Archiv für 6 vor 9

Forget.me, Echo-Medien, Norbert Lammert

1. „Staatsanwaltschaft geht mit Durchsuchungsbeschluss gegen Echo-Medien vor“
(echo-online.de)
Zum ersten Mal „in der fast siebzigjährigen Geschichte der Echo-Zeitungen überhaupt“ erhalten die ECHO-Medien in Darmstadt Besuch von der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei. Gefordert wird die Identität hinter einem inzwischen gelöschten Leserkommentar.

2. „Forget.me illustriert, wie nah Datenschutz und Zensur beieinander liegen“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt Forget.me vor. Die französische Website zeichne sich auch dadurch aus, „dass User nicht wie beim Google-’Löschservice’ manuell die zu entfernenden Website-URLs liefern müssen. Stattdessen zeigt Forget.me eine Live-Ergebnisliste zur Suche nach dem persönlichen Namen an. Neben jedem Eintrag befindet sich eine prominent platzierte Schaltfläche ‘Forget this’. Wer diese betätigt, muss auf der Folgeseite noch die passende juristische Rechtfertigung auswählen und den Scan eines Dokuments zur Identifizierung hochladen. Fertig.“

3. „Auf einmal“
(umblaetterer.de, Paco)
Paco fragt sich, weshalb der „Freitag“ den Jakob-Augstein-Text „Wir töten, was wir lieben“ über Frank Schirrmacher offline gestellt hat.

4. „Der digitale Kulturpessimismus des Feuilletons langweilt“
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
„Kulturpessimismus floriert im Feuilleton“, stellt Philippe Wampfler fest: „Über die Gründe kann ich nur spekulieren – es wundert mich immer wieder, warum aus all den Menschen, die zu digitalen Entwicklungen etwas sagen könnten, immer die mit den platten Angst-Thesen Platz erhalten.“

5. „Die scheinheilige Empörung über Schumachers gestohlene Krankenakte“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier reagiert auf die „Warnung vor Veröffentlichung“ der entwendeten Krankenakte von Michael Schumacher durch den DJV: „Die Veröffentlichung der Krankenakte wäre gerade deshalb auch so empörend, weil ihr Inhalt wahr wäre. Im Gegensatz zu all dem unzuverlässigen Geraune, mit dem die Medien ihre Schumacher-Berichterstattung füllen.“

6. „Lammerts Lebenshilfe: Überwachung mit Fassung tragen!“
(youtube.com, Video, 1:31 Minuten)
Siehe dazu auch „Arbeitserleichterung für die NSA: Deutscher Bundestag bezieht Internet von US-Anbieter Verizon“ (netzpolitik.org, Andre Meister).

Gabor Steingart, Crowdfunding, Übersetzungen

1. „Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart“
(sixtus.net)
Mario Sixtus befasst sich mit dem FAZ-Text „Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf“ von Gastautor Gabor Steingart: „Herr Steingart behauptet hier nichts anderes, als dass sämtliche deutschsprachigen Artikel, die Google indiziert hat – also wohl so ziemlich beinahe fast alle Texte im deutschen Internet -, ihren Ursprung in deutschen Zeitungsverlagshäusern haben. Alle. Deutschen Texte. Im Internet.“

2. „Rezensentische Fehlgriffe“
(titel-kulturmagazin.net, Pieke Biermann)
Übersetzerin Pieke Biermann geht sehr detailiert ein auf eine Kritik des NZZ-Feuilletons an der Übersetzung, die sie für das Buch „Behind the Beautiful Forevers“ von Katherine Boo angefertigt hat.

3. „Dinstinguiert, umschwärmt“
(journal21.ch, Heiner Hug)
Heiner Hug erinnert an Paul Spahn, Sprecher der Tagesschau des Schweizer Fernsehens von 1959 bis 1985.

4. „Wie wird Crowdfunding erfolgreich?“
(curcuma-medien.de, Anita Grasse)
Anita Grasse denkt darüber nach, wie man erfolgreiches Crowdfunding macht. „Klar, auch wer diese fünf Erfolgsgeheimnisse beherzigt, kann mit seinem Projekt gnadenlos scheitern. Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Plattform, falsche Leute.“

5. „‘ARD und ZDF verstehen sich als versteckte PR-Kompanie des DFB’“
(meedia.de, Alexander Becker)
Philipp Köster mit einer Zwischenbilanz zu den Leistungen von ARD und ZDF zur Fußball-Weltmeisterschaft: „Wenn man Mario Götze schon mal ausführlicher vors Mikrofon bekommt, wäre das doch eine feine Gelegenheit, ihn mal zu ein paar fußballerischen Dingen zu befragen. Stattdessen geht es dann um Frühstücksrituale und darum, ob er sich nicht der Schafkopfrunde der Kollegen anschließen möchte. Da schaltet man doch gerne schnell mal um.“

6. „BILD dir deine Doppelmoral“
(extra3.blog.ndr.de)
Siehe dazu auch „Warnung vor Veröffentlichung“ (djv.de).

Vice Media, Mindestlohn, Heftig

1. „‘Das Internet ist für die Verlage ein Segen’“
(medienpolitik.net)
Ein Interview mit dem Präsident des BDZV, Helmut Heinen, der gute Gründe sieht, gegen einen Mindestlohn von 8,50 Euro zu klagen. „Die Staatsrechtler Prof. Dr. Degenhardt, Universität Leipzig, und Prof. Dr. Dr. Di Fabio, Universität Bonn und ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, kommen in ihren Gutachten übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Einführung des Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Pressefreiheit, Art. 5 Grundgesetz, bedeuten würde.“

2. „Kommentare null: Das langsame Sterben des Spiegel-Blogs“
(meedia.de, Alexander Becker)
Das Spiegelblog ist „zur Abladestelle für Eigenwerbungstexte zum aktuellen Heft verkommen“.

3. „‘Vice’ liebt das Wilde und Waghalsige“
(nzz.ch, Martin Hitz)
Vice Media hat sich in den letzten Jahren zu „einem breit diversifizierten Imperium mit 1100 festen und 4000 freien Mitarbeitern entwickelt“, stellt Martin Hitz fest. „So ist Vice auch ein Musiklabel, ein Buchverlag, ein Event-Veranstalter, eine Filmproduktionsfirma, eine Werbeagentur und ein Werbenetzwerk; selbst ein Pub im Londoner East End nennt die Firma ihr eigen.“

4. „Emotionen für Millionen: Heftig.co und der Durchmarsch der Content-Katapulte“
(get.torial.com, Tobias Lenartz)
Tobias Lenartz beschäftigt sich mit der Website Heftig.co: „Dass die ‘Inhalte’ von Heftig nahezu alle aufgewärmt sind, stört die aktuell über 920.000 Facebook-Fans offenbar ebenso wenig wie der Umstand, dass die Videos und Storys nur bedingt mit den hochgejazzten Erwartungen mithalten können. Der Trick: Heftig wärmt fast ausschließlich Geschichten auf, die sich bereits viral bewährt haben.“

5. „‘Ich dachte zuerst, es ist ein Scherz’“
(sueddeutsche.de, Jonathan Fischer)
Ein Interview mit Schauspieler Marius Jung, dem Studentenvertreter Rassismus vorwerfen – er ist Autor des Buchs „Singen können die alle! Handbuch für Negerfreunde“: „Tabus führen doch nur zu noch mehr Ausgrenzung. Es hilft niemandem, wenn Menschen stammelnd vor mir stehen und nicht wissen, wie sie mich nennen sollen. Dann ist es besser, man spricht offen und angstfrei über Begriffe.“

6. „Die Stunde der Idioten“
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt nachts unterwegs in Zürich: „Die Stunde der Idioten ist uralt. Nur ihre Zeit variiert: ‘Vor 30 Jahren war die wildeste Zeit an der Langstrasse um sechs Uhr abends. Gruppen von Geschäftsherren zogen, schon stockbetrunken, von Striplokal zu Striplokal’, so ein erfahrener Clubbetreiber. ‘Später in den 80er-Jahren lagen die Schnapsleichen um 1 Uhr im Niederdorf. Die Nutzniesser waren die uralten Prostituierten, die wie Muränen aus ihren Löchern kamen und mit einem ‘Komm, Schatzi’ die Betrunkenen in den Hauseingang zogen.’“

Sport Bild, Spiegel Online, Social-Media-Redakteur

1. „Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen?“
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Frage, „was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht“, entgleite den Redaktionen zunehmend, stellt Stephan Dörner fest, weshalb es zunehmend auch gar keine „Blattmacher“ benötige. „Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.“

2. „Die substantiellen Probleme von Spiegel Online“
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat befasst sich mit der Online-Strategie von „Spiegel“ und „Spiegel Online“: „Die Zwei Klassen-Gesellschaft in der Spiegel Gruppe, also die Printredaktion mit ihren Gesellschafteranteilen (Mitarbeiter-KG) versus Online ohne Anteile am Verlag, bleiben das zentrale Problem.“

3. „Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Für die nicht wissen wie“
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
„Sport Bild“ lässt Kevin Großkreutz Fragebogen mit witzig gemeinten Antworten ausfüllen (BILDblog berichtete), um ihm diese später ernsthaft vorzuhalten.

4. „Er kann es einfach nicht“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch „Ganz oben ganz unten“ von Christian Wulff: „Ich habe inzwischen keinen Zweifel daran, dass Wulff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und narzisstischem Jagdtrieb einiger wildgewordener Egomanen einem eben auch qualitätsmedialen Blutrausch erlag, in dem sich zu Beginn mehrere Jäger gleichzeitig auf das gleiche Objekt konzentrierten. Zunächst begann ein Wettkampf (‘Bild’, ‘stern’, ‘Spiegel’). Als ‘Bild’ durch die Mailbox-Nachricht praktisch über Nacht ein Faustpfand in der Hand hatten, übernahm ‘Bild’ die Führungsrolle. Willig liessen sich nahezu alle selbsternannten Qualitätsmedien vor den Karren spannen.“

5. „The German war against the link“
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis kommentiert die Forderung deutscher Verleger an Suchmaschinen, „bis zu elf Prozent der Umsätze, die sie mit Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen erzielen, an die Zeitungen und Zeitschriften“ weiterzureichen: „They are trying to blackmail net companies in hopes of getting some payoff from them.“

6. „Fußballfloskeln wörtlich genommen“
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Die Sendung mit der Maus nimmt Fußballreporter mal wörtlich.

Sven Lau, Jakob Augstein, Win-Win-Situationen

1. „Künstliche Aufregung um etablierte Praxis“
(medienwoche.ch, Karin Müller)
„Wir alle müssen uns von einem Journalismus verabschieden, der aus zwei Werten bestand: Qualität und Unabhängigkeit“, schreibt Ex-Journalistin Karin Müller. „Auch ich bin abgewandert und versuche nun für meine Mandanten Win-Win-Situationen bei den Verlagen herauszuholen. Im Lifestyle-Bereich ist die Sache ziemlich korrupt. Wer eine bestimmte Anzahl Inserate bucht, bekommt Zusagen über redaktionelle Beiträge.“

2. „Vor- und Nachruf auf Frank Schirrmacher“
(umblaetterer.de, Josik)
Für den „Spiegel“-Nachruf auf Frank Schirrmacher verwendet Jakob Augstein Sätze, die er bereits 2012 so ähnlich im „Freitag“ veröffentlicht hatte.

3. „Der ‘Hilfspolizist’“
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Wie zwei verschiedene Journalisten reagieren auf Auskunftsbegehren der Behörden zu Sven Lau. „Noch immer haben Pressemenschen ein Zeugnisverweigerungsrecht, noch immer haben sie ihre Informanten zu schützen, noch immer ist es nicht ihre Aufgabe, Beschuldigte zu belasten.“

4. „eBook Reader Test der Computerbild sieht Tolino Vision vorne“
(lesen.net, Johannes Haupt)
Ein E-Book-Reader-Test in der „Computer Bild“. „Test-Sieger darf sich der Tolino Vision nennen, Preis-Leistungs-Sieger ist der Kindle (49 Euro). (…) Gewissermaßen prämiert die Computerbild hier ihr eigenes Gerät. Denn der Axel-Springer-Verlag ist über seine Beteiligung an Tolino-Partner buecher.de selbst ein Teil der Allianz, auf ebook.bild.de sind Tolino Vision und Tolino Shine mit voreingestelltem Bild eBook Store erhältlich.“

5. „Das böse, böse Amazon“
(buggisch.wordpress.com)
Christian Buggisch liest im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ einen Text über Amazon: „‘Der Tag muss kommen, da Amazon seine Macht einsetzen wird, um Geld zu verdienen; der Tag, da hinter den lächelnden Pappschachteln Amazons wahres Gesicht zum Vorschein kommt.’ Himmel hilf! Rette sich, wer kann, vor einem Unternehmen, das Geld verdienen will!“

6. „Verliebt am Pool“
(11freunde.de, Dirk Gieselmann)
Dirk Gieselmann notiert eine „Hofberichterstattung“ und einen „distanzlosen Ranschmeißjournalismus“ in der Berichterstattung von ARD und ZDF zur Fußball-Weltmeisterschaft. „Sportlich läuft es gut, und das ist auch durchaus wünschenswert. Aber es ist kein Grund für die Sender, derart affirmativ zu Werke zugehen, dass man glauben könnte, sie seien der verlängerte Arm der DFB-Pressestelle.“

Julian Assange, Ottmar Hitzfeld, Kurt Westergaard

1. „Snowdens Deutschland-Akte: Die Dokumente im PDF-Format“
(spiegel.de)
„Spiegel Online“ veröffentlicht 53 PDF-Dateien aus den Snowden-Leaks, teilweise mit Deutschland-Bezug. Siehe dazu auch „Abkürzungen erklärt: So lesen Sie die NSA-Dokumente“ (spiegel.de).

2. „Assange wohnt, wo das WC war“
(tagesanzeiger.ch, Peter Nonnenmacher)
Seit 730 Tagen wohnt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London: „Zu diesem Zweck schieben in der ­Regel mindestens drei Polizisten vor No 3 Hans Crescent in London SW1X Wache. Der edwardianische Wohnblock, in dem sich das Botschaftsappartement ­befindet, ist rund um die Uhr umstellt. Über 12’000 Franken pro Tag verschlingen die Sicherheitsmassnahmen nach Polizeiangaben insgesamt. Auf 9 Millionen Franken summiert sich die Rechnung bisher.“

3. „Ringier/ Hitzfeld: Ein spezielles Doppelmandat“
(bilanz.ch, Ueli Kneubühler)
Der Vertrag des Trainers der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft mit dem Ringier-Verlag: „Man stelle sich vor, Jogi Löw, Trainer des deutschen Fussballnationalteams, hätte einen Beratervertrag mit der Boulevardzeitung ‘Bild’. Das ist in Deutschland undenkbar. In der Schweiz ist es Realität.“

4. „Why Audiences Hate Hard News—and Love Pretending Otherwise“
(theatlantic.com, Derek Thompson, englisch)
Was Leser klicken: „The more attention-starved we feel, the more we thirst for stimuli that are familiar. We like ice cream when we’re sad, old songs when we’re tired, and easy listicles when we’re busy and ego-depleted. (…) In this light, there are two problems with hard news: It’s hard and it’s new.“

5. „‘Ich bin eine Persona non grata’“
(fr-online.de, Klaus Staeck)
Karikaturist Kurt Westergaard wird befragt von Klaus Staeck: „Dass wir in Dänemark unsere muslimischen Mitbürger satirisch darstellen, bedeutet nicht Exklusion, sondern Inklusion in die Gesellschaft. Sie werden satirisch behandelt genau wie ethnische Dänen.“

6. „WAR PORN“
(kwerfeldein.de, Martin Gommel)
Martin Gommel liest den Fotoband „War Porn“ von Fotograf Christoph Bangert.

Reichweite, Tanzgruppe, ISIL

1. „Krautreporter am Start“
(anmutunddemut.de, Benjamin Birkenhake)
Benjamin Birkenhake findet es gut, dass die Krautreporter ohne den Druck, Online-Reichweite aufzubauen, an den Start gehen können, denn: „Online-Reichweite aufzubauen bedeutet fast zwangsläufig, sich der Bild-Zeitung und Heftig.co anzunähern.“ Und er bittet darum, das gesammelte Geld für Texte einzusetzen: „Fast jeder Euro für Technik und Design ist vergeudet. Um besseren Online-Journalismus zu machen, reicht ein Standard-Wordpress mit einem netten Theme voll und ganz aus.“

2. „Putins Internetpiraten“
(nzz.ch, Christian Weisflog)
„50 Kommentare auf Nachrichtenportalen, 50 Kurznachrichten auf Twitter und die Bewirtschaftung von sechs Facebook-Seiten“, das sei das Tagessoll eines im Auftrag der russischen Regierung bezahlten Kommentarschreibers, berichtet Christian Weisflog: „Die Trolle erhalten von den Leitern der Agentur exakte Anweisungen, zu welcher Tageszeit sich die Kommentierung am meisten lohnt und mit welcher Sprache sie das gewünschte Echo in den Foren erzielen. Das Ziel ist es, mit möglichst derben Kommentaren eine Diskussion zu provozieren. Dabei wird den Trollen aber empfohlen, die jeweilige Zensurpolitik zu berücksichtigen und den Bogen nicht zu überspannen.“

3. „Kommentar: Stefan Laurin über den derzeit wohl gefährlichsten Medienpolitiker und seinen Griff in die Kasse“
(newsroom.de, Stefan Laurin)
Stefan Laurin macht auf ein Gesetzvorhaben im NRW-Landtag aufmerksam: „Erstmals werden, wenn auch mit eher überschaubaren Mitteln, aus der Haushaltsabgabe private Medien finanziert – und hängen dabei vom Wohl und Wehe partei- und verbandspolitischer Gremien ab.“

4. „Is it ISIL or ISIS in Iraq?“
(blog.ap.org, Tom Kent, englisch)
Tom Kent begründet, warum die Organisation Islamischer Staat im Irak und der Levante besser mit ISIL statt mit ISIS abgekürzt wird.

5. „Änderung unserer Nutzungsbedingungen: Verpflichtung zur Offenlegung“
(blog.wikimedia.org)
Wikipedia ändert die Nutzungsbedingungen für PR-Arbeiter: „Wenn Sie für Ihre Bearbeitung bezahlt werden, müssen Sie diese bezahlte Bearbeitung offenlegen, um die neuen Nutzungsbedingungen einzuhalten. Sie müssen Ihre Zugehörigkeit in Ihrer Bearbeitungszusammenfassung, Benutzerseite oder Diskussionsseite angeben, um Ihre Perspektive fair offenzulegen.“

6. „Brasilianischer Tanzgruppe gelingt Flucht aus WM-Studio des ORF“
(dietagespresse.com)

Frank Schirrmacher, Krautreporter, Chelsea Manning

1. „BILD-Studientrilogie: Nicht die Ereignisse bestimmen die Berichterstattung, sondern die eigene Vorhersage“
(carta.info, Wolfgang Storz und Hans-Jürgen Arlt)
Wolfgang Storz und Hans-Jürgen Arlt stellen den Journalismus der „Bild“-Medien als „Kanonenfutter für die Rendite“ dar, er werde nicht als „respektables Handwerk, dessen Regeln den Geschäften Grenzen setzt“, betrieben: „Pressefreiheit wird als Gewerbefreiheit verstanden, journalistische Unabhängigkeit als Möglichkeit missbraucht, die eigenen Interessen ohne Rücksicht auf alles andere zu bedienen.“

2. „Informationen, fünf mal aufgekocht bitte“
(malguckenwielangeichblogge.blog.de)
Berichterstattung, die basiert auf einer kurzen Medienmitteilung des Managements von Michael Schumacher, zum Beispiel auf n-tv.de: „Der einzig relevante Artikel ist derjenige, in dem die Pressemitteilung seiner Managerin im Wortlaut geschrieben wird. Alles andere ist für das Klickvieh unter den Internetusern, die tatsächlich daran glauben, hinter den fünf verschiedenen Links fünf verschiedene Inhalte zu finden.“ Siehe dazu auch „RTL Aktuell Spezial: ‘Schumacher ist sicher nicht in einem ganz top-fitten Zustand’“ (faz.net, Stefan Niggemeier).

3. „Wie ich Frank Schirrmacher nicht kennenlernte“
(kutter.antville.org)
Der Kutter schreibt zum Tod von Frank Schirrmacher: „Manche Nachrufe auf Schirrmacher lesen sich wie Heiligsprechungen. Mir persönlich bleibt er weniger als Großfeuilletonist, Thesenmaschine, Debattenanzettler oder Ausnahmezustands-Apokalyptiker in Erinnerung, sondern als jemand, dem die Entdeckung abseitiger Adressen diebische Freude bereitete und dem seine Begeisterung auch für kleine Albernheiten nicht zu schade war.“

4. „Die Ambivalenz, die geistige Überlegenheit in sich trägt“
(ueberschaubarerelevanz.com)
Muriel Silberstreif findet den FAZ-Nachruf auf Frank Schirrmacher von Edo Reents, „Ein sehr großer Geist“, etwas übertrieben: „Ihr dürft es mir gerne sagen, wenn ihr es anders seht, aber mir kommt dieses intellektuelle Säbelgerassel schon äußerst armselig vor, und ich kenne Frank Schirrmacher wie gesagt nicht, und habe aus den geringen Erfahrungen mit seinem Werk schon ehrlich gesagt den Eindruck gewonnen, dass er mit mir nicht viel gemein hatte, aber ich zumindest würde mich gleich noch ein paar Meter tiefer in den Boden schämen, wenn ich wüsste, dass jemand nach meinem Tod so prahlerischen Mist über mich schreiben würde.“

5. „die unterstützer der krautreporter“
(achim-tack.org)
Wie sich kleine und große Spenden aufteilen beim am letzten Freitag zustandegekommenen Crowdfunding der Krautreporter.

6. „The Fog Machine of War“
(nytimes.com, Chelsea Manning, englisch)
In einem Gastbeitrag schreibt Whistleblower Chelsea Manning über in die US-Armee eingebettete Journalisten. „Reporters naturally fear having their access terminated, so they tend to avoid controversial reporting that could raise red flags.“

Exklusiv, Bloomsday, Tatort

1. „BamS klaut und kämpft für Franz gegen die FIFA-Russenmafia“
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich schreibt zur gestrigen Titelgeschichte der „Bild am Sonntag“, „Der FIFA-Boss und die Russen-Mafia“: „Sieht man von einigen falschen Details und aufgeblasenen Formulierungen (‘heißt es aus deutschen Sicherheitskreisen’) ab, die wohl eher nicht stimmen, dann hat BamS im Grunde nur abgeschrieben und in pubertäre Zusammenhänge gebracht, was im Herbst 2008 in diesem Blog ‘exklusiv’ vermeldet wurde.“

2. „‘Bild’ stürzte Wulff mit einer Falschmeldung. Das kümmert aber keinen.“
(stefan-niggemeier.de)
„Ist es nicht bemerkenswert, dass Wulff am Ende durch eine Falschmeldung der ‘Bild’-Zeitung zu Fall gebracht wurde?“, fragt Stefan Niggemeier zum Rücktritt von Christian Wulff am 17. Februar 2012. „Offenbar nicht. Kaum jemand hat darüber berichtet.“

3. „Vernarrt in die Verfehlung“
(zeit.de, Ursula März)
Das RTL-Boulevardmagazin „Exclusiv“, moderiert von Frauke Ludowig: „Die Zeiten, in denen Boulevardfernsehen nichts anderes vorhatte, als erstaunliche oder mondäne Geschichten aus der Starwelt zu erzählen, sind wohl passé. Die Sprache, die in Exclusiv gesprochen wird, erinnert vielmehr an eine Untersuchungskommission, die ihre Arbeit aufnimmt, weil sie einer bösen Vermutung auf den Grund gehen muss.“

4. „Putins Trolle“
(sueddeutsche.de, Julian Hans)
Julian Hans wertet „interne Dokumente und E-Mails leitender Mitarbeiter“ einer „Agentur zur Analyse des Internets“ mit rund 600 Mitarbeitern in St. Petersburg aus, „die eine Gruppe anonymer Informanten im Internet zugänglich gemacht hat“.

5. „‘Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen’“
(tagesanzeiger.ch, Simon Knopf)
Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion des Schweizer Fernsehens, nimmt Stellung zur Frage, warum der Schweizer „Tatort“ die schlechtesten Quoten einfährt. „Die ARD möchte, dass man das Schweizerische auch in der Synchronfassung hört. Für uns bedeutete dies aber einen Spagat. Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen. Also müssen wir subtil arbeiten. Die Schauspieler sprechen Hochdeutsch, sagen aber ‘Grüezi’ oder verwenden Helvetismen wie Pneu oder Trottoir.“

6. „Bloomsday 2009″
(youtube.com, Video, 46:44 Minuten)
Ein Zusammenschnitt von Szenen, die am 16. Juni 2009 im deutschen Fernsehen zu sehen waren. Siehe dazu auch „Die Tour kann beginnen: Bloomsday 2014″ (fernsehkritik.tv, Fernsehkritiker).

Dortmund, Pöbler, Turing-Test

1. „Fortsetzung eines verkorksten Krisenmanagements“
(sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
Ralf Wiegand sammelt Reaktionen auf das Buch „Ganz oben, ganz unten“ von Christian Wulff. Siehe dazu auch „Wo Wulff Recht hat“ (zeit.de, Ludwig Greven).

2. „Offener Brief an WELT am SONNTAG, anlässlich des Beitrags ‘Was tun mit Extremisten im Stadtrat?’“
(marco-buelow.de)
SPD-Politiker Marco Bülow schreibt einen offenen Brief (PDF-Datei) an Jan-Eric Peters, in dem er sich über die Darstellung der „Vorfälle am Wahlabend des 25. Mai in Dortmund“, wie sie im Artikel „Was tun mit Extremisten im Stadtrat?“ in der „Welt am Sonntag“ beschrieben sind, beschwert: „Der ganze Ablauf ist nicht nur verzerrt sondern völlig falsch dargestellt worden! Einem Rechtsextremisten der friedlich ohne marodierende Schläger ins Rathaus gekommen wäre, hätte sich niemand in den Weg gestellt, auch wenn er natürlich nicht willkommen gewesen wäre.“

3. „Plöchinger: ‘Die Pöbler hart wegmoderieren’“
(derstandard.at, Oliver Mark)
Ein Interview mit Stefan Plöchinger, dem Chefredakteur von Sueddeutsche.de: „Bei uns beschweren sich inzwischen reihenweise Leser über Kommentare anderer Leser. Wir fragen uns: Senden wir die richtigen Signale an die Mehrheit unserer Leser, wenn immer wieder eine Minderheit von Trollen ansetzt, den Raum unter Artikeln für Rüpeleien zu kapern?“

4. „Ringel, Ringel, Reihe“
(freitag.de, Axel Brüggemann)
Axel Brüggemann macht sich Gedanken über Recherche-Kooperationen zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien.

5. „No, A ‘Supercomputer’ Did NOT Pass The Turing Test For The First Time And Everyone Should Know Better“
(techdirt.com, Mike Masnick, englisch)
Siehe dazu auch „Doch, Journalismus im Netz ist kaputt“ (netzwertig.com, Martin Weigert).

6. „Gedanken zum Tod von Frank Schirrmacher“
(plus.google.com, Wolfgang Blau)
Wolfgang Blau schreibt zum Tod von Frank Schirrmacher: „Ich erinnere mich an Zeiten, in denen er versuchte, mich als digitalen Neo-Liberalen zu brandmarken, doch ich habe ihn immer dafuer bewundert, mit welcher Wucht, aber auch Bescheidenheit er sich bemuehte, das Internet und dessen gesellschaftliche Auswirkungen zu verstehen und anderen zu erklaeren. Er lernte in aller Oeffentlichkeit.“

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