Archiv für 6 vor 9

Kuratorbuffet, Instantsuppe, Maskulismussalat

1. Kuratieren im Journalismus: Kontext ist King
(fachjournalist.de, Bernd Oswald)
„Links zu empfehlen und einzuordnen ist angesichts der enormen Informationsflut im Internet gerade wieder total in. Welche Arten des Kuratierens es gibt, was einen guten Kurator ausmacht und warum es sich lohnt, einer zu werden, erklärt Bernd Oswald.“ Exakt mit diesen Worten ist der Beitrag meines Kurator-Kollegen Oswald (piqd.de) überschrieben, was ich in diesem Fall als perfekte Zusammenfassung des Beitrags stehen lassen möchte.

2. instant everywhere
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Um Facebooks „Instant Articles“ ranken sich viele Gerüchte und Missverständnisse und sogar Journalisten kommen manchmal ins Schleudern, wie Felix „Kleinschreibung“ Schwenzel in seinem neuesten Beitrag erzählt. Schwenzel erklärt die Sache und verrät, warum er glaubt, dass sich die Instant Articles auch bald auf dem Desktop einnisten werden.

3. Pöbeln für die Männlichkeit
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
„Süddeutsche Zeitung“-Autor Simon Hurtz hat sich ins Herz des Maskulismus begeben und mit einigen Vertretern der teilweise fanatischen Männerrechtler gesprochen, die Männer für systematisch benachteiligt halten. Die Maskulisten seien vor allem ein Online-Phänomen, der Austausch erfolge vor allem in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Vielfach würden antifeministische oder frauenfeindliche Thesen aufgestellt, oft ergehe man sich in ordinären Pöbeleien.

4. Über die Gratisschreiberei
(michaelbittner.info)
Der Autor und Journalist Michael Bittner wird von einem kommerziellen Medium gefragt, ob er einen Text kostenlos zur Verfügung stellen würde. Natürlich sei freundliches Fragen nicht verwerflich, so Bittner, dennoch gerät er ins Grübeln: „Der finanzielle Unterschied zwischen Leserbriefschreiberei und freiem Journalismus schrumpft jedenfalls stetig, während freie Autoren gleichzeitig immer mehr Aufgaben übernehmen, die früher feste Redakteure erledigten. Vielleicht treten bald nur noch Menschen an die Öffentlichkeit, die sich das Schreiben als Hobby leisten können, weil sie vermögend sind oder anderswo sprudelnde Geldquellen erschlossen haben.“

5. Der Kampf geht weiter
(taz.de, Anne Fromm)
„taz“-Medienredakteurin Anne Fromm berichtet von den öffentlich ausgetragenen Konflikten innerhalb der linken Debattenzeitschrift „Analyse & Kritik (ak)“. Die Zeitschrift ist im Umbruch, ein Generationenwechsel steht an. Im März hätte die Hamburger Redaktion den Konflikt erstmals auf Facebook öffentlich gemacht. Seitdem hätte es regelmäßig Wasserstandsmeldungen gegeben und aktuell eine komplette Seite drei „zum Stand der Dinge bei ak“. Die Angelegenheit ist im wahrsten Sinne des Wortes prekär, denn das Projekt bedeutet viel Arbeit für wenig Geld.

6. Antwort von „Bochum and Leicester Friendship“ an „Bild“
(facebook.com)
Ein „Bild“-Reporter fragt die Fußballfans der „Bochum and Leicester Friendship“ für einen Beitrag an. Auch wenn, wie er augenzwinkernd hinzufügt, der VfL-Trainer ja nicht der größte „Bild“-Fan sei… Die städteübergreifende Fantruppe antwortet in einer Weise, die ihn vom Grundsatz eigentlich nicht hätte überraschen dürfen, es aber wahrscheinlich dennoch getan hat.

Verlegertreff, Schweizer Käse, Ruthe-Apell

1. „Jetzt hilft nur noch ein Nobelpreis“
(boersenblatt.net, Holger Heimann)
Unter dem Motto „Verlage (in) der Zukunft“ haben sich drei Verleger Gedanken über die Planbarkeit des Erfolgs und das Bild von Verlagen in der Öffentlichkeit gemacht: Felicitas von Lovenberg, seit etwa 50 Tagen Verlegerin des Piper-Verlags, Hanser-Verleger Jo Lendle und Jonathan Beck vom Verlag C.H. Beck. Letzterer klagte: „In den letzten Jahren hat es eine ganze Reihe von Entscheidungen gegeben, die ein Bild von Verlagen als bloße Verwerter transportieren, die Manuskripte lediglich an Druckereien weitergeben und arme Autoren dazu zwingen, für sie ungünstige Verträge zu unterschreiben“. Was für ein Wunder möchte man hinterherrufen, wenn man liest, wie unsouverän die anwesende Kulturstaatsministerin mit der höchstrichterlichen Entscheidung umgeht, der nichterlaubten Selbstbedienung der Verlage an den VG-Wort-Einnahmen (Ministerdeutsch: „bewährte Praxis“) endlich ein Ende zu bereiten.

2. Niederländer sollen mit Kritik an Erdogan vorsichtig sein
(faz.net)
Der türkische Ministerpräsident weitet seine Zensurzone auf immer mehr Länder aus und wertet anscheinend soziale Netze aus. Nun hat der niederländische Außenminister Bert Koenders seine Landsleute zur Vorsicht ermahnt. Es gebe „keine Garantien“ für Niederländer, die sich etwa in sozialen Netzwerken kritisch zur türkischen Führung geäußert hätten und dann in die Türkei reisten, sagte Koenders bei einer Parlamentsdebatte am Dienstag.

3. Regelwerk mit Lücken an den entscheidenden Stellen
(de.ejo-online.eu, Silke Fürst & Mike Meißner)
Wie groß die Angst vor sinkenden Werbeerlösen in der Zeitungsbranche sein muss, kann man derzeit in der Schweiz sehen. Da fordert der Chef der „Basler Zeitung“ die Anzeigenkunden auf, gegen missliebige Berichterstattung vorzugehen und verteidigt sogar einen Boykott: Inserierende Unternehmen müssten sich nicht „auf der Nase rumtanzen“ lassen. Und der Verlegerpräsident Lebrument verstieg sich in der „NZZ“ sogar zu der Aussage, dass die saubere Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung heute nicht mehr funktioniere und „Kompromisse“ notwendig seien. Im Artikel kommen verschiedene Stimmen zu Wort, auch jene, die diese Aussagen problematisieren.

4. Wie man Leser verhohnepipelt
(bilanz.de, Wolf Schneider)
Journalistenlegende Wolf Schneider (u.a. Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ in Washington, Chefredakteur der „Welt“, Moderator der NDR-Talkshow, Gründer und Leiter der Henri-Nannen-Schule) meldet sich auch noch mit 90 regelmäßig zu Wort. In seinem neuen Artikel nimmt er einen Brockhaus-Eintrag auseinander und seziert ein verzwirbeltes Satzmonstrum aus der „Frankfurter Allgemeinen Woche“. Schneider macht Texte verständlicher, indem er sprachlichen Ballast abwirft und die Lesbarkeit verbessert. Das ist nicht nur für Journalisten interessant, sondern für jeden Schreibenden.

5. Ruthe zum Tag des geistigen Eigentums
(facebook.com/ruthe.de)
Cartoonist Ralph Ruthe gehört zu den meistbestohlenen Comic-Künstlern im Netz. Anlässlich des „Tags des geistigen Eigentums“ schreibt er, mit welchen Übernahmen er leben kann und mit welchen nicht. Und er geht mit viel Geduld und Höflichkeit auf all die gängigen Argumente der Kopierbefürworter ein („Das ist doch Werbung für dich!“).

6. „sanft & sorgfältig“ jetzt bei Spotify | NDR
(Daniel Bouhs, Video, 7:35)
Hinter dem Erfolg einer Radiosendung steht auch immer ein Programmchef, der diese mitverantwortet. Im Fall von Deutschlands beliebtester Radiosendung „sanft & sorgfältig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schultz ist es RadioEins-Chef Robert Skuppin. Im Interview zum Wechsel von Böhmermann und Schulz zu Spotify erklärt er auf sympathisch gelassene Art, warum er auf den privaten Streamingdienst richtig sauer ist, auf Jan Böhmermann und Oli Schulz dagegen nicht.

Journalismuswandel, Welt-Wandel, Gesetzeswandel

1. Vor Gericht stehen die Whistleblower
(tagesschau.de, Holger Romann)
Bis zu zehn Jahren Haft drohen den beiden Whistleblowern und dem Journalist, der die dubiosen Praktiken der Steueroase Luxemburg aufgedeckt hat, mit denen Großkonzerne sich um die Zahlung von Steuern drücken. Um Milliarden von Steuern… Statt grundlegende Reformen einzuleiten und endlich die Schlupflöcher im eigenen System zu schließen, macht man nun ausgerechnet jenen den Prozess, die den als „LuxLeaks“ bekanntgewordenen Skandal damals ans Licht brachten.

2. Journalismus 2020 – was wird sich ändern?
(de.ejo-online.eu, Tina Bettels-Schwabbauer)
Die „Deutsche Gesellschaft Qualitätsjournalismus“ hat einige Branchenexperten gefragt, wie sie sich den Journalismus des Jahres 2020 vorstellen würden. Oft taucht der alleskönnende Universaljournalist auf, der auf sämtliche Plattformen zu Haus, mit allen Techniken vertraut ist. Und den die ebenfalls befragte Silke Burmester als „omnipotenten Großkotzbrocken, der alles wuppt und alles kann“ bezeichnet: „…wir müssen so tun, als hätten wir elf andere Berufe auch noch gelernt. Den der Kamerafrau. Den der Cutterin. Der Toningenieurin. Der Fotografin. Der Grafikerin. Der Programmiererin. Der Webdesignerin. Der Moderatorin. Der Marketing-Expertin. Den der Social-Media-Managerin. Und den der Betriebswirtin – schließlich sollen ja auch die Zahlen stimmen.“

3. Allgemeine Verunsicherung
(taz.de, Jürn Kruse)
Die „Welt“ will 50 Stellen abbauen. Die Firmenspitze setzt auf Einzelgespräche und Abfindungsangebote, doch bisher sind nach Informationen der „Taz“ nur wenige Mitarbeiter darauf eingegangen. Laut einer Mail des Betriebsrats seien erst Aufhebungsverträge im Umfang von zehn Vollzeitstellen unterschrieben worden. Wenn sich nicht genügend „Freiwillige“ finden, soll angeblich ein Sozialplan greifen und betriebsbedingt gekündigt werden.

4. Maas entschärft Pläne für Gerichts-TV
(faz.net)
Nach Protesten von Richterseite hat Bundesjustizminister Heiko Maas die Pläne zur direkten Film- und Tonübertragung aus Gerichtssälen entschärft. Die Richter hatten eine Youtube-isierung des Rechtswesens inklusive Video-Pranger befürchtet. Der neue Entwurf sieht nun laut „FAZ“ vor, dass Urteilsverkündungen von Bundesgerichten im Fernsehen direkt übertragen werden dürfen – aber nur, wenn der Vorsitzende Richter einverstanden sei.

5. Wir sind dann mal so frei
(ndr.de, Daniel Schmidthäussler)
Etwa 18.000 sogenannte feste Freie arbeiten derzeit regelmäßig bei ARD, ZDF und Deutschlandradio. Nun fand in Berlin erstmals der zweitägige ARD-Freienkongress statt. Der Zusammenschluss von Interessenvertretungen für Freie in der ARD fordert in einer Resolution mehr Respekt und Rechte für Freie und „Schluss mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft!“

6. Entsorgt (13): Flop 15 – Die seltsamsten Magazin-Cover des Frühjahrs
(kioskforscher.wordpress.com, Markus Böhm)
Eine Galerie des Grauens ist es, die Blogger und Journalist Markus Böhm da aus 15 seltsamen und teilweise verstörenden Magazin-Covern zusammengestellt hat.

Millionärsformel, Blattmacherformel, Ironieformel

1. Maschmeyer und Freunde – verdächtig positive Kommentare
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Der Tagesspiegel berichtet über ein seltsames Phänomen, dem man selbst zum Opfer fiel: In Online-Foren werde der umstrittene Unternehmer Carsten Maschmeyer (aktuelles Buch: „Die Millionärsformel“) oft dann besonders bejubelt, wenn es Kritik gebe. Dieselben Fans würden auch von Veronica Ferres und Mirko Slomka schwärmen. Ist das gesteuerte PR oder wahre Verehrung, fragt sich Tagesspiegel-Redakteurin Álvarez und geht der Sache detektivisch nach. Álvarez schaut sich jeden der Kommentierer an, stolpert über zahlreiche Auffälligkeiten und kommt schließlich einem Netzwerk von Online-Claqueuren auf die Schliche.

2. Fotoveröffentlichung – was muss man bei der Einwilligung des Abgebildeten beachten?
(fachjournalist.de, Frank C. Biethahn)
Fotos von Personen gehören zur Medienberichterstattung, doch deren Veröffentlichung berührt das Persönlichkeitsrecht. Deshalb bedarf es oft einer Einwilligung. Der „Deutsche Fachjournalisten-Verband (DFJV)“ hat einen auf Urheber- und Medienangelegenheiten spezialisierten Juristen um eine Erläuterung der Rechtslage gebeten. Interessant für Fotografierer und Fotografierte.

3. Heftkritik: Wenn „junge Zielgruppe“ keine Beleidigung ist
(wuv.de, Ben Krischke)
„WuV“-Autor Ben Krischke hat sich die neue „FAZ Woche“ angeschaut und zeigt sich recht angetan. „Was die erste Ausgabe der „FAZ Woche“ jung macht, sind keine seltsamen Ressortnamen, keine Geschichten über Beziehungsprobleme, die schon tausendfach erzählt wurden, keine Listen und schon gar keine ausufernden Artikel, die mir meine Gefühle erklären wollen. Und vor allem: Kein Gebrabbel über die Generation Y. Was das Magazin jung macht sind die vielen Einseiter, die sich relativ nüchtern, aber keineswegs langweilig lesen, ihr modernes Format, das sogar im Gedränge der morgendlichen Rush Hour nicht zum Problem wird, und die Themenauswahl, eine gelungene Mischung aus „Das ist gerade wichtig!“ (Asylpolitik, AfD, Böhmermann, FDP, Kohl) und „Das könnte für dich als jungen Menschen interessant sein“ (Rente, Ratenfinanzierung, Roboter, Bitcoins).“

4. Einbruch bei Erdogan-kritischer Journalistin in Amsterdam
(faz.net)
Aus der Türkei kommen fast täglich Horrormeldungen, was den Umgang mit Journalisten anbelangt. Und es wird immer unglaublicher: So wurde die wegen kritischer Äußerungen über Präsident Erdogan festgenommene niederländische Journalistin Ebru Umar nach einer Intervention der niederländischen Regierung zwar freigesetzt, darf aber die Türkei nicht verlassen. Während in Amsterdam in ihre Wohnung eingebrochen und ein Computer gestohlen wurde.

5. Die viralste Serie der Welt
(fluter.de, Hannah Schlüter)
Das von der Bundeszentrale für politische Bildung verantwortete Onlinemagazin „fluter“ berichtet über den Erfolg von „Games of Thrones“ in den sozialen Medien (2015 dominierende Serie bei Facebook und Twitter). Dies sei nicht nur auf die Serie selbst zurückzuführen, sondern liege auch an der ausgeklügelten und langfristig angelegten Marketing-Kampagne: HBO fördere Online-Fanaktivität und bediene strategisch die Social-Media-Kanäle, indem z.B. ausgesuchte Fanseiten mit exklusiven Fotos, Videos und News ausgestattet würden.

6. Die Sprachpolizei informiert (1): Ironie für Idioten
(michaelbittner.info)
„Das finde ich echt witzig. Nicht.“ Michael Bittner wird übel, wenn er solche Sätze liest. Warum Äußerungen dieser Art als schwere Sprachverbrechen zu ahnden sind, erläutert der erste Beitrag seiner neuen Reihe „Die Sprachpolizei informiert“.

Autorisierungsprobleme, Himmel und Hölle, Millionensiegel

1. Sehr geehrte Tanit Koch…
(carta.info, Julia Thurnau)
Die Schauspielerin Julia Thurnau wendet sich mit einem offenen Brief an die Chefredakteurin der „Bild“. Nach wie vor propagiere „Bild“ ein sexistisches Zerrbild von Frauen. Dass die Objektifizierung nicht die Realität spiegele, sondern reine Männerphantasien, müssten Frauen meist einzeln im Rahmen einer Zurückweisung erklären. Dabei stünde dann das Wort einer einzelnen gegen die Narration eines Massenmediums. Es sei deshalb Zeit, dass die Zeitung den „Sprung auf die Höhe unserer egalitären Zeit“ wage. Thurnaus Wunsch an die „Bild“-Chefin: „Bitte bilden Sie Frauen als (angezogene) gleichberechtigte Menschen ab und würdigen Sie deren Leistung losgelöst von Aussehen und Sexualität.“

2. „Zur Not auch vor Gericht“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Über die Autorisierung von Interviews gibt es immer mal wieder Streit, und manche Journalisten wünschen sich diese Regelung ganz abgeschafft. Die erfahrene Presserechtlerin Tanja Irion spricht im ABZV-Interview über erfundene Interviews, journalistische Ego-Trips, wegen der sie „zur Not auch vor Gericht“ ziehen muss, und über die Interviewautorisierung als Streitvermeidungsstrategie.

3. Auszeichnungen für Martin Vogel und den Tagesspiegel
(freischreiber.de)
Der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten „Freischreiber“ vergibt jedes Jahr den Himmel-und-Hölle-Preis für besonders fairen oder fiesen Umgang mit freien Journalisten. In den Freischreiber-Himmel wurde Martin Vogel gewählt, der durch seinen langen Weg durch die Instanzen dafür gesorgt hat, dass die VG Wort ihre Einnahmen ausschließlich an die Urheber und nicht mehr an die Verleger ausschütten darf. In die Freischreiber-Hölle kommt der Tagesspiegel für sein „besonders schäbiges Verhalten gegenüber Freien“. Dieser habe im Oktober 2015 von jetzt auf eben die Zusammenarbeit mit seinen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Eis gelegt. „Ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung, ohne Übergangsfrist wurden bereits erteilte Aufträge für nichtig erklärt und auch langjährigen Freien die Zusammenarbeit ab sofort aufgekündigt.“

4. Sedat Ergin erhält „Freedom of Speech Award“
(faz.net)
Die „Deutsche Welle“ setzt ein Zeichen für die Pressefreiheit in der Türkei und vergibt den diesjährigen „Freedom of Speech Award“ an den türkischen Journalisten Sedat Ergin. Dieser ist Chefredakteur der auflagenstärksten unabhängigen Tageszeitung der Türkei „Hürriyet“ und sieht sich wegen eines Erdogan-kritischen Artikels mit einer Haftstrafe von fünf Jahren bedroht.

5. Sprachlust: Wer Krieg sagt, soll Krieg meinen
(infosperber.ch, Daniel Goldstein)
Daniel Goldstein ist Redakteur der Schweizer Zeitschrift „Sprachspiegel“. Auf der Webseite „Infosperber“ ist er für die „Sprachlust“-Kolumne zuständig. In der neuesten Ausgabe beschäftigt er sich mit besonders blumiger Sprache und Metaphern. „Sprachbilder soll man nicht allzu wörtlich nehmen, außer wenn sie so krass sind, dass man nicht anders kann. „Krieg“ ist so eins.“

6. Computerbild Top-Shop Siegel: Sinnvoll oder nicht?
(getdigital.de, Philipp Stern)
Eine Firma für Geek-Spielzeug und Nerdbedarf erhält einen Brief von der „Computer Bild“. Freudig teilt man darin mit, die Webseite des Onlinehändlers gehöre zu den „Top 750 Onlineshops Deutschlands“ und könne sich nun mit dem „Computer Bild“-Qualitätssiegel schmücken. Warum wird nicht so recht klar, der Einblick in Detailergebnisse kostet etwa 1000 Euro (zzgl. Mwst.). Und wer sich das Siegel auf die Webseite bappen will, muss schlappe 3.500 Euro berappen. Aus Sicht der Zeitschrift eine kaufmännisch vorteilhafte Aktion: Wenn alle Shops mitmachen, kommen Einnahmen von über zweieinhalb Millionen Euro zusammen. Was eine ziemlich coole Rendite für ein wenig Praktikanten-Excel, Photoshop und Porto ist, um es etwas salopp zu formulieren.

Senderwende, Ikonographische Wende, VG-Wort-Wende

1. Medienanstalt stoppt Radio für Flüchtlinge
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Wie eine gute Idee manchmal versandet bzw. rigide abgewürgt wird, erzählt Ulrike Simon in ihrem Artikel über das geplante und nun doch nicht zu Stande kommende Integrationsradio für Flüchtlinge. Im vorigen Jahr hätte der frühere Deutsche-Welle-Programmchef vom Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), den Auftrag bekommen, über ein Flüchtlingsradio nachzudenken. Das Konzept hätte gestanden, alle Parameter gestimmt, doch dann kam die überraschende Wende: Der Medienrat entschied, das Projekt zu beerdigen. Den Grund dafür soll Ulrike Simon nicht nennen. Sie tut es dennoch: „Immer wieder, mit wem ich auch sprach, bekam ich zu hören: Die Stimmung habe sich gedreht, das gesellschaftliche Klima habe sich verändert, seit dem 31.12. sei die Welt eine andere, die Euphorie verflogen, die Willkommensbereitschaft vorbei, man denke bitte an Köln, an Brüssel…“

2. Online-Leser wollen längere Storys und weniger Listen
(de.ejo-online.eu, Scott Maier)
Das American Press Institute (API) hat in einer Studie das Nutzerverhalten von Online-Lesern unter die Lupe genommen. Mehr als 400.000 Artikel von 55 Publikationen hat man analysiert. Dabei sei die gängige Annahme, dass Journalisten sich für Online kurz und für mobile Plattformen noch kürzer fassen sollten, widerlegt worden. Die Ergebnisse der Studie hätten gezeigt, dass Online-Leser mehr wollen als Geschichten über Stars und Sternchen, kurze Meldungen ohne Tiefgang und die beliebten „Listicles“.

3. Geschichten eines Bilderstürmers
(zeit.de, Uwe Jean Heuser)
Der 32-jährige Gründer des Foto-Netzwerks Instagram Kevin Systrom kann auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurückblicken: Innerhalb weniger Jahre ist Instagram die führende Plattform zum Teilen von Fotos geworden. Und Facebook blätterte vor wenigen Jahren die stolze Summe von einer Milliarde für das Bildernetz hin. In London sprach Systrom nun von der „ikonographischen Wende“. Täglich 80 Millionen Bilder würden täglich auf Instagram gespeichert. „Dass wir diese Momente hochauflösend aufnehmen und für immer speichern können, wird wichtiger sein für die Menschheitsgeschichte als die Erfindung der Schriftsprache.“ Systrom glaube, dass die Erinnerungen der Menschen künftig nicht mehr aufgeschrieben, sondern abgebildet werden. „Wir waren immer eher visuelle als sprachbezogene Wesen.“ (Leider hat man den Digitalbildrevolutionär und visionären Schriftsprachenablöser nicht gefragt, wieviel Prozent der täglichen Instagram-Bilder auf Duckface-Selfies und Foodfotos entfallen.)

4. BGH kippt VG-Wort-Ausschüttung
(faz.net)
Der Bundesgerichtshof hat gesprochen: Die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort darf keine Einnahmen aus Urheberrechten mehr an die Verlage ausschütten. Das Geld stehe nach derzeitiger Gesetzeslage ausschließlich den Autoren zu. Vor allem kleine Verlage trifft der Urteilsspruch, freuen können sich die Autoren, die nun eventuell sogar rückwirkend Ansprüche auf Nachzahlungen geltend machen können. Doch das Urteil könne auch Auswirkungen für die Vielfalt der Angebote journalistischer Aus- und Weiterbildung haben.

5. Der Hass im Netz – und was dagegen zu tun ist
(carta.info, Ingrid Brodnig)
Montag erscheint Ingrid Brodnigs Buch „Hass im Netz. Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Auf „Carta“ gibt es eine gekürzte und leicht abgeänderte Fassung des Kapitels „Hass als Instrument“, in dem sie auch auf die Facebook-Thematik eingeht: „Würde Facebook allein jene Wortmeldungen löschen, die strafrechtlich relevant sind oder gegen die eigenen Regeln des Netzwerks verstoßen, wäre die Situation schon deutlich besser als bisher. Facebook hingegen betont gerne, wie wichtig Widerrede („Counter Speech“) sei – also dass Menschen gegen hasserfüllte Rede das Wort ergreifen. Das stimmt. Es braucht aber beides: Mutige Bürger und Webseitenbetreiber, die sie vor den schlimmsten verbalen Übergriffen oder gar Bedrohungen schützen.“

6. Wutdruck
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Das konservative britische Wochenmagazin „The Spectator“ ruft seine Leser auf, Schmähgedichte auf den türkischen Präsidenten einzusenden – „so schmutzig und beleidigend wie möglich“.

Sinkflug, Lex Böhmermann, smartWoman

1. Auflagen von „Spiegel“, „Welt“ und „Bild“ brechen zweistellig ein
(horizont.net, Roland Pimpl)
Die neuen Quartalszahlen der Zeitungs- und Zeitschriftenverkäufe sind da. Und auch im ersten Quartal des Jahres müssen viele Zeitschriften weiter mit sinkenden Auflagen leben. Zwei hat es besonders erwischt: Die verkaufte Auflage des „Spiegel“ ging im 1. Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,2 Prozent zurück, der Einzelheftverkauf brach um 18,4 Prozent ein. Der Focus verlor 8,2 Prozent, beim Einzelheftverkauf war es ein Minus von 25,1 Prozent. Und auch bei den überregionalen Zeitungen gibt es haufenweise rote Zahlen. Die Auflage der „Welt“ sank um 10,5 Prozent, der Einzelverkauf sogar um unfassbare 43 Prozent.

2. „Wir hatten zwischenzeitlich das Gefühl, uns würde eine Welle des Hasses überrollen“ [Interview]
(t3n.de)
Anfang Mai findet in Berlin die zehnte „re:publica“ statt. Dort wird auch der Kommunikationsvorstand des Bundesverbands der Community-Manager, Roland Panter, auf der Bühne stehen und über Diskussionskultur im Internet sprechen. Im Interview mit „t3n“ äußert sich Panter zu Ethik im Community-Management, dem sich verändernden Diskussionsklima und den Problemstellungen, denen Plattformbetreiber und Seitenadministratoren ausgesetzt sind.

3. Kommt die Lex Böhmermann?
(faz.net)
Hamburg will noch vor der Sommerpause den umstrittenen Beleidigungsparagraphen 103 aus dem Weg räumen. Das Land habe für die Bundesratssitzung Mitte Mai einen Antrag vorgelegt, die Strafvorschrift zur Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter abzuschaffen. So solle eine Bestrafung des ZDF-Moderators Jan Böhmermann wegen dieser Vorschrift verhindert werden. Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne): „Der Paragraph 103 im Strafgesetzbuch gehört abgeschafft, weil er ein Ausfluss des vordemokratischen Strafrechts ist, als die Majestätsbeleidigung noch eine Rolle spielte“.

4. Prinzip Hoffnung
(brandeins.de, Christian Sywottek)
Das Wirtschaftsmagazin „brand eins“ erklärt, warum sich die deutsche Pressebranche auf den niederländischen Onlinekiosk „Blendle“ einlässt. Das Start-up, in das auch der Verlag Axel Springer gemeinsam mit der „New York Times“ Millionen investiert hat, hätte sich zu einer der größten Hoffnungen der Verlagsindustrie entwickelt. Knapp zwei Jahre nach dem Start sei die Sache jedoch noch lange nicht entschieden. Und mit der Nennung von Zahlen halte man sich bei Blendle zurück.

5. Chefrunde
(sueddeutsche.de, David Denk)
Kurzer Bericht von der Pressekonferenz des Treffens der ARD-Intendanten in Potsdam. Der lange geplante gemeinsame Jugendkanal von ARD und ZDF soll nun starten. Außerdem plant man ein aufwändiges Serienvorhaben: „Babylon Berlin“ mit 16 Folgen, 200 Drehtagen und 300 Darstellern.

6. Voll die Spaßbremse
(taz.de, Hanna Pütz)
Mit „smartWoman“ hat die WEKA-Mediengruppe eine neue Zeitschrift an den Kiosk gebracht: Eine Technik-Postille nur für Frauen. Für 3,90 Euro pro Ausgabe erklärt man dort den Frauen endlich, wie das so funktioniert mit dem „digitalen Leben“ (sehr schön: Das Symbolbild „Halte ich es so richtig?“ im Artikel). Außerdem gibt es zielgruppengerechte Tipps wie zum Beispiel zum Putzen des Smartphones: „Verschmierter Bildschirm und Krümel auf der Tastatur: Notebook und Smartphone können ganz schön dreckig werden. Zeit, mal wieder gründlich durchzuputzen!“

Reporter mit Grenzen, Hessliches, Lobbyarbeit vs. Pressefreiheit

1. Journalisten weltweit unter zunehmendem Druck
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ stellt die Rangliste der Pressefreiheit 2016 vor. Der Druck auf Journalisten würde weltweit zunehmen. Vorstandssprecher Michael Rediske kommentiert: „Viele Staatsführer reagieren geradezu paranoid auf legitime Kritik durch unabhängige Journalisten. Wenn sich selbstherrliche Präsidenten und Regierungen per Gesetz jeder Kritik entziehen, fördert das Selbstzensur und erstickt jede politische Diskussion. Dabei sind lebendige, debattierfreudige Medien gerade dort nötig, wo die Probleme am größten sind und sich Gesellschaften über den besten Weg in die Zukunft verständigen müssen.“

2. ARD-Korrespondent zurück in Kairo
(tagesschau.de)
Die Türkei hat dem Kairo-Korrespondenten der ARD, Volker Schwenck, die Einreise verweigert. Auf dem Flughafen von Istanbul wurde er in einem Abschieberaum festgesetzt. Inzwischen ist Schwenck wieder zurück in Kairo. Die Hintergründe für das Einreiseverbot sind nach ARD-Angaben noch unklar. Schwenck wollte eigentlich von Istanbul weiter in das türkisch-syrische Grenzgebiet reisen, um dort u.a. mit syrischen Flüchtlingen zu sprechen.

3. Autoren erleiden „kolossale Niederlage“ gegen Google
(golem.de, Friedhelm Greis)
Lange Jahre wurde um „Google Books“ gestritten, aber nun hat der Oberste Gerichtshof der USA entschieden: Suchmaschinenkonzern Google darf für sein Projekt Google Books beliebig viele Bücher in den USA ohne die Zustimmung der Autoren digitalisieren und durchsuchbar machen. Google dürfte das einige Milliarden sparen. Die amerikanische Autorenvereinigung (Authors Guild), deren Revision abgelehnt wurde, sprach von einer „kolossalen Niederlage“.

4. Nichts wissen, aber das Ende der Pressefreiheit in Hessen ausrufen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Ein Lokalpolitiker zeigt einen „Bild“-Reporter wegen Verleumdung an. Ohne die Hintergründe zu kennen, skandalisiere das Blatt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft als Einschüchterungsversuch des hessischen Innenministers. Und Journalistenverbände und Politiker gingen „Bild“ auf den Leim, so Stefan Niggemeier auf „Übermedien“.

5. Recherche-Journalismus und Urheberrecht: Kaum rechtliche Möglichkeiten für Schweizer Journalisten
(investigativ.ch, Florian Imbach)
„Investigativ“ macht auf einen Fall von fragwürdiger Einflussnahme auf journalistische Arbeit aufmerksam: Die Zürcher Lobbyfirma HirzelNeefSchmid nutze das Urheberrecht, um Druck auf einen ihr lästigen Journalisten auszuüben und die Publikation eines für die Berichterstattung wichtigen Dokuments zu unterdrücken. Der Artikel erklärt Problem und Rechtslage dieses Falls und lässt die beschuldigte Firma mit ihrer Stellungnahme zu Wort kommen.

6. Presse-Fail: Die kleine WELT gegen die große Galaxis
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi hat in der „Welt“ einen Artikel über „Star Wars“ gelesen und ärgert sich. In einer Erwiderung geht er akribisch die aus seiner Sicht erfolgten Fehler und Ungenauigkeiten durch. Die Frage des „Welt“-Artikels „Dürfen wir dich Versager nennen, Star Wars?“ beantwortet er am Ende mit einem „Nein. Hau ab“.

Werte, Pfefferspray, Selfies

1. Schwimmen im Common Sense: Medien, wo sind eure Werte?
(derstandard.at, Franziska Weder)
Medienwissenschaftlerin Franziska Weder kritisiert die Medien, die sich mit „Common-Sense-Issues“ und Allgemeinplätzen begnügen und neue, andere Sichtweisen und Gegenargumente scheuen würden. Der vom „gesunden Menschenverstand“ getriebene Common Sense sei erwartbar und unterdrücke Debatten, was schade sei. Gefordert sei ein „aufklärender, verantwortungsorientierter Informationsjournalismus, ein Aufbrecherjournalismus, der nach Für und Wider sucht, der mit neuen Argumenten und Gegenargumenten anstelle von Allgemeinplätzen spielt, der Themen problematisiert und einen öffentlichen Dialog ermöglicht“.

2. Lästiges Pfefferspray-Bild: US-Universität zahlte 175.000 Dollar für Suchmaschinenoptimierung
(netzpolitik.org, Jonas Klaus)
Manch einer erinnert sich noch an die Bilder von Studentenprotesten an einer amerikanischen Uni, bei der die friedlichen Teilnehmer eines Sitzstreiks aus nächster Nähe mit Pfefferspray attackiert wurden. „Netzpolitik“ berichtet nun davon, dass die Uni verschiedene Marketingunternehmen beauftragt hat, die für sie unangenehme Berichterstattung aus dem Netz zu drängen. Rund 175.000 Dollar habe sich die Uni die Bereinigungsaktion kosten lassen. Mit zweifelhaftem Erfolg: Wenn man den Namen der Universität („uc davis“) bei Google eingibt, erscheint bereits als erster Ergänzungsvorschlag „pepper spray“.

3. Lügenpresse
(lügenpresse.de)
Journalisten bekommen seit geraumer Zeit den Vorwurf der angeblichen „Lügenpresse“ zu hören. Nun wehrt man sich mit Video-Statements: „Deshalb wird es Zeit, dass die „Lügenpresse“ das Wort ergreift und wir unsere Version erzählen. Hier spricht also die „Lügenpresse“!“ Produziert wird die Seite von der DDV Mediengruppe („Sächsische Zeitung“, „Mopo24“ etc.). Verantwortlicher Redakteur ist der Chefredakteur der „Morgenpost Sachsen“ und „MOPO24.de“ Robert Kuhne.

4. Der Zusammenhang: Die Flüchtlingskrise
(krautreporter.de, Dominik Wurnig)
Weil seit mehr als einem Jahr die Flüchtlingsthematik die Berichterstattung in Deutschland bestimmen würde, hat Krautreporter Dominik Wurnig die 13 wichtigsten Fragen dazu aufgegriffen, erklärt und mit weiterführenden Links versehen. Wer zum Thema mitreden will: Kompakter und dennoch ausführlich kann man sich wohl keinen Überblick verschaffen.

5. Der Appell an die Ethik wird immer weniger gehört.
(planet-interview.de, Henry Steinhau)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) vertritt als Gewerkschaft 35.000 Mitglieder und ist damit die größte Journalisten-Organisation Europas. Seit 2015 leitet Frank Überall den Verband, in den 12 Jahren zuvor war dies Michael Konken. Im Interview mit „Planet Interview“ spricht der ehemalige DJV-Chef Konken über Trennungsgebote, den Umgang mit „Lügenpresse“-Vorwürfen, wirkungslose Rügen, Autorisierung und seine Idee einer Haushaltsabgabe für Printmedien.

6. Das perfekte Selfie – wo liegen die Grenzen?
(netzpiloten.de, Michael Weigold)
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Selfie“, samt geschichtlichem Abriss (erstes „Selfie“: 1839), unzähligen Links zum Weiterlesen und kulturpessimistischem Ende: „Letztendlich ziehen Selfies Aufmerksamkeit auf sich, was eine gute Sache zu sein scheint. Aber das tun Autounfälle auch. Die Bestätigung, die durch Likes und positive Kommentare in sozialen Medien entsteht, ist belohnend – besonders für die Einsamen, Isolierten und Unsicheren. Die Tatsachen weisen alles in allem (einschließlich der Tode von Menschen und Tieren!) darauf hin, dass es bei diesem Hype nur wenig zu verherrlichen gibt.“

TV-Ausschalter, Chat-Schrott, Nordkorea-Auszeit

1. Im Reich des Beleidigten
(taz.de, Çiğdem Akyol)
Die ehemalige „taz“-Redakteurin und Autorin einer Erdogan-Biographie Çiğdem Akyol hat sich in Istanbul mit einem türkischen Medienkritiker zum Gespräch getroffen. Gönenç Ünaldı ist studierter Medienwissenschaftler und betreibt auf Facebook die Seite „Istanbul Revolution“. Dort dokumentiert er nach seiner Arbeit auf Englisch den politisch-medialen Alltag in der Türkei. Bei seinen Kommentaren werde er nie beleidigend, er mache lediglich auf Artikel aufmerksam, die in der mittlerweile überwiegend staatstreuen türkischen Presse kaum noch zu finden sind. Mittlerweile folgen „Istanbul-Revolution“ auf Facebook mehr als 16.000 Menschen.

2. Medien: „Vom Thema Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist nur Gerede übriggeblieben“
(heise.de, Marcus Klöckner)
Im „Aufwachen-Podcast“ beschäftigt sich der Soziologe und ehemalige „FAZ“-Journalist Stefan Schulz zusammen mit Tilo Jung regelmäßig mit den Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen. Nun hat Schulz ein Buch mit dem Titel „Redaktionsschluss“ vorgelegt, in dem er sich intensiv mit der Berichterstattung in Deutschland und der Glaubwürdigkeitskrise der Medien auseinandersetzt. Interessant sei beispielsweise der Stellenwert der Nachrichten im ZDF. Dort hätte man ein News-Budget von 86 Millionen, was sich relativiere, wenn man hört, dass allein für die Champions League fünfzig Millionen Euro hingeblättert wurden. Sein Fazit und Ratschlag: Fernseher aus!

3. Analyse statt Erregung: Gestatten, Bernhard Pörksen
(dwdl.de, Hans Hoff)
DWDL-Kolumnist Hans Hoff mit einem Loblied auf einen professoralen Talkshowgast. Wenn Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen als Gast in Talkshows auftrete, solle man ihm unbedingt Gehör schenken. Ganz gleich, ob es um die Causa Böhmermann oder die Kölner Silvesternacht ginge. Wenn der Professor käme, werde es anstrengend, aber es lohne wegen des Erkenntnisgewinns. „Ich weiß nicht, wie es in Pörksens Seminaren zugeht, ob es da langweilig oder aufregend zugeht. Aber wenn sie nur halb so viel Erkenntnis beinhalten wie seine öffentlichen Wortmeldungen, würde ich gerne mal an einer solchen Veranstaltung teilnehmen.“

4. Hey, du Mensch!
(zeit.de, Eike Kühl)
Auf der diesjährigen Facebook-Entwicklerkonferenz F8 hat Facebook gezeigt, wie man sich die mobile Kommunikation der Zukunft vorstellt. Ein Element davon sind Chatbots, die im Messenger automatisiert in den Dialog mit Interessenten und Kunden eintreten sollen. Eike Kühl hat sich die auf künstlicher Intelligenz basierenden Programme angeschaut. Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Umgang mit den Bots jedoch noch frustrierend. Und: „Wieso sollte ich in einem kleinen Chatfenster im Messenger einkaufen, wenn es auf der Website mehr Informationen gibt? Was kann ein Bot wie Poncho mehr liefern als ein Wetter-Widget auf dem Smartphone? Die Antwort: Nicht viel, jedenfalls noch nicht.“

5. The CIA Is Investing in Firms That Mine Your Tweets and Instagram Photos
(theintercept.com, Lee Fang)
Vor zwei Jahren wurde die Nachrichten-Webseite „The Intercept“ gegründet. Sie wird von den US-amerikanischen Journalismus-Größen Laura Poitras, Glenn Greenwald und Jeremy Scahill betrieben, als Finanzier wirkt der ebay-Gründer Pierre Omidyar. Im Artikel beschreibt der Journalist Lee Fang wie der der Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten zielgerichtet in Technologiefirmen investiert, die Datamining betreiben, um z.B. Twitter und Instagram auszuwerten.

6. Post von Jan Böhmermann
(www.facebook.com, Jan Böhmermann)
Der Satiriker Jan Böhmermann verabschiedet sich auf Facebook von seinen Fans in eine Fernsehpause: „Daher verlasse ich jetzt erstmal das Land, lasse mir beim Twerk&Travel durch Nordkorea die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit nochmal genau erklären, bevor ich noch ein paar Tage mit meinem Segway auf dem Jakobsweg pilgere, um mich selbst zu finden.“

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