Archiv für 6 vor 9

Sachsen, Trolle, Mindestlohn

1. „Im Krieg der Worte und der Bilder“
(falter.at, Ruth Eisenreich)
Die Reporter Richard C. Schneider, Cathrin Kahlweit und Wolfgang Bauer erzählen, wie sie damit umgehen, wenn sie mit drastischen Bildern konfrontiert werden. „Die Dinge sind oft schwierig. Auch sorgfältig recherchierende Journalisten sind nicht davor gefeit, durch Propaganda instrumentalisiert zu werden.“

2. „Live is life“
(kreuzer-leipzig.de, Juliane Streich)
Juliane Streich besucht „Die Wahl-Debatte“, ein Rededuell zwischen Stanislaw Tillich (CDU) und Rico Gebhardt (Die Linke) im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen: „Zwischen den beiden Politikern stehen die Chefredakteure der drei sächsischen Tageszeitungen und sind stolz, dass sie schaffen, was der Heimatsender MDR nicht hinbekam. Schließlich hatte sich Tillich immer geweigert, an einem TV-Duell teilzunehmen, so dass der Fernsehsender einknickte und jetzt ein Format sendet, bei dem Tillich von irgendwo, wo er es schön findet, zugeschaltet wird. (…) Ausverkauft, 450 Leser sollen hier sein. Doch wer sich umschaut, entdeckt in fast jeder Reihe leer gebliebene Plätze. Ein Großteil der Anwesenden scheinen Journalisten, Pressesprecher und Funktionäre der Dresdner Oberschicht zu sein.“

3. „Was bei Verleger Ippen als ‘grob illoyal’ gilt“
(zeitungszusteller.verdi.de)
Der Redaktionsleiter eines Anzeigenblattes wird fristlos entlassen, nachdem er ein Foto veröffentlicht, das ein Transparent mit der Aufschrift „Mindestlohn – auch für Zeitungszusteller“ zeigt. Siehe dazu auch „Pressefreiheit in Witzenhausen ein Witz“ (verdi.de, 12. August).

4. „Die Berichterstattung über Kai Diekmanns Tweets“
(mobilerocketscience.com, Mario Havanna)
Mario Havanna wertet aus, welche Tweets von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann welche Storys ausgelöst haben.

5. „Lasst die Trolle verhungern“
(zeit.de, Jochen Wegner)
„Die Freiheit im Netz ist auch immer die Freiheit der Trolle“, bemerkt Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit.de: „Die Trolle in Schach zu halten, ohne die Freiheit zu opfern, ist so einfach wie mühsam: Wir müssen uns täglich selbst einmischen. Millionen von Menschen, die zivilisiert debattieren, die falschen Informationen richtige entgegensetzen, die Störer gelassen übergehen und bei seltsamen Spam-Wellen aufmerksam werden, sind unbesiegbar. Einem aufgeklärten digitalen Bürgertum ist keine Troll-Armee gewachsen.“

6. „Behind the Best Pictures From Ferguson, With Getty Photographer Scott Olson“
(nymag.com, Joe Coscarelli, englisch)
Fotograf Scott Olson gibt Auskunft über Fotos, die während der Unruhen in Ferguson entstanden sind.

FAZ, Sexismus, Twitter-Timeline

1. „Sehr geehrte Frau Lühmann von der FAZ“
(kraftfuttermischwerk.de, Ronny Kraak)
„Eigentlich hoffte ich ja, diesen Blödsinn niemals kommentieren zu müssen.“ Doch weil der Vergleich, den Hannah Lühmann zwischen der amerikanischen „Vice“ und angeblich trashigen deutschen Blogs gezogen hat, gestern in sozialen Medien (und Blogs wie diesem) herumgereicht wurde, antwortet Ronny Kraak: „Sie haben sich keine drei Stunden Zeit genommen, um in den Archiven zu stöbern, sich einzulesen, beklagen aber den ‘substanzlosen’ Umgang mit dem journalistischen Gut und konterkarieren dieses im selben Absatz durch Ihr Geschriebenes.“ Auch Martin Giesler und Matze Hielscher können mit Lühmanns „wertkonservativer“ These nicht viel anfangen und sehen in ihrer Arroganz einen Grund für die Erfolglosigkeit der FAZ bei jungen Lesern.

2. „Am falschen Ort“
(anousch.de, Anousch Mueller)
Im Literaturbetrieb würden Autorinnen benachteiligt, deshalb sei auch dort ein #Aufschrei fällig, so bilanzierte Dana Buchzik in der „Welt“. Anousch Mueller sieht das anders: „[Es mag] Sexismus und Männerbünde geben, aber in den Sozialen Netzwerken herrscht mitunter eine spezifische Missgunst, die mindestens genauso beschissen ist.“

3. „Kampf um den intimsten Ort im Netz“
(sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
Seit Twitter angekündigt hat, die Timeline künftig durch personalisierte Tweets zu erweitern (qz.com), auf deren Auswahl die Nutzer keinen direkten Einfluss haben, ist die Empörung groß (spiegel.de). Dirk von Gehlen nimmt das zum Anlass, über den von Michael Seemann geprägten Begriff der „Filtersouveränität“ nachzudenken und sieht in neuen Optionen zur Personalisierung sogar Vorteile. Auch Daniel Fiene versteht die Aufregung nicht: „Die Angst vor fremden Tweets in der eigenen Timeline ist mir unerklärlich. [...] Manchmal macht mir das Kleinbürgertum der Netzgemeinde Angst.“

4. „Foleys Tod ist ein Grund mehr für mich, in dieses Gebiet zu reisen“
(watson.ch, Kian Ramezani)
Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda (twitter.com) berichtet seit mehreren Jahren aus Syrien und will sich von der Hinrichtung James Foleys nicht abschrecken lassen: „Die Terroristen wollen uns Journalisten Angst einflössen, damit wir nicht mehr nach Syrien oder Irak gehen. [...] Ich aber weigere mich, mich von solchen Leuten terrorisieren zu lassen.“ Wie von Pelda und seinem Kollegen Daniel Etter (zeit.de) gefordert verzichten die meisten Medien (tagesschau.de) auf Bilder und Videos, um der IS-Propaganda keine Bühne zu geben.

5. „Warum ich den stern verlassen habe“
(erlerskibbetoensmann.com, Johannes Erler)
[Anmerkung: Johannes Erler hat den Blogpost inzwischen gelöscht, "aus freien Stücken", wie er betont.]

6. „Meet AdDetector — The New Plug-In That Labels Native Advertising“
(wsj.de, Steven Perlberg, englisch)
Ein paar Tage nach Martin Brinkmann (ghacks.net) stellt auch das „Wall Street Journal“ AdDetector vor und verhilft dem Browserplugin (Chrome und Firefox) hoffentlich zu größerer Aufmerksamkeit. Die Open-Source-Erweiterung erkennt Sponsored Content auf vielen großen Nachrichtenseiten und warnt mit einem roten Banner vor Native Advertising. Auf reddit kann man dem Autor Feedback geben, GitHub-Nutzer können Filterregeln für deutsche Medien ergänzen.

Ferguson, James Foley, „menschliche Katastrophen“

1. „Der Tag, an dem die US-Polizei mein Feind wurde“
(welt.de, Ansgar Graw)
Die Ereignisse überschlagen sich, etliche Journalisten wurden bedroht und festgenommen. In Gaza? In der Ukraine? In Russland? Nein, in den USA! (© Alf Frommer, @siegstyle). Neben „Welt“-Korrespondent Ansgar Graw ist Frank Herrmann in Ferguson verhaftet worden (schwaebische.de), zwischenzeitlich war auch „Bild“-Reporter Lukas Hermsmeier in Arrest (meedia.de). Laut CNN wurden damit insgesamt elf Journalisten festgenommen, Ryan Devereaux berichtet bei „The Intercept“ über seine Erfahrungen. Die Polizei Ein ehemaliger Polizist zeigt sich indes unbeeindruckt: „I’m a cop. If you don’t want to get hurt, don’t challenge me“ (washingtonpost.com).

2. „Virale Propaganda der Terroristen“
(sueddeutsche.de, Hakan Tanriverdi)
Vor laufender Kamera hat die IS-Miliz den amerikanischen Fotojournalisten James Foley enthauptet (tagesschau.de). Das Video haben die Terroristen auf YouTube veröffentlicht, nun kursiert es in den sozialen Netzwerken. Wegen mangelnder Filtermöglichkeiten hat insbesondere Twitter Probleme, solch grausame Propaganda sofort zu löschen. Nutzer rufen deshalb mit dem Hashtag #ISISMediablackout dazu auf, das Video nicht weiter zu verbreiten. Wer mehr über James Foley erfahren will: Die „Vanity Fair“ hat bereits im Mai 2014 ein ausführliches Portrait veröffentlicht.

3. „Schwache Argumente für eine Veröffentlichung“
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Schweizer Medien haben offensichtlich nicht allzu viel aus den Persönlichkeitsverletzungen bei der sensationsheischenden Berichterstattung (watson.ch) über die „Porno-Sekretärin“ gelernt. Zwei Wochen später skandalisiert die „Schweiz am Sonntag“ die „Nackt-Selfies“ des Nationalrats Geri Müller; sogar Chefredakteure wie Roger Köppel, sonst nicht unbedingt als vehementer Privatsphäre-Verfechter bekannt, wundern sich über die „unappetitliche Story“ (persoenlich.com).

4. „Die Ironie macht alle gleich“
(faz.net, Hannah Lühmann)
Deutsche Blogs wie Amy & Pink, Schlecky Silberstein oder Das Kraftfuttermischwerk orientieren sich angeblich am „Vice“-Magazin – eine schlechte Idee, findet zumindest Hannah Lühmann: „Der Versuch aber, schnoddrig und cool wie das Vorbild zu sein, lässt sie alle gleich werden, die Blogs, die über Musik, Partys und Mode informieren wollen. [...] Alles wird eingemeindet in eine fröhliche Welt der lässigen Redundanz, von Menschen, die sich selbst dabei wohl ziemlich lässig vorkommen.“

5. „Last Call - The end of the printed newspaper.“
(medium.com, Clay Shirky, englisch)
„Have a look at this chart. Do you see anything unclear about the trend line?“, fragt Clay Shirky angesichts der Entwicklung der Werbeerlöse US-amerikanischer Zeitungen. „If you are a journalist at a print publication, your job is in danger. Period. Time to do something about it.“

6. „Eine ‘menschliche’ Katastrophe?“
(udostiehl.wordpress.com)
Irak, Syrien, Gaza, Ukraine - die Nachrichten sind derzeit voll von Gewalt und Krieg. „In der Berichterstattung bahnt sich in solchen Fällen eine ‘menschliche Katastrophe’ an“, beschreibt Udo Stiehl die Praxis seiner Kollegen und warnt: „So ausgedrückt jedoch handelt es sich leider um eine ‘sprachliche Katastrophe’.“

iPhone 6, Report Mainz, Profimeinungskommentare

1. „SPIEGEL Online und der Phantom-Konvoi – Hysterie, Lügen und Heuchelei“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Die „Spiegel-Online“-Schlagzeile „Ukrainische Truppen greifen russischen Konvoi an“ in der Analyse: „Man spekuliert munter drauf los, überprüft Nachrichten nicht auf deren Wahrheitsgehalt, verbreitet mutwillig Hysterie und schürt damit das Feuer, aus dem ein Krieg zwischen West und Ost entfachen könnte.“

2. „Angebliche Gerichtsaffäre wird zur Petitesse“
(mainpost.de, Manfred Schweidler)
Ein Blick zurück auf die Auswirkungen des Berichts „Verdacht auf Parteilichkeit und Vetternwirtschaft bei Bußgeldvergabe“ des ARD-Politmagazins „Report Mainz“: „Eine Reihe von Opfern blieb zurück – und nicht zuletzt ein Stück journalistischer Glaubwürdigkeit. Nur wenige Schlagzeilen-Formulierer kamen später zu der Einsicht: Der Richter hatte vielleicht ein wenig unbekümmert Bußgelder vergeben, was zu einem falschen Eindruck führen konnte. Aber von Mauschelei konnte nie die Rede sein.“

3. „BILD Plus und das Geschaeft mit ‘exklusiven Fotos’ eines Fakes des iPhone 6″
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Fotos hinter der „Bild-Plus“-Paywall, die angeblich ein Apple iPhone 6 zeigen: „Es handelt sich bei all diesen vermeintlichen Fotos des echten iPhone 6 um immer wieder die gleichen Modelle eines Fakes auf Android Basis, den man bereits seit Wochen auf Aliexpress.com bestellen kann.“

4. „Bomben auf Gaza: Ohne deutsche Medien – Jung & Naiv in Israel: Folge 192″
(youtube.com, Video, 40:17 Minuten)
Im Interview mit Tilo Jung fragt sich der freie Journalist Martin Lejeune, der die Bombardierungen des Gazastreifens durch die israelische Armee bei einer Familie dort erlebt hatte, warum öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland kaum mit ihm zusammenarbeiten wollen. Zur Sprache kommt auch die Frage nach seiner Unabhängigkeit.

5. „Krude, kruder, am krudesten“
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel gibt Tipps, wie man einen „Profimeinungskommentar“ verfasst.

6. „Was für ein Pech mit dem Wetter! Ein PR-Trip des FC Bayern München im Live-Ticker“
(funkkorrespondenz.kim-info.de)

Rügen, Thomas Helmer, Ignoranzallianz

1. „Jede vierte Rüge des Presserats betraf ‘Bild’“
(ndr.de, Fiete Stegers)
Fiete Stegers wertet Rügen des Deutschen Presserats aus: „Mit 157 Rügen seit 1986 liegen Deutschlands auflagenstärkste Zeitung und ihre Ableger unübersehbar vorn. (…) Im Auswertungszeitraum gab es nur 1989 und 1990 keine Rüge für einen ‘Bild’-Titel. In fast jedem anderen Jahr war ‘Bild’ dagegen negativer Spitzenreiter und kassierte manchmal mehr als 40 Prozent der insgesamt ausgesprochenen Rügen.“

2. „‘Jetzt kann ich die blöden Fragen selbst stellen, statt sie beantworten zu müssen’“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Thomas Helmer berichtet von seinen Erfahrungen mit „Bild“ und „Spiegel“: „Der Spiegel-Beitrag war leider die größte Fehleinschätzung, die ich je über mich lesen musste. Da wurden zum Beispiel Aussagen von mir verdreht und in falschen Kontexten zitiert, sodass sie nachteilhaft für mich waren. Und es wurden stilistische Mittel benutzt, um Thesen zu belegen, die nur der subjektiven Sicht des Journalisten entsprachen, ohne meine Sicht der Dinge ausgewogen einzubeziehen.“

3. „Stellungnahme der Redaktion“
(daserste.de)
Eine Stellungnahme zur vielfältigen Kritik („mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe“) an der Sendung „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ (daserste.de, Video, 43:20 Minuten).

4. „Die Presse echauffiert sich“
(opalkatze.wordpress.com, Vera Bunse)
Vera Bunse nennt die Reaktion auf die Vorwürfe an die deutsche Presse, sie sei „gleichgeschaltet“, „eine wahre Ignoranzallianz“: „Hinter scheinbar unsachlichem Meckern vermuten die Beleidigten nicht einmal begründete Kritik. Den ernsten Hintergrund nehmen sie nicht wahr.“

5. „Verletzte Gefühle“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas Steinschneider)
Wie steht es um den Vorwurf, „deutsche Journalisten beteiligten sich an einem Propagandafeldzug“? Thomas Steinschneider prüft „drei kleine Einzelfälle“: „Menschen, bei denen davon auszugehen ist, daß sie bei einem tragischen Versehen ums Leben gekommen sind, wurden laut Spiegel also ‘ermordet’. Menschen, bei denen davon auszugehen ist, daß sie ermordet wurden, sind laut Tagesschau ‘ums Leben gekommen’. Und eine ‘unstreitig demokratisch legitimierte’ Regierung ist in der Tagesschau auch mal ein ‘Regime’.“

6. „Wer beim Tagesspiegel die Befehle erteilt“
(tagesspiegel.de, Johannes Schneider)
Johannes Schneider skizziert „einen hyperrealistischen Tagesablauf“ der „Tagesspiegel“-Redaktion, „für alle Verschwörungsfans“.

Kriegsbilder, Stringer, Martin Lejeune

1. „Manipulierte Kriegsfotos: Bilder, die lügen“
(spiegel.de, Leon Scherfig und Philipp Löwe)
Gefälschte Kriegsbilder im Netz: „Drastische Bilder machen bei Twitter und Facebook die Runde. Aber dieser Krieg im Netz wird von beiden Seiten mit oft unsauberen Mitteln geführt – es wird gefälscht und gemogelt.“

2. „Können wir diese Bilder sehen – und nichts tun?“
(handelsblatt.com, Maike Freund)
Und echte Kriegsbilder im Netz: „Die Bilder sind echt, denn echte Menschen werden hingerichtet. Und sie sind trotzdem Propaganda, weil sie ein Ziel verfolgen, das des IS. Wie viel politische Macht in Bildern stecken kann, ist spätestens seit dem 11. September 2001 klar, der die Welt veränderte. Experte El Difraoui ist sich sicher, dass auch die Terrorbilder des Islamischen Staats diese politische Macht haben.“

3. „Gefährlicher Einsatz im Kriegsgebiet“
(ostpol.de, André Eichhofer)
Ein Bericht über Stringer in der Ostukraine, die Gefahr laufen, entführt zu werden. „Zeitungen und Agenturen zahlen rund 100 US-Dollar pro Tag, TV-Sender etwas mehr.“

4. „Was ist los in Gaza? – Jung & Naiv in Israel: Folge 187″
(youtube.com, Video, 68:15 Minuten)
Tilo Jung spricht mit Journalist Martin Lejeune, der während der Bombardierung des Gazastreifens durch die israelische Armee mehrere Wochen bei einer lokalen Familie verbracht hat.

5. „Sind wir Kriegstreiber?“
(cicero.de, Petra Sorge)
In einem Stück zur Glaubwürdigkeit der deutschen Presse berichtet Petra Sorge auch von einer Debatte über die Unabhängigkeit von Martin Lejeune: „Dass sich die Debatte um journalistische Unabhängigkeit an einem freien Journalisten Bahn bricht, der unter Einsatz seines Lebens von der Front berichtet, während auf der anderen Seite gut verdienende Festangestellte der Zeit gegen eine ZDF-Satire klagen, weil sie um ihren journalistischen Ruf fürchten, muss doch einige Medienkonsumenten zweifeln lassen.“

6. „Jeder Satz ein Seufzer“
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Die Zukunft der Zeitung: „Man kann ja versuchsweise mal die eigene Zeitung durchblättern und sich die Frage stellen, auf was man wirklich nicht verzichten möchte. Die Pressemitteilungen von Stadt und Polizei, die Nachrichten der Vereine, die Termine – um das zu veröffentlichen, braucht man keine Journalisten. Wirklich wichtig ist nur ein kleiner Teil. Und um den herzustellen, bräuchte man einen Computer und ein paar Leute. Tatsächlich aber sind riesengroße Organisationen damit beschäftigt, Nachrichten und PR-Text auf Papier zu drucken und in der Stadt zu verteilen.“ Siehe dazu auch „Wann wird die letzte Zeitung gedruckt?“ (watson.ch, Philipp Löpfe).

Quatsch-Umfragen, Drohnen, Propaganda

1. „Ranking-Schummelei in Dritten Programmen“
(ndr.de, Video, 6:20 Minuten)
Online-Umfragen zu Hitlisten-Sendungen wurden von Redaktionen im NDR, im WDR, im HR und im RBB nach Gutdünken verändert. Die NDR-Sendung „Zapp“ fasst die aktuelle Lage zusammen. Siehe dazu auch „Die Letzten werden die Ersten sein. Oder irgendwas dazwischen“ und „Ranking-Shows: Die traurigsten Klickzahlen des Nordens“ (stefan-niggemeier.de) sowie „Das Ranking der absurdesten Rankingshow-Manipulationen“ (meedia.de, Jens Schröder).

2. „Hauptsache billig: Wie egal ist euch euer Programm?“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei fragt zu den Ranking-Manipulationen: „Wie wurscht kann einem das eigene Programm sein, wenn trotzdem immer und immer wieder neue Quatsch-Umfragen zum Klicken freigegeben werden? Da passt es gut ins Bild, dass WDR und NDR selbst jetzt nicht an eine Einstellung ihrer Rankingshows denken, sondern allenfalls die Methode überarbeiten möchten.“

3. „Was darf ein Drohnenjournalist?“
(irights.info, Ramak Molavi)
„Die Nutzung von Drohnen ist bereits weitgehend reguliert“, schreibt Ramak Molavi zur journalistischen Nutzung von Drohnen in Deutschland: „Gewerbliche Nutzer – damit sind alle Nutzer gemeint, die keinen Aufstieg zu Sport- oder Freizeitzwecken planen – brauchen immer eine Aufstiegserlaubnis.“

4. „Medien: Plädoyer gegen die Propaganda-Universen“
(publixphere.de, Emil)
Emil wünscht sich von den Medien „nach allen Seiten schonungslose Recherche“, „die gute alte Richtigstellung“, eine „Trennung zwischen Nachrichten und Kommentaren“ sowie eine „Kenntlichmachung von möglichen Interessenkonflikten“.

5. „Die Offenbarungen des Krieges“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente stört sich an den unzureichenden Fakten, die der Journalismus zur Lage in Kriegsgebieten produziert: „Eine zufriedenstellende publizistische Lösung dieses Dilemmas wird es nicht geben. Im Krieg ist der Berichterstatter immer jemand, der etwas erzählen soll, wovon er nur randständig etwas wissen kann. So richtig im Geschehen ist er natürlich nicht. Niemand weiß in einem solchen Szenario ganz genau, was gerade vor sich geht.“

6. „Gaza inmitten von Parolen und Tränen“
(heute.de, Stephan Hallmann)
Stephan Hallmann denkt nach über Propaganda im Nahost-Konflikt: „Israelis wie Palästinenser haben keine andere Wahl, sie müssen lernen, über diesen jahrzehntelangen blutigen Schatten zu springen und sich gegenseitig zu akzeptieren: Die Existenz des Staates Israel ebenso wie das Existenzrecht des palästinensischen Volkes in einem eigenen, unabhängigen Staat.“

Diskussionskultur, Blick, Facebook

1. „Hart aber fair“
(sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
„Es fehlt online wie offline an einer Diskussionskultur, die dem Wettstreit der Ideen gerecht wird, der Politik ausmachen soll“, schreibt Dirk von Gehlen. „Dieses Land muss streiten lernen! Es fehlen Vorbilder, die zeigen, dass man in der Sache hart, aber dennoch nie persönlich ringen kann. Stattdessen werden Kontrahenten in TV-Talkshows einzig nach dem Provokationsprinzip und nicht mit dem Ziel der Verständigung eingeladen. Und außerhalb des Fernsehens gilt: Je spitzer die These, umso größer der Platz auf dem Titel der Magazine.“

2. „Junge, weiße Männer und Silicon Valley“
(boess.welt.de, Gideon Böss)
Gideon Böss kritisiert den Artikel „Tal der weißen Männer“ (sueddeutsche.de, Johannes Kuhn): „Interessant wäre es gewesen, hätte der Artikel nachgewiesen, dass bei gleicher Begabung systematisch die weiblichen Bewerber abgelehnt werden und stattdessen ein ‘weißer, junger Mann’ das Rennen machte. Diesen Beweis blieb er schuldig.“

3. „Positionsbestimmung Nahost“
(matthias-schumacher.com)
„Ekelhaft, mit welchen Mitteln ein Meinungskrieg ausgetragen wird, wie rasch man mit Urteilen, Beschimpfungen, Verleumdungen bei der Hand ist, mit welcher Vehemenz man sich vor vernünftigen und vermittelnden Argumenten verschließt“, schreibt Matthias Schumacher zu den Diskussionen im Netz zum Nahostkonflikt: „Hobby-Israelis und Wahl-Palästinenser tragen erbitterte Stellvertreterkriege in Sozialen Netzwerken aus. In rund 3000 Kilometern sicherer Entfernung.“

4. „Der Flop, der keiner war“
(tagesanzeiger.ch, phz)
Die Boulevardzeitung „Blick“ fährt eine Kampagne gegen die Sendung „Anno 1914: Leben wie vor 100 Jahren“ des Schweizer Fernsehens – dabei ist die Sendung beim Publikum ein Erfolg, ihr Marktanteil liegt bei durchschnittlich 49 Prozent. Siehe dazu auch „‘Wir haben fantastische Zahlen!’“ (persoenlich.com, Edith Hollenstein).

5. „I Liked Everything I Saw on Facebook for Two Days. Here’s What It Did to Me“
(wired.com, Mat Honan, englisch)
Während 48 Stunden klickt Mat Honan bei Facebook auf jedes „Gefällt mir“, das er sieht: „The next morning, my friend Helena sent me a message. ‘My fb feed is literally full of articles you like, it’s kind of funny,’ she says. ‘No friend stuff, just Honan likes.’ I replied with a thumbs up.“

6. „ABC News keeping it classy“
(thebestpageintheuniverse.net, Screenshot, englisch)

Schlagzeilen, Martin Lejeune, Burg Sooneck

1. „Dieser Text soll wütend machen“
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser beschäftigt sich mit dem „Heftigstyle“: „Formulierungen wie ‘Dieser Elfmeterschütze möchte besonders angeben. Doch was dann folgt, ist einfach zum Lachen.’ machen mich so unfassbar aggressiv wie sonst nur tropfende Wasserhähne über Edelstahlspülen.“

2. „Wie du mit der ‘Cosmo-Headline-Technik’ großartige Überschriften schreibst“
(affenblog.de, Vladislav Melnik)
Wie Schlagzeilen aus Frauen- und Männerzeitschriften „für jedes Thema“ verwendet werden können.

3. „10 Gründe, warum sich der Onlinejournalismus in eine Sackgasse manövriert“
(dominikleitner.com)
Dominik Leitner beleuchtet den „Qualitätsjournalismus“ online – „man schreibe über Gerüchte, Soft-News und 10-Sekunden-Echtzeiteinträge nur, weil die Menschen das so wollen. Das kann man natürlich als Qualitätsjournalismus bezeichnen, aber auch wohl nur, weil Qualität ein furchtbar dehnbarer, relativer Begriff ist.“

4. „‘Es gibt keinen sicheren Ort’: Als Journalist in Gaza“
(vocer.org, Jan Ewringmann)
Ein Interview mit Journalist Martin Lejeune, der sich als einziger Korrespondent aus Deutschland während den jüngsten Bombardierungen im Gazastreifen aufgehalten hatte: „Ich wollte, dass auch jemand für deutsche Medien die Beeinträchtigungen der palästinensischen Bevölkerung beschreibt. Ich finde, dass die Beeinträchtigungen der israelischen Bevölkerung hinreichend beschrieben werden — und auch zu Recht beschrieben werden. Auch ich habe in den letzten Jahren schon mehrmals aus Israel berichtet und dort Interviews mit verschiedenen Strömungen geführt.“

5. „Sechs Monate für Geld hier leben: Mittelrhein sucht einen Burgenblogger“
(rhein-zeitung.de)
Gegen eine Aufwandsentschädigung von monatlich 2000 Euro brutto sucht die Burg Sooneck für ein halbes Jahr einen Blogger: „Der Burgenblogger wohnt in Räumen, die rund 800 Jahre Geschichte atmen, aber bei seinem Einzug in einem wohnlichen und modernen Zustand sein werden.“

6. „Es ist nie genug“
(reimon.net)

Quotenhits, Ukraine Today, Floskeln

1. „In eigener Sache“
(faz.net, Patrick Bernau, Rainer Hank und Winand von Petersdorff)
Ein Team der FAS setzt sich unbeschönigend mit der Zeitungskrise auseinander, die auch die „Frankfurter Allgemeine“ bedroht: „Wir Journalisten haben das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare ein für alle Mal verloren. Für die Leser ist die neue, vielfältige Welt großartig. Die Journalisten allerdings sind entmachtet. Ihre Hoffnung bleibt, dass sie doch noch gebraucht werden.“

2. „Das Fernsehen nimmt uns nicht ernst, nur unser Geld“
(blogs.stern.de/programmstoerer, Peer Schader)
„Für ein paar halbwegs sichere Quotenhits“ haben NDR und ZDF die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt, stellt Peer Schader zum Skandal um manipulierte Rankingshows fest: „Und die Zuschauer werden sich fragen: Wenn ihr uns schon bei solchen Banalitäten hinters Licht führt – was passiert dann erst, wenn’s mal um was Wichtiges geht?“

3. „Ukraine Today: Schachzug im Propagandakrieg“
(ostpol.de, Simone Brunner)
Mit Geld von Multimilliardär Ihor Kolomojski startet am 24. August ein neuer TV-Sender mit Nachrichten rund um die Uhr: „Ukraine Today“. „Die Mission: Das Ausland über die Vorgänge in der Ukraine zu informieren – im Kampf gegen die russische Propaganda.“

4. „Floskelwolke“
(floskelwolke.de, Udo Stiehl und Sebastian Pertsch)
Die Floskelwolke zeigt zweimal täglich, welche Phrasen von den Medien gerade „besonders intensiv gedroschen werden“.

5. „Medienbranche: Verschlankt den Schwachsinn“
(spiegel.de, Sibylle Berg)
Sibylle Berg fragt, ob es bei den Medienkonsumenten nicht „ein Bedürfnis nach Ruhe geben könnte, nach Verschlankung des Schwachsinns“? „Die Entscheidungen, die in den Fernsehanstalten, in den Medienhäusern, in allen Bereichen, die sich seit 20 Jahren (!) einer großen Wandlung unterziehen, getroffen werden, zielen auf: mehr.“

6. „Welcome To The Modern Headline Builder“
(thedoghousediaries.com, englisch)

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