Archiv für 6 vor 9

RT, Ebola, Wrestling

1. „Fatale Falschmeldung“
(taz.de, Francesco Giammarco)
Eine Meldung über eine Ebola-Erkrankung in Berlin stellt sich als falsch heraus: „Unter anderem der TV-Sender n-tv und die Berliner Morgenpost hatten am Dienstag berichtet, dass es sich bei dem Mann um einen Übersetzer handeln soll, der für die Botschaft der Republik Sierra Leone in Berlin arbeitet. (…) Weder vor, noch nach der Veröffentlichung sei die Botschaft kontaktiert worden, um die Verbindung zu dem vermeintlich Kranken zu bestätigen.“

2. „Mein Auftritt bei Putins Propagandasender“
(faz.net, Olaf Sundermeyer)
Olaf Sundermeyer wird vom seit Kurzem auch auf deutsch sendenden TV-Sender „RT“ eingeladen und berichtet über seine Erfahrung: „Ich warte. Zu lesen gibt es nur die ‘Junge Welt’, in der eine spezielle linke Sicht der Dinge das Böse in Kiew vermutet und das Gute in Moskau weiß.“

3. „Ohne Brüste und Budget zu einer halben Million Klicks“
(tokyofotosushi.wordpress.com, Fritz)
Fritz Schumann erzielt mit einer Story, die er zunächst „allen großen Redaktionen“ in Deutschland erfolglos angeboten hatte, internationale Aufmerksamkeit und eine Laudatio des dpa-Inlandchefs: „Ich ahnte von Beginn an, dass die Geschichte abgehen wird. Wie sehr, das war mir bis zum Schluss nicht klar. Mein Problem zu Beginn war, dass ich als junger Journalist keinen direkten Kontakt zu den Redaktionen hatte, denen ich es anbot. Ich hatte kein Vertriebsnetzwerk. Durch die Verbreitung im Netz erhielt ich aber Angebote von Adressen, an die ich niemals dachte. Das Internet wurde mein Vertriebsnetzwerk.“

4. „Post von der ‘Bild': Homberger mit Regierungssprecher verwechselt „
(hna.de, Olaf Dellit)
Eine Geburtstagsgratulation von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann: „Das Problem: Klaus Bölling aus Homberg hatte an diesem Tag überhaupt nicht Geburtstag, und 86 Jahre alt ist er noch lange nicht, sondern gerade einmal 52.“

5. „Ein offener Brief an BILD-Redakteur Enrico Ahlig“
(wrestling-point.de, Mathias)
Mathias freut sich, dass „Bild“ über Wrestling berichtet, aber nicht, wie „Bild“ über Wrestling berichtet. An Redakteur Enrico Ahlig schreibt er, seine Artikel hätten „ungefähr den Informationsgehalt einer leeren Tomatensaft-Dose. Ein bisschen Text, Selfie, Text, Selfie… Man erkennt Ihr Muster schnell. Und wenn Sie in einem Artikel mal nicht zu sehen sind gibt es trotzdem extrem viele Bilder und wenig Text. Als wäre jeder Buchstabe mehr eine Belastung für den Leser.“

6. „Satirisch: So war mein erstes Mal – ‘Ich fühlte mich richtig mies!'“
(interview-blogger.de, Florian Staudter)
Florian Staudter kauft erstmals eine Ausgabe von „Bild“: „Schnell wurde mir klar, das Ganze war eine einmalige Sache. Ein Ausrutscher – ein One-Read-Stand. Sie ist zwar billig, mehr aber auch nicht.“

Antextbilder, Standard-Artikelform, Fler

1. „12 + 3 Tips, um schlechte(n) Wissenschaft(sjournalismus) zu erkennen“
(scienceblogs.de/bloodnacid, Cornelius Courts)
„Sensationalistische Überschriften“, „falsch dargestellte Ergebnisse“ oder „spekulative Sprache“ sind oft Indizien für schlechten Wissenschaftsjournalismus. Siehe dazu auch „Mail Online indulges in horrific ebola clickbait“ (newstatesman.com, englisch).

2. „Antextbilder – war das etwa echt?“
(ndr.de, Janina Kalle)
Auf den Beitrag „Antextbilder: Die hohe Kunst des Fernsehens“ (ndr.de, Video, 4:14 Minuten) erhält die „Zapp“-Redaktion zahlreiche Rückmeldungen: „Viele Zuschauer haben den Beitrag nicht als Satire erkannt und zeigten sich erbost: Von Gebührengeld-Verschwendung für eine sinnfreie Antext-Redaktion ist darin die Rede. (Wir verzichten in diesem Fall mal auf eine Gegendarstellung – aber bitte: Nennt es Rundfunkbeitrag!)“

3. „Die ARD will wie die Süddeutsche zur ‘gelenkten Öffentlichkeit’ übergehen“
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Florian Rötzer befasst sich mit dem Text „Wenn der Leser zum Tier wird“ (tagesschau.de, Bettina Less): „Will man also jetzt nur noch die Leser, die es verdienen, Teil der Öffentlichkeit des Mediums zu werden? Unterscheidet man die guten und die schlechten Leser? Klemmt man die Leser lieber ab, um vermeintlich selbst besser dazustehen? Und beschneidet man damit nicht die Öffentlichkeit, die im Internet stattfindet, wo es aber keinen öffentlichen Raum wie offline gibt, auf dem auch die Freiheit der Meinungsäußerung gilt, egal wie qualitätsvoll sie vorgetragen wird, solange sie nicht rechtlich belangt werden kann?“

4. „Medien operieren mit juristischen Falschaussagen“
(tageswoche.ch, Renato Beck)
Renato Beck prüft, wie Schweizer Medien die rechtliche Lage darstellen im Fall einer Lehrerin, die mit einem 17-jährigen Schüler Sex gehabt haben soll.

5. „Das Ende des Artikels“
(konradweber.ch)
Konrad Weber macht sich Gedanken zur Form des Artikels im Netz, der in 90 Prozent der Fälle „aus einem Titel, Lead, Medienelement (Bild oder Video) und einem Text, aufgeteilt in mehrere Absätze“ bestehe.

6. „Wie der Rapper Fler die ‘Welt’ bedroht“
(welt.de, Frédéric Schwilden)
Nach der Veröffentlichung des Texts „Gangsta-Rap schützt nicht vor Altersarmut“ sieht sich Autor Frédéric Schwilden persönlich bedroht: „Um kurz vor sechs klingelt es zu Hause. An meiner Wohnungstür. Über die Sprechanlage ist nichts zu hören. Wenige Sekunden später stellt der Rapper Fler ein Bild meiner Berliner Haustür ins Internet.“

Sebastian Vettel, Nightcrawler, Roma

1. „Falscher Wechsel bei Twitter“
(deutschlandfunk.de)
Auf Grundlage eines Tweets wird fälschlicherweise ein Wechsel von Sebastian Vettel zu Ferrari vermeldet: „Die dpa und viele der Medien, die ihre Meldungen nutzen, ließen sich das ‘L’ für ein ‘I’ vormachen und verbreiteten die Nachricht.“

2. „Schreibblockade? 14 Journalisten erklären, was sie dagegen tun“
(journalist.de)
14 Journalisten erläutern, was sie tun, wenn sie etwas schreiben müssten und ihnen nichts einfällt.

3. „Wenn der Leser zum Tier wird“
(tagesschau.de, Bettina Less)
Bettina Less befasst sich mit Aggressivität im Netz: „So schlecht wie im anonymen Raum eines Internetforums benehmen sich Menschen selten. Unvorstellbar, dass man etwa auf der Straße zu einem unbekannten Passanten geht und Dinge sagt wie: ‘Sind Sie einer von den intoleranten Schwulen, die die Öffentlichkeit mit ihren privaten Präferenzen langweilen? (…) Machen Sie das absichtlich oder reicht der Intellekt vielleicht nicht aus?'“

4. „Die ‘schockierende’ Studie, von der Journalisten nichts wissen wollen“
(tagesanzeiger.ch, Felix Schindler)
Eine Studie ergibt eine einseitige Berichterstattung der Schweizer Medien über Roma: „Die einseitige Berichterstattung habe für die in der Schweiz lebenden Roma Folgen, sagte Laederich gestern. Selbst er werde gefragt, ob er Lesen und Schreiben könne, wenn er erwähne, dass er Rom sei, sagte der Träger eines Doktortitels.“

5. „Moral und Berufsethos sind nicht mehr nötig“
(heise.de/tp, Rüdiger Suchsland)
Rüdiger Suchsland stellt den Kinofilm Nightcrawler vor: „Zumindest in diesem Film gilt jedenfalls, dass nur ein amoralischer Reporter maximalen Erfolg haben kann. Damit wird „Nightcrawler“ zu einer scharfen Bestandsaufnahme moderner Medienmechanismen. Denn es dauert nicht lang, da ist klar, dass Louis bereit ist, für den Erfolg alle Grenzen zu überschreiten.“

6. „Wir sind hier, um zu berichten“
(sueddeutsche.de, Christine Brinck)
Christine Brinck, Ehefrau von Josef Joffe, schreibt über das Buch „Die Frau des Journalisten“ von Ilse Kienzle, Ehefrau von Ulrich Kienzle.

Roma, Klickkacheln, Kampagnenjournalismus

1. „Der Schullehrerinnen-Report“
(tageswoche.ch, Renato Beck)
„Eine Lehrerin soll mit einem 17-jährigen Schüler geschlafen haben“ – Renato Beck berichtet von den medialen Reaktionen: „Gar keinen Grund gibt es, das Alter der Frau zu nennen (‘Schweiz am Sonntag’), die Initialen (‘Basler Zeitung’) oder das verfremdete Bild zu zeigen (’20 Minuten’). Nichts, was dazu führen kann, dass die Betroffenen identifiziert werden, gehört in so einem Fall veröffentlicht.“

2. „Wie über die Roma berichtet wird“
(nzz.ch, Brigitte Hürlimann)
Obwohl 470 Journalisten dazu eingeladen und „147 von ihnen gar persönlich angeschrieben“ wurden, erschienen lediglich vier Journalisten zur Präsentation einer Studie der Roma Foundation in Zürich, die untersuchte, wie Schweizer Medien über Roma berichten. Das Fazit der Erhebung: „Sämtliche acht Zeitungen berichten praktisch ausnahmslos einseitig und überaus negativ über die Roma, bedienen sich alter Stereotype, Mythen und Vorurteile, ohne diese zu hinterfragen, zu relativieren oder wenigstens ab und zu in einem Artikel auch noch zu erwähnen, dass die meisten Roma in der Schweiz unauffällig und integriert leben.“

3. „Zürcher Gericht schützt Karl Dall vor deutschen Sensations-Journalisten“
(watson.ch, Maurice Thiriet)
„Aus der Anklageschrift gegen den deutschen Entertainer im Vorfeld des Prozesses darf nicht in direkter Rede zitiert werden“, schreibt Maurice Thiriet über den anstehenden Prozess gegen Karl Dall am Bezirksgericht Zürich: „Die Gerichtsberichterstatter aus Deutschland, die für die Verhandlung eine Einzelakkreditierung lösten, mussten eine entsprechende Unterlassungserklärung quittieren.“

4. „Den Pulk fühlen“
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
Cornelius Pollmer beschäftigt sich mit den „Klickkacheln“, die Leser von Bild.de seit zwei Wochen dazu auffordern, unter dem Artikel ihre Emotionen per Klick kund zu tun.

5. „Plädoyer für einen Kampagnenjournalismus“
(carta.info, Lorenz Lorenz‑Meyer)
Lorenz Lorenz‑Meyer plädiert für den Kampagnenjournalismus: „Wie die Werbung oder die PR, muss der Journalismus es lernen, stärkere Botschaften zu entwickeln (und seien es zunächst einmal Relevanzbotschaften) und diese im Sinne von Kampagnen nachdrücklich und nachhaltig zu kommunizieren. Das Publikum wird sich dem nicht widersetzen, wenn die Botschaften argumentativ glaubhaft aufgebaut und spannend vermittelt werden, im Gegenteil: Es will gefesselt werden.“

6. „RTL zeigt seine Zuschauer beim RTL-Schauen“
(dwdl.de, Alexander Krei)

Putin, Print wirkt, Toleranz

1. „Selbstversuch eines Teenagers: Moritz, 16, kauft eine Zeitschrift“
(spiegel.de, Moritz Deutschländer)
Moritz Deutschländer kauft und liest die Ausgabe „Der Kapitalismus“ der Zeitschrift „Geo Epoche“: „Ich habe mehr erwartet, vielleicht zu viel. Ich bin enttäuscht. Die zehn Euro bereue ich zwar nicht, aber im Internet gibt’s mehr Für und Wider. Ein großer Zeitschriftenleser werde ich wohl nie mehr. Ein großer Kapitalist wahrscheinlich auch nicht. Ich schenke meine erste Zeitschrift meinen Eltern.“

2. „Es hört nicht auf zu wirken“
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Ralf Heimann schlägt der Kampagne „Print wirkt.“ des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ neue Plakate vor.

3. „In der Regel ein Artikel pro Redaktor und Tag“
(medienwoche.ch, Antonio Fumagalli)
Welche Produktionsleistung von Journalisten einer Schweizer Tageszeitung erwartet wird: „Ein Artikel pro Redaktor und Tag. Ist es eine grössere Geschichte, können wegen Front-Text und Kommentar schnell auch drei daraus werden. Bei anderen Zeitungen mag diese Kadenz ein bisschen tiefer liegen, auf Online-Redaktionen dafür umso höher.“ Siehe dazu auch „Wer schreibt noch über uns?“ (zeit.de, Catherine Duttweiler).

4. „Toleranz ist die falsche Utopie“
(gruen-ist-lila.de, Johanna Braun)
„Eine tolerante Welt ist die falsche Utopie“, schreibt Johanna Braun in der von der ARD ausgerufenen Themenwoche Toleranz: „Nach Ausgrenzung, Diskriminierung und Intoleranz dürfen wir nicht bei Toleranz stehen bleiben. Ziel muss es sein, eine Gesellschaft zu kreieren, in der alle Menschen einen Platz haben, ungeachtet irgendwelcher Merkmale, die als Makel angesehen werden.“

5. „Der Lieblingsbösewicht“
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
Andreas Rüttenauer kommentiert das ARD-Interview mit Wladimir Putin (ardmediathek.de, Video, 78:24 Minuten): „Allzu oft dominiert der Stolz darauf, einen der Großen der Politik vor das Mikrofon bekommen zu haben, den journalistischen Ehrgeiz, etwas wirklich Substanzielles aus den Gesprächspartnern herauszukitzeln. Seit den finsteren Zeiten des CSU-Staatsfunks hat sich da nicht viel geändert.“

6. „Neue Pressebild-Agentur ist auf Fotos von finster dreinblickendem Putin spezialisiert“
(der-postillon.com)

Markus Spillmann, Frank-Walter Steinmeier, Ecopop

1. „Wir müssen reden. Über un-fair radio.“
(dokublog.de, Sandra Müller)
Sandra Müller listet bedenkliche Verhaltensweisen im Hörfunk auf, denen sie in den letzten zwanzig Jahren begegnet ist: „Alles Fälle, die ich selbst erlebt habe. Und mehr als die berühmten ‘Einzelfälle’.“

2. „Standgericht der Schein-Toleranten“
(sueddeutsche.de, Marc Felix Serrao)
Marc Felix Serrao kritisiert die öffentliche Kritik von NZZ-Chefredakteur Markus Spillmann an einer Mitarbeiterin in der Debatte um das Coming-Out von Apple-CEO Tim Cook: „Kritikwürdige Texte erscheinen jeden Tag in jedem Medium. Über viele wird entsprechend geurteilt, in Leserkommentaren und in Konferenzen hinter verschlossenen Türen. Aber so? Öffentlich? Durch den Chefredakteur selbst und ohne die Chance auf eine Widerrede, die nicht den Arbeitsplatz gefährden würde? Ein größerer Gesichtsverlust ist schwer vorstellbar. Eine rückgratlosere Führung ebenfalls. Und das bei der NZZ. (…) Jede Wette: Weder sie noch irgendein anderer Mitarbeiter der großen alten Zeitung wird es künftig noch wagen, einen Text abzugeben, der der kodifizierten Haltung der Blattspitze widerspricht.“

3. „Voll auf die Presse“
(faz.net, Frank-Walter Steinmeier)
Eine Rede des deutschen Aussenministers Frank-Walter Steinmeier über Journalismus: „Ich glaube fest, dass mündige Bürger sich für differenzierte Berichterstattung interessieren und auch bezahlen. Aber sie spüren auch, wenn Journalisten selbst nicht glauben, dass ihr Stoff interessant genug ist, und ihn deshalb mühsam aufbauschen und anschärfen.“

4. „Die Medien müssen erwachsen werden“
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge rät den Medien zu mehr Gelassenheit und zu mehr eigener Kritikfähigkeit: „Wann immer in den letzten Jahren irgendwo ein Shitstorm wütete, waren die Medien nicht weit. Mit welchem Recht also beklagt sich die Branche jetzt, selbst Ziel solcher Hetze zu sein?“

5. „Ecopop: Auf Kriegsfuss mit den Medien“
(schweizamsonntag.ch, Othmar von Matt)
Benno Büeler, einer der Initianten der Schweizer Volksinitiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen“, beklagt eine unfaire und einseitige Behandlung durch die Schweizer Medien: „Büeler hat in den letzten Monaten generell kein gutes Bild von den Schweizer Medien bekommen, wie er festhält. Er lobt nur ein Medienprodukt explizit, die Gratiszeitung ’20Minuten': ‘Sie war eine Ausnahme, berichtete relativ sachlich.’ Alle anderen Titel sieht Büeler mit politischer Schlagseite.“

6. „‘Ich schäme mich, Herr Döpfner!'“
(onlinemarketingrockstars.de)
Mathias Döpfner antwortet auf das Schreiben eines Mitarbeiters einer Springer-Tochter („Hören Sie bitte auf, sich selber, die Internet-Gemeinde und den intellektuelleren Teil unserer Bevölkerung zu belustigen“), der sich über das Leistungsschutzrecht beschämt zeigt: „Ohne die kostenlose Auffüllung der Google-Server mit Bildern, Videos und Texten von Verlagen aus aller Welt hätten Abermillionen Nutzer viel weniger Grund, Google für die Suche aufzusuchen.“

Bahnstreik, Behinderung, „Bild“-Girl

1. „Abweichende Realitäten: Die Lokführer, die Medien und die Leser“
(wibkeschmidt.com)
Wibke Schmidt blickt auf die Berichterstattung zum Bahnstreik, insbesondere auf das Verhalten von Stern.de: „Ich glaube aber, dass es jenseits von Bild, Focus.de und stern.de auch betriebswirtschaftlich unklug ist, vor allem die populistische Empörung zu bedienen. Viele Menschen sind gar nicht so unterkomplex strukturiert, dass sie ein Problem nicht über den privaten Horizont hinausdenken.“

2. „Wie eine 25-jährige Bambergerin das BILD-Girl abschaffen will“
(nordbayern.de, Björn Bischoff)
Das „Bild“-Girl stehe stellvertretend für „Bild“-Sexismus, findet Kristina Lunz: „Bislang ist der Tenor, dass Frauen nur dann wertgeschätzt werden, wenn sie ihre Brüste zeigen. Männer hingegen werden für ihre Leistungen in Politik und Sport geschätzt.“

3. „Verschlüsselte Zeitungsanzeigen, Teil 1: Das Internet des 19. Jahrhunderts“
(scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne, Klaus Schmeh)
Klaus Schmeh berichtet von verschlüsselten Zeitungsannoncen im 19. Jahrhundert: „Vor allem heimlich Verliebte nutzten diese Form des Kommunizierens. In der Times und anderen britischen Zeitungen fanden sich damals verschlüsselte Anzeigen zu Hunderten oder gar Tausenden.“

4. „‘Wo will der Rollstuhl denn raus?'“
(sueddeutsche.de, Sabrina Ebitsch)
Menschen mit Behinderung erzählen von alltäglichen Begegnungen mit Menschen ohne Behinderung und erteilen Auskunft, wie letztere „Situationen vermeiden, die für beide Seiten peinlich sind“.

5. „Warum uns der Nahe Osten egal sein sollte“
(cicero.de, Justin Logan)
Justin Logan fordert dazu auf, den Blick auf Wichtigeres zu richten als auf den Nahen Osten: „Drei Belange rückten diese kleine, arme und schwache Region in den Fokus der US-Außenpolitik: Erdöl, Israel und Terrorismus. Jedes dieser Anliegen verdient Beachtung, aber auch nicht annähernd so viel Beachtung, wie ihnen in den letzten Jahrzehnten zuteilwurde.“

6. „F.A.Z. Leserbrief“
(blog.beetlebum.de, Johannes Kretzschmar)

Neue Bild Zeitung, Wolfgang Kubicki, Peter Sloterdijk

1. „Skurril – Gegen-‘Bild’ der DDR“
(ndr.de, Video, 5:03 Minuten)
Ein Bericht über das in Berlin Mitte von 1957 bis mindestens 1963 produzierte DDR-Produkt „Neue Bild Zeitung“, deren Produzenten unbekannt blieben, jedoch klare Aufträge hatten: „Propagierung der DDR“ beispielsweise oder „Enthüllung der Bonner Politik“. Siehe dazu auch ein Interview mit Stefan Wolle vom DDR-Museum Berlin (ndr.de, Video, 33:51 Minuten).

2. „Wolfgang Kubicki: ‘Bild ist keine Zeitung, die in die Tiefe geht'“
(vocer.org, Maren Christoffer)
Was FDP-Politiker Wolfgang Kubicki über „Bild“ denkt: „Bild macht Meinung. Und zwar ganz bewusst und auch ganz nachdrücklich. Das kann man daran feststellen, dass man – ich auch – gelegentlich Anrufe bekommt und ein Redakteur sagt: ‘Wir haben Folgendes vor, können wir Sie damit zitieren?’ Es wird also nicht nach der Haltung zu einem Thema gefragt. Sie wollen etwas transportieren und brauchen dann einen Namen, den sie damit in Verbindung bringen können.“

3. „Zwischen gut gemeint und gut gemacht“
(ndr.de, Patrick Gensing und Andrej Reisin)
Patrick Gensing und Andrej Reisin machen sich Gedanken zur am Sonntag beginnenden ARD-Themenwoche „Toleranz“: „Dass Angehörige der stigmatisierten Gruppen eben nicht die Wahl haben, welches Maß an Ausgrenzung oder ‘Toleranz’ der Mehrheitsgesellschaft sie erdulden wollen – diese Erkenntnis scheint den Programmverantwortlichen der beworbenen Sendung noch nie gekommen zu sein.“

4. „Die Medienoffensive des Kreml“
(deutschlandfunk.de, Gesine Dornblüth)
Gesine Dornblüth berichtet von einer Medienoffensive von Russlands Führung: „Büros und Pressezentren in mehr als 130 Städten in 34 Ländern. Ein eigener Nachrichtendienst, Sputniknews, in vier Sprachen: Englisch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch. Radio und Multimediaangebote in 30 Sprachen, darunter auch auf Deutsch. All das ab 2015. Bisher funktioniert nur die englische Website.“

5. „Von der Torheit der Gratis-Kultur“
(horizont.at, Antje Plaikner)
Christoph Fasel hält es für „eine Torheit, die ­kostbare Ware Journalismus zu verschenken. Wenn ich mein Produkt verschenke, habe ich nichts mehr, worauf ich meinen Erwerb aufbauen kann. Und genauso ist das schon im Rahmen der ersten Internethysterie passiert.“

6. „‘Man denkt an mich, also bin ich'“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Sven Michaelsen)
Sven Michaelsen befragt Philosoph Peter Sloterdijk.

James Foley, Bernd Lucke, Prostatakrebs

1. „Die Würde stirbt zuerst“
(journalist.de, Carsten Stormer)
Der von der IS ermordete James Foley war mit Carsten Stormer befreundet. Stromer schreibt über den Umgang mit den Bildern der Exekution: „Wir sollten dem Drang widerstehen, einem Hilflosen, dem Kriminelle das Messer an die Kehle setzen, beim Sterben zuzusehen. Nur so geben wir dem Opfer jene Würde zurück, die ihm Fanatiker rauben wollen. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass Jim Foley, Steven Sotloff und David Haines einen grauenvollen Tod gestorben sind. Die Hinrichtungen sind ein Attentat auf alle, die an Freiheit und Demokratie glauben und diese Gewaltideologie ablehnen. Deshalb gilt es, Respekt vor den Opfern und ihren Familien zu zeigen – und vor sich selbst. Aus dem gleichen Grund würden wir uns keine Vergewaltigung ansehen, sie nicht als News verkaufen.“

2. „‘Österreichs’ falsches Terror-Testimonial“
(kobuk.at, Thomas Hoisl)
„Österreich“ zeigt ein Bild auf der Titelseite, auf dem „Sabina (15)“ abgebildet sein soll – tatsächlich ist das Foto von einem Reuters-Fotografen und zeigt „eine syrische Rebellin namens Umm Dschafar. Diese kämpfte damals für eine weibliche Brigade der Freien Syrischen Armee, also in Wahrheit für die Gegner des IS.“

3. „Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs“
(stimmthaltnicht.de)
„Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs“, ist auf Augsburger-allgemeine.de zu lesen. Stimmthaltnicht.de dagegen hält fest: „Die mediale Berichterstattung über diese Studienergebnisse erweckt (…) zum Teil den Anschein, dass es zwischen der Anzahl der Sexualpartnerinnen und einer Prostatakrebserkrankung einen Ursachen-Wirkung-Zusammenhang gibt. Diesen Schluss lässt die Studienform jedoch nicht zu.“

4. „Warum das ‘Westfalen-Blatt’ ein Interview auch ohne alle Antworten veröffentlicht“
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Das „Westfalen-Blatt“ veröffentlicht ein Interview mit Bernd Lucke, das von diesem nur teilweise autorisiert wird. Redaktionsleiter Ulrich Windolph gibt Auskunft: „Das verschriftete Interview lag Professor Lucke dann sehr früh am Freitag vor. Trotz mehrfacher Rückfragen unsererseits über den Tag sah sich Herr Lucke aber nicht in der Lage, das komplette Interview freizugeben. So blieb der gesamte Fragenkomplex zum Thema Rechtspoulismus unautorisiert. (…) Es gab diesbezüglich auch keine Kritik von Herrn Lucke, sondern lediglich den wiederholten Hinweis, dass er sich mit Blick auf anderweitige terminliche Verpflichtungen und Sitzungen nicht imstande sähe, seine Antworten zum Thema Rechtspopulismus freizugeben.“

5. „Versteckte Recherche“
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
US-Investigativreporter befassen sich mit dem Thema Verschlüsselung: „Wer als Journalist einen PGP-Schlüssel hat, sollte diesen auf Twitter und auf seiner Website zeigen, rät Angwin, um zu signalisieren, dass eine sichere Kontaktaufnahme möglich sei.“

6. „Medien: Fortgesetzter Kindesmissbrauch“
(politplatschquatsch.com)
Ein Foto eines Mädchens mit roter Jacke und blauer Baseballmütze, das auf eine Hochhaussiedlung blickt: „Seit Jahren schon muss das kleine Mädchen immer ran, wenn es um Armut, Kinder, Kinderarmut oder Hartz-4 oder Bildungsdefizite geht.“

Super Illu, Ebola, Restrukturierungen

1. „Die Netzflüsterer“
(datum.at, Stefan Apfl und Sarah Kleiner)
Österreichische Unternehmen beauftragen eine PR-Agentur, die schmeichelhafte Internet-Einträge über sie erstellt, „80.000 bis 100.000 PR-Postings pro Jahr“: „Wer einmal begriffen hat, wie umfassend heimische Unternehmen das Netz mithilfe der PR-Agentur Mhoch3 manipuliert haben, der wird kein Posting und keinen Onlinekommentar mehr lesen können, ohne dabei ein mulmiges Gefühl und die Frage im Kopf zu haben: Was, wenn der Mensch dahinter dafür bezahlt wurde?“ Siehe dazu auch „Das Geschäft mit der gefälschten Meinung“ (sueddeutsche.de, Johannes Boie).

2. „Engagiert gegen ‘Bild’-Miezen“
(ndr.de, Janina Kalle)
Die Petition „Zeigt allen Respekt – schafft das BILD-Girl ab!“ (change.org) findet bisher über 11 000 Unterstützer.

3. „Experten erwarten mehr Ebola-Panikfälle in Deutschland“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Während in manchen Monaten 40 bis 50 Malaria-Fälle diagnostiziert werden bei aus Westafrika einreisenden Personen, hat sich bis heute in Deutschland niemand mit Ebola infiziert. „Die Verdachtsfälle, die es gab, waren jedes Mal – Verdachtsfälle. Und trotzdem wurden sie vom medialen Panikorchester begleitet.“

4. „Blutarmut als Konzept“
(vocer.org, Jan Klage)
Restrukturierer Jan Klage blickt kritisch auf die Restrukturierungen bei Gruner + Jahr: „Warum aber übernimmt ein international tätiges und innovatives Verlagshaus wie Gruner + Jahr ein vier Jahre altes und immer noch umstrittenes Umstrukturierungskonzept eines mittelständischen Mitbewerbers? Weil es praktikabel ist. Und weil offensichtlich immer noch keine bessere Lösung in Sicht ist. (…) Nicht PR-Texte und Auftragsarbeiten schlecht bezahlter freier Journalisten werden die Schlacht um die Aufmerksamkeit moderner Zielgruppen gewinnen, sondern Geschichten mit Herzblut und Authentizität.“

5. „Bräsiger Mix aus Käse- und Infoblatt“
(taz.de, Jenni Zylka)
Jenni Zylka liest die „Super Illu“, „die Zeitschrift, die immer noch jede Woche von jedem fünften Erwachsenen in Ostdeutschland gelesen wird und damit, so wirbt sie seit Jahren, ‘mehr Leser erreicht als Spiegel, Stern und Focus zusammen’.“

6. „Keine üble Nachrede gegen Tiedje: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen stern-Mann Tillack ein“
(meedia.de)

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