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Entführte Journalisten, Maultasche für „Südkurier“, Kauf ohne Käufer

1. Weltweit derzeit 54 Journalisten entführt
(reporter-ohne-grenzen.de)
153 hauptberufliche Journalisten, 161 Bürgerjournalisten und 14 Medienmitarbeiter seien derzeit weltweit inhaftiert. Dazu kämen 54 entführte Journalisten, acht seien „im Laufe des Jahres 2015 verschwunden“. Das sind die Zahlen der „Reporter ohne Grenzen“, die gerade den ersten Teil ihrer „Jahresbilanz der Pressefreiheit 2015“ (PDF) veröffentlicht haben. Hendrik Zörner vom DJV spricht von einer „Schande“, dass „die inhaftierten Journalisten (…) die Kollateralschäden guter bilateraler Beziehungen“ seien.

2. Flüchtlingsforschung gegen Mythen 2
(fluechtlingsforschung.net)
„Wir brauchen eine Obergrenze.“ Oder: „Sichere Herkunftsländer (…) tragen eben natürlich zu einer schnelleren Bearbeitung bei.“ Was ist dran an solchen Behauptungen in der Flüchtlingsdebatte, die auch von Medien verbreitet werden? Das „Netzwerk Flüchtlingsforschung“ setzt seinen Faktencheck fort (Teil eins hier) und lässt erneut fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf politische Parolen antworten.

3. Datenjournalismus 2015: Ein Rückblick
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Ende Dezember ist die Zeit der Jahresrückblicke. Lorenz Matzat lässt das Jahr 2015 aus datenjournalistischer Perspektive Revue passieren. Er stellt die Projekte vor, die ihn am meisten beeindruckt haben, freut sich darüber, dass viele DDJ-Teams von Frauen geleitet werden, und wagt eine Prognose: „2016 wird das vorerst beste Jahr für Datenjournalismus in Deutschland werden.“

4. Flucht, Hunger, Tod — ein ganzes junges Leben lang
(sueddeutsche.de, Judith Raupp)
Judith Raupp hat für die „Süddeutsche Zeitung“ über Afrika berichtet — bis sie sich entschloss, selbst auf den Kontinent zu ziehen. Mittlerweile bildet sie im Kongo Journalisten aus. Und begegnet dabei Menschen, die fürchterliche Dinge erlebt haben. Sie will ihr Engagement aber nicht zu hoch hängen: „Ich bin keine Weltverbesserin. Ich erledige im Kongo einen Job. Auch wenn er mich sprachlos macht.“

5. Maultasche für den Südkurier
(kontextwochenzeitung.de, Holger Reile)
Die „Konstanzer Maultasche“ ist wie die „Goldene Himbeere“ ein Preis, den niemand bekommen will: Die, nun ja, Auszeichnung geht an Unternehmen, „die ihre Mitarbeiter ganz besonders schlecht behandeln.“ Und da ist — dank „Arbeitszeiterhöhung um fünf Wochenstunden, Lohnerhöhungen nach Gutdünken, ‚Tricksereien‘ bei der Vergütung für ZeitungszustellerInnen“ und so weiter — dieses Mal auch der „Südkurier“ dabei.

6. Reporters in Las Vegas Try to Crack Case of Who Owns Their Newspaper
(nytimes.com, Ravi Somaiya, englisch)
Ist ein Casinomagnat der neue Besitzer? Steckt hinter dem Kauf ein politisches Motiv? Fest steht: „The Las Vegas Review-Journal“ wurde für „$140 million in cash“ verkauft. Wer der Käufer ist, ist hingegen nicht bekannt. Dabei würde die Redaktion gerne wissen, für wen sie nun arbeitet.

Kinderessende Flüchtlinge, Krimkrise, Journalisten in Filmen

1. Warum das virale „Flüchtlinge essen Kinder“-Video nicht lustig ist
(vice.com, Matern Boeselager)
In den vergangenen Tagen dürfte ein großer Teil der Social-Media-Gemeinde über ein 26-Sekunden-Video gelacht haben, in dem unter anderem ein Mädchen erzählt, dass ein Flüchtling eine Fünfjährige gegessen habe. „Das Problem ist nur, dass das Video eine ziemlich bösartige Manipulation ist“, schreibt Matern Boeselager. Der Schnitt reiße die Aussage so aus dem Zusammenhang, dass „sich Tausende Menschen darüber freuen können, dass Rassisten krass dumm und sie selber krass schlau sind. Dabei gibt es nur ein Problem: Ganz so hat sie das nicht gesagt.“

2. Wir müssen streiten!
(ostpol.de, Jelena Kostjutschenko)
In der Krimkrise seien ganze Familien zerstritten gewesen, nur in der Gemeinschaft der Journalisten habe es keine Konflikte gegeben. Weil es auch keine Gemeinschaft gegeben habe, wie Jelena Kostjutschenko beobachtet hat. Sie fordert die russischen Journalisten auf, mehr zu streiten. Für ein neues Selbstverständnis. Zur Russland-Ukraine-Berichterstattung gibt es außerdem ein neues Crowdfunding.

3. Predictions for Journalism 2016
(niemanlab.org, verschiedene Autoren, englisch)
Das „Niemanlab“ hat Experten gefragt, womit der Journalismus im kommenden Jahr rechnen muss. Bis zum 18. Dezember kommen ständig neue Beiträge hinzu.

4. Wie der Tod die Lüge schützt
(tagesspiegel.de, Norbert Thomma)
Als der „Tagesspiegel“ im April ein Interview mit einer Krebskranken veröffentlichen will, kommen einigen Redakteuren beim Korrekturlesen der zwei Zeitungsseiten die Tränen. Sie sind sich einig: „So etwas Packendes und Anrührendes können wir selten drucken.“ Später stellt sich heraus: Die junge Frau hat alle getäuscht, ihre Familie, ihre Freunde, ihre Sterbebegleiter, die Medien. Norbert Thomma rekonstruiert, wie es dazu kommen konnte.

5. Friedensprophet mit Taschenrechner
(amnesty.ch, Ramin M. Nowzad)
Die Welt war noch nie so friedlich wie im 21. Jahrhundert. Es gibt weniger Gewalt, weniger Kriege und weniger Morde als je zuvor. Das ist jedenfalls die These des Evolutionspsychologen Steven Pinker. Den meisten Menschen fällt es schwer, daran zu glauben — Pinker sagt, dass die Medien einen Teil dazu beitragen: „Wenn Sie die Fernsehnachrichten einschalten, erfahren Sie immer nur von Dingen, die passiert sind. Nie von Dingen, die nicht passiert sind.“ Solange die Gewaltrate nicht auf null sinke, werde es immer genügend Grausamkeiten geben, um die Abendnachrichten zu füllen.

6. April O’Neil — Journalistin zwischen Emanzipation und Unschuld
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Auf seiner Seite journalistenfilme.de geht Patrick Torma der Frage nach, welche journalistischen Werte in Filmen vermittelt werden. Zum Beispiel wenn es um Bob Woodward und Carl Bernstein in „Die Unbestechlichen“ geht oder um Maddy Bowen in „Blood Diamond“. Aktuelle schaut sich Torma die Rolle von April O’Neil bei den „Teenage Mutant Hero Turtles“ an und fragt, ob „in der Reporterin mit dem kanariengelben Jumpsuit ein journalistisches Vorbild“ steckt.

Klimaabkommen, Morddrohungen, Wort des Jahres

1. Historisches als Randnotiz
(taz.de, Malte Kreutzfeldt)
„Geschenke“ („FAS“), „Das fatale Ende eines Schulfachs“ („WamS“) und „Weihnachtsgeld zu gewinnen“ („BamS“) — das waren die Aufmacher der überregionalen Sonntagszeitungen. Dass in Paris am Abend zuvor „Geschichte geschrieben wurde, war für traditionelle deutsche MediennutzerInnen kaum zu merken“, kritisiert Malte Kreutzfeld. Die „Welt“-Medien hätten sogar darauf verzichtet, überhaupt einen Redakteur zur Klimakonferenz zu schicken.

2. Reporter als Panzerfahrer ohne Uniform
(deutschlandfunk.de, Maximilian Grosser, Audio, 4:33 Minuten)
„Russia Today“ sei eine Art trojanisches Pferd der psychologischen Kriegsführung, sagt Mustafa Nayem. Und die Mitarbeiter des russischen TV-Senders sind für den Journalisten und Parlamentsabgeordneten aus der Ukraine wie Panzerfahrer ohne Uniformen. Maximilian Grosser dokumentiert ein Treffen russischer, ukrainischer und georgischer Intellektueller, die nach Möglichkeiten suchten, wie man der „Maschinerie der Desinformation“ entgegentreten könnte.

3. Notizblöcke, Waffen und Kokain: Das einsame Leben eines paraguayischen Journalisten
(vice.com, Dorian Geiger)
Vor dem Haus von Cándido Figueredo Ruíz stehen sieben Männer mit Maschinenpistolen, Kameras haben alles im Blick. Figueredo braucht diesen Schutz nicht, weil er der Boss eine mächtigen Drogenkartells ist, sondern ein Journalist, der über die kriminellen Geschäfte der lokalen Gruppen berichtet und regelmäßig Morddrohungen erhält: „Ich bin mir voll und ganz im Klaren darüber, dass sie mich jederzeit ermorden können.“

4. Was die Leser der „Jungen Freiheit“ so über Juden denken
(starke-meinungen.de, Alan Posener)
Viel muss Alan Posener gar nicht schreiben, er belässt es bei einem Satz: „Ich gebe hier die Kommentare unter einem Artikel aus der ‚Jungen Freiheit‘ wieder, in dem Dieter Stein meint, auch die Juden würden inzwischen ihre Unterstützung für Multikulti aufgeben und dafür sein, dass sich Deutschland gegen die Fremdenflut wehrt.“ Danach sprechen die Kommentatoren für sich.

5. Journalismus: Die Zuckerberg-Blamage
(neunmalsechs.blogsport.eu, Carsten Buchholz)
An der „Top-Schlagzeile des Tages“ (allerdings schon ein paar Tage her) „Facebookgründer Mark Zuckerberg spendet 45 Milliarden Dollar an eine Stiftung für wohltätige Zwecke“ sei „leider alles falsch“, schreibt Carsten Buchholz. Er erklärt wieso und zeigt, welches Medium wie falsch berichtet haben soll.

6. Flüchtlinge zu Geflüchteten?
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Nachdem „Flüchtling“ vergangene Woche zum Wort des Jahres gekürt wurde, gab es kritische Stimmen, die den Begriff als „abschätzig“ bezeichneten und dafür plädierten, ihn durch „Geflüchtete“ zu ersetzen. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch analysiert das Wort, seine Bedeutung und mögliche Alternativen.

Falsche „Horror-Kita“, Lügen im Ukraine-Konflikt, neue Buchcharts

1. Die Wahrheit auf der letzten Seite
(taz.de, Aziz El Massassi)
Das ägyptische Regime um General al-Sisi habe vor knapp zwei Jahren eine Verfassung verabschiedet, die Pressefreiheit garantiert. In der Realität gelte diese Freiheit allerdings nur für einen Teil der Medien: Wer die Regierung kritisiert, werde beschuldigt, „den Terror zu unterstützen“. Aziz El Massassi gibt Einblick in eine Gesellschaft, die nur formell eine Demokratie sei, und zitiert eine Kollegin: „‚Für die Journalisten und für die Meinungsfreiheit insgesamt ist dieses Regime schlimmer als das der Muslimbrüder — und sogar schlimmer als das Mubarak-Regime.'“

2. Die „Horror-Kita“ in Mainz, die keine war
(tagesspiegel.de, Kai Müller)
„Kinder missbrauchen Kinder: Ermittlungen in Horror-Kita“ — diese Schlagzeile der „Bild“-Zeitung löste im Sommer eine Welle teils hysterischer Berichterstattung aus, üble journalistische Fehler inklusive. So wurde etwa aus „53 Blessuren“ die Meldung „schwere sexuelle Gewalt, Übergriffe und Erpressung unter 53 Kindern“. Ende November stellte sich schließlich heraus, dass ein Großteil der Vorwürfe haltlos war, die Staatsanwaltschaft sprach von „überwiegend entlastenden Erkenntnissen“.

3. „Ich hoffe, dass es Stop Fake in fünf Jahren nicht mehr gibt“
(de.ejo-online.eu, Stella Venohr)
Um den Propagandalügen im Ukraine-Konflikt entgegenzuwirken, haben Studenten und Absolventen der Kiewer Mohyla Journalistenschule 2014 die Plattform „Stop Fake“ gegründet. Seitdem entkräften sie Meldungen über vermeintliche Verstöße bei Kommunalwahlen oder angebliche neue Gesetze. Stella Venohr hat mit „Stop Fake“-Faktenchecker Artem Babak gesprochen.

4. Universitätsklinikum Mannheim: Wie ein Unternehmen gegen Medien auf die Straße geht
(kress.de, Nora Jakob)
Vergangenes Jahr wurde bekannt, dass im Universitätsklinikum Mannheim mit unzureichend sterilisiertem Besteck operiert wurde. Die Medien schlachteten den „Hygieneskandal“ aus und übertrieben es dabei, sagt zumindest das Krankenhaus und insbesondere der Vorsitzende des Betriebsrats: Die Journalisten von „Spiegel“ und „Zeit Online“ hätten „immer wieder dafür gesorgt, dass sich die Bilder in den Köpfen der Menschen festsetzen, egal ob sich mittlerweile bei uns etwas geändert hat oder nicht.“ Der Betriebsrat hat vor einigen Wochen Anzeigen im „Mannheimer Morgen“ geschaltet und sogar eine Demonstration gegen die unfaire Berichterstattung organisiert. Die Journalisten weisen die Kritik zurück: „Schmutzig waren die Instrumente in Mannheim, unsere journalistische Berichterstattung darüber ist sauber.“

5. BILD „Journalisten“ sind Journalisten in Anführungszeichen
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Für „Bild“ ist Russland kein Partner, sondern nur ein „Partner“. Und für „almasala“ ist die „Bild“-Berichterstattung mit ihren „subtilen Anführungszeichen als rhetorisches Stilmittel“ nur eine „Berichterstattung“: „Für einen Anführungszeichen-Journalisten ist eine ‚Quelle‘ eine vertrauenswürdige Quelle ohne Anführungszeichen, sobald sie die gewünschten Aussagen tätigt.“

6. Inklusive eBooks: Bild publiziert Amazon-Buchcharts
(lesen.net, Johannes Haupt)
Seit gestern gibt es eine neue Bücher-Bestsellerliste, herausgegeben von „Bild“ und Amazon. Johannes Haupt sieht darin „vor allem eine erhebliche Werbemaßnahme für die Kindle-Plattform“: Die Aussagekraft der neuen Bücher-Charts sei „in vielerlei Hinsicht überschaubar, Amazon und Bild machen aber sicherlich einen guten Schnitt.“

Maulkorbgesetz, Twittern aus dem Gerichtssaal, Deutschrap

1. Spanien: Maulkorbgesetz gegen kritische Medien
(ndr.de, Sandra Aïd und Daniel Schmidthäussler, Video, 6:15 Minuten)
30.000 Euro Strafe für ein Foto von Polizisten? Eine Karikatur über den König als Terrorismus-Delikt? Klingt nach autoritärem Regime, ist aber Spanien. Ein „neues, sogenanntes Bürgerschutzgesetz“, erlassen von der Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy, macht’s möglich: „Das Gesetz schützt offenbar keineswegs die Bürger, sondern in erster Linie die Regierung vor ihrem Volk — und vor kritischen Medien.“

2. Lifta und Propaganda
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Das Fernsehmagazin „Rtv“ erscheint jede Woche 8,2 Millionen Mal, als Beilage zahlreicher Tageszeitungen. In diesen vielen „Rtv“-Exemplaren werbe „seit vielen Jahren“ auch „der rechtspopulistische Kopp Verlag“, unter anderem für seine Hetze gegen Muslime und Flüchtlinge. Anna Hunger hat bei den „Rtv“-Verantwortlichen nachgefragt, wie das sein kann.

3. Deutschrap, du hast ein ernsthaftes Problem
(welt.de, Dennis Sand)
Die „Welt“ bescheinigt der deutschen Rapszene ein Gewaltproblem, weil es dort vollkommen normal sei, „Hausbesuche“ bei verfeindeten Rappern zu machen oder gar „Stadtverbote“ auszusprechen. Die nicht wenigen deutschen Rap-Medien kritisiert Welt-Autor Dennis Sand für ihre mangelnde Distanz, ihre Unreflektiertheit und die ständige Sorge, die Rapmusikszene vor der Veralberung zu schützen. Wie es sich inzwischen für einen anständigen Rap-Battle-Beef gehört, antwortet Hip-Hop-Journalist Falk Schacht auf Facebook.

4. Twittern aus dem Gerichtssaal
(taz.de, Christian Rath)
Bild- und Tonübertragungen aus Gerichtssälen sind in Deutschland verboten. Journalisten dürfen sich Notizen machen, aber nicht live aus dem Gerichtssaal bloggen. Das galt auch für den Zschäpe-Prozess — ein explizites Twitter-Verbot galt aber nicht. Christian Rath beschreibt, wie sich die Live-Berichterstattung von Prozessen durch die sozialen Medien verändert und beschleunigt.

5. Zuckerberg und Antisemitismus
(saschalobo.com)
Jemanden des Antisemitismus zu bezichtigen, ist ein harter Vorwurf. Viele Menschen reagieren darauf entrüstet und weisen die Anschuldigung zurück. Dass es auch anders geht, zeigt Sascha Lobo: Nachdem Götz Aly aus einer von Lobos Kolumnen für „Spiegel Online“ antisemitische Tendenzen herausgelesen haben will, setzt er sich in einem langen und reflektierten Text mit der Kritik auseinander — und gelangt dabei zur Erkenntnis, „dass ich im Kontext des Antisemitismus noch intensiver auf meine Wortwahl und meine Begriffswelten achten muss, es kann zum Fehler werden, sich nicht präzise abzugrenzen.“

6. Der Preis der Wahrheit — Whistleblowerinnen im Konflikt
(srf.ch, Vera Freitag, Video, 52:28 Minuten)
Ein Dokumentarfilm über Whistleblowerinnen aus der Schweiz und den USA, ihre Motivationen und den „Konflikt zwischen Loyalität und Gerechtigkeitssinn.“ Kleiner Tipp: Bei den Schweizerdeutsch-Passagen hilft die Untertitelfunktion.

Völkische Bewegung, bedrohte Umweltjournalisten, Franck Ribéry

1. Die völkische Bewegung stellt sich vor
(faz.net, Friederike Haupt)
Nachdem die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ die AfD als „neue völkische Bewegung“ kritisiert hatte, teilte die Partei den Link bei Facebook und bezeichnete den Text als „linksfaschistische Propaganda“. Prompt liefern die folgenden Facebook-Kommentare der AfD-Anhänger die Bestätigung für die These der „FAS“, die AfD sei voller Hass auf Andersdenkende.

2. Türkische Opposition will Inhaftierung von Journalisten beenden
(derstandard.at)
Die türkische Oppositionspartei CHP hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der verhindern soll, dass Journalisten in Untersuchungshaft genommen werden können. Derzeit sitzen der Chefredakteur und der Leiter des Hauptstadtbüros von „Cumhuriyet“ in Untersuchungshaft. Sie waren vor zwei Wochen „wegen Berichten über mutmaßliche Waffenlieferungen der Türkei an syrische Rebellen“ festgenommen worden, so derstandard.at (viele andere Medien schreiben, dass die Waffenlieferungen für den sogenannten „Islamischen Staat“ bestimmt waren).

3. Tödliche Gefahren für Umweltjournalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Umweltjournalisten berichten häufig „über illegale Rodungen, Umweltverschmutzung oder die Folgen von illegalem Rohstoffabbau“. Und das könne für sie richtig gefährlich werden, schließlich klagen sie in ihren Texten so gut wie immer auch Personen an, die für die Umweltschäden verantwortich sind, so „Reporter ohne Grenzen“: „Seit 2010 wurden nach Recherchen der Organisation zehn Umweltjournalisten ermordet, acht davon in Südostasien und Indien.“

4. The AP Considers Ethics of Robot Journalism with Automated Insights
(mediashift.org, Meagan Doll, englisch)
Die Nachrichtenagentur AP experimentiert seit einiger Zeit mit automatisierten Texten. Durch den Roboterjournalismus hat sich die Zahl der Finanzberichte, die AP in einem Quartal schreibt, verzehnfacht. Jetzt geht es also nicht mehr darum, was mit Technik möglich ist, sondern wie AP sie einsetzen will — also um die Ethik hinter den Algorithmen.

5. Ribéry verklagt Magazin auf 400 000 Euro Schadensersatz
(sueddeutsche.de)
Franck Ribéry geht juristisch gegen einen Artikel der französischen „Closer“ vor. Das Klatschblatt berichtete, der Fußballer des FC Bayern München „sei in ein Ermittlungsverfahren wegen Prostitution verwickelt“. Dabei sei er lediglich „von der Polizei als Zeuge vorgeladen gewesen“, schreibt sueddeutsche.de.

6. Wer sucht da eigentlich Schutz in unserem Land?
(blog.tagesschau.de, Isabel Schayani)
Die ARD-Reporterin Isabel Schayani über einen Besuch in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete, Köpfe, in die kein Wort Deutsch passt, und die Verantwortung der „Kinder des Friedens“.

Gewalt bei „Pegida“, Rügen für „Bild“, Journalisten und Social Media

1. „Grenzüberschreitungen jeglicher Art“
(taz.de, Daniel Bouhs)
Nadine Lindner berichtet für das „Deutschlandradio“ aus Sachsen und nimmt „auf Facebook und in der Hörerpost (…) seit einem guten Jahr eine radikalere Sprache und höhere Aggressivität wahr.“ Insbesondere auf „Pegida“-Demos komme „es mittlerweile leider regelmäßig zu tätlichen Übergriffen.“ Um Journalistinnen und Journalisten zu schützen, wünscht sie sich „ein höheres Maß an Sensibilität bei der Polizei und dass sie auch mal von sich aus eingreift.“ Passend zur „Pegida“-„Lügenpresse“-Debatte: Im „Tagesspiegel“ fasst Maria Fiedler einen Redaktionsworkshop zusammen, bei dem eine Frage im Mittelpunkt stand: „Warum verlieren Medien an Glaubwürdigkeit?“

2. Türkei: Das Ende der Pressefreiheit
(daserste.de, Halil Gülbeyaz, Video, 8:53 Minuten)
Halil Gülbeyaz spricht mit Journalisten, Journalistenvertretern und Abgeordneten über „die Abschaffung der Pressefreiheit in der Türkei“.

3. Rügen des Presserrats: „Bild“ wieder ganz vorn
(ndr.de, Fiete Stegers)
Bis zum 1. Dezember wurden beim Deutschen Presserat seit Jahresanfang 2200 Beschwerden eingereicht — so viele wie nie zuvor. Während die Gesamtzahl steigt, bleibt eines konstant: „Acht Mal sprach der Presserat eine Rüge für die Berichterstattung der ‚Bild-Zeitung‘ aus (…). Damit wurde die ‚Bild‘-Zeitung wie in den vergangenen Jahren wieder weit häufiger als alle anderen Redaktionen für Verstöße gegen den Pressekodex bestraft.“ Immerhin liegt dieser Anteil diesmal ‚leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre‘. Ebenfalls zur aktuellen Presseratsentscheidung: queer.de über eine Rüge für den „Abdruck eines homophoben Leserbriefs“.

4. Die Kaste der Verweigerer
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz wundert sich über neue Zahlen, die nahelegen, dass rund die Hälfte der deutschen Journalisten mit Social Media nichts anfangen kann. Allerdings wundert er sich nur auf den ersten Blick, denn wenn er seine Filterblase verlässt, stellt er fest, dass die Branche eben auch nur ein Abbild der Gesellschaft ist. Und auch die Journalisten immer noch „ein tiefer digitaler Graben trennt.“ Zum Thema: Nach einer Studie des „American Press Institutes“ erhöht es die Glaubwürdigkeit von Journalisten, wenn sie auf Twitter unterwegs sind und mit anderen Nutzern — und ihren Lesern — interagieren.

5. Missachtung des Urheberrechts oder „public service“?
(onlinejournalismus.de, Andrej Reisin und Fiete Stegers)
Armin Wolf hat auf seiner Facebook-Seite die Übersetzung einer kompletten Reportage aus der „New York Times“ veröffentlicht (Post mittlerweile offline), nachdem er das Original als einen „der eindrucksvollsten (und bedrückendsten) Texte, die ich bisher über das IS-Kalifat gelesen habe“ bezeichnet hatte. Das Problem: Er besaß keinerlei Urheberrechte an dem Text und hatte die „New York Times“ nicht angefragt. Andrej Reisin und Fiete Stegers sehen darin einen „Bärendienst für alle Journalisten als Urheber — denn ignoriert wurden letzten Endes eben nicht die Rechte der mächtigen ‚New York Times‘, sondern die der einzelnen Autorin.“

6. Wie Jugendliche Politik und Nachrichten konsumieren
(deutschlandfunk.de, Johannes Nichelmann, Audio, 18:17 Minuten)
„Für mich ist Instagram mehr so: Leute teilen ihren privaten Inhalt. Und ‚Tagesschau‘ so bei Instagram. Keine Ahnung, ob ich das so gut finde.“

Reporter beim Schlussverkauf, Mediengipfel, Übergriffe in Sachsen

1. Die Reporter am Wühltisch greifen, was sie kriegen können
(faz.net, Nina Rehfeld)
Fotos, Bücher, Kontoauszüge — nichts war sicher vor den zahlreichen Journalisten, die die Wohnung der Täter von San Bernardino durchwühlt haben. Dieser „Tiefpunkt des amerikanischen Nachrichtenfernsehens“ erinnert Nina Rehfled eher an „Szenen bei einem Schlussverkauf“ als an ordentliche Berichterstattung. Und auch andere Einschätzungen sind deutlich: „Ein medialer Sündenfall“, kommentiert Frank Patalong. Marlis Prinzing schreibt von einem Versagen der Medien. Für Johannes Kuhn handelt es sich um „ein Debakel für den Journalismus.“ Allie Jones hat einige Beispiele von „CNN“, „MSNBC“ und „Fox News“ gesammelt.

2. Amerikas Waffengesetze — „ein moralisches Verbrechen und eine nationale Schande“
(sueddeutsche.de)
Die „New York Times“ hat nach den Schüssen von San Bernardino das erste Mal seit 95 Jahren wieder einen Leitartikel auf Seite 1 gedruckt. Unter dem Titel „The Gun Epidemic“ fordert die Chefredaktion der Zeitung, dass die amerikanischen Waffengesetze verschärft werden. Hier ist der Artikel in der Onlineversion.

3. Der Mediengipfel: „Es gibt keine wertfreie Einschätzung.“
(parisprotokoll.de, Hanna Halfon, Video, 4:10 Minuten)
Der Klimagipfel in Paris ist auch ein Mediengipfel: „Über 3000 Journalisten“ seien derzeit in der französischen Hauptstadt, um über die Konferenz zu berichten, so Hanna Halfon. Dabei seien sie oft auf Einschätzungen von Lobbyisten angewiesen. Wie gefährlich ist das? Wie einflussreich? Halfon spricht mit Journalisten, Lobbyisten und Delegierten.

4. Über 25 Übergriffe auf Journalisten in Sachsen
(andi-szabo.de, Andreas Szabo)
Vom 12. Januar in Leipzig („Fahrzeug MDR-Technikers wird bei Legida-Demo beschädigt.“) bis zum 25. November in Dresden („Kameramann wird bei Pegida-Demo geschlagen, kommt leicht verletzt ins Krankenhaus. Der Angreifer und seine Begleiter werden ermittelt.“): Andreas Szabo hat 26 Angriffe auf „Journalisten, Redakteure, Techniker, Fotografen, Kameraleute oder Twitter-Reporter“ in Sachsen zusammengetragen.

5. Eine Hose ist eine Hose keine Slim-Fit Blue Acid Washed Streched-Jeans
(wuv.de, Peter Breuer)
Werbetexter Peter Breuer findet, dass sich Schreiber häufiger an Romanautor Georges Simenon und seinen „Mots matière“, den Sachwörtern, orientieren sollten. „Klare Aussagen werden viel zu häufig durch sprachliche Konventionen, berufsspezifische Floskeln und Anglizismen verstellt.“

6. Warum haben die Medien so ein Problem mit Jan Böhmermann?
(realvirtuality.info, Alexander Matzkeit)
Alexander Matzkeit wundert sich darüber, „was die restlichen Medien des Landes für ein Problem mit Jan Böhmermann​ haben“, und fragt: „Ist die deutsche Medienkaste wirklich immer noch nicht aus ihrem Jacuzzi aus Selbstgefälligkeit und Intrigantentum aufgestanden?“ Aber nicht nur in den traditionellen Medien gibt es Problemhaber: Der Youtuber „theclavinover“ antwortet auf Böhmermanns „Ich hab Polizei“: „Du hast ZDF — #WirHamInternet“.

Inszenierung bei FIFA-Festnahmen, Frauke Petry, detektor.fm

1. Es ist die Inszenierung, die stört
(nzz.ch, Daniel Gerny)
Die Art und Weise der Berichterstattung über die neuesten Festnahmen im FIFA-Skandal findet Daniel Gerny aus rechtsstaatlicher Sicht problematisch: „Szenen, bei denen Verdächtige vor laufender Kamera unter Getöse von Live-Tickern und sozialen Netzwerken verhaftet werden, ritzen die Unschuldsvermutung und untergraben so unser nüchterneres Verständnis von verfahrensrechtlicher Fairness.“

2. Wie berichten über den „Islamischen Staat“?
(mediendienst-integration.de, Carsten Janke)
Es beginnt schon beim Namen: „sogenannter Islamischer Staat“, „IS“, „ISIS“, „ISIL“ oder „Daesh“? Auch bei anderen Begrifflichkeiten ist Vorsicht geboten: Wann ist ein Attentat „islamistisch“? Waren die Täter wirklich „Dschihadisten“ oder „radikale Muslime“? Carsten Janke gibt Tipps, wie Journalisten über dieses Thema berichten sollten und appelliert, nicht unnötig Panik zu schüren, sich andererseits aber auch nicht zum Sprachrohr der Teorroristen machen zu lassen, indem man deren Bild- und Videomaterial weiterverbreitet.

3. Die sechs Rhetoriktricks der Frauke Petry
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Sind es die Argumente, die die AfD-Vorsitzende Frauke Petry bei ihren Talkshowteilnahmen oft triumphieren lassen? Mitnichten, meint Falk Heunemann. Die „alternativdeutsche Sächsin“ habe sich zahlreiche Ausweichtricks zurechtgelegt — von „Reden, reden reden, bis das Thema stimmt“ bis „Niederbrüllen“. Am Beispiel von Petrys „Hart aber fair“-Auftritt am vergangenen Montag erklärt er, warum andere Diskussionsteilnehmer kaum gegen sie ankommen.

4. Verstaatlicht den Journalismus! Sofort!
(jensrehlaender.com)
„Staatlich subventionierter Journalismus geht gar nicht! Das wäre ja das Ende der unabhängigen Berichterstattung!“ Jens Rehländer hält diese Skepsis mit Blick auf das seiner Meinung nach funktionierende System der öffentlich-rechtlichen Medien für unangebracht. Er ist überzeugt, dass „nur Staatsknete (…) den Qualitätsjournalismus retten“ könne und fordert: „Verstaatlicht die Verlage!“

5. „Ein viel zu ähnlicher Blick auf die Welt“
(journalist.de)
Regelmäßig veröffentlicht die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ („INA“) eine „Top Ten der vernachlässigten Themen“, die in der medialen Berichterstattung zu kurz gekommen sind. Hektor Haarkötter, Leiter der „INA“, erklärt, wie die Auswahl zustande kommt und warum es manche Themen partout nicht in die Medien schaffen.

6. “Nach oben ist wirklich noch viel Luft”: Wie geht es dem Internet-Sender zum 6. Geburtstag?
(daniel-bouhs.de)
Daniel Bouhs spricht mit Christian Bollert und Marcus Engert, die bei detektor.fm die Geschäfte beziehungsweise die Redaktion leiten. Das junge Team aus Leipzig befindet sich bei seiner Crowdfunding-Kampagne für eine Vormittagssendung aktuell auf der Zielgeraden.

Rechtspopulismus der AfD, 15-Seiten-Vertrag, „SZ“-Karikaturen

1. Lügt die Presse? So erkennen Sie es.
(krautreporter.de, Rico Grimm)
Als Journalist bekommt Rico Grimm von Freunden und „Krautreporter“-Lesern immer wieder eine Frage gestellt: „Welchen Zeitungen, Foren usw. kann man überhaupt noch was glauben?“ Deshalb gibt er Einblick in sein Vorgehen „als ‚Recherche-Profi'“ und zehn Ratschläge, wie man ohne viel Aufwand die Glaubwürdigkeit von Quellen überprüfen kann. Kein Geheimwissen und erst recht keine Raketenwissenschaft, aber gerade deswegen für viele sicher hilfreich.

2. SWR — ganz elastisch
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Mit einer internen Mail hat der SWR seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu aufgefordert, die AfD in den Nachrichten künftig nicht mehr als „rechtspopulistisch“ zu bezeichnen. Die Partei sei „mittlerweile bekannt genug“, sodass der „erklärende, aber auch wertende Zusatz“ weggelassen werden könne. Bei der CDU werde schließlich auch kein „konservativ“ angehängt, die FDP werde nicht ständig als „liberal“ bezeichnet. Diesen Vergleich kritisiert Liane Bednarz. Sie fordert den SWR auf, sich damit zu beschäftigen, was andere Parteien von der AfD unterscheidet, und liefert zehn Belege für den Rechtspopulismus der AfD.

3. Hohe Medienkonzentration, geringe Transparenz
(reporter-ohne-grenzen.de)
Vier Mediengruppen teilen sich 83 Prozent des Marktes, die meisten Eigentümer haben enge Verbindungen zur Regierung — die Voraussetzungen für kritischen Journalismus und Meinungspluralismus sind in Kambodscha nicht gerade ideal. Eine Studie von „Reporter ohne Grenzen“ und einer örtlichen Organisation verdeutlicht die problematischen Besitzverhältnisse im südostasiatischen Land. Im „Media Ownership Monitor“ untersuchen die „Reporter ohne Grenzen“ regelmäßig die Medienkonzentration in verschiedenen Ländern. In der ersten Veröffentlichung ging es um Kolumbien.

4. Warum ich Prince Charles nicht interviewe
(facebook.com, Armin Wolf)
Der „Independent“ berichtet, dass Prince Charles deutliche Regeln für Interviews vorgebe. Die Journalisten müssten einen 15-seitigen Vertrag unterschreiben. Jede Frage müsse vorab bekannt und abgesegnet sein. Dem österreichischen Moderator Armin Wolf ist es „schleierhaft, wie ein ernstzunehmendes Medienunternehmen einen solchen Vertrag unterschreiben kann.“

5. Übersetzungshilfe für eine Fintech-Pressemitteilung
(handelsblatt.com, Martin Dowideit)
Viele Fintechs, die Start-ups in der Finanzbranche, machen wenig Umsatz, haben aber große Ambitionen. Deshalb verschicken sie gern verschleiernde Pressemitteilung an Redaktionen. Martin Dowideit decodiert fürs „Handelsblatt“ eine typische PR-Meldung und entlarvt den Werbesprech.

6. TITANIC-Redakteure beschreiben SZ-Karikaturen
(titanic-magazin.de, Torsten Gaitzsch, Audio, 1:23 Minuten)

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