Archiv für 6 vor 9

Witwenschütteln, Computer Bild, Günther Oettinger

1. „Death knocks: the dark side of journalism“
(irishtimes.com, Anonymous, englisch)
Ein anonymer Autor erzählt von der im deutschen Sprachraum als Witwenschütteln bekannten Praxis des Belagerns von Angehörigen nach Unglücksfällen: „Welcome to the death knock, part of the secret life of a tabloid journalist. It’s a practice carried out by at least one Irish newspaper reporter every day of the week. After the death or serious injury of any Irish person, the same modus operandi applies in newsrooms across Dublin.“

2. „Bendgate: Computer Bild bekommt keine Testmuster mehr nach iPhone-6-Video“
(macnotes.de, Alexander Trust)
Alexander Trust kommentiert einen offenen Brief des Chefredakteurs von „Computer Bild“ an den CEO von Apple. Die Firma will der Zeitung künftig weder Testgeräte zur Verfügung stellen noch an offizielle Anlässe einladen.

3. „Das Geld reicht nicht für alle“
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Nick Lüthi rechnet aus, wie viel ein festangestellter NZZ-Redakteur schreiben müsste, wenn er mit Honoraren bezahlt würde, die freie Mitarbeiter im Feuilleton erhalten (116 Euro für 6000 Zeichen).

4. „‘Journalisten scheinen sich förmlich im Schützengraben einzubuddeln'“
(heise.de/tp, Marcus Klöckner)
Ein Interview mit Max Uthoff und Claus von Wagner von „Die Anstalt“. Uthoff: „Die Leser werden es sich nicht auf Dauer gefallen lassen, bei Kritik oder abweichenden Meinungen wahlweise ignoriert oder denunziert zu werden.“

5. „Die Hölle, das sind die anderen“
(sueddeutsche.de, Anant Agarwala)
Anant Agarwala berichtet vom „Kotzhügel“ am Oktoberfest: „Selfie-Jäger grasen den ganzen Hügel nach Beute ab, legen sich neben alles, was bewusstlos scheint, und grinsen in die Kamera.“

6. “ Günther Oettingers Netzkompetenz: Der Digitalkommissar und die Dummheit“
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Christian Stöcker befasst sich mit Aussagen des designierten EU-Kommissars für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger: „Oettingers Einlassung belegt nicht nur, dass er keine Ahnung von aktuellen Ereignissen und Zusammenhängen hat, die in den Kernbereich seines künftigen Ressorts fallen. Sie reflektiert auch eine Grundeinstellung, die sich in etwa so zusammenfassen ließe: Wer das Internet benutzt, ist selbst schuld.“

Bürgerlotto, Ukraine, Politically Incorrect

1. „Bürgerlotto statt Pöstchenschachern bei der Kontrolle des ZDF“
(heise.de/tp, Timo Rieg)
Zur Reduzierung des zu hohen Politik-Anteils im ZDF-Fernsehrat schlägt Timo Rieg das Losverfahren vor: „Lotterie ist wunderbar unbestechlich und damit brutalst gerecht. Ohne Ansehen der Person kann das Los jedem Bürger zufallen. Er muss nichts dafür tun und kann sich andererseits auch nicht darum bewerben. (…) Die Idee, Bürger als Stellvertreter auszulosen, ist so alt, so erprobt und so gut, dass nur mit erheblicher Arroganz ein Versuch für den Rundfunk abgelehnt werden kann.“

2. „Zwischenbilanz: Der Ukraine-Konflikt in der Tagesschau“
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Der Ukraine-Konflikt: ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke formuliert Selbstkritik („Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt“) und fragt, was in Zukunft besser gemacht werden kann („Wir sollten noch klarer offenlegen, wenn wir etwas nicht (!) wissen“).

3. „‘Die Säulen des Journalismus sind bedroht'“
(futurezone.at, Claudia Zettel)
Ein Interview mit Stefan Niggemeier. Über Bildblog.de sagt er: „Ich glaube, was handwerkliche Fehler angeht, haben wir – auch weil wir einfach genervt haben – durchaus etwas angestoßen. Aber ich fürchte, was das große Ganze, die gewollten Gemeinheiten und Verdrehungen betrifft, können wir nur darauf zielen, die Wahrnehmung der Bildzeitung zu verändern, nicht die Zeitung selbst. Wir wollen ein Ort sein für Menschen, die sagen, sie lehnen die Bild ab, aber nicht aus einem Vorurteil, sondern weil man es eben belegen kann.“

4. „Und täglich grüßt das Murmeltier…“
(outtheblueblog.wordpress.com, Hannah)
Die Bild.de-Schlagzeile „Nächster Klopp-Schock – Kehl fällt aus“: „Oh ja, ein Riesenschock! Wo Kehl doch schon seit dem Spiel gegen Arsenal, also seit dem 16.09., also seit 11 Tagen und zweieinhalb Spielen, verletzt ist und schon für die letzten beiden BuLi-Spiele ausgefallen war. Wer diese Überschrift liest, denkt doch automatisch an eine Verletzung im Training oder an ein Wiederaufbrechen der Verletzung, an irgendetwas, das jetzt gerade aktuell und akut passiert ist. Ähm, ne.“

5. „Extremistische National-Christen in Not“
(migazin.de, Abraham Goldstein)
Abraham Goldstein berichtet über die finanzielle Lage von „Politically Incorrect“.

6. „‘Wäre eigentlich Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen'“
(deutschlandfunk.de, Bettina Schmieding)
Warum ist der Undercover-Journalismus von Günter Wallraff mit „Team Wallraff“ bei RTL gelandet? „Ich bin auf die zugegangen, um eine jüngere Zuschauergruppe zu erreichen, die ich bei öffentlich-rechtlichen leider nicht erreiche. Und ich muss sagen, ich bin da offene Türen eingelaufen.“

Nacktbilder, Presseförderung, Amal Alamuddin

1. „mögliche folgen von blog-professionalisierung: haltungsschäden und merkbefreiung“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel denkt über Blogger nach, die gestohlene Nacktbilder von Prominenten bearbeitet veröffentlichen: „nach ein paar tagen des nachdenkens, halte ich es tatsächlich für möglich, dass manche blogger glauben, dass ein paar pinselstriche aus etwas verletzendem, übergriffigen und für die betreffenden extrem unangenehmen etwas schönes, angenehmes und wohliges machen könnten.“

2. „Den Medien die Totenglocke läuten“
(nzz.ch, Veit Dengler)
Veit Dengler, CEO der NZZ-Mediengruppe, wendet sich, „flankierende Massnahmen“ und „indirekte Förderung“ ausschließend, gegen staatliche Presseförderung: „Internet und Co. haben nicht nur die Zeitungen vor radikal neue Aufgaben und Probleme gestellt, sie sind dabei, unsere gesamte Gesellschaft, so gut wie alle Wirtschaftszweige, unser Wissen und unser Denken völlig umzukrempeln. Alle und alles muss die Herausforderungen der neuen Medien bewältigen, um bestehen zu können. Warum sollen gerade journalistische Medien in diesem Prozess staatlich gefördert werden? Warum nicht die Buchbinder, Strassenmusikanten oder Reisebüros?“

3. „Josef Joffe, Jochen Bittner ./. ZDF – Die Anstalt“
(heise.de/tp, Markus Kompa)
Markus Kompa besucht eine Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg: „Im Termin am Freitag hatten die Pressejuristen gewisse Probleme, die satirischen Äußerungen auszulegen. Satire ist als Unterfall der Meinungsfreiheit grundsätzlich von Meinungsfreiheit geschützt, wobei allerdings Lügen nicht durch taktische Formgebung von Satire ‘legalisiert’ werden können. Nach Ansicht des Bittner/Joffe-Anwalts handelte es sich um falsche Tatsachenbehauptungen.“ Siehe dazu auch „ZEIT-Journalisten verstehen keinen Spaß“ (kanzleikompa.de).

4. „Wie die taz durch die Medienkrise kommt“
(blogs.taz.de/hausblog, Karl-Heinz Ruch)
Karl-Heinz Ruch schreibt zur Krise der Zeitungen: „Die Erwartung, dass die Zukunft des Journalismus nicht mehr bei Print, sondern bei Online liegt, hat in vielen Redaktionen zu Verwerfungen geführt, die vor allem eines gezeigt haben: Es stehen viele Besitzstände auf dem Spiel. Inzwischen lichtet sich vielerorts der Nebel und es wächst die Erkenntnis, dass nicht die unterschiedlichen Publikationswege das Problem darstellen, sondern dass tradierte Geschäftsmodelle nicht mehr und neue Geschäftsmodelle noch nicht funktionieren.“

5. „Die fünf schrecklichsten Fakten über den Wissenschaftsjournalismus“
(scilogs.de, Markus Pössel)
Der Beitrag „Das sind die fünf faszinierendsten Fakten über unser Universum“ auf Focus.de.

6. „Internationally acclaimed barrister Amal Alamuddin marries an actor“
(thebusinesswomanmedia.com, Amanda Rose, englisch)

Netflix, Programmbeirat, Bilder

1. „22.9.2014: Verleihung der Staatspreise“
(wissenschaftsjournalisten.at)
Verena Ahne hält eine „Rede anlässlich der Verleihung des ‘Sonderpreises zur Unterstützung der wissenschaftsjournalistischen Vielfalt’“: „Für eine Doppelseite wie diese, die ich im Sommer geliefert habe, gibt es ein Honorar von 544 Euro und 32 Cent. Davon muss ich – neben Steuern und Abgaben – meine Bürokosten zahlen. ‘Unproduktive’ Zeiten abdecken wie Urlaub und Feiertage, Krankenstand und Arztbesuche. Auch die Zeiten, in denen ich nicht sitze und schreibe – und niemand sitzt die ganze Zeit und tippt Artikel. Es müssen neue Themen gesucht und Aufträge hereingebracht werden. Ich muss mit Redaktionen verhandeln. Administratives erledigen. Zu Veranstaltungen gehen. Kontakte pflegen. Usw, usf. All diese Dinge sollten in einem Honorar enthalten sein. Sind sie aber nicht. Denn dafür sind die schlicht zu niedrig. Es bräuchte mindestens 16 Ganzseiter wie die gezeigten pro Monat – und ohne Unterbrechung (geliefert) –, um auf das Einstiegsgehalt eines angestellten Journalisten zu kommen. Das ist schlicht nicht machbar.“

2. „Wir basteln uns eine ‘Stalin-Keule'“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Der Artikel „Putins langer Arm reicht bis in Gremien der ARD“ (welt.de, Ulrich Clauß): „So, so, der Programmbeirat der ARD arbeitet also subversiv und hat das Interesse die Ordnung Deutschlands zu stören – sicher im Auftrag Putins.“

3. “ … und man vergisst sie nie“
(sueddeutsche.de, Andrian Kreye)
Früher hatte die Macht der Bilder einen positiven Effekt, glaubt Andrian Kreye: „Es waren die Bilder der Massaker und Morde in Vietnam, welche die Amerikaner gegen den Krieg aufbrachten und Präsident Nixon zwangen, ihn zu beenden. Das aber hat sich gewandelt. Nun lösen die Bilder Kriege aus.“

4. „Durch Rundfunkgebühren finanziert, bei Netflix, Watchever und Amazon zu mieten“
(rheinauenschreiber.de, Sebastian Eckert)
Sebastian Eckert schreibt zu öffentlich-rechtlichen Inhalten im Angebot von Netflix oder Amazon Prime: „Hatten sich das unsere Politiker so vorgestellt, als sie das Privatfernsehen vor der bösen ‘Krake’ ÖR schützen wollten? Dass der Bürger jetzt neben den 18 Euro für die ÖR-Inhalte auch noch sieben bis zwölf Euro im Monat abdrückt, um bereits von Bürgergeld produzierten Content längerfristig mit weiterem Bürgergeld abzurufen?“

5. „Von Netflix den Spiegel vorgehalten“
(genrefilm.net, Mark Wachholz, 19. September)
Können deutsche Autoren die Qualität erreichen, die Netflix erwartet? „Selbst abseits von den täglichen Soap-Welten schreiben Serien-Autoren in Deutschland vor allem schematische Krimi-Episoden in Kreuzworträtsel-Dramaturgie, seichte Nonnen- und Krankenhaus-Banalitäten oder verschämt-lustige Alltagskomödien, die niemandem wehtun. Immer wieder fällt der Begriff der ‘Schere im Kopf’, die durch die Konditionierung ob solcher Anforderungen inzwischen so stark sei, dass man sie immer wieder aktiv in seinem Kopf entfernen muss, um auf internationalem Niveau zu denken.“

6. „Drei Brüste und der ARD-Programmbeirat“
(youtube.com, Video, 3:29 Minuten)

Informanten, NZZ, 1. FC Köln

1. „Mit Bedacht: Verantwortung von Auslandsreportern“
(ndr.de, Video, 7 Minuten)
Welche Verantwortung Reporter für ihre Informanten tragen. Erwähnt im Bericht werden auch zwei Reporter der „Bild am Sonntag“, die 2012 in Iran unterwegs waren (ab 2:45 Minuten).

2. „Ein Schulterklopfen für den Ich-Journalismus“
(buchalsmagazin.tumblr.com, pw)
Im Gegensatz zu Michael Sontheimer in der „taz“ kann pw dem Ich-Journalismus etwas abgewinnen. Die Leser hätten, „zumindest nach meiner Erfahrung, Lust darauf, ihr Leben mit anderen abzugleichen und zu sehen, wo sie selbst stehen.“

3. „Warum Choreos nichts mit Prügeleien zu tun haben“
(effzeh.com, David Schmitz)
Fußball: Eine beim Bundesliga-Spiel 1. FC Köln gegen Borussia Möchengladbach gezeigte Riesenflagge lässt Bild.de fragen: „Warum hat der FC das nicht verhindert?“. David Schmitz bemerkt dazu: „Es ist also so, dass der Verein in Zukunft besser jedes Motiv, das auch nur halbwegs provokant ist, unterbinden sollte, damit im Stadion keine Ausschreitungen stattfinden können, die ja aber gar nicht stattgefunden haben. Einleuchtend.“

4. „Wie die neue NZZ aussehen soll“
(watson.ch, Maurice Thiriet)
Maurice Thiriet liegt die Nullnummer einer neuen „Neuen Zürcher Zeitung“ vor: „NZZ-Sprecherin Bettina Schibli betont, dass es sich bei der watson vorliegenden Nullnummer ‘um eine von mehreren in der Marktforschung qualitativ und quantitativ beurteilten Testversionen’ handle, die seither aufgrund des Feedbacks aus der Marktforschung weiter verändert worden seien.“

5. „Wolle hat die Faxen dicke“
(taz.de, Mark-Stefan Tietze)
Mark-Stefan Tietze schreibt in der Rubrik „Die Wahrheit“ über die aktuellen Querelen beim „Spiegel“.

6. „Das große LVZ-Online-Kommentare-BULLSHIT-BINGO“
(facebook.com/lvzonline)

Nabelschau, Nordkurier, Jugend-TV

1. „Im Zeitalter der Selbststilisierung“
(taz.de, Michael Sontheimer)
Statt zu recherchieren, würden Journalisten immer häufiger Nabelschau betreiben, kritisiert Michael Sontheimer: „Wenn inzwischen die Journalistengeneration der Selfies glaubt, das Persönliche sei qua naturam politisch, auch wenn es nicht politisch gedacht und auf das Politische projiziert wird, ist das ein fataler Fehler. Zudem verwechseln die meisten Ich-Erzähler das Persönliche mit dem Privaten.“

2. „Zwei bekannte ZEIT-Journalisten und ihr Kampf gegen die Pressefreiheit“
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Vor dem Landgericht Hamburg streiten zwei „Zeit“-Journalisten und das ZDF über Aussagen, die in der Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ über diese Journalisten gemacht wurde. Als Reaktion auf den Beitrag von Thomas Stadler schreibt Jochen Bittner, weshalb er sich gezwungen sah, gegen „die weitere Verbreitung dieser falschen Tatsachenbehauptungen“ vorzugehen.

3. „Endstation Winzerfest“
(juliane-wiedemeier.de)
Juliane Wiedemeier glaubt, dass konservative Lokalzeitungsmacher eine grössere Gefahr für die Lokalzeitung sind als das Internet: „Wer wissen will, was am Ort los ist, kommt auch 2014 an der Lokalzeitung nicht vorbei. Welche jedoch inhaltlich noch im Jahr 1981 hängt – in Zeiten, als Vereine über ihre Jahreshauptversammlungen noch nicht auf ihrer Internetseite berichten konnten und Menschen ihre tägliche Mediennutzungszeit auf eine ausgedruckte Zeitung und drei Fernsehprogramme verteilten.“

4. „Warum der Nordkurier lieber die Fakten nennt“
(nordkurier.de, Jürgen Mladek)
Gregor Kochhan wirft dem „Nordkurier“ vor, es mit dem Pressekodex nicht so genau zu nehmen und liefert konkrete Verbesserungsvorschläge. Der „Nordkurier“ hält dagegen: „Durch Verschweigen erzeugt man Unsicherheit und letztlich Angst. Was sollen die Menschen denn denken, wenn öfter Polizeiautos vorm Asylbewerberheim halten und nichts davon in der Zeitung steht? Das schürt Gerüchte und Stimmungen. Wir setzen Fakten dagegen.“

5. „Panik im Mittelstand oder: Wohin driftet der Journalismus?“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal schreibt zur Publizistik der Zukunft: „Wer heute immer noch Journalist werden will (und das wollen erstaunlicherweise immer noch viele), wird künftig davon ausgehen können, entweder über Gebühren und Steuern finanziert zu werden oder von Stiftungen, Internet-Plattformen oder Crowdfunding zu leben. Der Journalist der Zukunft wird so im weitesten Sinne dem Öffentlichen Dienst angehören und als Vermittler von Informationen um größtmögliche Neutralität, Ausgewogenheit und Distanz bemüht sein. Oder er wird im Sinne der ihn beauftragenden ‘Gemeinde’ ganz bestimmte Ziele verfolgen und eine neue Form des Partei- und PR-Journalismus etablieren.“

6. „Aufgedeckt: So funktioniert der Zitationszirkel von Jugend-TV“
(blog.gwup.net, Bernd Harder)

Cahoots, Markus Schächter, Sun

1. „cahoots, Atlantikbrücke und Gesinnungsschnüffelei“
(get.torial.com, Laura Meschede)
Laura Meschede stellt das Browser-Add-On Cahoots (Firefox / Chrome) vor: „Einmal installiert, zeigt einem das Addon Verbindungen von Journalisten in Politik und Wirtschaft an.“ Siehe dazu auch „Unter einer Decke“ (taz.de, Laura Meschede).

2. „Frankreichs Medien hängen am Tropf des Staates“
(welt.de, Adrian Lobe)
Presseförderung in Frankreich: „Jahr für Jahr subventioniert der französische Staat die Presse mit 400 Millionen Euro. Und das, obwohl die öffentlichen Kassen leer sind.“

3. „Ex-ZDF-Chef verfängt sich in Freunderlwirtschaft“
(handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar)
Markus Schächter, der zu ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz „ein enges Verhältnis“ aufweise, bescheinigt dem ORF ein überzeugendes Gesamtprogramm: „Ausgerechnet der ehemalige ZDF-Intendant wurde vom ORF als angeblich unabhängiger und unvoreingenommener Sachverständiger beauftragt, die Programmqualität zu prüfen und dem Aufsichtsgremium, in Österreich Stiftungsrat genannt, anschließend darüber Rechenschaft abzulegen.“

4. „The Sun rips off website exclusive without seeking permission“
(theguardian.com, Roy Greenslade, englisch)
Eine „Sun“-Titelgeschichte unter der Schlagzeile „Inside Islamic State Terror Camps“: „But the paper did not break the story. The whole article, including verbatim quotes, was ‘borrowed’ from a Swedish-based website without attribution.“

5. „Plappern gehört zum Handwerk“
(persoenlich.com, René Zeyer)
René Zeyer kritisiert die journalistische Qualität im „Sonntagsblick“.

6. „Die Mensa ist zu klein, aber gross genug“
(blog.zhdk.ch/toniblog, Kathrin Passig)
Kathrin Passig zählt nach, ob die neue Mensa im Zürcher Toni-Areal tatsächlich „viel zu klein“ ist, wie der „Tages-Anzeiger“ schreibt.

Wissenschaftsjournalismus, Carola Hein, Felix Magath

1. „Wissenschaftsjournalismus als Herausforderung“
(blogs.faz.net/planckton, Sibylle Anderl)
Der Wissenschaftsjournalismus steht vor einer kaum noch zu überschaubaren Flut von wissenschaftlichen Publikationen: „Während noch vor gar nicht allzu langer Zeit einfach wissenschaftsjournalistisch aufbereitet werden konnte, was in den namhaften Journals veröffentlicht wurde, muss heute radikal ausgewählt werden, da die Anzahl von Veröffentlichungen für die Eins-zu-eins-Berichterstattung zu groß geworden ist. Das Fundament einer solchen Auswahl kann schwerlich anderes als ein fundiertes wissenschaftliches Fachwissen sein. Sofern das bei Wissenschaftsjournalisten nicht mehr vorliegt, müssen aber andere Strategien gefunden werden.“

2. „CDU im Büro, AfD zuhaus“
(taz.de, Jens Twiehaus)
Carola Hein ist Lokaljournalistin bei der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ – und in einer Beziehung mit dem Politiker Alexander Gauland: „Knapp zwei Wochen vor der Brandenburger Landtagswahl porträtierte sie die CDU-Kandidatin Saskia Ludwig für ihre Zeitung. Und fuhr dann abends nach Hause in die Berliner Vorstadt von Potsdam, um dort AfD-E-Mails für ihren Lebensgefährten Alexander Gauland zu tippen.“

3. „Karl Sackreis berichtet! Ein Plädoyer für glaubwürdigere Branchendienste“
(lousypennies.de, Christian Schweppe)
„Welcher Nachrichtenfaktor trifft eigentlich auf die Präsentation des neuen Produktes eines US-Konzerns zu?“, fragt Christian Schweppe zu den vielen Neuigkeiten, die Journalisten über Produkte von Apple und Netflix verbreiten. Siehe dazu auch „Kommentar: Wenn Online-Journalismus kein Journalismus mehr ist“ (macnotes.de, Alexander Trust).

4. „Kommentare im Internet: ‘Du bist so hässlich, geh sterben'“
(spiegel.de, Björn Stephan)
Ein Interview mit Kathrin Weßling, die Onlinekommentare sammelt und vorliest: „Die Tendenz ist, dass Frauen für ihr Aussehen, ihre Sexualität beleidigt werden. Dann heißt es: Diese Frau müsste mal wieder ‘richtig durchgenommen’ werden. Oder: Diese Frau hat ein psychisches Problem. Männern hingegen wird oft Inkompetenz vorgeworfen, Unwissen, schlechte Recherche oder Arroganz. Ich habe bei einem Mann noch nie einen Kommentar gelesen wie: Du bist so hässlich, geh sterben.“

5. „‘Die BBC war die größte Enttäuschung'“
(deutschlandradiokultur.de, Korbinian Frenzel)
Wolfgang Blau spricht rückblickend über die Snowden-Leaks-Veröffentlichungen des „Guardian“.

6. „Beim FC Fulham entlassener Felix Magath schaltet Anwalt ein“
(tagesspiegel.de)
Britische Medien berichten, Felix Magath habe die Oberschenkelverletzung eines Spielers „mit einem Stück Käse behandeln lassen, statt den Reha-Plan des Mannschaftsarztes zu befolgen“. Ausserdem rufe er „Spieler in sein Büro und starre sie minutenlang an, um zu sehen, ob sie blinzeln“.

Longform, Economist, Betrug

1. „Lügen & Betrügen“
(3sat.de, Video, 43:52 Minuten)
Wie Schüler, Studenten und Wissenschaftler abschreiben, manipulieren, lügen und betrügen.

2. „Bild dir keine Meinung“
(taz.de, Meike Laaf)
Alexander Blum von „Bild am Sonntag“ lässt bei Google Suchergebnisse zu vier Bildblog-Beiträgen, in denen sein Name vorkommt, löschen (BILDblog berichtete): „Er selbst äußerte sich dazu nicht, doch die Pressestelle des Axel-Springer-Verlags bestätigte der taz auf Anfrage, dass Blum ‘die Löschung eigeninitiativ beantragt’ habe, und fügte hinzu: ‘Eine Rücksprache mit der Redaktion hat es nicht gegeben.'“

3. „Die Mär vom guten Online-Journalismus“
(robotergesetze.com, Boris Hänßler)
Der Longform-Journalismus werde zukünftig nur noch ein Publikum finden, „das sein Gehirn durch regelmäßige, lange Lesephasen trainiert, bewusst oder unbewusst“, glaubt Boris Hänßler: „Um die große Masse zu erreichen, braucht der Online-Journalismus dann eine andere Lösung, die es noch nicht gibt. Und wie das mit Ideen so ist: Sie kommen nicht, in dem wir sie herbei reden – sie kommen irgendwann von alleine.“

4. „Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik“
(heise.de/tp, Malte Daniljuk)
Malte Daniljuk stellt ein Protokoll des ARD-Programmbeirats vor, das sich mit der ARD-Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt auseinandersetzt: „Besonders negativ seien die Weltspiegel-Ausgaben des Bayrischen Rundfunks mit einer ‘einseitigen, fast schon an die Sprache des Kalten Krieges gemahnenden Moderation’ sowie der ‘Bericht aus Berlin’ hervorgestochen.“

5. „Kein Mädchenhändler, kein Lobbyist“
(blogs.stern.de, Hans-Martin Tillack)
Hans-Martin Tillack schreibt über Ex-„Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje: „Er darf öfters auf Seite 2 des Boulevardblattes mit einem ‘Bild-Kommentar’ auftreten. Die Zeitung erwähnt dabei nie, dass der 65-Jährige im Hauptberuf als Berater für zahlende Kunden unterwegs ist. Auch unter seinem Pro-Steinbrück-Kommentar fehlte jeder Hinweis auf eine Doppelrolle des gelernten Journalisten.“

6. „With New Ad Measure, The Economist Emphasizes Quality Over Quantity“
(blogs.wsj.com/cmo, Suzanne Vranica, englisch)
Der „Economist“ erweitert die Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit des Publikums zu messen. „Some experts argue that if there was more focus on the time readers spend with stories and ads, publishers would invest in more compelling content and maybe rely less on lighter content that is designed to get people to click through or share.“

Autorisierung, SEO, Salafisten

1. „Der Fotograf als Pädokrimineller“
(rheker.wordpress.com)
Sascha Rheker macht sich Gedanken über einen Gesetzentwurf, der „die unbefugte Herstellung oder Verbreitung“ von Fotos, auf denen nackte Kinder oder Jugendliche zu sehen sind, unter Strafe stellen will. „Wer das Urlaubsfoto eines Familienvaters oder ein anderes harmloses Kinderbild, wie einen Anne Geddes Bildband, über die Konstruktion ‘unbefugt’ auf eine Stufe mit dem, was man landläufig Kinderpornographie nennt stellt, der verharmlost letzteres und der verharmlost das, was Kindern da bei der Produktion dieser Bilder an Mißbrauch zustößt.“ Siehe dazu auch „Ermittlungstatbestand: Kinderfotos“ (notes.computernotizen.de, Torsten).

2. „Genug gekuschelt! Warum die Autorisierungspraxis deutschen Medien schadet“
(meedia.de, Peter Littger)
Peter Littger glaubt, die Autorisierung von Texten schade dem Journalismus in Deutschland: „Während Briten meistens so genannte durchgeschriebene Texte verfassen, in denen sie einzelne Zitate aus den Gesprächen nutzen, aber darüber hinaus auch andere Stimmen zu Wort kommen lassen und das Gespräch insgesamt journalistisch einordnen, ziehen deutsche Journalisten sehr häufig die Form des Wortlautinterviews vor. Damit entziehen sie sich jeder journalistischen Einordnung, was man objektiv finden mag, was aber vor allem einfach und bequem ist.“

3. „Wie ‘CHIP Online’ künftig die Lotto-Zahlen vorhersagt. Oder: Warum SEO mächtig nervt“
(basicthinking.de, Tobias Gillen)
Chip.de veröffentlichte am 15. September einen Text über ein Ereignis, vom dem wahrscheinlich war, dass es am 17. September eintreffen wird.

4. „‘Ich bin ein Korinthenkacker-Typ'“
(cicero.de, Merle Schmalenbach)
Merle Schmalenbach trifft Postillon-Gründer Stefan Sichermann in Fürth: „Sein Erfolg zeigt, dass man im Internet mit Beharrlichkeit sehr weit kommen kann.“

5. „Mehr Journalismus waltern“
(schaechtele.tumblr.com)
Kai Schächtele schreibt über die Krise der Zeitungen: „Die Selbständigen haben längst verinnerlicht, dass sie Risiken eingehen müssen, um voranzukommen. Es ist höchste Zeit, dass dieses Bewusstsein auch unter den Festangestellten ankommt. Zu ihrem eigenen Wohl.“

6. „Muslimin über Salafisten in Deutschland: ‘Herr Augstein, Sie irren'“
(spiegel.de, Sounia Siahi)
Sounia Siahi antwortet auf eine Kolumne von Jakob Augstein: „Herr Augstein, ich will mich hier in meinem deutschen Zuhause nicht wie in einem arabischen Land bewegen müssen. Ich fühle mich hier frei, beschützt und in jeder Hinsicht gesegnet. Und dieses Gefühl möchte ich mir um nichts in der Welt nehmen lassen. Wenn der deutsche Staat dafür tut, was er tun muss, kann ich es verstehen.“

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