man sonst nicht mehr erreicht.

4. Pressefreiheit ausgesetzt
(taz.de, Andreas Zumach)
Ausgesperrte Journalisten am „UN“-Sitz in Genf, keine Journalistenfragen im Berner Bundeshaus — Chinas Staatspräsident Xi Jinping war zu Gast in der Schweiz, und die Schweizer Behörden taten viel dafür, dass kritische Worte und Fragen ihn nicht erreichten. „Durch eine beispiellose Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit wurde der Staatschef vor Kritik bewahrt“, schreibt Andreas Zumach.

5. What it feels like for a girl
(annesophiekeller.ch)
Gegen Hassbriefe sei sie, das schreibt Anne-Sophie Keller selber, inzwischen „auf eine kranke Art abgehärtet.“ Als neulich aber einer dieser „ganz banalen Hassbriefe eines Clinton-Gegners“ nicht bei ihr, sondern im Briefkasten ihrer Mutter landete, habe sie das mehr getroffen als sonst. Deswegen hat sie bei sich auf der Seite nun einen Text veröffentlicht „über das, was für viele Schweizer Journalistinnen Redaktionsalltag bedeutet: Hassbriefe, Drohungen, Belästigungen.“

6. Autismus in den Medien
(autismusfaq.de)
Autismus werde „in den Medien immer wieder als Metapher für Empathielosigkeit, Versagen und mangelndes Denkvermögen verwendet“, kritisiert das Duo hinter der Seite „AutismusFAQ“. Für mehr Aufklärung zum Thema gibt es dort Antworten auf Fragen zum Autismus. Zum Beispiel: „Ist Autismus eine passende Metapher für emotionale Kälte?“ Der Text ist auch ein Appell an alle Medien: „Bitte verwendet Autismus nicht als Metapher für politisches und anderes Versagen.“

Kalter Kaffee „Fake News“, Björn Höcke, Siegeszug der Infografik

1. „Fake News“ und der blinde Fleck der Medien
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Alle wollen jetzt alles gegen „Fake News“ unternehmen. Sie sei „ein bisschen niedlich, die in Deutschland gerade grassierende Angst, dass Wahlen in Zukunft durch ‚Fake News‘ beeinflusst werden könnten“, schreibt Stefan Niggemeier. Denn eigentlich gebe es das doch schon lange: Texte, die zwar einen wahren Kern haben, aber durch einen besonderen Dreh die Vorurteile der Leser bedienen sollen. Bei „Bild“ zum Beispiel, Stichwort „Veggie Day“, ohne dass sich wirklich jemand darüber aufregte. Niggemeier: „Wenn die etablierten Medien diesen Kampf nicht als einen Kampf gegen Desinformationen aller Art führen, sondern als einen Kampf Wir gegen Die“, dann hätten sie keine Chance, diesen Kampf zu gewinnen. Ebenfalls zum Thema: Caroline Lees bei „EJO“ mit Tipps, „wie man Fake News erkennen kann“. Und James Warren bei „Poynter“ über eine neue Studie, die sagt, „Fake News“ hätten nicht signifikant zu Donald Trumps Wahlsieg beigetragen (englisch).

2. Schauen Sie diese Rede
(spiegel.de, Sascha Lobo)
„AfD“-Rechtsaußen Björn Höcke hat in Dresden eine Rede gehalten, die nicht nur, aber vor allem wegen seiner Äußerungen zum Holocaust-Mahnmal in Berlin scharf kritisiert wird. „Schauen Sie diese Rede“, fordert Sascha Lobo die Leser seiner Kolumne auf, damit sie später nicht sagen können, man hätte es nicht wissen können: „Wollen Sie das wirklich? Wollen Sie, weil Sie zum Beispiel mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung nicht einverstanden sind, einen Mann mit an die Macht bringen, der glaubt, nicht etwa der umgesetzte Holocaust, sondern das deshalb errichtete Holocaust-Mahnmal mache die deutsche Geschichte mies?“

3. Nationale Angelegenheit
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Eine Untersuchung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zeige, dass Zeitungen nach der Silvesternacht 2015/2016 „sehr viel häufiger als zuvor die Nationalität von Tatverdächtigen genannt“ hätten, schreibt Karoline Meta Beisel. Ob sich diese Zunahme auch mit einer Zunahme von Kriminalität unter Ausländern deckt? Das könne man noch nicht endgültig sagen, schließlich sei die dafür nötige Kriminalitätsstatistik noch nicht erschienen. Aber: „eher unwahrscheinlich“.

4. Die Nebenjobs von ARD & ZDF-Sportmoderatoren
(ndr.de, Daniel Bouhs, Video, 6:27 Minuten)
Sportjournalisten berichten über Sport, klar. Aber was, wenn Sportmoderatoren der öffentlich-rechtlichen Sender mal bei einer „FIFA“-Gala moderieren oder beim „Camp Beckenbauer“ eine Veranstaltung präsentieren und gleichzeitig im TV kritisch über Franz Beckenbauers Rolle bei der WM-Vergabe berichten? Ist eine kritische Distanz bei der journalistischen Arbeit dann noch möglich? Daniel Bouhs zeigt verschiedene Beispiele, die sich laut Medienwissenschaftler in einer „sehr dunklen Grauzone“ bewegen.

5. Die neuen Welterklärer
(tagesanzeiger.ch, Bernd Graff)
„Wenn ein Bild mehr wert ist als tausend Worte, dann ist eine Grafik mehr wert als tausend Zahlen“, schreibt Bernd Graff über den Siegeszug von Infografiken: „Sie vermitteln ein Verständnis von Welt. Die oft schockierenden Bilder der Kriegsfotografie mögen die unmittelbare Wirklichkeit belegen. Doch gegen die Deutungshoheit der Infografik bleiben sie schlichte Dokumente.“

6. Der Trend geht zum Untertitel
(deutschlandradiokultur.de, Mike Herbstreuth, Audio, 5:00 Minuten)
Die wachsende Beliebtheit von Serien aus anderen Ländern, oder Videos, die man sich auf dem stummgeschalteten Smartphone in der U-Bahn anschaut — es gebe verschiedene Gründe für die „Renaissance von Untertiteln“, zeigt Mike Herbstreuth. Aber es gebe ihn, den Trend zur Untertitelung. Herbstreuth hat unter anderem mit einem Hobby-Untertitler gesprochen, der pro Serienfolge schon mal 15 bis 20 Stunden Arbeit investiert.

Bild.de vs. „Focus Online“, falsche NPD-Eile, schwuleres Deutschland

1. Abkupfern mit System
(taz.de, Malte Göbel)
Manchmal dauert es nur wenige Minuten, da taucht eine Nachricht, die bei Bild.de hinter der Bezahlschranke liegt, bei „Focus Online“ auf, frei zugänglich für alle. Das passiere immer wieder, habe System und greife das Geschäftsmodell einer ganzen Branche an, sagen sie bei Bild.de und wollen sich den Geschichten-Klau nicht mehr gefallen lassen. Deswegen klagt das Portal nun auf Unterlassung, Auskunft und Schadensersatzfeststellung. „Das Verfahren könnte ein Jahr oder länger in Anspruch nehmen“, schreibt Malte Göbel.

2. Etliche Medien meldeten fälschlicherweise NPD-Verbot
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die rechtsextreme NPD wird nicht verboten. Und dennoch eilmeldeten viele Medien gestern, dass die Partei verboten werde: „Spiegel Online“, „Zeit Online“, „NZZ“, „Das Erste“, „Phoenix“ … hach, ja. „Im besten Fall führt das nun zu intensiven Diskussionen in den Redaktionen, damit ähnliches nicht noch einmal passiert“, schreibt Timo Niemeier. Inzwischen haben sich sowohl „Spiegel Online“ („SPIEGEL ONLINE passiert ärgerlicher Fehler“) als auch „Zeit Online“ („Wie unsere falsche Eilmeldung zum NPD-Urteil zustande kam“) für ihre Fehler entschuldigt und erklärt, wie die falschen Eilmeldungen passieren konnten.

3. Deutschland soll doch nicht „schwuler“ werden
(queer.de, mize)
„Schwule sind Abfallprodukte der Natur“ oder „schwule Lügenpresse“ — die Reaktionen auf eine Aussage von „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt waren ziemlich übel. Der hatte, als Reaktion auf die Aussagen von Bald-US-Präsident Donald Trump im Interview mit „Bild“, geschrieben, Deutschland müsse sich „wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden.“ Das erzeugte die eingangs erwähnte Wut im rechten Lager. Poschardt ließ sich beeindrucken, ersetzte in seinem Text bei Welt.de das „schwuler“ durch „kreativer“. Dafür gibt es jetzt Kritik von queer.de. Zum gleichen Thema schreibt die „taz“: „Nicht nur, dass Poschardt und die Welt-Redaktion vor dem Shitstorm der Homo-Hasser einknicken. Sie tun es auch nur hier, nicht bei ihren anderen (von verschiedenen Seiten) beshitstormten Aussagen.“

4. Journalismus-ist-wenn-wir-es-sagen-Fabrik
(medium.com, Lorenz Matzat)
Vor drei Tagen wurden die Pläne für eine „Reporterfabrik“ bekannt (siehe Punkt 5 der „6 vor 9“ vom Montag), gestern folgte die Kritik daran. Lorenz Matzat nennt verschiedene Punkte, die ihn wundern oder nicht passen: vom Titel des Projekts bis zu ganz grundsätzlichen Aussagen im Konzept: „Geradezu aberwitzig wird es, wenn im ersten Halbsatz auf den Pressekodex (Sorgfaltspflicht usw.) verwiesen wird, um im folgenden Nebensatz ein Bild von ‚hundertausenden Hobby-Journalisten‘ zu zeichnen, die desinformieren und verunglimpfen würden — ohne Quellenangabe für diese vage Zahlenangabe.“ Wolfgang Michal hat auch noch ein paar Fragen zum Vorhaben („Geht es der geplanten Reporter-Fabrik also um Bildung oder um Erziehung? Geht es um die Verteidigung der Demokratie oder um die Verteidigung des alten Mediensystems?“), aber auch Lob für die Idee.

5. Unglaubliche Dichte von Politikerlügen
(planet-interview.de, Julie Kirschner-Krohm)
Klaus Fiedler kennt sich mit Lügen aus. Nicht weil er andauernd flunkert, sondern weil er drüber forscht. Julie Kirschner-Krohm hat mit ihm über rücksichtsvolle Lügen, die Lügen des Donald Trump und lügende Politiker in TV-Talkshows gesprochen.

6. Heimvorteil
(sueddeutsche.de, Anna Dreher)
Übermorgen, wenn die Bundesliga wieder loslegt, kommt die „Fußball Bild“ bundesweit auf den Markt, eine tägliche Fußballzeitung von „Bild“. Anna Dreher hat diesen Anlass für einen Besuch beim „Kicker“ in Nürnberg genutzt und geschaut, wie die älteste Fußballzeitschrift des Landes auf die neue Konkurrenz reagiert.

Tabubruch-AfD, Fake News, Ausgeloggt

1. Wie der Tabubruch für Aufmerksamkeit sorgt
(heute.de, Dominik Rzepka)
Gerade in den sozialen Medien kann man mit provozierenden Tabubrüchen viel Aufmerksamkeit erzeugen. Besonders die AfD macht in dieser Hinsicht immer wieder von sich reden, zuletzt ein bayerischer Kreisverband mit einer Bildtafel mit einem Foto der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Darauf der Werbeslogan: „Sophie Scholl würde AfD wählen“. Wie mit derartigen Dingen umgehen: Widerspruch und damit der Sache eventuell unnötig Gewicht geben oder mehr Gelassenheit und die Provokation ins Leere laufen lassen?

2. Wie real ist Fake News? Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Datenanalyse im Zeichen der Statistical Correctness.
(herrfischer.net, Martin Fischer)
Die Macher von „Hoaxmap.org“ sammeln falsche Gerüchte und Meldungen zum Thema Flüchtlinge zusammen und tragen diese in eine Landkarte ein. Martin Fischer hat den etwa 450 Falschmeldungen der letzten beiden Jahre eine Stichprobe von 50 entnommen und statistisch ausgewertet. In seiner Stichprobe seien nur vier Fake News-Beiträge, so Fischer. Man mache mit dem Begriff Fake News für ein relativ kleines Problem ein sehr großes Fass mit vielen Nebenwirkungen auf.

3. Jeder Fünfte hält „Lügenpresse“-Vorwurf für berechtigt
(horizont.net, Marco Saal)
„infratest dimap“ hat im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks (WDR) eine repräsentative Befragung zur Glaubwürdigkeit der Medien durchgeführt: Jeder fünfte Deutsche halte den Begriff „Lügenpresse“ im Zusammenhang mit Medien für richtig. Dreiviertel der Deutschen würden das dagegen nicht so sehen.

4. Wir gegen sie
(sueddeutsche.de, Pia Rauschenberger)
Noch ist nicht bekannt, wann und ob die populistische US-Website „Breitbart“ einen Deutschland-Ableger startet. Trotzdem haben sich unter dem Projektnamen „Schmalbart“ Gegner in Berlin zu einer Tagung getroffen.

5. ARD erwägt Klage gegen AfD – und lädt Parteichefin Petry ein
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Am Samstag wollen sich führende Vertreter rechtspopulistischer Parteien in Koblenz treffen, darunter Marine Le Pen, Geert Wilders sowie AfD-Chefin Frauke Petry. Medienvertreter sind ausgeschlossen. Die ARD behält sich rechtliche Schritte gegen den Ausschluss vor – und lädt unverdrossen Parteichefin Petry in Talkshows ein.

6. Geldstrafe für früheren taz-Redakteur
(taz.de, Martin Kaul & Sebastian Erb)
Das Amtsgericht Berlin hat den früheren „taz“-Redakteur Sebastian Heiser wegen seines Keylogger-Einsatzes zur Zahlung von 160 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Nach seinem Auffliegen im Februar 2015 hatte sich Heiser in ein Land in Südostasien abgesetzt, das mit Deutschland kein Auslieferungsabkommen abgeschlossen hat. Sollte Heiser, der dem Gerichtstermin ferngeblieben war, nicht innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen, würde ein Urteil ergehen und er wäre dann vorbestraft. Sollte er den Strafbefehl nicht akzeptieren und einer weiteren Verhandlung erneut fernbleiben, könne ein Haftbefehl erlassen werden. Nach spätestens zehn Jahren wäre der Fall jedoch verjährt.

Faktenprüfer, Reporterfabrik, Selbstinteressenvertreter

1. Umgang mit Falschmeldungen
(de.newsroom.fb.com)
Facebook kündigt an, gegen Fakenews vorgehen zu wollen. In den kommenden Wochen sollen entsprechende Updates in Deutschland erfolgen. Dabei wolle man sich auf die Verbreitung von eindeutigen Falschmeldungen, die durch Spammer erstellt wurden, konzentrieren. Außerdem will Facebook externe Faktenprüfer einbinden. In Deutschland sei dies zunächst „Correctiv“. Man arbeite jedoch daran, in Zukunft noch weitere Organisationen aus der Medienbranche als Partner zu gewinnen.
Ob dem netzpolitischen Sprecher von Bündnis90/Die Grünen Konstantin von Notz Facebooks Ankündigungen reichen, ist fraglich. Er fordert im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ die Bundesregierung auf, ihren Ankündigungen zur Bekämpfung von Hasskommentaren im Netz endlich Taten folgen zu lassen. Die Große Koalition habe viel zu lange nichts getan, während der Kultur- und Debatten-Verfall immer weiter vorangeschritten sei: „Ich kann nur sagen, der Justizminister sagt seit vielen Monaten, Facebook, wir müssen reden, aber irgendwann ist auch mal Schluss mit Reden. Wir müssen Gesetze machen und aktennotierte Internetunternehmen müssen sich an Gesetze halten. Und wenn man dann eben bei Überprüfungen uns Sich-diese-Dinge-Anschauen feststellt, dass nicht genug Leute dort beschäftigt sind, dass die Zeiten nicht eingehalten werden, bei denen diese Beanstandungen auch zu Löschungen führen, dann müssen eben auch Sanktionen ziehen…“
Weitere Leseempfehlung dazu: Julia Krügers ausführlicher und mit vielen Querverweisen unterfütterter Beitrag auf „Netzpolitik.org“
Warum der bisherige Kampf gegen #hatespeech und #fakenews auf Facebook irreführend ist – und welche Alternativen sich bieten

2. Polizist am Abgrund
(zeit.de, Thomas Fischer)
Rainer Wendt ist seit mittlerweile zehn Jahren Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die als zweitstärkste Gewerkschaft der Polizei mit der „Gewerkschaft der Polizei“ konkurriert. Nach unzähligen populistischen und polarisierenden Statements in den Medien hat er nun ein Buch geschrieben: „Deutschland in Gefahr“. Thomas Fischer, „Zeit“-Kolumnist und Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof, hat sich das Werk angeschaut: „Das Buch von Rainer Wendt verstärkt Ängste und Vorurteile. Wer den Autor kennt, weiß, dass er ein intelligenter und schnell denkender Sprecher ist. Anders wird man nicht, was er ist, und erst recht nicht, was er noch werden will. Doch Deutschland in Gefahr ist nicht bloß ein inhaltlich unzutreffendes und literarisch schlechtes Buch. Bedauerlich ist, dass der Autor behauptet, Sprachrohr der deutschen Polizei zu sein. Dass er deren Interessen vertritt, ist zu bezweifeln. Sicher ist nur eines: Er vertritt die Interessen des Rainer Wendt.“

3. Der Troll an der Macht
(faz.net, Mark Siemons)
Mark Siemons hat sich in der „FAZ“ Gedanken über das Twitter-Verhalten des zukünftigen US-Präsidenten gemacht: „Während Obama seinen Twitter-Account von einem Team verwalten lässt, das seine in den üblichen Verfahren und Institutionen entwickelte Politik der Öffentlichkeit zu vermitteln versucht, ist Twitter für Trump zugleich der Entwickler, das Medium und der Vollstrecker der Politik selbst – gleich, ob es um China, um Guantanamo, General Motors oder die unabhängige Ethikbehörde des Kongresses geht. All die Sicherungen der Institutionen, von denen man sich nach Trumps Wahl noch zur Beruhigung versichert hatte, wie stark sie seien, werden durch dieses Verfahren umgangen. Trumps Tweets sind so unpresidented wie unprecedented. Sieht es so aus, wenn eine loose cannon über das Deck der Weltpolitik zu rollen beginnt?“

4. Im Berliner Verlag gilt Kontaktverbot zu den neuen Chefs
(horizont.net)
Das Kölner Medienunternehmen DuMont baut sein Zeitungsgeschäft um. In Berlin hat das weitreichende Folgen für die Mitarbeiter: DuMont legt die Redaktionen von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ zusammen. Viele Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz oder müssen weiterhin um ihren Arbeitsplatz bangen. Wie Ulrike Simon berichtet, verläuft das gesamte Procedere alles andere als schön.

5. Reporterfabrik, WebAkademie des Journalismus
(facebook.com, Cordt Schnibben)
„Spiegel“-Redakteur Cordt Schnibben und „Correctiv“-Gründer David Schraven wollen eine Web-Akademie des Journalismus aufbauen, die sich an Nicht-Journalisten und Journalisten wendet. Dabei ginge es um vier Ziele: Grundlagen des journalistischen Handwerks vermitteln, die Funktionsweise von sozialen und klassischen Medien durchschaubar machen, Versuche der Desinformation erkennbar machen, Fortbildung und Erfahrungsaustausch von Journalisten. Das Projekt wird von vielen Promis der Journalistenszene unterstützt. Wie das Ganze funktionieren soll, kann man dem beim Reporterforum veröffentlichten Paper entnehmen.

6. Die Macht der Kunst
(taz.de, Nora Bossong)
Die Schauspielerin Meryl Streep hat bei der Golden-Globe-Verleihung eine vielbeachtete, emotionale Rede gehalten, in der sie mit deutlichen Worten den künftigen US-Präsident Donald Trump kritisierte. Sie erinnere uns daran, dass Kunst kein berieselndes Wunderland sein soll, sondern Empathie lehrt und Verantwortung trägt, so Nora Bossong in der „taz“.

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