Archiv für 6 vor 9

Fernsehgarten, Focus, Futurezone

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Wir Meinungsspekulanten“
(taz.de, Wolfgang Storz)
Für den Ex-Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, Wolfgang Storz, ist „die gute alte Zeit, in der nur Bild dummmachte“, vorbei. „Auf die immer komplizierteren Entscheidungssituationen der Politik reagieren die meisten Journalisten mit immer banaleren Personalisierungen, die Ereignisse in Duelle umwandelt: Merkel gegen …, Wulff gegen …, Gabriel für …, Niederlage oder Sieg, Schwarz oder Weiß.“

2. „Focus enthüllt“
(dieganzewahrheit.blog.com, Thomas Weiss)
Thomas Weiss liest eine „Focus“-Story mit dem Titel „Die junge Republik – Präsident mit 51: Das aufwühlende Leben des Christian Wulff“.

3. „Sarkozy will über die Welt bestimmen“
(fr-online.de, Axel Veiel)
Die französische Regierung redet mit im Bieterverfahren um die Zeitung „Le Monde“. „Wenn zutrifft, was das Konkurrenzblatt Libération schreibt, dann ist Sarkozy die Vorstellung, die drei könnten die Kontrolle über Le Monde übernehmen, so unangenehm, dass er Fottorino gar mit dem Entzug staatlicher Unterstützung für die Modernisierung der Zeitungsdruckerei gedroht hat.“

4. „Fall Kölle: Dünger für Andrea Kiewel“
(sueddeutsche.de, Antje Hildebrandt)
Nach Informationen von sueddeutsche.de soll der „Wert der sogenannten Produkthilfen“ (Pflanzen und Gartenzubehör), die eine private Firma dem ZDF-Fernsehgarten in einer vertraglich festgesetzten Kooperation zur Verfügung stellt, 250’000 Euro betragen.

5. „Die Futurezone, der VÖZ und die Politik.“
(datum.at, Jacqueline Godany)
Jacqueline Godany bloggt über die Einstellung, die der ORF Futurezone droht. „Zeitungsverleger sollten für Informationsfreiheit stehen. Stattdessen lassen sie per Gesetz die Konkurrenz abschalten.“

6. „Ist das Gleichberechtigung?“
(raul.de, Raul Krauthausen)
Rollstuhlfahrer Raul Krauthausen wird beim Telefonieren das iPhone aus der Hand gerissen. „Im Grunde bin ich froh, dass mir nicht mehr passiert ist. Sie hätten mir auch locker den Arm brechen oder mich zusammenschlagen können. Insofern hatte ich Glück im Unglück. So langsam kommt auch wieder meine sarkastische Seite hoch und fragt sich, ob es nicht auch irgendwie eine Form der Gleichberechtigung ist, wenn sogar vor Behinderten nicht Halt gemacht wird.“

Klimaforscher, Macheten, Vuvuzelas

6 vor 9

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1. „Wie Schiffeversenken, nur ernster“
(sueddeutsche.de, Peter Glaser)
Peter Glaser nennt Journalismus „die zivilisierteste Form von Widerstand“. Sein Text zur Zukunft des Journalismus befasst sich unter anderem mit der Suchmaschinenoptimierung und der Auflösung der klassischen Bündelungsform.

2. „SPIEGEL vs. ZEIT“
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Eine Diplomarbeit vergleicht die von „Spiegel“ und „Zeit“ in Artikeln zum Thema Klimawandel zitierten Klimaforscher.

3. „Opfer von Täuschungsmanöver“
(stuttgarter-zeitung.de, Erik Raidt)
Unbekannte geben sich gegenüber der Presse als „Junge Liberale“ aus und wenden sich „mit drastischen Parolen gegen Arbeitslose“: „Die Stuttgarter Zeitung bedauert, dass die Jungen Liberalen durch die Berichterstattung über die von Dritten fälschlich in Umlauf gebrachten Behauptungen in ein falsches Licht gerückt worden sind.“

4. „Gewalt? Chaos? Desorganisation?“
(profil.at, Johannes Dieterich)
Die Fußball-WM in Südafrika hat begonnen. Johannes Dieterich erinnert nochmals an die zuvor verbreiteten Vorbehalte: „WM-Besucher müssten damit rechnen, von machetenschwingenden Farbigen zerstückelt zu werden, schrieb der Reporter eines britischen Boulevardblatts. Ein deutsches Sicherheitsunternehmen empfahl seiner Nationalmannschaft, ihr Hotel nur mit kugelsicheren Westen zu verlassen.“

5. „Frisch am Stück.“
(alexander-kissler.de)
Alexander Kissler sieht den kritischen Sportjournalismus während der WM in einer Auszeit: „Kritik hat Sendepause, Sportjournalismus wird zum angewandten Fan-Sein. Jetzt werden, je nach Verbreitungsgebiet, Helden gemacht, Stars gepriesen, Führer gebenedeit.“

6. „Vuvuzela-Filter“
(surfpoeten.de)
Wie macht man ein Audiosignal vuvuzelafrei? Eine kurze Anleitung.

Uni-Ranking, Tauss, Public Viewing

6 vor 9

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1. „Sorry, unsere Uni-Rankings waren Quatsch“
(spiegel.de, Christoph Titz und Jochen Leffers)
Phil Baty vom britischen Hochschulmagazin „Times Higher Education“ kritisiert das eigene Hochschulranking, für das er seit 2009 die Verantwortung trägt und „auf das seit 2004 viele Unis auch in Deutschland jeden Oktober gespannt warten“. „Aus Deutschland – ‚ich schäme mich fast, es zuzugeben‘, so Baty – kamen ‚lächerliche 182 Antworten als Rücklauf‘. Deutschland hat immerhin fast 400 Hochschulen mit über 13.000 Studienangeboten.“

2. „Meine Vierte-Gewalt-Bilanz“
(blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Der für Berliner Landespolitik zuständige Redakteur Sebastian Heiser fragt sich, in welchem Umfang es ihm gelungen ist, „die Regierung kritisch zu begleiten, sie gut zu analysieren und auf Missstände hinzuweisen“.

3. „Jörg Tauss und der Qualitätsjournalismus“
(bruchsal.org, Rolf Schmitt)
Neben Tauss selbst und „Telepolis“ (Teil 1 / Teil 2, folgt später) berichtet auch Rolf Schmitt von der Rolle der Medien im zu Ende gegangenen Strafprozess gegen Jörg Tauss: „Ich war selbst an jedem der fünf Prozesstagen im Gerichtssaal und habe miterlebt, wie am ersten Tag die Pressebank bis zum Bersten gefüllt war, wie leer die Pressebank sich an den drei darauf folgenden Verhandlungstagen zeigte und wie wieder voll besetzt am letzten Tag, dem Tag der Urteilsverkündung.“

4. „The Twitter Devolution“
(foreignpolicy.com, Golnaz Esfandiari, englisch)
Golnaz Esfandiari zweifelt an der Revolution durch Twitter im Iran: „Through it all, no one seemed to wonder why people trying to coordinate protests in Iran would be writing in any language other than Farsi.“

5. „Warum Fußball?“
(novo-argumente.com, Stefan Chatrath)
Stefan Chatrath macht sich zum Start der Fußball-WM Gedanken zum Public Viewing: „Viele ‚echte‘ Fans sprechen gar davon, dass die Stätten professionellen Fußballs heute ‚klinisch rein‘ seien. Vermutlich ist das einer der wichtigsten Gründe dafür, dass mittlerweile so viele von ihnen das ‚Public Viewing‘ vorziehen.“

6. „Press You’re Stuck“
(thedailyshow.com, Video, 4:49 Minuten, englisch)
Nach dem Abgang der bald 90-jährigen Helen Thomas aus der ersten Reihe im James S. Brady Press Briefing Room streiten sich die Journalisten, wer nun diesen Platz einnehmen darf.

Assouline, Bauerntheater, Zapp

6 vor 9

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1. „Das tägliche Brot der Demokratie“
(blaetter.de, Heribert Prantl)
Heribert Prantl schreibt in einem langen, historisch ausholenden Text, was Wissenschaft, Publizistik und Politik miteinander zu tun haben: „Mich erinnern die Blogger von heute an die politisierten Bürger von 1848/49 – Blogs sind mehr Demokratie. Soll da wirklich der professionelle Journalismus die Nase hochziehen, so wie es vor 160 Jahren die etablierten fürstlichen Herrschaften und die monarchischen Potentaten getan haben?“

2. „Doku-Soaps ohne Wahrheitsgehalt“
(ndr.de, Tina Schober, Video, 6:21 Minuten)
Im Nachmittagsprogramm der Privatsender haben sich die mit Laienschauspieler besetzten Doku-Soaps als Quotenerfolge festgesetzt. „Die moderne Form des Bauerntheaters“ sei wahnsinnig erfolgreich.

3. Interview mit Julia Stein und Steffen Eßbach
(meedia.de, Christine Lübbers)
Die Macher des medienkritischen NDR-Magazins „Zapp“ (siehe Link 2) in einem ausführlichen Interview: „Journalisten sind so groß im Austeilen, aber so ganz schlecht im Einstecken. Deshalb wird man als Medienjournalist häufig als Nestbeschmutzer wahrgenommen.“

4. „Promis am Pranger“
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath fragt, ob verdächtige Prominente wie Jörg Kachelmann, über den fast täglich berichtet werde, vor den Medien geschützt werden müssen. „Selbst wenn er am Ende freigesprochen würde, droht seiner Karriere ein schwerer Dämpfer, weil in der öffentlichen Wahrnehmung meist eben doch etwas hängen bleibt.“

5. „Der Online-Reich-Ranicki“
(freitag.de, Frank Fischer)
Frank Fischer stellt das französische Literaturblog „La république des livres“ von Pierre Assouline vor, das mit fast jedem Beitrag hunderte von Kommentaren hervorruft. „Wenn es ein deutsches Pendant zu Pierre Assouline gäbe, es handelte sich wahrscheinlich um ein Mischwesen aus Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, Matthias Matussek und Don Alphonso.“

6. „Boston Globe Tailors Print Edition For Three Remaining Subscribers“
(theonion.com, Video, 2:19 Minuten, englisch)
Der „Boston Globe“ richtet sich angeblich ganz auf seine drei verbleibenden Abonnenten aus.

Weltuntergang, iPhone, Luczak

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1. „Die Meinungsmacher“?!
(kriminalakte.wordpress.com, Axel Bussmer)
Für Axel Bussmer ist „die journalistische Kaste“ selbst verantwortlich für die Boulevardisierung und den damit verbundenen Qualitätsverfall: „Sie orientiert sich an Talkshows, die mehr Theater als politische Aufklärung sind. Sie entwickelt einen Herdentrieb, der eine eigenständige Analyse ersetzt. Denn die Hauptstadtjournalisten sehen sich, bei all ihren Unterschieden in Einkommen, Anstellung und Renommee, einerseits als Elite und folgen andererseits einfach dem lautesten Rufer, der oft zu der kleinen Gruppe der bundesweit bekannten Alpha-Journalisten und Leitmedien wie Spiegel Online gehört.“

2. „Weltuntergang 2012, die Deutsche Bahn und mieser Journalismus“
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Florian Freistetter liest in „mobil“, der Kundenzeitschrift der Deutschen Bahn, zwei kurze Spalten über den Weltuntergang und die Sonne: „Erstaunlich! Das sind nur 7 Sätze – und trotzdem so wahnsinnig viel Unsinn.“

3. „Gefangen zwischen Leistungsschutzrecht und Zensurdebatte“
(iphoneblog.de, alex olma)
Alexander Olma nervt das Gejammer der Verleger. Er kann nicht verstehen, warum sie sich mit Apple „hilflos in die Abhängigkeit eines einzelnen Anbieters begeben“. Sein Rat: „Macht was Eigenes, über das ihr Kontrolle habt, die kompletten Umsätze einfahrt und die registrierten Nutzerdaten ‚weiterverarbeiten‘ könnt. Ein Anfang: Eine iPhone OS-freundliche Webseite, die nicht nervt!“

4. „Das iPhone unter der Lupe“
(abendzeitung.de, Richard Gutjahr)
Richard Gutjahr besucht die Präsentation des iPhone 4. Ein direktes Gespräch mit Steve Jobs ist nicht erlaubt: „Ein Raum voller Journalisten, aber keiner wagt es, den Mann, um den sich alles dreht, auch nur anzusprechen! So etwas erlebt man selten.“

5. Interview mit Hania Luczak
(mediummagazin.de, Daniel Kastner)
Die Gewinnerin des Henri-Nannen-Preises 2010 im Gespräch: „Schauen Sie sich an, welche Kollegen Preise gewinnen – das sind fast alles Festangestellte. Ich habe ein großes Privileg, glücklicherweise.“

6. „Tessiner TV-Kommentator darf nicht nach Südafrika“
(nzz.ch)
Armando Ceroni darf keine Fußball-WM-Spiele für das Fernsehen der italienischen Schweiz kommentieren. Ihm wird vorgeworfen, ein nicht autorisiertes Interview mit dem Schweizer Trainer, Ottmar Hitzfeld, geführt zu haben. „Damit habe er riskiert, ‚die delikaten Beziehungen zur Nationalmannschaft‘ zu gefährden, schreibt die RSI in einem Communiqué.“

Computer Bild, Krise, Matthäus

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1. „Gesundheitsportale: Das Geschäft mit Empfehlungen“
(aerzteblatt.de, Michael Hägele)
Michael Hägele prüft einen Test von „Computer Bild“ zu Gesundheitsportalen und trifft auf „fragwürdige Experten und Methoden“ (PDF-Version, 199 kb)

2. „Aufrütteln und abwiegeln“
(nzz.ch, Gerhard Schulze)
Soziologe Gerhard Schulze mit einem lesenswerten Text über die Krise als Dauerzustand und den dazu ausgetragenen Deutungskämpfen „zwischen Aufrüttlern und Abwieglern, Besorgten und Genervten, Rettern und Spöttern“.

3. „Marke werden – aber wie?“
(ejs.ituj-training.de, Jana Petersen und Adrian Pickshaus)
In fünf Schritten zum Journalist als Marke: 1. Schritt: Akquiriere klassisch! 2. Finde Deine Nische! 3. Werde Blogger! 4. Twittere was Du bloggst! 5. Schaffe Dir einen Finanzierungsmix!

4. „Das ewige Lamento“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert die Geldforderungen von deutschen Verlegern an Facebook: „Seit Jahren hecheln viele Verlage den Entwicklungen im Netz hinterher — und wenn sie dann feststellen, dass sie in einer Sackgasse gelandet sind, schreien sie nach Umsatzbeteiligung, Leistungsschutz, Welpenschutz und Artenschutz.“

5. „Tabloid treatment of asylum seekers under fire“
(guardian.co.uk, Paul Kenyon, englisch)
Wie englische Tabloid-Zeitungen über Asylsuchende berichten.

6. „Wir waren Helden“
(zeit.de, Henning Sußebach)
Was ist aus den Fußball-Weltmeistern von 1990 geworden? Ein Besuch bei Andi Brehme, Rudi Völler, Klaus Augenthaler, Bodo Illgner und Lothar Matthäus. Warum letzterer keinen Trainer-Job in Deutschland erhält? „Wer ihn einstellt, hätte sofort Bild und Bunte im Clubhaus. Dabei ist er womöglich kein schlechter Trainer.“

GEZ, Gauck, Schmidt

6 vor 9

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1. „Pauschale für alle!“
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg verfügt über Informationen, dass die Ministerpräsidenten am Mittwoch „mit großer Sicherheit“ das Ende der „GEZ-Gebühr“ beschließen werden: „Danach soll ab 2013 nicht mehr pro Gerät, sondern pro Haushalt bzw. bei Unternehmen gestaffelt nach Mitarbeiterzahl gezahlt werden.“

2. „Werde auch Du NWZ-Handyscout!“
(newzblog.de, Florian Schuster)
Florian Schuster denkt nach über ein in der „Nordwest-Zeitung“ erschienenes Foto, „das Deutschlands teuerster Handy-Scout, NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim, höchstpersönlich ‚geschossen‘ hat“.

3. Interview mit Dominik Graf
(sueddeutsche.de, Christopher Keil)
Regisseur Dominik Graf über die Inszenierung von Live-Fußball: „Es fällt einem schwer, sich heute eine Fußballübertragung von 1966 in ihrer unglaublichen Gelassenheit und Sachlichkeit anzuschauen. Auf der anderen Seite ergreift einen tiefe Sehnsucht, dass das wieder einmal so werden möge anstelle des hektischen Auftriebs mit 37 Kameras.“

4. „Medienspekulanten lassen Merkelblase platzen“
(mspr0.de, Michael Seemann)
Michael Seemann stellt fest, dass sich Zeitungen übergreifend für den Bundespräsident-Kandidat Joachim Gauck aussprechen. „Die Trias von Springer, SPIEGEL und FAZ hat sich schon häufiger als extrem kampagnenfähig erwiesen. Egal ob Angst vorm demographischen Wandel, Front gegen die Rechtschreibreform oder Nacktbilder von Günter Verheugen, die Zusammenarbeit klappte stets recht gut. Wenn die drei in trauter Einigkeit zuschlagen, dann hat das etwas zu bedeuten.“

5. „Does the Internet Make You Smarter?“
(online.wsj.com, Clay Shirky, englisch)
Clay Shirky sieht im Internet Wurzeln einer neue Lese- und Schreibkultur. Die Gegenthese „Does the Internet Make You Dumber?“ vertritt Nicholas Carr, der befürchtet, dass wir durch das Netz zu oberflächlichen Denkern werden.

6. „Ludwig-Börne-Preis an Reich-Ranicki“
(zdf.de, Video, 75:18 Minuten)
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wurde in der Frankfurter Paulskirche der Ludwig-Börne-Preis verliehen. Statt einer Laudatio singt Harald Schmidt das Brecht-Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“ (ab 12:45 Minuten).

Hauptstadtjournalismus, Nationalhymnen

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1. Über die Verwahrlosung des Hauptstadt-Journalismus-Journalismus“
(visdp.de, PDF, 1.9 MB, Sebastian Esser)
Sebastian Esser zum Lamento über die Hauptstadtjournalisten. „Es stimmt immer irgendwie, dass Polit-Journalisten in Berlin eitel und oberflächlich, gleichgeschaltet und unkritisch sind. Aber irgendwie auch nicht: Es gibt so viele Journalisten dort, dass eine wenig differenzierte Bewertung unter einer fetten Überschrift sich verbietet.“

2. „Lautsprecher, Leisetreter“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Sonja Pohlmann befasst sich mit den Sprechern der Politiker: „Fast alle Sprecher von Spitzenpolitikern haben vorher als Journalisten gearbeitet. Sie kennen den Alltag in den Redaktionen und der Bundespressekonferenz, sind deshalb darauf gefasst, dass ihre Ex-Kollegen nach dem Seitenwechsel stets versuchen werden, mehr aus ihnen herauszulocken, als sie sagen dürfen.“

3. „Ist er von einem Blogger gestürzt worden?“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Ein Beitrag im „heute journal“ (zdf.de, Video, 3:11 Minuten) „vertritt die steile These, ein Blogger habe Köhlers Sturz erzwungen. Es lässt dabei alle anderen Faktoren außer Acht.“

4. „Das Elend der Medienkritik in der Schweiz“
(persoenlich.com, Roger Blum)
Medienwissenschaftler Roger Blum beschreibt den Zustand der Medienkritik in der Schweiz als „ganz elendiglich“, als „abwesend oder schwach“. „Medienjournalisten müssten die Hofnarren des Unternehmens sein, die dem Fürsten alles ins Gesicht sagen dürfen. Wenn sie hingegen für das eigene Unternehmen Public Relations betreiben müssen, dann schafft man sie klüger ab.“

5. „Die deutschen Spieler müssen die Nationalhymne singen!“
(malte-welding.com)
Malte Welding über den von Bild.de inszenierten „Hymnen-Streit“, der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aufteilt in Sänger und Schweiger. „Das hat man nun davon, wenn man Spieler für Deutschland spielen lässt, bloß weil sie in Stuttgart (Khedira) oder Gelsenkirchen (Özil) geboren sind. Am Ende singen sie nicht mal die Hymne und was kann dabei schon rauskommen? Zum Beispiel der Weltmeistertitel.“

6. „The Wilhelm Times“
(fuenf-filmfreunde.de, Renington Steele)
„Offensichtlich geht es den Produzenten von TV-Serien seit Jahren dermaßen schlecht, dass sie zur Ausstattung immer dieselbe Zeitung benutzen müssen.“

Somalia, Köhler, Public Viewing

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1. „Deutsche Kämpfer für Somalia: Überforderte Medien“
(weblog-sicherheitspolitik.info)
Das Weblog Sicherheitspolitik hält die Berichte über deutsche Söldner, die von der Firma Asgaard nach Somalia geschickt werden sollen, für einen „inszenierten Skandal“. „Alle stellen die Geschichte weiterhin so dar, als gäbe es keinerlei Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Meldung.“

2. „Fahnenflucht!?“
(magda.de, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal anlässlich des Rücktritts von Horst Köhler zur unseligen Tradition des Schmähworts „Fahnenflucht“.

3. „Köhler und ich: Eine Klarstellung“
(beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Jonas Schaible reflektiert seinen eigenen Anteil am Rücktritt von Horst Köhler: „Ein Blogger mit gut 1000 Lesern im Monat hat den Bundespräsidenten gestürzt? Klingt gut, ja, aber bitte – wer glaubt denn das?“. Siehe dazu auch merkur-online.de: „Wahrscheinlich ist Jonas Schaible schuld an dem ganzen Salat. Er und ein paar seiner Kollegen aus dem Internet.“

4. „Journalismus: Vierte Gewalt oder Rowdytruppe?“
(community.zeit.de/user/seriousguy)
„Haben wir eigentlich an unserer Führung nichts anderes mehr zu kommentieren als deren Handbewegungen, Gesichtsausdruck, Kleidung, sexuelle Orientierung, Wortwahl, rhetorische Fähigkeit, oder Einstufung auf der nach oben offenen Macho-Skala? Wollen wir eigentlich fähige, charakterstarke Persönlichkeiten in der Verantwortung für unser Gemeinwohl sehen oder skrupellose Ehrgeizroboter, denen menschliche Züge oder Regungen ebenso fremd sind wie Fachwissen?“

5. „Das Viele-Augen-Prinzip“
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Public Viewing wird auch abseits von Fußball „immer beliebter“, ist aber nicht ohne Tücken: „Dutzende Gäste haben sich vor der Beamerleinwand versammelt, der ‚Tatort‘ aus Bremen läuft, und ganz hinten in der letzten Reihe rührt eine Frau ihren Minztee zu laut um. Der Löffel klirrt am Glas. Es würde wohl nicht weiter stören, hätte sie vorher nicht schon auf Nüssen gekaut und mehrfach ihre Nachbarin beschwatzt.“

6. „Eine Erfolgsgeschichte in eigener Sache“
(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)
Kurt W. Zimmermann erklärt den Erfolg des Nachrichtenmagazins „ff“, für das er als „Direktor“ verantwortlich ist, mit der ungewöhnlichen Internetstrategie des Blatts: „Es gibt kein Internet. Die Artikel der ff gibt es nicht im Netz. Es gibt nur etwas Kurzfutter und das Inhaltsverzeichnis. Es gibt nicht einmal News und Wetter.“

Nachrichtenstarre, TV-Faker, Videotext

6 vor 9

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1. „Wie ich auf twitter mit einer Falschmeldung für Verwirrung sorgte“
(derausmwaldkam.wordpress.com)
Neu-Twitterer @daswaldi twittert das Gerücht, eine in Göttingen zu hörende Detonation sei durch eine Explosion einer Gasleitung verursacht worden, was von anderen Quellen ungeprüft aufgenommen wird. Bei der Entschärfung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurden drei Menschen getötet und mehrere verletzt (ndr.de).

2. „‚Superreiche‘ verhindern Millionär“
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Wolfgang Messer glaubt, dass Kandidat Dieter Nuhr beim Promi-Special der RTL-Sendung „Wer wird Millionär?“ gescheitert ist, weil die richtige Antwort „Domäne“ gar nicht zur Auswahl stand.

3. „Bleierne Nachrichtenstarre“
(olereissmann.de)
Ole Reißmann fragt sich, warum SZ, FAZ und der „Tagesspiegel“ das „nackte Faktum“ des Rücktritts von Horst Köhler als Aufmacher bringen: „Solange sich die Abonnenten so etwas gefallen lassen und für das Internet-Ausdrucken Geld herausrücken: Bitte. Ich glaube aber nicht, dass Zeitungen sich damit heute noch einen Gefallen tun.“

4. „TV-Faker aufgepasst: Das Netz bringt es ans Licht“
(dwdl.de, Jochen Voß)
Aufmerksame TV-Zuschauer bringen durch Rückmeldungen zum Programm Debatten in Gang. „Der Aufwand, sich in einer Debatte zu Wort zu melden, wird für alle Zuschauer – und nicht nur eine Hand voll Medienkritiker – immer geringer. Es muss noch nicht einmal das umfängliche Watchblog sein, das eine Debatte in Gang setzt. Oft reicht auch schon eine aus einem ersten Impuls heraus geschriebene E-Mail an die richtigen Stellen, um Schummlern auf die Schliche zu kommen.“

5. „Huh?“
(hackr.de, Markus Spath)
Markus Spath stellt die These auf, dass sich Intellektuelle mit dem Web so schwer tun, „weil sie intuitiv spüren, dass sie dem Web egal sind.“

6. „30 Jahre Videotext“
(burks.de, Burkhard Schröder)
in einem „Spiegel“-Artikel von 1979 zum damals brandneuen Videotext findet Burkhard Schröder ähnliche Textbausteine, wie sie heute zu lesen sind: „Hinter dem Anspruch der Presse, an den neuartigen Sendungen beteiligt zu werden, steckt die Sorge der Zeitungsverleger, Leser vom Gedruckten ans Gesendete zu verlieren.“

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