Archiv für 6 vor 9

Draxler, Schweinegrippe, GZSZ

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Unglaublich, aber falsch“
(spiegel.de, Hendrik Ternieden)
Ein Artikel über den Hoax mit Beispielen wie Bluewater oder „Wilhelm“ zu Guttenberg. Der Unterschied zwischen Fakt und Fiktion sollte „Aufgabe der journalistischen Medien sein, doch auch die stehen im Internetzeitalter unter erhöhtem Druck. Die Sorge, etwas zu verpassen, ist groß; die Freude über grelle Schlagzeilen und kuriose Geschichten oftmals noch größer, die saubere Recherche bleibt mitunter auf der Strecke.“

2. „Wenn Beleidigungen zum Beruf gehören“
(axel-springer-akademie.de/blog, Marc Lüttgemann)
„Bild“-Journalist Alfred Draxler äussert sich an einer Diskussion zum Thema Medien und Sport: „Robert Enke war nie Zielscheibe von kritischer Berichterstattung. Daher sehe ich keinen Zusammenhang zwischen den Medien und seinem Selbstmord“.

3. „Was ist bloss mit der Schweinegrippe passiert?“
(blog.patrickrohr.ch, Mirco Baumann)
Mirco Baumann hat den absoluten König unter den Schweinegrippejägern gefunden: „Die Minarett-Initiative. Sie hat es geschafft, das monatelang aktuelle Thema Schweinegrippe endgültig aus der Medienlandschaft zu verbannen.“

4. „Mag+, a concept video on the future of digital magazines“
(berglondon.com/blog, Video, 8:05 Minuten, englisch)
„Can we marry what’s best about magazines with the always connected, portable tablet e-readers sure to arrive in 2010?“

5. „Du hast einen langweiligen Beruf“
(dasmagazin.ch, Max Küng)
Journalist Max Küng muss sich von seinem Sohn sagen lassen, er habe einen langweiligen Beruf: „Er sagte, ich solle einen neuen Beruf lernen, einen spannenderen. ‚Was denn?‘, fragte ich ihn. ‚Polizist‘, sagte er. Ich fuhr beinahe in den Graben, der kein Graben war, sondern eine Hausmauer. Morgen gleich solle ich die Polizeischule anrufen und fragen, ob ich Polizist werden könne.“

6. „Mein erstes Mal GZSZ“
(technoarm.de, Martin Böttcher, mit Videos)
Eine Analyse eines Ausflugs der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ in die Technoszene.

Klicks, N24, Paid Content

6 vor 9

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1. „Lass klicken, Baby!“
(jungle-world.com, Ivo Bozic)
Ivo Bozic beschäftigt sich mit den Klicks im Internet, die nach wie vor die Grundlage für Werbeeinnahmen sind: „Um Klicks zu erschleichen, scheint jeder Trick gerechtfertigt, so plump er auch sein mag. (…) Der Nachrichtenseite N24.de gelang es im Sommer, ihre Visits innerhalb von nur einem Monat um 328,7 Prozent zu steigern auf beacht­liche 19,4 Millionen. Einfach dadurch, dass der Traffic der viel stärker frequentierten, ebenfalls zur ProSieben-Sat.1 Media AG gehörende Seite Wer-weiß-was.de seit Juli mitgezählt wird. Ein ganz legaler Trick.“

2. „Der Wert von Nachrichten bei N24“
(ndr.de, Anne Ruprecht, Video, 5:44 Minuten)
Das Medienmagazin „Zapp“ zu den Sparplänen bei N24. Das Blog „Nachrichten sind wichtig“ liefert Zahlen zum Thema und schreibt, dass N24 2008 einen Jahresüberschuss von 13.13 Millionen Euro machte. „Im Jahr 2008 waren alle deutschen Sender im operativen Geschäft rentabel.“

3. Interview mit Matthias Eberl
(beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Ein Gespräch mit Matthias Eberl, der Audioslideshows macht und damit kürzlich den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Online gewann: „Bisher bin ich nur wie ein Getriebener einigen wirren Idee hinterhergelaufen, jetzt ist rückblickend das Gefühl da, etwas gemacht zu haben, was journalistische Relevanz hat. Und ich hoffe auch, dass sich das Ansehen der Audioslideshow geändert hat.“

4. „Wer will Geld, wer nicht?“
(persoenlich.com)
Eine Umfrage unter Schweizer Medienmachern zu Paid Content. Kurt W. Zimmermann: „Geld für Content können nur Medien verlangen, die etwas bieten, was sonst niemand bietet.“

5. „100 Jahre Zweisamkeit“
(ftd.de, Thomas Birkner)
Thomas Birkner glaubt, dass trotz der Paid-Content-Debatte „der Vertriebsweg keine Alternative zum Anzeigengeschäft“ bieten kann. „Es ist erst die Mischfinanzierung aus Anzeigen- und Vertriebserlös von etwa 65 zu 35 Prozent, die es dem Journalismus 100 Jahre lang ermöglicht hat, sich als Kontrollorgan für den Staat zu etablieren.“

6. „Die Recherchen amerikanischer Online-Medien“
(ndr.de, Mareike Fuchs, Video, 4:46 Minuten)
Und gleich noch ein „Zapp“-Beitrag aus New York über die Stiftung Pro Publica, die sich dem investigativen Journalismus verschrieben hat.

Sedlmayr, Indien, Winnenden

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1. „Namen der Sedlmayr-Mörder bleiben online“
(sueddeutsche.de)
In einem Grundsatzurteil entscheidet der Bundesgerichtshof, dass die Namen der Mörder von Walter Sedlmayr nicht aus den Archiven gelöscht werden müssen (Pressemitteilung): „Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch darauf, dass Informationen auch noch nach Jahren abgerufen werden könnten. Eine permanente journalistische und juristische Prüfung würde Online-Archive unmöglich machen, betonte der Anwalt.“

2. Interview mit Thomas Knüwer
(cicero.de, Marc Etzold)
Thomas Knüwer über die Paid-Content-Versuche von Printverlagen: „Es ist erschreckend, wie wenig Übersicht und Wissen deutsche Verlagsmanager über den digitalen Markt haben.“

3. „News You Can Abuse“
(outlookindia.com, Anuradha Raman, englisch)
Ein Artikel über „paid-for news“, also bezahlte Nachrichten, in Indien. Nicht nur Printmedien, auch das Fernsehen ist betroffen: „‚Imagine my surprise and shock when the reporter actually negotiated the price of Rs 2.5 lakh for an hour of live coverage,‘ says Dikshit. ‚The channel even said they would arrange the crowds.'“

4. „Fordern wir das Medienrecht 2.0“
(zurpolitik.com, Tom Schaffer)
„Journalismus als für die Demokratie essenzielle Aufgabe ist nicht länger einer elitären Schicht vorbehalten, sondern muss breiter betrieben werden. Die zur vollen Ausübung der Aufgabe notwendigen Rechte sollten also auch für jeden Menschen bestmöglich gesichert werden.“

5. „Weihnachtswünsche an das Internet“
(gutjahr.biz, Videos, Richard Gutjahr)
Dirk Ippen, Vera Lisakowski, Hans-Jürgen Jakobs, Axel Buchholz, Ulli Brenner und Jens Jessen wünschen sich was vom Internet.

6. „Der Amoklauf von Winnenden“
(ardmediathek.de, Video, 43:30 Minuten)
Eine Reportage befasst sich mit den Opfern des Amoklaufs von Winnenden. Die Rolle der Medien wird nur am Rande beleuchtet, so zum Beispiel ab Minute 32.

Live-Lügen, Wikileaks, Novo Argumente

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1. „Die diesjährigen Gewinner des Goldenen Günter“
(dwdl.de)
In der Kategorie „Größter Zuschauerbetrug“ geht der Preis zum Beispiel an „die Live-Lügen der Fernsehsender“: „Da belügt etwa Sat.1 seine übersichtliche Zuschauerschaft beim ‚Deutschen Fernsehpreis‘ und behauptet per permanenter Einblendung, die Verleihung sei live. Und bei RTL verkauft man allen Ernstes den drei Tage vorher aufgezeichneten ‚Deutschen Comedypreis‘ als live.“

2. „‚Österreich‘ -Boxen Fall für MA 48“
(derstandard.at, Harald Fidler)
„Auf Drängen der Konkurrenz sammelte die Stadt Wien nicht korrekt platzierte Entnahmebehälter des Fellnerblatts ein – Binnen Stunden stellte der Verlag Behälter neu auf – Das wiederholten die beiden mehrfach.“

3. „Der Wahrheits-Hacker“
(zeit.de, Tina Klopp, mit Videos)
Ein Artikel zur Website wikileaks.org mit Fragen an einen „der deutschen Akteure“, „Daniel Schmitt“: „Journalisten bedienen sich gerne seines Materials, auch die großen Magazine haben schon zugegriffen. Aber sie ließen sich nicht immer dazu herab, auch die Quelle zu nennen, ärgert sich Schmitt.“

4. „Der letzte kalte Krieger“
(novo-argumente.com, Thomas Deichmann)
Thomas Deichmann, Chefredakteur der Zeitschrift „Novo Argumente“, antwortet auf einen einen Artikel in der FAZ: „Inmitten der morgendlichen F.A.Z.-Lektüre finde ich eine lange Auflistung vermeintlicher Schandtaten während meiner nunmehr bald 20jährigen journalistischen Arbeit: von Verbindungen zu revolutionären Trotzkisten in England über Publikationen in ‚antideutschen‘ Organen, die unter Observation des Verfassungsschutzes stehen bis zu Mitgliedschaften in linken Uni-Klubs, aus denen einst Novo hervorging – und das alles offenbar nur, um mir heute in der Kumpanei mit ‚Klimaskeptikern‘ von der Großindustrie die Taschen zu füllen.“

5. „Abgeordneter bringt Landtagsdebatte mit Twittereintrag zum Abbruch“
(haz.de)
Ein Tweet des Parlamentariers Helge Limburg (Grüne) führt, als er von Christian Dürr (FDP) vorgelesen wird, zum Abbruch der Plenardebatte in Niedersächsischen Landtag.

6. „(Telefon-) Spam der Woche“
(kochsiek.org/blog, Jens)
Jens dokumentiert einen Anruf, der auf seinem Telefonbeantworter hinterlassen wurde.

Rave, Donsbach, Musikantenstadl

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1. „Getestet: BILD App auf dem iPhone / iPod touch“
(pottblog.de, Jens Matheuszik)
Jens hat die „Bild“-iPhone-App getestet und hält sie technisch für „nicht schlecht“ – inhaltlich fehle die Regionalität. Die App sei zwar einfach zu bedienen, allerdings vergesse sie Einstellungen und sei „nicht wirklich stabil, diverse Abstürze zeugen davon“.

2. Interview mit Carsten Rave
(dwdl.de, Kai Blasberg)
Carsten Rave von der Nachrichtenagentur dpa hält die Autorisierung von Zitaten für eine direkte Einflussnahme. Der „Irrsinn“ nehme „einen richtig schönen Verlauf, wenn der Journalist vor oder während des Gesprächs einen Passus zu unterschreiben hat, dass die Zitate schriftlich einzureichen sind. In solch einem Augenblick rutscht Deutschland im Ranking der Pressefreiheit knapp hinter Nordkorea.“

3. Interview mit Wolfgang Donsbach
(detektor.fm, Marcus Engert, Audio, 12:52 Minuten)
Medienwissenschaftler Wolfgang Donsbach glaubt, dass Titel, die vermehrt Boulevard machen, sich ins eigene Fleisch schneiden: „Langfristig machen sie sich ihre eigene Marke kaputt.“

4. „Kreuzer wirft journalistische Standards über Bord“
(felixhuegel.posterous.com, Felix Elias Hügel)
„Radio Blau muss womöglich den Sendebetrieb einstellen – und wir müssen uns noch weitere Sorgen um Leipzigs Medienlandschaft machen: Das Stadtmagazin Kreuzer wirft in seiner Berichterstattung darüber alle journalistischen Prinzipien über Bord und macht mephisto 97.6, das Lokalradio der Universität Leipzig, in einem tendenziösen und stellenweise falschen Artikel zum moralischen Sündenbock für das mögliche Aus von Radio Blau.“

5. „Medienhype um Minarette“
(carta.info, Stephan Russ-Mohl)
Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl hält die breite Diskussion um das Minarett-Verbot für einen Medienhype: „Vor ein paar Jahren ging es den Österreichern ähnlich, als Jörg Haider seine grossen Wahlerfolge erzielte. Damals konnte Putin in Tschetschenien ziemlich ungestört seinen brutalen Krieg führen und ein ganzes Land in Schutt und Asche legen. Die Medien waren vollauf damit beschäftigt, Österreich zu diskreditieren. Heute ist Putin noch immer an der Macht.“ Eine andere Meinung dazu vertritt David Pachali in einer Replik auf den Beitrag.

6. „Stadlzeit 2“
(nomnomnom.de, Herm)
Herm sieht sich die Übertragung der TV-Sendung Musikantenstadl aus der Dreiländerhalle in Passau an und versteht „kein Wort von dem was der Spitzbua da singt. Ich zitiere mal 3 Sätze so wie ich sie verstehe: ‚Wiri binni woudie oüssigemma. Hobsa woin ma bippihände nehma. Göhhhhh bipipipipi gehtsuwtzeh!'“.

Brender, Buhrow, Simpsons

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1. „Wie gaga ist ‚Bild‘ Bremen denn?“
(taz.de, Benno Schirrmeister)
„Eine halbe Seite muss die Bremer Lokalausgabe der Bild für eine Gegendarstellung räumen – in 100-Punkt-Schrift, also 3,5 Zentimeter großen Buchstaben.“

2. „Selbstkontrolle: Der Presserat lebt wieder“
(diepresse.com)
Österreich hat wieder einen Presserat: „Der ‚Verein der Selbstkontrolle der österreichischen Presse‘ soll künftig zwei Senate mit je sechs Journalistenmitgliedern stellen, ein siebentes rechtskundiges Mitglied hat den Vorsitz.“

3. Interview mit Michael Sohn
(zeit.de, Julia Mayer)
AP-Fotograf Michael Sohn: „Inzwischen habe ich das Gefühl, dass auch vermeintliche Paparazzi-Fotos inszeniert sind. Zum Beispiel die Bilder der Politiker, die während der Opelverhandlungen oben am Fenster des Kanzleramts standen. Damit schien man den Eindruck erwecken zu wollen: Wir arbeiten bis tief in die Nacht für euch.“

4. „Aufregung um Brender bleibt wohl ohne Folgen“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath glaubt, dass der Fall Brender mit der Wahl von Peter Frey zum neuen ZDF-Chefredakteur „höchstwahrscheinlich und bedauernswerterweise beendet“ ist. „Im Grunde also ist deshalb bei allen Beteiligten die antrainierte Empörung über die politische Konkurrenz deutlich größer als die Empörung über die Organisationsstruktur des ZDF.“

5. Interview mit Tom Buhrow
(cafeterra.de, Sabrina Gundert)
Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow sagt, was ein Journalist haben muss: „Leidenschaft. Neugier. Liebe zur Sprache. (…) Weiterhin ist Sorgfalt bedeutsam. Es geht nicht darum, irgendwas in den Medien zu sehen, was einen fasziniert, und dann einfach mal was darüber zu schreiben. Gründliche Recherche muss sein.“

6. „Newspaper Headlines from The Simpsons“
(youtube.com, Video, 8:15 Minuten, englisch)
Eine Sammlung von Zeitungsschlagzeilen bei den Simpsons.

Popstars, Mascolo, Climategate

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1. „Popstars Du & Ich – Die Halbfinalentscheidung“
(youtube.com, Video, 6:34 Minuten)
Ab 4:30 Minuten verkünden die zwei Moderatoren von „Popstars“, was zuerst stilles Entsetzen, dann Buh-Rufe auslöst (vgl. „Wie Pro Sieben sein Publikum betrügt“): „Ihr müsst nicht weinen, denn wir haben eine grosse Überraschung für Euch. Heute abend fliegt niemand raus. Auf gar keinen Fall. Das Voting geht weiter.“

2. „Ich kann es nicht mehr hören“
(dondahlmann.de)
Don Dahlmann langweilt „dieses Blogger vs. Journalisten Getue“: „Den Kampf ‚der‘ Blogger gegen ‚die‘ Journalisten hat es nie gegeben. Es war und ist eine Auseinandersetzung über die Wahl des Publikations- und Distributionskanals (‚….aber die Haptik!‘). Und ein Versuch der Verlage, von denen eigenen Schwierigkeiten beim Shift des Geschäftsmodelles abzulenken.“

3. Rede von Georg Mascolo
(netzwerkrecherche.de, Georg Mascolo)
Der „Spiegel“-Chefredakteur hält die Laudatio anlässlich der Verleihung des „Leuchtturms“ an NDR Info und sagt, wie ein Journalist sein muss: „Der Journalist muss neugierig, er muss gründlich und ehrgeizig sein. Er darf die wahre Aufgabe seines Berufes nicht vernachlässigen – und das ist, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wir bekommen unser Geld für unsere Neugierde. (…) Die Fleißigen, die Hartnäckigen, die Unerbittlichen sind es, die den Erfolg unserer Unternehmungen ausmachen.“

4. „Nun reicht es mit der Symbolik“
(blogmedien.de, Horst Müller)
Bettina Röhl spricht bei der Auszeichnung von Nikolaus Brender zum „Journalist des Jahres“ auf debatte.welt.de von einem „Gesinnungspreis“. Horst Müller stellt fest, dass sich Brender dieses Jahr nicht „journalistischen Leistungen“ hervorgetan hat: „Vielmehr sind die Mainzer in den vergangenen Monaten wiederholt mit journalistischen Fehlleistungen und peinlichen Pannen in ihren Informationssendungen aufgefallen.“

5. „Climategate und die Achse des Blöden“
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Heiko Werning)
Heiko Werning beleuchtet, was bei Wikipedia „Hackerzwischenfall am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia“ und kürzer „Climategate“ genannt wird, insbesondere die Rolle der „FAZ“ und der „Welt“-Journalisten Dirk Maxeiner, Michael Miersch und Gideon Böss. Interessant auch die Kommentare, in denen sich der im Text erwähnte Hans von Storch zu Wort meldet.

6. „Schweinegrippe, war da was?“
(weltwoche.ch, Alex Reichmuth)
Alex Reichmuth schreibt zur grassierenden Schweinegrippe: „Für die übersteigerte Alarmstimmung waren vor allem auch die Medien verantwortlich: Mit einer Berichterstattung, deren Umfang jedes vernünftige Mass überstieg, haben Fernsehstationen, Radiosender und Zeitungen in den letzten Monaten jedes Detail zur Schweinegrippe in die Schlagzeilen gehoben.“

Popstars, dpa, Keese

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1. „Wie Pro Sieben sein Publikum betrügt“
(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)
Das Publikum reagiert mit Buh-Rufen, als im Halbfinale der Castingshow „Popstars“ mitgeteilt wird, dass die angesetzte Entscheidung um zwei Tage vertagt wird. „Mit Fairness hatte das, was am Dienstagabend im Halbfinale der diesjährigen ‚Popstars‘-Staffel passiert ist, nun wirklich nichts zu tun. Es war stattdessen ein Moment, in dem ein Sender endgültig offenbarte, wie egal ihm seine Zuschauer sind, die er nur braucht, um auf ihrer Telefonrechnung aufzutauchen.“

2. „DPA fällt auf falsche Pressemeldung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung herein“
(netzpolitik.org, simoncolumbus)
Das „Zentrum für politische Schönheit“ sendet eine Pressemitteilung (PDF), die von der dpa aufgenommen (und bald darauf korrigiert) wird. „Dabei hätte man, wenn schon nicht über die Idee, über die angebliche Aussage des Bundespräsidenten stolpern können. Dass dieser eine Bundesstiftung als ‚Schaustück der Ignoranz‘ bezeichnet, wäre schließlich eine nie dagewesene Deutlichkeit für Horst Köhler.“

3. „Interview mit dem falschen Sprecher der Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung“
(metronaut.de, John F. Nebel)
„Dr. Robert Eckhäuser“ sagt, wer „die Geschichte noch fast geglaubt“ hätte: „Wir wissen von der FAZ, T-Online und Financial Times. Und Kulturzeit von 3sat wollte unseren Stiftungsdirektor selbst dann noch zum Interview bitten, als die dpa längst widerrufen hatte.“

4. „Falsche Pressemitteilung sorgt für Verwirrung“
(handelsblatt.com)
„Dass es sich bei der Mitteilung und der dazugehörigen Internetseite um eine Fälschung handelte, war laut dpa zunächst nicht erkennbar. Auch eine telefonische Rückfrage bei dem angegebenen Kontakt ergab zunächst keine Zweifel an der Authentizität.“

5. „Der geschmeidige Außenminister“
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Ein Porträt von Christoph Keese, der als „Springer-Cheflobbyist“ / „Strategie-Sprachrohr“ / „His Döpfners Voice in Reinkultur“ aufblüht: „Gelernt hatte er das spiegelglatte Formulieren ohne auszurutschen auf der Henri-Nannen-Schule, als dort noch Sprach-Zuchtmeister Wolf Schneider persönlich das Regiment führte.“

6. „Die bedrohte Elite“
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo antwortet dem Kopf von Frank Schirrmacher, der nicht mehr mitkommt: „Gehen wir also in einem digitalen Marsch durch die Institutionen dorthin, wo die Überforderung jeden Tag stattfindet. (…) Erklären wir ihnen, dass der Unterschied zwischen der Veröffentlichung der eigenen Daten und der staatlichen Überwachung der gleiche ist wie der Unterschied zwischen ’sich im Klo einschließen‘ und ‚im Klo eingeschlossen werden‘.“

Doku-Soaps, Predigerton, Chips

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1. „Scripted Reality“
(sueddeutsche.de, Alexander Kissler)
Doku-Soaps in den Nachmittagsprogrammen erlangen ohne Realität eine bessere Quote: „Erst mit diesem Paradigmenwechsel von Laien, die sich selber spielen, zu Laien, die fiktive Figuren in ausgedachten Konflikten darstellen, kam der Quotenerfolg. Authentizität fasziniert offenbar umso mehr, je künstlicher sie ist.“

2. „Die Opfer einer Doku-Soap“
(ndr.de, Tina Schober)
Ein Teilnehmer der Sendung „Frauentausch“ macht klar, was das heisst: „Es wird nichts vom normalen Leben dargestellt. Also, alles, was man macht in diesen Tagen von Drehtagen, von irgendwie morgens 8 bis abends 23, 23.30 Uhr ist mehr oder weniger eine Anweisung. Immer so ein grundsätzliches ‚Ihr könntet doch mal, jetzt könnten wir doch mal dies, könnten wir mal das'“ (Video, 8:16 Minuten).

3. „Aufklärer, Schönredner und Prediger“
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Heribert Seifert fürchtet, dass „dem grobschlächtig-pauschalen Positivkult um das Fremde und die Fremden“ in den deutschen Redaktionen sich „nun eine ebenso grobschlächtig pauschale Ablehnung entgegenstellen“ könnte. „Medien sind mitschuldig daran, mit ihrer Vorliebe für den Predigerton des Leitartiklers, der vor allem Haltung und Gesinnung produziert und sich dabei um die vielfältigen Unterscheidungen in der komplexen sozialen Wirklichkeit nicht schert.“

4. „Qualitätsjournalismus Marke SPIEGEL oder FAZ“
(autotestsonline.de, Klaus Justen)
Auf „Spiegel Online“ findet sich ein Text der Stiftung Warentest. Kenntlich gemacht wird das nicht. Unter dem Text steht nur: „© SPIEGEL ONLINE 2009, Alle Rechte vorbehalten“.

5. „Chips: Bei Anruf Schweigen“
(nzzfolio.ch, Burkhard Strassmann)
„Von einem, der auszog, um mehr über Kartoffelchips zu erfahren, und dabei auf unerwartete Schwierigkeiten stiess.“

6. „Technologiekritikkritik“
(struppig.de/vigilien, Ronnie Vuine)
Eine Antwort auf die Internetkolumne von Kathrin Passig: „Bei uns ist noch nicht heraus, ob wir Deppen sind, fest steht, wir würden’s nicht merken, wenn es so wäre. Und es könnte, zum Beispiel, wirklich sein, daß Powerpoint auf eine ganz bestimmte Art doof macht; auf den Gedanken kann man schon kommen.“

Spiegel, Neven DuMont, Steinmeier

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1. „Spiegel“-Titel
(meedia.de, Georg Altrogge)
Georg Altrogge sieht den neuen „Spiegel“-Titel „Das verlorene Jahrzehnt“ aus dem Magazin „Time“ abgekupfert, das mit „The Decade from Hell“ aufmacht. „Zwar ist die optische Aufmachung grundverschieden, aber es erscheint wenig plausibel, dass man beim deutschen Nachrichtenmagazin Nr. 1 ganz ohne Blick auf die ernüchternde Analyse der US-Kollegen auf das Titelthema kam.“ Ebenfalls in der Kritik stand der „Spiegel“ im Sommer 2008, als der Titel „Macht Das Internet Doof?“ stark an den Titel „Is Google making us stoopid?“ („The Atlantic“) erinnerte.

2. Interview mit Konstantin Neven DuMont
(welt.de, Sören Kittel)
Verleger Konstantin Neven DuMont will etwas tun gegen die „Demokratiemüdigkeit“: „Ich kenne einen 18-jährigen Jungen, der fest in der ‚World of Warcraft‘ festhängt. Ich möchte versuchen, auch solche jungen Leute zurück in die Debatte um die Zukunft des Landes zu ziehen. Ich will gesellschaftspolitische Meinungsbildung fördern. Das sind wir unserem demokratischen System schuldig. Dazu brauchen wir Qualitätsjournalismus.“

3. „Bitte melde Dich!“
(blog.tagesschau.de, Christian Thiels)
Das Blog der „Tagesschau“ thematisiert das Schweigen von SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier zu Afghanistan: „Er ist nicht im Urlaub oder heiser, er schweigt nur. Nicht immer, aber immer, wenn es um eine wesentliche außenpolitische Frage geht, nämlich: Was wird aus Afghanistan, soll Deutschland mehr Truppen schicken und was wusste der frühere Außenminister eigentlich von den Ereignissen in Kundus?“

4. Interview mit Andreas Gross
(weltwoche.ch, Pierre Heumann)
SP-Politiker Andreas Gross kritisiert die „Deutschschweizer Zeitungen“, die im Vorfeld der Minarett-Initiative „leider nur oberflächlich und viel zu weit weg von den Menschen“ berichteten. „Heute glauben viele Medien nicht mehr, sie müssten die Wirklichkeit reflektieren, kritisieren und spiegeln. Sie möchten die Wirklichkeit selber setzen.“

5. „Roboter als Redakteure“
(zeit.de, Tina Klopp)
„Das Netz wählt die Themen, der Rechner liefert Texte, bezahlt wird nach Klicks und Anzeigenumsatz. Manche Medienbetreiber stellen sich so den künftigen Journalismus vor.“

6. „Bildzeitungsartikel und Gegendarstellung“
(freiebildungsaar.blogspot.com)
Eine nachgetragene Gegendarstellung zu einem „Bild“-Artikel mit dem Titel „Studenten verlaufen sich vors Rathaus!“ vom 26. November 2009.

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