Archiv für 6 vor 9

Britt, Castor Schottern, Spiegel

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Die vielstimmige Gesellschaft und ihre Feinde“
(wissenslogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Der Verein Deutsche Sprache (VDS) und „Bild“ starten eine Unterschriftenaktion, die darauf zielt, die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen (BILDblog berichtete). Anatol Stefanowitsch kommentiert: „Bei der BILD geht es, wie immer, um populistischen Pseudoaktionismus, der aber schnell gefährlich werden kann. Man kann hoffen, dass das Herunterladen, Ausdrucken und unterschreiben eines Word-Dokuments durchschnittliche BILD-Leser/innen weit überfordert, aber falls der VDS mit Unterstützung der BILD mit seiner Unterschriftenaktion Erfolg hat und den Diskussionsprozess um eine Grundgesetzänderung neu anstößt, werde ich von diesem Blog aus eine Gegenaktion starten.“

2. „Last Woman Talking“
(taz.de, Benjamin Weber)
Benjamin Weber besucht Britt: „Das Vertrauen ist also endgültig dahin. Was tun? Britt wirft den Lügendetektor an, und siehe da: Es ist wahr, er liebt nur sie, und fremdgegangen ist er auch nie. Großer Applaus, sie fällt ihm um den Hals, das Licht geht an. Britt tritt ab, während sich das glückliche Paar irritiert aus der Umarmung löst und verdutzt feststellt, dass sich keine zwanzig Sekunden nach der frohen Auflösung niemand mehr für ihr Glück interessiert. Die Aufzeichnung ist vorbei.“

3. „Was willst du mit dem iPad, sprich!“
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier versucht, sich die Begeisterung für das iPad zu erklären: „Hier gibt es offenkundig ein Bedürfnis eines Teils der Mediennutzer nach Endlichkeit und Überschaubarkeit – im Gegensatz zum unendlichen, unüberschaubaren Internet. Es ist eine Sehnsucht nach dem Gefühl, eine Zeitschrift komplett ‚durchgeblättert‘ zu haben, oder die Illusion, informiert zu sein, wenn man die ganze 20-Uhr-‚Tagesschau‘ gesehen hat.“

4. „‚Castor Schottern‘: Eine Aktion für Polizisten und Journalisten“
(zeit.de, Carsten Lissmann)
Carsten Lissmann begleitet die Aktion „Castor Schottern“: „Nun steht ein Pulk von 20 oder 30 Journalisten um Mischa Aschmoneit, er ist einer der Sprecher der Kampagne. Ein komisches Schauspiel beginnt: Welche Journalisten dürfen welche Gruppe begleiten? Wo ist die meiste Action zu erwarten, gibt es da auch gute Bilder?“

5. „Wie man dem ‚unguten Presserummel‘ am Ende doch nicht entgeht“
(badische-zeitung.de, Rüdiger Bäßler)
Die „Badische Zeitung“ schreibt über die Beurlaubung eines langjährigen Redaktionsleiters der „Schwäbischen Zeitung“. „Ein paar aus ihrer Ruhe gerissene Leser und der Protest eines entlarvten Bürgermeisters reichen der Schwäbischen Zeitung also, um einen langjährigen Redaktionsleiter zu entfernen.“ Nachtrag, 13.20 Uhr: Der betreffende Redaktionsleiter ist zurück im Amt, wie Marc Felix Serrao auf sueddeutsche.de schreibt.

6. „Die Hitler-Titel des ‚Spiegel'“
(umblaetterer.de, Marcuccio)
Anlässlich der Ausstellung „Hitler und die Deutschen“ im Deutschen Historischen Museum versammelt Marcuccio alle bisherigen „Spiegel“-Ausgaben mit Adolf Hitler auf dem Cover.

Kachelmann, Hart aber fair, Tolstoi

6 vor 9

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1. „Wird er jemals wieder glücklich?“
(taz.de, David Denk)
Der von Jörg Kachelmann angekündigte Rückzug aus dem Fernsehen wurde nicht aus freien Stücken entschieden, gibt David Denk zu bedenken. „Ich muss in letzter Zeit immer wieder an Andreas Türck denken. Auch er war Fernsehmoderator, bis ein Vergewaltigungsvorwurf seine Bildschirmpräsenz 2004 abrupt beendete.“

2. „Show, don’t tell“
(juliane-wiedemeier.de)
Bei „Hart aber fair“ diskutieren vier Frauen und zwei Männer über das Thema „Quoten, Krippen oder Ellbogen – was brauchen Frauen zum Erfolg?“. Juliane Wiedemeier sieht sich dazu den Frauenanteil der zehn letzten Sendungen an – und rechnet aus, dass einer Frau im Durchschnitt vier Männer gegenübersassen.

3. „Zuckerberg, und weiter?“
(kobuk.at, Sandra Capljak)
Der CEO von Facebook heisst in „Die Presse“ „David Zuckerberg“.

4. „Wie der Spiegel Generationen erfindet“
(backview.eu, Lea Kramer)
Lea Kramer hält die Generation Praktikum für „ein Kunstprodukt, das die Leitmedien dankbar aufnehmen – vielleicht um die Akademiker als potentielle Abonnenten von morgen ein wenig zu tätscheln. Dabei ist es bei genauem Hinsehen recht dreist, dass ausgerechnet die Medienbranche diese ‚Zustände‘ anprangert. Gerade diese bedient sich mit vollen Händen an den Praktikanten als billigen und kurzfristig einsetzbaren Arbeitskräften.

5. Interview mit Patrick Wall
(christoph-koch.net)
Christoph Koch spricht mit Patrick Wall, der für die Kirche, aus der er inzwischen ausgetreten ist, Fälle von sexuellem Missbrauch vertuschte. „Lassen Sie mich klarstellen: Die Mehrheit der katholischen Priester vergeht sich nicht an Kindern. Laut Studien tun dies sechs bis zehn Prozent.“

6. „Zwei Nasen tanken Tolstoi“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Andreas Bernard und Lars Reichardt)
Andreas Bernard und Lars Reichardt fahren mit einem „hochmodernen Audi A8 allroad quattro“ von München nach Jasnaja Poljana und hören dabei die auf 54 CDs verewigte Hörbuchfassung von Tolstois „Krieg und Frieden“.

Gorleben, Sport Bild, Schmalkalden

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1. „Die PR der Gorleben-Protestler“
(ndr.de, Video, 6:34 Minuten)
Um „gute Berichterstattung“ zu erzielen, kümmern sich Atomkraftgegner um die anreisenden Journalisten, kochen Kaffee, richten Büros ein. Christoph Bautz vom Kampagnenverein „Campact“: „Wir gestalten Aktionen doch immer wieder so, dass sie auch von den Medien entsprechend aufgegriffen werden, entsprechend transportiert werden. Wir schaffen ein Bild, das zum Beispiel gut in der Zeitung dargestellt werden kann, das gut in einem Fernsehbeitrag übertragen werden kann. Beispielsweise eine grosse Castor-Attrappe, mit der wir letzte Woche auf Tour gegangen sind, vom Endlager-Standort Gorleben nach Berlin. Das waren Bilder, die Medien gerne aufgreifen.“

2. Interview mit Christian Jungblut
(freischreiber.de)
Gemäß dem Landgericht Hamburg hat die Zeitschrift „Geo“ gegenüber dem freien Journalisten Christian Jungblut „ihr Bearbeitungsrecht überschritten“. Jungblut sieht sich selbst kooperationsbereit und findet es gut, wenn jemand sein Stück gegenliest und sagt: „Hör mal, das habe ich nicht verstanden“. „Wenn mir aber eine redigierte Fassung vorgelegt wird, die ich nur noch abnicken darf, ist das nur noch ein Verwaltungsakt – und keiner möchte gern verwaltet werden.“

3. „Hinter der Freiwilligkeit wartet der Zwang“
(lawblog.de, Udo Vetter)
Udo Vetter kommentiert von der Polizei vorgenommene Speichelproben bei mehreren hundert Fahrzeughaltern. „Nach außen betont die Polizei, jede Speichelprobe sei freiwillig. Wer sie verweigere, mache sich deswegen noch nicht verdächtig. Die Wirklichkeit dürfte anders aussehen. Die Boulevardpresse zeigt schon mal den Weg und fragt, ob der Verweigerer nur ein Querulant ist.“ Die Schlagzeile auf Bild.de: „Passat-Fahrer verweigert Polizei Speichel-Probe!“

4. „Kampf der Leserintelligenz (2)“
(el-futbol.de, Sidan)
Sidan liest die aktuelle „Sport Bild“.

5. „2010 State Of The Blogosphere“
(techcrunch.com, Erick Schonfeld, englisch)
Die auf einer Umfrage unter 7200 Bloggern basierende Präsentation „State Of The Blogosphere“ für 2010 ist erschienen.

6. „Er entkam dem Erdloch in Thüringen!“
(medienrauschen.de, Thomas Gigold)
Ein Schlagzeilen-Quiz zum Erdloch in Schmalkalden (BILDblog berichtete).

Fritzl, Eichel, Street View

6 vor 9

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1. „‚Bild‘-Interview mit Josef F.: ‚Faszination des Bösen'“
(diepresse.com, Anna-Maria Wallner)
Ein „Bild“-Reporter führt in der Justizanstalt Stein ein Interview mit Josef Fritzl und dreht dazu ein Video. Wie das Wiener Justizministerium mitteilt, habe die zuständige Vollzugsdirektion für das in der Verhörzone entstandene Gespräch kein Gesuch erhalten und auch keine Bewilligung erteilt.

2. „Hans Eichel, der Oberschurke“
(sueddeutsche.de, Claus Hulverscheidt)
Anders als „Bild“ glaubt Claus Hulverscheidt nicht, dass der frühere Finanzminister Hans Eichel Hauptverantwortlicher für die Folgen des griechischen Euro-Beitritts ist.

3. „Wie der ‚Bundesverband der im Haushalt helfenden Männer‘ die faule Presse narrte!“
(wasmitmedien.de, daniel)
Ein Gespräch mit Dirk Emig (auch als Audio), der vor rund zehn Jahren zusammen mit einem Kollegen die Website bdhm.de.vu aufsetzte und damit dem nicht existierenden „Bundesverband der im Haushalt helfenden Männer“ Nachdruck verlieh. Die beiden wollten damit beweisen, „dass man mit einer skurrilen Geschichte, angereichert mit dem Konflikt Mann-Frau, ein bisschen Sex dazu, ein paar krude Thesen, wirklich einen Selbstläufer produzieren kann.“

4. „Manege frei!“
(journalist.de, Ralf Geißler)
Ralf Geißler schreibt über die immer aufgeregter daherkommenden „Medienskandale“: „Mit einigen Jahren Abstand staunt das Publikum oft, warum es sich einst so aufgeregt hat. Trotz BSE essen die Deutschen heute wieder unbesorgt Rindfleisch. Sie tanken seit der An-Land-Entsorgung der Ölplattform Brent Spar wieder bei Shell und fahren durch den Wald, der nach den apokalyptischen Szenarien der 80er Jahre längst verschwunden sein müsste. Weiß eigentlich noch jemand, wie ansteckend die Lungenseuche SARS ist?“

5. „Die Handschrift des Reporters“
(magda.de, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal kommentiert ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Die GEO-Redaktion habe bei der Redigatur eines Text des freien Journalisten Christian Jungblut „ihr Bearbeitungsrecht überschritten“. „So manche Redaktion hat sich in den letzten Jahren angewöhnt, Texte freier Autoren als bloßes ‚Materialangebot‘ zu betrachten, als ‚Rohmasse‘, die ohne Rücksicht auf Stil und individuelle Herangehensweise eines Autors verformt werden darf. Diese Fehlentwicklung wird im Urteil des Landgerichts deutlich benannt und kritisiert.“ Siehe dazu auch „Gericht erklärt ‚Geo‘: Autoren haben Rechte“ (stefan-niggemeier.de).

6. „Germany, what have you done?“
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis zum Datenschutzwahnsinn der Deutschen in Sachen Google Street View: „This is not a matter of privacy. And don’t tell me it has a damned thing to do with the Nazis and Stasi; that’s patently absurd. If anything, the Stasi would have exercised their Verpixelungsrecht to obscure their buildings from public view, taking advantage of the cloak of secrecy the idea provides.“

Zeitungen, Basiskartenleser, Chlamydien

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1. „Unser Mitgefühl gilt den trauernden RTL-Zuschauern“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath kommentiert die Quotenerfolge von RTL mit Scripted Reality. RTL schaffe es, „das Publikum daran zu gewöhnen, nicht mehr zu fragen, was echt ist und was nicht. Was gestellt ist und was nicht. Ein echtes Erfolgsrezept. Der Nachteil: Inhaltliche Kritik perlt immer öfter mit dem Verweis auf die Quote ab. Fast so als sei alles recht, wenn die Quote stimmt.“

2. „Mit angezogener Handbremse“
(scarlatti.de)
In einem Gespräch mit Thomas Mrazek vergleicht Lorenz Lorenz-Meyer die hiesigen Online-Aktivitäten der Verlage mit den Preisträgern US-amerikanischer Online-Journalismus Awards. „Den Luxus multimedialer Formate erlauben sich eigentlich nur die Öffentlich-Rechtlichen, obwohl der Aufwand gar nicht einmal so groß sein müsste, wenn man nicht seine ganzen Ressourcen in den schwachsinnigen Wettlauf um die schnellste DPA-Meldung stecken würde.“

3. „Newspaper Extinction Timeline“
(rossdawsonblog.com, englisch)
Wann werden die Zeitungen in ihrer aktuellen Form bedeutungslos? Dem Beratungsunternehmen „Future Exploration Network“ gemäß ist es in den USA 2017, in der Schweiz 2025, in Österreich 2028 und in Deutschland 2030 soweit (PDF-Datei).

4. „Warum ich eine Geschlechtskrankheit vortäuschte“
(korrespondenten.blog.sf.tv, Peter Balzli)
Um für die Gesundheitssendung „Puls“ an einen Test-Kit zu kommen, gibt sich der London-Korrespondent des Schweizer Fernsehens als Chlamydien-Patient aus.

5. „Doof, aber gratis“
(internetsoziologie.at, Stephan G. Humer)
Bild.de schreibt in einem Artikel, dass Politiker und Polizei vor „einfachen elektronischen Lesegeräten“ für den neuen Personalausweis warnen. Daneben: der Hinweis, dass ein solcher Basiskartenleser „kostenlos der DVD-Ausgabe der Computer-BILD“ beiliegt.

6. „Der Boden der Tatsachen …“
(blikeberlin.wordpress.com)
Ein Foto vom Gebäude des Axel Springer Verlags in Berlin: „Ob sich schon mal jemand gefragt hat, ob das Schild auf der richtigen Seite angebracht wurde?“

Tatort Internet, Das Medium, Hans Zippert

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1. „Irreführung als Programm“
(spiegel.de, Dietmar Hipp)
Dietmar Hipp schreibt zur RTL2-Sendung „Tatort Internet“: „Auch wenn der Kampf gegen Kindesmissbrauch eine honorige Sache ist – das erklärte Hauptanliegen der Sendung, die sexuell motivierte Kontaktanbahnung im Internet unter Strafe zu stellen, ist bereits seit 2004 erledigt.“

2. „Halloween im Hause Barschel“
(stern.de, Katharina Miklis)
Katharina Miklis hat sich die RTL-„Emotainment-Doku“ „Das Medium“ angesehen. „Auf dem Programmplatz, auf dem RTL bis vergangene Woche noch Schwiegertöchter suchte, wird nun also das Gespräch mit Verstorbenen gesucht. So weit, so geschmacklos. Hinzu kommt, dass der Sender sich noch nicht einmal die Mühe gemacht hat, den Hokuspokus ordentlich zu produzieren. Einer der Beiträge wird mitten im Satz unterbrochen.“

3. „Das Märchen vom indischen Milliardenhaus“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr prüft die Baukosten eines Gebäudes, das die Zeitung „Österreich“ „das teuerste Haus der Welt“ nennt.

4. „Der Medienkrieg mit der Regierung findet im Netz statt“
(journal21.ch, Ulrich Meister)
Ulrich Meister stellt die französischen „Internet-Zeitungen“ Mediapart und Rue89 vor: „Beide Medien zahlen ihren Journalisten branchenübliche Löhne. ‚Mediapart‘ hat gegen 30 Angestellte, die zwischen 2300 und 6500 Euro im Monat verdienen. Bei ‚Rue89‘ arbeiten 20 Festangestellte. Mediapart hat bereits über 40’000 Abonnenten, die Zahl ist steigend. Um rentabel zu sein, fehlen noch etwa 15’000 neue Subskriptionen.“

5. „nebelkerzen“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel ärgert sich über Dogmatiker („regelaufsteller-arschlöcher“), die „für ihre kurzfristigen ziele hysterie provozieren und von den eigentlichen problemen und missständen ablenken“. Das geschehe nach einem auch bei Politikern beliebten Muster: „ängste oder unsicherheiten aufspüren, diese ängste aufblasen, ohne interesse an details diese unsicherheiten aufputschen und mit der prinzipienkeule einfach überall draufhauen.“

6. „Der Tag, an dem mich der Schlag traf“
(welt.de, Hans Zippert)
Hans Zippert erleidet an einem sonnigen Frühlingsmorgen einen Schlaganfall und fällt vom Fahrrad. „Schließlich tauchten zwei Polizisten auf und wollten wissen, ob ich betrunken sei. Das schien vormittags um 11.00 Uhr in Berlin die Regel zu sein. Die hätten lieber die Sache mit dem Arm aufklären sollen, aber das konnte ich ihnen nicht sagen, denn meine Zunge gehorchte mir genauso wenig wie mein Arm.“

Humpe, Hartplatzhelden, WDR Print

6 vor 9

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1. „Es gibt nur eine Annette Humpe!“
(blogs.taz.de/hausblog, Mathias Broeckers)
Die „taz“ druckte gestern auf Seite 13 zu einem Porträt von Annette Humpe ein Foto von Inga Humpe ab. „Die Agentur Action Press hatte es in ihrer Datenbank falsch ausgezeichnet und in der Redaktion war es niemand aufgefallen.“

2. „Geschichte eines Fehlers oder: Wer schreibt von wem ab?“
(kobuk.at, Yilmaz Gülüm)
Eine falsche Bezeichnung einer Uhrenmarke in einer Meldung der APA breitet sich unkorrigiert auf mehreren Online-Portalen aus.

3. „Hartplatzhelden gewinnen Finale vor dem BGH“
(telemedicus.info, Adrian Schneider)
Die Website hartplatzhelden.de gewinnt in letzter Instanz im Prozess gegen den Württembergischen Fußballverband: „Kein wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz für Amateurfußballspiele“ entscheidet der Bundesgerichtshof. „Wir erinnern uns: Das Portal ‚Hartplatzhelden‘ zeigt Videos von Amateurfußballspielen, aufgenommen von den Nutzern der Webseite. Der Baden-Würtembergische Fußballverband ‚WTV‘ sah sich dadurch in seinen Rechten verletzt und nahm für sich die Übertragungsrechte an den Spielen in Anspruch.“

4. „Ludwig A. Minellis Ehre wurde verletzt“
(tagesanzeiger.ch, Patrick Gut)
Ludwig A. Minelli, Gründer der Sterbehilfeorganisation Dignitas, setzt sich in einem Verleumdungsprozess vor dem Bezirksgericht Horgen erfolgreich gegen eine Kolumnistin der „Zürichsee-Zeitung“ durch. Sie schrieb 2009 über ihn: „Was für ein Monster, dieser Mann, der auf Wunsch in miesen Kammern und sogar auf Parkplätzen weit her gereiste Leute abmurkst“.

5. „Leuchtturm der selbstbezüglichen Süffisanz“
(carta.info, Jan Krone)
Jan Krone gratuliert zu zehn Jahren „Altpapier“: „Im Vergleich zu Link-Newslettern erlaubt das ‚Altpapier‘ entschleunigte Minuten Lesegenuss ohne das zehrende Informationsarbeiten mit vielen branchenspezifischen Fachinformationsdiensten.“

6. „Untergrund-Redaktion verkündet ‚Wende im WDR'“
(freienseiten.de)
Von der Hauszeitschrift „WDR Print“ wird eine Zukunftsausgabe mit Datum November 2011 gedruckt (PDF-Datei): „Die Plagiatoren – eine Redaktionsgruppe von WDR-Journalisten und freien Mitarbeitern des Senders – machen auf 16 aufwändig und originalgetreu gestalteten Seiten einerseits die Programmverflachung und einseitige Quotenorientierung des derzeitigen WDR-Programms öffentlich und senderintern zum Thema.“ WDR-Intendantin Monika Piel dazu: „Unsere freien Mitarbeiter wissen oft am Besten, was im Argen liegt.“

Erpressung, Sport Bild, Quellenangaben

6 vor 9

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1. „Erpressung im Boulevard-Journalismus“
(ndr.de, Video, 9:05 Minuten)
„Zapp“ berichtet vom Prozess gegen einen wegen Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilten Ex-„Bild“-Journalisten. „Pressefreiheit darf nicht zur Erpressungsfreiheit werden“, sagte Kläger Ottfried Fischer nach der Verhandlung. Vor der Anklage, 2009, bewertete er in der Talkshow „Beckmann“ seine Beziehung zu „Bild“ so: „Wir haben ein gutes Handling miteinander.“

2. „Kampf der Leserintelligenz“
(el-futbol.de, Sidan)
Sidan liest „Sport Bild“: „Die Zeitung schnappt irgendwelche Tatsachen auf und dreht sie sich so hin, dass sich das, was passiert ist, so spektakulär oder skandalös wie möglich anhört. Den dabei entstehenden Kollateralschaden, dass dem Leser Artikel aufgetischt werden, die nicht mehr so ganz der Wahrheit entsprechen, muss man dabei halt in Kauf nehmen.“

3. „Die RTL-Siedlung“
(fernsehkritik.tv, Fernsehkritiker)
„Am 21. Oktober liefen nachmittags, wie sonst auch, die Dokusoaps ‚Verdachtsfälle‘ und ‚Familien im Brennpunkt‘ hintereinander – und auch geographisch betrachtet spielten sie sich nah beieinander ab.“

4. Interview mit Hans Ulrich Gumbrecht
(welt.de, Mara Delius)
Hans Ulrich Gumbrecht vermisst die Lernbereitschaft in deutschen Talkshows: „Das sind Sendungen, die dreißig Stunden laufen könnten, ohne dass sich irgendeine Position verschiebt oder verändert.“

5. „Geschenkpapier III: Altpapier Des Jahres“
(evangelisch.de, Sascha Lobo)
Zum zehnten Geburtstag der Rubrik „Altpapier“ gratuliert nach Rüdiger Dingemann und Hans-Jürgen Jakobs auch Sascha Lobo mit einem „Geschenkpapier“. Er fragt sich, was die Quellenangabe „Deutscher Twittereintrag“ zu bedeuten hat. „Das entspricht der Medienpraxis, bei irgendwelchen im Fernsehen gezeigten Amateuraufnahmen ‚Quelle: Youtube‘ einzublenden oder gleich zu schreiben: ‚Quelle: Internet‘. ‚Qualität‘ kommt vielleicht nicht von ‚Quelle‘, sollte es aber. Oder man ist wenigstens konsequent und schreibt bei den Zeitungszitaten ‚Quelle: Papier‘.“

6. „Merkels Stalker ein Türke“
(blog.pantoffelpunk.de)

Roter Riese, Rusbridger, Matussek

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1. „Ottfried Fischer gewinnt gegen ‚Bild'“
(sueddeutsche.de, Nicolas Richter und Christian Rost)
Nicolas Richter und Christian Rost denken nach der Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht München über den „roten Riesen in Deutschland“ nach: „Viele Prominente haben den langen Arm von Bild als so aufdringlich empfunden, dass sie irgendwann eine klare Haltung annahmen, sich nicht benutzen zu lassen. Es ist eine Haltung mit Risiken, denn wer so handelt, der könnte von Bild ignoriert oder bloßgestellt werden.“

2. „Der Standard: Infografik-Waterloo mit über 12 Fehlern“
(kobuk.at, Hans Kirch​meyr)
„Kobuk“ sucht und findet Fehler in der Infografik „Wie lange wir leben werden“ der Wiener Tageszeitung „Der Standard“.

3. Interview mit Alan Rusbridger
(meedia.de, Eleni Klotsikas)
„Guardian“-Chefredakteur Alan Rusbridger im Gespräch: „Einige Journalisten verlassen gerade die Mainstreammedien. Sie sind redundant geworden oder gehen von selbst und starten einen Blog. Die besten von ihnen können gerade mal davon leben. Sie haben wenig Traffic. Und ich glaube, wenn Medienorganisationen mehr und mehr mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen mehr Traffic bieten und sie an ein Werbenetzwerk anschließen, dann können sich da Summen anhäufen, von denen diese Menschen leben können. Wir müssen mehr über diese positiven Entwicklungen reden, denn wenn Journalisten nur umherlaufen und von Untergang reden, warum sollte sich dann die Werbeindustrie noch für unsere Arbeit interessieren?“

4. „Österreichs Medien tendieren zur Islamophobie“
(diepresse.com, Clara Akinyosoye)
Clara Akinyosoye schreibt über den 2009 erschienenen Sammelband „Islamophobie in Österreich“. Wer glaube, es gebe „bezüglich islamophober Berichte große Unterschiede in Boulevard- und Qualitätsmedien“, irre sich, sagt Mitautor Farid Hafez.

5. „Cut-Rate Democracy“
(outlookindia.com, Paranjoy Guha Thakurta, englisch)
Das Wochenmagazin „Outlook India“ berichtet über (von Interessengruppen) bezahlte News in Indien. „Substantial sections of the media have become participants and players in practices that contribute to this growing use of money power in politics. This in turn undermines democratic processes and norms while hypocritically pretending to occupy a high moral ground.“

6. „Kulturtipp gone mad“
(umblaetterer.de, Paco)
Der Geschichtsstudent Philipp Spreckels schaut in fünf Monaten alle bisherigen 151 Folgen des „Spiegel Online“-Videoblogs „Matusseks Kulturtipp“. Ein Interview.

Boulevard, Energiesparlampen, ARD

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1. „Sieg über den Boulevard“
(spiegel.de, Markus Brauck und Julia Jüttner)
Das Amtsgericht München verurteilt einen ehemaligen „Bild“-Journalisten zu 14.400 Euro Strafe. Im Prozess, in dem der Schauspieler Ottfried Fischer als „Nebenkläger und Zeuge“ auftrat, ging es um Nötigung und „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“.

2. „Der alltägliche Sieg des Boulevard“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer liest im Flugzeug mal wieder Tageszeitungen und ärgert sich über die alltäglichen Zuspitzungen: „Auch wenn es hier um Wirtschaft und Politik geht – der Duktus ist bekannt. In diesem Tonfall schrieb einst die ‚Bild‘ – die heute nochmal aggressiver daher kommt.“

3. „Deutsche Umwelthilfe stoppt BILD und Rewe bei irreführender Werbung für Ramsch-Energiesparlampen“
(duh.de/pressemitteilung)
Die Deutsche Umwelthilfe erwirkt vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegenüber der Axel Springer AG. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: „Mit falschen Angaben zur Energieeffizienz wurden die Verbraucher getäuscht und zum Kauf niederwertiger Energiesparlampen verleitet.“

4. „Bis(s) zum Abwinken – Die ARD nervt ihre Zuschauer“
(haz.de, Imre Grimm)
„Essen, Essen, Essen“ auf allen Kanälen der ARD: „Die erbarmungslose Penetranz mag für Diätberater, Freizeitköche und Ökotrophologen hoch spannend sein. Für den Normalkonsumenten dagegen, der leidlich über die bösen Zuckerstückchen in der Cola, die globale Macht der Lebensmittelmultis und die Ernährungspyramide informiert ist, stellt sich schnell ein Gefühl von Überfütterung ein, wenn er sich jetzt bitte auch noch für ‚Gourmet-Heu im Naturpark Saar-Hunsrück‘ interessieren soll.“

5. „Beckmann: Fiktion und Realität“
(notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz vergleicht einen Auftritt von Reinhold Beckmann im „Tatort“ mit einer kürzlichen Ausgabe seiner Talkshow.

6. „ARD-aktuell, Alliterationsaffin wie nie“
(juliane-wiedemeier.de)
Die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“ vom Sonntag in der Sprachanalyse von Juliane Wiedemeier: „Du weißt, dass etwas falsch läuft, wenn die sprachlich unauffälligsten Teile einer Sendung aus Zitaten von Guido Westerwelle bestehen.“

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