Archiv für 6 vor 9

Konjunkturprognosen, Pro Publica, DLF

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Fünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute vs. Oktopus Paul“
(mwinkelmann.de, Matthias Winkelmann)
Matthias Winkelmann analysiert die Trefferquote der von den Medien immer wieder vermeldeten Konjunkturprognosen. Er empfiehlt, die bestehenden Modelle nicht zu verbessern: „Dies wird seit 40 Jahren probiert, ist aber eben aussichtslos. Die Empfehlung lautet: hört einfach auf!“

2. „Textkritikkritik, halbschwul“
(dugehstniemalsallein.de, nolookpass)
Nolookpass verteidigt Alexander Osang gegenüber der Kritik von Philipp Köster: „Osang hat gewiss nicht vergessen, Becker nach Belegen zu fragen, er hat es vermutlich nicht gewollt. Es ging ihm in dem Essay weder um harte Nachrichtenrecherche noch die Frage, was denn nun Privatsache von Nationalspielern sein sollte.“ Philipp Köster antwortet in den Kommentaren.

3. Interview mit Paul Steiger
(focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Paul Steiger sieht keinen Grund, warum spendenfinanzierter Journalismus nicht auch in Deutschland funktionieren sollte: „Die Wirtschaftskrise hat zwar einige Vermögen dezimiert, aber als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, gab es immer noch etliche Milliardäre in Deutschland.“

4. „Die Zukunft des Abos“
(dondahlmann.de)
Don Dahlmann über die konkreten Auswirkungen von „restriktiven Einzelabos“, die Bezahlmauern mit sich bringen: „Ich bekomme als Gegenleistung für meine gezahlten Abo-Gebühren einen Zugang, den ich, so sagen es die meisten AGBs, mit keiner anderen Person teilen darf. Theoretisch nicht mal mit meiner Frau oder meinen Kindern. Natürlich kann ich meiner Familie mein Passwort weitergeben, aber rechtlich gesehen darf ich es nicht, weil ich für die Weitergabe meiner Login-Daten verantwortlich bin. Stellt der Verlag mehrere, gleichzeitige Zugriffe unter meinem Login fest, kann er den Zugang sperren lassen.“

5. „Abwechslung von der Abwechslung“
(woz.ch, Paul L. Walser)
Paul L. Walser lobt den Deutschlandfunk: „Wie kaum ein anderes Medium bleibt er vom überall lauernden Boulevardstil unberührt.“

6. „WELT KOMPAKT checkt den Dresscode im Hause Springer“
(youtube.com, Video, 1:53 Minuten)
„Welt Kompakt“-Mitarbeiter Florian Wichert erzählt, wie er darauf hingewiesen wurde, am Arbeitsplatz keine kurzen Hosen und keine Flip-Flops zu tragen.

Strudeln, Geschwätz, Fehler

6 vor 9

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1. „BILD-Blödsinns-Quadrupel“
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi beschreibt in mehreren Beispielen, wie Bild.de „im Aufmacher schon die Antwort auf die Frage gibt, die im Anreißer dann erst gestellt wird“ und fragt sich, was „Bild“-Mitarbeiter Norbert Körzdörfer meint, wenn er über Mel Gibson schreibt: „Er strudelt.“

2. „Ein Tratsch und seine Geschichte“
(11freunde.de, Philipp Köster)
Philipp Köster kritisiert „Spiegel“-Journalist Alexander Osang, der „unter dem Vorwand, ein spezielles fußballerisches Milieu zu schildern“, Geschwätz veröffentliche. Wer sich schon mehr als einmal mit Michael Becker, dem Berater von Michael Ballack, getroffen habe, wisse „das Gerede über eine homosexuelle Seilschaft in der Nationalelf als das einzuschätzen, was es ist: dahingeredete Kolportage, substanzloser Tratsch.“

3. „Linke Kampagne gegen rechte Zeitungen“
(sueddeutsche.de, Marc Felix Serrao)
Marc Felix Serrao glaubt, dass die Kampagne „Let’s push things forward!“ gegen rechte Zeitungen lediglich „vulgärnationalen Proleten bei der Arbeit an ihrem Unterdrückungsmythos“ helfe. „Denkt man die Utopie der rechts-freien Kioske zu Ende, landet man in einem beklemmenden Szenario: Eine kleine Gruppe, die aber eine große Mehrheit hinter sich weiß, sorgt für ein politisch gesäubertes Medienangebot. Das ist nicht nur grundgesetzfeindlich, das ist letztlich totalitär.“

4. „Das müssen wir klären: Warum immer nur Edzard Ernst?“
(scienceblogs.de/plazeboalarm, Marcus Anhäuser)
Marcus Anhäuser fragt sich, warum zum Thema Homöopathie fast nur der Experte Edzard Ernst befragt wird. „Es ist ist nicht gut, wenn es zu einem Thema immer nur einen einzigen Experten gibt.“ Denn: „Eine Quelle ist keine Quelle.“

5. „Best practices in error reporting and corrections“
(mediabugs.org, Scott Rosenberg and Mark Follman, englisch)
Wie man mit Fehlern umgeht: Mach es den Lesern leicht, einen Fehler mitzuteilen. Betrachte und beantworte alle Fehlermeldungen. Führe Korrekturen offen aus und mach sie zugänglich. Mach Fehlerkorrekturen zur Priorität.

6. „Zugfahrt des Grauens“
(traum-frei.de, Jan)
„Verehrte Fahrgäste, uns ist leider der Lokführer abhanden gekommen. Es wird voraussichtlich ca. 60 Minuten dauern, bis der Ersatz eingetroffen ist.“

IFG, Südafrika, Cloud Computing

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1. „Bürger, nutzt die Informationsfreiheit!“
(carta.info, Marvin Oppong)
Marvin Oppong ruft dazu auf, die durch das Informationsfreiheitsgesetz ermöglichten Rechte zu nutzen: „Je länger das Gesetz in Kraft ist und je mehr Anträge gestellt werden, desto eher wird sich eine Kultur der offenen Informationserteilung einstellen. Doch wie schnell dies der Fall ist, hängt auch davon ab, wie intensiv Bürger und Journalisten von dem neuen Gesetz Gebrauch machen.“

2. „Journalisten sind keine Meinungseunuchen“
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Steffen Seiberts Wechsel vom ZDF zur Bundesregierung kann Gregor Keuschnig nicht empören – das habe lediglich „das Ruhen der journalistischen Aktivitäten zur Folge“. „Journalisten waren und sind keine Meinungseunuchen. Sie sind auch keine Staatsanwälte, die fortlaufend irgendwelche Mißstände aufzudecken haben.“

3. „Dahinter müssen kluge Köpfe stecken“
(sueddeutsche.de, Christian Meier)
Christian Meier prognostiziert dem Journalismus eine Abwanderung von Intelligenz zu „Unternehmensberatungen, Agenturen für Kommunikationsdienstleistungen oder Public Affairs“. „Journalismus braucht Menschen, die es nicht nur auf Karriere und Prestige abgesehen haben. Dennoch ist deutlich spürbar, dass wir uns mitten in einer Fehlentwicklung befinden. Nicht wenige Manager in Medienunternehmen manövrieren sich – aus Sparzwängen, wegen Ignoranz und anderer Gründe – in Sackgassen.“

4. „At the World Cup, Searching for the ‚Real‘ South Africa“
(theatlantic.com, Eve Fairbanks, englisch)
Eve Fairbanks beobachtet Versuche, das „echte“ Südafrika zu finden. „Less than 20 years after the end of the great crime of apartheid, if the reality looks too good, we think we must be blind.“

5. „Ich brauche (fast) keinen Computer mehr“
(blogh.de, Peter Schink)
Peter Schink versteht nicht recht, warum Cloud Computing die „Zukunft“ gehören soll. „Alle Applikationen und Dateien sollen bald und irgendwie nur noch online verfügbar sein. Ich finde, von ZUKUNFT kann keine Rede sein. Ein kleiner Praxisbericht.“

6. „Der Mann mit der Kamera“
(astrid-paprotta.de)
„Vor einem Mietshaus trug sich folgendes zu: auf der anderen Straßenseite stand ein Mann mit einer Kamera. Die richtete er sehr lange auf das Haus. Einige der Mieter zeigten sich beeindruckt.“

Quengeln, Kicker, Popmusikkritik

6 vor 9

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1. „Eine faszinierende neue Aufgabe“
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
„Für einen leidenschaftlichen Journalisten ist das eine ganz unerwartete, faszinierende neue Aufgabe“, sagte der bisherige ZDF-Journalist Steffen Seibert zu seiner Berufung zum Sprecher der Bundesregierung. Roberto J. De Lapuente widerspricht: „Der leidenschaftliche Journalist ist von den Grundsätzlichkeiten seiner Profession weit entfernt. Er ist nicht neutral, nicht kritisch, nicht objektiv – er ist parteiisch, gutgläubig, subjektiv: er ist das personifizierte Verlautbarungsorgan seines Dienstherrn. Er erzählt, was die Regierung von ihn erwartet; er tut kund, was man ihm aufschreibt; er vermittelt Vordiktiertes – das ist nicht journalistisch: das ist propagandistisch!“

2. „Zur Lage des Journalismus“
(carolin-emcke.de)
Carolin Emcke dokumentiert ihre an der Jahrestagung von Netzwerk Recherche gehaltene Rede: „Es braucht einen Journalismus, der es wieder wagt, mit guten Gründen zu misstrauen, denn nur so ist eine Krise des Vertrauens, wie sie im Moment besteht, zu vermeiden, in dem wir rechtzeitig und begründet Zweifel äussern, und indem wir, als Journalisten, uns einer Aufgabe besinnen, die etwas aus der Mode gekommen scheint: Ideologie-Kritik als eine Form der Aufklärung, auf die wir uns ansonsten doch so vollmundig berufen.“

3. „Das Ende der Plattenkritik?“
(fm4.orf.at, Michael Schmid)
Michael Schmid fasst die Debatte über Popmusikkritik mit einer Linkliste zusammen.

4. „Google an den Geldbeutel gehen“
(journalist.de, Timo Rieg)
Timo Rieg bemerkt zum von den Printverlagen propagierten Leistungsschutzrecht, dass Quengeln für manche Artgenossen „eine lebenslange Strategie zur Durchsetzung ihrer Wünsche“ sei. „Es ist nicht ganz frei von Ironie, könnte man meinen, dass ausgerechnet eine Branche nach Erlösbeteiligung an fremden Leistungen ruft, die selbst ganz wesentlich von fremden Leistungen lebt – ohne dafür zu bezahlen.“

5. „Der Advokat“
(tagesspiegel.de, Wolfgang Uhrig)
Wolfgang Uhrig, selbst 16 Jahre lang „kicker“-Chefredakteur, schreibt zum 90. Geburtstag des Sportmagazins.

6. „How facts backfire“
(boston.com/bostonglobe, Joe Keohane, englisch)
Joe Keohane denkt über die Auswirkungen von Fakten nach. „In reality, we often base our opinions on our beliefs, which can have an uneasy relationship with facts. And rather than facts driving beliefs, our beliefs can dictate the facts we chose to accept.“

Watchblogs, Weltregie, Gala

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1. „Wächter über dem Mainstream“
(zeit.de, Stefan Mesch)
„Zeit Online“ verlinkt mehrere Watchblogs. „Watchblogs sind wichtige Gegenstimmen. Doch sie sind auch, immer stärker: attraktive Investitionen.“

2. „Das Glaubwürdigkeitsproblem anonymer Kritik“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert zieht es vor, „auf gleicher Augenhöhe“ zu diskutieren. „Natürlich bedeutet dies nicht, dass ich anonyme Kritik ignoriere. Nur lassen sich dabei Zweifel am Motiv niemals ganz aus dem Weg räumen, im Gegensatz zu einem Kommentar, der mit einer realen Identität verknüpft ist. Nur derartiges Feedback besitzt die Authentizität und den Nachdruck, um bei mir als Autor einen maximalen Effekt zu erreichen.“

3. „Ein Bild vom Spiel“
(fr-online.de, Daniel Haufler)
Woher die Fernsehbilder der Fußball-WM kommen: „Die Weltregie – so nennt sich das wirklich – muss Bilder für über 200 Länder liefern und nimmt daher Rücksicht. Nicht zu viele jubelnde Anhänger der einen oder anderen Seite, keine Prominenten aus diesem oder jenem Land, die man anderswo nicht kennt, nicht zu viel nackte Haut, damit keine strenggläubigen Zuschauer verärgert werden.“

4. „Selbsthilfe oder Propaganda? Über Schleichwege des Pharma-Marketings“
(ondamaris.de, Ulrich Würdemann)
Ulrich Würdemann bemerkt, dass hinter einem Blogger, der über HIV schreibt, eine „Agentur für Unternehmenskommunikation“ steht. „Wird hier das Image eines ‚Blogs eines HIV-Positiven‘ benutzt, instrumentalisiert, um über immer neue Wege direkten Zugang zu Patienten zu bekommen?“

5. „Die Schleichwerbungsoffensive“
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
Ein Kosmetikhersteller wird in der Zeitschrift „Gala“ vielfach genannt. „Nach meinem Verständnis ist die Sachlage klar: Über dem Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Gala (Nummer 28/2010) hätte Anzeige oder Anzeigensonderveröffentlichung stehen müssen.“

6. „NW: It’s Not Right But It’s OK“
(photoshopdisasters.blogspot.com, Cosmo7, englisch)
Das „NW magazine“ zeigt Whitney Houston beim Essen. Während zwei Hände einen Becher halten, hält eine dritte Hand eine Waffel.

Fanartikel-Plunder, Leif, Putzteufel

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1. „Spiel ohne Ball“
(merkur.de, Reinhard Lüke)
Reinhard Lüke resümiert die TV-Berichterstattung zur Fußball-WM und wähnt sich beim ZDF-Morgenmagazin beim Kinderkanal: „Nicht allein, dass das Berliner Studio in schwarz-rot-goldenem Fanartikel-Plunder versinkt und auf der Wetterkarte statt Sonne und Wolken Sonnenbrillen und Regenschirme in den Nationalfarben erscheinen, nein, zum Finale jeder Ausgabe streifen sich Moderatoren wie Patricia Schäfer und Wulf Schmiese, immerhin ausgebildete Journalisten, auch noch Trikots über und stellten sich in eine Vorrichtung mit Stangen, die einem Tischfußballspiel nachempfunden ist, um darin gegen Studiogäste vor den Ball zu treten.“

2. „Erstmals im Halbfinale“
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
Mehrere Quellen schreiben, dass Spanien noch nie ein Halbfinale einer Fußball-WM erreicht habe. „In einem klassischen Halbfinale, nach K.-o.-Schema, standen die Iberer tatsächlich noch nie – aber an einer Runde der letzten vier Mannschaften, und nichts anderes ist ja ein Halbfinale, durfte man schon mal teilnehmen.“ (1950)

3. „Korrekte Bezahlung für die Texte? Ist nicht vorgesehen!“
(offensichtlich.wordpress.com, Daniela Warndorf)
Eine ungenannte Zeitung arbeitet nicht mehr mit einer ungenannten freien Zeitungsjournalistin zusammen, nachdem diese darauf beharrt hatte, dass ein für 180 Euro bestellter und nachträglich gekürzter Auftrag im Umfang von „10.000 Zeichen mit mehreren Fotos“ bezahlt wird.

4. „Italiens Medien streiken“
(derstandard.at)
Keine Zeitungen sollen heute in Italien erscheinen. Der Journalistenverband FNSI protestiert damit gegen geplante Strafen für Medien und Journalisten, die „‚unrechtmäßig‘ Ermittlungsakten oder mitgeschnittene Gespräche veröffentlichen“.

5. Interview mit Thomas Leif
(meedia.de, Christine Lübbers)
Thomas Leif sieht eine wachsende Zahl „seelenloser Verleger“, „die weiter rigide auf Kosten der Qualität sparen, obwohl sie respektable Renditen ausweisen“.

6. „Die Ausputzerin“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Kerstin Greiner)
Petra Weingart, selbständige Unternehmerin in der Ein-Personen-Firma „Käthes Putzteufel“, arbeitet „zwischen 12 und 20 Stunden am Tag, etwa 85 Stunden die Woche“ und verdient damit rund 3000 Euro brutto.

Lakaien, Österreich, Chatter

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1. „Lakaien“
(medienspiegel.ch, Fred David)
Fred David listet ehemalige Chefredakteure Schweizer Zeitungen auf, die ihr Geld inzwischen als Berater oder Mediaconsultant verdienen. „Das ist alles legitim. Aber man muss sich bei Gelegenheit doch immer wieder dieser fleissigen Networker und ihrer Netzwerke erinnern, wenn plötzlich, fast wie aus dem Nichts, Kampagnen durch die Medien rauschen.“

2. „Die kaputte Welt von ‚Österreich'“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr listet auf, was die Zeitung „Österreich“ über das Opfer eines Gewaltverbrechens schreibt.

3. „Ekel für 50 Cent“
(taz.de, Daniela Zinser)
Keinen Gefallen findet Daniela Zinser an der neuen Klatschzeitschrift „Chatter“ aus dem Verlag Hubert Burda Media: „Das neue Starstyleklatschmagazin, das der Burda-Verlag nun jeden Mittwoch auf billigem Zeitungspapier im Tabloid für 50 Cent feilbietet, ist so ziemlich das Unterirdischste, was man am Kiosk bekommt: wenig Text, große Fotos – und inhaltlich nichts als Trash.“

4. „Burdas brutaler 50-Cent-Trick“
(spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Stefan Kuzmany stellt fest, dass „Chatter“ zwar viel zu wissen vorgibt, aber selten eine konkrete Quelle angibt. „Die besten Infos stammen von namenlosen ‚Insidern‘, die zum Beispiel genau beschreiben, was die Mutter von Brad Pitt von der Erziehungsleistung ihrer Schwiegertochter Angelina Jolie hält.“

5. „Akkreditierungen: Neues aus Absurdistan“
(konzertfoto-faq.de, Peter Wafzig)
Der freie Bildjournalist Peter Wafzig berichtet von Einschränkungen in der Konzertfotografie: „Einmal mehr wird klar, dass die Tourneeveranstalter die Presse eigentlich nur instrumentalisieren wollen. An einer freien Berichterstattung ist niemand wirklich interessiert. Da der Gesetzgeber nach wie vor das Hausrecht der Veranstalter höher bewertet als die Pressefreiheit und Konzerte nicht als öffentliche Veranstaltungen betrachtet, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.“

6. „Ich habe immer noch die Namen meiner Kritiker im Gehirn gespeichert“
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein glaubt, dass sich negative Kritiken viel genauer ins Gedächtnis einbrennen als positive: „Ich vergesse alles Positive, aber den Rest merke ich mir.“

DFB, Lokaljournalismus, Back to the Future

6 vor 9

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1. „Sympathisch, aber selbstzensierend“
(zeit.de, Steffen Dobbert)
„Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt“ steht in der Richtlinie 2.4 des Pressekodex. „Zeit Online“ veröffentlicht dennoch nur die Fragen eines Interviews mit Oliver Bierhoff, weil der DFB und Bierhoff selbst „im Nachhinein“ eine Veröffentlichung untersagten. „Das Gespräch mit ihm dauerte nur ein knappe halbe Stunde. Bierhoff hatte sich in Rage geredet. Aber er hatte nichts gesagt, was die Fußballwelt erschüttern würde. Vielleicht wirkte er so authentisch, weil er ehrlich war. Vielleicht dürfen seine Worte deshalb nicht veröffentlicht werden.“

2. „Rechte Regionalzeitungen“
(taz.de, Andreas Speit)
Durch den Abbau von Lokalredaktionen auf dem Land breiten sich von der NPD finanzierte und organisierte Zeitungen aus.

3. „Das Lokale lieben lernen: Eine Lektion“
(benjamin-runge.de)
Der 24-jährige Journalist Benjamin Runge versucht, Fußgänger in Dieburg zu „Spontan-Portraits“ zu bewegen.

4. „Wir brauchen ein neues Medienbewusstsein“
(oeffingerfreidenker.blogspot.com, Stefan Sasse)
Stefan Sasse glaubt, dass die Meinung von „Bild“ vor vierzig Jahren „noch keinem Politiker mehr als ein abwertendes Grunzen wert gewesen“ sei. Doch heute gelte sie „als eines der, wenn nicht das politische Leitmedium in der Hauptstadt, an dessen erregtem Pulsschlag sich der ohnehin derzeit nicht durch besonders überlegte Ruhe auszeichnende Politikbetrieb orientiert“.

5. „Herr Löw greift sich ans Kinn“
(wintermaerchen2010.com, Kai Schächtele)
Ein Besuch im Hauptquartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Erasmia, einem Vorort von Pretoria. „Es würde für den Tross, der nach Südafrika allein wegen des Fußballs gekommen ist, keinen Unterschied machen, ob diese WM in Afrika, auf einer Eisscholle in Alaska oder hinter dem Mond ausgetragen wird.“

6. „Back to the Future fans fooled by Twitter hoax“
(telegraph.co.uk, Murray Wardrop, englisch)
„Thousands of Back to the Future fans mistakenly celebrated July 5, 2010 as a crucial date in the hit film trilogy after a hoax circulated on Twitter.“

Economist, Testflug, DJV

6 vor 9

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1. „On The Economist’s Cover, Only a Part of the Picture“
(mediadecoder.blogs.nytimes.com, englisch)
„The Economist“ zeigt auf der Titelseite ein Foto von Barack Obama vor einer Ölplattform. Zwei Personen, die neben ihm stehen, wurden entfernt. In einer Stellungnahme schreibt die Zeitschrift: „We removed her not to make a political point, but because the presence of an unknown woman would have been puzzling to readers.“

2. „Wo man hinzappt, steht ein Herd“
(sueddeutsche.de, Rupert Sommer)
Kochsendungen im Fernsehen sollen sich im Niedergang befinden. „Die klassischen Tugenden der Sendungen, die Lust zum Mitkochen erwecken sollten, werden in der Flut der lieblosen Plagiate vernachlässigt.“

3. „Ätschi-Bätschi-Reklame oder Horizont-Testflug mit übler Bauchlandung“
(werbeblogger.de, Ralf Schwartz)
Ralf Schwartz fühlt sich von der Werbeabteilung des Magazins „Horizont“ „für dumm verkauft und zum eMail-Click-Vieh degradiert“. Eine per E-Mail angebotene „Einladung zum Horizont-Testflug“ stellte sich als Einladung zum Probeabo heraus.

4. „Online liebt den Boulevard“
(klartext.ch, Bettina Büsser)
Viele Medien setzen online auf Softnews, ergibt eine Dissertation von Medienwissenschaftler Patrick Rademacher: „Wenn man im Internet um jeden Preis die Klicks steigert, wird das Markenprofil verwässert oder gar aufgelöst. Ein einheitlicher Markenauftritt ist jedoch ausschlaggebend, um mittelfristig Erfolg zu haben.“

5. „Sex, Privatsphäre und Politik“
(nzz.ch, ras.)
Schweizer Boulevardmedien berichten derzeit über einen Gemeindeparlamentarier, der über das Internet Gruppensex-Partys organisiert haben soll. Eine Publikation sei „nur dann legitim, wenn sie auf einen Widerspruch zwischen öffentlicher und privater Tätigkeit einer Person aufmerksam machen kann“, stellt ras. fest. Das treffe nicht zu, es liege auch kein Gesetzesverstoss vor.

6. „DJV definiert Mehrheiten ganz neu“
(dondahlmann.de)
Don Dahlmann wundert sich über einen offenen Brief des Journalistenverbands DJV. „Wenn man es nicht traurig wäre, müsste man lachen. Eine Mehrheit ist also in einer Abstimmung unterlegen. Soso. Überlege dem DJV ein Lexikon zu schicken.“

Tangstgefühle, Foxconn, The Local

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1. „Unglaublich: Journalismus a la ‚Bild am Sonntag'“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath beobachtet eine Unterhaltung zwischen Pro7-Sprecher Christoph Körfer und einem Mitarbeiter von „Bild am Sonntag“: „Er wurde von Körfer darauf hingewiesen, dass der Artikel vom vergangenen Wochenende von vorne bis hinten falsch sei. Die Reaktion des Journalisten: ‚Ist mir egal‘. Die Ankündigung des ProSieben-Sprechers, man werde Gegendarstellungen zu dem Bericht verlangen, quittierte der ‚BamS‘-Vertreter mit einem gleichgültigen Achselzucken und lief weiter.“

2. „Der Tod steht ihnen gut“
(cicero.de, Christian Kortmann)
Christian Kortmann beschreibt die Vermeldung von verstorbenen Prominenten in Online-Portalen. „Steht die Eilmeldung vom Tod eines Prominenten auf der Seite eines Nachrichtenportals, stellt in der Regel auch die nächste Website eine Meldung online. Das wiederum beobachtet das erste Portal, sieht sich in seiner Einschätzung der Nachrichtenlage bestätigt und zieht mit einem neuen, ausführlicheren Artikel zum Thema nach.“

3. „Grundformen der Tangst“
(wissenslogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Anatol Stefanowitsch spürt in einem langen, lesenswerten Beitrag einer von den Medien hundertfach verbreiteten Pressemeldung nach, in der es um „Krankheitsbilder“ wie „Textaphrenie, post-textisches Stresssyndrom, ‚Tangst’gefühle (aus Text und Angst) und Koma-Texten“ geht. Dazu: „The Science News Cycle“ (aus den Kommentaren).

4. „Foxconn mutiert zum Skandalhersteller: Kaum Besserung in der Berichterstattung“
(macnotes.de, Richard Joos)
Seit seinem Beitrag vom 28. Mai 2010 kann Richard Joos kaum eine Besserung in der Berichterstattung über den „Skandalhersteller Foxconn“ (Spiegel Online) feststellen. „Der eigentliche Skandal dürfte sein, dass nach wie vor nirgends die Selbstmordquote bei Foxconn in eine Relation gesetzt wird – denn sie liegt unter dem chinesischen Durchschnitt.“

5. „British newspapers plagiarising The Local“
(thelocal.de, Marc Young, englisch)
Marc Young, Managing Director von „The Local Germany“, beschuldigt einen in Berlin für die britischen Tageszeitungen „The Scotsman“, „Daily Telegraph“ und „Daily Mail“ tätigen Korrespondenten des Plagiats. „He has also copied from our colleagues at Spiegel Online, Reuters and AFP in the past.“ Anmerkung, 13:20 Uhr: Der Artikel ist nicht mehr verfügbar, offenbar wurde er inzwischen gelöscht.

6. „Welt des Journalismus (13)“
(zweitens-magazin.de)
„Preisfrage: um welche Personen wird sich dieser Artikel drehen?“

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