Archiv für 6 vor 9

BPB, PGP, Andrew Jennings

1. „‘Lügenpresse': Gesprächsversuch mit Kritikern“
(ardmediathek.de, Video, 13 Minuten)
„Panorama“ lässt Kritiker der etablierten, insbesondere der öffentlich-rechtlichen Medien zu Wort kommen, so zum Beispiel Walter van Rossum oder Maren Müller.

2. „Reality-TV als Aufklärung“
(taz.de, Wilfried Urbe)
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zahlt Fördergelder für RTL2-Sendungen. Indirekt fördert die Behörde etwa Sendungen wie 50667 Köln oder Berlin Tag & Nacht: „Rund 400.000 Euro pro Jahr investiert die Bundeszentrale mittlerweile in ‘zielgruppenspezifische’ TV- und Web-Formate“.

3. „Was wir aus der Berichterstattung über den Bellingcat-Report lernen“
(spiegel.de, Florian Harms)
Florian Harms schreibt darüber, wie „Spiegel Online“ über die Bellingcat-Reports zur Absturzursache von Malaysia-Airlines-Flug 17 berichtet hat: „Selbstkritisch müssen wir festhalten: Diese professionelle Skepsis im Umgang mit der Quellenlage, das Hinterfragen der Quelle hätten wir bereits in den vorherigen Artikeln stärker zum Ausdruck bringen sollen.“

4. „It’s a Man’s Man’s Man’s World“
(tagesanzeiger.ch, Jean-Martin Büttner)
Jean-Martin Büttner wünscht sich mehr Frauen, die über Rockmusik schreiben.

5. „How a curmudgeonly old reporter exposed the FIFA scandal that toppled Sepp Blatter“
(washingtonpost.com, Michael E. Miller, englisch)
Michael E. Miller porträtiert Andrew Jennings: „Now, after decades of threats, suspicions about tapped phones and intermittent paychecks, Jennings is being vindicated with every twist and turn in the FIFA scandal.“

6. „‘Die NSA kommt überall rein'“
(futurezone.at, Patrick Dax)
Ein Interview mit Phil Zimmermann, dem Erfinder des Verschlüsselungsprogramms Pretty Good Privacy (PGP).

Menschenfleisch, Rand Paul, Elisabeth II.

1. „Interview zu angeblichen MH17-Manipulationen: ‘Bellingcat betreibt Kaffeesatzleserei'“
(spiegel.de, Benjamin Bidder)
Bildforensiker Jens Kriese spricht über Analysen von Satelliten-Aufnahmen bezüglich der Absturzursache von Malaysia-Airlines-Flug 17: „Wir können nicht wissen, ob die Bilder zeigen, was Moskau behauptet. Diese ‘Analyse’ aber hat nichts gebracht – die Steigerung der Bekanntheit von Bellingcat einmal ausgenommen.“ Siehe dazu auch „Falsche Wolken über der Ukraine? Die Photoshop-Arbeiten des Kreml und die Fehler der Bellingcat-Analyse“ (stefan-niggemeier.de).

2. „Kodexfusion bei der ‘Zeit': Gemeinsame ethische Richtlinien für Print und Online“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier veröffentlicht den neuen „Code of Ethics von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT“.

3. „BBC-Journalistin erklärt Queen fälschlicherweise für tot“
(blog.zeit.de/teilchen, Tobias Dorfer)
Eine BBC-Journalistin twittert, Königin Elisabeth II. sei gestorben. „Der Fauxpas sei während einer ‘technischen Übung’ passiert. ‘Die Tweets wurden inzwischen gelöscht und wir entschuldigen uns für den Vorfall.'“

4. „Vorsicht Fake: Wie man Falschmeldungen im Netz enttarnt“
(fachjournalist.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswald gibt Tipps, um Fakes zu enttarnen: „Man kann es vermeiden, falschen Identitäten aufzusitzen, wenn man die Herkunft des Profils hinterfragt und mit anderen Web-Profilen vergleicht. Im Zweifelsfall ist das gute alte Telefon der wichtigste Verbündete beim Überprüfen von sonderbar anmutenden Informationen.“

5. „Kannibalen-Falschmeldung kreist 2 Jahre lang durchs Netz“
(kobuk.at, Moriz Büsing)
Servierte ein Restaurant in Nigeria Menschenfleisch, wie das „Heute“ und „Österreich“ behaupten? Nein. „Es ist doch bemerkenswert, wie eine Meldung von einem nigerianischen Blog fast 2 Jahre später noch um die Welt gehen kann. Und in diesen 2 Jahren hat es sich niemand (bis auf die BBC heute) angetan, bei der nigerianischen Polizei nachzufragen, ob an der Geschichte etwas Wahres dran ist.“

6. „Fox News Explains Why Rand Paul Was Left Out of 2016 Poll Graphic“
(mediaite.com, Matt Wilstein, englisch)

Schleichwerbung, Thomas Meyer, Ronja von Rönne

1. „Schleichwerbung im Netz“
(zdf.de, Video, 10:08 Minuten)
Marius Brüning, Andreas Halbach und Heiko Rahms setzen sich kritisch mit Schleichwerbung im Netz, insbesondere auf Instagram, auseinander.

2. „Die Parasiten vom Dienst“
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Für Markus Wiegand ist es an der Zeit, „härter zu werden und PR und Produktwerbung konsequenter aus den redaktionellen Inhalten rauszuhalten. Die Leser werden es danken – und das Anzeigengeschäft könnte es außerdem ankurbeln.“

3. „‘Die große Meinungsvielfalt in der deutschen Presse ist Geschichte'“
(heise.de/tp, Marcus Klöckner)
Ein Interview mit Politikwissenschaftler Thomas Meyer: „Wenn Medienkritik so angebracht wird, wie es beispielsweise Leute von Pegida tun, dann ist es sehr einfach für die kritisierten Medien und Journalisten, die Kritik als substanzlos, da zu schrill, zu laut und zu unsachlich abzutun. Die fundierte Medienkritik, die zwischen all den lauten Tönen auch zu finden ist und die, so meine ich, durchaus auch ihre Schärfe hat, wird dann einfach übergangen.“

4. „Fernsehgelder: Wie wir alle das System Blatter finanzieren“
(spiegel.de, Stefan Kaiser und Anna van Hove)
„Mit 43 Prozent machen die Erträge aus den Fernsehrechten beinahe die Hälfte der Gesamteinnahmen des Weltverbandes aus“, schreibt Stefan Kaiser zu den Einnahmen des Weltfußballverbands FIFA: „Die gewaltig gestiegenen Preise werden auch für ARD und ZDF zunehmend zu Belastungen. Für die WM 1998 zahlten sie gerade mal gut 20 Millionen Mark, mittlerweile müssen sie etwa das 20-fache davon auf den Tisch legen. Allein die fünf WM-Turniere von 2006 bis 2022 kosten die beiden Staatssender rund eine Milliarde Euro. Die Sender selbst wollen die Zahlen weder bestätigen noch dementieren. Sie dürfen keine Details veröffentlichen. Die Fifa verlangt von ihren Vertragspartnern Stillschweigen über die gezahlten Summen.“

5. „Alle Aufregung ist groß, aber welche ist am größten?“
(svenjagraefen.de)
Svenja Gräfen über die Kontroverse zur Ingeborg-Bachmann-Preis-Nominierung von Ronja von Rönne: „Wenn Rönne solche Texte schreibt und dies nicht ganz blauäugig tut, dann muss sie (und müssen ihre Unterstützer_innen ebenso) mit den Konsequenzen, die zu Recht auch Kritik beinhalten können, umgehen können. Dieses ‘Sie ist doch so jung und probiert sich noch aus’-Ding nervt nicht nur, es ist überflüssig. Sie ist jung, ja. Aber sie probiert sich eben nicht aus, sie schreibt für ein riesengroßes Medium, Punkt.“

6. „Klickstrecke: Die besten TITANIC-Witze in der Heute-Show“
(titanic-magazin.de)

Wrestling, Bellingcat, Sepp Blatter

1. „Mord war zu gewöhnlich: Presserat rügt Bild wegen Täter-Foto“
(meedia.de, Marvin Schade)
„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann ist nicht einverstanden mit einem Entscheid des Deutschen Presserats. Er ruft „Bild“-Leser dazu auf, sich in dieser Sache beim Presserat zu melden: „‘Sagen Sie dem Presserat ihre Meinung.’ Dazu veröffentlicht die Redaktion Telefonnummer und Adresse der Ethikinstanz, eine Aufforderung zum personalisierten Protest der Bildleser-Crowd.“

2. „Schlechte Recherche? Dafür habe ich keine Zeit“
(wrestling-point.de, Mathias)
„Muss alles was wir uns täglich zuführen Hochkultur sein?“, fragt Mathias zum Artikel „Prügel gegen Geld“ (zeit.de, Felix Lill): „Im Endeffekt haben wir hier ein Paradebeispiel was dabei rauskommt, wenn jemand schon mit einer vorgefertigt Meinung in einen Artikel hüpft. Kein müder Gedanke wurde daran verschwendet nachzuforschen, warum Wrestling beliebt ist. Der Autor kam mit der Einstellung rein ‘Wrestling ist Idiotenunterhaltung’ und brachte das dann auch so zu Papier.“

3. „Wenn alle die Ersten sein müssen“
(deutschlandradiokultur.de, Jakob Schmidt)
Jakob Schmidt sucht Alternativen zum von Eilmeldungen getriebenen Journalismus und kommt auf das Prinzip Langsamkeit, das Prinzip Subjektivität und das Prinzip Unabhängigkeit.

4. „Russland soll MH17-Bilder manipuliert haben“
(ndr.de, Bastian Berbner)
Bastian Berbner schreibt über Recherchen der Website Bellingcat zur Absturzursache von Malaysia-Airlines-Flug 17: „Die Bellingcat-Rechercheure haben die Aufklärung dieses Verbrechens in der Öffentlichkeit so weit vorangetrieben wie niemand sonst. Wie Staatsanwälte haben sie aus Fakten ein dichtes Netz gesponnen, das kaum mehr Zweifel zulässt.“

5. „Bellingcat-Analyse MH 17 so unseriös wie BILD und SPON“
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Almasala bezweifelt diese Sichtweise: „Die Ergebnisse von Bellingcat beruhen auf einer fehlerhaften Analyse und unschlüssigen Argumentation. Doch das Desaster ist nicht die stümperhafte und dilettantische Vorgehensweise von Bellingcat. Das Desaster ist, dass Leitmedien eine Laientruppe in den Stand von Experten und investigativen Journalisten erhebt, weil sie die gewünschten Ergebnisse für die gewünschte Meinung liefern. Die Medien schieben die vermeintlichen Experten von Bellingcat wie eine Monstranz vor sich her und lassen ihre eigene Agenda durch den Mund der selbsternannten Bürgerjournalisten verbreiten. Ergebnisse fehlerhafter Analysen werden dabei zu Fakten oder bestenfalls zu mutmaßlichen Fakten erklärt.“

6. „Gerechtigkeit für Sepp Blatter!“
(faz.net, Roger Köppel)
Roger Köppel fordert Gerechtigkeit für Josef Blatter: „Seine Dauerkritiker übersehen: Die Tatsache, dass man ihm nichts nachweisen kann, hat vor allem damit zu tun, dass es nichts gibt, was man ihm nachweisen kann. Was seine Feinde freilich nur noch rasender macht.“

Tinte, Familienzwist, Homeland

1. „Anmerkungen mit grüner Tinte“
(sueddeutsche.de, Nico Fried)
Nico Fried beschreibt die Autorisierung von Interviews, „ein Verfahren, das es fast nur in Deutschland gibt: Die Politiker können ihre Aussagen präzisieren, streichen, kürzen“: „Es geht im Zweifel durch viele Hände, durch die zuständigen Fachabteilungen, zu engen Mitarbeitern – und am Schluss noch einmal zu Merkel. Mit grüner Tinte macht sie letzte Anmerkungen, wenn sie noch welche hat.“

2. „‘Ich nenne sie Kopolitiker'“
(taz.de, Anne Fromm und Ines Pohl)
Ein Interview mit Politikwissenschaftler Thomas Meyer: „Politik wird nicht mehr als eine Mischung aus Konflikten, Interessen, Akteuren, Institutionen und als längerer Prozess verstanden, sondern der Einfachheit halber als so eine Art Familienzwist zwischen Promis präsentiert. Das Symbol dafür ist die politische Talkshow. Dort wird das politische Geschehen als Unterhaltung inszeniert, als ein Gezänk, bei dem es eigentlich nur um den persönlichen Streit zwischen Politikern und anderen Promis geht. Das ist ein entpolitisierendes, irreführendes Bild von der Politik.“

3. „Vom Falschen im Echten“
(3sat.de, Video, 5:27 Minuten)
„Störbilder. Schöne Gedanken. Emotionen. Ist das die Zukunft des Journalismus? Nein. Aber die Satiriker zeigen, wie man sperrige Themen verständlich an den Zuschauer bringt. Und wo Meinungsmache wirklich hingehört. Auf ihre Bühnen. Und nicht in die Nachrichten.“ Siehe dazu auch „Kulturzeit-Interview mit den Machern von ‘Die Anstalt'“ (3sat.de, Video, 6:28 Minuten).

4. „‘Kein Cartoon ist ein Menschenleben wert'“
(schweizamsonntag.ch, Yannick Nock)
Ein Interview mit Jørn Mikkelsen, Chefredakteur der Jyllands-Posten: „Ein Cartoon ist nie ein Menschenleben wert. Schon gar keine 300 Menschen, die im Zuge der Karikaturen mittlerweile ihr Leben verloren haben. Es geht um ein Prinzip, aber auch ein Prinzip kann nie ein Leben Wert sein. Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass Prinzipien wichtig sind für unsere Demokratie. Wir dürfen nicht über die schleichende Zensierung, die momentan leider im Gange ist, hinwegsehen. Wir müssen darüber diskutieren.“

5. „Über das Zurückschlagen von Empörungswellen und eine seltsame Argumentation im Fall Rönne“
(annettebaumkreuz.wordpress.com)
Eine Kontroverse um die Nominierung von Ronja von Rönne als Kandidatin für den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis: „Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Immerhin handelt es sich bei den Diskutanten nicht um irgendwelche ‘Empörten’ von der Straße, sondern um die ‘Social-Media-Koordinatorin von tagesschau.de’, eine Bachmann-Preis-Nominierte, einen FAZ-Blogger und den stellvertretenden Chefredakteur der WELT-Gruppe. Man fragt sich dann schon: Ist das die Diskussionskultur unter den ‘Eliten’, die uns als Vorbild dienen soll?“

6. „Irgendwie persisch“
(freitag.de, Katharina Schmitz)
Katharina Schmitz besucht in Berlin Kreuzberg ein Casting für die US-Serie Homeland: „Ich frage eine junge Türkin, ich sähe nicht so richtig authentisch südländisch oder aus dem Mittleren Osten aus, oder? Es klingt immer noch doof, jedenfalls fühle ich mich unwohl, wir vom Freitag machen uns ja immer so viele Gedanken. In ihrer Antwort liefert sie die Kritik an Homeland gleich mit: ‘Es gibt ja auch Hellhäutige. Aber bei so was will man doch eher Stereotype. Aber du würdest sofort als Araberin durchgehen.'“

Schokolade, Blogger, Walden

1. „Die freie Presse fühlt sich bedroht. Vom EDEKA in Chemnitz!“
(rheker.wordpress.com)
Sascha Rheker argumentiert zum Entscheid von Zeitschriftenverkäufern, „Bild“ nicht mehr verkaufen zu wollen, mit dem Grundgesetz: „Da steht nicht, daß irgendwer in der Pflicht steht, bei der Verbreitung der Meinung anderer mitzuwirken. Da steht nicht, daß jeder Ladenbesitzer alle Medien oder überhaupt Medien anbieten muß.“

2. „I Fooled Millions Into Thinking Chocolate Helps Weight Loss. Here’s How.“
(io9.com, John Bohannon, englisch)
John Bohannon erzählt, wie Journalisten dazu kamen, zu schreiben, dass Schokolade die Gewichtsabnahme beschleunigt: „When reporters contacted me at all, they asked perfunctory questions. ‘Why do you think chocolate accelerates weight loss? Do you have any advice for our readers?’ Almost no one asked how many subjects we tested, and no one reported that number. Not a single reporter seems to have contacted an outside researcher. None are quoted.“

3. „Die Gebührenverschwendungsmaschine“
(theeuropean.de, Thore Barfuss)
„Die Affäre um Gottschalk ist das symptomatische Beispiel eines in die Schieflage geratenen Systems“, schreibt Thore Barfuss zur Kritik an den Verträgen der WDR Media Group mit Thomas Gottschalk: „Der Skandal ist es, dass riesige Millionenbeträge für einzelne Sendungen wie im vorliegenden Fall zum System gehören. Dass für ‘Gottschalk Live’ keine Gebührengelder ausgegeben worden seien, wie ein WDR-Sprecher verlauten ließ, ist natürlich hanebüchener Unsinn. Der leicht zu durchblickende rhetorische Kniff, die Sendung sei ‘werbefinanziert’ gewesen sei, fällt ja allerspätestens da in sich zusammen, wo für die Hälfte der gezahlten Sendungen keine Werbung möglich war. Einfach, weil sie nicht ausgestrahlt wurden.“ Siehe dazu auch „Stellungnahme zu ‘Gottschalk live'“ (presse.wdr.de).

4. „Was kostet ein Blogger?“
(blogland-bremen.de)
Was sollen Blogger, „die keine blutigen Anfänger mehr sind“, für ihre Leistungen verlangen? „Stundensatz: ab 60 Euro. Tagessatz: ab 350 Euro. Exklusiv erstellter Artikel: ab 150 Euro. Immer zzgl. Reisekosten.“

5. „Das gute Leben“
(nzz.at, Christian Seiler)
Christian Seiler will sich keine zweite Ausgabe der Zeitschrift „Walden“ kaufen.

6. „Unsere Top 10: Willkommen im Club der toten Sender“
(dwdl.de, Torsten Zarges)

Empörungsjournalismus, Denkfabriken, Wissenschaftslügen

1. „Die Produktion von Angst“
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt schreibt über Empörungsjournalismus: „Das politische Resultat von Empörungsjournalismus ist primär Angst: die Angst, einen Fehler zu machen. Und zu deren Abwehr mehr Bürokratie. Journalismus wird zu einer teuren Sache.“

2. „Springer oder nichts“
(taz.de, Marco Wedig)
Zeitschriftenhändler, die „Bild“ nicht mehr verkaufen möchten, werden von Vertriebsfirmen unter Druck gesetzt.

3. „Die Denkfabriken der BILD Zeitung“
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Experten, die von „Bild“ zitiert werden: „Wenn BILD ‘renommierte Experten’ von einer ‘renommierten Denkfabrik’ zu Wort kommen lässt, bedient sie sich stillschweigend des sogenannten Autoritätsarguments, um ihre eigene politische Sicht durch den Mund eines Experten verkünden zu lassen. Das Autoritätsargument geht von devoter Obrigkeitshörigkeit des Lesers gegenüber einem Experten aus: ‘wenn ein Experte das behauptet, wird das wohl schon richtig sein’. Ein weiterer Vorteil von Expertenmeinungen ist, dass die Verantwortung über die Richtigkeit der Aussagen alleine beim Experten liegen. Die ohnehin verrufene BILD muss sich in diesem Fall nicht dem Vorwurf aussetzen, wieder einmal falsche Behauptungen in die Welt gestreut zu haben.“

4. „Eine süße Lüge“
(sueddeutsche.de, Lars Langenau)
Ein Ausblick auf die am 5. Juni zu sehende Dokumentation „Schlank durch Schokolade – Eine Wissenschaftslüge geht um die Welt“ (future.arte.tv): „‘Journalisten-Kollegen spielen bei dem Wissenschaftsmüll eine fragwürdige Rolle’, sagt Onneken. Erst durch die Publikation in einem ‘Fachblatt’ wurde ihre Studie zur Wahrheit – und die Veröffentlichung könne man sich etwa im angeblich renommierten International Archives of Medicine kaufen. Keiner prüfte die Echtheit des Instituts, keiner die dünne Auswahl an Probanden, ‘man vertraute einfach der Pressemitteilung, in der wir ein Märchen erzählt haben’, sagt Onneken.“

5. „Es kann ein wenig lauter werden: Über das Diskutieren im Netz“
(kleinerdrei.org, Lucie)
Lucie denkt nach über Filterblasen und fragt sich, „wer denn hier eigentlich wessen Meinung ‘aushalten’ soll“: „Sollen etwa Marginalisierte und Diskriminierte die Meinungen derer aushalten, die sie marginalisieren und diskriminieren? Ab wann halte ich eine Meinung aus? Wenn ich sie nicht mehr kritisiere?“

6. „Webmaster sammelt auf örtlicher CSU-Seite weiter Journalismus-Zitate“
(merkur.de, Daniel Krehl)
Siehe dazu auch „CSU schaltet neue Homepage frei“ (merkur.de, Stephen Hank, 19. April), „Pegida-Programm auf CSU-Homepage gepostet“ (merkur.de, Kathrin Brack, 16. April) und „Medienschelte auf Homepage der Kreis-CSU“ (merkur.de, Stephen Hank, 14. April).

Unternehmer, Unabhängigkeit, Penny-Auktionen

1. „Inside PBN“
(juliane-wiedemeier.de)
„Für wahre redaktionelle Freiheit muss man selber gründen“, schreibt Juliane Wiedemeier von den Prenzlauer Berg Nachrichten: „Ich war dabei, als ein großer Anzeigenkunde absprang, nachdem ich seine Scheckübergabe als nicht berichtenswert eingestuft hatte. Trotzdem gab es über die redaktionelle Entscheidung keine Diskussion. Anderswo habe ich das anders erlebt.“ Siehe dazu auch „Das Ende des Hypes“ (taz.de, Anne Fromm) und „Handreichung zum Umgang mit dem Troll“ (thomastrappe.wordpress.com).

2. „Journalismus ist reiner Luxus“
(persoenlich.com, René Zeyer)
René Zeyer ist freier Journalist in der Schweiz: „Meine Unabhängigkeit erkaufe ich mir damit, dass ich schon seit vielen Jahren zu den ‘Verrätern’ gehöre, die kommunikative Strategien und Konzepte im Sold von Auftraggebern verfassen, als selbständiger Kleinstunternehmer. Da ich das Privileg habe, mir diese auch nach diesem Kriterium aussuchen zu können, hat es noch nie einen Versuch gegeben, meine journalistische Tätigkeit zu beeinflussen, zu steuern, zu instrumentalisieren.“

3. „Der ledige Bauer und der Service public“
(nzz.ch, Dominik Kaiser)
TV-Unternehmer Dominik Kaiser fragt, was sein Unternehmen vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen unterscheidet: „Durch unsere Sendung ‘Bauer, ledig, sucht!’ haben wir unzählige glückliche Paare zusammengebracht. Vierzehn Paare haben gar geheiratet, und 17 Babys sind zur Welt gekommen. Gibt es stärkere Beweise für den Service-public-Charakter einer Sendung? Die Nachhaltigkeit ist offensichtlich. Demgegenüber zeigt SRF 1 Dok-Sendungen wie ‘Liebesglück in Odessa – von der Suche nach der Traumfrau’, ‘Beruf Domina, das Geschäft mit Lust und Peitsche’, ‘Oh Boy – Wenn Frauen jüngere Männer lieben’ oder ‘Callboys – Männer für gewisse Stunden’. Ist das kein Boulevard?“

4. „Puppen ohne Ende“
(tokyofotosushi.wordpress.com, fritz)
Fritz Schumann reflektiert seine immer noch von neuen Medien aufgenommene Videoarbeit „The Valley of Dolls“: „Ich würde sie nicht als meine beste Arbeit bezeichnen wollen, aber es ist definitiv die erfolgreichste. Es hat Türen geöffnet und war ein gewisser Wendepunkt für mich als junger Journalist. Ich konnte lernen, wie die Medienlandschaft heute funktioniert. Ich habe auch verstanden, dass eine Geschichte, die keiner am Anfang haben will, nicht schlecht sein muss. Nirgends, wo ich sie angeboten hatte, wurde sie genommen. Alle Veröffentlichungen oder Verkäufe konnten nur entstehen, weil das Video ein Selbstläufer online war.“

5. „Wie deutsche Medien unwissentlich für rechtswidrige Abzock-Seiten werben“
(om8.de, Johannes Haupt)
Warnung vor und Werbung für Angebote: „Teilweise finden sich Warnungen für Penny-Auktionen und Werbung dafür sogar auf exakt der gleichen Seite. So gibt es in einem alten Stern-Artikel, Titel ‘Abgezockt beim Höchstgebot’, einen Text-Bild-Anzeigeblock des Vermarkters Ligatus, bei dem MadBid offenbar ein gern gesehener Werbekunde ist.“

6. „Der Böse ist immer der griechische Finanzminister“
(stefan-niggemeier.de)
Siehe dazu auch „Waterboarding für den gemeingefährlichen Irren! Deutsche Journalisten über Claus Weselsky“ (stefan-niggemeier.de).

Troika, Rabauke, WDR

1. „‘Wenn man den Mächtigen nach dem Maul schreibt, bekommt man die besseren Honorare'“
(heise.de/tp, Marcus Klöckner)
Dokumentarfilmer Harald Schumann sieht „auf der supranationalen Ebene eine Form von Macht“ heranwachsen, „die sich der demokratischen Kontrolle entzieht und damit auch der Kontrolle durch die Medien“: „Als wir unsere Doku gedreht haben, haben sich die relevanten Leute von allen drei Institutionen der Troika konsequent verweigert und keine Interviews gegeben. Und zwar organisiert verweigert! Das habe ich in 32 Jahren Journalistenleben zum ersten Mal erlebt, dass sich die verantwortlichen Presseleute der Institutionen miteinander verabreden und sagen, mit denen reden wir nicht.“

2. „Guter Journalismus braucht mehr Verschwörungstheoretiker“
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Stephan Goldmann hätte gerne Fragen, die auf anderen Websites aufgeworfen werden, von Journalisten der etablierten Medien nachrecherchiert: „Ich rede von misstrauischen und hungrigen Reportern, die auch mal einen Monat Zeit für eine Geschichte haben. Kein hyperventilierender Huschhusch-Journalismus mehr. Solange das nicht stattfindet, muss man sich nicht wundern, dass die Aluhut-Chemtrail-Fraktion mehr und mehr den Diskurs bestimmt.“

3. „Zum Abschuss freigegeben“
(nordkurier.de, Jürgen Mladek)
Aufgrund der Schlagzeile „Rabauken-Jäger erhitzt die Gemüter“ wird ein Journalist von einer Richterin am Pasewalker Amtsgericht zu einer Zahlung von 1000 Euro verpflichtet: „Selbst wenn ein Reporter ein Verhalten als unangemessen charakterisieren wolle, dürfe er dazu keine derartigen Formulierungen benutzen. Konkret führte sie aus, dass man ein Kind noch als Rabauke betiteln könne, ein Erwachsener sich eine solche Formulierung aber nicht gefallen lassen müsse. Der Berichtsauftrag rechtfertige eine so ‘pfeffrige und scharfe’ Wortwahl nicht. (…) Und weiter: ‘Ich wäre auch erbost, wenn ich als Rabauken-Richterin bezeichnet werden würde.'“

4. „Millionen ohne Gegenleistung“
(agdok.de)
In einem Brief an Tom Buhrow, den Intendanten des WDR, verlangt Thomas Frickel Aufklärung über einen Vertrag, „den die WDR Media Group seinerzeit in Zusammenhang mit Thomas Gottschalks Vorabend-Show geschlossen hat.“

5. „Ein Jahr danach: Die positiven Folgen des SWRinfo-Fake“
(fair-radio.net, Lennart Hemme)
Lennart Hemme schreibt über „Leitlinien zum Umgang mit Interviews“ die sich der SWR verordnet hat: „Schade ist, dass es dafür erst einen massiven Betrug am Hörer brauchte. Gut ist, wenn diese Regeln jetzt tatsächlich gelebt werden. Toll wäre, wenn andere Sender sich diese Leitlinien zum Beispiel nähmen.“

6. „Schluss mit Gruss!“
(medium.com/@oswaldmartin)

Wikileaks, DHL, Germania

1. „Mit Vollgas in die Vertrauenskrise“
(infosperber.ch, Christof Moser)
Christof Moser befragt Mitarbeiter von Schweizer Onlineportalen zu ihren Arbeitsbedingungen: „Journalisten müssen damit beginnen, den Journalismus gegen seine Feinde zu verteidigen. Zu diesen gehören auch die Medienkonzerne, bei denen sie heute noch angestellt sind.“

2. „Wie die Presse versucht, WikiLeaks zu diskreditieren“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal beleuchtet die Beziehung zwischen Wikileaks und den etablierten Medien: „Die pressetypische Umsetzung von Leaks gleicht heute in ihrer seriellen Herstellung in verblüffender Weise der Zurückhaltung staatlicher Behörden gegenüber parlamentarischen Untersuchungsausschüssen: Immer wenn es konkret wird, sind die Dokumente ‘geschwärzt’. So heißt es in der groß aufgemachten ‘Swiss Leaks’-Story der SZ über Steuerhinterzieher aus dem Hochadel, dem Sportbusiness und dem Rotlichtmilieu: ‘Die Süddeutsche Zeitung wird deren Namen nicht nennen’. Man möchte zwar den Pelz waschen, aber er soll nicht nass werden.“

3. „Germanwings-Foto: Presserat rügt ‘Krone’ und ‘Österreich'“
(derstandard.at)
„Kronen Zeitung“ und „Österreich“ erhalten eine Rüge des österreichischen Presserats, weil sie einen Unbeteiligten zum Copilot des abgestürzten Germanwings-Flugs 9525 machten: „Auf der Titelseite der ‘Kronen Zeitung’ wurde das beanstandete Foto am 28. März 2015 klein und dieses Mal verpixelt mit einem kurzen Begleittext mit der Überschrift ‘Ich wurde mit dem Copiloten verwechselt’ noch einmal gebracht und der Fehler eingestanden.“

4. „Bull-Analyse: Die neuen Diener der Datenkraken“
(blogs.taz.de/hausblog, Andreas Bull)
„Taz“-Geschäftsführer Andreas Bull kommentiert die Zusammenarbeit anderer Zeitungsverlage mit Google und Facebook: „Der Verlust der Entscheidungshoheit, was die Marke ihrem Publikum zeigen und zumuten will, wird dabei dem Altar purer pekuniärer Prosperität geopfert.“

5. „Zur Demokratie gehört eine freie Diskussionskultur“
(hpd.de, Frank Nicolai)
Hamed Abdel-Samad erzählt von seinen Erfahrungen mit der Burschenschaft „Germania“ in Marburg: „Ich geh nicht zu Rassisten, zu Leuten, die zu Gewalt aufrufen, nicht zu Menschen, die sich nicht zum Grundgesetz bekennen. Aber sonst rede ich mit jedem. Denn ich finde, man sollte mit jedem reden, auch wenn mein Gegenüber ein anderes Geschichtsbild oder Gesellschaftsbild hat als ich. Es hilft überhaupt nichts, wenn man eine Gruppe in die Isolation treibt, weil das genau das ist, was zur Radikalisierung führt.“

6. „der marktführer“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel verfolgt ein Paket: „niemand fühlt sich zuständig. der versandhändler (der nicht amazon war) will mit den versandproblemen nichts zu tun haben und nicht intervenieren. DHL schiebt die schuld auf den kunden (weil der kunde nicht anwesend war, mussten wir das paket nach speyer fahren und die rücksendung ankündigen). der kunde (wir) fühlt sich von DHL verarscht. die auslieferungsfahrer sind überfordert und unglücklich.“

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