Archiv für 6 vor 9

Pfitzinger, Hegemann, Knallpresse

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Der lauteste Leser“
(taz.de, Anja Maier)
taz-Redakteurin Anja Maier besucht Hans Pfitzinger, einen an Krebs erkrankten taz-Leser, der sie in seinem 2008 und 2009 geführten taz-Blog schon als “Hohlspießerin” und “Dünkelkolumnistin” bezeichnete.

2. „Axolotl Roadkill: Alles nur geklaut?“
(gefuehlskonserve.de, Deef Pirmasens)
Im von vielen Medien ausführlich rezensierten Buch „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann stehen Passagen, die sehr ähnlich im Buch „Strobo“ des Bloggers Airen zu finden sind. Romanautorin Hegemann gibt auf buchmarkt.de zu, von Airen „regelrecht abgeschrieben“ zu haben. Felicitas von Lovenberg überraschen die Vorwürfe in der FAZ nicht – „einem ungewöhnlichen Bucherfolg“ folge „fast nichts so zuverlässig wie der Plagiatsvorwurf“.

3. „Was die Medien Ihnen verschweigen“
(evangelisch.de, Daniel Drepper)
Daniel Drepper schreibt über „Project Censored“, ein seit über 30 Jahren bestehendes Non-Profit-Projekt, das sich um von den Medien nicht aufgegriffene Themen kümmert.

4. „Zum Umgang mit der Knallpresse“
(floriansiepert.com)
Florian Siepert beleuchtet, wie BBC Radio 4 mit fragwürdigen Quellen wie „Sun, Mirror oder Daily Mail“ umgeht.

5. „Sat 1: Sender ohne Sendung“
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
„Um Sat 1 zu retten, müsste es einen Bruch mit dem ewigen Lavieren, den Halbheiten des Low-Budget-TV und dem Nachläufertum geben. Dazu reichen nicht einzelne Formatideen. Der Sender selbst braucht ein Leitbild.“

6. „The Blogs Must Be Crazy“
(thedailyshow.com, Video, 5:34 Minuten, englisch)
Jon Stewart mokiert sich über die reißerischen Schlagzeilen von US-Blogs wie der „Huffington Post“.

Dokusoaps, Neandertaler, Neda

6 vor 9

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1. „Schluss mit den Grundrechten“
(fernsehkritik.tv/blog)
Fernsehkritik.tv präsentiert Auszüge aus einem mit einer Dokusoap-Produktionsfirma abgeschlossenen Vertrag. Einer der Punkte lautet: „Der Vertragspartner soll während des Produktionszeitraumes frei agieren und dabei lediglich mit der Kamera begleitet werden. Der Produzent wird dem Vertragspartner dementsprechend keine von ihm zu sprechenden Texte vorgeben. Der Produzent wird dem Vertragspartner bei Bedarf inhaltliche Vorschläge unterbreiten. Nimmt der Vertragspartner diese Vorschläge an, so geschieht dies auf rein freiwiliger Basis.“

2. „Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise. Warum?“
(freischreiber.de)
Freischreiber, ein Berufsverband von freien Journalisten, glaubt, dass „freie Journalisten bei Preisverleihungen meistens leer ausgehen“ und stellt dazu Vermutungen an.

3. „Digitale Neandertaler“
(sueddeutsche.de, Stephan Weichert und Leif Kramp)
Die „Süddeutsche Zeitung“ startet eine neue Serie zur Zukunft des Journalismus und stellt fest, dass viele Journalisten noch nicht im Internet angekommen sind: „Gemessen daran, wie wenig die Potenziale der Netzkommunikation heute erst genutzt werden, sind Journalisten die Neandertaler der digitalen Ära.“

4. „Nie war Gewinnen so einfach“
(narragonien.de)
Narragonien.de nimmt die Gewinnerin des Tages von „Bild“ unter die Lupe. (Hinweis: Dieser Link war vorübergehend nicht erreichbar.)

5. „Das zweite Leben der Neda Soltani“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, David Schraven)
Eine Untersuchung zur Verwechslung der beiden Iranerinnen Neda Soltan und Neda Soltani: „Wer als Erstes die lebende Dozentin Neda Soltani mit der toten Studentin Neda Soltan verwechselt, lässt sich später nicht mehr rekonstruieren.“

6. „Aufmerksamkeitsspanne bei Zeitungsartikeln kurz“
(der-postillon.com)
Eine „Studie“ zur Aufmerksamkeit beim Lesen von Zeitungsartikeln – „im Auftrag des Postillions“.

Apple, Binnen-I, Le Canard enchaîné

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1. „Kostenlos-Werbung für Apple“
(ndr.de, Video, 6:24 Minuten)
Ein Video-Bericht, der danach fragt, warum die Medienwelt, allen voran „Bild“ und „Bild am Sonntag“, eine „Fanmeile für Apple-Produkte“ geworden ist.

2. „Das iPad ist nur eine Fernbedienung“
(faz.net, Jörg Kantel)
Blogger Jörg Kantel ist „ein begeisterter Nutzer der Apple-Computer“. Er glaubt aber, dass das Internet anders aussähe, „hätte es die App-Stores schon in den neunziger Jahren gegeben: keine alternativen Browser wie Firefox, keine Wikipedia, keine Weblogs und kein YouTube, und auch Google wäre mit seiner spartanischen Suchmaschine sicher nicht am Torwächter der App-Stores vorbeigekommen.“

3. „Zur Karriere eines missbrauchten Buchstabens“
(heise.de/tp, Marcus Hammerschmitt)
Marcus Hammerschmitt begrüsst das Verschwinden des Binnen-I: „Wie alle anderen Formen von Politial Correctness handelt es sich bei der orthographischen um eine Ersatzstrategie, die mangelnde Erfolge in der Hauptsache durch Stellvertreterkriege auf Nebenschauplätzen kaschieren will.“

4. „Zehn gute Gründe, warum man 2009 Blogs lieber gelesen haben sollte“
(carta.info)
Carta antwortet Nico Lumma und nennt seinen Text eine „oberflächliche Provokation“: „Man könnte von Stern bis Welt kompakt sehr viele Medien aufzählen, die man nicht gelesen haben muss, um keinen wichtigen Beitrag zu verpassen. Im Vielgeschrei des Medienbetriebs ist das ein fast schon strukturell verankertes Phänomen: Es gibt ohnehin fast nichts, was man unbedingt gelesen haben muss.“

5. „Die süsse Revanche des Volkes“
(tagesanzeiger.ch, Oliver Meiler)
Oliver Meiler schreibt über die werbefreie Zeitung „Le Canard enchaîné“: „Unbeeindruckt von den Entwicklungen in der Branche. Unverändert seit bald 100 Jahren. Relevanz auf nur 8 Seiten in einem anachronistischen Layout mit einem lustigen Mix von Schriften auf etwas dickerem Zeitungspapier. Immer am Mittwoch, 1.20 Euro.“

6. „Kritik an der Kritik: Aufmerksamkeitsdefizitstörung“
(katrinschuster.de)
Katrin Schuster beobachtet Literaturkritiker, die Bücher überschwänglich loben. Sie glaubt, es rühre daher, „dass sie sich bewusst oder unbewusst auch als Agenten der Literatur im Allgemeinen – und damit auch des Buchmarktes – sehen. Dass sie also glauben, sie müssten ihre Leser vom Lesen (i.e. Kaufen) an sich überzeugen, weil das ja keiner mehr tue (im Gegensatz zum Fußballspielegucken und Autofahren).“

Schutzrechte, Karneval, Gaschke

6 vor 9

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1. „Wenn der Leser nicht will, wie die Verlage wollen“
(carta.info, Andreas Moring)
Andreas Moring wundert sich, wie die Mitarbeiter der Printverlage mit dem Medienwandel umgehen, der sie bedroht. „Bevor sich das eigene Weltbild und Selbstverständnis ändert, soll sich die Welt den (Wert-)Vorstellungen der Journalisten und Medienmanager aus den klassischen Massenmedien anpassen. Nach dieser eigentümlichen Logik wären es also die Nutzer, die sich den Zielen der Medienmacher anzupassen hätten – und nicht umgekehrt. Das aber tun sie nicht, darum muss Zwang her, werden ‚Schutzrechte‘ verlangt und der Versuch unternommen, die Nutzer zum Bezahlen zu zwingen.“

2. „Ja da geht´s humba, humba, humba, täterä…“
(blogmedien.de, Horst Müller)
Karneval wird dieses Jahr fast ausschliesslich von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen – dort dafür fast achtzig Stunden lang: „In der ersten Februarhälfte bis einschließlich Rosenmontag werden allein in den abendlichen Hauptsendezeiten 33 Prunk- und Festsitzungen übertragen.“

3. „Wozu noch Verlage? Die Wirtschaft kann den Journalismus retten!“
(yuccatree.de, Jürgen Vielmeier)
Jürgen Vielmeier stellt Blogs vor, die von Hosting-Anbietern, Softwareherstellern und Internet und IT-Dienstleistern betrieben werden. „Das Prinzip kann funktionieren, wenn sich die Unternehmen an eine Selbstverpflichtung halten, nicht auf die Inhalte der Redaktion einzugreifen.“

4. „susanne gaschkes strategien gegen verdummung“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel rezensiert ein Buch der netzkritischen „Zeit“-Journalistin Susanne Gaschke. „ist die zeitungskrise nicht eher ein qualitätsproblem, als ein technologieproblem? warum lesen junge menschen rowling, aber nicht gaschke? ich war siebzehn, als ich neil postmans ‚wir amüsieren uns zu tode‘ gelesen habe. wieso kann ich mir heute keinen siebzehnjährigen vorstellen der gaschkes ’strategien gegen die digitale verdummung‘ liest? richtig. weils kreuzöde und flach wie ein bügelbrett ist.“

5. „Die Rohwedder-Verwechslung“
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Für Ex-„Bild“-Mitarbeiter Michael Spreng gehört die Rohwedder-Verwechslung zu den peinlichsten Geschichten, die er in seiner Zeit bei der Zeitung erlebte.

6. „Blogs in Deutschland sind nett“
(lumma.de, Nico Lumma)
Nico Lumma kennt kein deutschsprachiges Blog, auf das er nicht auch verzichten könnte.

Willemsen, Häppchenepisoden, Haiti

6 vor 9

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1. Interview mit Roger Willemsen
(sueddeutsche.de, Christina Maria Berr)
Roger Willemsen glaubt, „dass das Fernsehen mittlerweile einen komplett fiktiven Charakter bekommen hat. Es wird nichts mehr geglaubt. Man glaubt die Polschmelze, die Vogel- und die Schweinegrippe nicht, man glaubt auch nicht, dass die Wirklichkeit vor der eigenen Haustür stehen könnte. Es besteht ein ganz grundsätzlicher Vertrauensverlust in das, was Medien sagen.“

2. Interview mit Alexander Kissler
(tt.com, Christiane Fasching)
Bei den sogenannten Talentshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany‘s Next Topmodel“ geht es „letztendlich nicht darum, dass man die beste Stimme oder das hübscheste Mädchen findet – vielmehr ist alles als Soap angelegt. Von Anfang an werden bestimmte Persönlichkeiten herausgezogen, denen man Geschichten andichten kann, die wichtiger sind als die Frage, ob sie singen oder stöckeln können.“

3. „Wir brauchen eine kontroverse politische Öffentlichkeit. Keine subventionierten Zeitungen.“
(blog.kooptech.de, Nikolaus Huss)
„Wenn alle Medien von der Hand in den Mund leben und die Redaktionen so ausgedünnt sind, dass keine echten Kontroversen mehr geführt werden, brauchen wir keine 70 Bühnen. Für die Häppchenepisoden aus dem Kanzleramt, aus Kundus oder sonst woher auf denen das selbe in belanglos unterschiedlichen Varianten verkündet wird, braucht es keine Vielzahl von Tageszeitungen mehr.“

4. „Die Methode Diekmann“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier beleuchtet in einem langen Beitrag die Blog-Aktivitäten von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann und seines Teams. „Man muss Diekmann dazu gratulieren, wie erfolgreich seine Strategie war und wie sehr ihm die unterhaltungssüchtigen Journalisten auf den Leim gegangen sind.“

5. „4 Magazine, für die ich auf dem iPad bezahlen würde“
(agorazein.de, Torsten Meise)
Torsten Meise denkt sich Magazine aus, die er gerne auf dem iPad lesen würde.

6. „Die Blicke der Überlebenden“
(taz.de, Hans-Ulrich Dillmann)
In einem persönlichen Bericht, in dem auch die Rolle der Medien zur Sprache kommt, schildert Hans-Ulrich Dillmann, was er nach dem Erdbeben in Haiti angetroffen hat.

Literaturkritik, Landlust, Spenden

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1. „Wenn Berufliches und Privates verschwimmen“
(journalist.de, Svenja Siegert)
Svenja Siegert geht der Frage nach, wie Redakteure in sozialen Netzwerken publizieren sollen und wie nicht. Als Diskussionsbeispiel erwähnt wird dieser Tweet des stellvertretenden Chefredakteurs von „Welt Kompakt“, Frank Schmiechen.

2. Vernachlässigte Themen 2009
(nachrichtenaufklaerung.de)
Wie jedes Jahr kürt die Initiative Nachrichtenaufklärung die Top 10 der von Journalisten vernachlässigten Themen.

3. „Warum es dicke Bücher heute schwer haben“
(jungle-world.com, Jörg Sundermeier)
Jörg Sundermeier schreibt auf, wie er die hiesige Literaturkritik wahrnimmt. „Kaum ein Kritiker liest heutzutage noch all die Bücher, über die er schreibt, von A bis Z durch. Selten liest einer mit Muße, oftmals reicht die Zeit nur, um ein Buch querzulesen. Die Inhaltsangaben in diesen Kritiken sind reichlich dünn, oft sind sie nicht nur in Details falsch. Mitunter kann man Formulierungen identifizieren, die Hinweise darauf geben, von wem der Rezensent abgeschrieben hat. Kritik sucht man abseits von kessen Behauptungen zumeist vergebens.“

4. „Provinzkritiker“
(glanzundelend.de, Lothar Struck)
Lothar Struck macht sich anlässlich eines neuen Suhrkamp-Romans Gedanken über Rezensenten, die Bücher beschuldigen, provinziell zu sein: „Bemerkenswert nur, dass sie beispielsweise ihren amerikanischen Helden diesen sogenannten Provinzialismus nicht nur verzeihen, sondern ihn gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen scheinen (was vermutlich damit zu tun hat, dass für die in der Mehrzahl eher stubenhockenden Redakteure die USA per se als Großstadt durchgeht und wo die Anschauung fehlt, wird der Zwerg schnell zum Riesen).“

5. „Im Reich des Regenwurms – Landlust“
(blog.dummy-magazin.de, Oliver Gehrs)
„Dummy“-Chef Oliver Gehrs über die „publizistische Idee der Stunde“, den „Idiotismus des Landlebens“: „Eine ungeheure Sehnsucht nach dem einfachen Leben bricht sich da Bahn, wogegen ja nichts zu sagen wäre, wenn diese nicht mit ungeheuer einfachen Rezepten gestillt würde und sich diese Art von Leser alle zwei Monate auf das kognitive Niveau eines Kaktusses begibt.“

6. „Fehlende Transparenz bei Spenden“
(youtube.com, Video, 9:02 Minuten)
Das Medienmagazin „Zapp“ beleuchtet die Kooperationspartner von „Bild“ bei Spendengalas und prüft die Aussage „Jeder Cent kommt an“.

Musikmagazine, Bratpfannen, Taliban

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1. „How To Report The News“
(youtube.com, Video, 1:59 Minuten, englisch)
Charlie Brooker zeigt auf, wie ein zweiminütiger Standardbeitrag des TV-Newsjournalismus aussieht.

2. „Vom Umgang mit Leser-Kommentaren“
(dirkvongehlen.de)
Dirk von Gehlen wundert sich nicht über die Qualität der Kommentare auf den meisten Online-Portalen. „Die Integration der Leser-Kommentare lässt derzeit nicht den Eindruck entstehen, dass hier jemand wirklich an den Äußerungen der Leser interessiert sei.“

3. „Die neuen Herausgeber“
(konitzer.wordpress.com, Michael Konitzer)
Michael Konitzer fragt sich, warum „Produzenten von Bratpfannen (oder anderer hochwertigerer Konsumentenprodukte) nicht in Qualitätsjournalismus investieren“ – es würden doch auch Medienunternehmen Wein, DVDs oder Bratpfannen verkaufen. „Warum sollen sie den Kontakt zu ihren Kunden nicht durch gut gemachte Medien – also Journalismus – zurück zu gewinnen versuchen?“

4. „Einerseits die Pest – und anderererseits auch: die Autorisierung von Interviews“
(interviewsfuehren.wordpress.com, Christian Thiele)
Christian Thiele erinnert daran, dass die „Autorisierung von Interviews, also deren Vorlage beim Interviewten vor Abdruck“ nicht gesetzlich geregelt ist. Trotzdem ist sie Alltag in deutschen Redaktionen. „Für Interviewer, die dafür bezahlt werden, auch mal am Lack zu kratzen, auch mal einen Blick hinter die Kulissen einer Person zu erhaschen, ist die Autorisierung die Pest. Und für das Publikum auch.“

5. „Nudeln oder Currywurst“
(fr-online.de, Klaus Raab)
Schwierige Zeiten für Musikmagazine: „Der Axel-Springer-Verlag feierte soeben in einem Desinformationsschreiben die im vergangenen Jahr gestiegenen Auflagen. Seit Ende 1999 aber ist die Auflage des Musikexpress von 75.000 auf etwa 55.000 Exemplare gefallen, die des Rolling Stone von 85.000 auf knapp 54.000.“

6. „Zu Gast bei Feinden“
(zdf.de, Video, 15:51 Minuten)
Ein afghanischer Reporter war zehn Tage lang „mitten unter Taliban“. Ein Bericht des ZDF-Auslandsjournals.

Apple, Afghanistan, Augstein

6 vor 9

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1. „Steve Jobs als Messias einer Branche“
(netzwertig.com, Peter Sennhauser)
Peter Sennhauser hat schon viele Ankündigungen der Firma Apple miterlebt, so nun auch das iPad: „Was mich immer befremdet hat, war das Verhalten der Presseleute – meiner Kollegen und Kolleginnen. Wenn die auf eine der sorgfältig inszenierten Ankündigungen von Steve Jobs mit Applaus oder sogar Jubel reagierten (“Boom! Copy, und Paste! Auf dem iPhone!”), als ob gerade ein Impfstoff gegen Krebs und nicht die längst überfällige Korrektur an einem Produkt präsentiert worden wäre, dann lief es mir jedesmal kalt den Rücken runter: Das sind Leute, die (größtenteils) dafür bezahlt werden, kritisch zu denken. Dinge zu hinterfragen. Die Vergangenheit im Kopf zu haben und die Relationen zu wahren.“

2. „Schweinegrippe – ein großer Bluff?“
(tagesschau.de, Martin Durm)
Martin Durm berichtet von einer Anhörung im Europarat zur Frage, wie es möglich war, „wegen eines offenkundig harmlosen Grippevirus die Weltbevölkerung in die größte Impfkampagne aller Zeiten zu schicken“.

3. „Vertuschen in Afghanistan“
(ndr.de, Video, 7:40 Minuten)
Unter Verteidigungsminister zu Guttenberg setzt sich teilweise fort, was sein Vorgänger Jung forderte, nämlich, nur „gute“ Nachrichten aus Afghanistan zu verbreiten. Journalisten werden von Presseoffizieren begleitet, die unter dem Druck stehen, ihren Job zu verlieren, wenn „schlechte“ Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen.

4. „Schlecht abgeschrieben, Mitteldeutsche Zeitung“
(blog.beliebte-vornamen.de, Knud Bielefeld)
Knud Bielefeld entdeckt in der „Mitteldeutschen Zeitung“ Passagen aus Texten, die er für seine Homepage verfasste. Online ist der MZ-Artikel inzwischen nicht mehr abrufbar.

5. Interview mit Jakob Augstein
(derstandard.at, Michael Kremmel)
Jakob Augstein, Verleger von „der Freitag“, glaubt, dass von Amateuren noch zu wenige Themen abgedeckt werden. „Wenn ich mir überlege, wie viele Leute an spannenden Sachen arbeiten, oder spannende Dinge erleben, sei es bei ihrer Arbeit, bei Reisen, oder mit grenzüberschreitenden Projekten in Unternehmen und Universitäten. Oder sie entdecken Missstände in Behörden und Abteilungen. Das sind doch alles Themen, die mich als Leser unheimlich interessieren würden.“

6. „Rund um Bilderstürmer“
(kaidiekmann.de)
„Bild“-Chef Kai Diekmann fragt sich nach der Lektüre eines Artikels im „Tagesspiegel“, warum dem TV-Zuschauer Bilder von „Leichen und Leichenbergen“ zuzumuten seien, dem Leser von Printprodukten aber nicht.

Focus, iPad, Frage-Phrase-Schema

6 vor 9

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1. „Die arschlochfreie Kette – oder: Was der Focus nicht hat“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Gar keine Freude am neuen „Focus“ hat Michalis Pantelouris: „Wenn dies die besten Ideen von drei verschiedenen Teams zusammenführt, die neun Monate Zeit hatten, sich Gedanken zu machen, dann ist das Ende der Zeitschriften in diesem Land besiegelt. Zumindest die erste Ausgabe ist eine unvorstellbar preiswert anmutende Mischung aus Designelementen der Mitbewerber – aber nicht einmal gut geklaut.“

2. „Apple iPad ab 499,- Euro bei Media Markt: ‚Tut mir leid, ist ein super Fake.'“
(basicthinking.de/blog, André Vatter)
Die Website netbooknews.de beruft sich auf einen (inzwischen gelöschten) Tweet und schreibt, die Firma Media Markt verkaufe ab dem 1. März 2010 ein Apple iPad – was eine Media-Markt-Sprecherin dementiert; beim besagten Twitter-Konto handle es sich nicht um ein firmeneigenes. „Die News verbreitete sich wie ein Lauffeuer und schaffte in Windeseile auch den Sprung über den Atlantik, so dass kurze Zeit später sogar MacRumors und CrunchGear darüber berichteten. ‚Media Markt kündigt Apple iPad für 899 Euro an‘, titelte auch Golem.“

3. „Freie sind die, die es geschafft haben …“
(freischreiber.de)
Gabriele Fischer, Chefredakteurin von „Brand Eins“, sagt, wie viel ihr Magazin freien Journalisten zahlt und glaubt, dass es viele Freie geschafft haben – nämlich unternehmerisch zu arbeiten. „Das kann nicht jeder. Viele unserer Freien bei ‚Brand Eins‘ sind auch Überzeugungstäter, die feste Jobs ablehnen, wenn man sie ihnen anbietet. Und: Freie sind meist unabhängige Köpfe. Sie schielen nicht ständig auf ihren Chef, sondern haben eine Vielzahl von Auftraggebern. Diese Unabhängigkeit ist gut für sie – und für uns. “

4. „Hat gesagt und hat passiert“
(spox.com, wunderkind)
Ein Blogeintrag zu den Interviews mit professionellen Fußballern: „Die meisten Interviews führen nun mal kein Eigenleben mehr, sondern folgen statt dem Frage-Antwort-Schema eher dem Frage-Phrase-Schema. Aussagen haben ihre Aussage verloren, weil man als Zuschauer genau so schlau ist wie vorher, wenn Spieler X oder Trainer Y sagt, dass man nur auf sich und von Spiel zu Spiel schauen müsse. Das wurde ihm im Interviewtraining eingeprügelt und daran hält er sich, nicht ohne verschmitzt zu lächeln, weil er weiß, dass alle wissen: Er hat keine Wahl, etwas anderes zu sagen.“

5. „Unsere Pressevielfalt oder: Der vierfache Stefan Raab“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Ein Vergleich von vier Interviews mit Stefan Raab in den Zeitschriften „TV Digital“, „TV Spielfilm“, „TV Movie“ und „TV Direkt“.

6. „Blogg besser“
(fr-online.de, Marin Majica)
Marin Majica empfiehlt einem eifrigen Leserbriefschreiber, zu bloggen oder zu twittern.

Wintersport, Photoshop, Hertha

6 vor 9

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1. „Wintersport-Fernseh-Test – Werbung am laufenden Band“
(faz.net, Christian Eichler)
Christian Eichler schaut sich auf ARD acht Stunden Wintersport an und stösst auf viel Werbung: „12.50 Uhr, Innsbruck, Skeleton der Frauen, endlich ein deutscher Erfolgssport. Er wird auf dem Bauch betrieben, weswegen die Werbung am Gesäß klebt.“

2. „Wein-Presse: Gibt es noch einen Ausweg?“
(weinakademie-berlin.de, Michael W. Pleitgen)
Ein langer Artikel zum aktuellen Zustand des Weinjournalismus: „Die Öffentlichkeit fragt sich nicht, warum Weinzeitschriften so oft über in unseren Landen unbedeutende Herkünfte wie Griechenland und Portugal schreiben. Haben die Zeitschriften etwas Neues entdeckt? Gilt es sensationelle neue Weine aufzuspüren? Viel einfacher: meist stand am Anfang eine PR Agentur und eine bezahlte Journalisten-Reise!“

3. „Unsinn“
(pixelfehler.nicolas-neubauer.de)
Nicolas Neubauer analysiert den „Spiegel Online“-Artikel „Wunderflunder mit Schnick und Schnack“, in dem über die Ankündigung eines neuen Produkts der Firma Apple spekuliert wird.

4. „In Haiti werden Journalisten selbst zu Helfern“
(evangelisch.de, Corinna Blümel)
„Helfen oder Berichten – vor diesem Dilemma stehen Journalisten bei jeder Katastrophenlage, seien es Erdebeben wie jetzt in Haiti oder der Tsunami von 2004, seien es Hungersnöte, kriegerische Auseinandersetzungen oder das Flüchtlingselend in Darfur.“

5. „Zu digital, um wirklich schön zu sein“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Sonja Pohlmann über den Einsatz von Photoshop und anderen die Realität verändernden Techniken: „In der Regel wird kein Bild unbearbeitet in Magazinen und auf Plakaten abgedruckt.“

6. „Entschiedenes Dementi“
(herthabsc.de)
Werner Gegenbauer, Präsident des Fußballvereins Hertha BSC Berlin, „dementiert entschieden, dass ein Präsidiumsbeschluss gefasst worden sei, wonach die Hertha-Profis Arne Friedrich, Gojko Kacar und Raffael im Fall einer Niederlage im Heimspiel am kommenden Samstag gegen den VfL Bochum verkauft werden sollen. Dies hatte die Berliner Boulevard-Zeitung B.Z. am Sonntag auf ihrer Internet-Seite berichtet.“

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