Archiv für 6 vor 9

Merian, Politico, Breaking News

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Wo Merian draufsteht, ist Mercedes drin“
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Das Sonderheft „Formel 1“ der Zeitschrift „Merian“: Während der Mediendienst „Meedia“ noch am Dienstag „mit ihrem Formel eins-Heft kehrt die Chefreaktion zu ihren journalistischen Wurzeln zurück“ urteilte, schrieb Stefan Winterbauer am Donnerstag: „Das fertige Zeitschriften-Produkt allerdings dürften auch Profis kaum von einem Kundenmagazin unterscheiden können.“ Lesenswert dazu ist auch der Beitrag von Manfred Scharnberg auf freelens.com.

2. „Woher wusste ‚Bild‘ vom ‚Fall Käßmann‘?“
(sueddeutsche.de, Antje Hildebrandt)
Die Staatsanwaltschaft Hannover erhält vier Strafanzeigen wegen Geheimnisverrats, gegen unbekannt. „Adressaten sind aber zumindest in einem Fall die Hannoveraner Polizei und Bild: Ein Hannoveraner Anwalt wirft den Polizeibeamten vor, sie hätten dem Blatt vertrauliche Informationen über den Vorfall gesteckt – angeblich gegen Geld.“

3. Interview mit Jim VandeHei
(focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Einer der Gründer von „Politico“, Jim VandeHei, im Gespräch: „Die Zeitung ist nur ein Ableger, der Kern von ‚Politico‘ ist unsere Website. Unser Geheimrezept ist: Baue ein Nachrichtenangebot rund um eine Internetseite auf, nicht um eine Zeitung.“

4. „Wir Medienpraktikanten!“
(laurencethio.de)
Laurence Thio startet eine neue Interviewreihe mit Medienpraktikanten. Zuerst spricht er mit Adrian, der „ein mehrmonatiges Praktikum bei der Produktionstechnik der RBB-Abendschau“ gemacht hat. „Ich habe auch mal den Monitor getragen und eingestöpselt oder mal Sachen aus dem Auto geholt. Es lief im Endeffekt aber darauf hinaus, dass ich im Grunde immer nur das Stativ getragen habe.“

5. „Hinter all diesen Türen“
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Eine Pressemitteilung der Bremer Polizei, „unglaublich, aber wahr“.

6. „Breaking News“
(theonion.com, Video, 1:53 Minuten, englisch)
„Breaking News“ sind in vielen Fällen von zweifelhafter Relevanz. „The Onion News Network“ über „Some Bullshit Happening Somewhere“.

ORF, Griechenland, Demokratie

6 vor 9

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1. „ORF: 24 Stunden in fünf Minuten“
(wissenbelastet.com, Video, 5:08 Minuten)
24 Stunden Programm des Senders ORF1 werden auf 5 Minuten komprimiert und mit den Zuschauerzahlen dazu versehen. „Interessant ist das Verhältnis zwischen Werbung und Nachrichten. In den 24 Stunden gab es rund 44 Minuten (3,1%) lang Werbung und etwas mehr als 39 Minuten (2,7%) Nachrichten. ORF1 sendet also mehr Werbung als Nachrichten.“

2. „Wie ich einen schönen Kommentar kaputt recherchierte“
(wdrblog.de, Paul Elmar Jöris)
WDR-Journalist Paul Elmar Jöris beschreibt, wie er einmal einen Kommentar nicht schrieb: „Nach den Recherchen war es nämlich nichts mehr mit einem fetzigen Kommentar.“

3. „Griechenland als Feindbild“
(ndr.de, Video, 6:31 Minuten)
Medien wie „Bild“ oder „Focus“ stellen Griechenland wie ein Land von Betrügern dar – auch wenn die allermeisten Griechen an den aktuellen Problemen höchst unschuldig sind.

4. „Was kann man von Googles Geschäftsbericht 2009 lernen?“
(blog.largeneuroncollider.com, Andreas Braendle)
Andreas Braendle hat sich den „Annual Report 2009“ von Google mal genauer angesehen.

5. „Winnenden – ein Jahr nach dem Amoklauf“
(dradio.de, Uschi Götz)
„Rund um den Ort der Gedenkfeier“ hat die Stadt Winnenden ein „Film- und Fotografierverbot“ ausgesprochen – zugelassen werden nur die dpa und der Südwestrundfunk. „Den übrigen Pressevertretern steht eine Tribüne im Freien zur Verfügung. Sie können dort – auf Distanz zu den Trauernden – die Übertragung der Gedenkfeier auf einer Leinwand verfolgen.“

6. „Vorsicht, die Demokratie kommt!“
(thilo-baum.de)
Thilo Baum fragt sich, warum hiesige Medien wie die „Tagesschau“ die „enorm wichtige Rolle“ des Internets „für Demokratie und Pluralismus“ vor allem im Ausland bemerken.

Finanzkrise, Nackt-Proteste, Bolz

6 vor 9

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1. „Wachhunde oder Lemminge? Der Journalismus und die Finanzkrise“
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
Jens Berger schreibt zur Studie „Wirtschaftsjournalismus in der Krise“ (PDF-Datei). „Vor der Krise berichteten die untersuchten Publikationen meist unkritisch über die Finanzmärkte, Gegenmeinungen und Kritiker kamen kaum zu Wort und dem Konsumenten wurde ein tieferer Einblick in die Hintergründe der Finanzmärkte und der Finanzmarktpolitik verwehrt. Stattdessen dominierten die PR-Schablonen von Akteuren wie Banken, Managern oder Unternehmen beziehungsweise deren Interessengruppen die Berichterstattung.“

2. „Forschen nach Belieben: dpa erläutert Berichterstattung zur Finanzkrise“
(presseportal.de, Justus Demmer)
Die dpa bezieht sich auf die gleiche Studie und sieht darin „zahlreiche falsche und irreführende Behauptungen über die Berichterstattung der Deutschen Presse-Agentur dpa“. „Jedwede einordnende und hintergründige Berichterstattung der dpa“ sei vollständig ignoriert worden. Aus den mehr als 2,5 Millionen Meldungen im Untersuchungszeitraum seien die „passenden“ Passagen ausgewählt worden.

3. „BILD halluziniert von nackigen Protesten“
(nice-bastard.blogspot.com, Dorin Popa)
„Bild“ schreibt über einen „Nackt-Protest in München“, der gar nicht stattgefunden hat.

4. „Umstrittene TV-Quizshows: Bundesgericht rügt Anbieter“
(sf.tv)
Ein Vertreter der Lotterie- und Wettkommission beurteilt ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts zu Call-In-TV-Shows so: „Neu ist, dass es für den Teilnehmer jederzeit unmissverständlich klar sein muss, dass er die gleichen Gewinnchancen hat, wenn er gratis teilnimmt, als wenn er kostenpflichtig teilnimmt.“ In einem Video (7:16 Minuten, teilweise Dialekt) kommen auch Opfer der Sendungen zur Sprache.

5. „Newspaper economics: online and offline“
(googlepublicpolicy.blogspot.com, Hal Varian, englisch)
In einem Blogeintrag analysiert Google die Verluste der Zeitungsindustrie und stellt einen Durchschnitt von 70 Sekunden fest, den Leser durchschnittlich auf ihren Online-Angeboten verbringen. „There’s a reason for the relatively short time readers spend on online news: a disproportionate amount of online news reading occurs during working hours.“

6. Interview mit Norbert Bolz
(tv.rebell.tv, sms, Video)
Stefan M. Seydel redet mit Medienwissenschaftler Norbert Bolz über den Unterschied zwischen den Begriffen „aktuell“ und „virtuell“, über Identität und über das Denken an den Unis: „Ich erwarte mir Denken eigentlich nicht an Universitäten, sondern an anderen Orten, vielleicht in einer Schwarzwaldhütte.“

Mediagazer, Podolski, Szenemenschen

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1. „Die Rettung der A-Klasse“
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Michael Spreng, ehemaliger Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, erinnert sich an die Machtspiele bei der Wahl zum “Goldenen Lenkrad“ 1997.

2. „Profil ist mehr als ein Social-Media-Account“
(beibrechtels.posterous.com, Detlev Brechtel)
Detlev Brechtel bekommt Ausschlag vom Wort „Qualitätsjournalismus“ und will mehr Autoren lesen. „Die größte Bedrohung der Printmedien sind die Printmedien selbst.“

3. Interview mit Nadia al-Sakkaf
(diepresse.com, Jutta Sommerbauer)
Die Chefredakteurin der „Yemen Times“ über die Pressefreiheit im Jemen: „Mal kannst du etwas schreiben, mal wieder nicht. Das ist sehr vage und hängt von der Stimmung der Behörden ab. Wenn wir etwas schreiben, dann ist es wie bei einem Glücksspiel.“

4. „Mediagazer: Techmeme für Medien“
(neunetz.com, Marcel Weiß)
Mit Mediagazer startet in den USA ein „Memetracker zu (US-)Medienthemen“.

5. „Hau den Lukas!“
(magda.de, Michael Schophaus)
Ein Interview mit dem Fußballer Lukas Podolski zu führen ist kein einfaches Unterfangen. Michael Schophaus berichtet von einem Rekord für die Ewigkeit. „49 Fragen in 38 Minuten, dananch schickte ihn sein Berater zum Essen nach Hause.“

6. „Der Berliner Szenemensch“
(spreeblick.com, Sara Chahrrour)
Sara Chahrrour klärt auf über den Szenemensch in Berlin: „Merke: alles ist ironisch gemeint. Und wenn man etwas mal gut finden sollte, dann findet man es eigentlich schlecht. Und andersherum.“

Jugendpresse, Winnenden, Balzac

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1. „Fernbedient“
(jpbw.de, PDF-Datei, 1.7 MB)
Die aktuelle Ausgabe von „Noir“, dem Magazin der Jugendpresse, widmet sich den Medien. Unter anderem geht es um versteckte Werbung bei den Jugendzeitungen „Spiesser“ und „Yaez“.

2. „Bis zur letzten Träne“
(taz.de, Ingo Arzt)
Es naht der Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden und „mit ihm die nächste Presseinvasion“: „Man kann sich tausend Mal sagen: Bevor ich als Journalist die Opfer eines solch traumatischen Erlebnisses behellige, hänge ich meinen Job an den Nagel. Und wenn es so weit ist, dann muss eine Zeitung voll werden.“

3. „Der Hinterweltler und die Ignoranz“
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig schreibt über die Flut von Angeboten, denen der Medienkonsument mit Aufkommen von neuen Medien gegenübersteht und den „Überforderungs-Klagediskurs“ dazu: „Ja, natürlich gibt es schreckliche Webseiten, Onlinemagazine und Blogs. Oder einfach nur banale. Aber es gibt auch schreckliche und banale Bücher, Filme, Fernsehsendungen, Theaterstücke, Zeitschriften und Zeitungen ohne dass deshalb das Medium kollektiv verworfen wird. Warum wird also die Polyphonie wenn nicht als Gewinn so doch mindestens als Inspiration empfunden?“

4. „Kleine Fehler, grosse Wirkung“
(nzz.ch, Sven Titz)
Sven Titz listet nochmals die Fehler des Uno-Klimarats auf, die von den Medien groß ausgebreitet wurden. „Klimaforscher räumen die Patzer mehr oder weniger ein, beklagen aber Fehlinformationen und Übertreibungen, vor allem durch britische Medien.“

5. „Journalisten, nicht nur nach Balzac“
(jungle-world.com, Stefan Ripplinger)
Stefan Ripplinger widmet sich Honoré de Balzac und dem „Schreckenskabinett seiner Journalisten, dieser mürrischen, unterbezahlten, ausgehungerten, ressentimentgeladenen, mitunter auch erschreckend einfallsreichen Lohnschreiber und verhinderten Dichter“.

6. „Spiegel-Bild“
(ralkorama.blogspot.com)
Gleiches Foto, fast gleiche Schlagzeile. Zwischen dem „Spiegel“ und „Bild“ ist online kaum ein Unterscheid auszumachen. In einem Fall.

Berlusconi, Regionalzeitungen, Stern

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1. Interview mit Thierry Chervel
(die-stadtredaktion.de, Atossa Kamran)
Thierry Chervel vom Perlentaucher über die Krise der Printmedien und zu festen und freien Journalisten: „Freie Journalisten hatten schon immer einen elenden Status, der sich seit der Zeitungskrise vor ein paar Jahren noch verschärft hat. Hier ist es immer am leichtesten zu sparen. Festangestellte sind schwer zu entlassen. Die Freien sind die Opfer eines soliden Arbeitsrechts – darum werden auch immer weniger Leute fest angestellt.“

2. „Regierung Berlusconi verbietet politische Talkshows während des Wahlkampfes“
(dradio.de, Thomas Migge)
Macher von politischen Diskussionssendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Italien dürfen nicht mehr frei entscheiden, wen sie einladen möchten: „Die Talkmaster müssen nicht nur Listen mit jenen Politikern, die eingeladen werden sollen, einer RAI-internen Kommission vorlegen, deren Entscheidungen das Plazet der Regierung haben müssen, sondern auch dafür sorgen, dass ihre Sendungen politisch ausgewogen und rein informierend sind. Keine Diskussionen mehr, keine Polemiken.“

3. „Regionalzeitungen pro Stadt“
(zeit.de, Matthias Stolz)
Eine Karte des „Zeit Magazins“ zeigt auf, wieviele Zeitungen mit Lokalteil es in deutschen Großstädten gibt.

4. „Die Angst vor Google“
(dondahlmann.de)
Don Dahlmann schreibt über die Technologie-Ängstlichkeit der etablierten Intellektuellen. „Es scheint, als ob eine Beharrungs-Philosophie Einzug gehalten hat. Bloß dem Neuen keinen Raum geben, es argwöhnisch beobachten und wo es geht, mit allen Mitteln bekämpfen. Das führt dann zu absurden Dingen, wie der Formulierung, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei.“

5. „Wer sich noch wundert, warum vielen Bloggern der Spaß an der Sache vergeht“
(yuccatree.de, Jürgen Vielmeier)
Jürgen Vielmeier wundert sich über Blogleser, die „wegen eines Mausklicks mehr“ einen „Abschied auf nimmer Wiedersehen“ ankündigen.

6. „Nackt auf dem Stern“
(dirkvongehlen.de)
Wie der „Stern“ das Thema „Vorsorge und Früherkennung“ illustriert.

Google, CNN, Kostenstellen

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1. Interview mit Robert Rosenthal
(focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Ein langes Gespräch mit Robert Rosenthal, Chef des Center for Investigative Reporting (CIR) in Berkeley, Kalifornien, einer Nonprofit-Organisation für Recherchejournalismus. „Immer mehr Stiftungen, die mit Medien und Journalismus bisher nichts am Hut hatten, erkennen, dass es immer weniger Journalisten gibt und der Bedeutungswandel der Presse sich in unserer Demokratie zu einem Thema entwickelt hat, das uns alle etwas angeht.“

2. „Leistungsschutzrecht für Mathematiker?“
(presseschauer.de, Daniel Schultz)
Daniel Schultz schreibt an Mathias Döpfner zum Thema Leistungsschutzrecht. Ihm scheint, man wolle „unter Bemühung der Pressefreiheit ein Existenzrecht für Verlage“ herbeileiten – „als würden Hersteller von Sicherheitsschlössern aus der Unverletzlichkeit der Wohnung eine Existenzberechtigung ableiten“.

3. „Auf Google mit Gebrüll!“
(ftd.de, Annette Berger)
Eine Auflistung der „Kritiker und Neider“, die sich Google mit seinen Produkten eingehandelt hat.

4. „Es geht um mehr als nur um Google“
(fischmarkt.de, Martin Recke)
„Die speziell in Deutschland geführte Attacke der Verlagshäuser auf Google ist mehr als nur das übliche Beißverhalten konkurrierender Konzerne. Es ist auch eine Schlacht um Meinungsmacht und Meinungsfreiheit, um das Oligopol der Verleger und meinungsführenden Redaktionen, das durch das Internet in seinen Grundfesten erschüttert ist.“

5. „Die Zukunft von Journalismus heißt – Journalismus“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hat den Eindruck, dass Redaktionen „leider viel zu sehr zu Kostenstellen, zu reinen Produktionsstätten verkommen; besetzt mit ziemlich vielen Menschen, die austauschbar sind“. „Richtige Autoren, Autoren die etwas können, Autoren, die nicht nur unter dem Label einer Marke schreiben, sondern womöglich selber sogar Marken sind, vermisst man inzwischen fast überall.“

6. „The Uninformant“
(thedailyshow.com, Video, 3:45 Minuten, englisch)
Jon Stewart über die Tsunami-Live-Berichterstattung auf CNN, wo die Galápagos-Inseln für Hawaii gehalten werden und es Probleme mit dem metrischen System gibt.

Zynismus, Leserbriefe, Ringier

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1. Interview mit Stefan Enderle
(spreegurke.twoday.net, Ursula Pidun)
Stefan Enderle gibt Auskunft über seinen medienkritischen Film “Kann nicht sein, was nicht sein darf!?” (youtube.com, Video, 98 Minuten), „der im Rahmen der Diplomarbeit zum Abschluss des Studiums ‚Audiovisuelle Medien‘ an der Hochschule der Medien in Stuttgart Vaihingen entstand.“ Für den Film befragte er unter anderem Journalistikprofessoren und Journalisten.

2. „Berufskrankheit Zynismus“
(konitzer.wordpress.com, Michael Konitzer)
Michael Konitzer hält die Überwachung des Privatlebens von Politikern für eine fast schon pubertäre „Erotik-Phantasie verklemmter Medienmacher“: „Wer sich mal ein paar Tage im Kreis verdienter Journalismus-Kollegen bewegt, bekommt massenhaft Tatsachen und Fakten erzählt, die bei Licht besehen nur Tratsch und Gerüchte sind. Der treibt es mit der, diese mit jenem. Der ist schwul und diese Lesbe. Diese Ehe ist im Eimer, jener ist jener hörig. Und alles ist so belanglos, und wenn es denn stimmen würde, dann nur reinste Privatsache der Beteiligten.“

3. „Tangerinegate“
(bbc.co.uk/blogs/comedy, Lucy McDermott, englisch)
Wie ein Scherz über Gordon Brown, der angeblich mit dem Wurf einer Mandarine eine Maschine zerstörte, zur Nachricht wird. „So apparently a pretend worker at a pretend factory phoned The Sun to tell them about a pretend incident with a pretend tangerine breaking a pretend lamination machine.“

4. „Newsletter abmelden: Don’t make me work!“
(blog.zeix.com, Jeanine Troehler)
Jeanine Troehler zeigt auf, wie schwierig es manchmal ist, einen Newsletter abzumelden.

5. „Die Meinungskracher“
(medienspiegel.ch, Fred David)
Fred David, ehemaliger Chefredakteur der Wirtschaftszeitung „Cash“, gibt zu, „selber auch schon Leserbriefe in meinem Sinn gefälscht“ zu haben. „Ist allerdings lange her und durchaus branchenüblich. Ich schäme mich noch heute.“

6. Interview mit Michael Ringier
(kleinreport.ch, Bruno Affentranger)
Verleger Michael Ringier („Blick“) hat seinem hauseigenen Mitarbeitermagazin „Domo“ ein Interview in drei Teilen gewährt, das der Kleinreport nun ins Internet gestellt hat. Ringier über das Internet: „Das Web bietet uns ein heilloses Chaos. Das Internet ist eine gigantische Ansammlung von absolutem Quatsch. Das ist unsere grosse Chance.“

Weizenbier, Propagandisten, Schawinski

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1. „Clockwork Bundesliga“
(11freunde.de, Titus Chalk)
Ein Engländer schaut ein Wochenende lang deutschen TV-Fußball und schreibt dann einen langen Text darüber. „Als sich mein Wochenende immer mehr in die Länge zieht und sich, je länger ich vor der Glotze sitze, mein leicht halluzinierender Sinneszustand verschlimmert, beginne ich mir vorzustellen, dass es in Deutschland vielleicht nur ein einziges Fußballpublikum gibt, das in einem Marathon ähnlich dem meinen von Studio zu Studio chauffiert wird und überall höflich applaudiert, mit dem einzigen Anreiz, am Sonntagmorgen als Belohnung ein Weizenbier beim ‚Doppelpass‘ trinken zu dürfen.“

2. „Chancen trotz Krise“
(sueddeutsche.de, Hajo Schumacher)
Hajo Schumacher macht „zwölf Anmerkungen zu einem Berufsstand, der sich für gefährlich ehrbar hält“.

3. „Die Interpretation einer Fernsehshow“
(fernsehkritik.tv)
Spiegel.de („Nach dieser Sendung ist es überflüssig geworden, überhaupt noch Fernsehen zu machen“) und Stern.de („Ein überforderter Endfünfziger im blauen Samtjackett“) schätzen die letzte „Wetten, dass…?“-Sendung komplett unterschiedlich ein (wenn man die Möglichkeit von Satire ignoriert). „Interessant ist jedenfalls, wie sich seriöse Online-Auftritte offenbar darin abquälen, einer belanglosen TV-Show im negativen oder positiven Sinne mittels eines Extrem-Artikels mehr Bedeutung beizumessen als sie in Wahrheit hat.“

4. „Manipulative Information“
(nzz.ch, ras.)
Rainer Stadler kritisiert einen Artikel auf Tagesanzeiger.ch, der den Titel „Einreisewelle aus dem Balkan schwappt in die Schweiz“ trägt und das im Text dazu mit lediglich zwei Fällen in einem Kanton untermauert. „Ein schrill aufgemachter Text treibt natürlich auf dem fiebrigen Online-Informationsmarkt die Leserzahlen hoch. Die Verkaufsmethode gleicht indessen in diesem Fall der Arbeitsweise von politischen Propagandisten.“

5. „Medienkritik im Web“
(rosprivat.wordpress.com, Ronny Schilder)
Eine kurze Vorstellung von sechs Websites, die Medienkritik im Internet betreiben. „Journalisten, die ihren Beruf ernst nehmen, dürften sich von Medienkritik eher inspiriert als getroffen fühlen.“

6. „Deutsche sind vom Mars, Schweizer von der Venus“
(welt.de, Roger Schawinski)
Der Schweizer Roger Schawinski berichtet von seinen Erfahrungen in der Führungsetage von Sat.1 in Berlin: „Eine enge Mitarbeiterin erklärte mir, dass ich nicht einfach unangemeldet in eine Redaktion platzen könne, um mit den gerade Anwesenden über die aktuelle Sendung zu debattieren. Ein Geschäftsführer genieße in Deutschland so hohen Respekt, dass sich viele Mitarbeiter nicht frei und ungezwungen äußern könnten.“

Count-Up, Riekel, HartzIV

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1. „Gerüchteköche“
(fr-online.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon fragt Joachim Widmann, Chefredakteur der Nachrichtenagentur ddp, wie es dazu kommen konnte, dass so viele deutschsprachige Medien eine angebliche Trennung des Schauspielerpaars Brad Pitt und Angelina Jolie vermeldeten. „Widmann erzählt, dass die Kollegin aus der Redaktion die Meldung der News of the World zunächst zur Seite gelegt habe. Sie habe sie erst veröffentlicht, nachdem im Internet drei Dutzend Medien darauf eingegangen waren.“

2. „Das Riekelsche Gesetz“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris fühlt sich als freier Journalist von den Methoden der „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel beleidigt. „Wir sind Journalisten, keine Spanner, die im Gebüsch liegen um herauszufinden, ob und mit wem Parteivorsitzende ein Sexualleben haben.“

3. „Journalismus 2010: Drecksarbeit“
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
„Mir sind diese Woche gleich zwei Dinge widerfahren, die aktuelle Probleme der gedruckten Presse dokumentieren, ohne gleich hochtrabende Begriffe wie ‚Qualitätsjournalismus‘ oder ‚redaktionelle Autonomie‘ zu strapazieren.“

4. „Käßmann, Mixa und die Kunst der Gegendarstellung“
(stern.de/blog, Artur Fischer-Meny)
Artur Fischer-Meny geht auf die schnelle mediale Verbreitung der „Alkoholfahrt“ von Margot Käßmann ein und recherchiert Straßenverkehrsdelikte in der katholischen Kirche.

5. „Pingpong mit Westerwelle“
(nn-online.de, Hans-Peter Kastenhuber)
Die „Nürnberger Nachrichten“ fassen nochmals zusammen, was „Bild“ in den letzten zwei Monaten alles zum Thema HartzIV schrieb.

6. „Das unwürdige Count-Up“
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig fragt sich, warum zum Erdbeben im Chile „trotz unsicherster Nachrichtenlage immer wieder sinnlose Zahlen von Todesopfern weitergemeldet“ werden.

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