Archiv für 6 vor 9

Yücels Haftprotokoll, FC-Bayern-TV, Rüttelformat

1. Deniz Yücel – das Haftprotokoll
(welt.de, Deniz Yücel)
Es gibt Neuigkeiten vom „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel, der sich seit dem 14. Februar im „türkischen Polizeigewahrsam“ befindet (eine viel zu wohlklingende Umschreibung für „im Knast eingesperrt“). Yücel darf zwar in seiner Zelle nicht schreiben, hat aber seinen Verteidigern einen Bericht in den Block diktiert. Ein Haft-Protokoll, das deutlich macht, wie unzumutbar und unwürdig die Haftbedingungen für die Inhaftierten sein müssen und ahnen lässt, was alles in Yücel vorgehen mag.

2. FCBayern.tv – noch mehr Interviews?
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Keine guten Nachrichten für Sport-TV-Sender wie Sky und Sport1: Der FC Bayern München startet an diesem Montag als erster deutscher Fußballverein einen eigenen Fernsehsender. Dort wird sich dann rund um die Uhr mit sich selbst beschäftigt. Zu empfangen ist der Bayern-Kanal über EntertainTV der Telekom sowie über die Internetseite und die Smartphone-Apps des FC Bayern, für 5,95 Euro im Monat. Ein Weg, wie Markus Ehrenberg vom „Tagesspiegel“ berichtet,den vorerst nur Platzhirsch Bayern München beschreitet.

3. Blick nach rechts
(taz.de, Daniel Bouhs)
Das ARD-Magazin „Monitor“ hat alle 141 Talkshow-Themen im ersten und zweiten Programm des vergangenen Jahres ausgewertet – von „Anne Will“ bis „Maybrit Illner“. In den Sendungen ginge es vor allem um die Lieblingsthemen der Rechten: also vor allem um Terror, Flucht und Islam. „taz“-Autor Daniel Bouhs ist über den „Monitor“-Beitrag erstaunt: „Erstens sendet „Monitor“ – wie die Talkshows – vor Millionenpublikum. Zweitens wird das Politmagazin vom WDR produziert und damit von dem Sender, der mit „Hart aber fair“ und „Maischberger“ aktuell die meisten Talks im Ersten platziert. Damit kommt die Kritik – zumindest im weiteren Sinne – inzwischen offen auch aus dem eigenen Haus.“

4. Diese Sendung ist ein Arschloch
(zeit.de, Dirk Gieselmann)
Auf „ZDFneo“ gibt es ein neues Format: „Bist Du 50.000,- wert?“ Unter sechs Kandidaten wird derjenige gesucht, der die Jury überzeugt, indem er einfach nur „er selbst“ ist. Dirk Gieselmann fragt sich in seiner Sendungsbesprechung „wer es zugelassen hat, dass dieses wahnwitzige Potpourri aus Assessment-Center, Milgram-Experiment und Heidi Klums sadistischen Fantasien an die Öffentlichkeit gerät“. Bei dem Format handele es sich um wesentlich mehr als eine Geschmacklosigkeit: „Es ist ein Gemetzel vor laufenden Kameras, die Beteiligten erschlagen einander mit den Höflichkeitsfloskeln der Dienstleistungsgesellschaft, es ist die Rache aller an allen. Die kleinen Leute in der Jury rächen sich an den noch kleineren Leuten im Teilnehmerfeld, sie rächen sich für all die Ablehnungen, für jedes „Du bist es nicht wert“, dass sie je gehört haben. Die Redakteure wiederum rächen sich an den Juroren dafür, dass sie keiner seriösen Arbeit nachgehen können, und die Produzenten rächen sich einfach von oben nach unten durch. Dass diese Rache ausnahmslos die Falschen trifft, ist eine Metapher für vieles um uns herum.“

5. BND bespitzelte offenbar ausländische Journalisten
(spiegel.de, Maik Baumgärtner, Martin Knobbe & Jörg Schindler)
Im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags ging es fast drei Jahre um die Massenüberwachung des US-amerikanischen Dienstes und später auch um die unkontrollierten Spähaktionen des Bundesnachrichtendienstes (BND). Dabei stellte sich heraus, dass der BND ab 1999 mindestens 50 Telefon- und Faxnummern oder E-Mail-Adressen von Journalisten oder Redaktionen auf der ganzen Welt überwachte. Das Ganze könnte mit dem kommenden BND-Gesetz noch schlimmer werden, daher bereitet die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ eine Verfassungsklage vor.
Weiterer Lesetipp: Andre Meisters erschütternder Bericht auf netzpolitik.org: Drei Jahre Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Die Aufklärung bleibt Wunschdenken, die Überwachung geht weiter

6. Investigatives Fernsehen: Wir rütteln auch an Ihrer Tür
(dwdl.de, Hans Hoff)
Zum Standardelement eines TV-Investigativformats gehört der Überfallbesuch eines Kamerateams nebst erfolglosem Rütteln an verschlossenen Türen. Kolumnist Hans Hoff will daraus ein eigenständiges Format machen: „Ich verspreche, wir füllen mit Rütteln, Überfallbesuchen und Bildern von quellendem Faxpapier problemlos eine Dreiviertelstunde. Wir sind zudem extrem günstig im Preis, weil wir direkt losfahren und unsere Zeit nicht mit Telefonieren oder Anmeldungen oder Akkreditierungen verplempern. Wir gehen direkt dahin, wo es wehtut. Rüttel. Rüttel.“

Kopp Verlag, „Bild“-Ombudsmann, Klagesportgruppe Hoffmann

1. Veraltete Focus-Meldung über Sexualdelikt sorgt für Verwirrung
(freiepresse.de, Johannes Pöhlandt)
Unter der Überschrift „Kripo ermittelt wegen sexueller Nötigung“ berichtet die Onlineausgabe des „Focus“ über ein Sexualdelikt in einer Stadt in Sachsen. Der Haken dabei: Die Meldung ist mehr als ein halbes Jahr alt. Nach Angaben der „Freien Presse“ sei es nicht das erste Mal, dass der „Focus“ veraltete Polizei-Pressemitteilungen veröffentlicht hat.

2. Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen
(faz.net, Rüdiger Soldt)
Dank allerlei wilder Verschwörungsliteratur und dem rechtspopulistischen Aufgreifen der Flüchtlingsthematik macht der „Kopp Verlag“ mittlerweile zehn Millionen Jahresumsatz und beschäftigt 60 Mitarbeiter. „FAZ“-Autor Rüdiger Soldt zeichnet die Entwicklung des rechtsesoterischen Verlages nach und berichtet über einen der zweifelhaften Kopp-Kongresse.

3. Wie SRF-Gegner mit SRF reich werden wollen
(tageswoche.ch, Gabriel Brönnimann)
Gabriel Brönnimann findet heftige Worte für das, was gerade in der Schweizer Medienlandschaft passiere: „Von der aktuellen Schweizer Medienpolitik könnte sich manche Bananenrepublik eine Scheibe abschneiden.“ Private Medienanbieter würden die Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen kostenlos nutzen wollen. Mit der aktuellen Gesetzesvorlage sei es möglich, von der Bevölkerung per Gebühren finanzierte Inhalte auf privatwirtschaftlichen werbefinanzierten Portalen – gratis!, aber mit eigenen Werbeeinnahmen – weiterzuverbreiten. Die dahinterstehende Lobby nennt sich schönfärberisch „Aktion Medienfreiheit“.

4. Schlappe für Karl-Heinz Hoffmann
(br.de)
Der Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann (Gründer der gleichnamigen „Wehrsportgruppe“) fühlte sich durch einen Bericht auf tagesschau.de verleumdet und klagte gegen den verantwortlichen NDR-Journalisten auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Die Klage ist gescheitert: Das Landgericht Nürnberg-Fürth wies die Sache ab. Es ist aber noch eine weitere Klage Hoffmanns gegen einen BR-Reporter offen.

5. Perfide Petition zu „Publikationsfreiheit“: Verlagslobby verleumdet Entwurf zum Wissenschaftsurheberrecht
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Als keinen großer Wurf, aber einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet Leonhard Dobusch die Modernisierungsversuche des Urheberrechts im Bereich Wissenschaft und Unterricht. Umso erschütternder sei es, dass selbst diese zaghaften und vorsichtige Schritte, das Urheberrecht zumindest an Schulen und Universitäten alltagstauglicher zu gestalten, auf großen Widerstand der Verlagslobby stoßen würden. In der Petition „Publikationsfreiheit“ würden Verlage mit Alarmismus und Halbwahrheiten operieren.

6. Betr.: Zweifel an Fakten
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
„Bild“ hat seit Kurzem einen „Ombudsmann“, an dem man sich wenden kann, wenn man „Zweifel an Fakten“ habe. Stefan Niggemeier hat sich sofort an die Tastatur gesetzt.

Sex-Mob aus der Enten-Fabrik, Trump-Checker, Bulgarien 1946

1. Sexmob in „Bild“: Die Entstehung einer Ente
(ndr.de, Caronline Schmidt & Aimen Abdulaziz-Said, Video, 6:04 Minuten)
„Sex-Mob tobte in der Freßgass'“, schlagzeilte die Frankfurter „Bild“-Ausgabe. In der Silvesternacht sollte es angeblich zu Übergriffen und Diebstählen durch Nordafrikaner und Flüchtlinge gekommen sein, schrieb man 37 Tage später. Andere Journalisten bezweifelten die Horrorstory. Die Polizei sprach nach Ermittlungen von „haltlosen Vorwürfen“, so dass „Bild“-Chef Julian Reichelt nichts anderes übrig blieb, als sich zu entschuldigen. „Zapp“ ist der Sache nachgegangen und hat recherchiert, wie es zu dieser Ente kommen konnte. Und jetzt kommen ein umtriebiger US-Amerikaner und Trump-Unterstützer, ein dubioser Szene-Gastronom, eine falsche Kronzeugin und ein AfD-Politiker ins Spiel …

2. Flüchtlinge im Deutschen Paradies
(taz.de, Ewa Wanat)
Die „taz“ beschäftigt sich mit einem Beitrag einer polnischen Zeitung, der ein wahres Katastrophenbild von der deutschen Flüchtlingspolitik zeichnet. In einem Aufsehen erregenden Interview mit der Warschauer Tageszeitung „Gazeta Prawna“ hätte eine Polin Erschütterndes berichtet: „Ich kehrte Deutschland den Rücken, weil in meinem Dorf Flüchtlinge alles verdreckten, weil sie stahlen und die Touristen verschreckten. Deutsche hingegen zündeten ihre Asylbewerberheime an“. Die Journalistin Ewa Wanat ist dem nachgegangen. Am Ende ihrer Recherche bleibt nicht viel mehr, als dass eine Polin Deutschland verlassen hat.

3. 100 days of Trump claims
(washingtonpost.com)
Die Factchecker der „Washington Post“ ziehen eine Zwischenbilanz: In den letzten 35 Tagen hat man 133 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. In einer übersichtlichen Liste zeigt man die Trump-Aussagen nebst Factchecking-Überprüfung und Pinocchio-Rating.

4. Abschreckung per Fernsehserie
(taz.de, Katrin Gänsler)
In Nigeria herrscht eine große Filmbegeisterung. Die Filme haben meist unterhaltenden, aber oft auch erzieherischen Charakter. Dies will sich jetzt die Schweiz zu Nutze machen und produziert eine TV-Serie für Nigeria. Ziel der 13-teilige Reihe: Migranten und Flüchtlinge sollen von der Reise nach Europa abgehalten werden…

5. Interessen schlagen Fakten
(faz.net, Renate Köcher)
Renate Köcher ist Geschäftsführerin des „Instituts für Demoskopie Allensbach“ und hat im Auftrag der „FAZ“ eine Umfrage zu Trump und den Umgang mit Fakten durchgeführt. Ein Ergebnis: „Auch wenn die überwältigende Mehrheit der Deutschen diesen Präsidenten kritisch sieht, imponiert immerhin jedem Dritten sein radikaler Kollisionskurs. Besonders AfD-Anhänger finden es faszinierend, wie Trump sich durchsetzt. In den Vereinigten Staaten spricht wenig dafür, dass sein Rückhalt bröckelt. Die letzten veröffentlichten Umfragen zeigen Zustimmungsraten zwischen 41 und 45 Prozent der amerikanischen Bevölkerung – dies sind weitaus mehr, als ihn gewählt haben.“

6. Copyright-Streit: Bulgarischer Radiosender spielt nur Musik von vor 1946
(heise.de, Martin Holland)
Nach einer deftigen Preiserhöhung stand das öffentlich-rechtliche Radio Bulgariens vor der Wahl, den vierfachen Preis zu zahlen oder nur noch Musik von vor 1946 abzuspielen. Man entschied sich für Letzteres und fährt überraschenderweise gut damit: Obwohl viele einen Einbruch befürchtet hatten, seien die Zuhörerzahlen im Januar um 20 Prozent gestiegen.

TV-süchtiger Trump, Huberty-Nostalgie, IMDbs Diskussions-Cut

1. Amt und Fernseher
(sueddeutsche.de, Hubert Wetzel)
Die „New York Times“ mutmaßte, dass Donald Trump beim Regieren schnell langweilig werde und er dann oft den Fernsehapparat einschalte. Was zu diplomatischen Verwirrungen führen kann, wie im „Last-Night-in-Sweden“-Fall. Trump hatte wohl schlicht einen Beitrag auf „Fox News“ falsch verstanden und bei einer Rede munter drauflosfabuliert. „SZ“-Autor Hubert Wetzel hat sich angeschaut, bei welchen Sendungen der amerikanische Präsident noch gerne einschaltet.

2. Warum die türkische Regierung solche Angst vor Deniz Yücel hat
(vice.com, Matern Boeselager)
Auf „Vice“ fragt sich Matern Boeselager, warum die türkische Regierung solche Angst vor Deniz Yücel habe. Yücels unangepasste und unbequeme Art und natürlich seine Texte seien es, die ihm schon in der Vergangenheit Ärger beschert hätten: „Deniz Yücel wusste also, dass er ein hohes Risiko einging, indem er weiter aus der Türkei über die Türkei berichtete, was er für die Wahrheit hielt. Dass er trotzdem immer weiter macht, ist genau der Grund, warum die türkische Regierung solche Angst vor ihm hat.“
PS: „taz.de“ hat sechs Briefe von Kollegen und Freunden an Deniz Yücel veröffentlicht.

3. Ein Blick aus der Leere
(zu-daily.de, Hans Ulrich Gumbrecht)
Einen Monat nach Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump ist das weltweite Entsetzen immer noch groß. Auch befeuert durch die nahezu täglichen und gelegentlich verstörenden Trump-Tweets. Hans Ulrich Gumbrecht schreibt über das Phänomen aus der Sicht eines in Stanford arbeitenden Professors. Die Gesellschaft sei tief gespalten und Trump vor allem von der Sucht nach Resonanz getrieben: „Manchmal ergibt sich der Eindruck, er stehe unter einem Zwang, sich durch Resonanz die Wirklichkeit seiner eigenen Existenz beweisen. So erzeugt auch jede der längst niemanden mehr überraschenden Salven gegen „political correctness“ durchaus Amplituden der Resonanz auf beiden Seiten einer gespaltenen Gesellschaft. Diese Tendenz zeigt sich bisher vor allem auf der Ebene der Außenpolitik, wo Momente des Tabu- und Traditionsbruchs deutlich über strategische Revisionen dominieren. Und hier liegt wohl der Ursprung jener „alternativen Wahrheiten“, Halbwahrheiten oder nicht durch Realität gedeckten Behauptungen, die längst zu einem Markenzeichen von Donald Trumps rhetorischem Stil geworden sind. Solange sie Resonanz produzieren, hält er sie nicht für korrekturbedürftig.“

4. Wie Merkel, Schulz und Co. in den sozialen Medien performen
(horizont.net, Giuseppe Rondinella)
Bald beginnt bei uns der Bundestagswahlkampf. Da stellt sich die Frage: Wer dominiert Social Media eigentlich hierzulande? „Horizont“ hat sich die Performance der Parteien und Spitzenkandidaten auf Facebook, Twitter und Instagram näher angeschaut.

5. Populäres Filmportal schliesst Diskussionsforen
(nzz.ch, Jochen Siegle)
Die „Internet Movie Database“ (IMDb) ist die populärste Datenbank zu Filmen, Fernsehserien, Videoproduktionen und Computerspielen. Über 4 Millionen Filmproduktionen sind gelistet, zu mehr als 7 Millionen Filmschaffenden gibt es Einträge. Nun hat das Filmportal seine beliebten Diskussionsforen abgeschaltet. Eine Entscheidung, die mehr als 250 Millionen User betrifft.

6. „Halten Sie Papier und Bleistift bereit“
(spiegel.de, Peter Ahrens)
Über Jahrzehnte war Ernst Huberty das prominente Gesicht der Fußballberichterstattung. Manche behaupten, dass er als „Mister Sportschau“ zu einem Teil Fernsehgeschichte geworden sei. Nun wird der stets akkurat gekleidete und unaufgeregte Huberty 90 Jahre alt. Ein Anlass für „Spiegel“-Autor Peter Ahrens, sich wehmütig an die Ära der Cordsakkos, Postkarten und den „Galopper des Jahres“ zu erinnern.

Verfahren, Versichert, Versprengt

1. Intellektueller und moralischer Auffahrunfall
(welt.de, Sascha Lehnartz)
Der Kommentar des „FAZ“-Korrespondenten Michael Martens zum Fall des festgenommenen Türkei-Korrespondenten der „Welt“ Deniz Yücel hat viele Leser vor den Kopf gestoßen und für Entsetzen und Unverständnis gesorgt. Sascha Lehnartz hat nun in der „Welt“ geantwortet und bezeichnet die Ausführungen des Kollegen, den er ansonsten schätze, als „intellektuellen und moralischen Auffahrunfall“. Und erklärt, warum genau sich der Kollege seinen Kommentar besser hätte sparen sollen.
PS: Knut Kuckel hat auf dem Nachrichtenportal „Journalistblog“ Reaktionen von Behörden und Medien zusammengefasst und erklärt die Zusammenhänge.

2. Journalisten lassen Kachelmann sprengen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Haben Sie neulich auch die Nachricht gelesen, dass Jörg Kachelmann eine Veranstaltung mit Alice Schwarzer „gesprengt“ hat, indem er sich mitten während des Vortrags zu Wort gemeldet hat? Falls ja, dann sind Sie einer veritablen Falschmeldung aufgesessen. Stefan Niggemeier hat den Vorgang für „Übermedien“ aufbereitet.

3. Fake News: Worum es geht und was wir tun können
(boell.de, Karolin Schwarz)
Wenn sich jemand mit Fake News auskennen muss, dann ist es Karolin Schwarz, die Mitinitiatorin von „hoaxmap.org“. Auf der Seite der Heinrich-Böll-Stiftung schreibt sie über die Entwicklung von Gerüchten im Internet und die aktuellen Initiativen zu deren Eindämmung. „Nachdem Generationen von Schülern gelernt haben, Wikipedia zu misstrauen, nicht aber den bisweilen höchst unseriösen Links, die auf der ersten Seite der Google-Suchergebnisse auftauchen, müssen wir uns mit Informationen im Netz, ihren Verbreitungswegen und ihrer Überprüfung auseinandersetzen. Alle.“

4. Warum wir zwei Jahre lang zu Versicherungen recherchiert haben
(correctiv.org, Daniel Drepper)
Eine Quelle wendet sich an einen Journalisten des Recherchebüros „Correctiv“: „Es geht um die Verbindung zwischen der Versicherungswirtschaft – insbesondere den Personenversicherern (BU, Unfall, Kranken) – und einigen Richtern der oberen Instanzen an den Versicherungssenaten der Zivilgerichte.“ Der Journalist Daniel Drepper beschreibt wie die zweijährige Recherche bis zur fertigen Reportage verlief. Die Geschichte liest sich manchmal ähnlich spannend wie ein Wirtschaftskrimi.

5. Die neue Hartnäckigkeit
(taz.de, Dorothea Hahn)
Nicht alles ist schlecht unter Trump, findet US-Korrespondentin Dorothea Hahn auf „taz.de“. Nach jahrelangem kontinuierlichem Auflagenrückgang würden die politischen Medien wieder Zulauf erleben: Die „New York Times“ hätte allein im letzten Quartal 2016 mehr als eine Viertelmillion neue digitale AbonnentInnen gewonnen. Die großen Tageszeitungen hätten seit Trumps Wahl ihre Teams im Weißen Haus vergrößert. Ein Medienexperte hätte gar einen „neuen journalistischen Frühling“ prognostiziert.

6. Every NYT front page since 1852
(vimeo.com, Josh Begley, Video, 0:55 Minuten)
Alle Titelseiten der New York Times seit 1852 in einem einminütigen Zeitraffervideo. Faszinierend das erste Auftauchen von Schwarz-Weiß-Fotos und der spätere Übergang zur bunten Titelseite.

Deniz Yücel, Weiße Mexikaner, #LastNightinSweden

1. Ein Drama, zu dem wir nicht schweigen dürfen
(spiegel.de, Hasnain Kazim)
In der Türkei werden seit Jahren Journalisten eingeschüchtert, verfolgt und eingesperrt. Nun hat es den Journalisten Deniz Yücel erwischt, der lange Jahre für die „taz“ tätig war und seit einiger Zeit für die „Welt“ berichtet. Offensichtlich hat der Türkei seine kritische Berichterstattung über den Umgang der türkischen Regierung mit den Medien nicht gefallen. Hasnain Kazim plädiert im „Spiegel“ für Klartext: „Es ist an der Zeit, deutliche Worte zu finden und politische und wirtschaftliche Konsequenzen folgen zu lassen auf das, was in der Türkei geschieht: die Abschaffung von Demokratie und Freiheitsrechten.“
(Nur lesen, wenn genügend Beruhigungstee in der Nähe: Michael Martens empfiehlt in der „FAZ“ deutschen Verlagen ihre Entsendungspolitik zu überdenken und fragt, ob es gut sei, ein Land zu lieben, über das man berichtet. Außerdem fallen noch weitere verstörende Äußerungen wie „Die Verlage schulden den Lesern Journalisten, nicht Türken vom Dienst.“)

2. „Unter drei“ – die Sache mit den Hintergrundgesprächen
(tagesspiegel.de)
Das Verwaltungsgericht Berlin hat das Bundeskanzleramt zur teilweisen Offenlegung von geheimen Gesprächen mit Journalisten verpflichtet. Geklagt hatte der „Tagesspiegel“-Redakteur Jost Müller-Neuhof, der die Abläufe derartiger Geheimgespräche und seine Beweggründe für die Klage schildert. Endgültig entschieden sei die Sache noch nicht: Demnächst wird das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg über den Fall beraten und auch danach gibt es weitere juristische Optionen.

3. Von Füchsen und Gänsen: Spinnen wir alle?
(dwdl.de)
Hans Hoff ist in seiner Sonntagskolumne befremdet, wie auf „Stern TV“ mit dem hochgradig aufgebauschten Fall der Veganerin und dem Glockenspiel von Limburg umgegangen wurde. „Jeder ist verantwortlich für das, was er weitergibt, und wenn man nicht sicher ist, ob das, was man weiterverbreitet komplett richtig ist, dann sollte man es vielleicht besser nicht weiterverbreiten oder wenigstens mit einem Bedenkensternchen als Verweis auf eine warnende Fußnote kenntlich machen. Schöne Geschichten sind eben nicht unbedingt jene, die schön klingen. Schöne Geschichten sind vor allem jene, die auch wahr sind.“

4. Prekäre Beschäftigungssituation in der Filmbranche
(mediathek.rbb-online.de, Video, 3:29 Minuten, noch verfügbar bis 23.02.17)
Amerikanische Filmproduzenten sprechen abfällig von „weißen Mexikanern“ und meinen damit die Deutschen, die in der Filmwirtschaft arbeiten. Und in der Tat: Im deutschen Filmbusiness regieren Knebelverträge und Lohndumping. Der „rbb“ lässt eine Regieassistentin zu Wort kommen, die 200 Euro Wochenlohn bekam, für Wochen von mehr als 50 Arbeitsstunden. Auch ein Filmproduzent und eine Vertreterin der Filmförderanstalt ffa wurden befragt: Man gibt sich als Gefangene des Systems.

5. Fake News: Grenzen sich seriöse Journalisten aktiv (genug) von unseriösen ab?
(scilogs.spektrum.de, Markus Pössel)
Markus Pössel wünscht sich mehr Medienkritik und mehr Abgrenzung der seriösen gegenüber den unseriösen Medien: „Warum muss ich für Analysen der neuesten Beispiele für unseriöse Praktiken bei Bild, Bunte & Co. auf uebermedien.de oder BILDblog.de gehen? Warum finde ich nicht in der FAZ, in der Sueddeutschen, in der ZEIT, ganz selbstverständlich entsprechende Kolumnen? Die seriösen Medien sind doch eigentlich am direktesten davon betroffen, wenn unter dem Oberbegriff Journalismus Falschmeldungen und Übertreibungen verbreitet werden.“

6. Schweden bittet um Erklärung der USA
(tagesschau.de)
Die schwedische Botschaft in Washington hat das US-Außenministerium gebeten, die Äußerung von Präsident Donald Trump zu erklären: „Schaut Euch an, was gestern in Schweden passiert ist!“ Nachdem sich das ganze Twitteruniversum bereits über den Vorgang lustig gemacht hat, hat der Präsident nun Stellung bezogen. Er hatte wohl was auf „FoxNews“ gesehen und das in den falschen Hals bekommen bzw. falsch wiedergegeben. Natürlich hat er seinen Fehler nicht zugegeben, sondern getwittert: „My statement as to what’s happening in Sweden was in reference to a story that was broadcast on @FoxNews concerning immigrants & Sweden.“
(Weitere Lesehinweise: Der BILDblog-6-vor-9-Kurator hat es auf Twitter satirisch verarbeitet und BILDblog-Kollege Moritz Tschermak geht augenzwinkernd der Vermutung nach, Donald Trump könne auf einen Tweet der „WAZ“ reingefallen sein …)

Trump-Show, Bauchredner Tichy, Zuckerberg-Blabla

1. Full Transcript and Video: Trump News Conference
(nytimes.com, Video, 1:17 Stunden)
Die „New York Times“ hat sowohl das Video als auch das vollständige Transkript von Donald Trumps Pressekonferenz veröffentlicht.
Britta Kollenbroich fasst auf „Spiegel Online“ die amerikanischen Reaktionen zusammen „Nein, Sir, wir sind keine Deppen“
Es gibt aber auch schon Kommentare aus Deutschland: Veit Medick findet im „Spiegel“, es sei „an der Zeit, am Verstand des US-Präsidenten zu zweifeln“.
Und Simon Riesche beschreibt die Veranstaltung für die „FAZ“ als „atemberaubenden Strudel aus Gedankenfetzen, Wahlkampfslogans und programmatischen Ankündigungen“

2. Der Bauchredner
(zeit.de, Roman Pletter)
Über Roland Tichy, der in der Vergangenheit stellvertretender Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Capital“ und Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ war und heute das rechtslastige Meinungsportal „Tichys Einblick“ betreibt, ist schon viel geschrieben worden. Roman Pletter ist ein Artikel gelungen, der mehr als das Offensichtliche leistet, nämlich eine Annäherung an den Menschen Tichy. Hier stehen sich die partiell spürbare Sympathie für den Menschen Tichy und die kritische Distanz zu seiner Arbeit nicht im Wege. „Der Widerspruch zwischen Roland Tichys Buch früher und der Sprache heute ist nicht der einzige, dem man bei dieser Annäherung an ihn begegnet: Er sucht den Streit, will aber zugleich gemocht werden. Er ist als Kommentator scharf im Ton, aber im persönlichen Umgang auch charmant und lustig. Er ist kein Ausländerfeind, seine Texte klingen aber manchmal so. Er ist ein wirtschaftsliberaler Demokrat, doch man begegnet auf seinem Internetforum Menschen, bei denen eine menschenfreundliche Haltung nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen ist.“

3. Viele Zeitungen vertreten nicht das Interesse ihrer Leser.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Der „Spiegel Online“-Kolumnist und Chefredakteur des „Freitag“ Jakob Augstein spricht im Interview über seinen Dialog mit Nikolaus Blome, die Politik Angela Merkels, linken Boulevard, Russland-Bashing und Meinungsgleichheit in den Medien und warum er nicht mehr an eine Paywall glaubt. Und es geht um das BILDblog und Augsteins Einstellung zur „Bild“: „Meine vergleichsweise positive Einstellung zur „Bild“ ist auch schon übel aufgefallen, als ich noch bei der „Zeit“ war. Aber ich stehe dazu. Die Abgrenzungsbemühung macht mich skeptisch. Journalisten, die sich besonders stark von „Bild“ abgrenzen, bekämpfen nicht selten ihre eigenen Dämonen. Die „Bild“ ist dann der Sündenbock des Journalismus.“

4. Warum Papier-Journalismus besser ist.
(kaffeeundkapital.de, Martin Oetting)
Viele Menschen vertreten die Ansicht, dass es beim Journalismus nicht aufs Trägermedium, sondern auf die Inhalte ankommt. Martin Oetting ging es lange Zeit ebenso, doch jetzt hat er seine Meinung geändert und favorisiert Print. Nicht, weil er ein fortschrittsfeindlicher Ewig-Gestriger ist, sondern weil aus seiner Sicht drei Aspekte dafür sprechen würden.

5. Is nicht egal
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Am Dienstag wurde bekannt, dass der Youtuber und Rapper Kazim Akboga gestorben ist. Für viele Medien ein Anlass, sich von ihrer hässlichen Seite zu zeigen… Boris Rosenkranz erklärt auf „Übermedien“ was falsch gelaufen ist und wie Medien berichten sollten, wenn sie denn meinen, unbedingt berichten zu müssen.

6. Zuckerbergs vager Masterplan
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich mit einem 5800 Wörter langen Manifest an die Öffentlichkeit gewandt, in dem er seine Visionen für die Zukunft des sozialen Netzwerkes erläutert. Beate Wild hat den Text gelesen und ist wenig begeistert: „Der Brief, der vor utopischen Idealen nur so strotzt, beinhaltet wenige konkrete Lösungsansätze oder auch nur Details, sondern ist eher eine von der PR-Abteilung bis zur Unkenntlichkeit geschliffene Ansammlung an guten Vorsätzen.“

Treibjagd auf Veganerin, Sinnloses Factchecking, Apples affige Appshow

1. Wed Feb 15 2017
(blog.fefe.de)
Fefe macht auf seinem Blog auf den Artikel Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können auf „Zeit Online“ aufmerksam und äußert in Fefe-typischer Direktheit Kritik an den Inhalten („Komplett herbeihalluziniert. Ein Hit Piece. Wer schreibt sowas?“). Besonders angetan haben es ihm die Autoren bzw. deren Tätigkeiten: ein politischer Redenschreiber und Vorstandsmitglied eines von Alumni der Atlantik-Brücke gegründeten Vereins und ein Direktor des „German Marshall Fund of the United States“. Fefe lässt im Abschlusssatz einen seiner Leser zu Wort kommen: „Da kann die ZEIT künftig auch Shell-Mitarbeiter über den „Ökologischen Einfluss von Ölbohrungen auf das Ökosystem der Arktis“ schreiben lassen.“

2. Medienjagd gegen die Veganerin aus Limburg – Dabei war es ein Scherz
(mimikama.at, Thomas Laschyk)
Vor ein paar Tagen wurde über den Fall einer Veganerin berichtet, die sich angeblich an den tierfeindlichen Inhalten des Lieds „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ gestört hätte, das im Glockenspiel des Limburger Rathauses gespielt wurde. Sie hätte deshalb den Bürgermeister gebeten, das Lied aus dem Glockenspiel-Repertoire zu entfernen, was dieser auch tat. Die Meldung darüber ging um die ganze Welt, die Kommentarspalten glühten und tausende von Menschen empörten sich. Vor allem über die Frau und teilweise sehr massiv: Sie bekam Gewalt- und Morddrohungen und musste aufgrund des Drucks ärztliche Hilfe aufsuchen. Die traurige Pointe der Geschichte: Das Ganze geht auf ein mehr oder weniger flachshaftes Geplänkel zurück und bekam erst die mediale Wirkung, nachdem es der Bürgermeister bei einer Büttenrede als scherzhafte Anekdote erwähnt hatte.

3. „Ein politischer Begriff“
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die „taz“ hat mit der BBC-World-Chefin Francesca Unsworth über Fake News gesprochen. Die BBC hat den „Reality Check“ gestartet, der mit sechs Mitarbeitern noch eine recht kleine Abteilung sei, aber ausgebaut werden solle. Unsworth ist sich der eingeschränkten Möglichkeiten bewusst, will aber die Kräfte der BBC bündeln: „Wir können nicht das Internet überwachen. Vielmehr müssen wir beobachten, welche Behauptungen diese Zugkraft entwickeln. Dann geht es darum, sie zu überprüfen – wie wir es ohnehin gemacht hätten, aber mit vereinten Kräften. Die BBC ist groß, früher hätten verschiedene Redaktionen möglicherweise verschiedene Schwerpunkte gesetzt. In Zukunft soll das zentralisierter ablaufen.“

4. «Coup Magazin» – ein Mini-Team vor einer Mega-Aufgabe
(tageswoche.ch, Matthias Oppliger)
Im crowdgefundeten „Coup Magazin“ erscheint genau eine Geschichte pro Monat. Gerade ist Geschichte Nummer sieben erschienen, eine Reportage über den Wahnsinn, der mit der Kommerzialisierung des Skirennsports in lauschige Wintersportorte wie Adelboden in der Schweiz eingezogen ist. Damit ist das „Coup Magazin“ ein halbes Jahr alt geworden. Die „Tageswoche“ hat sich mit dem Mitgründer Pascal Sigg unterhalten und ihn um eine Zwischenbilanz gebeten.

5. Klare Sicht dank Factchecking? Wohl nicht!
(meta-magazin.org, Nikolai Promies)
Viele Medien wollen Fake News mit Factchecking und dem öffentlichen Richtigstellen von falschen Behauptungen bekämpfen. Doch sind solche Mittel überhaupt geeignet, um gegen Fake News vorzugehen? Philipp Müller, Medienforscher an der Uni Mainz, ist nicht besonders optimistisch. Widerspruch helfe nicht viel. Aussichtsreicher sei es, das Weltbild, das von Falschmeldungen unterstützt wird, ernst zu nehmen: „Man muss das wachsende Unbehagen mit Globalisierung und Digitalisierung ernst nehmen. Man muss eingestehen, dass die gesellschaftlichen Eliten tatsächlich Fehler gemacht haben im Umgang mit diesen Entwicklungen und so eine wachsende ökonomische Ungleichheit auf der Welt ermöglicht haben. Nur wenn man diese Punkte offen anspricht, kann man Populisten und die aus ihrem Lager gestreuten Falschmeldungen ihrer Wirkungskraft berauben.“

6. Planet der affigen Fernsehshows
(zeit.de, Eike Kühl)
„Planet of the Apps“ ist Apples erste eigene TV-Show. Sie erfüllt alle Voraussetzungen, um krachend zu scheitern, findet Eike Kühl auf „Zeit Online“: ein trashiges Format, viel Bullshit und Gwyneth Paltrow.

Störungsorgan, Nackte Tatsachen, Willkommensjournalismus

1. Gericht: „Störungsmelder“ ist ein Organ der Presse
(blog.zeit.de, Christoph Dowe)
Die Staatsanwaltschaft Memmingen wollte eine Routine-Anfrage eines freien Journalisten nicht beantworten und bekam dafür Rückendeckung vom Verwaltungsgericht Augsburg: Die Richter erkannten den „Störungsmelder“-Blog der „Zeit“ nicht als „Organ der Presse“ an. Vielleicht weil die Juristen schlicht den Unterschied zwischen redaktionellem Teil des Blogs und Kommentarbereich nicht verstanden hatten… Jedenfalls ging der Journalist mit Unterstützung der „Zeit“ in die nächste Instanz zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und beantragte eine Eilentscheidung. Diese Eilentscheidung wurde nun in seinem Sinne und dem der Pressefreiheit gefällt.

2. Willkommensjournalismus – wie Formate wie Marharba, NewsforRefugees und WDRforyou Geflüchteten das Ankommen erleichtern wollen
(get.torial.com, Tobias Lenartz)
Mittlerweile haben die Medien einige Formate entwickelt, die geflüchteten Menschen in ihrer Sprache hiesige Werte, Gewohnheiten und Institutionen erklären wollen. „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ heißt eine Sendung auf n-tv, der SWR startete im Oktober 2015 „News for Refugees“ und der WDR lancierte im Januar 2016 „WDRforyou“. Tobias Lenartz stellt die erfolgreichen Formate vor, deren Fortbestehen jedoch nicht garantiert sei: „Die Zukunft der journalistischen Integrationsangebote ist allerdings noch offen. Denn je länger die Menschen hier sind, desto eher könnte auch die Anfangseuphorie der Intendanten erlahmen.“

3. Make Print great again
(taz.de, Daniel Bouhs)
Es ist in der Tat ein gewagtes Projekt, an das sich Magazinmacher Oliver Wurm gemacht hat: Die Teens sollen ihr Smartphone beiseitelegen, sich sein Panini-Album „Webstars 2017“ kaufen und es nach und nach mit mehr als 200 Stars von YouTube, Instagram und Co. befüllen. Trotz hoher Initialkosten ist man ins Risiko gegangen und hat 800.000 Tütchen – also vier Millionen Bildchen – gedruckt, dazu 100.000 Sammelalben. Nun muss sich erweisen, ob die Online-Kids auf das Offlineprojekt anspringen.

4. „In diesem Jahr geht es um harte, klare Fakten“
(horizont.net, Ingo Rentz)
Dem Kampf gegen Fake News bekommt im Bundestagswahljahr eine besondere Bedeutung zu. Das „ZDF“ will mit einem neuen Projekt Fake News aufspüren und Propaganda entgegenwirken: dem „#ZDFcheck17“. Der ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen erklärt, was es für eine Bewandtnis mit dem sperrigen Kürzel hat

5. Ich kenn’ da jemanden! Wie internationale Journalistenagenturen die Medienbranche verändern könnten
(fachjournalist.de, Franziska Knupper)
Vielen ist nicht bekannt, dass es Agenten nicht nur für Buchautoren, sondern auch für Journalisten gibt. Internationale Journalistenagenturen wie „Storyhunter“, „Paydesk“ oder „ARA“ vernetzen Freelancer mit Redaktionen und kassieren dafür Vermittlungsgebühren zwischen 10 und 25 Prozent. Franziska Knupper blickt hinter die Kulissen der Online-Auftragsbörsen.

6. Ein Hauch von nichts
(sueddeutsche.de, David Pfeifer)
Der amerikanische „Playboy“ bekam vor einem Jahr viel Aufmerksamkeit für seine Entscheidung, keine nackten Frauen mehr abbilden zu wollen. Nun bekommt er sie für seine Rückkehr zu den nackten Tatsachen. „SZ“-Autor David Pfeifer ordnet die Entscheidung ein, die wahrscheinlich vor allem wirtschaftlicher Verzweiflung geschuldet ist.

Neonazi-Milieu, Interview-Tabus?, Daily (Hate)Mail

1. „Die Schnüffelei hat mir geschadet“
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Die Journalistin Andrea Röpke recherchiert in Neonazi-Strukturen. Ihre Recherchen wurden mehrfach ausgezeichnet. Doch sie muss dafür viel in Kauf nehmen: Bei ihrer Arbeit wurde sie von Neonazis angespuckt, beworfen, bedrängt und niedergeschlagen. Und sie wurde sechs Jahre lang durch den Verfassungsschutz überwacht. Zu Unrecht, wie später festgestellt wurde. Im Interview mit der „taz“ erklärt sie unter anderem, warum sie sich nicht einschüchtern lässt und welche Themen sie sonst noch interessieren.

2. Frauen böse, Flüchtlinge böse, und die EU auch
(spiegel.de, Mark Rice-Oxley)
„Guardian“-Redakteur Mark Rice-Oxley schreibt über die britische Zeitung „Daily Mail“, die wegen Unglaubwürdigkeit unlängst aus der Referenzliste der Wikipedia geflogen ist. Rice-Oxley findet vieles verwerflich an dem, was die „Daily Mail“ tagtäglich fabriziert. „Doch besonders beunruhigend ist an der „Mail“ vielleicht die Art und Weise, mit der sie die eigentlich normalen, stoischen, fair denkenden Briten radikalisiert. Wenn Menschen in meinem Umfeld anfingen, die Zeitung zu lesen, konnte man bemerken, wie sie wütend über Einwanderung wurden, sogar wenn es kaum Immigranten in der Nähe ihres Wohnortes gab; wie sie oft auf vermeintlichen EU-Irrsinn hinwiesen, wenn die Wahrheit eigentlich vielschichtiger war; und wie sie plötzlich ein negatives Bild vom Leben in Großbritannien und den Menschen, die dort leben, entwickelten.“ Leider werde der Wikipedia-„Klassenbucheintrag“ nichts daran ändern, dass das Angst und Hass schürende Blatt weiterhin Großbritanniens einflussreichste Zeitung sei.

3. „So jemanden kann man doch nicht interviewen!“
(fair-radio.net, Ann-Kathrin Büüsker)
„So jemanden kann man doch nicht interviewen!“ Solch einen Satz hört die Journalistin Ann-Kathrin Büüsker immer und immer wieder, wenn es um Gespräche mit umstrittenen Personen oder Leuten vom anderen Ende des eigenen Meinungsspektrums geht. Möglicherweise sei an dieser Beurteilung etwas dran. Aber dann sei es ihre Aufgabe als Journalistin, das im Interview herauszuarbeiten. „Wichtig ist dabei, dass ich jeden Interviewpartner mit der gleichen Vehemenz angehe. Ich konfrontiere sie/ihn mit Gegenargumenten, mit Widersprüchen der eigenen Argumentation. Ganz egal, was meine eigene Position ist, meinem Interviewpartner begegne ich als Gegenspieler. Fair, aber konsequent. Mein Schwert ist die Frage – und ich führe es gegen jeden. Unabhängig davon, was ich für richtig halte. Ich befrage politische Akteure kritisch und fair. Denn das ist mein Job.“

4. Pressefoto des Jahres – Blick auf den Hass in unserer Zeit
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Die Jury des „World Press Photo Award“ konnte dieses Jahr unter mehr als 80.000 Einsendungen wählen. Ausgezeichnet wurde der türkische Fotograf Burhan Ozbilici für sein Bild eines Attentats, das den Moment kurz nach dem tödlichen Schuss zeigt.

5. „Frontalangriff auf den Journalismus“ – Großbritannien will Geheimnisverrat härter bestrafen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die britische Regierung will die Berichterstattung über geheime Dokumente zukünftig mit drakonischen Strafen belegen. Gefährdet sind nicht nur die Whistleblower selbst, sondern auch Journalisten. Künftig solle neben dem „Teilen“ der Informationen bereits das „Erhalten und Sammeln“ strafbar werden. Außerdem sollen mit der Novelle auch „sensible Informationen“ über die Wirtschaft, welche die nationale Sicherheit gefährden, unter das Gesetz fallen. Die Gesetzeskommission behauptet, Medien wie den „Guardian“ und Bürgerrechtsorganisationen am Konsultationsprozess beteiligt zu haben. Diese streiten dies jedoch ab.

6. Der einsamste Mensch an der Ski-WM
(20min.ch, Sebastian Rieder)
SRF-Kameramann Röbi Furrer filmt die WM-Piste in St. Moritz. Er ist zuständig für Bilder vom Gegenhang und steht dazu einsam und in Eiseskälte auf der anderen Bergseite in über 2700 Meter Höhe.

Blättern:  1 2 3 4 ... 271