Archiv für 6 vor 9

Blockende Behörden, schlechte Schlagzeilen, Tweets aus dem Krieg

1. „Informationsfreiheits-Behinderung des Tages“
(netzpolitik.org, Andre Meister)
Eine europäische Studie hat Internet-Providern massenhafte Verletzungen der Netzneutralität vorgeworfen. Daraufhin stellte „Netzpolitik.org“ vor über einem Jahr eine Anfrage nach Informationsfreiheitsgesetz, um die Antworten der deutschen Anbieter einsehen zu können. Nach langer Verzögerung gibt es nun eine Rückmeldung – doch die Freude hält sich in Grenzen: „Wir dürfen Akten einsehen: geschwärzt – und nur in Bonn.“ Und bei einer anderen IFG-Anfrage blockt das Justizministerium: „Informationsfreiheits-Ablehnung des Tages“

2. „Die besten Fragen zu ‘Deutschlands Beste!’“
(ndr.de, Boris Rosenkranz)
Das Zapp-Blog „Zappenduster“ versucht weiter, Licht ins Dunkel der Ranking-Manipulation bei der ZDF-Show „Deutschlands Beste!“ zu bringen. Nachdem er erst seine Recherche protokolliert und sich dann der Ignoranz der „Hörzu“ gewidmet hat, nimmt Boris Rosenkranz jetzt die Rolle der Produktionsfirma ins Visier. Und das ZDF? „Zu den Darstellungen [...] gibt das ZDF keine Auskunft.“

3. „Die Schweizer lassen sich bislang wie Schäfchen ausnehmen“
(persoenlich.com, Lukas Meyer)
Der Journalist Hannes Grassegger hält Daten für den wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Dennoch würden Medien die Digitalisierung noch stiefmütterlich behandeln, Netzthemen „in irgendwelche Nischenregionen abschieben“ und das kommerzielle Potential ignorieren: „Die Verleger kapieren nicht, dass sie in dieser neuen Ökonomie auf dem wahren Kapital sitzen, nämlich den Kundenlisten und dem Wissen über die Präferenzen der Kunden.“

4. „Schlechte Schlagzeilen (2): ‘Voyager 1 noch in der Milchstraße?’“
(scienceblogs.de, Florian Freistetter)
Der Astronom Florian Freistetter wundert sich über einen Artikel im Wissenschaftsressort der FAZ: „Das wäre so, als würde ein Politik-Redakteur Deutschland mit Europa verwechseln oder die Sportredaktion den FC Schalke mit dem Nationalteam.“

5. „Tweeting From A Conflict Zone: Does It Help Or Hurt News Reporting?“
(npr.org, englisch)
Auf Facebook machen Bilder von MH17 die Runde, der Konflikt zwischen Israel und Palästina wird auch in den sozialen Medien ausgefochten, Kriegsreporter twittern live aus der Kampfzone. Die Nahost-Korrespondentin der „New York Times“ und der Emergency Director von „Human Rights Watch“ sprechen darüber, welchen Einfluss Social Media auf die Krisen-Berichterstattung haben.

6. „Unbescholten überwacht – im Visier des Verfassungsschutzes“
(verfassung-schuetzen.de, Video, 3:53 Minuten)
Ronny Blaschke ist Sportjournalist.  Außerdem heißt er so ähnlich wie Ronald Blaschke, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Katja Kipping. Letzteres hat den Verfassungsschutz veranlasst, ihn ins Visier zu nehmen. Bis sich kurz darauf herausstellte, dass es doch nur eine Verwechslung war. In der Videoreihe „unbescholten überwacht“ erzählt (Ronny) Blaschke jetzt von seinen Erfahrungen.

Gegendarstellung, Zeitungssterben, BILDblog-Kritik

1. „Gegendarstellung zu ‘Großteil der Medien berichtet voreingenommen’“
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Die Welt zitiert den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch mit der These, dass propagandistisch gegen Israel ausgerichtete Überschriften ein Auslöser für antijüdische Aggression auf deutschen Straßen seien. Dessen Reaktion: „Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von diesen mir fälschlicherweise zugeschriebenen Aussagen. [Diese Behauptung] entspricht weder meiner Meinung, noch lässt [sie] sich in irgendeiner Form aus meinen Analysen schließen.“
Update: Die Welt hat in der heutigen Printausgabe eine „Klarstellung“ veröffentlicht, die Anatol Stefanowitsch als seine „persönliche ‘Nichtschuldigung’ des Jahres“ bezeichnet.

2. „Müssen die Zeitungen wirklich sterben?“
(wdr5.de, Gisa Funck)
Die Tageszeitungen werden sterben, und das Internet ist schuld daran. Wirklich? Eine Studie des Medienforschers Andreas Vogel sagt etwas anderes: Die Zeitungskrise gebe es schon länger als das Internet, der Rückgang der Auflage sei weitestgehend selbstverschuldet. Anschauliche Grafiken aus der Studie finden sich im Blog von Katharina Brunner, bei kress spricht Vogel über Rückschlüsse aus seiner Forschung.

3. „Was, du bist Zigeunerin?“
(taz.de, Dunja Ramadan)
In ungarischen Medien tauchen Roma fast nur als „Kriminelle“ auf. Krisztina Balogh, halb Romni, halb Ungarin, möchte Journalistin werden, um genau das zu ändern. Vorurteile gegenüber Sinti und Roma gibt es aber nicht nur in Ungarn: Der Mediendienst Integration und die taz berichten über eine Studie zum „Antiziganismus in der deutschen Öffentlichkeit“.

4. „Offtopic: Was BILDblog nicht zeigt (Update)“
(stigma-videospiele.de)
Ein Leser teilt dem BILDblog regelmäßig „sachdienliche Hinweise“ mit - doch seine Mails bleiben unbeantwortet und finden keine Erwähnung im Blog. Warum aus den Links keine BILDblog-Artikel geworden sind, hat Mats Schönauer zu erklären versucht; Auszüge des Mailwechsels finden sich im Update unter dem Text.

5. „Nachrichtenagentur AP schockiert mit missverständlichem Tweet“
(tagesspiegel.de, Markus Hesselmann)
„BREAKING: Dutch military plane carrying bodies from Malaysia Airlines Flight 17 crash lands in Eindhoven.“ Ein schlampig formulierter Tweet der Nachrichtenagentur AP macht aus einem Nebensatz eine Bruchlandung und sorgt für Entsetzen auf Twitter.

6. „The challenge of Covering Gaza at War“
(martin-lejeune.tumblr.com, englisch)
„On the other side of the revolving steel door I met a correspondent returning from Gaza to Israel, looking at me and saying: ‘Welcome to Hell.’“ Martin Lejeune versucht, nach Gaza einzureisen und dokumentiert, wie schwer es für Journalisten ist, vor Ort über den Nahost-Konflikt zu berichten.

Shitstorms, Spiegel, Stellenkürzungen

1. „Über falsches Shitstormmanagement und Skandale zweiter Ordnung“
(leitmedium.de, Caspar Mierau)
Gestern ging es an gleicher Stelle um eine Karikatur in der FAZ, die viele Leser als rassistisch kritisiert haben. Heute schreibt Caspar Mierau über die seiner Meinung nach falsche Reaktion: „[Mit den Rechtfertigungsversuchen] macht das Shitstorm-Management einen fatalen und häufig gesehen Fehler: Es produziert einen Skandal zweiter Ordnung.“ Auch Anne Fromm bezeichnet die FAZ in der taz als „kritikresistent wie eine Teflon-Pfanne“.

2. „Wulff-Interview stammte aus der Konserve“
(berliner-zeitung.de, Ulrike Simon)
Die Medienschelte von Christian Wulff im „Spiegel“ ist bereits sechs Wochen alt. Außerdem wurde das Interview nicht von den Redakteuren geführt, die in der Vergangenheit über Wulff geschrieben hatten, da Chefredakteur Wolfgang Büchner eine vergiftete Gesprächsatmosphäre befürchtete. Große Teile der Redaktion kritisieren Büchner nun dafür, „vor Wulff den Kotau zu machen“.

3. „Why show dead people in the news?“
(fabianmohr.de, englisch)
Manche Fotos, die vor 50 Jahren noch einen Pulitzer-Preis bekommen haben, würden heute nicht mehr gedruckt werden; zu schonungslos stellen sie Tod und Gewalt dar. Fabian Mohr macht einen Vorschlag, woran sich Redakteure bei dieser schwierigen Abwägung orientieren sollten. Zum selben Thema: Margaret Sullivan rechtfertigt das umstrittene Titelbild der „New York Times“. Und Reto Camenisch wirft einem Magnum-Fotografen „pornografische Distanzlosigkeit“, einen „moralischen Totalabsturz“ vor.

4. „Zur Schau gestellte Absturzopfer“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Über pietätlose Fotos ärgert sich auch Rainer Stadler. Der „Blick am Abend“ hat auf seiner Titelseite die Portraits von zwölf Kindern abgedruckt, die in der MH17 ums Leben kamen. Diese Bilder stammten von Facebook, wo sie laut Chefredakteur öffentlich zugänglich waren. „Der Presserat würde ihm wohl deswegen die Ohren lang ziehen“, meint Stadler.

5. „Ab und zu kommt mal ein Praktikant“
(kreuzer-leipzig.de, Juliane Streich)
Modern, zukunftsfähig und für ihre Leser attraktiv“, so möchte Madsack die „Leipziger Volkszeitung“ positionieren – indem bei der einzigen Tageszeitung der Stadt 36 Mitarbeiter entlassen werden.

6. „Our 25 Favorite Unlocked New Yorker Articles“
(longform.org, englisch)
Der „New Yorker“ hat alle Artikel seit 2007 und viele ausgewählte Fundstücke aus den Archiven kostenlos veröffentlicht – für drei Monate, dann verschwindet die gesamte Webseite hinter einer „metered Paywall“. Neben den 25 Lesetipps von Longform empfehlen auch Slate und der Business Insider Recherchen und Reportagen, die man bis dahin gelesen oder zumindest abgespeichert haben sollte.

Israel, Rassismus-Diskussionen, Tracking-Cookies

1. „Ruhe – wir schießen“
(deutschlandfunk.de, Bettina Marx)
Längst findet der Nahostkonflikt seine Fortsetzung in den Medien (nytimes.com). Doch die Frontlinien verlaufen auch innerhalb Israels: Seitdem der israelische Journalist Gideon Levy die Piloten der Luftwaffe für ihre Einsätze über dem Gazastreifen kritisiert hat, gilt er vielen Kollegen als Nestbeschmutzer und fragt: „Es gibt einen solchen starken und einheitlichen Chor in den Medien, warum stört euch eine einzige Stimme, ein bloßes Echo, das davon abweicht?“

2. „Leistungsschutzrecht: Google soll zahlen, Facebook nicht“
(netzpiloten.de, Jakob Steinschaden)
Suchmaschinen wie Google benutzen Snippets, um die Inhalte von Verlagen darzustellen. Für die Nutzung dieser Textauszüge fordert die VG Media bis zu elf Prozent Umsatzbeteiligung. Doch gleichzeitig publizieren dieselben Medien vergleichbare Teaser freiwillig und kostenlos bei Facebook und Twitter.

3. „FAZ: Mit Voodoo gegen Ärztemangel“
(trollbar.de, Ali Himpenmacher)
Viele Leserinnen und Leser empfinden eine Karikatur der FAZ als rassistisch. Die Social-Media-Redakteurin (140z.de) stellt sich auf Twitter der Diskussion.

4. „Meet the Online Tracking Device That is Virtually Impossible to Block“
(propublica.org, Julia Angwin, englisch)
Mit „canvas fingerprinting“ erreichen Tracking-Cookies eine neue Dimension: Jedem Browser wird ein einzigartiger digitaler Fingerabdruck zugeordnet, der die Nutzer „von WhiteHouse.gov bis YouPorn“ verfolgt und sich mit nicht mit herkömmlichen Adblockern oder Anti-Tracking-Tools blockieren lässt.

5. „Schneller und schlauer als alle Experten“
(tagesanzeiger.ch, Julian Schmidli)
Der Brite Eliot Higgins „hat die Energie eines Besessenen und die Spitzfindigkeit eines Finanzprüfers.“ Täglich analysiert er 300 Videos aus Syrien und wurde so zu einem „unverzichtbaren Analysten des Krieges“ (New Yorker). Jetzt hat er eine Rechercheplattform für investigative Bürgerjournalisten gegründet und sammelt dafür Geld auf Kickstarter.

6. „Die Wahrheit über Flug MH17″
(taz.de, Deniz Yücel)
Angeblich wurde MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen. Doch Deniz Yücel kennt die wahren Schuldigen – von Israel über die NSA bis zur Homolobby. Weniger satirisch zum selben Thema: Tobias Riegel (neues-deutschland.de).

Afghanistan, Jogi Löw, Christian Wulff

1. „Angeschwärzt“
(vonwurmbseibel.com)
Ronja von Wurmb-Seibel lebt als freie Journalistin in Kabul. In deutschen Zeitungen entdeckt sie regelmäßig Artikel über Afghanistan, die mit der Realität vor Ort nur wenig zu tun haben. Deshalb greift sie zum Edding, schwärzt Falschinformationen in den Texten und kündigt an: „Der nächste Autor, der von weit weg Scheiße über Kabul schreibt, wird von mir eine Nachricht bekommen. Sie wird schwarz sein, und bedrohlich, und nur zwei Worte werden zu erkennen sein: LOOK! LISTEN!“

2. „Das verbotene Zitat von Jogi Löw“
(schweizamsonntag.ch, Patrik Müller)
Am 29. März ruft der Pressesprecher der deutschen Fußballnationalmannschaft beim Chefredakteur der Schweiz am Sonntag an: „Wenn Sie diesen Satz im Interview drin lassen, dann brauchen wir gar nicht erst nach Brasilien fahren!“ Es geht um ein Zitat, in dem Joachim Löw seinen Rücktritt nach der WM andeutet; das Interview erscheint letztendlich ohne die pikante Aussage. Doch nach dem Weltmeistertitel findet Patrik Müller: „Jetzt darf das verbotene Zitat raus.“

3. „Damals, als FAZ-Autoren noch jung waren…“
(schmalenstroer.net)
Die FAZ hat einen Weckruf für die aktuelle Studentengeneration verfasst, wünscht sich mehr Selbständigkeit und weniger Konformität und „verbreitet so viel Blödsinn, dass man einfach mal genauer hinschauen muss.“ Meint jedenfalls Michael Schmalenstroer und kommt zum Schluss: „Heute ist vieles anders, als damals, als die FAZ-Autoren und ihre Leser jung waren.“ Widerspruch kommt auch von Katharina Nocun (lang und kämpferisch) und Christian Simon (kurz und polemisch). 

4. „Die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziationen“
(danisch.de)
Christian Wulff teilt in einem Interview im Spiegel (Vorabmeldung) gegen Journalisten aus und wirft den Medien vor, ihn aus dem Amt geschrieben zu haben. Das nimmt Hadmut Danisch zum Anlass für eine Generalabrechnung: „Unsere Presse ist unglaublich schlecht geworden. Längst erfüllt sie ihre Aufgaben nicht mehr, und richtet mittlerweile in vielen Bereichen mehr Schaden als Nutzen an.“

5. „Blogs und ihre Macher: Supermarktblog“
(br.de, Daniel Bouhs)
„Wenn ich Reisen mache, bezahl ich die selber, wenn ich Unterkünfte bezahlen muss, bezahl ich die selber und [...] ich schreib natürlich auch mal positiv über Unternehmen, [...] aber nicht, weil ich dafür bezahlt wurde.“ Das sagt Peer Schader, Erfinder und Betreiber des Supermarktblogs. Das Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks stellt ihn und seine Arbeit in 3:21 Minuten vor.

6. „Blognetz Visualisierungen Juli 2014″
(2-blog.net, Luca Hammer)
Das #blognetz (FAQ) visualisiert die Facebook-Verbindungen zwischen rund 3000 angemeldeten Bloggerinnen und Bloggern. So werden die Netzwerke und Filterblasen sichtbar, die sich im deutschsprachigen Raum gebildet haben.

Udo van Kampen, Edward Snowden, Wikipedia

1. „Zwischen Nähe und Distanz“
(sueddeutsche.de, Thorsten Denkler)
Thorsten Denkler schreibt zum „Happy Birthday“, das der Leiter des ZDF-Studios Brüssel, Udo van Kampen, während einer Pressekonferenz für Angela Merkel gesungen hatte: „Journalisten machen so etwas nicht. Sie sind Beobachter, keine Teilnehmer. Sie klatschen nicht, wenn ein Politiker eine besonders gute Rede hält. Sie jubeln nicht, wenn die Partei, die sie am Nachmittag gewählt haben, ein besonders gutes Ergebnis einfährt.“

2. „Hätte er doch besser nur berichtet“
(taz.de, Erik Peter)
Über „Journalisten-Darsteller wie van Kampen“ könne sich Angela Merkel nur freuen, glaubt Erik Peter: „Wo Medienvertreter sich den Mächtigen derart an den Hals werfen, droht keine Gefahr. Van Kampen kann als Teil eines Systems gelten, in dem Klüngelrunden, persönliche Seilschaften und Tauschgeschäfte von Informationen gegen wohlgesinnte Berichterstattung das Verhältnis von Politik und Medien durchziehen. Dabei gilt: Je mächtiger und größer das jeweilige Medium, desto enger die Bindungen.“

3. „Essay: Hey, Publishers: Stop fooling us, and yourselves“
(poynter.org, David Boardman, englisch)
David Boardman denkt nach über das Zeitungsgeschäft: „Let’s get real. The seven-day-a-week printed newspaper – particularly in metropolitan areas – is terminally ill. Working to sustain it is not only futile, but ultimately destructive to the very values its champions espouse. (…) So, I say to publishers: Invest in a superb, in-depth, last-all-week Sunday (or better yet, Saturday) paper, a publication so big and rich and engaging that readers will devour it piece by piece over many days, and pay a good price for that pleasure.“

4. „Sollen Journalisten Autos testen?“
(mojomag.de, Clemens Gleich)
Die Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten: „Für die Autobild ist ‘Journalist’ ein im kollektiven Redaktionskopf bis zur Unkenntlichkeit überladener Kampfbegriff geworden, weil die Autobild auf lange Sicht gesehen im Medienwandel um ihre Existenz kämpft. In der Realität ist ‘Journalist’ ein völlig ungeschützter, von jedem auf sich anwendbarer Begriff für eine Person, die Informationen kompiliert und in Sprachform aufbereitet publiziert.“

5. „Edward Snowden: ‘If I end up in chains in Guantánamo I can live with that’ – video interview“
(theguardian.com, Video, 13:59 Minuten, englisch)
Alan Rusbridger und Ewen MacAskill sprechen mit Edward Snowden.

6. „For This Author, 10,000 Wikipedia Articles Is a Good Day’s Work“
(online.wsj.com, Ellen Emmerentze Jervell, englisch)

Penis, Gauchos, Happy Birthday

1. „Wie man richtig über Studien berichtet“
(journalist.de, Larry Magid)
Larry Magid gibt Tipps, wie man als Journalist mit Studien umgeht: „Bevor ich über die Studie schreibe, bitte ich deshalb darum, das ganze Dokument einsehen zu können. Es sollte eine Zusammenfassung der Methodik enthalten, die erklärt, wie die Stichprobe gezogen wurde, welche Fragen gestellt und wie sie beantwortet wurden. Dann stelle ich manchmal fest, dass die Methodik fehlerhaft war oder die Zusammenfassung in der Pressemitteilung nicht zu den tatsächlichen Ergebnissen passt.“

2. „Der Kreuzzug der Journalisten der Gilde der Reinheit“
(unternet.ch, Stefan Millius)
Stefan Millius versteht nicht, weshalb er als Journalist nicht auch PR machen sollte: „Arbeite ich für ein Unternehmen, gibt mir dieses klare Auflagen bezüglich Ergebnis. Bin ich journalistisch für ein Magazin aktiv, arbeite ich unabhängig und unbeeinflusst. Das ist für mich selbstverständlich, darüber debattiere ich gar nicht erst. Weshalb ich bei der journalistischen Arbeit in irgendeiner Weise weniger objektiv sein soll aufgrund meiner PR-Arbeit als ein Journalist, der ja auch ein Leben neben der Arbeit hat (Vereine, Netzwerke, alte Freund- und Seilschaften), erschliesst sich mir nicht.“

3. „False is the new true: Fake news clickbait, ‘Blood Feud’ and why the truth stopped mattering“
(technologytell.com, Stephen Silver, englisch)
Stephen Silver berichtet von satirischen Nachrichten, die weder wahr noch lustig sind: „This isn’t true, and isn’t funny. It’s not even a ‘prank’ either- there’s no reveal. And it’s not even trolling- it’s way worse than that. It’s just grossly insidious and dishonest, both a crime against truth and against comedy.“

4. „Symbolbild (XII)“
(noemix.twoday.net)
Symbolbilder, die Medien verwenden, um einen Penis darzustellen.

5. „Reporter sings Happy Birthday to Angela Merkel in Brussels“
(bbc.com, Video, 1:06 Minuten)
Ein deutscher Reporter singt an einer Pressekonferenz „Happy Birthday“ für Angela Merkel.

6. „Anthropologische Studie: Gauchos gehen ganz normal“
(der-postillon.com)

Bilderklau, Hallo Deutschland, Wolfram Weimer

1. „Bilderklau digital“
(davidblum.ch)
David Blum dokumentiert mehrere Beispiele von Bilderklau und gibt Tipps, wie man damit umgeht.

2. „Der Paparazzo mit der Vogelperspektive“
(nzz.ch, Ronny Nicolussi)
Pilot Niklaus Wächter fotografiert die Villen von Prominenten aus der Luft: „Wie er sagt, geht es ihm nicht darum, in die Schlafzimmer von Prominenten zu blicken, sondern lediglich die Häuser von Personen des öffentlichen Interesses zu zeigen.“

3. „Haucap über Monopole: Facebook ist gefährlicher als Google“
(netzpiloten.de, Katharina Brunner)
Justus Haucap glaubt, dass das Kartellamt die Beschwerde der VG Media betreffend Google abweisen wird: „Es ist für mich nicht vorstellbar, dass Google verpflichtet werden kann, Links und Snippets zu zeigen und dafür dann bezahlen muss – selbst wenn Google die Links und Snippets nicht gegen Bezahlung will.“

4. „‘Arbeite doch mehr, dann verdienst du auch mehr Geld’“
(impressum.ch, PDF-Datei)
Eine freie Journalistin aus der Schweiz liefert einen Erfahrungsbericht aus ihrem Alltag: „Mein monatliches Einkommen schwankte in den letzten 12 Monaten zwischen 250 und 11‘250 Franken Brutto. Im Jahr 2013 bekam ich 45 Honorarabrechnungen von neun Printmedien und vier weiteren Stellen, für die ich gearbeitet habe. Und: Ja, wenn ich angefragt werde, nehme ich zwischendurch auch Kommunikations-Aufträge an.“ Siehe dazu auch „Arbeitsbedingungen bedrohen die Branche!“ (impressum.ch, Medienmitteilung).

5. „Markus Wiegand: Medien-Elite ist ein Club von Weicheiern“
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Markus Wiegand erzählt von den Herausforderungen bei der Autorisierung eines Interviews mit Wolfram Weimer: „Viele Führungskräfte im Journalismus und andere Spitzenkönner der Branche gehen davon aus, dass allein ihre exklusive Gesprächsbereitschaft sie schon vor kritischen Fragen schützt. Sie denken, ein Interview mit ihnen sei eine Koproduktion von zwei Kollegen. (…) Die Elite der Branche lebt in einer Blase, in der man sich gegenseitig nicht weh tut, sondern auf die Schultern klopft. Das mit dem Journalismus, das sollen bitte die anderen aushalten, aber nicht man selbst.“

6. „‘Ich muss neutral berichten, ich bin ZDF. Ach was. Jaaaaaa!’“
(sensatzionell.blogspot.de)
Der Inhalt eines Beitrags der ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“, abgetippt und nachgesprochen.

Auto Bild, Drohnen, Börsennachrichten

1. „Die Maschine übernimmt den Journalismus“
(denktagebuch.de, Marco Herack)
Es sei „kein großer Verlust“, wenn das Verfassen von Börsennachrichten von Maschinen übernommen werde, schreibt Marco Herack. Vielmehr sollte sich der Journalismus an die Auswertung von Dokumenten machen, „die gerne mal über 1000 Seiten lang sind und viel Geschwafel erhalten, zwischen dem sich die harten Fakten verstecken.“

2. „Drohnenjournalismus: großes Potenzial, aber hohe Hürden“
(onlinejournalismus.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswald klärt auf über den journalistischen Einsatz von Drohnen: „Für den spontanen Rechercheeinsatz etwa bei Demonstrationen eignen sich Drohnen (zumindest in Deutschland) nicht. Bei Unglücken und im Umfeld von besonders sensiblen Anlagen wie Atomkraftwerken ist ihr Einsatz sogar verboten.“

3. „Man will mich hinausekeln“
(persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski ärgert sich, für Inhalte zu bezahlen, die es im Netz kostenlos gibt, und schreibt an die Zeitungsverleger: „Ihr tut alles, um die Werthaltigkeit eurer Bezahlzeitungen zu torpedieren, indem ihr eure journalistischen Perlen nicht nur kostenfrei ins Netz stellt, sondern dies auch meist viele Stunden, bevor ich am Morgen zum Briefkasten wandle, dort klaube ich mir eure druckfrischen Produkte heraus, um dann beim Morgenkaffee zu meinem grossen Missfallen so vieles vorzufinden, das ihr mir bereits am Vorabend gratis im Netz serviert habt.“

4. „Haben Journalisten ein Problem mit Meinungsfreiheit?“
(1300ccm.de, Tom Schwede)
„Sollen Blogger Autos testen?“, fragt die „Auto Bild“. Tom Schwede antwortet: „Natürlich dürfen Auto-Blogger Autos testen, um die Frage der ‘Auto Bild’ an dieser Stelle deutlich zu beantworten. Es gibt kein Meinungsmonopol der etablierten Medien!“

5. „Die TV-Berichterstattung zur WM ist teils unglaublich schwach“
(stern.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler zieht ein Fazit zur Fußball-WM-Berichterstattung im Fernsehen: „In der ARD fällt Bernd Schmelzer besonders unangenehm auf, der auch die ‘Tagesschau’ permanent mit DFB-Werbeclips anfüllte. ‘Noch hat Merkel nichts erreicht. Aber der Triumpf winkt. Sie selbst weiss es am besten. O-Ton Angela Merkel. Der Weg ist hart. Aber die Mannschaft ist reif.’ Dazu dann Merkel-Bilder einsam, aber gelassen am Strand. Man stelle sich so etwas einmal in der Politik-Berichterstattung vor! Merkt in den Redaktionen keiner, dass da im Sport etwas schiefläuft?“

6. „Did a Twitter account *really* predict the World Cup Final result?“
(usvsth3m.com, englisch)
Die Prophezeiungen des Twitter-Kontos @FifNdhs für den Ausgang des Fußball-WM-Finals.

Daniel Mack, HSV, Leserkommentare

1. „Meine Tage im Hass“
(faz.net, Andrea Diener)
Andrea Diener liest Leserkommentare: „Jeder Fehler wird mit dem Gestus der Herablassung aufgezeigt, nebenbei ein Autor beleidigt, und das Ganze gipfelt meist in der Feststellung, dann könne man ja auch gleich die ‘Bild’-Zeitung lesen. Themen, die ein wenig zu bunt sind: ‘Bild’-Zeitung. Themen, die nicht interessieren: ‘Bild’-Zeitung. Falsch gesetzte Kommas: ‘Bild’-Zeitung.“

2. „Hasszeit“
(anmutunddemut.de, Benjamin Birkenhake)
Auch Benjamin Birkenhake denkt über Leserkommentare nach: „Und vielleicht muss man sich in manchen Teilen des Journalismus eingestehen, dass man nach Jahren der Boulevardisierung jetzt in einem Kontext angekommen ist, in dem Leute halt ‘die Sau rauslassen’ und das von der Gesellschaft auch für normal gehalten wird.“

3. „Was vor allem die BILD-Zeitung NICHT berichtet, obwohl ich es ihr mitgeteilt habe“
(danielmack.de)
Politiker Daniel Mack liest einen Artikel über sich in „Bild“, stellt seine Version der Sachlage dar: „Für mich ist dies ein schlimmes und sehr belastendes Beispiel dafür, wie Journalisten beim Leser durch das bewusste Weglassen von ‘störenden’ Fakten einen völlig falschen Eindruck erwecken.“

4. „Ihr könnt wählen: Der lupenreinste Demokrat oder der sauberste Journalist :-)“
(hsv-arena.net)
Fußball: Auf hypocomm.blogspot.de setzt Blogger Denyo ein Gerücht in die Welt, das auf hsv-blog.abendblatt.de verwertet und von anderen Medien aufgenommen wird. Siehe dazu auch „Ich lass mir den Finaltag nicht mal von einer Verleumdung vermasseln“ (hsv-blog.abendblatt.de).

5. „Drei Gründe, warum Ron Vlaars Elfmeter gegen Argentinien kein Tor war“
(ballverliebt.eu, Tom Schaffer)
Fußball: Medien spekulieren darüber, ob ein abgewehrter Elfmeter im WM-Halbfinalspiel Niederlande gegen Argentinien vielleicht doch als Tor hätte gewertet werden müssen.

6. „Um ehrlich zu sein…“
(dasnuf.de)

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